William Bradley (1787-1820) – The Yorkshire Giant

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William Bradley, der Yorkshire Giant, wurde nur 33 Jahre alt. Mit einer Körpergröße von 2,35 m ist er wohl der größte Mensch, der je in Großbritannien gelebt hat.
Geboren wurde Bradley 1787 in Market Weighton, das liegt im East Riding of Yorkshire, auf halber Strecke zwischen York und Kingston-upon-Hull. Nachdem er als Landarbeiter nur wenig Geld verdienen konnte, besann er sich darauf, aus seiner Körpergröße Kapital zu schlagen und schloss sich einer der damals sehr populären Freak Shows an, wo Menschen mit ungewöhnlichen körperlichen Missbildungen zur Schau gestellt wurden. Nachdem er auf vielen Jahrmärkten im ganzen Land unterwegs war, beschloss er, aus selbst sich eine One-Man-Show zu machen. Er mietete  in Städten ein Zimmer und verlangte von jedem, der ihn „besichtigen“ wollte, einen Shilling. Ein trauriges Leben!
Bradley wurde auch einmal König George III vorgeführt, der ihm eine goldene Uhr schenkte.
1820 starb der Yorkshire Giant in seiner Heimatstadt Market Weighton, wo er auch beigesetzt wurde. Alljährlich findet dort seit 1996 der Giant Bradley Day statt, ein Art Rummelplatz mit Amüsement für Kinder und Erwachsene.

Zur Erinnerung hat die Stadt Market Weighton eine lebensgroße Statue aus Holz von William Bradley aufgestellt.
Der Giant Bradley Heritage Trail führt durch Market Weighton an Plätzen vorbei, die irgendwie mit dem Riesen zusammenhängen und ist durch 23 Fußabdrücke markiert, die der exakten Schuhgröße Bradleys entsprechen.

Das Geburtshaus des Yorkshire Giants in Market Weighton.
Photo © Colin Westley (cc-by-sa/2.0)

Plakette an Bradleys Geburtshaus und eine der Stationen des Giant Bradley Heritage Trails.
Photo © Mike Kirby (cc-by-sa/2.0)

Bradleys Staue in Market Weighton.
Photo © Leslie (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Harry Mount: How England Made the English

Foto meines Exemplares.

Wenn man England und die Engländer richtig verstehen möchte, dann empfehlen sich dafür zwei Bücher: Kate Fox‘ „Watching the English“ und Harry MountsHow England Made the English„. Ersteres habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt, letzeres stelle ich heute vor.

Der Londoner Harry Mount, Jahrgang 1971, ist ein Journalist, der unter anderem für den Daily Telegraph gearbeitet hat, ist mit Ex-Premierminister David Cameron verwandt und studierte am Magdalen College in Oxford. „How England Made the English“ ist bereits sein viertes Buch, das den Untertitel hat „From Why We Drive on the Left to Why We Don’t Talk to Our Neighbours„. Es hat nur sehr wenige Überschneidungen mit dem Buch von Kate Fox. Auf der Rückseite des Buches steht zu lesen: „The English character is principally an accident of geography and weather…Harry Mount scours the length and breadth of the country to find the curiosities, idiosyncrasies and pecularities that have made us who and what we are„.
Diese Worte beschreiben sehr gut den Inhalt des Buches, das mit einem Kapitel über das Wetter beginnt, ein Thema das unausrottbar mit allem Englischen verbunden ist. In einem weiteren Kapitel beschäftigt er sich mit dem Nord-Süd-Gefälle in England, in einem anderen geht es um das Dauerthema Verfall der High Streets. In „The Rolling English Road“ steht das englische Straßen- und Verkehrssystem im Mittelpunkt und in „A Nation of Gardeners“ schreibt Harry Mount über die Faszination seiner Landsleute mit Gärten.

Harry Mount muss sehr viel Zeit mit Recherchen für sein Buch verbracht haben, denn es ist voll gestopft mit Zahlen und Fakten. Alle Angaben sind gut dokumentiert, die Bibliografie umfasst sechs Seiten.

Das Buch ist zwar als Hardcover bereits 2012 erschienen (ich besitze die Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2013), es hat sich aber bis heute kaum etwas geändert. Ein richtig interessantes Buch, das ich jedem an England Interessierten sehr empfehlen kann! In diesem Film stellt Harry Mount sein Buch vor.

Harry Mount: How England Made the English. Penguin Books 2013. 340 Seiten. ISBN 978-0-670-91914-7.

Published in: on 6. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Deadman’s Island in Kent – Eine unbewohnte Insel vor der Küste der Isle of Sheppey

In der Mitte links ist Deadman’s Island zu sehen.
Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Die Isle of Sheppey in Kent ist durch die A249 mit der A2 bzw. der M2 verbunden. Ich kenne diese Insel noch aus der Zeit, als sie über die Fähre Vlissingen-Sheerness zu erreichen war. Diese Fährverbindung der Olau-Line ist lange eingestellt worden. Auf der Isle of Sheppey sind drei Gefängnisse untergebracht, über die ich in meinem Blog geschrieben habe.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts brachte man Gefangene auf diese etwas abgelegene Insel, um sie auf ausgemusterten Schiffen einzusperren, die vor der Küste ankerten. Wohin nun mit den Männern, die auf diesen Gefängnisschiffen starben? Häufig waren ansteckende Krankheiten die Ursache für den Tod der Gefangenen. Man wollte sie möglichst schnell und in der Nähe beerdigen, so wurde dafür eine unbewohnte Insel vor dem Ort Queenborough ausgewählt, dort wo sich der River Medway und The Swale ins Meer ergießen. Hier, auf der Deadman’s Island, senkte man die hölzernen Särge in den schlammigen Boden und vergass sie zweihundert Jahre lang…bis plötzlich an einigen Stellen der Insel menschliche Knochen auftauchten. Was war geschehen? Küstenerosion und der steigende Meerwasserspiegel haben den Schlamm weggespült, in dem die Särge lagen und ihren Inhalt ans Tageslicht gebracht. Ein grausiger Anblick, der sich dort dem Betrachter bei Ebbe bietet: Menschliche Schädel, Knochen und Sargreste. Vieles davon wird im Laufe der Zeit ins Meer gespült werden und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Deadman’s Island gehört der Organisation Natural England und ist eine Site of Special Scientific Interest, das heißt, die Insel ist besonders schutzwürdig, weil sie ein Brutplatz für Vögel ist und darf (eigentlich) nicht betreten werden; trotzdem, hier ist ein Film über die Funde auf Deadman’s Island.

Im Vordergrund: Deadman’s Island.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Diebstahl eines wertvollen Vermeer-Gemäldes aus dem Kenwood House in London

Kenwood House auf der Hampstead Heath.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Bei einem Spaziergang über die Londoner Hampstead Heath kam ich am Kenwood House vorbei, einem ehemaligen Herrenhaus, das im 18. Jahrhundert von dem Architekten Robert Adam im klassizistischen Stil umgebaut worden war. Es beherbergt eine große Gemäldesammlung, die der irische Geschäftsmann und Philanthrop Edward Cecil Guinness, 1. Earl of Iveagh, von der Bierbrauerfamilie, zusammengetragen hatte und alles, Haus, Grund, Gemäldesammlung, nach seinem Tod im Jahr 1927 der englischen Nation vermachte. Das Haus liegt jetzt in den Händen des English Heritage.

Eines der berühmten Gemälde im Kenwood House ist Jan VermeersDie Gitarrenspielerin„, das der niederländische Maler 1672 angefertigt hatte. In der Nacht des 23. Februars 1974 wurde dieses Bild aus dem Kenwood House gestohlen. Der Dieb verschaffte sich mit Hilfe eines Vorschlaghammers Zutritt zu dem Museum, nahm den Vermeer von der Wand und war schnell wieder verschwunden. Das Sicherheitspersonal konnte nichts mehr ausrichten, rief die Polizei, die mit Spürhunden versuchte, dem Dieb auf die Spur zu kommen, aber vergebens. Dieb und Bild blieben verschwunden. Auf dem Kunstmarkt ließ sich so ein berühmtes Gemälde nicht absetzen, also vermutete die Polizei anfangs eine Auftragsarbeit eines Kunstsammlers. Der Rahmen des Bildes wurde schnell gefunden, durch den Hinweis einer Hellseherin namens Nella Jones. Diese hatte plötzlich eine Eingebung, notierte den Standort (ein paar hundert Meter vom Kenwood House entfernt), ging damit zur Polizei, die äußerst skeptisch dem Hinweis nachging und tatsächlich an der angegebenen Stelle den beschädigten Rahmen vorfand.

Mehrere Anrufer nahmen Kontakt zu Scotland Yard auf, die jeweils ein Lösegeld forderten; man vermutete die IRA dahinter, aber auch andere Terrororganisationen gerieten ins Blickfeld der Polizei, die ein Lösegeld kategorisch ablehnte. Es gingen auch einige anonyme Anrufe zum Aufenthaltsort des Gemäldes ein, darunter einer, der sagte, das Bild befände sich auf dem Kirchhof von Saint Bartholomew-the-Great in der Londoner City. Und siehe da, als die Polizei dort eintraf, fand sie die Gitarrenspielerin gegen einen Grabstein gelehnt vor, glücklicherweise nur gering beschädigt (hier ist ein Film). Der Täter wurde nie ermittelt, obwohl Scotland Yard einen starken Verdacht hatte, dass die IRA Terroristin Rose Dugdale ihre Hände im Spiel gehabt hatte. Dugdale und einige andere raubten zwei Monate später aus einem Herrenhaus in Irland neunzehn Meisterwerke, darunter wieder einen Vermeer,  dieses Mal „Briefschreiberin und Dienstmagd„, ein Ölgemälde aus dem Jahr 1670.

„Die Gitarrenspielerin“ hängt nach wie vor im Kenwood House, das besucht werden kann, leider zur Zeit nicht, da das Coronavirus etwas dagegegen hat.

Kenwood House
Hampstead Lane
Hampstead
Greater London NW3 7JR

Hier auf dem Kirchhof von St Bartholomew-the-Great in der Londoner City wurde das Gemälde wiedergefunden.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Londoner U-Bahnstation Arsenal – Die einzige im ganzen Land, die nach einem Fußballverein benannt ist

Der Londoner Premier League Fußballverein F.C. Arsenal, The Gunners, ist der einzige, der sich rühmen kann, dass eine U-Bahnstation nach ihm benannt worden ist, und das schon seit dem 31. Oktober 1932. Erst hieß sie Arsenal (Highbury Hill), seit 1960 nur noch Arsenal. Die Station an der Piccadilly Line liegt an der Gillespie Road, und so hieß der Bahnhof auch bis zu seiner Umbenennung. Die Gillespie Road befindet sich einer reinen Wohngegend mit nur wenigen Geschäften, ein Katzensprung von dem ehemaligen Highbury-Stadion der Gunners entfernt. Die spielen aber dort seit 2006 nicht mehr, sondern im Emirates Stadium, dem zweitgrößten Stadion der Premier League (das größte ist Old Trafford in Manchester). Das neue Stadion ist nur wenige Gehminuten von dem alten entfernt, und so nutzen viele Arsenal-Fans die U-Bahnstation nach wie vor, um die Spiele ihrer Mannschaft zu sehen.

Dass der Bahnhof der Piccadilly Line so benannt wurde, ist dem ehemaligen Trainer der Gunners, Herbert Chapman zu verdanken, der von 1925 bis 1934 dem Verein angehörte. Er bohrte so lange, bis die zuständige Behörde 1932 ihr OK zu der Namensänderung gab. Der Schriftzug „Gillespie Road“ ist nach wie vor auf den Kacheln der Wände der Station erhalten geblieben. Der Eingang der Arsenal Tube Station ist auf beiden Seiten von Wohnhäusern eingeschlossen, ein etwas merkwürdiger Anblick.

Der F.C. Arsenal war Herbert Chapmans letzter Verein. Er starb kurz vor seinem 56. Geburtstag am 6. Januar 1934 an einer Lungenentzündung. Eine lebensgroße Statue von ihm erinnert an den Trainer vor dem Emirates Stadium.

Die Statue von Herbert Chapman vor dem Emirates Stadium.
Author: Little Savage.
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Published in: on 3. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Daddlums – Ein fast ausgestorbenes Pubspiel, das noch heute in The Jolly Drayman in Gravesend (Kent) gespielt wird

The Jolly Drayman in Gravesend (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich immer einmal wieder über Pubspiele geschrieben, zuletzt über Ringing the bull, die nach und nach in Gefahr geraten, auszusterben und auf der „Roten Liste der gefährdeten Pubspiele“ stehen (gibt es nicht in Wirklichkeit, habe ich mir nur ausgedacht).
Eines dieser Spiele, die beinahe ganz verschwunden sind, ist Daddlums, auch Kentish skittles genannt. Das ist ein Kegelspiel, das auch auf kleinstem Raum untergebracht werden kann. Auf einem speziellen Brett sind neun Mini-Kegel rautenförmig aufgestellt, die es gilt umzuwerfen; das muss der Spieler mit drei kleinen hölzernen Würfeln („cheeses“) aus drei Metern Abstand erreichen. In Dorset gibt es ein ähnliches Spiel, das dort Drubbers genannt wird.

In einem der ganz wenigen verbliebenen Pubs, in dem regelmäßig Daddlums gespielt wird, ist The Jolly Drayman in der Wellington Street in  Gravesend in Kent, wo sich die Themse allmählich der Nordsee zuwendet. Jeden Sonntagabend um 21 Uhr trifft sich hier die Daddlums-Fangemeinde zum fröhlichen Tischkegelspielen. Nach Meinung des Jolly Draymans gibt es (wahrscheinlich) im ganzen Königreich keinen weiteren Pub, in dem dieses Spiel gespielt wird. Nach meinen Recherchen kommt höchstens noch The Carpenters Arms in dem winzigen Dorf Coldred, nahe der A2, nördlich von Dover in Kent in Frage, in dem zumindest hin und wieder Daddlums zelebriert wird.

Je mehr Pubs schließen, und das kann durch die Coronakrise noch beschleunigt werden, je mehr geraten auch lieb gewordene Traditionen in Gefahr, für immer zu verschwinden. Hoffen wir, dass dem Einhalt geboten werden kann!

The Carpenters Arms in Coldred (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Von problematischen Nachbarschaften in London, Lancashire und im County Durham

Im allgemeinen hält man in England gern Abstand zu seinen Nachbarn, und der Spruch „My home is my castle“ gilt auch heute noch. Manchmal kommt es aber zu Problemen mit der lieben Nachbarschaft, und da möchte ich heute drei Beispiele anführen.

Dieses auffällig gestrichene Haus im Londoner Stadtteil Kensington stand einmal im Mittelpunkt eines Nachbarschaftsstreits. Der Besitzer wollte das Haus abreißen und durch ein neues, moderneres ersetzen lassen. Diese neue Gebäude sollte zwei unterirdische Stockwerke erhalten, ein sogenanntes „iceberg home“, sehr beliebt bei den Londoner Superreichen, die auf diese Weise deutlich mehr Platz erzielen.
Die Nachbarn wehrten sich gegen diese Pläne, und da auch der Kensington and Chelsea Council nicht mitmachen wollte, wurde das Haus eben, um die Nachbarn zu ärgern, in dieser auffälligen und provozierenden Weise gestrichen. Aber auch da schritt der Council ein und erteilte die Auflage, das Gebäude in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. was dann so aussah:

 

Dieses Haus in der Stankelt Road in Silverdale (Lancashire) steht vor einer sogenannten „spite wall„, die 1880 errichtet wurde und zwar von dem Besitzer des Hauses auf der gegenüberliegenden Seite. Dessen Haus stand zuerst da und hatte einen schönen Blick auf die Landschaft…bis das Haus gegenüber gebaut wurde, das ihm die Sicht nahm und auch die „privacy“. Erzürnt ließ der Nachbar diese „spite wall“ am äußersten Ende seines Grundstücks errichten; nun hatte er wenigstens seine Privatheit wieder und sein Gegenüber blickte aus seinen Fenstern auf eine graue Mauer.

Joseph Edlestone war 41 Jahre lang Vikar an der St Mary’s Church in Gainford (County Durham) gewesen. Als er 1895 in seinem Haus in Cambridge starb, wollten seine Kinder gern ein Denkmal für ihren Vater auf dem Kirchhof von St Mary’s errichten lassen, was die Kirche aber ablehnte, mit dem Hinweis, der Kirchhof sei bereits voll und es gäbe keinen Platz mehr. Aber: Wenn die Famile Edlestone, die das angrenzende Grundstück besaß, einen Teil davon an sie abtreten würde, könnte sie das Monument ja dorthin stellen. Das passte Joseph Edlestones Kindern aber überhaupt nicht, und so bauten sie auf ihrem Grund und Boden ein großes Haus, das Edlestone Spite House, und errichteten direkt an der Grenze zum Kirchhof eine zwölf Meter hohe Säule, die oben im Bild zu sehen ist. Der Vikar von St Mary’s war sicher „not amused“.

Das Buch zum Artikel:
Emily Cockayne: Cheek by Jowl – A History of Neighbours. Bodley Head 2012. 288 Seiten. 978-1847921345.

 

Published in: on 1. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Chiswick Flyover und seine Eröffnung durch einen amerikanischen Filmstar im Jahr 1959

Chiswick Flyover und davor der Kreisverkehr.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Wenn heute irgendwo in London eine neue Straße oder Straßenbrücke in Betrieb genommen werden sollte, dann dürfte das im allgemeinen nicht auf allzu große Aufmerksamkeit stoßen. In den 1950er Jahren war das etwas anders. Im Westen Londons wurde im Herbst 1959 eine neue 600 Meter lange Hochbrücke eröffnet, der sogenannte Chiswick Flyover. Sie diente dazu, den sehr starken Verkehr in diesem Teil der Stadt zu entlasten, der bis dahin durch einen chronisch verstopften Kreisverkehr verteilt worden war. Um die 40 000 Fahrzeuge täglich nutzten dieses Nadelöhr, wo sich die North und die South Circular Roads trafen. So waren die £6 Millionen für den Flyover von Chiswick gut angebracht.

Nach Fertigstellung der Brücke wollten die Baufirma Alderton’s Construction und ihr Boss J. E. Dayton eine spektakuläre Eröffnungsfeier und suchten dafür eine prominente Persönlichkeit. Nachdem die beiden Rennfahrer Donald Campbell und Stirling Moss kein Interesse gezeigt hatten, fiel Mr. Dayton etwas viel Besseres ein. Zur Zeit hielt sich gerade der Hollywoodstar Jayne Mansfield in London auf, um in den Studios von Borehamwood den Film „Too Hot To Handle“ (dt. „Zu heiß zum Anfassen“) zu drehen. Jayne Mansfield, „The Blonde Bombshell“, willigte ein, die Eröffnung des Chiswick Flyover vorzunehmen; sie wurde in einem Ford Zephyr Mk2 Convertible nach Chiswick gefahren, wo sie dann am 30. September zur Schere griff, um das Absperrungsband durchzuschneiden. Sie lächelte sexy in die Runde der Anwesenden, warf einen kurzen Blick auf die Brücke, die sie als „sweet“ bezeichnete und war dann bald wieder weg. Mr. Dayton und seine Baufirma hatten die Publicity erhalten, die sie gern haben wollten und waren zufrieden. Es gab auch einige Kritiker der Aktion, die der Meinung waren, dass es auch in Großbritannien attraktive Schauspielerinnen gab, und dass man nicht eine Amerikanerin dafür hätte nehmen müssen. Hier ist ein Film von der Eröffnung der Brücke.

Kurze Zeit nach der Brückeneröffnung kam das Gerücht auf, dass in den Fundamenten der Chiswick Flyover nicht nur Beton verbaut worden ist, sondern, dass darin auch mehrere Leichen für immer ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, Opfer der berühmt-berüchtigten Kray Twins, der Londoner Verbrecherkönige Ronnie und Reggie Kray. Zuzutrauen ist es den beiden Gangstern schon, die in den 1950er und 1960er Jahren die Stadt in Atem gehalten hatten.

Heute ist der Chiswick Flyover ein Teil der Autobahn M4, die London mit Bristol und Süd-Wales verbindet. Anlässlich des 50. Brückengeburtstages im Jahr 2009 wurde eine Plakette an ihr angebracht und für diese Zeremonie wählt man dieses Mal eine englische Schauspielerin, Imogen Stubbs, die die Plakette enthüllte.

Ruhen hier die Opfer der Kray Twins?
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Brocket Hall bei Hatfield – Ein sehr schönes Country House in Hertfordshire

35 Kilometer nördlich von London, ganz in der Nähe von Hatfield, liegt in der Grafschaft Hertfordshire eines der schönsten Country Houses Englands, Brocket Hall, das heute ein exklusives Konferenzzentrum beherbergt; angeschlossen ist ein Golfplatz und die Palmerston Golf Academy.

Ich las vor einiger Zeit eine Biografie über Lady Caroline Lamb, die mit William Lamb, 2nd Viscount Melbourne, verheiratet war, dem Premierminister des Landes von 1835-1841. Beide wohnten damals auf Brocket Hall.

1760 wurde das Haus für Sir Matthew Lamb, 1. Viscount Melbourne, erbaut, nach den Plänen des Architekten James Paine. Nach dem Tod William Lambs ging Brocket Hall in den Besitz seiner Schwester Emily Lamb über, die mit einem weiteren Premierminister, Lord Palmerston, verheiratet war, der auf dem Landsitz starb.
Queen Victoria war häufig Gast auf  Brocket Hall und Margaret Thatcher schrieb hier ihre Memoiren.

Brocket Hall beherbergt auch ein Restaurant, das mit 2 AA-Rosetten ausgezeichnet ist: Auberge du Lac, das in der früheren Hunting Lodge untergebracht ist und zur Zeit von Chefkoch Matthew Edmonds geführt wird.

Hier ist ein Film über Brocket Hall.

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Ein Treppenhaus in Brocket Hall.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Auberge du Lac.
Author: Ewan Munro
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Published in: on 30. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Bowder Stone – Ein gewaltiger Felsbrocken in Cumbrias Borrowdale

Dem englischen Exzentriker Joseph Pocklington (1736 – 1817) begegneten wir schon einmal in meinem Blog in meinem Eintrag über die Derwent Island in der Grafschaft Cumbria. „King Pocky“, wie Pocklington auch genannt wurde, war ein sehr reicher Mann, der mehrere große Häuser in Cumbria und in Nottinghamshire besaß, aber auch für seinen schlechten Geschmack bekannt war. Die beiden Lake Poets William Wordsworth und  Samuel Taylor Coleridge machten sich öffentlich über „King Pocky“ lustig.

Im Jahr 1798 hatte Pocklington Land im Borrowdale in Cumbria erworben und dabei entdeckt, dass darauf ein riesiger Felsbrocken stand, der Bowder Stone, 2000 Tonnen schwer, neun Meter hoch, 15 Meter breit. Als geschäftstüchtiger Mann erkannte er sofort den potentiellen touristischen Wert des Felsens, und so ließ er eine Treppe anfertigen, die zum Plateau des Bowder Stones führte. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, könnte dort oben Probleme bekommen. Wenn auch nur neun Meter hoch, kann man sich bei einem Sturz schnell das Genick brechen.

Ein paar Meter neben dem Felsen errichtete er eine kleine Hütte, das Bowderstone Cottage, in der eine Frau untergebracht war, die sich einerseits um das Areal kümmerte, andererseits als Guide fungierte. Diese Rolle blieb auch später überwiegend in weiblichen Händen. Eine Zeit lang diente das Cottage als Tea Room, und Besucher konnten sich darin Andenken kaufen, doch irgendwann lohnte sich das nicht mehr und die Hütte wurde geschlossen.

Heute kümmert sich der National Trust um den Bowder Stone, der ihm im vorigen Jahr eine neue Treppe spendiert hat. Im Auftrag des Trusts hat der Filmemacher John Hamlett einen Film mit dem Titel „The Bowder Stone as seen by artists and writers through history“ produziert, der hier zu sehen ist, und dieser Film zeigt einen Besuch des Felsens in Cumbria.

Der Bowder Stone ist auch bei Felsenkletterern sehr beliebt.
Photo © Des Colhoun (cc-by-sa/2.0)

Das Cottage neben dem Felsen.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Mai 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Großbritanniens älteste Strandhütte in Bournemouth

Strandhütten sind eine ganz praktische Sache; man kann in ihnen alles unterbringen, was man am Strand so braucht wie Sonnenschirme und Liegen, man kann sich darin einen Tee zubereiten usw. usw. So wundert es nicht, dass diese „beach huts“ außerordentlich begehrt sind und lange Wartelisten existieren für Leute, die sich ebenfalls eine zulegen möchten. Es soll an die 20 000 Hütten in ganz Großbritannien geben, von denen allein 10% am Strand von Bournemouth (Dorset) aufgereiht sind. Hier stehen traditionelle, ältere Modelle, aber auch „super huts“, die von Wayne und Geraldine Hemingway, den berühmten Designern aus Chichester (West Sussex) , entworfen worden sind.

Eine „beach hut“, die mit der Nummer 2359, ist eine ganz besondere, sie ist die älteste im ganzen Königreich und wurde im Jahr 1909 von Frederick Percy Dolamore entworfen und gebaut. Dolamore war der Chief Assistant Borough Engineer and Surveyor und lebte von 1869 bis 1951, zu lesen auf einer blauen Plakette, die 2011 an der Strandhütte angebracht wurde. Es sind zwar einige Veränderungen an der Hütte vorgenommen worden, aber das Fundament ist noch dasselbe wie zur Zeit der Entstehung. Im Vergleich zu ihren direkten Nachbarn sieht man Nummer 2359 ihr Alter nicht an. Sie gehörte der Stadtverwaltung von Bournemouth (auch das war damals ein Novum) und wurde vermietet.

In der Nähe des West Cliff Lifts gab es eine Zeit lang auch eine Strandhüttenkapelle in der Hochzeitszeremonien durchgeführt wurden; sie existiert aber nicht mehr in dieser Form.

Eine Notiz am Rande: Vor drei Jahren wurde Großbritanniens teuerste Strandhütte für £295 000 verkauft. Sie steht an der Küste von Christchurch in Dorset, am Mudeford Spit. Sie hat weder einen Stromanschluss, noch eine Toilette oder fließendes Wasser.

Wer sich für das Thema interessiert, findet weitere Informationen in meinem Blog, zum Beispiel über die Strandhütten von Southwold oder über die Expertin für Strandhütten, Kathryn Ferry.

Published in: on 28. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Crop Circlemakers – Kornkreise als Kunstform

Hier am Cheesefoot Head in Hampshire begannen Doug Bower und Dave Chorley mit ihren Kornkreisen. Die Spuren auf dem Foto stammen in diesem Fall von Traktoren.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Wiltshire gilt als das Mekka der Kornkreis-Fans, aber auch in den benachbarten Counties tauchen diese bizarren Gebilde in den Getreide- und Rapsfeldern immer wieder auf. Da aus Wiltshire ebenfalls viele UFO-Sichtungen gemeldet werden, fragen sich manche, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt. Sind Besucher aus fremden Welten des Nachts unterwegs und fertigen die Kornkreise an und wenn ja, warum?

Im vorigen Oktober besuchte ich The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire), der als als Hauptquartier der sogenannten Croppies gilt. Ich fand dort niemanden von der Fangemeinde vor, meine Frau und ich waren mittags die einzigen Gäste.

Ob es nachts nun in Wiltshire und anderen Grafschaften mit übernatürlichen Dingen zugeht, mit Aliens, die sich aus lauter Langeweile irgendwelche Muster ausdenken und diese auf die Getreidefelder projizieren, für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kornkreisen sind ganz einfach…Menschen verantwortlich. Doug Bower und Dave Chorley hatten Ende der 1970er Jahre nach einigen Pints in einem Pub die Idee, Kornkreise anzulegen, und sie begannen damit in der Nähe von Winchester (Hampshire) am Cheesefoot Head. Mehr als zwölf Jahre gingen die beiden ihrer nächtlichen Tätigkeit nach, deren Ergebnis in der ganzen Welt diskutiert wurde und zu wilden Erklärungsversuchen führte.

Der englische Künstler und Filmemacher John Lundberg und einige seiner Freunde setzten das Werk von Bower und Chorley in den 1990er Jahre fort, und er gründete Circlemakers, eine Art Künstlerkollektiv, deren Kornkreise immer kunstvoller wurden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis es herauskam, dass nicht Aliens, sondern Menschen für viele Kornkreise verantwortlich waren, was eingefleischten Hardcore-Cropcircle-Fans nicht gefiel, die lieber eine andere Erklärung für das nächtliche Geschehen auf den Feldern Südenglands gehabt hätten.

Die Circlemakers bekamen sogar internationale Aufträge, bestimmte Formen in Getreidefelder zu zaubern, beispielsweise für Extinction Rebellion beim vorjährigen Glastonbury Festival oder für das amerikanische Streetwear Label Supreme in Kalifornien. Eine weitere Auftragsarbeit für die Circlemakers fand ebenfalls in Kalifornien statt, wo sie bei Bakersfield für die US-Band Korn kunstvolle Kreise und das Logo der Band in ein Getreidefeld fabrizierten. Hier ist das Musikvideo „Let the guilt go“ von Korn zu sehen.

Wie man sich als Besucher von Kornkreisen verhalten sollte, ist im sogenannten „Pink Book“ festgehalten, über das ich in meinem Blog einmal schrieb.

In diesem Film sind besonders schöne Exemplare von Kornkreisen zu sehen.

Kornkreise in Wiltshire.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire)
Eigenes Foto.

Die „lauschenden Ohren“ bei Greatstone-on-Sea (Kent)

Nur gut zwanzig Autominuten vom Channel Tunnel entfernt, gelangt man erst über die A259 und dann bei New Romney über die B2071 in eine andere Welt, wenn man in die Romney Marsh und nach Dungeness fährt. Für mich hat diese Region von Kent eine ganz eigenartige Atmosphäre. Mehrfach habe ich darüber in meinem Blog berichtet, und ich kann einen Abstecher bis hinunter zum Britannia Inn sehr empfehlen.
Bei Greatstone-on Sea, auf der dem Meer abgewandten Seite, sieht man merkwürdige Betongebilde, deren Zweck sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Es handelt sich hierbei um sogenannte „Sound Mirrors„, oder auch „Acoustic Mirrors„, das sind militärische Konstruktionen, die zwischen den beiden Weltkriegen installiert wurden, um feindliche Luftschiffe und Flugzeuge bereits hören zu können, bevor sie in Sichtweite waren, also eine Art Radar-Vorgänger.

Die bei Greatstone aufgestellten drei „lauschenden Ohren“ haben unterschiedliche Formen. Eines der Gebilde besteht aus einer 70 Meter  langen und 5 Meter hohen leicht gewölbten Mauer, die beiden anderen ähneln schon mehr  Ohren. Im Brennpunkt der drei Reflektoren hatte man Mikrofone installiert.

Der Erfolg dieser Sound Mirrors hielt sich in Grenzen; oft störten auf dem Ärmelkanal vorbeifahrende Schiffe den Empfang, und als die Flugzeuge immer höhere Geschwindigkeiten erreichten, wurde die Vorwarnzeit immer kürzer. Als man kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges das Radar erfand und einsetzen konnte, erwiesen sich die Acoustic Mirrors als überflüssig.

Vor Jahren wurden diese mittlerweile historischen militärischen Anlagen mit einem Zuschuss von £500,000 des English Heritage renoviert und vor dem Zerfall bewahrt. An einigen wenigen Tagen im Jahr werden Touren zu den drei Listening Ears durchgeführt, die am Dungeness-Besucherzentrum der Royal Society for the Protection of Birds beginnen und £60 pro Person kosten.

Hier ist ein Film über die von Major William Sansome Tucker (1877-1955) entwickelten Sound Mirrors bei Greatstone-on-Sea.

Einige Szenen von Nicki Minajs Musikvideo „Freedom“ wurden vor den Sound Mirrors aufgenommen.

 

Published in: on 26. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Prince Rupert Hotel in Shrewsbury (Shropshire) – Eine Heimstatt für Obdachlose in der Coronakrise

Die Infrastruktur in Form von Hotels, Restaurants und Pubs ist seit vielen Wochen in England nicht mehr vorhanden. Überall stößt man auf verschlossene Türen, und man kann nur hoffen, dass möglichst viele die Coronakrise überleben. Frühestens Anfang Juli ist mit einer Lockerung zu rechnen in diesem von der Pandemie schwer gebeutelten Land.

Auch das Prince Rupert Hotel in Shrewsbury, der Grafschaftshauptstadt von Shropshire, wurde im März geschlossen. Ich habe hier einmal einige Tage gewohnt und in meinem Blog darüber geschrieben, und so war ich besonders berührt, als ich hörte, dass der Hotelbesitzer Mike Matthews sein Haus für Obdachlose geöffnet hat. Menschen ohne festen Wohnsitz gibt es nicht nur in den großen Metropolen, auch in der Provinz sind Männer und Frauen zu finden, die sich irgendwie über Wasser halten und nachts im Freien schlafen. Mike Matthews sagte sich, hier ist nun mein Hotel mit leer stehenden Zimmern und draußen halten sich Menschen auf, die nicht wissen, wo sie die nächste Nacht verbringen sollen. Seit mehreren Wochen schon beherbergt das 4*-Hotel 25 „homeless people“, die gar nicht wussten wie ihnen geschah, als sie sich plötzlich in dem Komfort und Luxus eines Hotels wiederfanden. Die neuen Gäste des Prince Rupert sind dankbar für diese unerwartete Unterstützung, und einige machten sich auch gleich nützlich. Wie der Shropshire Star berichtet, hat sich einer von ihnen aller reparaturbedürftigen Stühle im Hotel angenommen und diese repariert.
Die 25 Hotelbewohner bekommen nicht nur freie Logis, sie werden auch verpflegt und erhalten regelmäßig ihre Mahlzeiten.

Mike Matthews und sein Team machen da wirklich tolle Arbeit, und er hat bereits angedeutet, dass er möglicherweise dem einen oder anderen eine feste Arbeitsstelle anbieten könnte. Hier ist ein Film über Mike Matthews‘ gute Tat.

Zum Thema Obdachlosigkeit in England siehe meine Einträge über die Zeitung The Big Issue und Charlie Carrols Buch „No Fixed Abode: A Journey Through Homelessness from Cornwall to London„.

Mein DVD-Tipp – Mord auf Shetland Staffel 3

Am 17. April diesen Jahres erschien auf DVD die dritte Staffel der TV-Serie „Mord auf Shetland“ bei EDEL MOTION in deutscher Synchronisation. Obwohl die Shetland Inseln hoch im Norden von Schottland nicht zu meinem Berichtsgebiet zählen, möchte ich heute eine Ausnahme machen, weil mir diese Serie außerordentlich gut gefällt und sie ein großartiges Lokalkolorit hat. Sie basiert zum Teil auf den Romanen der Krimiautorin Ann Cleeves (die Engländerin ist, und da haben wir wieder die Verbindung zu England), die auch die Vera Stanhope-Serie geschrieben hat, die unter dem Titel „Vera“ verfilmt und ebenfalls im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

Im Mittelpunkt der TV-Serie, deren erste Folgen 2013 von BBC One gezeigt wurden, steht Detective Inspector Jimmy Perez, der gemeinsam mit Detective Sergeant Alison „Tosh“ MacIntosh Mordfälle auf der Inselgruppe der Shetlands löst. Da die Einwohnerzahl hier überschaubar ist, kommt DI Perez in den hier gezeigten Episoden auch immer wieder mit Personen aus seinem persönlichem Umfeld in Berührung.
Thomas Malone kommt nach mehr als zwanzig Jahren im Gefängnis frei, eine Strafe, die er abbüßen musste, weil er angeblich eine junge Frau ermordet haben soll. Kaum ist er in Freiheit wird wieder eine junge Frau ermordet, und sofort gerät Malone erneut in Verdacht. DI Perez ist von der Schuld des von dem Gefängnisaufenthalt schwer gezeichneten Mannes nicht überzeugt und ermittelt in alle Richtungen. In der sechsten Episode kommt es zu einem sehr emotionalen Ende.
Der schottische Schauspieler Douglas James Henshall verkörpert den Kriminalbeamten auf sehr überzeugende Weise. Auch die anderen Darsteller sind gut ausgewählt worden.

Gedreht wurde die TV-Serie teils auf den Shetland-Inseln selbst, als auch auf dem schottischen Festland. Ähnlich wie in der TV-Serie „The Bay“ spielt das Lokalkolorit auch in „Mord auf Shetland“ eine wesentliche Rolle und trägt sicher zur Popularität bei den Zuschauern bei.

Auf der DVD steht der Vermerk Staffel 3, was sich nicht mit den Angaben der BBC, der ARD und der Wikipedia deckt, denn dort werden die sechs Episoden der Staffel 4 zugeordnet, was wahrscheinlich daran liegt, dass bei den DVD-Veröffentlichungen in Deutschland der Pilotfilm der Staffel 1 zugeschlagen wurde, so dass sich dadurch eine andere Zählung ergibt.

Hier ist der deutsche Trailer zu der hier angezeigten DVD.

Der Hafen von Lerwick auf den Shetland Inseln.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Mauerwerksinspizierer vom New College in Oxford

Die Stadtmauer, die die Gärten des New College umgibt.
Photo © Ron Hann (cc-by-sa/2.0)

In England ist nicht alles „neu“, nur weil es so heißt. Ich denke da an mehrere Pubs, die New Inn heißen, aber in Wirklichkeit uralt sind wie der New Inn in Gloucester, der über 500 Jahre alt ist. Das gleiche gilt für das New College in Oxford, das zu den ältesten Colleges der Stadt gehört und 1379 gegründet wurde. William of Wykeham, der Bischof von Winchester, war der Gründer dieser Lehranstalt, wo unter vielen anderen die Schauspieler Hugh Grant und Kate Beckinsale, die Schriftstellerin Sophie Kinsella, der Wissenschaftler Richard Dawkins und der deutsche Filmregisseur Florian Henckel von Donnersmarck studiert haben.

Als William of Wykeham das Gelände für sein neues College von der Stadt Oxford kaufte, musste er sich verpflichten. stets für den guten Zustand der Stadtmauern zu sorgen, die die Gebäude umschlossen. Außerdem mussten Seiteneingänge geschaffen werden, durch die der Bürgermeister und seine Abgeordneten Zutritt erhielten, um regelmäßig alle drei Jahre nach dem Zustand der Stadtmauer zu sehen.

Noch immer umgrenzt die Stadtmauer die Gärten des New College, und sie ist in einem tadellosen Zustand, dank der ständigen Bemühungen der Lehranstalt, das Verspechen, das William of Wykeham der City of Oxford einmal gab, einzuhalten.

Nach wie vor kommt der Lord Mayor mit einigen seiner Ratsherren und Ratsfrauen alle drei Jahr zum New College, um die Mauern zu inspizieren, in vollem Ornat natürlich, und sie betreten das College durch einen Nebeneingang in der New College Lane. Das war zuletzt im Jahr 2017 der Fall, das heißt also, dass es in diesem Jahr erneut zu einer Inspektion kommen wird. Bisher gab es keine Beanstandungen, doch nehmen die Herren und Damen der Stadt Oxford das Mauerwerk natürlich nur „in Augenschein“ und bringen keine technischen Messgeräte mit.

Hier sind Bilder vom letzten Inspektionsgang zu sehen.

Das imposante, alte New College.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Justin Hopper: The Old Weird Albion

Foto meines Exemplares.

Ich nehme heute noch einmal mein gestriges Blogthema auf: Beachy Head in East Sussex. Das Thema Selbstmord am Beachy Head zieht sich wie ein roter Faden durch Justin Hoppers Buch „The Old Weird Albion„, das 2017 im Londoner Verlag Penned in the Margins erschienen ist.
Justin Hopper ist US-Amerikaner, der mit seiner Familie in Suffolk lebt. In seinem Buch begibt er sich auf eine Reise durch die Grafschaften Hampshire und West- und East-Sussex. Die erste Frau von Justin Hoppers Großvater soll sich vor vielen Jahren die Klippen hinuntergestürzt haben; dem Autor gelingt es am Ende des Buches die Fakten zu verifizieren. Ja, sie ist gesprungen, hat den Sturz aber schwer verletzt überlebt.

„The Old Weird Albion“ ist ein „poetic essay interrogating the high, haunted landscape of the English South“. Auf seiner Reise begegnet Justin Hopper New Age Exzentrikern, Kornkreisarchitekten, Geister der Vergangenheit werden in dem Küstenort Peacehaven (East Sussex) wachgerufen, mit seinem kleinen Sohn besucht er die Hügelfigur The Long Man of Wilmington in East Sussex, und er stattet der prähistorischen Wallburg Chanctonbury Ring (West Sussex) einen Besuch ab.

Der Chanctonbury Ring scheint es dem Autor des Buches besonders angetan zu haben, denn basierend auf dem entsprechenden Kapitel seines Buches, hat Justin Hopper, gemeinsam mit Sharron Kraus, eine CD bzw. eine Vinyl-LP veröffentlicht mit dem Titel „Chanctonbury Rings„, worauf Folksongs und Sprechgesang zu hören sind. Als Beispiel sei hier der Titel „Slow Air“ genannt.

Mich hat diese etwas andere Art einer Wanderung durch Englands Süden sehr angesprochen. Sie fällt aus dem Rahmen der üblichen Reisebeschreibungen. Hier ist der Booktrailer.

Justin Hopper: The Old Weird Albion. Penned in the Margins 2017. 247 Seiten. ISBN 978-1-908058-37-9.

Die Roderick Avenue in Peacehaven, die der Autor entlang wandert.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

The Long Man of Wilmington in East Sussex.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Chanctonbury Ring in West Sussex.
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Noch einmal: Beachy Head (East Sussex), der Ort mit den meisten Selbstmorden in Großbritannien

Vor über sieben Jahren befasste ich mich in meinem Blog über die Steilküste von Beachy Head, westlich von Eastbourne in East Sussex. Sowohl vom Meer aus, als auch von den Klippen selbst, sieht Beachy Head grandios aus, leider ist dieser Ort aber auch ein sehr trauriger, denn nirgendwo in Großbritannien gibt es derart viele Selbstmorde wie hier. Menschen stürzen sich aus verzweifelten Lebenslagen, aus denen sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, 160 Meter die steilen Klippen hinunter.

In diesen letzten sieben Jahren ist es sogar noch schlimmer geworden. Die Klippen werden rund um die Uhr überwacht, und das Beachy Head Chaplaincy Team, Geistliche aus den umliegenden Kirchen, die hier Freiwilligenarbeit leisten, steht rund um die Uhr zur Verfügung. Zu Fuß und mit dem Auto werden an den Klippen Patrouillengänge und -fahrten vorgenommen, um Menschenleben zu retten. Durch Gespräche versucht man den verzweifelten Menschen zu helfen und ihnen klar zu machen, dass es bessere Auswege aus ihren Problemen gibt. Durchschnittlich viermal in 24 Stunden wird das Beachy Head Chaplaincy Team herbeigerufen, um zu intervenieren, bisher ca zehntausendmal. Hier ist ein Film über die Arbeit des Teams.

Die Fotografin Wendy Pye aus Brighton hat sich in ihren Arbeiten mit dem Beachy Head befasst und eindrucksvolle Fotos gemacht, zum Beispiel von sorgfältig gefalteten Kleidungsstücken direkt an den Klippen, hinterlassen von jemandem, der hinunter gesprungen ist. Immer mehr Kreuze werden hier oben aufgestellt, Blumen an die Zaunpfosten gebunden und Stofftiere am Klippenrand platziert. In ihrem Film „Six Feet From the Edge“ hat Wendy Pye eine Kamera aufgestellt und eine Zeit lang die Menschen gefilmt, die dicht am Abgrund vorbeigehen.

Zum Abschluss ein Film über eine junge Frau, die kurz davor war, sich am Beachy Head das Leben zu nehmen, von ihrem Bruder erzählt.

Published in: on 21. Mai 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Der englische Künstler Jamie McCartney aus Brighton und seine Genital Art

Früher lag Jamie McCartneys Studio in Ship Street Gardens, einer winzigen Gasse in dem englischen Badeort Brighton, nicht weit von der Strandpromenade entfernt. Jetzt hat der Künstler sein Studio Brighton Body Casting im Hove Enterprise Centre in der Basin Road North, und ich könnte mir denken, dass er gezielt Brighton als Wohn- und Arbeitsort aussuchte, denn diese Stadt gilt als eine der liberalsten und tolerantesten im ganzen Land. Ob andere Städte sich dabei wohl gefühlt hätten, Aktionen wie „Free the Nipple“ durchzuführen wie im letzten Jahr im Juli geschehen, bei der Jamie McCartney Hunderte Gipsabdrücke von weiblichen Brustwarzen als Kühlschrankmagneten verteilt hatte?

Jamie McCartney, geboren im Jahr 1975 mit künstlerischer Ausbildung in den USA, ist schon ein ungewöhnlicher und bemerkenswerter Mann, der sich nicht scheut, mit Tabus zu brechen. International bekannt wurde er durch seine Genital Art und speziell durch seine „Great Wall of Vagina„, das sind Abgüsse von 400 weiblichen Genitalien, die er im Laufe von fünf Jahren von Frauen im Alter von 18 bis 76 Jahren nahm. Auf zehn Paneelen mit jeweils 40 Gipsabdrücken hat Jamie McCartney sein Kunstwerk untergebracht, das die unterschiedlichen Formen der Vulva darstellen soll. Es wurde schon international auf mehreren Ausstellungen gezeigt und erzeugte verständlicherweise große Aufmerksamkeit.

Weitere Werke seiner Genital Art sind seine Penis Works, ein Gegenstück zu der Wall of Vagina, einmal 16 Penisse in erregtem Zustand („4×4„) und 15 Penisse im entspannten Zustand („15 Minutes„). „The Spice of Life“ schuf McCartney 2006 für die Ausstellung Amora London, und dieses Werk zeigt sowohl männliche als auch weibliche Genitalien und Brüste auf einem einzigen Tableau. „Old Glory“ schließlich zeigt die Flagge der USA, zusammengestellt aus 335 Abdrücken seines eigenen Peniskopfes.

Jamie McCartneys Schaffen umfasst darüber hinaus noch Skulpturen nackter weiblicher und männlicher Körper in Lebensgröße, Flaggen mehrerer Länder, die aus Scanografien von Frauen in roten, schwarzen und gelben BHs bestehen, und vielen anderen Dingen mehr.
In seinem Shop bietet der Künstler viele seiner Werke zum Kauf an. Wer möchte, kann auch Abgüsse seiner eigenen Körperteile im Studio Jamie McCartneys nehmen lassen und diese dann beispielsweise in Kristallglas oder Bronze anfertigen lassen.

In diesem Film ist der Meister bei der Arbeit zu sehen.

 

Published in: on 20. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die All Saints Church bei Wiston with Buncton in West Sussex

Man nehme die A283 (Storrington – Steyning) in West Sussex und biege an der Kreuzung Chanctonbury Ring Road/Water Lane in den Water Lane ein. Nach etwa 250 Metern steht an der rechten Seite ein kleines rotes Schild, das auf die All Saints Church aufmerksam macht, und ein Wegweiser zeigt auf einen winzigen Weg, der in einem Wäldchen zu verschwinden scheint, bald aber wieder ins Tageslicht kommt und den Blick freigibt auf eine kleine abgelegene Kirche, die besagte All Saints Church. Umstanden von einer Hecke am Rand eines Kornfeldes wartet das Kirchlein auf Menschen, die ihr einen Besuch abstatten; viele dürften es nicht sein, denn schnell fährt man an dem Schild am Water Lane vorbei.

Wann die Kirche erbaut worden ist, lässt sich nicht mehr einwandfrei feststellen, wahrscheinlich war das irgendwann einmal anfangs des 12. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurden einige Veränderungen an ihr vorgenommen, aber im Großen und Ganzen dürfte sie noch so aussehen wie einige Jahrhunderte vorher auch. Allzu viele Gläubige werden sich wohl nie hier eingefunden haben, denn die Gegend ist nicht sehr dicht besiedelt.

Ich finde diese einsam gelegenen kleinen Kirchen immer wieder faszinierend; meist, wie auch hier, stehen oder liegen Grabsteine auf dem Kirchhof herum mit total verwitterten Schriftzügen, und ich frage mich, wer diese Menschen einmal gewesen sein mögen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Vor 16 Jahren wurde der kleinen Kirche einmal Gewalt angetan, das heißt, es war eine der Figuren in der Kirche, die eines Nachts verunstaltet wurde. All Saints beherbergte eine der wenigen noch erhaltenen Sheela-na-Gig-Figuren, eine kleine Skulptur, die vermutlich schon beim Bau der Kirche an einer Wand angebracht worden war. Diese Sheelas sind weibliche Figuren, die ihre Genitalien auf provozierende Weise dem Kirchenbesucher entgegenstrecken. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was sie bezwecken sollten; möglicherweise waren sie Zeugnisse eines heidnischen Fruchtbarkeitskultes oder sie dienten dazu, den Tod und das Böse fernzuhalten. In einer Nacht im November des Jahres 2014 stieg jemand, mit Hammer und Meißel bewaffnet, in die Kirche ein und zerstörte die kleine Sheela. Gefasst wurde der Vandale leider nicht.

An jedem dritten Sonntag eines Monats findet in All Saints ein Gottesdienst statt, mit wie vielen Besuchern?

Hier ist ein sehr interessanter Film über die Kirche und hier ein Flug mit einer Drohne über All Saints.

Die Sheela-na-Gig bevor sie zerstört wurde.
Author: Doug Thompson, Steyning.
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Eine noch gut erhaltene Sheela in der Kirche St Mary and St David in Kilpeck (Herefordshire).
Author: Pryderie
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Published in: on 19. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Von Kirchen-, College- und anderen bemerkenswerten Katzen

Die Kirchenkatze von St Winifred’s in Branscombe (Devon).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch der Kirche von St Mary’s in Painswick in Gloucestershire, bei dem ich auch das kleine Grab von Tilly, der Kirchenkatze aufsuchte. Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich Katzen eine Kirche oder eine Kathedrale als ständiges Domizil auswählen, wo sie dann von der Gemeinde und den Kirchenbediensteten wohlgelitten sind. Ich berichtete bereits über Tom, der sich St Mary Redcliffe in Bristol ausgesucht hatte und über Tiddles, der Kirchenkatze von St Mary’s in Fairford in Gloucestershire.

St Edmundsbury, die Kathedrale von Bury St Edmunds, hatte gleich ein Katzenpärchen namens Daisy und Lazarus, das viel Platz zum Strolchen hatte, denn neben der Kathedrale liegen die Wiesen mit den Ruinen der ehemaligen Benediktinerabtei. Kim lebte in der Lichfield Cathedral in Staffordshire, Olsen und Hansen in der Chester Cathedral in Cheshire und Pushkin hieß die Katze, die sich St Peter and St Paul in Pickering in North Yorkshire ausgesucht hatte.

Richard Surman hat sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und die Bücher „Church Cats„, „Cathedral Cats“ und „Cloister Cats“ veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch das Buch „College Cats of Oxford & Cambridge„, denn nicht nur Kirchen, auch die alten Gebäude, in denen die Colleges der beiden Städte untergebracht sind, haben für Katzen eine gewisse Anziehungskraft. Das Hertford College in Oxford beherbergt zum Beispiel seit vielen Jahren Katzen, die alle den Namen Simpkin tragen, aber nicht voneinander abstammen. Seit Januar 2018 ist Simpkin Nummer 4, die gehegte und gepflegte Katze des Colleges, die keine schöne Kindheit hatte, aber nun einen idealen Platz gefunden hat und das Hertford College mäusefrei hält.

Caiaphas war die Katze im St John’s College in Cambridge, benannt nach dem Hohepriester im Johannes-Evangelium (= Gospel of John im Englischen).

Sir Winston Churchill war ein großer Katzenliebhaber, und so bewohnte stets eine Katze seinen Privatwohnsitz Chartwell in Kent. Als das Haus zum National Trust überging, bat Churchills Familie darum, dass in Chartwell immer eine Katze sein sollte, was der N.T. auch berücksichtigte. Jock Nummer 6 ist der aktuelle Mäusejäger auf dem Landsitz.

Auch über „Country House Cats“ hat Richard Surman ein Buch geschrieben. Er ist die Autorität in Sachen „Katzen in historischen Gebäuden“.

Tillys Grab in St Mary’s in Painswick (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Eine Tür der Kathedrale von Exeter, die extra einen eigenen Eingang für die Kirchenkatze hat.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

 

Allington Castle bei Maidstone in Kent – Drehort zahlreicher Filme

Dover Castle, Leeds Castle, Hever Castle, das sind alles touristische Hotspots in der Grafschaft Kent, die die meisten Englandreisenden schon einmal besucht haben. Kent ist das burgenreichste County im ganzen Land. Das Allington Castle hingegen kennen nur wenige, vor allem diejenigen, die schon einmal an einer Hochzeitsfeier hier teilgenommen haben, denn die Burg ist in Privatbesitz, nicht zu besichtigen und steht nur für Hochzeiten zur Verfügung; hier sind einige Bilder.

Doch Stop! Vielleicht haben einige die Burg doch schon einmal gesehen, aber ohne es zu wissen, denn Allington Castle ist sehr beliebt, um hier Filme zu drehen. Die Kulisse ist einfach perfekt, und die Location Scouts der Produktionsfirmen lieben die alte Burg. Ich habe einmal einige Filme zusammengestellt, die, zumindest zum Teil, hier vor den Toren der Stadt Maidstone am River Medway gedreht wurden.

Heinrich VIII. war im 16. Jahrhundert mehrfach auf der Burg zu Besuch und so passte es doch hervorragend, dass 1972 hier Teile des Spielfilms „Henry VIII and His Six Wives“ (dt. „Heinrich VIII. und seine sechs Frauen“) mit Keith Mitchell, Donald Pleasance und Charlotte Rampling in den Hauptrollen gedreht wurden.

In der selben Zeit spielt „The Twisted Tale of Bloody Mary„, ein Film, in dem Henrys Tochter Mary im Mittelpunkt steht, verkörpert von Miranda French, Jason Sharp spielt ihren Vater. Der Film kam 2008 in die Kinos.

1984 fanden im Allington Castle die Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „The Zany Adventures of Robin Hood“ (dt. „Die verrückten Abenteuer des Robin Hood“) statt mit George Segal als Robin Hood, Morgan Fairchild als Lady Marian und Roddy McDowall als Prince John.

Die TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ war in den 1960er Jahren in Deutschland sehr populär; sie hieß im Original „The Avengers„. John Steed (Patrick Mcnee) und Emma Peel (Diana Rigg) klärten auf unkonventionelle Weise Dutzende von Verbrechen auf, darunter auch eines in der Folge „Castle De’ath“ und dafür bot sich das Allington Castle an.

Die historische TV-Serie „Covington Cross“ aus dem Jahr 1992 spielt im 14. Jahrhundert. Die Intrigen des Sir Thomas Grey stehen im Mittelpunkt der 13 Episoden; Covington Cross heißt die Burg des Sir Thomas und das ist Allington Castle.

Die Burg diente auch als Schauplatz eines ziemlich albernen Musikvideos: „Lover Chanting“ von der (mir bisher unbekannten) schwedischen Formation Little Dragon.

 

Wer war eigentlich?…Sir Henry Tate (1819-1899), Gründer der Tate Gallery und eines Zuckerimperiums

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Der Name „Tate“ ist in der Kunstwelt mit der Tate Gallery verbunden, die aus vier Galerien in England besteht: Tate Britain (eröffnet 1897), Tate Liverpool (1988), Tate St Ives (1993) und Tate Modern (2000). Wer war nun dieser Tate?

Sir Henry Tate wurde 1819 in dem Dorf White Coppice bei Chorley in Lancashire als Pfarrerssohn geboren. In Liverpool absolvierte er eine Lehre im Lebensmittelhandel, eine gute Entscheidung, denn Henry hatte eine gute Hand als Händler, so dass er nach einiger Zeit mehrere Lebensmittelläden in Liverpool und Umgebung sein eigen nennen konnte. Doch damit gab er sich nicht zufrieden, denn 1859 verkaufte er seine Geschäfte und wechselte in die Branche der Zuckerherstellung. Zuerst ging er eine Partnerschaft mit einem anderen Unternehmer ein, dann übernahm er die Zuckerraffinerien gemeinsam mit zwei Söhnen ganz. Neben den Raffinerien in Liverpool baute Henry Tate auch in London eine solche Fabrik, am Ufer der Themse in Silvertown (London Borough of Newham), die noch heute in Betrieb ist. Lange nach seinem Tod, im Jahr 1921,  vereinigte sich die Firma Henry Tate & Sons mit der Firma Abram Lyle & Sons, die unter dem Namen Tate & Lyle zu einem der großen global agierenden Herstellern von Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wurde, mit einem Jahresumsatz von über £2,7 Milliarden.

Sir Henry Tate war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, er war auch ein Philanthrop, der viel Geld für kulturelle Zwecke spendete. So unterstützte er besonders gern die chronisch unterfinanzierten Bibliotheken, die das Geld sehr gut gebrauchen konnten. Seine umfangreiche Gemäldesammlung wurde in einem speziell dafür neu erbauten Haus am Ufer der Themse untergebracht und National Gallery of British Art genannt, später in Tate Gallery umbenannt und dann in Tate Britain. Abgetrennt wurde später der Bereich „zeitgenössische Kunst“, der in der Tate Gallery of Modern Art in der ehemaligen Bankside Power Station zu finden ist.

Sir Henry Tate starb am 5. Dezember 1899 im Londoner Stadtteil Streatham, wo er auf dem West Norwood Cemetery in einem Mausoleum beigesetzt wurde.

Der Londoner Autor Duncan Barrett hat gemeinsam mit Nuala Calvi ein Buch über die Arbeitszustände bei Tate&Lyle in Silvertown während der 1940er Jahre geschrieben, basierend auf Interviews mit Frauen, die damals dort gearbeitet haben: „The Sugar Girls: Tales of Hardship, Love and Happiness in Tate & Lyle’s East End(Harper 2012).

Sir Henrys Geburtsort White Coppice in Lancashire.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Die Fabrikgebäude von Tate&Lyle in Silvertown an der Themse.
Author: Kleon3
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In Chorley in Lancashire gibt es auch einen J.D. Wetherspoon-Pub, der nach Sir Henry Tate benannt worden ist.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Tate Britain in London.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Sir Henry Tates Mausoleum auf dem West Norwood Cemetery in Streatham.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Kate Fox: Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour

Foto meines Exemplares.

Ich habe in meinem Blog schon einige Male Bezug genommen auf Kate Fox‘ Buch „Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour„, das ich erstmals im Jahr 2004 gelesen habe. Zehn Jahre später erschien eine aktualisierte und erweiterte Auflage, die ich mir jetzt noch einmal vorgenommen und erneut mit großer Begeisterung studiert habe. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Buch, das das englische Wesen derart gut herausarbeitet, und das auch noch auf sehr humorvolle Weise.

Kate Fox ist Anthropologin, Tochter des Anthropologen Robin Fox, studierte in Cambridge und ist Ko-Direktorin des Social Issues Research Centres in Oxford. Nach der Lektüre des 583 Seiten starken Buches betrachtet man die Eigenarten und Verhaltensweisen der Engländer mit ganz anderen Augen. In einigen Dingen fühlte ich meine eigenen Erfahrungen bestätigt wie zum Beispiel das Verhalten der Engländer im Urlaub in anderen Ländern oder das Auftreten Jugendlicher am Freitag- und Samstagabend in den Städten.

Eine Eigenschaft, eine der wichtigsten des englischen Wesens überhaupt, ist „The English Sense of Humour„. Ohne Humor läuft in England gar nichts; Kate Fox spricht von „The Importance of Not Being Earnest„. Selbst in brenzligen Situationen verliert der Engländer seinen Sinn für Humor nicht, und das zeichnet ihn aus im Vergleich mit anderen Nationen.

Das Thema „Wetter“ ist ein ganz wichtiges, viele Gespräche beginnen damit und es kann eine Art „Eisbrecher“ sein, um mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Die englische Klassengesellschaft spielt in jedem Kapitel eine Rolle, egal ob es dabei um „dress codes“ geht, um Tischmanieren, um die Ausgestaltung von Hochzeitsfeiern, das geschulte Auge sieht sofort, ob jemand zur Arbeiterklasse, zur Oberklasse oder den drei Mittelklassen (lower middle, middle-middle, upper middle) gehört.

Kate Fox hat ihre Landsleute hautnah beobachtet, indem sie sich beispielsweise (was ihr sehr schwer gefallen ist) als queue-jumper betätigt hat, also die eiserne Regeln des Schlangestehens missachtet hat, indem sie sich vordrängelte und auf die Reaktionen achtete. Bei zahllosen Pubbesuchen lauschte sie auf die Gespräche der Männer am Tresen, sah wie wichtig die Regel des Rundenausgebens ist und dass einige Regeln im normalen Leben im Pub ausgesetzt werden.

Ich kann dieses wunderbare Buch jedem empfehlen, der genauer wissen möchte wie die Engländer wirklich „ticken“. Es lohnt sich und es ist auf keiner Seite langweilig!

Siehe zum Thema auch Ben Fogles Buch „English: A Story of Marmite, Queuing and Weather„.

Kate Fox: Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour. Hodder&Stoughton 2014. 583 Seiten. ISBN 978-1-44478520-3.

 

Published in: on 15. Mai 2020 at 02:00  Comments (3)  

The World Conker Championships – Die Weltmeisterschaften im „Kastanien-kaputt-schmeißen“ in Southwick (Northamptonshire)

The Shuckburgh Arms in Southwick.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr am zweiten Sonntag des Monats Oktober ist Southwick in Northamptonshire der Austragungsort einer kuriosen „Sportart“; hier finden die World Conker Championships statt. Conkers sind Kastanien, und das Ziel des Wettkampfes ist, die Kastanie des Gegners zu zerstören. Jeweils zwei Teilnehmer stehen sich gegenüber, jeder verfügt über eine an einer Schnur aufgehängten Kastanie. Der „striker“ versucht nun die Kastanie des „receivers“ zu knacken, wobei die Rollen innerhalb eines Matches wechseln. Wer es schafft, die gegnerische Kastanie zu zerstören, ist eine Runde weiter und trifft auf den nächsten Gegner… bis schließlich der nächste Weltmeister bzw. Weltmeisterin ermittelt wird. Es gibt auch Teams, die gegeneinander antreten, die sich witzige Namen gegeben haben wie die Peterborough Nutters, die Celtic Conkerors, No Strings Attached oder Royal Oak Resistance.

Die Teilnehmer kommen tatsächlich aus der ganzen Welt nach Southwick angereist, um hier im ländlichen Northamptonshire Kastanien „kaputtzuschmeißen“. In den meisten Fällen stellen die Briten die Weltmeister, aber es gab auch schon Jahre, in denen Ausländer gewonnen haben, so 1998, als ein Deutscher und ein deutsches Team auf dem Siegertreppchen standen. Am besten man sieht sich die World Conker Championships einmal im Film an, hier sind Szenen aus dem vorigen Jahr.

1965 wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen, damals noch auf dem Dorfanger von Ashton in Northamptonshire, der praktischerweise von Kastanienbäumen umstanden war. Jetzt ist der Pub The Shuckburgh Arms in Southwick der Austragungsort (nicht zu verwechseln mit dem Southwick in West Sussex, über das ich in meinem Blog einmal schrieb).

Die nächsten Weltmeisterschaften sind für den 11. Oktober geplant. Hoffen wir, dass sie stattfinden können!

Wo alles begann: Der Dorfanger von Ashton in Northamptonshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Mein DVD-Tipp – Grantchester Staffel 3 und Staffel 4

Im Februar diesen Jahres wurde in Deutschland von EDEL Motions die Staffel 3 der englischen TV-Serie „Grantchester“ veröffentlicht und jetzt im Mai die Staffel 4. Beide DVDs enthalten Bonusmaterial in Form von Hintergrundberichten und Interviews. Die Geschichten rund um den Dorfpfarrer von Grantchester in Cambridgeshire Sidney Chambers und seinem Freund, dem Detective Inspector Geordie Keating, werden in den beiden Staffeln weitergeführt, die auf den Büchern von James Runcie basieren (siehe hierzu meinen Blogeintrag über meinen Besuch in Grantchester). Je mehr Episoden man sich ansieht, umso mehr wachsen einem die Figuren der ITV-Serie ans Herz: Neben den beiden bereits genannten Hauptdarstellern sind das noch der schwule Hilfspfarrer Leonard Finch und die schrullige Haushälterin Mrs. Sylvia Maguire/Chapman. In den beiden Staffeln passiert so einiges: Der Pfarrer Sidney Chambers verliebt sich erst in die hübsche Amanda (gespielt von Morven Christie, die wir aus „The Bay“ kennen), dann in die farbige Amerikanerin Violet Todd, mit der er schließlich in die USA geht.
In Staffel 4 erfolgt also ein Wechsel an der Stelle des Pfarrers von Grantchester, nicht Leonard Finch wird der Nachfolger von Sidney Chambers, sondern der junge Will Davenport. Der hat es nicht leicht, sich in den Pfarrhaushalt einzufügen, wird doch sein Vorgänger von allen sehr vermisst. Auch DI Geordie Keating muss sich erst an das neue Gesicht in Grantchester gewöhnen, doch nach und nach nimmt auch Will Davenport die Stelle an der Seite des Kriminalisten ein. Es ist sicher etwas ungewöhnlich (und unrealistisch), dass ein Dorfpfarrer derart eng in die Polizeiarbeit einbezogen wird, an Verhören teilnimmt und dem DI kaum von der Seite weicht, aber vielleicht war das in den 1950er Jahren anders.

James Norton, der den Sidney Chambers spielte, hat sich zwei anderen TV-Serien zugewandt. In „The Trial of Christine Keeler“ spielt er den Stephen Ward und in der Science Fiction-Serie „The Nevers„, die im Jahr 2021 gesendet werden soll, den Hugo Swann.

Tom Brittney spielt Dorfpfarrer Nummer 2 Will Davenport. Er war vorher zum Beispiel in mehreren Episoden der Mystery-Serie „The Five“ als D.C. Ken Howells zu sehen.

Die 5. Staffel von „Grantchester“ wurde von ITV im Januar und Februar gesendet und wird sicher in absehbarer Zeit auch in Deutschland auf DVD veröffentlicht.

Gedreht wird Die TV-Serie in den Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire) und direkt vor Ort in dem hübschen Dorf Grantchester vor den Toren von Cambridge. Ab 2021 bietet die Firma Britmovie Tours auch eine „Grantchester Tour of Locations“ an.

Ich kann die Serie sehr empfehlen; sie lebt vor allem durch ihre überzeugenden Darsteller!

St Andrew and St Mary, die Dorfkirche von Grantchester in Cambridgeshire, in der viele Szenen gedreht wurden.
Eigenes Foto.

Published in: on 13. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ringing the bull – Ein altes Pubspiel, das man noch heute hier und da findet

Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham.
Photo © Roy Hughes (cc-by-sa/2.0)

Die Kreuzritter sollen die Anregung zu dem Spiel „Ringing the bull“ aus Jerusalem mit zurück nach England gebracht haben, und so verwundert es nicht, dass es in einem der ältesten Pubs Englands, dem Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham, noch heute gern gespielt wird (wie man hier sehen kann). Man braucht dazu lediglich einen Strick, der an der Decke eines Raumes befestigt ist, mit einem Ring am Ende und an der Wand einen Haken, der häufig an einem ausgestopften Tierkopf angebracht war, vorzugsweise einem Kopf eines Bullen oder eines Hirschen. Jetzt müssen die Teilnehmer des Spiels nur noch den Ring über den Haken befördern. Klingt simpel, ist es aber nicht. In der TV-Show „Schlag den Raab“ im Jahr 2014 versuchte sich Stefan Raab und sein damaliger Herausforderer an dem Spiel, und beide schafften es nach einer Stunde nicht, den Ring über den Haken zu bekommen (wer die Geduld dazu aufbringt, kann sich hier das quälende Duell in voller Länge ansehen).

In welchen Pubs kann man Ringing the bull heute noch spielen? Neben dem oben erwähnten gibt es noch einige Pubs in England, wo das möglich ist. Drei Beispiele: Im Pilot Inn in Dungeness (Kent), im Murrell Arms in Barnham (West Sussex) und The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).

The Pilot Inn in Dungeness (Kent).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Murrell Arms in Barnham (West Sussex).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

The Blue Ball Inn in Grantchester (Cambridgeshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Cursed Head im Warrington Museum in Cheshire

Das Warrington Museum.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

Schon seit 1857 steht in der Bold Street in Warrington (Cheshire) das Museum der Stadt, das zu den ältesten des ganzen Landes zählt. Knapp 200 000 Ausstellungsstücke sind hier zusammengetragen worden, aus den Bereichen Archäologie, Kunst, Natur- und Sozialgeschichte, Fotografie usw. In den Glaskästen sind beispielsweise Schrumpfköpfe ausgestellt, Artefakte von den Südseeinseln, Kunstgegenstände aus Rhinozeroshörnern usw. usw.

Und dann gibt es hier noch den Cursed Head, einen unheimlich aussehenden, grinsenden Kopf, der einen Fluch in sich bergen soll, der in einer unbekannten Sprache auf ihm eingeritzt ist. Ein Schiffskapitän hatte den Kopf von einer seiner Reisen über die Weltmeere mitgebracht und dem Museum geschenkt, weil er ihm Unglück gebracht haben soll. Als der Kapitän mit dem Kopf auf dem Weg ins Museum war, stürzte er und brach sich beide Beine. Die Person, die den Kopf daraufhin ins Museum bringen sollte, erlitt das gleiche Schicksal. Kurz nachdem der Cursed Head seine neue Bleibe gefunden hatte, erlitt der Direktor des Museums einen schweren Unfall. Zwei Museumsangestellte brachten den Kopf in einen anderen Raum…und wurden beide bei einem Verkehrsunfall verletzt. Ein Museumsmitarbeiter, der nicht an den angeblichen Fluch glaubte, verbrachte den Kopf an eine andere Stelle…und hatte kurz darauf ebenfalls einen Autounfall.

Als im Jahre 2010 Umbauarbeiten im Warrington Museum stattfanden, musste auch der Kopf eine Zeit lang woanders untergebracht werden, aber niemand vom Personal traute sich an diese Aufgabe heran. Man zog einen buddhistischen Geistlichen hinzu, der einige Gebete aufsagte und den Kopf in den neuen Raum brachte. Seitdem hat sich kein Unglück mehr ereignet…aber wird das auch so bleiben?

Published in: on 11. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The British Social Attitudes Survey – Wie verändert sich das Verhalten der Briten im Laufe der Jahre?

Traurig: Eine Kirche, die nicht mehr benötigt wird: St Peter’s in Asterby (Lincolnshire).
Photo © Brian Westlake (cc-by-sa/2.0)

Das in London ansässige National Centre for Social Research ist Großbritanniens größtes Sozialforschungsinstitut, das seit 1983 regelmäßig die British Social Attitudes Survey (BSA) veröffentlicht. Dieser sehr interessante Bericht fokussiert sich auf das Verhalten der Bevölkerung hinsichtlich unterschiedlicher Themen wie Religion, Sexualität, Arbeitswelt, politische Einstellung usw.

Im Mittelpunkt des 35. Berichts stand das Thema Brexit im Vordergrund. „The country seems divided in new ways and ill at ease with itself“ heißt es da, was sicher nicht überrascht; im aktuellen, dem 36. Report, steht das Thema „Wie halten es die Briten mit der Religion?“ im Fokus, und da setzt sich ein Trend fort, der schon vor vielen Jahren begonnen hat: Immer weniger Menschen interessieren sich für Religion und die Church of England. Als die erste Survey 1983 erschien, bezeichneten sich zwei Drittel aller Briten als Christen, heute sind es nur noch ein Drittel. Heute glauben 25% der Bevölkerung nicht mehr an Gott, gegenüber 10% noch im Jahr 1998. Für die allermeisten gilt, dass sie nur noch bei Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen Berührungspunkte zur Kirche haben, aber auch diese finden immer mehr außerhalb der Church of England statt.
In dem Maße wie das Vertrauen in die Institution Kirche sinkt, steigt das Vertrauen in die Wissenschaften. So glauben drei Viertel der Bevölkerung, dass Wissenschaft und Technologie das Leben lebenswerter macht.

Eine weitere Veränderung im Verhalten der britischen Bevölkerung ist ihre Einstellung zu moralischen, speziell sexuellen Themen, was sicher Hand in Hand mit der Abwendung von der Kirche geht. Zwei Drittel haben heute keine Probleme mehr mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen; das sah Mitte der 1980er Jahre ganz anders aus, da sprachen sich zeitweise nur 10% dafür aus.
Auch die Geschlechterrollen haben sich stark verändert: Waren in den 1980er Jahren fast 50% der Meinung, Frauen gehören an den Herd, Männer verdienen das Geld, so sind es heute nur noch unter 10%.

Zusammengefasst stellt die Studie fest: „Today we may be a more secular, liberal and scientifically-minded society than we were in 1983 when BSA began, but this is by no stretch of the imagination all that we are„.

Es dürfte sehr interessant sein, was die Studie für das Jahr 2020 ergeben wird. Inwieweit wird die Corona-Epidemie das Verhalten der britischen Bevölkerung beeinflussen?

Published in: on 10. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Sir John Tavener (1944-2013) und sein Monumentalwerk „The Veil of the Temple“

Die Londoner Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Es war an einem Juniabend im Jahr 2003 als einige Hundert Menschen zu einer ungewohnten Zeit die Temple Church in der Londoner City aufsuchten. Die alte Kirche überstand den Großen Brand von London im Jahr 1666 nahezu unversehrt, wurde dafür aber im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark zerstört. Die sowohl von außen als auch von innen eindrucksvolle Kirche diente in jener Nacht als Ort der Uraufführung eines wahrhaft monumentalen Musikwerkes, das von Sir John Tavener (1944-2013) komponiert worden war und den Titel „The Veil of the Temple“ trug. Die Zuhörer, die für die Eintrittskarten  £125 bezahlen mussten, hatten sich auf eine lange Nacht eingerichtet; die Aufführung begann um 22 Uhr und endete um 5 Uhr morgens.

„The Veil of the Temple“ war ein Auftragswerk, das Tavener für Stephen Layton komponiert hatte, dem Organisten und Musikdirektor der Temple Church. Tavener, der erstmals 1968 durch sein Werk „The Whale“ für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, entschied sich „The Veil“ als „Nachtstück“ zu schreiben, während dessen die Menschen zusammen kommen sollten, um gemeinsam Gott zu huldigen. Beteiligt an der Uraufführung waren die Holst Singers, das English Chamber Orchestra und der Knabenchor der Temple Church.

Jedermann konnte während der sieben Stunden kommen und gehen wie er wollte, vor der Kirche stand ein Imbisswagen, an dem sich die nächtliche Gemeinde eine Erfrischung holen konnte.

Der Komponist war während der gesamten Aufführung anwesend. Es muss für die Ausführenden ein harter Job gewesen sein, sieben Stunden lang wach und konzentriert zu bleiben (was sicher auch für die Zuhörer gegolten hat).

Wer sich für die Hintergründe des Werkes interessiert, kann dies hier nachlesen und hier ist ein kleiner Ausschnitt aus „The Veil of the Temple“ zu hören, „Mother of God, here I stand„.

Das Innere der Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)