Die Burbage Brass Band – Eine der ältesten Blaskapellen der Welt, beheimatet in Derbyshire

Burbage in Derbyshire, Heimat der Brass Band.    © Copyright Peter Barr

Burbage in Derbyshire, Heimat der Brass Band.
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Der Name des kleinen Ortes Burbage in Derbyshire, der jetzt zu Buxton gehört, ist seit 150 Jahren durch seine Blaskapelle weit über seine Grenzen hinweg bekannt. In England sind/waren Blaskapellen häufig in Bergbauorten zu finden und so lag auch Burbage einmal in einer Region, in der Kohle abgebaut und Kalk aus einem Steinbruch geholt wurde. Die Gegend war arm, die Arbeit hart und so gründete man 1861 die Burbage Brass Band, um die Lebensqualität des Dorfes zu verbessern, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anzubieten und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Damals hätte sicher niemand damit gerechnet, dass die Burbage Brass Band bis ins 21. Jahrhundert bestehen würde, aber es ist so: Die Kapelle gehört zu den ältesten ihrer Art in der ganzen Welt. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit war so groß, dass die Mitglieder der Kapelle alle zusammen in den Ersten Weltkrieg zogen und dort Seite an Seite kämpften.

Heute rekrutiert die Kapelle ihre Bläser überwiegend aus dem eigenen Nachwuchs (es gibt auch eine Juniorband) und sie kann sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Preise hat die Band natürlich auch schon gewonnen, so wurde sie bereits einmal zum Midlands Regional Champion und mehrfach zur besten High Peak-Band ausgerufen.

Wer sich mit dem Thema Brass Band einmal näher beschäftigen möchte, dem kann ich den englischen Spielfilm “Brassed Off” (dt.”Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten”) sehr empfehlen, der 1996 mit Peter Postlethwaite in der Hauptrolle gedreht wurde.

Hier ist ein Film über die Geschichte der Blaskapelle.

Das Buch zum Artikel:
Chris Helme: What Brass Bands Did for Me – 30 Legends Remembered. The History Press 2009. 128 Seiten. 978-0752449821.

Published in: on 12. Mai 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Kingston-upon-Hull und seine Telefonzellen

Eine cremefarbene Telefonzelle in Hull.   © Copyright Ian S

Eine cremefarbene Telefonzelle in Hull.
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Eine schöne Frage bei den so beliebten abendlichen Pub-Quizzes wäre. “Wie heißt die einzige Stadt in Großbritannien, in der es nie rote Telefonzellen gab?”
Ob die Frage wohl beantwortet würde? Die Auflösung lautet: Kingston-upon-Hull im äußersten Osten von Yorkshire, am River Humber gelegen.

Hull, so die gebräuchliche Kurzform der Stadt, führte schon immer ein Eigenleben, liegt sie doch ziemlich weit ab von allen anderen Städten des Landes. Von der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg bombardiert, wurde Hull stark in Mitleidenschaft gezogen, und auch der Wiederaufbau gestaltete sich nicht optimal. Man kämpfte viele Jahre gegen ein gewisses “Schmuddelimage” an, das der Stadt anhaftete, hat aber große Anstrengungen unternommen, um das zu ändern.

Hull ist die einzige Stadt in Großbritannien, die seit 1902 ein eigenes, unabhängiges Telefonsystem hat, das heute von der Firma KC (Kingston Communications) betrieben wird. Die typischen, früher im ganzen Land zu findenden roten Telefonzellen gab es hier nicht. Optisch sehen die Telefonzellen in Hull zwar so ähnlich aus, sind aber cremefarben und haben auch keine Krone über der Tür.
Mittlerweile sind die roten, von Sir Giles Gilbert Scott entworfenen Telefonhäuschen nicht mehr so oft in England zu finden, sie wurden durch modernere, K7, K8 und jetzt KX100 genannte ersetzt.

Die Firma KC wollte die meisten der Telefonzellen in Hull abbauen, da die Nutzung im Zeitalter der Mobiltelefone nachgelassen hatte, stieß dabei aber auf Widerstand in der Bevölkerung, die sich davon nicht trennen mochte. Rund 125 von diesen K6-Boxen sind noch im Stadtgebiet aufgestellt; etwa 1000 wurden an Interessenten verkauft.

In Hull gibt es seit August 2012 sogar eine goldfarbene Telefonzelle. Zu Ehren der britischen Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in London wurde von der Royal Mail in deren Heimatorten jeweils ein Briefkasten in goldener Farbe angemalt (ich berichtete in meinem Blog darüber). In Hull ehrte man Luke Campbell, der die Goldmedaille im Boxen im Bantamgewicht gewann, mit einer seiner Medaille entsprechenden K6-Box, die auf dem Market Place steht.

Die goldene Telefonzelle am Market Place in Hull.   © Copyright Ian S

Die goldene Telefonzelle am Market Place in Hull.
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Published in: on 13. April 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pop! Goes the Weasel – Kinderreim und Schlager aus dem 18. Jahrhundert

Zum ersten Mal hörte ich, lang ist es her, das Lied “Pop! Goes the Weasel” in der Version von Anthony Newley (hier ist es), das seinerzeit in den britischen und US-amerikanischen Charts zu finden war. Sein Ursprung soll bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Es handelte sich hier um einen Kinderreim und um ein Sing- und Tanzspiel, so eine Art Mittelding zwischen der “Reise nach Jerusalem” und “Ringel Ringel Reihe”. Der Text lautet folgendermaßen:

Half a pound of tuppenny rice,
Half a pound of treacle.
That’s the way the money goes,
Pop! goes the weasel.

Every night when I get home
The monkey’s on the table,
Take a stick and knock it off,
Pop! goes the weasel.

Up and down the City Road
In and out the Eagle
That’s the way the money goes
Pop! goes the weasel.

Was das alles bedeuten mag, daran scheiden sich die Geister. Das Wort “weasel” hat in der englischen Sprache unterschiedliche Bedeutungen und so kann man das Lied auf verschiedene Weise interpretieren. Dieser kleine Film bietet einen Interpretationsversuch.

Der “Eagle” im dritten Vers ist ein Pub im Londoner Stadtteil Hoxton, an der Ecke City Road und Shepherdess Walk, den es noch heute gibt. “Possibly the only pub you’ll ever frequent that’s famed for its name-check in a nursery rhyme” (so steht es auf der Webseite des Pubs). Charles Dickens erwähnte ihn schon in seinem Buch “Sketches by Boz” (1836). An einer Außenwand des Pubs ist eine große Tafel angebracht, auf dem die entsprechende Textzeile und die Noten des Liedes festgehalten sind.

Ein moderne Rap-Version von “Pop! Goes the Weasel” bietet die US-Gruppe 3rd Bass, hier zu sehen und zu hören.

Published in: on 14. März 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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The Ufton Dole – Eine uralte Tradition, die in Ufton Nervet (Berkshire) gepflegt wird

Ufton Court.   © Copyright Shaun Ferguson

Ufton Court.
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Einer der Gründe, warum ich England mag, ist die Aufrechterhaltung von alten Traditionen, auf die man immer wieder im ganzen Land stößt und die ich in meinem Blog hin und wieder vorstelle.

In dem kleinen Dorf Ufton Nervet, zehn Kilometer südwestlich von Reading gelegen, gibt es eine Tradition, die bis in das Jahr 1581 zurückreicht. Am Gründonnerstag wird im Ufton Court, einem Tudor-Herrrenhaus, die Ufton Dole ausgegeben, das sind Textilien wie Bettwäsche und Handtücher  und über hundert Laibe Brot, die sich die Dorfbewohner dort abholen können. Die Ausgabe dieser Geschenke nimmt der Lord of the Manor, Sir William Benyon, höchstpersönlich vor.

Wie kam es dazu? Lady Elizabeth Marvyn, die Besitzerin von Ufton Court Ende des 16. Jahrhunderts, hatte sich einmal auf dem Heimweg zu ihrem Haus in den umliegenden Wäldern total verlaufen und fand nicht mehr zurück. Die Dorfbewohner machten sich auf den Weg, um sie zu suchen, fanden sie auch und brachten die Dame wohlbehalten wieder in ihr Manor House. Aus Dankbarkeit für die Hilfsbereitschaft der Dörfler legte sie testamentarisch fest, dass eine bestimmte Summe Geldes nach ihrem Tod alljährlich für die Ufton Dole ausgegeben werden sollte, die damals aus Brot und Leinen für die Armen der Gemeinde bestand.

Es heißt, dass ein Fluch über den Landlord kommen werde, der diese Tradition nicht mehr weiterführt und da viele Engländer abergläubisch sind, hat bisher auch noch niemand der Ufton Court-Besitzer es gewagt, am Gründonnerstag kein Brot und keine Textilien auszugeben. Hier ist ein Film über Ufton Court.

Der Name des Dorfes Ufton Nervet ging im Jahr 2004 durch die britischen Medien, als dort am 6. November auf einem Bahnübergang ein Zug der Linie London – Plymouth ein Auto erfasste, wobei sieben Menschen ums Leben kamen. Es stellte sich heraus, dass der Autofahrer absichtlich auf den Schienen geparkt hatte, um Selbstmord zu begehen. Hier ist ein Film.

Published in: on 15. Februar 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Turning the Devil’s Stone – Ein alter Brauch, der jedes Jahr in Shebbear (Devon) vollzogen wird

Der Devil's Stone unter der Eiche in Shebbear.   © Copyright Humphrey Bolton

Der Devil’s Stone unter der Eiche in Shebbear.
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Nördlich des Dartmoors in Devon liegt der kleine Ort Shebbear, in dem jedes Jahr am 5. November, an dem das restliche England den Guy Fawkes Day feiert, ein eigenartiges Ritual vollzogen wird. Die Bell-Ringer des Dorfes versammeln sich um 20 Uhr in der Kirche St Michael and All Angels und läuten die Glocken, allerdings so unharmonisch, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten möchte. Von der Kirche ziehen sie dann zum Dorfplatz, wo unter einer großen Eiche der Devil’s Stone liegt, ein Felsbrocken mit einem Gewicht von etwa einer Tonne, den sie unter Aufbringung aller Kräfte mit Hilfe von Brechstangen einmal komplett umdrehen. Wenn das vollbracht ist, atmet ganz Shebbear auf, denn mit dem Turning the Devil’s Stone ist für ein weiteres Jahr jegliches Unglück vom Dorf abgewendet.

Der Felsbrocken muss irgendwann einmal in der Eiszeit hierher verfrachtet worden sein und im Laufe der Jahrhunderte haben sich mehrere Legenden darum gebildet. Eine davon ist, dass der Teufel unter dem Stein liegt, und wenn die Dorfbewohner ihn nicht einmal jährlich umdrehen, könnte der Teufel möglicherweise entkommen und Unheil anrichten. Das misstönende Glockengeläut vorher dient dazu, etwaige böse Geister zu irritieren. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Prozedur einmal nicht vorgenommen und sofort ereigneten sich Missgeschicke in Shebbear.

Was macht man nach der schweißtreibenden Arbeit mit dem angebrochenen Abend? Man geht natürlich in den Dorf-Pub (wir sind ja in England), der passenderweise Devil’s Stone Inn heißt.

Wie das Turning the Devil’s Stone genau vor sich geht, zeigt dieser Film.

St Michael's Church in Shebbear.   © Copyright Humphrey Bolton

St Michael’s Church in Shebbear.
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Published in: on 3. Januar 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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“12 Days of Christmas” – Ein altes englisches Weihnachtslied

This work is released into the public domain.

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12 Days of Christmas” ist ein traditionelles englisches Weihnachtslied, das sich bis in das Jahr 1780 zurückverfolgen lässt. Damals erschien die erste gedruckte Ausgabe des Textes in dem Kinderbuch Mirth without Mischief“, das es noch heute als Reprint zu kaufen gibt. Die Ursprünge des Liedes liegen aber noch weiter zurück.

“In dem Lied wird in Form einer Zählgeschichte aufgelistet, welche Geschenke der Sänger an den zwölf Weihnachtstagen zwischen dem Weihnachtstag (25. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Januar) von seiner wahren Liebe (true love) erhalten hat. Am ersten Tag wurde als Geschenk ein Rebhuhn in einem Birnenbaum überreicht, am zweiten Tag zwei Turteltauben sowie das Geschenk vom Vortag, am dritten Tag drei französische Hühner, die beiden Turteltauben vom vorigen Tagen sowie das Rebhuhn vom ersten Tag. Die einzelnen Strophen werden so immer länger, da mit jedem Tag ein neues Geschenk hinzukommt, deren Anzahl mit der fortlaufenden Nummerierung übereinstimmt”. So die Wikipedia.

Die Symbolik des Liedes erklärt die Webseite http://www.carols.org.uk so:
1 True Love refers to God
2 Turtle Doves refers to the Old and New Testaments
3 French Hens refers to Faith, Hope and Charity, the Theological Virtues
4 Calling Birds refers to the Four Gospels and/or the Four Evangelists
5 Golden Rings refers to the first Five Books of the Old Testament, the “Pentateuch”, which gives the history of man’s fall from grace.
6 Geese A-laying refers to the six days of creation
7 Swans A-swimming refers to the seven gifts of the Holy Spirit, the seven sacraments
8 Maids A-milking refers to the eight beatitudes
9 Ladies Dancing refers to the nine Fruits of the Holy Spirit
10 Lords A-leaping refers to the ten commandments
11 Pipers Piping refers to the eleven faithful apostles
12 Drummers Drumming refers to the twelve points of doctrine in the Apostle’s Creed
Die Symbolik des ersten Geschenks “A partridge in a pear tree” wird hier nicht erklärt, es könnte aber Jesus gemeint sein.

Es gibt unzählige Versionen dieses englischen Weihnachtsliedes, von Johnny Cash bis Frank Sinatra, von Perry Como bis Roger Whittaker. In dieser Version singt das Lied der 1997 tödlich verunglückte John Denver, mit tatkräftiger Unterstützung der Muppets. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1979.

Published in: on 24. Dezember 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Die Chedzoy Candle Auction – Die älteste Auktion Englands findet alle 21 Jahre in Somerset statt

St Mary's Church in Chedzoy.   © Copyright Richard Webb

St Mary’s Church in Chedzoy.
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Fünf Kilometer östlich von Bridgewater in Somerset liegt der kleine Ort Chedzoy, der sich rühmen kann, dass dort die älteste Auktion Englands ausgetragen wird, und das alle 21 Jahre. Versteigert werden dabei die Pachtrechte auf ein Stück Weideland, Church Acre, das ein gewisser Richard Sydenham im Jahr 1490 der örtlichen St Mary’s Church schenkte. Die Einnahmen aus der Pacht kommen der Kirche zugute, die daraus einen Teil der anfallenden Reparaturkosten bezahlen kann.

Die Prozedur der Auktion sieht so aus, dass zu Beginn eine Kerze angezündet wird, die exakt einen halben Inch, das sind 1,27cm, hoch ist; sobald die Kerze erloschen ist, bekommt das bis dahin höchste Gebot den Zuschlag. Die letzte Auktion fand am 23. Juni 2010 in der Village Hall in Chedzoy statt, in Anwesenheit des Bischofs von Taunton, der auch gleich ein symbolisches Gebot in Höhe von £19 abgab.

Nach 36 Minuten und 47 Sekunden war dann die Lebensdauer der Kerze beendet und das höchste Gebot lag zu diesem Zeitpunkt bei £4000. Der Bieter kommt aus Chedzoy und hat jetzt für 21 Jahre das Recht, das Stück Land namens Church Acre zu bewirtschaften. Die Kirchengemeinde St Mary’s freut sich, mit weiteren regelmäßigen Einnahmen rechnen zu können.

Chedzoy Village Hall. Hier fand die Auktion 2010 statt.   © Copyright Ken Grainger

Chedzoy Village Hall. Hier fand die Auktion 2010 statt.
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Published in: on 18. Dezember 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Great Dunmow (Essex) – Eine alte Tradition wird hier noch immer am Leben gehalten

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).   © Copyright John Firth

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).
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Manche Traditionen werden in England über Jahrhunderte gehegt und gepflegt, so auch die Dunmow Flitch Trials, die bis ins Jahr 1104 zurückverfolgt worden sind. Schauplatz ist der Ort Great Dunmow in Essex, der an der A120 zwischen Bishops Stortford und Colchester liegt.

Alle vier Jahre finden diese “Gerichtsverhandlungen” in Great Dunmow statt (die letzten in diesem Jahr). Es geht hier um eine Speckseite (flitch), die von jeweils fünf Ehepaaren, die mindestens ein Jahr und einen Tag verheiratet sein müssen, beansprucht wird. Die Jury besteht aus einem Richter und jeweils sechs unverheirateten Damen und Herren. Die Spender der Speckseite sind durch Anwälte vertreten, ebenso die “klagenden” Paare. Um ihren Anspruch auf die Speckseite zu gerechtfertigen, müssen die Ehepaare überzeugend nachweisen, dass sie das letzte Jahr + einen Tag einander treu waren und ihre Eheschließung nicht einen einzigen Tag bereut haben. Die Anwälte der Gegenseite versuchen natürlich ihre Argumente zu zerpflücken und die Jury davon zu überzeugen, dass ihre Ansprüche nicht gerechtfertigt sind.

Die erfolgreichen Ehepaare werden dann auf dem Flitch Chair zum Marktplatz getragen, wo sie auf spitzen Steinen knieend den Flitch Oath ablegen müssen und die Speckseite in Empfang nehmen dürfen.

Die meisten Paare kommen aus der näheren Umgebung, aber grundsätzlich kann sich hier jedes Ehepaar, egal aus welchen Teilen der Welt, an den Verhandlungen teilnehmen und die Speckseite für sich beanspruchen. Ein netter Brauch, der auch dazu beiträgt, den “community spirit” von Great Dunmow aufrechtzuerhalten.

Hier ist ein Film, der die Trials aus diesem Jahr zeigt.

Der “Footman” in einem herrschaftlichen Haus

Wenn man sich einmal britische TV-Dramen wie “Downton Abbey” oder “Upstairs, Downstairs” ansieht, gibt es in den herrschaftlichen Häusern oft jemanden, der die Position des Footmans innehat. Was hat es mit dieser Person auf sich?

Der Name geht zurück in die Zeit, als die Herrschaften mit ihren Kutschen unterwegs waren. Sie hatten einen Diener, der vor oder neben den Kutschen herlief und darauf achtete, dass niemand in den Weg geriet, dass die Kutschen nicht umkippten usw. Er war also mehr oder weniger für die Sicherheit seiner Herrschaften verantwortlich. Diese meist kräftig gebauten jungen Männer wurden Footmen oder Running Footmen genannt.

Als diese genannten Aufgaben im Laufe der Zeit wegfielen, behielten manche Adlige ihre Footmen und die Position wurde neu definiert: “A man employed as a servant to wait at table, attend the door, and run various errands“. Der Footman wurde zu einer Art Statussymbol; man suchte oft gut aussehende Männer dafür aus, die eine spezielle Livrée tragen durften/mussten, sie waren stets gut informiert, was sich im Haus zutrug und sie verdienten gut. Der First Footman kam in der Rangfolge gleich nach dem Butler. Man erwartete von einem Footman, dass er unverheiratet blieb, manchmal war er auch homosexuell (s. dazu auch die Figur des Thomas Barrow in der TV-Serie “Downton Abbey”).

In London gibt es in der Charles Street in Mayfair, gleich um die Ecke vom Berkeley Square, einen Pub namens “The Only Running Footman”. Hier trafen sich seinerzeit die Footmen der herrschaftlichen Häuser, von denen es in Mayfair jede Menge gab. Der volle Name des Pubs lautet eigentlich “I Am The Only Running Footman” und genau das ist auch der Titel eines Kriminalromans der amerikanischen Schriftstellerin Martha Grimes, die viele ihrer Bücher nach real existierenden englischen Pubs benannte. Wie immer recherchierte sie auch hier genau vor Ort in der Charles Street und Umgebung. Der deutsche Übersetzungstitel heißt “Inspektor Jury steht im Regen” und erschien 1996 (die Originalausgabe erschien 1986).

In diesem kurzen Filmclip ist Martha Grimes in dem Londoner Pub zu sehen.

Die Londoner Charles Street. Rechts der Pub “The Only Running Footman”.
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Eigenes Foto.

Published in: on 19. November 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Der Londoner Reform Club, Jules Verne und Michael Palin

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“Im Jahre 1872 wohnte in dem Hause Nummer 7, Saville Row, Burlington Gardens, – worin Sheridan im Jahre 1814 starb, – Phileas Fogg, Sq., eines der ausgezeichnetsten und hervorragendsten Mitglieder des Reformclubs zu London, der jedoch dem Anschein nach beflissen war nichts zu thun, was Aufsehen erregen konnte”, so beginnt Jules Vernes berühmter Roman “In 80 Tagen um die Welt” und im Reform Club an der Londoner Pall Mall beginnt auch Phileas Foggs abenteuerliche und auch heute noch spannend zu lesende Reise einmal um den Erdball herum. Endstation der Reise ist wiederum der Reform Club.

Auch das ehemalige Monty Python-Mitglied Michael Palin begab sich 1989, inspiriert von Jules Vernes Roman, auf die gleiche Reise mit der gleichen Deadline, beginnend und endend im Reform Club. Leider ließ man Palin nach beendeter Reise nicht ins Clubhaus, da er nicht entsprechend gekleidet war, denn Jackett und Krawatte sind hier Vorschrift. Palins Reise mündete in der BBC-Dokumentation “Around the World in 80 Days und einem gleichnamigen Buch.

Der Reform Club ist einer jener zahlreichen Londoner Gentleman’s Clubs, die früher ausschließlich der männlichen Elite vorbehalten waren. Nach und nach ließen dann die Clubs aber auch weibliche Mitglieder zu.

Am 24. Mai 1836 wurde der Reform Club gegründet, und er hatte sein Quartier im Dysart House an der Pall Mall. Fünf Jahre später bezog man das in Auftrag gegebene neue Clubhaus, das von dem namhaften Architekten Sir Charles Barry (Palace of Westminster, Highclere Castle, Cliveden House) erbaut wurde.

Anlass der Clubgründung war der Reform Act von 1832, mit dem die Wahlkreiseinteilung für die Wahl des britischen Parlaments zum ersten Mal seit fast 150 Jahren geändert wurde. Der Club sollte liberales und progressives Denken fördern, daher entstammten die Gründungsmitglieder auch der Liberal Party. Auch heute noch dominiert diese Denkweise im Club, obwohl die Mitglieder mittlerweile sich nicht mehr nur aus Liberals zusammensetzen. 1981 öffnete der Reform Club seine Pforten auch für Damen.

Zu den prominenten Clubmitgliedern gehörten z.B. Winston Churchill, Sir Arthur Conan Doyle, William Makepeace Thackeray und Henry James. Bei den Damen sind es u.a Camilla, Duchess of Cornwall, die Opernsängerin Dame Kiri Janette Te Kanawa und die ehemalige Geheimdienstchefin Dame Stella Rimington.

Im Clubhaus an der Pall Mall waren hin und wieder Filmcrews zu Gast, so wurden einige Szenen der James Bond-Filme “Die another day” (dt. “Stirb an einem anderen Tag”) mit Pierce Brosnan und “Quantum of solace” (dt. “Ein Quantum Trost”) mit Daniel Craig hier gedreht.

Dieser Film zeigt eine Abendveranstaltung im Reform Club und gibt einen Eindruck von den Räumlichkeiten.

Reform Club
104 Pall Mall
London
SW1Y 5EW

Das Buch zum Artikel:
George Woodbridge: Reform Club, 1836-1978 – A History from the Club’s Records. Reform Club 1978. 180 Seiten. ISBN 978-0950305318.

Published in: on 27. Oktober 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Dry Stone Walling Association of Great Britain – Die Gesellschaft, die sich für den Bau von Trockenmauern einsetzt

Das Centre for Dry Stone Walling bei Thorlby (North Yorkshire). – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Pauline Eccles

Wenn man durch die Yorkshire Dales fährt, sieht man, dass die Weiden dort zum großen Teil durch Trockenmauern und nicht durch Zäune umfasst werden. Diese Dry Stone Walls werden in Großbritannien schon seit mehr als 3000 Jahren verwendet und erfreuen sich eben auch heute noch großer Beliebtheit, denn sie sind robust und umweltfreundlich. Es müssen für die Umzäunung keine Bäume gefällt werden, die in den Regionen, in denen die Trockenmauern gebaut werden, sowieso nicht im Überfluss vorhanden sind.

Die 1968 gegründete Dry Stone Walling Association of Great Britain (DSWA) propagiert den Einsatz der Natursteine in der Landwirtschaft, veranstaltet Seminare und gibt Trainingskurse für Interessierte.
“The main aims of the Association are to promote a greater understanding and knowledge about the traditional craft of dry stone walling and to encourage the repair and maintenance of dry stone walls throughout the country”.

Es gibt Zweigstellen der DSWA in Schottland, Wales und vielen Teilen Englands, die sich auf regionaler Ebene für den Einsatz der Dry Stone Walls stark machen.

HRH The Prince of Wales ist übrigens ein Befürworter des Trockenmauerbaus und ist Schirmherr der DSWA.

Es gibt in Großbritannien eine Fülle von Büchern und DVDs, die sich alle mit diesem Thema beschäftigen. Der Bau von Trockenmauern, bei denen kein Mörtel zur Anwendung kommt, erfreut sich auch in Privatgärten zunehmender Beliebtheit.

Hier ist ein Film über Dry Stone Walling in Derbyshire.

Dry Stone Walling Association of Great Britain
Lane Farm, Crooklands
Milnthorpe, Cumbria, LA7 7NH
Tel. 015395 67953

Das Buch zum Artikel:
Andy Radford: A Guide to Dry Stone Walling. The Crowood Press 2001. 128 Seiten. ISBN 978-1861264442.

Der Baddeley Cake im Londoner Drury Lane Theatre

Robert Baddeley, der Spender des nach ihm benannten Kuchens, in seiner letzten Rolle als Moses in Sheridans “School for Scandal”. This image is in the public domain.

Vor einigen Jahren habe ich einmal das Londoner Theatre Royal in der Drury Lane besichtigt (übrigens eines der “most haunted theatres” in England). Leider habe ich bisher noch keine Vorstellung dort besucht.

In diesem Theater spielt sich jedes Jahr am 6. Januar (Twelfth Night) eine besondere Zeremonie ab: Nach dem Ende der Vorstellung wird dann der sogenannte Baddeley Cake angeschnitten. Robert Baddeley (1733–1794) war ein Schauspieler, der ab 1762 bis zu seinem Tod im Theatre Royal arbeitete. Seine letzte Rolle war die des Moses in Richard Brinsley Sheridans Stück “The School for Scandal” (dt. “Die Lästerschule”). Bevor Baddeley starb, legte er testamentarisch fest, dass jedes Jahr am 6. Januar im Green Room des Theaters Wein und Kuchen für die Theatertruppe gereicht werden soll. Die dafür notwendigen £3  sollten aus seinem Vermächtnis entnommen werden.

Dieser Brauch, der erstmals am 6. Januar 1796 vollzogen wurde,  hat sich bis heute gehalten. Seit ab 1975 Alan Barrett aus Bath den Baddeley Cake gestaltete, nahm er die Form einer Modetorte an, d.h. jedes Jahr war die Vorstellung vom 6. Januar maßgebend für das Aussehen des Cakes. So gab es schon Torten mit Motiven aus  Hello Dolly, Pirates of Penzance, 42nd Street, Miss Saigon und My Fair Lady.

Ab 2009 hat die Firma Squires Kitchen die Gestaltung des Baddeley Cakes übernommen und das Thema der letzten Torte im Januar 2012 war”Shrek the Musical“, das hier seit geraumer Zeit mit großem Erfolg aufgeführt wird.

Das Theatre Royal, Drury Lane. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Gillett

Published in: on 24. Mai 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Beating the Bounds – Ein alter Brauch, der noch heute ausgeübt wird

Beating the Bounds in Oxford. - Author: Andrew Gray. his file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

In einigen dörflichen aber auch städtischen Kirchengemeinden wird auch heute noch ein uralter Brauch ausgeübt, der sich “Beating the Bounds” nennt und in etwa mit “Schlagen der Grenzsteine” übersetzt werden kann. Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken “bewaffnet”, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken “geschlagen” werden.
Wozu soll das gut sein? Dieser Brauch sollte ursprünglich dazu dienen, dem kirchlichen Nachwuchs (es waren häufig Chorknaben) zu zeigen, wo sich genau die Grenzen der Gemeinde befinden, und damit die sich das auch gut einprägten, wurden sie an den Grenzsteinen manchmal auch mit den Stöcken geschlagen oder mit dem Kopf dagegen gestoßen. Diese brutale Form der Gedächtnisaufbesserung findet sich glücklicherweise heute nicht mehr.

Benedict le Vay beschreibt in seinem Buch “Eccentric Oxford” wie Beating the Bounds in der Gemeinde St Michael in Oxford abläuft. Da zieht am Himmelfahrtstag der Vikar mit seiner Gemeinde drei Stunden lang durch die Gegend, um die 30 Grenzsteine aufzusuchen, die dann mit den Worten “Mark! Mark! Mark!” geschlagen werden. Das kann dann zu so kuriosen Situationen führen, dass die Gruppe mitten durch die Damenunterwäscheabteilung von Marks & Spencer zieht und dort den Fußboden mit ihren Stöcken bearbeitet oder dass die Außenwand einer Filiale der Drogeriekette  Boots the Chemist geschlagen wird.

Jede Kirchengemeinde, die Beating the Bounds heute noch praktiziert, hat seine Besonderheiten. Je nach Größe kann das Ganze sogar mehrere Tage dauern. In ländlichen Regionen wie z.B. dem Dartmoor wird bei dieser Prozession auch gleich geprüft, ob die Inschrift der Grenzsteine noch leserlich ist.
Mögen diese alten Traditionen noch möglichst lange beibehalten werden!

Dieser Film zeigt wie Beating the Bounds in der Kirchengemeinde von St Michael in Oxford abläuft.

Ein "Boundary Stone", hier bei Greystone in Lancashire. - © Copyright Dr Neil Clifton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 28. Februar 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Die offizielle Flagge von Wiltshire – The Bustard Flag

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Am 1. Dezember 2009 akzeptierte der Wiltshire Council die neue Flagge der Grafschaft, die “Bustard Flag“. Sie ist grün-weiß gestreift, wobei die grünen Streifen die grüne Landschaft der Downs und die weißen Streifen die Kalkfelsen darstellen sollen. Zugleich symbolisiert das Weiß der Flagge den Frieden und das Grün Hoffnung oder Freude.
Im Zentrum der Flagge Wiltshires befindet sich ein Vogel, eine Großtrappe (The Great Bustard). Dieser Vogel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien ausgerottet, aber im Jahr 2004 von der sogenannten Great Bustard Group in einem Projekt wieder eingeführt und zwar in der  Salisbury Plain in Wiltshire.
Der Great Bustard steckt in einem grünen Kreis, der seinen Lebensraum, die Graslandschaft, repräsentiert, darüberhinaus aber auch für zwei berühmte Steinkreise Wiltshires steht, für Stonehenge und für Avebury.
Der Außenrand dieses Kreises ist noch einmal in sechs Teile untergliedert, wobei jeder dieser Teile eine Grafschaft symbolisiert, an die Wiltshire grenzt.

Entworfen wurde die Flagge schon 2007 von Mike Prior aus Bath und seiner Tochter Helen Pocock.

Das Buch zum Artikel:
Mark Bauer: Perfect Wiltshire. Halsgrove 2010. 144 Seiten. ISBN 978-1841149981.

Published in: on 20. Dezember 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Oakham Castle in Rutland – Zugang für Adelige nur mit Hufeisen

The Great Hall des Oakham Castles. - © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Rutland ist Großbritanniens kleinstes County,  in dem es lediglich zwei Städte gibt: Oakham und Uppingham. Eingerahmt wird Rutland von Lincolnshire, Leicestershire und Northamptonshire.

In der Grafschaftshauptstadt Oakham steht gleich hinter dem Marktplatz das Oakham Castle, oder besser, das was davon noch übrig geblieben ist: Die Great Hall. Das Gebäude ist uralt; zwischen 1180 und 1190 wurde es von einem gewissen Walkelin de Ferrers erbaut, Lord of the Manor von Oakham.

Eine Burg stellt man sich eigentlich etwas anders vor, größer und mächtiger, aber Rutland ist ja auch eine kleine Grafschaft…

Wenn man die Great Hall betritt, fallen einem als erstes die vielen Hufeisen auf, die die Wände bedecken. 230 Exemplare sollen es sein, und wie kamen die dort alle hin? Es ist eine alte Tradition, dass alle Mitglieder des englischen Hochadels, die Oakham zum ersten Mal besuchen, dem Lord of the Manor der Stadt ein Hufeisen mitbringen. Das Hufeisen war im Wappen der de Ferrers zu finden, seitdem die Familie 1066 aus Frankreich nach England kam.

Das älteste Hufeisen in der Great Hall stammt aus dem Jahr 1470 und wurde von König Edward IV mitgebracht; der letzte Neuzugang wurde 2005 von Princess Alexandra, The Honourable Lady Ogilvy, die im Jahr 2005 Oakham einen Besuch abstattete, übergeben.

Man kann Oakham Castle von Dienstag bis Sonntag kostenfrei besichtigen und natürlich kann man in der Great Hall auch heiraten (in welchem historischen Gebäude Englands kann man das nicht?).

Wie das früher einmal ausgesehen haben mag, kann man sehr schön in dieser Animation sehen.

Oakham Castle
c/o Rutland County Museum
Catmose Street
Oakham
LE15 6DR
Tel. 01572 758440

Das Buch zum Artikel:
Sue Jennings & Robert Brook: Curious about…Oakham – Walks of Discovery In and Around Oakham. Lightbeam UK 2011. 16 Seiten. ISBN 978-1907752131.

Die Hufeisen in der Great Hall. - Author: Simon Garbutt. This version of the photo is in the Public Domain.

West Somerset Railway – Die Museumsbahn, die Minehead mit Bishops Lydeard verbindet.

Eine Dampflokomotive der WSR im Bahnhof von Minehead. - © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Viele Engländer sind Eisenbahnfans; vor allem lieben sie die alten rußspeienden Dampfloks und so gibt es im ganzen Land zahlreiche Museumsbahnen, die auf den meist kurzen Strecken “railway buffs” von A nach B transportieren.
Die West Somerset Railway ist eine dieser Museumsbahnen, die auf einer Strecke von ca 32 km die Stationen Minehead und Bishops Lydeard in Somerset miteinander verbindet.
1862 wurde die West Somerset Railway in Betrieb genommen und 1971 geschlossen, aber nur fünf Jahre später als Museumsbahn wieder eröffnet.
Zehn Bahnhöfe liegen an der Strecke und je nach Saison finden bis zu acht Fahrten in jede Richtung statt. Ein Erwachsenenticket, das den ganzen Tag gültig ist, kostet £15.60.

Die West Somerset Railway bietet aber nicht nur die Standardfahrten zwischen den beiden Endstationen an; Höhepunkte sind die Sonderfahrten wie z.B.:

- Murder Mystery Specials:  Neben einem Abendessen spielt sich vor den Augen der Gäste ein Mordfall ab, der von Mitgliedern der Murder Mystery-Truppe “Murder by Appointment” dargestellt wird und den die Dampflok-Reisenden lösen müssen. Die nächste Fahrt findet am 10. Dezember statt, ist aber schon komplett ausgebucht.

- Dunster by Candlelight: Am 2. und 3. Dezember werden mehrere Fahrten nach Dunster angeboten, ein sehr hübscher mittelalterlicher Ort mit eigenem Schloss. An den beiden Abenden werden die Straßen nicht von elektrischem Licht, sondern von Kerzen und Laternen beleuchtet.

- Carol Trains:  In der Vorweihnachtszeit fahren die Züge der WSR an mehreren Abenden, jeweils um 19 Uhr, ab Minehead und ab Bishops Lydeard. Auf den Bahnhöfen werden dann Weihnachtslieder gesungen, begleitet von einer mitfahrenden Band.

- Santa Express und Santa Special: Besonders beliebt bei Kindern sind diese beiden Züge, in denen jeweils Santa Claus mitfährt, der den Kindern an Bord kleine Geschenke überreicht.

Es ist schön, dass die vielen Angebote der West Somerset Railway so gut angenommen werden und dass dadurch die nostalgischen Dampfloks am Leben erhalten werden können.

Hier ist ein Film über die West Somerset Railway Autumn Steam Gala 2011.

The West Somerset Railway
The Railway Station
Minehead
Somerset
TA24 5BG
Tel: 01643 704996

Das Buch zum Artikel:
John Parsons: Saving the West Somerset Railway – The Branch Line That Refused to Die. The History Press 2011. 160 Seiten. ISBN 978-0752464039.

Eine Dampflok der WSR vernebelt den Bahnhof von Bishops Lydeard. - © Copyright Martin Bodman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cabmen’s Shelters – Ruhepol für Londons Taxifahrer

Cabmen's Shelter am Russell Square. - © Copyright Stephen McKay and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Wer aufmerksam durch Londons Straßen gegangen ist, dem sind sie vielleicht schon einmal aufgefallen, die grünen gartenhausartigen Schuppen, neben denen Taxis geparkt stehen. Es handelt sich hierbei um die Cabmen’s Shelters, die in der viktorianischen Zeit ab 1875 entstanden sind.
Da es damals den Kutschenfahrern an ihren Ständen untersagt war auszusteigen, war es schwierig für sie, irgendwo eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Der Earl of Shaftesbury hatte aber ein Herz für Kutschenfahrer und errichtete den Cabmen’s Shelter Fund, der diese “Gartenhäuschen” baute, worin Getränke und warmes Essen zu moderaten Preisen angeboten wurden. Auch Lesestoff in Form von Büchern und Zeitungen fand man darin.

Zwischen 1875 und 1914 wurden 61 Shelters gebaut, von denen heute noch 13 übrig geblieben sind. Es ist ziemlich eng darin, denn neben den Tischen und Stühlen ist ja auch noch eine Küche erforderlich, in der die Speisen zubereitet werden. Bei schönem Wetter können die Cabbies aber natürlich auch draußen sitzen und sich von den Strapazen ihres Jobs erholen.

Man darf in diesen Hütten selbstverständlich keine kulinarischen Höhepunkte erwarten; das Angebot besteht überwiegend aus Eiern, Schinken, Würstchen und Sandwiches, dazu Tee oder Kaffee (alkoholische Getränke gibt es hier nicht), aber damit sind die Taxifahrer zufrieden.

Die 13 Londoner Cabmen’s Shelters stehen heute unter Denkmalschutz und man findet sie u.a. in folgenden Straßen:
In den Grosvenor Gardens (SW1), in der Kensington Park Road (W11), am Russell Square (WC1) und in der Warwick Avenue (W9).

Wie es nun genau in so einem Taxifahrercafé zugeht, zeigt dieser Film.

Das Buch zum Artikel:
Alf Townsend: The Black Cab Story. The History Press 2009. 128 Seiten. ISBN 978-0750948531

Cabmen's Shelter in der Warwick Avenue. - © Copyright Stacey Harris and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 27. Oktober 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Der Mock Mayor in Woodstock (Oxfordshire) – Eine Zeremonie aus dem Jahr 1786

Hier in der Town Hall residiert die richtige Bürgermeisterin von Woodstock, Jill Dunsmore. - © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Woodstock im US-Bundesstaat New Hampshire habe ich als eine der englischsten Kleinstädte im Nordosten der USA in Erinnerung. Ihr Namensvetter in Oxfordshire ist allen bekannt, die schon einmal den berühmten Blenheim Palace besucht haben, denn die Zufahrt zu diesem Stately Home führt über Woodstock, ein hübscher Ort, 13 km nördlich von Oxford.

Hier spielt sich alljährlich eine Zeremonie ab, die bis auf das Jahr 1786 zurückgeht und mit einigen Unterbrechungen bis heute durchgeführt wird: Die Wahl und “Inthronisierung” des Mock Mayors. Dies ist ein “Scheinbürgermeister”, der neben dem richtigen Bürgermeister existiert.

Wie kam es dazu? Old Woodstock gehörte früher einmal zur Gemeinde Wooton, während der Nachbar New Woodstock eine eigene Gemeinde bildete, die schnell wuchs, ein schönes Rathaus baute und eine Bedeutung erlangte, die  Old Woodstock ein Dorn im Auge war. So versuchte man die Nachbargemeinde etwas zu verspotten, indem man einen Mock Mayor wählte.

Auch heute noch tritt Woodstocks Mock Mayor in einer Robe auf, mit einer Bürgermeisterkette, einem Stab und einem Zylinder. Nach und nach werden die alten Bekleidungsstücke früherer Mock Mayors durch neue ersetzt, weil diese mittlerweile zu empfindlich gewordenund im County Museum besser aufgehoben sind.

Den Höhepunkt der Zeremonie bildet das Eintauchen in den River Glyme, der Old und New Woodstock voneinander trennt; nachdem man das Flüsschen durchquert hat, macht sich der Mock Mayor und seine ganze Entourage auf den Weg zum Pub The Black Prince in der Manor Road, wo dann so manches Pint zu sich genommen wird.

Mock Mayors gibt es auch noch in anderen englischen Städten, so z.B. in Penzance, Polperro und Helston in Cornwall.

Hier ist ein Film, der den Mock Mayor von Woodstock des Jahres 2011 zeigt.

The Black Prince in Woodstock. - © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 17. Oktober 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Sussex by the Sea – Die Liebeserklärung des William Ward-Higgs an Sussex

Hier in South Bersted entstand "Sussex by the Sea". - This work is released into the public domain. This applies worldwide.

Viele englische Grafschaften haben eine Hymne, die dann zu allen möglichen Anlässen gespielt wird. Die Hymne von Lincolnshire habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.

Auch East und West Sussex verfügen über eine “county anthem”, die “Sussex by the Sea” heißt und im Jahr 1907 komponiert wurde. Entstanden ist sie in dem kleinen Dorf South Bersted, das an der Küste von West Sussex liegt, und der “geistige Vater” war ein gewisser William Ward-Higgs, der mit seiner Familie von 1902 – 1908  dort lebte, aber auch eine Rechtsanwaltskanzlei in London betrieb.

Wie kam es nun dazu, dass Ward-Higgs, der nicht aus Sussex stammte (er wurde in Lancashire geboren), eine Hymne auf die Grafschaft(en) schrieb?
Da gibt es zwei Versionen:
1. Es war seine Liebe zu Sussex, die ihn veranlasste, einen Marsch zu schreiben, der dann auch bald als Regimentsmarsch des Royal Sussex Regiments übernommen wurde.
2. Ward-Higgs komponierte das Lied anlässlich der Hochzeit seiner Schwägerin Gladys mit dem Hauptmann Roland Waithman vom 2. Bataillon des Royal Sussex Regiments.

Der Rechtsanwalt und Freizeitkomponist Ward-Higgs starb 1936 in Roehampton durch Selbstmord; er wird zumindest in Sussex unvergessen bleiben.

“Sussex by the Sea” beginnt so:

Now is the time for marching
Now let your hearts be gay
Hark to the merry bugles
Sounding along our way
So let your voices ring, my boys,
And take the time from me
And I’ll sing you a song, as we march along,
Of Sussex by the Sea

und der Refrain lautet:

Oh, Sussex, Sussex by the sea
Good old Sussex by the Sea
You may tell them all that we stand or fall
For Sussex by the sea.

…und so hört es sich an.

Das Buch zum Artikel:
Michael George: Sussex by the sea. Monterey Press 2011. 156 Seiten. ISBN 978-0956018816

Published in: on 12. Oktober 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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The Blaydon Races – Hymne der Geordies und des Newcastle United Football Clubs

Hier fanden früher die Blaydon Races statt. - Author: Keith Hall. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Geordies nennt man die Menschen, die in Newcastle upon Tyne und Umgebung im Nordosten Englands leben und einen bestimmten Dialekt sprechen, den man ebenfalls als Geordie bezeichnet. Auch die Anhänger des bedeutendsten Fußballvereins der Region, Newcastle United, sind Geordies und haben sich eine Hymne gewählt, die sie gern bei den Matchs ihres Lieblingsclubs singen,  “The Blaydon Races“.

George “Geordie” Ridley (1835 – 1864) hat dieses Lied im 19. Jahrhundert geschrieben, in dem es um die Pferderennen in Blaydon geht, eine Stadt im Verwaltungsbezirk Gateshead. Den Rennplatz von Blaydon gibt es heute nicht mehr, es wurde ein Kraftwerk darauf  gebaut, das aber inzwischen abgerissen wurde; dafür entsteht auf der Fläche das Riverside Crescent, ein großes Wohngebiet mit hunderten von Wohnungen.

Da sich “The Blaydon Races” so schön grölen lassen, haben auch Fans von anderen Fußballvereinen sich dieses Lied zu eigen gemacht, allerdings mit etwas geändertem Text. Die Anhänger der Bolton Wanderers und der Blackburn Rovers gehören zum Beispiel dazu.

Hier sind noch einige prominente Geordies:
- Paul “Gazza” Gascoigne, der skandalträchtige ehemalige Fußballspieler , der seine Karriere bei Newcastle United begann, war ein echter Geordie.

- Die beiden beliebten Fernsehmoderatoren Ant and Dec (das sind Anthony “Ant” McPartlin und Declan “Dec” Donnelly) kommen aus Newcastle und sprechen vor der Kamera gern ihren Dialekt.

- Cheryl Cole, Mitglied der Gruppe Girls Aloud und Jurymitglied bei The X Factor, ist stolz darauf, Geordie zu sein.

- Kevin Whateley, der aus Northumberland stammt, machte in der TV-Serie “Morse” als Detective Sergeant Lewis kein Hehl daraus, ein Geordie zu sein. Inzwischen ist er ja zum Detective Inspector befördert worden und hat seine eigene Serie “Lewis”.

Hier ist das Lied “The Blaydon Races” zu hören.

Published in: on 21. September 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Chalford in Gloucestershire – Hier werden wieder Esel als Transporteure eingesetzt

Chalford: Arbeitsplatz der Esel Chester und Terry. - © Copyright David Stowell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Chalford in Gloucestershire liegt am Rande der Cotswolds, einige Kilometer von Stroud entfernt, ein Dorf mit steilen Straßen und Wegen, die das Einkaufen speziell für ältere Menschen sehr beschwerlich machen. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man hier Esel eingesetzt, die den Transport von Waren in die höher gelegenen Teile des Dorfes übernahmen. Im Jahr 2008 kam man auf die Idee, diesen vierbeinigen Service erneut anzubieten und das Chalford Donkey Project wurde geboren.
Auf der Suche nach passenden Eseln fand man schließlich Terry und Chester, die auch beide bereit waren, einmal die Woche, am Samstag, Einkäufe vom Dorfladen in den oberen Teil von Chalfont zu bringen. Den Rest der Woche dürfen die beiden im Dorf sehr beliebten Tiere ausruhen und sich entspannen.

Der Dorfladen in Chalford wird von den Bewohnern des Ortes selbst betrieben und gehört ihnen auch, denn man kann Anteile an dem Geschäft erwerben. Diese Maßnahmen, eigener Dorfladen und Eseltransporte, haben das Gemeinschaftsgefühl in Chalford gefördert und außerdem den Ort national bekannt gemacht, denn sowohl die Presse als auch mehrere Fernsehsender berichteten darüber.
Ist so etwas nicht viel schöner, als ein großer anonymer Supermarkt, der zwar billiger ist, aber kleine Läden wie diesen gnadenlos kaputt machen würde?

In diesem Film kann man Chester auf einer seiner Runden durch Chalford begleiten.

Well Dressing = Brunnenschmücken – Eine alte Tradition, die vorwiegend in Derbyshire zu finden ist

Well Dressing in Tissington (Derbyshire). - © Copyright Mick Lobb and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenn man in den Monaten Mai bis September durch Derbyshire fährt, findet man in zahlreichen Dörfern blumengeschmückte Gebilde, die sich bei näherem Hinsehen als Brunnen herausstellen. Dieser alte Brauch des “Well Dressings” oder Brunnenschmückens geht weit in die Vergangenheit zurück und kann möglicherweise mit dem “Black Death” zusammenhängen, jener großen Pestepedemie im 14. Jahrhundert, der unendlich viele Menschen zum Opfer fielen. Aus Dankbarkeit, dass bestimmte Brunnen reines unverseuchtes Wasser lieferten, sollen diese mit Blumen geschmückt worden sein.

Der schöne Brauch war bis die 1920 und 1930er Jahre so gut wie verschwunden, bis er wieder ins Leben gerufen wurde. Das Bilderbuchdorf Tissington in Derbyshire soll die Tradition des Well Dressings am längsten pflegen und auch heute noch besuchen tausende von Menschen die sechs Brunnen des Ortes in der Woche um Christi Himmelfahrt, die dann besonders schön herausgeputzt werden.

Wie das Well Dressing vor sich geht, hat der “Tagesspiegel” in seiner Ausgabe vom 14.06.2008 sehr gut beschrieben:

“Die aufwendigen Pflanzgebilde werden mit Hilfe von Lehm und Ton, die als Bindemittel eingesetzt werden, auf große hölzerne Rahmen aufgezogen. Die Mosaike bestehen aus natürlichen Materialien wie Blumen, Blütenblättern, Gräsern, Moosen, Baumrinde, aber auch aus Pflanzensamen, Beeren und Bohnen. In stundenlanger, oft tagelanger Kleinarbeit werden die jährlich wechselnden Motive von einer Schar an Helfern liebevoll arrangiert. Rund 40 Hände sind notwendig, um binnen einer Woche ein circa zwei Meter mal 2,5 Meter großes Brunnenbild zu erstellen. So arbeitsintensiv das Erstellen der filigranen Kunstwerke ist, so kurz ist deren Haltbarkeit. Denn zumeist schon nach wenigen Tagen verwelken die Blumengebilde oder zerbröseln die Bilder, die zuvor in einer feierlichen Zeremonie gesegnet werden”.

Mittlerweile ist das Well Dressing auch in zahlreichen anderen englischen Grafschaften zu finden.
Hier ist ein Film über das Brunnenschmücken zu sehen.

Well Dressing in Taddington (Derbyshire). - © Copyright Ron Perry and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 24. August 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Horseman’s Sunday am 18.09.2011 in der St. John’s Church in Hyde Park (London) – Ein wichtiger Tag für die Reiter der britischen Hauptstadt

St John's Hyde Park. - © Copyright David P Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Im Jahr 1968 wollte man die Pferdeställe entlang des Londoner Hyde Parks schließen, was zu einer großen Protestwelle der Pferdeeigner führte. Sie brachten ihre Pferde  zur St John’s Church, wo diese vom Pastor der Kirche gesegnet wurden. Aus diesem (erfolgreichen) Protest ist eine jährlich stattfindende Zeremonie geworden, die sowohl die Einheimischen als auch Touristen zum Hyde Park zieht.

Dieser “Horseman’s Sunday” findet immer am dritten Sonntag im September statt, in diesem Jahr am 18. September. Über 100 Pferde und ihre Reiter finden sich an diesem Sonntag nach dem Gottesdienst vor der St. John’s Church ein; auch der Pfarrer sitzt bei der Zeremonie hoch zu Ross und wie damals 1968 werden die Pferde wieder gesegnet.
Rund um den “Pferde-Gottesdienst” gibt es noch allerhand Verlustigungen für Kinder und Erwachsene wie Tombolas, Spiele und Stände mit Essen und Trinken.

Hier ist ein kleiner Einblick in die Zeremonie vom letzten Jahr.

St John’s Hyde Park
Hyde Park Crescent
London
W2 2QD
Tel. 020 7262 1732
Published in: on 9. August 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Die “Mayor Weighing”-Zeremonie in High Wycombe (Buckinghamshire) – Hat er/sie während seiner/ihrer Amtsperiode an Gewicht zugenommen?

High Wycombe, Schauplatz des "Mayor Weighing". - © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

In High Wycombe in Buckinghamshire gibt es eine Tradition, die bis ins Jahr 1678 zurückverfolgt werden kann: Die sogenannte “Mayor Weighing“-Zeremonie. An dem Tag, an dem ein neuer Bürgermeister sein Amt antritt und der alte sein Amt verlässt, werden beide gewogen. Das gleiche gilt auch für die Inhaber der wichtigsten Ämter der Stadt High Wycombe.

Die Zeremonie findet alljährlich an jedem dritten Samstag im Mai statt mit dem Hintergrund: Haben die Stadtoberen im vergangenen Jahr an Gewicht zu- oder abgenommen? Haben sie zugenommen, so haben sie das auf Kosten der Steuerzahler getan und werden entsprechend von den anwesenden Bürgern der Stadt ausgebuht. Haben sie dagegen ihr Gewicht gehalten oder sogar abgenommen, so ist das Anlass, ihnen Applaus zu spenden.

In diesem Jahr wurde Chaudhary Ditta als neuer Bürgermeister in sein Amt eingeführt und gewogen. Er übernahm das Amt von Jane White, die die Waage mit der Bemerkung “and some more” des Town Criers verließ und entsprechend ausgebuht wurde. Wenn der Ruf “and no more” erschallt, heißt das, dass der Gewogene nicht an Gewicht zugenommen hat (und nicht zuviele Arbeitsessen auf Kosten der Steuerzahler eingenommen hat).

Hier ist ein Film von der Zeremonie aus diesem Jahr.

Published in: on 10. Juli 2011 at 04:00  Kommentare (1)  
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Village Greens – Ein wichtiger Bestandteil vieler englischer Dörfer

Great Bentley (Essex). – © Copyright terry joyce and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Village Greens” sind das Herzstück vieler englischer Dörfer. Vielleicht am besten mit dem deutschen Dorfanger vergleichbar, werden die Grünflächen gern für Dorffeste und Veranstaltungen benutzt. Über 3600 Village Greens soll es in England geben und zusammen mit dem Dorfpub und der Dorfkirche stellen sie so etwas wie das typische Dorfidyll dar, das man aus den Miss Marple-Romanen Agatha Christie kennt und liebt.

Eines der größten Greens verfügt mit 170 000 Quadratmeter der Ort Great Bentley in Essex, der auch mehrfach zum “Village of the Year” gekürt worden ist.
Auch Old Buckenham in Norfolk erhebt den Anspruch, das größte Village Green Großbritanniens zu besitzen.
Mein persönlicher Favorit ist das Village Green von Godstone in Surrey.

Die Open Spaces Society setzt sich für den Erhalt und Fortbestand dieser Grünflächen ein und auf ihrer Webseite schreibt die Organisation:

Town and village greens are the essence of rural England and Wales. Story-book images of village greens tend to be of an expanse of grass in the centre of a village complete with oak tree and seat, or a carefully-manicured recreation ground just outside the village, where cricket is played in the lengthening shadows of a summer evening, and the villagers dance round the maypole. In fact they are much more than that, and very varied.”

Ray Davies von der englische Rockgruppe The Kinks hat einen sehr schönen Song geschrieben, der den Titel trägt “Village Green Preservation Society“, der eigentlich die Hymne der Open Spaces Society sein könnte. Hier ist er in der Version von Kate Rusby hören.

Old Buckenham (Norfolk). - © Copyright James Allan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Godstone (Surrey). - © Copyright Richard Rogerson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Who Killed Cock Robin? – Kinderreim, TV-Krimi, Walt-Disney-Film

This photo was taken by Andreas Trepte, http://www.photo-natur.de. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Der englische Kinderreim “Who Killed Cock Robin?” soll erstmals im 18. Jahrhundert aufgetaucht sein; möglicherweise ist er aber noch viel älter. Es geht dabei um ein Rotkehlchen, das von einem Pfeil getötet wird und auf die Frage “Wer hat Cock Robin getötet?”, antwortet der Spatz “Ich habe ihn getötet mit meinem Pfeil und Bogen”. Auf jede weitere Frage, antwortet jeweils ein anderes Tier.

Was für ein Sinn dahinter steckt, ist Gegenstand von Spekulationen. Möglicherweise ist es eine Anspielung auf den Tod von König William II, der im Jahr 1100 von einem Pfeil getötet wurde oder aber mit besagtem Cock Robin ist Robin Hood gemeint. Wie auch immer, es ist ein hübscher Reim.

Walt Disney hat das Thema 1935 in einem Zeichentrickfilm verarbeitet, der für den Oscar nominiert  und 1936 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde. Hier ist der Film in voller Länge zu sehen.

Who Killed Cock Robin?” (dt. “Leichen leben länger”)  ist auch der Titel der Episode 17 in der 4. Staffel der TV-Krimiserie “Midsomer Murders“, in der Inspector Barnaby den Mörder Robin Wooliscrofts finden muss, der nach einer Party tot in einem Brunnen aufgefunden wird.

Vertont wurde das Lied auch mehrfach.Ich habe hier einmal die Version von Bird Radio als Beispiel genommen. Bird Radio ist eine Ein-Mann-Band, die in der Person von Mikey Kirkpatrick  aus Herefordshire besteht.

Hier ist der vollständige Text des Gedichts:

“Who killed Cock Robin?” “I,” said the Sparrow,
“With my bow and arrow, I killed Cock Robin.”
“Who saw him die?” “I,” said the Fly,
“With my little eye, I saw him die.”
“Who caught his blood?” “I,” said the Fish,
“With my little dish, I caught his blood.”
“Who’ll make the shroud?” “I,” said the Beetle,
“With my thread and needle, I’ll make the shroud.”
“Who’ll dig his grave?” “I,” said the Owl,
“With my pick and shovel, I’ll dig his grave.”
“Who’ll be the parson?” “I,” said the Rook,
“With my little book, I’ll be the parson.”
“Who’ll be the clerk?” “I,” said the Lark,
“If it’s not in the dark, I’ll be the clerk.”
“Who’ll carry the link?” “I,” said the Linnet,
“I’ll fetch it in a minute, I’ll carry the link.”
“Who’ll be chief mourner?” “I,” said the Dove,
“I mourn for my love, I’ll be chief mourner.”
“Who’ll carry the coffin?” “I,” said the Kite,
“If it’s not through the night, I’ll carry the coffin.”
“Who’ll bear the pall? “We,” said the Wren,
“Both the cock and the hen, we’ll bear the pall.”
“Who’ll sing a psalm?” “I,” said the Thrush,
“As she sat on a bush, I’ll sing a psalm.”
“Who’ll toll the bell?” “I,” said the bull,
“Because I can pull, I’ll toll the bell.”
All the birds of the air fell a-sighing and a-sobbing,
When they heard the bell toll for poor Cock Robin.

Published in: on 11. Juni 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Village Signs – Dekorative Ortsschilder, die vor allem in East Anglia zu finden sind

Trowse, Norfolk. - © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Lic

Mehr als 3000 Village Signs, diese dekorativen Ortsschilder, soll es in England geben, von denen die meisten in Norfolk (ca 500) und Suffolk (ca 350) zu finden sind. Neben den standardmäßigen, am Ortseingang stehenden Schildern, bilden diese holzgeschnitzten, aus Eisen, Keramik, Fiberglas oder Stein hergestellten Village Signs jeweils ein individuelles Abbild eines Ortes, auf dem z.B. Ereignisse aus der lokalen Geschichte gezeigt werden.

Im frühen 20. Jahrhundert entstanden die ersten dieser Ortsschilder in Norfolk, nachdem König Edward VII diesen Vorschlag einigen der Dörfer gemacht hatte, die auf oder am Rande des königlichen Sandringham Estate lagen.

Die Village Sign Society, 1999 von Maureen Long und Shirley Addy gegründet, setzt sich für den Erhalt dieser Tradition ein und dokumentiert die Dorfschilder in einer National Village Sign Database und Photobase.

Es gibt (gab) eine Fülle von Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen, z.B. Ursula BournesEast Anglian Village and Town Signs” (Shire Publ., ISBN 978-0747805571) oder Ken Savages Serie über Village and Town Signs in den einzelnen Counties (erhältlich bei: Ken Savage, 7 Duck End, Godmanchester, Cambridgeshire, PE29 2LW) oder eine ganze Reihe von Büchern, nach Counties gegliedert, von AL Publications (2 The Hazels, Wilpshire, Blackburn, Lancashire, BB1 9HZ).

Hier einige Beispiele:

Platt, Kent. - © Copyright David Anstiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Stambridge, Essex. - © Copyright terry joyce and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 8. Juni 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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The Band of the Coldstream Guards und ihre neue CD “Pride Of The Nation”

In den aktuellen britischen Charts steht sie schon, die neue CD  der Band of the Coldstream Guards Pride of the Nation“, in dieser Woche als Neueinsteiger auf Platz 36. Die Coldstream Guards sind das älteste Regiment der britischen Armee und seit dem 16. Mai 1785 hat es auch eine eigene Band, die sich entsprechend Band of the Coldstream Guards nennt.

Die in den Londoner Wellington Barracks ansässigen Musiker sind häufig bei festlichen Anlässen z.B. beim Buckingham Palast oder im Windsor Castle zu sehen und gehen auf nationale und internationale Tourneen. Als nächstes steht bei ihnen u.a. auf dem Programm das Windsor Castle Royal Tattoo (12.-15. Mai), Trooping the Colour am 11. Juni und das Basel Tattoo (16.-23. Juli).

Bekannt wurde die Band hauptsächlich durch ihre Märsche, aber ihr Repertoire umfasst einiges mehr: Es reicht von Johann Sebastian Bach über John Williams und Nicolai Rimsky-Korsakov bis zu Sir Andrew Lloyd Webber.

Ihre aktuelle, am 28. März bei Decca erschienene CD “Pride of the Nation” , der auch noch eine Bonus-DVD beiliegt, enthält so bekannte Klassiker wie Land of Hope and Glory, Jerusalem, Nimrod, Amazing Grace und natürlich auch die Nationalhymne. Also alles, was der britische Patriot so liebt.

Hier ist ein Film, in dem Lieutenant Colonel Graham Jones, der musikalische Direktor der Band of the Coldstream Guards, das neue Album vorstellt.

© Copyright Barbara Carr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

The Yeoman Warder Ravenmaster – Er ist verantwortlich für das Wohlergehen der Tower-Raben

Author: A. Norppa. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

Wenn die sechs Raben im Londoner Tower einmal nicht mehr da sein sollten, würde das Königreich aufhören zu existieren, das sagt zumindest die Legende.
Charles II (1630-1685) erließ damals ein Dekret, dass immer sechs Raben im Tower anwesend sein müssen und an dem noch heute festgehalten wird (man ist ja nicht abergläubisch!).
Damit es den hauptamtlichen Raben (bzw. den Ersatzraben, die es auch gibt) ständig gut geht, gibt es dafür einen Verantwortlichen, der den Titel Yeoman Warder Ravenmaster trägt. Seit Juli 2009 hat diesen Posten Ray Stones inne, der ihn von Derrick Coyle übernahm.

Was sind nun die Aufgaben des Ravenmasters? Er muss früh aufstehen, die Raben aus ihren Käfigen lassen, sie füttern und tränken und die Käfige reinigen. Dann dürfen die Vögel “spielen” gehen, d.h. sie dürfen sich im Towerbereich frei bewegen; wegfliegen können sie nicht, da jeweils einer ihrer Flügel beschnitten worden ist. Abends müssen die Schwarzgefiederten wieder eingefangen und in ihre Käfige zurückgebracht werden, denn wenn sie nachts frei herumlaufen würden, könnten sie ja marodierenden Füchsen oder Katzen zum Opfer fallen und was würde dann aus dem Königreich?

Den Raben fehlt es kulinarisch an nichts; sie bekommen eine ausgewogene Kost, die aus frischer Leber, Lamm, Rind- und Schweinefleisch besteht; sehr gern werden auch in Blut getauchte Kekse gegessen.

Da der Job eines Ravenmasters zwar sehr verantwortungsvoll aber nicht ganz tagesfüllend ist, so fungiert der “Rabenmann” auch noch als Yeoman Warder, besser als Beefeater bekannt, d.h. er muss zusammen mit seinen Kollegen auch noch ein Auge auf die Gefangenen (!) im Tower und auf die dort aufbewahrten Krownjuwelen haben (was natürlich die elektronischen Sicherheitsanlagen besser können); in Realität sind die Beefeater für die Fragen der Touristen da und werden auch gern als Fotomotiv genommen. Japaner lieben es, zusammen mit einem Beefeater fotografiert zu werden.

Wer jetzt Lust verspürt, diesen Job als Rabenhüter einmal zu übernehmen (es gibt weltweit nur eine Stelle), der muss mindestens 22 Jahre in der Armee gedient haben, ein makelloses Führungszeugnis besitzen und mindestens den Dienstgrad eines Warrant Officers haben, was etwa einem Stabsfeldwebel entspricht.

Hier kann man sich das alles noch einmal in einem Film ansehen.

Published in: on 27. Februar 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aunt Sally – Das Pubspiel, das vor allem in Oxfordshire sehr beliebt ist

Pitch Penny, Shove ha’Penny, Devil among the tailors und auch Aunt Sally sind Spiele, die in britischen Pubs beliebt sind. In der TV-Krimiserie “Midsomer Murders“, die in Deutschland unter dem Namen “Inspector Barnaby” läuft, gibt es in der Episode 18  “Dark Autumn” (dt. “Morden, wenn die Blätter fallen”) eine recht lange Szene, in der man in einem Pub Aunt Sally spielt.
Die Regeln sind, wie man in dem Film sieht, recht einfach: Auf einem Metallpfosten steht eine weiße Holzkugel mit Sockel, “doll” oder “dolly” genannt. Zwei Teams, die aus jeweils acht Spielern bestehen, versuchen jetzt mit Sticks, Holzstöcken, von denen jeder Spieler sechs bekommt, die Dolly von ihrem Podest zu stoßen, wobei der Pfosten nicht berührt werden darf. Die Entfernung vom Werfer zur Dolly beträgt 10 Yards, das sind exakt 9,14m.  Das Team mit den meisten “Abschüssen” gewinnt. Normalerweise spielt man drei oder vier Runden.

Aunt Sally ist besonders in Oxfordshire sehr beliebt und da gibt es auch eine Oxford & District Aunt Sally Association. Lokale Aunt Sally Gruppen gibt es z.B. noch in Banbury, Abingdon und Chipping Norton.

Wer mehr über dieses Pubspiel wissen möchte, findet hier detaillierte Informationen und hier einen kleinen Film. Wer sich das ganze Zubehör für das Spiel zulegen möchte, kann das z.B. bei der Firma Masters Traditional Games tun.

Hier im Punchbowl Inn in Woodstock (Oxfordshire) wird auch heute noch gern Aunt Sally gespielt. – © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 19. Februar 2011 at 04:00  Kommentare (3)  
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