Sedbergh – Englands Bücherstadt in Cumbria

Photo © ALAN SOUTHWORTH (cc-by-sa/2.0)

Wales hat sein Hay-on-Wye, Schottland sein Wigtown und England sein Sedbergh, die offiziellen „booktowns“ des Vereinigten Königreichs. Was alle drei gemeinsam haben, sie liegen ziemlich abgelegen, fern von größeren Städten. Die Definition einer Bücherstadt laut der International Organisation of Book Towns: „A Book Town is a small rural town or village in which second‑hand and antiquarian bookshops are concentrated. Most Book Towns have developed in villages of historic interest or of scenic beauty„.

Sedbergh hat knapp 3000 Einwohner, liegt in der Grafschaft Cumbria am Rand des Yorkshire Dales Nationalparks und wird sehr gern von Bücherfreunden aufgesucht, die sich hier mit neuem, aber vor allem gebrauchtem Lesestoff eindecken. Seit dem Jahr 2003 gehört Sedbergh zu den offiziellen Bücherstädten. Das Bücherangebot ist nicht so riesig wie in Hay-on-Wye, aber wir finden einige größere und kleinere Läden mit einem entsprechenden Angebot. Da ist zum Beispiel Westwood Books, die größte Buchhandlung des Ortes, die in einem ehemaligen Kino etwa 70 000 Bücher auf Lager hat. Das Dales and Lakes Book Centre and Howgills Bookshop fungiert gleichzeitig als Touristenbüro der Stadt. Clutterbooks ist ein Second-Hand-Buchladen, dessen Erlöse für wohltätige Zwecke verwendet werden.

Viele andere Geschäfte in Sedbergh bieten Bücher zusätzlich zu ihren eigentlichen Waren an wie der Sleepy Elephant, der in erster Linie Ausrüstung für Wanderer im Angebot hat. Im italienischen Restaurant Al Forno kann man nicht nur Pizza und Pasta essen, sondern auch Bücher über Italien und die Küche des Landes kaufen. Das Haddock Paddock Fish & Chips Cafe and Takeaway bietet neben F&C passenderweise Literatur zum Thema Fischfang, Meer und Fischkochbücher an.

Die Besucher von Sedbergh haben im Ort also die Gelegenheit, Bücher einzukaufen und dabei gleichzeitig zu essen, zu trinken und zu shoppen.

Dieser Film stellt Sedbergh inmitten einer grandiosen Landschaft vor, wobei allerdings das Thema „Bücherstadt“ zu kurz kommt.

Westwood Books
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Das Dales and Lakes Book Centre.
Photo © John Lucas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – „McDonald&Dodds“ Staffel 2

Copyright: EDELMOTION.

Am 23. Oktober vorigen Jahres stellte ich die erste Staffel der britischen TV-Krimiserie „McDonald&Dodds“ vor, die im deutschen Fernsehen vom ZDF gezeigt wurde. Im März und April diesen Jahres folgte jetzt die Staffel 2, die aus drei Episoden besteht; schon am 14. April brachte EDEL MOTION diese drei Folgen in deutscher Synchronisation auf DVD heraus.

Inzwischen hat sich DCI Lauren MacDonald, die aus London kam, an das andere Arbeitsumfeld in der Stadt Bath in der Grafschaft Somerset gewöhnt, und klärt weitere Mordfälle zusammen mit ihrem etwas trottelig scheinenden Detective Sergeant Dodds auf, das heißt, letztendlich ist es immer Dodds, der die Fälle entscheidend löst.

Die TV-Serie lebt durch das Spannungsfeld zwischen der farbigen, extrovertierten Kriminalistin und ihrem deutlich älteren, introvertierten Kollegen, auch das Lokalkolorit der Stadt Bath trägt seinen Teil bei. Ein gewisses Problem habe ich mit den Drehbüchern, die Handlung scheint mir oft zu konstruiert und nicht immer nachvollziehbar.
In Folge 1 „Der Mann, der nicht da war“ („The Man Who Wasn’t There“) geht es um einen Ballonflug über Bath und Umgebung und die Frage, ob einer der Teilnehmer aus dem Ballon gefallen ist oder gestoßen wurde. In Folge 2 „Das Licht am Ende des Tunnels“ („We Need To Talk About Doreen“) steht die Ermordung des französischen Profi-Rugby-Spielers Dominique Aubert im Mittelpunkt der Handlung und in Folge 3 „Gesichter des Todes“ („The War of the Rose“) stirbt die junge Influencerin Rose in einer Schönheitsklinik während einer Nasenoperation.

Da sich „McDonald&Dodds“ in Großbritannien sehr großer Beliebtheit erfreut, beginnen im Sommer in Bath die Dreharbeiten für die 3. Staffel.

Hier ist der Trailer zu Staffel 2.

Ein Ballon über dem Royal Crescent von Bath wie in Folge 1 „Der Mann, der nicht da war“.
Foto: faceymcface1.
Creative Commons 2.0
Schauplatz von Episode 2 „Das Licht am Ende des Tunnels“, der Box Tunnel bei Bath, in dem die Leiche des französischen Rugbyspielers gefunden wird.
Photo © Derek Hawkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 19. Mai 2022 at 02:00  Comments (1)  

Die Matthew the Miller Clock in Exeters Kirche St Mary Steps

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in Exeter (Devon) und besuchen eine Kirche mit einem ungewöhnlichen Namen St Mary Steps. Sie steht in der West Street, und es kursieren zwei Versionen wie es zu dem Namen gekommen sein könnte. Die erste: Die Kirche wurde am Stepcote Hill erbaut, die zweite: Die Kirche war/ist nur über Stufen erreichbar, weil sie an einem steilen Hügel errichtet wurde.

St Mary Steps hat eine Besonderheit, über die ich heute berichten möchte, nämlich die Matthew the Miller Clock an der Außenfassade der Kirche. Oberhalb der eigentlichen Uhr bewegen sich drei Figuren, die zur vollen Stunde alle gemeinsam in Aktion treten. In der Mitte sitzt Matthew the Miller, flankiert von seinen beiden Söhnen, die beide einen Spieß in der Hand halten. Zu jeder Viertelstunde schlagen nur die Söhne auf kleine Glocken zu ihren Füßen, während sich zur vollen Stunde auch Matthew in Bewegung setzt und hinter ihm eine Glocke erklingt und die Uhrzeit verkündet. Hier kann man sich das kleine Schauspiel im Film ansehen.

Die Originaluhr wurde bereits 1619 von dem Uhrmacher Matthew Hoppin angefertigt, das Uhrwerk aber 1725 durch ein neues ersetzt. Die Figurengruppe kam 1621 dazu und bestand damals noch aus weiteren Teilen wie dem Haus des Müllers, Bäumen und einem Packpferd. Diese Teile haben aber nicht überlebt.

Matthew the Miller war damals ein Zeitgenosse in Exeter, der in der Cricklepit Mill arbeitete, die noch heute mitten in der Stadt existiert. Er soll seinen Tagesablauf so präzise geplant haben, dass man seine Uhr nach ihm hätte stellen können, daher entstand die Idee, ihn an der Fassade von St Mary Steps zu verewigen.

Genau gegenüber von St Mary Steps befindet sich übrigens The House That Moved, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe.

St Mary Steps.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)
Exeters Crickletpit Mill.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Recycled Candle Company in Exeter (Devon)

Exeters Gandy Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

„Was passiert eigentlich mit den vielen Kerzenresten aus Privathaushalten, Kirchen, Restaurants usw.?“ fragten sich vor einigen Jahren Richard Hills-Ingyon und Sargon Latchin aus Devon. Nun, sie landen im Restmüll, kommen auf Deponien, werden verbrannt. Das ist doch eigentlich schade, sagten sich die beiden, und es entstand eine Geschäftsidee, die sie in die Praxis umsetzten. Die Reycled Candle Company wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen und ein Geschäft, erst in Ottery St Mary, dann in Exeters Gandy Street eröffnet, das ist eine schmale Fußgängerpassage mit hübschen kleinen Läden und Häusern überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, also ideal für einen Laden mit einem speziellen Angebot.

Es sprach sich schnell herum, dass da jemand in Exeter Kerzenreste sammelte, und seit Bestehen der Recycled Candle Company kommen jährlich rund 40 Tonnen Wachs zusammen, aus denen 30 000 neue Kerzen entstehen. Aus der Kathedrale von Exeter erhält die Firma eine Menge Kerzenreste, und in der Bath Abbey befindet sich eine Sammelstelle, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Das eingesammelte Wachs wird eingeschmolzen, mit unterschiedlichen Duftstoffen versehen und zu neuen Kerzen umgewandelt, also eine sehr umweltfreundliche Angelegenheit. So hat der Kerzenladen in der Gandy Street schon einige Auszeichnungen erhalten wie den Exeter Living Award, den Green Apple Environment Award und den Best Small Shop Award.

