Der vierte Sockel am Trafalgar Square – Begehrt bei zeitgenössischen Künstlern

Yinka Shonibares Buddelschiff auf dem vierten Sockel des Trafalgar Squares. - © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Der Trafalgar Square in London ist sicher einer der bekanntesten Plätze Großbritanniens; die Nelson-Säule und die Löwen, die Horatio Nelson zu Füßen liegen, gehören zum Programm jedes London-Touristen. Der Platz wird von vier Sockeln eingerahmt, von denen drei besetzt sind, mit den beiden Generälen Charles James Napier und Henry Havelock und dem Reiterstandbild Georgs IV.
Der vierte Sockel ist leer, d.h. er war viele Jahre verwaist. William IV sollte dort ursprünglich mit einem Standbild geehrt werden, aber man hatte schlichtweg kein Geld dafür und so blieb der Sockel leer. Bis man auf die Idee kam, ihn für künstlerische Zwecke zu verwenden und diese Idee war von Erfolg gekrönt. 1999 wurde das “Fourth Plinth Project” ins Leben gerufen und jeweils für ein Jahr konnten drei Künstler dort ihre Skulpturen aufstellen.

2005 ging es dann weiter mit der Skulptur Marc Quinns “Alison Lapper Pregnant”, die die hochschwangere nackte Künstlerin Alison Lapper zeigte, die ohne Arme und mit verkürzten Beinen auf die Welt kam.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Anthony Gormleys Projekt “One and Other” im Jahr 2009. 100 Tage lang konnten sich Menschen nonstop für jeweils eine Stunde auf den Sockel stellen und dort tun, was immer sie wollten.

Der nigerianisch-britische Künstler Yinka Shonibare war als nächster dran, und er hatte die Idee ein großes Buddelschiff auf den Sockel zu stellen. Der Titel: Nelson’s Ship in a Bottle.

In diesem Jahr wurde entschieden, wer 2012 und 2013 die Ehre haben wird, den vierten Sockel als Ausstellungsfläche zu benutzen. Das dänisch-norwegische Künstlerpaar Michael Elmgreen und Ingar Dragset wird 2012 ihre Bronzeskulptur “Powerless Structures, Fig.101” hier auf dem Trafalgar Square zeigen: Ein Junge auf einem Schaukelpferd.

Die Düsseldorferin Katharina Fritsch schließlich darf 2013 ihren ultramarin-blauen Riesenhahn auf dem vierten Sockel zur Schau stellen.

Londons Bürgermeister Boris Johnson: All of the shortlisted artists show what an extraordinary crucible the Fourth Plinth is for contemporary art. It continues to spark the imagination and there has been a tremendous response from the public. As we head towards 2012 – a pivotal year for culture as well as sport – these witty and enigmatic creations underline London’s position as one of the most exciting cities for art and are sure to keep people talking.”

Wie sich manche Teilnehmer an dem Projekt “One and Other” von Anthony Gormley präsentierten, zeigt dieser Film.
Und hier ein Film über meinen Favoriten: Yinka Shonibares “Nelson’s Ship in a Battle”.

Das Buch zum Artikel:
Marc Quinn: Fourth Plinth. Steidl 2006. 48 Seiten. ISBN 978-3865212405.

Anthony Gormleys Projekt "One and Other". - This work is released into the public domain.

Marc Quinns "Alison Lapper Pregnant". - © Copyright Brian Robert Marshall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 27. Dezember 2011 at 02:00  Kommentare (1)  
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Sir Edwin Landseer und die Löwen vom Trafalgar Square

© Copyright Lewis Clarke and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Kinder lieben sie, die vier Bronzelöwen vom Trafalgar Square mitten in London. Gerne klettern sie auf ihnen herum und lassen sich dabei von ihren Eltern fotografieren.
Die vier mächtigen Löwen liegen zu Füßen der Nelsonsäule und wurden dort 1867 platziert. Ihr “Erzeuger” war der Maler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), der mit dem Auftrag, die Löwen zu erschaffen, seine Probleme hatte. Er kriegte die Ähnlichkeit einfach nicht hin, und so ließ er sich aus dem Londoner Zoo ein totes Tier in sein Studio schicken. Dann klappte es besser, aber es dauerte und dauerte. Die Presse machte sich schon über die Verzögerung der Auftragsarbeit lustig und Wetten wurden abgeschlossen, ob es die Löwen wohl jemals bis zum Trafalgar Square schaffen würden.

Nachdem sie nun ihren endgültigen Ruheplatz (Ruhe am Trafalgar Square?) gefunden hatten, wurden sie auch schon wieder kritisiert. Ein Fachmann, der Löwenmaler John Trivett Nettleship moserte:
“”The Trafalgar Square lions must be quietly damned, because, pretending to be done from nature, they absolutely miss the true sculptural quality which distinguishes the leonine pose, and because a lion couched like that has not a concave back like a greyhound, but a convex back, greatly ennobled in line from the line of a cat’s back in the same position.”

Die Firma Morris Singer Art Foundry, die die Löwen damals in Bronze goss, musste übrigens im Mai diesen Jahres Insolvenz anmelden.

Die Legende sagt, dass, wenn der Big Ben 13mal schlägt, die Löwen zum Leben erwachen würden, was im Dezember 2008 tatsächlich passierte: Einer von ihnen begann zu sprechen. Mit Hilfe von digitaler Animation, Projektionen und Toneinspielungen warb Mr. Lion für die vorweihnachtlichen Angebote der Stadt London. Anschließend verfiel er wieder in seinen bronzenen Schlaf und wartete auf den nächsten 13. Glockenschlag von Big Ben.

Published in: on 9. August 2010 at 13:03  Kommentare (2)  
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