Gilbert Randoll Coate und die Irrgärten

Der Irrgarten im Park von Blenheim Palace.    © Copyright Paul Shreeve

Der Irrgarten im Park von Blenheim Palace.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Shreeve

Gilbert Randoll Coate (1909-2005) war schon ein erstaunlicher Mann. Im Zweiten Weltkrieg nahm er an einer umfangreichen militärischen Operation in Norwegen teil, der Operation Archery, die den deutschen Truppen große Verluste bereitete. Dann half er der griechischen Widerstandsbewegung, die Stadt Kalamata zu befreien. Nach dem Krieg ging er in den diplomatischen Dienst Großbritanniens und arbeitete in vielen Ländern der Welt. Doch nicht durch sein abenteuerliches Leben ist Coates bis heute in Erinnerung geblieben, sondern durch sein Arbeit als “Maze Designer“, als Designer von Irrgärten.

Irrgärten sind speziell in England sehr beliebt und so manches Stately Home bietet so eine Anlage für seine Besucher an, die sich dann mehr oder weniger anstrengen müssen, den Weg wieder hinauszufinden. Coate liebte es, diese “mazes” zu entwerfen und seine Spezialität war, Irrgärten in symbolischer Form anzulegen. Er begann damit 1975 in Lechlade (Gloucestershire), wo er einen Hecken-Irrgarten in Form eines menschlichen Fußes entwarf, 57 m lang und 29 m breit und aus 3000 Eiben bestehend.

1979 tat sich Coate mit einem anderen “Maze-Fan” zusammen, Adrian Fisher, und beide gründeten die Firma Minotaur Designs, die in den folgenden Jahren 15 weitere Irrgärten anlegte, darunter:

- das Marlborough Maze auf dem Gelände des Blenheim-Palastes, 90 x 56 m groß.
- das Leeds Castle Maze in Kent, das 48 x 48 m misst
- das Archbishop’s Maze in Greys Court in Oxfordshire, 1981 vom Erzbischof von Canterbury, Dr. Robert Runcie, eröffnet.
- das Alice in Wonderland Maze im Adventure Wonderland in Dorset.
- das Lunar Labyrinth und das Sun Maze im Park von Longleat, dessen exzentrischer Besitzer, der Marquess of Bath, Irrgärten geradezu sammelt, denn dort stehen noch vier weitere.

Das ist nur eine kleine Auswahl aus dem Schaffen von Randoll Coate. Insgesamt über 50 Irrgärten soll er gestaltet haben, darunter auch einige für Privatgärten und einige in anderen Ländern.

1986 stellte Coate die “Seven Golden Rules for Making a Maze” auf, von denen die siebte lautet:
“Do not allow the cost of the maze to cloud your enjoyment of a creation which will bring pleasure to young and old for generations to come. You will have given our world of harsh reality and mindless speed a timeless oasis, a leisurely paradise, the substance of a dream.”

Das Buch zum Artikel:
John Southcliffe Martineau: Mazes and Labyrinths – In Great Britain. Wooden Books 2005. 64 Seiten. ISBN 978-1904263333.

Archbishop's Maze in Grey's Court.    © Copyright Paul Gillett

Archbishop’s Maze in Grey’s Court.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Gillett

Leeds Castle Maze.    © Copyright Nick Smith

Leeds Castle Maze.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nick Smith

Published in: on 11. Mai 2013 at 02:00  Kommentare (4)  
Tags:

Wallace Hartley – Ein Mann, der in seiner Heimatstadt Colne (Lancashire) auch nach über 100 Jahren noch immer verehrt wird

Das Denkmal Hartleys an der Albert Road.   © Copyright Steve Houldsworth

Das Denkmal Hartleys an der Albert Road.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Houldsworth

“Wallace Hartley – Bandmaster of the R.M.S.  Titanic who perished in the foundering of that vessel April 15, 1912 – Erected by voluntary contributions to commemorate the heroism of a native of this town”, so lautet die Inschrift auf einem Denkmal, das die Gemeinde Colne in Lancashire einem Sohn der Stadt gesetzt hat, der vor über hundert Jahren einmal sehr viel Mut gezeigt hat, dessen Name aber außerhalb von Colne nicht sehr bekannt ist.

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain

Wallace Hartley, der am 2. Juni 1878 hier in Lancashire geboren wurde, war der Leiter der Musikkapelle, deren Aufgabe es war, 1912 auf der Jungfernfahrt der Titanic von Southampton nach New York, die Gäste zu unterhalten. Jeder kennt die Geschichte von dem heroischen Verhalten der achtköpfigen Band, die auch nach der Kollision des Schiffs mit einem Eisberg, als die meisten Passagiere bereits von Bord waren, bis zuletzt auf ihrem Posten ausharrten und weiterspielten. Keiner von ihnen überlebte. Bis heute ist unklar geblieben, welches Lied die Kapelle unter der Leitung von Wallace Hartley als letztes spielte. Überlebende der Katastrophe sprachen sowohl von “Nearer, my God, to Thee” als auch von “Song d’Automne“.

Erst nach zwei Wochen fischte man die Leiche Wallace Hartleys aus dem kalten Atlantik. Man brachte ihn am 12. Mai mit dem Schiff “Arabic” nach Liverpool, von wo aus er seine letzte Reise mit einem von Pferden gezogenen Leichenwagen in seinen Heimatort Colne antrat. Am 18. Mai fanden die Trauerfeierlichkeiten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt (man sprach von mehr als 30 000 Teilnehmern) und man beerdigte Hartley auf dem Friedhof der Bethel Independent Methodist Church. Eine Kapelle spielte dazu die Hymne “Nearer, my God, to Thee”, deren Noten und Anfangszeilen, zusammen mit einer Violine, auf Hartleys Grabmal angebracht sind.

Drei Jahre später errichtete man ihm an der Hauptstraße von Colne, der Albert Road, ein Denkmal mit seiner Büste und der anfangs zitierten Inschrift.
In der Church Street gibt es einen Pub namens “The Wallace Hartley“.

Hier ist die Hymne “Nearer, my God, to Thee” in einem Ausschnitt aus dem Film “Titanic”.

Das Buch zum Artikel:
Steve Turner: The Band That Played On – The Extraordinary Story of the 8 Musicians Who Went Down with the Titanic. Thomas Nelson Publishers 2011. 272 Seiten. ISBN 978-1595552198.

The Wallace Hartley Pub in Colne.   © Copyright robert wade

The Wallace Hartley Pub in Colne.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright robert wade

Published in: on 11. April 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

“Slow Train” (1963) – Ein Lied, das den Verlust zahlreicher Eisenbahnlinien in Großbritannien beklagt

Tumby Woodside Sation in Lincolnshire. Einder der in "Slow train" erwähnten Bahnhöfe, der der Beecham Axe zum Opfer fiel-   © Copyright Dave Hitchborne

Tumby Woodside Station in Lincolnshire. Einer der in “Slow train” erwähnten Bahnhöfe, der der Beeching Axe zum Opfer fiel.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dave Hitchborne

Einer der unbeliebtesten Männer der letzten Jahrzehnte in ganz Großbritannien war zweifelsohne Richard Beeching (1913-1985), einst Chef der British Railways und verantwortlich für die 1963 erschienene Schrift “The Reshaping of British Railways“. Darin stellte er einen Modernisierungsplan des Eisenbahnnetzes vor, dem schließlich mehrere tausend Kilometer Schienen, die Schließung von rund 2000 Bahnhöfen und etwa 100 000 Jobs zum Opfer fielen. In seinem Buch “50 people who buggered up Britain” (das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe) charakterisiert Quentin Letts den Mann folgendermaßen: “Just typing that name fills one’s fingertips with rage. Dr. Beeching – later, inevitably, Lord Beeching – was a short-termist dunderhead, a bean-counter to beat all bean-counters, a figures man disinclined to think beyond the end of a balance sheet”.

Duch die sogenannte “Beeching axe” wurden zahllose Orte im ganzen Land vom Eisenbahnnetz abgeschnitten; die Pendler mussten mit dem Auto zur Arbeit fahre, was zunehmende Staus und Luftverschmutzung zur Folge hatte. Auswirkungen, die heute noch zu spüren sind.

Das Gesangsduo Flanders and Swann, bestehend aus Michael Flanders (1922–1975) und Donald Swann (1923–1994), schrieb 1963 ein Lied mit dem Namen “Slow train“, in dem sie auf den Beeching Report Bezug nahmen und darüber lamentieren, dass so viele Eisenbahnlinien stillgelegt werden. Darin heißt es u.a.:
No more will I go to Blandford Forum and Mortiehow,
On the slow train from Midsummer Norton and Mumby Row,
No churns, no porter,
No cat on a seat,
At Chorlton-cum-Hardy and Chester-le-Street
We won’t be meeting again on the slow train.

Einige der genannten Bahnhöfe sind allerdings der Beeching Axe nicht zum Opfer gefallen. Das Lied erschien auf Flanders and Swanns LP “At the drop of another hat“, wurde aber auch von anderen Interpreten ins Repertoire aufgenommen wie z.B. von den King’s Singers und Frank Turner.

Hier ist eine Version von “Slow train”, interpretiert von Wendy Weatherby und Roger Lang.

Das Buch zum Artikel:
Julian Holland: Dr Beeching’s Axe 50 Years On – Memories of Britain’s Lost Railways. David & Charles 2013. 192 Seiten. ISBN 978-1446302675.

Published in: on 3. März 2013 at 02:00  Kommentare (4)  

Woking (Surrey), Herbert George Wells und die Marsianer-Skulptur

Herbert George Wells ist einer der Klassiker der Science Fiction-Literatur und sein Roman “The War of the Worlds” (dt. “Der Krieg der Welten”) gehört zu seinen bekanntesten. 1889 erschien das Buch, das von einer Invasion der Marsbewohner in und bei Woking in Surrey handelt. Wells wohnte viele Jahre in der Stadt in der Maybury Road 143, kannte sich also in der Region gut aus.
Hundert Jahre nach Erscheinen des Romans, der auch mehrfach verfilmt wurde, überlegten die Stadtväter von Woking wie sie ihren berühmten Sohn am besten ehren könnten und man kam auf die Idee, im Stadtzentrum ein Monument zu errichten, das Bezug auf die Invasion der Marsianer nimmt.

Man schrieb einen Wettbewerb aus, der von dem jungen Künstler Michael Condron gewonnen wurde. Sein Vorschlag war die Skulptur eines Marsbewohners, die sich an der Beschreibung aus dem Roman von Wells orientierte. So entstand ein sieben Meter hohes Gebilde aus rostfreiem Stahl, das auf seinen langen Beinen furchterregend durch die Innenstadt von Woking schreitet. Ein paar Meter weiter findet sich das Raumschiff der Marsianer in das Pflaster einbetoniert. Und dann gibt es da noch die Bakterien, die in Wells’ Roman eine so wichtige Rolle spielen, in Steinplatten um die Skulptur herum eingraviert. Eine in den Boden eingelassene Plakette trägt die Aufschrift:

“This sculpture is the artist’s interpretation of a ‘Walking Engine of Glittering Metal’. It celebrates Woking as the birthplace of modern science fiction and marks the centenary of H.G. Wells’ first edition of ‘The War of the Worlds’. In this pioneering novel humanity is saved from an overwhelming martian invasion by earth’s smallest creatures, bacteria. This sculpture was unveiled by the mayor of Woking, Cllr Mrs Irene K. Matthews, April 1998.”

The Martian steht am H. G. Wells Conference and Events Centre am Crown Square.

Wells' Haus in der Melbury Road.I, the copyright holder of this work, hereby release it into the public domain.

Wells’ Haus in der Maybury Road.
The copyright holder of this work releases it into the public domain.

“Love Divine, All Loves Excelling” – Ein besonders bei Hochzeiten beliebtes Kirchenlied

Charles Wesley.Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Charles Wesley.
Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Love Divine, All Loves Excelling” – Lady Mary und Matthew suchten sich in der TV-Serie “Downton Abbey” (Staffel 3, Episode 1) dieses Lied zu ihrer kirchlichen Trauung aus und auch Prince William und Catherine Middleton wollten, dass das Kirchenlied zu ihrer Hochzeit in der Westminster Abbey gespielt werden sollte.

Bei einer Umfrage der BBC im Jahr 2005 nach den beliebtesten Kirchenliedern erreichte “Love Divine, All Loves Excelling” den fünften Platz (Platz 1 war “How Great Thou Art“). Der Text stammt von Charles Wesley (1707-1788), einem der Begründer der methodistischen Bewegung; gesungen wird es heute meistens nach der Melodie von “Blaenwern“, einem christlichen Lied, das der walisische Komponist William Penfro Rowlands 1904/05 schrieb.

Charles Wesley soll über 6000 Gedichte und Gebete verfasst haben, von denen viele vertont wurden; “Love Divine, All Loves Excelling” war zweifellos eines seiner schönsten und erfolgreichsten, das von allen Konfessionen verwendet wird. Hier ist der Text der ersten Strophe mit der deutschen Übersetzung:

1. Love divine, all loves excelling,
joy of heaven to earth come down;
fix in us Thy humble dwelling;
all Thy faithful mercies crown!
Jesus, Thou art all compassion,
pure unbounded love Thou art;
visit us with Thy salvation;
enter every trembling heart.

1. Liebe, komm herab zur Erde!
Die du nicht von dieser Welt,
mach, daß sie die deine werde,
schlage bei uns auf dein Zelt!
Liebe, komm, du heißt Erbarmen,
keine Schranke schränkt dich ein,
darum lass auch bei uns Armen
heute dein Erbarmen sein.

Hier ist das Lied bei der königlichen Hochzeit am 29. April 2011 in der Westminster Abbey zu hören und hier in der Version des Wells Cathedral Choirs, einem der besten Kirchenchöre Englands.

Published in: on 16. Januar 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Bristol – Großbritanniens größtes Street Art Projekt “See No Evil”

   © Copyright Trevor Johnson

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Johnson

Bristol ist wirklich eine hochinteressante Stadt. Nicht nur, dass Bristol einer der umweltbewusstesten Orte im ganzen Königreich und eine der grünsten Städte der Welt ist, durch ein Projekt im Jahr 2011 machte sie dieses Mal in Künstlerkreisen von sich reden, als sie “See No Evil” startete. Was verbirgt sich dahinter?

Die Nelson Street war eine jener langweiligen, architektonisch uninteressanten Straßen, die von öden Bürogebäuden und heruntergekommenen Wohnhäusern gesäumt wurde. Um das zu ändern, kam man auf die Idee, aus der Nelson Street das größte Street Art Projekt im ganzen Land zu machen. Vom 16. bis zum 19. August 2011 gab man die Straße für die besten Outdoor-Maler und Graffiti-Künstler der Welt frei, damit sie hier ihre Wandmalereien ausführen konnten.

Organisiert wurde das Event von Inkie, der aus der Graffiti-Szene der Stadt Bristol stammt. Es kamen Künstler u.a. aus Paris, New York, Los Angeles und Barcelona wie Kashink, Tats Cru, El Mac und Aryz. Aber auch aus Bristol stammende Künstler malten in diesen Tagen in der Nelson Street wie Nick Walker, Andy Council und Sickboy.

Sehr gelungen finde ich das riesige Bild eines Wolfs des spanischen Künstlers Aryz, das fast die ganze Fassade des Drake House einnimmt. Die graue Wand des elfstöckigen St. Lawrence House wurde von Nick Walker umgestaltet und zeigt das Bild eines Bankers, der eine Dose mit roter Farbe auskippt. Gleich daneben an einer Seitenwand schuf El Mac aus Los Angeles ein Mutter-Kind-Gemälde, das wie ein übergroßes Foto aussieht.

Im August 2012 wurde die Aktion “See No Evil” noch einmal wiederholt und neue Gemälde geschaffen, wobei die drei oben erwähnten aber stehen blieben. Es beteiligten sich dieses Mal auch neue Graffiti-Künstler wie der Deutsche CANTWO.

Aus der desolaten Nelson Street ist durch das Projekt jetzt eine farbenfrohe interessante Straße geworden, die Menschen aus aller Welt anlockt.

Dieser Film berichtet über die Aktion.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Morris: See No Evil. Tangent Books 2011. 64 Seiten. ISBN 978-1906477547.

Author: Sean Kisby. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Author: Sean Kisby. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

   © Copyright Neil Owen

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Neil Owen

 

Published in: on 9. Dezember 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Eel Pie Island – Die Wiege der britischen Rockmusik mitten auf der Themse

   © Copyright Nigel Chadwick

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nigel Chadwick

Auf dem gesamten Verlauf der Themse gibt es etwa 190 Inseln, oft als Eyot oder Ait bezeichnet, von denen die meisten sehr klein und unbewohnt sind, aber es gibt auch einige größere, auf denen Häuser stehen, die wegen der dichten Vegetation vom Ufer aus manchmal kaum zu sehen sind.

Eel Pie Island bei Twickenham im Westen Londons dürfte wohl die Insel mit der bewegtesten Vergangenheit sein. Der Name kommt von den Aalpasteten her, die hier einmal vor Jahrhunderten verkauft wurden und deren größter Fan Heinrich VIII gewesen sein soll. In den 1830er Jahren wurde auf der Insel das Eel Pie Hotel errichtet, das sich großer Beliebtheit erfreute und z.B. schon in Charles Dickens’ Roman “Nicholas Nickleby” (1839) erwähnt wird. Ein gewisser Michael Snapper erwarb 1951 das Hotel und machte daraus in den folgenden Jahren eine Vergnügungsstätte ersten Ranges. Zuerst entwickelte sich das Hotel/die Insel zu einem Treffpunkt von Jazzmusikern; im Eelpiland Jazz Club traten Acker Bilk, Lonnie Donegan, Alexis Korner und George Melly regelmäßig auf. Ihnen folgten Anfang der 1960er Jahre die Rockmusiker und viele der weltberühmtesten britischen Sänger und Bands begannen hier ihre Karriere.

Da waren z.B. die Rolling Stones, die hier 1963 eine Zeit lang wöchentlich auftraten. David Bowie spielte 1964 auf Eel Pie Island einen seiner ersten Gigs. Weiterhin waren hier Rod Stewart, Eric Clapton, Jeff Beck, die Yardbirds, The Who, Genesis und Pink Floyd zu hören. Doch je mehr Bands hier auftraten und je mehr Fans auf die Insel kamen, umso mehr Widerstand regte sich beim Establishment, das auf oder neben der Insel wohnte. Diese Leute sahen Eel Pie Island als Brutstätte von Kriminalität, Drogenkonsum und sexuellen Ausschweifungen. Das mittlerweile in die Jahre gekommene Hotel war baufällig und wurde 1967 geschlossen. Im Jahr darauf wurde es zwar wieder in Betrieb genommen, aber die goldenen Jahre waren vorbei und nach und nach nahmen Anarchisten, Hippies und andere etwas zweifelhafte Gruppierungen das Haus in Beschlag, das am 30. März 1971 unter mysteriösen Umständen abbrannte.

Heute wohnen etwa 120 Menschen auf der Insel und dazu kommen noch die Bewohner von etlichen Hausbooten, die dort vor Anker liegen. Einer der bekanntesten Eel Pie Islander ist der Erfinder Trevor Baylis, der einmal durch das von ihm entwickelte “clockwork radio” von sich reden machte: Ein Radio, das ohne Strom auskommt und in Entwicklungsländern eingesetzt wurde.

Wer mehr über Eel Pie Island wissen möchte, dem kann ich folgendes Buch sehr empfehlen:
Dan Van der Vat & Michele Whitby: Eel Pie Island. Frances Lincoln 2009. 112 Seiten. ISBN 978-0711230538.

Hier ist ein Film über die Insel.

   © Copyright pam fray

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright pam fray

Published in: on 7. Dezember 2012 at 02:00  Kommentare (1)  
Tags:

Die Severn View-Tankstelle bei Aust in Gloucestershire und das spurlose Verschwinden eines Rockstars

Severn View Services bei Aust in Gloucestershire. Hierwurde das Auto von Richey Edwards gefunden.   © Copyright John Grayson

Severn View Services bei Aust in Gloucestershire. Hier wurde das Auto von Richey Edwards gefunden.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Grayson

Es kommt immer wieder vor, dass Menschen von heute auf morgen spurlos verschwinden und man nie wieder von ihnen hört. Für die Angehörigen ist das eine außerordentlich schwer zu ertragende Situation.

Der Gitarrist der walisischen Rockband Manic Street Preachers, Richey James Edwards, verschwand am 1. Februar 1995 von der Bildfläche und wurde seitdem nie wieder gesehen. Edwards checkte am Morgen diesen Tages aus dem Londoner Embassy Hotel (heute The London Hyde Park Hotel) in der Bayswater Road aus und fuhr mit seinem Vauxhall Cavalier offenbar in sein Apartment, das er in der walisischen Stadt Cardiff besaß. Es gab zwar in den nächsten Tagen einige Meldungen, dass Edwards in Wales gesehen worden sein soll, aber sicher ist das alles nicht.

Am 14. Februar wird der Vauxhall Cavalier auf dem Parkplatz der Severn View-Tankstelle bei Aust in Gloucestershire abgestellt, eine Anlage, die sich dicht an der Severn Bridge befindet, die England mit Wales verbindet. Edwards scheint einige Zeit in seinem Auto verbracht zu haben, so die Spurenlage der Polizei. Die Tank- und Rastanlage gehört heute zu der “Moto”-Kette und verfügt über eine BP-Tankstelle, einen Burger King und einen Costa Coffee-Shop (“Possibly the windiest service area known to man”).

Warum hat Richey James Edwards sein Auto gerade hier abgestellt? Die Vermutung liegt nahe, dass er sich das Leben genommen hat, indem er von der Severn Bridge gesprungen ist, eine Brücke, die schon häufiger von Selbstmördern benutzt wurde. Die Strömung des Severn ist hier besonders stark und so besteht die Möglichkeit, dass Edwards’ Leiche ins offene Meer abgetrieben wurde.
Die Auswertung der Überwachungskameras der Brücke haben seinerzeit keinerlei Ergebnisse gebracht, was die ganze Sache noch mysteriöser macht.

Ob Edwards selbstmordgefährdet war, ist unklar; die Meinungen aus dem Freundeskreis gehen da auseinander. In den Jahren nach seinem Verschwinden gab es immer wieder Meldungen aus allen Teilen der Welt, wonach man ihn gesehen haben will, so z.B. in Corralejo auf der Kanareninsel Fuerteventura, am Famara-Strand auf Lanzarote oder im indischen Goa. Erst im Jahr 2008 wird Richey James Edwards offiziell für tot erklärt.

Hier ist ein Film über das Verschwinden des Rockstars mit Edwards’ Schwester Rachel.

Das Buch zum Artikel:
Rob Jovanovic: A Version of Reason – In Search of Richey Edwards. Orion 2010. 297 Seiten. ISBN 978-0752883397.

Die Severn Bridge. Sprang Edwards hier in seinen Tod?   © Copyright Barrie Jenkins

Die Severn Bridge. Sprang Edwards hier in seinen Tod?
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Barrie Jenkins

Published in: on 2. Dezember 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Thomas Linley junior – Der englische Mozart und sein frühzeitiger Tod beim Grimsthorpe Castle (Lincolnshire)

Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Um es gleich vorab klarzustellen: Thomas Linley ist nicht verwandt oder verschwägert mit Thomas Lynley, dem Londoner Detective Inspector aus der BBC-TV-Serie (die Schreibweise ihrer Nachnamen unterscheidet sich auch in einem Buchstaben).

Der 1756 in Bath (Somerset) geborene Linley junior war ein außerordentlich begabter Komponist und Violinist und wird gern als der englische Mozart bezeichnet. Er stammte aus einer musikalischen Familie: Sein Vater war Komponist; seine Schwestern Elizabeth Ann, Mary und Maria waren Sängerinnen; Bruder Samuel spielte Oboe, Bruder Ozia Orgel und Bruder William begann als Sänger und komponierte.

Im Alter von 12 Jahren wurde Thomas Linley nach Italien geschickt, wo er in Florenz bei Pietro Nardini studierte. Dort begegnete er auch dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart, der später einmal von Linley sagte, hätte er länger gelebt, so wäre er mit Sicherheit einer der ganz Großen in der Welt der Musik geworden.
Viele von seinen Kompositionen gingen verloren, so z.B. einige bei einem Brand des Londoner Drury Lane Theaters im Jahr 1809. Linley arbeitet mit seinem Schwager zusammen, dem Dramatiker Richard Brinsley Sheridan, und steuerte Musik zu dessen Oper “The Duenna” bei.

Thomas Linley starb viel zu früh im Alter von 22 Jahren am 5. August 1778 bei einem Bootsunfall auf einem See, der zum Grimsthorpe Castle in Lincolnshire gehört. Über den Unfall gibt es unterschiedliche Darstellungen. Es soll ein plötzliches Unwetter aufgekommen und das Boot gekentert sein, in dem er mit zwei Freunden unterwegs war. Bei dem Versuch, an Land zu schwimmen, kam er ums Leben. Als man ihn aus dem See holte, war er bereits 40 Minuten unter Wasser und alle Wiederbelebungsmaßnahmen führten nicht zum Erfolg. Das junge Genie war tot.
Beerdigt wurde er auf dem Friedhof der Kirche St Michael’s and All Angels in Edenham, einem Dorf, das nicht weit von der Unfallstelle entfernt liegt.

Hier ist Linleys “Concerto for violin & orchestra in F major” zu hören.

Grimsthorpe Castle und der See, in dem Thomas Linley ertrank.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Croft

St Michael’s and All Angels in Edenham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright J.Hannan-Briggs

Published in: on 11. November 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

The Streets of London Teil 1: Ralph McTell und sein gleichnamiger Song

The Streets of London.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Thomas Nugent

Zu meinen Lieblingsbüchern in meiner Bibliothek gehört das Monumentalwerk “Dictionnaire Historique des Rues de Paris” von Jacques Hillairet, der darin sämtliche Straßen von Paris (meiner zweiten “großen Liebe” neben England) auflistet und näher beschreibt. Ein großartiges Buch!

Der 1944 in Farnborough in Kent geborene Sänger Ralph McTell zog in den 1960er Jahren quer durch Europa und arbeitete als “busker“, also als Straßensänger, auch sehr gern in Paris. Die Armut vieler Menschen, der er dort begegnete, wollte er in einem Song mit dem Titel “The Streets of Paris” dokumentieren. Da er aber den Parisern nicht zu nahe treten wollte, entschied er sich dafür, seinen Song “The Streets of London” umzubenennen, denn auch in der britischen Hauptstadt gab/gibt es viele obdachlose und arme Menschen.

Eigentlich sollte das Lied Bestandteil von Ralph McTells ersten Album “Eight Frames a Second” sein, aber er empfand es selbst als so düster und deprimierend, dass er davon Abstand nahm. Erst auf seinem nächsten Album “Spiral Staircase“, das 1969 erschien, sollte dann der Song zu finden sein. 1974 veröffentlichte man “The Streets of London” als Single, mit sehr großem Erfolg, auch in Deutschland.

Von dem englischen Sänger hat man in Deutschland seitdem nicht mehr viel gehört,  in seinem Heimatland ist er aber noch sehr aktiv und geht gern auf Tour. Am 4. Oktober beginnt seine neue Tour in Runcorn in Cheshire, die am 8. Dezember in der Londoner Cadogan Hall zu Ende geht.

So how can you tell me you’re lonely,
And say for you that the sun don’t shine?
Let me take you by the hand and lead you through the streets of London
I’ll show you something to make you change your mind

Das ist der Refrain von Ralph McTells “The Streets of London”, das die dunkle Seite der Hauptstadt beschreibt; auch heute noch, nach vielen Jahrzehnten, aktuell.

Ein vergleichbares Lexikon über die Straßen von London wie das oben erwähnte von Paris gibt es leider nicht. Am nähesten kommt da die ebenfalls großartige “The London Encyclopedia“, die aber bei weitem nicht alle Londoner Straßen umfasst.

Hier ist Ralph McTells “The Streets of London” zu hören.

Eine Notiz am Rande: Ralph McTell wurde nach dem britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (s. hierzu meinen Blogeintrag) benannt, bei dem sein Vater als Gärtner arbeitete.

Ilfracombe (Devon) und Damien Hirsts umstrittene Statue Verity

Ilfracombe an der Nordküste Devons.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Matt Rosser

Über moderne Kunst kann man wunderbar streiten und genau das tun die Bürger der kleinen Küstenstadt Ilfracombe im Norden der Grafschaft Devon. Auf einem Parkplatz direkt am Hafen soll nämlich eine Statue des Künstlers Damien Hirst aufgestellt werden, die eine nackte schwangere Frau mit einem Schwert in der Hand zeigt. Wie steht es denn  nun mit der Beziehung der Hochschwangeren zu der verschlafenen Küstenstadt? Bleibt das vielleicht Hirsts Geheimnis?

Die zuständigen Behörden, die jetzt grünes Licht für die Aufstellung Veritys, so der Name der schwangeren Dame, gegeben haben, sind möglicherweise nicht  in erster Linie von dem künstlerischen Wert der Bronzeskulptur überzeugt, sondern rechnen vielleicht mit einer Ankurbelung des Tourismus, denn aufsehenenerregend ist Verity schon. Damien Hirst hat sein Werk mit über 20 Metern Höhe ein kleines Stückchen höher als Anthony Gormleys berühmten Angel of the North angesetzt und man spricht heute schon vom Angel of the West. Böse Zungen in Ilfracombe nennen die Statue dagegen Belly of the South, in Anspielung auf die Problematik der vielen Teenagerschwangerschaften in der Stadt.

Warum gerade Ilfracombe? Ganz einfach, Damien Hirst wohnt auf einem großen Anwesen außerhalb der Stadt, und er möchte dem Seebad etwas Gutes tun, indem er Verity dort für 20 Jahre aufstellt. Oder will er vielleicht seinem Restaurant 11 The Quay, das nur etwa 100 Meter entfernt liegt, neue Besucherströme zuführen?

Ilfracombe hat noch ein Gebäude, das bei seiner Errichtung seinerzeit für Aufsehen sorgte: Das Landmark Theater, das sehr schnell “Madonna’s Bra” bezeichnet wurde, auf Grund der Form der beiden Gebäudeteile.

Werden sich die Bewohner Ilfracombes auch bald an die schwangere Verity gewöhnen? Geplant ist die Aufstellung für Mitte Oktober.

Ich habe Ilfracombe als recht trüben grauen Ort in Erinnerung, aber wirken nicht alle Seebäder bei Regen so? Hätte damals bei meinem Aufenthalt die Sonne geschienen…

11 The Quay – Damien Hirsts Restaurant in Ilfracombe.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger A Smith

Das Landmark Theater in Ilfracombe, auch Madonna’s Bra genannt.
This work has been released into the public domain.

Alma Cogan “The Girl with the Laugh in her Voice” – Eine kleine Erinnerung

Hier an der Kensington High Street fanden Alma Cogans legendäre All-Night Parties statt. Eine blaue Plakette am Wohnhaus erinnert an die Sängerin.
Foto mit freundlicher Genehmigung von The Daily Constitutional – the blog of London Walks®, London’s only multi-award-winning walking tour company www.londonwalkblog.blogspot.com

Ist sie eigentlich schon ganz in Vergessenheit geraten, die schon mit 34 Jahren viel zu früh verstorbene Sängerin Alma Cogan aus London, die auch in Deutschland eine Handvoll Hits hatte?

Ihre erste Single wurde 1952 veröffentlicht auf denen die beiden Songs “To Be Worthy Of You” und “Would You” zu hören waren. Von 1954 bis 1960 gelang es ihr achtzehn Mal, in die britischen Charts zu kommen, wodurch sie in diesem Jahrzehnt zu den beliebtesten und erfolgreichsten Sängerinnen auf der Insel zählte. “Dreamboat”, “Never Do the Tango With an Eskimo”, “I Can’t Tell a Waltz from a Tango” und “Sugartime” waren nur einige ihrer Chartserfolge.

Alma Cogan wohnte in London an der Kensington High Street. 44 Stafford Court lautete die exakte Adresse, wo sie mit Mutter und Schwester ein Apartment besaß. Hier fanden die berühmten “All-Night Parties” statt, die von den Größen des Unterhaltungsgeschäfts besucht wurden: Roger Moore, Cary Grant, Audrey Hepburn, Sammy Davis jr  um nur einige zu nennen. Auch die Beatles waren häufig in Cogans Apartment in Kensington zu Gast und es war hier, dass Paul McCartney erstmals die Melodie zu seinem berühmten “Yesterday” spielte.

Mitte der 1960er Jahre erkrankte Alma Cogan an Krebs. Auf einer Tournee durch Schweden ging es dann nicht mehr weiter. Die Sängerin brach zusammen und wurde ins Londoner Middlesex Krankenhaus gebracht, wo sie schließlich am 26. Oktober 1966 starb. Ihr Grab findet sich auf dem Jüdischen Friedhof von Bushey in der Grafschaft Hertfordshire.

Hier sind zur Erinnerung:
- das wohl bekannteste Lied von Alma Cogan in deutscher Sprache: “So fängt es immer an
- “Hello Young Lovers
- “Start of the Blues

Das Buch zum Artikel:
Sandra Caron: Alma Cogan – A Memoir. Bloomsbury Publishing 1991. 192 Seiten. ISBN 978-0747509844. (Sandra Caron ist Almas jüngere Schwester)

Gustav Holst und sein Birthplace Museum in Cheltenham (Gloucestershire)

Das Holst Birthplace Museum in Cheltenham. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling

Cheltenham ist ein angenehmer Kurort in der Grafschaft Gloucestershire am Rande der Cotswolds, in dem man sehr schön promenieren kann. Bekannt wurde die Stadt auch durch die hier stattfindenden Pferderennen.

Am 21. September 1874 wurde hier der englische Komponist mit dem deutsch klingenden Namen Gustav Holst geboren. Seine Vorfahren stammten aber nicht aus Deutschland, sondern waren lettisch-schwedischer Herkunft. Holst, der mit einem anderen Komponisten, den ich hier schon einmal vorstellte, Ralph Vaughan Williams, befreundet war, wurde international hauptsächlich durch seine Orcherstersuite “The Planets” bekannt. Das erstmals am 29. September 1918 in der Londoner Queen’s Hall aufgeführte Werk widmet sich jedem der Planeten (außer der Erde), wobei die Teile z.B. “Mercury, the Winged Messenger” oder “Venus, the Bringer of Peace” heißen.

In Holsts Geburtshaus errichtete man ihm zu Ehren 1975 ein Museum (es gibt nur noch ein weiteres als Museum eingerichtetes Geburtshaus eines Komponisten, das von Edward Elgar, das ich an dieser Stelle schon vorstellte), in dem man z.B. das Klavier sehen kann, auf dem “The Planets” komponiert wurden.

Im Schlafzimmer im ersten Stock steht das Bett, in dem der künftige Komponist, wie man vermutet, geboren wurde.  Weiterhin sind die Küche, das Wohnzimmer und die Bedienstetenzimmer zu besichtigen. Man findet hier nicht nur Memorabilien an Gustav Holst, das Museum zeigt auch wie man in den 1870 und 1880er Jahren in dieser Region Englands lebte.

Im Holst Birthplace Museum finden regelmäßig Ausstellungen statt, so beginnt die nächste am 3. Juli und sie wird den Titel “Gustav Holst: An Englishman Abroad – How Foreign Cultures Influenced The Composer” tragen.

Das Museum ist dienstags bis samstags geöffnet; der Eintritt kostet £4.50.

Am 4. April 2008 wurde in den Imperial Gardens eine Statue von Gustav Holst eingeweiht, hier im Film zu sehen.

Hier ist ein Ausschnitt aus The Planets’ “Jupiter, the Bringer of Jollity” zu hören.

Holst Birthplace Museum
4 Clarence Road
Pittville, Cheltenham
Glos, GL52 2AY
Tel. 01242 524846

Das Buch zum Artikel:
Imogen Holst: Gustav Holst – A Biography. Faber and Faber 2008. 242 Seiten. ISBN 978-0571241996.
(Imogen war die Tochter Gustav Holsts).

Die Statue Gustav Holsts in den Imperial Gardens in Cheltenham. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling


Sir Alec Guinness – Sein Grab liegt auf einem Friedhof in Petersfield (Hampshire)

Kettlebrook Meadows, das Haus, in dem Alec Guinness bis zu seinem Tod lebte. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Basher Eyre

Wenn ich den Namen Alec Guinness höre, muss ich unwillkürlich an seine Rolle als Earl of Dorincourt in der Verfilmung von Frances Hodgson Burnetts Roman “Little Lord Fauntleroy” (dt. “Der kleine Lord”) denken. Der 1914 in London geborene Guinness gehörte zu den großen englischen Schauspielern des 20. Jahrhunderts und er bleibt unvergesslich mit seinen Filmen “The Bridge on the River Kwai” (dt. “Die Brücke am Kwai”), “Kind Hearts and Coronets” (dt. “Adel verpflichtet”) oder “The Ladykillers” (dt. “Ladykillers”).

Sir Alec Guinness führte ein zurückgezogenes Privatleben.1938 heiratete er die Schauspielerin Merula Sylvia Salaman und sie blieben bis zu ihrem Tod ein Paar. Beide wohnten seit den 1950er Jahren in ihrem Haus Kettlebrook Meadows in Steep Marsh, einem kleinen Dorf nördlich von Petersfield in Hampshire. Guinness starb am 5. August 2000 an Leberkrebs und zwar im King Edward VII Hospital in Midhurst (West Sussex), einem Krankenhaus, in dem schon der Schauspielerkollege Boris Karloff 31 Jahre früher verstarb.
Nur zwei Monate später starb auch Alec Guinness’ Ehefrau, die ebenfalls an Krebs erkrankt war und wie ihr Mann auch 86 Jahre alt wurde.

Die Trauerfeier, die im kleinen Kreis abgehalten wurde, fand in der St  Laurence Roman Catholic Church in Petersfield statt; dort auf dem Friedhof der Kirche, keine drei Kilometer von Kettlebrook Meadows entfernt, fanden Sir Alec und seine Frau Merula auch ihre letzte Ruhestätte (hier ein Foto von seinem Grabstein).

Hier ist ein Tribut an Alec Guinness und seine Filme.

Das Buch zum Artikel:
Piers Paul Read: Alec Guinness – The Authorized Biography. Pocket Books 2004. 640 Seiten. ISBN 978-0743416146.

St Laurence Roman Catholic Church in Petersfield. Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Michael FORD

Das King Edward VII Hospital in Midhurst, in dem Alec Guinness starb.Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Shazz and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 28. Juni 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Thame (Oxfordshire) – Auch im Tod bleibt Robin Gibb seiner Stadt verbunden

Robin Gibbs Haus The Prebendal in Thame. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels

Ich berichtete kürzlich an dieser Stelle über meinen Besuch in der Stadt Thame in Oxfordshire im Rahmen meiner Reihe “Auf den Spuren von Inspectoe Barnaby”, der hier häufig anzutreffen war.
Am letzten Freitag, dem 8. Juni, wurde Robin Gibb, Sänger der Bee Gees, in seiner Heimatstadt, in der er viele Jahre lebte, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Der Trauerzug bestand aus einer von vier Pferden gezogenen weißen Kutsche, auf der der Sarg Robin Gibbs lag. Am Ende des Sargs befand sich die Flagge der Isle of Man, wo der Sänger am 22. Dezember 1949 geboren wurde.

Weit hatte es der Trauerzug nicht, denn Robin Gibb wohnte gegenüber der St Mary’s Church, wo er beigesetzt wurde. Bei der Trauerfeier in der Kirche las Robins Frau Dwina ein von ihr verfasstes Gedicht vor, das sie “My Songbird Has Flown” nannte. Etwa 200 Gäste wohnten der Feier bei, darunter fanden sich auch Uri Geller, Mark Knopfler und Sir Tim Rice. Die Sargträger waren Robins Söhne RJ und Spencer, sowie Stevie Gibb, Barrys Sohn und Steven Murphy, Dwinas Sohn.

Als der Sarg aus der Kirche zum Grab getragen wurde, standen Kadetten des 594. Squadron der Royal Air Force aus Thame Spalier. Robin Gibb hatte vor zwei Jahren ihr neues Hauptquartier in der Windmill Road eröffnet.
Hier ist ein Film über den Trauerzug und die Beisetzung von SkyNews.

Die Bevölkerung Thames trauerte um ihren verstorbenen und verehrten Mitbürger. “Ciao Robin” stand auf einem Banner im Fenster des italienischen Restaurants Mia Capri in der High Street.

Robin Gibb wohnte in dem alten The Prebendal House, das er selbst in diesem Film detailliert vorstellt. “Elizabeth I was here,” sagte Robin Gibb einmal. “So was Henry VIII. George III had some exiles from the French Revolution stay here, about 50 of them”.

Hören wir hier noch einmal Robin Gibb mit “Juliet“.

St Mary’s Church in Thame, hier fand Robin Gibb seine letzte Ruhestätte. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger Davies

The Singing Ringing Tree bei Burnley (Lancashire) – Eine Klangskulptur in den Pennines


Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Kevin Rushton

Oberhalb der 90 000 Einwohner Stadt Burnley in Lancashire auf dem Crown Point in den Pennines steht ein eigenartiges Kunstwerk, das von den beiden Architekten Mike Tonkin und Anna Liu entworfen und am 14. Dezember 2006 an diesem Ort aufgestellt wurde. The Singing Ringing Tree ist eine  drei Meter hohe Klangskulptur, die aus Röhren aus galvanisiertem Stahl besteht. Der in den Pennines oft stark wehende Wind verfängt sich in den Röhren, wodurch choralartige Klangmuster entstehen.
Ob diese Form von Musik wohl den Schafen gefällt, die um den musikalischen Stahlbaum herum grasen? Ich finde, dies ist ein geniales Kunstwerk in einer beeindruckenden Landschaft, das auch sehr gut aussieht.

The Singing Ringing Tree gewann 2007 den National Award of the Royal Institute of British Architects und gehört zu dem Projekt der Panopticons, das sind insgesamt vier Skulpturen im Osten Lancashires, jeweils so hoch aufgestellt, dass man von dort einen großartigen Blick hat. Die Kunstwerke sollen auf die landschaftlichen Schönheiten der Region aufmerksam machen.

Die anderen drei Panopticons sind:
Colourfields in Blackburns Corporation Park
Atom bei Wycoller mit grandiosem Blick auf die Pendle Hills
Halo auf dem aufgefüllten ehemaligen Tagebau Top ‘o Slate.

Dieser Film zeigt The Singing Ringing Tree in voller Aktion.

Published in: on 18. Mai 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Cotchford Farm bei Hartfield (East Sussex) – Winnie the Pooh und ein Ex-Rolling Stones-Mitglied

Das idyllische (manchmal überlaufene) Hartfield in East Sussex. – © Copyright Nigel Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Als wir von unserem Ashdown Park Hotel (s. hierzu meinen Blogeintrag) nach Tunbridge Wells fuhren, kamen wir auch durch das Bilderbuchdorf Hartfield in East Sussex. Südlich von Hartfield geht von der Chuck Hatch Road die Cotchford Lane ab und daran liegt die Cotchford Farm (hier ein Foto der Farm), die in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder in den Medien erwähnt wurde; aus zwei Gründen.

1925 wurde die Farm von dem Schriftsteller Alan Alexander Milne erworben, der einen der großen Kinderbuchklassiker schrieb “Winnie-the-Pooh“, zu Deutsch “Pu der Bär”.  Milne schrieb die Geschichten für seinen  Sohn Christopher Robin Milne, dessen Stofftiere als Vorbilder für die Figuren des Buches dienten und der auf der Cotchford Farm aufwuchs. Das Buch war außerordentlich erfolgreich, wurde in viele Sprachen übersetzt und viele Male verfilmt. Mitten in Hartfield steht der hübsche kleine Laden Pooh Corner, in dem man alles kaufen kann, was in irgendeiner Form mit Pu, dem Bären zu tun hat.
A.A. Milne starb hier am 31. Januar 1956 und vieles sieht auf der Farm noch so aus wie in den Tagen, als die Milnes hier noch lebten.

Diese Farm wurde dann1968 von Rolling Stones-Mitglied Brian Jones für £35.000 gekauft und am 3. Juli 1969 geriet die Farm in die Schlagzeilen der Weltpresse, denn an dem Tag wurde Brian Jones in seinem Swimming Pool tot aufgefunden. Nach einer gerichtsmedizinischen Untersuchung soll er unter Alkohol und Drogen gestanden haben, während er schwamm und dann ertrank. Bis heute halten sich Gerüchte, dass der Rolling Stone ermordet wurde, was mehrere Autoren in ihren Büchern zu beweisen versuchten.
Hier ist das letzte bekannte Foto von Brain Jones, aufgenommen auf der Cotchford Farm.

Stephen Wooley produzierte im Jahr 2005 auf der Grundlage dieser Bücher den Film “Stoned“, der das Leben von Brian Jones auf der Cotchford Farm bis zu seinem Tod zeigt. Vielleicht wird auch dieser Fall niemals aufgeklärt werden, der nunmehr schon fast 43 Jahre zurückliegt.
Hier ist eine Episode aus Crimewatch, die den Tod von Brian Jones untersucht.

Zurzeit steht die Cotchford Farm zum Verkauf. Der Preis: £2 Millionen.

Cotchford Farm
Cotchford Lane
Hartfield, East Sussex TN7 4, UK
Natürlich ist die Farm in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden!!

Das Buch zum Artikel:
Laura Jackson: Brian Jones – The untold life and mysterious death of a rock legend. Piatkus 2009. 304 Seiten. ISBN 978-0749941536.

Pooh Corner in Hartfield. – © Copyright Ian Paterson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.


Wallsworth Hall (Gloucestershire) – Kunstgalerie, die sich dem Thema Natur in der Kunst widmet

© Copyright Mike White and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein paar Kilometer nördlich von Gloucester an der A38 liegt Wallsworth Hall, ein Haus mit einer bewegten Geschichte. Etwa 1740 wurde es erbaut, wechselte mehrfach den Besitzer, diente eine Zeit lang als Trainingszentrum für Krankenschwestern, stand dann lange leer und wurde schließlich 1987 vom Nature in Art Trust gekauft, in dessen Händen Wallsworth Hall bis heute liegt.

Die Nature in Art Museum & Art Gallery wurde 1988 eröffnet und bezeichnet sich selbst als “the world’s first museum and art gallery dedicated to fine, decorative and applied art inspired by nature”.

Kunst mit Bezug zur Natur ist also das Thema der Galerie und hier werden Werke von bedeutenden Künstlern wie Pablo Picasso oder René Lalique ausgestellt, aber auch Objekte weniger bekannter Maler und Bildhauer sind hier anzutreffen.
Zahlreiche Sonderausstellungen finden in Wallsworth Hall statt wie zurzeit “Capturing the extraordinary“, Fotos aus dem Weltall, vom Hubble Space Telescope aufgenommen. Zeitgleich läuft die Ausstellung “Animal fantasies“, in der Tiere aus dem Reich der Fantasie gezeigt werden.

Hier haben wir es mit einem einzigartigen Museum bzw. mit einer sehenswerten Kunstgalerie zu tun, wo mit Sicherheit jeder etwa Ansprechendes finden wird.

Wallsworth Hall hat dienstags bis sonntags jeweils von 10 – 17 Uhr geöffnet und kostet £5.25 Eintritt.

Wallsworth Hall
Twigworth
Gloucester GL2 9PA
01452 731422

Zufahrt zur Wallsworth Hall. – © Copyright John Grayson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 12. Mai 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Bramshott in Hampshire und Boris Karloff – Ein Dorf, ein Schauspieler und viele Geister

St Mary’s in Bramshott, Boris Karloffs Lieblingskirche. – © Copyright Trish Steel and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was Pluckley für Kent ist, ist Bramshott für Hampshire – Beides Dörfer, die sich der meisten Geistererscheinungen in ihren jeweiligen Grafschaften brüsten.
Allein 17 verschiedene Geister sollen in Bramshott schon gesichtet worden sein; ob das wohl ein Grund für den englischen Schauspieler Boris Karloff, der vor allem als Darsteller in Horrorfilmen bekannt geworden ist, war, hierherzuziehen?

William Henry Pratt hieß er eigentlich,  benannte sich aber in Boris Karloff um,  und er blieb bis heute mit der Figur des Frankenstein verbunden, die er mehrfach verkörperte.

Das Cottage “Roundabout” (das über eine Gartenmauer in Sargform verfügte) in Bramshott im Osten der Grafschaft Hampshire war sein letztes Domizil, bevor er am 2. Februar 1969 im King Edward VII Krankenhaus in Midhurst (West Sussex) im Alter von 81 Jahren starb.
Karloff lebte dort zusammen mit seiner Frau Evelyn, die ihren Mann um 24 Jahre überlebte und 1993 in ihrem Cottage “Roundabout” starb.

Beide Karloffs waren sehr mit der Dorfkirche St Mary’s verbunden, die nicht weit von ihrem Wohnhaus entfernt steht, und so spendete Evelyn in Erinnerung an ihren Mann sehr viel Geld, um die Glocken der Kirche neu aufhängen zu lassen. In der Kirche ist auch eine Plakette zu Ehren Boris Karloffs angebracht worden.
Der Schauspieler ist übrigens nicht auf dem Kirchhof vom St Mary’s begraben. Er wurde im Krematorium von Guildford eingeäschert und hat dort im Garden of Remembrance seine letzte Ruhestätte gefunden. In der Londoner St Paul’s Church, die Schauspielerkirche, über die ich in meinem Blog schon berichtete, ließ Evelyn Karloff ebenfalls eine Plakette zu seinen Ehren anbringen.

Was tut nun ein ehemaliger Darsteller in Horrorfilmen nach seinem Ableben? Er kommt wieder, und so soll Boris Karloff mehrmals in Bramshott gesichtet worden sein wie er dort auf den Wegen in der Umgebung des Ortes entlangwanderte.

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film “Frankenstein” mit Boris Karloff in der Titelrolle.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Jacobs: Boris Karloff -  More Than a Monster. Tomahawk Press 2010. 568 Seiten. ISBN 978-0955767043.

Tunbridge Lane in Bramshott. – © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Maggi Hamblings “A Conversation With Oscar Wilde” – Eine Skulptur des Schriftstellers mitten in London

Author: Tagishsimon. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Hinter der Londoner Kirche St. Martin-in-the-Fields und gegenüber dem Charing Cross Bahnhof befindet sich seit 1998 in der Adelaide Street eine Skulptur, die an den großen Schriftsteller Oscar Wilde erinnert. Maggi Hambling hat “A Conversation With Oscar Wilde“, wie das Kunstwerk heißt, geschaffen; eine 1945 in Sudbury (Suffolk) geborene Künstlerin, deren Werke nicht ganz unumstritten sind. So sorgte die Skulptur “Scallop“, die sie am Strand von Aldeburgh in Suffolk aufstellte, bei einigen der Bewohner des Ortes für Aufregung, die das Kunstwerk als Beleidigung für die Augen bezeichneten.

Doch zurück zu dem aus Bronze und Granit gefertigten Oscar Wilde. Kopf und Arme scheinen aus einem Sarg herauszuragen, in der einen Hand hält er eine Zigarette und das Monument soll einladen, sich zu ihm zu setzen und inmitten der hektischen Umgebung, nicht weit vom Trafalgar Square, einige Minuten lang eine stille Konversation mit dem Schriftsteller zu halten.

In den 1980er und frühen 1990er Jahren waren die Anhänger Oscar Wildes der Meinung, dass es höchste Zeit wäre, ihm in der Stadt, in der er so lange Zeit verbracht hat, ein Denkmal zu setzen. Ein Kommitee wurde eingesetzt, das 12 Künstler aufforderte, Vorschläge für solch ein Monument einzureichen;  der überzeugendste Entwurf kam von Maggi Hambling. Viele Londoner und mehrere Organisationen spendeten kleinere und größere Summen, bis schließlich das Geld zusammenkam, um die Skulptur zu finanzieren.

Hoffen wir, dass die Einladung zu einer Unterhaltung mit O.W. auch weiterhin angenommen wird, und dass die Vandalen der Hauptstadt einen großen Bogen um das Monument machen.
Übrigens steht auch am Gefängnis von Reading eine Oscar Wilde-Skulptur (s. hierzu meinen Blogeintrag)

Hier ist ein Film über Maggi Hambling zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Maggi Hambling: The Works. Unicorn Press 2006. 240 Seiten. ISBN 978-0906290842.

Published in: on 2. Februar 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Neu auf dem britischen Buchmarkt – Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers

Britische Komponisten sind, mit wenigen Ausnahmen, fast nur im eigenen Land bekannt: der “Rest Europas” kennt Benjamin Britten, Gustav Holst und vielleicht noch Edward Elgar, aber das war’s wohl auch.

Wer sich näher mit britischer klassischer Musik beschäftigen möchte, dem kann ich ein kürzlich erschienenes Buch empfehlen, das den Einfluss der britischen Landschaft auf  Kompositionen untersucht.
Em Marshall ist Vorsitzende der Ralph Vaughan Williams Society und häufig in Klassiksendern zu hören. In ihrem Buch “Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers” behauptet sie, dass die meisten britischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Landschaft, in der sie aufwuchsen bzw. wohnten, inspiriert wurden, so beispielsweise Edward Elgar von den Malvern Hills und Benjamin Britten von der Küste Suffolks.

Doch Em Marshall nimmt sich auch weniger bekannter Komponisten an und so erfahren wir von Arnold Bax, der von Tintagel an der Nordküste Cornwalls seine Inspirationen zog, Ivor Gurney von der Landschaft South Gloucestershires und John Ireland vom Maiden Castle in Dorset und von der Insel Guernsey.
Ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch!

Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers. Roberrt Hale 2011. 272 Seiten. ISBN 978-0709084686.

Published in: on 19. Januar 2012 at 02:00  Kommentare (1)  

Das Elgar Birthplace Museum in Lower Broadheath (Worcestershire) – Hier wurde ein großer Komponist geboren

Elgars Geburtshaus in Lower Broadheath (Worcestershire). - © Copyright David Stowell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Edward Elgar ist sicher einer der größten englischen Komponisten, dessen Werke auch heute noch gespielt werden. Was wäre die Last Night of the Proms ohne sein “Land of Hope and Glory“? Am 2. Juni 1857 wurde Elgar in Lower Broadheath in Worcestershire geboren (etwa 5 km von der Stadt Worcester entfernt) und dieses Haus beherbergt heute das Elgar Birthplace Museum. Hier wurden im Lauf der Jahrzehnte zahllose Dokumente über Elgars Leben zusammengetragen und wer über das Leben des Komponisten forschen will, wird hier sicher fündig. Elgar äußerte kurz vor seinem Tod am 23. Februar 1934 den Wunsch, falls man irgendetwas zu seiner Erinnerung unternehmen sollte, sein Geburtshaus in Lower Broadheath ihm am meisten zusagen würde.

Neben dem Geburtshaus wurde im August 2000 ein Besucherzentrum eröffnet, in dem man sich über Elgars Leben und Wirken informieren kann. Auch der Cottagegarten ist sehenswert; er wurde nach einem zeitgenössischen Bild neu angelegt.

Im Museum finden zahlreiche Veranstaltungen statt wie Ausstellungen und Konzerte; z.B. das jährliche Birthday Concert, anlässlich Elgars Geburtstag am 2. Juni.
Der Elgar Shop hält ein sehr großes Angebot für den Besucher bereit: Bücher, CDs, DVDs, Noten und jede Menge Souvenirs. Kaufen kann man hier z.B. auch einen Krimi, in dessen Mittelpunkt Edward Elgar steht: Simon Boswells “The Elgar Enigmas – A Musical Mystery“.
Das Museum ist täglich von 11 – 17 Uhr geöffnet.

Hier ist Elgars wohl berühmtestes Werk “Land of Hope and Glory”, gespielt auf der Last Night of the Proms 2006.

The Elgar Birthplace Museum
Crown East Lane,
Lower Broadheath,
Worcester WR2 6RH.
Tel: 01905 333224

Das Buch zum Artikel:
Nicholas Kenyon: Elgar – An Anniversary Portrait. Continuum 2008. 210 Seiten. ISBN 978-1847065339.

Edward Elgar. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

Published in: on 11. Januar 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Der vierte Sockel am Trafalgar Square – Begehrt bei zeitgenössischen Künstlern

Yinka Shonibares Buddelschiff auf dem vierten Sockel des Trafalgar Squares. - © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Der Trafalgar Square in London ist sicher einer der bekanntesten Plätze Großbritanniens; die Nelson-Säule und die Löwen, die Horatio Nelson zu Füßen liegen, gehören zum Programm jedes London-Touristen. Der Platz wird von vier Sockeln eingerahmt, von denen drei besetzt sind, mit den beiden Generälen Charles James Napier und Henry Havelock und dem Reiterstandbild Georgs IV.
Der vierte Sockel ist leer, d.h. er war viele Jahre verwaist. William IV sollte dort ursprünglich mit einem Standbild geehrt werden, aber man hatte schlichtweg kein Geld dafür und so blieb der Sockel leer. Bis man auf die Idee kam, ihn für künstlerische Zwecke zu verwenden und diese Idee war von Erfolg gekrönt. 1999 wurde das “Fourth Plinth Project” ins Leben gerufen und jeweils für ein Jahr konnten drei Künstler dort ihre Skulpturen aufstellen.

2005 ging es dann weiter mit der Skulptur Marc Quinns “Alison Lapper Pregnant”, die die hochschwangere nackte Künstlerin Alison Lapper zeigte, die ohne Arme und mit verkürzten Beinen auf die Welt kam.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Anthony Gormleys Projekt “One and Other” im Jahr 2009. 100 Tage lang konnten sich Menschen nonstop für jeweils eine Stunde auf den Sockel stellen und dort tun, was immer sie wollten.

Der nigerianisch-britische Künstler Yinka Shonibare war als nächster dran, und er hatte die Idee ein großes Buddelschiff auf den Sockel zu stellen. Der Titel: Nelson’s Ship in a Bottle.

In diesem Jahr wurde entschieden, wer 2012 und 2013 die Ehre haben wird, den vierten Sockel als Ausstellungsfläche zu benutzen. Das dänisch-norwegische Künstlerpaar Michael Elmgreen und Ingar Dragset wird 2012 ihre Bronzeskulptur “Powerless Structures, Fig.101” hier auf dem Trafalgar Square zeigen: Ein Junge auf einem Schaukelpferd.

Die Düsseldorferin Katharina Fritsch schließlich darf 2013 ihren ultramarin-blauen Riesenhahn auf dem vierten Sockel zur Schau stellen.

Londons Bürgermeister Boris Johnson: All of the shortlisted artists show what an extraordinary crucible the Fourth Plinth is for contemporary art. It continues to spark the imagination and there has been a tremendous response from the public. As we head towards 2012 – a pivotal year for culture as well as sport – these witty and enigmatic creations underline London’s position as one of the most exciting cities for art and are sure to keep people talking.”

Wie sich manche Teilnehmer an dem Projekt “One and Other” von Anthony Gormley präsentierten, zeigt dieser Film.
Und hier ein Film über meinen Favoriten: Yinka Shonibares “Nelson’s Ship in a Battle”.

Das Buch zum Artikel:
Marc Quinn: Fourth Plinth. Steidl 2006. 48 Seiten. ISBN 978-3865212405.

Anthony Gormleys Projekt "One and Other". - This work is released into the public domain.

Marc Quinns "Alison Lapper Pregnant". - © Copyright Brian Robert Marshall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 27. Dezember 2011 at 02:00  Kommentare (1)  
Tags:

Clara Butt – Stimmgewaltige Sängerin, die Konzerthallen zum Erbeben bringen konnte

According to the Library of Congress, there are no known restrictions on the use of this photo.

Meine erste Begegnung mit der Altistin Clara Butt (1872 – 1936) war im The Springs Hotel bei North Stoke in Oxfordshire, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe. Dort ist ein Zimmer nach ihr benannt und ihr Geist soll hin und wieder im Hotel gesehen werden. Clara Butt starb in ihrem Haus in North Stoke, das nur wenige Autominuten vom Hotel entfernt ist.

Im The Springs las ich auch, dass man von Clara Butt sagte, ihre Stimme sei so gewaltig, dass man sie an einem klaren Tag bis über den Ärmelkanal hinweg hören konnte.
Geboren wurde Clara 1872 in Southwick in West Sussex und nachdem sie mit ihren Eltern nach Bristol gezogen war, erkannte man dort in ihrer Schule, dass sie eine großartige Stimme hatte und förderte sie dementsprechend. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie u.a in Berlin und Paris.

Am 7. Dezember 1892 gab sie schließlich ihr Debut an der Londoner Royal Albert Hall mit Arthur Sullivans “The Golden Legend”. Der damalige Musikkritiker George Bernard Shaw äußerte sich von ihrem Auftritt begeistert: ” She far surpassed the utmost expectations that could reasonably be entertained“.

Clara Butt trat nur äußerst selten in Opern auf; sie bevorzugte Konzerthallen, die sie mit ihrer gewaltigen Stimme zum Erbeben bringen konnte. Ihr wurde nach dem 1. Weltkrieg der Titel DBE verliehen, Dame Commander of the Order of the British Empire, für ihre Verdienste, die sie sich während des Krieges erworben hatte.
Ihre letzten Lebensjahre standen unter keinem guten Stern: Ihre beiden Söhne starben sehr jung und sie selbst erkrankte an Krebs, wodurch sie an den Rollstuhl gefesselt war. Clara Butt starb am 23. Januar 1936 in ihrem Haus in North Stoke.

Hier sind einige historische Filmaufnahmen von Clara Butt und ihrer Familie und hier ist sie mit Elgars “Land of Hope and Glory” zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Winifred Ponder: Clara Butt – Her Life Story. Da Capo Press 1978. 261 Seiten. ISBN 978-0306775291. (Reprint der Ausgabe von 1928).
Meines Wissens ist das die einzige Biografie, die über sie geschrieben wurde und die noch, zu recht hohen Preisen, antiquarisch zu haben ist.

Published in: on 26. Dezember 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

John Callcott Horsley – Er entwarf die weltweit erste Weihnachts-Grußkarte

John Callcott Horsleys erste Weihnachtskarte. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Der Londoner John Callcott Horsley (1817 – 1903) war ein Maler und Illustrator und ging in die Historie ein, als Schöpfer der ersten Weihnachts-Grußkarte. Der umtriebige und ideenreiche  Staatsbeamte Sir Henry Cole (1808 – 1882) hat aber auch seinen Anteil daran, denn er kam auf die Idee, zu Weihnachten anderen Menschen Karten zu schicken.

Diese erste Weihnachtskarte zeigt eine offensichtlich heitere Familie in Feierlaune, denn der Alkohol spielt bei ihrer Weihnachtsfeier eine nicht unbedeutende Rolle; sogar der kleinen Tochter wird ein Glas Rotwein eingeflößt, was zu einer Kontroverse führte (“fostering the moral corruption of children”).

Sir Henry Cole hatte gar nicht damit gerechnet, dass seine Idee zünden würde, aber es dauerte nur ein paar Jahre und das Versenden von Weihnachtskarten war in England absolut “in”, zumal das Porto nur einen Penny kostete.
1000 Karten wurden 1842 mit dem Motiv von John Callcott Horsley gedruckt und lediglich 12 sollen noch heute erhalten sein.

Besonders beliebt waren in der viktorianischen Zeit die “trick cards“, eine Weiterentwicklung der “normalen” Weihnachtskarte. Beim Öffnen der Karte entfaltete sich beispielsweise ein Blumenstrauß oder eine sehr realistisch reproduzierte Banknote erschien (die so naturgetreu nachgemacht war, dass sie schnell wieder aus dem Verkehr gezogen werden musste). Der Fantasie waren damals keine Grenzen gesetzt.

Noch ein paar Worte zu John Callcott Horsley. Er war der Schwager Isambard Kingdom Brunels, dem berühmtesten Ingenieur der viktorianischen Ära. Horsley war in einer Zeit, die von Prüderie beherrscht war, der “Oberprüde”, denn er wandte sich z.B. entschieden dagegen, dass beim Anfertigen von Aktzeichnungen Nackte Modell standen. Er machte sich dabei auch ziemlich lächerlich, denn er bekam den Spitznamen “Clothes Horsley” verpasst.

Ganz andere Vorstellungen einer “Christmas Card” hat Terry Gilliam, einer der Monty Pythons, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
George Buday: The History of the Christmas Card. Spring Books 1964. 304 Seiten. Das Buch ist natürlich lange im Buchhandel vergriffen, aber leicht antiquarisch zu beschaffen.

John Callcott Horsley. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

Published in: on 25. Dezember 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Das Huddersfield Contemporary Music Festival 2011 – Experimentalmusik in West Yorkshire

Der Campus der Universität von Huddersfield und die St Paul's Hall (die Kirche im Hintergrund), in der einige Aufführungen stattfinden. - © Copyright Steve Fareham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ich habe Huddersfield in West Yorkshire als graue Stadt an einem grauen Tag in Erinnerung; bei Sonnenschein sieht das hier aber sicher viel freundlicher aus.
Einmal im Jahr ist Huddersfield internationales Zentrum für alle Freunde der neuen und experimentellen Musik mit dem Huddersfield Contemporary Music Festival; selbst London hat so etwa nicht zu bieten.

Gestern, am 18. November, begann das Musikfestival 2011, das bis zum 27. November laufen wird. Was wird geboten? Experimentalmusik, Jazz, elektroakustische Vorführungen, also Musik, die nicht so ohne weiteres leicht zu konsumieren ist. Um nur einige Namen zu nennen von Komponisten und Musikern, die schon am Festival teilgenommen haben bzw. deren Musik hier aufgeführt wurde: John Cage, Brian Eno, Karl-Heinz Stockhausen, Steve Reich.

Der diesjährige “Composer in Residence” ist der dänische Komponist Bent Sørensen, der sich vor allem mit fraktaler Musik beschäftigt.

Ein weiterer dänischer Komponist, Jexper Holmen, wurde im vorigen Jahr auserkoren, zwei Jahre lang “Composer in Residence” zu sein und in dieser Zeit, neue Kompositionen zu schreiben. Seine Plattenfirma Dacapo Records beschreibt seine Musik folgendermaßen: “Jexper Holmen is a composer of extremes…His earlier works were often provocative in their embrace of ‘ugliness’ – loud and extreme instrumental sounds presented in only slightly varied repeated patterns confronted one with a raw musical surface”.

Das Festival ist mit Terminen vollgepackt; es geht bereits mittags mit den ersten Auftritten los und zieht sich bis in den späten Abend hin.

Als Beispiel wie experimentelle Musik auch  aussehen kann bzw. anzuhören ist, sei hier John Cage mit seinem “4’33”” genannt, ein “Musikstück” für das keiner ein Notenblatt benötigt.

Das Buch zum Artikel:
Richard Steinitz: Explosions in November – The First 33 Years of Huddersfield Contemporary Music Festival. University of Huddersfield 2011. 308 Seiten. ISBN 978-1862180994 (Erscheint am 18.11.2011).

Published in: on 19. November 2011 at 02:00  Kommentare (1)  
Tags:

Atkinson Grimshaw – Painter of Moonlight

Blackman Street, London, 1885. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

Atkinson Grimshaw (1836-1893) ist einer jener viktorianischen Maler, die in jüngster Zeit wieder entdeckt wurden. Er ist der “Painter of Moonlight“, denn viele seiner Bilder zeigen Straßenszenen im Mondlicht, z.B. in Leeds oder in London. Ich mag seine Bilder sehr, denn sie haben eine ganz eigenartige intensive Atmosphäre.

Der Maler wurde in Leeds geboren, starb in Leeds und brachte einen großen Teil seines Lebens in dieser Stadt in West Yorkshire zu. Er zeugte erstaunlicherweise 16 Kinder, von denen 10 vorzeitig starben; drei Söhne und eine Tochter wurden ebenfalls Maler.

Grimshaws Bilder erzielen heute Preise von bis zu £500,000, was sich der autodidaktische Maler sich damals wohl nicht hat vorstellen können, denn er war häufig von Schulden geplagt und malte sehr viel, um mit dem Verkauf der Bilder  diese Schulden abzutragen.

Zurzeit läuft in England eine Wanderausstellung mit über 60 seiner Werke, die bis zum 4. September in der Mercer Art Gallery in Harrogate gezeigt wurde. Vom 19. September bis zum 15. Januar 2012 kommen die Londoner in den Genuss, diese sehr schönen Bilder zu sehen, denn dann wird diese Ausstellung in der Guildhall Art Gallery gezeigt. Hier wird ein Überblick über das Schaffen Grimshaws gegeben, beginnend mit seinen prä-raphaelitischen Landschaftsbildern bis zu den impressionistischen Seenlandschaften seiner letzten Schaffensjahre.

Hier ist ein sehr interessanter Film, der Atkinson Grimshaw porträtiert.

Liverpool from Wapping, 1875. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

 

Atkinson Grimshaw. – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Published in: on 18. September 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Goldfinger – Der Bösewicht aus einem James Bond-Film und ein britisch-ungarischer Architekt

Der "Stein des Anstoßes": Das Haus in der Willow Road in Hampstead, das den Zorn Ian Flemings erregte. - This work is released into the public domain. This applies worldwide.

Auric Goldfinger, gespielt von Gert Fröbe, ist sicher einer der berühmtesten Bösewichter aus den James-Bond-Filmen. Ian Fleming, der geistige Vater des James Bond, wählte den Namen “Goldfinger” mit Bedacht aus, denn er wollte sich an einem Architekten namens Ernö Goldfinger (1902-1987) rächen.

Der Hintergrund: Der ungarisch-britische Architekt ließ Mitte der 1930er Jahre in der Willow Road im Londoner Ortsteil Hampstead einige Häuser abreißen, um ein neues Wohngebäude in seinem bevorzugten modernen Baustil zu errichten, was den Zorn der Nachbarn, unter ihnen Ian Fleming, hervorrief. Doch der Protest half nichts, Goldfinger baute das Haus, in das er auch selbst einzog.

Viele Jahre später, im Jahr 1959, veröffentlichte Ian Fleming seinen Roman “Goldfinger”, der 1964 mit Sean Connery als James Bond verfilmt wurde. Fleming gab dem Bösewicht Goldfinger zwar einen anderen Vornamen, aber man erkannte doch deutlich die Absicht, dem Architekten eins auszuwischen.
Der “richtige” Goldfinger versuchte gerichtlich gegen Fleming vorzugehen, aber man einigte sich schließlich außergerichtlich.

Ernö Goldfinger war ein Anhänger des Brutalismus genannten Architekturstils, der sich in der 1950er und 1960er Jahre großer Beliebtheit erfreute und ” von ruppigem Charme geprägt” (Wikipedia) war. Ein Musterbeispiel dafür ist der von Goldfinger entworfene 31stöckige Trellick Tower in North Kensington in London. Das von 1968-1972 erbaute Haus war seinerzeit das höchste Wohngebäude im ganzen Land. Das “Tower of Terror” genannte Haus geriet immer wieder durch eklatante soziale Probleme in die Schlagzeilen; mittlerweile hat sich das geändert, denn die ständig steigenden Londoner Wohnungspreise haben längst auch den Trellick Tower erreicht, wo die Wohnungen kaum noch bezahlbar sind.

Wer sich für den Architekten Ernö Goldfinger näher interessiert, Nigel Warburton hat eine Biografie über ihn geschrieben: Ernő Goldfinger: The Life of an Architect (London: Routledge 2004, ISBN 978-0415379458).

Der Trellick Tower. - © Copyright R Sones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 4. September 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Cookham (Berkshire) – Hier lebte der Maler Sir Stanley Spencer

Die Stanley Spencer Gallery in Cookham. - © Copyright Rick Hall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg zum Cliveden Hotel, wo ich übernachten wollte (s. dazu auch meinen Blogeintrag), kam ich durch das hübsche Dorf Cookham in Berkshire (das zu den wohlhabendsten Englands zählt), das vor allem durch zwei Männer bekannt geworden ist. Kenneth Grahame schrieb hier den Kinderbuch-Klassiker “The Wind in the Willows” (dt. “Der Wind in den Weiden”) und der Maler Sir Stanley Spencer verbrachte in Cookham einen großen Teil seines Lebens.

Spencer wurde 1891 in diesem Ort in Berkshire geboren, und er starb 1959 ganz in der Nähe im Canadian War Memorial Hospital, das auf dem Gelände des heutigen Cliveden Hotels lag und 2006 abgerissen wurde.

Für Sir Stanley spielten sowohl Cookham als auch die hier vorbeifließende Themse eine große Rolle in seinem künstlerischen Schaffen; so tauchen immer wieder Szenen aus dem Dorfleben in seinen Bildern auf. Auch in seinen religiös geprägten Werken verwendet er Motive aus Cookham, so z.B. in “The Resurrection, Cookham“, das in der Londoner Tate Gallery hängt. Hier wird der Kirchhof zum Ort der Auferstehung der dort Begrabenen. Spencer selbst ist auf dem Bild zusehen, er lehnt sich nackt gegen einen Grabstein. Auch seine Verlobte Hilda ist auf dem Bild verewigt: Sie liegt schlafend auf einem Bett aus Efeu.

Wer sich für das Werk der Malers interessiert, der sollte sich die Stanley Spencer Gallery in Cookham ansehen, die vor einigen Jahren komplett renoviert und 2007 neu eröffnet wurde. Hier ist ein Film über die Galerie.

Das Grab Spencers ist auf dem Holy Trinity Churchyard in Cookham zu finden.

Die Holy Trinity Church in Cookham. Hier liegt Stanley Spencer begraben. - © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 29. August 2011 at 04:00  Kommentare (1)  
Tags: ,

John Constable: “Chain Pier, Brighton” – Ein Gemälde von der ersten Pier in Brighton

The work of art depicted in this image and the reproduction thereof are in the public domain worldwide. The reproduction is part of a collection of reproductions compiled by The Yorck Project

1824 besuchte der berühmte englische Maler John Constable (1776-1837) erstmals das Seebad Brighton und nahm seine Frau Maria mit, in der Hoffnung, dass sich dort ihr angeschlagener Gesundheitszustand bessern würde. Er besuchte sie häufig in den folgenden Jahren und fertigte bei dieser Gelegenheit Skizzen von Brighton an. Nur ein einziges großes Gemälde entstand in dieser Zeit, das er “Chain Pier, Brighton” nannte und das seit 1950 in der Tate Gallery zu sehen ist.

Das Bild zeigt die Royal Suspension Chain Pier, kurz Chain Pier genannt, die erste Seebrücke Brightons, die 1823 eröffnet wurde, und in erster Linie als Anlegestelle für Schiffe nach Dieppe fungierte. Doch die Pier wurde auch zum Promenieren benutzt und ein paar kleine Attraktionen wie eine Camera Obscura fanden sich dort ebenfalls.

Die Chain Pier erfuhr ein ähnliches Los wie so manche andere englische Seebrücke, sie wurde 1896 von einem Sturm zerstört. Ein ähnliches Schicksal erlitt die benachbarte West Pier, die 1975 geschlossen, teilweise von einem Sturm zerstört wurde und schließlich mehreren Bränden zum Opfer fiel.

Nach der Zerstörung der Chain Pier wurde die berühmte und heute noch existiernde Palace Pier gebaut, ein Wahrzeichen der Stadt Brighton.

Die traurigen Reste der West Pier in Brighton. - © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 49 Followern an