In diesem Film kann man einen Blick in den Laden werfen.

The Recycled candle Shop
16 Gandy Street
Exeter
Devon, EX4 3LS

Ein Seitenaltar der Exeter Cathedral, dessen beide Kerzen wohl bald recycelt werden.
Photo: Peter 2010.
Creative Commons 2.0
Published in: on 17. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Taggy Man in Kirkby Stephen (Cumbria)

Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Kirkby Stephen ist eine kleine Markstadt an der A685 in der Grafschaft Cumbria, die sich damit brüsten kann, den einzigen Pub im Königreich zu haben, der den Namen The Taggy Man trägt. Es ist ein Free House an der Market Street, dessen Pubschild einen etwas gefährlich aussehenden Mann mit einem Hut zeigt, eben den Taggy Man. Sehr nett finde ich den Hinwies „Dogs are very welcome with well behaved owners“. Was hat es nun mit dem Taggy Man auf sich?

Die Gemeindekirche von Kirkby Stephen, auch The Cathedral of the Dales genannt, verfügt über ein Glocke, die Taggy Bell heißt. Diese Glocke läutet jeden Abend um 20 Uhr achtmal, um die Uhrzeit anzuzeigen, anschließend aber noch weitere Male und zwar für jeden Tag des jeweiligen Monats einmal. Das abendliche 8 Uhr-Läuten bedeutete früher, dass ab jetzt alle Kinder zuhause sein sollten, wenn nicht, würde sie der Taggy Man holen. „Taggy“ entsprach dem Wort „Curfew“, also Sperrstunde. Ich glaube nicht, dass heute alle Kinder und Teenager von Kirkby Stephen beim Läuten dieser Glocke in Scharen nach Hause strömen. Hier ist ein sehr gruseliger Film über diesen Taggy Man.

Der Pub, der vorher The White Lion hieß, serviert übrigens ein Bier, das ausschließlich für ihn gebraut wird, Taggy Blonde von der Kirky Lonsdale Brewery, knapp 40 Kilometer von Kirkby Stephen entfernt, deren Produktpalette unter anderem auch noch Pennine Ambler, Singletrack und Unbeetable umfasst.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Kirkby Stephen.

The Taggy Man
4 Market St
Kirkby Stephen
Cumbria

Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Die Parish Church von Kirkby Stephen in Cumbria.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Wanderfalken der Kathedrale von Chichester (West Sussex)

Einer der Falken der Kathedrale.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Wanderfalken (in England peregrine falcons genannt) zeichnen sich durch eine besondere Fähigkeit aus: Sie sind außerordentlich schnell, ja, sie sollen sogar die schnellsten Tiere der Welt sein. Ein Pärchen von Wanderfalken hat sich seit einigen Jahren den Turm der Kathedrale von Chichester in West Sussex als Nistplatz ausgewählt. The Cathedral Church of The Holy Trinity, wie die Kirche mit vollem Namen heißt, ist stolz auf ihre Falken, die Mitte der 1990er Jahre erstmals gesichtet worden sind. Etwa 60 junge peregine falcons sind bereits hier oben in luftiger Höhe geboren wurden. Die Kathedrale, die Sussex Ornithological Society und die beiden örtlichen Naturfreunde David und Janet Shaw kümmern sich um die Tiere.
In diesem Jahr gibt es die Peregine Open Days vom 13. Juni bis zum 3. Juli, bei denen vom Rasen der Kathedrale aus die Vögel durch Ferngläser beobachtet werden können, und die Besucher Informationen über das Leben der Wanderfalken von David und Janet Shaw erhalten.

Wer sich die Vögel gern einmal aus der Nähe ansehen möchte, der kann das mittels einer oben im Turm installierten Webcam tun. Hier ist der Link zum Livestream.

Die Kathedrale von Chichester.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Parsley, sage, rosemary and thyme“ – Scarborough in North Yorkshire und seine weltbekannte Hymne

Photo © habiloid (cc-by-sa/2.0)

Scarborough ist ein schön gelegener Badeort an der Ostküste von Yorkshire. Besonders schön ist der Blick auf den Ort und das Meer von den Burgruinen, die hoch über der Stadt liegen.
Weltbekannt wurde der Name Scarborough durch das Lied „Scarborough Fair„, dessen Urheber unbekannt sind und das es in unzähligen Versionen gibt. Am bekanntesten ist die Version von Simon & Garfunkel aus dem Spielfilm „The Graduate“ (1967, deutscher Titel „Die Reifeprüfung“) mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft. Hier der Trailer und die Musik mit S&G.

Eine Scarborough Fair, also eine Handelsmesse, gab es tatsächlich in dem Küstenort. Im Mittelalter wurde hier jährlich am 15. August eine 45 Tage dauernde Messe abgehalten, zu der Kaufleute aus ganz England und den skandinavischen Ländern kamen, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. 1788 wurde die Fair zum letzten Mal veranstaltet, weil es so viele konkurrierende Messen im ganzen Land gab, dass sie nicht mehr rentabel war.

Was hat es mit dem Lied nun auf sich? Die Wikipedia erklärt es sehr schön:

„Das Lied handelt von einem jungen Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde und nun den Hörer auffordert, sie dazu zu bringen, eine ganze Reihe von unmöglichen Dingen zu tun. Zum Beispiel soll sie ihm ein Hemd aus Batist anfertigen, ohne Saum und Näherei, und es dann in einem trockenen Brunnen waschen. Danach wird er sie wieder als seine feste Freundin annehmen“.

Der Refrain „Parsley, sage, rosemary and thyme“ ist symbolisch zu interpretieren. Wort für Wort übersetzt heißt dieser Satz „Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian“ – also eine Liste von Pflanzen, die für den Hörer zunächst keinen Sinn ergiebt. Jedoch hat diese Zeile einen symbolischen Wert. Petersilie wurde früher als Verdauungsmittel gegessen und sollte gleichzeitig die Bitterkeit in der Nahrung entfernen. Mittelalterliche Ärzte benutzten diese Pflanze auch zu einem spirituellen Zweck. Salbei galt schon lange als ein Symbol für Kraft. Rosmarin stellt Treue, Liebe und Erinnerung dar. Heute gibt es in England bei vielen Frauen immer noch den Brauch, Rosmarinzweige in den Haaren zu tragen. Thymian symbolisiert in erster Linie Mut. Zur Zeit, als das Lied geschrieben wurde, trugen Ritter oft Schilde mit einer aufgemalten Thymianpflanze, wenn sie in den Kampf gingen.“

Von den zahlreichen Versionen von „Scarborough Fair“ hier die von Hayley Westenra.

Published in: on 14. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Ipsos Veracity Index oder Welche Berufe genießen das höchste Vertrauen in der britischen Gesellschaft

Auf der Rangliste auf Platz 1: The nurse.
Foto: timefornurses.
Creative Commons 2.0

Ipsos ist ein weltweit tätiges Marktforschungsunternehmen, das seit 1983 jährlich den Veracity Index erstellt, der die Vertrauens- und Glaubwürdigkeit verschiedener Berufe in der britischen Gesellschaft darstellt. Durch diesen Index sind gesellschaftliche Entwicklungen und Umbrüche erkennbar. So rangieren beispielsweise im zuletzt veröffentlichten Index 2021 Politiker und Regierungsmitglieder ganz weit unten, mit nur jeweils 19% Vertrauenswürdigkeit, ein verheerendes Urteil. Denkt man aber an die Skandale des letzten Jahres in der britischen Politik (Parties während Coronazeiten und deren Verleugnung durch den Premierminister) ist das nicht verwunderlich. Im Jahr zuvor sah es noch schlechter aus, da lag die Glaubwürdigkeit von Politikern nur bei 15%, die von Regierungsmitgliedern bei 16%.

Ähnlich schlecht kommen bei der Ipsos-Umfrage andere Berufe weg wie Journalisten mit 28% (im Vorjahr 23%), Wirtschaftsführer mit 31% (Vorjahr 33%) und Immobilienmakler mit einem Glaubwürdigkeitsindex von 32% (im Jahr davor 27%). Das Schlusslicht bilden in den letzten beiden Jahren die „Advertising executives“, also die Werbefachleute.

Im Mittelfeld des Indexes bewegen sich die Polizisten mit 63%, abgeschmiert von 71% im Jahr davor, eine Vertrauenskrise in die Gesetzeshüter, die immer ausgeprägter wird. Rechtsanwälte und Männer und Frauen der Kirche stehen mit 59% beziehungsweise 58% auch nicht besonders gut da.

Doch sehen wir uns einmal an, wer das höchste Ansehen in der britischen Gesellschaft genießt. Da führen die Krankenschwestern mit 94% die Rangliste an (im Vorjahr 93%). Und dann kommt eine Überraschung: Auf Platz 2 stehen erstmals Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit 93%, die im Vorjahr im Index überhaupt nicht auftauchten. Wie mag das zustande gekommen sein? Auf Platz 3, keine besondere Überraschung, finden wir die Ärzte mit 91%; Platz 4 nehmen gemeinsam die Lehrer und die Museumskuratoren ein mit jeweils 86%.
Hier ist der komplette Veracity Index zu sehen.

Auf der Rangliste auf Platz 2: The librarian.
Foto: charlieishere@btinternet.com.
Creative Commons 2.0
Published in: on 13. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Downton Abbey“ und die Cogges Manor Farm bei Witney in Oxfordshire

Photo © Rabbi WP Thinrod (cc-by-sa/2.0)

Sicher werden sich alle „Downton Abbey„-Fans noch an die Yew Tree Farm erinnern, die in den Staffeln 4 bis 6 eine Rolle spielte. Dort wohnte die Familie Drew, zu der Lady Edith ihr unehelich geborenes Kind Marigold brachte und es dort immer wieder besuchte. Später lebte Albert Mason auf der Farm, der Schwiegervater des Küchenmädchens Daisy.

Die Yew Tree Farm gibt es wirklich, nur heißt sie in Wirklichkeit Cogges Manor Farm und liegt in der Nähe der Stadt Witney in Oxfordshire, rund eine halbe Stunde Autofahrt von Oxford entfernt. Zum Highclere Castle, dem Hauptschauplatz der Serie, sind es etwa 50 Minuten. Im Film liegt die Farm auf dem Gelände des Familiensitzes des Grafen und der Gräfin von Grantham.

Natürlich profitierten die Besitzer der Cogges Farm von dem Welterfolge der Fernsehserie, und so findet man hier Fotos von den Dreharbeiten und Erinnerungsstücke wie Marigolds Geburtsurkunde. Dieser Film zeigt wie ein Raum der Farm für die Dreharbeiten umgestaltet wurde.

Die Cogges Manor Farm wird heute nicht mehr als solche benutzt, sondern ist ein „heritage centre„, ein lebendes Museum, das das Landleben in Oxfordshire während der viktorianischen Zeit widerspiegelt. Außerdem kann man auf der Farm heiraten, es werden Kurse sowohl für Schulkinder als auch für Erwachsene angeboten, und zu guter Letzt steht die Cogges Kitchen für die Erfrischung zwischendurch zur Verfügung. Es gibt auf dem Farmgelände auch noch ein Freilufttheater, in dem in diesem Sommer „Peter Pan“, „A Midsummer Night’s Dream“ und „The Pirates of Penzance“ aufgeführt werden.

Auf der Cogges Manor Farm wurde nicht nur für „Downton Abbey“ gedreht, auch für die Filme „Colette“ und „Arthur&George“ stand sie zur Verfügung.

Cogges Manor Farm
Church Lane
Witney OX28 3LA

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Marlow Distillery – Gin aus der hübschen Stadt an der Themse

Marlow Bridge und All Saints.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Gin ist in England beliebter als hierzulande. Es gibt Dutzende von kleinen und großen Destillerien, Bars und Pubs, die sich auf Gin spezialisiert haben. Die großen Namen wie den Bombay Sapphire Gin in der blauen Flasche kennt man überall in der Welt. Nicht so bekannt, ist der Marlow Gin, der in der gleichnamigen Stadt an der Themse in Buckinghamshire hergestellt wird, und das erst seit wenigen Jahren. Die Idee, selbst Gin zu produzieren, entstand, wie sollte es anders sein, in einem Pub in Marlow, wo drei Einheimische zu ihrem Bedauern feststellten, dass es in ihrer Stadt keinen eigenen Gin gab. Alle drei hatten eigentlich von der Ginherstellung keine Ahnung. Colin und Nick kamen aus der IT-Branche, und Vicki hatte ihren Master in Kriminalpsychologie gemacht. Egal, sie versuchten es, und mit Hilfe von Matilda und Alice, zweier Destillationsapparate, gelang es ihnen, hervorragenden Gin zu produzieren.

Da gibt es zum Beispiel den No. 16 („perfect for dark nights and a roaring fire“) und den Signature; beide haben eine Besonderheit: Meine Freundin Nicola Metcalfe, über die ich in meinem Blog schon einige Male berichtete und die in Marlow wohnt, hat die Flaschen künstlerisch verziert mit zwei wunderschönen Motiven von der Stadt. Eines zeigt die Marlow Bridge und die All Saints Church, das andere noch einmal Brücke und Kirche, aber aus einer anderen Perspektive.

Zu kaufen beziehungsweise zum Probieren gibt es den Marlow Gin unter anderem bei der örtlichen Rebellion Beer Company, im Hotel The Compleat Angler, in Tom Kerridges 2*-Pub The Hand and Flowers in der West Street und im The Stag & Huntsman im benachbarten Hambleden.

Dieser Film zeigt eine „Marlow Gin Review“. Leider liefert die Firma über ihren Online-Store nicht ins Ausland.

The Marlow Distillery
The Tall House
29A West Street
Marlow, SL7 2LS

Published in: on 11. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Sheepwash Bridge in Ashford in the Water (Derbyshire) – Sehr unbeliebt bei wasserscheuen Schafen

Photo © Jo Turner (cc-by-sa/2.0)

„Oh nein, nicht schon wieder“ werden sich manche Schafe denken, wenn sie mit einem Transporter zu der Sheepwash Bridge in Ashford in the Water in Derbyshire gebracht werden, damit an ihnen „rituelle Waschungen“ vorgenommen werden. Natürlich werden die armen Tiere nicht von der Brücke aus ins Wasser geschubst, daneben ist ein „pen“, also ein Pferch, von dem aus sie mehr oder weniger sanft in die Fluten des River Wye befördert werden, wo einige stämmige Männer darauf warten, die Schafe vom Schmutz zu befreien.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte das Ganze auch einen Sinn, denn bevor die Tiere geschoren beziehungsweise zum Markt zum Verkauf gebracht wurden, mussten sie ja sauber sein. Heute wird das „sheepwashing“ nur noch zur Unterhaltung für Touristen durchgeführt (und zum Ärger der Wollträger).

Die sehr schön anzusehende mittelalterliche Sheepwash Bridge ist eine „packhorse bridge„, die im 17. Jahrhundert ständig von Packpferden überquert wurde, die Malz aus der Stadt Derby transportierten.

Die viel fotografierte Brücke im Peak District ist sehr beliebt bei Kindern und auch Erwachsenen, die gern Pooh Sticks spielen. The English National Tourist Board ist der Meinung, dass sich die Sheepwash Bridge dazu am besten eignet. Mehr über das Stöckchenspiel in meinen entsprechenden Blogeinträgen.

Hier ist ein Film, der das sheepwashing zeigt.

Der Sheepwash Pen.
Photo © Terry Robinson (cc-by-sa/2.0)
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Paxton&Whitfield – Londons beste und älteste Käsehandlung

Foto: Philafrenzy.
Creative Commons 4.0

Wenn man in Paris exzellenten Käse kaufen möchte, dann geht man zu Androuet, der in der Stadt mit mehreren Geschäften vertreten ist. Der Maître Fromager Affineur ist seit 1909 in Paris ansässig, und ich sah einmal auf einer Speisekarte eines angeschlossenen Restaurants, dass dort ein mehrgängiges Menü angeboten wurde, dass ausschließlich aus Käse bestand.

Was Androuet für Paris ist, das ist Paxton & Whitfield für London, ein Super-Käseladen in der Jermyn Street Nummer 93. Die Ursprünge der Käsehandlung gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück; die Partnerschaft zwischen Harry Paxton & Charles Whitfield wurde im Jahr 1797 besiegelt.
Winston Churchill sagte einmal: „Ein Gentleman kauft seine Hüte bei Locks, seine Schuhe bei Lobbs, seine Hemden bei Harvey & Hudson, seine Anzüge bei Huntsman und seinen Käse bei Paxton & Whitfield„. Aber nicht nur Gentlemen gehen zum Käsekauf in die Jermyn Street, auch die königliche Familie ist dort Stammkunde. Schon Queen Victoria ließ Paxton & Whitfield 1850 einen Royal Warrant zukommen und mit Unterbrechungen ist die Firma auch heute noch Hoflieferant sowohl für Queen Elizabeth II als auch für HRH The Prince of Wales.

Die Käsehandlung durchlebte im Laufe ihres Bestehens viele Höhen und Tiefen; vor allem in wirtschaftlich schwierigen  Zeiten stand die Firma mehrmals kurz vor dem Aus. Was sie immer wieder auf die Beine brachte, war der unermüdliche Einsatz ihrer diversen Eigentümer, die es schafften, stets eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten. Man steht in ständigem Kontakt zu den Produzenten im Land und importiert ausgesuchte Käse auch aus anderen Ländern.

Die Auswahl ist riesig (circa 250 Sorten), und so kommt der Londoner in den Genuss, so ausgefallene Käsesorten wie Robin Congdons Beenleigh Blue aus Devon oder Simon und Tim Jones‘ Lincolnshire Poacher kaufen zu können.
Neben dem Hauptgeschäft in London gibt es noch weitere Filialen von Paxton & Whitfield, zum Beispiel in Bath in Somerset und in Bourton-on-the-Water in Gloucestershire. Wer nicht in einem dieser Orte wohnt, kann sich den Käse auch direkt ins Haus schicken lassen.

Hier ist ein Besuch in der Londoner Käsehandlung im Film zu sehen.

Paxton & Whitfield
93 Jermyn Street
London SW1Y 6JE


Foto: satoridork.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Golden Fleece – Yorks gruseligster Pub

Eigenes Foto

Als wir einmal zur Mittagszeit ein Bier im Golden Fleece in York (North Yorkshire) tranken, war von einer gruseligen Atmosphäre hier nichts zu spüren. Yorks „most haunted pub“ liegt den Shambles gegenüber, jener kleinen, tagsüber wuseligen, aber abends meist sehr ruhigen Gasse. Wie vieles in York ist auch The Golden Fleece sehr alt, bis auf das Jahr 1503 kann man die Spuren des Hauses zurückverfolgen.

Wenn man den Gasthof betritt, kommt man erst in eine kleine Bar, von der aus ein schmaler, schiefer Korridor in einen weiteren größeren Raum führt. Zu essen gibt es hier vor allem Burgers und Baguettes; der Koch liebt aber auch die Tex-Mex- und die asiatische Küche.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörte The Golden Fleece dem Bürgermeister von York, einem gewissen John Peckett, und dessen Frau, Lady Alice Peckett, ist eine der vielen Spukgestalten, die hier nachts durch die Gänge und Korridore wandern und den Gästen der vier Zimmer, in denen man übernachten kann, den Schlaf rauben. So mancher Gast soll schon vor den unheimlichen Besuchern, die durchaus auch in die Zimmer kommen, geflohen sein und sich nie mehr im Pub hat blicken lassen.

Diese Berichte über die nächtlichen geisterhaften Aktivitäten lockten natürlich auch das Fernsehteam von „Most Haunted“ des Senders LivingTV nach York, das hier die Nachtstunden verbrachte und so manches Unheimliche erlebte. Hier ist der erste Teil der Sendung zu sehen.

„We hope you will visit us at the Golden Fleece and we’re sure you will enjoy your stay even though we can’t guarantee that things will go bump in the night for you. But when you visit the most haunted pub in one of Britain’s most haunted cities, there’s a frightening chance that something strange just might happen!“ So stand es einmal auf der Homepage des Golden Fleece, eine Einladung, der man doch nun wirklich nicht widerstehen kann!

The Golden Fleece
16 Pavement
York, North Yorkshire
YO1 9UP

Eigenes Foto
Ein unheimlicher Gast im Golden Fleece.
Foto: benbrown1.
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Heydon in Norfolk – Ein Dorf und viele Filmdreharbeiten

St Peter and St Paul.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Location Manager, die für Filmproduktionsfirmen arbeiten, lieben das kleine Dorf Heydon in Norfolk, da es all das bietet, was für Dreharbeiten wichtig ist: Abgeschiedenheit und keine Durchgangsstraßen, so dass die möglichen Störfaktoren überschaubar sind.

Heydon ist eines der Dörfer in England, die sich in Privatbesitz befinden; zwei davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Hambleden in Buckinghamshire und Linkenholt in Hampshire. Es gehört der Familie  Bulwer Long, deren bekanntestes Familienmitglied der Schriftsteller Edward Bulwer Lytton („The last Days of Pompeii“, 1834) war.

Heydon bietet auf engstem Raum ein großes Village Green, neben dem eine sehr schöne Kirche, St Peter and St Paul, umgeben von alten Grabsteinen, steht, einen Dorfpub, den Earle Arms Inn, hübsche Häuser und dann das Manor House, Heydon Hall. Perfekt!

Welche Filme sind nun hier in Norfolk gedreht worden? Die International Movie Database listet neun auf. Da ist zum Beispiel „A Cock and Bull Story“ aus dem Jahr 2005, in dem der Regisseur Michael Winterbottom den Roman „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Lawrence Sterne verfilmt, beziehungsweise sich weitgehend an dem Inhalt des Buches orientiert.

Für die BBC wurde 1996 in Heydon der Wilkie Collins-Roman „The Moonstone“ verfilmt, wobei man auch Heydon Hall mit einbezog. Eine weitere Romanverfilmung war „Riders“ (dt. „Vom Hass getrieben“) aus dem Jahr 1993, da stand Jilly Coopers gleichnamiges Buch Pate. Bereits 1971 hatten die Location Manager Heydon für den Film „The Go Between“ (dt. „Der Mittler“) entdeckt, dessen Drehbuch Harold Pinter geschrieben hatte und in dem Julie Christie und Alana Bates die Hauptrollen spielten.

Das war jetzt nur eine kleine Auswahl an „Heydon-Filmen“, bestimmt werden auch in Zukunft Dreharbeiten hier stattfinden. Hier ist ein Rundgang durch das Dorf im Film.

Das Village Green.
Photo © Jurek and Trish Sienkiewicz (cc-by-sa/2.0)
Earle Arms Inn.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Heydon Hall.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Exzentriker – Francis Henry Egerton, 8th Earl of Bridgwater (1756-1829)

 This work is in the public domain.

Geldprobleme kannte Francis Henry Egerton, 8th Earl of Bridgwater, nie. Er erbte den Titel von seinem Bruder und noch dazu ein beträchtliches Vermögen. Geboren wurde er 1756 in London; er genoss eine exzellente Ausbildung, zuerst in Eton dann in Oxford im Christ Church College, wurde Fellow im All Souls College, ebenfalls in Oxford, und trat in die Royal Society ein. So weit so gut, es hätte ein ganz normales, von wissenschaftlichem Arbeiten bestimmtes Leben werden können, doch der Earl hatte stark ausgeprägte exzentrische Züge, die ihn auf ganz andere Bahnen führten.

Eigentlich war Francis Henry Egerton auch zuständig für zwei Pfarrgemeinden in der Grafschaft Shropshire, aber darum kümmerte er sich so gut wie gar nicht und ließ die Aufgaben dort von einem Stellvertreter übernehmen.

Der Earl verließ sein Heimatland und zog nach Paris, warum ist nicht so ganz klar, denn er äußerte sich mehrfach, dass er die Stadt hasste. Er wohnte sehr komfortabel in der rue St Honoré in der Nummer 335, ein Haus, das er Hotel Egerton nannte. Und hier konnte er seine Exzentrik so richtig ausleben. Der Earl liebte Hunde und hatte viele davon. So war es ein Ritual im Hause Egerton, dass sich jeden Abend der Hausherr samt Hundeschar an einem langen Tische zum Diner einfanden. Jeder Hund hatte seinen eigenen Stuhl, trug eine Serviette um den Hals und wurde von einem der vielen Angestellten des Hauses bedient. Alle Vierbeiner trugen handgefertigte Lederschuhe. Obwohl der Earl den renommierten, französischen Koch André Viard eingestellt hatte, soll es jeden Abend nur gekochtes Rindfleisch mit Kartoffeln gegeben haben. Egerton war eben ein Engländer…

Er legte aber nicht nur auf die Schuhauswahl seiner Hunde wert, auch seine eigene stand im Zentrum seines Interesses. Jeden Tag trug er ein neues Paar, das er am folgenden Tag neben die getragenen der vorherigen Tage stellte, so konnte er am jeweiligen Verschmutzungsgrad noch nach längerer Zeit sagen wie das Wetter gewesen war.

Der Earl war in England ein leidenschaftlicher Jäger gewesen, ein „Sport“, den er in der Stadt Paris schwerlich ausüben konnte. Da sein Hotel Egerton aber über einen Garten verfügte, hielt er dort 300 Rebhühner, die er nach Lust und Laune erlegte.

Einmal soll Francis Henry Egerton eine längere Reise in die französische Provinz geplant haben, mit der die Hausangestellten schon wochenlang vorher beschäftigt waren. Als schließlich alles gepackt war, ging die Reise los: Der Earl und seine Hundeschar fuhren in einer Kutsche vorneweg, es folgten sechzehn weitere Kutschen, die alle mit Gepäck vollbeladen waren und dreißig Hausangestellte zu Pferd. Die Nachbarn in der rue St Honoré staunten nicht schlecht, als sie die Kavalkade abziehen sahen, sie staunten aber noch mehr, als alle einige Stunden später wieder zuhause waren. Angeblich soll der Earl bei der Suche nach einem Mittagessen außerhalb der Stadt so enttäuscht gewesen sein, dass kein Restaurant sein geliebtes gekochtes Rindfleisch auf der Speisekarte hatte, dass er entschloss, die Reise abzubrechen und in sein Hotel Egerton zurückzukehren, wo er sicher sein konnte, seine Lieblingsspeise vorgesetzt zu bekommen.

Der Exzentriker starb am 11. Februar 1829 in Paris, wurde dort aber nicht beigesetzt, sondern ganz in der Nähe des Familiensitzes Ashridge in Hertfordshire, in dem Dörfchen Little Gaddesden, wo die Egertons in der Kirche St Peter and St Paul eine Familienkapelle hatten. Sein Grabmonument hatte der Earl schon selbst entworfen, es zeigt eine Frau mit einem Elefanten, einem Storch und einem Delfin. Niemand weiß, was der Earl damit ausdrücken wollte.

Die rue St Honoré in Paris.
Photo: howardcho202.
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Das Grabmal des Earls in Little Gaddesden.
Photo: Cnbrb.
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St Peter and St Paul in Little Gaddesden (Hertfordshire).
Photo © Gerald Massey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

St Mary the Virgin in Huntingfield (Suffolk) – Die Kirche mit der beeindruckenden Hammerbalkendecke

Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

Huntingfield ist ein kleines Dorf in der Grafschaft Suffolk, das außer seinem Pub The Huntingfield Arms über eine Attraktion verfügt, die Liebhaber alter Kirchen ansprechen wird. St Mary the Virgin ist die ein wenig außerhalb des Ortes gelegene Gemeindekirche, deren Ursprünge in das Mittelalter zurückreichen. Von außen unterscheidet sie eigentlich nichts von zahllosen anderen Kirchen im Land, uralte verwitterte Grabsteine umgeben sie, und ein Turm hält Wacht. Das Besondere an dieser dieser Kirche finden wir aber im Inneren, da gibt es eine großartige Hammerbalkendecke, wunderbar bemalt und verziert mit geschnitzten Engelsköpfen.

Zurückzuführen ist dieses Kunstwerk in die viktorianische Zeit als William Holland Rektor der Kirche war. Das mittelalterliche Deckengewölbe sah nicht mehr gut aus, und die Pfarrersfrau, Mildred Holland, ärgerte sich immer wieder über den Zustand der Balkenkonstruktion. Das muss sich ändern, sagte sie sich, und überlegte wie. Das mache ich selbst, lautete ihre Entscheidung, und sie begab sich auf ein Mammutprojekt, für das sie bis zur Fertigstellung sieben Jahre brauchen würde, von 1859 bis 1866.

Mildred Holland ließ in der Kirche ein Gerüst errichten, von dem aus sie arbeiten konnte, und dann fing sie an zu malen. Vorab hatte sie sich noch einige Ratschläge von einem Experten eingeholt, die sie dann umsetzen konnte. Ohne fremde Hilfe verbrachte Mildred einen großen Teil des Tages auf dem Rücken liegend mit einem Pinsel in der Hand und vollbrachte dieses Wunderwerk. Danach wird sie wohl erst einmal einen Orthopäden aufgesucht haben, der ihren malträtierten Rücken wieder auf Vordermann bringen musste.

£2000 hatte das ganze Unternehmen gekostet, zum größten Teil vom Pfarrer selbst finanziert. Alle Achtung! Ihm und seiner Frau war St Mary the Virgin wirklich etwas wert.

Wer heute diese Kirche am Village Green von Huntingfield besucht, sollte etwas Kleingeld mitbringen, denn so richtig brilliant wirkt das Deckengewölbe erst, wenn es illuminiert wird. Für diesen Zweck gibt es eine kleine Box, die man mit Pfundstücken füttern kann, wodurch die Kirchenbeleuchtung eingeschaltet wird.

Nachdem Mildred Holland 1878 gestorben war, ließ ihr Mann zu ihrem Gedenken über dem Taufstein ein riesiges, kunstvoll gestaltetes „Monument“ errichten, das Wort „Taufsteindeckel“ würde hier nicht passen.

Hier ist ein Film über die Kirche.

Zur Orientierung: Der nächst größere Ort von Huntingfield ist Halesworth, etwa fünf Kilometer entfernt. Die B1117 verläuft nicht weit vom Dorf entfernt, man biegt von der Straße auf die schmale Bridge Street ab, die direkt zur „downtown“ von Huntingfield führt.

Photo: Nick_Rowland.
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Photo: Brokentaco.
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Photo: Nick_Rowland.
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In Memoriam Mildred Holland, der Taufstein.
Photo: Nick_Rowland.
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Published in: on 5. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Songs about London – „Maybe It’s Because I’m a Londoner

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Der Schauspieler, Rundfunksprecher und Schriftsteller Hubert Gregg (1914-2004) wurde im Zweiten Weltkrieg vor allem durch zwei Songs bekannt, die aus seiner Feder stammen: „I’m Going To Get Lit Up When The Lights Go up in London“ und „Maybe It’s Because I’m a Londoner„. Er schrieb zwar noch rund zweihundert weitere, aber vor allem letzterer ist in Erinnerung geblieben. Hubert Gregg komponierte ihn im Jahr 1944 und gesungen wurde der ursprünglich von seiner Frau Zoe Gail, einer in Südafrika geborenen Amerikanerin. Der Song war, wie so viele andere auch, dazu gedacht, die Kampfmoral der Truppen zu steigern. Hubert Gregg hatte sich um die britische Hauptstadt verdient gemacht und erhielt dafür die Auszeichnung Freedom of the City of London.

Der Song stellte anfangs die Titelmelodie der TV-Serie „Dixon Of Dock Green„, wurde aber später durch „An Ordinary Copper“ ersetzt.

Greggs Autobiografie hieß „Maybe it’s because…?“ Ein Zeichen, welche Rolle der Song für ihn gespielt hat.

Hier ist „Maybe It’s Because I’m a Londoner“ in der Version von den Cockney Rebels zu hören.

Published in: on 4. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fahrbibliotheken in England in Wort und Bild

Einer der Bücherbusse, die in Lincolnshire unterwegs sind.
Photo © Bob Harvey (cc-by-sa/2.0)

Man nennt sie bookmobiles oder book vans, manchmal auch travelling libraries, in Deutschland heißen sie Fahrbibliotheken, also Fahrzeuge mit einem Buchangebot, die vorwiegend in ländliche Regionen beziehungsweise in Orte fahren, in denen sich eine feste Bibliothek nicht lohnt. Gern werden sie von Kindern und älteren Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind, genutzt. In der Regel fahren diese Bücherbusse, wie Linienbusse, nach einem festgelegten Fahrplan ihre Routen ab. Die Buchauswahl ist natürlich wegen der Platzverhältnisse überschaubar.

Es gibt Karosseriebaufirmen, die sich auf die Herstellung von bookmobiles spezialisiert haben, und so sieht jeder Bücherbus, vor allem durch die Bemalung und Beschriftung anders aus.

In der TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ beziehungsweise „Inspektor Barnaby“ ist Tom Barnabys Tochter Cully einige Male als Fahrerin eines bookvans zu sehen wie zum Beispiel in „Death and Dreams“ (dt. „Trau, schau, wem!“). Dabei handelt es sich um ein nicht ganz so großes Fahrzeug.

Es wurden auch schon Romane geschrieben, in denen ein „bookmobile“ im Mittelpunkt steht wie beispielsweise „The Case of the Missing Book“ aus der Reihe „A Bookmobile Mystery“ von Jack Lombard oder „An Amish Surprise“ aus der „Berlin Bookmobile Series“ von Shelley Shephard Gray, in der die Bibliothekarin Sarah Anne Miller und ihr Bücherbus im Mittelpunkt stehen.

Im Folgenden stelle ich einmal einige englische Bücherbusse im Bild vor.

Ein ziemlich großes Exemplar in Exeter (Devon).
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Auf der Isle of Wight.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Haltestelle am Village Green von Wall in Northumberland.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Ein Bücherbus mitten in der Einsamkeit von Shropshire. Wer mag hier wohl hinkommen?
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)
Es geht auch eine Nummer kleiner wie hier in Wakefield (West Yorkshire).
Photo © Chris Neale (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Mai 2022 at 02:00  Comments (4)  

The Tattingstone Wonder in Suffolk – Ein Folly auf der Shotley Peninsula

Die Vorderseite des Tattingstone Wonders.
Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

Die Shotley Peninsula ist eine Halbinsel der Grafschaft Suffolk, südlich des County Seats Ipswich gelegen. Unser Weg führt uns heute zum sogenannten Tattingstone Wonder.
Es gab immer mal wieder in der Vergangenheit den Fall, dass ein Landbesitzer in seinem Stately Home unzufrieden mit der Aussicht aus seinen Fenstern war. Da standen doch tatsächlich Dörfer und Häuser im Wege herum, die seine Augen beleidigten. Was also tun?
Der sechste Duke of Devonshire ließ zum Beispiel zwischen 1838 und 1842 das Dörfchen Edensor komplett aus seinem Sichtbereich vom Chatsworth House in Derbyshire entfernen und es dort wieder aufbauen, wo er es nicht mehr sehen konnte.

Der Unternehmer Ralph Allen aus Bath in Somerset baute sich im 18. Jahrhundert eine Burgattrappe, das Sham Castlegegenüber von seinem weitläufigen Wohnhaus, um damit seine Augen zu erfreuen.

Auf der Shotley Peninsula finden wir etwas Ähnliches. Edward White war Ende des 18. Jahrhunderts der Besitzer des Landsitzes Tattingstone Place. Auch er mochte den Blick aus den Fenstern seiner Bibliothek gar nicht, denn da standen zwei Cottages herum, die er als Schandfleck empfand. Jedes Mal ärgerte er sich darüber, wenn er den Raum betrat, also musste Abhilfe geschaffen werden. Glücklicherweise ließ er die beiden Häuser nicht abreißen, er dachte sich etwas viel Raffinierteres aus. Er ließ ein weiteres Cottage hinzubauen und gestaltete alle drei zu einer „Kirche“ um, das heißt, ein vermeintlicher Kirchturm und ein Kirchenschiff wurden hinzugefügt, gotische Fenster eingebaut und schon war Edward White mit seinem neuen Ausblick zufrieden. Ob die Bewohner der Cottages auch zufrieden waren, auf einmal in einer „fake church“ zu wohnen?

…und die rückwärtige Seite.
Photo: Davebulow.
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Tattingstone Place.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Heartbeat“ – Eine der erfolgreichsten britischen TV-Serien

Foto meiner Videocassette.
Foto meiner Videocassette.

Vor einiger Zeit fuhr ich durch den kleinen Ort Goathland in North Yorkshire, der mitten in dem großen Moorgebiet North York Moors liegt. Hier wurden große Teile der ITV-Serie „Heartbeat“ gedreht, von der ich noch die ersten Teile auf Video besitze. Basierend auf den „Constable“- Büchern von Nicholas Rhea (das Pseudonym des ehemaligen Polizisten Peter Walker, siehe hierzu meinen Blogeintrag) wurde die Serie erstmals am 10. April 1992 ausgestrahlt und erreichte sofort sehr hohe Einschaltquoten. Damals hatte sich von den Verantwortlichen bei ITV wohl keiner vorstellen können, dass „Heartbeat“ bis zum 12. September 2010 laufen und 372 Episoden umfassen würde.

„Heartbeat“ ist eine „police drama“-Serie, die im Yorkshire der 1960er Jahre spielt und in der der Alltag einer Gruppe von Polizeibeamten gezeigt wird, die in dem fiktiven Ort Ashfordly stationiert sind. Hier und in dem benachbarten Ort Aidensfield (=Goathland) spielen sich die kleinen und großen Dramen ab, mit denen die Polizisten konfrontiert werden.

Nick Berry spielte jahrelang die Hauptrolle als PC Nick Rowan, und er sang auch die Titelmelodie, die auf einem alten Buddy Holly-Song basierte (und mit dem Berry 1992 bis auf Platz 2 der britischen Charts gelangte).

Wenn man sich einmal einige Folgen der TV-Serie angesehen hat, wird man unwillkürlich an eine andere Serie erinnert, die ebenfalls in Yorkshire spielt, nämlich an „All Creatures Great and Small“ beziehungsweise „Der Doktor und das liebe Vieh“, in der es auch von kauzigen Figuren wimmelt.

Der sympathische Nick Berry stieg 1998 aus der Serie aus und in eine neue BBC-Serie namens „Harbour Lights“ ein, in der er einen Hafenmeister spielte, die aber nach einem Jahr wieder abgesetzt wurde, weil sie beim Fernsehpublikum nur auf geringes Interesse stieß.

Viele Episoden von „Heartbeat“ sind auf DVD noch lieferbar, ebenso die „Constable“-Romane von Nicholas Rhea. Leider wurde die TV-Serie nie im deutschen Fernsehen gezeigt.
Hier einige Ausschnitte aus den ersten Episoden von „Heartbeat“.

Dreharbeiten in Goathland.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)
Eines der Polizeiautos der TV-Serie in Goathland.
Photo © Nick Mutton (cc-by-sa/2.0)
Hinweisschild kurz vor Goathland, denn mit Schafen auf der Fahrbahn muss hier überall gerechnet werden.
Eigenes Foto
Published in: on 1. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ye Olde Trip to Jerusalem – Englands ältester Pub in Nottingham?

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Wer ist nun wirklich Englands ältester Pub? Es gibt mehrere, die sich um diese Ehre streiten, von denen „The „Ferry Boat Inn“ in Holywell bei St. Ives (Cambridgeshire), „Ye Olde Fighting Cocks“ in St. Albans (Hertfordshire) und „Ye Olde Trip to Jerusalem“ in Nottingham die wahrscheinlichsten Kandidaten sind.

Letzterer (AD 1189) behauptet es jedenfalls steif und fest. Es handelt sich hier nicht nur um einen Pub, „Ye Olde Trip to Jerusalem“ ist mehr ein Happening, denn es ist jede Menge los. In den Kellergewölben, die man in einer 20minütigen Führung besichtigen kann, treiben einige Geister ihr Unwesen, in einem eigenen Souvenirladen kann man sich mit Andenken aus dem „Trip“ eindecken und dann gibt es immer wieder Aktionen wie Bierfestivals etc.

Natürlich gibt es hier auch eine breite Palette an Bieren u.a. ein Ale, das „Olde Trip“ heißt und von der Greene King Brewery in Bury St Edmunds (Suffolk) hergestellt wird.

Der alte Inn liegt zu Füßen des Nottingham Castles und ist in den Berg hineingebaut worden; ein wirklich hübscher Pub, sowohl innen wie außen und auf jeden Fall einen Besuch wert, ob er nun der älteste Pub ist oder nicht.

Hier ist ein Film über die unheimliche Seite des Pubs.

Ye Olde Trip to Jerusalem
Brewhouse Yard
Nottingham England
NG1 6AD


Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)
The Cursed Galleon (siehe obiger Film).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. April 2022 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Ellie Seymour: Secret Sussex – An Unusual Guide

Foto meines Exemplares

Die beiden Grafschaften East und West Sussex an der englischen Südküste haben sehr viel zu bieten, und ich habe in meinem Blog häufig über sie berichtet. In der Buchreihe „Secret Guides“ des in Versailles ansässigen Verlages Jonglez ist im vorigen Jahr der Band „Secret Sussex: An Unusual Guide“ erschienen, den Ellie Seymour geschrieben hat. Die Autorin lebt seit 15 Jahren in Brighton, kennt sich hervorragend in Sussex aus und hat „a weakness for overgrown graveyards and bizarre local museums„.

In ihrem hier vorliegenden Buch stellt sie einige Dutzend Orte vor, von denen viele in Touristenkreisen nicht allzu bekannt sind. Die Stadt Brighton klammert sie aus, weil sie darüber einen eigenen Band in derselben Reihe verfasst hat: „Secret Brighton„.

Viele der in dem Buch vorgestellten geheimen Orte habe ich im Laufe der Jahre in meinem Blog auch vorgestellt. So finden wir einen Eintrag über den Snowdrop Inn in Lewes, der genau dort steht, wo im Jahr 1836 der schlimmste Lawinenabgang der britischen Geschichte zu verzeichnen war, bei dem acht Menschen ums Leben kamen. Ein weiterer „secret place“ ist ein Haus am Village Green von East Dean, in das sich der berühmte Detektiv Sherlock Holmes in den Ruhestand zurückgezogen und sich um seine Bienen gekümmert haben soll. Ellie Seymour weist in ihrem Buch auch auf die Lancing College Chapel hin, die größte Schulkapelle der Welt.
Am Ende des Buches empfiehlt die Autorin noch Bars, Cafés und Restaurants sowie „hidden vineyards“, die einen Besuch wert sind.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die diese interessante Region Englands einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Ellie Seymour: Secret Sussex – An Unusual Guide. Jonglez 2021. 237 Seiten. ISBN 978-2-36195-462-8.

Der Snowdrop Inn in Lewes.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
East Dean, wo sich Sherlock Holmes niedergelassen haben soll (mit blauer Plakette).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Die Lancing College Chapel.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Grandma Statue in Ipswich (Suffolk)

Photo: zoer.
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Über die Stadt Ipswich, die Grafschaftshauptstadt von Suffolk, habe ich in meinem Blog erst einmal geschrieben, und zwar über das Window Museum am Albion Quay. Heute soll nun ein weiterer Beitrag über Ipswich folgen.

An der Queen Street, im Zentrum der Stadt, finden wir eine merkwürdig aussehende Statue, die eine alte, kleine Frau zeigt, die in der einen Hand eine Handtasche, in der anderen einen Regenschirm trägt, zu ihren Füßen sind ein Hund und zwei kleine Jungen zu sehen. Es handelt sich hierbei um die Grandma Statue oder auch Giles Statue genannt. Der Blick der Großmutter geht auf ein ihr gegenüber liegendes Haus, das Clydesdale House, in dem einmal der Schöpfer dieser Figurengruppe sein Büro hatte: Ronald „Carl“ Giles (1916-1995), vielleicht der berühmteste englische Cartoonist des 20. Jahrhunderts. Giles wurde zwar in London geboren, verbrachte aber den größten Teil seines Lebens in Ipswich und Umgebung. Seine Cartoons erschienen von 1945 bis 1991 im Daily Express und im Sunday Express. Seine von ihm erfundene Giles Family erfreute sich im ganzen Land außerordentlicher Beliebtheit.

Im Mittelpunkt der Giles Family steht Grandma, die das Sagen hat, dann Vater und Mutter mit ihren Kindern und Enkeln, die Hunde Butch und Rush, die Katze Natalie und Grandmas Papagei, Attila the Hun. Die Familie hatte jahrzehntelang in England Kultstatus, darum wurde mitten in Ipswich jene Statue errichtet, die Grandma mit den Zwillingen Lawrence and Ralph und dem Hund Rush zeigt; errichtet wurde sie 1993.
Es gibt sogar ein Musical mit dem Titel „Grandma Saves the Day!„, das der renommierte Londoner Theaterregisseur Phil Willmott für das New Wolsey Theatre in Ipswich schrieb und das 2019 uraufgeführt wurde.

Giles arbeitete zwar in Ipswich, wohnte aber außerhalb, in Tuddenham und in Witnesham. Seine Grabstelle, und die seiner Frau Joan, findet sich auf dem Kirchhof von St Martin in Tuddenham.

Hier ist ein Film über die Cartoons des Ronald „Carl“ Giles.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Rye Heritage Centre und das Rye Town Model

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Stadt Rye an der englischen Südküste in der Grafschaft East Sussex ist eines meiner absoluten Lieblingsreiseziele. Die Mermaid Street mit dem Mermaid Inn, das Lamb House, die Kirche St Mary’s, Ye Old Bell Inn, das Straßenbild, es ist einfach wunderschön hier.

Am Strand Quay, das ist die A259, die sich durch Rye schlängelt, steht das Rye Heritage Centre, in dem man sich über die Geschichte der Stadt informieren kann, die zu den Cinque Ports gehört. Hier ist auch das Rye Town Model zu finden, eine Miniaturstadt im Maßstab 1:100. In einer etwa zwanzigminütigen Show wird ein Überblick über die Geschichte der Stadt geboten, unterfüttert mit Licht- und Toneffekten, kleinen Geschichten, einer akustisch zu hörenden Taufe und vielen anderen liebevoll zusammengestellten „Events“. Die Modellstadt soll etwa den Status von Rye in den 1870er Jahren wiedergeben, so haben es sich die Schöpfer jedenfalls gedacht, Joy und Ted Harland, die dafür viel recherchiert haben. Entstanden ist Rye Town Model von 1973 bis 1976, es steckt eine enorme Menge Arbeit darin, aber ich kann mir vorstellen, dass es dem Ehepaar viel Spaß gemacht hat. Die kleine Show „The Story of Rye“ ist auch auf Deutsch, Französisch und Spanisch verfügbar. Hier ist ein kurzer Film.

Im Heritage Centre ist auch die Old Pier Penny Arcade untergebracht, eine Sammlung von „Unterhaltungsmaschinen“ wie sie oft auf englischen Piers zu sehen waren wie „What the Butler saw“ und „The Laughing Sailor“.

Rye en miniature.
Photo: Betsian.
Creative Commons 2.0
Published in: on 27. April 2022 at 02:00  Comments (1)  

Ridgeway Brewing und die „Bad Elf“-Serie – Stark, stärker, am stärksten

Eigenes Foto.

Peter Scholey war einmal der Master Brewer bei der Brauerei Brakspear in Henley-on-Thames, die leider im Jahr 2002 ihre Pforten in der New Street schloss. Was nun? Scholey machte sich selbständig und entwickelte eigene Biere. Er gründete im selben Jahr die Ridgeway Brewery in South Stoke in Oxfordshire.

Die Biere kommen unter dem Label Ridgeway Brewing auf den Markt, und ein Teil davon, die Weihnachtsbiere, sind überwiegend für den US-Markt bestimmt.
Vor einiger Zeit trank ich ein Bier aus der „Bad Elf“-Serie , die sich durch einen recht hohen Alkoholgehalt auszeichnet und witzige Etiketten hat. Hier sind die „Bösen Elfen“ in der Reihenfolge ihrer Stärke einmal aufgelistet:

Bad Elf – mit 6%, das schwächste dieser Biere.
Very Bad Elf – hat immerhin schon 7,5%
Seriously Bad Elf – 9%, schon ganz schön viel für ein Bier
Criminally Bad Elf – 10,5%, aber es geht noch besser:
Insanely Bad Elf – hat sage und schreibe 12%

Ridgeway Brewing stellt noch einige weitere Biere her, die witzige Namen haben wie Santa’s Butt, Pickled Santa, Reindeer Droppings und Hamster of Doom.

Hier ist ein Film über eine Bierprobe des von mir getrunkenen „Seriously Bad Elf“ mit 9% Alkoholgehalt.

Ridgeway Brewing
6 Chapel Close
South Stoke, RG8 OJW
Oxfordshire

Published in: on 26. April 2022 at 02:00  Comments (4)  

The Garden Visitors Handbook – Die gelbe Bibel für alle Gartenenthusiasten

Lullebrook Manor in Cookham (Berkshire) öffnete seinen Garten für interessierte Besucher.
Photo © Malcolm Gould (cc-by-sa/2.0)

Vom 16. bis zum 24. Juli 2022 findet wieder die Great British Garden Party statt; eröffnet wird sie von Dame Mary Berry, die in Großbritannien jeder als die unumstrittene TV-Königin der Torten und Kuchen kennt. Außerdem ist die Dame Präsidentin des National Garden Schemes, der dafür sorgt, dass jedes Jahr Besitzer privater Gärten in England und Wales diese der Allgemeinheit öffnen und die dadurch eingenommenen Gelder wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen. Zu Beginn, im Jahr 1927, waren es etwas mehr als 600 Gartenbesitzer, die sich dem National Garden Scheme angeschlossen hatten, heute sind es über 3700. Häufig bieten diese ihren Besuchern Tee und Gebäck an, es wird gegrillt oder ein Glas Sekt gereicht. Es entwickeln sich oft angenehme Gespräche und es wird gefachsimpelt. Jeder Gartenbesitzer kann selbstverständlich seinen Garten auch außerhalb der oben genannten Zeiten öffnen.

Damit man bei so vielen Gärten nicht den Überblick verliert, gibt es die Gelbe Bibel wie das Garden Visitors Handbook auch genannt wird, dessen aktuelle Ausgabe 744 Seiten stark ist (die Ausgabe 2022 erscheint am 20. September). Darin werden alle Gärten aufgelistet, die an der Aktion teilnehmen und auch detailliert beschrieben. Die meisten von diesen privaten Gärten sind sonst öffentlich nicht zugänglich.

Die Einnahmen aus den Gartenbesuchen belaufen sich auf rund £3 Millionen pro Jahr, insgesamt sind schon mehr als £60 Millionen eingenommen worden. Empfänger dieser Gelder waren bisher zum Beispiel die Wohltätigkeitsorganisationen Parkinson UK, Hospice UK, Horatio’s Garden („creates and nurtures beautiful gardens in NHS spinal injury centres“).

The Garden Visitors Handbook. Constable 2021. 744 Seiten. ISBN  978-1408715260.

Auch dieser kleine Hinterhofgarten in Midgley in West Yorkshire schloss sich der Aktion an.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alconbury Weald in Cambridgeshire – Großbritanniens größte geplante Wohnsiedlung

Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Der Luftwaffenstützpunkt RAF Alconbury in der Grafschaft Cambridgeshire wurde kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen und diente sowohl dem britischen als auch dem US-amerikanischen Militär, um von hier aus Einsätze von Bomberflugzeugen zu starten. Auch viele Jahre nach dem Krieg wurde RAF Alconbury noch genutzt, bis schließlich der größte Teil des Geländes verkauft wurde, auf dem eine riesige Wohnsiedlung entstehen sollte beziehungsweise schon entstanden ist, die den Namen Alconbury Weald trägt. Es ist zur Zeit Großbritanniens größtes Bauvorhaben, was Wohnhäuser betrifft. Große Werbeplakate der Baugesellschaften Morris, Hopkins, Crest Nicholson und Redrow preisen ihre Wohnprojekte an der Ermine Street an, die sich an Alconbury Weald entlangzieht.

5000 Häuser sind in der ersten Bauphase geplant, doch es sollen noch weit mehr werden. Es wird geschätzt, dass die komplette Fertigstellung etwa 20 Jahren dauern wird. Es entsteht hier auch ein Gewerbegebiet; die Nord-Süd-Trasse A1 liegt in unmittelbarer Nähe, ebenso die A14, Eisenbahnverbindungen sind in Planung und ein Anschluss an den Cambridge Guided Busway soll ebenfalls erfolgen. Also ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von Firmen.

Eine Grundschule ist bereits eröffnet worden, zwei weitere sollen folgen. Parks und andere Grünflächen, sowie Spielplätze werden in Alconbury Weald integriert. Und wer wieder einmal eine „gewachsene“ Stadt aufsuchen möchte, Oliver Cromwells Geburtsort Huntingdon ist nur wenige Kilometer entfernt und nach Cambridge sind es auch nur rund 35 Kilometer.

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Buxton in Derbyshire Teil 2: Solomon’s Temple auf dem Grin Low Hill

Photo © Mick Garratt (cc-by-sa/2.0)

Vom Grin Low Hill in Derbyshire hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt Buxton, die sich dem Betrachter bei schönem Wetter von ihrer Schokoladenseite zeigt, bei Regen und wolkenverhangenem Himmel sieht das ganz anders aus. Der 434 Meter hohe Hügel wird von einem steinernen Turm gekrönt, dem Grin Low Tower, von den Einheimischen Solomon’s Temple genannt. Es ist sozusagen Solomon’s Temple 2.0; 1.0 war das Original, das im frühen 19. Jahrhundert von einem Landbesitzer mit dem wunderschönen Namen Solomon Mycock errichtet wurde (was wird sich der Mann im Laufe seines Lebens alles hat anhören müssen…). Mr Mycock soll den an sich nutzlosen Turm erbaut haben lassen, um die damals in der Region grassierende Arbeitslosigkeit etwas zu lindern, also eine gute Idee. Leider kümmerte sich niemand um den Turm, denn Ende des 19. Jahrhunderts war er total verfallen.

Eigentlich wollte man in Buxton wieder einen so schönen Turm haben, also was tun? Geld sammeln und einen neuen bauen. Den Duke of Devonshire, vom nicht weit entfernten Chatsworth House, holte man mit ins Boot, er trug auch sein Scherflein dazu bei, und so kam bald genug Geld zusammen, dass der Neubau im Jahr 1896 starten konnte. Bei den Bauarbeiten fand man heraus, dass der zukünftige Turm auf einem Grabhügel aus der Bronzezeit stehen würde, was hoffentlich kein böses Omen für die Zukunft war (war es nicht). Im September 1896 konnte dann der Grin Low Tower, beziehungsweise Solomon’s Temple, feierlich vom Duke of Devonshire der Öffentlichkeit übergeben werden.

92 Jahre später musste erneut Hand an den Turm gelegt werden, denn wieder drohte er, ohne angemessene Pflege zu verfallen, doch die Bewohner von Buxton spendeten genug Geld, um ihren geliebten Temple zu erhalten.

Solomon’s Temple ist frei zugänglich, es sitzt niemand mit einer Kasse davor, und wenn man die steile Treppe mit ausgetretenen Stufen erklommen hat, ist der Blick von oben auf Buxton und den Peak District noch ein klein wenig schöner.

Photo © Brian Deegan (cc-by-sa/2.0)
Photo © Bob Jenkins (cc-by-sa/2.0)
Blick auf die Stadt Buxton.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. April 2022 at 02:00  Comments (1)  

Buxton in Derbyshire Teil 1: Das Buxton Opera House – Ein architektonisch ansprechendes Gebäude am Rand des Peak Districts

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Anfang des 20. Jahrhunderts machte sich der Architekt Frank Matcham (1854-1920) von London aus auf den Weg in die Provinz, wo er in der Kurstadt Buxton am Rand des Peak Districts in der Grafschaft Derbyshire den Auftrag erhalten hatte, dort ein Opernhaus zu erbauen. Matcham hatte sich auf Theaterbauten spezialisiert und sich bereits mit dem Richmond Theatre in Richmond-upon-Thames, dem London Hippodrome und dem Londoner Hackney Empire einen Namen gemacht. Etwas später sollten noch die beiden berühmten Londoner Vergnügungsstätten Palladium und Coliseum folgen.

Buxton war als Alternative zu Bath in Somerset als Kurort in Mode gekommen, und man ging hier hin „to take the waters“, also um sich an den Heilquellen gütlich zu tun. Also musste die Stadt ihren Kurgästen etwas bieten und darum wurde das Opera House errichtet. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurde das Theater gut angenommen, und es zeigte erfolgreiche Produktionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit den Live-Veranstaltungen vorbei, stattdessen wurde das Gebäude als Kino benutzt. Aber auch das Interesse an Filmvorführungen ließ allmählich nach, so dass das an und für sich stolze und schöne Gebäude verfiel und Mitte der 1970er Jahre geschlossen wurde. Glücklicherweise sah man von einem Abriss ab, sondern steckte im Gegenteil eine Menge Geld in das Opera House, um es zu renovieren. Nach dem Abschluss der jahrelangen Renovierungsarbeiten steht den Bürgern der Stadt und den Kurgästen jetzt wieder ein schönes Theater zur Verfügung, in dem 900 Menschen Platz finden.

Während des jährlichen Buxton Festivals werden im Opera House auch wieder Opern aufgeführt, leichtere Kost wird beim Buxton Festival Fringe aufgetischt (Comedy, Tanz, Filme etc.), das in diesem Jahr vom 6. bis zum 24. Juli stattfinden wird.

Zusammen mit dem Pavilion Arts Centre, das in den Komplex mit einbezogen ist, verfügt Buxton also über ein gutes kulturelles Angebot, und das mitten in der Provinz. Leider wird das Niveau aber auch zeitweise wieder gesenkt durch Auftritte beispielsweise der Dream Boys. Wo Oper draufsteht, ist also nicht immer Oper drin.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Opernhaus.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Richard Vobes – The Bald Explorer

Ich liebe die Videofilme von Richard Vobes, der sich auch The Bald Explorer nennt, und habe einige von ihnen schon in meinem Blog verwendet. Er macht sich darin auf Entdeckungsreise durch Englands Regionen und zeigt die Schönheiten der Landschaften und Städte, Traditionen und Legenden.

Richard Vobes, der Mann mit der Glatze, wurde 1963 in der Kleinstadt Liss in der Grafschaft Hampshire geboren, über die er einen Film gedreht hat (hier zu sehen), zog dann als Kind mit seinen Eltern nach Horsham in West Sussex, auch über diesen Ort hat er mehrere Filme angefertigt, zum Beispiel diesen über den „haunted graveyard“.
Richard Vobes führte ein sehr abwechslungsreiches Leben, er hatte eine Vorliebe für alles, was mit Zirkusakrobatik zusammenhängt, so arbeitete er als Feuerschlucker und Seiltänzer, ging über Glasscherben und legte sich auf ein Nagelbrett. Er arbeitete für das Kinderfernsehen und seine nonsense live chat show The Vobes Show ist im Internet sehr populär.

In diesem Video erzählt Richard Vobes aus seinem Leben. Ich kann sehr empfehlen, sich auf den Webseiten des Bald Explorers etwas umzusehen, dort sind viele seiner Youtube-Videoclips versammelt, und man bleibt schnell bei dem einen oder anderen hängen.

Published in: on 21. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen