Weihnachtsmärkte in England

Leeds Christmas market.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Auch in England erfreuen sich Weihnachtsmärkte großer Beliebtheit, besonders wenn auf ihnen Stände mit deutschen oder österreichischen Spezialitäten zu finden sind wie Glühwein, Bratwurst oder Lebkuchen. Da gibt es zum Beispiel den Christkindelmarkt in Leeds (West Yorkshire), „A little piece of Germany in the heart of Leeds City Centre“, auf dem deutsche Händler ihre Waren anbieten. Ähnliches bietet der  Frankfurt Christmas Market in Birmingham, der größte Weihnachtsmarkt in England (Frankfurt am Main ist die Partnerstadt von Birmingham).

In Manchester finden sich gleich zehn Weihnachtsmärkte, zu denen Besucher aus dem ganzen Land pilgern, um hier „mulled wine“ (Glühwein) zu trinken, eine Bratwurst zu essen und vielleicht holzgeschnitzte Figuren aus dem Erzgebirge zu kaufen.

Der Lincoln Christmas Market startete bereits 1982 und war der erste seiner Art in Großbritannien. In diesem Jahr öffnete er im Schatten der Kathedrale vom 7. Dezember bis zum 10. Dezember seine Pforten, d.h. der letzte Tag, der Sonntag, musste gestrichen werden wegen „severe weather conditions“, sehr zum Ärger der Standbetreiber und der Besucher. Schneefälle, die in Deutschland und Österreich auf den Weihnachtsmärkten mit Freude aufgenommen werden, weil sie dem Ganzen eine besondere Atmosphäre verleihen, führen in England gleich zum Abbruch der Festivitäten.

Und natürlich hat die Hauptstadt auch ihre Weihnachtsmärkte, zum Beispiel den Hyde Park Winter Wonderland Christmas Market, auf dem über 200 Holzbuden im bayerischen Stil ihre Attraktionen anbieten. Neu sind in diesem Jahr die Bar Hütten, die man mieten und dort Karaoke-Weihnachtslieder singen kann.

Das ist nur eine winzige Auswahl an englischen Weihnachtsmärkten. Hier folgen einige Bilder zur Illustration.

Der Weihnachtsmarkt von Birmingham.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Manchester Christmas Market.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Weihnachtsmarkt vor der Kathedrale von Lincoln.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Hyde Park Winter Wonderland.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

…und der unvermeidliche Bratwurststand, hier auf dem Lincoln Christmas Market.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 15. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ken Hawley, Simon Barley und das Museum für Handsägen in Sheffield (South Yorkshire)

Meiner Sammlung kurioser Museen möchte ich heute ein neues hinzufügen, dessen Inhalt vielleicht nicht auf allzu großes Interesse stoßen wird. Es handelt sich um die weltweit größte Sammlung von Handsägen, die in das Museum of Kelham Island in Sheffield (South Yorkshire) integriert ist. Verantwortlich für diese außergewöhnliche Sammlung sind zwei Männer: Simon Barley und Ken Hawley (1927-2014). Letzerer interessierte sich sehr für Werkzeuge, die er in der Hawley Tool Collection zusammengetragen hatte. Barley, ein Arzt im Ruhestand, war fasziniert von Handsägen, die er sammelte und die schließlich alle in Hawleys Tool Collection landeten. Rund 2000 „handsaws“ kann der interessierte Heimwerker bzw. Besucher im Saw Shop betrachten, in dem die Werkzeuge untergebracht sind.

In seiner Dissertation beschäftigte sich Simon Barley mit dem Thema „Hand Tool Manufacture in the Industrial Revolution„. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten für Handsägen und hat das Standardwerk geschrieben „British Saws and Sawmakers from 1660„, das 2014 in der Choir Press erschien; ein Mammutwerk von 748 Seiten, an dem Barley sechs Jahre arbeitete. Wer es nicht ganz so ausführlich mag, kann auch auf sein nur 96 Seiten umfassendes Buch „British Saws: A History and Collector’s Guide“ (Amberley Publishing) zurückgreifen, das er 2016 veröffentlichte.

Die Handsägensammlung im Museum umfasst sowohl Werkzeuge aus dem 18. Jahrhundert als auch nagelneue Fabrikate. Sheffield war das britische Zentrum für die Herstellung von Werkzeugen, und das 1982 ins Leben gerufene Industriemuseum Kelham Island im Zentrum der Stadt, an der Alma Street gelegen, zeigt die industrielle Geschichte Sheffields. Das Museum liegt auf der künstlich angelegten Insel Kelham Island im River Don.

Hier ist eine Führung von Ken Hawley durch seine Tool Collection im Film zu sehen.

Published in: on 14. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubs im Schnee

The Ferry Tavern in Penketh bei Warrington (Cheshire).
Photo © Tony Beattie (cc-by-sa/2.0)

In einem früheren Blogartikel schrieb ich über meine Vorliebe, im Winter nach England zu reisen. Wenn es dann auch noch schneit, was im Süden des Landes nicht selbstverständlich ist, fühle ich mich hier wohl. Was gibt es Schöneres, als aus dem Zimmer eines romantischen Burg- oder Schlosshotels auf die verschneite Landschaft zu blicken? Auch die Pubs legen sich eine Schneemütze auf ihren Dächern zu und wenn es dunkel wird, lädt die warme Beleuchtung im Inneren der Gasthöfe zu einem Besuch ein.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich statt vieler Worte lieber die Bilder sprechen lassen. Hier ist eine kleine Zusammenstellung von Pubs im Schnee.

 

The Blue Bell in Glinton, nördlich von Peterborough (Cambridgeshire).
Photo © Paul Bryan (cc-by-sa/2.0)

The Crown in Badshot Lea bei Farnham (Surrey).
Photo © Tim Wilcock (cc-by-sa/2.0)

The William Bray in Shere  zwischen Dorking und Guildford (Surrey).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Black Lion in Hartley (Kent). Seit kurzem kein Pub mehr, sondern Tea Room.
Photo © Martin Bridge (cc-by-sa/2.0)

The Merry Harriers in Hambledon bei Godalming (Surrey).
Photo © colin beasley (cc-by-sa/2.0)

The Ypres Castle in Rye (East Sussex).
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 13. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Country House Hotels und zwei wesentliche Störfaktoren für Individualreisende

St Michael’s Manor bei St Albans in Hertfordshire.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Für viele Country House Hotels gibt es zwei wesentliche Standbeine, die für Umsatz sorgen, gerade auch in Zeiten, zu denen wenig Reisende unterwegs sind: Hochzeitsfeiern und Konferenzen. Da kommen schnell schon einmal fünfstellige Summen zusammen. Leider haben Individualreisende damit ihre Probleme, und ich möchte aus eigenem Erleben einige Beispiele anführen.

Eine gute Idee ist es, bei der telefonischen Buchung im Hotel vorher zu fragen, ob zur Zeit des geplanten Aufenthaltes Hochzeiten oder Konferenzen geplant sind. Bucht man über booking.com, hrs.de oder ein anderes Portal sollte man einen Anruf im Hotel vorab auch in Erwägung ziehen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

Kommt man mitten in eine Hochzeitsgesellschaft hinein, gibt es meist Parkplatzprobleme, das Personal im Hotel ist gestresst, es geht laut zu und die Atmosphäre in dem historischen Gebäude ist im Eimer. So geschehen bei einem Besuch des St Michael’s Manor am Rand von St Albans in Hertfordshire. Ich konnte mein Auto nirgends abstellen, beim Essen wurden die nicht zur Gesellschaft gehörenden Hotelgäste in ein Nebengemach verfrachtet, der Park war voll mit lärmenden Hochzeitsgästen; erst am Abend, nachdem das Brautpaar unter viel Getöse abgefahren war, legte sich langsam Ruhe über die Anlage, und ich hatte den Eindruck, dass auch die Enten im Teich tief aufatmeten und wieder ungestört ihre Kreise zogen.
Ähnlich erging es mir im Pendley Manor Hotel bei Tring in Hertfordshire. Das gleiche Spiel: Kein Parkplatz, das Hauptrestaurant war für die Nicht-Hochzeitsgäste gesperrt, es war laut und die Pfauen hatten sich alle in das Geäst der Bäume vor dem Hotel zurückgezogen.

Das gleiche widerfuhr mir im Lygon Arms Hotel in Broadway in den Cotswolds. Ich hatte mich schon auf ein schönes Abendessen in dem sehr stimmungsvollen Restaurant gefreut, das mir bei meinem letzten Besuch dort sehr gefallen hatte, aber das war gesperrt, weil die Firma Sony ein gr0ßes Meeting im Hotel durchführte und das gesamte Restaurant gebucht hatte. Also musste man sein Dinner in einem Nebengemach zu sich nehmen.

Das Oakley Court Hotel in Water Oakley bei Windsor in Berkshire hat das Thema Hochzeitsfeiern besser im Griff. Zwar spielt sich da viel auf den Wiesen zwischen Hotel und Themse ab (Getränkestände sind im Sommer für die Hochzeitsgäste aufgebaut, Kinder toben durch die Anlage), aber wenigstens gibt es separate Räumlichkeiten für Feiern dieser Art und die „Normalgäste“ können das Hauptrestaurant benutzen.

Wenn im Hotel eine Konferenz oder ein Meeting stattfindet, kann es zu ähnlichen Störungen kommen. Die Businessmen in ihren schwarzen Anzügen prägen die Atmosphäre, sind oft recht laut und interessieren sich in der Regel nicht für das schöne Hotelgebäude und seine Geschichte. Bei meinem Aufenthalt in dem wunderschönen Amberley Castle Hotel (West Sussex) hielt dort gerade irgendeine Firma ein Meeting ab und nach Feierabend traf man sich in der Bar. Das heißt, ein Nightcap kam für mich leider nicht in Frage, weil es inder Bar viel zu laut und ungemütlich war. Es wurde bis in den frühen Morgen getrunken und gejohlt. Der Burggeist fühlte sich wohl auch gestört, denn er ließ sich in unserem stimmungsvollen Himmelbettzimmer nicht blicken.

Bei meinen vielen Aufenthalten in meinem Lieblingshotel, dem Thornbury Castle in South Gloucestershire, hatte ich leider zweimal den Störfaktor „Businessmen“. Nachdem wir es einmal erlebten und genossen, wenige Tage nach 9/11 im Jahr 2001, die einzigen Gäste im Hotel zu sein, da alle US-Amerikaner ihre Buchungen storniert hatten, wurden wir bei einem anderen Mal vom Pech verfolgt und trafen auf besonders lautstarke Texaner, die ganz offensichtlich die einzigartige Atmosphäre der Hotellounge überhaupt nicht zu schätzen wussten, sondern sich lieber über Geschäftsangelegenheiten ihres Heimatstaates unterhielten. Wieder ein anderes Mal waren wir beim Frühstück im Restaurant mit einer Gruppe russischer Geschäftsleute konfrontiert, von denen einige im Trainingsanzug erschienen.

Wenn man schon viel Geld für Übernachtungen in Country House Hotels ausgibt, möchte man diese Häuser auch genießen; daher ist es besser, sich vorher zu vergewissern, dass mit den genannten Störfaktoren nicht zu rechnen ist.

Pendley Manor Hotel bei Tring (Hertfordshire).
Eigenes Foto.

The Lygon Arms in Broadway (Worcestershire).
Eigenes Foto.

Oakley Court Hotel bei Windsor (Berkshire).
Eigenes Foto.

Amberley Castle Hotel bei Arundel in West Sussex.
Eigenes Foto.

Thornbury Castle in South Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Published in: on 12. Dezember 2017 at 02:00  Comments (4)  

Wer war eigentlich … Celia Sheen, die die Titelmelodie zu „Inspector Barnaby“ schrieb?

Die „Midsomer Murders„- bzw. „Inspector Barnaby„-Titelmelodie gehört für mich zu den Musikstücken, die man so leicht nicht aus den Gehörgängen bekommt. Verantwortlich dafür ist auch der Einsatz des eher selten zu hörenden Musikinstruments ThereminCelia Sheen hat sich auf dieses Instrument spezialisiert, und ich schrieb in einem früheren Blogeintrag schon einmal darüber. Nicht nur in der Titelmelodie von „Midsomer Murders“ ist die Theremin zu hören, sondern auch in vielen Episoden, besonders dann, wenn die Handlung etwas unheimlich wird.

Celia Sheen wurde 1940 in Heanor in Derbyshire geboren (dort, wo das einzige Staubsaugermuseum Großbritanniens seinen Sitz hat. Ich berichtete in meinem Blog darüber; das aber nur am Rande) und sie starb am 18. Oktober 2011 in Leatherhead in Surrey. Celia Sheens Hauptinstrument war die Geige, bevor sie sich die Kunst des Thereminspielens aneignete. Sie spielte mit zahllosen Größen der Unterhaltungsmusik zusammen, zu denen u.a. auch Frank Sinatra und Cliff Richard gehörten.

Im Jahr 2002 nahm Celia Sheen Bernard Herrmanns Filmmusik zu „The Day the Earth Stood Still“ (dt. „Der Tag an dem die Erde stillstand“) auf, der damals (1951) schon die Theremin einsetzte wie dieser Original-Soundtrack zeigt. Zusammen mit dem Slovak Symphony Orchestra spielte sie 2007 die Theremin in Miklos Roszas Filmmusik zu Alfred Hitchcocks „Spellbound“ (dt. „Ich kämpfe um dich“) aus dem Jahr 1945 (hier ist ein Beispiel zu hören).

Diese Diskographie zeigt, auf welchen Aufnahmen Celia Sheen zu hören ist.

Kehren wir zum Schluss noch einmal zu „Midsomer Murders“ zurück. Dieser Film informiert über die Titelmelodie und zeigt auch Celia Sheen selbst und hier ist das „Midsomer Murders Main Theme“ in voller Länge zu hören.

 

 

 

De Vere Selsdon Estate – Ein Hotel der Principal Hotel Group bei Croydon in Surrey

Vor einiger Zeit stellte ich in meinem Blog das De Vere Tortworth Court Hotel in South Gloucestershire vor, das zu der Principal Hotel Group gehört. Zu der gleichen Hotelgruppe gehört auch das De Vere Selsdon Estate bei Croydon in der Grafschaft Surrey, ein sehr großes Hotel mit 200 Zimmern. Mitte der 1920er Jahre wurde das Haus von  Allan Doble Sanderson gekauft, der es in ein Hotel umwandelte, zunächst mit nur 24 Zimmern. Einige Jahre später erfolgten Anbauten, erst der East Wing und dann der West Wing. In den 1960er Jahren übernahm Basil Sanderson die Leitung des Hotels von seinen Eltern und auch er nahm Erweiterungen vor. Durch den Bau des Cambridge Wing kamen noch einmal 25 Zimmer dazu, so dass man heute vor einem sehr imposanten Bau steht. Als die Principal Hotel Group das Selsdon Estate 1997 übernahm, wurden weitere Einrichtungen hinzugefügt, die das Haus auch für Konferenzen und Geschäftstreffen interessant machen sollte.

Die Preise für die Zimmer sind im Vergleich mit vielen anderen Country House Hotel recht niedrig; die beginnen schon bei rund 70 Euro für ein Standardzimmer ohne Frühstück. Auch im Restaurant („Contemporary dining with a traditional British twist“) halten sich die Preise im Rahmen; die Hauptgänge liegen zwischen £14 und £16. Hier hat man wohl in erster Linie Geschäftsleute und Tagungsteilnehmer im Visier, die an „Fine Dining“ nicht so interessiert sind.
Direkt vor dem Hotel liegt ein 18-Loch-Golfplatz, der 1929 von dem englischen Profigolfer John Henry Taylor angelegt wurde.

Dieser Film zeigt das Hotel ausführlich von innen und von außen.

De Vere Selsdon Estate Hotel
126 Addington Road
South Croydon CR2 8YA

 

 

Published in: on 10. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Follies – Der Charborough Tower bei Morden (Dorset)

Nördlich von Wareham in Dorset, bei dem Dörfchen Morden, liegt ein Folly, das das Countryfile Magazine unter die Top 10 Großbritanniens gewählt hat: Der Charborough Tower, ein 1790 von der Drax-Familie, die hier auch heute noch im Charborough House wohnt, erbauter Turm im gotischen Stil auf dem Gelände des Charborough Park Estates.

Eine Plakette am Turm informiert über die Baugeschichte:

„This tower was built by Edward Drax, Esquire, in the year 1790, during the short time he was the possessor of Charborough. It was struck by lightning on the 29th November 1838, which so damaged it that it became necessary to take down the greater part. It was rebuilt in 1839 by John Samuel Wanley Sawbridge Erle Drax Esquire who carried it forty feet higher than it was originally built, making the present height upward of one hundred feet.“

Der 30m hohe Turm ist achteckig und scheint fünf Stockwerke zu haben. Vom Charborough House führt ein großartiger Zugang zum Turm; über einen von einer steinernen Balustrade gesäumten, breiten, grasbewachsenen Weg gelangt man zu diesem Dorsetschen Folly, das leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Nur an einigen Tagen im Jahr besteht die Möglickeit, sich das Anwesen und den Turm anzusehen, meist in Zusammenhang mit einer Veranstaltung für wohltätige Zwecke.

Im Turm führt eine steinerne Wendeltreppe bis zur Aussichtsplattform, von der aus man seinen Blick über vier Grafschaften schweifen lassen kann. Verziert ist der Charborough Tower mit steinernen Fratzen und Wasserspeiern.

Thomas Hardys Roman „Two on a tower“ aus dem Jahr 1882 ist hier angesiedelt. So weit ich ermitteln konnte, ist dieses Buch nie in die deutsche Sprache übersetzt worden.

Charborough Park
Wareham
Dorset
BH20 7EN

Gargoyles am Turm.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Charborough House
Photo © John Lamper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 9. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Dreadnought Hoax oder Wie sich eine Schiffsbesatzung einmal aufs Eis führen ließ

HMS Dreadnought.
This image is in the public domain.

Ein Prankster ist jemand, der es liebt anderen Leuten Streiche zu spielen und sich dabei köstlich zu amüsieren. Einer, der sein Handwerk darauf verstand, war der irische Dichter Horace de Vere Cole (1881-1936). Vor ihm war niemand sicher  und seine bevorzugten Opfer waren Politiker, Geschäftsleute und hohe Militärs. Schon während seiner Studentenzeit in Cambridge machte er durch seinen Sultan of Zanzibar-Streich von sich reden, als er sich für diesen ausgab. Sein berühmtester „prank“ aber war der Dreadnought Hoax, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist, auch weil daran eine 28jährige Dame teilnahm, die später als Virginia Woolf weltweit bekannt wurde (damals hieß sie noch Virginia Stephen). Auch Virginias jüngerer Bruder Adrian, der den Streich mit Horace ausheckte, hatte viel Spaß daran.

Die HMS Dreadnought war ein Kriegsschiff der königlichen Marine, deren Besatzung in freundschaftlicher Konkurrenz mit den Seeleuten der HMS Hawke lag und von letzteren kam dann auch der Anstoß dazu, den Dreadnought-Leuten einen Streich zu spielen. Am 7. Februar  1910 begann alles damit, dass der Kapitän der HMS Dreadnought, die gerade im Hafen von Portland in Dorset lag, ein Telegramm (angeblich vom Außenministerium abgeschickt) erhielt, das den kurzfristigen Besuch einer Delegation von hochrangigen Prinzen aus Abessinien ankündigte (die aus Cole, Stephen & Co. bestand). Schnell kam dann auch die in Landeskleidung gehüllte und gut geschminkte Besuchergruppe an Bord des Kriegsschiffs, wo sie mit der Nationalhymne von Sansibar begrüßt wurde, denn die abessinische Hymne kannte niemand und die Delegation nahm daran auch keinen Anstoß. Die Prinzen besichtigten das Schiff und brachen immer wieder in Rufe der Begeisterung aus („Bunga, Bunga“). Sie waren derart gut verkleidet, dass der Schiffskommandant seinen Cousin Adrian und seine Cousine Virginia nicht erkannte. Nach einigem Firlefanz, den die Besucher noch an Bord veranstalteten, verließen sie die HMS Dreadnought wieder.

Um den Spaß in Gänze auszukosten, informierte Horace die Presse über den „prank“, die natürlich genüsslich darüber berichtete. Die Navy war nicht sehr amüsiert, aber ein Versuch, den Urheber des Streichs zur Rechenschaft zu ziehen, misslang, denn niemand hatte ein Gesetz gebrochen. Als symbolische Strafe erhielten die „Prankster“ einen sanften Schlag mit einem Stock auf den Po (ausgenommen Virginia Stephen!)  Die Matrosen der HMS Dreadnought wurden bei ihren Landgängen mit „Bunga, Bunga“-Rufen begrüßt, und ihre Kollegen von der HMS Hawke freuten sich besonders über den gelungenen Streich.

Horace de Vere Cole sollte in seinem Leben noch viele weitere Schabernacke ausführen, so verteilte er auf seiner Hochzeitsreise nach Venedig auf dem Markusplatz heimlich Pferdeäpfel, die dort natürlich nicht sein konnten, denn in der Lagunenstadt gab es keine Pferde. Ganz witzig finde ich auch seine Idee, eine Party zu veranstalten, bei der die geladenen Gäste im Lauf des Abends feststellten, dass sie alle das Wort „bottom“ in ihren Nachnamen führten. Long live the British (and Irish) eccentrics!!

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole. Black Spring 2010. 310 Seiten. ISBN  978-0948238437.

 

Published in: on 8. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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41 Cloth Fair – Hier steht das älteste Wohnhaus in London

41 Cloth Fair.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Ich stand einmal vor dem (mutmaßlich) ältesten Haus von Paris in der Rue Volta Nummer 3 im Maraisviertel; manche behaupten auch, dass das älteste Haus in der Rue Montmorency Nummer 51 steht, dort, wo heute die Auberge Nicolas Flamel untergebracht ist. Auf jeden Fall sehen beide Häuser richtig alt aus…im Gegensatz zu Londons ältestem Haus, das wir in der Straße Cloth Fair Nummer 41 finden. Zwischen 1597 und 1614 wurde dieses Haus im Schatten der Kirche St-Bartholomew-the-Great erbaut und es hat den Großen Brand von London im Jahr 1666 überstanden, wahrscheinlich weil es damals auf allen Seiten von den Mauern der benachbarten Kirche umgeben war.

41 Cloth Fair stand in den 1920er Jahren kurz vor dem Abriss, u.a. weil die Gebäudesubstanz nicht mehr als sicher galt. Glücklicherweise kam es nicht zum Abriss, dafür wurde das Haus 1955 von jemandem gekauft, der es in sein Herz geschlossen hatte und umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen ließ. So finden wir heute in der Straße ein Haus vor, das zwar alt ist, aber auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Was gibt es noch über 41 Cloth Fair zu sagen? Zwei berühmte Besucher haben ihre Namen in ein Bleiglasfenster im Haus eingeritzt: Winston Churchill und die Mutter der heutigen Queen, Elizabeth Bowes-Lyon, Queen Elizabeth. Und es gibt das Gerücht, dass irgendwo in den Mauen des Hauses menschliche Skelette verborgen sein sollen.

Übrigens wohnte in der Nummer 43, direkt neben dem ältesten Haus Londons, der berühmte Dichter und Schriftsteller John Betjeman (dort, wo der Cloth Court auf Cloth Fair mündet); eine Plakette über der Eingangstür erinnert daran. In Betjemans Wohnhaus gab es einmal ein Restaurant, das „Betjeman’s hieß“, das aber von einem vegetarischen Restaurant namens „Amico Bio“ abgelöst wurde.

Der Eingang zu 41 Cloth Fair.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

John Betjemans Wohnhaus.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der Dichter Philip Larkin und die Kröten von Hull (East Riding of Yorkshire)

Philip Larkins Statue auf dem Bahnhof von Hull.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

In meinem gestrigen Blogeintrag schrieb ich über Tom Chesshyres Buch „To Hull and Back“, in dem der Autor Städte besucht, die gegen ihren schlechten Ruf ankämpfen. Auch Hull, kurz für Kingston upon Hull, im Nordosten des Landes hat damit ein Problem. Die Stadt tut aber im kulturellen Bereich so einiges, um sich von diesem Ruf zu befreien.

Philip Arthur Larkin ist zum Beispiel eine Person, die sich um Hull verdient gemacht hat und der man in der Stadt auch in unterschiedlicher Weise huldigt. Larkin (1922-1985) war Schriftsteller, Dichter und Bibliothekar in der Bibliothek der Universität von Hull. Auf dem Bahnhofsgelände von Hull hat man eine Statue von ihm errichtet, es gibt einen Larkin Trail, auf dem man sich auf die Spuren des Dichters machen kann und es existiert die 1995 gegründete Philip Larkin Society, die sich die Aufgabe gestellt hat: „To promote awareness of the life and work of Philip Larkin (1922-1985) and his literary contemporaries“.

Unter dem Titel Larkin 25 wurde im Jahr 2010, also 25 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, ein Kunstfestival in Hull ins Leben gerufen, bei dem u.a. oben erwähnte Statue enthüllt wurde. Im Mittelpunkt dieses Festivals standen vierzig bunt angemalte Kröten aus Fiberglas, die im ganzen Stadtgebiet verteilt waren. Der Hintergrund: Larkin hatte einmal zwei Gedichte über Kröten geschrieben: „Toads“ und „Toads Revisited„.

Die witzigen Kröten, die mich an die bunten Bären erinnern, die in Berlin aufgestellt worden sind, heißen zum Beispiel „Tigger the Toad„(eine Kreuzung von Tiger und Kröte), „Global Pop Toad„, an der Universität von Hull platziert, „Kiss Me Quick Toad“ (mit Lippenstiftabdrücken verziert) und „Fish and Chips Toad„, auf deren Körper man im Bild alle Zutaten finden kann, die für dieses britische Nationalgericht verwendet werden.
Die Fiberglaskröten entwickelten eine derartige Popularität, dass Menschenmengen nach Hull strömten, um sich die possierlichen Tiere anzusehen (und dabei auch noch zur Freude der Einzelhändler in der Stadt  £500 000 ausgaben). Leider gab es auch in Hull Vandalen, die einige der Kröten beschädigten und eine sogar stahlen, die „Magenta Toad“.

Nach Ende des Festivals Larkin 25 wurden die meisten Kröten versteigert und der Erlös von insgesamt £60,000 für wohltätige Zwecke verwendet. Die restlichen Skulpturen blieben der Stadt erhalten. Fünf Jahre später tauchten einige der Originalkröten noch einmal für wenige Tage im Stadtbild von Hull auf, während der Veranstaltung „Toads Revisited„, die zu Ehren von Larkins 93. Geburtstag im August 2015 abgehalten wurde.

Wer sich für Philip Larkin und für die Kröten von Hull interessiert, der wird diesen Film sehr informativ finden.

Tigger thr Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Global Pop Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Kiis Me Quick Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Fish and Chips Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Tom Chesshyre: To Hull and Back – On Holiday in Unsung Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Tom Chesshyre arbeitet für mehrere englische Zeitungen und ist hauptsächlich in deren Reiseressort tätig.
Als Reisejournalist ist man in der Regel in den Teilen der Welt unterwegs, in denen es besonders schön und angenehm ist. In seinem Buch „To Hull and back: On holiday in unsung Britain“ macht es Tom Chesshyre einmal anders. Er fährt übers Wochenende in die Städte Großbritanniens, in denen Touristen eigentlich nie ihren Urlaub verbringen würden und schaut einmal nach, ob diese Orte wirklich nichts zu bieten haben:
Seine Ziele sind Hull, Slough, Salford, Derry, Port Talbot, Milton Keynes, Coventry, South Shields und Croydon.
Zu seinem großen Erstaunen findet Chesshyre in diesen Städten mit schlechtem Ruf überwiegend freundliche, hilfsbereite Menschen; er entdeckt interessante Dinge, von denen er vorher meist nichts wusste und so sind diese „crap towns“ gar nicht so schlimm.

Tom Chesshyre wandelt in Hull auf den Spuren des Dichters Philip Larkin, macht in der Nähe von Port Talbot in Wales wunderschöne Mountainbike-Touren, trifft in Coventry Lady Godiva und unternimmt in Slough eine Rundfahrt in einem der größten Gewerbegebiete des Landes.
Zum Abschluss der Fahrten in das „unbesungene“ England begibt er sich noch auf eine Tour in die Hölle, zur Hell Bay auf den Scilly-Inseln.

Das Buch ist wirklich hoch interessant geschrieben und rückt so manches falsche Bild, das man sich von einigen Städten macht, gerade.

Tom Chesshyre: To Hull and Back – On Holiday in Unsung Britain. Summersdale 2010. 320 Seiten. ISBN 9781849530606.

Die City Hall von Hull bei einer Lichtershow.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Die Hell’s Bay auf den Scilly Inseln.
Photo © wnoble (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Dante Gabriel Rossetti – Ein Maler und Dichter der Präraffaeliten und seine Vorliebe für Wombats

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
This work is in the public domain.

Die Präraffaeliten waren eine Künstlergruppe Mitte des 19. Jahrhunderts in England, die stark von Renaissancemalern wie Botticelli und dem namensgebenden Raffael beeinflusst worden waren. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten dieser Künstlergruppe gehörte Dante Gabriel Rossetti (1828-1882), dessen Eltern italienischen Ursprungs waren.

In meinem heutigen Blogartikel geht es mir aber nicht um das künstlerische Werk Rossettis, sondern um dessen Vorliebe für exotische Tiere, die er alle im Garten seines Hauses am Londoner Cheyne Walk Nummer 16 im Stadtteil Chelsea untergebracht hatte. Da hielt er u.a ein indisches Zebu, australische Kängurus und Wallabys, einen nordamerikanischen Waschbär und ein kanadisches Waldmurmeltier. Sein absoluter Liebling war aber sein australischer Wombat, ein knuddeliges Beuteltier, dem er den Namen Top gegeben hatte. Rossetti hatte im Londoner Zoo Wombats gesehen, sich in diese Tiere verliebt und sich Top zugelegt. Er zeichnete seinen tierischen Liebling zusammen mit seinem menschlichen, Jane Morris, Ehefrau des berühmten William Morris, mit der er jahrelang ein Verhältnis hatte. Beide tragen auf dem Bild einen Heiligenschein als Ausdruck seiner Liebe zu ihnen.
Auch William Bell Scott fertigte eine Zeichnung von Top an: „Rossetti’s Wombat Seated in his Master’s Lap„.

Leider hatte der Maler keine allzu lange Freude an Top, denn das Tier starb schon nach wenigen Monaten im November 1869. Es heißt, dass Top bei einem Besuch, zusammen mit seinem Besitzer, im Londoner Red House, in dem William Morris wohnte, dessen Lieblingszigarren aufgefressen hätte und daran gestorben wäre.

Dante Gabriel Rossetti war tieftraurig über den Verlust seines Wombats. Er fertigte eine Zeichnung seiner Trauer an, die ihn zeigt wie er in ein großes Taschentuch weint, zu Füßen sein toter Liebling den er  ausstopfen ließ und in den Eingang seines Hauses am Cheyne Walk stellte.

Der US-amerikanische Lyriker Ogden Nash hat einmal ein Gedicht über Wombats geschrieben:

The wombat lives across the seas,
Among the far Antipodes.
He may exist on nuts and berries,
Or then again, on missionaries;
His distant habitat precludes
Conclusive knowledge of his moods,
But I would not engage the wombat
In any form of mortal combat.

Dieser Film zeigt die possierlichen Tiere in Aktion.

No. 16 Cheyne Walk in Chelsea, wo Rossetti lebte.
Photo © Tiger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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The Museum of Comedy in der Krypta der St George’s Church in Bloomsbury (London)

Die St George’s Church in Bloomsbury.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Der berühmte Architekt Nicholas Hawksmoor erbaute von 1716 bis 1731 am Londoner Bloomsbury Way eine Kirche, die dem Heiligen Georg gewidmet war. Der Schriftsteller Anthony Trollope wurde 1824 in der Kirche getauft, und die Beerdigungsfeier der Frauenrechtlerin Emily Davison, die 1913 bei einem Pferderennen mit einem Pferd des Königs kollidierte und starb (ich berichtete in meinem Blog darüber), fand ebenfalls in St George’s statt.

Die Krypta der Kirche wird seit 2014 von einem der jüngsten Londoner Museen verwendet, dem Museum of Comedy, das der Direktor des  Leicester Square Theatres Martin Witts gegründet hat. Während man oben andächtig betet, wird hier unten gelacht. Da gibt es  ständige Ausstellungen von allem, was mit britischer Comedy zu tun hat wie:

Der Cooper Room ist der zentrale Ort, an dem Comedians auftreten und in dem Filme gezeigt werden. An fast jedem Tag ist hier was los; da gibt es zum Beispiel eine Tommy Cooper Tribute Show, da treten  Joanna Carolan and Pascale Wilson auf, die man besser unter dem Namen Shirley & Shirley kennt und die Stand Up Comedienne Bridget Christie gibt sich die Ehre.

Sogar ein kleiner Pub ist in der Krypta untergebracht, The Comedians‘ Arms, dessen Bartresen eine ehemalige Tür der Wilton’s Music Hall bildet.

Das Museum ist montags bis freitags von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.

Museum Of Comedy
The Undercroft
St George’s Church
Bloomsbury Way
London
WC1A 2SR

Published in: on 3. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Legendary Ten Seconds und ihre Songs über King Richard III.

Richard III
Eigenes Foto.

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Ricardianer, also die Anhänger des Königs Richard III, von denen es mehr gibt als man vermutet, ist ein Album der Folkrock-Gruppe The Legendary Ten Seconds. Mehrere Alben haben die Legendary Ten Seconds bereits aufgenommen, die aus Sir Ian of Churchward, Earl Robert of the Shroud, The Lord Zarquon und Earl Dave of Clifford bestehen. In ihrer Musik beschäftigt sich die Band mit den Themen Richard III und War of the Roses. „Loyaulte Me Lie“ (2013), „Tant Le Desiree“ (2014), „Richard III“ (2015) und „Sunnes and Roses“ (2016) heißen die Alben; „Murrey and Blue“ ist gerade im November erschienen.

Hören wir uns doch einmal einige Musikbeispiele an:

The King in the Car Park“ bezieht sich auf den Fundort, an dem Richards Skelett gefunden wurde, unter einem Parkplatz in Leicester.

In „The Court of King Richard“ geht es um den Hof des in der Schlacht von Bosworth gefallenen Königs.

In „How Do You Rebury a King?“ besingt die Band die Beerdigungsfeierlichkeiten, als Richard III im Jahr 2015 erneut in Leicester zu Grabe getragen wurde.

Und mein Favorit: Das Weihnachtslied „Middleham Castle on Christmas Eve„.

Der Parkplatz in Leicester, unter dem das Skelett von Richard III. gefunden wurde.
Eigenes Foto

Die letzte Ruhestätte von Richard III. in der Kathedrale von Leicester.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Middleham Castle in North Yorkshire, wo Richard III. seine Kindheit verbrachte.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Alexandra and Ainsworth Estate – Eine Großwohnsiedlung im Norden Londons, die sehr beliebt bei Musikvideoproduzenten ist

Im Londoner Stadtteil Camden, an der Abbey Road (ja, dort, wo  man die berühmten Studios  findet), liegt ein riesiger, terrassenförmig angelegter Wohnblock, der sich Alexandra and Ainsworth Estate nennt. 520 Wohnungen sind hier in den 1970er Jahren erbaut worden und zwar im brutalistischen Stil, der in jener Zeit sehr beliebt war, also ein Stil, in dem roher Beton vorherrschte. Entworfen wurde der Wohnblock von dem in den USA geborenen Architekten Neave Brown, der noch weitere Wohnprojekte in London gebaut hat.

Der Rowley Way dient als Durchgang zwischen den beiden Reihen von Blocks. Das Alexandra and Ainsworth Estate wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt und zwar erhielt die Wohnanlage den Grade II, das heißt „Besonders bedeutende Bauwerke von allgemeinem Interesse“.

Der sehr ungewöhnlich aussehende Wohnblock wurde bald von Film- und Musikvideoproduzenten entdeckt und so fanden hier zahlreiche Dreharbeiten statt, auf die die Bewohner auch stolz sind und diese auf den Webseiten der Tenants & Residents Association auflisten.

Hier sind einige Beispiele:

Kirsty McColl: A New England. Die bereits im Jahr 2000 verstorbene Sängerin veröffentlichte diesen von Billy Bragg geschriebenen Song 1984. In einigen Szenen des Musikvideos ist der Rowley Way zu sehen.

Die dreiköpfige Band Arcane Roots aus Kingston-upon-Thames verwendete die Wohnanlage als Hintergrund für einige Szenen ihres Videos „Curtains„, das im September diesen Jahres auf dem Album „Melancholia Hymns“ erschien.

Das Video „Do You Remember“ des Australiers Jarryd James aus dem Jahr 2015 wurde an mehreren Stellen in London gedreht; die junge Dame in dem Schwarz-Weiß-Video bewegt sich u.a. auch in der Wohnanlage in Camden.

Architecture“ heißt das Video der Formation Omi Palone, das einige markante Beispiele für brutalistische Architektur in London zeigt.

Das komplette Video „Nothin‘ Like Yours“ von Slewdem Mafia wurde auf dem Alexandra and Ainsworth Estate gedreht und zeigt tiefere Einblicke in die Wohnblöcke.

Somebody Else“ ist ein Video mit Überlänge der Rockgruppe The 1975 aus Manchester, in dem man einige Bilder der Wohnanlage sehen kann.

Wer sich detaillierter mit dem Alexandra and Ainsworth Estate beschäftigen möchte, findet hier eine 37minütige Dokumentation.

Die nicht sehr schön anzusehende Rückseite des Estates, die als Schallmauer gegen den Lärm der vorbeiführenden Eisenbahnlinie dient.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Swanage in Dorset – „London by the Sea“

Die Fassade der Town Hall von Swanage.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Swanage in Dorset ist eine kleine, bei Touristen sehr beliebte Küstenstadt in Dorset. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Ort, der überwiegend vom Fischfang lebte, ein Verschiffungshafen für den Purbeck-Stone, der ganz in der Nähe auf der Isle of Purbeck abgebaut wurde. London war der Hauptabnehmer dieses beliebten Baumaterials, und die beiden Einheimischen John Mowlem und sein Neffe George Burt waren sowohl Bauunternehmer als auch Spediteure, die die Steine in die Hauptstadt transportierten. Mowlem arbeitete u.a. im Somerset House, in der St Paul’s Cathedral und an den Royal Mews. Damit die Schiffe nicht mit leeren Bäuchen nach Swanage zurückfuhren mussten. um Nachschub zu holen, verstauten die beiden Unternehmer alle möglichen Dinge in ihnen, die sie in London ab- und in ihrem Heimatort wieder aufbauten. Hier sind einige Beispiele davon, die noch heute in Swanage zu finden sind, von vielen Touristen aber nicht als „Made in London“ erkannt werden.

Gußeiserne Straßenpoller gehören mit dazu, die früher einmal an Londons Straßenrändern standen. Der Schriftzug „City of London“ weist auf den Ursprungsort hin.
In der High Street von Swanage finden wir die Town Hall, deren Fassade einmal die Mercers‘ Hall in London verzierte. Der Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1670 und wurde 1883 nach Swanage gebracht.

1854 errichtete man an einem Ende der London Bridge einen Uhrenturm, der dem Duke of Wellington gewidmet war. Das war keine gute Idee, denn der Turm stand dem immer stärker werdenden Verkehr so sehr im Wege, dass er abgebaut und nach Swanage transportiert wurde. Seinen neuen Standort fand der Wellington Clock Tower am Peveril Point, einer ins Meer herausragenden Halbinsel. Allerdings beherbergt der Turm weder ein Standbild des Dukes noch eine Uhr. Von dem Standbild hatte man damals in London aus Kostengründen Abstand genommen, und die Uhr soll sich nicht gerade durch ihre Präzision ausgezeichnet haben. Man wollte den Turm in London also  nicht mehr und so war er ein gefundenes Fressen für George Burt, der damit seine Heimatstadt noch mehr aufhübschen konnte.

Der Bauunternehmer, von Thomas Hardy „The King of Swanage“ genannt, hatte in der High Street für sich ein Haus erbaut, Purbeck House, in dem er ebenfalls Material aus London verwendete wie Bodenfliesen aus dem Palace of Westminster, einen Torbogen vom Hyde Park, Steinreste vom Albert Memorial und eine Balustrade und Säulen vom Billingsgate Markt. Burts Haus ist heute das 3*-Sterne Purbeck House Hotel.

Meine Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig; wer das nächste Mal durch Swanage spazierengeht, sieht die Stadt vielleicht mit anderen Augen.

Ein ehemaliger Londoner Straßenpoller.
Photo © Phil Champion (cc-by-sa/2.0)

Der Wellington Clock Tower.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Das Purbeck House Hotel.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 30. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
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„Nuclear Dawn“ – Ein Wandgemälde in Londons Stadtteil Brixton

Brixton, im Süden Londons gelegen, galt früher als ein Stadtteil, den man lieber meiden sollte. Die Brixton Riots aus dem Jahr 1981 sind in dem überwiegend von Menschen aus der Karibik bewohnten Bezirk lange in Erinnerung geblieben. Heute entwickelt sich Brixton, wie so viele andere Regionen von London auch, in einen Stadtteil mit steigenden Mieten; „London’s trendiest places to live“ sagt The Guardian.

Eine Besonderheit hier sind die sogenannten Brixton Murals, also Wandgemälde, die nach den Aufständen in den 1980er Jahren entstanden. Die London Mural Protection Society (LMPS) kümmert sich um den Erhalt der Londoner „murals“, auch um die in Brixton. Eines davon nennt sich „Nuclear Dawn„, das man (noch) im Coldharbour Lane sehen kann und das an die Hauswand des Carlton Mansions (Hausnummer 372) gemalt wurde; das leerstehende Haus ist schon seit einiger Zeit vom Abriss bedroht. Eine Plakette der LMPS neben dem eindrucksvollen Bild informiert darüber, wer die Künstler waren, die das Wandgemälde geschaffen haben: Brian Barnes und Dale McCrea. Das Entstehungsjahr war 1981.

Das 25 qm große Bild zeigt ein erschreckendes Szenario: Ein riesiges Skelett steht über London, im Hintergrund explodiert eine Atombombe, in einem bombensicheren Bunker unter dem Parlamentsgebäude sieht man Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Prince Charles. Der obere Teil des Skeletts ist in Fahnen der Länder gehüllt, die damals über Atomwaffen verfügten. In der oberen von der Atombombe verursachten Wolke sieht man die Umrisse der Kontinente, in der unteren sind schreiende Köpfe zu erkennen. Auf der rechten Seite des Wandgemäldes steigen Friedenstauben in den Himmel.

Leider ist dieses „mural“ im Laufe der Zeit von Vandalen verunstaltet worden, die ihre Graffitis darauf gesprüht haben. Unsinnige Wörter wie „The Mongolz“ und „Koze“ überdecken jetzt den unteren Teil des Bildes. Wie lange noch wird uns „Nuclear Dawn“ erhalten bleiben?

Die erst 2013 gegründete kleine Brixton Brewery in der Brixton Station Road hat vor wenigen Wochen ein Bier auf den Markt gebracht, das sich „Nuclear Dawn Botanical Sour“ nennt und dessen Etikett einen Ausschnitt aus dem Wandgemälde zeigt.

Hier ist ein Film über „Nuclear Dawn“ und weitere Brixton Murals.

 

Published in: on 29. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Hedgerley in Oxfordshire

The Dean Cottages.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Das Dorf Midsomer Parva steht im Mittelpunkt der Episode 69 „Secrets & Spies“ (dt. „Sportler und Spione“) der Krimiserie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“. Am 29. Juli 2009 wurde die Folge erstmals im englischen Fernsehen ausgestrahlt. Als Drehort wählte die Produktionsfirma Bentley Productions u.a. das kleine Dorf Hedgerley in der Grafschaft Buckinghamshire, das zwischen der Autobahn M40 und der A355 liegt, westlich von Gerrads Cross, ein Ort, der ebenfalls schon in drei Barnaby-Episoden zu sehen war.

Gleich zu Beginn von „Secrets & Spies“, nach dem Vorspann, wird der Zuschauer mit Hedgerley bekanntgemacht: Man begleitet den arroganten Geheimdienstmann Glen Jarvis auf der Fahrt mit seinem roten Sportwagen durch das Dorf und sieht ein langgestrecktes Cottage, das von einem weißgestrichenen Zaun umgeben ist, der Dorfteich gegenüber taucht auf, ebenso der örtliche Pub „The White Horse„, der im Film „The Allenby Arms“ heißt. Das Herrenhaus Allenby House, in dem Sir Malcolm Frazer mit Sohn Nicky und Schwiegertochter Jenny residiert, liegt allerdings nicht in Hedgerley; es ist das großartige Dorney Court in der Nähe von Windsor, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Bei dem oben erwähnten Cottage handelt es sich um The Dean Cottages, einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude am Village Lane, in dem früher einmal das Postamt untergebracht war. Vor dem Haus spielt sich die Szene ab, in der der betrunkene Nicky Frazer seine Frau zur Rede stellt, die er zusammen mit ihrem Lover, dem Fahrer des Leichenwagens, trifft, mit dem der exzentrische Sir Malcolm seine letzte Fahrt ins Krematorium immer wieder übt.

Am Village Lane findet man auch den Dorfpub The White Horse, ein Haus aus dem Jahr 1740, in dem man unter anderen Bieren das speziell gebraute Hedgerley Pride der Rebellion Brewery in Marlow probieren kann. Der Pub ist in „Secrets & Spies“ mehrfach zu sehen.

Hedgerley ist stolz darauf, mehrere Male zu Buckinghamshires Best Kept Village gewählt worden zu sein.

1972 wurde im Dorf schon einmal ein Film gedreht: „The Amazing Mr. Blunden“ von Lionel Jeffries, nach dem Roman „The Ghosts“ von Antonia Barber. In diesem Filmausschnitt hält der Bus vor dem Pub The White Horse (ab Minute 13:16)

Der kleine Dorfteich gegenüber von den Dean Cottages.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

The White Horse am Village Lane.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Cardboard Citizens – Eine Londoner Theatertruppe der besonderen Art

Zwei Obdachlose am Londoner Trafalgar Square.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Die Schauspielerin Kate Winslet ist seit einigen Jahren Ambassador for Cardboard Citizens, einer Londoner Theatergruppe, die mit Obdachlosen für Obdachlose Theater spielt. 1991 entstand die Idee zu Cardboard Citizens in der Cardboard City, das war eine aus  Pappkartons bestehende Wohnecke in der Nähe des Waterloo Bahnhofs, wo „homeless people“ eine notdürftige Bleibe gefunden hatten. Heute steht an der Stelle das IMAX Kino. The Levellers schrieben einen Song darüber „Cardboard Box City„, ebenso die Formation Madness mit „Victoria Gardens„.

Die Theatergruppe bestand in der Anfangszeit aus Bewohnern dieses Camps, aus Trinkern, Strichern, Transvestiten und anderen Männern und Frauen, die auf der Schattenseite Londons lebten. Die Idee hinter den Cardboard Citizens ist die, den obdachlosen Menschen  mit Hilfe der künstlerischen Betätigung eine Aufgabe zu geben und ihnen zu helfen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Außerdem sollen die Theaterstücke auf die Lage der Obdachlosen aufmerksam machen. Gespielt wird an allen möglichen Schauplätzen, das kann ein reguläres Theater sein, aber auch in Asylen, in Privatwohnungen oder auf der Straße.

Mittlerweile tourt die Theatergruppe auch außerhalb Londons und hat schon mit namhaften Bühnen kooperiert wie der Royal Shakespeare Company und der English National Opera. Hier ist ein Film über die Cardboard Citizens.

Über das Thema Obdachlosigkeit in England schrieb ich in meinem Blog zweimal, einmal über die Zeitschrift „The Big Issue“ und einmal über das Buch „No Fixed Abode“ von Charlie Carroll, das sich mit „homelessness“ beschäftigt.

Published in: on 27. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das MusEYEum – Ein Londoner Museum, in dem sich alles um Brillen dreht

Hier in der Londoner Craven Street liegt das MusEYEum. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger Cornfoot

Das College of Optometrists, also die Fachhochschule der britischen Augenoptiker, betreibt in London das British Optical Association Museum (das MusEYEum) und ist überzeugt davon, dass die Besucher die ausgestellten Gegenstände “eye-catching” finden. In der Craven Street, ein paar Schritte vom Charing Cross Bahnhof entfernt, findet sich u.a. eine Sammlung von 3000 Brillen, von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu Designerbrillen des 21. Jahrhunderts; darunter Prominentenbrillen wie die von Dr. Samuel Johnson, Ronnie Corbett (ein englischer Komiker) oder Charles Percy Snow (ein Wissenschaftler und Schriftsteller).

Wer sich speziell für Kontaktlinsen interessieren sollte (sehen die nicht alle ziemlich gleich aus?), wird in dem Museum ebenfalls fündig. Auch eine Vielzahl historischer optometrischer Instrumente wird hier zur Schau gestellt.

Weiterhin besitzt das MusEYEum eine Sammlung wertvoller historischer Bücher zum Thema Augenoptik, darunter Georg Bartischs „Ophthalmodouleia“, ein Werk aus dem Jahr 1583.

Der Eintritt in das Museum ist frei, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung.
Hier ist ein kleiner Film über das MusEYEum.

British Optical Association Museum
41-42 Craven Street
 London  WC2N 5NG
 

Published in: on 26. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Blue Vinney – Ein Blauschimmelkäse aus Dorset

This work has been released into the public domain

Ich finde es immer wieder interessant, in englischen Restaurants Käseplatten auszuprobieren, mit denen man Produkte aus dem Lande verkosten kann. In Deutschland kennt man vor allem Chester-, Cheddar- und Stiltonkäse, andere englische Sorten sind eher selten anzutreffen. Kürzlich fand ich bei meinem Käsehändler auf dem Markt Shropshire Blue, einen Blauschimmelkäse aus dem Norden Englands, der mir sehr gut schmeckte.

Der Dorset Blue Vinney ist ein weiterer Blauschimmelkäse, der eigentlich schon so gut wie ganz vom Markt verschwunden war, bis die Produktion 1980 wieder aufgenommen wurde und zwar von der Woodbridge Farm bei Bishop’s Caundle in Dorset, wo der echte Blue Vinney alleinig hergestellt wird. Auf der Farm an der A3030 bemühen sich 270  Holstein-Friesian Rinder Tag und Nacht, genügend Milch abzugeben, damit diese besondere Käseart produziert werden kann. Der Dorset Blue Vinney ist europaweit geschützt durch das PGI-Label, was Protected Geographical Indication bedeutet (wie auch der Exmoor Blue Cheeese und der Yorkshire Wensleydale Cheese). Nur Käse, der aus Dorset stammt, darf auch so genannt werden.

In früheren Zeiten  wurde der Schimmel in sehr sonderbaren Methoden in den Käse gebracht; so steht auf den Webseiten von www.kaesewelten.info zu lesen, dass dazu zum Beispiel verschmutzte Pferdehalfter durch die Milch gezogen wurden oder dass man den Käse neben feuchten und schimmeligen Stiefeln lagerte. Kein schöner Gedanke, solch einen Käse zu essen. Heute werden Blauschimmelkulturen verwendet.

Auf der Woodbridge Farm wird auch die Dorset Blue Soup hergestellt, die auf der Basis des Blauschimmelkäses beruht. Man arbeitet mit dem renommierten Fernsehkoch und Buchautor Hugh Fearnley-Whittingstall zusammen, dessen River Cottage auch in Dorset zu finden ist.

In diesem kurzen Film wird der Dorset Blue Vinney noch einmal vorgestellt.

Die Woodbridge Farm bei Bishop’s Caundle in Dorset.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. November 2017 at 02:00  Comments (4)  
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Pickering Place – Großbritanniens kleinster öffentlicher Platz in der City of Westminster in London

Über Londons berühmte Weinhandlung Berry Bros. & Rudd habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Direkt neben dem Laden in der St James’s Street führt eine kleine Passage zum Pickering Place, der nicht nur Londons kleinster öffentlicher Platz ist, sondern sogar der von ganz Großbritannien. Der des Nachts von Gaslampen erhellte Platz beherbergte im 19. Jahrhundert einmal die Botschaft der Republik Texas,  bis der Lone Star State 1845 in die Vereinigten Staaten integriert wurde. An dem Haus, das Berry Bros. gehörte, findet man eine Plakette mit der Aufschrift „Texas Legation: In this building was the legation for the ministers from the Republic of Texas to the Court of St. James 1842-1845.“ Angebracht wurde die Plakette von der Anglo-Texan Society, die 1953 von dem Romanschriftsteller Graham Greene (der am Pickering Place wohnte) gegründet wurde. Übrigens verließ die texanische Delegation (Botschafter war Dr. Ashbel Smith) 1845 London, ohne die ausstehende Miete von $160 gezahlt zu haben. Das holten aber 1986 26 Mitglieder Anglo-Texan Society nach, als sie in die Weinhandlung gingen und die Miete beglichen.

Benannt wurde der Mini-Platz nach William Pickering, der in den 1730er Jahren die Häuser errichten ließ; dessen Schwiegermutter führte einen kleinen Lebensmittelladen, aus dem später die große Weinhandlung werden sollte.

Der Pickering Place war eine Zeitlang beliebt als Austragungsort für Duelle, so soll der Londoner Dandy Beau Brummell sich hier einmal duelliert haben (wobei es auf Grund der Größe des Platzes sicher für die Sekundanten nicht ganz ungefährlich war). Auch Londons letztes Duell soll hier ausgetragen worden sein.

Ein weiterer berühmter Anwohner war der Premierminister Lord Palmerston (1784-1865), an den ein Steinrelief an einem Gitter am Pickering Place erinnert.

Der Platz mit dem Steinrelief von Lord Palmerston.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Dixe Wills: The Z -Z of Great Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines etwas angestoßenen Exemplares.

Bisher kannte ich nur Nachschlagewerke, die alles von „A-Z“ ordneten. Jetzt habe ich ein Buch gefunden, das die Buchstaben „A-Y“ einfach weglässt und nur den Buchstaben „Z“ verwendet: Dixe Wills und „The Z-Z of Great Britain“.

Auf außerordentlich humorvolle Weise verzeichnet Dixe Wills, Reisejournalist beim „Guardian“, sämtliche britischen Orte, die mit dem Buchstaben „Z“ beginnen; das sind immerhin so viele, dass sie 269 Seiten füllen (obwohl kaum jemand diese Orte je gesehen oder von ihnen gehört hat).

Das Buch beginnt mit „Zabulon„, einer Farm in Wales: „Population: 2 + sundry animals including two dogs, one called Tim, the other one not“ und endet mit der „Zulu Farm“ in Oxfordshire: „Zulu Farm is probably best known as a handy jumping-off point for Harwell’s atomic research station„.

Jede Eintragung hat u.a die Rubriken „Things to do“, „Nearest pub“, „Claim to fame“ und „Killer fact“ und endet mit einer witzigen Zeichnung des Autors. Schwarz-Weiß-Fotos (die leider von schlechter Qualität sind, was aber irgendwie nicht stört) garnieren das Ganze.
Das Buch ist ein einziges Lesevergnügen, randvoll mit britischem Humor, von dem Stephen Fry meint: „Exquisitely dotty, yet irresistibly charming. A project so pointless as to be vital to our national well-being„.

Sehr empfehlenswert!!!

Ich habe noch weitere Bücher von Dixe Wells wie „Tiny Islands„, über das ich in meinem Blog schon geschrieben habe. „Tiny Churches“ (2006) und „Tiny Histories“ (2017) werde ich im nächsten Jahr an dieser Stelle vorstellen.

Dixe Wills: The Z – Z of Great Britain. Icon Books 2005, ISBN 1-84046-689-8.

Die Zabulon Farm in Wales.   © Copyright Roger W Haworth and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zabulon Farm in Wales.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger W Haworth and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zulu Far, bei Harwell in Oxfordshier.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zulu Farm bei Harwell in Oxfordshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 23. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Montagu Arms Hotel in Beaulieu (Hampshire)

Im New Forest in Hampshire gibt es eine Vielzahl von angenehmen Hotels, das Montagu Arms in Beaulieu ist eines davon. In den einschlägigen Hotelführern wird es positiv erwähnt, der AA-Führer hat dem zu den „Pride of Britain“ gehörenden Haus vier Sterne verliehen.

Das 200 Jahre alte Montagu Arms wurde im Laufe der Zeit immer wieder verändert bzw. vergrößert, und wir finden im Hotel überall schöne Kamine und holzvertäfelte Wände.

Das Terrace-Restaurant gehört zu den besten weit und breit und rühmt sich dreier AA-Sterne, die sich Matthew Tomkinson erkocht hat. Tomkinson arbeitete vorher in „The Goose“ in Britwell Salome in Oxfordshire, wo er sich einen Michelin-Stern erkocht hatte („The Goose“ wurde 2010 geschlossen und zwei Jahre später neu eröffnet unter dem Namen „Olivier at The Red Lion„).

Das Hotel ist nicht sehr groß und verfügt nur über 22 Zimmer und Suiten, von denen einige über ein Himmelbett verfügen. Die Übernachtungspreise in der Woche für ein Standard-Doppelzimmer beginnen bei £229 (incl. Frühstück) und enden bei £349 für die Deluxe Suite. Am Wochenende liegen die Preise deutlich höher (um £50.00 bis £90.00),

Über ein eigenes Spa verfügt The Montagu Arms nicht, die Gäste können aber das SenSpa von Careys Manor Hotel in Brockenhurst, dem Schwesterhotel, mitbenutzen, das etwa 10 km entfernt liegt und das ich in meinem Blog auch schon vorgestellt habe. Beide Häuser kann ich für einen Aufenthalt im New Forest sehr empfehlen!

Dieser kleine Film gibt einen ersten Eindruck vom Hotel.

The Montagu Arms Hotel
Beaulieu
New Forest, Hampshire.
SO42 7ZL

Published in: on 22. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Association of Lighthouse Keepers

Das Hurst Point Lighthouse an der Küste von Hampshire.
Photo © Ian McLean (cc-by-sa/2.0)

Die Zeiten sind lange vorbei, als Leuchttürme noch von Menschenhand bedient wurden. Auf manchen abgelegenen Türmen wie dem Eddystone Lighthouse verbrachten die Leuchtturmwärter mehrere Tage am Stück, oft umgeben von der tobenden See, bis sie wieder abgelöst wurden. Heute senden die Leuchttürme ihre Warnsignale an die vorbeiziehenden Schiffe vollautomatisch. Doch dem „Lighthousekeeping“ haftet nach wie vor ein Hauch Romantik an und so gibt es die Association of Lighthouse Keepers (ALK), in der sich die verbliebenen und ehemaligen Wärter zusammengeschlossen haben, unter dem Motto „Keeping Lighthouse Heritage Alive“. Die Gesellschaft steht aber jedem offen, der sich für die Thematik interessiert und das scheinen nicht wenige zu sein.

ALK unterhält ein eigenes Museum im Hurst Castle bei Milford-on-Sea in der Grafschaft Hampshire, neben dem auch ein Leuchtturm steht, das Hurst Point Lighthouse. Die Gesellschaft gibt seit 1989 eine eigene, vierteljährlich erscheinende Zeitschrift heraus namens LAMP, in der man alles zum Thema finden kann und in der neue Bücher vorgestellt werden. Es ist erstaunlich wie viele Bücher Jahr für Jahr in Großbritannien über Leuchttürme veröffentlicht werden.

Mat Dickson hat einige CDs veröffentlicht, die auch bei der ALK zu beziehen sind, deren Musik von Leuchttürmen inspiriert worden sind wie „The Lighthouse Keeper„. Auf dieser CD findet man u.a. „From These Shores„, hier zu hören.

Wer einmal seine Ferien in einem Leuchtturm verbringen möchte, dem stehen eine ganze Reihe in England zur Verfügung wie zum Beispiel das Belle Tout Lighthouse am Beachy Head in East Sussex oder das Gurnard Cottage am St Catherine’s Lighthouse auf der Isle of Wight.

Dieser Film stellt die Association of Lighthouse Keepers noch einmal detailliert vor.

Das mietbare Belle Tout Lighthouse am Beachy Head in East Sussex.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls zu mieten: Das Gurnard Cottage am St Catherine’s Lighthouse auf der Isle of Wight.
Photo © Shazz (cc-by-sa/2.0)

The Forbidden Corner bei Middleham (North Yorkshire) – The strangest place in the world

Mitten in den Yorkshire Dales, in der Nähe von Leyburn, liegt ein großes Gelände mit allerhand Merkwürdigkeiten, das sich The Forbidden Corner nennt, mit dem Zusatz „The Strangest Place in the World„.

Ein gewisser Colin Armstrong, der Besitzer von Tupgill Park, auf dessen Gelände The Forbidden Corner liegt, hatte sich in den 80er Jahren zu seinem eigenen Vergnügen diese Ansammlung von Follies zugelegt und sie dann 1997 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Menschen strömten herbei, um sich den „Pleasure Garden“ anzusehen, was in der direkten Nachbarschaft nicht auf durchgängige Begeisterung stieß, wurde doch das Verkehrsaufkommen in der Umgebung von Leyburn stark erhöht. Die Geschäftsleute in der Region aber freut es bestimmt.

Was gibt es denn nun hier eigentlich zu sehen? Tunnel, einen Irrgarten, einen „Temple of the Underworld“, eine gläserne Pyramide, Wege, die nirgendwohin führen, merkwürdige Statuen usw. usw. Kinder, aber auch Erwachsene, lieben The Forbidden Corner, das von der Tageszeitung The Guardian als „Best Family Trip“ empfohlen wurde.

The Corner Café bietet Erfrischungen und kleine Gerichte für zwischendurch an und im Gift Shop kann man sich zuguterletzt mit Souvernirs eindecken.

Geöffnet ist The Forbidden Corner in der Regel vom 1. April bis zum 31. Oktober und dann nur noch bis Weihnachten an Sonntagen. Der Eintritt kostet für Erwachsene £12, für Kinder £10. Eine Vorabbuchung ist erforderlich.

Eine echte Kuriosität wie dieser Film zeigt.

The Forbidden Corner
Tupgill Park Estate,
Coverham,
Middleham
Leyburn
North Yorkshire DL8 4TJ

The secret Roman Temple.
Photo © Bev Dickinson (cc-by-sa/2.0)

Ein Blick in die Herrentoilette.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Der Parkland Walk im Norden Londons

Bis in die 1970er Jahre verlief im Norden Londons zwischen Finsbury Park und dem Alexandra Palace eine etwa vier Kilometer lange Eisenbahnlinie, die Haltepunkte u.a in Stroud Green, Crouch End und Cranley Gardens hatte. Nachdem die Verbindung eingestellt worden war, entfernte man die Gleise und die ehemalige Bahnstrecke entwickelte sich als beliebter Spazierweg und wird gern von Joggern frequentiert. Entlang des bewaldeten sogenannten Parkland Walks liegen nach wie vor die verlassenen Bahnsteige der ehemaligen Stationen, die mittlerweile von der Natur in Besitz genommen worden sind. Die Tunnel, die an der Strecke liegen, sind nicht zugänglich, sie erfreuen sich aber bei Fledermäusen großer Beliebtheit. Die durch Gitter blockierten Eingänge werden immer mehr von Pflanzen zugewuchert. Graffiti-Sprayer haben sich an vielen Mauern ausgetobt.
In der Nähe der Bahnstation Crouch End findet man die etwas unheimlich wirkende Skulptur eines Green Man, die den Namen The Spriggan trägt und von der Künstlerin Marilyn Collins geschaffen wurde.

Stephen King hat einmal eine Horror-Kurzgeschichte geschrieben, die „Crouch End“ heißt und 1980 in der Sammlung „New Tales of the Ctulhu Mythos“ veröffentlicht wurde; später überarbeitete der Autor die Story noch einmal und sie erschien in der Kurzgeschichtensammlung „Nightmares und Dreamscapes“; in der deutschen Übersetzung „Alpträume“. Diese Geschichte soll auf einem Spaziergang Stephen Kings auf dem Parkland Walk beruhen, als er einmal seinen Schriftstellerkollegen Peter Straub besuchte, der hier ganz in der Nähe wohnte.

Dieser Film zeigt den Parkland Walk.

Verbarrikadierte Tunnel, in denen sich Fledermäuse wohlfühlen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

The Green Man.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Die verlassenen Bahnsteige von Crouch End Hill.
Photo © Peter Neal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. November 2017 at 02:00  Comments (4)  
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The Blakeney Hotel in Blakeney (Norfolk)

An der Nordküste Norfolks liegt in dem Ort Blakeney ein hübsches Hotel, das Blakeney Hotel. Das Besondere an diesem Haus: Es liegt direkt am Kai mit kleinen Schiffen vor der Haustür. Der Blick geht auf den Blakeney National Nature Reserve, der dem National Trust gehört. Ich habe hier einmal übernachtet und war von dem 4*-Haus sehr angetan (bitte nicht verwechseln mit dem Blakeney Manor Hotel, das nur rund 200 Meter weiter liegt).

Das Hotel verfügt, neben der ausgezeichneten Lage, über alles, was man so braucht: Ein Hallenbad mit Sauna und kleinem Fitnessraum und ein Restaurant mit guter Küche (es hat schon seit zehn Jahren eine AA-Rosette!) und schönem Blick aufs Meer.

Von Blakeney aus kann man Spaziergänge am Meer und durch die Salzmarschen machen, und auch einige Stately Homes liegen nicht weit entfernt: Holkham Hall, Houghton Hall oder Sandringham sind leicht mit dem Auto zu erreichen.

Die Zimmerpreise im Blakeney Hotel, das ganzjährig geöffnet ist, beginnen bei etwa £ 190 für ein Standard-Doppelzimmer und gehen bis zu über £ 360 für ein Zimmer der höheren Kategorie, je nach Saison.

Ein sehr zu empfehlendes Hotel für einen Besuch der Nordküste Norfolks. Dieser Film zeigt Bilder vom Hotel und der näheren Umgebung.

Published in: on 18. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Viktor Wynd Museum of Curiosities, Fine Art & Natural History in London – Schräger geht es wirklich nicht

The Viktor Wynd Museum of Curiosities, Fine Art & Natural HistoryThe Last Tuesday Society„, so steht es über der Tür des schmalen zweistöckigen Hauses in der Mare Street im Londoner Stadtteil Hackney, im Nordosten der Stadt, und was sich hinter dieser Tür verbirgt, mag man kaum glauben. Doch zuerst, wer ist Viktor Wynd und was ist die Last Tuesday Society?

Viktor Wynd ist ein exzentrischer Künstler und Buchautor, zu dessen Werken zum Beispiel „Structures of The Sublime; Towards a Greater Understanding of Chaos“ gehört, das er 2005 veröffentlichte. Er ist Mitglied des Londoner Institute of Pataphysics, ein Begriff, den ich auch noch nicht kannte und ziehe zur Erklärung die Wikipedia zur Hilfe: „Pataphysik (frz. ’Pataphysique, ein Wortspiel mit den homophonen Formulierungen patte à physique, pas ta physique und pâte à physique) ist ein absurdistisches Philosophie- und Wissenschaftskonzept des französischen Schriftstellers Alfred Jarry (1873–1907), das sich oftmals als nonsensische Parodie der Theoriebildungen und Methoden moderner Wissenschaft gibt“. Jetzt dürften alle Unklarheiten beseitigt sein.

The Last Tuesday Society ist eine Gesellschaft in London, die von Viktor Wynd geleitet wird, und die künstlerische und literarische Events durchführt, meist der schrägen Art.

Kommen wir zum Museum zurück und was man dort alles bestaunen kann. Wer schon immer einmal „the darkness that Moses brought upon the Egyptians“ sehen wollte, wird hier fündig; diese Dunkelheit, die über die Ägypter kam, ist in einer Box enthalten. Es gibt banale Dinge zu sehen wie eine Sammlung von Happy Meal Toys von McDonalds, aber überwiegend sind es extrem ausgefallene Dinge, die im Museum ausgestellt werden wie:

Ein Kothäufchen der verstorbenen Sängerin Amy Winehouse in einem Glas (wie mag das wohl von der Produzentin hierher nach Hackney gekommen sein?), benutzte Kondome der Rolling Stones, masturbierende afrikanische Figuren, tote Babies in Flaschen, Vaginas von Prostituierten aus der viktorianischen Zeit, ein Lamm mit acht Beinen, das Skelett einer Meerjungfrau, ein Schrumpfkopf aus Südamerika, der mumifizierte Finger des mexikanischen Rebellen Pancho Villa und und und.

Die Bibliothek des Museums enthält Bücher mit Titeln wie Shopping Centre Sex, The Aesthetics of the Japanese Lunch Box, Who Cares About Elderly People, A Sex Guide For Irish Farmers, Let’s Play Nurse & Doctor und, mein Favorit, das unfreiwillig komisch formulierte How To Help Your Husband Get Ahead.

Dieses Kuriosenkabinett ist faszinierend für alle diejenigen, die einen Nerv für alles Schräge, Skurrile und Exzentrische haben. Diese beiden Filme geben einen tieferen Einblick in Viktor Wynds Reich (Film 1, Film 2).

Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 12 Uhr bis 23 Uhr geöffnet.

The Viktor Wynd Museum of Curiosities, Fine Art & Natural History
11 Mare Street
London
E8 4RP

 

Mein Buchtipp – Justin Brown: UK on a g-string – adventures of the world’s first and worst door-to-door busker

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Wieder eine nette Lektüre aus dem Verlag Summersdale Publishers aus Chichester. Justin Brown ist ein „Kiwi“, also ein Neuseeländer, der gegen einen Aussie, also einen Australier, eine Wette verliert. Der Verlierer muss als „door-to-door busker„, als Straßenmusikant, nach England fahren und sich dort das Geld für den Rückflug nach Neuseeland musikalisch zusammenbetteln, aber ausschließlich, indem er von Tür zu Tür zieht und den Leuten (gegen eine entsprechende Geldspende) ein Lied vorsingt.
Also fliegt Justin nach London und beginnt dort mit den ersten Versuchen. Leider ist es Dezember, eiskalt und seine Gitarre muss permanent neu gestimmt werden. Justins Repertoire ist äußerst  überschaubar; es besteht aus einem selbstgeschriebenen Harry Potter-Song und einem Lied mit dem Titel „Kentucky Fried Kitten„. Sonst hat er nur noch einige Lieder auf Lager, die nicht so ganz jugendfrei sind.
Es ist ein mühsames Geschäft; viele Hausbewohner schlagen ihm die Tür vor der Nase zu oder machen gar nicht erst auf. Auch außerhalb Londons läuft das Geschäft nicht viel besser. Aber es gibt einige Ausnahmen: Der Ort Devizes in Somerset und Sheffield in South Yorkshire sind spendabel, während Reading in Berkshire und Harlington in Bedfordshire Door-to-Door Buskern gegenüber, milde ausgedrückt, sehr zurückhaltend sind.

Justin Brown: UK on a g-string – adventures of the world’s first and worst door-to-door busker“. Summersdale Publ. 2006. 317 Seiten. ISBN 978-1-84024-379-6.

Published in: on 16. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar