…und noch einmal einige interessante englische Kreisverkehre

Roundabouts beziehungsweise Kreisverkehre gehören mit zu meinen Lieblingsthemen in meinem Blog. Ich habe in der Vergangenheit schon einige besonders kuriose vorgestellt und möchte heute noch einige interessante ergänzen. Zur Einstimmung ist hier der Song „English Roundabout“ der Band XTC aus Swindon in Wiltshire zu hören, die dabei sicher den Magic Roundabout ihrer Heimatstadt vor Augen haben.

Beginnen wir mit einem Kreisverkehr in der Ortschaft Seahouses an der Küste von Northumberland. Hier hat man das Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen des Ortes in den beiden Weltkriegen erinnert, mitten darauf gestellt. Anfangs saßen dort häufig Leute, die sich im gegenüberliegenden Neptune Fish Restaurant Fish and Chips geholt hatten und diese am Fuße des Denkmals verspeisten. Das kam aber nicht so gut an, darum wurde die ganze Anlage mit einem Geländer abgesperrt.

Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Auf einem Kreisverkehr in der High Street der Stadt Battle in Kent spielt sich eine dramatische Szene ab: Hier wird ein hoch zu Ross sitzender Normanne von einem Angelsachsen attackiert, was an den Beginn des Battle of Hastings erinnern soll, der am 14. Oktober 1066 ganz in der Nähe begann. Die Metallskulptur entwarf der renommierte Bildhauer Guy Portelli. Ich hoffe, die Kampfhandlung lenkt die Autofahrer nicht zu sehr ab.

Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)

Warum soll man einen Uhrenturm eigentlich nicht mitten auf einen Kreisverkehr platzieren, fragte man sich in Saltburn-by-the-Sea an der Ostküste von North Yorkshire. Gesagt, getan, so entstand direkt vor dem Eingang zum Bahnhof dieser kuriose Roundabout, der zusätzlich noch üppig bepflanzt ist.

Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Ein besonders hübsches Pferd ziert einen Kreisverkehr im Südosten Londons, im Stadtteil Belvedere. Der schottische Bildhauer Andy Scott hat es geschaffen und aus unzähligen kleinen Stahlteilchen zusammengesetzt, eine wahre Puzzlearbeit. Seit über zehn Jahren steht das Pferd jetzt schon auf dem nach ihm benannten Horse Roundabout, wo die die A2016 und die B253 zusammentreffen.

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

An der Ausfallstraße von Dorking in Surrey in Richtung London, der A24, stößt man auf den Pixham End Roundabout, dort, wo es auch zum Denbies Wine Estate abgeht. Dieser Kreisverkehr wird von einem Werk der Künstlerin Heather Burrell verziert, das zwei Radrennfahrer zeigt und an die Olympischen Spiele 2012 in London erinnert. Das olympische Straßenrennen führte hier am 28. beziehungsweise am 29. Juli vorbei. Heather Burrell hat sich auf das Arbeiten mit Stahl spezialisiert, und so sind auch die beiden konkurrierenden Radfahrer aus Stahl gefertigt.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Glynde Forge – Die alte Schmiede in Glynde (East Sussex) und der Künstler Thomas Gontar

The Old Forge (bevor Thomas Gontar einzog).
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Schmiede, die in früheren Zeiten in den meisten Dörfern zu finden waren, gehören heute zu der Zunft der aussterbenden Berufe. Kunstschmiede dagegen, die keine landwirtschaftlichen Geräte reparieren oder Hufbeschläge anfertigen, haben ihre feste Klientel und ihre Produkte sind gefragt. Einer von ihnen ist Thomas Gontar, der im Mai 2016 die Old Forge in Glynde in East Sussex übernommen hat. Glynde ist „just down the road“ von Glyndebourne, Englands berühmtem Opernhaus, für dessen Aufführungen es so schwer ist Karten zu bekommen.

Im Jahr 1907 wurde die alte Schmiede erbaut, so wie wir sie heute sehen; davor standen noch weitere Schmieden an dieser Stelle, die aber alle abgerissen worden sind. Vorbild für den Bau war eine Schmiede in Penshurst in Kent. Bevor Thomas Gontar die Schmiede übernahm, werkte hier Terry Tyhurst, der sich auf die Anfertigung von Wetterfahnen und eisernen Bänken spezialisiert hatte, auch restaurierte er alte Traktoren.

Im Portfolio von Thomas Gontar stehen beispielsweise kunstvoll verzierte Treppengeländer, Haustore, Kamingitter, Möbelstücke und Skulpturen. Er gibt auch eintägige Kurse im Schmieden, die in seinem alten Haus in den South Downs stattfinden. In diesem Film ist der Kunstschmied bei der Arbeit zu sehen.

Glynde Forge 
Glynde
The Street
Lewes
BN8 6SU

Im Inneren der Schmiede.
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

London Duck Tours – Stadtrundfahrten einmal anders

Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

In der Chicheley Street in London, gleich hinter dem London Eye, stehen merkwürdige Gefährte, die auf Kundschaft warten. Sie sind gelb, sehen aus wie kleine Busse, können aber wesentlich mehr als nur auf Straßen herumzufahren: Diese Fahrzeuge können auch problemlos auf der Themse schwimmen.

Die Duck Tours bieten eine andere Art an, London kennenzulernen. Die Amphibienfahrzeuge, die im 2. Weltkrieg entwickelt und bei der Invasion der normannischen Küste 1944 eingesetzt wurden, sind seit 2003 im Londoner Straßenbild zu finden. Vorbild waren die Boston Duck Tours, die in der nordostamerikanischen Stadt schon länger bei Touristen sehr beliebt sind.
10 „Ducks“ sind momentan im Einsatz, die auch Spezialtouren durchführen wie die James Bond Tour, die Treasure Hunt Tour und die D-Day Tour.

Woher kommt nun der Name „Duck Tours“? Im 2. Weltkrieg hatten die Amphibienfahrzeuge den Codenamen DUKW, aus dem man kurzerhand Duck, die Ente,  machte. Wer es genau wissen möchte, was DUKW bedeutete:

D = First year of production code „D“ is for 1942
U = Body style „U“ utility truck (amphibious)
K = Front wheel drive
W = Two rear driving wheels (tandem axle).

Im Augenblick sind die Ducks gestrandet, weil die Zufahrtsrampe zur Themse gesperrt ist. Dort wird zur Zeit der Thames Tideway Tunnel gebaut, ein riesiger 25 Kilometer langer Abwasserkanal.

Hier ist ein Film über die Duck Tours. Siehe auch meinen Blogeintrag über die Windsor Duck Tours.

In Hamburg gibt es auch so etwas, den Hafencity Riverbus, den ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann.

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die St Michael’s Chapel auf Rame Head in Cornwall

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Rame Head ist eine 93 Meter hohe Landspitze in Cornwall, nur wenige Kilometer südwestlich von Plymouth gelegen. Gekrönt wird sie von einer winzigen, steinernen Kapelle, der St Michael’s Chapel, die mich an eine andere Kapelle in Cornwall erinnert, die Hermit’s Chapel auf dem Roche Rock, die ich vor einigen Jahren in meinem Blog vorstellte.

St Michael’s ist für gehbehinderte Menschen so gut wie gar nicht zu erreichen, ein steiler Weg mit einigen Stufen führt zu ihr hinauf. Oben wird man mit einem grandiosen Blick auf die Küste Cornwalls und auf das Meer belohnt, die Kapelle selbst bietet eigentlich gar nichts Sehenswertes. Das winzige Gebäude verfügt über eine Tür, einige Fenster, keinen Fußboden, sonst nichts. Die Anfänge von St Michael’s gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Ab dem Jahr 1427 durften hier oben in luftiger Höhe immer montags Andachten abgehalten werden. 1882 ließ sie der Earl of Mount Edgcumbe restaurieren, aber trotzdem führte die Kapelle weiterhin ein Eremitendasein und verfiel bald wieder.

Durch die exponierte Lage bot sich St Michael’s immer wieder dafür an, hier einen Wachposten zu installieren, zum Beispiel im Jahr 1588, als die Invasion durch die spanische Armada drohte. Auch in den beiden Weltkriegen nutzte die britische Armee Rame Head und installierte neben der Kapelle einen Geschützstand. Selbst das ZDF war schon auf Rame Head, für Dreharbeiten des Films „Liebe gegen den Rest der Welt“ (2009) aus der Rosamunde-Pilcher-Serie.

Hier ist ein sehr stimmungsvoller Film über Rame Head und die Kapelle.

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Photo © Martin Bodman (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hampton Gay in Oxfordshire und ein tragisches Eisenbahnunglück am Heiligen Abend des Jahres 1874

Die Ruinen des Hampton Gay Manors.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Von dem Oxfordshire-Dörfchen Hampton Gay ist heute so gut wie nichts übriggeblieben, dabei gab es eine Zeit, als das Dorf es im 19. Jahrhundert durchaus zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte, dank einer dampfbetriebenen Papiermühle, doch als diese in den 1880er Jahren schloss, war es damit vorbei. Das Manor House, das Highlight des Ortes, brannte dann auch noch ab, und das war es dann für Hampton Gay, die Arbeiter der Mühle zogen weg, zurückblieben die St Giles Church, die Manor Farm und die Ruinen des Manor House.

Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe von Shipton-on-Cherwell, einem Ort, über den ich in meinem Blog schon vor fast zehn Jahren berichtet habe. Am Heiligen Abend des Jahres 1874 ereignete sich hier bei Hampton Gay ein besonders tragischer Eisenbahnunfall, der 34 Menschen das Leben kostete und bei dem 69 verletzt wurden. Der Zug der Great Western Railway war auf dem Weg von Oxford nach Birmingham; wahrscheinlich wollten die Passagiere Weihnachtsbesuche in Birmingham machen. Bei der Überquerung des Oxford-Kanals passierte es dann, dass der Radreifen eines der Waggons brach, woraufhin zwölf der vierzehn Eisenbahnwagen den Bahndamm hinunter beziehungsweise in den Kanal stürzten. Als die Arbeiter der nahegelegen Papiermühle den Crash hörte, eilten sie sofort zur Unfallstelle, um erste Hilfe zu leisten. 26 Passagiere waren auf der Stelle tot, die anderen starben auf dem Weg ins und im Krankenhaus in Oxford, wohin sie ein Sondereinsatzzug gebracht hatte.

Die Überlebenden des Shipton-on-Cherwell train crashs irrten noch eine Weile geschockt umher und suchten in dem kalten Winterwetter Schutz. Der Besitzer des Manor House soll ihnen diesen Schutz verweigert haben, so heißt es, woraufhin dieser mit einem Fluch belegt worden sein soll. Das Resultat: Das Haus brannte 1887 ab; nur noch die Ruinen erinnern an die besseren Zeiten von damals.

Die St Giles Church von Hampton Gay, in der hin und wieder noch Gottesdienste stattfinden.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Der Oxford-Kanal bei Hampton Gay.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Eine zeitgenössische Illustration des Eisenbahnunglücks.
This work is released into the public domain.
Published in: on 21. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Coldstones Cut im Nidderdale – Yorkshires größtes Kunstwerk

Photo: colgregg.
Creative Commons 2.0

Westlich des Ortes Pateley Bridge im Nidderdale von North Yorkshire liegt an der B6265 ein riesiger Steinbruch, der Coldstones Quarry, in dem die Firma Hanson, die zu der deutschen HeidelbergCement AG gehört, Gestein abbaut. 700 000 Tonnen Steine pro Jahr werden aus dem bis zu 300 Meter tiefen Erdloch herausgeholt und als Baumaterial in Yorkshire verwendet. Geschätzt 15 bis 20 Jahre soll der Quarry in Betrieb sein und dann wieder Mutter Natur übergeben werden, die den Auftrag erhalten wird, das hässliche Loch erneut zu begrünen.

Am 16. September 2010 wurde oben am Rand des Steinbruchs auf dem Greenhow Hill ein Kunstwerk eingeweiht, das größte in ganz Yorkshire, das sich The Coldstones Cut nennt, und von dem aus man einen großartigen Blick auf das Nidderdale und in den Quarry hat. Die Zeremonie nahm die Direktorin von Tate Britain, Dr Penelope Curtis, vor. Den Auftrag für die Konstruktion der außergewöhnlichen Skulptur hatte Andrew Sabin erhalten, ein 1958 in London geborener und dort auch ansässiger Bildhauer, der 2011 für den Coldstones Cut den Marsh Award for Excellence in Public Sculpture in Empfang nehmen durfte. Von 2006 bis 2010 arbeitete Andrew Sabin an dem Kunstwerk, das The Guardian als „The giant of the Dales and the best public artwork of the year“ bezeichnete.

Den besten Eindruck von Steinbruch und Kunstwerk bekommt man aus der Luft wie dieser Film zeigt. Direkt neben dem Coldstones Cut trifft man auf ein überdimensionales Fahrrad mit gewaltigen Reifen, gebaut von Arbeitern des Steinbruchs, um die Tour de France zu feiern, die 2014 in Yorkshire begann.

Der Eingang zum Coldstones Cut.
Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)
Der Coldstones Quarry.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The National Collection of Cider and Perry auf der Middle Farm bei Firle in East Sussex

Hier kann man seinen Lieblingscider beziehungsweise -perry vom Fass kaufen.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

Apfelwein spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle und ist vor allem als Äppelwoi regional in Hessen beliebt. In England dagegen gibt es sehr viele Fans von Cider, der allerdings etwas anders produziert wird. In jedem englischen Pub bekommt man Cider, oft auch vom Fass; die großen, populären Marken sind Bulmers, Strongbow und Thatchers, doch gibt es auch sehr viele regionale Ciderproduzenten, hauptsächlich im Süden und Südwesten des Landes. Perry dagegen, der auf Birnenbasis hergestellt wird, hat nicht so viele Anhänger.

Die größte Auswahl in ganz England an diesen beiden Getränken findet man auf der Middle Farm an der A27 bei Firle in East Sussex, dort ist die National Collection of Cider and Perry beheimatet. Mehr als einhundert verschiedene Sorten aus dem ganzen Land vom Fass warten in der Cider Barn auf eine Verkostung, die vorher sorgfältig von den Farmbesitzern ausgewählt worden sind, bevor sie in den Verkauf gehen. Man bringt sein Gefäß zum Abfüllen mit oder kauft vor Ort ein wiederverwendbares, also vom Umweltgesichtspunkt her eine saubere Angelegenheit. Darüber hinaus werden auf der Farm rund 250 Sorten Cider and Perry in Flaschen angeboten.

Die Middle Farm hat neben dem riesigen Getränkeangebot (man kann hier auch regionale Biere und Weine kaufen) noch einen Hofladen mit ebenfalls regionalen Spezialitäten wie Käse aus Sussex und Fleisch von den auf der Farm gehaltenen Tieren, die man (bevor sie leider geschlachtet werden) im Rahmen der Open Farm besuchen kann. Da wir in England sind, gibt es hier natürlich auch einen Tearoom.

Die Middle Farm ist täglich von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Dieser Film zeigt einen Besuch auf der Farm.

Middle Farm
West Firle
Lewes BN8 6LJ 

Rund 250 Sorten Cider und Perry gibt es in Flaschen.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Hier hat man die Qual der Wahl.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0
Published in: on 19. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

St Matthew’s – Eine Kirche im Stausee bei Normanton in der Grafschaft Rutland

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Mitte der 1970er Jahre musste ein neues Wasserreservoir in der Mitte Englands gebaut werden, um dem steigenden Wasserbedarf gerecht zu werden. Man entschied sich dafür, einen Stausee in der Grafschaft Rutland anzulegen, musste dafür aber die Dörfer Nether Hambleden und Middle Hambleden abreißen und fluten. Jetzt ist Rutland Water das flächenmäßig größte Reservoir Englands.

Auch Teile des Ortes Normanton fielen dem Stausee zum Opfer und die Kirche St Matthew’s (auch Normanton Church genannt), einst Privatkapelle des Normanton Estates, sollte abgerissen werden, weil der Kirchenboden unterhalb der geplanten Wasserlinie liegen würde. Das war aber den Bewohnern der Umgebung zuviel des Guten und es erhob sich lautstarker Protest; nachdem nun schon Dörfer aufgegeben werden mussten, wollte man nicht auch noch auf die baulich sehr schöne Kirche verzichten. Der öffentliche Aufschrei hatte Erfolg: Der gefährdete untere Teil der Kirche wurde mit einem Gemisch von Zement und Steinen aufgefüllt, so dass der Kirchenboden jetzt etwa 60 cm über der Hochwasserlinie liegt.

Weiterhin wurde ein Damm vom Festland zur Kirche gebaut und das komplette Gebäude mit großen Steinen befestigt. Wenn der Stausee voll ist, sieht es, aus als ob St Matthew’s über der Wasseroberfläche schweben würde.

Die Kirche wird seit 1986 als Museum genutzt und es kann hier auch geheiratet werden. Dieser Film zeigt diese ganz besonders schön gelegene Kirche aus der Luft.

St. Matthew’s Church
Normanton Park Road
Normanton (Nr. Edith Weston)
Rutland

Das Buch zum Artikel:
Bryan Waites: Normanton Church Rutland Water. Multum in Parvo Press 2009. 24 Seiten. ISBN 978-0952454472.

Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Burnham Market in Norfolk alias Chelsea-by-the-Sea – Hier haben viele wohlhabende Londoner ihren Zweitwohnsitz

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Wo würde man wohl den größten Hutladen in England vermuten? In London, in Manchester? Nein, falsch. „The Hat Shop“ mit einem Angebot von tausenden von Hüten für Damen und Herren, liegt in einem Dorf mit knapp 1000 Einwohnern, in Burnham Market in der Grafschaft Norfolk.

Burnham Market wird gern auch als Chelsea-by-the-Sea bezeichnet, weil es hier zahlreiche Zweitwohnungen gibt, die sich wohlhabende Londoner zugelegt haben. Diese neuen Bewohner, die sich im Laufe der Jahre in dem hübschen Dorf, das zwei Kilometer von der Nordküste Norfolks entfernt liegt, angesiedelt haben, prägen das Ortsbild, das man jetzt sehr wohl als Up-Market bezeichnen kann.
Da gibt es mehrere Galerien wie zum Beispiel Andrew Ruffheads „The Fish and Ships Coastal Art Gallery“, Schönheitssalons, exklusive Designermodeläden, ein Weingeschäft usw.
Am Village Green liegt das elegante Hotel „The Hoste„, eine ehemalige Kutschenstation aus dem 17. Jahrhundert, mit Wellness Spa und anspruchsvollem Restaurant, in dessen Küche der größte AGA-Kochherd der Welt steht.

Da Burnham Market auch als Chelsea-by-the-Sea bezeichnet wird, sind im Straßenbild des Ortes natürlich auch so manche „Chelsea Tractors“ zu sehen wie die hochpreisigen Luxus-SUVs genannt werden wie Range Rovers oder Porsche Cayennes.

Hier ist ein Film über Burnham Market.

The Hat Shop.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
The Hoste.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Daniel Lambert (1770-1809) aus Stamford in Lincolnshire – Er war einmal der schwerste Mann Englands

Porträt von Benjamin Marshall.
This work is in the public domain 

Auf dem Friedhof der St Martin’s Church in Stamford (Lincolnshire) liegt er begraben, Daniel Lambert, der einst schwerste Mann Englands, der am 21. Juni 1809 im Gasthof „Waggon and Horses“ in Stamford starb. Erstaunliche 335 kg brachte Lambert auf die Waage, der nur 39 Jahre alt wurde.
Warum der in Leicester geborene Mann so dick wurde, ist nie so ganz klar geworden, da er nicht übermäßig viel aß oder trank. Erst als Lambert Mitte 20 war, begann sein Körpergewicht gewaltig zuzunehmen. Wenn er auf Reisen ging, benutzte er eine extra verstärkte Kutsche und man kann sich vorstellen, welche Probleme der Bestatter hatte, als es darum ging Lamberts sterbliche Hülle in einen Sarg und dann in ein extrabreites Grab zu bringen.

Wie umfangreich Daniel Lambert war, geht aus folgender Schilderung eines Zeitgenossen hervor: „When sitting he appears to be a stupendous mass of flesh, for his thighs are so covered by his belly that nothing but his knees are to be seen, while the flesh of his legs, which resemble pillows, projects in such a manner as to nearly bury his feet“ (Clive Aslet: Landmarks of Britain).

Tragischerweise sah Daniel Lambert, ehemaliger Gefängniswärter,  keine andere Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, als sich selbst mit seinem gigantischen Körper zur Schau zu stellen und dafür Geld zu nehmen. 1 Shilling kostete der Besuch in seiner Londoner Wohnung.

Als Lambert gestorben war, kaufte der Besitzer von Stamfords „Ram Jam Inn“ seine Kleider, die später im Museum von Stamford ausgestellt wurden; leider schloss das Museum am 30 Juni 2011 aus Kostengründen seine Pforten. Aus dem „Ram Jam Inn“ wurde später  „The Daniel Lambert“, der heute nicht mehr existiert.  Auch in Leicester gab es einen Pub mit diesem Namen, der in den 1970er Jahren abgerissen wurde.

In Stamfords „George Hotel„, in dem ich einige Male übernachtete und das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe, hängt in der Eingangshalle ein Porträt von Daniel Lambert und sein Spazierstock ist hier auch ausgestellt.

Die Schriftstellerin Sue Townsend, die durch ihre Adrian Mole-Romane bekannt wurde, hat dem Dicken ein Theaterstück gewidmet, das „The Ghost of Daniel Lambert“ heißt und 1981 in Leicester uraufgeführt wurde.

Der Fußballverein von Stamford, Stamford A.F.C., der momentan in der Northern Premier League spielt, hat den Spitznamen The Daniels, in Erinnerung an den Mann, dessen kurzes Leben auf dem Friedhof der St Mary’s Church der Stadt in Lincolnshire ein Ende fand.

Hier ist ein Film der BBC über den Mann aus Leicester.

Plakette an Daniels Sterbehaus in Stamford.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Daniels Grabstelle auf dem Kirchhof von St Mary’s in Stamford.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Fountaine Hospital – Eines der schönsten Armenhäuser Englands in Linton-in-Craven (North Yorkshire)

Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns in eines der Yorkshire Dales, und zwar in das Wharfedale in den Ort Linton-in-Craven, ein kleines, sehr idyllisch gelegenes Dorf. Am Village Green steht der Pub The Fountaine Inn, ein rotes Telefonhäuschen ist noch erhalten geblieben, eine steinerne Brücke überquert das Flüsschen Linton Beck und ein großes, edel aussehendes Gebäude beherrscht den Platz: The Fountaine Hospital. Dabei handelt es sich um ein „almshouse„, ein Armenhaus. Um die Wikipedia zu zitieren: „In Armenhäusern lebten vor allem ältere Menschen, die nicht mehr selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten. Sie erhielten dort einen Wohnplatz und tägliche Verpflegung„.

Normalerweise waren Armenhäuser eher bescheiden wirkende Gebäude, dieses hier in Linton dagegen ist recht pompös und erinnert auf den ersten Blick wie eine Miniversion des Castle Howard, und tatsächlich wurde dessen Erbauer Sir John Vanbrugh auch als Architekt des Fountaine Hospitals genannt, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. William Wakefield und William Etty gelten als wahrscheinlichste „Designer“ dieses Armenhauses.

Auftraggeber für den Bau des Hauses war Richard Fountaine, 1639 in Linton geboren, der nach London zog und dort zu einem reichen Mann wurde. Er war Holzhändler und machte sein Vermögen durch den Verkauf von Särgen, die in London zur Zeit der Großen Pest händeringend gebraucht wurden, auch nach dem Großen Brand von London 1666 benötigte man für den Wiederaufbau große Mengen an Holz. Als Richard Fountaine 1722 starb, hinterließ er in seinem Testament den Auftrag, in seinem Heimatdorf ein sehr schönes Armenhaus zu bauen. Er äußerte keine detaillierten Wünsche wie das Haus aussehen sollte, machte aber konkrete Angaben zu den zukünftigen Bewohnern. Sechs bedürftige Menschen aus Linton sollten in das nach ihm benannte Armenhaus einziehen; Fountaine machte Angaben wie die Kleidung der Bewohner aussehen sollte und über die Gottesdienste, die sie besuchen sollten. Noch heute leben einige ältere Menschen aus Linton in dem Almshouse, das zu den schönsten in ganz England zählt.

Photo © Carroll Pierce (cc-by-sa/2.0)
The Fountaine Inn.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)
Die steinerne Brücke über den Linton Beck am Village Green.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Bourn Hall Clinic in Bourn (Cambridgeshire) – Ein sehr wichtiger Ort in der Geschichte der Medizin

Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Wie so viele andere Herrenhäuser in England auch, hatte Bourn Hall im Süden der Grafschaft Cambridgeshire eine wechselvolle Geschichte mit vielen Besitzern, doch keiner von ihnen wird geahnt haben, dass dieses Haus einmal in der Geschichte der Medizin eine bedeutende Rolle spielen sollte. Die Familie Hagar war Besitzerin Nummer 1 im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, es folgten die De La Warrs, auf deren Namen man in England immer wieder trifft, die hier von 1733 bis 1883 wohnten. Im Jahr 1980 schließlich kauften die beiden Mediziner Patrick Steptoe (1913-1988) und Robert Edwards (1925-2013) Bourn Hall und gründeten darin eine Klinik, die sich darauf spezialisierte, unfruchtbare Menschen zu behandeln.
Der Durchbruch gelang Steptoe und Edwards 1978, als sie, gemeinsam mit Jean Purdy (1945-1985) bei Lesley Brown eine künstliche Befruchtung durchführten, die darin mündete, dass sie am 25. Juli 1978 in Oldham (Greater Manchester) Louise Brown gebar, das erste „test-tube baby“ der Welt, der erste in vitro gezeugte Mensch, damals eine Sensation in der Medizin. Bis heute arbeiten Spezialisten in Bourn Hall, die bis Ende 2021 24 339 Babies „erschaffen“ und damit zahlreiche Ehepaare glücklich gemacht haben.

Im Jahr 2010 erhielt Robert Edwards den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für seine Entwicklung der  In-vitro-Fertilisation“, so die Begründung für die Preisvergabe.
Der jetzige „Science Director“ in der Bourn Hall Clinic ist Martyn Blayney, ein Schüler des Nobelpreisträgers.

Auch die Bourn Hall Fertility Clinic hat sich sozusagen mehrfach neu erzeugt, denn in East Anglia gibt es mittlerweile sechs weitere Fruchtbarkeitskliniken, die zum „Mutterhaus“ gehören, in Cambridge, in Colchester, in Norwich, in Wickford, in King’s Lynn und in Peterborough.

Bourn Hall Clinic
High Street
Bourn
Cambridge CB23 2TN

The Grange Opera in West Horsley (Surrey) und die weltweit erste Fußballoper

Das neue Opernhaus in Surrey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Vor elf Jahren stellte ich in meinem Blog schon einmal The Grange Opera vor; damals war sie noch in Northington in der Grafschaft Hampshire angesiedelt. Mittlerweile, seit 2017, ist sie nach Surrey umgezogen und zwar auf das Gelände des West Horsley Place, einem Manor House, das 1425 erbaut wurde und das heute sehr gern für Film- und Fernsehproduktionen genutzt wird. Es liegt südwestlich von London zwischen Guildford und Leatherhead (siehe auch meine Blogeinträge über das benachbarte East Horsley).

Gegründet wurde die Grange Opera 1998 von der in London geborenen Musikerin Wasfi Kani, die auch die Londoner Pimlico Opera ins Leben gerufen hat, die dadurch bekannt geworden ist, dass sie häufig in britischen Gefängnissen Aufführungen veranstaltet. Im West Horsley Place wurde extra ein fünfstöckiges neues Opernhaus gebaut, das sich Theatre in the Woods nennt. Wasfi Kani hat sich für den Neubau die Mailänder Scala als Vorbild genommen. 700 Besucher passen in das Gebäude.

Gewisse Parallelen zu Glyndebourne sind hier zu finden. Man zieht sich dem festlichen Anlass entsprechend an, in der Pause kann man im Manor House dinieren und in den Gärten von West Horsley Place spazieren gehen. Dieser Film zeigt den Start in die Saison 2022.

In diesem Oktober findet in der Grange Opera eine Weltpremiere statt, die erste Fußballoper, die jemals komponiert worden ist: „Gods of the Game„. Die Musik stammt von dem in Wales geborenen Komponisten Julian Philips und einem Team, das Libretto von Phil Porter, Jahrgang 1973, der schon über ein Dutzend Theaterstücke geschrieben hat. In der Oper geht es um Korruption im englischen Fußball. Ebenfalls eine Weltneuheit ist, dass ein Teil des Chores aus Fußballfans von englischen Spitzenclubs besteht. In den Hauptrollen werden zu sehen sein, der brasilianische Bariton Michel de Souza, die Sopranistin Milly Forrest und der Tenor David Webb, alles Künstler, die schon auf namhaften Bühnen aufgetreten sind. Dirigent ist George Jackson, der gerade ein Engagement als musikalischer Leiter der Amarillo Symphony in Texas begonnen hat. Die Premiere der Oper in zwei Akten findet am 6. Oktober statt, es folgen sechs weitere Aufführungen bis zum 16. Oktober.

Hier ist schon einmal ein Blick in die Proben zu der Fußballoper.

Opera House
The Theatre in the Woods
West Horsley Place
KT24 6AN

West Horsley Place.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

Blitz The Butt Week vom 12. bis zum 18. September 2022 – Jetzt geht es den Zigarettenkippen an den Kragen

Photo: cybrgrl.
Creative Commons 2.0

Die Webseiten „http://www.rubbishwalks.co.uk“ tragen den Zusatztitel „Microadventures With A Mission“ und wurden von Jason Alexander in Ipswich in Suffolk gegründet. Er hat sich das Thema Müllvermeidung und Müllbeseitigung auf seine Fahnen geschrieben und sich das Motto zu eigen gemacht „Nicht nur darüber reden, sondern auch Taten folgen lassen“. Er möchte keine Gemeinschaft von Müllsammlern haben, sondern eine Gemeinschaft, die erst gar keinen Müll verursacht.

In der Woche vom 12. bis zum 18. September hat er die „Blitz The Butt Week“ ausgerufen, in der in Großbritannien so viele Zigarettenkippen („butts“) wie möglich aufgesammelt werden sollen. Im Vorfeld dieser Aktionswoche haben die „Rubbishwalks“-Teilnehmer bereits über 1,1 Millionen dieser unappetitlichen Kippen aufgesammelt, die die Straßen und Plätze verschmutzen, bei Regen zerfallen und die in den Filtern enthaltenen Giftstoffe freisetzen und unsere Umwelt in Gefahr bringen.

Wer in der „Blitz The Butt Week“ teilnehmen möchte, steht vor zwei alternativen Herausforderungen. 1: In einer Woche 2022 Kippen aufsammeln, ein Foto davon machen und in die sozialen Medien hochladen. 2: An einem Tag 2022 Zigarettenüberbleibsel von Straßen und Plätzen aufsammeln und ein Foto davon hochladen.

Jason Alexander gibt auf seinen Webseiten Tipps wie man die Kippen am schnellsten zählt; so passen beispielsweise in einen Standard-Maurereimer circa 9000 und in eine Ein-Liter-Plastikflasche 750. Nach Ende der Aktion werden die „butts“ dann ordnungsgemäß entsorgt. Von den geschätzten jährlich weltweit gerauchten 6,5 Billionen Zigaretten, so steht es auf Jasons Webseiten zu lesen, werden nur etwa ein Drittel davon in Müllbehältern entsorgt, der Rest landet „in freier Wildbahn“, stellt also eine große Gefahr für unser aller Gesundheit dar. Wünschen wir den Zigarettenkippensammlern in dieser Woche viel Erfolg!

Published in: on 12. September 2022 at 02:00  Comments (4)  

Hillbrush – Bürsten und Besen aus Mere in Wiltshire

Das Besucherzentrum Visit Hillbrush.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Sir Harrison Birtwistle (1934-2022) ist bisher der bekannteste Sohn des Dorfes Mere in Wiltshire, der am 18. April diesen Jahres hier verstarb und der sich einen Namen als Komponist klassischer, zeitgenössischer Musik gemacht hat.

Mere ist auch das Hauptquartier einer Firma, die international bekannt ist, die Bürsten und Besen in jeder Art und Form herstellt: Hillbrush. In diesem Jahr feiert die Firma ihr hundertjähriges Bestehen, denn sie wurde 1922 von Fred und Bill Coward in Mere gegründet. Die Produktpalette wurde im Laufe der Zeit immer mehr ausgeweitet. Ursprünglich stellten die beiden Cowards Bürsten und Besen für die Landwirtschaft her; jetzt produziert man hier in Wiltshire diese Reinigungsgeräte auch für den Einsatz in hochsensiblen Bereichen wie in der pharmazeutischen und der Lebensmittelindustrie. Mittlerweile gibt es eine weitere Produktionsstätte in Baltimore, im US-Bundesstaat Maryland.
Dieser Film wirft einen Blick in die Produktionshallen von Hillbrush.

Im April hat Hillbrush in Mere ein Besucherzentrum eröffnet, in dem man sich über die Gegenstände informieren kann, die hier hergestellt werden. Visit Hillbrush heißt das Zentrum, dass das einzige Bürstenmuseum in Großbritannien beherbergt. Und dass Bürsten und Besen offensichtlich auf Interesse stoßen, zeigen die Besucherzahlen, die auf über 50 000 pro Jahr geklettert sind. In dem interaktiven Museum wird gezeigt wie sich die Produktion innerhalb der vier Generationen der Besitzerfamilie von den 1920er Jahren bis heute verändert hat. Stolz ist man in der Firma darauf, dass sie einen Royal Warrant hat, also Hoflieferant ist. Vielleicht fegt die Queen ja hin und wieder ihr Wohnzimmer im Buckingham Palast oder im Windsor Castle mit einem Besen aus, der in Mere hergestellt worden ist.

Das Besucherzentrum ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Es gibt zusätzlich noch ein Restaurant und einen Shop, in dem die Produkte aus den Werkshallen von Mere, aber auch anderes angeboten wird.

Aus Anlass des 100jährigen Bestehens der Firma hat ihr Chairman Philip Coward ein Buch herausgegeben, das sich mit der Geschichte von Hillbrush beschäftigt. Von dessen Verkaufspreis in Höhe von £15 werden £5 an den Royal Warrant Holders Association Charity Fund überwiesen.

Der Ort Mere liegt an der A303 am westlichen Rand des Landschaftsschutzgebiets Cranborne Chase, das Besucherzentrum an der B3092.

Visit Hillbrush
Norwood Park
Mere
Wiltshire BA12 6FE

Published in: on 11. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Camden Place (Kent) – Golfclub, Mordhaus und ehemaliger Wohnsitz Napoleons III.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Camden Place, vor den Toren Londons in der Grafschaft Kent gelegen, ist der ganze Stolz des Chislehurst Golf Clubs, denn es fungiert als deren Clubhaus. Auch Hochzeitspaare lieben dieses sehr schöne Haus, das man für entsprechende Feiern mieten kann. Die Imperial Lounge oder der Eugenie Room bieten genau die richtige Atmosphäre, die man für den schönsten Tag des Lebens gern haben möchte.

Doch nicht jeder, der hier feiert wird wissen, was sich im Camden Place schon alles so abgespielt hat.
Im frühen 17. Jahrhundert wurde es erbaut und immer wieder von späteren Besitzern umgestaltet und erweitert. Im Jahr 1813 erlebte Camden Place eine Katastrophe. Der damalige Besitzer, ein gewisser Thomas Bonar, wurde am 31. Mai 1813, zusammen mit seiner Ehefrau, von einem ihrer Diener, Philip Nicolson, ermordet. Ein Motiv war nie erkennbar. Nicolson wurde nach seiner Flucht in London gefasst und für die beiden Morde gehängt. Dieser Mordfall sollte später Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes-Geschichte „The Adventure of the Abbey Grange“ (dt. „Abbey Grange“) inspirieren.

Im Jahr 1860 kaufte der frankophile Nathaniel Strode das Haus und gab Camden Place einen französischen „Touch“. Als Napoleon III und seine Frau Eugenie ins Exil gehen mussten, bot ihnen Strode seinen schönen Landsitz an, und die beiden lebten hier, gemeinsam mit ihrem Sohn, in der ländlichen Idylle. 1873 starb Napoleon III. in Camden Place, und er wurde auf dem Kirchhof der St Mary’s Church in Chislehurst beigesetzt. Später holte ihn seine Witwe nach Farnborough in die St Michael’s Abbey, wo auch sein Sohn liegt, der 1879 während des Zulu-Krieges gefallen war. Kaiserin Eugenie fand ihre letzte Ruhestätte ebenfalls in der Abtei neben Mann und Sohn.

Nathaniel Strode ging wieder auf seinen Landsitz zurück. Nach seinem Tod im Jahr 1890 wurde das Anwesen an William Willett verkauft, der als Erfinder der Sommerzeit gilt (und der Ur-Ur-Großvater des Coldplay-Sängers Chris Martin ist).

Camden Place hat also eine interessante Geschichte hinter sich und erfreut sich heute an Brautpaaren und Golfern.

Camden Place
Camden Park Road
Chislehurst
Kent BR7 5HJ

Zu Chislehurst siehe auch diese beiden Blogeinträge.

St Mary’s in Chislehurst.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
St Michael’s Abbey in Farnborough (Hampshire), wo Napoleon III. und seine Familie ruht.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Dies und das über Littlehampton, einer kleinen Stadt an der Küste von West Sussex

Teil der Littlehampton Bench.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Wenn man auf der A259 von Brighton weiter nach Westen fährt, kommt man an schier endlosen Wohnsiedlungen und Industriegebieten vorbei, was nicht wirklich schön aussieht. Einige Kilometer westlich von Worthing liegt der Badeort Littlehampton mit einer Strandpromenade wie sie bei vielen Engländern beliebt ist: Hier findet man Spielbuden, Minigolfplätze, Andenkenläden und Stände, die Süßigkeiten verkaufen, alles schön laut und bunt.

In Littlehampton kann man auch die längste Bank Großbritanniens bewundern, die sich 324 Meter an  der Promenade entlangzieht und am 30. Juli 2010 eingeweiht wurde. Die Bank, die aus Tausenden von bunten recycelten Holzpfählen besteht und die Platz für 300 Menschen bietet, windet sich um Mauern und Lampenpfosten herum und ist ein kleines Kunstwerk. Von hier aus kann man sich entspannt in den Anblick des Meeres vertiefen.

Neben der Bank gibt es am Strand von Littlehampton noch etwas Besonderes zu bewundern: Das East Beach Café. Der berühmte Architekt Thomas Heatherwick hat dieses außergewöhnliche Gebäude entworfen, das einem Stück Treibholz nachempfunden ist. Zwei Männer haben das Café in neun Monaten gebaut, wobei überwiegend Stahl als Baumaterial verwendet wurde. Seit der Fertigstellung im Juni 2007 hat das East Beach Café über 20 nationale und internationale Design- und Architektur-Preise gewonnen.
Das Café ist das ganze Jahr über geöffnet und man kann hier vom Frühstück bis zum Abendessen alle Mahlzeiten einnehmen und hat dabei einen fantastischen Blick aufs Meer.

In Littlehampton befindet sich auch der Firmensitz der Handelskette für kosmetische Produkte The Body Shop. Die Firma wurde 1976 von Anita Roddick gegründet, die übrigens auch in Littlehampton geboren wurde. The Body Shop hat sich auf seine Fahnen geschrieben, auf Tierversuche zu verzichten und legt Wert auf Fairen Handel. Mit ca 800 Angestellten ist The Body Shop ein wichtiger Arbeitgeber in Littlehampton.

Hier sind Bilder von der längsten Bank Großbritanniens.

Das East Beach Café.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
The Body Shop HQ.
Photo © Chris Shaw (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 9. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Hockham Stone Turn – Eine Zeremonie auf einem Village Green in Norfolk

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Am 2. Juni diesen Jahres war es wieder einmal so weit: Auf dem Village Green von Great Hockham in Norfolk fanden sich acht Männer zusammen, die eine körperlich schwere Aufgabe zu bewältigen hatten, sie mussten einen tonnenschweren Stein, der dort schon seit den 1880er Jahren liegt, umdrehen. The Hockham Stone Turn wurde zum zwölften Mal ausgeführt, und das zu Ehren des Platinum Jubilee der Königin.

Der Felsbrocken, der zur letzten Eiszeit bis in diese Region Norfolks geschoben worden war, wurde außerhalb Great Hockhams von einem Bauern auf seinem Feld gefunden und mit zwei Pferden zum Village Green transportiert. Das erste Mal wurde der Stein anlässlich des goldenen Thronjubiläums Königin Victorias 1887 umgedreht, und damit begann diese merkwürdige Zeremonie, die nun schon seit 135 Jahren besteht. Immer nur zu besonderen Anlässen müssen starke Männer in Great Hockham mit Hilfe von Hebeln und anderen Gerätschaften den Brocken herumdrehen, zum Beispiel zu anderen königlichen Jubiläen, zur Jahrtausendwende und zum 50. Jahrestags des Kriegsendes, dem VE Day.

Unter dem Hockham Stone hat man eine Zeitkapsel installiert, in der sich Gegenstände aus dem jeweiligen Jahr der „Wende“ befinden. In diesem Jahr sind ein Covid-Testgerät und eine ukrainische Fahne hinzugefügt worden.

Great Hockham liegt an der A1075, nordöstlich von Thetford.

Published in: on 8. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sir Joseph Nickerson und Frederick Robinson, 2nd Marquess of Ripon – Zwei Männer, die Rekorde im Abschießen von Wildvögeln aufstellten

Photo © Des Colhoun (cc-by-sa/2.0)

Sir Joseph Nickerson (1914-1990) war ein erfolgreicher Farmer und Geschäftsmann, der viele Sorten Saatgut nach Großbritannien importierte und damit wohlhabend wurde. Frederick Oliver Robinson, 2nd Marquess of Ripon (1852-1923) war ein Politiker, der im Parlament den Wahlbezirk Ripon in North Yorkshire vertrat und eng mit König Edward VII. befreundet war.
Beide hatten eine Leidenschaft: Das Abschießen von Wildvögeln. Ob Rebhühner oder Fasane, es konnten gar nicht genug sein; sie schossen die Vögel nicht ab, um sie dem menschlichen Genuss zuzuführen, sie betrieben diesen sogenannten „Sport“ nur zum Amüsement und um sich damit zu brüsten, wie viele Tiere sie erlegt haben.

Nickerson versuchte immer wieder die von dem Marquess aufgestellten Rekorde zu brechen. Sir Joseph war stolz darauf, in seinem Leben 188 172 Wildvögel abgeschossen zu haben, was durchschnittlich 7841 pro Jahr entsprach. Er stellte auch einen Rekord auf; niemand vor ihm hatte an einem Tag so viele Rebhühner getötet wie er, nämlich 1059. Da kann man doch wirklich stolz darauf sein! Nickerson schrieb ein Buch über seine Leidenschaft: „A Shooting Man’s Creed„, das so etwas wie die Bibel für Jäger von Wildvögeln ist und in dem er von der grenzenlosen Freude spricht, die ihm das Töten von Vögeln bereitet hat.

Der Marquess of Ripon soll in seinem Leben 556 000 Vögel geschossen haben, wovon 241 000 Fasane waren. Bei einer Jagd auf dem Gelände von Sandringham behauptete er, in weniger als einer Minute 28 Fasane getötet zu haben (was in diesem Film nachgestellt wird, aber glücklicherweise ohne Fasane). Der Mann war regelrecht besessen davon, alles abzuschießen, was ihm vor die Flinte kam, auch vor Singvögeln machte er kein Halt. Und wenn da zufällig ein friedlich grasendes Schaf herumstand…Bäng!

Leider sind diese beiden Männer keine Ausnahme; auch heute noch wird auf dem Privatgelände vieler Großgrundbesitzer in der Jagdsaison wild herumgeballert und alles vom Himmel geholt, was Flügel hat.

Published in: on 7. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Round Houses in Veryan (Cornwall)

Chyrond und Round House East.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Veryan ist ein hübsches Dorf auf der Roseland Peninsula in Cornwall, das hauptsächlich durch seine fünf runden Häuser bekannt geworden ist, von denen jeweils zwei an Ortseinfahrten liegen; das fünfte findet man im Dorf hinter der Schule. Die weißen Cottages mit ihren reetgedeckten Dächern und Kreuzen obendrauf wurden im 19. Jahrhundert aus „Sicherheitsgründen“ an den Dorfzufahrten in runder Form erbaut, damit sich der Teufel nicht an irgendwelchen Ecken dieser Gebäude verstecken konnte. Ob sich der Teufel wohl dadurch hat abschrecken lassen, das Dorf zu betreten?

Die fünf Round Houses waren die Idee des Dorfpfarrers Reverend Jeremiah Trist, der sie 1815 (in anderen Quellen ist von 1830 zu lesen) von dem Bauunternehmer Hugh Rowe aus Lostwithiel hat errichten lassen, möglicherweise für seine fünf Töchter. Inspiriert wurde der Reverend durch ein rundes Haus in St Winnow in Cornwall, das ein Freund von ihm dort gebaut hatte.

Ende letzten Jahres kam eines der fünf runden Häuser namens Chyrond auf den Markt und wurde für £675,000 angeboten. Die Häuser stehen als Ferienhäuser zur Verfügung und kosten etwa zwischen £840 und £1240 pro Woche.

The Right Roundhouse.
Photo © Jo and Steve Turner (cc-by-sa/2.0)
The Left Roundhouse.
Photo © Jo and Steve Turner (cc-by-sa/2.0)
Das fünfte Roundhouse in der Ortsmitte (dieses hat als einziges kein Reetdach und kein Kreuz).
Photo © Jo and Steve Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

Village Signs – Haslingfield in Cambridgeshire

Photo © Dave Thompson (cc-by-sa/2.0)

Etwa zehn Kilometer südwestlich von Cambridge, auf dem Village Green an der High Street von Haslingfield, steht das Dorfschild des Ortes, das ein weißes Pferd zeigt, auf dem eine Reiterin sitzt, die durch ihre Kleidung offensichtlich dem höheren Adel zuzuordnen ist. Es handelt sich bei ihr um niemand Geringeres als um Queen Elizabeth I.. Die Königin weilte im Jahr 1564 für eine Nacht im Manor House von Haslingfield, das Sir Thomas Wendy (1499 -1560) bewohnte, und der war Elizabeths Leibarzt, so wie er es schon bei ihrem Vater Heinrich VIII. war. Während ihres kurzen Aufenthaltes in Haslingfield soll die Königin einen ihrer Ringe verloren haben, was sie aber sicher hat verschmerzen können.

Sir Thomas Wendys Manor House am Broad Lane, von dem noch ein Flügel erhalten ist, steht heute unter Denkmalschutz.

Das Village Sign von Haslingfield wurde 1984 aufgestellt, nach Plänen von Maureen Mabey, die den Wettbewerb für das schönste Dorfschild gewonnen hatte. Maureen war professionelle Künstlerin und lebte über fünfzig Jahre im Dorf; sie starb am 31. März diesen Jahres im Alter von 93 Jahren. Das Village Sign war eine Gemeinschaftsarbeit von mehreren Dorfbewohnern, und ich bin der Meinung, es ist ihnen gut gelungen.

Noch eine Bemerkung am Rande: Queen Elizabeths Gastgeber 1564, Sir Thomas Wendy, wurde mit einem Denkmal in Haslingfields Kirche All Saints geehrt. Das aufwendig gestaltete Monument zeigt eine Figurengruppe mit Sir Thomas und seinem Sohn Sir William. Letzterem, der das Denkmal in Auftrag gegeben hatte, wurde im April 2016 der Kopf abgeschlagen und gestohlen, ein Vorgang, der im Dorf für große Empörung sorgte.

Das Thomas Wendy Memorial in der Kirche All Saints in Haslingfield.
Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bob Davey (1929-2021) – Der Mann, der eine Kirche in Norfolk vor dem Verfall rettete und dabei eine sensationelle Entdeckung machte

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

St Mary the Virgin in Houghton-on-the-Hill bei Swaffham in Norfolk würde heute nicht mehr existieren, wenn es Bob Davey nicht gegeben hätte. Fast dreißig Jahre lang kümmerte sich Bob Davey aus North Pickenham (Norfolk) rührend um St Mary, bewahrte die Kirche vor dem Verfall und ließ sie im alten Glanz neu erstrahlen. Im Ersten Weltkrieg war sie durch eine von einem Zeppelin abgeworfene Bombe arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Bei einem Spaziergang entdeckte Bobs Ehefrau Gloria die Ruinen von St Mary, die durch das um sie herum wuchernde Gestrüpp kaum noch zu erkennen waren. Sie erzählte ihrem Mann davon, der Kirchenvorsteher in North Pickenham war; der sah sich St Mary an, und von da ab war es um ihn geschehen. Nichts mehr sollte ihn in seinem Leben derart in Anspruch nehmen als der Wunsch, die Kirche wieder komplett zu restaurieren Zuerst bekam es Bob mit einem Hindernis zu tun: St Mary war der Treffpunkt von Satanisten, die dort im Verborgenen ihre schwarzen Messen zelebrierten. Es war nicht leicht, diese Menschen zu vergraulen; sie bedrohten Dave, aber der blieb standhaft, und er schaffte es tatsächlich, die Satanisten zu vertreiben.

Und dann begann die Arbeit; Bob entfernte das gesamte Gestrüpp, reparierte den Turm und die Wände, und dabei entdeckte er, als ein Stück Putz herunterfiel, Wandmalereien aus dem zwölften bis vierzehnten Jahrhundert, und darunter noch ältere aus der angelsächsischen Zeit, eine Sensation, die Experten im ganzen Land aufhorchen und nach Norfolk kommen ließ. Glücklicherweise rief der Sensationsfund in Houghton-on-the-Hill auch Sponsoren auf den Plan, die Bobs Arbeiten finanziell unterstützten. Noch heute kommen Interessenten aus der ganzen Welt hierher, um sich diese uralten Meisterwerke, die ältesten in Westeuropa, anzusehen.

Das fehlende Dach der Kirche wurde durch die Verwendung alter Hölzer ersetzt, und der Original-Taufstein fand seinen Weg wieder zurück. Der Prince of Wales, der sich sehr für mittelalterliche Kirchen interessiert, kam zu Besuch, das Fernsehen berichtete über St Mary und über Bob Davey, der für seine Verdienste den Orden Member of the British Empire verliehen bekam. Ich glaube, dass Bob als glücklicher Mensch gestorben ist.

„The church that came back from the dead“ steht heute allen Glaubensrichtungen für Gottesdienste zur Verfügung.

Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Famous Graves – The Ducrow Sepulchre auf dem Kensal Green Cemetery in London

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Am 27. Januar 1842 starb in London Andrew Ducrow, genannt „The Colossus of Equestrians„, einer der berühmtesten Kunstreiter seiner Zeit, der auf dem Kensal Green Friedhof eines der bemerkenswertesten Grabstätten „bewohnt“, The Ducrow Sepulchre. Das pompöse Grabmal erinnert mich an die ähnlich pompösen auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Andrew Ducrown hatte schon zu Lebzeiten eine stattliche Summe beiseite gelegt, die für sein Memorial verwendet werden sollte, desgleichen eine Geldsumme, von deren Zinsen auch in Zukunft ständig frische Blumen für sein Grabmal gekauft werden sollten. Das Mausoleum, das ägyptische Züge hat, trägt die folgende Inschrift, die sich Ducrows Witwe ausgedacht hat:

Within this tomb, erected by genius of the reception of its own remains, are deposited those of Andrew Ducrow, whose death deprived the arts and sciences of an eminent professor and liberal patron; his family of an affectionate husband and father; and the world of an upright man„.

Das Design des Grabmals stammt von George Danson (1799-1881), der für Andrew Ducrows Shows die Kulissen entworfen hatte (und der auch auf dem Kensal Green Cemetery begraben worden ist).

Andrew Ducrow wurde nicht umsonst „The Colossus of Equestrians“ und „Father of British Circus Equestrianism“ genannt, er tourte durch Großbritannien und mehrere europäische Länder mit seiner Zirkusshow und trat in London vorwiegend in seinem Astley’s Amphitheatre auf, einem Gebäude, das 1893 abgerissen worden ist. Ducrow war nicht nur ein exzellenter Kunstreiter, er war auch Akrobat und Seiltänzer und trat schon im Alter von sieben Jahren vor King George III. auf.

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
In Astley’s Amphitheatre.
This work is in the public domain.
Published in: on 3. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Beerwolf Books – Ein Pub in Falmouth (Cornwall) für lesefreudige Biertrinker

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Dass es Buchhandlungen gibt, in denen man einen Kaffee trinken kann, ist nicht ganz so ungewöhnlich, aber dass dort Bier ausgeschenkt wird schon. Beerwolf Books in der Stadt Falmouth an der Südküste der Grafschaft Cornwall ist ein Zwitter: Eine Buchhandlung mit angeschlossenem Pub beziehungsweise ein Pub mit angeschlossener Buchhandlung. Auf jeden Fall kommen hier sowohl Biertrinker als auch Lesefreudige auf ihre Kosten.

Im Dezember 2012 öffnete Beerwolf Books erstmals seine Pforten in den ehemaligen Räumlichkeiten des Falmouth Working Men’s Club. Es war ein Versuch, diese Kombination Bier + Buch, die aber viele Freunde gefunden hat. Bei den Büchern handelt es sich nicht um Neuware, sondern um Second Hand Books beziehungsweise Remittenden. In der Buchabteilung sind Tische und Stühle aufgestellt, so dass man sich in das Buch seiner Wahl schon einmal vertiefen kann; in der Abteilung Bier bekommt man sieben Biere vom Fass, darunter immer wieder wechselnde „Gastbiere“ von Mikrobrauereien der Region. Da Beerwolf Books keine Küche hat, kann sich jeder sein Essen selbst mitbringen. Der Name „Beerwolf“ ist möglicherweise ein Wortspiel mit „Beowulf„, dem altenglischen, epischen Heldengedicht.

Beerwolf Books
3 Bells Court
Falmouth
TR11 3AZ

Published in: on 2. September 2022 at 02:00  Comments (3)  

Uplees in der Grafschaft Kent, wo sich am 2. April 1916 eine der gewaltigsten Explosionen in der Geschichte Großbritanniens ereignete

Überreste der ehemaligen Munitionsfabriken.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Uplees ist ein kleines Dorf, das ein paar Kilometer nördlich von Faversham in der Grafschaft Kent liegt. Hier ereignete sich am 2. April 1916 um 14.20 Uhr eine der größten Explosionen der britischen Geschichte.
Zwei Firmen hatten sich hier auf dem gleichen Gelände in Uplees angesiedelt, die Cotton Powder Company und die  Explosives Loading Company. An jenem Tag im April, einem wunderschönen warmen Sonntag, hatten einige leere Säcke bei der Explosives Loading Company Feuer gefangen, was dazu führte, dass 15 Tonnen TNT und 150 Tonnen Ammoniumnitrat, die hier gelagert waren, explodierten. 109 Menschen kamen bei dieser gewaltigen Explosion ums Leben, viele wurden schwer verletzt.

Man hatte die Munitionsfabriken extra in dieser abgelegenen Region im nördlichen Kent gebaut, andernfalls hätte das Unglück sicher noch mehr Menschenleben gefordert. Die Druckwelle der Explosion war so stark, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Themsemündung, in Southend-on-Sea, noch zahlreiche Fenster zu Bruch gingen und man den Explosionsknall noch in der Grafschaft Norfolk hören konnte.

Man hatte in der Fabrik zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um so ein Unglück zu vermeiden:  Die Schienen der Werksbahn bestanden aus Holz, um Funkenflug zu vermeiden; die Hufeisen der dort eingesetzten Pferde waren aus Messing statt aus Eisen; es gab eine eigene Werksfeuerwehr, die über große Mengen an Löschwasser verfügte, aber all das konnte das Unglück nicht verhindern.

Ein großer Teil der Opfer wurde auf dem Friedhof von Faversham in einem Massengrab beigesetzt.

Fast 100 Jahre sind vergangen. In dieser verlassenen Gegend von Kent werden schon lange keine Explosivstoffe mehr hergestellt und kaum noch etwas erinnert mehr an dieses schwere Unglück aus der Zeit des 1. Weltkriegs.

Hier, in einem Massengrab auf dem Friedhof von Faversham, ruhen viele der Opfer der Katastrophe von 1916.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

Snooks – Die Statue eines kleinen Hundes in Aldeburgh (Suffolk)

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Dr Robin Acheson praktizierte viele Jahre lang, von 1931 bis 1959, als Hausarzt in der Küstenstadt Aldeburgh in Suffolk. Nach seinem Tod übernahm seine Frau Dr Nora Acheson die Praxis. Jeder in der Stadt kannte den Arzt, wenn er seine Runden machte und Patienten zuhause aufsuchte. Dabei wurde er häufig von seinem Hund Snooks begleitet, der seinen Namen von der Fischart Snook erhielt, den die Achesons während des Zweiten Weltkriegs aßen, der in Dosen importiert wurde. Jeder in Aldeburgh mochte den kleinen Hund, der eine Eigenheit hatte, die ihm nicht gut bekam, er fraß liebend gern die Kieselsteine, die es am Strand in Mengen gab, und so musste er einige Male unter das Messer des örtlichen Tierarztes, damit diese wieder ans Tageslicht befördert werden konnten.

Zwei Jahre nach dem Tod von Dr Robin Acheson, im Jahr 1961, errichtete man ihm zu Ehren eine Statue in der Nähe des Museums und des Schiffsmodellteichs, auf der ein Abbild seines geliebten Hundes sitzt, sie trägt die Inschrift:

THIS MEMORIAL WAS ERECTED BY THE PEOPLE OF THE BOROUGH TO Dr ROBIN P M ACHESON WHO CARED FOR THEM FROM 1931 TO 1959 AND TO Dr NORA HIS WIFE WHO DIED 1981 WHILST STILL CARING.

42 Jahre lang saß Snooks dort auf der Plinthe, bis er im Februar 2003 gestohlen wurde. Ganz Aldeburgh war empört, alle hatten die kleine Statue lieb gewonnen, und als sie nicht mehr auftauchte, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um eine neue herstellen zu lassen.
Fast zehn Jahre später tauchte der Original-Snooks wieder auf; ein Antiquitätenhändler fand ihn auf einem Markt in Lincoln, stellte einige Recherchen über die Herkunft der Statue an, fand heraus, dass sie gestohlen worden war und gab sie den Bürgern von Aldeburgh wieder zurück. Jetzt sitzt Snooks im Garten des Aldeburgh Hospitals, während sein Replika-Zwilling nach wie vor an dem ursprünglichen Standort zu finden ist.

An einem kalten Wintertag in Aldeburgh.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Museum of Witchcraft and Magic in Boscastle (Cornwall)

Photo © Darren Haddock (cc-by-sa/2.0)

Am 16. August 2004 ging eine Meldung auch in Deutschland durch die Medien, in der der Ortsname Boscastle genannt wurde: An diesem Tag wurde das schläfrige Küstenstädtchen an der Nordküste Cornwalls nach einem heftigen Unwetter von einer vier Meter hohen Flutwelle überspült, die glücklicherweise keine Todesopfer verursachte, aber einen immensen Sachschaden von ca 60 Millionen Euro zur Folge hatte. Hier ein Film über die Katastrophe.

Auch das „Museum of Witchcraft and Magic„, die Touristenattraktion von Boscastle, wurde von der Flutwelle schwer betroffen. Das Erdgeschoss wurde ganz vernichtet und etwa 10% der Ausstellungsstücke gingen verloren. Tagelang waren die Räume des Museums mit dem, was die Wassermassen zurückgelassen hatten, bedeckt; doch dann krempelten die Museumsmitarbeiter und Freiwillige aus dem Ort die Ärmel hoch und räumten auf, so dass am 25. März 2005 das Museum wieder geöffnet werden konnte.

Seit 1960 gibt es das Museum in Boscastle, und hier ist so alles zusammengetragen worden, was in irgendeiner Form mit Hexerei und Magie zu tun hat. Eltern, die ihre Kinder mitnehmen, werden gewarnt: „People with children of a sensitive disposition are warned that some of the exhibits are controversial„.

Die „Friends of the Museum of Witchcraft & Magic“ unterstützen das Museum nach besten Kräften.
Der Eintritt beträgt £7 für Erwachsene, £5 für Kinder, aber (wie ich einmal las): £10 für „Naughty Children and little monsters“. Man sollte sich also schon genau überlegen, wenn man Kinder in das Museum mitnimmt, ob sie in die Kategorie „well behaved“ oder in die Kategorie „naughty“ fallen.

Hier ist ein Film über das Museum.

The Museum of Witchcraft and Magic
The Harbour
Boscastle
Cornwall
PL35 0HD

Photo: Ennor.
Creative Commons 2.0


Photo: Midnightblueowl.
Creative Commons 3.0
Published in: on 30. August 2022 at 02:00  Comments (2)  

WOOF&BREW – Köstliche Getränke für Hunde… aus St Ives in Cambridgeshire

Ob es hier wohl Bottom Sniffer Bier gibt?
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Felder kehren Herrchen und Hund in einen Pub ein, und sollte dieser hundefreundlich sein, so bekommt der Vierbeiner vielleicht eine Schüssel mit Wasser hingestellt, damit er seinen Durst löschen kann, während der Zweibeiner genüsslich sein Pint Real Ale schlürft. Da wird sich so mancher Hund im Stillen sagen, so etwas hätte ich jetzt auch gern, anstelle des labberigen Wassers. Wenn der Pub nun besonders dog-friendly ist, könnte der Hundewunsch in Erfüllung gehen, in Form einer Flasche Bottom Sniffer Biers, (leider?) ohne Alkohol und Kohlensäure, aber mit vielen leckeren Kräutern. Hundeladies, die kein Bier mögen, ziehen sicher einen Wein vor wie Posh Pooch Tailwagger Creek Dog Wine oder Posh Pooch Barker Bay Dog Wine, ebenfalls alkoholfrei. Sollte ein Hund weder Bier noch Wein mögen, kann er zu einer Tasse Hundetee greifen, der in den Geschmacksrichtungen Lapdog Souchong, Barkjeeling und Earl Greyhound auf dem Markt ist.

Alle diese genannten Leckerlis für Hunde kommen aus dem Haus WOOF&BREW, The Pet Drinks Company, beheimatet in St Ives in Cambridgeshire. Seit November 2012 gibt es diese Firma schon, die sich auf all das spezialisiert hat, was Hunde gern in flüssiger Form zu sich nehmen (und am nächsten Baum wieder von sich geben). In Zusammenarbeit mit Tierärzten und Experten für Hundeernährung sind diese Produkte entwickelt worden, die schon so manchen Hund glücklich gemacht haben.

Dieser Film zeigt den Abfüllvorgang des Bottom Sniffer Biers, und hier ist ein TV-Werbespot der Firma.

Published in: on 29. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„English Country Garden“ – Eine Hymne auf die Vielfalt der Blumen in einem englischen Garten

Die Snowshill Manor Gardens in Gloucestershire.
Photo © Stuart Wilding (cc-by-sa/2.0)

Nachdem ich gestern über die Lambrook Manor Gardens in Somerset geschrieben habe, bleibe ich heute noch einmal beim Thema „Country Garden“.

Der US-amerikanische Sänger Jimmie Rodgers (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Countrysänger) hatte im Juni 1962 einen großen Hit in England mit seinem Song „English Country Garden„, der es bis auf Platz 5 der Charts schaffte. Darin besingt er mit einer sehr eingängigen Melodie die Blumen, die man in einem typischen englischen Garten findet. Die 1. Strophe lautet so:

How many kinds of sweet flowers grow
In an English country garden?
We’ll tell you now of some that we know
Those we miss you’ll surely pardon
Daffodils, heart’s ease and flox
Meadowsweet and lady smocks
Gentian, lupine and tall hollihocks
Roses, foxgloves, snowdrops,
Blue forget-me-nots
In an English country garden.

Woher stammt nun dieser hübsche Song? Zu finden ist die Melodie in der 1728 uraufgeführten „The Quaker’s Opera„, ein Werk in drei Akten, in dem es um das Leben des berühmten Räubers Jack Sheppard geht und das auf der Londoner Bartholomew Fair gespielt wurde. Das Lied „The Vicar of Bray“ verwendet ebenfalls diese Melodie.

Ein gewisser Percy Grainger beschäftigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit englischer Volksmusik, fand die Melodie wieder, arrangierte sie neu und widmete sie seinem Freund Edvard Grieg.
Das Lied wurde seitdem in verschiedenen Interpretationen mit leicht veränderten Titeln wie „Country Gardens“ oder „In an English Country Garden“ aufgenommen und veröffentlicht.
Hier ist die Version von Jimmie Rodgers zu hören und hier die Version mit Rolf Harris.

Published in: on 28. August 2022 at 02:00  Comments (5)  

Margery Fish und die East Lambrook Manor Gardens in Somerset

Das Manor House.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich hatte die Journalistin Margery Fish (1888?-1969) mit Gärten gar nichts am Hute; auch ihr Ehemann Walter, Nachrichtenredakteur bei der Daily Mail als sie ihn kennenlernte, war alles andere als ein Gartenfachmann; und doch sollten die Fishs, besonders Margery, in die Geschichte des englischen Gartenbaus eingehen.

1938 verließ das Journalistenehepaar am Vorabend des 2. Weltkriegs die  Großstadt London und zog in das ländliche Somerset, wo sie das heruntergekommene East Lambrook Manor kauften, ein nicht allzu großes Herrenhaus aus der Tudor-Zeit. Margery und Walter krempelten die Ärmel hoch, um aus ihrem neuen Anwesen wieder etwas Neues zu erschaffen; auch der total verwilderte Garten wurde neu gestaltet, was Margery so gut gelang, dass East Lambrook Manor heute als „Home of English Cottage Gardening“ gilt.

So begeistert war Margery Fish von der Arbeit in ihrem Garten, dass sie mehrere Bücher darüber schrieb, von denen auch einige ins Deutsche übersetzt wurden. In „We Made a Garden„, das 1956 erschien, schildert sie wie sie und ihr Mann aus der Wildnis einen blühenden Garten erschufen. Es folgten Bücher mit den Titeln „Cottage Garden Flowers“, „Gardening in the Shade“ oder „Carefree Gardening“.

Nach Margery Fishs Tod im Jahr 1969 wechselte East Lambrook Manor mehrfach die Besitzer, aber alle legten Wert darauf, den so liebevoll gestalteten Garten so gut wie möglich zu erhalten.

Heute sind die East Lambrook Manor Gardens ein beliebtes Ausflugsziel. In diesem Jahr sind die Gärten von Februar bis Ende Oktober geöffnet; die Schneeglöckchen „läuteten“ wie immer die neue Saison ein. . Der Eintrittspreis beträgt in diesem Jahr £6.50.

In diesem Film sind Bilder von den Manor Gardens zu sehen.

East Lambrook Manor Gardens
South Petherton
Somerset, TA13 5HH

Das Buch zum Artikel:
Timothy Clark: Margery Fish’s Country Gardening. Garden Art Press 1999. 192 Seiten. ISBN 978-1870673310

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)
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Photo: steeljam.
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Published in: on 27. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen