Die Londoner Elizabeth Line und die Auswirkungen auf die Endstationen

Der neue Bahnhof von Reading in Berkshire, am westlichen Ende der Elizabeth Line.
Photo © Chris Wood (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollte die neue Elizabeth Line in London im Laufe des Jahres 2019 ihren Betrieb aufnehmen, aber wie das nun mal bei Großbauprojekten ist, verzögert sich die Eröffnung wahrscheinlich bis Ende 2021. Die auch Crossrail genannte Strecke soll in West-Ost-Richtung quer durch London verlaufen und die Endpunkte Reading in Berkshire mit Shenfield in Essex verbinden. Schätzungsweise £18.25 Milliarden werden die Baukosten betragen, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten Kosten. Etwa 110 Kilometer werden die 200 Meter langen Züge der Elizabeth Line pro Strecke zurücklegen, davon 20 Kilometer unterirdisch. Die Fahrtdauer zwischen den Stationen wird deutlich verringert, zum Beispiel von Abbey Wood im östlichen Bereich der Linie zum Flughafen Heathrow statt 93 Minuten nur noch 52 Minuten oder, innerhalb Londons, von der Bond Street nach Paddington nur noch 3 Minuten anstelle von 15 Minuten.

Gerade für Pendler ist die Elizabeth Line interessant und viele überlegen sich ernsthaft, ob sie nicht aus London wegziehen und sich in den Home Counties niederlassen, wenn sie so schnell in der City sein können, was natürlich schon jetzt zu einem rasanten Anstieg der Hauspreise in diesen Regionen geführt hat. Vor allem Berkshire und Buckinghamshire erfreuen sich großer Beliebtheit, die Preise dort gehen kontinuierlich nach oben. In Reading (Berkshire) beispielsweise sind die Hauspreise in zehn Jahren um über 35% gestiegen, auf durchschnittlich £426 000. Auch in der Region Slough in Berkshire sind die Preise für Häuser und Wohnungen drastisch gestiegen.

Der Bahnhof von Reading ist schon vor einigen Jahren komplett umgebaut worden, weil man nach Fertigstellung der Elizabeth Line mit sehr viel mehr Passagieren rechnet. Queen Elizabeth hat ihn am 17. Juli 2014 eröffnet. Rund £900 Millionen haben die kompletten Bauarbeiten gekostet. Auch andere Bahnhöfe wurden umgebaut, wie der von Abbey Wood (Greater London) auf dem östlichen Teil der Strecke (2017 neu eröffnet).

Ich frage mich, wer sich diese enorm hohen Hauspreise in diesen Pendlerorten eigentlich leisten kann. Menschen mit geringerem Einkommen können sich weder London noch den „commuter belt“ leisten und müssen noch weiter von der Hauptstadt entfernt wohnen, mit entsprechend längeren Fahrzeiten zum Arbeitsplatz in London, das ist keine schöne Entwicklung, die aber schon vor vielen Jahren begonnen hat.

Das östliche Ende der geplanten Elizabeth Line, der Bahnhof von Shenfield in Essex.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 19. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces

Foto meines Exemplares.

Daniel Gray macht sich in seinem Buch „Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces“ auf eine Reise durch Englands Fußballwelt und besucht Vereine von der Premier League bis hinunter zu den untersten Spielklassen, dabei lässt er die ganz großen Stars in London, Manchester und Liverpool aus.

Daniel Gray beginnt seine Reise in Middlesbrough in North Yorkshire, wo er ein Spiel des örtlichen Vereins Middlesbrough FC gegen Brighton & Hove Albion im Riverside Stadium besucht. Wer sich für die detaillierten Spielbeschreibungen in den einzelnen Kapiteln des Buches nicht so interessiert, kann diese natürlich überschlagen, aber es bleibt noch genügend Interessantes über, denn Gray beschäftigt sich auch intensiv mit den Städten, die er besucht. Die Leser des Buches bekommen Hintergrundinformationen beispielsweise über Sheffield (South Yorkshire) und Luton (Bedfordshire), Watford (Hertfordshire) und Carlisle (Cumbria).

Daniel Grays letzte Reise von seinem Wohnort Edinburgh führt ihn in die tiefe Provinz, nämlich nach Newquay in Cornwall, zum Newquay AFC Football Club, wo die Peppermints beheimatet sind, die zur Zeit in der Southwest Peninsula League spielen. Der Autor besucht ein Spiel des Verein in ihrem Mount Wise Stadium gegen den Ivybridge Town Football Club aus Devon.

Die im Buchtitel genannten „nicknames“ beziehen sich auf die Fußballvereine Luton Town (The Hatters) aus Bedfordshire, Crewe Alexandra (The Railwaymen) aus Cheshire und Hinckley United (The Knitters) aus Leicestershire. Letzerer wurde 2013 aufgelöst und sowohl durch den Hinckley A.F.C. als auch den Leicester Road Football Club (deren Spieler sich nach wie vor The Knitters nennen) ersetzt.

Mir als gemäßigtem Fußballfan hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Passagen, in denen Daniel Gray die Städte vorstellt.

Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces. Bloomsbury 2014. 312 Seiten. ISBN 978-1-4088-3099-4.

Das Stadion der Hatters (Luton Town FC) .
Photo © Barry Ephgrave (cc-by-sa/2.0)

Hier ist der Club Crewe Alexandra (The Railwaymen) beheimatet.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

…und hier im Marston’s Stadium trugen die Knitters von Hinckley United ihre Heimspiele aus.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pubschilder – The Rose & Crown in Tilshead (Wiltshire)

Kaum waren Prince William und Kate Middleton verheiratet und zum Duke and zur Duchess of Cambridge geworden, hatte man schon das erste Pubschild mit dem Konterfei der beiden aufgestellt und zwar in Tilshead, einem kleinen Dorf in Wiltshire auf der Salisbury Plain und der Pub heißt „The Rose & Crown„. Ich finde, die beiden sind ganz gut getroffen auf dem Schild. Ich fuhr kürzlich durch Tilshead, das an der A360 liegt. Stonehenge, Avebury und Longleat sind nicht weit entfernt und so bekommt der Pub auch etwas von den Touristenströmen ab, die sich durch Wiltshire ziehen.

Im vorigen Jahr wurde The Rose & Crown für £395 000 an Dr Priya Naraynsingh and Riccardo Grigolo verkauft, renoviert und als Gastropub mit italienischer Küche wieder neu eröffnet.

Meines Wissens ist dies der einzige Pub in Großbritannien, dessen Schild das Konterfei der beiden Cambridges ziert.

The Rose & Crown
High Street
Tilshead
Wiltshire
SP3 4RY
 

Published in: on 17. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mein DVD-Tipp – „An Inspector Calls“

An Inspector Calls“ ist wohl das bekannteste Bühnenstück des Schriftstellers John Boynton Priestley, das 1945 erstmals in Moskau aufgeführt wurde; ein Jahr später erlebte es seine Premiere in England im Londoner Noel Coward Theatre. Die erste Verfilmung erfolgte 1954, in dem Alastair Sim die Rolle des Inspektors spielte. 1981 produzierte die BBC eine dreiteilige Miniserie, in der Bernard Hepton die Hauptrolle übernahm und am 13. September 2015 strahlte die BBC eine Neuverfilmung des Stoffes aus, die als DVD seit dem 15. November 2019 auch in deutscher Synchronisation erhältlich ist. Hier ist der Trailer.

In dem Bühnenstück/Film geht es um eine Familienfeier im Norden Englands im Jahr 1912, bei der die Birlings, eine wohlhabende Fabrikantenfamilie, die Verlobung ihrer Tochter Sheila mit dem ebenfalls wohlhabenden Fabrikantensohn Gerald Croft zelebrieren. Mitten in die Feier platzt Inspektor Goole mit der Nachricht, dass ein junges Mädchen namens Eva Smith Selbstmord begangen hat. Nach und nach konfrontiert der Inspektor die Anwesenden mit der Tatsache, dass sie alle in irgendeiner Form an dem Tod des Mädchens mitschuldig sind. Aus der friedlichen Feier wird ein Horroszenario. Am Ende des Films stellt sich heraus, dass es bei der örtlichen Polizei gar keinen Inspektor mit dem Namen Goole gibt, auch von einem Selbstmord ist nichts bekannt. Wer ist der mysteriöse, angebliche Polizist? Priestley hat hier ein Gesellschaftsdrama mit einem Mysterythriller verwoben, das den Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält.

Die BBC-Verfilmung ist sehr gut gelungen mit überzeugenden Schauspielern. Inspector Goole wird von David Thewlis verkörpert (der die Figur des Remus Lupin in den Harry Potter-Filmen spielte). Ken Stott ist das Familienoberhaupt Arthur Birling, Miranda Richardson seine Frau Sybil. Chloe Pirrie spielt die Tochter Sheila und Finn Cole ihren Bruder Eric. Sheilas Verlobter Gerald Croft wird von Kyle Soller verkörpert und Eva Smith von Sophie Rundle.

Gedreht wurde der Film überwiegend in Yorkshire. Das imposante Haus der Familie Birling ist Scampston Hall, das dem Unternehmer und Managing Director der Textilfirma Joseph Turner, Christopher Legard, gehört. Hier ist ein Film über die Hall, die bei Malton in North Yorkshire liegt. Die Außenaufnahmen der Fabrik der Birlings sind in Saltaire in West Yorkshire gedreht worden, die Innenaufnahmen dagegen in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire), einer ehemaligen Fabrik, in der heute ein Textilmuseum untergebracht ist.

Mich hat der Film sehr fasziniert. Die Anfangsszenen erinnerten mich an „Downton Abbey“; Agatha Christie hätte das Drehbuch auch nicht besser schreiben können.

Saltaire in West Yorkshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Baumwollwebstühle in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire).
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)

Scampston Hall bei Malton (North Yorkshire).
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Fahren auf englischen Landstraßen – Einige persönliche Anmerkungen

Eine schmale Landstraße in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mit meinem Auto in England unterwegs bin, stelle ich mein Navigationsgerät nicht mehr auf „kürzeste Verbindung“ ein, denn immer wieder hat es mich auf Wege geführt, die ich eigentlich nicht befahren wollte. Gerade im letzten Jahr, als ich im Oktober/November durch den Süden und Südwesten Englands fuhr, waren die kleinen Fahrwege durch den vielen Regen aufgeweicht und stark verschmutzt, und ich hasse es, mit einem dreckigen Auto unterwegs zu sein. Landstraßen in England sind häufig von hohen Hecken umstanden, kurvig, schwer einsehbar und manchmal auch nur einspurig. Es gibt zwar viele Ausweichbuchten, doch sind die immer am schmutzigsten. Bei Gegenverkehr klappt es eigentlich meistens ganz gut…wenn einem nicht ein riesiger Traktor entgegenkommt. Man ist sehr höflich, bedankt sich immer, wenn man die Ausweichbucht aufsucht und dem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lässt. Ohne Navigationsgerät wäre man häufig in diesem Netz von Kleinststraßen verloren, denn die Beschilderung ist nicht die beste.

Das Fahren auf Landstraßen generell ist nicht ungefährlich; etwa 60% aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich dort. Das Risiko für Autofahrer, auf Landstraßen getötet zu werden, ist doppelt so hoch wie auf städtischen Straßen, für Motorradfahrer dreimal so hoch. Im Vergleich zu Autobahnen sieht es sogar noch schlechter aus: Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist elfmal höher als auf Autobahnen (laut Department for Transport). Durchschnittlich sterben drei Menschen pro Tag auf den „rural roads“. Fahrfehler und mangelnde Aufmerksamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle auf allen Straßen des Landes; zu schnelles Fahren in unübersichtlichen Kurven stellt ein weiteres Problem auf den „country roads“ dar.

Glücklicherweise bin ich bei meinen zahllosen Fahrten durch England nur ein einziges Mal in einen kleinen Unfall verwickelt worden, und das war in North Yorkshire in einem Kreisverkehr, wobei es aber lediglich zu einem Blechschaden bei meinem und dem anderen Auto kam.

Eigentlich fühle ich mich auf den Straßen Englands sicher, trotz links gelenktem Auto. Die allermeisten Autofahrer mit denen ich es zu tun hatte, waren eher defensiv eingestellt. Überholen auf Landstraßen kam recht selten vor. Aber möglicherweise haben andere Englandreisende ganz andere Erfahrungen gemacht.

Wenn einem dieser LKW entgegenkommt wird es eng, dann heißt es, rein in den Matsch einer Ausweichbucht.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ein Unfall auf einer Landstraße in Suffolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Minarette in England im Bild

Das 35 Meter hohe Minarett der Morden Mosque in London.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Schätzungsweise 1300 bis 1600 Moscheen gibt es zur Zeit in Großbritannien, von kleinen unscheinbaren Häusern bis hin zu prächtigen Gebäuden; die größte von ihnen ist die Morden Mosque im Londoner Stadtteil Morden, die im Jahr 2003 für £15 Millionen fertiggestellt wurde und in die rund 13 000 Menschen passen. Die Moscheen dienen den Anhängern der islamischen Religion in Großbritannien, die etwa 4,4% der Bevölkerung darstellen.

Diskutiert wird im Land immer wieder über die Frage, ob die Moscheen auch mit Minaretten versehen werden sollen. Nach einer Umfrage, die allerdings schon einige Jahre alt ist, sollen sich 37% aller Briten für ein Bauverbot von Minaretten ausgesprochen haben.

Die erste Moschee auf britischem Boden wurde 1889 in Liverpool von Abdullah William Quilliam in Betrieb genommen; sie befand sich in einem Reihenhaus. In Woking in Surrey entstand 1889 die erste Moschee, die eigens für den Zweck der Religionsausübung gebaut wurde, die Shah Jahan Mosque.

Mit dem Thema hat sich Shahed Saleem in seinem 2018 erschienen Buch „The British Mosque: An architectural and social history“ auseinandergesetzt; hier ist ein ergänzender kurzer Film.

Ich habe einmal einige Foto-Beispiele für Minarette auf englischem Boden herausgesucht:

Die Jama Al-Karim Mosque in Gloucester (Gloucestershire).
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Das Minarett der Maidenhead Mosque in Berkshire.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Süleymaniye Mosque in Haggerston (East London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day

Foto meines Exemplares.

Das erste Mal, dass ich mit dem Namen Clemency Burton-Hill konfrontiert wurde, war in der „Inspector Barnaby„-Episode 37 „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), wo sie die Hetty Trent spielte; eine sehr hübsche junge Dame. Ich schrieb über sie in meinem Blog.

Clemency Burton-Hill ist außerordentlich vielseitig; neben ihren Aktivitäten als Schauspielerin, die sie inzwischen aufgegeben bzw. zurückgestellt hat, machte sie vor allem durch ihre musikalischen Auftritte von sich reden. Als Violinistin spielte sie bereits in der Mailänder Scala, in der Boston Symphony Hall und in anderen namhaften Veranstaltungsorten. Im britischen Rundfunk moderierte sie Sendungen mit klassischer Musik und ist jetzt Creative Director beim New Yorker Sender WQXR, der ausschließlich dieses Musikgenre spielt.

Im Jahr 2017 veröffentlichte Clemency Burton-Hill das Buch „Year of Wonder – Classical Music for Every Day„, das im Oktober letzten Jahres auf Deutsch unter dem Titel „Ein Jahr voller Wunder: Klassische Musik für jeden Tag“ erschien. Mit diesem Buch versucht sie, das Interesse an klassischer Musik zu wecken: „What I am determined to do…is to extend a hand to those who feel that the world of classical music is a party to which they haven’t been invited„. Für jeden Tag des Jahres hat die Autorin ein Musikstück ausgewählt, das sie auf jeweils einer Seite vorstellt und auch über die Komponisten informiert.  Das beginnt bei Hildegard von Bingen im Mittelalter und endet bei Alissa Firsova, einer russisch-britischen Komponistin Jahrgang 1986.

Dank youtube und anderen Streamingdiensten kann man sich die ausgewählten Musikstücke täglich anhören (wie ich das tue), eine sehr interessante Möglichkeit, klassischer Musik näherzukommen. Ein Beispiel: Für den heutigen Tag, den 13. Januar, hat Clemeny Burton-Hill Clara Schumanns „Drei Romanzen opus 22 Andante Molto“ ausgesucht.

Ein hochinteressantes Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day. Headline Publishing 2018. 442 Seiten. ISBN 978-1-4722-5230-2 (Taschenbuchausgabe).

Clemency Burton-Hill: Ein Jahr voller Wunder – Klassische Musik für jeden Tag. Diogenes-Verlag 2019. 464 Seiten. ISBN 978-3257070897.

Published in: on 13. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Tortworth Chestnut – Ein wunderschöner alter Baum an der St Leonard’s Church bei Tortworth (Gloucestershire)

Um die St Leonard’s Church bei Tortworth in der Grafschaft Gloucestershire herum trifft man auf wunderschöne Bäume. Der älteste unter ihnen ist die Tortworth Chestnut, eine Kastanie, die möglicherweise um das Jahr 800 herum gepflanzt worden ist, zu einer Zeit als König Egbert regierte. Das meinte jedenfalls Peter Collinson, ein Fellow der Royal Society im 18. Jahrhundert und leidenschaftlicher Botaniker. Andere Schätzungen über das Alter des Kastanienbaums gehen in Richtung 12. bzw. 13. Jahrhunderts. Wie auch immer, der Baum ist sehr alt und beeindruckt durch sein gewaltiges Wurzelwerk und seine riesigen, knorrigen Äste. Der Umfang beträgt über zwölf Meter und jedes Jahr nimmt der Baum um 4 cm zu.

Der Tree Council nahm die Tortworth Chestnut 2002 in seine Liste „The Great British Treesauf, in der fünfzig bedeutende Bäume Großbritanniens verzeichnet sind. Die Kastanie ist in der Liste in guter Gesellschaft, denn darauf stehen unter anderen auch die Royal Oak in Boscobel (Shropshire), die Ankerwycke Yew in Wraysbury (Berkshire) und die Bowthorpe Oak in Bourne (Lincolnshire).

Zur Orientierung: Man findet den Baum bzw. die St Leonard’s Church an der Tortworth Road, die von der B4509 abzweigt und die wiederum von Ausfahrt 14 der Autobahn M5 zu erreichen ist.
Ganz in der Nähe steht auch das Country House Hotel De Vere Tortworth Court, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

 

Published in: on 12. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Der Burnley Miners Social Club und ein französischer Kräuterlikör

Der Burnley Miners Social Club in der Plumbe Street.
Photo © Robert Wade (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal eine Zeit, in der ich gern Cocktails mixte und zu den vielen Zutaten, die man dazu benötigt, gehörte auch eine Flasche Bénédictine, ein französischer Kräuterlikör, der in Fécamp in der Normandie hergestellt wird. Bei einem Normandie-Urlaub kam ich in Fécamp auch an der Produktionsstätte dieses Getränkes vorbei, einem riesigen Palais mitten in der Stadt.

Wer mag wohl einer der Hauptabnehmer dieses 40% starken Likörs sein? Der Burnley Miners Social Club in Burnley in der Grafschaft Lancashire. Über 1000 Flaschen Bénédictine werden hier pro Jahr getrunken und das ist ein Rekord; nirgendwo auf der Welt wird an einem Ort soviel von diesem Getränk konsumiert wie in diesem Club, der früher einmal von Bergleuten frequentiert wurde, von denen es heute keine mehr in der Region gibt. Auch im Stadion des örtlichen Fußballvereins, dem Burnley F.C., wo die Clarets spielen, wird reichlich Bénédictine ausgeschenkt, pro Spiel sollen es rund 30 Flaschen sein. So wundert es nicht, dass die französische Firma einer der Sponsoren des zur Zeit in der Premier League spielenden Clubs ist.

Gern wird in Burnley „Bene ’n‘ ‚ot“ bestellt, auch „Bene & Hot“ genannt, dass ist ein Mix aus einem Teil Bénédictine und einem Teil heißem Wasser; wer es etwas „zahmer“ haben möchte, kann den Anteil des heißen Wassers erhöhen. An kalten Wintertagen kann das die Zuschauer im Stadion Turf Moor bzw. im Miners Social Club ordentlich aufwärmen.

Wie kam es nun zu dieser recht ungewöhnlichen Allianz zwischen einem französischen Likör und einer Stadt im Norden Englands? Ende des Ersten Weltkriegs war das 11. Bataillon des East Lancashire Regiments, die Accrington Pals,  in der Nähe von Fécamp stationiert. Dort entdeckten die Soldaten den Kräuterlikör und mixten ihn mit heißem Wasser, was ihnen nach den schrecklichen Kriegserlebnissen gut tat. Als sie wieder in die Heimat zurückgekehrt waren, behielten sie ihre Vorliebe für den Bénédictine und das wärmende Mixgetränk bei, und das blieb in Burnley so bis heute.

Turf Moor: Das Fußballstadion des Burnley F.C.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Das Palais Bénédictine in Fécamp in der Normandie.
Attribution: I, Pierrenoel.
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Published in: on 11. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Bullingdon Club – Eine exklusive Studentenvereinigung in Oxford

The Jolly Woodman bei Burnham; diente im Film „The Riot Club“ als der Pub, der von den Studenten verwüstet wurde.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0).

Gestern sah ich mir den englischen Spielfilm „The Riot Club“ (dt. „The Riot Club“) aus dem Jahr 2014 an. Darin geht es um eine elitäre Studentenvereinigung in Oxford, für deren Mitglieder Geld keine Rolle spielt und die sich regelmäßig treffen, um sich sinnlos zu betrinken und Drogen zu nehmen. Die Hälfte des Films besteht aus Szenen in einem Pub namens The Bulls Head (gedreht wurde im The Jolly Woodman in Burnham in Buckinghamshire), in dem sich die jungen Herren treffen und den sie am Ende ihres Gelages komplett auseinandernehmen und den Wirt krankenhaus reif schlagen. Klingt irgendwie abgedreht und wirklichkeitsfremd, ist es aber nicht, denn der Riot Club im Film basiert auf dem tatsächlich existierenden Bullingdon Club, den es schon seit 1780 in Oxford gibt. Die Mitglieder stammen aus reichen Elternhäusern und es nicht leicht, in den Club aufgenommen zu werden. Zum Aufnahmeritual gehört zum Beispiel, dass die Unterkunft des neuen Mitglieds von den anderen komplett zerstört wird. Wie im Film trifft man sich regelmäßig in Pubs oder Restaurants, wo dann der Alkohol in Strömen fließt und häufig endet der Abend in einem Exzess an Gewalt, bei dem die Einrichtung des Etablissements großen Schaden nimmt. Es gehört auch traditionell zum Bullingdon Club, dass der Schaden vor Ort sofort bar reguliert wird, denn Geld spielt keine Rolle.

Zu den prominentesten Clubmitgliedern der letzten Jahrzehnte gehören drei Politiker, die nur ungern darauf angesprochen werden: Boris Johnson, David Cameron und George Osborne. „Der Bullingdon und andere Dinnerklubs sind Keimzellen der Macht im Königreich“ schrieb Der SPIEGEL einmal in einem Artikel vom 10.10.2015. Zu den anderen Dinnerklubs zählt beispielsweise auch die Piers Gaveston Society, die es noch toller treiben soll.

Vor einigen Jahren trafen sich die Studenten vom Bullingdon Club im The Manor Country House Hotel in der Nähe von Bicester in Oxfordshire und reservierten für sich den Tudor Room. Da muss es ähnlich wie im Film „The Riot Club“ zugegangen sein, Dutzende Flaschen Wein und Champagner wurden geleert, Gläser und Geschirr zerschlagen und nach dem Gelage soll es schrecklich in dem schönen Raum ausgesehen haben. Ich habe vor einem Jahr im The Manor gewohnt; über meine (leider negativen) Erfahrungen dort habe ich in meinem Blog geschrieben.
Ein anderes Mal war The White Hart in Fyfield (Oxfordshire) das Ziel eines Orgienabends, bei dem ebenfalls einiges zu Bruch ging und die Polizei gerufen werden musste, die einige der Studenten in Gewahrsam nahm.

Im Film „The Riot Club“ fährt einer der Studenten mit einem Aston Martin Cabrio durch Oxford, 1977 starben vier Menschen als ein betrunkenes Mitglied des Bullingdon-Clubs mit seinem Maserati einen Verkehrsunfall verursachte (zu den Opfern gehörte der Profi-Fußballer vom FC Chelsea Peter Houseman und seine Frau). Auf wundersame Weise kam er mit einer milden Strafe davon. Es ist in Oxford offensichtlich sehr hilfreich, einflussreiche Verwandte im Hintergrund zu haben.

The Manor Country House Hotel bei Bicester in Oxfordshire; auch hier kam es zu einem ausschweifenden Abend für die Mitglieder des Bullingdon Clubs.
Eigenes Foto.

 

Old Tom Parr – War er einer der ältesten Menschen, die je gelebt haben?

This work is in the public domain.

Alberbury ist ein kleines Dorf westlich von Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire. Hier soll im Jahr 1483 Thomas Parr das Licht der Welt erblickt haben, und er sollte ein so langes Leben vor sich haben wie es wohl kaum ein anderer Mensch irgendwo auf der Welt von sich behaupten konnte. Er starb im Jahr 1635 und wurde somit 153 Jahre alt (wenn denn die Urkunden alle stimmen). Besonders viel über sein Leben ist nicht bekannt. Seine Ernährung bestand hauptsächlich aus Käse und hartem Brot, dazu trank er gern Sauermilch. Soll das das Geheimnis seines hohen Alters gewesen sein? Dann würde ich lieber halb so alt werden und dafür nettere Dinge essen und trinken.

Im Alter von 80 Jahren, also kaum der Teenagerzeit entwachsen, heiratete Tom Parr und zeugte zwei Kinder, die aber bald starben. Als er schon über hundert Jahre alt war, hatte er eine außereheliche Affäre, aus der ein Kind entstand. Als Buße für diese frevlerische Aktion musste sich Tom in ein weißes Gewand gehüllt einen Tag lang in die Dorfkirche von Wollaston stellen.

Nach dem Tod seiner Frau heiratete Tom erneut (er war mittlerweile 122 Jahre alt), aus dieser Beziehung entstanden keine Kinder mehr, wahrscheinlich war seine Frau schon zu alt, denn er selbst erfreute sich wohl noch immer einer gewissen Standfestigkeit im Bett.

Old Tom Parr, wie er damals genannt wurde, war auf Grund seines biblischen Alters im ganzen Land bekannt und 1635, als es schon langsam mit ihm zu Ende ging, stellte ihn der Earl of Arundel dem regierenden König, Charles II, vor. Tom Parr, der Zeit seines Lebens auf dem Land gelebt hatte, bekam die schlechte Londoner Luft und das Essen dort überhaupt nicht, und so starb er noch im gleichen Jahr. Charles II sorgte dafür, dass Tom Parr am 15. November 1635 in der Westminster Abbey beigesetzt wurde, was eine große Ehre war.

Peter Paul Rubens, Antoon van Dyck und einige andere Maler porträtierten Old Tom Parr. Die Londoner National Portrait Gallery besitzt eine ganze Menge dieser Porträts.

Inwieweit das Alter Tom Parrs tatsächlich stimmt, ist zweifelhaft, aber es ist auf jeden Fall eine nette Geschichte.

Das Cottage bei Wollaston in Shropshire, in dem Tomas Parr lebte, verfiel im Lauf der Jahrhunderte, es blieben nur noch einige Ruinenreste über. 1972  wurde das Grundstück aufgekauft, und das Cottage später neu erbaut (hier ist ein Film über die Eigentümerin), das man jetzt bei Jennies Cottages mieten kann.

Das alte Cottage, in dem Tom Parr wohnte.
This work is in the public domain.

St John the Baptist. In dieser Kirche soll Tom Parr im Alter von 100 Jahren Buße getan haben.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Januar 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Burgers of Marlow – Eine Institution in der Stadt an der Themse seit 1942

Als ich kürzlich über den Kirchhof von All Saints in Marlow (Buckinghamshire) spazierte, sah ich eine Grabstelle, auf der der Name Burger eingemeißelt war, zusammen mit einem französischen Vornamen, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Schätzungsweise 250 Meter von der Kirche entfernt an der High Street gegenüber vom Higginson Park an einem Kreisverkehr liegt eine Bäckerei mit angeschlossenem Tea Room, die Burgers heißt. Existiert da ein Zusammenhang? Ja, denn Eric und Marie Burger zogen 1942 von Neuchâtel in der Schweiz nach England und ließen sich in Marlow an der Themse nieder, wo sie eine Bäckerei eröffneten, die sie Burgers nannten, wobei der Name französisch ausgesprochen werden sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass es immer wieder Besucher der Stadt geben wird, die Appetit auf einen Ham(burger) haben und dort einkehren, um festzustellen, dass dort keine im Angebot zu finden sind.

Die Bäckerei ist noch immer in Familienhand und wird von Bernard und seiner Tochter Rachel geleitet. Ich habe den Tea Room zur Mittagszeit immer voll erlebt. Neben Frühstück und Lunch werden auch Afternoon Teas angeboten. Burgers ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr.

Die Bäckerei bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Brotsorten an, sowie Kuchen, Torten und selbst hergestellte Pralinen. Burgers hat sich zu einer Institution in Marlow entwickelt, die ein Stückchen Schweiz mit englischen Traditionen verschmelzt.

Im August 2015 erhielt Burgers prominenten Besuch in der Person des legendären Sir Terry Wogan, der für seine BBC-TV-Serie „Terry and Mason’s Great Food Trip“ (Episode 20 von Staffel 1) in Marlow unterwegs war. Nach der Ausstrahlung der Episode nahm die Zahl der Gäste im Burgers deutlich zu.
Einen Besuch der Bäckerei und des Tea Rooms kann ich sehr empfehlen.

Burgers of Marlow
The Causeway
Marlow Bucks, Sl7 1NF

Published in: on 8. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Genie und Wahnsinn – Der viktorianische Maler Richard Dadd (1817-1886)

Richard Dadd.
This work is in the public domain.

1974 erschien das Album „Queen II“ der englischen Rockgruppe Queen. Track 7 darauf trägt den Titel „The Fairy Fellers Master-Stroke„, den Freddie Mercury geschrieben hatte und der Bezug nimmt auf das gleichnamige Gemälde des viktorianischen Malers Richard Dadd, der von 1817 bis 1886 lebte. Das 54 × 39,5 cm große Bild hängt heute in der Londoner Tate Gallery, hier zu sehen.

Dadd war ein Mann, der schon in jungen Jahren Reisen nach Europa und Vorderasien unternahm und genauso früh zeigten sich bei ihm die ersten Symptome einer Geisteskrankheit. So meinte Dadd unter dem Einfluss des ägyptischen Gottes Osiris zu stehen. Seine Familie brachte ihn in das Dorf Cobham in der Grafschaft Kent, in der Hoffnung, dass er dort im ruhigen, ländlichen Raum wieder zu sich kommen würde. Doch es wurde noch schlimmer; 1843 tötete er seinen Vater, weil er ihn für den Teufel hielt. Auf der Flucht nach Paris versucht er einen weiteren Menschen zu ermorden, was ihm nicht gelang; er wurde von  Polizisten überwältigt, nach England zurückgeschickt, wo er in die Londoner Nervenheilanstalt Bethlem Royal Hospital eingewiesen wurde. Hier und im Broadmoor Hospital in Berkshire, der nächsten Station seines Aufenthaltes in geschlossenen Anstalten, malte Richard Dadd weiter und in Bedlam, wie das Bethlem Royal Hospital auch genannt wurde, entstand sein „The Fairy Fellers Master-Stroke“, an dem der wahnsinnige Künstler neun Jahre lang, von 1855 bis 1864, arbeitete; es war eine Auftragsarbeit für George Henry Hayden, Bedlams Anstaltsleiter. Man muss sich das Gemälde genau anschauen, es wimmelt von Figuren aus der Feenwelt, wobei der titelgebende Holzfäller im Vordergrund steht und mit einer Axt seinen „master-stroke“ vollzieht und eine Haselnuss spaltet, aus dieser Nuss soll für eine der Feen eine Kutsche gebaut werden. In diesem Film werden die einzelnen Figuren vorgestellt. Freddie Mercury hat das Gemälde genau studiert und beschreibt es in seinem Song exakt, so dass man ihn beim Betrachten des Bildes dazuschalten sollte (hier ist der Text).

Richard Dadd starb am 7. Januar 1886 im Broadmoor Hospital, wo noch heute einige Bilder von ihm hängen.

Bethlem Royal Hospital.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Broadmoor Hospital in Crowthorne (Berkshire).
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der Altab Ali Park im Londoner East End

Der von David Petersen gestaltete Eingangsbogen.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

An der Whitechapel Road im East End Londons liegt ein kleiner Park, der Altab Ali Park heißt; ein etwas ungewöhnlicher Name, dessen Herkunft in den asiatischen Raum deutet. Wer war Altab Ali und warum wurde eine Parkanlage nach ihm benannt? Es handelt sich dabei um eine traurige Geschichte, die sich am 4. Mai 1978 hier ganz in der Nähe, in der Adler Street zutrug. Altab Ali war ein junger Mann aus Bangladesh, der die britische Staatsbürgerschaft hatte. An diesem Abend ging er wie immer von der Arbeit nach Hause, und als er auf der Adler Street unterwegs war, geriet er in den Fokus von drei Jugendlichen, die den 25-jährigen attackierten und mit einem Messer töteten. Im East End gab es zu jener Zeit viele rassistisch motivierte Übergriffe auf Menschen, die aus dem asiatischen Raum in die britische Hauptstadt gekommen waren.

Wie so häufig, geriet auch dieser Mord schon bald wieder aus den Schlagzeilen, doch in diesem Fall erinnerte man sich zwanzig Jahre später an den jungen Mann, dessen Leben auf so tragische Weise in der Adler Street ein Ende gefunden hatte. Der St Mary’s Park, zwischen Whitechapel Road und Adler Street gelegen, wurde nach Altab Ali umbenannt. Hier stand einmal die Kirche St Mary Matfelon, die am 29. Dezember 1940 schwer von Bomben der deutschen Luftwaffe getroffen und zerstört wurde. Man baute die Kirche nicht wieder auf, räumte die Trümmer weg und errichtete 1966 auf dem Platz eine kleine Parkanlage, den heutigen Altab Ali Park. Dort wurde auch eine Replika des Shaheed Minar-Denkmals errichtet. Das Original steht in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh; es erinnert an die 1952 bei Demonstrationen getöteten Studenten, die sich für eine Anerkennung der bengalischen Sprache als offizielle Staatssprache stark gemacht hatten (damals gehörte das Gebiet noch zu Ost-Pakistan). Den Park betritt man durch einen Bogen, den der Künstler David Petersen gestaltet hat. Das Kunstwerk verbindet Stilelemente aus England und aus Bangladesh und soll an den ermordeten Altab Ali und die anderen Opfer rassistischer Attacken erinnern.
Hier ist ein Rundgang durch den Park im Film zu sehen.

Das Shaheed Minar-Denkmal.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Die Adler Street, in der sich der Mord ereignete.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Ellesborough Silver Band – Eine Blaskapelle aus Buckinghamshire

Ellesborough in Buckinghamshire: Hier ist die Brass Band beheimatet.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Blaskapellen verbinde ich eigentlich in der Regel mit Nordengland, dort, wo früher die Bergarbeiter Kohle abbauten und zu ihrer  Entspannung Blasmusik spielten oder einfach nur zuhörten. Einige dieser noch existierenden Kapellen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie die Burbage Brass Band aus Derbyshire, die Muker Silver Band aus North Yorkshire oder die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire.

Doch auch im Süden gibt es Brass Bands wie die Ellesborough Silver Band, die in Ellesborough in Buckinghamshire beheimatet ist und das schon seit 1896. Die Auftritte der Kapelle finden überwiegend in der näheren Umgebung statt, so war die Silver Band unter anderem bei Dorffesten in Stoke Mandeville und Monks Risborough zu hören, bei der The Lee Flower Show und beim Cherry Pie Festival in Plough. Die Höhepunkte in der Geschichte der Band waren sicherlich ein Auftritt in Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist. Als Neville Chamberlain das Amt inne hatte, wurde die Band zur Weihnachtszeit eingeladen, dort Weihnachtslieder zu spielen. Einmal durften die Bandmitglieder vor Prince Charles  und Princess Margaret spielen, als diese das Guttmann Centre in Aylesbury besuchten. Weitere Höhepunkte im Leben der Band waren Auftritte  in der Royal Albert Hall bei den National Brass Band Championships.

Damit die Brass Band in Übung bleibt, treffen sich die Mitglieder jeden Freitagabend in der Ellesborough Parish Hall. Die Kapelle umfasst dreißig Personen, gemischt aus Männern und Frauen und wie es auf den Webseiten der Band heißt, im Alter von acht bis achtzig Jahren.

Hier ist ein Auftritt der Band in Aylesbury zu sehen und zu hören.

Zwei Fußballvereine der englischen Premier League, die dieselbe Vereinshymne haben

Im Goodison Park trägt der Everton F.C. seine Heimspiele aus.
Photo © Kevin Williams (cc-by-sa/2.0)

Das kommt nicht häufig vor, dass zwei englische Fußballclubs, die auch noch beide in der Premier League spielen, die selbe Vereinshymne haben. Die Toffees vom Everton F.C. und die Hornets vom Watford F.C. laufen ins Stadion beim Klang der Titelmelodie der uralten Fernsehserie „Z Cars“ (1962-1978), die im deutschen Fernsehen „Task Force Police“ hieß. Die TV-Serie spielt in der fiktiven Stadt Newtown im Norden Englands, und da Everton ebenfalls im Norden liegt, in Liverpool, passt das ja ganz gut. Seit der Saison 1962/63 erschallt diese Musik beim Auflaufen der Toffees, und die Fans lieben die Hymne. Ein Jahr später entschied sich auch der damalige Trainer vom Watford F.C. für dieses Musikstück. Im April 2019 trennte man sich vom „Z Cars Theme“ und spielte stattdessen Elton JohnsI’m still standing„. Das liegt auf der Hand, denn der Sänger war und ist dem Club sehr verbunden und war jahrelang dessen Präsident. Aber so sehr die Fans der Hornets Elton John auch verehren, sie wollten ihre alte Hymne zurück und zum Beginn der Saison 2019/20 ist sie wieder da und die Fans sind zufrieden.

John Keating und sein Orchester spielten „Theme from Z Cars„, das 1962 sogar in die britischen Charts kam und Platz 8 erreichte. Es basiert auf einem alten Volkslied mit dem Titel „Johnny Todd„. Über die TV-Serie schrieb ich schon einmal in meinem Blog.

Hier ist die Hymne in Everton und hier in Watford zu hören.

Das Stadion des Watford F.C. an der Vicarage Road.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Britain First – Die Devise der britischen Pubkette J.D. Wetherspoon

The Bell in Aylesbury (Buckinghamshire) – Ein Pub der Wetherspoon-Kette.
Eigenes Foto.

Bottoms Up – Wetherspoons is ditching German beers and Champagne for British brands ahead of Brexit“ titelte The Sun am 13. Juni 2018. Donald Trump lässt grüßen…
Erst einmal einige zu Worte zu der Pubgruppe mit dem Namen J.D. Wetherspoon, die 1979 gegründet wurde. Deren Pubs sind häufig in sehr schönen Häusern untergebracht, die früher einmal einem anderen Zweck dienten. Einen J.D. Wetherspoon hat es übrigens nie gegeben, es ist ein Kunstname, der sich aus dem Namen des Sheriffs J.D. ‘Boss’ Hogg der TV-Serie „The Dukes of Hazzard“ und dem Namen des früheren Erdkundelehrers des Firmengründers Tim Martin, der Wetherspoon hieß, zusammensetzt.

Tim Martin ist glühender Verfechter des Brexits und damit der Unabhängigkeit Großbritanniens von der EU; daher hat er 2018 Produkte der EU aus dem Angebot seiner rund 900 Pubs umfassenden Kette herausgenommen und durch britische bzw. Nicht-EU-Produkte ersetzt. Wie schon oben gesagt, werden deutsche Biere nicht mehr angeboten; auch Jägermeister, ein Getränk, das die Briten lieben, findet man nicht mehr im Sortiment, und das heißt damit auch, dass Jägerbombs, ein beliebter Drink, der aus Jägermeister und dem Energy Drink Red Bull besteht, nicht mehr bei Wetherspoons zu haben ist. Das gilt natürlich auch für die bei Stag und Hen Parties beliebten Jäger-trains (hier ist ein Videoclip wie dieser zelebriert wird). Wer trotzdem nicht auf diesen Drink verzichten möchte, kann als Ersatz für den deutschen Jägermeister den englischen Kräuterlikör Strika verwenden und Strikabombs bestellen. Angeblich soll der Likör sogar besser schmecken.

Auch französische und italienische Getränke sind vom Bann Tim Martins betroffen. So wird Champagner und Prosecco durch englische und australische Sekte ersetzt wie Produkte aus Denbies Wine Estate in Dorking (Surrey).

Wer nach wie vor Getränke aus dem EU-Bereich trinken möchte, muss dann eben die Wetherspoons meiden, denn andere Pubs haben kein Problem damit, Biere aus Deutschland und Wein aus Frankreich oder Italien anzubieten.

Ersetzt Champagner und Prosecco: Sekt aus dem Denbies Wine Estate.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 3. Januar 2020 at 00:00  Comments (4)  
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Pork Scratchings – Ein populärer Pub-Snack

„These deep-fried pig carcass salted snacks are popular in pubs, where the greasy, hairy morsels can be washed down with beer in an attempt to stop them  simply coming straight back up again“, so beschreibt Iain Aitch in seinem wunderschönen Buch „We’re British, Innit?“ den besonders von Pubbesuchern heiß geliebten Snack.

Was ist das nun genau? Pork Scratchings sind in Tüten abgefüllte fritierte und gewürzte Schweineschwarten. Diese knusprigen Teilchen isst man am besten zu einem Pint Bitter oder Lager. Das eine oder andere zurückgebliebene Schweinehaar sollte einen allerdings nicht stören, auch sollte man vor dem Verzehr überlegen, ob die Zähne das aushalten.

Pork Scratchings kommen ursprünglich aus dem Black Country, das ist die Region nördlich und westlich von Birmingham.
Der größte Hersteller dieses Snacks ist Mr Porky, eine zur Tayto-Gruppe gehörende Firma, die jährlich 20 Millionen Tüten davon verkauft und die auf ihrer Webseite extra darauf hinweist: „Only recommended for people with strong, healthy teeth“. Hier ein Werbspot der Firma.

Wer sich intensiver mit Pork Scratchings beschäftigen möchte, dem kann ich nur die Webseite Hairy Bar Snacks empfehlen; hier findet man wirklich alles, was man zum Thema wissen möchte.

Wer jetzt Appetit auf die Schweineschwärtchen bekommen haben sollte, der kann sich die auch in Deutschland online kaufen, zum Beispiel  bei Great British Food .

Das Buch zum Artikel:
Greg Gutfeld: Lessons From the Land of Pork Scratchings – A Miserable Yank Finds Happiness in the UK. Simon & Schuster 2009. 239 Seiten. ISBN 978-1-84739-075-2.

Verkauf von Pork Scratchings auf der Harrogate Flower Show.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Einer der ältesten Künstler, der jemals einen Hit in den Charts hatte…und den fast jeder kennt

Author: sezzles.
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Die Charts dieser Welt werden in erster Linie von jüngeren Künstlerinnen und Künstlern beherrscht; natürlich gibt es da auch eine Reihe von Ausnahmen, wenn ich zum Beispiel an die Rolling Stones denke, deren Bandmitglieder alle schon die 70 überschritten haben. Der US-Sänger Tony Bennett, 1926 geboren, veröffentlichte 2018 im Alter von 92 Jahren noch ein Album, gemeinsam mit Diana Krall, „Love is here to stay„, das die Charts in vielen Ländern eroberte und in Großbritannien Platz 33 erreichte.

Ein berühmter englischer Schauspieler, dessen Namen, Christopher Lee, die meisten mit seinen Rollen in Horrorfilmen verbinden, gelang, ebenfalls mit über 90 Jahren, der Sprung in die britischen Charts. Lee wurde 1922 in London geboren und starb auch in der Stadt im Jahr 2015. Sein Filmdebüt gab er 1948 in „Corridor of Mirrors„, dann folgten über 200 Filme, in denen Lee mitwirkte. Der Londoner wäre übrigens gern Opernsänger geworden; ihm wurde bescheinigt, dass er es mit seiner Stimme durchaus hätte schaffen können, zu den ganz Großen der Opernwelt vorzustoßen.

Zu Weihnachten 2012 veröffentlichte Christopher Lee eine CD, auf der zwei Weihnachtslieder in Heavy Metal-Form zu finden waren („The Little Drummer Boy“ und „Silent Night“) und die den Titel „A Heavy Metal Christmas“ trug. Ein Jahr darauf folgte die Fortsetzung „A Heavy Metal Christmas Too“ mit den beiden Liedern „Jingle Hell“ und „My Way„. „Jingle Hell“ gelangte in den US-amerikanischen Charts unter die Top 20. Noch ein Jahr später, 2014, legte Christopher Lee zu seinem 92. Geburtstag noch einmal nach und veröffentlichte „Metal Knight„, weitere Cover-Versionen in Heavy Metal-Manier.

Christopher Lee war ein Phänomen; man täte ihm unrecht, wenn man ihn nur als „Film-Vampir“ abstempeln würde.

Das Buch zum Artikel:
Christopher Lee: Lord of Misrule – The Autobiography of Christopher Lee. Orion 2003 (Reprint). 354 Seiten. ISBN  978-0752857701.

 

Published in: on 1. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Sir Lindsay Hoyle – Der neue Speaker des britischen Unterhauses

Der Ortseingang von Chorley in Lancashire, dem ehemaligen Wahlkreis von Sir Lindsay Hoyle.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Im letzten Blogeintrag des Jahres 2019 möchte ich kurz den neuen Speaker des britischen Parlaments, Sir Lindsay Hoyle, vorstellen, der den legendären John Bercow ablöste, der durch sein manchmal recht exzentrisches Verhalten auch international bekannt war. The Rt Hon Bercow hatte das Amt von 2009 bis 2019 inne; er ist jetzt auch kein Parlamentsmitglied mehr.

Während John Bercow aus den Home Counties stammte, er vertrat den Wahlkreis Buckingham, kommt sein Nachfolger aus dem Norden des Landes. Sir Lindsay Hoyle vertrat den Wahlkreis Chorley in Lancashire seit 1997 und war Mitglied der Labour Party (als Speaker of the House of Commons darf man keiner Partei mehr angehören). Die Stadt Chorley liegt zwischen den Autobahnen M6 und M61, etwa auf halbem Weg zwischen Preston und Wigan. Kohleförderung und Baumwollverarbeitung waren früher die wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region.

Sir Lindsay Harvey Hoyle wurde am 10. Juni 1957 in Adlington (Lancashire) geboren, stammt also aus der Region, die er im Parlament vertrat, und wuchs hier auch auf. Sein Vater, Eric Douglas Harvey Hoyle, Baron Hoyle, ist ebenfalls Politiker und vertrat einige Jahre lang die Wahlkreise Nelson and Colne (Lancashire) und Warrington North (Cheshire); jetzt hat er einen Sitz im House of Lords.

Der neue Speaker ließ sich nicht entlocken, ob er beim Referendum für oder gegen den Brexit gestimmt hatte. Ganz neu ist das Amt für ihn nicht, denn er war über neun Jahre lang der Vertreter von John Bercow.

Sir Lindsay  wohnt nach wie vor in seinem Geburtsort Adlington. Er ist in zweiter Ehe mit Catherine Swindley verheiratet, die, wie auch seine Tochter Emma, in seinem Wahlkreis für ihn arbeiteten. Seine zweite Tochter Natalie beging im Dezember 2017 Selbstmord, sie wurde nur 28 Jahre alt.

Dieser Film zeigt Sir Lindsay Hoyle in seiner Rolle als Deputy Speaker.

Sheffield in South Yorkshire und die Rolle der Stadt in der Geschichte des Fußballs

Sheffield Uniteds Stadion am Bramall Lane.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Sheffield in der Grafschaft South Yorkshire ist nicht nur als „Steeltown“ berühmt geworden, sondern auch als Stadt, die eine große Rolle in der Geschichte des Fußballs gespielt hat.
Sheffield F.C. ist der erste Fußballverein der Welt (hier ist ein Film über den Club) und wurde am 24. Oktober 1857 gegründet. Heute spielt der Club in einer der niedrigeren Spielklassen, der Non League Division One und steht da, zum jetzigen Zeitpunkt, auf Platz 9. Längst ist der Verein von den Lokalrivalen Sheffield United (Premier League) und Sheffield Wednesday (Championship) überholt worden.

Beim Sheffield F.C. wurden auch die ersten Fußballregeln erstellt, so wurde der Einwurf eingeführt, der Freistoß nach Fouls und die Eckfahnen, um nur einiges zu nennen.

Das älteste Stadion der Welt, in dem noch immer Fußball gespielt wird, liegt am Bramall Lane und wird von Sheffield United benutzt. Das erste Spiel hier fand am 29. Dezember 1862 statt, zwischen den lokalen Mannschaften Sheffield F.C. und Hallam F.C., dem zweitältesten Fußballverein der Welt. Hallam F.C. spielt heute in der Northern Counties East Football League (zur Zeit Platz 11); deren Stadion Sandygate gilt nach dem Guinness Book of Records als  „Oldest Ground in the World“. Die Matchs zwischen den beiden Vereinen, Rules Derby genannt, waren legendär, kam es doch in der Frühzeit des Fußballs immer wieder zu ziemlich gewalttätigen Szenen auf dem Platz.

Einer der legendären Spieler aus Sheffield, der in der Zeit von 1891 bis 1909 für Sheffield United spielte, war Ernest Needham (1873-1936), der das Spiel der „Blades“, wie der Club auch genannt wird, entscheidend prägte. Needham brachte es sogar bis zum Kapitän der englischen Nationalmannschaft.
Eine weitere Legende war William Henry „Fatty“ Foulke, der von 1894 bis 1905 als Torwart für Sheffield United im Einsatz war und als schwergewichtigster Spieler der Welt gilt (nach dem Guinness Book of Records). Er wog über drei Zentner und war bei den gegnerischen Mannschaften auf Grund seiner Körpermasse gefürchtet. Einmal soll er das Frühstück von seinen zehn Mannschaftskameraden aufgegessen haben, bevor diese am Frühstückstisch erschienen. Heutzutage wohl undenkbar.

Sandygate, das Stadion des Hallam F.C.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Dezember 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Reddam House – Eine Schule in einem beeindruckenden viktorianischen Haus in Berkshire

John Walter III (1818-1894) war ein wohlhabender Mann, als er 1865 auf dem Bearwood Estate-Gelände ein riesiges Haus bauen ließ, das von dem schottischen Architekten Robert Kerr entworfen wurde. Als Inhaber der Tageszeitung The Times besaß er genügend Geld, denn das Gebäude verschlang in den Baujahren 1865 bis 1874 nach heutigen Maßstäben rund £17 Millionen und gehört zu den größten viktorianischen Gebäuden des Landes.
Während des Ersten Weltkriegs diente Bearwood House, wie so viele andere Herrenhäuser damals auch, als Genesungsheim für verwundete Soldaten, in diesem Fall waren es Kanadier. Als nächstes zog die Royal Merchant Navy School, ein Waisenhaus, ein, aus der in den 1960er Jahren das Bearwood College entstand, das als reine Schule für Jungen, bis 2014 existierte. Hohe Unterhaltskosten für das riesige Haus und sinkende Schülerzahlen führten zum Ende des Colleges. Glücklicherweise kam es nicht zu einem länger andauerndem Leerstand, denn Bearwood House wurde 2015 von der international tätigen Gruppe unabhängiger Schulen namens Reddam House übernommen, die unter anderem Schulen in Australien und Südafrika betreibt.

In dem jetzt Reddam House Berkshire genannten Gebäude (hier ist ein kurzer Film) werden Kinder im Alter von drei Monaten (!) bis 18 Jahren unterrichtet; man versucht hier, im Gegensatz zu dem traditionellen britischen Schulsystem, alternative Methoden anzubieten und das offensichtlich mit großem Erfolg, denn schon nach kurzer Zeit erhielt die Schule ein großartiges Rating im Independent Schools Inspectorate Report. In fünf Kategorien erhielt das Reddam House die Note „Excellent“, und dreimal die Note „Good“ in den restlichen drei anderen Kategorien.

Rund 600 Schülerinnen und Schüler besuchen das Reddam House, darunter knapp 50 Boarders, die auch in dem Gebäude wohnen.

Das Haus wurde bereits einige Male als Drehort für Filme verwendet; zum Beispiel in der „Inspector Barnaby„-TV-Serie in der Episode „Death in the Slow Lane“ (dt. „Unter Oldtimern“); ich berichtete in meinem Blog darüber.

Reddam House liegt südlich der Autobahn M4 und südlich des Ortes Sindlesham, die Zufahrt erfolgt über die Bearwood Road/New Road.

 

Published in: on 29. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Stand-up Comedians – Henning „The German Comedy Ambassador“ Wehn

Author: Shirokazan
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Henning Wehn? Stand-up Comedian? Das klingt aber gar nicht nach einem englischen Namen. Ist er auch nicht, denn Henning Wehn ist Deutscher und hat es tatsächlich in die Comedy-Szene Großbritanniens geschafft. „Teutonic jolliness at its best“ hieß es einmal bei der Ankündigung eines Auftritts im Wycombe Swan-Theater in High Wycombe (Buckinghamshire), und da sind wir auch schon in der Stadt, in der Henning Wehn im Jahr 2002 in England Fuß fasste, denn er arbeitete in der Marketingabteilung des Fußballvereins Wycombe Wanderers F.C. ,vorher hatte er Betriebswirtschaft in Münster studiert. Geplant war eigentlich nur ein einjähriger Aufenthalt in England, doch Henning Wehn blieb ganz auf der Insel, einmal weil es ihm dort so gut gefiel und einmal weil er in England sein Comedy-Talent entdeckte. Der 1974 geborene Henning Wehn bezeichnet sich selbst als „The German Comedy Ambassador„. In seinen Auftritten beschäftigt er sich gern mit Klischeevorstellungen, die Briten Deutschen gegenüber haben, und kommt damit bei seinen Zuhörern gut an.

Die aktuelle Show, mit der Henning Wehn auf Tournee ging bzw. geht, nennt sich „Get on with it„; sie wird am 20. Februar 2020 in der Town Hall von Cheltenham fortgesetzt.

Der deutsche Comedian ist häufig Gast in Fernsehshows und in Radiosendungen, ist also in der britischen Unterhaltungslandschaft fest verankert. Hier ist einer seiner Auftritte zu sehen.

Das Adams Park Stadion der Wycombe Wanderers.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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British Molecatcher organizations

Maulwürfe werden es wohl bei Gartenbesitzern nie auf die Top 10-Liste der beliebtesten Tiere schaffen, weder in Deutschland noch in England. Gerade auf der Insel, dem Mutterland der Freunde des gepflegten Rasens, sind die „moles“ außerordentlich unbeliebt; dabei gehören die unterirdischen Graber doch zu den fleißigsten Tieren überhaupt, aber wer möchte schon diese hässlichen Erdhaufen im Garten haben.

In Großbritannien gibt es nicht wenige Menschen, die dem Beruf des „mole-catchers“ nachgehen und mit unterschiedlichen Methoden den Tieren an den Kragen gehen. Verboten ist das Töten von Maulwürfen nicht, nur sind einige Methoden nicht erlaubt wie zum Beispiel der Einsatz von Strychnin. Verbreitet sind der Einsatz von Fallen und von Gas.

Viele Maulwurffänger in Großbritannien haben sich in Organisationen zusammengeschlossen. Da gibt es die Association of Professional Mole Catchers (APMC), die Wert darauf legt, traditionelle Methoden anzuwenden und „strives to promote best practice and to sustain individuality and the breadth of techniques applied by mole catchers“. Eine der Regeln der APMC lautet: „Any live caught moles should on discovery be despatched quickly and humanely“. Das Wort „despatch“ klingt irgendwie besser als „kill“.

Dann gibt es die Guild of British Molecatchers“ (GBM), deren Mitglieder ausschließlich Fallen benutzen. „The Guild is not only committed to traditional molecatching skills but also to the welfare of the mole“, heißt es auf den Webseiten der GBM. Den zweiten Teil des Satzes werden die Maulwürfe sicher gern zur Kenntnis nehmen.

Und dann gibt es noch das BMCR, das British Mole Catchers Register („Supporting traditional expertise and skills“), das u.a. Lehrgänge zum Fangen von Maulwürfen anbietet und Spezialisten vermittelt.

Was Sie schon immer über Maulwürfe und deren Fangmethoden wissen wollten, gibt es bei Mole Catcher UK nachzulesen. Außerdem kann man hier den nächstgelegenen Maulwurfsjäger finden.

Steht man sich bei diesen vielen Organisationen nicht ein wenig auf den Füßen? Offensichtlich schon, denn im Jahr 2016 kam es zu einem Streit, bei dem sich APMC, GBM und BMCR gegenseitig mangelnde Professionalität vorwarfen. Die britischen Maulwürfe stört das alles nicht, sie graben unermüdlich weiter.

Das Ergebnis produktiver, unterirdischer Arbeit.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Hier war ein „mole-catcher“ sehr erfolgreich.
Photo © Mick Garratt (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 27. Dezember 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Wer war eigentlich…“Fraser“ im Namen der Kaufhauskette House of Fraser?

Das weihnachtlich dekorierte House of Fraser in Manchester.
Photo © Matt Harrop (cc-by-sa/2.0)

Ich habe nur einmal ein Kaufhaus der Gruppe House of Fraser betreten und das war vor ein paar Jahren an einem total verregneten Tag in Aylesbury in Buckinghamshire. Ob wohl die Kunden dieser Kaufhäuser wissen, nach wem diese benannt worden sind? Eigentlich müssten sie House of Fraser and Arthur heißen, denn die Namen der beiden Firmengründer waren Hugh Fraser und James Arthur, die 1849 im schottischen Glasgow ein Textilwarengeschäft eröffneten. Währen sich James Arthur bald dem Großhandelsgeschäft widmete, konzentrierte sich Hugh Fraser (1815 – 1873) auf den Einzelhandel und baute seinen Laden zu einem der größten der Stadt aus. Als er 1873 starb, vermachte er seine Firma an seine fünf Söhne, von denen drei die Firma managten und zu weiteren Erfolgen führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm House of Fraser andere Kaufhäuser und expandierte von Schottland nach England. Ende der 1950er Jahre gehörte sogar das Luxuskaufhaus Harrod’s zu der Firmengruppe. 1974 existierten Pläne, dass sich House of Fraser und die Drogeriekette Boots zusammenschließen wollten, was aber die Regierung verhinderte. 1985 übernahm die Familie Al-Fayed House of Fraser und expandierte weiter. 2006 ging House of Fraser in den Besitz der Highland Group Holdings Limited über, acht Jahre später kündigte sich ein neuer Besitzer an, die chinesische Warenhauskette Nanjing Xinjiekou Department Store Co. Konnte der ständige Eigentümerwechsel der Firma auf Dauer gut tun? Offensichtlich nicht, denn Mitte des vorigen Jahres schlossen 31 der 58 Kaufhäuser. Die britische Firma Sports Direct International übernahm die angeschlagene Warenhauskette und versucht diese am Leben zu halten durch Investitionen aber auch durch weitere Schließungen. Für Ende Januar 2020 soll voraussichtlich das House of Fraser in Milton Keynes geschlossen werden, wodurch 172 Arbeitsplätze wegfallen würden.

Eine Neuausrichtung der Kaufhäuser in Richtung „luxury lifestyle stores“ ist für das Jahr 2020 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass es wieder einen Aufwärtstrend geben wird. Möge die von Hugh Fraser gegründete Firmengruppe erhalten bleiben (auch Morrisons, Debenhams, Sainsbury’s und Argos mussten in diesem Jahr Filialen schließen).

Ein HoF zur Weihnachtszeit in der Londoner Oxford Street.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports

Foto meines Exemplares.

„Die spinnen, die Briten“ sagte Obelix einmal in dem Buch „Asterix bei den Briten“, ein Satz, der schon zum geflügelten Wort geworden ist. Nach der Lektüre des Buches „Britain’s Most Eccentric Sports“ von Richard O. Smith kann man das nur bestätigen. Was der Autor hier so alles an „Sportarten“ zusammengetragen hat, lässt manchmal am Verstand der teilnehmenden Sportler zweifeln…aber trotzdem ist das so richtig schön exzentrisch und liebenswert (zumindest für mich).

Olympiareif ist keiner der vorgestellten Wettbewerbe, aber immerhin gibt es zahlreiche Weltmeisterschaften, obwohl sich der Teilnehmerkreis oft lediglich aus Bewohnern der näheren Umgebung zusammensetzt. Richard O. Smith hat einen wunderbaren Humor, der die Lektüre zu einem Vergnügen werden lässt. Über viele der „eccentric sports“ habe ich im Lauf der Jahre in meinem Blog bereits berichtet; man findet diese Blogartikel in der Kategorie „Skurriles und Kurioses“.

Hier sind einige Beispiele aus dem Buch:
Die Black Pudding Throwing World Championship findet einmal im Jahr in Ramsbottom in Lancashire statt. Ich zitiere mich selbst: „Das Ziel der Blutwurstwerfer ist es, möglichst viele der jeweils 12 auf einem Gerüst in sechs Metern Höhe liegenden Yorkshire-Puddings abzuräumen“.

Bedeutend gefährlicher ist das Cheese Rolling am Cooper’s Hill bei Brockworth in Gloucestershire. Von einem extrem steilen Hügel wird ein Käselaib heruntergerollt, dem todesmutige Menschen hinterherrennen, wobei es immer wieder zu schweren Stürzen kommt.

Chess Boxing ist ein sehr ungewöhnlicher Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer jeweils abwechselnd vier Minuten Schach spielen und eine Runde in den Boxring steigen müssen. Hier ist ein Film darüber.

Kein blaues Auge holt man sich bei den World Gurning Championships in Egremont in Cumbria, wo es darum geht, so verrückte Grimassen wie möglich zu schneiden.

Für Heiterkeit sorgen die World’s Biggest Liar Championships im Bridge Inn in Santon Bridge (Cumbria), bei der die Wettbewerbsteilnehmer innerhalb von fünf Minuten die haarsträubendsten Lügen erzählen.

Das mit vielen Farbfotos illustrierte Buch im Querformat ist das ideale Geschenk für jeden, der sich mit britischen Exzentrikern identifizieren kann.

Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports. The History Press 2012. 160 Seiten. ISBN 978-0-7524-6413-8.

 

 

Published in: on 25. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Londoner Berkeley Square – Platanen, Geister und ein Nachtclub

 

Der Berkeley Square im Londoner West End ist eine der exklusivsten Wohngegenden der Stadt und hier eine Wohnung zu bekommen, ist sehr schwierig.
Der Architekt William Kent hat den Platz Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt und die hohen Platanen wurden auch in dieser Zeit gepflanzt.

Das Haus mit der Nummer 44 wurde einmal als einer der schönsten von ganz London bezeichnet und beherbergt heute den „Annabel’s Club„, einen der exklusivsten Nachtclubs Londons, der gern auch von den Prinzen William und Harry besucht wurde

Das Haus Nummer 50 ist Londons „most haunted house“, in dem sich das uralte Antiquariat Maggs  Brothers befindet. 1947 drehte man sogar einen Film über die Geschehnisse in diesem Haus: „The Ghosts of Berkeley Square„. Winston Churchill verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit.

Wer P.G. Wodehouses heitere Romane gelesen hat, wird sich erinnern, dass Bertie Wooster und sein treuer Super-Butler Jeeves am Berkeley Square wohnten.

BBC 1 dreht 1998 eine Mini-Serie mit 10 Episoden unter dem Titel „Berkeley Square„.

Schließlich gibt es noch das berühmte Lied „A Nightingale Sang in Berkeley Square„, das 1939 erstmals öffentlich aufgeführt und von unzähligen Sängern interpretiert wurde; hier als Beispiel mit Nat King Cole.

Weihnachten 2019 vor dem Annabel’s Club am Berkeley Square.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

No. 50 Berkeley Square: Maggs Brothers.
Author: Spudgun 1967.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

Published in: on 24. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Musikvideos – Robert Palmer: Addicted to Love

1985 schrieb Robert PalmerAddicted to Love„, das 1986 auf seinem Album „Riptide“ erschien. Palmer wurde 1948 in Batley in West Yorkshire geboren und starb schon viel zu früh am 26. September 2003 in Paris an einem Herzinfarkt.
Der Sänger aus Yorkshire wirkte meist sehr gepflegt und war häufig mit Anzug und Krawatte zu sehen.
Das Besondere an dem Musikvideo zu „Addicted to Love“ war die Mädchenband, die in kurzen, schwarzen Röcken und stark geschminkt auftrat. Dass die jungen Damen nicht wirklich spielen, ist nicht schwer zu erkennen und die Choreografie haut auch nicht ganz hin, aber der Auftritt war doch immerhin sehr sexy.
Die Mädchen traten noch in weiteren Robert Palmer-Videos auf, so in „I Didn’t Mean to Turn You On„, „Simply Irresistible“ und „Bad Case of Loving You„.
Regie führte bei „Addicted to Love“ Terence Donovan, der 1996 Selbstmord beging. Die Single erreicht Platz 1 der US-Billboard Charts und Platz 5 der britischen Charts. Das Lied wurde mehrmals gecovert, u.a. von Tina Turner und von Florence & the Machine.

Hier ist das Video zu sehen.

Published in: on 23. Dezember 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot

Foto meines Exemplares.

HS1, oder auch Channel Tunnel Rail Link genannt, ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die London mit dem Channel Tunnel bei Folkestone verbindet. Schon lange wird von HS2 geredet, eine Strecke, die von London nach Norden und zwar nach Birmingham führen soll (über die Auswirkungen auf die Grafschaft Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog).

Der Autor des Buches „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„, Tom Jeffreys, wollte gern wissen, was die Menschen, die entlang der geplanten Bahntrasse einmal wohnen werden, von High Speed 2 halten und machte sich zu Fuß auf den Weg von der Londoner Euston Station nach Birmingham, dem (vorläufigen) Endpunkt der Bahnlinie, auf der Züge mit bis zu 350 km/h fahren sollen. Die Reisezeit würde sich etwa halbieren (49 Minuten). Ob die voraussichtlichen Baukosten in Höhe von rund £56 Milliarden dafür stehen, wird unterschiedlich diskutiert. Wie Tom Jeffreys das mitbekommt, sieht es so aus, dass das Thema HS2 in London selbst keine besonders große Rolle spielt, in Birmingham wird der Bau der Strecke überwiegend begrüßt, erwartet man sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, auf dem Lande aber ist der Widerstand groß, denn dort sieht man keinen Nutzen, sondern nur Nachteile: Baulärm über viele Jahre hinweg, Lärm der schnell fahrenden Züge, Umweltzerstörung, Wertverfall der Häuser entlang der Trasse usw usw.

Jeffreys spricht mit Menschen, die betroffen sein könnten, und trifft kaum jemanden, der den Bau begrüßt. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die Selbstmordgedanken haben, wenn die Bahnlinie direkt an ihrem Haus vorbeiführen bzw. wenn ihr Haus sogar enteignet werden sollte. Der Autor weitet das Thema HS2 aus und macht sich Gedanken über Kapitalismus, Bürokratie, Architektur und Agrarwirtschaft.

Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt!

Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot. Influx Press 2017. 405 Seiten. ISBN 978-1-910312-14-8.

 

 

Published in: on 22. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Das Shelley Memorial in Oxfords University College

Aller guten Dinge sind drei könnte man sagen, denn ich habe in meinem Blog bereits über zwei Denkmäler des englischen Dichters Percy Bysshe Shelley (1792-1822) berichtet, eines in der Priory Church in Christchurch und ein ziemlich ungewöhnliches in Horsham (West Sussex). Heute stelle ich Denkmal Nummer Drei vor, das im University College in Oxford zu finden ist.

Shelley besuchte dieses College als Student in den Jahren 1810/11 und niemand hätte damals gedacht, dass ihm dort einmal ein Denkmal gesetzt werden würde, denn der junge Mann erwies sich als widerborstig und unkonventionell, so dass er 1811 des Colleges verwiesen wurde.  Er dachte sich so manchen Streich aus (einmal setzte er den Türgriff an einer Wohnung eines unbeliebten Lehrers unter Strom); der eigentliche Grund, warum er aus dem College geworfen wurde, war aber, dass er ein Pamphlet mit dem Titel „The Necessity of Atheism“ verfasste, das gar nicht gut ankam. Also, hinaus mit dem jungen Mann.

Elf Jahres später, Percy hatte sich mittlerweile einen Ruf als romantischer Dichter erworben, ertrank er am 8. Juli 1822 in den Fluten des Mittelmeeres bei Viareggio in Italien. Seine Leiche wurde an den Strand gespült und genauso wurde auch die Marmorskulptur in Oxford gestaltet, der nackte, liegende Körper des Dichters auf einem bronzenen Sockel. Eigentlich wollte Shelleys Schwiegertochter Jane dieses Memorial Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Grab in Rom errichten lassen, doch es erwies sich als zu groß für die Grabstelle, so bot sie es Shelleys ehemaligem College an, das akzeptierte. 1893 wurde das Denkmal offiziell eingeweiht.

Geschaffen hat es der Londoner Bildhauer Edward Onslow Ford, Schöpfer zahlloser Skulpturen und Büsten prominenter Menschen. Ursprünglich trug Shelleys Figur einen bronzenen Lorbeerkranz auf der Stirn, doch wurde der bei einem Studentenstreich in den 1930er Jahren entwendet. Die Skulptur wurde noch mehrfach zur Zielscheibe studentischer Streiche, doch Shelley würde das wahrscheinlich gut gefunden haben, war er doch selbst auch ein berüchtigter „prankster“.

Oxfords University College.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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