Joseph Merrick, der Elefantenmensch

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain.

Ein tragischeres Schicksal als das von Joseph Carey Merrick kann man sich wohl schwer vorstellen. Der 1862 in Leicester geborene Mann wurde aufgrund einer seltenen Krankheit als “Der Elefantenmensch” bezeichnet. Schon als kleines Kind zeigten sich bei ihm seltsame Verunstaltungen, die immer schlimmer wurden. Die Mutter des intelligenten Jungen starb schon früh, sein Vater heiratete erneut und Josephs Stiefmutter wollte mit dem Kind nichts zu tun haben. So kam Joseph Merrick in das Leicester Union Workhouse und verdiente sich ein wenig Geld mit dem Verkauf von Schuhcreme in den Straßen der Stadt.

Bald merkte de junge Mann, dass es für ihn nur eine Chance in seinem Leben gab: Er musste sich zur Schau stellen und auf diese Weise Geld verdienen. Mit Hilfe eines gewissen Sam Torr und eines Show-Impresarios namens Tom Norman wurde Merrick als “Half-a-Man and Half-an-Elephant” in den Midlands und in London auf Jahrmärkten und in Hinterzimmer-Varietés vorgeführt.

Schließlich nahm sich ein Arzt, Dr. Frederick Treves, des kranken Mannes an und nahm ihn mit in das Whitechapel Hospital, wo Merrick von nun an lebte. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich zeitweise, aber er führt ein sehr einsames Leben, obwohl es einige Menschen in London gab, die ihm zu helfen versuchten wie die Schauspielerin Madge Kendal. Doch in den letzten vier Jahren seines Lebens ging es bergab, die Deformierungen am Kopf hatten stark zugenommen. Am 11. April 1890 starb Joseph Merrick, der Elefantenmensch, im Alter von nur 27 Jahren.

An welcher Krankheit litt er nun? Man nannte die seltene Elefantiasis als eine Möglichkeit oder die Erbkrankheit Neurofibromatose, später noch das Proteus-Syndrom. Ganz sicher waren die Wissenschaftler aber nicht.

1980 machte David Lynch aus der tragischen Geschichte den Film “The Elephant Man” (dt. “Der Elefantenmensch”) mit John Hurt, Anthony Hopkins und John Gielgud in den Hauptrollen. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Artikel:
Michael Howell: The True History of the Elephant Man. Allison & Busby 2001. 240 Seiten. ISBN 978-0749005160.

Published in: on 19. Mai 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Die Culbone Church im Exmoor National Park (Somerset) – Englands kleinste Kirche

   © Copyright Tony Atkin

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Tony Atkin

Der Mini-Hafenort Porlock Weir an der Küste von Somerset hat es mir besonders angetan. Ich berichtete in meinem Blog bereits einmal über meinen Aufenthalt im Anchor Hotel. Einen Fußmarsch von etwa drei Kilometern von Porlock Weir entfernt, liegt das winzige Dorf Culbone, das nur aus einer Kirche und einer Handvoll Häusern besteht. Die Kirche ist dem wenig bekannten walisischen Heiligen Saint Beuno geweiht und gilt als kleinstes Gotteshaus Englands. Mit dem Auto kann man hier nicht hinfahren; da muss man schon den Southwest Coast Path nehmen, um die Kirche zu besichtigen.

Die Ausmaße der Culbone Church: Das Kirchenschiff misst gerade einmal 6,60m x 3,80m. 3o Personen passen hinein und auch heute noch werden hier Gottesdienste abgehalten. Wie alt die Kirche tatsächlich ist, lässt sich nicht mehr so genau feststellen; Teile stammen aus dem 13. und dem 15. Jahrhundert, aber die Ursprünge gehen noch viel weiter zurück.

Auf dem Friedhof liegt Joan d’Arcy Cooper begraben, die zusammen mit ihrem Ehemann, dem Töpfer Waistel Cooper, in Culbone wohnte. Cooper war Schriftstellerin und Esoterikerin, die 1982 in ihrem Haus starb. Bei den Trauerfeierlichkeiten versammelte sich eine große Menschenmenge in dem kleinen Ort, um Cooper das letzte Geleit zu geben. Danach fiel Culbone wieder in seinen Dornröschenschlaf zurück.

Die beiden Dichter William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge besuchten die Kirche seinerzeit und ließen sich durch die Landschaft inspirieren. Coleridges berühmtes Gedicht “Kubla Khan” entstand hier in Culbone, das er in einem Haus schrieb, das nur wenige Gehminuten von der Kirche entfernt liegt.

Hier ist ein Film über die abgelegene Kirche in Somerset.

   © Copyright Philip Halling

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling

Published in: on 1. Mai 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Bruton (Somerset) – Hier schrieb John Steinbeck sein Buch “König Artus und die Heldentaten der Ritter seiner Tafelrunde”

Blick auf Bruton in Somerset.   © Copyright Nigel Freeman

Blick auf Bruton in Somerset.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nigel Freeman

Der US-amerikanische Schriftsteller John Steinbeck wurde vor allem durch seine Romane “Früchte des Zorns”, “Tortilla Flat” und “Die Straße der Ölsardinen” weltberühmt. Nicht so bekannt ist sein Buch “The Acts of King Arthur and his Noble Knights” (dt.”König Artus und die Heldentaten der Ritter seiner Tafelrunde”), das erst 1976 nach seinem Tod veröffentlicht wurde. In diesem unvollendeten Werk berichtet der Nobelpreisträger von der Legende des König Artus und den Rittern der Tafelrunde wie Gawain, Ewain, Lancelot und  ihren Abenteuern und Liebesgeschichten. Steinbeck wollte Thomas Malorys mittelalterliche Romanze “Le Morte d’Arthur” in einer heute verständlicheren Sprache neu erzählen.

Um für das Buch zu recherchieren und ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen, zog Steinbeck 1959 mit seiner Frau Elaine für neun Monate nach Somerset, wo sich die beiden im abgelegenen Discove Cottage in der Nähe von Bruton niederließen. Hier gab es zwar Elektrizität, aber sonst nur wenige Annehmlichkeiten. Der Schriftsteller hackte Holz für den Kamin, pflanzte Lebensmittel an, beschäftigte sich mit Holzschnitzen, fand aber auch noch die Zeit, an seinem Buch zu arbeiten.

John Steinbeck und seine Frau fühlten sich hier im ländlichen Somerset wohl; sie besuchten Cadbury Castle und Glastonbury, wandelten auf den Spuren von König Arthur, frequentierten die örtlichen Pubs in Bruton und waren bei den Dorfbewohner sehr beliebt.

Bruton ist heute ein Ort mit rund 3000 Einwohnern, etwa auf halber Strecke zwischen Glastonbury und Shaftesbury. Das Discove Cottage liegt südlich von Bruton und westlich des kleinen Weilers Redlynch; von der sehr engen Straße geht bei der Home Farm ein Weg zum Cottage ab, das sich natürlich auf Privatgelände befindet.
Der Tisch, an dem Steinbeck im Discove Cottage schrieb, steht übrigens in dem kleinen Museum in Bruton in der High Street.

Ebenfalls in der High Street steht ein außergewöhnliches Café und Restaurant, in dem man auch übernachten kann: At the Chapel, eine umgebaute ehemalige Kirche.

Published in: on 8. März 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Lewes (East Sussex) – Hier ereignete sich das schwerste Lawinenunglück in der Geschichte Großbritanniens

Der Cliffe Hill in Lewes.   © Copyright David Saunders

Der Cliffe Hill in Lewes.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Saunders

Lawinen in England? Das ist doch ein Naturschauspiel, das man mit den Alpen in Verbindung bringt und, wenn überhaupt, dann doch eher mit dem Norden des Landes, aber nicht mit East Sussex. Doch genau hier, in der Hauptstadt der Grafschaft, in Lewes, ereignete sich am 27. Dezember 1836 das schwerste und folgenreichste Lawinenunglück in der Geschichte Großbritanniens.

Was war geschehen? Der Winter im Jahr 1836 war besonders hart;  starke Schneefälle, verbunden mit schweren Stürmen fegten Ende Dezember über das ganze Land. Am Rande des Cliffe Hill im Osten der Stadt Lewes hatten sich große Schneemassen festgesetzt; man sah zwar, dass die Gefahr bestand, dass diese auf die direkt darunterliegende Boulder Row herunterstürzen könnten, unternahm aber nichts. Und es kam wie es kommen musste, am 27. Dezember gegen 10.15 Uhr morgens kippte die große Schneewechte und ergoss sich auf die armseligen Häuser der Boulder Row (hier wohnten die ärmsten Leute von Lewes). So groß war die Wucht der Lawine, dass alle Cottages der Straße total zerstört wurden. Acht Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, einige konnten aus den Ruinen gerettet werden. Ein Wiederaufbau der Boulder Row erwies sich nicht als sinnvoll. An der Stelle, an der sich das Lawinenunglück ereignete, der heutigen South Street, steht der Snowdrop Inn, ein Name, der an das Ereignis erinnern soll (wenn auch in verniedlichender Form). Wenn man vor dem Pub steht, sieht man dahinter den Cliffe Hill mit seiner scharfen Abbruchkante hervorragen.

Eine Plakette mit den Namen der Opfer befindet sich in der South Malling Parish Church; hier wurden die acht auch beigesetzt.

So viel ich weiß, ist das das einzige Lawinenunglück mit fatalen Folgen in England; in Schottland hat es in den Highlands schon mehrere gegeben.

Der Snowdrop Inn in Lewes.   © Copyright Simon Carey

Der Snowdrop Inn in Lewes.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Simon Carey

Published in: on 21. Februar 2013 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Great Dunmow (Essex) – Eine alte Tradition wird hier noch immer am Leben gehalten

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).   © Copyright John Firth

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Firth

Manche Traditionen werden in England über Jahrhunderte gehegt und gepflegt, so auch die Dunmow Flitch Trials, die bis ins Jahr 1104 zurückverfolgt worden sind. Schauplatz ist der Ort Great Dunmow in Essex, der an der A120 zwischen Bishops Stortford und Colchester liegt.

Alle vier Jahre finden diese “Gerichtsverhandlungen” in Great Dunmow statt (die letzten in diesem Jahr). Es geht hier um eine Speckseite (flitch), die von jeweils fünf Ehepaaren, die mindestens ein Jahr und einen Tag verheiratet sein müssen, beansprucht wird. Die Jury besteht aus einem Richter und jeweils sechs unverheirateten Damen und Herren. Die Spender der Speckseite sind durch Anwälte vertreten, ebenso die “klagenden” Paare. Um ihren Anspruch auf die Speckseite zu gerechtfertigen, müssen die Ehepaare überzeugend nachweisen, dass sie das letzte Jahr + einen Tag einander treu waren und ihre Eheschließung nicht einen einzigen Tag bereut haben. Die Anwälte der Gegenseite versuchen natürlich ihre Argumente zu zerpflücken und die Jury davon zu überzeugen, dass ihre Ansprüche nicht gerechtfertigt sind.

Die erfolgreichen Ehepaare werden dann auf dem Flitch Chair zum Marktplatz getragen, wo sie auf spitzen Steinen knieend den Flitch Oath ablegen müssen und die Speckseite in Empfang nehmen dürfen.

Die meisten Paare kommen aus der näheren Umgebung, aber grundsätzlich kann sich hier jedes Ehepaar, egal aus welchen Teilen der Welt, an den Verhandlungen teilnehmen und die Speckseite für sich beanspruchen. Ein netter Brauch, der auch dazu beiträgt, den “community spirit” von Great Dunmow aufrechtzuerhalten.

Hier ist ein Film, der die Trials aus diesem Jahr zeigt.

Der Untergang der “Marchioness” – Eine der großen Katastrophen auf der Themse in London

Gedenkstätte in der Southwark Cathedral.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Basher Eyre

In den frühen Morgenstunden des 20. August 1989 ereignete sich mitten in London auf der Themse ein schweres Schiffsunglück, das an den Untergang der SS Princess Alice am 3. September 1878 erinnert, nur dass damals erheblich mehr Menschen ertranken (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Das voll besetzte 46 Tonnen leichte Ausflugsboot “Marchioness” wurde von dem 80 m langen, 13m breiten und 1880 Tonnen schweren Baggerschiff “Bowbelle” gerammt und ging binnen 30 Sekunden unter. 51 Menschen überlebten die Katastrophe nicht. Das Boot war für eine Geburtstagsparty gechartert worden und 131 Menschen feierten auf der “Marchioness”, als sich die Kollision ereignete. Beide Schiffe hielten sich in der Mitte der Themse auf und die jeweils Verantwortlichen hatten offensichtlich ihren Crews keine klaren Anweisungen zur Beobachtung des Schiffsverkehrs gegeben. Zu diesem Schluss kam jedenfalls eine Untersuchungskommission. Der Kapitän der “Bowbelle” wurde vor Gericht gestellt, aber freigesprochen, da die Geschworenen sich auf keinen gemeinsamen Schuldspruch einigen konnten.

In der Southwark Cathedral wurde in Erinnerung an die Ertrunkenen eine Gedenkstätte errichtet, die die Inschrift trägt “Many waters cannot quench love”.

Am 25. März 1996 ereilte auch die “Bowbelle” ihr Schicksal, als sie vor der Küste von Madeira sank. Das Wrack erfreut sich seitdem bei Tauchern großer Beliebtheit. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Die britische ITV drehte 2006 einen Spielfilm über die Katastrophe, der aber nicht gesendet wurde, weil die Angehörigen der Opfer Einspruch erhoben und weil er wohl nicht sensibel genug produziert worden war (hier ein Ausschnitt). Eine Dokumentation der BBC “The Marchioness: A Survivor’s Story” wurde jedoch 2009 ausgestrahlt.

Das Buch zum Artikel:
Magda Allani: Dark Waters – Chronicle of a Story Untold: A Survivor’s Account of the Marchioness Disaster on the Thames. Slow Burn Publications 2011. 250 Seiten. ISBN 978-1908671011. (Magda Allani ist eine der Überlebenden der Katastrophe).

Published in: on 21. November 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Foulness Island (Essex) – (Fast) ein Großflughafen und eine militärisch streng abgeschirmte Insel

Die bewachte Einfahrt zu Foulness Island.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Harris

Es heißt, dass selbst viele Engländer von der Insel mit dem nicht sehr verlockend klingenden Namen Foulness Island in Essex noch nie gehört haben. In die relativ große Stadt Southend mit ihrer langen Pier kommen schon eine ganze Menge Menschen, in die nordöstlich davon liegende Region dagegen nicht. So richtig wie eine Insel sieht Foulness Island auch nicht aus; die Flüsse Crouch und Roach mit einigen Nebenarmen trennen sie aber vom Festland ab. Wer sich das alles einmal näher ansehen möchte, wird aber schnell auf Probleme treffen, denn die Insel gehört dem britischen Verteidigungsministerium und ist somit militärisches Sperrgebiet. Das Merkwürdige ist, dass hier in Courtsend und Churchendtrotzdem Menschen wohnen, die nicht zum militärischen Personal gehören. Bis vor einigen Jahren gab es hier sogar einen Pub, den George and Dragon in Churchend. Wollte man dort ein Pint trinken, so musste man sich telefonisch im Pub anmelden; der Gastwirt wiederum musste dafür die Einwilligung der Sicherheitsbehörden einholen, die den Zugang zur Insel bewachten, und dann durfte man, wenn man Glück hatte, passieren. Kein Wunder, dass der George and Dragon mittlerweile seine Pforten geschlossen hat.

Was genau auf der Insel passiert, weiß keiner so genau, denn hier ist alles streng geheim. Das Ministry of Defense bzw. die Firma Qinetiq, ein Rüstungs- und Forschungsunternehmen, testen und entwickeln auf Foulness Island allerlei militärisches Gerät; da soll auch schon einmal mit “schmutzigen Bomben” experimentiert worden sein wie der SPIEGEL am 24. März 2008 berichtete. Nebulös ist da die Rede von “geheimen Projekten von nationaler Bedeutung, die England vor sehr realen Bedrohungen schützen”. Irgendwie erinnert mich das an die mysteriöse Area 51 in Nevada.

Um ein Haar wäre Foulness Island in den 1970er Jahren in einen Großflughafen umgewandelt worden. Dass die Londoner Flughäfen schon seit geraumer Zeit mit Erweiterungsproblemen kämpfen, ist ja allgemein bekannt. Vor allem Heathrow, der in einem dicht bebauten Gebiet liegt, hat kaum noch Potential für weitere Start- und Landebahnen und so hat man sich bereits damals Gedanken um einen neuen Flughafen für London gemacht. Die damalige konservative Regierung hatte sich schon auf Foulness Island festgelegt; sie wollte dort neben dem Flughafen auch noch einen großen Hafen für Frachtschiffe bauen, also ein Riesenprojekt, das viele Milliarden Pfund kosten sollte. Aber kurz vor Umsetzung der Pläne kam die Labour-Regierung unter Harold Wilson an die Macht, die das Projekt kurzerhand zu den Akten legte.

Das “Heathrow-Problem” besteht nach wie vor und als Alternative wurde schon ein Flughafen in der Themsemündung diskutiert, favorisiert von Londons Bürgermeister Boris Johnson. Da boten sich z.B. die Shivering Sands bei Whistable in Kent an und sowohl die Isle of Sheppey als auch die Hoo Peninsula waren im Gespräch.

Der Kelch eines Großflughafens mit all seinen Umweltproblemen ist also an der Foulness Island vorbeigegangen; so ruht sie nach wie vor in einer Art Dornröschenschlaf, der ab und zu von geheimnisvollen Detonationen unterbrochen wird.

Wer sich die Insel unbedingt einmal ansehen möchte, der kann das von April bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 12 Uhr und 16 Uhr tun, denn dann ist das in der ehemaligen Grundschule untergebrachte Foulness Heritage Centre geöffnet, das die Geschichte dieser eigenartigen Insel dokumentiert.

Hier ist ein Film über die Insel.

Es hätte nicht viel gefehlt und statt Natur wären hier Landebahnen und Jumbo Jets zu sehen.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright terry joyce

Der ehemalige George and Dragon in Churchend.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Harris

Published in: on 6. November 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Chipping Norton (Oxfordshire)…zum Zweiten – Die ehemaligen Aufnahmestudios für Rock- und Popmusik

Author: Reading Tom. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die Hitlieferanten der Rock- und Popmusik waren nicht immer nur die großen Londoner Aufnahmestudios, auch in der Provinz wurden Schallplatten aufgenommen, die es in die nationalen und internationalen Hitparaden schafften wie ich es schon am Beispiel von Richard Bransons Manor House Studios in Shipton-on-Cherwell zeigte (hier mein Blogeintrag).

Ebenfalls in Oxfordshire angesiedelt waren die Chipping Norton Recording Studios, in denen von 1971 bis 1999 Rock- und Popstars ein- und ausgingen. Die Brüder Mike und Richard Vernon, sowie David Grinsted gründeten die Studios 1971 in einem ehemaligen alten Schulgebäude in der New Street, das über dicke Mauern verfügte, ideal für die Produzenten und natürlich auch die Nachbarn, denn das Haus liegt mitten im Ort.

Deas erste Album, das hier 1972 aufgenommen wurde, hieß “Rocking at the Tweed Mill” der holländischen Band The Livin’ Blues (über die Tweed Mill schrieb ich gestern in meinem dreiteiligen Beitrag über Chipping Norton).
Der erste Nummer-1-Hit war 1975 der Titel “Bye Bye Baby” der schottischen Boygroup Bay City Rollers. Es folgten Erfolgshits wie “Too shy” von Kajagoogoo,I should have known better” von Jim Diamond, I just died in your arms” von Cutting Crew, “Baker Streetvon Gerry Rafferty oder “Perfect” der Gruppe Fairground Attraction.

Aber auch diese goldenen Zeiten gingen vorüber, denn die 1990er Jahre waren für die britischen Aufnahmestudios durch geringer werdende Budgets schlecht; und so wurden die Studios Ende 1999 im hübschen Chipping Norton geschlossen. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus und Zahnarztpraxis genutzt

Published in: on 17. Oktober 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Das All Souls College in Oxford mit der schwersten Aufnahmeprüfung der Welt

Das All Souls College neben der Radcliffe Camera.
Eigenes Foto.

Am Oxforder All Souls College ist alles anders als an den anderen Colleges der Universitätsstadt. Hier gibt es z.B. keine Studenten oder Hochschulabsolventen, sondern nur Fellows, das sind Gelehrte, die von einer Hochschule oder Universität zum Zwecke der Forschung und/oder Lehre finanziell unterstützt werden (so die Definition der Wikipedia). Wer an diesem College arbeitet, bezahlt keine Gebühren, im Gegenteil er/sie erhält ein Stipendium von jährlich £14,783 für einen Zeitraum von sieben Jahren. Nicht schlecht, aber wie schafft man es, in dieses spezielle College aufgenommen zu werden?

Zwei Graduates (Hochschulabsolventen) bekommen jedes Jahr die Chance, eine Fellowship am All Souls College zu erhalten, müssen dafür aber, wie es heißt, die schwerste Aufnahmeprüfung der Welt ablegen. Durschnittlich 50 Graduates bewerben sich pro Jahr für die beiden Stellen und wirklich nur die allerbesten schaffen es in das “Heiligtum”.

Wie sieht denn nun diese Aufnahmeprüfung aus? Vier schriftliche Ausarbeitungen müssen angefertigt werden, für die man jeweils drei Stunden Zeit hat; zwei zu allgemeinen Themen, zwei zu speziellen Themen. Vor zwei Jahren wurde die gefürchtetste Prüfung abgeschafft: Man erhielt einen Umschlag, in dem auf einem Blatt Papier nur ein Wort stand, und über das musste man drei Stunden lang einen Essay schreiben.

Die Themen, die den Graduates vorgesetzt werden, haben es in sich und klingen manchmal auf den ersten Blick sehr merkwürdig; man will damit aber sehen inwieweit die geistige Elite mit ungewöhnlichen Themen umgehen kann. Hier sind einige Beispiele:

- Ist es umoralisch, eine Handtasche im Wert von £10 ooo zu kaufen?
- Verändert sich der Charakter einer Orgie, wenn die Teilnehmer Nazi-Uniformen tragen?
- Man sagt, Architektur sei “eingefrorene Musik”. Ergibt das einen Sinn?
- Schreiben Sie einen Nachruf auf Harold Pinter.
- Warum sind Janes Austens Romane auch heute noch so populär?

Wer es ins All Souls College geschafft hat, dem stehen später einmal die Türen offen für wichtige Ämter z.B. in der Politik und der Wirtschaft. Ehemalige des College waren u.a.
- Der polnische Philosoph Leszek Kołakowski
- Der Schriftsteller und Geheimagent Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien)
- Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz
- Der Philosoph Sir Isaiah Berlin

Das 1438 gegründete All Souls College, direkt im Zentrum an der High Street gelegen, ist auch architektonisch eines der imposantesten Gebäude der Stadt. Auf den skurrilen Brauch “Hunting the Mallard“, der hier gepflegt wird, bin ich in einem Blogeintrag schon einmal eingegangen.

Man kann Teile des College kostenlos besichtigen und zwar wochentags zwischen 14 Uhr und 16 Uhr.

All Souls College
27 High Street
Oxford OX1 4AL,

Tel. 01865 279379
Published in: on 11. Oktober 2012 at 02:00  Kommentare (1)  
Tags:

Worth Matravers (Dorset) und Benjamin Jesty, der (eigentliche) Entdecker der Pockenschutzimpfung

Das idyllisch gelegene Worth Matravers in Dorset.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alex McGregor

Eigentlich gilt ja Edward Jenner (1749-1823) als der Entdecker der Pockenschutzimpfung, aber da war noch jemand vor ihm, ein gewisser Benjamin Jesty (1736-1816), der erkannte, dass, wenn jemand an Kuhpocken erkrankt war, er später nicht mehr an den weit schwerwiegenderen Pocken erkrankte.
Diese Beobachtung machte Jesty auf seinem Bauernhof in Yetminster in Dorset. Zu jener Zeit kam es immer wieder zu Pockenepidemien in England und besonders Melkerinnen und andere Farmarbeiter, die an den relativ harmlosen Kuhpocken erkrankt waren, galten als immun gegen die gefährliche Pockenerkrankung. Jesty experimentierte mit dieser Erkenntnis, indem er seiner Frau und seinen beiden Söhnen Material aus einer infizierten Kuh injizierte. Zwar erkrankte seine Frau kurzfristig ernsthaft, erholte sich aber schnell. Sie und die beiden Söhne hatten bei späteren Epidemien nie wieder Probleme.

1797 zog Jesty mit seiner Familie nach Worth Matravers an der Südküste Dorsets, wo ein gewisser Dr. Andrew Bell aus dem benachbarten Swanage von den Impferfolgen des Farmers hörte und seine Gemeindemitglieder, er war Pfarrer, erfolgreich gegen Pocken impfte.
Benjamin Jesty stand immer im Schatten von Edward Jenner, der als der Entdecker der Pockenschutzimpfung gilt und damals viele Preisgelder für sich verbuchen konnte. Obwohl sich mehrere Menschen für Jesty einsetzten, u.a. Dr. Bell, blieb ihm die richtige Anerkennung für seine Verdienste versagt.

Benjamin Jesty starb 1816 in Worth Matravers und ist auf dem Friedhof der St Nicholas Church an der Seite seiner Frau begraben. Wenigstens hat man an seiner Farm in Yetminster eine blaue Plakette angebracht, die an die Arbeit des Farmers erinnert.

Das Buch zum Artikel:
Patrick J. Pead: Benjamin Jesty: Dorset’s Vaccination Pioneer. Timefile Books 2009. 40 Seiten. ISBN 978-0955156113

Bejamin Jesty. Porträt von Michael William Sharp.
This image is in the public domain.

Jestys Grabstein auf dem Kichhof von St Nicholas in Worth Matravers.
This image is in the public domain.

Published in: on 3. Oktober 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Herbst und Winter – Meine Lieblings-Reisezeiten für England

Ende Januar: Mein Auto vor dem Thornbury Castle Hotel.
Eigenes Foto.

Wenn ich im Freundes- oder Bekanntenkreis erwähne, dass ich am liebsten im Herbst oder im Winter nach England fahre, werde ich immer angeguckt, als ob ich nicht ganz richtig im Kopf wäre. Wie kann man ausgerechnet in der kalten Jahreszeit nach England reisen, in ein Land, in dem es auch im Sommer immer regnet und in dem es im Herbst ständig neblig ist (wie sich das viele Deutsche noch immer vorstellen)?

Warum reise ich nun zu den Zeiten am liebsten nach England, die von nahezu allen anderen Touristen gemieden werden? Zum einen mache ich gern Dinge, die andere nicht machen, zum anderen fühle ich mich am wohlsten, wenn ich nicht von Touristenschwärmen umgeben bin. In meinen Januaraufenthalten zum Beispiel traf ich so gut wie nie auf ein anderes Auto mit deutschem Kennzeichen.

Ich liebe es, wenn es früh dunkel wird und ich mich mit meiner Frau in ein Country House Hotel oder Schlosshotel zurückziehen kann, in dem es nach Kaminfeuer riecht, in dem man sich nach einem ausgiebigen gemütlichen Abendessen mit einem Glas Whisky in die Lounge begeben kann, natürlich vor ein prasselndes Kaminfeuer. In der Lounge brennen Kerzen, leise klassische Musik läuft im Hintergrund, man blickt auf Gemälde von historischen Persönlichkeiten, die anderen anwesenden Gäste unterhalten sich in gedämpftem Ton…

Als wir kurz nach dem 11. September 2001 in England weilten, war unser Schlosshotel, das Thornbury Castle, fast leer. Das gern von Amerikanern besuchte Hotel litt unter den Massenstornierungen aus den USA. Wir waren fast allein in dem alten, wunderschönen Gemäuer.

Vor wenigen Jahren gerieten wir im Januar in ein Schneechaos, d.h. in England hielt man es für ein Schneechaos:  Die Schulen fielen aus, in Heathrow blieben Flugzeuge am Boden, im Radio wurde davor gewarnt, mit dem Auto zu fahren.

Für uns waren es  ganz normale Wintertage: Herrlich, unsere Schlosshotels waren tief verschneit. Im Cliveden Hotel bei Taplow in Berkshire lieh man uns Gummistiefel, damit wir im Park spazierengehen konnten. Bei der Abreise säuberte der Hotelmanager unser Auto vom Schnee,  stand dabei bis zu den Knöcheln im Matsch und winkte hinter uns her. Wir genossen unseren Aufenthalt in vollen Zügen.

Sicher, man muss insofern Abstriche im Winter machen, da praktisch alle Stately Homes und ähnliche Sehenswürdigkeiten geschlossen sind, aber man kann auch ohne Besichtigungen einen angenehmen Urlaub in England verbringen. Voraussetzung aber für einen gelungenen Aufenthalt im Herbst oder Winter: Romantische Hotels! In meinem Blog habe ich in der entsprechenden Kategorie schon viele beschrieben.

Im Park des Ashdown Park Hotels in East Sussex. Über Nacht hatte es plötzlich geschneit.
Eigenes Foto.

Nach dem Abendessen in der Lounge des Thornbury Castle Hotels.
Eigenes Foto.

Unsere Plantagenet Bedchamber im Thornbury Castle Hotel.
Eigenes Foto.

Das verschneite Cliveden Hotel.
Eigenes Foto.

Das George Hotel in Dorchester (Oxfordshire) an einem kalten Winterabend.
Eigenes Foto.

Published in: on 16. September 2012 at 02:00  Kommentare (3)  

Auszeichnung meines Blogs vom Reiseportal Easyvoyage

Kategorie: Grossbritannien Reisen
————————————————————————————–

Flagge Großbritannien animiert 240x180
Mein Blog wurde vom Reiseportal Easyvoyage in der Kategorie Reisen Großbritannien als “Bester Blog” ausgezeichnet.

Easyvoyage ist ein Reiseportal, welches, nach Ländern sortiert, wertvolle Informationen, Tipps und Serviceangebote für die Reiseplanung vorhält.

Natürlich freue ich mich sehr über die Auszeichnung und bedanke mich herzlich beim Easyvoyage-Team!!

Flagge Großbritannien animiert 240x180

Flagge: Quelle – http://www.flags.de

Published in: on 10. September 2012 at 18:50  Kommentare (9)  

Shipton-on-Cherwell (Oxfordshire) – Ein Maler und berühmte Rockstars

Holy Cross Church in Shipton-on-Cherwell.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Sarah Charlesworth

Auf meinem Weg nach Oxford, von Norden kommend, fuhr ich einmal durch den kleinen Ort Shipton-on-Cherwell und erinnerte mich, da war doch einmal was…
Es gab da eine Zeit, als sich hier Rockstars die Klinke in die Hand gaben; doch von Anfang an:

Am Ortsrand von Shipton-on-Cherwell, das, wie der Name schon sagt am River Cherwell liegt, steht das Manor House, das irgendwann im 16. oder 17. Jahrhundert gebaut wurde und eine Zeitlang der Dreh-und Angelpunkt des kleinen Dorfes war.
Im Jahr 1804 zog der Maler William Turner (nicht zu verwechseln mit seinem berühmteren Namensvetter Joseph Mallord William Turner) ins Manor House, wo er zusammen mit seinem Onkel, der ebenfalls William Turner hieß, lebte. Er zog zwar nach einigen Jahren wieder weg, behielt aber eine besondere Beziehung zu Shipton, denn zum einen heiratete er 1824 in der Dorfkirche und zum anderen entwarf er eben diese Kirche neu, die 1831 abgerissen worden war, und zwar im sogenannten Decorated Gothic-Stil. Turner und seine Frau sind auf dem Kirchhof in Shipton begraben.

1971 stand das Manor House zum Verkauf und es wurde in der Zeitschrift “Country Life” annonciert. Der junge Richard Branson, der spätere Chef des riesigen Virgin-Imperiums, suchte zu jener Zeit ein großes Haus, das er als Aufnahmestudio verwenden wollte. Er sah die Anzeige, borgte sich von seiner Bank und Familienangehörigen die erforderlichen £30 000 und kaufte das Manor House in Shipton-on-Cherwell. Nachdem das Aufnahmestudio eingerichtet war, begann hier der junge, noch unbekannte Mike Oldfield das Album “Tubular Bells” (hier ein Ausschnitt) aufzunehmen, das zu den größten Erfolgen der Popgeschichte gehört und die Firma Virgin Records bekannt machte. Von da ab ging es hier im Manor House richtig los. Wer ging da nicht alles aus und ein: Paul McCartney,  Gene Simmons von Kiss, Uriah Heep, Black Sabbath, INXS, The Cure, um nur einige zu nennen.

Am 22. Juli 1972 heiratete Richard Branson in der oben genannten Dorfkirche Holy Cross und die Hochzeitsparty fand natürlich im Manor House statt.

Nachdem Virgin Records von EMI übernommen worden war, schloss der neue Besitzer 1995 das Aufnahmestudio und von heute auf morgen kehrte wieder Ruhe in dem Ort ein: Keine nächtlichen Plattenaufnahmen mehr und keine Rockstars, die ins Dorf einfielen.

Verkauft wurde das Manor House an den Marquess of Headfort. Im Mai 2011 stand das Haus erneut in “Country Life” zum Verkauf, der Preis: £6.25 Millionen. Im Augenblick scheint das Haus vom Markt genommen worden zu sein; vielleicht hat sich ja auch ein neuer Käufer gefunden.

William Turner: Newnham-on-Severn from Dean Hill.
This image is in the public domain because its copyright has expired.

Richard Branson, ehemaliger Besitzer des Manor Houses.
Diese Datei ist gemeinfrei (public domain), da sie von der NASA erstellt worden ist.

The English Place Name Society – Eine Gesellschaft, die sich der Erforschung englischer Ortsnamen widmet

Die Universität von Nottingham, Sitz der English Place Name Society.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Croft

Wer sich wissenschaftlich mit der Herkunft englischer Ortsnamen beschäftigen will, kommt an der “Survey of English Place-Names” nicht vorbei, einer Publikation der English Place Name Society. 1925 bereits erschien der erste Band, der sich mit der Grafschaft Buckinghamshire beschäftigte. Mittlerweile liegt Band 89 vor, der in diesem Jahr erschien, mit dem Titel “The Place-Names of Shropshire, Part 6 “. In Arbeit befindet sich Band 90, der zweite Teil, der die Ortsnamen der Grafschaft Durham untersucht. £40 kostet so eine Publikation, die direkt bei der English Place Name Society erhältlich ist.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1923 von Sir Allen Mawer, der seinerzeit Professor für Englische Sprache an der Universität von Liverpool war. Je nachdem, wo Mawer bzw. später seine Nachfolger lehrten, zog die Gesellschaft mit und so wanderte sie u.a. von Liverpool nach London, Reading und Cambridge. Der heutige Sitz der English Place Name Society ist seit 1972 die Universität von Nottingham, wo sie dem Institute for Name‑Studies angegliedert ist. Der momentane Präsident der Gesellschaft ist O. J. Padel, der die Bände 56/57 über Cornwall in der “Survey”-Reihe geschrieben und darin über 4000 Ortsnamen untersucht hat.

Neben der “Survey” publiziert die Gesellschaft noch ein jährlich erscheinendes “Journal” und Einzeltitel wie beispielsweise “The Church in English Place Names” oder “English Inn and Tavern Names“.

Wer ein handliches Nachschlagewerk über die Ortsnamen ganz Großbritanniens haben möchte, dem kann ich Adrian RoomsDictionary of Place Names in the British Isles” empfehlen, das ich selbst seit Jahren verwende.

The English Place Name Society
Institute for Name‑Studies
School of English
University of Nottingham
University Park
Nottingham
NG7 2RD

Published in: on 15. August 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Betteshanger – Einst Zentrum des Kohlebergbaus in Kent

Etwa hier lag der Eingang zur Betteshanger Colliery. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright S Astro

Kohlebergbau verbindet man in erster Linie mit Englands Norden, speziell mit Yorkshire. Doch auch im Südosten des Landes, im “Garten von England”, also der Grafschaft Kent, wurde einige Jahrzehnte lang Kohle abgebaut. Die “Kent Coalfields” lagen im Osten, nahe der Stadt Deal.

Betteshanger Colliery war die größte Grube in Kent, die 1927 erstmals Kohle an die Oberfläche beförderte. Der Bedarf an Arbeitskräften war groß und so zogen praktisch über Nacht über 1500 Bergleute mit ihren Familien in die Region; die meisten wohnten in dem kleinen Seebad Deal, das mit dem Zuzug ziemlich überfordert war. Die Einheimischen mochten diese rauen und schmutzigen Menschen mit dem schwer verständlichen Akzent nicht und so fanden sich bald Schilder an den Pubs und Pensionen mit der Aufschrift “No Miners”.

Betteshanger zog viele gewerkschaftlich organisierte Hardliner an, die auf den Schwarzen Listen ihrer früheren Arbeitgeber standen und so galt diese Kohlegrube als die militanteste in Kent. Der bemerkenswerteste Streik in Betteshanger ereignete sich während des Zweiten Weltkrieges; keine andere Grube tat das im ganzen Land.

Der letzte Streik in Betteshanger fand 1984/85 statt, im Zuge des britischen Bergarbeiterstreiks, der verheerende soziale Auswirkungen hatte. Die Grube wurde nach Streikende noch einmal kurz zum Leben erweckt, bevor sie am 26. August 1989 für immer geschlossen wurde.

Wie in vielen Bergbaustädten im Norden Englands, gab bzw. gibt es auch hier in Kent eine Brass Band. Die 1932 gegründete Betteshanger Brass Band, in Deal stationiert, ist auch heute noch aktiv und man kann sie hin und wieder bei öffentlichen Auftritten sehen und hören. Hier ist ein Film über die Brass Band.

Das Buch zum Artikel:
Di Parkin: 60 Years of Struggle – History of Betteshanger Colliery. Betteshanger Social Welfare Scheme 2007. 166 Seiten. ISBN 978-0955755002.

Published in: on 10. Juli 2012 at 02:00  Kommentare (1)  
Tags:

Wo ist die Lebenserwartung in Großbritannien am höchsten und wo am geringsten?

Hier im vornehmen Kensington ist die Lebenserwartung für Frauen und Männer in ganz Großbritannien am höchsten. – © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Männer und Frauen, die in der schottischen Großstadt Glasgow leben, haben die geringste Lebenserwartung in ganz Großbritannien, das zeigen die Zahlen des Office for National Statistics für die Zeiträume 2004-2006 und 2008-2010. Danach sterben die Glasgower Männer im Durchschnitt mit nur 71 Jahren, die Frauen mit 78 Jahren. Überhaupt sieht das in Schottland nicht so gut aus. Die Zahlen für das ganze Land: Männer werden durchschnittlich 75 Jahre, Frauen 80 Jahre alt.

Die Bevölkerung Englands darf da etwas erwartungsfroher in die Zukunft schauen, denn Männer werden da im Durchschnitt 78 Jahre, Frauen 82 Jahre alt.
Wer sein Leben am längsten genießen möchte (und sich das leisten kann) sollte nach London ziehen und zwar nach Kensington oder Chelsea, denn da liegen die Spitzenwerte Großbritanniens. Hier haben Männer eine Lebenserwartung von durchschnittlich 85 Jahren, Frauen sogar von 87 Jahren.

Weitere “gesunde” Regionen in England mit einer hohen Lebenserwartung sind der Südwesten und der Südosten des Landes, speziell die Küstengebiete Dorsets und Devons; aber auch da gibt es gewisse Unterschiede, so ist z.B.  die Lebenserwartung in Städten wie Bristol, Brighton oder Plymouth nicht ganz so hoch wie in der Umgebung.

Wer sich mit dieser Thematik detailliert auseinandersetzen möchte, dem sei das Buch “The Grim Reaper’s Road Map: An Atlas of Mortality in Britain” (Policy Press 2008, ISBN 978-1861348234) empfohlen, in dem vier Wissenschaftler der Universitäten von Sheffield und Bristol die Todesursachen von 14 Millionen Menschen in einem Zeitrahmen von 24 Jahren untersucht und die Auswertungen in Statistiken und Übersichtskarten zusammengestellt haben.

Deutlich niedriger liegt die Lebenserwartung für die Bewohner der schottischen Stadt Glasgow. – © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 15. Mai 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

The British Sundial Society – Vereinigung der Sonnenuhren-Fans

Eine Sonnenuhr auf dem Gelände der St Mary's Church in Great Warley (Essex). - © Copyright John Winfield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Sonnenuhr ist ein astronomisches Gerät, das den Lauf der Sonne beziehungsweise ihren aktuellen Stand am Himmel auf einfache Weise darstellen kann, vorwiegend zur Anzeige der Tageszeit. So, kurz und prägnant, die Wikipedia zum Begriff “Sonnenuhr”.
Dass es in Großbritannien und auch in anderen Teilen der Welt viele Sonnenuhr-Enthusiasten gibt, zeigt die Tatsache, dass sich viele dieser Interessenten in der British Sundial Society (BSS) zusammengefunden haben.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1989 von einer Handvoll “Sundial fans”, heute gehören ihr mehr als 400 Mitglieder an, die nicht nur aus Großbritannien kommen. Die Zielsetzung der BSS in ihren eigenen Worten:

“to advance the education of the public in the art and science of gnomonics and the knowledge of all types of sundial; to catalogue and advise on the restoration of sundials in the British Isles, and to research their history”. (Gnomonics = The art or science of dialing, or of constructing dials to show the hour of the day by the shadow of a gnomon.)

Viermal im Jahr veröffentlicht die BSS ein 48seitiges Bulletin mit Fachartikeln rund um das Thema Sonnenuhr. Einige Beispiele aus der März-Ausgabe 2012:

-  The Scaphe Sundial at Hever Castle, Kent
-  English Reformation and Protestant Scratch Dials of the 16th & 17th Centuries
-  The Dials of Saint-Hippolyte-Du-Fort, France

Es gibt eine Fülle von Firmen in Großbritannien, die Sonnenuhren herstellen wie z.B.:
Black Country Sun Dials in Shropshire
David Brown Sundials in Somerset
Harriet James Sundials in Wiltshire

Einmal im Jahr veranstaltet die British Sundial Society eine Konferenz, die in diesem Jahr am letzten Wochende (13.-15. April) in Cheltenham stattfand.

Wer sich für das Thema interessiert, findet eine hervorragend gemachte Homepage der BBS, die kaum eine Frage offen lässt.

Das Buch zum Artikel:
Mark Lennox-Boyd: Sundials – History, Art, People, Science. Frances Lincoln 2006. 144 Seiten. ISBN 978-0711224940.

Eine Sonnenuhr über dem Portal der St Andrew's Church in Middleton (North Yorkshire). - © Copyright David Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 17. April 2012 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Bill Bryson und sein Kampf gegen die Zersiedlung und Verstädterung der englischen Landschaft

So schön wie hier bei Hartlebury in Worcestershire sollte die englische Landschaft auch in Zukuft aussehen. - © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der US-amerikanische Reiseschriftsteller Bill Bryson mit Wohnsitz in Wramplingham (Norfolk) ist zornig. Zornig gegenüber der britischen Koalitionsregierung und ihrem geplanten  National Planning Policy Framework, ein in der britischen Öffentlichkeit sehr umstrittenen Vorhaben, das es Industrieplanern und Baufirmen sehr viel leichter macht, größere Bauvorhaben im “Green Belt”, also in der freien Natur, durchzusetzen. Kritiker fürchten, dass es zu den schlimmsten negativen Auswirkungen auf die englische Landschaft seit dem 2. Weltkrieg kommen wird.

Bill Bryson ist Präsident der Campaign to Protect Rural England, einer Organisation, die sich dem Schutz des ländlichen Raums widmet. Aus seinem Heimatland, den USA, weiß Bryson, welche Auswirkungen ungebremste Bauaktivitäten haben und wie schnell eine Landschaft zersiedelt werden kann. Er und viele andere Bewohner auf dem Land fürchten, dass demnächst noch mehr Gewerbegebiete, Supermärkte und Siedlungen um die Dörfer und Kleinstädte herum entstehen werden, was dann wiederum zur Zerstörung der jahrhundertealten Strukturen führen wird, mit verheerenden Auswirkungen auch auf das soziale Gefüge dort. Schon jetzt stehen immer mehr Läden auf den High Streets leer und noch mehr Tescos und Asdas auf der “grünen Wiese” werden diese Leerstände noch vermehren. Die Builder und Developer freuen sich schon auf das geplante Gesetz und suchen sich wohl schon im Geiste die Sahnestücke heraus, auf denen sie die Landschaft verschandeln wollen.

Bill Bryson ist übrigens kein grundsätzlicher Gegner der Vereinfachung von Bauvorhaben, aber sie sollen nicht mitten in die Natur geklotzt werden, sondern seiner Meinung nach sollten dafür “brownfields” genutzt werden, also Gelände, das schon einmal bebaut worden ist und nun leer steht.

Das Buch zum Artikel:
Richard Askwith: The Lost Village: In Search of a Forgotten Rural England. Ebury Press 2008. 368 Seiten. ISBN 978-0091909130

Sieht so die Zukunft des englischen Green Belt aus wie hier bei Guildford? - © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 5. Oktober 2011 at 02:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Das große Buchhandlungssterben hat in Großbritannien begonnen – Gibt es eines Tages gar keine Buchhandlungen mehr?

Hoffentlich bewahrheitet sich dieses Foto nicht eines Tages! - © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zahlen sind dramatisch: Seit dem Jahr 2005 haben in Großbritannien fast 2000 Buchhandlungen ihre Pforten für immer geschlossen. So ist die Zahl der “High Street”-Buchhandlungen von ca 4000 auf 2178 gesunken. 580 Städte haben überhaupt keine Buchhandlung mehr; das berichtete kürzlich der Daily Telegraph.

Die Gründe für diese alarmierenden Zahlen:

- Die  Supermärkte und die großen Buchhandlungsketten wie W.H. Smith oder Waterstone’s bieten viele Bücher (speziell die Bestseller) zu deutlich reduzierten Preisen (bis zu 50%) an. Es gibt in Großbritannien keine Preisbindung wie in Deutschland und so können die unabhängigen Buchhändler in ihrer Preisgestaltung da nicht mehr mithalten. Aber auch vor den genannten Ketten macht die Entwicklung nicht halt; so hat z.B. auch Waterstone’s schon einige Filialen schließen müssen.

- Die großen Online-Versender wie Amazon bieten ebenfalls Bücher zu stark herabgesetzten Preisen an und liefern auch noch portofrei direkt ins Haus. Bequemer  kann man es wirklich nicht haben, zumal man hier rund um die Uhr einkaufen kann und die Serviceleistungen ständig verbessert werden.

- Langsam gewinnen die E-Reader wie z.B. Amazons Kindle immer mehr Freunde und die “Nahrung” für diese elektronischen Lesegeräte gibt es nun einmal nicht in Buchhandlungen zu kaufen, sondern nur über Downloads aus dem Internet.

Steigende Mietpreise in den britischen High Streets machen den Buchhändlern zusätzlich das Leben schwer, so dass in der Zukunft sicher noch wesentlich mehr Läden schließen werden.

Das Buchhandlungssterben geht einher mit der Schließung zahlreicher Bibliotheken im Land, so dass man jetzt schon von “Book desertification” spricht. Eine Entwicklung die in Großbritannien von vielen mit Sorge betrachtet wird.

Ein trauriger Anblick, diese aufgegebene Buchhandlung in Highgate (London). - © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 7. September 2011 at 04:00  Kommentare (1)  
Tags:

Chippenham (Wiltshire) – Hier verunglückte der US-Rocksänger Eddie Cochran am 16. April 1960 tödlich

Der Gedenkstein für Eddie Cochran an der A4 in Chippenham. - © Copyright Rick Crowley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die beiden in Großbritannien sehr populären US-Rocksänger Eddie Cochran und Gene Vincent tourten in den ersten Monaten des Jahres 1960 kreuz und quer durch das Land. Ihre letzte Station war das Hippodrome in Bristol, wo sie mehrere Auftritte absolvierten. Am 16. April, nach ihrem letzten Auftritt, bestellten sich Eddie, Gene, Sharon Sheeley (Eddies Freundin) und ihr Tour-Manager Pat Thompkins ein Taxi, das sie kurz vor Mitternacht abholte und sie zum Flughafen nach London bringen sollte.
Als George Martin, der Taxifahrer, auf deA4 auf dem Rowden Hill durch Chippenham in Wiltshire fuhr, verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam ins Schleudern und prallte gegen einen Laternenpfahl. Martin und Thompkins überstanden den Unfall unverletzt, Sharon erlitt einen Beckenbruch, während sich Gene Vincent das Schlüsselbein brach. Am schlimmsten hatte es aber den 21jährigen Eddie Cochran erwischt. Er wurde zwar schnell ins Krankenhaus nach Bath gebracht, aber seine Verletzungen waren so schwer, dass er am Tag darauf verstarb.

Der junge Polizist, der als erster an der Unfallstelle erschien, war übrigens ein gewisser Dave Harman, der später unter dem Namen Dave Dee in die Popgeschichte einging, als Mitglied der Band Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich.

Zur Erinnerung an Eddie Cochran wurde an der Unfallstelle am Rowden Hill in Chippenham ein Gedenkstein aufgestellt, auf dem die Worte “Eddie Cochran – Cherished Memories – 1938 – 1960” stehen. Dieser Ort ist zu einer Wallfahrtsstätte für alle Eddie Cochran-Fans geworden, die es auch heute noch, 50 Jahre nach seinem Tod, gibt.

Hier ist die Eddie Cochran Story zu sehen.

Die A4 in Chippenham. An dieser Straße endete das kurze Leben des Eddie Cochran. - © Copyright Maurice Pullin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence..

Published in: on 5. September 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: ,

Die beliebtesten Pop-Songs bei britischen Beerdigungen

Wie in Deutschland wird es auch in England immer beliebter, bei Trauerfeiern statt Kirchenliedern Popsongs zu spielen. Viele identifizieren sich bzw. den Verstorbenen eher mit einem zeitgenössischen Song als mit einem jahrhundertealten Lied, zu dem man keine Beziehung hat.

Bei einer Umfrage der Firma Co-operative Funeralcare unter 242 Bestattungsunternehmen, die über 30 000 Beerdigungen umfasste, wurde eine Hitliste der am häufigsten gewünschten Songs zusammengestellt, die so aussieht:

1 My Way – Frank Sinatra/Shirley Bassey
2 Wind Beneath My Wings – Bette Midler/Celine Dion
3 Time To Say Goodbye – Sarah Brightman/Andrea Bocelli
4 Angels – Robbie Williams
5 Over The Rainbow – Eva Cassidy
6 You Raise Me Up – Westlife
7 My Heart Will Go On – Celine Dion
8 I Will Always Love You – Whitney Houston
9 You’ll Never Walk Alone – Gerry and the Pacemakers
10 Unforgettable – Nat King Cole

Natürlich gibt es im Land der Exzentriker auch etwas ausgefallene Wünsche; hier die Top Ten der alternativen “Funeral Songs”:

1. Always Look On The Bright Side Of Life – Eric Idle / Monty Python
2. Cabaret – Liza Minnelli
3. Wish Me Luck As You Wave Me Goodbye – Gracie Fields
4. My Way – Sid Vicious
5. They’re Coming To Take Me Away, Ha-Haaa – Napoleon XIV
6. Fame! I Want To Live Forever – The cast of Fame
7. We’ve Gotta Get Out Of This Place – The Animals
8. Going Underground – The Jam
9. Spirit In The Sky – Dr and The Medics
10. Enjoy yourself, it’s later than you think – The Specials

Bei etwas mehr als der Hälfte aller in England durchgeführten Trauerfeiern werden heute Popsongs gespielt, mit steigernder Tendenz.

Published in: on 28. Mai 2011 at 04:00  Kommentare (2)  
Tags:

Astoria – Hausboot und Aufnahmestudio mitten auf der Themse

 

Author: Lorenzo Baglioni. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Italy license.

Taggs Island ist eine kleine Insel auf der Themse, nicht weit von Hampton Court entfernt, zugänglich nur über eine Brücke. Hier liegen eine ganze Menge Hausboote am Ufer, darunter das berühmte “Astoria“. Das Boot wurde vor exakt 100 Jahren gebaut und der Auftraggeber war ein gewisser Fred Karno, ein Impresario, für den u.a. damals Charlie Chaplin und Stan Laurel arbeiteten und der der Erfinder des so beliebten “Torten-ins-Gesicht-werfen”-Slapsticks gewesen sein soll.

Karno hatte sich mit der “Astoria” einen Traum erfüllt. Es war das luxuriöseste Boot auf der Themse und kostete seinerzeit 20 000 Pfund, was etwa 900 000 Pfund heute entspricht. Das 29m lange Themseschiff besaß z.B. ein Badezimmer aus Marmor und das Oberdeck war so groß, dass darauf ein Orchester mit 90 Personen spielen konnte.

1986 erwarb David Gilmour von der Rockgruppe Pink Floyd das Boot und baute es als Aufnahmestudio um. Zahlreiche Alben wurden auf der “Astoria” aufgenommen, z.B. Pink Floyds “A Momentary Lapse of Reason” und “The Division Bell”, David Gilmours “On an Island” und “Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus” von Nick Cave and the Bad Seeds.

Tagg's Island Bridge
Die Brücke, die zu Taggs Island hinüberführt. – © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 26. April 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

9. März 2011 – No Smoking Day in Großbritannien – ‘A Time to Quit?’

Alljährlich findet am 2. Mittwoch des Monats März in Großbritannien der No Smoking Day statt – eine Kampagne, um auf die Gefahren des Rauchens aufmerksam zu machen. Erfolgreich scheint dieser spezielle Tag zu sein, denn nach Umfragen verzichten ca 10% aller Raucher nach dem No Smoking Day auf ihre bis dahin geliebten Zigaretten. Etwa 22% der Bevölkerung greift zurzeit mehr oder weniger regelmäßig zum Glimmstengel.

Die Regierung David Cameron, allen voran Gesundheitsminister Andrew Lansley, wollen drastische Maßnahmen ergreifen (die heute wahrscheinlich verkündet werden sollen), um die Raucherfront weiter zu dezimieren; dazu gehört möglicherweise die Einführung der Einheitsschachtel, d.h. auf den Zigarettenpackungen darf dann kein Markenname oder -logo stehen, sondern nur noch ein Hinweis auf die Gesundheitsgefahren des Rauchens.
Weiterhin ist geplant, die Verkaufsfläche für Tabakwaren in den Läden deutlich zu begrenzen. Ob das alles letztendlich gegen den Widerstand der Tabaklobby durchzusetzen ist, bleibt abzuwarten.

Seit 2008 ist der schottische Unternehmer und Philantrop Duncan Walker Bannatyne Präsident der No Smoking Day-Kampagne, ein einflussreicher Mann, der einmal als  ”The Most Admired Celebrity Charity Champion” benannt wurde.  Hier ein kurzes Video von ihm zur Kampagne 2011.

Das Motto des diesjährigen No Smoking Days lautet ‘A Time to Quit?’.

Published in: on 9. März 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Die Dickin Medal – Höchste Auszeichnung für Tiere in Großbritannien

Author: Andrew69. - The copyright holder of this work, releases this work into the public domain.

Es gibt nicht nur mutige Menschen, die mit Orden für ihre Tapferkeit ausgezeichnet werden, es gibt auch Tiere, die im Dienste der Menschen beachtliche Leistungen vollbringen. Im Vereinigten Königreich werden diese besonderen Tiere mit einer Medaille ausgezeichnet – der Dickin Medal.

Maria Dickin, eine sehr aktive Tierschützerin, hatte 1943 die Idee. Die Medaille, die aus Bronze besteht und die Inschrift “For Gallantry – We also Serve” trägt, ist gedacht für “ animals that have displayed conspicuous gallantry or devotion to duty while serving or associated with any branch of the Armed Forces or Civil Defence Units“.

Das erste Tier, das 1943 auf diese Weise geehrt wurde, war eine Brieftaube namens White Vision, die eine Botschaft beförderte, durch die die Besatzung eines notgelandeten Flugzeuges gerettet werden konnte.
Die Medaillenträger waren überwiegend Brieftauben und Hunde.
Eine Katze war auch dabei, Simon, die an Bord des Schiffes HMS Amethyst 1949 in China dafür sorgte, dass die Rattenplage in Schach gehalten werden konnte. Außerdem wurde die Moral der Seeleute durch die Anwesenheit von Simon hoch gehalten. Ein Foto ihres Grabes auf dem Tierfriedhof von Ilford findet sich unten.

Die letzten beiden Preisträger (2007 und 2010) waren die Hunde Sadie und Treo, die im Afghanistaneinsatz der britischen Truppen Sprengkörper aufspürten und dadurch wahrscheinlich das Leben vieler Menschen retten konnten.

Author: Acabashi. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

Published in: on 23. Februar 2011 at 04:00  Kommentare (2)  
Tags:

Das John F. Kennedy Memorial in Runnymede (Surrey) – Ein Geschenk der Briten an die Amerikaner

© Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Man hätte für das John F. Kennedy Memorial wohl keinen besseren Platz wählen können als hier in Runnymede an der Themse, nur ein paar Schritte entfernt von einem anderen Denkmal, das an die Magna Carta erinnert.
46 Steinstufen, eine für jedes Lebensjahr des amerikanischen Präsidenten, führen den Cooper’s Hill hoch, wo das Denkmal steht. Im Mai 1965 wurde es eingeweiht, von niemand geringerem als der Queen selbst, in Anwesenheit von Kennedys Witwe Jacqueline und der Kennedy-Familie. 
Der Grund auf dem das Memorial steht, wurde dem amerikanischem Volk vom britischen Volk geschenkt. Das Denkmal, entworfen von dem berühmten englischen Landschaftsarchitekten Sir Geoffrey Jellicoe, besteht aus einem einfachen Block aus Portland-Stein mit einer Inschrift, die aus der Antrittsrede Präsident Kennedys aus dem Jahr 1961 entnommen wurde:

“Let every Nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend or oppose any foe, in order to assure the survival and success of liberty.”

Hier ein Film über das Denkmal vom Designer Sir Geoffrey Jellicoe.

Published in: on 27. Januar 2011 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Józef Stawinoga – Der Eremit von Wolverhampton

Es gibt wirklich sehr traurige Schicksale – so auch das von Józef Stawinoga,  der 40 Jahre lang als Eremit in einem kleinen Zelt an der inneren Ring Road von Wolverhampton (West Midlands) lebte. Am 28. Oktober 2007 starb er im Alter von fast 87 Jahren.

Stawinoga ist Pole und emigrierte in den 40er Jahren nach England. Er heiratete 1952 in Wolverhampton, doch seine Frau verließ ihn nach einem Jahr. Ob es diese Trennung war oder ihn Kriegsereignisse mental so stark mitgenommen hatten, weiß man nicht genau. Eines Tages blieb er von seiner Arbeitsstelle weg, kehrte dort nie wieder zurück und führte das Leben eines Obdachlosen. Die Stadtverwaltung duldete es, dass er in einem Zelt lebte; er fiel nie negativ auf, im Gegenteil man sah ihn häufig wie er die umliegenden Straßen fegte.
Stawinoga, oder Fred wie er von vielen genannt wurde, wurde von der lokalen Gemeinde der Hindus und Sikhs als heiliger Mann angesehen. Manche aus der Bevölkerung brachten ihm kleine Geschenke oder versorgten ihn mit heißem Tee.

Nach seinem Tod sprachen sich einige dafür aus, ihm zu Ehren eine Statue in Wolverhampton aufzustellen. Der polnische, in England lebende Künstler Greg Rudevics will eine lebensgroße Bronzestatue schaffen, wartet aber, soweit ich ermitteln konnte, noch auf eine Genehmigung der Stadtverwaltung.

Published in: on 25. Dezember 2010 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

The Fan Museum in Greenwich – Was man alles schon einmal über Fächer wissen wollte

10-12 Crooms Hill in Greenwich, London, lautet die Adresse des einzigen Museums in der Welt, das sich auschließlich mit Fächern und deren Herstellung beschäftigt, des Fan Museums. Die Häuser des Museums liegen im Herzen des historischen Teils von Greenwich und gehören mit zur World Heritage Site.
1991 wurde das Fächer-Museum eröffnet und ist schon mehrfach ausgezeichnet worden für “outstanding contributions to the Arts and to tourism“. Aus dem umfangreichen Fundus an Fächern (mehr als 3500)werden alle vier Monate Sonderausstellungen zu speziellen Themen zusammengestellt.
Was wäre ein Museum ohne einen Shop? Auch das Fan Museum verfügt über einen und hier kann man alles kaufen, was irgendwie mit dem Thema zusammenhängt: Schmuck, Kalender, Tassen und natürlich Bücher über Fächer.
In der angeschlossenen “Orangery” kann man Hochzeiten feiern, Empfänge geben oder Konferenzen abhalten. Das Fan Museum ist auf alles eingerichtet und hat hier auch eine weitere Einnahmequelle.
Zu finden ist es ganz in der Nähe des National Martime Museums und des Greenwich Theatres.

Published in: on 4. Dezember 2010 at 04:00  Hinterlasse einen Kommentar  

Platz 3 der britischen Charts in dieser Woche: “2 Minute Silence”

Eine außergewöhnliche Single steht in dieser Woche auf Platz 3 der britischen Charts von BBC Radio 1: The Royal British Legion und “2 Minute Silence“. Auf der Single ist, wie es der Titel schon andeutet, nichts zu hören.

In Deutschland ist der 11.11. der Beginn des Karnevals. In Großbritannien ist der 11.11. Armistice Day, Waffenstillstandstag, an dem man an das Ende des Ersten Weltkriegs zurückdenkt, auch mit 2 Schweigeminuten.

Die Royal British Legion hat nun in diesem Jahr eine Single veröffentlicht, auf der nichts als zwei Minuten Schweigen zu hören sind, und deren Einnahmen Soldaten bzw. ehemaligen Soldaten und ihren Familien zugute kommen.

Hier ist das entsprechende Video zu “2 Minute Silence”:

Published in: on 18. November 2010 at 14:55  Hinterlasse einen Kommentar  

BBC Radio Leicester – Englands erster lokaler Radiosender

Author: NotFromUtrecht. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

Die vielen Piatensender in den 60er Jahren machten der guten alten BBC damals zu schaffen, nahmen sie ihr doch viele Hörer weg. Man überlegt also, was man dagegen tun könnte und leitete zwei Gegenmaßnahmen ein: Erstens rief man Radio 1 ins Leben, um vor allem die jüngeren Hörer anzusprechen und zweitens gründete man lokale Radiostationen, um die einzelnen Regionen Englands besser mit Lokalnachrichten versorgen zu können.
Den Anfang machte am 08. November 1967 BBC Radio Leicester, das Leicestershire und Rutland bedient. Die Radiostation strahlte als Erkennungsmelodie und als ersten “radio jingle” eine Version des “Posthorn Galopps” aus. Man begann mit knapp vier Programmstunden täglich, doch nach zwei Jahren, als man erkannte, dass die Lokalsender (es folgten BBC Radio Sheffield, BBC Radio Merseyside und BBC Radio Nottingham) erfolgreich waren, wurde das Programmangebot deutlich erweitert.

Heute steht das neue BBC Radio Leicester-Sendezentrum mitten in der Stadt am St Nicholas Place und erreicht über die Frequenz 104.9FM ca 250 000 Hörer. Natürlich kann man das Programm auch über das Internet hören.

Published in: on 15. November 2010 at 04:26  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:

Open for Dogs – Eine Initiative, die englische Hundebesitzer sehr freut

Hundebesitzer können ein Lied davon singen, wenn sie ihren Vierbeiner in ein Museum, ein Geschäft oder ein Pub mitnehmen möchten: Sie werden schon an der Eingangstür mit einem Aufkleber darauf aufmerksam gemacht, dass Hunde hier unerwünscht sind.
Dass es auch anders geht, zeigt die Initiative “Open for Dogs“, die der englische “Kennel Club” ergriffen hat. Auf der Webseite http://www.kcdogfriendly.co.uk/ gibt es eine Datenbank, in der alle Hotels, Pubs, Geschäfte usw. zu finden sind, in denen Hunde willkommen sind. Für das iPhone gibt es auch schon ein App. Ein entsprechender Aufkleber ist jeweils an den Eingangstüren der an der Kampagne teilnehmenden Etablissements zu finden. Dass sich die Hunde entsprechend zu benehmen wissen, wird vorausgesetzt, denn nur ein “well-behaved dog” ist ein gern gesehener vierbeiniger Gast.

Eine Zeitschrift, die sich mit dem Thema beschäftigt, ist auch auf dem Markt. Sie heißt “Out & About: The exclusive guide to dog-friendly travel & holidays” und erscheint viermal jährlich.

Ein Beispiel dafür, dass selbst Country Houses damit werben, dass sie hundefreundlich eingestellt sind, fand ich im Pencarrow House in Cornwall . Dort wird man willkommen geheißen mit der Begrüßung: “Welcome…The perfect place for everyone including the dog”.

Published in: on 24. Oktober 2010 at 03:59  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 49 Followern an