Penelope Keiths TV-Serie „Hidden Villages“

Milford in Surrey: Wohnort von Penelope Keith.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, die englische Schauspielerin Penelope Anne Constance Keith, Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire, ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt. In England wurde sie durch zwei Sitcoms sehr populär, die im deutschen Fernsehen nie gezeigt worden sind: „The Good Life“ (1975-1978) und „To the Manor Born“ (1979-1981). Sie spielte aber auch auf Theaterbühnen die Klassiker wie William Shakespeare, Bernard Shaw und Oscar Wilde.

Auf Channel 4 wurden von 2014 bis 2016 drei Staffeln von „Penelope Keith’s Hidden Villages“ ausgestrahlt, eine Doku-Serie, die das Herz eines jeden höher schlagen lässt, der sich für die Idylle britischer Dörfer interessiert. In jeder Staffel nimmt sich Penelope Keith einer bestimmten Region Großbritanniens an und bereist die „versteckten Dörfer“, die sie dann im Film vorstellt. Ständige Begleiter ihrer Reisen sind die Batsford Travel Guides, jene wunderschön gestalteten Reiseführer aus den 1930er Jahren.

In der ersten Staffel stehen East Anglia,  Nordwest-England und Nord-Wales und die Grafschaften Dorset, Somerset und Wiltshire im Mittelpunkt.
Gestern habe ich mir noch einmal die Episode „The Cotswolds“ aus der dritten Staffel angesehen, in der sie u.a. Bibury, Slad, Blockley, Hook Norton, Kelmscott und Down Ampney besucht.
Ideal ist diese TV-Serie, um sich vor einer Englandreise Tipps und Anregungen zu holen. „Penelope Keith’s Hidden Villages“ gibt es auf DVDaber auch auf Youtube bzw. Dailymotion sind einige Folgen zu sehen. Ein Begleitbuch zu der Serie erschien 2017 unter dem Titel „Hidden Villages of Britain„, das ich gerade lese und demnächst in meinem Blog separat vorstellen werde.

Da die Channel 4-Serie so erfolgreich war, setzte Penelope Keith sie mit einem anderen Schwerpunkt fort. 2017 war sie unter dem Titel „Penelope Keith’s Coastal Villages“ zu sehen und in diesem Jahr wurde in „Village of the Year with Penelope Keith“ Großbritanniens schönstes Dorf gesucht, das Broughshane im County Antrim in Nordirland wurde.

Penelope Keith lebt übrigens selbst auch in einem hübschen Dorf, in Milford in Surrey.

Bibury in Gloucestershire, vorgestellt in der „Cotswolds“-Episode von „Penelope Keith’s Hidden Villages“.
Photo © Alan Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Pineapples – Die Ananas in der englischen Architektur

Schottland liegt zwar nicht in meinem Berichtsbereich, aber The Dunmore Pineapple, südöstlich von Stirling gelegen, muss ich einfach anführen, denn das Gebäude gilt als eines der kuriosesten Follies im ganzen Königreich.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Über The Pineapple als Pubnamen habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Man trifft auf die Ananas aber auch in der Architektur als Verzierungselement auf Säulen, Dächern, Brücken usw.

Die Frucht galt viele Jahre lang, weil sie so selten war, als Symbol des Reichtums. Nur sehr wohlhabende Leute konnten sie sich leisten, und so wurde die Ananas häufig auf Landsitzen als architektonisches Stilmittel verwendet, aus Gips, Holz oder anderen Materialien.
Ich habe hier einmal einige Beispiele zusammengestellt:

Hier im Mount Edgcumbe House and Country Park in Cornwall wird ein Brückengeländer mit den exotischen Früchten verziert.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Die Spitze der Corn Exchange in Bridgwater (Somerset) wird von einer Ananas verschönert.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Zwei mit „pineapples“ gekrönte Obelisken zieren die Zufahrt zur Londoner Lambeth Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Steinerne Früchte auf einer Balustrade im Godmersham Park bei Chilham in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Manor Farmhouse in Urchfont, südlich von Devizes in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Und auch in Kirchen ist die Ananas zu finden wie hier auf einem Taufstein in der Holy Trinity Church in Wensley bei Leyburn in North Yorkshire.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Daniel Defoes Memorial auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields

This Monument is the result of an appeal in the „Christian World“ newspaper to the boys and girls of England for funds to place a suitable memorial upon the grave of Daniel De-Foe. It represents the united contributions of seventeen hundred persons. Septr. 1870„, so steht es zu lesen auf dem Monument, das zu Ehren des Schriftstellers Daniel Defoe (1660-1731) auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields im Stadtteil Islington errichtet wurde. Daniel Defoes berühmtestes Buch „Robinson Crusoe“ erschien 1719 und sein genauer Titel lautet „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself“. Es ist ein Werk der Weltliteratur, das bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist.

In den letzten Jahren seines Lebens war Defoe hoch verschuldet, und er versteckte sich vor den Leuten, deren Kredit er nicht zurückzahlen konnte. Wann genau er in London starb, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, am häufigsten wird das Datum 24. April 1731 genannt. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Bunhill Fields und auf seinem unscheinbaren Grabstein stand der Name „Mr. Dubow“ (wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Schreibfehler). 1853 wurde der Friedhof geschlossen und 1870, nachdem „Robinson Crusoe“ zu einem großen Erfolg geworden war, kam man zu der Ansicht, dass dem Schriftsteller ein größeres Andenken gebührte. In dem Magazin „Christian World“ erfolgte ein Spendenaufruf, durch den £150 gesammelt wurden, was damals sehr viel Geld war. Der Bildhauer Samuel Horner wurde beauftragt, einen Obelisken zu schaffen, der dann am 16. September 1870 in Anwesenheit von drei Urenkelinnen des Schriftstellers eingeweiht wurde.

Das Monument steht übrigens nur drei Schritte von dem Grabstein des ebenfalls berühmten Dichters William Blake entfernt, der 1827 starb.

Bunhill Fields liegt mitten in London zwischen den Straßen Bunhill Row und City Road; der Friedhof ist frei zugänglich und täglich geöffnet.

Wer den Roman „Robinson Crusoe“ gelesen hat und davon angetan war, ist herzlich willkommen, sich bei Daniel Defoe mit einer Blume zu bedanken und diese an seinem Monument zu hinterlegen.

Dieser Film zeigt den Friedhof Bunhill Fields und auch Daniel Defoes Obelisken.

Daniel Defoe und sein direkter Nachbar, William Blake.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain

Foto meines Exemplares.

David McKies Buch „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Darin schreibt er von seinen Reisen quer durch Großbritannien, bei denen er ausschließlich Linienbusse benutzt.
Auch in McKies aktuellem Buch „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain“ reist er mit Linienbussen durch das Land, allerdings nur mit denen, die eine Route befahren, in der die Nummer „94“ vorkommt, wobei auch „394“, „494“ oder „594“ zulässig sind. Er hätte auch jede andere Busroute mit einer anderen Nummer wählen können, aber McKie meinte, dass die „94“ am besten passen würde.

„This is a book not about buses, it’s a book about where they take you“, so beginnt „Riding Route 94“ und beschreibt, was den Leser erwartet. Links und rechts am Straßenrand begegnen wir Dörfern und Städten, über die es viel zu sagen gibt, und David McKie macht das auf eine äußerst interessante Weise. Hier sind einige Beispiele:

Eine der Linien 94 führt von Oxford über Charlton-on-Otmoor nach Bicester und in diesem Kapitel stehen die Otmoor Riots im Mittelpunkt, bei denen die Menschen in dieser Region in den Jahren 1829 bis 1835 dagegen protestierten, dass man ihnen ihr Recht entzog, auf „common land“ ihre Tiere weiden zu lassen.

Die Linie 494 verbindet Selby und Tadcaster in North Yorkshire und führt an dem Schlachtfeld von Towton vorbei, wo am 29. März 1461 eine der blutigsten Schlachten der englischen Geschichte ausgetragen wurde, und die Truppen des Hauses York auf die des Hauses Lancaster stießen. McKie geht ausführlich auf dieses Ereignis ein.

Im Nordosten Englands führt eine Buslinie 94 von Gateshead über Team Valley, Low Fell, Felling und Heworth wieder nach Gateshead zurück. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Stadt Gateshead und die Rivalität mit Newcastle, beide durch den River Tyne getrennt. Gateshead gilt als das hässliche Entlein, auf das das stolze Newcastle mit Verachtung von der anderen Flussseite herüberblickt.

Ein richtig interessantes und empfehlenswertes Buch!!

David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain. Pimpernel Press 2017. 246 Seiten. ISBN 978-1-910258-34-7.

Auch mit diesem Bus der Linie 94 von Gloucester nach Cheltenham war David McKie unterwegs.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Charlton-on-Otmoor.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Das Schlachtfeld von Towton mit einer Erinnerungsstätte.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Gateshead (links) und Newcastle (rechts) am River Tyne.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Westwood Quarry – Ein Steingruben-Tunnelsystem in Wiltshire

Ein Blick in einen der Tunnel.
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Westwood in Wiltshire, ein paar Kilometer westlich von Bradford-on-Avon, Stein abgebaut, um damit Häuser in Bath zu bauen. Auch die Holy Trinity Church in Trowbridge, ebenfalls in Wiltshire gelegen, wurde aus den Steinen vom Westwood Quarry gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet wurde. So legte die Agaric Mushroom Company hier eine Champignonzucht an, da die Pilze das feuchte Klima lieben und entsprechend gut gedeihen. Im Zweiten Weltkrieg musste ein Teil der Pilzzucht weichen, um Platz zu machen für Werkstätten, in denen die Firma Royal Enfield spezielle Geräte für Luftabwehrgeschütze (anti-aircraft predictors), produzierte (hier ist ein Film wie die ehemaligen Produktionsanlagen heute aussehen).

Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg beherbergte der Westwood Quarry riesige Kunstsammlungen, die hierher gebracht wurden, um sie vor den deutschen Luftangriffen zu schützen. London war das bevorzugte Ziel der Luftwaffe, die über der Stadt Unmengen an Bomben abwarfen. In den großen Museen fürchtete man, dass die dort untergebrachten Kunstschätze zerstört werden könnten und so suchte man im ganzen Land nach sicheren Unterbringungsmöglichkeiten. Abgelegene Landsitze boten sich dafür an, aber bei genauerem Hinsehen stellte man fest, dass die Sicherheit dort nicht immer gewährleistet war, und die Besitzer der Country Houses waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert, als sie erfuhren, dass sie für die Unterbringung der Schätze kein Geld erhalten sollten.
So bot sich der Westwood Quarry an, in den Kunstgegenstände aus dem British Museum, dem Victoria & Albert Museum und der National Portrait Gallery gebracht wurden. Die weltberühmten Elgin Marbles aus dem British Museum fanden in den Höhlen eine Zeit lang sicheren Unterschlupf, das Flugzeug der Brüder Wright, das damals im London Science Museum untergebracht war, transportierte man nach Wiltshire, damit es den Krieg unbeschadet überstehen konnte, und auch die Kronjuwelen wurden in Westwood sicher gelagert, wovon sich Queen Mary bei einem Besuch im Jahr 1943 überzeugen konnte. Damit die wertvollen Gegenstände in der feuchten Luft keinen Schaden nahmen, installierte man eine Klimaanlage und sicherte das Tunnelsystem mit Spezialtüren ab.

Der Westwood Quarry wird auch heute noch als Lagerstätte für Archiv- und Dokumentationsmaterial genutzt.

Erbaut aus Steinen aus dem Westwood Quarry: Die Holy Trinity Church in Trowbridge (Wiltshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Cartmel – Ein Gourmet-Dorf im Süden der Grafschaft Cumbria

The Square in Cartmel.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Cartmel ist ein Dorf im äußersten Süden der Grafschaft Cumbria, vielleicht denjenigen bekannt, die die nicht weit entfernte Holker Hall besucht haben. Der Ort rühmt sich einiger kulinarischer Besonderheiten, von denen eine der sehr süße Sticky Toffee Pudding ist, eine Art Biskuitkuchen mit Datteln und Toffee, der auch gern mit Vanillesauce serviert wird. Ursprünglich soll das Rezept aus Kanada stammen, im luxuriösen Sharrow Bay Hotel am Ullswater Lake in Cumbria weiterentwickelt und verfeinert worden sein.

Im Cartmel Village Shop am Hauptplatz des Ortes, The Square, wird der Sticky Toffee Pudding seit über 20 Jahren hergestellt. In dem Laden war auch einmal das Postamt untergebracht, von dem sich die Besitzer aber trennten, als sich das Geschäft mit der Süßigkeit immer weiter entwickelte und mehr Zeit in Anspruch nahm. Heute gibt es noch weitere Varianten wie den Sticky Banana Pudding und den Sticky Toffee Apple Crumble, die auch alle online geordert werden können. Aber einige der großen Supermarktketten haben die Süßspeise aus Cartmel auch im Angebot. In diesem Film zeigt Nigella Lawson wie man den Sticky Toffee Pudding herstellt, der besonders gern zu Weihnachten verspeist wird.

Die zweite kulinarische Besonderheit von Cartmel ist, dass es hier eines der besten Restaurants im ganzen Land gibt, in das Gourmets von weit her angereist kommen, um die Kochkunst von Simon Rogan zu probieren. Sein L’Enclume, in einem schlichten Steinbau am Ufer des River Eea untergebracht, wurde 2014 zum Restaurant of the Year ausgerufen, vom Good Food Guide schon viermal zum besten Restaurant Großbritanniens ernannt und es hat bereits zwei Michelin-Sterne bekommen. Simon Rogans Schwester-Restaurant Rogan & Co befindet sich ebenfalls in Cartmel, ein paar Schritte vom Village Store entfernt, wo man auch ein Geschäft findet, das Produkte aus der Region von der Farm des Chefkochs kaufen kann.

Cartmel ist wirklich schon ein richtiges Gourmet-Dorf geworden, im Unsworth’s Yard findet man Spezialitätenläden, zum Beispiel für Käse und Wein, und die Unsworth’s Yard Brewery stellt Biere her wie das Cartmel Peninsula und das Land of Cartmel. Wer also Interese an diesen schönen Dingen hat, sollte auf jeden Fall in dem Dorf vorbeischauen.

The Village Store – Von hier kommt der Sticky Toffee Pudding.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Das Sharrow Bay Country House Hotel am Ullswater Lake, wo der Sticky Toffee Pudding weiterentwickelt wurde.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Simon Rogans L’Enclume.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Unsworth’s Yard.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„London’s Swinging 60s Experience“ – Nostalgische Stadtrundfahrten auf den Spuren eines prägenden Jahrzehnts

Die King’s Road in Chelsea.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

In den 1960er Jahren war London Europas Mittelpunkt, was die Musik und die Mode anging. Die Beatles und unzählige weitere Bands, die im Kielwasser der vier Boys aus Liverpool mit schwammen, Mary Quant, die Erfinderin des Minirocks, das Model Twiggy, sie alle prägten das Lebensgefühl der Swinging 60s. Dieser Film stimmt zum Thema ein.

Nostalgische Stadtrundfahrten auf den Spuren der 60er Jahre bietet die Firma Music Heritage London an, mit einem roten Routemaster Doppeldeckerbus und untermalt mit Musik aus dieser Zeit. Drei Touren stehe auf dem Programm:

Swinging 60s London. Eine einstündige Tour, die zu den neuralgischen Punkten jener Zeit führt wie zur King’s Road, wo man sich traf, zur Royal Albert Hall, zu Mary Quants Laden „Bazaar“, wo der Minirock das Licht der Welt erblickte. Musik des damaligen Piratensenders Radio Caroline trägt zur Verstärkung der nostalgischen Atmosphäre an Bord des Busses bei. Der Preis: £20.

Rock and Roll London. Zwei Stunden dauert diese Tour, auf der ebenfalls Musik und Mode der 1960er Jahre im Mittelpunkt stehen. Die Fahrt geht vorbei an den damaligen Wohnhäusern der Stars und endet in Londons Rock Museum neben dem Hard Rock Café, wo Erinnerungsstücke der Großen der Rockszene aufbewahrt werden. Der Preis: £30.

The Rolling Stones and Beatles in West London. Eine dreistündige Tour, die u.a. durch Chelsea führt, wo die Bandmitglieder früher einmal wohnten, zur Eel Pie Island, einer Insel in der Themse, wo die berühmtesten Stars der 60s auftraten und zu den Twickenham Studios, in denen die Beatles ihre Filme „A Hard Day’s Night“ und „Help!“ drehten. Der Preis: £35.

Hier ist ein kurzer Werbeclip für die Touren.

Eel Pie Island.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Gondola – Ein in venezianischem Stil gebautes Boot, das auf dem Coniston Water im Lake District unterwegs ist

Coniston Water ist einer der malerisch gelegenen Seen im Lake District im Nordwesten Englands, etwas über acht Kilometer lang, fast 800 Meter an seiner breitesten Stelle und bis zu 56 Meter tief. Bekannt wurde Coniston Water als der See, auf dem immer wieder Geschwindigkeitsrekorde mit Booten aufgestellt wurden. Am 4. Januar 1967 starb Donald Campbell hier, als sich sein Boot Bluebird bei einer Geschwindigkeit von über 500 km/h überschlug.

Sehr viel langsamer ist das Schiff Gondola, das auf dem Coniston Water mit nur 15 km/h bis 20 km/h die Fluten durchpflügt und Touristen auf mehreren Routen über den See transportiert. Die Form des Schiffes ist ungewöhnlich und erinnert, wie es der Name vermuten lässt, an eine venezianische Gondel. Am 30. November 1859 erfolgte der Stapellauf des 200 Passagiere fassenden Schiffes Steam Yacht (SY) Gondola, das nach dem damaligen neuesten Stand der Technik gebaut wurde. Bis zum Jahr 1936 war das Boot im Einsatz, dann wurde es stillgelegt und als Hausboot benutzt. Mehrere Jahrzehnte dämmerte Gondola am Südufer des Sees vor sich hin, verfiel und wurde um ein Haar verschrottet. Doch dann trat Mitte der 1970er Jahre der National Trust auf den Plan und nahm sich des Schiffes an. Es wurde mit sehr viel Aufwand von Grund auf renoviert, mit einer neuen Maschine versehen, und SY Gondola lief am 25. März 1980 zum zweiten Mal vom Stapel. Die Jungfernfahrt erfolgte im folgenden Jahr am 8. Juni.

Der National Trust als Eigentümer lässt das Schiff jedes Jahr von März bis Oktober über das Coniston Water gleiten und bietet einmal die Full Lake Cruise ( £21) an, die 105 Minuten dauert und am Coniston Pier im Norden des Sees startet, und die Head of the Lake Cruise (£11), die 45 Minuten dauert. Darüber hinaus werden noch weitere Spezialtouren angeboten.

Hier sind Impressionen von Bord des Schiffes zu sehen.

Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Juli 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City

Foto meines Exemplares.

Wie Simon Leyland im Vorwort zu „A Curious Guide to London – Tales of a City“ berichtet, entstand die Initialzündung zu seinem Buch an einem regnerischen Tag in London, als er in einem Pub zufällig auf einen Mann trifft, der seit zwanzig Jahren an einer Straßenecke Zeitungen verkauft und der ihm im Laufe der Unterhaltung, garniert mit einigen Pints, kuriose Geschichten über London erzählt, die Leyland erst einmal für nicht recht wahrscheinlich hält. Doch später stellt sich heraus, dass der Zeitungsverkäufer keine „tall tales“ verbreitet hat, sondern, dass alles stimmte. Von diesem Treffen im Pub inspiriert, macht sich Simon Leyland auf die Suche nach weiteren Londoner Kuriositäten und hat diese in seinem Buch zusammengefasst.

Der ehemalige Aktienhändler in der Londoner City hat eine Menge Witziges, Skurriles und Kurioses ausgegraben wie etwa

Mr Crapper’s Bottom Slapper, die Erfindung von Thomas Crapper, einem Experten für Sanitärinstallationen (ja, der hieß wirklich so!), bei der es sich um einen neuartigen Toilettensitz handelte, der aber nicht so funktioniertr wie er eigentlich sollte (der Name „Bottom Slapper“ deutet auf die Fehlfunktion hin).

Londons smuttiest windows, bei denen es um den Penis von Prince Albert geht, eingeritzt in die Milchglasfenster eines Pubs (ich berichtete in meinem Blog davon, in meinem erotischen Spaziergang durch London).

Die kleine Londoner Straße Carting Lane, die aus gutem Grund gern auch Farting Lane genannt wird. Näheres in meinem früheren Blogeintrag.

Mr Kessler’s Birthday Party, die legendäre Geburtstagsfeier eines reichen Amerikaners im Luxushotel Savoy, wobei die Lagunenstadt Venedig als Thema gewählt wurde, Enrico Caruso sang und ein Elefant eine riesige Geburtstagstorte zu den Gästen brachte.

Wer Kurioses mag und eine andere Seite der Stadt London kennen lernen möchte, wird dieses sehr empfehlenswerte Buch mit viel Vergnügen lesen!

Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City. Bantam Press 2014. 218 Seiten. ISBN 978-0-59307-323-0.

Published in: on 9. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Blencathra, der Berg im Lake District, der verkauft werden sollte

Der Blencathra in Cumbria.
Photo © Walter Baxter (cc-by-sa/2.0)

Hugh Lowther, der 8. Earl of Lonsdale bekam ein Problem, als der Staat im Jahre 2014 £9 Millionen Erbschaftssteuer von ihm haben wollte. So eine Summe bezahlt auch ein englischer Earl nicht mal so eben aus der Portokasse. Rund 120 qkm² umfasst das Lonsdale Estate in der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands und darin befindet sich der 868 Meter hohe Berg Blencathra, der auch Saddleback genannt wird, und dessen hervorstechendstes Merkmal die Sharp Edge, ein rasiermesserscharfer Grat ist, dessen Begehung nur schwindelfreien Bergwanderern zu empfehlen ist.

Diesen schönen Berg wollte der Earl of Lonsdale verkaufen und bot ihn für £1.75 Millionen an, um seine Schuldenlast zu minimieren. Eigentlich ist das nicht zuviel für diese Naturschönheit, doch was würde ein potentieller Käufer damit machen, fragten sich viele Menschen aus der Umgebung? Würde ihnen vielleicht der Zugang verweigert? Die Friends of Blencathra gründeten sich, mit dem Ziel, so viel Geld wie möglich zu sammeln, um dem Earl ein Kaufangebot zu unterbreiten. Leider bekamen sie nur die relativ klägliche Summe von £246,650 zusammen, was natürlich bei weitem nicht reichte. Die Zahl der Interessenten an dem Berg war sehr überschaubar, obwohl der Käufer automatisch den Titel Lord of the Manor of Threlkeld erhalten würde (Threlkeld ist der nächstgelegene Ort), was ja nicht schlecht klingt.

Kurz und gut, es fand sich niemand, der den imposanten Berg haben wollte; der Earl of Lonsdale überlegte es sich anders und zog sein Angebot zurück. Blencathra war nicht mehr auf dem Markt.

Im vorigen Jahr drehte Terry Abraham für die BBC den einstündigen Dokumentarfilm „Life of a Mountain: A Year on Blencathra„, eine Hommage an den Berg in Cumbria, der auch als DVD vorliegt. Hier ist ein Trailer zu sehen.

Die Sharp Edge.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 8. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Cornhill Devils in der City of London – Ein erbsenzählerischer Vikar und ein rachsüchtiger Architekt

St Peter upon Cornhill, rechts daneben das braune Haus mit den Teufeln.
This work has been released into the public domain by its author, Bashereyre .

Es war einmal…ein pedantischer Vikar an der Kirche St Peter upon Cornhill in der City of London. Die Kirche wurde 1666 beim Großen Feuer von London zerstört und von Sir Christopher Wren (von wem auch sonst?) wieder aufgebaut. Im Jahr 1893 sollte die Kirche ein neues Nachbargebäude bekommen und zwar ein mehrstöckiges Bürohaus. Schon damals ging es dort ziemlich eng zu, und der Architekt des neuen Hauses, Ernest Augustus Runtz (1859-1913), gab sich die größte Mühe, auf seinen Plänen das Gebäude neben die Kirche zu platzieren. Als der Vikar die Pläne sah, bemerkte er, dass das Haus ein ganz kleines Stückchen auf das der Kirche gehörende Gelände ragen würde. Sofort legte er wutschnaubend bei dem Architekten Protest ein. Das geht ja nun gar nicht, meinte der Kirchenmann, und sprach von Diebstahl. Zähneknirschend musste Mr. Runtz seine bisherigen Pläne in die Tonne treten und wieder von vorn anfangen, was natürlich Zeit und Geld kostete. Schließlich wurde das Bürohaus fertiggestellt in einem „asymmetrical Loire Château style“ wie Nikolaus Pevsner in seinem Buch „Architectural Guide to the City of London“ schreibt.

Ernest Augustus Runtz ließ es sich aber nicht nehmen, sich an dem Vikar von St Peter upon Cornhill zu rächen. Er brachte an seinem Gebäude, das die Adresse 54-55 Cornhill trägt, drei Teufel an, die furchterregende Fratzen haben und die böse von dem Runtzschen Haus herunter auf den Eingang der Kirche starren. Das Gesicht des grässlichsten Teufels soll sogar die Züge des Vikars tragen, der dem Architekten so viel Ärger bereitet hatte.

St Peter’s ist regelrecht eingeklemmt zwischen den Häusern an der Gracechurch Street und Cornhill.

 

Tadcaster – Die Brauereistadt am River Wharfe in North Yorkshire

Die Tower Brewery.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Fährt man in die Stadt Tadcaster hinein, auf halbem Weg zwischen Leeds und York in North Yorkshire gelegen, riecht man sofort, dass hier Bier gebraut wird. Die Stadt am River Wharfe (ich berichtete in meinem Blog über die große Weihnachtsflut 2015, bei der die Tadcaster Bridge außer Gefecht gesetzt wurde) beherbergt drei große Brauereien, früher waren es sogar einmal vier.

Da ist zuerst einmal die Tower Brewery an der Wetherby Road, der A659, die 1882 hier gegründet wurde, vorher aber in York ansässig war. Im Laufe ihres Bestehens wechselte die Brauerei mehrfach die Besitzer, was in England häufig vorkommt. Jahrelang gehörte sie zu dem riesigen Bass Charrington-Konzern, bis dieser dann von der noch größeren Molson Coors Brewing Company aus den USA übernommen wurde. Will Swales hat einmal ein Buch über die Geschichte der Brauerei geschrieben, „The History of the Tower Brewery in Tadcaster“, die allerdings nur bis zum Jahr 1991 reicht.

Dann haben wir an der High Street, ebenfalls die A659, die Samuel Smith Brewery, Yorkshires älteste, die, oh Wunder, nicht zu einem der großen Braukonzerne gehört. 1758 gegründet, ist sie noch heute in Familienbesitz. Eine breite Palette an Bieren werden bei Samuel Smith hergestellt, vom Klassiker, dem Old Brewery Bitter, bis hin zu Exoten wie dem Organic Chocolate Stout. 200 Pubs gehören zu Samuel Smith, nicht nur in Yorkshire, sondern auch im ganzen Land, darunter 20 Pubs in London; dort bekommt man ausschließlich Biere der Brauerei aus Tadcaster angeboten. Eine Besonderheit: In den Pubs sind Radio, Fernsehen oder Hintergrundmusik verpönt. Man kann sich dort also in Ruhe unterhalten.

Und schließlich gibt es in Tadcaster noch die John Smith’s Brewery, 1852 gegründet, die heute zum Heineken-Konzern gehört und das meistverkaufte Bitter weltweit produziert. John Smith’s Original und John Smith’s Extra Smooth sind die beliebtesten Biere, die hier gebraut werden. Man bekommt sie eigentlich überall im Vereinigten Königreich.

Samuel Smith’s Old Brewery.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Bristol Hum – Ein Brummton-Phänomen, das die Bewohner der Stadt Bristol nervt

Die M32 in Bristol. Kommt das merkwürdige Geräusch von hier?
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im November 1989 wurde in Großbritannien die Low Frequency Noise Sufferers Association gegründet, in der sich Menschen zusammentaten, die sich von dem Brummton-Phänomen genervt fühlten, das sich in einigen Städten des Königreichs manifestierte, vor allem in Bristol im Südwesten des Landes. Der sogenannte Bristol Hum ist dort schon seit mehreren Jahrzehnten zu hören und niemand weiß, wo das Geräusch herkommt. Nicht jeder kann es hören, doch viele Bristolians stört es vor allem nachts, wenn der niederfrequente Ton deutlicher zu hören ist. Er ist auch nicht ständig da, manchmal herrscht eine Zeit lang Ruhe und dann ist das Geräusch plötzlich wieder zu hören.

Die Behörden der Stadt haben schon alles Mögliche unternommen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, auch Wissenschaftler haben sich darüber den Kopf zerbrochen und die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, aber bis heute gibt es noch keine endgültige Auflösung des Rätsels. Hier sind einige dieser Theorien:

Französische Wissenschaftler, die sich auf die Spur des Bristol Hums gesetzt haben, sind der Überzeugung, dass sich das Phänomen durch  Wellen auf dem Boden des Meeres erklären lässt, durch die eine Vibration erzeugt wird.

Windparks in der Umgebung der Stadt, die Autobahn M32 und Hochspannungsleitungen wurden als Verursacher ins Gespräch gebracht.

Einem großen Lüfter auf einem Industriegelände in Avonmouth schob man die Schuld in die Schuhe, und als dieser abgeschaltet wurde, herrschte eine Weile Ruhe, doch dann war das Geräusch wieder zu hören.

Dann kam man auf die Idee, dass das Brummton-Phänomen gar nicht existiert, und dass diejenigen, die das Geräusch hören, unter Tinnitus leiden.

Ist etwa das Filton Aerodrome schuld, auf dem British Aerospace geheime Forschungen betreibt?

Eine recht absonderliche Theorie ist die, dass riesige Schwärme des Nördlichen Bootsmannfisches verantwortlich sein sollen und zwar durch die Paarungsgeräusche der Männchen und Weibchen, die es gern laut beim Sex haben.

Ich habe hier zwei Beispiele für den Bristol Hum, so dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, was dieses Geräusch wohl bedeuten mag: Beispiel 1 und Beispiel 2.

Windräder in Avonmouth bei Bristol. Auch die können eigenartige Geräusche verursachen.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Der Nördliche Bootsmannfisch: Sind er und seine Artgenossen und -genossinnen schuld am Bristol Hum?
This work is in the public domain.

 

Published in: on 5. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charity Shops in englischen High Streets

Zwei Charity Shops nebeneinander in Exeter (Devon).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich finde es grundsätzlich eine sehr gute Sache, wenn Leute ihre nicht mehr benötigten Sachen nicht wegwerfen, sondern zur weiteren Verwendung an Wohltätigkeitsläden, im Englischen „charity shops„, weitergeben, die aus dem Verkaufserlös entsprechende Organisationen fördern und unterstützen. In vielen Fällen werden Kleidungsstücke, Bücher, CDs usw. zu den Läden gebracht.

In Deutschland fallen diese Charity Shops im Straßenbild kaum auf, in England ist das ganz anders. Wenn irgendwo in der High Street einer Stadt ein Geschäft schließt, zieht dort häufig einer dieser Läden ein, was dazu führt, dass die Haupteinkaufsstraße allmählich einen ganz anderen Charakter bekommt, denn besonders schön anzusehen sind die Schaufenster und Auslagen der Charity Shops nicht. Zusammen mit  Billigläden wie Poundland, Poundworld etc., wo man einen Großteil der angebotenen Waren für £1 kaufen kann, bekommen die High Streets ein unattraktives Image und sie laden nicht mehr zum Schaufensterbummeln ein. Die Folge: Immer mehr wandern zu den großen Supermarktketten oder Shopping Malls an den Rändern der Städte ab, und die High Streets veröden weiter.

Am 15. April diesen Jahres schrieb ich in meinem Blog über meinen Kurzbesuch in der Kleinstadt Uckfield in East Sussex, ein Beispiel für den Niedergang der englischen Einkaufsstraßen. Auf einer Strecke von wenigen hundert Metern traf ich auf sage und schreibe 7 Charity Shops (vielleicht habe ich auch noch einige übersehen):

The British Heart Foundation. Sie unterhält über 700 Läden im ganzen Land mit steigender Tendenz. Wie bei anderen Organisationen auch arbeiten in den Shops unbezahlte Kräfte, lediglich der Manager und ggf. sein Vertreter werden bezahlt.

Wenige Schritte weiter fand ich einen Laden der Cancer Research UK, von denen es im Königreich fast 600 gibt.

Dann war da ein Charity Shop des St Peter & St James Hospice, einem Hospiz, das sich sterbenskranker Menschen in der Region Haywards Heath, Burgess Hill, Uckfield und Lewes annimmt.

Es folgte ein Laden des Kit Wilson Trusts for Animal Welfare, einer Organisation, die 1975 gegründet wurde und die sich speziell um Hunde und Katzen, aber auch um wild lebende Tiere kümmert.

Weiter ging es mit einem Laden des Chestnut Tree House, einem Kinderhospiz für East und West Sussex, 2003 gegründet, das in Arundel (West Sussex) zu finden ist.

Als nächstes folgte ein Charity Shop des St Wilfrid’s Hospice, das in Chichester ansässig ist.

Und schließlich fand ich einen Laden des Hospice in the Weald, einem Hospiz, das am Stadtrand von Tunbridge Wells in Kent liegt.

Ich gönne diesen Organisationen wirklich jeden Penny, den sie durch die Charity Shops einnehmen. Eine Bereicherung des Straßenbildes sind sie leider nicht.

Saffron Walden in Essex.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Zwei Charity Shops Tür an Tür in Cinderford (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Calendar Girls des Rylstone & District Women’s Institute aus North Yorkshire

Cracoe Village Hall, wo sich die Damen des Rylstone Women’s Institute regelmäßig treffen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Im allgemeinen verbindet man der Aktivitäten der britischen Women’s Institutes (WI), berechtigt oder auch nicht, mit Kuchenbacken, Rezepte austauschen, gemeinsamem Teetrinken usw. Einige Damen des WI Rylstone and District in der Grafschaft North Yorkshire machten von sich reden, als sie am 12. April 1999 einen Kalender veröffentlichten, der nicht aus netten Katzen- oder Blumenfotos bestand, sondern aus Nacktfotos von sich selbst. Die WI-Damen waren keine ganz jungen Frauen mehr, sondern schon etwas fortgeschrittenen Alters (45-66), also gehörte  etwas Mut dazu, sich hüllenlos ablichten zu lassen. Allerdings ging man etwas diskreter vor, wie beispielsweise auf Playboy-Fotos, und verdeckte die intimeren Zonen der Körper. Der Kalender wurde im Devonshire Arms in Cracoe der Öffentlichkeit vorgestellt. Geplant war ursprünglich, dass er nur in dieser Region von North Yorkshire zum Verkauf angeboten werden sollte, doch, wer hätte das gedacht, binnen einer Woche war er ausverkauft. 10 000 Exemplare wurden nachgedruckt und auch die gingen in wenigen Wochen über die Ladentische. Ende 1999 hatte man tatsächlich 88 000 Stück verkauft. Es gab sogar eine Version des Kalenders für den US-Markt, der ebenfalls in hohen Stückzahlen abgesetzt werden konnte. Die Ladies aus der abgeschiedenen Region der Yorkshire Dales waren international im Gespräch und wurden zu Talkshows eingeladen, wo sie auch erklärten, warum sie die freizügigen Aufnahmen von sich hatten lassen machen.

Der Ehemann einer der WI-Damen war an dem Non-Hodgkin-Lymphom gestorben, und ihre Freundinnen wollten ihr durch den Verkauf des Kalenders finanziell etwas unter die Arme greifen. Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass sie insgesamt rund £3 Millionen einsammeln konnten, Geld, das sie der Leukaemia & Lymphoma Research (heute Bloodwise genannt) zur Verfügung stellten.

Diese Kalender-Aktion inspirierte den englischen Regisseur Nick Cole, daraus einen Spielfilm zu machen, für den er hochkarätige Schauspielerinnen gewinnen konnte wie Helen Mirren, Julie Walters, Celia Imrie und Penelope Walton (die Isobel Crawley in „Downton Abbey“). Der Film erhielt den British Comedy Award und die beiden Akteurinnen Helen Mirren und Julie Walters wurden für mehrere Preise nominiert. Gedreht wurde „Calendar Girls“ (dt. „Kalender Girls“) in der näheren Umgebung des Originalschauplatzes, u.a in Kettlewell, Settle und Buckden. Hier ist der Trailer zum Film.

Weiterhin wurde aus dem Stoff ein Musical gemacht, das im November 2015 im Grand Theatre in Leeds seine Premiere feierte und ein Theaterstück, das im Londoner Noel Coward Theatre aufgeführt wurde.

Hier, im Devonshire Arms in Cracoe (North Yorkshire) wurde der Kalender vorgestellt.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Einer der Drehorte des Films „Calendar Girls“: Die Autowerkstatt von Kettlewell in North Yorkshire.
Photo © Doug Elliot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Spukorte – Racton Ruin bei Racton in West Sussex

Als ich Dave Hamiltons Buch „Wild Ruins“ in meinem Blog vorstellte, erwähnte ich ganz kurz das Racton Folly in West Sussex, auf das ich heute etwas ausführlicher eingehen möchte. Der romantische, verfallene Turm wird auch Racton Ruin und Racton Monument genannt. George Montagu-Dunk, 2nd Earl of Halifax, ließ den 24 Meter hohen, auf einem Hügel stehenden Turm zwischen 1766 und 1775 erbauen. Welches seine Beweggründe gewesen sein mögen, ist unklar. Möglicherweise wollte der Earl oben vom Turm die nahe Küste beobachten wie seine Handelsschiffe, aus Nordamerika kommend, dort im Hafen anlegten.

Seit mehr als 100 Jahren kümmerte sich niemand mehr um diese immer noch eindrucksvolle Ruine, die aber inzwischen wieder in privater Hand ist. Da der Turm sehr einsam in einem kleinen Wäldchen steht, ist er zu einem bevorzugten Ziel für einige zwielichtige Elemente geworden, die dort Drogen nehmen. Auch einige Okkultisten haben sich diesen Ort erwählt, um ihre Rituale an dem alten Gemäuer durchzuführen. Selbstmörder nutzten das Racton Monument, um sich hier vom Leben zu verabschieden.

Geisterjäger haben sich des Nachts mehrere Male am Turm eingefunden, denn es heißt, die Racton Ruin wäre „haunted“. Da ist die Rede davon, dass Steine von oben herunter geworfen werden, eine geisterhafte Frau soll um den Turm herumlaufen und einige nächtliche Besucher berichteten, dass sie plötzlich gestoßen worden sind.

Hier ist ein Film, der die geheimnisvolle Atmosphäre des Turms zeigt, von einer Drohne aus aufgenommen.

Wer jetzt Lust verspürt, die Racton Ruin einmal aufzusuchen: Sie liegt am Monument Lane, einem Weg, der von der B2147 bei Racton abzweigt, ein Ort der nur aus einer Handvoll Häusern besteht und wenige Kilometer von den Küstenorten Emsworth und Havant entfernt ist.

Haunted Racton Ruin.
Photo © Pete Diaper (cc-by-sa/2.0)

Die geplante Start- und Landebahn 3 des Londoner Flughafens Heathrow und die Auswirkungen auf die umliegenden Ortschaften

Compulsary purchase„, also Zwangsenteignung, ist ein Wort, das seit Jahren wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern der Orte Harmondsworth, Sipson und Longford schwebte, die alle im Dunstkreis des riesigen Flughafens London Heathrow liegen. Immer wieder war die Rede davon, dass der Flughafen eine dritte Start- und Landebahn brauche. Noch David Cameron in seiner Zeit als Premierminister versprach den Menschen in den betroffenen Orten, dass es unter ihm keine Flughafenerweiterung geben würde. Auch der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson favorisierte andere Zukunftspläne; aber das ist jetzt alles hinfällig geworden, das Damoklesschwert hat zugeschlagen, denn das Parlament genehmigte vor wenigen Tagen den dritten „runway“. Entsprechend entsetzt war die Reaktion der Menschen, die nun eine Zwangsenteignung ihrer Häuser befürchten müssen. Betroffen werden nach ersten Berechnungen zwischen 700 und 1000 Häuser sein, die abgerissen werden. Doch es kann noch wesentlich schlimmer kommen, denn nach den Planungen von Heathrow Airport gibt es noch eine sogenannte „Wider Property Zone“, das heißt “ residents may have to move out of the area because of new and significantly adverse living conditions.” Im Klartext: Rund 15 000 Menschen müssen wahrscheinlich aus dieser Zone zusätzlich „entfernt“ werden müssen.

Die Hausbewohner sollen bis zu 125% des Marktwertes ihrer Häuser als Entschädigung erhalten, doch reicht das, um sich im Großraum London eine neue Unterkunft zu kaufen? Die meisten wollen natürlich nicht von hier weg, wo manche schon Zeit ihres Lebens gewohnt haben, doch es nützt vielen nichts, sie haben keine andere Wahl. Diejenigen, die bleiben können, werden sich an noch mehr Fluglärm gewöhnen müssen, denn rund 700 Starts und Landungen wird es zusätzlich geben. Das Verkehrsministerium sagt, dass eine knappe Million Menschen von dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge betroffen sind, nach Inbetriebnahme der dritten Bahn werden es bis zu 100 000 mehr sein. £700 Millionen sind eingeplant, um Häuser mit besseren Schallisolierungen zu versehen, aber die Lebensqualität derjenigen, die bleiben (können), wird stark reduziert sein.

Über den Überlebenskampf der Gemeinde Sipson habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben, ebenso über den Ort Harmondsworth, von dem etwa die Hälfte abgerissen werden soll.  Longford wird komplett asphaltiert werden bzw. unter einem neuen Terminal verschwinden.

Die Stadtautobahn M25 wird ein ganzes Stück unterirdisch unter dem „runway“ verlegt. Ich kann mir jetzt schon die endlosen Staus vorstellen, wenn die Bauarbeiten beginnen.

Alles andere als rosige Aussichten für die bemitleidenswerten Menschen, die (noch) am Rande des Flughafens leben.

Harmondsworth (Greater London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Wie lange noch??? King William IV in Sipson (Greater London).
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Dieses Idyll in Longford (Greater London) wird bald nur noch in der Erinnerung der Bewohner existieren.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Muker Silver Band – Eine Blaskapelle aus North Yorkshire

Muker in North Yorkshire.
Photo © Dennis Turner (cc-by-sa/2.0)

Seit Beginn der Industriellen Revolution bildeten sich in den Bergwerksorten Yorkshires Blaskapellen, eine Freizeitbeschäftigung, die von der schweren Arbeit unter Tage ein Gegengewicht darstellte bzw. zur Unterhaltung der Bergleute und der Dorfbewohner diente. Eine der ersten war die Stalybridge Old Band, die im Jahr 1809 gegründet wurde und die es noch immer gibt; eine der bekanntesten war die Grimethorpe Colliery Band, deren Geschichte in dem Film „Brassed Off“ (1996) wiedergegeben wurde (s. hierzu meinen Blogeintrag).

Auch das kleine Dorf Muker im Swaledale in North Yorkshire, in dem vor langer Zeit Blei abgebaut wurde, unterhält noch eine eigene Blaskapelle, die Muker Silver Band, eine der letzten in dieser Region. Am 22. Juni 1897 trat die Muker Subscription Brass Band, wie sie damals hieß, erstmals auf; Anlass war Queen Victorias Diamond Jubilee. Die Kapelle, die überwiegend aus jungen Männern bestand, die sich das Spielen ihrer Instrumente selbst beigebracht hatten, trat hier und da bei Festen in der näheren Umgebung von Muker auf. Doch in den letzten 50 Jahren ist die Muker Silver Band deutlich ambitionierter geworden, ihre Mitglieder kommen nicht mehr nur aus dem Dorf, sondern aus einem weiteren Umkreis, über ein Drittel sind mittlerweile Frauen und das Repertoire hat sich auch verändert, hin zu anspruchsvollerer Musik.

Die Brass Band hat einige CDs aufgenommen und hat sogar Auftritte außerhalb Englands absolviert, u.a. auch entlang des Rheins in Deutschland. Der Dirigent Duncan Bythell, der seit 1985 dabei ist, hat ein Buch über die Muker Silver Band geschrieben, das den Titel „Banding In The Dales“ trägt und aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Blaskapelle 1997 veröffentlicht wurde.

In diesem Jahr sind mehrere Auftritte geplant, alle in Yorkshire, die meisten davon in Muker selbst. Hier ist die Silver Band in Muker zu hören und zu sehen.

Der Mittelpunkt von Muker: The Farmers Arms.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)

The Two Mice Eating Cheese – Londons kleinste Skulptur im Philpot Lane

Die Londoner Straßen Eastcheap und Philpot Lane werden von dem riesigen hässlichen Hochhaus beherrscht, dessen Adresse 20 Fenchurch Street lautet, das aber überall auf Grund seiner Form The Walkie Talkie genannt wird. Gegenüber diesem Gebäude wirken alle anderen winzig klein, dabei sind einige in den beiden oben genannten Straßen viel schöner anzusehen, zum Beispiel die Hausnummer 23 Eastcheap, ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus der viktorianischen Zeit, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Gewürzhändler Hunt & Crombie ihre Geschäftsräume hatten.

Das Eckhaus auf der Seite zum Philpot Lane hin, verfügt über eine Besonderheit: An der Wand etwas oberhalb des Erdgeschosses, in dem eine Filiale der Ladenkette Joe & The Juice untergebracht ist, findet sich Londons kleinste Skulptur, die den Namen The Two Mice Eating Cheese trägt. Man muss schon die Augen nach oben richten, um die beiden Mäuse und das Stück Käse zu sehen, sonst läuft man achtlos daran vorbei.

Es gibt mehrere Versionen, was das zu bedeuten hat. Die am häufigsten erzählte, ist diese:

Beim Bau des Monuments, jener 62 Meter hohen Säule, die an den Großen Brand von London im Jahr 1666 erinnert, und die in den 1670er Jahren errichtet worden war, soll es zu einem Zwischenfall in luftiger Höhe gekommen sein. Zwei Bauarbeiter hatten dort oben eine Pause eingelegt, wobei es zu einem Streit um ein Sandwich kam. Der eine Arbeiter bezichtigte den anderen, er hätte sich an seinem mit Käse belegten Sandwich vergangen und dieses halb aufgegessen, was der Beschuldigte weit von sich wies. Es kam zu einem Gerangel, wobei die Streithähne vom Monument fielen und dabei zu Tode kamen. Erst später stellte sich heraus, dass es Mäuse waren, die sich in einem unbeobachteten Moment über das belegte Brot hergemacht hatten. In Erinnerung an die beiden zu Tode gestürzten Männer soll die „Maus-Käse-Skulptur“ an dem Haus Eastcheap/Philpot Lane angebracht worden sein.

Die zweite Version ist ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass der Streit um das halb aufgegessene Sandwich nicht auf dem Monument, sondern auf einem Gerüst beim Bau eben jenes Gebäudes stattfand, an dem die Mini-Skulptur angebracht ist.

Was auch immer stimmt oder nicht stimmt, ich finde dieses kleine Kunstwerk schön.

23 Eastcheap.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz des tragischen Sandwich-Zwischenfalls: The Monument.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Smallhythe Place bei Tenterden (Kent) – Der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Ellen Terry (1847-1928)

Im vorigen Jahr kam ich wieder einmal am Smallhythe Place vorbei, an der B2082 südlich von Tenterden gelegen. Das dem National Trust gehörende schöne alte Fachwerkhaus war der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Dame Ellen Terry (1847-1928), die schon als Kind Shakespeare-Rollen spielte und zu ihrer Zeit als die führende Shakespeare-Darstellerin galt. Hier ist ihre Stimme zu hören.

1899 kaufte Dame Ellen Terry Smallhythe Place, das wohl zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut worden war, und lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 1928. Ihre Tochter, Edith Craig, die auch im Schauspielbereich tätig war und zu den aktiven Frauenrechtlerinnen gehörte, öffnete 1929 Smallhythe Place für interessierte Besucher, die sich dort Terrys Sammlung von Theaterkostümen ansehen konnten. Der National Trust übernahm nach Edith Craigs Tod 1947 das Haus, das auch heute noch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Zu sehen sind hier neben der Kostümsammlung unendlich viele Memorabilia aus der Welt des Theaters, so zum Beispiel ein Brief, den Oscar Wilde an Ellen Terry schrieb und das Monokel des berühmten Komponisten Sir Arthur Sullivan. Auf den knarzenden Fußböden des jahrhundertealten Hauses begibt man sich von Zimmer zu Zimmer und stellt sich vor wie es wohl gewesen sein muss, in so einem Gebäude zu leben.

Edith Craig installierte nach dem Tod ihrer Mutter 1929 das Barn Theatre auf dem Gelände des Smallhythe Place, in dem im Sommer Stücke aufgeführt werden, natürlich auch von William Shakespeare. Gartenliebhaber kommen hier auch auf ihre Kosten und können sich in dem wunderschönen Cottage Garden ergehen.

Es gibt weiterhin einen Tea Room und einen kleinen Laden, in dem regionale Produkte, Bücher und Haushaltsgegenstände angeboten werden. In Smallhythe Place kann man also gut ein paar angenehme Stunden verbringen.
Der Eintrittspreis beträgt £8.40. Das Haus ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; ab dem 29. Oktober ist Smallhythe Place für das Winterhalbjahr geschlossen.
Hier ist das Haus im Film zu sehen.

Smallhythe Place
Smallhythe
Tenterden, Kent, TN30 7NG

The Barn Theatre.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Die Countryside Alliance Awards 2017

Our vision is a future for the countryside which both preserves its traditional values and promotes a thriving rural community and economy; a countryside sustainably managed and sustainably enjoyed; a countryside where rural communities have equal access to the facilities and services enjoyed in urban communities; a countryside where people can pursue their businesses, activities and lives in a society that appreciates and understands their way of life„.
So lautet das Motto der Countryside Alliance, die das Wohlergehen des dörflichen Englands im Auge hat und die jährlich die Countryside Alliance Awards vergibt. Am 25. April 2018 fand die Preisverleihung für das Jahr 2017 im Cholmondeley Room des Oberhauses im Londoner Parlamentsgebäude statt. Hier sind einige der Sieger in ihren jeweiligen Kategorien:

Kategorie Local Food and Drink: Quex Barn auf dem Quex Estate in Birchington (Kent).
Im Farm Shop wird eine umfangreiche Palette an lokalen Produkten angeboten wie Käse, Biere, Früchte, Fleisch, Fisch usw., überwiegend aus der Grafschaft Kent. Freitags und Samstags wird ein Abendessen angeboten, samstags ein Frühstück. Im „Barber Bus“ kann man sich auch noch die Haare schneiden lassen. Die Quex Barn ist eine tolle Einrichtung! Hier ist ein Film über den Farm Shop.

Kategorie Pub: The Swan in Enford (Wiltshire).
Enford ist ein kleines Dorf an der A345, etwa auf halbem Weg zwischen Marlborough und Salisbury. Der unter Denkmalschutz stehende Swan ist als letztes übrig geblieben, nachdem der Dorfladen, die Bäckerei und die Post alle geschlossen worden sind. Der Pub ist im Besitz von Einheimischen und erfreut sich großen Zuspruchs von Gästen auch aus der Umgebung. Ein vorbildlicher Country Pub, den ich gern in meiner Nähe hätte! Hier ist ein Film über den Pub.

Kategorie Village Shop/Post Office: Pontrilas Post Office & Store in Pontrilas (Herefordshire).
Das kleine Dorf findet man an der A465, südwestlich von Hereford, dicht an der Grenze zu Wales. Der Laden bietet in erster Linie Produkte aus der Region an und im Tea Room treffen sich die Dorfbewohner. Dieser Film zeigt, welche Rolle so ein kleiner Laden in der Dorfgemeinschaft spielen kann.

The Aldgate Pump – Eine historische Wasserpumpe in der City of London

Dort, wo in der Londoner City die Fenchurch Street auf die Leadenhall Street trifft, steht eine alte, unter Denkmalschutz stehende Wasserpumpe, die Aldgate Pump, die früher einmal sowohl Segen als auch Fluch für die Bevölkerung darstellte. Segen in sofern, als sie sauberes Wasser nach oben transportierte, das sich die Londoner hier gern abholten; Fluch, weil um das Jahr 1875 herum aus dem einst sauberen Wasser eine widerliche Brühe wurde, denn der unterirdische Fluss passierte, bevor er an der Aldgate Pump ankam, mehrere Friedhöfe, aus denen organische Stoffe von den verwesenden Leichen mitgespült wurden, zum Beispiel Kalzium aus den Knochen der Toten. Die Menschen, die sich ihr Trinkwasser aus der Pumpe holten, wussten das natürlich nicht. Das Ergebnis des „Wassergenusses“: Mehrere hundert Menschen erkrankten und starben an den Folgen des verseuchten Wassers. Die Aldgate Pump wurde daraufhin still gelegt und später an das neue Leitungswassersystem der New River Company angeschlossen. Die Aldgate Pump Epidemie war damit glücklicherweise beendet.

So wie wir die Pumpe heute an der Straßenecke sehen, stammt sie aus dem Jahr 1876; die Vorgängerin wurde abgebaut und durch diese ersetzt. Das Besondere an der Aldgate Pump ist der Zapfhahn in Form eines Wolfskopfes, denn an dieser Stelle wurde der letzte Wolf erschossen, der durch London zog. Dieser Film zeigt die Pumpe.

Der Music Hall Sänger Arthur Lloyd (1839-1904) sang in den 1860er Jahren einmal ein Lied mit dem Titel „Aldgate Pump„, in dem es um eine Liebesgeschichte geht, in der die Wasserpumpe eine wesentliche Rolle spielt („I shall never forget the gal I met near Aldgate Pump“).

Published in: on 26. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Explosion Museum of Naval Firepower in Gosport (Hampshire)

In diesen alten Gebäuden ist das Museum untergebracht.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Stadt Gosport in Hampshire steht in diesen Tagen weltweit in den Schlagzeilen, weil in dem dortigen War Memorial Hospital Hunderte von Patienten durch die Verabreichung unnötiger Opioide vorzeitig verstorben sind. Die Aufarbeitung dieses Skandals wird wohl noch lange Zeit dauern.

Priddy’s Hard ist ein Teil der Stadt Gosport, gegenüber von Portsmouth gelegen, das lange Zeit ein Waffendepot der Royal Navy war, bis es 1988 aufgelöst wurde.

In den ehemaligen Gebäuden des Depots wurde im Jahr 2001 ein Museum eingerichtet, das sich mit der Kriegsführung der Marine, mit Waffen und der Geschichte von Priddy’s Hard beschäftigt und sich passenderweise Explosion Museum of Naval Firepower nennt.

Was gibt es in dem Museum nun alles zu sehen? Torpedos, Geschütze, Seeminen, Sprengstoffe, Raketen und alles, was ein Kriegsschiff so mit sich führt. Sogar eine Atombombe ist im Eingangsbereich aufgestellt. Eine Multimediashow und interaktive Apparaturen sollen das Thema deutlicher und verständlicher machen.
Das Museum hat vor einigen Jahren den Besitzer gewechselt und gehört jetzt dem Portsmouth Naval Base Property Trust. Vorher gehörte es dem Gosport Borough Council.

Das Explosion Museum of Naval Firepower ist von März bis Ende Oktober täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; im Winterhalbjahr nur am Wochenende von 10 Uhr bis 16 Uhr.

Hier ist ein kurzer Werbespot für das Museum.

Explosion Museum of Naval Firepower
Heritage Way
Priddy’s Hard
Gosport PO12 4LE

Published in: on 25. Juni 2018 at 02:00  Comments (3)  
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The Green Man – Eine mysteriöse Figur, der man überall in England begegnet

The Green Man Pub in Grantchester (Cambridgeshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

„Als Grüner Mann werden bestimmte architektonische Zierelemente an sakralen und profanen Gebäuden des Mittelalters und der frühen Neuzeit bezeichnet. Dargestellt wird zumeist ein männlicher Kopf, dessen Haupt- und Barthaare die Gestalt von Blättern haben, die auch aus dessen Mund hervorwachsen“, so die Darstellungsweise der Wikipedia über die mystische Figur, der man in England sehr häufig begegnet. Aufmerksame Kirchenbesucher werden mit dem Green Man zum Beispiel in der Kathedrale von Exeter (Devon) mehr als 60mal konfrontiert, auch im York Minster und im Beverly Minster, beide in Yorkshire, findet man jede Menge grüne Männer.

The Green Man ist ein beliebter Pubname, dem man überall im Land begegnet, es gibt ein Buch von Kingsley Amis mit dem Titel „The Green Man“ (dt. „Der grüne Mann“), das ich mit Vergnügen gelesen habe und das in einem Pub mit diesem Namen in dem fiktiven Ort Fareham in  Hertfordshire spielt.
Episode 29 der „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“-TV-Serie heißt „The Green Man“ (dt. „Blut ist dicker…“); darin wird ein im Wald hausender Sonderling des Mordes an einem Teenager verdächtigt.

Die Rockgruppe Jethro Tull hat einen Song mit dem Titel „Jack in the Green“ aufgenommen, XTC nennt einen ihrer Songs „Greenman„.

Im Spirit of the Green Man Studio in Tintern (Monmouthshire) kann man unzählige „Devotionalien“ mit dem Grünen Mann kaufen.

Es gibt den Green Man Day in Barnstaple in Devon und das Green Man Festival in Clun in Shropshire.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, doch ich möchte jetzt lieber Bilder sprechen lassen.

In der All Saints‘ Church in Evesham (Worcestershire).
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Im York Minster in North Yorkshire.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

Ein Weg bei Kirstead Green in Norfolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Gelände des Muncaster Castles in Cumbria.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Ein kunstvoll geschnittener Grüner Mann in Ashmansworth (Hampshire).
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Green Man Day in Barnstaple (Devon).
Photo © Roger A Smith (cc-by-sa/2.0)

Das Green Man Festival in Clun (Shropshire).
Photo © William Pugh (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Juni 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die besten Restaurants der Welt des Jahres 2018 und auf welchen Plätzen die englischen Häuser liegen

Am 19. Juni 2018 war es wieder soweit, dass die besten Restaurants der Welt in Bilbao in Spanien gekürt wurden. Jedes Jahr wählen über 1000 Experten die Restaurants und deren Chefköche aus, die ihrer Meinung nach das Non plus ultra der internationalen Kulinarik bilden.

Hier sind die Top 5 der World’s Best Restaurants 2018:

1. Osteria Francescana in Modena (Italien)

2. El Celler de Can Roca in Girona (Spanien)
3. Mirazur in Menton (Frankreich)
4. Eleven Madison Park in New York (USA)
5. Gaggan in Bangkog (Thailand)

So und wo liegen nun auf der Top 50-Liste die besten englischen Restaurants?

Auf Platz 33 finden wir das erste, The Clove Club, in dem der Schotte Isaac McHale am Herd steht, der vorher im The Ledbury, im Kopenhagener Noma (das viermal zum besten Restaurant der Welt gewählt wurde) und im New Yorker Eleven Madison Park gearbeitet hat. Die Adresse des Restaurants: Shoreditch Town Hall, 380 Old Street, London.

Platz 38 nimmt ein weiteres Londoner Restaurant ein: Lyle’s mit Chefkoch James Lowe, der sich einen Michelin-Stern erkocht hat, und Erfahrung in Heston Blumenthals Fat Duck in Bray (Berkshire) gesammelt hat. Das Restaurant befindet sich ebenfalls im Londoner Stadtteil Shoreditch, im Tea Building in der 56 Shoreditch High Street.

Das Londoner Restaurant The Ledbury, in dem der Australier Brett Graham den Kochlöffel schwingt, steht auf Rang 42. Schon seit 2005 gibt es dieses Haus, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet worden ist. Grahams viergängiges Abendmenü kostet £125. Eine kleine Besonderheit am Rande: Hier werden die Küchenabfälle kompostiert, und die Gäste können sich auf Wunsch 5-Kilo-Beutel mit nach Hause nehmen, um ihre Gärten zu düngen. Die Adresse: 127 Ledbury Road, Notting Hill, London.

Auf Platz 45 liegt das Londoner Restaurant Dinner by Heston Blumenthal, für das Ashley Palmer-Watts verantwortlich ist, und der Namensgeber eher selten zu finden ist. Palmer-Watts hat viele Jahre in der Fat Duck gearbeitet. Seine Spezialität sind Speisen, die auf alten englischen Rezepten beruhen wie Meat Fruit aus dem Jahr 1500, Roast Chicken and Asparagus (1660) und Brown Bread Ice Cream (1830). Das Restaurant befindet sich im Mandarin Oriental Hotel in Knightsbridge.

Das einzige deutsche Restaurant unter den Top 50 ist das Berliner Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße 26 auf Rang 37. Auf Platz 66 erst folgen das Vendôme in Bergisch Gladbach, das Aqua im Wolfsburger Ritz Carlton Hotel auf Platz 73 (mein Favorit, in dem ich wunderschöne Abende verbracht habe), Nobelhart & Schmutzig in Berlin auf Platz 88 und auf Rang 97 das Atelier in München.

Published in: on 23. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Batsford Arboretum bei Moreton-in-Marsh (Gloucestershire)

Mitten in den Cotswolds liegt das sehenswerte Batsford Arboretum, ein botanischer Garten, in dem hauptsächlich Bäume und Sträucher angepflanzt wurden. 2900 Bäume sollen hier in dieser asiatisch geprägten Anlage stehen, in der man stundenlang spazieren gehen kann.

Algernon Freeman-Mitford, 1st Baron Redesdale, der Asien intensiv bereiste, begann 1886 mit der Anlage des Parks, die im Laufe der Jahrzehnte von den späteren Besitzern des Batsford Estate weitergeführt wurde. Heute gehört das Arboretum der Batsford Foundation.

Man findet hier spezielle Sammlungen, die einzigartig sind, z.B. Magnolien, Bambus und Ahorn. In einem Garden Centre kann man Pflanzen für den eigenen Garten kaufen und das Garden Terrace Café hält Erfrischungen bereit.

Das Batsford Arboretum ist ganzjährig geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £7.95. Wer Interesse an besonders schönen Bäumen hat, kommt hier in dieser wunderschönen Anlage voll auf seine Kosten. Dieser Film macht Appetit auf einen Besuch.

Vergleiche auch meine Blogeinträge über das Westonbirt Arboretum bei Tetbury (Gloucestershire) und das etwas andere National Memorial Arboretum bei Alrewas (Staffordshire).

Batsford Arboretum and Garden Centre
Batsford, Moreton-in-Marsh
Gloucestershire GL56 9QB

Das Garden Centre.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juni 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Colne Valley in West Yorkshire – Ein Wahlkreis, der einmal zwei ungewöhnliche Abgeordnete ins Londoner Parlament geschickt hat

 

Marsden im Colne Valley.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Das Colne Valley in West Yorkshire spielte während der Industriellen Revolution eine bedeutende Rolle, weil hier die Textilindustrie vorherrschend war. Schon lange trägt man in Großbritannien keine Kleidung mehr, die hier hergestellt wird; der Ferne Osten ist allmächtig geworden.

Thelma Walker vertritt diesen Wahlkreis, der sich in der Nähe von Huddersfield befindet, seit dem 8. Juni 2017 im Parlament in London. Soviel ich weiß, ist das Verhalten der Labour-Abgeordneten im Unterhaus unauffällig. Zwei ihrer Vorgänger zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren da ganz anders.
Colne Valley MP Victor Grayson vertrat diesen Bereich von West Yorkshire von 1907 bis 1910; er war Mitglied der Independent Labour Party und besiegte bei Nachwahlen im Jahr 1907 die Kandidaten der Liberals und der Torys. So zog Mr. Grayson nach London…und wurde selten einmal im House of Commons gesehen, und auch die Reden des Hinterbänklers waren rar. Aufmerksamkeit erregte der Mann aus Yorkshire einmal, als im Unterhaus über Ausschankgesetze debattiert wurde, er aber zum Thema Arbeitslosigkeit sprach. Unklar war damals, ob das mit seiner Überzeugung zu tun hatte, dass Letzteres wesentlich wichtiger war als Ersteres, oder ob er einfach einen über den Durst getrunken hatte, denn Victor Grayson hatte ein Alkoholproblem. Bei den Parlamentswahlen im Januar 2010 wollte man den Mann im Colne Valley nicht mehr haben; er verlor seinen Sitz im Unterhaus. In der Zeit danach, machte er von sich reden, als er herausfand, dass der Premierminister David Lloyd George sich bereicherte, indem er über einen Strohmann Ehrentitel verkaufte. Dadurch stieg sein Beliebtheitsgrad in bestimmten, einflussreichen Kreisen nicht gerade an. Und dann, am 28. September 1920, verschwand Victor Grayson und wurde nie wieder gesehen. Wurde er ermordet, weil er sich mit den Mächtigen in der Regierung angelegt hatte? Wir werden es wohl nie erfahren.

Graysons Nachfolger als MP für den Wahlkreis Colne Valley war ein Liberaler, Charles Leach, ein gelernter Schuhmacher mit dem Hang zum Predigen für die Methodist New Connexion, eine methodistische Freikirche. Leach, ein Yorkshireman, der 1847 in der Nähe von Halifax geboren wurde, war im Parlament aktiver als sein Vorgänger und engagierte sich u.a. für die Themenbereiche Frauenrechte und Krankenversicherung für Industriearbeiter. Dann ging es gesundheitlich mit Chales Leach bergab; er erlitt einen Nervenzusammenbruch, sein Verhalten im Parlament nahm bizarre Züge an, so dass sich der Speaker gezwungen sah, den Lunacy Act aus dem Jahr 1886 anzuwenden, ein Gesetz, das bestimmte, dass psychisch kranke Abgeordnete ihren Sitz verlieren. Das war das erste und einzige Mal in der Geschichte des britischen Parlaments, dass ein MP auf diese Weise gehen musste. Alle weiteren späteren Abgeordnete für den Wahlkreis in West Yorkshire sollten nicht mehr negativ auffallen.

Published in: on 21. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Mersey Gateway Bridge – Sie verbindet Runcorn mit Widnes in Cheshire

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Am 14. Oktober 2017 wurde eine neue Brücke über den River Mersey eröffnet, die die bisherige Silver Jubilee Bridge, entlasten soll; letzere wird zurzeit generalüberholt. Die neue Mersey Gateway Bridge wurde erst jetzt, vor wenigen Tagen, offiziell eröffnet, in Anwesenheit der Queen und dem neuen Mitglied des Königshauses, der Duchess of Sussex, im früheren Leben Meghan Markle. Die Medien aus aller Welt berichteten von dem Ereignis, das heißt, die Brücke, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, interessierte die anwesenden Reporter nicht; ihnen war viel wichtiger was die Duchess trug und wie sie mit der Queen kommunizierte. Daher gibt es auch erheblich mehr Fotos von den beiden Royals als von der Mersey Gateway Bridge.

Bei mir ist es genau andersherum, denn ich finde das im vorigen Jahr fertiggestellte Bauwerk viel interessanter als die Kleiderfarbe der Queen (giftgrün) oder wer das Outfit der Herzogin entworfen hat.

2,2 Kilometer lang ist die neue Brücke über den Mersey River, die die A533 von Runcorn nach Widnes führt, und sie hat drei Spuren in jede Richtung. £600 Millionen hat sie gekostet, eine Menge Geld, aber die alte Brücke war längst an ihre Belastungsgrenze angelangt mit mehr als 80 000 Fahrzeugen pro Tag. Das Befahren der Mersey Gateway Bridge ist kostenpflichtig. PKWs zahlen £2, LKWs je nach Größe bis zu £8. Und schon hat sich eine Protestbewegung gegen den Brückenzoll erhoben. Die Mitglieder von Scrap Mersey Tolls machen sich stark dafür, dass die Überquerung des Mersey kostenlos sein soll, so wie es bisher auf der alten Silver Jubilee Bridge war; doch auch diese wird nach ihrer Neueröffnung mit einer Maut belegt werden.

Hier sind Bilder von der (inoffiziellen) Eröffnung der Brücke im Oktober 2017.

Grabsteine auf englischen Landfriedhöfen

Table tombs, Hochgräber, auf dem Friedhof von St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ich besuche sehr gern Kirchhöfe in kleinen Dörfern in England und genieße die ruhige Atmosphäre, die dort meistens herrscht, sehr. Faszinierend unter dem rauschenden Blätterwald der Bäume die uralten Grabsteine zu betrachten, die verwitterten Inschriften zu entziffern und sich vorzustellen, wie diese Menschen, die darunter begraben liegen, einmal gelebt haben. Schon lange kümmert sich niemand mehr um die von Flechten bewohnten, schief stehenden oder sogar schon ganz umgekippten Steine. Ich muss unwillkürlich an Thomas Grays „Elegy Written in a Country Churchyard„ und an Percy Bysshe Shelleys “ „A Summer Evening Churchyard“ denken; beides Gedichte, die die Stimmung wunderbar wiedergeben.

Die wohlhabenden Bewohner, die Lords of the Manor mit ihren Familien oder Adelige wurden in der Regel im Inneren der Kirche unter Steinplatten oder in Sarkophagen beigesetzt, die „normalen“ Dorfbewohner bekamen ihre Grabstätte draußen auf dem Kirchhof.

In meinem Blog schrieb ich wiederholt über dieses Thema, das mich immer von Neuem reizt. Heute möchte ich einmal nur Bilder von Grabsteinen auf den Betrachter wirken lassen.

Flechten und Moose haben die Herrschaft über diese Grabsteine in St George’s in Sutton Mandeville (Wiltshire) übernommen.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Westerham (Kent), auf dem ich immer wieder gern spazieren gehe.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Bank unter dem Baum auf dem Kirchhof von Christ Church in Great Lumley (County Durham) lädt zum Verweilen ein.
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grab in Cholsey (Buckinghamshire) verwittert immer mehr.
Eigenes Foto.

St Thomas‘ in Melbury Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Der Kirchhof von Wisbech St Mary in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Wessen Gebeine mögen wohl unter diesem verwitterten Stein ruhen? St Mary’s in Compton Abbas (Dorset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 19. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  

Queen Camel – Ein kleiner idyllischer Ort in Somerset

St Barnabas Church an der High Street.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Queen Camel ist schon ein merkwürdiger Name für das Dorf in Somerset, 11 km nördlich von Yeovil gelegen, und es blickt auf eine über 1000jährige Geschichte zurück. Mit Kamelen hat das Dorf übrigens nichts zu tun, denn das Wort „Camel“ kommt von dem keltischen „cantmael“, was soviel wie „Distrikt des kahlen Hügels“ hieß. Die „Queen“ im Ortsnamen ist Queen Eleanor, die Frau Heinrichs III.

Das Besondere an diesem Ort ist seine Kirche St. Barnabas, die im 14. Jahrhundert gebaut wurde. Man sieht es dem Glockenturm nicht an, aber hier hängt das schwerste Sechsergeläut der Welt. Die sechs Glocken wurden während eines sehr langen Zeitraums gegossen: zwischen etwa 1450 und 1850. Im Jahr 1908 wurden sie im Glockenturm neu aufgehängt. Dieser Film zeigt die Bellringer bei der Arbeit und hier sieht man St Barnabas von einer Drohne aus.

Die Uhr am Turm stammt aus der viktorianischen Zeit, sie wurde 1887 aus Anlass des 50jährigen Thronjubiläums Königin Viktorias angebracht.

Direkt gegenüber der Kirche liegt die Dorfschule, die Countess Gytha Primary School, die auch wie eine kleine Kirche aussieht.

Ein Stückchen weiter die High Street entlang, die A359, liegt der Dorfpub, The Mildmay Arms, wo die Zeit stehengeblieben scheint, denn auf der Homepage des Pubs wird immer noch für das Weihnachtsmenü 2017 geworben.

Die Countess Gytha Primary School.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub, The Mildmay Arms.
Photo © Steve Barnes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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