The Dog in Grundisburgh (Suffolk) – Englands hundefreundlichster Pub

Für viele Hundebesitzer in England ist es wichtig, wenn sie einen Pub aufsuchen wie ihre geliebten Vierbeiner dort aufgenommen werden. Nicht umsonst gibt es mehrere „dogfriendly pubguides“ auf dem Buchmarkt.; siehe dazu meinen früheren Blogeintrag.

Die Webseite“www.dogbuddypubs.com“ zeichnet jedes Jahr landesweit die besten hundefreundlichsten Pubs aus; da gibt es den National Winner und die Regionalsieger. Der Gesamtsieger in diesem Jahr ist: The Dog in Grundisburgh in der Grafschaft Suffolk, einen passenderen Namen kann es wohl nicht geben.

Erst einmal zur Orientierung, wo wir hier eigentlich sind: Grundisburgh ist ein kleiner Ort rund zehn Kilometer nordöstlich von der Grafschaftshauptstadt Ipswich entfernt. The Dog liegt mitten im Ort an der Woodbridge Road neben dem Dorfladen The Old Forge Stores.

Hier also fühlen sich Hundebesitzer und Hunde gleichermaßen wohl, denn Zweibeiner und Vierbeiner sind sowohl in der Bar als auch im Restaurant und im Biergarten willkommen. „Happy dogs, happy owners“ ist das Motto des Pubs, der bei den Hunden des Dorfes so beliebt ist, dass sogar manche dort ohne ihre Herrchen oder Frauchen erscheinen und sich ein Leckerli abholen. Bereitgestellt werden im Pub immer Schalen mit frischem Wasser, Hundebetten für den kleinen Schlaf zwischendurch und eine große Kiste mit Spielzeug. Langeweile kommt für die Vierbeiner nicht auf und während sie schlafen oder spielen, können ihre Besitzer in Ruhe ihre Pints schlürfen.

Der National Winner erhält übrigens eine Plakette für die Außenwand, einen Pokal und einen Einjahresvorrat an Hundeleckerlis.

The Dog
The Green
Grundisburgh
Suffolk IP13 6TA

Published in: on 18. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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National Tree Week vom 24. November bis zum 2. Dezember 2018

Eine Eiche in Herefordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mich in England aufhalte, fällt mir immer wieder auf wie viele schöne, hochgewachsene, wunderbar geformte Bäume dort zu finden sind. Ob als Solitär auf einer Wiese stehend oder in Gruppen in einem der Parks oder Arboreten, ich finde die Bäume immer wieder faszinierend.

In der Zeit vom 24. November bis zum 2. Dezember in diesem Jahr stehen sie in der National Tree Week zu Recht wieder einmal im Mittelpunkt. 1975 wurde diese Idee erstmals vom Tree Council ins Leben gerufen, einer Wohltätigkeitsorganisation für Bäume, die auch eine Tree Care Campaign und eine Hedge Tree Campaign unterhält.

Während der National Tree Week wird dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen und an dieser Aktion beteiligen sich Freiwillige, Schulen, Behörden und kommunale Gruppen, die ein Herz für Bäume haben. Rund eine Million werden in dieser Zeit gepflanzt, initiiert und unterstützt von Tree Wardens („Tree Wardens are volunteers, appointed by parish councils or other community organisations, who gather information about their local trees, get involved in local tree matters and encourage local practical projects related to the trees and woods“).

Es gibt zahlreiche Aktivitäten auf lokaler Ebene wie Vorträge, Waldspaziergänge usw. Das Weald and Downland Living Museum in Singleton bei Chichester (West Sussex) beispielsweise spricht gezielt Schulen an, die ihre Projekte in Zusammenarbeit mit dem Museum durchführen können.

Hier ist ein kurzer Film über die National Tree Week.

Eine Araukarie (Monkey Puzzle Tree) in Derbyshire.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Eine Platane (London plane tree) in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Gatehouse Lodges – Die Eingangstore zu Herrenhäusern

Viele Herrenhäuser auf dem Land sind nur durch vorgeschaltete Torhäuser zugänglich, in denen früher Pförtner mit ihren Familien wohnten, deren Aufgabe es war, die Zugangskontrolle zum Haupthaus vorzunehmen und die Tore zu öffnen und zu schließen. Manchmal wurden diese Gatehouse Lodges in einem architektonisch imposanten Stil erbaut, um Besuchern schon vorab zu zeigen, was sie dann erst im Manor House erwartet. Hin und wieder sind die Haupthäuser abgerissen worden, die Torhäuser aber sind stehengeblieben.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich einige dieser schönen Gatehouses im Bild vorstellen:

Das vielleicht schönste Gatehouse in ganz England: Layer Marney Tower bei Colchester in Essex.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zu Gisburne Park in Lancashire. Die beiden Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

Clifton Lodge, ein großartiges Torhaus, das Zugang zum Ashton Court Estate in North Somerset gewährt.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Dieses romantische Haus bewacht nichts mehr, denn das Haupthaus Great Bounds bei Southborough in Kent wurde schon 1958 abgerissen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sauber und herausgeputzt präsentiert sich dieses Lodge House der Warfield Hall bei Bracknell in Berkshire, das heute einem wohlhabenden Saudi gehört.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Die Gate Lodges des Syon Parks im Westen von London.
Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal in einem Gatehouse wohnen möchte: Der Landmark Trust bietet zum Beispiel Apartments im Wolveton Gatehouse bei Dorchester in Dorset oder im Shute Gatehouse bei Axminster in Devon an.

 

Published in: on 16. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Christmas Adventure in Stockeld Park (West Yorkshire)

Stockeld Park.
Author: GPBG1204.
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5 km von Wetherby in West Yorkshire entfernt liegt Stockeld Park, ein großes Anwesen, auf dem seit 2006 jedes Jahr ein Winterwunderland, The Christmas Adventure,  aufgebaut wird, das für Groß und Klein jede Menge (vor)weihnachtliche Attraktionen bietet. In diesem Jahr ist es seit dem 1. November geöffnet und schließt am am 7. Januar 2019.

Da gibt es z.B. einen großen illuminierten Irrgarten in Form einer Schneeflocke mit 12 Eingängen und 1,5 km Wegen, aus dem herauszufinden nicht ganz leicht ist.
Einer der Höhepunkte ist der Enchanted Forest, das ist ein 1,2 km langer Weg durch ein Waldgebiet, in dem man Trollen, Zauberern und anderen Fantasiefiguren begegnet; am besten man geht nach Einbruch der Dunkelheit in diesen Zauberwald, denn dann sind die Figuren alle illuminiert.

In Santa’s Grotto kommen die kleinen Besucher auf ihre Kosten, denn da begegnen sie dem Weihnachtsmann. Tickets für den Weihnachtsmannbesuch können über das Internet vorab gebucht werden.

Es gibt eine Eislaufbahn, die seit diesem Jahr auch überdacht ist, und einen Nordic Ski Trail, der durch den Zauberwald führt.

Da auf dem Gelände von Stockeld Park auch Weihnachtsbäume angepflanzt werden (die besten von Yorkshire!), bietet es sich an, bei einem Besuch des Christmas Adventures auch geich einen Baum mit nach Hause zu nehmen.

Natürlich gibt es hier auch einen riesigen Christmas Shop, in dem man alles kaufen kann, was das weihnachtliche Herz begehrt.

Dieser Film vermittelt einige Impressionen aus dem Winterwunderland.

Published in: on 15. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bramall Hall – Ein wunderschönes Haus in der Region Greater Manchester

Der Stockport Metropolitan Borough Council betreibt seit 1974 eines der schönsten Tudorhäuser in der Region Greater Manchester: Bramall Hall, das für £1.6 Millionen renoviert wurde, dank eines Zuschusses vom Heritage Lottery Fund.
Gerade einmal drei Familien haben in den letzten 800 Jahren dieses wunderschöne Haus bewohnt: die Davenports, die De Bromales und die Nevills.
Bramall Hall und seine Gärten sind zu besichtigen, es gibt eine ganze Reihe von Aktivitäten, so zum Beispiel in diesem Jahr mehrere Weihnachtskonzerte im Dezember, u.a. mit Gordon Giltrap. Die Hall sieht bei weihnachtlicher Dekoration und beleuchtet besonders schön aus.
Man kann in der Hall seine Hochzeit feiern und dort Konferenzen und Bankette buchen. Irgendwie muss das Geld, das man für den Unterhalt des Gebäudes und seiner Gärten ausgibt, ja wieder hereinbekommen.

Gern stellt man Bramall Hall auch für Filmaufnahmen zur Verfügung. So wurden hier vor Ort schon Folgen von den beliebten TV-Serien „Coronation Street“, „Cash in the Attic“, „The Making of a Lady“ und „Prank Patrol“ gedreht.

Und selbstverständlich gibt es hier auch einen Gift Shop und für Erfrischungen das The Stables Kitchen Café. Was will man mehr?

Wer sich für die Geschichte von Bramall Hall näher interessiert, kann sich in der Wikipedia darüber informieren.

Dieser Film zeigt die Hall, von einer Drohne aus, in unterschiedlichen Perspektiven, und hier sind Innenaufnahmen nach der Renovierung zu sehen.

Bramal Hall Rd
Bramhall
Stockport SK7 3NX

Published in: on 14. November 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Cadbury Angels – Die „Schokoladenfrauen“ im Ersten Weltkrieg

Ein Firmengebäude in Bournville.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

In vielen Teilen Europas wird zur Zeit an das Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 gedacht, das nun hundert Jahre zurückliegt. So liegt es auf der Hand, auch einmal an die sogenannten Cadbury Angels zu erinnern, die ihren Teil an der Unterstützung der Soldaten an der Front beitrugen. Cadbury war damals (und auch heute noch) einer der größten Schokoladeproduzenten in Großbritannien mit Sitz in Bournville, südlich von Birmingham. Auf einem großen Areal standen und stehen noch die Produktionshallen und ein angrenzendes Model Village, das die Firmenbesitzer für ihre Arbeiterinnen und Arbeiter gebaut hatten. Da im Verlauf des Ersten Weltkriegs immer mehr Männer an die Front beordert wurden, mussten Frauen deren Arbeitsplätze einnehmen, so auch bei der Firma Cadbury. Auf Grund ihrer weißen Arbeitskleidung erhielten sie den Namen Cadbury Angels, und sie hatten bald die Gelegenheit ihrem Namen Taten folgen zu lassen. Es handelte sich überwiegend um junge Frauen, denn die Geschäftsführung von Cadbury sah vor, dass Frauen, sobald sie verheiratet waren, die Firma verlassen mussten, weil sie der Meinung war, dass verheiratete Frauen sich um Haus und Kinder kümmern sollten.

Die Angels unterstützten die Männer an der Front, indem sie Pakete für sie packten, in denen neben Cadbury-Schokolade auch selbst gestrickte Kleidung und Bücher zu finden waren, begleitet von einem Brief, in dem die Frauen Grüße an die Front schickten. Rund 30 000 dieser Pakete sind damals gepackt und verschickt worden. Einige der Cadbury Angels betätigten sich auch noch auf einem anderen Feld und zwar als Krankenschwestern, denn die Cadburys hatten zwei Gebäude auf ihrem Gelände zur Verfügung gestellt, um dort verwundete Soldaten zu behandeln und zu pflegen.

Die Cadbury Angels hatten bewiesen, dass auch Frauen „ihren Mann stehen konnten“ und durch ihren Einsatz veränderten sich auch die Rechte der Frauen an ihren Arbeitsplätzen zum Positiven. Hier ist ein Film über die Angels.

Die Schokoladenfirma aus Bournville hat in diesem Jahr den Commemorative Cadbury Dairy Milk Bar auf den Markt gebracht, einen Schokoriegel, von dessen Erlös die Royal British Legion einen gewissen Teil erhält.

Wer sich für Schokolade interessiert, sollte einmal die Cadbury World in Bournville aufsuchen, eine der Besucherattraktionen im Raum Birmingham.

Hier geht es zur Cadbury World.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Sekhmet – Eine mysteriöse ägyptische Göttin über dem Eingang zum Auktionshaus Sotheby’s in der Londoner New Bond Street

Ob wohl die Besucher des Londoner Auktionshauses Sotheby’s in der New Bond Street 34/35 auch einmal nach oben schauen, bevor sie das Haus betreten, um die eigenartige schwarze Figur zu betrachten, die den Eingang zu bewachen scheint? Es handelt sich dabei um eine ägyptische Göttin namens Sachmet bzw. Sekhmet wie es auf dem Sockel steht, auf dem sie befestigt ist. Die aus schwarzem Basalt geschaffene löwenartige Figur war einst die Göttin des Krieges und auch der Heilung. Sie wurde der Legende nach als Tochter des Sonnengottes Ra betrachtet und war die Beschützerin der Pharaonen. Die Büste soll im Jahr 1320 vor Christi Geburt erschaffen worden sein und gilt als älteste Büste in Privatbesitz, die in London außerhalb geschlossener Räume zu finden ist.
In irgendeiner Weise kam sie nach London und wurde, zusammen mit anderen Artefakten, in den 1880er Jahren dem Auktionshaus angeboten; alles zusammen ersteigerte jemand für £40, doch merkwürdigerweise ließ sich dieser Unbekannte nie mehr bei Sotheby’s blicken, um seine Schätze abzuholen. So blieb Sachmet bei den Auktionatoren, die damals noch in der Wellington Street ansässig waren. Als sie 1917 in ihr neues Domizil in die New Bond Street zogen, nahmen sie auch die schwarze Göttin mit und positionierten sie über dem Haupteingang. Da steht sie nun und betrachtet das Kommen und Gehen vor dem wohl berühmtesten Auktionshaus der Welt.

Published in: on 12. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Harry Patch (1898-2009) in Monkton Combe (Somerset)

In Monkton Combe, einem Dorf im Dunstkreis von Bath in Somerset, liegt auf dem Kirchhof von St Michael’s das Grab eines außergewöhnlichen Mannes. Henry John Patch, meist Harry Patch genannt, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er am 25. Juli 2009 im Alter von 111 Jahren gestorben war. Sein Geburtshaus in der Nachbargemeinde Combe Down liegt nur wenige hundert Meter entfernt; Harrys Geburtstag war der 17. Juni 1898.

Unter dem Namen „The Last Fighting Tommy“ ist er in Großbritannien eine Legende, denn er war der letzte überlebende Veteran des Ersten Weltkrieges. Harry Patch kannte die Grauen der schrecklichen Grabenkämpfe an der Westfront; im Jahr 1917 wurde er bei der Dritten Flandernschlacht bei Passendale schwer verwundet und zurück nach England gebracht. Der Mann sagte im Rückblick auf den Krieg einige bemerkenswerte Worte, die mich wirklich sehr beeindruckt haben, zum Beispiel: „Why should the British government call me up and take me out to a battlefield to shoot a man I never knew, whose language I couldn’t speak? All those lives lost for a war finished over a table. Now what is the sense in that?“ oder „Give your leaders each a gun and then let them fight it out themselves„.

Wenige Tage nach seinem Tod veröffentlichte die englische Rockband Radiohead einen Song mit dem Titel „Harry Patch (In Memory Of)„, basierend auf einem Interview, das der Veteran der BBC im Jahr 2005 gab und von dem Thom Yorke, Leadsänger und Komponist der Band, schwer beeindruckt war.

Gemeinsam mit Richard van Emden schrieb Harry Patch seine Autobiografie mit dem Titel „The Last Fighting Tommy: The Life of Harry Patch, the Oldest Surviving Veteran of the Trenches„.

Die Trauerfeier für ihn fand in der Kathedrale von Wells in Somerset statt, deren Glocken für jedes seiner Lebensjahre schlugen, also 111 mal. Sein Sarg wurde begleitet von Soldaten der britischen, belgischen, französischen und auch der deutschen Armee, wobei Harrys ausdrücklicher Wunsch war, dass die Soldaten keine Waffen trugen. Die königliche Familie war vertreten durch Camilla, Herzogin von Cornwall.

Von Wells aus wurden die sterblichen Überreste von Harry Patch auf den Friedhof von St Michael’s nach Monkton Combe überführt, einer ruhig gelegenen kleinen Kirche, die gerade einmal 17 Meter lang ist.

Hier ist eine ausführliche Dokumentation der BBC über das Leben des Harry Patch.

Der Trauerzug durch die Straßen von Wells.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

St Michael’s Church in Monkton Combe (Somerset).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Gedenkstein für Harry Patch vor der Kathedrale von Wells.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Toddington (Bedfordshire) – Eine pfannkuchenbackende Hexe und lauschende Kinder

Copyright: Calendar Customs. With friendly permission.

Üblicherweise wurden schon immer am Fastnachtsdienstag (Shrove Tuesday) in England, ein Tag bevor die Fastenzeit (Lent) beginnt, Pfannkuchen gebacken, einfach um noch vorhandene Reste zu verwerten wie Eier, Butter usw., bevor die Zeit des Darbens beginnt.

In manchen Orten wurde zur Mittagszeit eine Glocke geläutet, die Pancake Bell, um die Hausfrauen daran zu erinnern, mit dem Backen der Pfannkuchen loszulegen. Das geschah auch in dem Dorf Toddington in der Grafschaft Bedfordshire, wo die betreffende Glocke in der St George’s Church hängt. Ein nur in diesem Dorf ausgeübter Brauch war, und ist es mittlerweile wieder, dass beim Schlagen der Glocke, Schulkinder zum Conger Hill laufen, sich dort oben hinfallen lassen und ihre Ohren auf den Boden pressen. Warum? Bei genauem Hinhören vernehmen die Kinder ein brutzelndes Geräusch aus dem Hügelinneren, das ist nämlich eine ortsansässige Hexe, die dort wohnt und die sich auch, wie alle anderen in Toddington, ihre Pfannkuchen zubereitet.

Nachdem dieser nette Brauch für einige Zeit nicht mehr ausgeübt worden war, belebten ihn die Mitglieder der Toddington Old Boys Association wieder. Heute ist es so, dass am Shrove Tuesday beim Erklingen der Pfannkuchenglocke die Viertklässler der Toddington St George Church of England School an der Manor Road sich auf den Weg zum Conger Hill machen, um dort, auf dem Boden liegend, der Hexe beim Pfannkuchenzubereiten zu lauschen.

Dieser Film aus dem Jahr 1964 zeigt die Kinder aus Toddington bei der Ausübung des liebenswerten Rituals.

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Dorf in Bedfordshire, über den „haunted pub“, The Bell.

Siehe auch meinen Artikel über das Olney Pancake Race.

Die St George’s Church.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Toddington St George Church of England School.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Watlington White Mark in Oxfordshire – Eine kuriose Idee von Squire Edward Horne vor über 250 Jahren

The White Mark, von der Hill Road aus gesehen.
This work has been released into the public domain.

Über Watlington in Oxfordshire habe ich in meinem Blog in Zusammenhang mit der Inspector Barnaby-TV-Serie geschrieben. Dieser Ort behauptet von sich, die kleinste Stadt Englands zu sein, und das mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern. Im Jahr 1252 erhielt Watlington von König Heinrich III. die Marktrechte und bezeichnet sich von da ab als Market Town.

Bei meinem Besuch dort kam ich auch zur St Leonard’s Church, die in meinem heutigen Beitrag eine Rolle spielt. Die normannische Kirche verfügt über einen Turm, hat aber keine Turmspitze, was vor über 250 Jahren Squire Edward Horne ärgerte. Von seinem Haus aus blickte der Landedelmann auf den flachen Kirchturm und hatte eines Tages eine Idee. Er hätte ja in seine Privatschatulle greifen und St Leonard’s eine Kirchturmspitze spendieren können, doch das wäre sehr teuer geworden. Hornes Idee bestand daraus, in der Sichtachse von seinem Haus zur Kirche, dahinter am Hang des Watlington Hills, eine aus Kalkstein geformte Kirchturmspitze einschneiden zu lassen. Gesagt, getan, seit 1764 ziert den Hang ein 82 Meter hohes geometrisches Gebilde, das für sich allein gesehen nichtssagend ist, von den Fenstern des Squires damals aber die Illusion erweckte, St Leonard’s hätte jetzt auch eine Turmspitze. Man feierte den 250. Jahrestag des „White Mark“ im Jahr 2014, und dank der ständigen Pflege durch die Friends of Watlington Hill sieht die „chalk spire“ aus wie neu. Den Blickwinkel auf die Kirche, den damals Edward Horne hatte, gibt es heute nicht mehr, da er zum großen Teil von Bäumen versperrt ist.

Wer sich den Watlington White Mark von nahem ansehen möchte, der muss die Stadt in Richtung Christmas Common verlassen, an der Chiltern Surgery vorbeifahren und oben auf dem Hügel auf dem Parkplatz des National Trusts sein Auto abstellen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Watlington Hill und den White Mark.

St Leonard’s in Watlington.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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In welcher englischen Stadt gibt es die meisten Pubs? – Eine kleine Übersicht

The George & Dragon in Belper (Derbyshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Diskussion über das Thema „Welches ist der älteste Pub Englands“ wird wohl nie zu einem befriedigenden Ende kommen, da es eine ganze Menge Gasthäuser gibt, die diese Ehre für sich beanspruchen.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, in welcher englischen Stadt bzw. in welchem Dorf es die meisten Pubs gibt, umgerechnet auf die Bevölkerungsgröße. Auch da gibt es viele unterschiedliche Hitlisten und Übersichten, auf denen jeweils immer wieder andere Orte genannt werden. Einige dieser trinkfreudigen Städte/Dörfer tauchen aber häufig auf und von denen möchte ich heute einige nennen.

Belper in Derbyshire hat etwas über 20 000 Einwohner und beansprucht den Titel, die meisten Pubs in ganz Großbritannien zu haben, in Bezug auf seine Größe (vielleicht ein Grund, dass die Monster Raving Loony Party ihre diesjährige Konferenz hier im September abgehalten hat, übrigens im George & Dragon in der Bridge Street). Die Webseite „Beer in the Evening“ listet 20 Pubs für Belper auf.

Ein Name, der in den Pubcharts immer wieder auftaucht, ist Manningtree in Essex, ein Ort ebenfalls der Ansicht ist, die kleinste Stadt Englands zu sein. Im Jahr 2008 gab es für die rund 900 Einwohner fünf Pubs, leider ist die Zahl mittlerweile auf drei gesunken; übrig geblieben sind The Red Lion, The Skinners Arms und The Crown.

St Albans in Hertfordshire, wo Ye Olde Fighting Cocks sich rühmt, der älteste Pub Englands zu sein, beherbergt die meisten Pubs pro Quadratkilometer im ganzen Land (jedenfalls nach Aussage der dort Ansässigen). Das verwundert eigentlich nicht, schließlich liegt das Hauptquartier der Campaign for Real Ale (CAMRA) in der Stadt, in der Hatfield Road 230 um genau zu sein.

Norwich, die Grafschaftshauptstadt von Norfolk, soll angeblich für jeden Tag des Jahres einen Pub haben, nämlich 365, aber so richtig verlässlich durchgezählt hat das wohl noch niemand. Beim jährlichen Norwich City of Ale Festival nahmen zuletzt 48 Pubs teil, das ist ja auch schon eine ganze Menge.

Beenden möchte ich meine kleine Übersicht mit Otley in West Yorkshire, einer Stadt mit etwa 13 000 Einwohnern, die schon immer als trinkfest galten, denn vor mehr als hundert Jahren soll es hier einen Pub an jeder Ecke gegeben haben. 21 Gasthäuser stehen in der Stadt, so heißt es auf der Webseite des Otley Pub Clubs, und der muss es ja eigentlich wissen. Der Ale Trail führt an vielen der Pubs, auch an den nicht mehr existierenden, vorbei.

The Red Lion in Manningtree (Esex).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Ye Olde Fighting Cocks in St Albans (Hertfordshire).
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

The Adam and Eve in Norwich (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

The Bowling Green in Otley (West Yorkshire).
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. November 2018 at 02:00  Comments (4)  

Stanbrook Abbey Hotel in Worcestershire – Eine ehemalige Benediktinerinnenabtei, die zum Hotel umgebaut wurde

Author: Amanda Retreats
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In England gibt es einige Hotels, deren Gebäude früher einmal für religiöse Zwecke verwendet wurden. Als Beispiel nenne ich hier einmal die Nutfield Priory bei Reigate in Surrey; über meinen Besuch in diesem Hotel berichtete ich in meinem Blog. Auch die Stanbrook Abbey südlich von Worcester in der Grafschaft Worcestershire beherbergte einmal Nonnen des Benediktinerordens, die im Jahr 2009 das Haus verließen und sich in den North Yorkshire Moors niederließen. Auch ihr neues Domizil nennt sich Stanbrook Abbey, ist aber ein wesentlich moderneres (und weniger schönes) Gebäude.

Im Jahr 2015 wurde die ehemalige Abtei, die von den Söhnen des berühmten Architekten Augustus Pugin gestaltet wurde; als Hotel eröffnet und 2017 in die Gruppe der Hand Picked Hotels aufgenommen. 55 Zimmer und Suiten stehen den Gästen zur Verfügung, von den kleinen Small Classic Rooms (ca £84) über die Four Poster Rooms (ca £135) bis zur Master Suite (ca £232). Man kann auch das separat stehende, mit dem Hotel durch einen Kreuzgang verbundene Manor House buchen, das vollständig mit Küche und fünf Schlafzimmern ausgestattet ist. Ideal für Hochzeitsgäste, denn Stanbrook Abbey ist beliebt für Hochzeitsfeiern (wie die meisten Country House Hotels in England).

Das Abendessen wird in Sister Charlotte’s Restaurant eingenommen; verantwortlich für die Küche ist Chefkoch Rhys Stone.

In diesem Film sind Bilder vom Hotel zu sehen.

Stanbrook Abbey Hotel
Jennet Tree Lane
Callow End
Worcester WR2 4TY

Published in: on 7. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Forest Green Rovers in Nailsworth (Gloucestershire) – Der umweltfreundlichste Fußballclub der Welt?

Das New Lawn Stadion der Rovers.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Bei den Forest Green Rovers, einer Fußballmannschaft aus Nailsworth in Gloucestershire, die zur Zeit in der League Two, das ist die vierte Ebene in den englischen Fußballligen, spielt, ist alles grün. Im Vereinsnamen steht das Wort „Green“ und die Spieler tragen grüne Trikots, aber das ist noch lange nicht alles. Seitdem Dale Vince den Club übernommen hat, ist hier im Stadion New Lawn in Nailsworth alles anders geworden. Dale Vince ist Chef des grünen Energiekonzerns Ecotricity, der im benachbarten Stroud angesiedelt ist, und der seine Energie hauptsächlich durch Windanlagen produziert. Der Name prangt denn auch auf den Trikots der Fußballspieler.

Der Verein Forest Green Rovers ist wahrscheinlich der weltweit umweltbewussteste Verein, seitdem Dale Vince ihn übernommen hat. Am Stadion gibt es Aufladestationen für Elektroautos, der Rasen wird von einem solarbetriebenen GPS-gesteuerten Mäher kurz gehalten, auf dem Dach sind 180 Solarpanele installiert worden, wodurch rund 20% des Stromverbrauchs des Vereins abgedeckt werden, Regenwasser wird aufgefangen und dem Stadionrasen wieder zugeführt, der vollkommen frei von Pestiziden ist und mit schottischem Seetang angereichert wird.

Forest Green Rovers F.C. ist der erste Fußballverein der Welt, der komplett vegan ist, das heißt, sowohl die Spieler als auch die Fans bekommen im Stadion ausschließlich veganes Essen vorgesetzt, und die meisten scheinen es zu lieben. Keine fettigen und dick machenden Burger und Pommes mehr, sondern Salate, Pizzen, Fajitas und vieles andere mehr, alles auch noch ansprechend angerichtet; selbst das ausgeschenkte Bier ist vegan.

Dale Vince hat mit seinem Verein noch weitere große Pläne: Er möchte das „grünste“ Stadion der Welt bauen, das den Namen Eco Park tragen soll, wenn die Pläne dafür genehmigt werden. Das renommierte Londoner Architektenbüro Zara Hadid hat den Entwurf für das für 5000 Personen ausgelegte Stadion gemacht, das in einem Parkgelände entstehen soll, in dem Hunderte von Bäumen und neue Heckenanlagen angepflanzt werden.
Mal sehen, was Dale Vince noch alles so einfällt. Sein Verein steht im Moment auf Platz 6 der League Two, vielleicht werden die Spieler durch das grüne Umfeld eines Tages beflügelt, um eine Stufe höher, in die League One, zu klettern.

Hier ist ein Film über die FGRs.

Ein etwas älteres Foto vom Stadion. An dieser Stelle sind jetzt Aufladestationen für Elektroautos installiert worden.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Stand-up Comedians: Chris Addison

Author: Salim Fadhley
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Der 1972 in Manchester geborene Chris Addison studierte ursprünglich Englische Literatur an der Universität von Birmingham. Bereits 1995 begann er mit seinen ersten Stand-up Comedy-Auftritten und 1998 wurde er in Edinburgh als Best Newcomer bei den Perrier Awards, jetzt Edinburgh Comedy Awards, ausgezeichnet, dem prestigeträchtigsten Preis für Comedians in Großbritannien.

Addison trat in zahlreichen Sendungen bei BBC Radio 4 auf und war auch im Fernsehen tätig, so bei BBC 2 in der Sitcom „Lab Rats„.

Auch schriftstellerisch betätigte sich Chris Addison, so 2006 mit „Cautionary Tales for Grown Upsund 2008 mit „It Wasn’t Me: Why Everybody is to Blame and You’re Not„.

In der Comedy-Serie „The Thick of it“ (2005-2012) spielte Addison den Oliver „Ollie“ Reeder.

Zur Zeit ist er nicht auf Tour, und ich sehe auch noch keine Pläne für das nächste Jahr.

Hier ist Chris Addison in voller Aktion zu sehen.

 

Published in: on 5. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Newent Onion Fayre – Der Zwiebelmarkt in Newent (Gloucestershire)

Ich bleibe in meinem heutigen Blogeintrag, nachdem ich gestern über die Onion Johnnies berichtete, noch einmal beim Thema Zwiebeln. Diese werden natürlich auch in England angebaut, zum Beispiel in der Grafschaft Gloucestershire, wo in Newent (rund 17 Kilometer nordwestlich von Gloucester gelegen) alljährlich die Onion Fayre stattfindet; in diesem Jahr im September zum dreiundzwanzigsten Mal. Bei den Festivitäten steht die Lauchpflanze im Mittelpunkt des Geschehens. In der Memorial Hall von Newent stellen Züchter aus dem ganzen Land bei der Onion Show ihre Exemplare zur Schau, die dann auch prämiert werden.
Es gibt eine Shop Window Competition, bei der das am schönsten geschmückte Schaufenster ausgezeichnet wird und das in jedem Jahr unter einem anderen Motto steht. „Onions in History“ war das diesjährige Motto, und der Gewinner war das Schaufenster von New Start Rescue, einer Organisation, die sich um herrenlose Katzen kümmert.

Ein weiteres Highlight der Newent Onion Fayre ist die „World Famous Onion Eating Competition„, bei der eine rohe Zwiebel so schnell wie möglich aufgegessen werden muss. Die Damen quälen sich mit einem etwa 140 Gramm schweren Exemplar herum, bei den Männern wiegt die Zwiebel circa 200 Gramm; keine leicht zu lösende Aufgabe wie dieser Film zeigt.

Newent erwartet jedes Jahr rund 15 000 Besucher, die sich in der Stadt amüsieren können, zum Beispiel im Food Village, wo die Zwiebel allerdings keine allzu große Rolle spielt. Die Kinder erwartet die Funion Zone (die Engländer sind immer wieder großartig im erfinden von Wortspielen) und, wie bei Fayres, üblich gibt es in Newent auch eine Dog Show. Hier sind Impressionen von der Fayre im Jahr 2014.

Auch wer keine Zwiebeln mag, kommt bei der Newent Onion Fayre also auf seine Kosten. Der nächste Zwiebelmarkt ist für den 14. September 2019 angekündigt.

Die Innenstadt von Newent.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Onion Johnnies – Die fliegenden Zwiebelhändler aus der Bretagne

Einer der wenigen verbliebenen bretonischen Zwiebelhändler, hier in Wales.
Photo © Eric Jones (cc-by-sa/2.0)

Seit etwa Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts sah man sie in ganz Großbritannien, die fliegenden Händler aus der Bretagne, die erst zu Fuß, später mit ihren Fahrrädern England mit Zwiebeln belieferten. Onion Johnnies wurden sie genannt, die Männer aus der Umgebung von Roscoff, wo spezielle rosafarbene Zwiebeln angebaut wurden. Es war für sie profitabler, die Ernte jenseits des Kanals zu verkaufen als auf den heimischen Märkten. So wurden die Zwiebeln tonnenweise über den Ärmelkanal gebracht, wo sie in gemieteten Scheunen und Schuppen gelagert wurden und von wo aus die Onion Johnnies immer wieder Nachschub holten. Von Juli bis Dezember waren sie unterwegs, ihre Fahrräder schwer mit Zwiebelnetzen behangen. Sie klingelten an den Haustüren und verkauften ihre Ware direkt an die Hausfrauen in England, Wales und Schottland, die die rosa Zwiebeln liebten.

1905 ereignete sich eine Katastrophe, als die „Hilda“ kurz vor St Malo sank, wobei etwa 70 Onion Johnnies, die auf der Rückfahrt in ihre Heimat waren, ertranken. Doch die Zwiebelhändler ließen sich von den manchmal recht gefährlichen Überfahrten nicht abschrecken. In den Monaten, in denen sie in Großbritannien unterwegs waren, führten sie ein sehr einfaches Leben; viele schliefen auf Stroh in den Zwiebeldepots. In Spitzenzeiten, wie in den 1920er Jahren, waren bis zu 1400 Johnnies unterwegs, doch dann ging es ständig bergab. Schon in den 1930er Jahren nahm die Zahl der Zwiebelhändler deutlich ab, woran hauptsächlich die schwere Wirtschaftskrise, The Great Depression, schuld war. Immer weniger Johnnies machten sich auf den Weg über den Kanal und Ende des 20. Jahrhunderts existierte nur noch eine Handvoll von ihnen.

In der Heimat der rosa Zwiebeln errichtete man den Onion Johnnies ein eigenes Museum. In Roscoff in der rue Brizeux steht das Maison des Johnnies et de l’oignon de Roscoff, wo die Geschichte der Händler dokumentiert wird.

Hier ist ein Film über die Johnnies.

Published in: on 3. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Schriftsteller Laurence Sterne (1713-1768) und der Leidensweg seines Leichnams

Hier in der Old Bond Street 41, wo jetzt die Cartierfiliale untergebracht ist, starb Laurence Sterne.
Photo © Enttauscht (cc-by-sa/2.0)

Der Schriftsteller Laurence Sterne lebte von 1713 bis 1768, und sein Hauptwerk, der Roman „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman„, in deutscher Übersetzung „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman„, ist sowohl in seinem Heimatland als auch in Deutschland nach wie vor lieferbar, und das nach mehr als 250 Jahren. Sterne hat sich damit einen festen Platz in der Weltliteratur gesichert, umso trauriger, dass sein Leben ein so tragisches Ende gefunden hat, denn er starb mittellos und einsam in London in der Old Bond Street Nummer 41. Heute ist in dem Haus eine Filiale des französischen Schmuck- und Uhrenhändlers Cartier untergebracht.

Die Trauerfeier für Laurence Sterne fand in kleinem Kreis am 22. März 1768 in der St Georges Kirche am Hanover Square statt, auf deren Kirchhof er auch beerdigt wurde. Es sollen nicht einmal die Kirchenglocken geläutet haben als sein Leichnam in das Grab gesenkt wurde. Da St George’s Field nicht gut einsehbar war, bestand hier immer wieder die Gefahr, dass gerade erst beerdigte Menschen von Leichenräubern wieder ausgebuddelt wurden, um diese Anatomen an Universitäten anzubieten, die einen ständigen Bedarf an Leichnamen für ihre Vorlesungen hatten.
Genau das geschah auch mit dem Körper von Laurence Sterne, dessen Grab kurz nach der Beerdigung geöffnet und sein Leichnam nach Cambridge gebracht wurde, wo er auf dem Seziertisch von Professor Charles Collignon landete, einem anerkannten Anatomen und Chirurgen. Jetzt gibt es mehrere unterschiedliche Aussagen, wer dort Laurence Sterne wiedererkannte, ein Student oder ein zufällig Anwesender, auf jeden Fall unterbrach der Professor daraufhin die Sektion. Die Leiche des Schriftstellers wurde klammheimlich wieder zurück nach London geschickt, wo sie ein zweites Mal auf dem Kirchhof von St George’s beerdigt wurde. Man munkelte damals, dass der Anatomieprofessor den Kopf als Erinnerungsstück behalten hatte. Das muss aber nicht stimmen, denn als St George’s Field Ende der 1960er Jahre aufgegeben wurde, suchte der Laurence Sterne Trust nach den Überresten des Schriftstellers, wobei sie auf einen Schädel stießen, dessen Oberteil, wie bei einer Sektion üblich, abgesägt war. Der Trust vermutete, dass es sich hierbei tatsächlich um Sternes Kopf handelte, und er schaffte den Schädel mitsamt den dazugehörenden Knochen nach Coxwold in North Yorkshire, wo Laurence Sterne auf dem Kirchhof von St Michael’s ein neues Grab mit einem neuen Grabstein bekam.

Über Sterne und Coxwold habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Die St George’s Kirche am Londoner Hanover Square, wo die Trauerfeier für den Schriftsteller stattfand.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St Michael’s in Coxwold (North Yorkshire) fand Lawrence Sterne seine letzte Ruhe.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John St John Long (1798-1834), der König der Quacksalber in der Londoner Harley Street

Die Harley Street 84.
Quelle: ResearchGate
Creative Commons 4.0

Weit über 1000 Arztpraxen plus diverse Kliniken gibt es in der Londoner Harley Street und den Nebenstraßen, eine gewaltige Zusammenballung medizinischen Fachwissens. Die Straße liegt im Stadtteil Marylebone im Zentrum der Stadt und macht einen gediegenen Eindruck; viele Häuser sind von Eisengittern umrahmt wie die Nummer 84, wo 1828 ein Mann namens John St John Long (1798-1834) eine Praxis eröffnete. Der Mann hatte keine Ahnung von Medizin; bisher hatte er sich mit künstlerischen Arbeiten durchs Leben geschlagen und dabei durch das Malen einige Anatomiekenntnisse erworben.
In seiner Praxis in der Harley Street spezialisierte er sich auf die Behandlung von Tuberkulose, in dem er seine Patienten geheime Stoffe inhalieren und sie mit Salben einreiben ließ. Fünf bis zehn Tage dauerten diese Anwendungen, häufig bildeten sich auf der Haut nässende Entzündungen, die er mit Kohlblättern abdeckte. Long versuchte seinen Opfern, ich meine natürlich Patienten, klarzumachen, dass diese Entzündungen ein Zeichen dafür sind, dass die Krankheit aus dem Körper heraustritt und sie anschließend geheilt sind. Erstaunlicherweise wirkte die Behandlung bei einigen, bei einigen aber nicht, zum Beispiel behandelte er eine junge Frau, die gar keine Tuberkulose hatte, mit seinen dubiosen Methoden, woraufhin die Patientin starb. John St John Long wurde angeklagt und es kam zu einem Prozess im Old Bailey, wo sowohl richtige Mediziner als auch ehemalige Patienten Longs zu Wort kamen. Die Geschworenen verurteilten den Quacksalber wegen Totschlags, er musste aber nur eine Strafe in Höhe von £250 bezahlen.

Long, der angebliche Tuberkulosespezialist, starb vier Jahre nach dem Prozess im Jahr 1834…angeblich an Tuberkulose, wobei er sich erbittert gesträubt haben soll, sich mit seinen eigenen Wundermitteln behandeln zu lassen. Es gibt aber auch eine andere These für seinen Tod: Er soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein.
Was nun auch immer stimmt, Long hatte auch nach seinem Ableben eine ihm gegenüber wohlmeinende Gefolgschaft, die dafür sorgte, dass auf dem Friedhof von Kensal Green, wo er beerdigt worden war, ein aus Portlandstein und Carraramarmor bestehendes Monument errichtet wurde, das der Bildhauer Robert William Sievier gestaltete.

In der Harley Street 84 befinden sich auch heute noch Arztpraxen, die Harley Street Clinic und die Anelca Clinic, die sich auf kosmetische Chirurgie spezialisiert hat.

Das Grabmal von John St John Long.
Photo: Robert Freidus
Quelle: Victorian Web

Songs about London – A Nightingale Sang in Berkeley Square

Der Berkeley Square: Schauplatz des romantischen Liebeslieds.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Die Geschichte zu „A Nightingale Sang in Berkeley Square“ beginnt im Jahr 1939 in dem Badeort Le Lavandou an der Côte d’Azur. Ich erinnere mich an warme Sommerabende, Al Fresco Dining, Roséwein und Boulespieler. Dort trafen Albert Eric Maschwitz (1901-1969), ein vielseitiger Engländer, der im Radio, später im Fernsehen und in den Printmedien sein Geld verdiente, und Manning Sherwin (1902-1974), ein US-amerikanischer Komponist, aufeinander. Beide schrieben gemeinsam einen Song, der international noch viele Jahrzehnte lang zum Standardrepertoire renommierter Sängerinnen und Sänger gehörte, eben das Lied von der Nachtigall, die auf dem Londoner Berkeley Square singt. Die Uraufführung fand in einer Bar in Le Lavandou statt, wobei Maschwitz sang und von Sherwin am Klavier begleitet wurde.

Einer der ersten, der den Song aufnahm, war der legendäre Glenn Miller mit seinem Orchester, Gesang Ray Eberle. Die Schallplatte erreichte 1940 Platz 2 der US Charts. Es folgten Aufnahmen mit Frank Sinatra, Perry Como, Nat King Cole, Bing Crosby usw usw. Doch nicht nur Amerikaner waren mit dem Song erfolgreich, auch in England gab es zahlreiche Aufnahmen, u.a. mit Vera Lynn und Twiggy.

„A Nightingale Sang in Berkeley Square“ ist ein romantisches Liebeslied, das an dem Londoner Platz im Stadtteil Mayfair angesiedelt ist. Die besungene Nachtigall wird sicher auf einer der Platanen auf der Mitte des Platzes gesessen und dem Liebespaar ein Ständchen gebracht haben. In der ersten Strophe heißt es „There were angels dining at the Ritz“; nun das Ritz Hotel liegt nicht am Berkeley Square, sondern ein paar hundert Meter weiter die Berkeley Street hinunter.
Der Song hat leider einen Haken: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich jemals eine Nachtigall ins Zentrum von London verirrt haben könnte, denn das Habitat dieser Vögel sind nicht Großstadtplatanen, sondern dichte Wälder und Buschwerk. Aber für die beiden Liebenden passte nun einmal eine Nachtigall am besten als Begleitmusik für ihre romantische Begegnung.

Hier dinierten die Engel in Maschwitz und Sherwins Song.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

In Le Lavandou entstand das Lied mit der Nachtigall.
Author: Ladislaus Hoffner
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Published in: on 31. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Radio Walkham – Eine Radiostation in Horrabridge (Devon), die aus einem Pub sendet

Wir bleiben heute ganz in der Nähe von Meavy in Devon, über deren Royal Oak ich gestern in meinem Blog berichtete. Nur wenige Kilometer nordwestlich liegt Horrabridge, ein Dorf mit etwas über 2000 Einwohnern, das vom River Walkham durchquert wird. Das Flüsschen entspringt im Dartmoor und mündet in den River Tavy, mit dem es sich dann gemeinsam in den Tamar Estuary bei Plymouth ins Meer ergießt. Horrabridge ist stolz auf seine eigene Radiostation, die sich nach dem Fluss Radio Walkham benannt hat und am 2. Oktober 2017 auf Sendung gegangen ist. Das Besondere an Radio Walkham: Das Studio liegt direkt in einem Pub, The London Inn, an der Station Road und behauptet von sich, der einzige derartige Sender in England zu sein. Radio Boogaloo in London behauptet von sich das gleiche; der Sender startete im Januar diesen Jahres im Boogaloo in der Archway Road im Stadtteil Highgate.

Zurück zu Radio Walkham. Der Gastwirt des London Inns hat der Mannschaft des Senders Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die als Studio umgebaut wurden und von denen aus eine enthusiastische Crew ein buntes Programm in die Region Horrabridge und in die ganze Welt sendet, denn Radio Walkham ist auch online zu hören. Der Sender ist ein non-profit community radio, dessen Moderatoren sich The Godfather, The Timelord und The Potty Postman nennen; auch eine Barmaid des London Inns, Sara Cruickshank, hat eine eigene Show.

Mit einem kleinen Wohnwagenanhänger ist Radio Walkham mobil, besucht Feste in der Region und sendet von dort aus. Dieser Film zeigt wie locker und fröhlich es bei dem Radiosender in Horrabridge zugeht.

Der River Walkham in Horrabridge, Namensgeber der Radiostation.
Photo © M J Roscoe (cc-by-sa/2.0)

Die Meavy Oak – Eine uralte Eiche in Devon

Die Meavy Oak, davor das Village Cross, dahinter die „Tochter“ der Eiche.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz meines heutigen Blogeintrags ist das kleine Dorf Meavy in der Grafschaft Devon, nördlich von Plymouth und im südlichen Dartmoor gelegen. Auf dem Village Green stehen zwei Eichen, von denen die eine zu den ältesten Bäumen in England zählt und zur Zeit von King John (1167-1216) angepflanzt worden sein könnte. Ein weiterer König wird mit dem Baum in Zusammenhang gebracht: König Charles II soll sich auf der Flucht vor den Gefolgsleuten von Oliver Cromwell in der Eiche versteckt haben. Er hat offensichtlich das dichte Laub von Eichen gern als Versteck gewählt, denn zuvor entzog er sich schon nach der Schlacht von Worcester im Jahr 1651 den Schergen Cromwells in der Eiche von Boscobel. Die Meavy Oak wird daher auch Royal Oak genannt.

Bei den früheren Dorffesten kam man auf eine witzige Idee: Die Eiche wurde oben ganz plan geschnitten und darauf eine große Plattform angebracht; man schleppte Tische und Stühle nach oben, machte es sich dort in luftiger Höhe bequem, aß und trank und ließ es sich gut gehen. Dieser Brauch wird heute nicht mehr praktiziert. Die zweite Eiche auf dem Village Green ist übrigens ein Ableger der Royal Oak, die aus einer Eichel des Mutterbaumes entstanden ist. Die Meavy Oak ist von einem Eisengitter umfasst, unter ihr lädt eine Bank zum Pausieren ein und davor steht das Village Cross, das aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Das Dorffest, die Meavy Oak Fair, wird noch immer gefeiert und zwar auf dem Village Green am dritten Samstag des Monats Juni. Neben den üblichen Vergnügungen bei einem Dorffest wie Hundeshow, Hüpfburgen, Gesichterbemalen etc. wird jedes Jahr der Burrator Horseshoe Run ausgetragen, der zehn Kilometer über Stock und Stein des Dartmoors führt; der Rekord steht bei 37 Minuten und 47 Sekunden.

Gleich neben der alten Eiche steht der Dorfpub von Meavy und wie sollte der anders heißen als The Royal Oak? In diesem Jahr wurde er als Country Pub of the Year 2018  von der Plymouth-Sektion der CAMRA ausgezeichnet. Sehr schön finde ich folgenden Satz auf der Homepage der Royal Oak: „Whether you have 4 paws, hoofs or muddy boots you are always welcome.“ Das Gebäude ist im Besitz des Burrator Parish Councils, und damit ist The Royal Oak wohl der einzige Pub in England, der einem Kirchengemeinderat gehört.

The Royal Oak am Village Green.
Photo © Phil Gaskin (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder

Foto meines Exemplares.

Zum wiederholten Male möchte ich ein Buch von David Kidd-Hewitt vorstellen, der es versteht, mysteriöse Vorfälle auf spannende und interessante Art zu erzählen. „Berkshire Tales of Mystery & Murder“ heißt es,  aus der „Tales of Mystery & Murder“-Serie des Verlages Countryside Books, der in Newbury in Berkshire ansässig ist.

13 Geschichten sind in dem Band versammelt, von denen mich die letzte, „A Brief Moment of Time„, besonders angesprochen hat, da sie sich in der High Street von Cookham ereignet hat, wo ich erst im letzten Jahr war und dort das Stanley Spencer Museum besuchte (ich berichtete in meinem Blog). Hier soll sich im Oktober 1993 ein Fall von „timeslip“, also Zeitverwerfung, zugetragen haben, bei dem ein junges Paar auf dem Weg nach Marlow betroffen war. In Cookham hielten sie Ausschau nach einem indischen Restaurant, in dem sie auf dem darauf folgenden Abend feiern wollten. Als sie schon wieder eine Weile auf der Straße in Richtung Bourne End und Marlow unterwegs waren, befanden sie sich plötzlich wieder auf der High Street von Cookham, genau dort, wo sie gerade eben erst nach dem Restaurant geschaut hatten. Beide waren erschüttert, konnten sich diesen Zeitsprung nicht erklären und werden diese höchst eigenartige Situation bis ans Ende ihres Lebens nicht vergessen.

Dann schreibt Kidd-Hewitt über den bis heute ungeklärten Fall des „Man in the Blue Suit„, der sich am 22. Juni 1929 in der Cross Street in Reading ereignete. Der Inhaber des kleinen Tabakwarenladens Alfred Oliver wurde am Abend von einer unbekannten Person in dem Laden ermordet. Es gab mehrere Passanten, die an dem Abend in der Cross Street einen Mann in einem blauen Jacket gesehen haben wollen, doch dieser Mann (der Mörder?) wurde nie gefunden.

Ein drittes Beispiel: „The Night Lambourn Was Set on Fire„. 1832 wäre um ein Haar das Dorf Lambourn im Westen Berkshires abgefackelt worden, als der Brandstifter John Carter mehrere Brände legte, einen im Red Lion am Market Place und einen in Mr Spicer’s Malthouse Barn. Glücklicherweise konnte das Feuer rechtzeitig bekämpft werden; John Carter wurde für seine Taten am 16. März 1933 in Reading hingerichtet, der letzte in England, der für Brandstiftung die Todesstrafe erhielt.

Ich kann dieses Buch von David Kidd-Hewitt wieder sehr empfehlen, für alle, die einen Nerv für Mysteriöses haben.

David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder. Countryside Books 2004. 126 Seiten. ISBN 1-85306-880-2.

Die High Street von Cookham, in der sich der „timeslip“ ereignet haben soll.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

Die Cross Street in Reading, Schauplatz eines ungeklärten Mordes.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Der ehemalige Red Lion am Market Square von Lambourn, in dem 1832 ein Brand gelegt wurde.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Aldbourne Dabchicks – Spitzname für die Bewohner eines Dorfes in Wiltshire

Der Dorfteich von Aldbourne (leider ohne Zwergtaucher)
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Nordöstlich von Marlborough in der Grafschaft Wiltshire liegt das Dorf Aldbourne, dessen Bewohner mit dem merkwürdigen Spitznamen Dabchicks belegt worden sind. Wie kam es dazu?

Man erzählt sich die Geschichte in Aldbourne folgendermaßen: Eines Tages soll auf dem Dorfteich ein Vogel gesichtet worden sein, den man bisher in dem Dorf noch nie gesehen hatte. Keiner der gerade anwesenden Männer konnte das Federtier identifizieren, bis man auf die Idee kam, Thomas Moore zu befragen, den ältesten Mann im Dorf, nur leider konnte der nicht mehr richtig laufen, weil er so dick geworden war; also schickte man jemanden mit einer Schubkarre los, der Thomas da hinein verfrachtete und zum Teich brachte. Nach längerem Überlegen konnte der alte Herr das Rätsel lösen. „Das ist ein Dabchick“ rief er, und alle freuten sich, so einen klugen Mann in ihren Reihen zu haben. Die Geschichte von dem seltenen Teichbesucher machte die Runde, und der Name Dabchick blieb von nun an an den Dorfbewohnern von Aldbourne hängen, wohl auch weil die Leute aus dem benachbarten Ort Ramsbourne sich gern über die Aldbourner lustig machten und ihnen „Dabchick“ hinterher riefen.

Lösen wir das Rätsel um den mysteriösen Vogel auf: Ein Dabchick, auch Little Grebe genannt, ist ein Zwergtaucher, der zur Familie der Lappentaucher gehört und vorwiegend in Asien und Afrika heimisch, aber auch in Europa anzutreffen ist.

In Aldbourne findet der Name Dabchick noch heute vielfache Verwendung: Der örtliche Cricket Club nennt sich Albourne Dabchicks, ebenso die Golfer, die sich in der Dabchick Golf Society zusammengefunden haben. In der Methodistenkirche treffen sich regelmäßig die Little Dabchchicks, die dort ihre Freizeit verbringen. Die 1860 gegründete Aldbourne Band nennt sich ebenfalls The Dabchicks. Am Square lädt ein indisches Restaurant namens Dabchchicks Delight die Gäste zu asiatischen Genüssen ein, und das Parish Magazine nennt sich The Dabchick.

Der Dorfteich, auf dem der Zwergtaucher seinerzeit in Erscheinung trat, existiert noch immer am Ende der South Street, der B4192.
Gwen Ellis, eine Dichterin aus Wiltshire, die die Mundart der Grafschaft pflegt, hat ein Gedicht mit dem Titel „Aldbourne Dabchicks“ geschrieben, das in der Sammlung „All my Moonshine“ (2003) enthalten ist.

Dieser Film zeigt Aldbourne vom Turm der St Michael’s Church.

Ein Dabchick.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Blick auf das Dorf mit der Kirche St Mary’s im Hintergrund und einige Nicht-Dabchicks im Vordergrund.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Alte Taufbecken in den Kirchen von Buckinghamshire

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass ich eine Vorliebe für englische „country churches“ habe, wobei ich besonders viele in der Grafschaft Buckinghamshire aufgesucht habe, wenn ich auf den Spuren von Inspector Barnaby wandelte, denn Kirchen spielen in dieser TV-Serie häufig eine wichtige Rolle. Heute möchte ich speziell einige alte Taufbecken (englisch=font) vorstellen, die mir in den Kirchen Buckinghamshires aufgefallen sind. Diese meist steinernen Becken bilden einen wichtigen Bestandteil der Gotteshäuser, und sie haben schon unzählige mehr oder weniger schreiende Babies erlebt, die erstmals (widerwillig) mit dem geweihten Wasser in Berührung gekommen sind.

Die Holy Trinity Church in Bledlow beherbergt einen sogenannten Aylesbury font, das sind dem Taufbecken der St Mary’s Church in Aylesbury nachempfundene Taufbecken, von denen es 22 geben soll. Leider ist diese Kirche, die in mehreren Inspector Barnaby-Episoden zu sehen ist, meist geschlossen, nur am Samstag- und Sonntagnachmittag ist sie in den Sommermonaten geöffnet.
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Ein weiterer Aylesbury font befindet sich in der Kirche St Nicholas in Chearsley, einem kleinen Dorf in der Nähe von Thame. Aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts soll dieser Taufstein stammen, der über einen schönen hölzernen Deckel verfügt.
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Und noch einen weiteren Aylesbury font kann man in St Mary’s in Pitstone in der Nähe von Tring betrachten, der im Jahr 1190 angefertigt worden sein soll und zwar, wie auch die anderen, aus Totternhoe Stein, der in Steinbrüchen bei Dunstable (Bedfordshire) abgebaut wurde.
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Das idyllische Haddenham darf sich auch eines Aylesbury Fonts rühmen, der in St Mary’s zu finden ist. Verziert ist das Taufbecken mit drachenartigen Wesen, die sich unterhalb des Beckenrandes zu jagen scheinen.Hoffentlich haben sich die Haddenhamschen Babies bei der Taufe nicht zu sehr vor ihnen gefürchtet.
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Zu guter Letzt ein Taufbecken aus dem späten 12. Jahrhundert, das sich in St Nicholas in Great Kimble befindet, südlich von Aylesbury; es ist reich verziert und wird mit einem Holzdeckel abgeschlossen.

 

Published in: on 26. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nomansland – Ein Dorf im New Forest in Wiltshire

Der Dorfpub.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Nomansland als Name eines Dorfes klingt nicht sehr vielversprechend. Es gibt eines in der Grafschaft Wiltshire im nördlichen New Forest und da das Dorf recht abgelegen an der Grenze zu Hampshire liegt, hat man ihm wohl diesen seltsamen Namen gegeben.
Was erwartet nun den Besucher von Nomansland?

Da gibt es erst einmal einen Pub an der Forest Road, The Lamb Inn, was schon einmal für die Bewohner des Ortes von großer Bedeutung ist. Der Pub liegt genau auf der Grenze von Wiltshire und Hampshire, was früher zu der kuriosen Situation führte, dass die Trinker abends, wenn es auf der Hampshireseite „Last orders, please“ hieß, alle auf die andere, die Wiltshirseite der Bar zogen, wo sie eine Stunde länger trinken konnten. Heute gibt es das nicht mehr, um 23 Uhr ist Schluss, dann schließt der Pub seine Pforten.

Gegenüber vom The Lamb ist das Village Green mit dem Well of Sacrifice, ein hübsches kleines Gebäude, das wohl über einer Quelle errichtet worden ist, und als Gedenkstätte für die Soldaten aus dem Dorf fungiert, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind bzw für ihr Land gedient haben. Die Familien Hood und Judd tauchen darauf jeweils fünf- bzw. viermal auf und beide hatten einen Gefallenen zu beklagen.

Direkt neben dem Dorfpub steht die einzige Kirche des Ortes; sie gehört nicht zur Church of England, sondern ist eine Methodistenkirche mit der Inschrift 1901, in diesem Jahr wurde sie neu erbaut.

Ein kleines Stück den North Lane hinunter finden wir eine weitere „Attraktion“ von Nomansland, den Reading Room, der laut einer an der Wand angebrachten blauen Plakette auf einem Grundstück errichtet wurde, das ein gewisser Reverend H. M. Livens 1910 zur Verfügung gestellt hat.

Es gibt auch noch eine Zwergschule in der School Lane, die New Forest Church of England Primary School, die anglikanische Kirche ist wenigstens auf diese Weise in Nomansland vertreten.

Da wir uns hier in einem Grenzgebiet zweier Grafschaften bewegen, weiß man nie so genau, ob man nun in Wiltshire oder in Hampshire ist, aber ich vermute, dass die Dorfbewohner wissen, zu welchem County sie gehören.

Das Village Green von Nomansland.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

The Well of Sacrifice auf dem Village Green.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Der Reading Room am North Lane.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Die Dorfschule.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine persönlichen Top 5 Gastropubs in England

Gastropubs sind nicht ganz unumstritten in England. Die einen würden niemals einen Fuß in einen solchen Edelpub setzen, weil sie einen traditionellen Pub immer vorziehen, die anderen haben damit kein Problem und genießen die vorzügliche Küche, die ihnen hier meistens geboten wird. Die Grenzen zwischen Gastropub und Restaurant sind fließend; der bisher am höchsten und mit zwei Michelinsternen bewertete Pub ist The Hand in Flowers in Marlow (Buckinghamshire), den Tom Kerridge in diese kulinarischen Höhen gebracht hat,

Hier sind meine persönlichen fünf Favoriten:

The Angel in Long Crendon (Buckinghamshire).
Hier ist der Besitzer gleichzeitig auch der Koch. Trevor Bosch bewirtet seine Gäste in dieser ehemaligen Kutscherstation an der Bicester Road. Wir haben hier ein vorzügliches Abendessen eingenommen. Long Crendon ist einer meiner Lieblingsorte in England, über den ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Crown in Bray (Berkshire)
Heston Blumenthals drittes Etablissement im Gourmetdorf Bray an der Themse, nach The Fat Duck und The Hind’s Head. Rustikale Einrichtung und eine interessante Menukarte, auf der zwei Edelburger zu finden sind: The Crown Burger und Treacle & Ale Cured Bacon Burger. Wir haben unser Dinner hier sehr genossen. Eine Reservierung ist zu empfehlen.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Boot in Lapworth (Warwickshire)
In diesem Pub dicht an der Autobahn M40 hat es uns ganz besonders gut gefallen. Die Küche ist international ausgerichtet, u.a. mit Gerichten aus Korea, Malaysia und Indien. Very stylish!
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Crabmill in Preston Bagot (Warwickshire)
Dieser Gastropub liegt ganz allein für sich an der A4189 in der Nähe von Henley-in-Arden in Warwickshire. Fünf verschiedene Champagner werden hier angeboten, da können viele andere Restaurants bei weitem nicht mithalten. Die Küche hat eine leichte Vorliebe für italienische Speisen. Elegante Einrichtung.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Nags Head in Great Missenden (Buckinghamshire)
Etwas außerhalb von Great Missenden liegt dieser sehr empfehlenswerte Gastropub, in dem hin und wieder berühmte Staatsmänner aus aller Welt vorbeischauen, die zu Gast im nahe gelegenen Landsitz des britischen Premierministers sind. Französisch-englisch ausgerichtete Küche (einer der beiden Köche ist Franzose). Meine volle Empfehlung!
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs

 

Published in: on 24. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die kurze Karriere des Fußballstars Paul John „Gazza“ Gascoigne als Sänger

Hier im St James‘ Park Stadion in Newcastle upon Tyne begann die fußballerische Karriere von Paul John Gascoigne.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

1967 wurde Paul John Gascoigne geboren, und da seine Eltern damals für die Beatles schwärmten, nannten sie ihren Sohn nach Paul McCartney und John Lennon. Er wurde im Nordosten Englands geboren und ging in Gateshead zur Schule, war also ein echter Geordie. Nach einer nicht ganz leichten Kindheit wurde er als Teenager für den Fußball entdeckt; die Jugendmannschaft von Newcastle United war seine erste Station. Paul Gascoigne, der auch unter seinem Spitznamen Gazza bekannt wurde, vielleicht weil der französisch klingende Nachname für englische Zungen etwas schwer auszusprechen war, entwickelte sich zu einem der besten Fußballspieler des Landes, der für viele Vereine spielte, u.a für Tottenham Hotspur, Middlesborough F.C. und Everton F.C., aber auch im Ausland für Lazio Rom und den chinesischen Club Gansu Tianma F.C. im Einsatz war. Seine Karriere beendete Gascoigne beim Verein Boston United F.C. in Lincolnshire.

Leider machte er nicht nur durch sportliche Erfolge von sich reden, häufig stand er wegen Skandalen in den Schlagzeilen der Presse, er hatte Alkohol- und Drogenprobleme, wurde mehrfach wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und litt unter psychischen Erkrankungen.

1990, als Gazza auf dem Höhepunkt seiner fußballerischen Karriere stand und in England außerordentlich beliebt war, versuchte er sich auch als Sänger und hatte sogar mit dem Titel „Fog on the Tyne (Revisited)“ großen Erfolg; die Single schaffte es bis auf Platz 2 der britischen Charts. Die Folkrockband Lindisfarne aus Newcastle upon Tyne hatte den Song schon 1971 geschrieben, ein echter Geordie-Song. Im gleichen Jahr veröffentlichte er auch die LP „Gazza and Friends – Let’s Have a Party“, auf der der singende Fußballer neben „Fog on the Tyne“ noch mit „Geordie Boys“ und „All You Need Is Love“ zu hören ist. Das war es dann aber auch mit Gazzas Ausflug in die Welt der Popmusik.

Paul Gascoigne war aber nicht der einzige Fußballer, der es auch mit Gesang versuchte; da waren zum Beispiel noch Kevin Keegan, der 1979 „Head Over Heels in Love“ aufnahm, die beiden Stars Glenn Hoddle und Chris Waddle, die 1987 mit „Diamond Lights“ auf Platz 12 der britischen Charts gelangten oder Andy Cole, dessen „Outstanding“ 1999 nur unter „ferner liefen“ einzuordnen ist.

Auch im deutschen Fußball gab es (schaurige) Gesangsversuche einiger Spieler, die zum Fremdschämen animierten; ich denke nur an Franz Beckenbauers „Gute Freunde kann niemand trennen„, Gerd Müllers „Das gibt ein Schützenfest“ oder Charly Dörfels „Das kann ich dir nicht verzeih’n„.

…und hier im York Street Stadium (das mittlerweile in The Jakemans Stadium umbenannt ist) in Boston in Lincolnshire beendete Gazza seine Karriere.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Thames Valley Police Museum in Sulhamstead (Berkshire)

Das Thames Valley Police Training Centre in Sulhamstead (Berkshire), in dem auch das Museum untergebracht ist.
Author: Cam5179.
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In meinem gestrigen Blogeintrag zum Thema „Inspector Morse“ erwähnte ich, dass der TV-Polizist für die Thames Valley Police (TVP) arbeitete. Das ist eine Polizeiorganisation, die für die Grafschaften Buckinghamshire, Oxfordshire und Berkshire zuständig ist und die ihren Hauptsitz in Kidlington (Oxfordshire) hat, vor den Toren Oxfords gelegen. Das Ausbildungszentrum der TVP liegt in Sulhamstead in Berkshire und darin befindet sich das kleine Thames Valley Police Museum. Momentan ist das Museum auf Grund von Renovierungsarbeiten im Sulhamsted House ausgelagert in das alte Polizeigebäude in Theale, wenige Kilometer nordöstlich; dort findet man es hinter der Öffentlichen Bibliothek an der Church Street. Das Museum ist nach vorheriger Anmeldung für Gruppen bis zu 10 Personen zugänglich, allerdings ist es auch mittwochs von 10 Uhr bis 12 Uhr für jedermann geöffnet.

Was gibt es hier zu sehen? Unter anderem werden drei besonders schwere Verbrechen dokumentiert, die einst für internationales Aufsehen sorgten und die im Zuständigkeitsbereich der TVP lagen.
Da ist einmal der Fall Amelia Dyer (1837-1896), „The Ogress of Reading“, eine der berüchtigsten Serienmörderinnen der englischen Geschichte, die über 20 Jahre lang bis zu 400 kleine Kinder ermordet haben soll und dafür 1896 im Londoner Newgate Prison erhängt worden ist.

Interessante Objekte, die mit dem großen Postzugraub vom 8. August 1963 bei Mentmore in Buckinghamshire zusammenhängen, werden ausgestellt (s. dazu meine Blogeinträge über die Bridego Bridge, den Schauplatz des Verbrechens, und die Reunion der damaligen Akteure in Oakley in Buckinghamshire).

Am 19. August 1987 ereignete sich in Hungerford (Berkshire) der Amoklauf des Michael Ryan, der hier 16 Menschen erschoss, viele verwundete und sich schließlich selbst mit seiner Waffe tötete (s. dazu meinen Blogeintrag). Auch dieser Fall wird im Thames Valley Police Museum dargestellt, dessen Exponate dieser Film zeigt.

Published in: on 22. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Krimiautor Colin Dexter (1930-2017) und die Inspector Morse Society

Oxford Police Station St Aldate’s.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

Die TV-Krimiserie „Inspector Morse„, von 1983 bis 2000 gedreht, spielte im deutschen Fernsehen so gut wie keine Rolle; ein paar Folgen  liefen merkwürdigerweise nur im DDR-Fernsehen, das war es dann auch. Die Spin-offs dagegen, „Lewis“ und „Der junge Morse“ (im Original „Endeavour“), wurden im ZDF bzw ZDFneo gezeigt.
Colin Dexter
schrieb die Romane über den schrulligen, dem Whisky, Wagneropern und Kreuzworträtseln zugeneigten Inspektor aus Oxford, der auch eng an deren Verfilmung mitwirkte. Leider ist Colin Dexter am 21. März 2017 in seiner geliebten Universitätsstadt verstorben. Morse, dessen Vornamen Endeavour die Zuschauer der Serie erst in der letzten Folge erfuhren, war außerordentlich beliebt in Großbritannien, verkörpert wurde er im Film von John Thaw (1942-2002), an seiner Seite stand Sergeant Lewis (Kevin Whateley), der später nach seiner Beförderung seine eigene TV-Serie bekam.

Colin Dexter trat, wie seinerzeit Alfred Hitchcock, in den meisten Episoden für wenige Sekunden selbst auf; man musste schon sehr genau hinschauen, um ihn zu entdecken. Manchmal war er ein Chormitglied oder ein Passant. Die Inspector Morse Society hält die Erinnerung sowohl an den Mann hoch, der für die Thames Valley Police arbeitete, als auch an seinen Schöpfer, Colin Dexter, für den bald in Oxford ein Denkmal errichtet werden soll und zwar in Summertown, wo Dexter von 1966 bis 1988 für das Oxford Examining Board arbeitete. Das Denkmal wird ihn in Lebensgröße auf einer Säule zeigen, mit einer Ausgabe der Times in der Hand, auf der das tägliche Kreuzworträtsel zu sehen sein wird. Auf der einen Seite der Säule wird ein Kreuzworträtsel eingraviert sein, auf der anderen Seite findet man dann die Lösung. Der Bildhauer Alex Wenham wurde mit dem Denkmal beauftragt, das voraussichtlich Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres enthüllt wird. Der Colin Dexter Memorial Fund kümmert sich um die Beschaffung des Geldes; das Denkmal ist mit  £50 000 veranschlagt.

Es gibt in Oxford übrigens eine Plakette, die an Morse erinnert, angebracht am Hauptquartier der Oxford City Police St Aldate’s, wo viele Außenaufnahmen der Dreharbeiten für die TV-Serie stattfanden. Am 23. Juli 2006 enthüllte Colin Dexter diese Plakette selbst.

Die Inspector Morse Society widmete dem Morse-Darsteller John Thaw eine Bank im Londoner Covent Garden Viertel; neben der „Schauspielerkirche“ St Paul’s steht diese Bank, die am 21. März 2009 ebenfalls von Colin Dexter eingeweiht wurde.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag über geführte Touren durch Oxford auf den Spuren von Inspector Morse.

Die Plakette am Hauptquartier der Polizei von Oxford.
Public domain photo by Open Plaques.

Die John Thaw gewidmete Bank in London.
Copyright: Matt Brown
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Oktober 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire – Stories of the Supernatural

Foto meines Exemplares.

Von David Kidd-Hewitt habe ich bisher seine beiden Bücher „Buckinghamshire: Tales of Mystery and Murder“ und „Buckinghamshire Heroes“ vorgestellt. In „Buckinghamshire: Stories of the Supernatural“ beschäftigt sich der Autor und Kriminologe mit dem Übernatürlichen in der Grafschaft in der er lebt und da gibt es eine Menge zu berichten. Kidd-Hewitt hat versucht, möglichst Berichte aus erster Hand zu bekommen und diese dann auch zu verifizieren. Herausgekommen ist eine Sammlung sehr ungewöhnlicher Geschichten, in denen Menschen mit Ereignissen konfrontiert worden sind, für die es keine natürliche Erklärung gibt.

In „The Haunted Taplow Hospital“ erzählt Kidd-Hewitt von einem ehemaligen Krankenhaus, dem Canadian Red Cross Memorial Hospital, auf dem Gelände des Cliveden Estates auf dem jetzt das Cliveden Village steht. Dieses Krankenhaus wurde 1986 geschlossen und stand bis zu seinem Abriss im Jahr 2006 leer. In den Räumlichkeiten waren während dieser Zeit noch medizinische Geräte und Betten zu finden, Aktenordner mit persönlichen Unterlagen und Röntgenbilder lagen verstreut auf dem Boden herum und es herrschte eine düstere Atmosphäre. Ideal für Geisterjäger, denn Geschichten häuften sich von unheimlichen Geschehnissen in den Korridoren und Gängen. Ein Wesen, dem man den Namen The Flincher gab, soll sein Unwesen hier getrieben und die Menschen, die sich in das Hospital hineinwagten, zu Tode erschreckt haben.

In einem Kapitel unternimmt der Autor einen „Buckinghamshire Supernatural Pub Crawl“ auf dem wir „haunted pubs“ kennenlernen wie den berüchtigten The Chequers in Old Amersham (ich berichtete bereits ausführlich in meinem Blog über diesen Pub), den Greyhound Inn in Chalfont St Peter, in dem der Hanging Judge George Jeffries im 17. Jahrhundert seine Urteile gesprochen hat.

Ganz besondes mysteriös ist die Geschichte vom Quarrendon Centaur aus dem Jahr 1988, in der zwei Männer und ihr Hund an einem warmen Sommerabend in der Nähe von Aylesbury auf einem Gelände, auf dem einmal ein mittelalterliches Dorf gestanden hat, eine Gestalt sahen, die halb Mensch halb Pferd war. Beide schworen Stein und Bein, dass es sich bei der Kreatur um keine Halluzination gehandelt hatte, und dass ihr Hund in panischer Angst davongelaufen war. Bei seinen Recherchen stellte David Kidd-Hewitt fest, dass es ähnliche Geschichten über solche Zentauren auch in anderen Teilen der Welt gibt.

Ein sehr interessantes Buch, ob man nun an Übernatürliches glaubt oder nicht.

David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire: Stories of the Supernatural. Countryside Books 2008. 128 Seiten. ISBN 978-1-84674-118-0

The Chequers in Old Amersham.
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

The Greyhound Inn in Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Quarrendon bei Aylesbury.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar