Mein Buchtipp – Paul Adams, Eddie Brazil & Peter Underwood: Shadows in the Nave

Foto meines Exemplares.

Das selbe Autorentrio, das bereits das Buch „The Borley Rectory Companion“ verfasst hat, hat auch das 2011 erschienene Buch „Shadows in the Nave: A Guide to the Haunted Churches of England“ geschrieben, nämlich Paul Adams, Eddie Brazil und der 2014 verstorbene Peter Underwood. „Here you will encounter the compelling world of the unseen linked with a thousand years of worship“, so steht es im Buch zu lesen. Neben alten Burgen und Schlössern sind es die Kirchen und die Kirchhöfe, wo sich Geister gern manifestieren. Der eine oder andere Kirchenbesucher hat es auch schon einmal (unbewusst) zu Wege gebracht, ein Foto von einem Geist zu schießen, aber diese Aufnahmen sind immer sehr verschwommen und undeutlich, so dass man von einem Beweis, dass es Geister tatsächlich gibt, nicht wirklich sprechen kann.

Die drei Autoren haben sich 75 Kirchen in ganz England ausgesucht, in denen es spuken soll und berichten über diese „Schatten im Kirchenschiff“. Da sind kleine ländliche Gemeindekirchen dabei, aber auch große Kathedralen wie das York Minster, in dem es nur so wimmelt von unheimlichen Erscheinungen (mir ist bei meinen Besuchen dort noch keine über den Weg gelaufen). Die meisten Fotos in dem Buch stammen von Eddie Brazil, sie sind in Schwarz-Weiß gehalten, was den Gruselfaktor erhöht.

Drei Beispiele:

Holy Trinity Church in Penn (Buckinghamshire) – Hier ist David Blakeley begraben, der im April 1955 von Ruth Ellis vor einem Londoner Pub erschossen wurde. Ruth Ellis war die letzte Frau, die man in England wegen Mordes hinrichtete. Ist die Lady in White, die auf dem Kirchhof in Penn mehrfach gesichtet wurde, eben jene Mörderin (obwohl sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham, ganz in der Nähe, fand)? Siehe zu dieser Kirche meinen früheren Blogeintrag.

All Saints‘ Church in Faringdon (Oxfordshire) – Hier traf eine Besucherin in der Abenddämmerung auf eine dunkle Gestalt mit einer Kapuze, die bei näherem Hinsehen keinen Kopf hatte. Als die Dame dem Pfarrer von ihrer unheimlichen Begegnung berichtete, erfuhr sie, dass es sich dabei um den Geist eines der Angehörigen der Unton-Familie handeln soll, die in All Saints‘ eine eigene Kapelle hat. Auch mehrere durchgeführte Exorzismen haben ihn nicht davon abhalten können, immer wieder in die Kirche zurückzukehren.

St Andrew’s Parish Church in Farnham (Surrey) – In dieser Kirche sollen sich merkwürdige Dinge abgespielt haben. Eine Besucherin will Zeugin einer Messe gewesen sein, an der schattenhafte Gestalten teilnahmen, niemand sprach ein Wort, aber die Kirche war voller Weihrauchgeruch. St Andrew’s gilt als eine der „most haunted churches in England“.

Paul Adams, Eddie Brazil, Peter Underwood: Shadows in the Nave: A Guide to the Haunted Churches of England. The History Press 2011. 159 Seiten. ISBN 987-0-7524-5920-2.

Holy Trinity in Penn (Buckinghamshire).
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

All Saints‘ in Faringdon (Oxfordshire).
Photo © Michael FORD (cc-by-sa/2.0)

St Andrew’s in Farnham (Surrey).
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

„Knees Up Mrs Brown“ – Ein Lied, das in Kneipen und Fußballstadien populär ist

Zum Ende des Ersten Weltkriegs, als der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet worden war, sang man in den Straßen von London ein Lied, das die Erleichterung und Freude der Bewohner zum Ausdruck brachte und zum Mitsingen animierte: „Knees Up Mrs Brown„. Wer das ursprünglich geschrieben hatte, bleibt im Unklaren. 1938 tauchte der Song in einer neuen Version auf, der Bert Lee, Harris Weston und I. Taylor zugeschrieben wurde, die sich durch ihre Music Hall-Songs einen Namen gemacht hatten. Die beiden Schwestern Elsie und Doris Waters, die als Gert and Daisy im Zweiten Weltkrieg durch ihre Comedysendungen im Radio populär waren, nahmen „Knees Up Mrs Brown“ auf und ernteten damit Erfolg. Später traten Noel Harrison und Petula Clark damit im Fernsehen auf, auch die beiden Hollywood-Stars Bing Crosby und Rosemary Clooney versuchten sich einmal daran. Fozzie Bear in der Muppet Show interpretierte es 1980 auf seine Art.

Weil sich das Lied aber so schön grölen lässt, singt man es auch heute noch gern in Pubs und auch in Fußballstadien, zum Beispiel bei West Ham United, war es eine Zeit lang sehr beliebt. Die Webseiten des Fan Clubs heißen denn auch http://www.kumb.com, kurz für „Knees Up Mrs Brown“.

Der Text des Liedes (es gibt mehrere Fassungen) befriedigt keine höheren intellektuellen Ansprüche: „Knees up Mother Brown Under the table you must go Ee-aye, Ee-aye, Ee-aye-oh If I catch you bending I’ll saw your legs right off“. Gern fügt man bei Pub-Sing-a-Longs noch dazu „Oh, oh, what a rotten song“.
Aber eines muss man dem Lied lassen: Es geht einem nicht so schnell aus dem Gehörgang.

Published in: on 21. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ein Flugzeugabsturz mit fatalen Folgen am 24. Dezember 1924 in Purley (Greater London)

Die Erinnerungsstätte an der Kingsdown Avenue in Purley.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Es sollte ein Weihnachtsbesuch in Paris werden für fünf Briten, einen Brasilianer und einen Chilenen, die sich am 24. Dezember 1924 vom Londoner Flugplatz Croydon auf den Weg zum Pariser Flughafen Le Bourget machten. Am Steuer der De Havilland DH.34 der Imperial Airways saß der 34 Jahre alte Pilot David Arthur Stewart. Zeugen des Starts bemerkten, dass die Maschine recht langsam vom Boden weg kam und schon nach zwei Kilometern war der Flug zu Ende, denn es gab ein Problem mit den Motoren. David Stewart hatte die De Havilland nicht mehr im Griff und über dem Ort Purley im Süden Londons stürzte das Flugzeug ab. Mit der Nase voran bohrte es sich in den Boden, dort, wo gerade die Häuser des Kingsdown Estates gebaut wurden. Es gab beim Aufprall der gerade aufgetankten Maschine eine Explosion und sie brannte vollständig aus. Alle acht Insassen kamen  bei dem Absturz ums Leben. Es hätte sogar noch schlimmer können, denn um ein Haar hätte die De Havilland noch einen Passagierzug gerammt, der auf dem Weg von London nach Brighton war.

Eine gründliche Untersuchung der Absturzursache zog sich bis in das nächste Jahr hin. Das Ergebnis der Untersuchung ergab, dass den Piloten keinerlei Schuld traf, und das Flugzeug auf Grund eines nicht mehr identifizierbaren technischen Defekts verunglückte.

An der Kingsdown Avenue in Purley wurde an der Absturzstelle von der Croydon Airport Society und der Kingsdown Avenue Residents‘ Association zur Erinnerung eine Plakette angebracht, wo jedes Jahr am Weihnachtsabend ein Kranz niedergelegt wird.

Zwei Jahre nach dem Unglück in Purley wurden die anderen elf Maschinen des Typs De Havilland DH.34 außer Betrieb genommen.

Ein Flugzeug des Typs, das in Purley abstürzte.
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Published in: on 20. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hattingley Valley Vines aus Lower Wield (Hampshire) – Erzeuger von Sekten der Spitzenklasse

Eigenes Foto.

Eine Sektkellerei, deren Erzeugnisse in der First Class einer Fluggesellschaft ausgeschenkt werden, kann darauf wahrhaftig stolz sein. Ich spreche von den Hattingley Valley Vines und der Fluggesellschaft British Airways.

Zu finden ist die Sektfirma im ländlichen Hampshire, nahe des winzigen Dorfes Lower Wield, und nur über eine einspurige Straße zu erreichen (hier kann man sich ein Bild machen). Die Kellerei ist erst elf Jahre alt und kann sich schon zahlreicher Auszeichnungen erfreuen. Wie auf den Webseiten zu erfahren ist, gewannen Produkte der von Simon Robinson gegründeten Firma u.a. bereits 22 Goldmedaillen, 38 Silbermedaillen und 12 Bronzemedaillen.

Hattingley Valley Vines arbeitet sehr umweltbewusst und war die erste englische Weinfirma, die Sonnenenergie einsetzte.

Fünf verschiedene Sparkling Vines, die es durchaus mit Champagner aufnehmen können, werden aktuell angeboten. Da ist der Classic Reserve, den ich kürzlich probieren konnte, mit Bratapfel-, Nougat- und Briochenoten, begleitet von Hefeduft, Früchten und Zitronensorbet; so die Aussage von Hattingley Valley Vines. Dann gibt es noch einen Blanc de Blancs, einen Rosé, einen Demi Sec und als Krönung das Kings Cuvée. Die Preise der Sekte liegen auf Champagnerniveau. Der Classic Reserve kostet £30, der Blanc de Blancs £47.50 und der Kings Cuvée £80.

Neben den Sekten ist noch ein Wein im Angebot, der Bacchus Blues, der nur in ganz kleinen Stückzahlen hergestellt wird, und ein Dessertwein namens Entice.

Nach vorheriger Anmeldung kann man die Sektkellerei besichtigen und die Erzeugnisse im Shop einkaufen. Den Classic Reserve gibt es in Deutschland übrigens bei der Firma Jacques Weindepot zu kaufen.

Hattingley Valley Wines
Wield Yard, Lower Wield,
Nr Alresford, Hampshire,
SO24 9AJ

Published in: on 19. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Paul Sullivan: Frogley, Cockhead & Crutch

Foto meines Exemplares.

Als ich Paul Sullivans Buch, das ich heute vorstellen möchte, in die Hände bekam, musste ich unwillkürlich an Evelyn Hamanns wunderschöne TV-Ansage zu einer englischen Familienserie denken, die einmal Bestandteil einer Loriot-Comedysendung war. Ja, es gibt schon merkwürdige Namen in England. Auch in den Romanen von P.G. Wodehouse stolpert man immer wieder über kuriose Charaktere, die zum Beispiel George Cyril Wellbeloved, Horace Pendlebury-Davenport oder Cyril „Barmy“ Fotheringay-Phipps heißen.

Paul Sullivan hatte sicher viel Freude daran gehabt, für sein Buch „Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History“ die Archive der Grafschaft Oxfordshire zu durchforsten, um diese kuriose Namenssammlung zusammenzustellen. Vor allem in Jackson’s Oxford Journal, das von 1753 bis 1928 erschien, wurde er fündig. Hunderte von skurrilen Namen finden wir in dem kleinformatigen Buch und man fragt sich, wie konnte das sein, dass Eltern ihren Nachkommen diese schwere Last mit auf den Weg gaben. Gut, an Familiennamen kann man nun nichts ändern, aber diese schrägen „surnames“ auch noch mit „passenden“ Vornamen zu verzieren, ist denn schon erstaunlich. Vieles was der Autor hier zusammengestellt hat, ist eindeutig zweideutig wie Willy Cockhead, der von 1790 bis 1871 lebte, Fannie Hiscock oder Dick Hard.

Meine persönliche Favoriten sind: Cadwallader Cotar Coker Beck, der 1820 in dem Dörfchen Crowell in der Nähe von Thame das Licht der Welt erblickte, und sich sein Leben lang mit diesem Namensmonstrum herumschlagen musste. Ich glaube auch nicht, dass der 1812 in Oxford geborene McMorrell Peceased Hate Bleeck besonders stolz auf seinen Namen gewesen ist. Unklar ist mir auch, warum eine Familie aus Banbury namens England ihrem Sohn die Vornamen John England gegeben hat, so dass er John England England hieß. Der Vorname New ist ebenfalls ungewöhnlich, und so hieß das arme 1818 in Henley geborene Wesen New Dalrymple Fanshawe.

Es gibt noch weitere vergleichbare Titel auf dem englischen Buchmarkt wie Russell Ashs „Potty, Fartwell and Knob“ und „Busty, Slag and Nob End„. In letzterem hat er „remarkably rude but real names“ aus der ganzen Welt zusammengetragen, mit dem Vermerk „Adults Only!“.

„Dirty Names“ stehen auch im Mittelpunkt dieses Live-Auftritts von Rowan Atkinson.

Paul Sullivan: Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History. The History Press 2015. 170 Seiten. ISBN 978-0-7509-6300-8.

 

Published in: on 18. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Russian Memorial auf dem Kirchhof von St John-sub-Castro in Lewes (East Sussex)

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Wie kommt ein Denkmal, das an russische und finnische Soldaten erinnert, in die englische Provinz, auf einen Friedhof, der zu einer Kirche mit dem Namen St John-sub-Castro gehört (sub castro = unterhalb der Burg, gemeint ist Lewes Castle)? Die Kleinstadt Lewes liegt in der Grafschaft East Sussex und die Kirche am Abinger Place. Das Russian Memorial, das wie eine abgesägte Kirchturmspitze aussieht, wurde 1877 im Auftrag des russischen Zaren Alexander II. in Lewes errichtet, in Gedenken an 28 russisch/finnische Kriegsgefangene, die zwischen 1854 und 1856 in der Stadt starben.

Der Hintergrund: Während des Krimkrieges (1853-1856) gab es einen Nebenschauplatz, der weit weg von der Krim war. In der Ostsee, vor den Aland-Inseln, attackierten die britische und die französische Marine das Fort Bomarsund. Erst beim zweiten Versuch konnten die vereinten Streitkräfte das Fort einnehmen und zerstören. Die zwischen Finnland und Russland gelegene Inselgruppe gehörte damals zeitweise zum Russischen Reich, und die Kriegsgefangenen waren überwiegend russische Offiziere und finnische Mannschaften. Etwa 340 der Gefangenen wurden in das Naval Prison nach Lewes gebracht, wobei die Offiziere bei örtlichen Familien ihre Unterkunft fanden.

Den Gefangenen schlug in Lewes keine Feindschaft entgegen, im Gegenteil. Die russischen Offiziere genossen weitgehende Freiheiten und die Mannschaftsgrade im Gefängnis stellten Holzspielzeug her, dass sie an Besucher verkauften, wodurch sie sich einiges an Taschengeld verdienen konnten. Doch nicht alles war gut im Naval Prison, denn einige der Soldaten starben dort an Tuberkulose. Insgesamt 28 der Kriegsgefangenen überlebten ihren Aufenthalt in Lewes nicht und wurden auf dem Kirchhof von St John-sub-Castro begraben, daher das fünf Meter hohe Denkmal, das ein örtlicher Steinmetz anfertigte.

Im Jahr 2013 wurde das Russian Memorial restauriert, wobei die Kosten von Russland und Finnland übernommen wurden.

Das Naval Prison in der Lancaster Street existiert nicht mehr, es wurde 1963 abgerissen und heute ist dort der Rettungsdienst von Lewes untergebracht. Eine Plakette erinnert an das einstige Gefängnis.

Der britische Komponist Orlando Gough hat in Zusammenearbeit mit Stephen Plaice über die Gefangenen in Lewes eine Oper geschrieben, „The Finnish Opera„, die 2008 auch in Lewes ihre Uraufführung in Anwesenheit des finnischen Botschafters erlebte. Inspiriert wurde die Oper durch das finnische Lied „Oolannin sota„, das auch in das Werk intergriert worden ist.

St John-sub-Castro.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Die Lancaster Street , an der früher das Naval Prison stand.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

„He is back!“ – Die glorreiche Rückkehr des englischen Milchmanns

Die beiden Konkurrenten.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)

No Milk Today“ hieß es 1967 in einem Song der Band Herman’s Hermits, „The bottle stands forlorn a symbol of the dawn“. Ja, damals gehörte der Milchmann einfach zum täglichen Leben dazu. Mit seinem (häufig schon elektrisch betriebenen) „milk float“ fuhr er scheppernd über die frühmorgendlichen Straßen und tauschte leere Milchflaschen gegen volle aus, verlässlich wie ein Uhrwerk. In Spitzenzeiten wurden etwa 90% der in Haushalten konsumierten Milch von „Mr Milkman“ gebracht. Doch dann ging nach und nach seine Ära zu Ende, zuletzt wurden nur noch 3% an die Haustür geliefert. Milch in Kunststoffverpackungen war in den den Supermärkten billiger, die umweltfreundliche, wiederverwendbare Glasflasche blieb auf der Strecke.

Doch plötzlich ist alles wieder anders. Nicht zuletzt durch die aufrüttelnden Worte des Naturfilmers Sir David Attenborough in der TV-Doku-Serie „Blue Planet„, in der er vor dem Plastikwahnsinn warnte, stieg das Interesse an Milch in Glasflaschen sprungartig wieder an. Was gibt es denn Bequemeres als sich alles wieder an die Haustür liefern zu lassen? Neue Firmen entstanden, die den Faden wieder aufnahmen, beispielsweise Milk & More, die mittlerweile weite Teile Englands beliefert. Diese Firma geht sogar noch zwei Schritte weiter: Die Auslieferung erfolgt ausschließlich durch neue Elektrotransporter, also „milk floats 2.0“, außerdem sind im Portfolio der Firma, neben Milch, noch über 200 weitere Produkte enthalten (zum Beispiel auch Bio-Putzmittel in 100% recylebaren Behältern), die bis vor die Haustür geliefert werden. Wenn man, zum Beispiel mit einer App, bis 21 Uhr seine Bestellung aufgegeben hat, wird diese bis spätestens 7 Uhr am nächsten Morgen ausgeliefert, und das auch noch kostenlos. Ideal für Berufstätige und für ältere, nicht mehr so mobile Menschen, und das  auf eine sehr umweltfreundliche Art und Weise!
In diesem Film ist ein Milchmann der Firma Milk & More bei der Arbeit zu sehen.

Über das Sammeln von Milchflaschen habe ich in meinem Blog schon in den Jahren 2011 und 2016 geschrieben. Siehe auch meine Blogeinträge über den mörderischen Milchmann George Arthur Bailey und Benny Hills Lied von „Ernie, the Fastest Milkman in the West„.

Sehr zu empfehlen ist auch Dan Kierans Buch „Three Men in a Float„, eine Reise mit einem elektrischen Milchkarren quer durch England.

Der Milchmann kommt. Hier in East Oakley (Hampshire).
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Eine Erinnerungstafel für einen Milchmann in Cricklade (Wiltshire), der bei der Ausübung seiner Tätigkeit starb.
Photo © Rick Hall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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„Sussex by the Sea“ – Die Liebeserklärung des William Ward-Higgs an die beiden Grafschaften im Süden Englands

Hier in South Bersted (West Sussex) entstand das Lied „Sussex by the Sea“.
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Viele englische Grafschaften haben eine Hymne, die dann zu allen möglichen Anlässen gespielt wird. Die Hymne von Lincolnshire habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.

Auch East und West Sussex verfügen über eine „county anthem“, die „Sussex by the Sea“ heißt und im Jahr 1907 komponiert wurde. Entstanden ist sie in dem kleinen Dorf South Bersted, das an der Küste von West Sussex liegt, und der „geistige Vater“ war ein gewisser William Ward-Higgs, der mit seiner Familie von 1902 – 1908  dort lebte, aber auch eine Rechtsanwaltskanzlei in London betrieb.

Wie kam es nun dazu, dass Ward-Higgs, der nicht aus Sussex stammte (er wurde in Lancashire geboren), eine Hymne auf die Grafschaft(en) schrieb?
Da gibt es zwei Versionen:
1. Es war seine Liebe zu Sussex, die ihn veranlasste, einen Marsch zu schreiben, der dann auch bald als Regimentsmarsch des Royal Sussex Regiments übernommen wurde.
2. Ward-Higgs komponierte das Lied anlässlich der Hochzeit seiner Schwägerin Gladys mit dem Hauptmann Roland Waithman vom 2. Bataillon des Royal Sussex Regiments.

Der Rechtsanwalt und Freizeitkomponist Ward-Higgs starb 1936 in Roehampton durch Selbstmord; er wird zumindest in Sussex unvergessen bleiben.

„Sussex by the Sea“ beginnt so:

Now is the time for marching
Now let your hearts be gay
Hark to the merry bugles
Sounding along our way
So let your voices ring, my boys,
And take the time from me
And I’ll sing you a song, as we march along,
Of Sussex by the Sea

und der Refrain lautet:

Oh, Sussex, Sussex by the sea
Good old Sussex by the Sea
You may tell them all that we stand or fall
For Sussex by the sea.

…und so hört es sich an.

Das Buch zum Artikel:
Michael George: Sussex by the sea. Monterey Press 2011. 156 Seiten. ISBN 978-0956018816

Published in: on 15. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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CAMRAs Kampf gegen sexistische Biernamen

Die australische Black Hops Brewery in der Nähe von Brisbane brachte im vorigen Jahr ein Bier mit dem Namen Pussy Juice auf den Markt, kreiert von drei Männern, die sich für die Namensgebung entschuldigten und sagten, dass das ganz anders gemeint war.
Leg Spreader hieß ein Bier der Firma Route 2 Brews in Lowell (Indiana) in den USA, auf dessen Flaschenetikett eine junge Dame mit gespreizten Beinen zu sehen war.

Auch in Großbritannien gibt es einige Brauereien, die ihren Bieren sexistische Namen gegeben haben, meist begleitet von anzüglichen Bildern auf den Etiketten der Flaschen bzw. auf den Handpumpen in Pubs. Die Hornbeam Brewery aus Manchester wagte sich tatsächlich, eines ihrer Biere Knicker Mocha Muffdive (hier ist die Erklärung im Urban Dictionnary) zu nennen. Die Grainstore Brewery in Oakham in der Grafschaft Rutland benannte ein Bier Erica Roe, nach jener Dame, die als Twickenham Streaker in die Rugbygeschichte eingegangen ist, weil sie einmal barbusig in das Londoner Twickenham Stadion gelaufen ist. Das Flaschenetikett zeigt Erica Roe wie sie von einem Polizisten abgeführt wird.

Der Campaign for Real Ale (CAMRA) geht das jetzt alles zu weit und so hat sie beim diesjährigen Great British Beer Festival, das vom 6. bis zum 10. August im Londoner Olympia  stattfand, „rude beer names“ den Kampf angesagt und sämtliche Biere überprüft, bevor sie zum Festival zugelassen wurden. Auch die Labels wurden in Augenschein genommen, ob sie sexistische Abbildungen enthalten.
So suchte man in diesem Jahre beim Londoner Bierfest Biere mit dem Namen Village Bike (eine Frau, die viele Sexpartner hat) oder Dizzy Blonde vergeblich.

Published in: on 14. August 2019 at 02:00  Comments (5)  

Die Gut Girls vom Londoner Foreign Cattle Market

Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gab es im Osten von London, in Deptford, den Foreign Cattle Market, in dem Tiere in großer Zahl geschlachtet wurden. Der Cattle Diseases Act von 1869 schrieb vor, dass Vieh aus dem Ausland sofort nach der Ankunft auf englischem Boden geschlachtet werden musste, damit potentielle ansteckende Krankheiten nicht auf das einheimische Vieh übergriffen. Daraufhin richtete man 1871 ganz in der Nähe der Anlandedocks an der Themse in Deptford Schlachthäuser ein, wofür natürlich viele Arbeitskräfte benötigt wurden. Rund 500 Frauen wurden eingestellt, die, bei relativ gutem Lohn, eine ziemlich widerliche Arbeit ausführen mussten: Das Ausweiden der getöteten Rinder. 13 Stunden pro Tag entnahmen sie die Innereien der Tiere und man kann sich vorstellen wie verdreckt die Frauen nach ihren anstrengenden Arbeitstagen aussahen und auch entsprechend rochen. „Gut Girls“ wurden die jungen Frauen genannt und sie hatten keinen guten Ruf, denn man sagten ihnen nach, dass sie in ihrer Ausdrucksweise ziemlich ordinär waren. Nach der Arbeit trafen sie sich mit den Männern vom Schlachthof in den nahe gelegenen Kneipen und dann ging es hoch her.

Humanitäre Vereinigungen wie die von John Galsworthy gegründete Humanitarian League versuchten auf die Gut Girls Einfluss zu nehmen und sie von den Kneipen fernzuhalten, damit sie stattdessen sinnvollere Dinge nach Feierabend tun sollten.

Die 1956 in London geborenen Dramatikerin Sarah Daniels hat 1988 ein Theaterstück über diese Frauen geschrieben, mit dem Titel „The Gut Girls„. Es erlebte 1988 seine Uraufführung im Albany Empire, einem Theater in Deptford, also ganz in der Nähe des ehemaligen Foreign Cattle Markets (hier ist eine Aufführung des North East Scotland Colleges zu sehen). Das Gelände an der Grove Street wurde nach 1914 vom Kriegsministerium als Lagerplatz verwendet. Heute sind darauf Wohnblöcke errichtet worden.

The Albany in Deptford.
Author: SilkTork.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 13. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Association of Dunkirk Little Ships

Die Chico im Hafen von Oban in Schottland.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Prince Michael of Kent ist der Honorary Admiral der Association of Dunkirk Little Ships, einer Gesellschaft, die die Erinnerung hoch hält an eine historische Begebenheit im Zweiten Weltkrieg. Etwa 340 000 Soldaten, meist britischer und französischer Herkunft, waren Ende Mai, Anfang Juni 1940 am Strand von Dünkirchen in Frankreich von Truppen der deutschen Wehrmacht eingeschlossen. Ihnen allen drohte der Tod, doch dann trat die Operation Dynamo in Kraft, die sich die britische Admiralität ausgedacht hatte. Rund 850 Schiffe und Boote aller Art, private Yachten, Vergnügungsboote, die sonst auf der Themse unterwegs waren, Barkassen usw., machten sich auf den Weg von der englischen zur französischen Küste, um die Soldaten auf britischen Boden in Sicherheit zu bringen. Das war eine äußerst waghalsige und gefährliche Operation, denn die deutsche Luftwaffe warf alles in die Waagschale, um die Operation Dynamo zu verhindern. Doch trotz Dauerbeschusses aus der Luft und vom Boden gelang es, vom 26. Mai bis zum 4. Juni, mit Hilfe dieser Kavalkade von kleinen Schiffen, die meisten Soldaten zu retten. Hier sind einige historische Aufnahmen.

Seit 1965 findet alle fünf Jahre eine Gedenkfahrt von Ramsgate nach Dünkirchen statt, an der nur die Boote teilnehmen dürfen, die damals Teil der Operation Dynamo gewesen waren. Ins Leben gerufen wurde diese Fahrt von der 1965 gegründeten Association of Dunkirk Little Ships. Im Mai 2020 soll die nächste Gedenkfahrt stattfinden, an der voraussichtlich 50 Schiffe unterwegs sein werden.

Jedes Jahr organisiert die Gesellschaft mehrere Treffen dieser kleinen Schiffe, die von ihren Eignern liebevoll gepflegt werden; etwas über 100 davon soll es noch geben.
Da ist zum Beispiel die Chico, die 1932 gebaut wurde, eine 23 Meter lange Yacht, die früher einmal dem mehrfachen Geschwindigkeitsrekordhalter zu Lande und auf dem Wasser Sir Malcolm Campbell gehört hatte, und die heute in Schottland ihren Heimathafen hat. Am 30.Mai 1940 nahm die Chico 217 Soldaten auf und brachte sie nach Dover; danach war sie noch mehrere Male im Einsatz.

Die Sylvia, Baujahr 1930, schaffte es gerade noch, schwer beschädigt, in den Hafen von Ramsgate zu gelangen, wo sie die Soldaten, viele von ihnen waren verletzt, absetzen konnte. Heute liegt das Schiff unter dem Namen Lady Sylvia am River Trent in Barton-in-Fabis (Nottinghamshire).

Im Jahr 2017 kam der Film „Dunkirk“ (dt. „Dunkirk“) in die Kinos, die die Operation Dynamo zum Thema hat. Hier ist der Trailer zum Film.

Die Lady Sylvia bei Restaurierungsarbeiten im River Trent bei Barton-in-Fabis (Nottinghamshire).
Photo © Ian Calderwood (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. August 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Milton Keynes in Buckinghamshire – Ein Dorado für Fahrer elektrischer Autos und für Parkplatzsucher

Das Schnellladezentrum in der Nähe der Autobahn M1 in Milton Keynes.
Photo © Philip Jeffrey (cc-by-sa/2.0)

Milton Keynes ist eine Retortenstadt, die vor zwei Jahren ihren 50. Geburtstag feierte. MK, wie die Stadt kurz auch genannt wird, wurde im Schachbrettmuster angelegt und der Verkehr wird durch zahllose Kreisverkehre geregelt. Viele große und mittlere Unternehmen haben sich hier im Laufe der Jahre niedergelassen (Mercedes Benz, Volkwagen, Argos, Suzuki) und daher strömen Tag für Tag Tausende Pendler aus dem Umland in die Stadt und das heißt, volle Straßen, volle Parkplätze. Um die Parkplatzsuche zu vereinfachen, hat man in MK ein Projekt gestartet, das die Wirkungsweise des „Collaborative Parking“ untersucht.  Fahrzeuge werden mit Parksensoren und einem speziellen Display ausgerüstet, das dem Fahrer aktuell freie Parkplätze, auch in Parkhäusern, anzeigt. Wie das funktioniert, zeigt dieser Film.

Milton Keynes ist eine sehr innovative Stadt und man versucht hier, den Verkauf von Elektroautos mit einer Reihe von Maßnahmen zu fördern. So steht in MK Großbritanniens erstes Electric Vehicle Experience Centre, in dem sich jedermann über Elektroautos informieren kann. Große Anbieter wie BMW, Volkswagen, Renault, Nissan, Mitsubishi und Kia stellen in dem Centre ihre elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus, so dass die potentiellen Käufer alles unter einem Dach finden und nicht von Händler zu Händler fahren müssen. Wer möchte, kann die Autos auch sofort probefahren oder sie sogar für wenig Geld eine ganze Woche lang testen. Das kurzfristige Ziel von Milton Keynes ist, dass 23% aller Neuzulassungen Elektroautos sind.

Um das zu erreichen, wurde die Infrastruktur erheblich ausgebaut. Neben zahlreichen Aufladestationen (zur Zeit sind es etwa 365) in der Stadt wurde Großbritanniens größtes Schnellladezentrum installiert, nur einen Katzensprung von der Autobahn M1 entfernt (Junction 14), wo 8 Fahrzeuge gleichzeitig in kurzer Zeit aufgeladen werden können.
Ein weiterer Vorteil für Fahrer von E-Autos ist, dass sie fast überall kostenlos parken können., was natürlich gerade für Pendler, die ihr Fahrzeug den ganzen Tag unterbringen müssen, sehr interessant ist.

Also: Milton Keynes steht in Großbritannien ganz weit oben, was E-Autos anbelangt und ist an der Go Ultra Low-Kampagne beteiligt, die den Absatz dieser Autos ankurbeln soll, einer Kampagne von Staat und Autoindustrie.

Dieser Film fasst noch einmal zusammen, was sich in MK in Richtung Elektromobilität tut.

Published in: on 11. August 2019 at 02:00  Comments (7)  
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The World Thumb Wrestling Championships 2019 in Geldeston (Suffolk)

The Locks Inn bei Geldeston in Suffolk.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

“One, two, three, four… I declare a thumb-o-war!” so beginnt jedes Match der World Thumb Wrestling Championships, die jedes Jahr im August ausgetragen werden (in diesem Jahr, zum 11. Mal, schon am 27. Juli). Der The Locks Inn bei Geldeston am River Waveney in der Grafschaft Suffolk war in diesem Jahr der Ort des Geschehens, in dem sich „Daumenkämpfer“ aus aller Welt zusammengefunden haben, um festzustellen, wer der/die Beste in diesem kuriosen Wettkampf ist.

Die Regeln des Thumb Wrestling sind einfach: Die beiden Kontrahenten stecken ihre Daumen durch die Löcher eines Miniaturboxrings und versuchen jeweils den Daumen des anderen solange auf den Boden des Spielfelds herunterzudrücken, dass der Sieger  “one, two, three, four, I win thumb-o-war!” sagen kann. 60 Sekunden dauert der Kampf; wenn es in dieser Zeit zu keiner Entscheidung gekommen ist, werden zwei weitere Runden gespielt. Wenn auch diese Verlängerung zu keinem Ergebnis führt, spielt man einfach Schere, Stein, Papier, um den Sieger zu ermitteln.

Die „Athleten“ legen sich Fantasienamen zu wie Jack ‘The Gripper’ Reynolds bei den Herren oder Thumberlina bei den Damen. In diesem Jahr wurde zum vierten Mal in Folge Paul „Under the Thumb“ Browse Weltmeister und seine Schwiegermutter Janet „Nanny Thumb“ Coleman Weltmeisterin.

Hier ist ein Film über die diesjährigen Championships.

Published in: on 10. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Mit Speck fängt man Mäuse oder Wie man in Rochester (Kent) versucht, durch Minigolf Menschen in die Kathedrale zu ziehen

Rochester Cathedral.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Der Mitgliederschwund in der anglikanischen Kirche ist dramatisch. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Mitgliederzahl halbiert und nur noch 14% identifizieren sich mit der Church of England (2002 waren es 31%). Der katholischen Kirche geht es auch nicht besser, dort sind es nur 8%, die mit ihr sympathisieren. Bei den jungen Erwachsenen ist es noch schlimmer: Nur noch 2% von ihnen haben irgendeine Beziehung zur anglikanischen Kirche.

Wie soll man diesen Abwärtstrend stoppen? In der Charles-Dickens-Stadt Rochester in Kent kam man jetzt auf die (verzweifelte?) Idee, in der Kathedrale eine Minigolfanlage zu installieren. Im Kirchenschiff findet man dort eine 9-Loch-Anlage, auf der jeweils unterschiedlich geformte Brücken als Hindernisse dienen. Entworfen und bezahlt wurde die Anlage vom Rochester Bridge Trust, der sich um die Brücken der Stadt kümmert.

Die Idee des Rochester Cathedral Crazy Golf ist, dass junge Familien mit ihren Kindern in die Kirche kommen und durch die Brücken auf der Minigolfanlage angeregt werden, über die Brücken nachzudenken, die man in seinem eigenen Leben und in der heutigen Gesellschaft bauen muss. Ich habe meine Zweifel daran, ob das wohl gelingen wird… Zweifel, die auch viele Kirchenoberen der Church of England haben und die dieses Projekt alles andere als gut finden. Mit Hilfe von Minigolf zu Gott zu finden, ist schon eine etwas abwegige Idee.

Hier ist ein Film über das Kathedralengolf.

Auch in anderen Kirchen Englands versucht man, auf unkonventionellen Wegen Menschen in die Gotteshäuser zu holen. In der Kathedrale von Norwich hat man ein 17 Meter hohes Helter Skelter installiert, eine spiralförmige Rutschbahn, und Yogamatten ausgelegt, von denen man aus liegend die Deckengewölbe betrachten kann.

Das Kirchenschiff, noch ohne Minigolf.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Erotica der viktorianischen Zeit Teil 2 – Walter: My Secret Life

Wer war „Walter„? Diese Frage stellt man sich bis heute. Wer war der Verfasser des mehrere tausend Seiten umfassenden Werkes „My Secret Life„, das 1888 in einer Mini-Auflage von 25 Exemplaren erschien und noch heute lieferbar ist. Dieser ominöse Walter berichtet darin von seinen sexuellen Erfahrungen und Erlebnissen im viktorianischen London, aber er beschränkte sich nicht nur auf die britische Hauptstadt, auch in anderen Ländern war er sexuell sehr aktiv. So an die 1200 Frauen soll er im Laufe seines Lebens „besessen“ haben und Walter nahm, was ihm über den Weg lief, wobei er nicht knauserig war, denn er bezahlte die Damen nicht schlecht für ihre Dienste. Viele von ihnen waren Prostituierte, aber auch Dienstmädchen und Hausangestellte zählten zu Walters Eroberungen.

Für die viktorianische Zeit waren Enthüllungen dieser Art phänomenal. Wohl selten hat jemand in einem Buch die Dinge so genau beim Namen genannt und so detailliert beschrieben. Wer sich selbst einmal ein Bild von dem Inhalt machen möchte, kann dies hier tun.

„My Secret Life“ wurde auch ins Deutsche übersetzt und erschien zuletzt im Jahr 2011 unter dem Titel „Mein geheimes Leben: Ein erotisches Tagebuch aus dem Viktorianischen England“ in drei Bänden mit über 3000 Seiten im Verlag Haffmanns & Tolkemitt. Da mussten sich gleich mehrere Übersetzer ans Werk machen, um diese Mammutaufgabe zu meistern.

Als möglicher Verfasser des Buches wurde immer wieder Henry Spencer Ashbee genannt, den ich gestern in meinem Blog vorstellte. Doch die Experten sind sich da nicht sicher und haben auch andere Namen wie William Simpson Potter ins Spiel gebracht, der als Autor des ebenfalls anonym veröffentlichten Buches „The Romance of Lust“ gehandelt wird.

1967 erschien ein Buch, das sich intensiv mit Walter und seinem geheimen Tagebuch auseinandersetzt: „Walter: The English Casanova – A Presentation of His Unique Memoir „My Secret Life„“ von Phyllis and Eberhard Kronhausen (Polybooks).

„My Secret Life“ hat sogar eine eigene Webseite, auf der noch viel mehr zu sehen und zu hören ist (For Adults Only).

Published in: on 8. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Erotica der viktorianischen Zeit Teil 1 – Henry Spencer Ashbee (1834-1900) und seine Sammlung erotisch/pornografischer Literatur

Henry Spencer Ashbee.
This work is in the public domain.

Ich kann mich noch an meine Studentenzeit in Hamburg erinnern, als ich einmal ein Buch in der Staats- und Universitätsbibliothek ausleihen wollte, das im Katalog mit dem Vermerk „Sekretiert“ versehen war. Auf meine Frage, was das denn bedeuten sollte, bekam ich die Antwort, dass man besagtes Buch erotischen Inhalts nur mit Erlaubnis einer befugten Person in der Bibliothek ausgehändigt bekommt. Also ging ich zu dieser Person, die mir dann gnädigerweise die Erlaubnis erteilte (ich glaube, es handelte sich um den Roman „Candy“ von Terry Southern).

Auch in der Bibliothek des British Museums gab es einmal eine Abteilung sekretierter, erotischer Literatur namens Private Case, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet und wie Fort Knox bewacht worden war, damit kein Unbefugter sie zu sehen bekam. Rund 4000 Bände umfasste die Sammlung erotischer/pornografischer Literatur damals.

Ein großer Teil dieser Bücher stammt aus der Schenkung von Henry Spencer Ashbee (1834-1900), der in der viktorianischen Zeit ein fanatischer Sammler pornografischer Literatur war (er sammelte nebenbei auch noch Erstausgaben des „Don Quixote“ von Cervantes). Mr Ashbee reiste viel und von diesen Reisen brachte er immer wieder neue Bücher pornografischen Inhaltes mit, so dass er zu seiner Zeit schließlich weltweit die größte Bibliothek an Erotica besaß.

Damit er einen Überblick über seine vielen tausend Bücher behielt, machte er sich daran, sie alle zu katalogisieren und mit Anmerkungen zu versehen. Diese Bibliografie pornografischer Literatur umfasste mehrere Bände.

Als Henry Spencer Ashby im Jahr 1900 starb, hinterließ er seine Cervantes-Erstausgaben dem British Museum, allerdings mit der Auflage, dass die Bibliothek auch seine Erotica-Sammlung mit übernehmen müsse, was diese auch tat, aber in ihrer Private Case-Abteilung verschwinden ließ. 1973 ging diese spezielle Büchersammlung vom British Museum in den Besitz der British Library über. Heute gibt es keine Restriktionen mehr und die Bücher können im Lesesaal der Bibliothek genutzt werden.

In der Sammlung findet sich auch das Buch „Harris’s List of Covent-Garden Ladies“ über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Über Henry Spencer Ashbee ist ein Buch geschrieben worden: „The Erotomaniac: The Secret Life of Henry Spencer Ashbee“ von Ian Gibson; erschienen 2002 im Verlag Faber&Faber. ISBN 978-0571209040.

 

 

Published in: on 7. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Großbritanniens ungesündeste High Streets – Mit dem Spitzenreiter Grimsby in Lincolnshire

Die Freeman Street in Grimsby.
Author: ReptOn1x
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Zuletzt schrieb ich in meinem Blog am 3. Juni diesen Jahres über das Thema „High Street“, ein Dauerthema mit dem der Besucher des Königreichs immer wieder konfrontiert wird.

Die Royal Society for Public Health (RSPH) hat eine Untersuchung angestellt, bei der die Auswirkungen des „high street retail environment“ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen genauer unter die Lupe genommen wurde. Die Studie ermittelte, dass das Leben von Menschen, die ständig mit Leerständen, Wettbüros, Schnapsläden, Imbissbuden und dergleichen auf ihrer High Street konfrontiert werden, bis zu zweieinhalb Jahre kürzer sein kann als das Leben von denjenigen, die in der glücklichen Lage sind, eine „gesunde“ High Street zu haben, mit Bibliotheken, Museen, Apotheken, netten Bars, Pubs und Restaurants.

Die RSPH hat eine Top Ten Liste der ungesündesten, aber auch der gesündesten High Streets aufgestellt (Stand Ende 2018).

Hier sind die Negativ-Spitzenreiter:
1. Grimsby
2. Walsall
2. Blackpool
4. Stoke-On-Trent
5. Sunderland
6. Northampton
7. Bolton
8. Wolverhampton
9. Huddersfield
10. Bradford

Hier fällt auf, dass es sich ausnahmslos um Städte aus Englands Norden handelt. Das Nord-Süd-Gefälle macht sich hier deutlich bemerkbar. Grimsby in Lincolnshire, ist von Platz 6 bei der Untersuchung im Jahr 2015 komplett abgeschmiert und hat nun Großbritanniens ungesündeste High Street. Die Freeman Street, die sich durch die Küstenstadt zieht, war einmal eine florierende Einkaufsstraße als die Fischfangindustrie noch den Ort dominierte, aber die ist kaum noch existent und dadurch hat Grimsby eine extrem wichtige Einnahmequelle verloren. Es gibt allerdings Bestrebungen durch Abrisse von leerstehenden Gebäuden in der Freeman Street und Neuansiedlung von Geschäften der Straße wieder ein freundlicheres Gesicht zu verleihen. Vielleicht gelingt das ja und Grimsby kann in der nächsten RSPH-Untersuchung den Schwarzen Peter wieder abgeben.

Der Spitzenreiter der vorigen „Health on the High Street“-Untersuchung, Coventry, ist jetzt aus den Top Ten herausgefallen.

Die gesündesten High Streets Großbritanniens sind aktuell:
1. Edinburgh
2. Canterbury
3. Taunton
4. Shrewsbury
5. Cheltenham
6. York
7. Brighton & Hove
8. Eastbourne
9. Exeter
10. Cambridge

Hier dominiert, abgesehen von der schottischen Metropole Edinburgh und den nordenglischen Städten Shrewsbury und York, ganz klar der Süden des Landes.

Hier ist ein Film der RSPH.

Edinburgh High Street, die gesündeste im Königreich.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Big Dipper Teil 2 : Eine ehemalige Achterbahn im Londoner Battersea Park und ein schweres Unglück im Jahr 1972

Einer der Eingänge zum Battersea Park.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Auch London besaß einmal eine hölzerne Achterbahn, die den Namen The Big Dipper trug und im Battersea Park stand, der für das Festival of Britain 1951 als Vergnügungspark eingerichtet worden war. Die Achterbahn war damals eine Attraktion, vergleichbar heute mit dem London Eye.
The Big Dipper London hatte bereits im Mai 1951 ein kleines Problem, als ein leerer Wagen auf der Bahn entgleiste, wobei niemand zu Schaden kam. Bei einem Unfall 1968 brach sich einer der Insassen einen Arm. Zwei Jahre später zerstörte ein Feuer einen Teil der Achterbahn.

Eine richtige Katastrophe ereignete sich dann am 30. Mai 1972. Am späten Nachmittag wurde gerade ein mit 32 Menschen besetzter Wagen die steile Rampe des Big Dippers hochgezogen, als sich in 15 Metern Höhe das Schleppseil löste und der Achterbahnwagen rückwärts mit hoher Geschwindigkeit wieder zurückrollte; in einer Kurve entgleiste er. An diesem Mainachmittag starben bei dem schrecklichen Unglück fünf Kinder und Jugendliche. Zwei Jungen im Teenageralter und ein acht Jahre altes Mädchen waren auf der Stelle tot, zwei weitere Kinder erlagen später ihren Verletzungen, 13 der Insassen wurden verletzt.

Es stellte sich natürlich sofort die Frage, wer für den Unfall verantwortlich war. Gab es grobe technische Mängel, die bei den Sicherheitsprüfungen übersehen worden waren? Die Untersuchungsbehörden stellten erhebliche Fehler fest und Anklage wurde erhoben gegen den Parkmanager und den technischen Leiter der Achterbahn, doch beide wurden ein Jahr später freigesprochen.

Das Unglück markierte auch das Ende des Big Dippers und letztlich auch das Ende des ganzen Vergnügungsparks. Die Achterbahn wurde abgerissen und die Tore der Funfair 1974 geschlossen. Im Battersea Park konnte sich seitdem nie wieder ein permanenter Freizeitpark etablieren.

Hier ist ein Film über das Unglück und in diesem Film aus dem Jahr 1953 werden die Vergnügungen des Battersea Parks gezeigt.

Published in: on 5. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Big Dipper Teil 1: Die Achterbahn in Blackpool (Lancashire)

Der Pleasure Beach im englischen Seebad Blackpool ist ein Dorado für alle, die sich einmal so richtig amüsieren wollen (d.h. auf englische Art). Im Mittelpunkt der Amüsiermeile steht seit 1923 die Holzachterbahn The Big Dipper. 1936 wurde sie noch einmal erweitert und versieht bis zum heutigen Tage ihren Dienst.
Die Achterbahn ist 1000 m lang, 18m hoch und man erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von ca 65 km/h.  Hier wurde auch der Weltrekord im Achterbahnfahren aufgestellt. Richard Rodriguez fuhr im Jahr 2000 sage und schreibe 2000 Stunden lang mit der Bahn und überbot damit seinen eigenen Rekord, der bis dahin 1013 Stunden betrug. Pro Stunde durfte er nur 5 Minuten pausieren, um gewisse Örtlichkeiten aufzusuchen; Essen, Trinken und Schlafen erfolgte alles in einem der Wagen. Leider veränderte Guinness World Records im Jahr 2007 die Regeln, so dass die Rekorde auf diese Weise ungültig wurden. Rodriguez ließ aber nicht locker und holte sich seinen Rekord wieder zurück, indem er „nur“ 405 und 40 Minuten auf dem Big Dipper und dem Pepsi Maxi Big One fuhr. Diese Achterbahn, gleich neben dem Big Dipper gelegen, ist eine der gewaltigsten in ganz Europa mit einer Höhe von 65 Metern und 120 km/h schnell.

Am 11. August 2000 ereignete sich ein schwerer Unfall auf dem Big Dipper als zwei Wagen zusammenstießen und 16 Fahrgäste verletzt wurden.

 

Mein Buchtipp – Judith Wills: Keith Moon Stole My Lipstick

Foto meines Exemplares.

Im Jahr 1967 packt die 17-jährige Judith Wills in Oxfordshire ihre Koffer und zieht nach London. Dort nimmt sie eine Stelle als Sekretärin bei der Teenie-Zeitschrift „Fab“ an und wartet ab, was das Schicksal für sie in petto hat. In „Keith Moon Stole My Lipstick: The Swinging ’60s, the Glam ’70s and Me“ blickt Judith Wills einige Jahrzehnte später auf diese für sie aufregende Zeit zurück, in der sie unzählige Größen der damaligen Musikszene kennen lernte. Bei „Fab“ bekam sie nach und nach andere Aufgabenbereiche, sie schrieb Artikel über das, was die Tennies brennend interessierte und das war zu jener Zeit eben alles, was mit Popmusik und Mode zu tun hatte.

Judith Wills lernte ihren großen Schwarm, den Sänger Billy Fury persönlich kennen, hatte ein kurzes Verhältnis mit dessen Bruder Jason Eddie, interviewte Jim Morrison von den Doors. Die berühmten DJs von Radio Luxemburg wie David „Kid“ Jensen und Tony „The Royal Ruler“ Prince gehörten zu ihrem Freundeskreis, und zu der US-Band The Osmonds hatte sie eine ganz besondere Beziehung und arbeitete für das monatlich erscheinende „Osmonds World„-Magazin. Sie besuchte die Mormonen-Band auch zuhause in Provo, Utah.

Das Buch ist ein Stück Zeitgeschichte und sicher für alle hoch interessant, die diese Zeit miterlebt haben. Es erschien erstmalig im Jahr 2008 und wurde 2016 vom Verlag The History Press neu aufgelegt, mit einigen Aktualisierungen.

Judith Wills schreibt heute Bücher über gesunde Ernährung, zuletzt erschien von ihr in diesem Jahr eine Neuauflage ihrer „Food Bible„.

Judith Wills: Keith Moon Stole My Lipstick – The Swinging ’60s, the Glam ’70s and Me. The History Press 2016. 256 Seiten. ISBN 978-0-7509-6609-2.

 

Published in: on 3. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Sir Mansfield George Smith-Cumming (1859-1923), erster Chef des Auslandsgeheimdienstes

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Hätte Mansfield Smith (nach seiner Heirat fügte er den Nachnamen Cumming an seinen eigenen an) als junger Mann nicht ständig Probleme mit der Seekrankheit gehabt, so wäre er in der Royal Navy vielleicht eines Tages Admiral geworden. Aber mit dieser Einschränkung musste er seine Karriere in der Marine aufgeben. Also schlug der 1859 geborene Mansfield George Smith-Cumming einen anderen Weg ein, der ihn im Jahr 1909 an die Spitze des neu gegründeten Auslandsgeheimdienstes Secret Intelligence Service führte, besser als MI6 bekannt. In seinen Geheimdienstjahren nannte man ihn kurz “C” (für „Cumming“), was Ian Fleming inspirierte, in seinen James Bond-Romanen, den MI6-Chef „M“ zu nennen.

Smith-Cumming war ein Original mit stark ausgeprägten exzentrischen Zügen. Er war ein Liebhaber von Autos der Marke Rolls Royce und einen von ihnen fuhr er 1914 zu Bruch, wobei sein Sohn ums Leben kam. Gern prahlte er immer wieder mit der Geschichte, dass er bei dem Crash eingeklemmt worden war und sich selbst ein Bein mit einem Taschenmesser amputierte, um seinen Sohn aus dem Unfallauto zu befreien. Das war frei erfunden, denn die Amputation nahm einen Tag später ein Chirurg im Krankenhaus vor. Smith-Cumming lief also sein Leben lang mit einem Holzbein herum. Dieses Holzbein spielte eine Rolle bei der Auswahl zukünftiger Geheimdienstagenten. Bei den Bewerbungsgesprächen stach er sich unvermittelt mit aller Gewalt in sein Bein (von dessen hölzerner Struktur der Kandidat natürlich nichts wusste). Zuckte der Bewerber zusammen, hatte er keine Chance den angestrebten Agentenjob zu bekommen. Reagierte er gelassen, stiegen seine Chancen dagegen rapide an.

„C“ war sehr daran interessiert wie seine Agenten untereinander kommunizierten, und da kam einer von ihnen auf die Idee wie dabei eine ganz besondere „Geheimtinte“ eingesetzt werden konnte: Sperma. Smith-Cumming fand das genial. Jeder männliche Agent hatte diese „Tinte“ ständig abrufbereit bei sich und musste sie nur durch einen einfachen Prozess ans Tageslicht fördern. Diese Form der Geheimschrift hatte aber keine Zukunft bei MI6, auch James Bond wandte sie meines Wissens nie an.

Der exzentrische Geheimdienstboss trug gern ein goldenes Monokel und liebte seinen Stockdegen (ein Spazierstock mit einem verborgenen Degen).
Wer sich für Sir Mansfield George Smith-Cumming näher interessiert und wer mehr von seinen ungewöhnlichen Gepflogenheiten wissen möchte, dem sei das Buch „The Quest for C: Mansfield Cumming and the Founding of the Secret Service“ von Alan Judd empfohlen, das 2000 bei HarperCollins erschienen und noch lieferbar ist.

Das heutige MI6-Hauptquartier in London.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Time Team“ – Ein Programm von Channel Four, das 20 Jahre lang Lust auf Archäologie machen sollte

Tony Robinson (links) und die beiden Experten Mick Aston und Guy de la Bèdoyère.
This work has been released into the public domain by its author, Bédoyère.

Eine TV-Sendung über Archäologie: „Oh how boring“ dachten sicher viele Briten, als der Sender Channel Four am 16. Januar 1994 die Serie „Time Team“ startete. Buddelei irgendwo in der Pampa, bei der man irgendwelche langweiligen Scherben findet; Einschaltquoten, die gegen Null tendieren, so war sicher die Meinung vieler Fernsehzuschauer. Doch zur großen Überraschung entwickelte sich „Time Team“ zu einer erfolgreichen Sendung, die über 20 Jahre lang bei Channel Four zu sehen war.

Moderator von „Time Team“ war der Schauspieler Tony Robinson, den ich noch als Baldrick in der TV-Serie „Blackadder“ in Erinnerung habe, in der er an der Seite von Rowan Atkinson spielte. Vielleicht ist es die Begeisterung, die Tony Robinson an den Tag legt, die die Zuschauer bei der Stange hielt. Immerhin wurden 280 Episoden gedreht, inklusive einiger Specials.

In jeder Folge von „Time Team“ wurden drei Tage lang Ausgrabungen durchgeführt, an der Archäologen als Experten teilnahmen. Es begann am 16. Januar 1994 mit der Folge „“The Guerrilla Base of the King„; gegraben wurde in Athelney in der Grafschaft Somerset, wo ein verschollenes Kloster im Mittelpunkt stand. In der 100. Folge „Back to Our Roots“ grub man dort weiter.

In der Regel arbeitete das TV-Team in Großbritannien, doch wurden auch Abstecher zum Beispiel in die USA, die Karibik, nach Frankreich und nach Belgien unternommen. Die letzte Folge „The Boats That Made Britain„, ein Special, wurde am 7. September 2014 ausgestrahlt; darin ging es um ein Boot aus der Bronzezeit, das in Dover ausgegraben worden war und das das Team um Tony Robinson zu rekonstruieren versucht, indem es ausschließlich Material und Werkzeuge aus der damaligen Zeit verwendet.

Dieser Film ist eine „Best of“-Zusammenstellung der ersten 230 Episoden.

Das Dover Bronze Age Boat.
Author: Jim Linwood.
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Published in: on 1. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die Cotswolds Distillery bei Stourton (Warwickshire) – Malt Whisky einmal nicht aus Schottland

Mein Whisky wurde aus Gerste von der Akeman Street Farm in Combe (Oxfordshire) hergestellt.

Vor fast sechs Jahren schrieb ich in meinem Blog über Englands einzige Whiskydistillerie in Roudham in Norfolk, St George’s Distillery. Das ist jetzt nicht mehr korrekt, da es mittlerweile eine weitere Firma gibt, die Whisky made in England herstellt. Die Cotswolds Distillery liegt am südlichen Ortsrand des kleinen Dorfes Stourton in Warwickshire. Gegründet wurde sie im Jahr 2014 von Daniel Szor, einem New Yorker, der im Londoner Finanzdistrikt gearbeitet hatte und Whisky liebte. Als ihm die Londoner Hektik zuviel wurde, zog er sich mit seiner Familie in die ruhigeren Cotswolds zurück und etablierte hier eine Distillerie, zusammen mit einem anderen Mann, einem Australier namens Paul Beckwith, der vorher an der New Yorker Wall Street tätig war. Verantwortlich für die Produktion ist der italienischstämmige Nickolas Franchino, dessen ursprüngliche Interessen auf der Anthropologie und Philosophie lagen. Ein bunt gemischtes Team also, das sich im ländlichen Warwickshire der Produktion von Whisky, Gin und anderen Spirituosen widmet.

Drei Whiskysorten werden hergestellt: Der Standard Cotswolds Single Malt mit 46% Alkoholgehalt, der Founder’s Choice Single Malt mit 60,9% und der Lord Mayor’s Reserve Single Malt mit 46%. Die ersten beiden sind in den Online Shops von deutschen Whiskyimporteuren zu bekommen, der letzte ist rar, denn er wurde für den Londoner Lord Mayor Peter Estlin in einer limitierten Version hergestellt, die dieser für gemeinnützige Zwecke verkauft.

Wie schon erwähnt, produziert die Cotswolds Distillery auch mehrere Ginsorten wie den Baharat Gin und den Cotswolds Dry Gin, ferner einen Absinth, einen Limoncello und einen Espresso Martini.
Man darf gespannt sein, was dem engagierten Team von der Whichford Road bei Stourton noch so alles einfällt.

Der Shop ist jeden Tag geöffnet, darüber hinaus kann man die Produkte auch in den High Streets von Broadway und von Bourton-on-the-Water kaufen.

Hier ist ein Film über die Firma und hier eine Verkostung des Cotswolds Single Malt zu sehen.

The Cotswolds Distillery
Phillip’s Field,
Whichford Road,
Stourton,
Shipston-on-Stour,
CV36 5HG

Die Akeman Street Farm in Oxfordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Juli 2019 at 02:00  Comments (3)  
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St Andrew’s in Stoke Dry (Rutland) – Eine Kirche, in der sich die Gunpowder Plot-Verschwörer getroffen haben sollen

Es gibt zwar eine Main Street in Stoke Dry in der kleinen Grafschaft Rutland, doch der Name klingt großartiger als die Straße ist, denn hier reihen sich lediglich eine Handvoll Häuser aneinander. In diesem abgelegenen Landstrich Englands haben wohl noch nie mehr als hundert Menschen gelebt. Das herausragendste Gebäude an der Main Street, die hinunter zum Ufer des Eyebrook Reservoirs führt (hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Angriffe auf die Talsperren in Nordrhein-Westfalen und Hessen geübt), ist die Dorfkirche, die St Andrew geweiht ist. Besonders stolz ist man in Stoke Dry auf die mittelalterlichen Wandmalereien, die die Kirche schmücken. Es gibt im Inneren einige Grabmäler der Familie Digby, der im 16. Jahrhundert hier große Ländereien gehörten. Hier liegen zum Beispiel Kenelm Digby und seine Frau auf einem Marmorgrab; sie sind die Großeltern von Sir Everard Digby (1578-1606), der in der englischen Geschichte eine unrühmliche Rolle spielte. Zusammen mit einigen katholischen Gleichgesinnten hatte er sich den Gunpowder Plot ausgetüftelt, durch den bei der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 der protestantische König James I., seine Familie und alle Parlamentarier in London in die Luft gesprengt werden sollten. Wie man weiß, klappte das Attentat, das Guy Fawkes durchzuführen versuchte, nicht und alle Verschwörer wurden auf die grausamste Weise exekutiert.

Zurück zu St Andrew’s in Stoke Dry. Dort gibt es einen kleine Raum über dem nördlichen Kirchenportal, in dem sich die Verschwörer getroffen haben sollen, um das Attentat zu planen. Ob das stimmt, ist historisch nicht gesichert. Egal, man kann den Raum besichtigen, allerdings ist er nur über eine schmale, steile Treppe zu erreichen und man muss schon den Kopf einziehen, um nicht an die niedrige Decke zu stoßen. Dann kann man sich der Vorstellung hingeben, dass hier (möglicherweise) eine historische Tat geplant worden ist.

Ach ja, St Andrew’s hat auch eine unheimliche Seite. In jenem oben erwähnten Raum hielt ein ehemaliger Geistlicher in den 1640er Jahren eine Frau gefangen, die angeblich eine Hexe gewesen sein soll. Die Schreie der Gefangenen blieben ungehört bis sie schließlich vor Hunger starb. Ihre Schreie bzw. ihr irres Gelächter will man mehrfach in St Andrew’s gehört haben, vornehmlich bei Begräbnisfeierlichkeiten.

Wandmalerei in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Kenelm Digby und seiner Frau.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Der Gunpowder Plot Room (?) in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Eyebrook Reservoir.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Sir Pelham Grenville Wodehouse Trilogie – Teil 3: N.T.P. Murphy: The P.G. Wodehouse Miscellany

Foto meines Exemplares.

Über P.G. Wodehouse sind im Laufe der Jahre nach seinem Tod rund ein Dutzend Biografien geschrieben worden. In der „Miscellany“-Buchreihe des Verlages The History Press (es gibt auch Bände über Agatha Christie, Jane Austen, Carles Dickens usw.) beschäftigt sich der ehemalige Oxford Professor N.T.P. Murphy mit dem Humoristen und zeigt auf, dass viele seiner Romanfiguren nach Menschen gestaltet wurden, die Wodehouse persönlich kannte, und auch viele der Örtlichkeiten, wo die Romane spielen, basieren auf real existierenden „locations“. Blandings Castle ist offensichtlich eine Mixtur aus mehreren englischen Burgen wie zum Beispiel Sudeley Castle (Gloucestershire) und Corsham Court (Wiltshire). Der Name der Threepwoods in Wodehouses Romanen kommt von einem Haus in der Record Road in Emsworth (Hampshire), und der Ortsname Emsworth inspirierte ihn wiederum zur Namensgebung des schrulligen, schweineliebenden Lord Emsworth.

In „The P.G. Miscellany“ erfahren wir, dass am Geburtshaus des Autors in der Epsom Road Nummer 59 in Guildford (Surrey) eine Erinnerungsplakette angebracht ist; dort gibt es gleich um die Ecke herum eine kleine Straße namens Wodehouse Place. Im Londoner Stadtteil Mayfair, in der Dunraven Street Nummer 17, ein Haus, in dem Wodehouse eine Zeit lang wohnte, ist ebenfalls eine Plakette zu finden.

Der Autor des Buches, Norman Murphy, war Gründungsmitglied der Wodehouse Society und schrieb das Standardwerk „The Wodehouse Handbook„, das knapp 900 Seiten umfasst. Er starb am 18. Oktober 2016.

N.T.P. Murphy: The P.G. Wodehouse Miscellany. The History Press 2015. 191 Seiten. ISBN 978-0-7509-5964-3.

Das Sudeley Castle in Gloucestershire, Vorbild für Blandings Castle.
Eigenes Foto.

Corsham Court in Wiltshire…auch dieses Haus soll als Vorbild für Blandings Castle gedient haben.
Photo © Hugh McKechnie (cc-by-sa/2.0)

Threepwood in der Record Road in Emsworth (Hampshire).
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Wodehouses Geburtshaus in der Epsom Road in Guildford (Surrey).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

In der Dunraven Street in Mayfair (London).
Author: Gareth E. Kegg.
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Meine Sir Pelham Grenville Wodehouse Trilogie – Teil 2: Empress of Blandings, ein Pub in Hampshire

Eine der denkwürdigen Figuren aus den Romanwelten von P.G. Wodehouse ist Lord Emsworth, der auf seinem Landsitz Blandings Castle lebt und eigentlich nur ein Interesse hat, der Aufzucht von Schweinen und da wiederum steht im Mittelpunkt seine Prachtsau Empress of Blandings, die der verschrobene Lord über alles liebt. Immer wieder taucht die Kaiserin in den humoristischen Romanen des Autors auf, zuerst in „Summer Lightning“ (dt. „Sommerliches Schlossgewitter“) im Jahr 1927 und zuletzt 1977 in dem Romanfragment „Sunset at Blandings„, das nach dem Tod von Wodehouse erschienen ist.

Fährt man am Rand des New Forests auf der A31, parallel zur Autobahn M27 bei dem Dorf Copythorne in Hampshire, entlang findet man dort am Straßenrand einen Pub, der nach Lord Emsworths Sau benannt worden ist: Empress of Blandings. Auf dem Pubschild ist ein Prachtschwein zu sehen, an dem der Lord seine Freude gehabt hätte, im Hintergrund ist Blandings Castle abgebildet. Witzigerweise gehört der Pub der Brauerei Hall & Woodhouse ; siehe dazu meinen Blogeintrag. Einer der Direktoren der Brauerei, ein P.G. Wodehouse-Fan, kam auf die Idee, den Pub so zu nennen, als er von Hall & Woodhouse übernommen wurde, und dann setzte man noch eins drauf und glich den zweiten Teil des Brauereinamens dem des berühmten Schriftstellers auf dem Pubschild an.

Empress of Blandings ist übrigens Mitglied der P.G. Wodehouse Society. Im Pub finden wir jede Menge Wodehouse-Bücher und an den Wänden hängen Hunderte von Bildern, auf denen Schweine abgebildet sind. Obwohl man diese Tiere hier im Pub zu lieben scheint, steht leider „Honey roasted ham“ auf der Speisekarte.

Empress of Blandings
Romsey Road
Copythorne, Hampshire
SO40 2PF

Das Pubschild. Auf diesem Foto ist der Name der Brauerei noch „richtig“ geschrieben.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Meine Sir Pelham Grenville Wodehouse Trilogie – Teil 1: Die P.G. Wodehouse Society

P.G. Wodehouse (1881 – 1975). – This image is in the public domain because its copyright has expired.

In meinem Blogeintrag über die Hop Back Brewery stellte ich einmal ein Bier namens Summer Lightning vor. Genau den gleichen Titel trägt auch ein humoristischer Roman aus der Feder von Sir Pelham Grenville Wodehouse, 1929 erschienen; die deutsche Übersetzung heißt „Sommerliches Schlossgewitter“ (noch problemlos antiquarisch erhältlich).

Wodehouse, der von 1881 bis 1975 lebte, schrieb mehr als 70 Romane und über 200 Kurzgeschichten und ist auch heute noch sehr beliebt, denn viele seiner Werke werden immer wieder neu aufgelegt. Am berühmtesten wurde Wodehouse durch seine Romane, in denen Bertie Wooster und sein Diener Reginald Jeeves im Mittelpunkt stehen. Durch die TV-Serie „Jeeves and Wooster“ mit Stephen Fry und Hugh Laurie in den Hauptrollen, die in 23 Episoden von 1990 bis 1993 ausgestrahlt wurde, erhielt der Autor noch einmal einen neuen Beliebtheitsschub.

Die britische P G Wodehouse Society hat sich des Autors und seiner Werke angenommen, pflegt sein Andenken und gibt eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift heraus, die den witzigen Titel „Wooster Sauce“ trägt. Der Präsident der Society ist Alexander Armstrong, ein Komiker, Schauspieler und Fernsehmoderator. Er übernahm das Amt von dem 2016 verstorbenen Sir Terry Wogan, der wiederum Nachfolger des großartigen Schauspielers Richard Briers (1934-2013) war. Inspector Barnaby-Fans erinnern sich sicher gern an seine Rolle als mörderischer Vikar in der Episode „Death’s Shadow“ (dt. „Der Schatten des Todes“). Richard Briers spielte 1995, an der Seite von Peter O’Toole, die Rolle des  Honorable Galahad Threepwood in einer Verfilmung des Wodehouse-Romans „Heavy Weather„, der im Sudeley Castle in Gloucestershire gedreht wurde, das ich in meinem Blog  schon vorgestellt habe.

Die P G Wodehouse Society unternimmt wirklich eine Menge, nachzulesen auf ihrer Website unter „Recent Events“. Diese Website ist sehr gut gestaltet und enthält so ziemlich alles, was man über Wodehouse wissen sollte.

Das Buch zum Artikel:
P. G. Wodehouse: A Life in Letters. Hutchinson 2011. 624 Seiten. ISBN 978-0091796341.

Published in: on 27. Juli 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Doghouse Magazine – Eine Zeitschrift rund um englische Pubs

Hier in Ludlow in Shropshire ist die Redaktion der Zeitschrift ansässig. In der ersten Ausgabe wurde natürlich auch das berühmte Feathers Hotel  in der Stadt vorgestellt.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Beim Ludlow Spring Festival im Jahr 2012 wurde ein Projekt aus der Taufe gehoben, in das Jon Saxon schon viel Zeit und viel Herzblut investiert hatte…und das auf zwei Zufällen basierte. Zufall 1: Jon Saxon kam während eines Spaziergangs plötzlich die Idee, eine Zeitschrift auf den Markt zu bringen, die sich mit dem Thema „Pub“ beschäftigen sollte. Saxon hatte schon Erfahrung mit dem Publizieren von Zeitschriften; RubberDuckMag heißt sein Automagazin, das bereits Anklang gefunden hatte. Zufall 2: Jon Saxon hatte beim Grand National auf ein Pferd gewettet, dem eigentlich keine große Gewinnchancen zugeschrieben wurden, doch das Pferd gewann tatsächlich, und da die Quote für Saxon sehr gut war, strich er einiges an Geld ein, das für die Konzipierung des Doghouse Magazines verwendet wurde.

Die jeweiligen Ausgaben der Zeitschriften sind Themenhefte, die sich mit einer bestimmten Region beschäftigen, und da Jon Saxon in Ludlow  in Shropshire wohnt, widmete er die Erstausgabe seiner Stadt und der Umgebung und stellte darin Pubs und Cafés vor. In den folgenden Ausgaben des Magazin wurde der Radius immer größer. In Heft 2 lag der Schwerpunkt auf Gasthäusern in einem Umkreis von 30 Kilometern um Ludlow, und so ging es immer weiter bis zur aktuellen Ausgabe Nummer 6, in der Liverpool im Mittelpunkt steht.

Herausgeber Jon Saxon arbeitet mit einem Team zusammen, in dem der ebenfalls in Ludlow ansässige Richard Stanton, neben weiteren, für die Fotos zuständig ist. Stanton ist Berufsfotograf und arbeitet für namhafte britische Tageszeitungen.
Die Illustrationen für das Doghouse Magazine fertigt Nanna Koekoek an, die ein außergewöhnliches Hobby hat: Sie fotografiert Teppichböden in Pubs und hat in diesem Jahr sogar schon einmal eine Ausstellung ihrer Fotografien in der Kunstgalerie Tate Liverpool gehabt. Hin und wieder führt Nanna Pub Carpet Crawls durch und zeigt den Teilnehmern die unterschiedlichsten Arten von Teppichböden in Gasthäusern.

Die bisher erschienen sechs Ausgaben zeigen jeweils einen Hund auf dem Titelbild, um dem Namen des Magazins gerecht zu werden. Die noch erhältlichen Druckaugaben kosten jeweils £4.95, die Digitalausgaben £0.99.

Published in: on 26. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ed Glinert: Literary London

Foto meines Exemplares.

Ed Glinerts Buch „Literary London: A Street-By-Street Exploration of the Capital’s Literary Heritage“ erschien bereits im Jahr 2000 unter dem Titel „A Literary Guide to London“ und wurde 2007 unter dem neuen Titel wieder veröffentlicht und auf den neuesten Stand gebracht.

Ed Glinert hat seinen literarischen Führer durch London in die großen Regionen (Central, East, Southeast usw.) eingeteilt und darunter dann die jeweiligen Stadtteile abgehandelt. Straße für Straße führt uns der Autor durch die Stadt und macht uns auf die Häuser aufmerksam, in denen einmal die Größen der britischen Literatur gewohnt haben.

Wer läuft uns bei dieser Tour am häufigsten über den Weg? Natürlich Charles Dickens. Es ist schon erstaunlich, wo dieser Mann überall gewohnt und gewirkt hat. Kein anderer Schriftsteller hat im Index so viele Eintragungen wie er. „There is little of London that isn’t Dickensian, so intensely did the author walk its streets…“ heißt es denn auch im Buch. Beispiel: 48 Doughty Street, in die Dickens 1837 zog und wo sich heute das Charles Dickens Museum befindet.

Auch George Orwell begegnen wir häufig auf den Rundgängen durch die Stadt, zum Beispiel in der Church Road Nummer 116 in Hayes, wo er in den 1930er Jahren in einer Schule unterrichtete (heute ist dort das Fountain House Hotel untergebracht). Orwell äußerte sich über den Stadtteil Hayes sehr negativ: „One of the most god-forsaken places I have ever struck“.

Ed Glinert widmet Conan Doyles Sherlock Holmes ein eigenes achtseitiges Kapitel, und da bewegen wir uns nicht nur in der Baker Street, sondern u.a. auch in der Northumberland Street, wo der berühmte Sherlock Holmes Pub in der Hausnummer 11 anzutreffen ist.

Das Buch ist nach wie vor im Buchhandel erhältlich und jedem an Literatur interessierten Londonbesucher zu empfehlen.

Ed Glinert: Literary London: A Street-By-Street Exploration of the Capital’s Literary Heritage. Penguin 2007. 435 S. ISBN 978-0-141-02624-4.

48 Doughty Street und das Charles Dickens Museum.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Die Church Road 116 in Hayes, wo George Orwell einst unterrichtete.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Der Sherlock Holmes Pub in der Northumberland Street.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

24. Juli 1969 – Ein Blick auf die britischen Musikcharts vor 50 Jahren

Ich werfe immer mal wieder gern einen Blick auf die Musikcharts früherer Zeiten , was ich auch heute tun möchte. Wer war unter den Top Ten der UK Charts heute vor 50 Jahren? Und vor allem, welche Namen kennt man fast gar nicht mehr?

Auf Platz 1 standen die Rolling Stones mit „Honky Tonk Women„, Platz 2 nahm die Plastic Ono Band mit „Give Peace a Chance“ ein, dazu brauche ich nichts weiter zu sagen.

Auf Platz 3 dagegen steht eine Band, die so gut wie in Vergessenheit geraten ist: Thunderclap Newman. Sie existierte nur kurz von 1969 bis 1971 und wurde nach dem Pianisten Andy „Thunderclap“ Newman (er starb 2016 im Alter von 73 Jahren) benannt. Ihr einziger nennenswerter Hit war „Something in the Air„, gesungen von John David Percy „Speedy“ Keen, der den Song auch geschrieben hatte.

In the Ghetto“ von Elvis Presley nahm Platz 4 der Charts ein, und Robin Gibb mit „Saved by the BellPlatz 5. Auch diese beiden Interpreten sind hinreichend bekannt.

Die Formation Amen Corner, die mit „Hello Suzie“ auf Platz 6 stand, ist heute auch nicht mehr vielen bekannt. Andy Fairweather-Low war der Sänger der von 1966 bis 1969 existierenden walisischen Band, deren größter Hit „(If Paradise is) Half as Nice“ war.

Desmond Dekker and the Aces fand man auf Platz 7 mit dem Titel „It Mek„. Der jamaikanische Sänger hatte ein Jahr zuvor seinen größten Erfolg mit „Israelites“, der es bis auf Platz 1 der britischen Charts schaffte. Dekker war bis zu seinem Tod im Jahr 2006 aktiv. „It Mek“ heißt auf jamaikanisch-kreolisch soviel wie „Aus diesem Grund“.

Goodnight Midnight“ stand auf Platz 8 und wurde von einer Sängerin interpretiert, die außerhalb Großbritanniens wohl kaum noch jemand kennt: Clodagh Rogers. Bis Ende der 1990er Jahre nahm sie Songs auf, von denen aber nur wenige die Charts erklommen. 1971 vertrat sie das Vereinigte Königreich beim Eurovision Song Contest in Dublin mit „Jack in the Box“ und erreichte dabei Platz 4.

Auf Platz 9 der britischen Charts heute vor 50 Jahren stand die Band Marmalade mit „Baby Make It Soon„. Ihr einziger Hit, der die Spitze der Hitparade erreichte, war das Beatles-Cover „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ (1968). Marmalade löste sich in den 1970er Jahren allmählich auf, tritt aber in unterschiedlicher Zusammensetzung bis heute bei Oldiekonzerten auf.

Platz 10 schließlich nahm eine heute vergessene Band auf: Family Dogg mit „Way of Life„. Sie nahm eine Handvoll Singles und ein Album auf, dann löste sich die Formation 1976 auf. Die bekanntesten Mitglieder waren die bis heute auch in Deutschland populären Albert Hammond („It Never Rains in Southern California“) und Ireen Sheer, die auch immer noch einmal bei Schlagersendungen im deutschen Fernsehen auftritt.

Published in: on 24. Juli 2019 at 02:00  Comments (1)