The Blaydon Races, Geordies und der Newcastle United Football Club

Die Stadt Blaydon.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Geordies nennt man die Menschen, die in Newcastle upon Tyne und Umgebung im Nordosten Englands leben und einen bestimmten Dialekt sprechen, den man ebenfalls als Geordie bezeichnet. Auch die Anhänger des bedeutendsten Fußballvereins der Region, Newcastle United, sind Geordies und haben sich eine Hymne gewählt, die sie gern bei den Matchs ihres Lieblingsclubs singen, „The Blaydon Races„.

George „Geordie“ Ridley (1835–1864) hat dieses Lied 1862 geschrieben, in dem es um die Pferderennen in Blaydon geht, einer Stadt im Verwaltungsbezirk Gateshead. Den Rennplatz von Blaydon gibt es heute nicht mehr, es wurde ein Kraftwerk darauf  gebaut, das aber inzwischen abgerissen worden ist; dafür ist auf der Fläche ein großes Wohngebiet mit hunderten von Wohnungen, entstanden.

Da sich „The Blaydon Races“ so schön grölen lässt, haben sich auch Fans von anderen Fußballvereinen dieses Lied zu eigen gemacht, manchmal mit etwas geändertem Text.

Hier sind einige prominente Geordies:
Paul „Gazza“ Gascoigne, der skandalträchtige ehemalige Fußballspieler , der seine Karriere bei Newcastle United begann, war ein echter Geordie.

– Die beiden beliebten Fernsehmoderatoren Ant and Dec (das sind Anthony „Ant“ McPartlin und Declan „Dec“ Donnelly) kommen aus Newcastle und sprechen vor der Kamera gern ihren Dialekt.

Cheryl Cole, Mitglied der Gruppe Girls Aloud und ehemals Jurymitglied bei The X Factor, ist stolz darauf, Geordie zu sein.

Kevin Whateley, der aus Northumberland stammt, machte in der TV-Serie „Morse“ als Detective Sergeant Lewis kein Hehl daraus, ein Geordie zu sein. Danach ist er ja zum Detective Inspector befördert worden und hatte seine eigene Serie „Lewis“. Hier ist er, zusammen mit Jimmy Nail und Tim Healy, mit seiner Version des Songs zu hören.

Am Ufer des Flusses Tyne ist im Jahr 2012 eine Skulptur von Andrew McKeown aufgestellt worden, die an die Blaydon Races erinnert, aus Anlass des 150. Jahrestages der Komposition des Liedes. Sie zeigt drei Rennpferde mit ihren jeweiligen Jockeys.

Ebenfalls am River Tyne an einer Mauer ist eine Plakette angebracht worden mit der Aufschrift:
Blaydon Races
Official racing started in 1861 on Blaydon island which lay North of here. The song was written in 1862. From 1887 to 1914 the race course was on Stella Haugh, the site of the former Power station.

Andrew McKeowns Skulptur am River Tyne.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Eine Plakette nahe des River Tyne.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Februar 2023 at 02:00  Comments (1)  

Die Lodore Falls in Cumbria und der Lake Poet Robert Southey (1774-1843)

Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

Am Südufer des Sees Derwent Water im Lake District in Cumbria steht das schön gelegene Lodore Falls Hotel. Von hier aus gelangt man zu den Lodore Falls, wo sich der kleine Fluss Watendlath Beck 30 Meter tief als Wasserfall eine Schlucht hinunterstürzt, bevor er im Derwent Water mündet. Wenn es hier oben im Nordwesten Englands stark geregnet hat, was ziemlich oft vorkommt, kann aus dem Flüsschen schon einmal ein reißender Fluss werden, und die Lodore Falls entwickeln sich zu einem beeindruckenden Naturschauspiel.

Robert Southey (1774-1843), neben William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge einer der sogenannten Lake Poets, hat sich dieses Wasserfalls 1820 in einem Gedicht angenommen, das er „The Cataract of Lodore“ nannte, ein Musterbeispiel für die Onomatopoesie, so lautet die Bezeichnung für ein lautmalendes Gedicht oder wie es die Wikipedia exakt beschreibt: „die Nachahmung eines Naturlautes oder eines sonstigen außersprachlichen akustischen Phänomens durch die klanglich als ähnlich empfundene Lautgestalt eines sprachlichen Ausdrucks“.

„How does the Water
Come down at Lodore?‘
My little boy ask’d me
Thus, once on a time;
And moreover he task’d me
To tell him in rhyme.“

So beginnt Southeys Gedicht, das immer mehr Fahrt aufnimmt, um sich dann wie ein herabstürzender Wasserfall zu gebärden:

„Sinking and creeping,
Swelling and sweeping,
Showering and springing,
Flying and flinging,
Writhing and ringing,
Eddying and whisking,
Spouting and frisking,
Turning and twisting,
Around and around
With endless rebound!“

So geht es noch lange weiter bis das Gedicht mit den Worten endet:

„All at once and all o’er, with a mighty uproar,
And this way the Water comes down at Lodore.“

Das ist sicher eines von Robert Southeys Meisterwerken, und er muss sich lange an den Lodore Falls aufgehalten haben, um diesen Klangteppich eines Wasserfalls in ein Gedicht zu verweben

Hier wird das Gedicht in voller Länge vorgetragen. Dieser Film zeigt den Wasserfall.

The Lodore Falls Hotel.
Photo © Tony Beattie (cc-by-sa/2.0)

John Opie: Robert Southey (1774-1843), Aged 31; Keswick Museum and Art Gallery. This work is in the public domain.
Published in: on 5. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

St Mary’s Parish Church in Astbury (Cheshire) – Eine der schönsten Kirchen Englands

Photo © Galatas (cc-by-sa/2.0)

Congleton, die Stadt der Bären (siehe dazu meinen Blogeintrag), liegt gleich um die Ecke von Astbury, einem der hübschesten Dörfer der Grafschaft Cheshire. In der Dorfmitte findet man ein attraktives Village Green, einen Pub namens The Egerton Arms, der früher einmal als Kutschenstation diente, und eine ganz besondere Kirche, St Mary’s Parish Church, die viel zu gewaltig geraten scheint für ein Dorf dieser Größe. Der Kunsthistoriker und Spezialist für Architekturgeschichte Nicholas Pevsner (1902-1983) nannte St Mary’s einmal „one of the most exciting Cheshire churches„, und der muss es ja schließlich wissen.

Was bei St Mary’s, deren Anfänge bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen, auf Anhieb auffällt, ist der separat stehende Kirchturm, der durch eine Passage mit der Kirche verbunden ist. Warum man das gemacht hat, scheint wohl nicht mehr so recht nachvollziehbar zu sein. Weiterhin höchst selten ist, dass die Kirche in Trapezform gebaut worden ist, das heißt, ihr Westteil ist breiter als ihr Ostteil. Das Kirchenschiff kann sich in der Breite sogar mit der Kathedrale von Chester messen. Mehrere Grabstätten sind im Inneren von St Mary’s zu finden, unter anderem die der Sleeping Lady Mary Egerton, die 1599 gestorben ist. Eine kurze Zeit lang wurde die Kirche im Bürgerkrieg entweiht, als Cromwells Soldaten, sie als Pferdestall benutzten.

Auch auf dem Kirchhof sind „tomb chests“ zu finden, kistenförmige Grabstätten auf denen manchmal auch die steinernen Abbilder der „Insassen“ liegen (etwas mehr darüber in diesem Blogeintrag). Noch zu erwähnen ist die uralte Eibe, die schätzungsweise 2000 Jahre alt ist und gestützt werden muss, damit sie nicht in sich zusammenbricht. Es gibt also einiges in Astburys wunderschöner Kirche zu sehen und zu bestaunen. Hier ist ein sehr schöner Film über St Mary’s mit noch viel mehr Details und Informationen.

St Mary’s Church
Peel Lane,
Astbury
CongletonCW12 4RQ

Photo © Galatas (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Das „lych gate“ von St Mary’s.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die 2000 Jahre alte Eibe.
Photo © Jonathan Kington (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Londoner Kaufhaus Harrods und seine Rolltreppen

Die Egyptian escalators.
Photo: Tony in WA.
Creative Commons 2.0

Die Besucher des Londoner Kaufhauses Harrods sahen sich im Jahr 1898 mit einer Neuerung konfrontiert, die es im gesamten Empire noch nie gegeben hat, einer Rolltreppe. Der US-Amerikaner Jesse Wilford Reno hatte sie erfunden und 1892 in den USA als Patent angemeldet, und nun war so ein Exemplar erstmals in London zu sehen und zu benutzen. Die Besucher von Harrods waren erst sehr skeptisch und nicht jeder traute sich auf diese beweglichen Treppen. Die mutigen Männer und Frauen, die es wagten, sich daraufzustellen und in den ersten Stock des Kaufhauses zu gleiten, wurden oben von Angestellten empfangen… mit Riechsalz für die Damen und einem Glas Cognac für die Herren, um die Nerven zu beruhigen. Ob einige Herren daraufhin die aus Flechtleder angefertigte Rolltreppe mehrmals benutzten, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese „Personentransportbeförderungsanlage“ im Zuge von Umbaumaßnahmen wieder abgebaut.

Hundert Jahre später, also 1998, staunten die Kaufhausbesucher über eine neue Rolltreppe, die der Harrods-Besitzer, der Ägypter Mohamed Al-Fayed, hatte installieren lassen, die Egyptian escalators. Al-Fayed hatte dem Künstler William Mitchell (1925-2020) schon Anfang der 1990er Jahre den Auftrag erteilt, seinem Kaufhaus einen ägyptischen Touch zu verleihen, und so entstanden die Egyptian Rooms und die Egyptian Hall. Die in den 1920er Jahren zuletzt installierten Rolltreppen wurden durch die neuen ersetzt, die die Besucher bis in den fünften Stock befördern und die sich dabei wie in das alte Ägypten zurück versetzt fühlen. Heute verfügt Harrods über insgesamt sechzehn Rolltreppen.

Hier ist ein Film über die aktuellen Rolltreppen von Harrods, und dieser Film zeigt die Egyptian escalators.

William Mitchell schuf auch die drei Meter hohe Skulptur von Lady Diana und Al-Fayeds Sohn Dodi, genannt „Innocent Victims„, die von 2005 bis 2018 im Harrods aufgestellt war. Nachdem das Kaufhaus von neuen Besitzern aus Katar übernommen worden war, wurde die Skulptur entfernt und nach einiger Zeit an Mr Al-Fayed zurückgegeben.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die erste Rolltreppe in der Londoner U-Bahn und den Mann mit dem Holzbein.

Die Decke oberhalb der ägyptischen Rolltreppe.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Photo: Nick Kenrick.
Creative Commons 2.0

William Mitchells Statue „Innocent Victims“.
Photo: Bobak Ha’Eri.
Creative Commons 3.0

Published in: on 3. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Folkestone Triennial – Eine Kunstausstellung in Kent

„Folkestone Lightbulb“ von Michael Craig-Martin.
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Wer den Kanaltunnel in Richtung England durchquert und bei Folkestone in Kent wieder das Tageslicht erblickt hat, fährt meistens gleich weiter und macht in der Stadt an der Küste keine Station. Dabei hat Folkestone ein reiches Kunstleben wie die alle drei Jahre stattfindende Triennale. Diese Kunstaustellung findet nicht in geschlossenen Räume statt, sondern die Exponate sind im ganzen Stadtgebiet verteilt.

The Folkestone Triennial zieht jedes Mal mehr Besucher an und bringt Geld in die Stadt, £65 Millionen sollen es schon im Jahr 2014 gewesen sein. Durch Corona gab es zuletzt eine Verschiebung, die Ausstellung , die für das Jahr 2020 geplant war, wurde ein Jahr verschoben. 2024 wird die nächste Triennale stattfinden. Ein Teil der Exponate bleibt in der Regel nach dem Ende der Kunstausstellung stehen und verschönert auf diese Weise das Stadtbild von Folkestone immer mehr.

Jede Ausstellung steht unter einem bestimmten Motto; die erste im Jahr 2008 nannte sich „Tales of Time and Space„, die letzte im Jahr 2021 „The Plot„, mit dem etwas sperrigen Zusatz „Urban myths and their relation to verifiable realities: the gap between the story and the materiality“. Vertreten sind namhafte nationale und internationale Künstler wie zuletzt die mit dem Turner Prize ausgezeichneten Richard Deacon und das Künstlerkollektiv Assemble aus London. Es gab auch einen deutschen Beitrag von den Künstlern Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt.

Auch der mysteriöse Banksy tauchte bei der Folkestone Triennial 2014, wie immer unangekündigt, auf, und steuerte sein Graffiti „Art Buff“ bei.

Hier ist ein kurzer Film über die letzte Triennale, und hier sind einige Exponate der letzten Jahre zu sehen:

„Holiday Home“ von Richard Woods.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

„Siren“ von Marc Schmitz und Dolgor Ser-Od.
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

„Five Headed Sculpture“ von Paloma Varga Weisz.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

„Lamp Post (as remembered)“ von David Shrigley.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Grantchester Meadows – Ein Naherholungsgebiet bei Cambridge und ein Song von Pink Floyd

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Seit der Ausstrahlung der TV-Serie „Grantchester„, die 2014 begann, dürfte das kleine, hübsche Dorf mit diesem Namen an der Peripherie der Universitätsstadt Cambridge im ganzen Königreich bekannt geworden sein. Ich schrieb in meinem Blog mehrere Male über die TV-Serie und meinen Besuch in Grantchester. Dabei spazierte ich mit meinem Freund David Bradshaw auch über die Grantchester Meadows, die sich vom Dorf entlang des River Cam bis nach Cambridge ziehen.

Die Park- und Wiesenlandschaft wurde von der Dichterin Sylvia Plath in ihrem Gedicht „Watercolor of Grantchester Meadows“ besungen, darin erwähnt sie auch den Byron’s Pool, in dem Lord Byron gebadet haben soll (Näheres über den Teich in meinem Blogeintrag). Sie schreibt darin hauptsächlich über die Tier- und Pflanzenwelt der Meadows, ein sehr stimmungsvolles Gedicht.

Genauso stimmungsvoll ist ein Song der englischen Gruppe Pink Floyd mit dem Titel „Grantchester Meadows„, das Bandmitglied Roger Waters 1969 schrieb und das auf ihrem Album „Ummagumma“ veröffentlicht worden ist. Es beginnt mit dem Gesang einer Lerche, die den Song auch in seiner ganzen Länge im Hintergrund begleitet. Ein wunderschönes Lied, hier zu hören, ergänzt durch sehr schöne Videosequenzen über die Meadows.

Pink Floyds David Gilmour wurde am 6. März 1946 in Cambridge geboren, in der Straße Grantchester Meadows, in der Hausnummer 109, und er verbrachte auch seine Kindheit hier. Die Nähe zu der Parklandschaft veranlasste ihn, den Song „Fat Old Sun“ zu schreiben, der 1970 auf dem Album „Atom Heart Mother“ erschien.

Ein weiteres Bandmitglied war Syd Barrett, der aber schon nach kurzer Zeit Pink Floyd auf Grund psychischer Probleme verließ. Syd Barrett wurde am 6. Januar 1946 in der Glisson Road Nummer 60 in Cambridge geboren und lebte zuletzt zurückgezogen in einem kleinen Haus in einer Sackgasse mit der Adresse 6 St Margaret’s Square im Südosten von Cambridge. Er starb am 7. Juli 2006.

Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Meine Lieblings-Pubs – Ye Olde Starre Inn in York (North Yorkshire)

Photo: nogbad the bad.
Creative Commons 2.0

IstYe Olde Starre Inn“ in York nun wirklich der älteste Pub in der Stadt? Möglicherweise, denn schon während des Civil Wars (1642 – 1651) war hier ein betriebsames Gasthaus, dessen Keller aus dem 10. Jahrhundert stammen sollen.
Man wird auf den Pub aufmerksam, wenn man die Straße Stonegate entlanggeht, denn da zieht sich ein hölzerner Balken über die Straße mit dem Namenszug.

Ich kenne diesen Pub eigentlich immer nur voll: Man muss sich zur Bar schon vorkämpfen, um sich sein Pint zu bestellen. Um die Hauptbar scharen sich vier Räume, in denen man dann versuchen kann, ein mehr oder weniger stilles Plätzchen zu ergattern.
Dass es in so einem alten Gasthaus auch Geister gibt, ist nahezu selbstverständlich. Aus dem Keller sind hin und wieder nachts laute Schreie zu hören, die von verwundeten Soldaten aus der Schlacht von Marston Moor (2. Juli 1644) stammen sollen. Diese armen Menschen wurden hierher gebracht, um medizinisch verpflegt zu werden. Da man damals aber noch keine Betäubungsmittel kannte, führte man zum Beispiel Amputationen bei vollem Bewusstsein durch; daher die schrecklichen geisterhaften Schreie.

Ich kann einen Besuch in dem trotz des vielen Betriebs sehr atmosphärischen „Ye Olde Starre Inn“, der zur Gruppe der Greene King-Pubs gehört, sehr empfehlen. Neben den zahlreichen Ales wird auch Pubfood serviert.

Ye Olde Starre Inn
40 Stonegate
York
North Yorkshire YO1 8AS

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Januar 2023 at 02:00  Comments (1)  

Woolfardisworthy in Devon – Ein Ort mit einem langen und kuriosen Namen und sein reicher Gönner

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

In England gibt es so manchen Ortsnamen, der sich ganz anders spricht als man vermutet. Engländer selbst haben da manchmal auch ihre Probleme. Beispiel: Der Ort Woolfardisworthy im Norden der Grafschaft Devon spricht sich „Woolsery“; hier ist ein Film darüber.

Das Dorf mit seinen etwa 1100 Bewohnern, nicht weit von der A39 gelegen, stand schon einmal im Mittelpunkt einer meiner Blogeinträge; hier befindet sich das Centre for Fortean Zoology.

Dem Dorf ging es in den letzten Jahren nicht gut. Sein Pub The Farmer’s Arms war geschlossen worden, das Manor House nebenan verfiel langsam…und dann kam der rettende Engel, ein Mann namens Michael Birch, der seine Wohltaten über Woolsery (bleiben wir bei der Kurzform) ergoss.

Michael Birch wurde 1970 in Sawston in Cambridgeshire geboren und hatte gemeinsam mit seiner Frau, der US-Amerikanerin Xochi, mehrere IT-Unternehmen gegründet, von denen das in Kalifornien ansässige Bebo am erfolgreichsten war, eine Webseite für soziale Netzwerke. 2008 verkauften die Birchs ihr Unternehmen für 850 Millionen US-Dollar an AOL, was die beiden zu sehr reichen Menschen machte.

Michael Birchs Wurzeln reichen nach Woolsery bis ins 18. Jahrhundert zurück, seine Großmutter wurde im Ort über dem Dorfladen geboren, und als er hörte, dass es dem Dorf nicht gut ging, schritt er ein. Im Jahr 2012 kaufte er den vor sich hin siechenden, geschlossenen Pub und möbelte ihn von Grund auf. Und da er schon einmal dabei war übernahm er auch den Fish and Chip Shop, den Dorfladen samt Poststelle, etliche andere Gebäude und vor allem das Manor House neben der Kirche, das zur Zeit in ein Hotel umgewandelt wird, das über 17 Zimmer und ein Restaurant verfügen wird.

Michael und Xochi Birch haben mit dem Woolsery Project dem Dorf neues Leben eingehaucht. Sie haben neue Arbeitsplätze geschaffen, eine Farm angelegt, die die Restaurants im Ort mit frischen Produkten versorgt, und den Bewohnern einen neuen „spirit“ gegeben; auch muss niemand mehr auf seine Pints im Pub verzichten.

Achtung: Es gibt noch ein weiteres Dorf, das Woolfardisworthy heißt. Es liegt neun Kilometer nördlich von Crediton in Mid-Devon.

Das heruntergekommene Manor House vor der Restaurierung.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Dorfladen und Postamt, ebenfalls vor dem Umbau.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hawkhurst in Kent und die Erfindung des OXO-Brühwürfels

Charles Gunthers Haus auf dem Tongswood Estate; jetzt die St Ronan’s School.
Photo: Herry Lawford.
Creative Commons 2.0

Hört man den Namen des Dorfes Hawkhurst denkt man unwillkürlich an die Schmugglerbande The Hawkhurst Gang, die im 18. Jahrhundert in dieser Region von Kent ihr Unwesen trieb (siehe dazu meinen Blogeintrag). Doch der Ort kann sich auch einer Erfindung rühmen, die im Jahr 1910 hier stattfand: Der OXO-Brühwürfel. Charles Gunther war damals Boss der Liebig Extract of Meat Company, die nach dem deutschen Chemiker Justus Liebig benannt war und die konzentrierten Rindfleischextrakt herstellte. Mr. Gunthers Firma war offizieller Sponsor der Olympischen Spiele, die im Jahr 1908 in London ausgetragen wurden. Die Marathonläufer erhielten damals flüssigen Rindfleischextrakt mit auf den Weg, der ihnen Kraft und Ausdauer verleihen sollte.
Doch der Chef der Firma wollte den Extrakt auch in fester Form auf den Markt bringen, was ihm dann auch zwei Jahre später gelang. Der OXO-Brühwürfel war geboren und ihn gibt es auch heute noch.

Charles Gunther hatte sich in Hawkhurst auf dem Tongswood Estate niedergelassen und wohnte dort in einem sehr schönen Haus, das er erweiterte und einen ebenso schönen Garten anlegen ließ, der einmal zu den Top 50-Gärten Englands gehörte. Der Unternehmer war seinem Wohnort gegenüber sehr großzügig; viele Dorfbewohner fanden Arbeit im Haus und in den Gärten des Estates, Gunther unterhielt eigene Cricket- und Fußballmannschaften, und er kaufte die örtliche Feuerwache, an deren Wand eine Erinnerungsplakette angebracht worden ist (und die heute die Dorfbibliothek beherbergt).

Charles Gunther starb 1931; in seinem Wohnhaus ist jetzt die St Ronan’s School untergebracht, eine Preparatory School, in der Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren unterrichtet werden. Ob die Schüler dort wohl auch mit Brühwürfeln der Marke OXO ernährt werden?

Siehe auch meinen Blogeintrag über den Londoner OXO Tower.

Ein Foto von einem Fleischergeschäft in Hawkhurst aus dem Jahr 2010, als die Erfindung des Brühwürfels 100 Jahr alt geworden war.
Photo © Barbara Carr (cc-by-sa/2.0)

Plakette an der Wand der Hawkhurst Library.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Januar 2023 at 02:00  Comments (1)  

Die Schriftstellerin Lucy M. Boston (1892-1990), ihre „Green Knowe“-Romane und das Hemingford Grey Manor in Cambridgeshire

Das Manor House in Hemingford Grey.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Am 3.Oktober 2014 schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch im Athelhampton House in Dorset, in dem Julian Fellowes das Kinderbuch „The Chimneys of Green Knowe“ von Lucy M. Boston unter dem Titel „From Time to Time“ verfilmt hat. Das Buch ist der zweite Band von sechsen der „Green Knowe„-Serie, die die Autorin zwischen 1954 und 1976 schrieb und die sich sehr gut verkauft haben. Der erwähnte zweite Band erschien in deutscher Übersetzung 1969 als „Die Kamine von Green Knowe“.

1939 hatte sich die im Jahr 1892 geborene Lucy M. Boston in dem Dorf Hemingford Grey in der Grafschaft Cambridgeshire angesiedelt und dort das Manor House gekauft, eines der ältesten, kontinuierlich bewohnten Häuser Großbritanniens. Sie nannte es Green Knowe und schrieb etliche Bücher in dem alten Gemäuer. Ihre Kinderbuchserie spielte zum größten Teil in dem Manor House, und wer die Bücher gelesen hat, wird einiges hier wiedererkennen. Auch ihren Garten, den sie selbst angelegt hat, verwendet Lucy M. Boston immer wieder als Schauplatz in ihren Kinderbüchern, die von ihrem Sohn Peter illustriert worden sind. In diesem Film aus dem Jahr 1983 spricht die Schriftstellerin über „The magic of the house“.

In der „Green Knowe“-Serie treffen wir auf den Jungen Toby und seine Großmutter Mrs. Oldknow. Toby hat Kontakt mit Bewohnern des Hauses aus früheren Zeiten, die längst verstorben sind (sehr gut in dem Film „From Time to Time“ dargestellt). Auch der Roman „The Children of Green Knowe“ (1954) wurde verfilmt und von der BBC als Vierteiler 1986 gesendet (hier ist Folge 1 zu sehen).

Die Autorin war nicht nur schriftstellerisch tätig, sie fertigte auch mit Begeisterung Quilts an, die im Haus zu sehen sind.

Im Manor House wohnt heute die Schwiegertochter der Autorin, Diana Boston, die auf Anfrage Führungen durch das alte Haus vornimmt; die Gärten sind täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Dieser Film zeigt das Manor House und die Gärten.

Im Garten des Manor House.
Photo © Rob Noble (cc-by-sa/2.0)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Hythe Venetian Fete – Venezianischer Karneval auf dem Royal Military Canal in Hythe in Kent

Die Bürgermeister der Confederation of the Cinque Ports rücken an.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Der Royal Military Canal nahe der englischen Südküste wurde einmal gebaut, um den möglichen Vormarsch napoleonischer Truppen bei einer Invasion des Landes zu stoppen. Da der französische Herrscher aber keine Invasion zustande brachte, benötigte man das küstliche Gewässer nicht mehr und funktionierte es in ein Naherholungsgebiet um; siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

In dr Stadt Hythe in Kent kam man bereits im Jahr 1891 auf die Idee, auf dem Kanal so eine Art Karneval in Venedig „British style“, zu feiern. The Hythe Venetian Fete war geboren, allerdings mit ruckelndem Start, denn erst einmal blieb es bei der einen Feier. Jahre vergingen, der Erste Weltkrieg warf alle Planungen über den Haufen und es wurde 1927 bis eine Neuauflage des Karnevals ins Leben gerufen werden konnte. 1934 gründete man die Hythe Venetian Fete Society, die dieses Event bis zum Zweiten Weltkrieg organisierte. Ab 1954 schließlich wurde die Fete alle zwei Jahre ausgetragen, bis heute, immer am dritten Mittwoch des Monats August.

Die Prozession der schwimmenden Festwagen ist das Highlight des venezianischen Karnevals, der vom Bürgermeister von Hythe und seinen 13 Kollegen von der Confederation of the Cinque Ports eröffnet wird. Besonders schön wird es auf dem Kanal wenn bei einbrechender Dunkelheit die „floats“ illuminiert werden. Für die Mühen, die sich die Teilnehmer mit ihren „Motivflößen“ gegeben haben, gibt es eine Fülle von Auszeichnungen wie Best Daylight Tableau beziehungsweise Best Illuminated Tableau oder Best Dressed Rowers.

Das Ufer des Royal Military Canals ist immer gut von Zuschauern besucht, und die Venetian Fete ist stets eine besondere Attraktion im Festkalender der Stadt Hythe. Am 17. August 2022 fand die letzte Fete statt, die nächste wird am 21. August 2024 sein.

In diesem Film wird die Fete von 1960 der letzten von 2022 gegenübergestellt.

Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Exzentriker – Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell (1917-1990) – Gastwirt im The Tickell Arms in Whittlesford (Cambridgeshire)

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Wenige Kilometer südlich der Universitätsstadt Cambridge liegt das Dorf Whittlesford, das über zwei Pubs verfügt. Einer heißt Bees in the Wall (was auch stimmt, denn in einer der Mauern des Hauses wohnen schon seit Jahrzehnten Bienen), der andere The Tickell Arms, benannt nach der Familie Tickell, die einst den Lord of the Manor stellte.

Gastwirt im letztgenannten Pub war in den 1970er und 1980er Jahre ein Nachkomme dieser Familie, Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell (1917-1990). Sein Pub war im Großraum Cambridge berühmt-berüchtigt, denn Mr Tickell hatte genaue Vorstellungen, wen er als Gäste haben wollte und vor allem, welche nicht. An der Eingangstür hatte er angeschlagen, wer im Pub nicht willkommen war und dazu gehörten beispielsweise Jeansträger, Menschen mit linksgerichteten, politischen Ansichten, Ohrringe tragende Männer, hippieartige Individuen und unbegleitete Frauen. Einen „vernünftigen“ Haarschnitt sollte man auch haben, um im Pub bedient zu werden.
Hatte man alle diese Bedingungen erfüllt, betrat man den Schankraum, in dem oft ohrenbetäubend laut Wagnermusik gespielt wurde, die unser Gastwirt über alles liebte. Wenn an manchen Abenden die Gäste zur Schließungszeit nicht rechtzeitig den Pub verlassen hatten, schickte er auch schon mal seine Hunde hinein. Einmal legte sich der Wirt mit Arbeiterinnen der örtlichen Firma Phoenix Tinsel Products an, die Weihnachtsdekorationen herstellten, und warf ihnen vor, vulgäre Sprache zu benutzen und bediente sie nicht, woraufhin sie ihm die Hose herunterzogen. Es ging also hoch her im The Tickell Arms.

Kim Joseph Hollick De La Taste Tickell, der mit einem Deutschen namens Siegfried liiert war, pflegte morgens im Fischteich seines Gartens nackt zu baden, was ihm dann wohl den richtigen Schwung verlieh, seine Exzentrik den ganzen Tag über auszuüben.

Der heutige Pub ist im Good Pub Guide erwähnt, in meiner etwas älteren Ausgabe steht „Staff are neatly dressed and friendly“; es sind also wieder ruhige Zeiten eingekehrt in Whittlefords Pub.

The Tickell Arms
North Road, Whittlesford,
Cambridge, CB22 4NZ

Siehe auch meinen Blogeintrag über einen anderen „rude landlord“, Norman Balon vom The Coach & Horses in London.

Published in: on 26. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Haunted Whittington Castle bei Oswestry in Shropshire

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Der  1998 gegründete Whittington Castle Preservation Trust kümmert sich liebevoll um den Erhalt der Burg, die nach dem Dorf in Shropshire benannt ist, in dem sie liegt. Die Grenze nach Wales ist nicht weit, und Oswestry ist der nächst größere Ort. Vom Whittington Castle sind die beiden Türme des Gate House und das Tudor Cottage gut erhalten, der Rest der Burganlage besteht aus Ruinen, zwischen denen die „re-enactment society“ Historia Normannis jedes Jahr historische Szenen nachstellt wie dieser Film zeigt.

Die uralte Burg aus dem 13. Jahrhundert steht das ganze Jahr über Besuchern zur Verfügung; der Eintritt ist kostenlos, es sei denn, es findet eines der zahlreichen Events oder eine Hochzeit statt. Die Hochzeitszeremonie kann zum Beispiel in der Lady Eleanor Suite im restaurierten Torhaus stattfinden. In diesem Jahr sind Vorleseabende im Tudor Cottage geplant, bei denen Gruselgeschichten von M.R. James vorgelesen werden, von einem Schriftsteller, über den ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe.

Gruselig kann es im Whittington Castle auch werden, wenn die Geister, die hier residieren sollen, zum Vorschein kommen. Da erscheint hin und wieder ein Schmied in einer Lederschürze, unheimliche Stimmen sind im Torhaus zu hören, es gibt starke Temperaturschwankungen und manche Besucher wollen die Geister von Kindern gesehen haben. Das Fernsehteam der populären TV-Serie „Most Haunted“ war auch schon hier (Staffel 18, Folge 2 im Jahr 2016). „Haunted Houses„, die Ghost Hunts im ganzen Land durchführt, hat dem Whittington Castle auch schon einen Besuch abgestattet.
In diesem Film kann man an einer nächtlichen Geisterjagd in der Burg teilnehmen.

Whittington Castle ist mit der Legende verbunden, dass hier einmal der Heilige Gral aufbewahrt worden ist, mitgebracht von Sir Fulk FitzWarin, einem der Gralshüter.

Das Dorf Whittington und seine Burg sind gut erreichbar über die A5 und die A495.

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Die Cromer Pier Show – Varieté in einem Theater über dem Meer in North Norfolk

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Etwa 50 Piers gibt es noch an den englischen Küsten und von denen haben nur noch fünf am Kopfende ein Theater; früher waren es wesentlich mehr. Über eines dieser Theater und seine Shows möchte ich heute berichten: Die Cromer Pier Show im Pavilion Theatre im Norden der Grafschaft Norfolk.
The Only Full End Of Pier Show In The World“ steht auf der Webseite zu lesen; die anderen Pier Show Theater sind in Blackpool, Great Yarmouth, Weymouth und Worthing zu finden.

Die Pier in Cromer ist 151 Meter lang und das Theater hat 514 Sitzplätze. Schon seit 42 Jahren wird die Pier Show gezeigt, die in der Sommersaison vierzehn Wochen lang zu sehen ist. Rund 50 000 Besucher amüsieren sich so jedes Jahr am Ende der Cromer Pier. Was gibt es in der zweieinhalb stündigen Show zu sehen? Geboten wird ein bunter Mix aus Comedy, Zauberei, Artistik, Gesang und Tanz, angereichert mit vielen Spezialeffekten, viel Glitzer und Darbietungen in extravaganten Kostümen. In diesem Jahr findet die Show vom 1. Juli bis zum 30. September statt. Dieser Film zeigt einige Ausschnitte aus dem Programm des vorigen Jahres.

Vielleicht sind in diesem Jahr einige deutsche Gäste unter den Besuchern, angeregt durch den Dokumentarfilm „Seaside Special“ des deutschen Regisseurs Jens Meurer, der am 19. Januar seinen Kinostart in Deutschland hatte. Die Varietéshow steht im Mittelpunkt dieses Films, der die Problematik des Themas Brexit in dem Küstenort zeigt und wie die Einwohner und die Showmitwirkenden damit umgehen. Cromer war eine Pro-Brexit-Stadt gewesen; die unterschiedlichen Auffassungen dazu haben manchmal große Risse in den Familien und in der ganzen Gesellschaft erzeugt. Jens Meurer porträtiert in seinem Film Menschen der Stadt, die mit einer Entscheidung konfrontiert werden, die ihr Leben verändert, und nicht nur zum Positiven. Würde es heute noch einmal zu einer Abstimmung „Stay or Leave“ kommen, deren Ergebnis im Jahr 2016 nur knapp war (52% pro Brexit), so könnte es angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die deutlich geworden sind, die Mehrheit der Bevölkerung sich anders entscheiden.

Hier ist der Trailer zu „Seaside Special“.

Das Buch zum Artikel:
Martin Gore: The Road to Cromer Pier – A story about the lives and loves of the Cromer Summertime Special Show. nielsen 2019. 322 Seiten. ISBN 978-099551574.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Januar 2023 at 02:00  Comments (1)  

St Margaret Pattens – Eine Londoner Kirche mit einem eigenartigen Namen

St Margaret Pattens vor dem „Walkie Talkie“ genannten Londoner Hochhaus.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Geht man durch die Londoner Straßen und sieht eine Kirche, dann fragt man sich vielleicht, wer mag wohl der Erbauer gewesen sein. Mit der Antwort: Sir Christopher Wren (1632-1723) liegt man oft richtig, denn der Architekt war für den Neubau von zahlreichen Kirchen nach dem Großen Brand von London im Jahr 1666 verantwortlich. So ist es auch mit der Kirche St Margaret Pattens, die in der Rood Lane liegt, die von der Straße Eastcheap in der City of London abgeht. 1687 wurde sie von Sir Christopher erbaut, blieb im Zweiten Weltkrieg glücklicherweise unbeschädigt und steht jetzt ziemlich verloren zwischen Hochhäusern, die sie zu einem Zwerg reduzieren.

„The Guild Church of St Margaret Pattens“ steht neben der Eingangstür zu lesen, denn sie ist die Kirche der Worshipful Company of Pattenmakers, der Gilde der „Stelzschuhmacher“. In früheren Jahrhunderten waren die Londoner Straßen, besonders bei Regenwetter, sehr schmutzig und oft mit einer Schlammschicht bedeckt. Um sich seine Schuhe nicht total zu verdrecken, trugen Männer und Frauen „pattens„, das ist eine Art Überschuh aus Holz, der unter den „normalen“ Schuh geschnallt wurde, so dass man wie auf Stelzen durch den Schmutz laufen konnte.

Die Worshipful Company of Pattenmakers existiert noch heute; die Londoner Gilde ist in erster Linie eine Wohltätigkeitsorganisation mit dem Schwerpunkt “ footwear industry“. In St Margaret hat die Gilde Beispiele von diesen Stelzenschuhen ausgestellt.
Hier ist ein Film über die Gilde.

Wer sich die Kirche einmal ansehen möchte, sie ist werktags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Das Wappen der Gilde in der Kirche.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Musikvideos – Talk Talk: Such a Shame

Eine meiner Lieblingsbands der 80er Jahre waren Talk Talk, eine britische Band, in deren Mittelpunkt der Sänger Mark Hollis stand. Leider verstarb er schon sehr früh im Alter von nur 64 Jahren am 25. Februar 2019. Er hatte sich zuletzt mit seiner Familie von London in ein Haus namens Walled Garden in die Kleinstadt Heathfield in East Sussex zurückgezogen.

Hollis schrieb auch meinen Lieblingstitel „Such a shame„, der 1984 auf dem zweiten Album von Talk Talk „It’s my life“ veröffentlicht wurde. Der Song basiert auf einem Buch von Luke Rhinehart „The dice man“  (in Deutschland unter dem Titel „Der Würfler“ erschienen), einem Buch, das Mark Hollis besonders schätzte. In dem Video versucht er, den Inhalt des 500 Seiten umfassenden Buches in wenigen Minuten wiederzugeben.
Merkwürdigerweise spielte das Lied in den britischen Charts keine Rolle, erreichte jedoch Platz 2 in den deutschen Hitparaden.

„Such a Shame“ wurde später von der französischen Autofirma Peugeot in einem Werbespot für ihren 205 verwendet. Auch wurde der Song mehrfach gecovert, so beispielsweise von Sandra, Atrocity und Solar Fake. Aber keine dieser Versionen kam an das Original heran, das hier zu hören und zu sehen ist.

Übrigens: In der Mitte des Videos ist ein Hinweisschild auf einen Pub namens The Somers Arms zu sehen. Dieser Pub in Londons Battersea existiert nicht mehr; er wurde abgerissen.

Published in: on 22. Januar 2023 at 02:00  Comments (3)  

Dingles Fairground Museum bei Lifton in Devon

Photo © Roger A Smith (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal Lust auf einen „trip down memory lane“ hat und sich gerade in Devon aufhält, sollte dem Dingles Fairground Museum einen Besuch abstatten, das ganz in der Nähe der Durchgangstrasse A39 bei dem Dörfchen Linton liegt und gut ausgeschildert ist. In zwei riesigen Hallen findet man alles, was auf den Rummelpätzen seit den 1920er bis zu den 1970er Jahren anzutreffen war und viele davon kann man ausprobieren.

Ursprünglich hieß die Anlage Dingles Steam Village, wurde dann ständig erweitert und in Dingles Fairground Heritage umbenannt, im vorigen Jahr folgte dann der neue Name Dingles Fairground Museum, gemanagt vom Fairground Heritage Trust.

Auf welche Freuden kann man sich hier einstellen? Da gibt es einmal den Klassiker jeden Rummelplatzes, das Dodgem, in Deutschland meist Autoscooter genannt, bei dem man sich in knallbunten Elektrogefährten gegenseitig wegschubsen oder jagen kann. Dann ist da natürlich die Geisterbahn, der Ghost Train, bei der man im Stockdunklen unheimlichen Wesen begegnet. Die Bahn hier stammt aus dem Jahr 1947. Der Chariot Racer Ark war in den 1930er Jahren sehr beliebt; auf Motorrädern oder Tieren konnte/kann man auf diesem Karussell seine Runden drehen. Ebenfalls aus den 1930er Jahren stammt die Moon Rocket, etwas großspurig „Supersonic Sensation“ tituliert. Für kleinere Kinder stehen die gemütlichen Happy Caterpillar und Toy Town Merry Go Round bereit, während sich die Älteren an Schießbuden und dem immer wieder beliebten Spiegelkabinett, hier The Crazy Mirrors genannt, verlustieren können.

Darüber hinaus stehen in den Hallen alte Lastwagen, mit denen früher die Karussells durch die Lande transportiert wurden, Wohnwagen der Schausteller, es gibt eine Spielarkade und und und. „Fun for all the family“ mit entsprechender Lautstärke und fröhlichem Kindergeschrei. Der ideale Schauplatz für verregnete Tage.

Dieser Film zeigt einen Besuch in dem Vergnügungspark.

Photo: jthornett.
Creative Commons 2.0

Photo: jthornett.
Creative Commons 2.0

Published in: on 21. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

Famous Graves – Evelyn und Auberon Waugh in Combe Fleury (Somerset)

Photo: Alex Williams.
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Der Roman „Brideshead Revisited“ (dt. „Wiedersehen mit Brideshead“) aus dem Jahr 1945 machte den englischen Schriftsteller Evelyn Waugh (1903-1966) weltbekannt. Die späteren Verfilmungen trugen noch mehr dazu bei, vor allem der BBC-Mehrteiler, der im Castle Howard in North Yorkshire gedreht wurde. 1956 zog er sich in die Provinz zurück, wo er in dem kleinen Dorf mit dem hübschen Namen Combe Fleury, nahe der Stadt Taunton in der Grafschaft Somerset, ein Haus erwarb, das Combe Fleury House. Das historische Manor House, direkt neben der Dorfkirche gelegen, dessen Ursprünge bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen, sollte bis zu Evelyn Waughs Tod am 10. April 1966 seine letzte Heimstatt bleiben (das Haus war kürzlich auf dem Markt für £4,5 Millionen). Seine letzte Ruhestätte fand der Schriftsteller nicht auf dem Kirchhof von St Peter & St Paul von Combe Fleury, sondern, mit einer Sondergenehmigung, auf einer geweihten Stelle etwas außerhalb des Kirchengeländes.

Nach Evelyn Waughs Tod zog sein Sohn, dem er den ungewöhnlichen Vornamen Auberon (1939-2001) gegeben hatte, in das Combe Fleury House. Auch der Sohn war Schriftsteller und schrieb eine Handvoll Romane, von denen das im Jahr 1960 erschienene „The Foxglove Saga“ (dt. „Die Foxglove Saga“) das bekannteste und erfolgreichste war. Einen Namen machte sich Auberon Waugh aber vor allem als Journalist, der für die große englischen Tageszeitungen Kolumnen schrieb. Am 16. Januar 2001 starb auch er im Combe Fleury House, wurde aber nicht neben seinem Vater beigesetzt, sondern auf dem regulären Kirchhof der Gemeindekirche St Peter & St Paul.

Auberon Waughs Kinder wuchsen im Combe Fleury House auf, von denen Alexander und Daisy ebenfalls Schriftsteller und Journalisten wurden. Um das Gedenken an ihren Großvater kümmert sich heute die Evelyn Waugh Society.

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

St Peter & St Paul in Combe Fleury.
Photo © Geoff Pick (cc-by-sa/2.0)

Das Torhaus des Combe Fleury House.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Matthew Green: Shadowlands – A Journey Through Lost Britain

Foto meines Exemplares.

An die 3000 Ortschaften soll es in Großbritannien gegeben haben, die seit dem Mittelalter von der Bildfläche verschwunden sind, aus unterschiedlichen Gründen. Matthew Green, Historiker und Schriftsteller, hat sich mit einigen dieser Orte näher beschäftigt und stellt diese in seinem Buch „Shadowlands – A Journey Through Lost Britain“ vor, das im vorigen Jahr erschienen ist.

Neben den schottischen und walisischen „Lost Places“ sind es vier englische: Old Winchelsea, Wharram Percy, Dunwich und die STANTA Villages.

Winchelsea in East Sussex, eine der „Five Cinque Ports and two Ancient Towns“ an der Südküste, war als Old Winchelsea im 13. Jahrhundert eine bedeutende und florierende Hafenstadt, die im Jahr 1287 durch einen gewaltigen Sturm und eine ebensolche Flut vollständig zerstört worden war. New Winchelsea wurde nach der verheerenden Katastrophe neu aufgebaut und existiert noch heute mit rund 600 Einwohnern.

Wharram Percy in North Yorkshire war auch einmal ein florierender Ort gewesen, der dem Bevölkerungsschwund in dieser Region im 15. Jahrhundert zum Opfer gefallen ist. Der Getreideanbau wurde durch die Weidewirtschaft abgelöst, die grasenden Schafe brauchten mehr Raum, es wurden weniger Landarbeiter benötigt, zu Ende ging es mit Wharram Percy, dessen Gebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Über Dunwich in der Grafschaft Suffolk habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Da, wo heute an der Küste nur noch wenig zu sehen ist, befand sich einmal die größte Hafenanlage in Englands Osten. Wie Old Winchelsea fiel auch Dunwich einem Monstersturm zum Opfer, der den größten Teil der Stadt ins Meer riss. Was übrig geblieben war, eroberte sich in der folgenden Zeit die Küstenerosion. In Dunwich leben heute nur noch etwas mehr als hundert Einwohner.

West Tofts, Sturston, Langford, Stanford, Buckenham Tofts und Tottington in Norfolk bilden die sogenannten STANTA Villages, wobei STANTA für Stanford Training Area steht. Im Zweiten Weltkrieg benötigte die britische Armee ein Übungsgebiet für die Vorbereitung des D-Days, und da fiel ihr Blick auf diese sechs Dörfer nördlich von Thetford in Norfolk, die sie für ihre Zwecke requirierte und die Bewohner umsiedelte. Diese sollten auch nie wieder hierher zurückkommen. Die Stanford Training Area wurde auch im Afghanistan-Krieg Jahrzehnte später von der Army benutzt, um ihre Soldaten für den Häuser- und Straßenkampf in dem asiatischen Land vorzubereiten, indem hier ein ganzes afghanisches Dorf aufgebaut wurde.

Zu dem Thema „Verlorene Dörfer auf Grund militärischer Maßnahmen“ siehe auch meine Blogeinträge über Imber in Wiltshire und Tyneham in Dorset.

Matthew Green: Shadowlands – A Journey Through Lost Britain. Faber & Faber 2022. 358 Seiten. ISBN 978-0-571-33802-3.

Stadttor in Winchelsea (East Sussex).
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Ruinen der Kirche von Wharram Percy in North Yorkshire.
Photo © T Eyre (cc-by-sa/2.0)

Das Village Sign von Dunwich (Suffolk).
Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

Ruinen der Sturston Hall in einem der STANTA Villages.
Photo © Nick Mutton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das australisch-englische Magazin Oz und seine umstrittene „Schoolkids“ Ausgabe Nummer 28 vom Mai 1970

This work has been released into the public domain by its author, Oz.

Am 1. April 1963 erschien im australischen Sydney die erste Ausgabe eines Satire-Magazins namens Oz, das während der gesamten Zeit seines Bestehens umstritten war. Die einen liebten es, die anderen hassten es. Ab 1967 erschien in London eine Parallelausgabe, beide unter der Ägide des Herausgebers Richard Neville. In beiden Ländern gab es immer wieder Ärger mit Oz, denn es nahm kein Blatt vor den Mund, und die Illustrationen gingen vielen zu sehr unter die Gürtellinie. Die Gerichte mussten sich mehrere Male mit dem Magazin beschäftigen.

Besonders die englische Ausgabe 28 vom Mai 1970 erregte in weiten Kreisen Anstoß; es war die sogenannte „Schoolkids“-Ausgabe. Sie war nicht für Schulkinder gemacht worden, sondern von Schulkindern im Teenageralter. Zwei Ausgaben zuvor hatten die Macher von Oz Jugendliche dazu aufgerufen, einmal selbst eine Ausgabe des Magazins zu gestalten und ihnen dafür freie Hand gegeben. Das Ergebnis rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan, die die Herausgeber wegen Verstoßes gegen den Obscene Publication Act aus dem Jahr 1959 anklagte.

Das Umschlagbild der Ausgabe 28 zeigte einige nackte Frauen mit mehr oder weniger obszönen Gesten und Handlungen; auch das kleine Bild eines jungen Mannes in Schuluniform und einem Kopfband ist darauf zu sehen. Einige Artikel und Illustrationen im Inneren des Magazins waren alles andere als jugendfrei, beispielsweise die Comics mit Rupert Bear oder die „school atrocities“. Hier kann man sich das Heft Seite für Seite ansehen.

Vor dem Londoner Gericht Old Bailey wurde den Herausgebern der Prozess gemacht, der von His Honour Michael Victor Argyle geleitet wurde. Der Verteidiger war der angesehene Rechtsanwalt John Mortimer, der später mit seinen Rumpole-Romanen und deren Verfilmungen große Popularität erlangte. Bis zu 15 Monaten Haft für die Oz-Herausgeber lautete das Urteil, das aber in einem Berufungsverfahren wieder aufgehoben wurde.

Der Prozess schlug damals hohe Wellen; die BBC verfilmte ihn 1991 unter dem Titel „The Trials of Oz„, unter anderem mit Hugh Grant und Simon Callow. Hier ist er in voller Länge zu sehen.

1973 wurde die Londoner Ausgabe des Oz-Magazins eingestellt.

Published in: on 18. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Wie kam es eigentlich zur Namensgebung der Supermarktkette Asda?

Die Asda-Zentrale in Leeds (West Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Nach Tesco und Sainsbury handelt es sich bei Asda um Großbritanniens drittgrößte Supermarktkette mit 145 000 Angestellten und über 600 Filialen. Sie ist im Besitz der beiden Geschäftsleute Mohsin und Zuber Issa, mehrfache Milliardäre mit indischen Wurzeln, die sie im Jahr 2020 von dem US-amerikanischen Konzern Walmart übernommen haben. Die Zentrale ist im Asda House in Leeds (West Yorkshire).

Die Gründung des Unternehmens geht in die 1920er Jahre zurück und führt in die Kleinstadt Knottingley in West Yorkshire. Dort hatte die Familie Asquith ein gut gehendes Fleischergeschäft; ja, es ging so gut, dass sie sich noch sechs weitere Filialen zulegten. Dabei blieb es, bis Peter und Fred Asquith im Jahr 1963 in Castleford, nicht weit von Knottingley entfernt und ebenfalls in West Yorkshire gelegen, in einem ehemaligen Kino einen Supermarkt eröffneten. Darin betrieb die Firma Dairy Associates ein Fleischergeschäft. Beide Firmen taten sich zusammen und nannten sich von da an Asda (Asquith + Dairy Associates). Erst wurden oben im Nordwesten Supermärkte aufgebaut, dann, in den 1970er Jahren, auch im Süden des Landes.

Neben Lebensmitteln verkauft Asda heute ein breites Spektrum von anderen Waren, hat eine eigene Modelinie, bietet Versicherungen an und hat eine eigene Radiostation, die alle Märkte rund um die Uhr mit Musik und Informationen versorgt.

Das Management von Asda plant, in den nächsten vier Jahren 300 neue Märkte zu eröffnen und Sainsbury vom zweiten Platz im Vereinigten Königreich zu verdrängen. Ob sich das Sainsbury gefallen lassen wird?

Peter Asquith, einer der Firmengründer, vor dem Asda House in Leeds.
Photo: Mtaylor848.
Creative Commons 4.0

Ein Asda-Supermarkt in Bodmin (Cornwall).
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Battle of Britain Memorial in Capel-le-Ferne in Kent

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Hat man den Eurotunnel von Frankreich nach England durchquert, so sind es nur wenige Autominuten bis man in Capel-le-Ferne, in Richtung Dover, das Battle of Britain Memorial erreicht, das an die Flugzeugbesatzungen erinnert, die an der Luftschlacht von England im Jahr 1940 teilgenommen haben. Am 9. Juli 1993 wurde es von der Königinmutter der Öffentlichkeit übergeben. Es kursierte die Geschichte, dass der Hubschrauberpilot, der die Dame nach Capel-le-Ferne flog, auf Grund des schlechten Wetters an der Küste eigentlich wieder umdrehen wollte, doch die Queen Mum soll ihm gesagt haben „My boys never turned back, we will carry on“.

Den Mittelpunkt des Memorials bildet ein Pilot, der auf einer Propellernabe sitzt und gedankenverloren auf den rund 500 Meter entfernten Ärmelkanal blickt. Geschaffen hat die Figur der Bildhauer Harry Gray aus Cambridge. Neben dem Piloten sind zwei britische Jagdflugzeuge zu sehen, eine Hawker Hurricane und eine Supermarine Spitfire; diese beiden Flugzeugtypen waren maßgeblich an der Abwehrschlacht beteiligt. Vor drei Jahren kam noch die Skulptur einer abgeschossenen deutschen Junkers JU 87 Stuka hinzu, die ein Münchener Bildhauer angefertigt hatte und den Namen „Down-two-Earth“ trägt.

Weiterhin ist auf dem Gelände des Battle of Britain Memorials die Christopher Foxley-Norris Memorial Wall zu sehen, benannt nach dem Air Chief Marshall der Royal Air Force, der selbst an der Luftschlacht mit einer Hawker Hurricane teilgenommen hatte. Die Mauer enthält in alphabetischer Reihenfolge ohne Angabe des Ranges die Namen aller, die mindestens einen Einsatz in der Schlacht geflogen sind. Eingeweiht wurde die Wall im Juli 2005 von HRH Prince Michael of Kent.

Schließlich kam im Jahr 2015 noch ein Besucherzentrum namens The Wing dazu, eingeweiht von der Queen persönlich, das in Form von Spitfire-Tragflächen gebaut worden ist. Es enthält die Scramble Experience, die über die Luftschlacht informiert, Schulungsräume, ein Café und einen Souvenirshop.

In diesem Film kann man sich einen Eindruck von dem Battle of Britain Memorial verschaffen.
Bitte nicht verwechseln mit dem Battle of Britain Monument am Londoner Victoria Embankment.

The Wall.
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Der Pilot und The Wing.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

„Down-two-Earth“.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Fox and Hounds in Caversham bei Reading in Berkshire – Schauplatz eines Auftritts der Nerk Twins im Jahr 1960

Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Am 23. April 1960, es war der Ostersamstag, besuchten zwei junge Männer aus Liverpool den Pub The Fox and Hounds in der Gosport Road Nummer 51 in Caversham, einem Vorort der Stadt Reading in Berkshire. Sie arbeiteten einige Stunden hinter dem Bartresen, zapften Bier für die durstigen Pubbesucher und bereiteten sich mental für ihren Auftritt am Abend vor, denn sie sollten im Fox and Hounds Musik machen. The Nerk Twins, wie sich die beiden Männer nannten, waren in Caversham unbekannt, aber das störte niemanden der Anwesenden, die sich am Samstag vor Ostern einfach nur amüsieren wollten. Die Nerk Twins begannen mit einem Song von Les Paul und Mary Ford, „The World is Waiting for the Sunrise„, den das Duo aus den USA zu einem Welterfolg gemacht hatte. Die weiteren Songs des Abends hatte ihnen der Gastwirt des Fox & Hounds vorgeschlagen. Übrigens: Die richtigen Namen der beiden Vortragenden waren John Lennon und Paul McCartney; die Wirtin war Pauls Cousine Betty.
Hätte man John und Paul damals gesagt, das viele Jahrzehnte später einmal eine blaue Plakette die Außenwand des Pubs verzieren würde, die auf ihren Kurzauftritt in Caversham hinweist, sie hätten es nie geglaubt. BBC Radio Berkshire hat im Jahr 2017 für die Erinnerungsplakette gesorgt. Die Handzettel, die John und Paul damals selbst für ihren Auftritt angefertigt hatten, existieren wohl nicht mehr. Sollte jemals einer von ihnen wieder auftauchen, hätte er in Sammlerkreisen einen geschätzten Wert von rund £100,000.

Aus dem Pool Room des Pubs haben die Besitzer einen Beatles Room gemacht mit Memorabilien des weltberühmten Quartetts, die sie unter anderem vom Cavern Club in Liverpool und der Beatles Society erhalten haben.
Hier ist ein kurzer Film über den Auftritt der Nerk Twins.

The Fox and Hounds
51 Gosbrook Road
Caversham RG4 8BS

Photo: Peter Olding.
Creative Commons 4.0

Published in: on 15. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Porlock Hill Road (A39) – Großbritanniens steilste A-Straße

Hier in Porlock gabeln sich die steile A39 und die gebührenpflichtige Umgehungsstraße.
Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

„Terrified“, „Never again“, „Not for timid drivers!“, das sind nur einige Anmerkungen im Tripadvisor über die A39 bei Porlock in Somerset, die als steilste A-Straße in ganz Großbritannien gilt. An einigen Stellen der Straße gibt es ein Gefälle beziehungsweise eine Steigung von 25%, das ist schon eine ganze Menge. „Escape Lanes„, also Notfallspuren, dienen dazu, Fahrzeugen mit heiß gelaufenen Bremsen auf der Talfahrt mit ihren Haarnadelkurven einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu bieten. Die Porlock Hill Road ist laut der Versicherungsgesellschaft Sterling Insurance, „Britain’s worst road for ascents and descents„, sogar noch vor dem Hardknott Pass in Cumbria und der Rosedale Chimney Bank in North Yorkshire. Schilder warnen am Beginn der Porlock Hill Road das Befahren mit Wohnwagenanhängern und empfehlen als Alternative, die gebührenpflichtige, sechs Kilometer lange Umgehungsstraße, die Scenic Woodland Toll Road, zu nehmen (sie kostet £3 pro PKW). Die A39 führt von Somerset nach Devon; auf der einen Seite ist der Atlantik, auf der anderen Seite das Exmoor zu sehen. Sie wird im weiteren Verlauf in Devon auch Atlantic Highway genannt.

Immer wieder ist in der Lokalpresse von Unfällen zu lesen, die sich auf diesem Teilstück der A39 ereignet haben. Manche Autofahrer, die derart steile Straßen nicht gewöhnt sind, unterschätzen die Gefährlichkeit dieser Strecke, schalten nicht frühzeitig zurück und stehen ständig auf der Bremse, was diese nicht besonders gern mag. Also: Vorsichtige und ängstliche Fahrerinnen und Fahrer sollten lieber die Toll Road nehmen, die deutlich geringere Steigungen aufweist.

Dieser Film zeigt eine Fahrt vom Porlock Village hinauf auf den Porlock Hill, von einer Dashcam aus gesehen.

Diesen LKW hat es auf der Talfahrt erwischt.
Photo © Neil Kennedy (cc-by-sa/2.0)

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Januar 2023 at 02:00  Comments (3)  

Charles Henry Rolle Hepburn-Stuart-Forbes-Trefusis, 20th Baron Clinton… und andere vergnügliche, englische Personennamen

Der im Titel genannte Baron Clinton. Portrait by unknown artist, collection of Devon County Council, Larkbeare House, Exeter.
This work is in the public domain.

Unvergessen ist ein Sketch aus der Feder des großartigen deutschen Humoristen Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, der den Titel „Die Inhaltsangabe“ trägt, wunderbar vorgetragen von seiner TV-Partnerin Evelyn Hamann. Darin gibt Evelyn Hamann als Fernsehansagerin den Inhalt der englischen Fernsehserie „Die zwei Cousinen“ wieder, in der es vor absonderlichen Eigennamen nur so wimmelt. Da spielen Lord und Lady Hesketh-Fortescue und Lord Molesworth-Houghton eine Rolle, die in Middle Fritham, Nether Addlethorpe und North Cothelstone Hall wohnen und agieren.

Im „richtigen“ Leben kamen und kommen solche Namen in England immer wieder vor und einige von ihnen, die in den letzten Wochen meine Wege gekreuzt haben, stelle ich heute einmal vor.

Da gab es einmal einen Mann mit dem ungewöhnlichen Vornamen Clotworthy, der den Nachnamen Skeffington trug und der der 2. Earl of Massereene war (1742-1805). Der Mann aus eigentlich wohlhabendem Hause häufte einen enormen Schuldenberg an und verbrachte viele Jahre im Gefängnis. Er fiel im Alter von 14 Jahren von einem Pferd und soll dadurch einen permanenten Hirnschaden erlitten haben, der sein exzentrisches Verhalten möglicherweise erklären kann.

Alan James Montagu-Wortley-Mackenzie, 4th Earl of Wharncliffe (1935-1987) war Mitglied des britischen Oberhauses, spielte aber auch Schlagzeug in einer Rockband und arbeitete als Gastwirt, Kfz-Mechaniker und Handelsvertreter.

Sehr schön finde ich den Namen Colonel Charles de Laet Waldo Sibthorp (1783-1855), ein exzentrisches Parlamentsmitglied, das den Wahlkreis Lincoln vertrat, und der vor allem dadurch bekannt war, dass er praktisch alle Vorschläge, die im Unterhaus eingebracht wurden, torpedierte und reformerische Ideen hasste.

Captain Frederick August Thistlethwayte (1830-1887) war ein Offizier der britischen Armee, der für einen Skandal in der Londoner Gesellschaft sorgte, als er eine Edel-Prostituierte heiratete. Er hatte die (unangenehme) Eigenart, seinen Diener herbeizurufen, indem er mit seinem Revolver durch die Zimmerdecke schoss… und sich dabei schließlich tödlich verletzte.

Zum Schluss mein Favorit: Charles Henry Rolle Hepburn-Stuart-Forbes-Trefusis, 20th Baron Clinton (1834-1904), erst Parlamentsabgeordneter, dann im House of Lords anzutreffen. Er war auch Lord of the Manor eines Dorfes in Devon, das den ebenfalls schönen Namen Sheepwash trägt.

Published in: on 13. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Rachel Lichtenstein: Estuary – Out from London to the Sea

Foto meines Exemplares.

Das neue Jahr ist erst zwölf Tage alt, und ich habe möglicherweise schon mein persönliches Buch des Jahres 2023 entdeckt. Es handelt sich um Rachel Lichtensteins Buch „Estuary – Out from London to the Sea„, schon 2016 erschienen, doch es hat seinen Weg erst im letzten Dezember auf meinen Schreibtisch gefunden.

Mit dem „Estuary“ ist der Mündungstrichter der Themse gemeint, der sich an den Küsten von Essex und Kent entlang zieht. Fünf Jahre lang hat die Autorin über diese außergewöhnliche Region Englands recherchiert und sie immer wieder bereist. Rachel Lichtenstein ist ein großartiges Buch gelungen! Durch ihre wundervolle Sprache versteht sie es, die Atmosphäre dieser von Wasser geprägten Landschaft wiederzugeben, die nicht allzu viele Englandbesucher vom Kontinent anlockt.

Einige Beispiele: Wir besuchen Schiffswracks, von denen es in der Themsemündung jede Menge gibt, zum Beispiel das Wrack der SS Montgomery, das vor der Küste der Isle of Sheppey liegt. Das amerikanische Munitionsschiff lief 1944 auf eine Sandbank auf und in ihm liegt noch sehr viel Munition, die jederzeit explodieren könnte und eine Katastrophe auslösen würde.

Rachel Lichtenstein nimmt uns mit auf die eigenartigen, wie Wesen aus einer fremden Welt aussehenden Maunsell Forts, die mitten im Wasser stehen und die im Zweiten Weltkrieg als Seefestungen zur Küstenverteidigung dienten. In den 1960er Jahren siedelten sich darauf eine Zeit lang Piratensender an; einer ihrer Betreiber, Paddy Roy Bates, gründete später auf einem der Forts die unabhängige Mikronation Principality of Sealand, die im Guinness Book of Records als „the smallest area to lay claim to nation status“ geführt wird.

Wir hören im Kapitel „Cockling“ von der schweren Arbeit an Bord der Muschelsucherschiffe, besuchen die dem britischen Verteidigungsministerium unterstellte Foulness Island in Essex und treffen den Fishwives Choir, den Witwen von auf dem Meer ums Leben gekommenen Fischern gegründet wurde.

Das Buch endet mit einer Segelbootfahrt, an der Rachel Lichtenstein teilnimmt, die kreuz und quer durch den „estuary“ der Themse führt und die einfach großartig beschrieben ist. Das Buch ist ein Volltreffer und absolut empfehlenswert!!

Rachel Lichtenstein: Estuary – Out from London to the Sea. Penguin Books 2017. 327 Seiten. ISBN 978-0-141-01853-9. (Diese Angaben beziehen sich auf meine Taschenbuchausgabe, die Original Hardcoverausgabe erschien bei Hamish Hamilton 2016).

Das Schiffswrack der SS Montgomery.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Maunsell Forts.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Muschelsucherboote in Essex.
Photo © David Williams (cc-by-sa/2.0)

Foulness Island.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

The Gatehouse der Upton Cresset Hall in Shropshire

Das Gatehouse.
Photo: carolyngifford.
Creative Commons 2.0

Upton Cressett Hall ist ein elisabethanisches Manor House, das im 16. Jahrhundert erbaut worden ist und das der Cressett-Familie einige Jahrhunderte lang als Familiensitz diente. Auch dieses Haus geriet in den 1960er Jahren in Gefahr, allmählich zu verfallen, bis es 1969 von dem konservativen Politiker und Parlamentsabgeordneten Sir William Cash gekauft wurde, der es restaurieren ließ und in dem heute sein Sohn, der Schriftsteller und Journalist William Cash, zusammen mit seiner Frau, Lady Laura Cathcart, wohnt, die sich in der britischen Gesellschaft durch ihre exklusive Hutmacherei einen Namen gemacht hat.

Vor Upton Cressett Hall steht das Gatehouse, das ebenfalls im 16. Jahrhundert erbaut worden ist und dessen Räume zu mieten sind. Shropshire Tourism hat dem Gatehouse fünf Sterne verliehen für seine außergewöhnliche Lage, seine Einrichtung und seinen sehr hohen Wohnkomfort. Zwei Suiten stehen in dem Gebäude zur Verfügung, die Prince Rupert Suite und die Thatcher Suite, benannt nach zwei prominenten Gästen, die hier schon übernachteten. Prince Rupert war eigentlich kein richtiger Gast, er versteckte sich vielmehr 1646 in dem Gatehouse vor den parlamentarischen Truppen. Die Suite erreicht man über eine hölzerne Wendeltreppe, die Highlights darin sind das Himmelbett und eine frei stehende Badewanne.

Margaret Thatcher und ihr Ehemann wohnten im Gatehouse einmal im Jahr 1994 auf Einladung ihres Parteifreundes und Besitzers von Upper Cressett Hall, Sir William Cash. Nach ihrem Besuch wurde die Suite nach der ehemaligen Premierministerin benannt. Zum Gatehouse gehört ein eigener Garten mit einem Springbrunnen.

Auf dem Gelände der Hall stehen noch weitere Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung: Das Moat House, das Coach House und das Cider House.

Wer Upton Cressett Hall einmal besichtigen möchte, der kann das an einigen ausgewählten Tagen mittels „Invitation to View“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) tun und wird dann vielleicht von den Hauseignern selbst geführt.

Hier ist ein Film über das Gatehouse und die Hall.

Upton Cressett Hall
Upton Cressett
Nr Bridgnorth
Shropshire
WV16 6UH

Das Gatehouse aus einer anderen Perspektive.
Photo: carolyngifford.
Creative Commons 2.0

Upton Cressett Hall.
Photo: Plashing Vole.
Creative Commons 2.0

Published in: on 11. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

Der Pub Saving Award der CAMRA

The Plough Inn in Longparish (Hampshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

The Pub Saving Award recognises people that have come together to save a pub that would have otherwise been demolished or converted to another use. It aims to secure publicity for pub-saving campaigns to encourage others to save their local„.

So steht es auf den Webseiten der CAMRA, der Campaign for Real Ale, zu lesen. Immer wieder habe ich in meinem Blog über die Initiativen geschrieben, die in England unternommen werden, um Pubs am Leben zu erhalten beziehungsweise, sie wieder ins Leben zurückzuholen, zuletzt war es The Brewers Arms in West Malvern in Worcestershire.

Die einflussreiche CAMRA unterstützt diese Initiativen, zum Beispiel durch die Vergabe des Pub Saving Awards, der für das Jahr 2022 dem The Plough Inn in Longparish in der Grafschaft Hampshire zugesprochen worden ist. Das Dorf am River Test rettete seinen Pub, der im Jahr 1721 erbaut und im Dezember 2015 geschlossen worden ist, vor dem endgültigen Ende. Eigentlich sollte der Gasthof in ein Wohnhaus umgebaut werden, doch jetzt fließen aus den Zapfhähnen des Pubs wieder Ale und andere Getränke, und das Dorf kann stolz auf sich sein.

Auf dem zweiten Platz landete ein Pub, der schon im Mai 2014 geschlossen worden war, und der durch die hartnäckigen Bemühungen der Bewohner des 500-Einwohner Ortes mit dem schönen Namen Helions Bumpsteads in Essex gerettet wurde: The Three Horseshoes. Im Dezember 2021 konnte er nach umfangreichen Umbaumaßnahmen seinen vollen Betrieb wieder aufnehmen; die CAMRA würdigte das.

The Three Horseshoes in Helions Bumpstead (Essex).
Photo © Robert Edwards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Garden House Riot in Cambridge am 13. Februar 1970

Schauplatz der Demonstrationen: Das Hotel an der Cam.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Es liegt schon eine Weile zurück, dass ich einige Tage im Garden House Hotel in Cambridge am Ufer des River Cam übernachtet habe. Damals wusste ich noch nicht, dass genau in und an diesem Hotel am 13. Februar 1970 eine aufsehenerregende studentische Demonstration stattgefunden hatte. Das Hotel existiert nicht mehr unter diesem Namen, doch darüber mehr am Ende des Beitrags.

Die geballte Wut der Studenten richtete sich gegen eine „Griechische Woche“, die der griechische Fremdenverkehrsverband in Cambridge ausgerufen hatte; sie hatten nichts gegen Griechenland, aber gegen die Militärdiktatur, die das Land von 1967 bis 1974 beherrschte, und die das Event in Cambridge initiiert hatte. Am 13. Februar 1970 sollte, sozusagen als Höhepunkt der griechischen Tage, ein Bankett im Garden House Hotel stattfinden, zu dem 120 Gäste geladen waren. Zuerst versuchten die Demonstranten, die Gäste am Betreten des Hotels zu hindern, dann wurde laute Musik des Regimegegners Mikis Theodorakis gespielt, schließlich drangen einige der Studenten in das Hotel ein, randalierten und verursachten Schäden an der Einrichtung. Die Polizei rückte mit einem großen Aufgebot an, vertrieb die Demonstranten und nahm einige fest. Fünfzehn von ihnen wurden vor Gericht gestellt und zu harten, nach Meinung vieler, zu viel zu harten Strafen verurteilt, die Richter Sir Aubrey Melford Steed Stevenson aussprach, ein umstrittener Richter, der einmal von einem Kollegen als „the worst judge since the war“ tituliert worden war. Die Urteile wurden kontrovers diskutiert, der Präsident der National Union of Students, Jack Straw (der von 1997 bis 2001 britischer Innenminister wurde), warf dem Gericht Diskriminierung von Studenten vor.

Zwei Jahre nach dem Garden House Riot brannte das Hotel ab, zwei Gäste kamen dabei ums Leben. Die Brandursache konnte nie vollständig geklärt werden. Das Hotel wurde wieder aufgebaut und erlitt, vier Jahre nach dem Brand, eine weitere Katastrophe, als bei einem Unwetter der River Cam über die Ufer trat und das Garden House Hotel flutete. Es wurde später von der Hilton-Gruppe übernommen und zu einem ihrer Doubletree-Häuser umgewandelt (siehe dazu meinen Blogeintrag). Jetzt firmiert es unter dem Namen Graduate Cambridge und gehört der US-amerikanischen Firma Graduate Hotels, die in Oxford auch das von mir geliebte Randolph Hotel betreibt. Das Restaurant im Graduate Cambridge heißt, in Erinnerung an den früheren Hotelnamen, Garden House.

Published in: on 9. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

The English Place Name Society – Eine Gesellschaft, die sich der Erforschung englischer Ortsnamen widmet

Hier im Trent Building der Universität von Nottingham ist das Institute for Name Studies untergebracht.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Wer sich wissenschaftlich mit der Herkunft englischer Ortsnamen beschäftigen will, kommt an der „Survey of English Place-Names“ nicht vorbei, einer Publikation der English Place Name Society. 1925 bereits erschien der erste Band, der sich mit der Grafschaft Buckinghamshire beschäftigte. Mittlerweile liegt Band 91 vor, der im Jahr 2016 erschien, mit dem Titel „The Place-Names of Leicestershire Part 7„. Bis zu £45 kostet so eine Publikation, die direkt bei der English Place Name Society, aber auch im Buchhandel erhältlich ist.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1923 von Sir Allen Mawer, der seinerzeit Professor für Englische Sprache an der Universität von Liverpool war. Je nachdem, wo Mawer, beziehungsweise später seine Nachfolger lehrten, zog die Gesellschaft mit und so wanderte sie unter anderem von Liverpool nach London, Reading und Cambridge. Der heutige Sitz der English Place Name Society ist seit 1972 die Universität von Nottingham, wo sie dem Institute for Name‑Studies angegliedert ist. Der momentane Präsident der Gesellschaft ist der Sprachwissenschaftler Professor Richard Coates, der in der Buchreihe „Your city’s place-names“ der Gesellschaft mehrere Bände veröffentlicht hat, zum Beispiel über Bristol und Cambridge.

Neben der „Survey“ publiziert die Gesellschaft noch ein jährlich erscheinendes „Journal“ und Einzeltitel wie beispielsweise „The Church in English Place Names“ oder „English Inn and Tavern Names„.

Wer ein handliches Nachschlagewerk über die Ortsnamen ganz Großbritanniens haben möchte, dem kann ich Adrian RoomsDictionary of Place Names in the British Isles“ empfehlen, das ich selbst seit Jahren verwende.

The English Place Name Society
Institute for Name‑Studies
School of English
University of Nottingham
University Park
Nottingham
NG7 2RD

Foto meines Exemplares.

Published in: on 8. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen