Großbritanniens größtes Geschäft für Scherzartikel in Hunstanton (Norfolk)

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Mir haben meine Aufenthalte in Hunstanton an der Küste Norfolks gut gefallen. Ich hatte beide Male im Le Strange Arms Hotel in Old Hunstanton übernachtet (siehe dazu meinen Blogeintrag ). Im Sommer kann es in dem Seebad ganz schön voll werden, wenn alle Wohnwagenparks, von denen es hier einige gibt, ausgebucht sind. Viele Urlauber zieht es dann magisch in einen Laden mit der Adresse 2 St Edmunds Terrace, denn an dieser Stelle befindet sich Großbritanniens größtes Geschäft für Scherzartikel jeder Art, World of Fun. In Urlaubslaune wird hier alles gekauft, was man eigentlich nicht braucht und das schon seit 1978, gegründet von Paul Beal, der den „Joke Shop“ noch heute führt. Auf Grund seines großen Erfolges konnte der Inhaber seinen Laden ständig vergrößern, so dass er ein riesiges Sortiment anbieten kann.

In der World of Fun schlug die Geburtsstunde des weltberühmten Fart Sprays, das einen entsetzlichen Gestank verursacht und gern gekauft wird, um die Mitmenschen zu nerven. Es wird weltweit verkauft; in den USA empfiehlt es die Supermarktkette Walmart als „a suitable stocking stuffer during the holidays“. Zu den beliebtesten Scherzartikeln seit Gründung des Joke Shops in Hunstanton gehören Juck- und Niespulver, Whoopee Cushions, die man in Deutschland liebevoll Furzkissen nennt, und Joke Sweets. Letztere sind Süßigkeiten mit Nebeneffekten wie zum Beispiel Bonbons, die die Zunge blau färben.
Wer auf Perücken oder Gesichtsmasken (FFP2-Masken werden nicht angeboten) steht, wird in der World of Fun fündig, über 200 Exemplare stehen jeweils zur Auswahl.

In den Sommerferien hat das Geschäft sieben Tage in der Woche von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, in der restlichen Zeit täglich von 9 Uhr bis 17.30 Uhr.
Wem ich jetzt den Mund wässrig gemacht habe, bei dem nächsten Besuch in Hunstanton sich mit Nies- und Juckpulver oder vergleichbar lustigen Dingen einzudecken, der Joke Shop ist nur etwa zwei bis drei Gehminuten vom Meer und von der Strandpromenade entfernt.

Published in: on 16. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the Meter

Foto meines Exemplares.

Die besten Ideen, oder besser gesagt die schrägsten, entwickeln sich immer wieder im Pub. Bei einem Besuch in einem Londoner Pub entstand die Idee von drei jungen Männern, Paul Archer, Johno Ellison und Leigh Purnell, die teuerste und längste Taxifahrt, die es jemals gegeben hat, zu unternehmen. Dazu benötigten die drei ein gebrauchtes Londoner Taxi, das sie bei Ebay auch fanden und für £1350 kauften. Es handelte sich dabei um das Modell Austin LTI FX4, Baujahr 1992, mit rund 300 000 Meilen auf dem Tacho. Mit diesem betagten Vehikel, das in seinem Leben nur die Straßen Londons kennen gelernt hatte und das sie Hannah nannten, wollten Paul, Johno und Leigh die Strecke London-Sydney zurücklegen, quer durch Europa und Asien, durch riskante Regionen wie Iran und Pakistan. Mutig, mutig. Um es gleich vorwegzunehmen: Sie haben es tatsächlich geschafft (in knapp 15 Monaten), und nicht nur bis Australien, sondern auch noch quer durch die USA, also eine komplette Weltumrundung. Sie haben über ihre abenteuerliche Reise ein Buch geschrieben mit dem Titel „It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures around the world„; es liegt auch in deutscher Übersetzung vor: „Drei Freunde, ein Taxi, kein Plan…, aber einmal um die Welt„, erschienen bei Dumont.

Hier sind einige interessante Zahlen:
Da das Taxameter ständig mitlief, konnten die entstandenen Taxikosten exakt berechnet werden; sie beliefen sich auf £ 79 006,80. Die zurückgelegte Gesamtstrecke in Kilometern: 69 716.
5 225 Meter musste Hannah einmal im Himalaya erklimmen, so hoch hatte es noch nie zuvor ein Taxi geschafft (Eintrag im Guinness Buch der Rekorde!).
Die höchste im Taxi gemessene Temperatur: 60,4° Celsius im Iran, die niedrigste: -19,4° Celsius in Finnland.
Insgesamt durchquerten die drei Männer zusammen mit Hannah 50 Länder; letztere verbrauchte dabei 8000 Liter Diesel. Wieviel Liter Bier die Insassen verbrauchten, ist nicht festgehalten worden.

Es ist ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen, und nicht nur das, man lernt auch gleichzeitig so einiges über die jeweiligen Länder. Hier ist ein Film, um die drei Männer und Hannah kennenzulernen.

Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures arounf the world. Summerdale 206. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-825-1.

Vor der Golden Gate Bridge in San Francisco.
Author: Johno Ellison.
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Published in: on 15. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Sundial Trail im Londoner Horniman Museum

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Frederick John Horniman (1835-1906) war ein wohlhabender Teehändler, der Ende des 19. Jahrhunderts die weltweit größte Teehandlung besaß. Sein Name ist noch heute ein Begriff, weil er 1901 das nach ihm benannte Horniman Museum in Londons Borough of Lewisham im Südosten der Stadt gründete. Das Museum umfasst das Gebäude selbst und eine großflächige Gartenanlage. Es wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erweitert und enthält heute an die 350 000 Objekte aus den Bereichen Naturgeschichte, Anthropologie und Musikinstrumente.

Ich möchte heute aber nur auf den Sundial Trail eingehen, die wohl umfangreichste Sammlung von Sonnenuhren im Königreich, zusammengestellt von der  British Sundial Society, die ich in meinem Blog schon einmal vorstellte. Natürlich ist es am schönsten, diese Sammlung bei Sonnenschein zu besichtigen, um festzustellen, ob die Uhren auch wirklich genau gehen. Hier ist eine Auswahl der Sonnenuhren, die mir am besten gefallen:


Diese Sonnenuhr ist am Gewächshaus angebracht
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)
Die Schmetterlings-Sonnenuhr
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Double Polar Sundial
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Analemmatic Sundial.
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Roman Sundial.
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0

Horniman Museum & Gardens
100 London Road
Forest Hill
London SE23 3PQ

Published in: on 14. April 2021 at 02:00  Comments (6)  

Die religiösen Straßennamen in der Londoner City zwischen St Paul’s und Old Bailey

Amen Court und die Mauerreste des ehemaligen Newgate Gefängnisses.
Copyright: London Remembers
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In Paris gibt es im vierten Arrondissement eine Straße, die rue de l’Ave-Maria heißt und deren Namen mich immer fasziniert hat, wobei ich nicht sagen kann warum. Sie ist 116 Meter lang und erhielt ihren Namen im Jahr 1867 nach dem Kloster, das einmal auf der heutigen Nummer 22 lag.

Auch in der Londoner City gibt es eine Straße namens Ave Maria Lane, die Verlängerung des Warwick Lanes in Richtung Ludgate Hill. Früher gab es die Tradition, dass Mönche am Fronleichnamsfest eine Prozession zur St Paul’s Cathedral veranstalteten. Immer wenn sie das Vaterunser mit einem Amen beendeten, bogen sie gerade in die Ave Maria Lane ein. Auch die Namen der benachbarten Straßen erinnern an diese Prozessionen: Amen Corner, Amen Court und Paternoster Row.

Der Amen Court ist eine kleine Privatstraße („“Not open to the public. Please respect the privacy of those who live here.“), in der noch die letzten Mauerreste des ehemaligen berüchtigten Newgate Prisons zu sehen sind. Dieses Gefängnis, in dem unzählige Menschen hingerichtet worden sind, wurde bereits im Jahr 1188 errichtet und erst 1902 geschlossen. Zwei Jahre später riss man es, bis auf die besagen Mauerreste ab, und baute auf dem frei gewordenen Gelände den Central Criminal Court, Londons berühmtestes Gerichtsgebäude, besser bekannt unter dem Namen Old Bailey. Der Amen Court gehört noch heute zur St Paul’s Cathedral. Am Ende der Sackgasse befindet sich eine weitere Mauer, hinter der zu Zeiten des Newgate Prisons der Deadman’s Walk entlang führte, der Weg zum Galgen, den die zum Tode Verurteilten nehmen mussten. Diese Mauer war (und soll noch immer) „haunted“ sein, heimgesucht vom Black Dog of Newgate, einem unheimlichen schwarzen Hund, der sich immer kurz vor einer Exekution manifestierte.

Die britische Rockband Amen Corner, die Ende der 1990er Jahre einige Erfolge verzeichnen konnte („If paradise is have as nice„) benannte sich übrigens nicht nach der Londoner Straße, sondern nach einer Veranstaltungsreihe im Victorian Ballroom in Cardiff in Wales.

Der Amen Court und die Mauer hinter der früher der Deadman’s Walk entlangführte.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Das Ende des Ave Maria Lanes.
Photo © Dominique MacNeill (cc-by-sa/2.0)
Author: erasmusa
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Published in: on 13. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die St Nicholas Church in Lower Oddington (Gloucestershire) und das Jüngste Gericht

Photo © AJD (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns mitten in die Cotswolds, nach Lower Oddington in die Grafschaft Gloucestershire. Zur Orientierung: Das kleine Dorf liegt östlich von Stow-on-the-Wold an der A436. Ein paar hundert Meter vom Ort entfernt, an der Church Road, findet man die St Nicholas Church, mit deren Bau man irgendwann im 12. Jahrhundert begonnen hatte. Diese ruhig gelegene Kirche hat sich vor allem durch ihre sogenannten „doom paintings“ einen Namen erworben, das sind Wandmalereien, die das Thema „Jüngstes Gericht“ darstellen. Die Malereien in St Nicholas stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden zur Reformationszeit übermalt, doch 1969 wiederhergestellt. Zu sehen sind Jesus, flankiert von den Aposteln, darunter zwei Engel, die in Trompeten blasen, um die Toten aufzuerwecken. Darunter wiederum sieht man die aus den Gräbern wiederauferstandenen Toten, die auf das Jüngste Gericht warten. Die auf der linken Seite stehenden, dürfen sich auf den Himmel freuen, die auf der rechten Seite müssen leider in die Hölle, wo der Teufel schon auf sie wartet.

Seit 1852 finden keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in St Nicholas statt; die Kirche ist unbeheizt und hat kein elektrisches Licht. Wenn zur Weihnachtszeit einmal Gottesdienste abgehalten werden, so geschieht das bei Kerzenschein.

Dieser Film zeigt einen Besuch der Kirche in Lower Oddington.

Das „doom painting“.
Author: UGArdener
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Ein Engel bläst zum Jüngsten Tag.
Author: michaelday_bath
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Published in: on 12. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Albert Einstein und sein kurzes Asyl bei Roughton in Norfolk im Jahr 1933

Plakette am New Inn in Roughton (Norfolk)
Author: sleepymyf
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Südlich von Cromer in der Grafschaft Norfolk gibt es ein kleines Dorf namens Roughton, das sich für kurze Zeit rühmen konnte, einem der größten Wissenschaftler aller Zeiten Asyl geboten zu haben. Sein Name: Albert Einstein. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933 wurde es für den jüdischen Wissenschaftler in Deutschland zu gefährlich, und so floh er nach Ostende in Belgien. Von dort wurde er in einer Gemeinschaftsaktion des belgischen Königs und englischer Verbindungsleute (möglicherweise war auch Winston Churchill beteiligt) nach Norfolk gebracht, wo sich der Parlamentsabgeordnete Oliver Locker-Lampson um Einstein kümmerte. Der MP wohnte damals in Cromer an der Küste Norfolks, und so brachte er Einstein in einer kleinen Holzhütte bei der Ortschaft Roughton unter, wo er selbst und zwei Sekretärinnen den Gast bewachten. Sie waren alle bewaffnet, denn die Gefahr bestand, dass man den Wissenschaftler kidnappte, weil ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt war. Auch während seines Asyls in der einsam gelegenen Hütte beschäftigte sich Einstein weiterhin mit seinen Studien und es heißt, dass er dort die Grundlagen für den Bau der ersten Atombombe entwickelte. Einstein war zwar Pazifist, aber er fürchtete, dass die Deutschen als erste eine Atombombe bauen würden, was er auf jeden Fall verhindern wollte, und so sollten seine Studien den Amerikanern zugute kommen. Albert Einstein blieb nur wenige Wochen in Norfolk, anschließend begab er sich in die USA. Vorher erhielt er aber noch Besuch von dem Künstler Jacob Epstein, der innerhalb von drei Tagen eine Büste von Einstein anfertigte.

Was heute noch an die kurze Episode erinnert, ist eine blaue Plakette am Pub The New Inn an der Norwich Road in Roughton.

Einsteins Kurzaufenthalt in Norfolk soll den amerikanischen Komponisten Philip Glass zu seiner Oper „Einstein on the Beach“ inspiriert haben, deren Uraufführung 1976 beim Festival von Avignon in Frankreich stattfand. Auch die US-Rockband Counting Crows haben 1994 einen Song aufgenommen, der den selben Titel wie die Oper trägt.

Das Ortsschild von Roughton.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das gastronomische Imperium des Andrew Pern in North Yorkshire

The Star Inn in Harome.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Im tiefen Süden Englands, von Padstow in Cornwall aus, betreibt der Starkoch Rick Stein ein gastronomisches Imperium, so dass man von dem Küstenort schon von „PadStein“ spricht (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Im hohen Norden, in der Grafschaft North Yorkshire, gibt es ebenfalls einen Koch, der in den letzten Jahren mehrere Restaurants eröffnet hat: Der Sternekoch Andrew Pern. Er ist seit 1996 Inhaber des The Star Inn in dem kleinen Bilderbuchort Harome in der Nähe von Helmsley, und wie es sich für ein Restaurant mit diesem Namen gehört, ist es schon seit vielen Jahren mit einem Michelinstern ausgezeichnet.

Andrew Pern, der vorher im Milburn Arms bei Pickering (North Yorkshire) gearbeitet hatte, übernahm den heruntergekommenen Pub und baute ihn zu einem der besten Gastropubs in ganz Großbritannien auf. Siehe hierzu meinen Blogeintrag vom vorigen Jahr.

The Star Inn ist in einem schönen, reetgedeckten Haus aus dem 14. Jahrhundert in der High Street untergebracht, in dem „modern Yorkshire food“ auf hohem Niveau serviert wird. In der Bar des Restaurants findet man übrigens Möbel, die von Robert Thompson, dem „Mouse Man of Kilburn“ gebaut worden sind (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Für Gäste des Restaurants, die gleich in Harome übernachten wollen, hat Andrew Pern gegenüber ein Boutique-Hotel eröffnet, Cross House Lodge, das 13 Zimmer hat. die alle individuell eingerichtet worden sind (die Übernachtungspreise liegen zwischen £120 und £280, Frühstück inklusive).

Andrew Pern hat sich noch weitere Restaurants zugelegt. Im Oktober 2013 eröffnete er in York an der Lendal Bridge am Ufer der Ouse sein The Star Inn The City, eine All Day Dining Brasserie im ehemaligen Engine House.
Ein anderes Lokal in York an der Low Petergate, Mr P’s Curious Tavern, im Juni 2016 eröffnet, wurde im letzten Sommer nach dem Lockdown nicht mehr wiedereröffnet und ist Corona zum Opfer gefallen.

In Whitby an der Küste von Yorkshire floriert Andrew Perns The Star Inn The Harbour, ein sehr hübsch eingerichtetes Restaurant am Hafen, das sich auf Meeresgetier spezialisiert hat (hier ist ein Film).

Andrew Pern ist auch Autor zweier Kochbücher mit den Titeln „Black Pudding and Foie Gras“ und „Loose Birds and Game„.

In Harome gibt noch ein weiteres Hotel mit einem anspruchsvollen Restaurant, das von Andrew Perns Frau Jacquie und von Peter Neville geführt wird: The Pheasant. Das kleine Dorf hat also in kulinarischer Hinsicht so einiges zu bieten.

The Star Inn the City in York.
Author: alh1
Creative Commons 2.0
The Pheasant Hotel in Harome.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chatteris in Cambridgeshire – Ein Song und ein Weltrekord

„Downtown“ Chatteris.
 Author: rob enwiki
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Heute begeben wir uns wieder einmal in die Grafschaft Cambridgeshire und zwar in die kleine Stadt Chatteris, nördlich von Cambridge und südöstlich von Peterborough gelegen. Es handelt es sich hier um eine eher unauffällige Marktstadt mit etwas mehr als 10 000 Einwohnern, in der viele Pendler wohnen, die in den umliegenden größeren Städten arbeiten.

Ich bin durch zwei Dinge auf Chatteris gestoßen. Da ist zuerst einmal der Song „For what is Chatteris?“ der Band Half Man Half Biscuit, der der Stadt gewidmet ist. Die  Indie-Rock-Band aus Birkenhead (Merseyside) habe ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Stiperstones in Shropshire erwähnt.
Im Text des Songs werden die positiven Seiten der Stadt hervorgehoben: Die Pünktlichkeit der Busse, die sauberen Straßen, die niedrige Kriminalitätsrate, die Blaskapellen und der Spielplatz im Park, einige empfehlenswerte Metzger und eine erstklassige Konditorei; kurzum Chatteris ist „the envy of the Fens“. ABER: was spielt das alles für eine Rolle, wenn Du nicht da bist (so im Song zu hören), „A market town that lacks quintessence That’s Chatteris without your presence“. Schade, müssen sich die Bewohner der Stadt in Cambridgeshire gedacht haben, da wird von Half Man Half Biscuit so eine hohe Erwartungshaltung aufgebaut und dann durch den Refrain „What’s Chatteris if you’re not there?“ wieder zunichte gemacht. Und dann setzt am Ende des Textes die Band noch eins drauf: „I may as well be in Ely or St Ives…“.
In diesem Film kann man sich ein Bild von der Stadt machen.

Im Oktober 2001 geschah etwas Außergewöhnliches nördlich von Chatteris, dort, wo heute das North London Skydiving Centre zu finden ist. Der damals 46 Jahre alte Ian Ashpole aus Ross-on-Wye in Herefordshire stellte einen Weltrekord auf, mit dem er im Guinness Book of Records landete. Ashpole ließ sich von 600 mit Helium gefüllten Luftballons in eine Höhe von 11 000 Fuß bringen, was 3 352 Metern entspricht. Damit hatte er seinen eigenen Rekord um 1000 Fuß überboten, den er fünf Jahre zuvor aufgestellt hatte. Geplant waren eigentlich 15 000 Fuß, aber das war an dem Tag einfach nicht drin. Ian Ashpole schnitt sich dort oben von den Luftballons los und kam mittels eines Fallschirms zur Erde zurück. Inspiriert für diese Aktionen wurde er schon als Kind, als er den Film „The Red Balloon“ sah, eine französische Produktion aus dem Jahr 1956 (Originaltitel: Le Ballon Rouge, deutsch: Der rote Ballon).

Chatteris Airfield mit dem North London Skydiving Centre
Photo © Paul Vivash (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Mendip Hills und die Cheddar Gorge in Somerset – Einige persönliche Anmerkungen

Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

Meine erste Begegnung mit den Mendip Hills in der südenglischen Grafschaft Somerset liegt schon einige Zeit zurück. Damals las ich in Peter Sagers DuMont-Kunstreiseführer „Südengland“ von dem Dörfchen Priddy und dem Pub The Miner’s Arms, in dem ein Champagnerbier serviert wurde. Dieses spezielle Gebräu musste ich einfach probieren, und so fand ich mich zur Mittagszeit dort ein und begleitete meinen Lunch mit einem Glas Champagnerbier, das man auch flaschenweise mitnehmen konnte. Ich habe keine genaue Erinnerung mehr, ob mir das Bier schmeckte, auf jeden Fall kam ich noch einmal in den Genuss, bevor der Pub leider geschlossen wurde.

Bei meinem letzten Englandbesuch Ende Oktober 2019 fuhr ich auf dem Weg von Glastonbury nach Wells noch einmal durch die Mendip Hills und die großartige Schlucht Cheddar Gorge. Diese Felsenlandschaft im Süden des Landes würde auch in dem raueren Norden Englands eine „Bella Figura“ machen. Den Besitz der Cheddar Gorge teilen sich der National Trust und der Longleat Charitable Trust des Marquess of Bath.

Die kurvenreiche Cliff Road zieht sich durch die Felsenlandschaft und zur Hauptsaison kann es hier richtig voll werden, daher sollte man nach Möglichkeit in den Sommermonaten diese Region meiden. Im Oktober ging es sehr ruhig zu. Eine der Hauptattraktionen der Cheddar Gorge sind die Höhlen, vor allem die Gough’s Cave, in der im Jahr 1903 das Skelett eines Menschen gefunden wurde, der vor mindestens 9000 Jahren gestorben war, der sogenannte Cheddar Man.

Ein beliebtes Touristenziel ist auch die Cheddar Gorge Cheese Company, die (erstaunlicherweise) Cheddarkäse produziert, der zum Teil in den Höhlen zum Reifen gebracht wird.

Südöstlich von Cheddar liegen die Wookey Hole Caves, ein weiteres, von Touristen überlaufenes Höhlengebiet. Hier ereignete sich im Jahr 2006 ein Zwischenfall, der landesweit für Gelächter, aber auch für Trauer sorgte, das Wookey Hole Cave Massacre. Verantwortlich für das Massaker war ein sechsjähriger Dobermann namens Barney, der als Wachhund eingestellt worden war. Was Barney absolut nicht leiden konnte, waren Teddybären, und da dort eine große wertvolle Teddybärensammlung untergebracht war, machte sich der Hund eines Tages in einem unbeobachteten Augenblick über die Plüschtiere her und zerfetzte sie in großem Stil. Über hundert Bären fielen dem Dobermann zum Opfer, darunter soll auch eine besonders wertvolle Leihgabe gewesen sein, nämlich Elvis Presleys Lieblingsteddy Mabel, dessen Wert mit $75,000 veranschlagt war. Ich könnte mir vorstellen, dass Barney an diesem Tag zur Strafe keinen Knochen bekam und hungrig in sein Körbchen gehen musste.

Da ich bei meinem letzten herbstlichen Besuch zur Mittagszeit einen Pub suchte und The Miner’s Arms nicht mehr zur Verfügung stand, suchte ich in Priddy den vom The Good Pub Guide empfohlenen Victoria Inn auf, mit dem ich sehr zufrieden war und über den ich in meinem Blog geschrieben habe.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Die Cliff Road zur Hauptsaison.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)
Gough’s Cave
Photo © Nigel Davies (cc-by-sa/2.0)
Die Cheddar Gorge Cheese Company
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)
Diese Polizisten in Wookey Hole stehen nicht auf Cheddarkäse-Laiben. Sie achten darauf, dass Kinder sicher über die Straße gelangen und dass keine Dobermänner hineinkommen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Richard Arnet (1674-1728) – Ein Henker, dem so manche Pannen unterlaufen sind

Author: J. Stephen Conn
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Die zuständigen Behörden, die anfangs des 18. Jahrhunderts die Henker ernannten, hatten nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl. Von 1715 bis 1717 war William Marvell dafür verantwortlich, Delinquenten, die Böses (oder auch weniger Böses) getan hatten, mittels Strick ins Jenseits zu befördern. Marvel tat das auch…bis er selbst am Galgen baumeln musste, denn er hatte ein schweres Verbrechen gegangen: Er hatte zehn seidene Taschentücher entwendet; eine Tat, die natürlich nur mit dem Tod des Diebes bestraft werden konnte.

Marvels Nachfolger war Richard Arnet (1674-1728), der sich als ziemlich dilettantisch herausstellen sollte. Schon sein erster Auftrag lief schief. Arnet sollte in London drei Männer aufknüpfen, verspätete sich aber beträchtlich. Die Menge, die das Schauspiel ansehen wollte, wurde ungeduldig, und als der Henker endlich erschien, wurde er von der Meute in einen nahe gelegenen Teich geworfen. Die drei zum Tode Verurteilten brachte man wieder zurück ins Newgate-Gefängnis.

Im Jahr darauf ereignete sich wieder ein Zwischenfall bei dem Richard Arnet alles andere als gut aussah (um es gelinde auszudrücken). Zwei Männer sollten hingerichtet werden; dieses Mal erschien der Henker pünktlich aber er hatte vorher mehrere Pints getrunken. Wie das nun einmal so ist, wenn man auf der Hinrichtungsplattform steht, und mit vier Männern konfrontiert wird, den beiden zum Tode Verurteilten plus ein katholischer Priester plus ein Geistlicher vom Newgate Prison, da kann man schon einmal durcheinander kommen, und so legte Mr Arnet den beiden Kirchenmännern den Strick um den Hals, wogegen diese lautstark protestierten. Als der Henker seinen Irrtum sah, nahm er ihnen den Strick wieder ab und dann passierte wieder etwas Unvorhergesehenes, es war eben nicht Richard Arnets Tag. Von den Auswirkungen des Alkohols beeinträchtigt, hatte Arnet vergessen, einen wichtigen Riegel, der das Hinrichtungsgerüst zusammenhielt, in die entsprechende Position zu schieben, mit dem Resultat, dass alles in sich zusammenstürzte. Hätte nur noch gefehlt, dass sich bei dem Durcheinander der Henker selbst gehängt hätte.

1728 starb Richard Arnet; sein Nachfolger wurde John Hooper, der in die Geschichte der britischen Henker als „The Laughing Hangman“ einging, weil er für seine Delinquenten immer ein paar Witze auf Lager hatte, die darüber wahrscheinlich nur gequält lachen konnten.

Wer von dem Thema „Henker“ nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich einen anderen Blogeintrag von mir, in dem es um Richard Arnets Berufskollegen Albert Pierrepoint und Harry Allen geht.

Published in: on 7. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die uralten steinernen „Asylsessel“ im Beverley Minster (East Riding of Yorkshire) und in der Hexham Abbey (Northumberland)

Der Sanctuary Chair im Beverley Minster
Photo © Mike Kirby (cc-by-sa/2.0)

Bevor Heinrich VIII. ein Schlussstrich unter die Möglichkeit zog, dass sich Menschen auf der Flucht vor den Strafvollzugsbehörden in Kirchen Asyl suchen konnten, boten Gotteshäuser solch einen Weg an, dem Gesetz zumindest eine Zeit lang zu entkommen.

Meines Wissens gibt es in England nur noch zwei Kirchen, die einen sogenannten „sanctuary chair„, auch Frith stool genannt, besitzen. Hatte man auf diesem steinernen „Asylsessel“ einmal Platz genommen, saß man unter dem Schutzschirm der jeweiligen Kirche.
Im Beverley Minster im Osten von Yorkshire, einer sehenswerten Kirche, die es mit vielen Kathedralen des Landes aufnehmen kann, steht ein derartiger „sanctuary chair“. Die Ursprünge des Beverley Minsters gehen auf John of Beverley zurück, der im 8. Jahrhundert lebte, und Bischof von Hexham in Northumberland und Bischof von York war.

Man schätzt, dass der steinerne Stuhl noch älter als das gegenwärtige Münster ist, dessen Bau nach dem großen Brand von 1188 begonnen wurde, der die bisherige Kirche komplett vernichtete. Der Stuhl steht auf der linken Seite des Hochaltars.
In den meisten Fällen galt das Kirchenasyl für vierzig Tage. Nach Ablauf dieser Zeit gab es zwei Möglichkeiten für den Geflüchteten: Entweder stellte er sich den Behörden oder er beichtete seine Straftat der Kirche und musste daraufhin auf dem schnellsten Wege das Land verlassen. Natürlich gab es auch einige, die die letztere Variante vorzogen, aber im Land blieben und sich wieder ihrer kriminellen Laufbahn widmeten. Wurden sie dann geschnappt, mussten sie mit sehr strengen Strafen rechnen.

Der zweite noch erhaltene „sanctuary chair“ ist in der Hexham Abbey in der Grafschaft Northumberland zu finden. Ursprünglich soll er als Sitz der Bischöfe gedient haben. Er ist nicht, wie in Beverley, neben dem Hochaltar zu finden, sondern mitten im Chor der Abteikirche.

Und der zweite Sanctuary Chair in der Hexham Abbey.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Land of Green Ginger – Eine alte Straße in Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) und das kleinste Fenster Englands

Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) stand einmal auf Platz 1 der Liste der britischen Crap Towns (siehe hierzu meinen Blogeintrag), doch man tut hier sehr viel, um den schlechten Ruf der Stadt abzustreifen. Im Jahr 2017 war Kingston-upon-Hull sogar die UK City of Culture, was in großem Stil gefeiert wurde. Siehe auch meine Berichte über den Larkin Trail und die besonderen Telefonzellen der Stadt an der Mündung des River Humber.

In der Altstadt gibt es eine Straße mit einem sehr schönen Namen: Land of Green Ginger. Die enge und kurze Gasse gehört mit zu den ältesten Straßen der Stadt; früher hieß sie einmal Old Beverley Street. Nicht geklärt ist, wie es zu der Namensgebung kam. Möglicherweise wurde im Mittelalter in dieser Gegend Ingwer gelagert; es gibt auch die Theorie, dass der Name in Zusammenhang mit der Familie Lindegreen aus den Niederlanden steht, aus dem später aus irgendeinem Grund Lindegroen jonger wurde und daraus wiederum Land of Green Ginger. Egal, der Name ist einfach schön.

Viel gibt es in der Gasse nicht zu sehen, aber eine Besonderheit findet man doch: Englands kleinstes Fenster. Es ist direkt links neben dem Eingang des The George Hotels angebracht, eigentlich mehr Pub als Hotel. Von diesem Fensterschlitz aus beobachtete der Portier früher, als das Hotel als Postkutschenstation diente, herannahende Kutschen und informierte die Belegschaft, dass da Arbeit auf sie zukam.

Die heute nur noch wenig bekannte Schriftstellerin Winifred Holtby (1898-1935) veröffentlichte 1927 einen Roman mit dem Titel „The Land of Green Ginger„, in dem die Protagonistin Joanna Burton das Straßenschild mit dem Namen erblickt und davon träumt, einmal in die Länder zu fahren, in denen es diesen grünen Ingwer gibt.

Der Fensterschlitz ist rechts von der Plakette zu erkennen.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)
Author: yellow book
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Published in: on 5. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Pagoden von Orford Ness in Suffolk und die „schöne“ Blaue Donau

Photo © Peter Norman (cc-by-sa/2.0)

Die Gegend von Orford Ness in der Grafschaft Suffolk erinnert mich immer wieder an Dungeness in Kent, wahrscheinlich wegen der endlos langen Kieselstrände. Die in Orford Ness gehören zu den längsten in Europa. Bevor diese Region zu einem Naturschutzgebiet wurde und jetzt dem National Trust gehört, war sie militärisches Sperrgebiet, in dem geheimnisvolle Dinge vor sich gingen. Heute erinnern noch merkwürdige pagodenartige Gebäude an die Zeit, zu der das britische Militär hier Forschungsarbeiten durchführte, die bereits im Jahr 1913 begannen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurden hier waffentechnische Versuche vorgenommen, alles natürlich streng geheim.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg baute man die oben erwähnten Pagoden, die zu Tests mit der ersten britischen Atombombe dienten, der man den Namen Blue Danube, also Blaue Donau, gegeben hatte. Wie kam man wohl auf diese abstruse Idee, einer der schlimmsten Waffen der Menschheit so einen schönen Namen zu geben? Glücklicherweise wurden hier in Orford Ness keine Atombomben wirklich gezündet, aber ganz ungefährlich waren die Tests nicht. Es hieß damals, Nuklearmaterial würde bei den Tests nicht zum Einsatz kommen; die Bombe wurde aber nach allen Regeln der Kunst daraufhin untersucht wie sie vor der Detonation auf alle mögliche äußeren Einwirkungen reagieren würde wie Erschütterungen, extreme Temperaturen usw. Bei diesen Experimenten hätte durchaus etwas schief gehen können, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Hier ist ein Film, der zeigt wie es heute in den verlassenen und verfallenen Anlagen aussieht.

Die Bewohner des Ortes Orford werden sicher aufgeatmet haben, als 1971 diese Arbeiten eingestellt wurden und 1993 der sehr viel friedlichere National Trust alles übernahm.
In meinem Blog schrieb ich schon einmal über einen ganz besonderen Dorfladen in Orford.

Das Buch zum Thema:
Paddy Heazell: Most Secret – The Hidden History of Orford Ness. The History Press 2013. 336 Seiten. ISBN 978-0752491592
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Photo © Andy Parrett (cc-by-sa/2.0)
Author: amandabhslater
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Published in: on 4. April 2021 at 02:00  Comments (7)  

Mein Buchtipp – Lauren Juliff: How Not to Travel the World

Foto meines Exemplares.

Lauren Juliff ist eine junge Londonerin, die es in die weite Welt hinauszieht, deshalb arbeitet sie so lange, bis sie genug Geld zusammengespart hat, um diesen Schritt zu wagen. Lauren ist eine eher schüchterne, nicht sehr kommunikative junge Frau mit etwas seltsamen Essgewohnheiten (sie hat noch nie ein Ei oder Reis gegessen und auch Kaffee war ihr bislang ein fremdes Getränk). Sie neigt zu Panikattacken und ist sehr ängstlich; alles keine guten Voraussetzungen, um allein als Rucksacktouristin andere Kontinente zu besuchen.

Lauren setzt sich in London in ein Flugzeug nach Kroatien, wo der Start in ein neues, komplett anderes Leben beginnt. Von dort führt sie der Weg über die Ukraine nach China, Thailand, Laos und Kambodscha. In ihrem Buch „How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker“ schreibt die Reisebloggerin von einer faszinierenden Welt, vor allem die in Südostasien. Lauren lernt über das Internet Dave kennen, einen Australier, der ebenfalls als Backpacker in dieser Region Asiens unterwegs ist. Sie treffen sich, verlieben sich ineinander und reisen von da an gemeinsam. Wie es in dem Untertitel des Buches gesagt wird: Lauren ist „disaster-prone„, das heißt, sie zieht, Katastrophen und Unfälle magisch an. Einige Beispiele:
In eine Hostel in Kiew wird sie von dem Besitzer sexuell belästigt, in Shanghai gelangt sie in die Fänge zweier Betrügerinnen, in Thailand gerät sie an eine unfähige Zahnärztin, in Pattaya steht sie Todesängste aus wegen eines vermeintlichen Tsunamis, in Laos leidet sie Höllenqualen wegen Sandflöhen, die sich ihren Körper als Angriffsziel ausgesucht haben, auf dem Mekong stirbt an Bord eines kleinen Schiffes eine Frau, deren Leiche unter ihrer Sitzbank gelagert wird. So geht es immer weiter, eine Katastrophe jagt die nächste, trotzdem genießt Lauren ihr neues Leben in vollen Zügen und mag nicht mehr nach London zurückkehren.

In ihrem Blog Neverending Footsteps, in dem Lauren von ihren Reisen berichtet, führt sie eine Rubrik „The Incidents„, in der sie alle ihre Desaster aufgelistet hat.
Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, und Lauren tat mir immer wieder leid wie sie von einem Unglück ins nächste stolpert.

Lauren Juliff: How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker. Summersdale 2015. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-727-8.

Published in: on 3. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Axbridge in Somerset und ein Flugzeugabsturz am 10. April 1973

Das Denkmal für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei Hochwald in der Schweiz.
Author: Хрюша
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Es sollte ein schöner Tag werden dieser 10. April des Jahres 1973, ein Einkaufstrip nach Basel auf den sich viele Frauen aus Axbridge in Somerset schon seit langem gefreut hatten. Die Damen der Axbridge Ladies Guild hatten sich mit Damen der Cheddar Mums‘ Night Out Group und Kegelvereinen aus den umliegenden Dörfern Congresbury und Wrington zusammengetan, um diesen Tag gemeinsam in der Schweiz zu verleben. Am Flughafen von Bristol stiegen sie in eine Vickers Vanguard 952 der Invicta International Airlines (Flugnummer 435) und starteten um 7.19 Uhr. An Bord waren 139 Passagiere, überwiegend Frauen, und sechs Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug dem Flughafen von Basel näherte, geriet es in einen Schneesturm. Die Sicht war sehr schlecht, der erste Landeversuch missglückte, beim zweiten Versuch verloren die beiden Piloten die Orientierung, und das Flugzeug stürzte in ein Waldgebiet nahe des Ortes Herrenmatt. 108 Menschen starben, 37 konnten sich retten beziehungsweise wurden aus dem Wrack gerettet.

Als die Nachricht des Flugzeugabsturzes in Axbridge und den anderen Orten in Somerset eintraf, schien die Zeit stehen zu bleiben. Noch vor wenigen Stunden hatte man die Ehefrauen, Mütter und Töchter weggewinkt und jetzt waren die meisten von ihnen tot. Die Dörfer standen unter Schock. Nach und nach gab man die Namen derjenigen bekannt, die den Absturz überlebt hatten, die Angehörigen derjenigen, die nicht auf dieser Liste standen, versanken in Hoffnungslosigkeit. Auf einen Schlag hatten 55 Kinder ihre Mütter verloren, eine junge Frau verlor elf Familienmitglieder. Zur Identifizierung der Toten machten sich Angehörige auf den Weg in die Schweiz, eine extrem belastende Aufgabe.
Die 108 Opfer wurden wieder nach England zurückgebracht und auf den Friedhöfen ihrer Heimatorte beigesetzt. 13 der 16 Opfer aus Axbridge kamen in ein gemeinsames Grab auf dem Kirchhof von St John the Baptist.

In der Nähe der Absturzstelle in der Schweiz steht ein Denkmal, das an diesen schwarzen Tag im April 1973 erinnert. Dieser Film arbeitet die Geschehnisse von 1973 und der Zeit danach noch einmal auf.

St John the Baptist in Axbridge (Somerset).
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Witney in Oxfordshire Teil 2: The Witney Wool & Blanket Trail

Die High Street mit der Blanket Hall in der Mitte des Bildes
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Über Hunderte von Jahren verband man in England den Namen der Stadt Witney in Oxfordshire mit Wolle verarbeitender Industrie, speziell mit der Herstellung von Wolldecken. Dieser Industriezweig sorgte in der Stadt lange Jahre für einen gewissen Wohlstand; aber in den 1970er Jahren war Schluss damit. Die Fabriken schlossen ihre Tore, in anderen Teilen der Welt wurden Decken billiger hergestellt.

In der High Street gibt es in der Nummer 103 noch ein Spezialgeschäft für Decken, die Firma R.N. Peace, die Wolldecken „Made in the UK“ anbietet.

Man hat aber in Witney diese Zeit nicht vergessen und für Interessierte den Wool & Blanket Trail geschaffen, der quer durch die Stadt führt, an allen Gebäuden vorbei, die mit der Wollindustrie in Verbindung standen. Da steht im Mittelpunkt die Witney Blanket Hall in der High Street, die 1721 von der Company of Blanket Makers erbaut wurde, und wo so etwas wie eine Endkontrolle der in der Stadt hergestellten Wolldecken stattfand. Heute stehen die Türen des Gebäudes für Besucher offen; man kann sich über die Vergangenheit der Wollindustrie informieren und im Pie Shop essen und trinken.
Der Trail führt in erster Linie die High Street entlang und hat eine Gesamtlänge von etwas mehr als vier Kilometern, den man natürlich auch abkürzen kann, je nach dem wie groß das Interesse an dem Thema ist.
Der Weg führt beispielsweise an der St Mary’s Church vorbei, in der viele der Wolldeckenproduzenten des 18. und 19. Jahrhunderts beigesetzt worden sind. Ehemalige Fabrikgebäude sind entlang des Trails zu sehen wie die West End Woollen Factory, die Captain’s Mill, die Witney Mill und die Bridge Street Mill.

Wer sich den Trail lieber von einem fachkundigen Führer der Witney Blanket Experience erklären lassen möchte, der kann sich einer Tour anschließen, die etwa drei bis vier Stunden dauert und den Lunch in der Blanket Hall beinhaltet. Die Standardtour kostet £40, die Luxusvariante £120, da ist eine Wolldecke inbegriffen.

St Mary
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Die Witney Mill.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Witney in Oxfordshire Teil 1: Die Wychwood Brewery, die das „Kobold-Bier“ herstellt

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In der Stadt Witney in Oxfordshire wird schon seit Jahrhunderten Bier gebraut. 1983 kaufte hier ein gewisser Paddy Glenny die ehemalige Clinch’s Brewery und benannte sie The Eagle Brewery; hier braute Glenny, der die Bierherstellung in Deutschland gelernt hatte, nun sein eigenes Bier. 1990 wechselte er den Namen seiner Firma, die von jetzt ab Wychwood Brewery hieß, nach dem Wald in der Nähe von Witney.

Chris Moss, der Partner von Paddy Glenny, erhielt 1988 den Auftrag, für eine Hochzeit ein spezielles Bier zu brauen; das wurde später das berühmteste Bier der Wychwood Brewery, das „Hobgoblin„. Dieses Bier besitzt 4,5% Alkohol (die Flaschenabfüllung 5,2%) und wird von der Brauerei so beschrieben: „full bodied and well balanced with a chocolate toffee malt flavour, moderate bitterness and a distinctive fruity character with a ruby red glow.“
Die Wychwood-Biere zeichnen sich auch durch ihre Etiketten aus, auf denen die Mythen und Legenden des Wychwood Forests abgebildet werden. Hobgoblin ist der englische Begriff für Kobold.

Neben dem legendären Hobgoblin gibt es weitere Biere, die ganzjährig im Programm sind: King Goblin, Wych Craft, Scarecrow und Goliath. Darüber hinaus stellt die Brauerei aber auch noch monatlich wechselnde Biere her wie Elderwych oder Gingerbeard.

Am Wochenende werden in der Wychwood-Brauerei  Führungen angeboten, auf denen der Brauprozess vorgeführt wird und anschließend die Biere probiert werden können.
Sehenswert ist übrigens die toll gemachte Homepage der Brauerei!
Hier ist ein Film über eine Bierprobe des Hobgoblins.

Wychwood Brewery
Eagle Maltings
The Crofts
Witney
Oxfordshire
OX28 4DP


Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)
Eigenes Foto
Published in: on 31. März 2021 at 02:00  Comments (2)  

The White Horse Inn in Stourpaine (Dorset) – Pub, Postamt und Dorfladen in einem

Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Prince Charles hatte seine helle Freude am White Horse Inn in Stourpaine in der Grafschaft Dorset, setzte man dort doch haargenau das um, was der Prinz mit seiner Aktion „The Pub is the Hub“ (ich berichtete darüber in meinem Blog) erreichen wollte: Die Integration von im Dorf verlorengegangenen Institutionen wie Postamt und Village Store in das örtliche Gasthaus.
Stourpaine hatte beides verloren; im Jahr 2010 waren sowohl das Postamt als auch der Dorfladen geschlossen worden. Gut, der nächste größere Ort, Blandford Forum, war nicht allzu weit entfernt, doch ist es doch bequemer, gerade für die älteren Bewohner, alles gleich in Stourpaine erledigen zu können. So nahm The White Horse Inn Postamt und Laden unter seine Fittiche, was von den Menschen vor Ort sehr positiv aufgenommen wurde.
Der Village Store hat jetzt sieben Tage in der Woche geöffnet, selbst am Sonntag kann man hier von 7.30 Uhr bis 12 Uhr einkaufen. Das Postamt hat zweimal pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags am Vormittag geöffnet.

Weiterhin gibt es im Pub den Prescription Collection Service, ein Rezeptabholservice aus Arztpraxen in Blandford Forum und Child Okeford. Der Pub dient auch als Community Centre, das zum Beispiel eine Buchtauschbörse unterhält und einen Senior Citizen Lunch Club ins Leben gerufen hat. Ach ja, ein Defibrillator wurde vor einigen Jahren ebenfalls installiert.

The White Horse Inn bietet ein umfangreiches Unterhaltungsangebot mit Auftritten von Bands. Jedes Jahr kommt die Londoner Shooting Stars Theatre Company vorbei und führt ein Theaterstück auf; in diesem Jahr soll es Noel Cowards „Private Lives“ sein, am 4. und 5. August.

Der Prince of Wales und seine Gattin besuchten The White Horse Inn am 27. Mai 2011 und zeigten damit ihre Wertschätzung für die Aktivitäten in Stourpaine.

The White Horse Inn
Stourpaine
Blandford Forum
Dorset DT11 8TA

Published in: on 30. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die älteste Apotheke Englands steht in Burford in Oxfordshire

Author: ekenitr
Creative Commons 2.0

Bis zum Jahr 1998 hieß die älteste Apotheke Englands Ye Oldest Chymist Shoppe, und sie stand in Knaresborough in North Yorkshire. Dann wurde sie geschlossen und in das alte Haus zog ein Souvenirgeschäft ein. Seitdem steht die älteste Apotheke jetzt in Burford (Oxfordshire) in den Cotswolds und sie heißt Reavley, an der Ecke High Street/Sheep Street.

1734 schon wurde diese Apotheke von Nicholas Willet gegründet und noch heute versorgt sie Burford und Umgebung mit Medikamenten. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm sie im Jahr 1918 der Apotheker Robert Reavley, nachdem sie bis heute benannt ist. Mehrere Generationen Reavleys folgten als Eigentümer der Apotheke in dem alten Eckhaus; der letzte war Cedric Reavley, der gegen die Konkurrenz der englischen High Street Chemists ankämpfte und dabei von seiner treuen Kundschaft unterstützt wurde.
Als sich Cedric Reavley im Februar 2019 in de Ruhestand begab, übernahm die Tuffour-Familie die älteste Apotheke im Land. Ben und Ivy Tuffour stehen jetzt hinter dem Tresen und beraten die Bewohner von Burford.

Dort wo das Haus an der Ecke High Street/Sheep Street steht, war früher einmal ein Pub, The Crown Inn, der im Bürgerkrieg für General Eyres als Hauptquartier diente.

Burford ist eine kleine, lebhafte Stadt, die ich mehrfach besucht habe, wenn ich denn einen Parkplatz gefunden habe. Sie gilt als „posh“, denn in der Umgebung leben viele wohlhabende Menschen.

Ye Oldest Chymist Shoppe in Knaresborough (North Yorkshire)
Photo © Steve McShane (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Malton in North Yorkshire – Yorkshire’s Food Capital

Beim Food Lovers Festival auf dem Market Place.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Die Marktstadt Malton in North Yorkshire liegt an der vielbefahrenen A64, die von Leeds zur Küste führt. Ich erinnere mich noch an einen gewaltigen Stau in der Innenstadt auf der B2157, einer Art „Business Loop“, während dem ich Zeit hatte, mir den Ort vom mehr oder weniger stehenden Auto anzusehen.
Der italienische, in London lebende Starkoch Antonio Carluccio (1937-2017) war bei einem Besuch in Malton im Jahr 2011 von dem kulinarischen Angebot der Stadt dermaßen angetan, dass er Malton als „Yorkshire’s food capital“ bezeichnete, worauf man hier natürlich sehr stolz war. Nicht die großen Metropolen Yorkshires wie Leeds, Sheffield oder York, sondern das kleine Malton wurde von Carluccio so ausgezeichnet.

Was hat Malton denn nun in kulinarischer Hinsicht zu bieten? Es gibt einen monatlich stattfindenden „Food Market“ auf dem Marktplatz vor der St Michael’s Church, wo Händler aus der Region ihre Waren anbieten. Hier findet man alles, was das Herz eines Gourmets höher schlagen lässt. Einmal im Jahr findet das dreitägige Malton Food Lovers Festival statt, in diesem Jahr geplant für den 28. bis 30. August, auch  „Yorkshire Foodie Glastonbury“ genannt. Dann gibt es den Marathon du Malton, eine zehn Kilometer lange Strecke auf der die Teilnehmer alle möglichen Köstlichkeiten probieren können wie Hummer, Roastbeef, Bier und Gin aus der Region usw.
Die gastronomische Malton Food Tour (£45) führt durch Geschäfte und Läden der Stadt, auf der man hinter die Kulissen der Erzeuger blicken und natürlich auch alles probieren kann.

Und dann gibt es noch zahlreiche Restaurants in der Stadt wie das The New Malton, das Chapter One Bistro und das Stew & Oyster am Market Place, um nur einige zu nennen. Die Brass Castle Brewery stellt veganes und glutenfreies Bier her, die Rare Bird Distillery produziert Gin (darunter auch einen Rhabarber-Gin). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen kulinarischen Angebot der Stadt.

Einer, der maßgeblich an dem guten Ruf von Malton beteiligt ist, ist Tom Naylor-Leyland, der im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat im Jahr 2018 das „Malton in Mayfair“ initialisiert, ein Abendessen im Londoner Luxushotel Claridge’s, bei dem Spezialitäten aus Malton und Umgebung zelebriert und kräftig die Werbetrommel für die Stadt gerührt wurden.

Ganz in der Nähe von Malton liegen die nördlichsten Weingüter Englands, der Malton Vineyard, der erst im vorigen Jahr gegründet wurde, und die Ryedale Vineyards (2006 gegründet). Die Weinanbaugrenze verschiebt sich allmählich immer mehr gen Norden.

Hier ist ein Film über Yorkshire’s Food Capital.

Rare Bird Gin.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Auch in Yorkshire wird Cider produziert und in Malton angeboten.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Published in: on 28. März 2021 at 03:00  Comments (1)  
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Das Westonbirt Arboretum in Gloucestershire – Eine der größten Baumsammlungen weltweit

Das Westonbirt Arboretum an der A 433 bei Tetbury in Gloucestershire hat einen berühmten Nachbarn: Es grenzt an Prince Charles‘ Highgrove Estate, dessen Garten ebenfalls sehr sehenswert, aber für Besucher nur sehr schwer zugänglich ist.

Das Arboretum ist dagegen täglich geöffnet und stellt eine der weltgrößten Sammlungen von Bäumen und Sträuchern dar, die besonders im Herbst bei der Laubfärbung ein besonderes Schauspiel bietet.

Robert Holford legte das Arboretum 1829 an und heute wachsen etwa 18 000 Baum- und Gehölzexemplare auf dem riesigen Areal, auf dem man stundenlang spazierengehen kann.
Ein besonderes Highlight im Herbst ist der Colour Circle; das ist eine Lichtung mit Bäumen, die speziell nach ihrer Herbstfärbung ausgesucht wurden.

Die meisten Besucher gehen in den alten Teil, das „Old Arboretum„, das spektakulärer ist; den anderen Teil dagegen, den „Silk Wood„, suchen nur wenige auf. Hier finden sich aber auch sehr schöne Exemplare von Eichen, Kiefern, Pappeln und Ahornen, um nur einige Baumarten zu nennen.

Ebenfalls in Gloucestershire liegt das Batsford Arboretum, das ich in meinem Blog auch schon vorstellte.

Hier sind Impressionen aus dem Arboretum zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Sarah Howard: A Year in the Life of Westonbirt. Frances Lincoln 2009. 112 Seiten. ISBN: 978-0711230255

Westonbirt Arboretum
Tetbury
Gloucestershire,  GL8 8QS

Published in: on 27. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – George Mahood: Operation Ironman

Foto meines Exemplares.

…und noch einmal George Mahood. Ich stellte bereits seine anderen Bücher über den LEJOG (Land’s End to John O’Groats-Trip), seine Reise durch die USA, sein Jahr der „schrägen Feiertage“ und seine Erfahrungen als Hochzeitsfotograf vor…und ich kann sie alle empfehlen!

Heute geht es in seinem Buch „Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon“ um eine ursprünglich ernste Angelegenheit. George Mahood hat einen Tumor im Rücken, der operativ entfernt werden muss, keine einfache Operation. Als er in seinem Krankenhausbett liegt und sich in den ersten Tagen kaum bewegen kann, kommt er plötzlich auf die Idee, sobald als möglich an einem Ironman Triathlon teilzunehmen. Seine Frau und seine Familie erklären ihn für verrückt, so schnell nach einer schweren Operation an einer der anstrengendsten Sportveranstaltungen überhaupt teilzunehmen. Ironman bedeutet, an einem Tag hintereinander 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer radzufahren und zum Schluss einen Marathon über 42 Kilometer zu laufen. Dabei kann George nur schlecht schwimmen (eine Strecke im Schwimmbad), mit dem Fahrrad fährt er nur hin und wieder kurze Strecken und gelaufen ist er in den letzten 18 Monaten nicht mehr als 10 Kilometer am Stück. Kann das gutgehen?

Da alle Ironman-Veranstaltungen in Großbritannien bereits ausgebucht sind, meldet sich George in Vichy in Zentralfrankreich an, wo in vier Monaten ein Ironman stattfinden wird. Langsam nimmt er das Training auf, wobei er mit dem Schwimmen die größten Probleme hat, er fährt immer längere Stecken mit dem Fahrrad und beginnt das Lauftraining. Kurz vor dem Ironman-Start in Vichy fühlt er sich soweit fit, hat aber auch noch immer etwas Angst vor seiner eigenen Courage. Er muss die Gesamtstrecke innerhalb von sechzehn Stunden zurücklegen, und das bei 40 Grad Hitze. George Mahood schafft den Ironman tatsächlich in knapp vierzehn Stunden.

Wieder ist das Buch mit viel Humor gewürzt, und die Familie Mahood mit George, seiner Frau Rachel und den Kindern Layla. Leo und Kitty sind mir richtig ans Herz gewachsen. Wer einmal das Thema Corona für einige Stunden ausblenden und sich amüsieren möchte, dem kann ich alle Bücher des Autors sehr empfehlen!!

George Mahood: Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon. Self-published 2015. 315 Seiten. ISBN  978-1522884217.

 

Published in: on 26. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Blandford Forum in Dorset und die Bastard Brothers

Blandford Forum Town Hal..
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Blandford Forum ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Dorset, ganz in der Nähe, in dem Dörfchen Pimperne, habe ich einmal eine kurze Zeit gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag). Ich fand die Stadt damals tatsächlich ein wenig „bland“, also etwas langweilig, und daher orientierte ich mich mehr nach Salisbury und Dorchester, die nicht weit entfernt liegen. Vielleicht tat ich aber auch Blandford Forum unrecht, so dass ich es wieder gut machen will und heute über den Ort berichte.

Was für London der Große Brand von 1666 war, der Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, war für Blandford Forum der Große Brand vom 4. Juni 1731, der die kleine Marktstadt fast völlig zerstörte. Kaum jemand von den Bewohnern kam ungeschoren davon, auch die Kirche St Peter and St Paul erlitt große Schäden. Also machte man sich an den Wiederaufbau der Stadt, unterstützt durch staatliche Mittel und auch der König, Georg II., gab sein Scherflein mit dazu.

Geleitet wurden die Arbeiten durch zwei örtliche Architekten, die den unglücklichen Nachnamen Bastard trugen, John und William. Als erstes nahmen sich die Brüder die Town Hall vor, die sie binnen drei Jahren hochzogen. Die Kirche St Peter and St Paul wurde nach den Plänen der Bastard Brothers von 1732 bis 1739 neu erbaut. Der Marktplatz entstand in neuem Glanz mit seinen umliegenden Privathäusern. Auch das abgebrannte Haus der Bastard-Brüder in der East Street, gegenüber der Kirche, wurde neu gebaut; es trägt eine blaue Plakette, die daran erinnert, wer hier einmal gewohnt hat. Heute ist im Erdgeschoss einer der vielen Charity Shops der Stadt untergebracht.

Als im Jahr 1760 die Bauarbeiten überwiegend abgeschlossen waren, errichteten John und William Bastard zur Erinnerung an den Großen Brand noch das Pump House Fire Monument, direkt neben der Kirche. Es trägt die Inschrift „In grateful Acknowledgement of the DIVINE MERCY which has since raised this Town, like the Phoenix from its Ashes, to its present beautiful and flourishing State“.

Dieser Film zeigt Bilder aus Blandford Forum.

St Peter and St Paul.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Das ehemalige Haus der Bastard Brothers.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das Fire Monument
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans – Die letzten Männer, die in Großbritannien hingerichtet wurden

Das Walton Prison in Liverpool.
Photo © Sue Adair (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag vom 16. Juli 2012 berichtete ich über Ruth Ellis, die am 13. Juli 1955 als letzte Frau Großbritanniens  im Londoner Holloway Prison per Strang hingerichtet worden war, weil sie ihren Liebhaber David Blakeley vor dem Magdala Pub (der heute nicht mehr existiert) in Hampstead erschossen hatte.

Wer war nun der letzte Mann, der im Lande das gleiche Schicksal wie Ruth Ellis erlitt? Es waren zwei Männer, die zeitgleich am 13. August 1964 um 8 Uhr morgens gehängt wurden: Peter Anthony Allen in Liverpools Walton Prison, Gwynne Owen Evans in Manchesters Strangeways Prison. Allen war 21 Jahre alt, Evans 24 Jahre. Beide Männer wohnten im Nordwesten Englands, in Preston (Lancashire).

Was war der Grund für die Hinrichtung? Beide Männer waren Kleinkriminelle, die der Polizei durch Diebstähle, Fahren ohne Führerschein und ähnliche Delikte aufgefallen waren. Am 6. April 1964 nahmen sich Allen und Evans ein Haus in der Kings Avenue Nummer 28 in Seaton (damals Cumberland, heute Cumbria) vor, um dort einzubrechen. In dem Haus am Ende einer Sackgasse wohnte der 53jährige Wäschereiangestellte John West, der aufwachte als er im Erdgeschoss Geräusche gehört hatte. Er stand auf und traf auf die beiden Einbrecher, die West mit einer Eisenstange und einem Messer attackierten, wobei West getötet wurde. Allen und Evans flohen aus dem Haus, dabei ließ Evans seinen Regenmantel zurück, in dessen Tasche ein Medaillon mit seinem Namen darauf steckte. Die Polizei hatte leichtes Spiel und fasste die beiden Täter binnen 48 Stunden.

Die beiden Männer wurden in Manchester vor Gericht gestellt, wo sie sich gegenseitig beschuldigten, John West getötet zu haben. Die Geschworenen fanden beide für schuldig, und so verhängte das Gericht die Todesstrafe. Da in der letzten Zeit in Großbritannien die Todesstrafe nur noch selten ausgeführt und häufig in lebenslänglich umgewandelt wurde, vermutete man, dass dies auch bei Allen und Evans geschehen würde, doch das zuständige Innenministerium sah keine Veranlassung, eine Begnadigung vorzunehmen. So sind Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans in die britische Justizgeschichte als die letzten Männer eingegangen, die durch den Strick zu Tode gekommen sind. Die beiden Henker Harry Allen in Manchester und Robert Leslie Stewart in Liverpool sind arbeitslos geworden. Der Murder (Abolition of Death Penalty) Act aus dem Jahr 1965 schaffte die Todesstrafe ab; nur in Nordirland konnte sie noch bis 1973 verhängt werden.
Hier ist ein Film, der den Fall noch einmal nacherzählt.

Manchesters Strangeways Prison.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Royal Albert Bridge, die Cornwall mit Devon verbindet

Am 2. Mai 1859 wurde eine Brücke feierlich eröffnet, die von Saltash in Cornwall nach Plymouth in Devon führt und die nach Prinz Albert, dem Ehemann Königin Victorias benannt wurde, die Royal Albert Bridge. Leider war der Konstrukteur der Brücke, das Technikgenie Isambard Kingdom Brunel (1806-1859) nicht anwesend, da er erkrankt war und noch im selben Jahr, am 15. September, starb. Mit den Worten „I.K. BRUNEL ENGINEER 1859„, die an den Brückenenden angebracht wurden, ehrte man den Schöpfer der Albert Bridge. Anwesend bei der Brückeneröffnung war aber Prinz Albert selbst.

Die Royal Albert Bridge ist eine Eisenbahnbrücke über den River Tamar mit einer Länge von 670 Metern und einer Höhe von 52 Metern. Da ich noch nie in England mit der Eisenbahn unterwegs gewesen bin, kann ich nicht schildern wie es sich anfühlt, über die Brücke den Tamar zu überqueren, aber dieser Film macht das deutlich.

1952 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt und zu ihrem 150. Geburtstag  veranstaltete man auf ihr ein großartiges Feuerwerk  (hier zu sehen). Im Laufe der Lebenszeit der Royal Albert Bridge wurden immer wieder Verbesserungen und Veränderungen vorgenommen, zuletzt von 2011 bis 2014 eine Komplettrenovierung für £10 Millionen bei der 50 000 Nuten und viele Stahlteile ersetzt wurden. Dieser Film informiert über die Entstehung der Brücke.

Damit sich die Royal Albert Bridge nicht so allein fühlte, hat man direkt neben sie eine Straßenbrücke gestellt, die Tamar Bridge, über die die A38 geleitet wird. Eröffnung dieser neuen Brücke: 26. April 1962. Es handelt sich hier um eine „halbe“ Toll Bridge, das heißt die Befahrung für PKWs von Cornwall nach Devon kostet £2, in die Gegenrichtung braucht man nichts bezahlen.

Die Schwesterbrücke, die Tamar Bridge.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

In trauter Gemeinsamkeit.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der älteste, noch aktive Briefkasten Großbritanniens in Holwell (Dorset)

Die Firma John M. Butt & Co in Gloucester stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Kingsholm Foundry alle möglichen Gegenstände aus Metall her wie Poller, Kanaldeckel, Dachrinnen und Briefkästen. Aus dieser Gießerei stammt auch der rote Briefkasten, der vor dem Barnes Cross Cottage an der Straße Cornford Hill außerhalb des Dorfes Holwell in der Grafschaft Dorset steht. Im Jahr 1853 wurde der Briefkasten produziert, der damit die älteste noch aktive „letterbox“ in ganz Großbritannien ist. Man findet darauf die Initialen „VR“ für Victoria Regina, also für Queen Victoria. Besonderheiten sind der vertikale Briefeinwurfschlitz und die vieleckige Form des Kastens. Am 16. September 1987 wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Der Briefkasten wird regelmäßig geleert, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass viele Briefe darin zu finden sind, denn er steht ziemlich einsam vor dem Cottage in dieser dünn besiedelten Region.

Es gibt noch drei weitere Briefkästen der Firma John M. Butt & Co., die überlebt haben, allerdings anders aussehen: Einer ist im Londoner National Postal Museum zu finden, einer im Museum der Stadt Haverfordwest in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales und einer im ehemaligen Stonehouse Hospital in Plymouth (Devon).

Die Kingsholm Foundry in Gloucester existiert schon lange nicht mehr; dort, wo sie einmal stand, ist heute die Kingsholm Church of England Primary School.
Holwell mit seinem alten Briefkasten liegt acht Kilometer südöstlich von Sherborne, der nächst größeren Stadt (knapp 10 000 Einwohner).

Ein weiterer Blogeintrag zum Thema „Briefkästen“ ist hier zu finden.

 

Published in: on 22. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Plumber Manor – Ein Country House Hotel in Dorset

Im frühen 17. Jahrhundert wurde das Plumber Manor erbaut und ist seitdem im Besitz der Familie Prideaux-Brune geblieben, das findet man nicht allzu oft. Seit mehr als vierzig Jahren wird das Haus als Hotel betrieben. Es liegt in Thomas Hardys „Vale of little dairies“, das man aus seinem Roman „Tess of the d’Urbervilles“ kennt (es gibt darin auch ein „Vale of the great dairies“, das ist das Frome Valley), außerhalb von Sturminster Newton (wo Hardy eine Zeit lang lebte).
Richard Prideaux-Brune und seine Familie leiten das Haus, das von mehreren Hotelführern empfohlen wird (Good Hotel Guide, Good Food Guide usw.). Auch das Restaurant genießt einen guten Ruf, in dessen Küche Louis Haskell die Regie führt. Er bekocht die Hotelgäste schon seit zwölf Jahren.

Das Plumber Manor verfügt über sechzehn Zimmer, davon liegen sechs im Haupthaus und zehn im Courtyard. Die Übernachtungspreise beginnen bei £170 für ein kleines Doppelzimmer und enden bei £250 für die Superior Doppelzimmer, Frühstück jeweils inklusive. Das Hotel ist sehr hundefreundlich und so gibt es mehrere Zimmer im Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Garten, ideal für die Vierbeiner und deren Besitzer.

Das Hotel wird gern für Hochzeiten gebucht, dann aber wahrscheinlich komplett; als Einzelgast fühlt man sich zwischen den vielen Feiernden nicht so ganz wohl (wie ich es einige Male in englischen Hotels erlebt habe).

Plumber Manor Country House Hotel
Sturminster Newton
Dorset
DT10 2AF

Published in: on 21. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Babycham – Ein Kultgetränk der 1950er und 1960er Jahre aus Shepton Mallet (Somerset)

Ich kann mich noch dunkel an Werbespots im Radio erinnern (Radio Luxembourg!), in denen für ein Getränk namens Babycham geworben wurde mit dem Spruch „I’d love a Babycham„. Ich hatte damals keine Ahnung was das war, denn Babycham konnte man meines Wissens in Deutschland nicht kaufen.

Die Geburtsstunde für das alkoholhaltige Getränk (6%) aus Birnen schlug in der Stadt Shepton Mallet in Somerset, wo der kreative Bierbrauer Frances Showering sich das ausdachte. Äpfel und Birnen gab es in Somerset in Hülle und Fülle, und so brachte er 1953 dieses Getränk auf den Markt, das sich in erster Linie an die Damenwelt richtete. Babycham war das erste alkoholische Produkt für das im britischen Fernsehen geworben wurde; hier ist ein Werbespot aus den frühen 1960er Jahren.

Frances Showering lag mit seiner Kreation genau richtig, denn Babycham entwickelte sich schnell zu einem Kultgetränk in den 1950er und 1960er Jahren. Zu kaufen gab es den Birnensekt in kleinen Flaschen, meist im Viererpack, getrunken wurde er in Sektschalen oder in Sektflöten. Vintage Babychamgläser kann man noch heute kaufen, sie sind auch oft in englischen Charity Shops zu finden. Die Originalgläser tragen das Bild des Maskottchens, einer kleinen Gämse, die oft in Werbespots auftrat. Ein lebensgroßes Exemplar steht noch heute auf einer kleinen Wiese vor dem Fabrikgelände in Shepton Mallet, Ecke Garston Street/Kilver Street.

Ärger gab es mit der französischen Champagnerindustrie, die es nicht mochte, dass sich Babycham als „champagne perry“ (perry ist das Gegenstück zu cider, aber eben auf Birnenbasis) bezeichnete, und so zog die Champagnerfirma Bollinger vor Gericht, die dort allerdings mit ihrer Klage scheiterte. Das Gericht war der Meinung, dass keine Verwechslungsgefahr vorlag.

In den 1980er und 1990er Jahren nahm die Beliebtheit des Getränks rapide ab; es galt als altmodisch Babycham zu trinken. Doch in der jetzigen Zeit, in der viele Dinge von anno dazumal im Zuge der Nostalgiewelle wieder an Beliebtheit gewinnen, könnte Babycham erneut eine Liebhabergemeinde gewinnen.

 

Das Babycham-Makottchen in Shepton Mallet.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2021 at 02:00  Comments (9)  
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Mells Park in Somerset – Ein Haus, in dem Weltgeschichte geschrieben wurde

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Im Jahr 1917 brannte in Somerset der Landsitz der Horner-Familie, Mells Park, ab. Eigentlich wollten die Besitzer das Haus nicht mehr aufbauen, aber nach langen Überredungsversuchen des Stararchitekten Sir Edwin Lutyens (1869-1944) erklärte sich die Familie bereit, einem Neubau zuzustimmen, der von dem ehemaligen Innen- und Finanzminister Reginald McKenna vorgenommen wurde, der in die Familie eingeheiratet hatte. Also machte sich Lutyens ans Werk und errichtete Mells Park neu, im Stil des Neoklassizismus. In den 1930er Jahren zog McKenna aus und die Horners verkauften ihr Anwesen.

In den 1980er Jahren gehörte Mells Park der britischen Firma Consolidated Gold Fields, die Goldminen in Australien, den USA und Südafrika besaß. Und hier, in der tiefen Provinz der Grafschaft Somerset, geschah etwas, das tiefe Spuren in der Geschichte Südafrikas hinterlassen sollte. Unter absoluter Geheimhaltung trafen sich in Mells Park Vertreter der südafrikanischen Regierung mit Vertretern der ANC, der African National Congress Partei, unter Führung von Thabo Mbeki, der später Präsident Südafrikas werden sollte. Die Verhandlungen zogen sich von 1987 bis 1990 hin und endeten mit der Freilassung Nelson Mandelas. Vermittelt hatte die Gespräche Michael Young, ein ehemaliger Berater von Ministerpräsident Edward Heath und Angestellter von Consolidated Gold Fields. Was hier in Mells Park erreicht wurde, war die Abschaffung der Apartheid. Kaum jemand wusste damals von den geheimen Verhandlungen, die Abgeschiedenheit von Mells Park trug mit dazu bei.
Die Verhandlungspartner lebten eine Zeit lang zusammen, aßen zusammen und machten gemeinsam Spaziergänge im Park, auf diese Weise lernten sie sich besser kennen, und das Ergebnis der Gespräche war entsprechend positiv.

Die Vorgänge in Mells Park bildeten den Stoff für den Spielfilm „Endgame“ (dt. „Endgame“), der 2009 in die Kinos kam. Gedreht wurde nicht in Mells Park, sondern in der Umgebung von Reading in Berkshire. Hier ist der Trailer.

Mells Park ist in Privatbesitz und liegt wenige Kilometer westlich von Frome am Mells River.

Die Hythe Pier Railway – Die älteste Pier-Eisenbahn der Welt

Es gibt schon ganz schön lange Piers in England. Der Southend Pier in der Grafschaft Essex ist mit 2,16 Kilometern der längste im ganzen Land, und da der Weg bis zum Kopf des Piers vielen Besuchern zu lang ist, hat man dort Schienen verlegt und eine Eisenbahn darauf gesetzt, so dass man bequem hin und her fahren kann, ohne seine Beine benutzen zu müssen. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

Den ältesten Pier Train der Welt findet man in der Kleinstadt Hythe in der Grafschaft Hampshire (nicht zu verwechseln mit Hythe in Kent)  und der hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft (ein Rekord, den ihm niemand streitig machen kann!). Der Hythe Pier wurde 1881 eröffnet und ist mit 640 Metern der siebtlängste im Königreich. Eigentlich könnte man die ganze Strecke auch problemlos zu Fuß zurücklegen, doch trotzdem wurden 1909 Gleise verlegt, auf der eine per Hand betriebene Bahn verkehrte. 1922 schließlich nahmen Elektrolokomotiven ihren Betrieb auf, die davor im Ersten Weltkrieg in einer Senfgasfabrik in Avonmouth eingesetzt waren.

Die ziemlich hässlichen Loks und Waggons verkehren ständig zwischen der Landstation und der Kopfstation der Pier, was für die Lokführer eine extrem langweilige Arbeit sein muss, den ganzen Tag 640 Meter hin und wieder zurück zu gondeln.

Der Pier Train ist aber nicht nur für lauffaule Touristen gedacht, sondern er wird auch von Pendlern genutzt, die mit der Hythe Ferry vom Pierkopf aus zum Town Quay nach Southampton fahren, um in der Stadt ihrer Arbeit nachzugehen. Jede halbe Stunde fährt die Hythe Pier Railway zum Ende der Pier, immer dann wenn die Fähre anlegt.

Im vorigen Jahr erhielt die Hythe Pier Heritage Association eine Spende über £10,000 von der Beaulieu Beaufort Foundation, um die Waggons wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen, denn sie haben in diesen fast hundert Jahren ganz schön gelitten.

Mit diesem Film kann man sich einen guten Eindruck von Pier, Zug und Fähre verschaffen.

Published in: on 18. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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