Goodramgate – York’s most haunted street

Die uralte, düstere Holy Trinity Church. – Eigenes Foto

In der Stadt York in North Yorkshire ist alles „haunted“. Da gibt es u.a. The most haunted pub, The most haunted church und The most haunted street; letztere ist die Straße Goodramgate (in York tragen viele Straßen den Namen „gate“), die den King’s Square mit dem Monk Bar verbindet. In dieser lebhaften, von zahlreichen Läden, Pubs und Restaurants gesäumten Straße ist es tagsüber bei Sonnenschein alles andere als gruselig, aber wenn dann langsam die Sonne untergeht und die Dämmerung sich über York breit macht, verändert sich die Atmosphäre…
Hier steht z.B. Lady Row, eine Gruppe von uralten Häusern, die vor 700 Jahren erbaut wurden;  was die wohl so alles erlebt haben mögen?
An der Holy Trinity Church kann man leicht vorbeigehen, ohne sie zu bemerken, ein kleiner Weg führt vom Goodramgate zu ihr. Die Kirche ist recht düster mit ihren alten aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirchenbänken. Ich war hier einmal im Rahmen eines Ghost Walks, als es schon fast dunkel war, und es herrschte eine wirklich unheimliche Stimmung. Bei einem dieser Ghost Walks soll einmal eine amerikanische Touristin versehentlich eingeschlossen worden sein, was der Dame nicht gut bekam. Auf dem kleinen Kirchhof von Holy Trinity haben sich auch einige unheimliche Dinge zugetragen, so sagt man.

Einer der most haunted pubs und zugleich einer der ältesten in York liegt am Goodramgate. Der Snickleway Inn, den ich noch als Angler’s Arms kenne, gehört laut Derek Acorah, dem ehemaligen Medium aus der TV-Reihe „Most Haunted“, zu den 100 gruseligsten Orten von ganz Großbritannien. Hier läuft ein kleines Mädchen häufig die Treppen hoch und runter und soll zu den aktivsten Geistern der Stadt gehören.
Weitere hübsche Pubs im Goodramgate sind z.B. The Old White Swan, wo 1781 der größte Mensch der Welt zu besichtigen war, oder The Royal Oak aus dem 15. Jahrhundert.

Wem es in dieser Straße so gut gefällt, dass er hier auch einmal wohnen möchte, kann das in einigen Mietappartments tun. Hier ist die Webseite.

Einen Bummel durch Goodramgate (auch bei Nacht!!) kann ich sehr empfehlen.

Das Buch zum Artikel:
Rupert Matthews: Haunted York. The History Press 2009. 95 Seiten. ISBN 978-0752449104.

Haunted Snickleway Inn. – Eigenes Foto

The Old White Swan aus dem 15. Jh. – Eigenes Foto

Published in: on 30. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Londoner Broadcasting House der BBC und die umstrittene Skulptur „Prospero and Ariel“ des Bildhauers Eric Gill

Das Broadcasting House der BBC, 1932 eröffnet und im Art Déco-Stil erbaut, steht am Londoner Portland Place in Marylebone im Zentrum der Stadt. Über dem Eingang sieht man eine Skulptur, die sich „Prospero and Ariel“ nennt, zwei Figuren aus William Shakespeares Theaterstück „The Tempest“ (dt. „Der Sturm“). Die große Figur ist der Zauberer Prospero, der kleine nackte Junge ist der Luftgeist Ariel. Der Bezug zur BBC: Prospero schickt Ariel hinaus in die Welt als Symbol für die Radiowellen, die von hier ausgestrahlt werden. Beauftragt mit der Herstellung der Statue wurde der englische Künstler Eric Gill (1882-1940), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten des Landes war…aber auch einer der umstrittendsten. Der exzentrische Bildhauer arbeitete an der Statue am Broadcasting House in einer Mönchskutte, unter der er, wie man sagte, nichts trug, was Gill aber nicht im geringsten zu stören schien.

„Prospero and Ariel“ war von Beginn an eine Statue, an der sich die Geister schieden. Zuerst war es die Größe der Genitalien des kleinen Ariel, über die man stritt, viele Jahre später, als Eric Gills Tagebücher veröffentlicht wurden und der Künstler schon lange tot war, erschien das Kunstwerk plötzlich in einem ganz anderen Licht. In jenen Tagebüchern schrieb Gill, dass er spezielle sexuelle Vorlieben hatte, die man mit dem Wort Inzest beschreiben kann. So hatte er sowohl mit mindestens einer seiner Schwestern als auch mit seinen Töchtern Sex, sogar der Familienhund soll seinen Nachstellungen nicht entgangen sein. Seine heranwachsende Tochter Petra zeichnete er nackt in der Badewanne und in anderen verführerischen Posen. Sollte man Gills Kunstwerk angesichts dieser Enthüllungen nach wie vor über dem Eingang des Broadcasting House stehen lassen, fragten sich viele? Und wie sollte man mit einer weiteren Skulptur Gills im Inneren des Hauses umgehen, das „Ariel piping to the children“ heißt und den nackten Luftgeist als eine Art „Rattenfänger“ (pied piper) zeigt, der mit seiner phallusförmigen Flöte Kinder anzulocken scheint?
Als dann noch der Pädophilie-Skandal um den früheren BBC-Discjockey Jimmy Saville (1926-2011) ans Tageslicht kam, der im Laufe seiner Karriere Hunderte von jungen Mädchen missbraucht haben soll, wurde der Ruf nach der Entfernung der Gillschen Kunstwerke immer lauter. Aber die BBC entschied sich dafür, an der Skulptur festzuhalten wie auch die Westminster Cathedral, in der Eric Gills „Stations of the Cross“ stehen. Auch dort forderten einige, diese zu entfernen, weil sie von einem Pädophilen geschaffen worden sind.

Hier ist ein Film über das Broadcasting House und Eric Gills Statue.

 

Published in: on 29. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ian Merchant: The Longest Crawl: Being an account of a journey through an intoxicated landscape or A child’s treasury of booze

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Ian Marchant und sein Freund Perry Venus haben eine Idee: Sie wollen den längsten „Pub crawl“ machen, der in Großbritannien möglich ist, beginnend mit dem südlichsten Pub und endend mit dem nördlichsten, und darüber hat Ian Marchant ein Buch geschrieben.

Die beiden starten mit einem Besuch des „Turk’s Head“ auf der Insel St. Agnes, einer der Scilly-Inseln. Weiter südlich kommt man in Großbritannien nicht mehr.
Dann geht es aufs Festland zurück, und Ian und Perry besuchen einen Pub nach dem anderen, wobei sie nicht mehr zu zählende Pints in sich hineinschütten und die Promille-Grenze am Steuer wohl nicht immer beachtet wird.

Auf der Tour lernen sie interessante Leute kennen, verabreden sich mit Freunden, die ihnen die Pub-Landschaft in ihren jeweiligen Orten näher bringen und kurieren so manchen Kater aus.
Das Ziel der beiden Bier-Fans ist schließlich der nördlichste Pub Großbritanniens, die Bar des Baltasound-Hotels auf der Insel Unst, die zu den Shetland-Inseln gehört, von der sie allerdings enttäuscht sind. Ein paar Meilen nördlich davon, so erfahren sie, gibt es noch eine Bar, die zu einer Royal Air Force-Station gehört, die Baa Bar. Auch die nehmen sie noch mit, obwohl es kein öffentliches Etablissement ist.

So haben Ian und Perry innerhalb eines Monats Hunderte von Meilen zurückgelegt, jeweils weit über 100 Pints getrunken und jede Menge neue Pubs kennengelernt. Wer sich für das Thema interessiert, wird an diesem Buch sicher seine Freude haben.

Ian Marchant: The Longest Crawl – Being an account of a journey through an intoxicated landscape or A child’s treasury of booze. London: Bloomsbury 2007. 403 Seiten. ISBN 978-0-7475-8557-2.

The Turk’s Head in St Agnes, Großbritanniens südlichster Pub.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das Baltasound Hotel auf den Shetland Inseln.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Colonel Pierpoint und die erste Londoner Verkehrinsel

Die St James’s Street mit einer kleinen Verkehrsinsel.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch wenn es Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Automobile gab, konnte der Verkehr in der Metropole London mörderisch sein. Pferdefuhrwerke donnerten ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straßen und die Fußgänger mussten schon sehr aufpassen, um nicht unter die Hufe zu kommen. John Peake Knight ließ am 9. Dezember 1868 in London die erste Verkehrsampel der Welt installieren (ich berichtete in meinem Blog darüber), an der Ecke Great George Street und Parliament Street. Nicht allzuweit entfernt von dieser Stelle, in der vornehmen St James’s Street, gab es ein weiteres Verkehrsleitmittel, das 1864 erstmals in der Stadt installiert wurde: Eine Verkehrsinsel (traffic island). Bereits zwei Jahre zuvor hatte es ein Sattler namens John Hastings in Liverpool nach jahrelangen Bemühungen endlich geschafft, dass die zuständigen Behörden in seiner Stadt solche Verkehrsinseln einrichteten, damit Fußgänger beim Überqueren einer breiten Straße, auf dieser traffic island kurz Atem holen konnten, bevor sie die zweite Etappe in Angriff nehmen konnten.

Colonel Pierpoint, ein Mann über den ich leider keine weiteren Informationen finden konnte, war der John Hastings von London. Er war häufig auf dem Weg zu seinem Club (man streitet sich darüber, ob es der Carlton Club oder White’s war) und musste dazu die vielbefahrene St James’s Street überqueren, was manchmal lebensgefährlich sein konnte (vor allem, wenn er in seinem Club dem Alkohol zugesprochen hatte). Also machte sich der Colonel dafür stark, eine dieser neumodischen Einrichtungen auch hier in der St James’s Street zu installieren. Erst nach langem hin und hier und nachdem er seine Privatschatulle weit geöffnet hatte, bekam Mr Pierpoint seinen Willen und eine Verkehrsinsel wurde gebaut. Jetzt kann ich wesentlich sicherer die Straße an dieser Stelle überqueren, freute er sich und wollte seinen Freunden gleich die neue traffic island vorführen. Stolz flitzte er darüber…und wurde von einer Kutsche erfasst. Exitus Colonel Pierpoint.
Trotzdem haben sich seitdem die Verkehrsinseln, nicht nur in London, durchgesetzt.

Published in: on 27. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Spukorte – Moreton Corbet Castle in Shropshire

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Sie haben etwas Faszinierendes an sich, die Ruinen des Morton Corbet Castle, die in dem gleichnamigen Dorf in Shropshire liegen. Direkt daneben findet man die ebenfalls verfallene Hall. Mehrere Jahrhunderte wohnte hier die Corbet Familie, der die Ruinen noch immer gehören, obwohl English Heritage die Verwaltung übernommen hat. So um das Jahr 1200 herum erbaute Bartholomew Turret die Burg, an der man über 500 Jahre lang immer wieder herumwerkelte. Die elisabethanische Hall entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter der Regie von Robert Corbet, der aber 1583 an der Pest starb, so dass seine Brüder Richard und Vincent übernehmen mussten.

Als Sir Vincent Corbet Lord of the Manor war, hatte er einen Nachbarn namens Paul Holmyard, einen Puritaner, die damals im ganzen Land verfolgt wurden. Aus Mitleid vor der gefährlichen Situation, in der sich Holmyard befand, nahm er ihn in seiner Burg auf und gewährte im Schutz. Doch allmählich wurden dem Burgherren die Puritaner zu fanatisch, so dass er seinen Gast aufforderte, sein Haus zu verlassen. Holmyard versteckte sich daraufhin in den umliegenden Wäldern und ernährte sich dort von Beeren und was ihm so gerade über den Weg lief. Eines Tages tauchte er wieder vor Morbet Corbet Castle auf und verfluchte die Familie und die Burg. Niemals sollte die Burg fertig werden, hieß es in dem Fluch, und er bewahrheitete sich denn auch. Während des Bürgerkrieges wurde sie durch die Kampfhandlungen der Parlamentarier stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurde zwar immer wieder repariert, blieb aber unvollendet.

Der Geist von Paul Holmroyd soll bis zum heutigen Tag des Nachts durch die Ruinen wandern. Vielleicht will er sicher gehen, dass die Burg wirklich nicht wieder aufgebaut wird  und sein Fluch bestehen bleibt.

Man kann sich die Ruinen von Morton Corbet Castle and Hall ansehen. Geöffnet sind sie für Besucher „any reasonable time during daylight hours“, so English Heritage. Der Eintritt ist kostenlos. Dieser Film vermittelt einen Eindruck von der verfluchten Burg und dem Herrenhaus.

Moreton Corbet Castle
Shawbury
Shrewsbury, Shropshire, SY4 4DW

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Wer war eigentlich… Waitrose, der Gründer der Supermarktkette?

 

Der Firmensitz von Waitrose in Bracknell in Berkshire.
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Waitrose ist eine  britische Supermarktkette, die sich umsatzmäßig nicht mit den ganz Großen wie Tesco messen kann, die sich dafür an die Kunden mit gehobenen Ansprüchen wendet. 350 Filialen soll es zurzeit geben mit 91 000 Angestellten.

Gab es denn nun jemanden, der Waitrose hieß? Nein; die drei Firmengründer hießen Wallace Waite, Arthur Rose und David Taylor, die 1904 im Westen Londons ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffneten. Nachdem Taylor die Partnerschaft verließ, warfen die beiden anderen einfach ihre Nachnamen zusammen und nannten sich fortan Waitrose.
1937 gab es bereits 10 Läden mit 160 Beschäftigten, die in diesem Jahr von der John Lewis Partnership übernommen wurden.
1955 wurde dann der erste Waitrose-Supermarkt im Süd-Londoner Stadtteil Streatham eröffnet, gefolgt von vielen anderen in den 60er und 70er Jahren; zuerst im Süden Englands, später im ganzen Land.
Waitrose acquirierte nach dem Jahr 2000 eine Fülle anderer Supermärkte, z.B. die von Safeway, Somerfield und Morrison’s.

Die Supermarktkette, deren Firmensitz in Bracknell (Berkshire) liegt, ist dafür bekannt, dass sie einen Teil ihrer Gewinne an Wohltätigkeitsorganisationen abgibt und dass die Angestellten „Partner“ genannt werden; sie sind Mitbesitzer und erhalten jährlich einen Bonus ausgezahlt, außerdem können sie in den Läden vergünstigt einkaufen.

Waitrose darf stolz darauf sein, dass die Firma Hoflieferant sowohl der Königin als auch ihres Sohnes, Prince Charles, ist.

Was für eine Entwicklung: Vom kleinen Tante-Emma-Laden zu einem Unternehmen mit einem Umsatz von 5 Milliarden Pfund!

Waitrose in Sevenoaks (Kent).
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Waitrose in der Londoner Kensington High Street.
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Published in: on 25. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Neighbourhood Watch – Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bürgern und der Polizei

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire). Eigenes Foto.

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Wenn ich den Begriff „Neighbourhood Watch“ höre, muss ich unwillkürlich an ältere Damen denken, die in ihren rosenumrankten Cottages hinter Gardinen misstrauisch beäugen, was sich auf der Dorfstraße so alles abspielt und dem Village Constable ihre Beobachtungen mitteilen, der dann auf seinem Fahrrad herbeiradelt und die verdächtigen Dinge in Augenschein nimmt.

Ganz so „Miss Marplish“ spielt sich das heute natürlich nicht ab. Seit knapp 30 Jahren gibt es die Institution Neighbourhood Watch in Großbritannien, die nach amerikanischem Vorbild erstmals 1982 in Mollington (Cheshire) ausprobiert wurde.

Wenn man durch englische Dörfer oder Städte fährt, sieht man häufig Schilder mit der Aufschrift „This is a Neighbourhood Watch Area„, die potentielle Gesetzesbrecher darauf aufmerksam machen, dass man in dieser Gegend besonders genau hinschaut, wer sich hier aufhält und verdächtig macht.
Rund 10 Millionen Menschen sollen in Großbritannien an dieser Kampagne aktiv teilnehmen, die von der Polizei unterstützt aber nicht geleitet wird.

Ziele von Neighbourhood Watch sind
– Verbrechen bereits im Vorfeld zu unterbinden, durch aufmerksames Beobachten der näheren Umgebung und durch verstärkte Sensiblisierung der Bürger gegenüber kriminellen Handelns.

– Unterstützung der örtlichen Polizei durch rechtzeitige Information über verdächtige Bewegungen im Ort.

– Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, auch indem man sich um die Gefährdung speziell älterer Menschen kümmert und diese auf mögliche Gefahren hinweist.

Ansprechperson sowohl für die teilnehmenden Bürger als auch für die Polizei ist der Neighbourhood Watch Co-ordinator, der sich z.B. um die Weitergabe von Informationen in beide Richtungen kümmert. Koordinator und „Watcher“ arbeiten alle ohne Bezahlung.

Die Polizei ist heute nicht mehr in der Lage, mit allen Problemen fertig zu werden, die sich aus Verbrechen und unsozialem Verhalten ergeben, und sie ist auf die Mitarbeit der Gemeinschaft angewiesen. Neighbourhood Watch hat sich als eine gute und wirkungsvolle Möglichkeit erwiesen, verantwortungsbewusste Bürger in diese präventive Arbeit mit einzubeziehen.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbouhood Watch-Dorf Englands.   © Copyright Dennis Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbourhood Watch-Dorf Englands.
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Im Londoner Stadtteil Ealing.
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Published in: on 24. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ben Hatch: Are We Nearly There Yet? A Family’s 8000 Miles Around Britain in a Vauxhall Astra

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Ben Hatch, seine Frau Dinah, Tochter Phoebe und Sohn Charlie machen sich auf einen über 8000 Meilen langen Weg quer durch England, Wales und Schottland, um für  Frommer’s Guidebooks einen familienfreundlichen Reiseführer zu schreiben; d.h. der Auftrag gilt natürlich nur für Ben und Dinah, da Phoebe und Charlie noch im Kleinkindalter sind. Fünf Monate sind die vier unterwegs und was sie da alles erlebt haben, schildert Vater Ben in diesem Buch.

Es passiert auf der Fahrt so einiges. Sie werden in einen Autounfall verwickelt, Ben wird wegen eines Nierensteins in ein Krankenhaus eingeliefert, sein Vater stirbt; aber die Hauptaufgabe besteht natürlich darin, hunderte von britischen Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants auf ihre Familienfreundlichkeit zu überprüfen. Dabei geraten sie hin und wieder auch an weniger kinderfreundliche Betriebe wie in Grasmere in Cumbria, wo es Dinah nicht gelingt, ein Café oder Lokal zu finden, das bereit ist, Charlies Babyfläschchen aufzuwärmen.

Hier einige von Ben Hatchs Empfehlungen für Urlaube mit Kindern in Großbritannien:
Bestes Schloss: Norwich Castle
Bestes Museum: The Natural History Museum in London
Beste Stadt: Brighton
Bester Tagesausflug: Brownsea Island in Dorset

Was mir an dem Buch nicht gefiel: Ben Hatch scheut nicht davor zurück, Intimitäten wiederzugeben, die man eigentlich lieber nicht lesen möchte. So muss es vielleicht nicht sein, dass man genauestens erfährt wie sein Nierenstein abgeht oder wie er versucht, seine Verstopfung zu beheben.

Das Ergebnis der fünfmonatigen Rundfahrt ist in diesem Buch nachzulesen:
Ben Hatch & Dinah Hatch: Frommer’s England with Your Family. John Wiley 2010. 256 Seiten. ISBN 978-0470721681. (Frommers With Your Family Series).

Ben Hatch: Are We Nearly There Yet? – A Family’s 8000 Miles Around Britain in a Vauxhall Astra. Summersdale 2011. 320 Seiten. ISBN 978-1849531559.

Published in: on 23. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Undertones, ihr Song „Teenage Kicks“ und DJ John Peel

John Peels Grab in Great Finborough (Suffolk) mit der Textzeile aus „Teenage Kicks“.
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Die nordirische Punkrock-Band The Undertones mit dem Sänger Feargal Sharkey (der als Solist 1985 einen internationalen Erfolg mit „A Good Heart“ feiern sollte) wurde 1975 gegründet und blieb bis 1983 zusammen. Nach ihrer Auflösung fand sie sich 1999, ohne ihren ehemaligen Leadsänger, wieder zusammen und spielt bis heute, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Der Song, der mit den Undertones wohl für alle Zeiten verbunden wird, ist ihr Debüttitel „Teenage Kicks“ aus dem Jahr 1978, der in den britischen Charts immerhin Platz 31 erreichte.

Ohne die tatkräftige Unterstützung des legendären DJs John Peel (ich berichtete in meinem Blog schon einmal über ihn), der von 1967 bis zu seinem Tod 2004 für BBC Radio 1 arbeitete, wären die Undertones und ihr „Teenage Kicks“ vielleicht außerhalb Nordirlands niemals bekanntgeworden. Als Peel den Song zum ersten Mal hörte, war er davon so begeistert, dass er ihm in seiner Radioshow die höchstmögliche Punktzahl auf seiner Bewertungsskala gab. Das Lied, das ihn immer wieder zu Tränen rührte und das er in seiner Show sogar zweimal hintereinander spielte, sollte ihn als sein Lieblingssong bis zu seinem Tod begleiten…und darüber hinaus.

John Peel starb im Alter von 65 Jahren am 25. Oktober 2004 während eines Auslandsaufenthaltes in der Inkastadt Cuzco in Peru. Am 12. November fand in der St Edmundsbury Cathedral in Bury St Edmunds (Suffolk) seine Trauerfeier statt, auf der u.a auch Peels Kollege von Radio 1 DJ Paul Matthew Gambaccini eine Rede hielt. Viele Künstler aus der britischen Musikszene waren anwesend, denen Peel zu ihrer Karriere geholfen hatte, darunter auch der Undertones-Sänger Feargal Sharkey. Als der Sarg aus der Kathedrale getragen wurde, spielte man „Teenage Kicks“, einen passenderen Song hätte man nicht auswählen können. Auf seinem Grabstein wünschte sich der DJ die erste Zeile des Undertones-Songs „Teenage dreams, so hard to beat„. Dieser Wunsch wurde ihm einige Jahre später erfüllt. Oben auf dem Stein ist zusätzlich noch ein „Liver Bird“ zu sehen, das Emblem des Fußballvereins Liverpool FC, dessen Anhänger John Peel war. Zu finden ist sein Grab auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Great Finborough (Suffolk), einem Dorf, in dem er 33 Jahre gelebt hatte.

Dieser Film dokumentiert den Werdegang der Undertones und hier sind John Peels letzte Worte als DJ zu hören, als er sich von seinen Hörern vor seinem Urlaub verabschiedet.

Die Kathedrale St Edmundsbury in Bury St Edmunds (Suffolk), in der John Peels Trauerfeier stattfand.
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Published in: on 22. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Elgar-Freundeskreis Deutschland – Hier haben sich Verehrer des englischen Komponisten zusammengefunden

Mit freundlicher Genehmigung des Elgar-Freundeskreises.

Vor einigen Jahren schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Elgar Birthplace Museum in Lower Broadheath (Worcestershire), das zurzeit geschlossen ist und in das Management des National Trusts übergeben wird. Sir Edward Elgar (1857-1934) hat immer noch eine große Anhängerschaft im Land, und die Elgar Society ist die größte Gesellschaft Großbritanniens, die sich einem einzigen Komponisten widmet.

In Deutschland kennt man ihn überwiegend durch den „Pomp & Circumstance March No. 1„, einer der Höhepunkte der jährlichen „Last Night of the Proms“, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird. Seit einiger Zeit haben sich auch hierzulande Verehrer des Komponisten zusammengefunden und den Elgar-Freundeskreis Deutschland gegründet, der stolz darauf sein kann, über zwei hochkarätige Schirmherren zu verfügen, nämlich den Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim und den Opernintendanten Sir Peter Jonas.

Welche Aufgaben hat sich nun der deutsche Freundeskreis gesetzt? Ein Flyer gibt Auskunft: Er „unterstützt Aufführungen von Kompositionen Sir Edward Elgars in Deutschland und hilft bei der Vermittlung von Förderung, bietet kostenlose Vorträge, Pre-Concert-Talks, Seminare und Materialien, veröffentlicht den Newsletter Mr Phoebus mit Neuigkeiten zu Konzerten, Konzertberichten, Buchbesprechungen und Konzertkritiken, gibt den Freunden der Musik Sir Edward Elgars in Deutschland sowie im deutschsprachigen Raum ein Forum und ist Ansprechpartner für jeden, der sich für Elgars Leben und Werk interessiert und mehr erfahren will“.

Den Vorsitzenden des Freundeskreises, Wolfgang-Armin Rittmeier, konnte ich vor einigen Tagen bei seinem Vortrag über das Leben und das Werk Edward Elgars kennenlernen, wobei auch Ausschnitte aus den „Enigma-Variationen“ und „The Dream of Gerontius“ zu hören waren.

Die Webseiten des Elgar-Freundeskreises bieten eine Fülle von Informationen, sie enthalten eine sehr ausführliche Diskografie, eine Bibliografie wird gerade bearbeitet. Noch ein Wort zum Namen des Newsletters, der sich „Mr Phoebus“ nennt. Er bezieht sich auf ein Fahrrad, das Elgar im Jahr 1900 erwarb, ein Royal Sunbeam, das er sehr liebte. Zu sehen sind beide, Komponist und Fahrrad, als Statue vor der Kathedrale von Hereford (Herefordshire).

Hier ist der erste Teil einer Filmdokumentation über Sir Edward Elgar, die Ken Russell 1962 für die BBC erstellte.

Sir Edward Elgar und Mr Phoebus vor der Kathedrale von Hereford.
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Grabstein Sir Edward Elgars und seiner Frau Caroline Alice auf dem Kirchhof von St Wulstan’s in Little Malvern (Worcestershire).
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Published in: on 21. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Yew Trees – Uralte Eibenbäume

Der berühmte Ankerwycke Yew Tree in Berkshire).
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Mit dem Thema „Yew trees„, also Eiben (Taxus baccata), habe ich mich in meinem Blog schon einige Male beschäftigt; so stellte ich die Yew Tree Avenue von Clipsham Hall (Rutland) vor, die Ankerwycke Yew bei Wraysbury (Berkshire) und die Crowhurst Yew in Crowhurst (Surrey). Diese Bäume können uralt werden, einige reichen in die Zeit von Christi Geburt zurück und als man zur Jahrtausendwende dessen 2000. Geburtstag feierte, startete in Großbritannien das Yews for the Millennium Project. Die Conservation Foundation sammelte Ableger von Eiben, die bereits zu Christi Geburt existierten und davon gab es nicht wenige. Über 8000 dieser Ableger kamen zusammen, die an Kirchen verteilt und dort wieder eingepflanzt wurden. Nach Schätzungen könnten im Jahr 3000 etwa 5% dieser neugepflanzten Eiben noch am Leben sein.

Auch die Ancient Yew Group beschäftigt sich intensiv mit diesen schönen Bäumen. Ihre Aufgabe ist „to protect and manage ancient yews“. Die Herzen der Mitglieder dieser Vereinigung bluten, wenn sie hören, dass eine der alten Eiben von einem Sturm umgekippt oder, schlimmer noch, von Menschenhand gefällt wurde.

Das Alter der Eiben wird in Kategorien eingeteilt, wobei „Notable Yews“ (N) zwischen 300 und 600 Jahre alt sind, „Veteran Yews“ (V) zwischen 500 und 1200 Jahre und „Ancient Yews“ (A) mindestens 800 Jahre alt sind.  Im Gegensatz zu Deutschland steht die Taxus baccata in Großbritannien nicht auf der „List of Endangered Species“.

Dieser Film stellt die Eibe, „The Sacred Tree“, vor.

Hier sind einige Beispiele für Eiben der Kategorie „A“, die also über 800 Jahre alt sind:

Auf dem Kirchhof von St Mary’s in Aldworth (Berkshire).
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St Mary’s in Langley Marish (Berkshire).
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The Beltingham Yew auf dem Kirchhof von St Cuthbert’s in Beltingham (Northumberland).
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St Mary’s Churchyard in Lytchett Matravers (Dorset).
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Published in: on 20. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Die Top 10 der häufigsten englischen Pubnamen

The Red Lion in Lacock (Wiltshire).
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Fährt man durch England, dann wird man immer wieder mit Pubs konfrontiert, die den gleichen Namen führen. Welches sind nun die am weitesten verbreiteten Pubnamen? Hier ist die Liste der Top 10:

1 The Red Lion. Der Name geht auf König James I. (1566-1625) zurück, der seinerzeit die Order erließ, dass alle öffentlichen Gebäude und Gasthäuser an einer gut sichtbaren Stelle das Wappen mit dem roten Löwen anzubringen haben. James I. war gleichzeitig James VI. von Schottland und der Red Lion ein schottisches Wappentier. So um die 650 Rote Löwen soll es (noch) in Großbritannien geben und Cathy Price hat  sie alle besucht wie ich in einem Blogeintrag einmal geschrieben habe.

2 The Royal Oak. Auch hier ist wieder ein König im Spiel, nämlich Charles II. (1630-1685). Nachdem er am 3. September 1651 die Schlacht von Worcester gegen die parlamentarischen Truppen verloren hatte, floh er nach Frankreich. Auf dem Weg dorthin machte er im Boscobel House in Shropshire Station, wo er sich vor seinen Häschern in einer Eiche versteckte. Die Boscobel Oak gibt es nicht mehr, nur noch einen Baum, der sich aus einer heruntergefallenen Eichel des „Originals“ entwickelt haben soll.

3 The Crown. Dieser Name symbolisiert einfach nur die Loyalität zu dem regierenden Herrscher. Zur Zeit Oliver Cromwells ging die Zahl der Gasthöfe mit diesem Namen natürlich vorübergehend stark zurück. Doch als wieder ein König über das Land herrschte, gab es erneut viele „The Crowns“.

4 The Kings Head. Bevor Henry VIII. (1491-1547) mit der katholischen Kirche brach, hießen viele Gasthäuser The Popes Head. Die Gastwirte gingen danach auf Nummer Sicher und wollten den König nicht vergrätzen, so dass sie ihre Häuser in The Kings Head umbenannten. Viele Pubschilder zeigen denn auch ein Konterfei von Henry VIII., aber auch andere Könige zieren diese.

5 The Rose & Crown. Der Name geht auf das Ende der Rosenkriege zurück (1455-1485), in denen das Haus Lancaster (symbolisiert durch eine rote Rose) gegen das Haus York (symbolisiert durch eine weiße Rose) kämpfte. Der Sieger der Schlacht von Bosworth, Henry VII., ein Lancastrian, heiratete daraufhin Elizabeth von York, die Nichte Richards III., der in der Schlacht unterlag. So wurden die beiden verfeindeten Häuser vereint. Zu Ehren des Paares wurden viele Gasthäuser nach ihnen benannt.

6 The White Hart. Der weiße Hirsch war das Wappentier König Richards II. (1367-1400) und viele Gastwirte wählten damals diesen Namen, um ihre Verbundenheit mit der Krone zu zeigen.

7 The Queens Head. Pubs mit diesem Namen zeigen alle möglichen Königinnen, vor allem aber Elizabeth I. (1533-1603) und Queen Victoria (1819-1901). Den Namen der regierenden Königin, Elizabeth II., sucht man übrigens vergebens, das ist nämlich nicht erlaubt.

8 The Bell. Der Name zeigt die (frühere) Verbundenheit von Gasthöfen mit der Kirche. Oft wurden Kirchenglocken auf dem Pubschild abgebildet.

9 The Railway. Durch den Bau der Eisenbahnlinien im 19. Jahrhundert wurde dieser Name für Pubs sehr populär.

10 The Swan. Dieses Tier galt in früheren Zeiten als das Symbol für die Unschuld und wurde gern auf Wappen verwendet. Vor allem die beiden Könige Edward III. (1312-1377) und Henry VIII.  liebten die Schwäne.

The Royal Oak in Biddulph (Staffordshire).
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The Crown in Longtown (Herefordshire).
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The Kings Head in Theddletorpe All Saints (Lincolnshire).
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The Rose & Crown in Oxford.
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Published in: on 19. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

2017 Historic Houses Association (HHA) Garden of the Year Award – And the winner is: Helmingham Hall Gardens in Suffolk

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Timothy John Edward Tollemache, 5th Baron Tollemache, ist der Besitzer von Helmingham Hall in Suffolk, einem Familiensitz, der schon über 500 Jahre ununterbrochen den Tollemaches gehört. Das von einem Wassergraben umgebene Haus liegt in dem kleinen Dorf Helmingham, rund zwanzig Kilometer nördlich von Ipswich entfernt. Die Gärten von Hemingham Hall sind in diesem Jahr mit dem Garden of the Year Award der Historic Houses Association ausgezeichnet worden, einem vom Auktionshaus Christie’s gesponsorten Preis. Preisträger 2016 waren die Gärten des Caerhays Castles in Cornwall, im Jahr davor Renishaw Hall and Gardens in Derbyshire.

Seit 1984 wird der Garden of the Year Award vergeben, und dass er in diesem Jahr an Helmingham Hall fiel, ist der Dame des Hauses, Lady Alexandra Tollemache, zu verdanken, die von Beruf Landschaftsarchitektin ist. Sie hat u.a. den Millennium Garden in Castle Hill in Devon und den Cloister Garden vom Wilton House bei Salisbury gestaltet. Xa Tollemache, wie sie sich nennt, hat in Helmingham rund um ihr Haus, das über zwei Zugbrücken zugänglich ist, die auch jeden Abend hochgezogen werden, eine Fülle unterschiedlichster Gärten angelegt. Neben dem Küchengarten findet der Besucher zum Beispiel den Rosengarten, in dem Rosen von David Austin zu bewundern sind, den Wildblumengarten und den Parterre and Hybrid Musk Garden. Schon Patrick Taylor schwärmt in seinem 2003 erschienenen wunderschönen Buch „The Gardens of Britain & Ireland“ (dt. „Englische Gärten“) von Helmingham Hall und schreibt „Bei kaum einem anderen Anwesen Englands ist die Anfahrt so schön wie hier“ und meint, dass man im ganzen Land keinen attraktiveren ornamentalen Küchengarten findet.

Die Helmingham Hall Gardens (das Haus ist nicht zu besichtigen) werden jedes Jahr von ca 20 000 Besuchern bewundert. In diesem Jahr sind die Gärten bis zum 17. September geöffnet, Dienstag bis Donnerstag und Sonntag, jeweils von 12 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £7.

Dieser Film zeigt einige Highlights der Gärten.

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Published in: on 18. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – James Bamber & Sally Raines: Wacky Nation – 50 unbelievable days out at Britain’s craziest contests

Foto meines Exemplares.

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Es gibt wohl kein anderes Land in der Welt, in dem es so viele verrückte Wettbewerbe gibt wie in England. James Bamber und Sally Raynes haben 50 besonders skurrile Beispiele in ihrem Buch „Wacky Nation: 50 unbelievable days out at Britain’s craziest contests“ (London: Icon Books 2009. ISBN 978-184831062-9) zusammengetragen.

In meinem Blog habe ich den einen oder anderen „wacky“ Wettbewerb schon vorgestellt. Wer mehr darüber wissen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Hier einige Beispiele:

– Die World Russian Egg Roulette Championships finden jährlich in Swaton bei Sleaford in Lincolnshire statt.

– Die World Pea Shooting Championships kann man sich jedes Jahr im Juli in Witcham bei Ely in Cambridgeshire ansehen.

– Wer sich speziell für Hühnerrennen interessiert, sollte auf keinen Fall die im August ausgetragenen Bonsall World Championship Hen Racing auslassen.

James Bamber und Sally Raynes betreiben auch eine eigene Webseite, auf der man sich ständig auf dem Laufenden halten kann.

Auf dem deutschen Buchmarkt gibt es ein vergleichbares Buch: Ulrike Katrin Peters und Karsten-Thilo Raab haben in „Britannia Kuriosa: Die skurrilsten Veranstaltungen und Wettbewerbe in Großbritannien“ ebenfalls Beispiele für skurrile Meisterschaften und Wettbewerbe zusammengetragen. Erschienen ist es 2008 im Essener Westflügel-Verlag mit der ISBN 978-3-939408-04-8.

Foto meines Exemplares.

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Published in: on 17. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  

Hull – UK City of Culture 2017

Hull begrüßt das Jahr 2017.
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Kingston upon Hull oder kurz Hull im East Riding of Yorkshire ist eine Stadt, die immer wieder versucht, ihren nicht besonders guten Ruf zu verbessern. Ihr scheint das mittlerweile auch zu gelingen, denn in diesem Jahr wurde die 260 000-Einwohner beherbergende Stadt zur UK City of Culture ausgerufen. Die Region Derry/Londonderry in Nordirland war 2013 die erste City of Culture, nach vier Jahren folgt nun Hull. Die Städte, die diese Ehrung erfahren, dürfen den Titel jeweils ein Jahr lang tragen. Hull konnte sich gegen die Mitbewerber Dundee in Schottland, Swansea Bay in Wales und Leicester in England durchsetzen. Durch diese Auszeichnung erhofft man sich, dass die Städte und die Regionen einen wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Anschub bekommen.

Die Verantwortlichen in der Stadt Hull haben sich für dieses Jahr einiges ausgedacht. Schon der Jahresbeginn wurde in großem Stil mit einem Feuerwerk und einer Lightshow begonnen. Jedes Quartal steht unter einem anderen Motto. Von Januar bis März hieß es „Made in Hull“ mit dem Schwerpunkt „to show people what Hull is really made of and the many incredible things Hull has made for the world“. In dem künstlerischen Projekt „Hullywood Icons“ von Quentin Budworth stellen Bewohner der Stadt Filmszenen nach wie dieser Film zeigt.

Die zweite Saison von April bis Juni nennt sich „Roots and Routes“ und stellt Hull als Stadt des Wandels vor, als Einfallstor für Europa und als Stadt mit internationalem Flair.

Die Zeit von Juli bis September steht unter dem Motto „Freedom“ und stellt die Themen Emanzipation und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Höhepunkt in diesem Quartal dürfte das dreitägige Freedom Feastival sein, das vom 3. bis zum 5. September stattfindet.

Tell the World“ heißt es von Oktober bis Dezember und in diesen Monaten geht es um die Zukunft der Stadt Hull. „We’ll look at how Hull is redefining itself as a key city within the North; a place reborn, with the voice and confidence of a city on the up.“

Das Angebot an kulturellen Veranstaltungen ist riesig; allein für heute, den 16. Mai, habe ich 27 Aktionen gezählt. Ich hoffe, dass Hull durch die Ernennung zur UK City of Culture endgültig das Image des Schmuddelkindes hinter sich gelassen hat. Unter den Top 50 der „Crap Towns“ ist die Stadt  schon nicht mehr zu finden.

Die Bewerber für die UK City of Culture 2021 stehen schon in den Startlöchern; dazu gehören u.a. Coventry, Hereford, Sunderland und Wells.

Hull City Hall illuminiert.
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Das City of Culture Logo in den Queens Gardens.
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Eine Kunstinstallation im Rahmen des Kulturprogramms.
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Published in: on 16. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die sieben Nasen von Soho

Die Nase am Admiralty Arch.
Author: Colonel Warden.
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CCTV-Kameras sind in London überall zu finden. Man hat sich in der Stadt mittlerweile an sie gewöhnt. Geben die Kameras nun ein Gefühl der Sicherheit oder fühlt man sich von ihnen beobachtet? Der Aktionskünstler Rick Buckley tendierte zu der zweiten Meinung, als er 1997 an 35 Stellen im Stadtgebiet direkt unter die Kameras Nasen installierte, die auf die „Schnüffelei“ aufmerksam machen sollten. Der 1962 in Essex geborene Künstler hatte an der Sheffield School of Art und der Kunstakademie in Düsseldorf studiert und viele Ausstellungen in Deutschland gemacht, darunter zahlreiche in Berlin.

Die Idee mit den Nasen kam ihm durch die Lektüre der Erzählung „Die Nase“ des russischen Schriftstellers Nikolai Gogol, die dieser 1836 schrieb. Zusätzlich beeinflusst von den Aktionen der sogenannten Situationisten der 1960er Jahre begann Rick Buckley seinen witzigen Protest gegen die CCTV-Kameras 1997 umzusetzen. Er modellierte seine eigene Nase aus Gips und machte sich mit den 35 Exemplaren und einer entsprechenden Menge Klebstoff auf den Weg durch Londons Mitte, um sie an prominenten Stellen zu befestigen. Da der Künstler sich in Schweigen hüllte, wusste niemand, wer denn nun der „Nasen-Urheber“ war; erst 14 Jahre später lüftete er das Geheimnis, da waren allerdings schon die meisten Nasen wieder entfernt worden; übriggeblieben sind die „Sieben Nasen von Soho„. Um diese Rest-Nasen haben sich im Laufe der Zeit Legenden gebildet, und so heißt es, dass jeder, der alle sieben Nasen ausfindig macht, zu großem Reichtum kommt. Überliefert ist aber nicht, ob das schon jemals zutraf.

Eine der Buckleyschen Nasen ist am Admiralty Arch angebracht, jenem Triumphbogen am Anfang/Ende der Straße The Mall, die zum Buckingham Palace führt. Einige waren der Meinung, dass diese Nase an den Duke of Wellington erinnern sollte, der dafür bekannt war, ein besonders großes Exemplar besessen zu haben. Andere wiederum meinten, dass es sich dabei um eine Ersatznase für die Statue des Horatio Nelson handelte, falls diese einmal ganz oben auf der Säule auf dem Trafalgar Square Schaden nehmen sollte. Dieser Film zeigt die Nase.

Eine lila Nase findet sich direkt an dem lila gestrichenen Strip-Club namens Sunset Strip in der Dean Street. Weitere Nasen kann man in der Great Windmill Street, in der Endell Street, der Bateman Street und am Bahnhof St Pancras suchen. Die Nase in der Meard Street stammt nicht von Rick Buckley, sondern war ein Teil des „Living Street“-Projekts aus dem Jahr 2005.

Ich wünsche ein erfolgreiches Suchen in den Straßen Londons!

Die Nase am St Pancras Bahnhof.
Author: Colonel Warden.
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Published in: on 15. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peter Walker alias Nicholas Rhea (1936-2017) – Der Autor der „Constable“-Bücher ist gestorben

Hier wurde Peter Walker 1936 geboren.
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Am 21. April in diesem Jahr starb Peter Walker in Ampleforth in North Yorkshire, dem Ort, in dem er den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. Ihn kennt man vor allem als Autor der „Constable„-Romane (sie wurden leider nicht ins Deutsche übersetzt), die er unter dem Pseudonym Nicholas Rhea schrieb. Mehr als 130 Bücher verfasste der Mann aus Yorkshire im Laufe seines Lebens, viele mit Bezug zu der Grafschaft im Norden Englands.

Geboren wurde Peter Walker 1936 in Glaisdale, einem Dorf im North York Moors National Park, 13 Kilometer westlich von Whitby entfernt, da, wo er auch zur Schule ging. Schon früh beschloss er Polizist zu werden und seine erste Runden als Bobby drehte er ebenfalls in der Hafenstadt Whitby. Weitere Einsatzorte waren Northallerton und Oswaldkirk in North Yorkshire. 1968 wurde er zum Sergeant und 1976 zum Inspector befördert. Nach 30 Jahren Polizeiarbeit schied er 1982 aus dem Dienst aus, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, einer Liebe, die er schon als junger Mann entdeckt hatte.

Seine jahrelangen Erfahrungen als Dorfpolizist fanden ihren Niederschlag in den Romanen um Constable Nick Rhea. „Constable on the Hill“ erschien 1979 und da lernen wir den jungen Mann kennen, der seinen Einsatzort in dem fiktiven Dorf Aidensfield hat. 32 Jahre später geht er in dem Band „Constable over the Hill“ in Pension. Wer die Moore Yorkshires liebt, wird auch diese Bücher lieben, die sehr viel Lokalkolorit beinhalten. Adäquat verfilmt wurden sie durch die äußerst populäre Fernsehserie namens „Heartbeat„, die der Sender ITV von 1992 bis 2010 ausstrahlte, 372 Episoden in 18 Staffeln. Ich besitze noch die ersten Folgen auf Video, als PC Nick Rowan (gespielt von Nick Berry) mit seiner Frau Kate (gespielt von Niamh Cusack) nach Yorkshire zieht und sie sich beide erst einmal an das fremde Umfeld und die anders tickenden Menschen gewöhnen müssen. Die Titelmelodie wurde von Nick Berry selbst gesungen (hier zu hören). Gedreht wurde die Serie vor Ort in North Yorkshire, vor allem in Goathland und Umgebung. Hier ist die erste Folge der ersten Staffel zu sehen.
Merkwürdigerweise hat sich kein deutscher Fernsehsender für die Serie interessiert, die man am ehesten mit „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) vergleichen kann, der Tierarztserie nach den Romanen von James Herriott, die auch in North Yorkshire spielt und die in Deutschland sehr beliebt war.

Peter Walker benutzte noch andere Pseudonyme, unter denen er Krimis schrieb wie Christopher Coram, Tom Ferris und Andrew Arncliffe. Hier ist eine Liste sämtlicher Bücher.

Wie ich bereits oben erwähnte, wohnte Peter Walker mit seiner Familie lange Zeit in Ampleforth am Südrand des North York Moors National Parks, auf halbem Weg zwischen Coxwold und Oswaldkirk. Am 28. April fand die Trauerfeier im Ort in der Kirche Our Lady and St Benedict’s statt. Seine Tochter Tricia Walker hielt eine Rede auf ihren Vater und erwähnte darin, dass er ein Yorkshireman aus Schrot und Korn war und seine Heimat über alles liebte.
Tricia Walker ist auch Schriftstellerin und wurde durch ihren ersten Roman „Benedict’s Brother“ (2007) bekannt, der im nächsten Jahr verfilmt werden soll.

Dreharbeiten zu „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
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Our Lady and St Benedict’s in Ampleforth.
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Eine Auswahl meiner Peter Walker-Bücher und meine Videokassette der ersten „Heartbeat“-Staffel.

Published in: on 14. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village lock-ups – Ehemalige Dorfgefängnisse, von denen einige noch erhalten sind

Das Dorfgefängnis von Castle Cary in Somerset, dessen Dach als Inspiration für den Helm der englischen Polizei gilt.
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Im 18. und 19. Jahrhundert, aber auch schon früher, wurden in vielen Dörfern Mini-Gefängnisse gebaut, die sogenannten Village lock-ups, denn wo sollte man hin mit den Kleinkriminellen, Tagedieben und Betrunkenen? Diese kleinen Gebäude bestanden meist nur aus einem Raum mit einer Tür und einem Fensterschlitz, wenig komfortabel also, aber man blieb dort ja nicht allzu lange. Diese lock-ups hatten häufig ein Rund- oder Spitzdach und waren aus groben Steinen, Ziegelsteinen oder Holz gebaut.

Mitte des 19. Jahrhunderts baute man dann Polizeigebäude mit eigenen Arrestzellen, so dass diese lock-ups nach und nach nicht mehr gebraucht und abgerissen wurden. Aber einige sind doch noch übrig geblieben und wiederhergestellt worden, allerdings dienen sie heute nicht mehr dem ursprünglichen Zweck; viele stehen unter Denkmalschutz. Die Village Lock-up Association in Newbury (Berkshire) ist schon seit Jahren dabei, eine komplette Übersicht über alle erhaltenen und abgerissenen Dorfgefängnisse zu erstellen.

Hier sind einige Beispiele für gut erhaltene Dorfgefängnisse:

Tuxford in Nottinghamshire. Hier saßen vor allem Arbeiter ein, die die in der Nähe verlaufende Eisenbahnlinie verlegten und gern am Zahltag einen über den Durst tranken.
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Dieses kleine Gefängnis in Litlington in Cambridgeshire steht unter Denkmalschutz.
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Ein pyramidenförmiges Village lock-up aus dem Jahr 1834 in Wheatley in Oxfordshire.
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In Digby in Lincolnshire steht dieses denkmalgeschützte, sehr alte Gefängnis, in dem man wohl nur kleinwüchsige Gesetzesbrecher wegsperren konnte.
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St Bartholomew-the-Great – Londons älteste Kirche, Witwen und Hot Cross Buns

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Mitten in der City of London, in West Smithfield, steht die älteste Kirche der Stadt, die dem heiligen Bartholomäus gewidmet ist: St Bartholomew-the-Great, 1123 gegründet. Filmfans haben die Kirche sicher schon einmal gesehen, beispielsweise in „Four Weddings and a Funeral“, „Shakespeare in Love“ oder „The Other Boleyn Girl“. Der Kirchengründer, ein Priester namens Rahere, soll hier hin und wieder als Geist spuken, und ein nach ihm benannter Chor, die Rahere Singers, sind bei manchen Gottesdiensten zu hören.

Ich möchte an dieser Stelle aber näher auf einen Brauch eingehen, der an jedem Karfreitag auf dem Kirchhof von St. Bartholomew-the-Great wiederbelebt wird. Ursprünglich hieß diese alte Tradition „Widow’s Sixpence„, die 1887 von von Joshua Butterworth als „The Butterworth Charity“ wieder ins Leben gerufen wurde. An diesem Tag legte man 21 Sixpence-Münzen auf einen Grabstein und 21 arme Witwen durften sich jeweils eine Münze nehmen, anschließend bekamen sie noch ein Hot Cross Bun, das sind kleine süße Brötchen, die mit einem Kreuz verziert sind, in Erinnerung an die Kreuzigung Jesu. Der Brauch mit den Münzen und den armen Witwen hat sich von selbst erledigt, denn hier in der City of London bedürftige Witwen zu finden, ist wohl kaum mehr möglich. Trotzdem fragt der diensthabende Pfarrer immer noch traditionsgemäß seine Gemeinde, ob denn „poor widows“ anwesend seien und in der Regel heben sich da keine Hände (allerdings hat sich vor vier Jahren eine Dame gemeldet).

Also hat man wenigstens an den Hot Cross Buns festgehalten, die nach wie vor am Karfreitag verteilt und von der Cateringfirma Chester Boyd frisch angeliefert werden. Die Körbe mit den heißen Brötchen werden herumgereicht und alle Anwesenden dürfen sich bedienen. Hier sind einige Bilder aus dem Jahr 2014.

Wie man Hot Cross Buns herstellt, zeigt dieser Film.

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Auf dem Kirchhof von St Bartholomew-the-Great werden die Hot Cross Buns am Karfreitag verteilt.
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Hot Cross Buns.
Dieses Bild ist gemeinfrei.

 

The National Justice Museum in Nottingham – Nach Umbau unter neuem Namen wieder eröffnet

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In meinem Blogeintrag über Oubliettes erwähnte ich einmal die Galleries Of Justice in Nottingham, die in einem ehemaligen Gerichtsgebäude mit angeschlossenem Gefängnis untergebracht sind. Nach einem kompletten Umbau eröffnete das Justizmuseum am 1. April wieder seine Pforten, jetzt unter dem Namen The National Justice Museum. Es ist das größte Museum seiner Art in Großbritannien und beherbergt eine Sammlung von über 40 000 Ausstellungsstücken. Der Heritage Lottery Fund unterstützte den Umbau mit £1 Million, weitere Organisationen halfen ebenfalls mit Finanzspritzen.

Das Gerichtsgebäude datiert aus dem 14. und das Gefängnis aus dem 15. Jahrhundert. Seit 1991 wird es nicht mehr als Gericht verwendet. In der Zeit von 1905 bis 1985 war es auch eine Polizeistation. Was lag also näher, als in diesem Haus ein Museum zu installieren, das sich ausschließlich mit den Themen Justiz, Verbrechen und Strafverfolgung beschäftigt.

Was gibt es hier nun als besondere Sehenswürdigkeit zu bestaunen?

Da ist zum Beispiel die Tür der Zelle zu sehen, hinter der der Schriftsteller Oscar Wilde seine Zeit im Gefängnis von Reading verbrachte.

Dann steht hier die berüchtigte Badewanne, in der der Serienmörder George Joseph Smith drei Frauen ermordete. Der Fall ging in die britische Kriminalgeschichte als The Brides in the Bath Murders ein.

Aus London holte man die Anklagebank des Bow Street Magistrates Court nach Nottingham. Hier saßen zum Beispiel die Angeklagten Oscar Wilde, Roger Casement (1916 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt) und die Kray-Zwillinge Reggie und Ronnie, die in den 1950er und 1960er Jahren die organisierte Kriminalität in London aufbauten und die Stadt durch ihre Gewaltverbrechen in Atem hielten.

Weiterhin sind im National Justice Museum einige Artefakte des Postzugraubs vom 8. August 1963 ausgestellt wie Teile des Monopoly-Spiels, mit dem sich die Verbrecher die Zeit auf der Leatherslade-Farm vertrieben, die Uhr, die Ronnie Biggs während des Raubs trug, und der Zündschlüssel eines der Fluchtautos.

Dass es in diesem Gebäude auch spuken soll, ist eigentlich selbstverständlich, und so werden denn auch in Großbritanniens Most Haunted Building (nach Aussage der populären Fernsehserie „Most Haunted“) jeden Freitag und Samstag Ghost Tours durchgeführt. Paranormale Zirkel treffen sich im Museum, um nachts den armen Seelen nachzuspüren, die hier verurteilt und gehängt worden sind. Die Terror Tours („not for the faint hearted“) am Samstagabend führen in die Tiefen des alten Gebäudes, die nicht immer für die Allgemeinheit zugänglich und besonders furchterregend sind.

Das National Justice Museum ist täglich von 10 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £10.95.

National Justice Museum
High Pavement
Nottingham
NG1 1HN

Ein Gerichtssaal im Museum.
Author: Fayerollinson.
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Published in: on 11. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Willenhall (West Midlands) – Englands „City of Locks“

 

The Locksmith’s House.
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Willenhall ist eine 40 000 Einwohner zählende Stadt in den West Midlands zwischen Wolverhampton und Walsall. Der Ort im Black Country ist dadurch bekannt, dass hier ein großer Teil aller englischen Schlösser hergestellt werden (wie „Türschlösser“ nicht wie „Burgen“) und das schon seit der Zeit Elizabeth I, die der Stadt die Genehmigung erteilte, Royal Locks herzustellen.
Ursprünglich wurden die Schlösser in Heimarbeit von Familien hergestellt und da man sich bei dieser Arbeit ständig in gebückter Haltung befand, entwickelten sich bei vielen dieser Arbeiter Buckel (humps), so dass Willenhall auch als „humpshire“ bezeichnet wurde. Früher sollen sogar einige Pubs in der Wand Ausbuchtungen gehabt haben, damit die Buckel der Männer dort hereinpassten und sie bequem sitzen konnten.

Heute gibt es hier natürlich keine Heimarbeit mehr und die in Willenhall angesiedelten Firmen stellen die Schlösser maschinell her.
Guardian Lock & Engineering Co, Worrall Locks Ltd, B&G Lock & Tool Co. oder ERA sind einige Firmen, die noch hier in den West Midlands produzieren. Leider ist ein großer Teil der Industrie nach China abgewandert.

Wie Schlösser früher in Handarbeit hergestellt wurden, kann man sich im Locksmith’s House in der New Road ansehen. Leider ist das Haus nicht so ohne weiteres zugänglich und nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet.

The Rye Mayor Making und The Throwing of Hot Pennies

Rye Town Hall.
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Rye in East Sussex ist einer meiner Lieblingsorte in England (s. dazu meinen Blogeintrag) und The Mermaid in der Mermaid Street eines meiner Lieblingshotels. Diese hübsche beschauliche Kleinstadt ist jedes Jahr im Mai Schauplatz des sogenannten Mayor Making, das heißt, dann wird der jeweilige neue Bürgermeister „inthronisiert“ und das mit einem großen Spektakel. Die Tradition ist schon über 700 Jahre alt und man ist stolz darauf in Rye. Neben dem Bürgermeister werden auch der Clerk und der Sergeant in ihre Ämter eingeführt. Alle drei leisten ihren Treueschwur auf die Königin, auf die Stadt Rye und auf die Bewohner der Stadt. Natürlich tut man das nicht im Straßenanzug, sondern „in voller Montur“, also in historischen Kostümen, wobei auch die Zepter der Stadt zum Einsatz kommen.

In diesem Jahr fand die Zeremonie am 1. Mai statt, mit einem Gottesdienst in der St Mary’s Church und dem anschließenden Throwing of Hot Pennies, wobei der neue Bürgermeister von der Town Hall angewärmte Pennymünzen hinunterwirft, die dann von Kindern aufgesammelt werden. So ganz klar ist nicht, wo diese Tradition ihren Ursprung hat. Zwei mögliche Erklärungen: Früher war der Bürgermeister von Rye auch gleichzeitig Parlamentsmitglied, und so versuchte er durch die Münzen seine potentiellen Wähler zu bestechen/beeinflussen. Die andere Erklärung: Rye hatte einmal eine eigene Münzprägeanstalt, und als eines Tages die Pennies in der Stadt knapp wurden, lieferte sie man von dort so schnell, dass sie noch heiß waren.

Hier sind einige Bilder von der Mayor Making Ceremony aus dem Jahr 2014.

St Mary’s.
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Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: The Mermaid Street mit dem Mermaid Hotel.
Eigenes Foto.

Published in: on 9. Mai 2017 at 02:00  Comments (3)  
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Die M6 Toll Road – Gebaut mit Herz-Schmerz-Romanen

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Die M6 Toll Road oder auch Birmingham North Relief Road genannt, ist ein sechsspuriger mautpflichtiger Autobahnabschnitt von 43 km Länge, der 2002 eröffnet wurde und östlich um Birmingham herumführt und damit die M6 entlastet.

Mills & Boon ist ein 1908 gegründeter Verlag, der überwiegend für seine Herz-Schmerz-Romane bekannt geworden ist. Rund 75% aller in Großbritannien hergestellten Liebesromane im Taschenbuchformat kommen aus dem Hause Mills & Boon.

Was hat nun die M6 Toll Road mit Kitschromanen zu tun? Sehr viel, denn die damals mit den Bauarbeiten beauftragte Firma verwendete 2 500 000 Mills & Boon-Taschenbücher zur Stabilisierung der darauf aufgebrachten Asphaltschicht. Nun wurden die Bücher natürlich nicht fein säuberlich aufeinandergeschichtet, nein, man zerstampfte sie und machte daraus einen Papierbrei, der dann wiederum bei den Bauarbeiten zum Einsatz kam.
Die Mills & Boon-Romane wurden auch nicht druckfrisch zu Brei verarbeitet; man trug sie aus dem ganzen Land zusammen und es handelte sich um zerlesene oder beschädigte Exemplare. Es wurde damals auch deutlich gemacht, dass die Verwendung von Produkten der Firma Mills & Boon beim Straßenbau keinerlei Rückschlüsse auf die inhaltliche Qualität der Bücher zuließe. Der Mills & Boon-Brei war einfach ideal für den Zweck, weil er zum einen sehr saugfähig und zum anderen stark schallabsorbierend ist. Der Autobahnbelag ist dadurch auch nicht so reparaturanfällig. Wer heute über die M6 Mautstrecke fährt, weiß in der Regel nicht, dass unter ihm Millionen von zerbrochenen Herzen in Breiform ruhen.

Wer sich einmal eine zehnminütige Fahrt auf der M6 Toll Road ansehen möchte, kann das hier tun.

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Published in: on 8. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Das Brambles Cricket Match – Cricket mitten im Meer vor der Isle of Wight

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Cricketspiele zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie besonders kurz sind; im Gegenteil, es gibt Spiele, die können sich schon einmal mehrere Tage hinziehen. Es gibt aber ein Cricket Match in England, dass nur etwa 30 Minuten dauert und nur einmal im Jahr gespielt wird: Das Brambles Cricket Match, das mitten im Meer gespielt wird. Wie das geht?

Die Brambles Bank ist eine Sandbank im Solent, der Meerenge zwischen der Isle of Wight und Southampton, die nur einmal im Jahr im August für etwa 30 – 60 Minuten über den Meeresspiegel tritt und dann wieder für ein Jahr unter der Wasseroberfläche versinkt. Da dachten sich der Royal Southern Yacht Club in Hamble und der Island Sailing Club von der Isle of Wight, dass man diese Zeit doch sehr gut für ein schnelles Cricketmatch zwischen den beiden Segelclubs ausnutzen könnte.
Die Teilnehmer des skurrilen Sportereignisses müssen sich sehr beeilen, ihr Match zu Ende zu bringen, bevor die Flut dem Spuk ein Ende bereitet. Spieler und Zuschauer fahren mit ihren Booten schon früh genug aufs Meer hinaus und bauen sofort auf der ca 200 Meter langen Sandbank alles auf, was man für das Match benötigt, um ja keine Zeit zu verlieren.
Bei diesem Cricket Match sind alle Regeln außer Kraft gesetzt, die Schiedsrichterentscheidungen sind willkürlich und der Sieger steht schon vorher fest.

Bis vor einigen Jahren konnte man während des Spiels an der Brambles Bar, die vom Wirt des Victory Pubs in Hamble betrieben wurde, auch Drinks zu sich nehmen. An der Bar war ein Schild angebracht mit der Aufschrift „Open once a year for one hour„. Leider ist der Wirt verstorben und seitdem ist die Sandbankbar nicht mehr in Betrieb.

Wenn die Brambles Bank für den Rest des Jahres nicht für Cricketspiele genutzt wird, stellt sie für die Schifffahrt eine ernste Gefahr dar, denn es sind schon zahlreiche Schiffe hier auf Grund gelaufen. Die prominenteste „Grundläuferin“ war die Queen Elizabeth II, die hier im Jahr 2008 auf dem Weg nach Southampton auf der Brambles Bank strandete (zu diesem Zeitpunkt waren gerade keine Cricketspieler unterwegs).

Hier ist ein Film vom Match aus dem Jahr 2016.

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Published in: on 7. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Etheldreda’s – Londons älteste katholische Kirche und The Blessing of the Throat

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Am Ely Place im Stadtteil Holborn steht die älteste römisch-katholische Kirche Londons, St Etheldreda’s, benannt nach einer Heiligen, die im 7. Jahrhundert lebte und in Ely (Cambridgeshire) starb. In der Kathedrale von Ely ist eine Statue der Heiligen aufgestellt und an ihrem Grab sollen Kranke geheilt und Blinde wieder sehend geworden sein.

In der ihr geweihten Londoner Kirche, in der auch eine Statue von ihr steht, findet jedes Jahr am 3. Februar ein besonderer Gottesdienst steht, bei dem The Blessing of the Throat vorgenommen wird. Dazu finden sich Gläubige/Patienten in St Etheldreda’s ein, die Halskrankheiten haben (und die offensichtlich ihrem HNO-Arzt wenig vertrauen). Der Priester der Kirche nimmt dabei eine spezielle Prozedur vor, bei der zuerst zwei Altarkerzen gesegnet und mit Bändern umwickelt werden; dann knien die Heilungssuchenden vor dem Priester nieder, der die Kerzen unter das Kinn der Gläubigen hält und dabei den Spruch „May the Lord deliver you from the evil of the throat, and from every other evil“ sagt.

Diese religiöse Prozedur geht nicht auf die heilige Etheldreda zurück, die sich ja eher auf das Heilen von Blinden spezialisiert hatte, sondern auf St Blasius, oder St Blaise wie er in England genannt wird. Dieser armenische Heilige, dessen Gedenktag der 3. Februar ist, soll ein Kind, das eine Fischgräte verschluckt hatte, vor dem Erstickungstod gerettet haben; er gilt auch als Schutzpatron der Halskranken.

The Blessing of the Throat wird nicht nur in St Etheldreda’s vorgenommen, sondern auch in anderen Kirchen und in anderen Ländern.

Ely Place ist eine kurze Privatstraße, deren Zugang durch eine Schranke geregelt wird, und in der sogenannte „Beadles“ die Aufsicht führen. Hier stand einmal der Palast der Bischöfe von Ely, der Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen wurde, und St Etheldreda’s war die Kapelle der Bischöfe. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Kirche schwere Schäden, als sie im Mai 1941 von Bomben getroffen wurde, und es dauerte sieben Jahre, bis die Reparaturarbeiten abgeschlossen werden konnten. Heute wird die Kirche gern für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungsfeiern genutzt. Eine Besonderheit sind die vielen bunten Kirchenfenster.

St Etheldreda’s ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (sonntags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr). Hier ist ein Film über die Kirche.

St Etheldreda’s Church
14 Ely Place
London
EC1N 6RY

Die Statue der heiligen Etheldreda in der ihr geweihten Londoner Kirche.
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Das Ostfenster der Kirche.
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Der Zugang zum Ely Place.
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Die merkwürdige Geschichte der Prinzessin Caraboo von der Insel Javasu

Almondsbury in South Gloucestershire.
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Als ich von Bristol kommend in nördlicher Richtung auf der A39 zurück zu meinem Hotel, dem Thornbury Castle, fuhr, kam ich auch durch Almondsbury, einem hügeligen Dorf, das im Jahr 1817 eine Zeit lang für Aufsehen sorgte. Dort tauchte am Gründonnerstag eine mysteriöse Frau auf, die offensichtlich des Englischen nicht mächtig war und sich in einer Sprache artikulierte, die niemand verstand. Sie klopfte beim Dorfschuster an und gab durch Zeichen zu verstehen, dass sie hungrig war und um Unterkunft bat. Man gab ihr zu essen und verwies sie an den Friedensrichter von Bristol, der sich ihrer annahm. Die Frau, deren Alter man auf Mitte 20 schätzte, wurde im Bowl Inn in Almondsbury untergebracht (den es noch heute gibt), dann holte man sie nach Bristol zurück und wusste nicht recht, was man mit ihr anstellen sollte. Dann tauchte plötzlich ein portugiesischer Seemann auf, der angeblich ihre Sprache verstand und so ergab sich folgende Geschichte: Bei der Frau handelte es sich um eine Prinzessin namens Caraboo und sie stammte von der Insel Javasu im Indischen Ozean. Piraten hatten sie dort entführt und auf ihrem Schiff nach Europa mitgenommen. In der Meeresbucht vor Bristol ist sie ihnen entkommen, indem sie von Bord sprang und an Land schwamm. Mehrere Wochen lang genoss Prinzessin Caraboo die Aufmerksamkeit, die sie verursachte. Die junge Dame kleidete sich exotisch, ließ ein Porträt von sich anfertigen und huldigte ihrem Gott Allah-Talla. Ein Wissenschaftler identifizierte sogar ihre Sprache.

Doch dann kam die Ernüchterung: Eine Frau, die in Bristol eine Pension betrieb, erkannte die angebliche Prinzessin auf Grund eines Zeitungsberichtes wieder und es stellte sich heraus, dass Princess Caraboo in Wirklichkeit Mary Willcocks hieß und nicht von der Insel Javasu, sondern aus Witheridge in Devon stammte. Sie war die Tochter eines Schuhmachers und sprach natürlich auch fließend Englisch. Sie langweilte sich wohl etwas in ihrem Heimatort und wollte sich mit dieser Aktion interessant machen, was ihr zumindest für eine gewisse Zeit gelungen war.

Auch die weitere Lebensgeschichte von Mary Willcocks erwies sich als nicht weniger schillernd; sie fuhr mit dem Schiff nach Amerika, wobei sie auf dem Weg dorthin auf der Insel St Helena den dort verbannten Napoleon getroffen haben soll, der sich in die junge Frau verliebte und sie heiraten wollte. Inwieweit diese Geschichte stimmt, lässt sich heute nicht mehr verifizieren. In Amerika versuchte Mary Willcocks ihre „Prinzessin Caraboo“-Geschichte noch ein wenig am Leben zu erhalten, aber ohne Erfolg. Sie kehrte 1828 nach England zurück, heiratete einen gewissen Robert Baker, ließ sich in Bedminster bei Bristol nieder und verdiente ihren Lebensunterhalt durch den Import von Blutegeln. Am 24. Dezember 1864 starb sie dort und wurde auf dem Friedhof an der Hebron Road beigesetzt, von dem heute kaum noch etwas übriggeblieben ist.

1994 wurde ihre Lebensgeschichte unter dem Titel „Princess Caraboo“ verfilmt, mit Phoebe Cates in der Hauptrolle. Hier ist der Trailer zum Film.

Das Buch zum Thema:
Catherine Johnson: The Curious Tale of the Lady Caraboo. Corgi Books 2015. 288 Seiten. ISBN 978-0552557634.

The Bowl Inn in Almondsbury.
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Witheridge in Devon; von hier stammte Mary Willcocks.
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Published in: on 5. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Mass Trespass of Kinder Scout am 24. April 1932 – Der Kampf für „The Right to Roam“

Kinder Scout.
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In England legt man sehr viel Wert darauf, dass man sich in seinem eigenen Land so frei wie möglich bewegen kann und daran nicht ständig mit Durchgangsverboten auf privaten Ländereien gehindert wird. Überall sieht man kleine Hinweisschilder „Public Footpath“ und „Public Bridleway„, also öffentlicher Fußweg bzw. Reitweg. Diese Wege, die häufig ins Nirgendwo zu führen scheinen, dürfen von jedermann begangen bzw. beritten werden.

Ein wichtiges Datum für die Verfechter des „Right to Roam“ war der 24. April 1932, als sich mehrere hundert Wanderer im Peak District in Derbyshire auf den Weg zum Kinder Scout machten, das ist die mit 636 Metern höchste Erhebung dort. Über 99% der Region war in Privatbesitz, so dass die Menschen aus der Umgebung kaum eine Chance hatten, auf regulärem Wege im Peak District zu wandern. An diesem Tag im April ging die Gruppe also absichtlich über private Ländereien, was zwangsläufig zu Streitigkeiten mit den Jagdaufsehern führte.
Die Wanderer ließen sich aber nicht aufhalten und führten ihren Weg zum Kinder Scout fort, wo sie auf eine zweite Gruppe trafen, die den Berg von der anderen Seite bestiegen hatte.

Die Aktion hatte Konsequenzen: Insgesamt wurden sechs Wanderer wegen Landfriedensbruchs zu Haftstrafen bis zu sechs Monaten verurteilt, was in der Bevölkerung zu Sympathiekundgebungen für die Bewegung führte, die das „Right to Roam“ erzwingen wollte.

Der Einsatz der Wanderer, die am sogenannten „Mass Trespass of Kinder Scout“ teilgenommen hatten, war nicht vergebens, denn er hatte langfristige Folgen.
1949 wurde der National Parks and Access to the Countryside Act erlassen, der in der Schaffung von Nationalparks mündete. Ein paar Jahre später war der größte Teil des Peak Districts frei zugänglich, u.a. auch der Kinder Scout.
Der Countryside and Rights of Way Act 2000 schließlich implementierte „The Right to Roam“, wodurch große Gebiete zum Wandern freigegeben wurden.

Die damalige Aktion am Kinder Scout wurde von dem Folksänger Ewan MacColl in dem Lied „The Manchester Rambler“ besungen; auch die Gruppe mit dem merkwürdigen Namen Chumbawamba nahm sich des Themas in ihrem Song „You can (Mass Trespass 1932)“ an.

Hier ist ein Film über eine Wanderung auf dem Kinder Scout.

Kinder Scout im Winter.
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Hier hat man das Recht zu wandern und zu reiten.
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Published in: on 4. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Wicked Lady – Ein Pub bei Wheathampstead (Hertfordshire) und eine berüchtigte Straßenräuberin

The Wicked Lady bei Wheathampstead.
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Eine halbe Meile südlich von Wheathampstead in Hertfordshire, dort, wo der Dyke Lane auf die B651 trifft, liegt The Wicked Lady, ein Pub, der nach Katherine Ferrers (1634-1660) benannt wurde, einer Straßenräuberin des 17. Jahrhunderts, die in dieser Region ihr Unwesen trieb. Nomansland heißt diese Gegend, eine der letzten Heidelandschaften in Hertfordshire. Das Pubschild zeigt in stilisierter Form den oberen Teil des Gesichts von „Lady“ Ferrers, eine der wenigen Highwaywoman, denn eigentlich war die Straßenräuberei eine typisch männliche Domäne. Katherine Ferrers soll, der Legende nach, diese „Karriere“ eingeschlagen haben, weil ihr Vermögen wie Butter in der Sonne dahinschmolz und sie sich eine neue Einnahmequelle suchen musste. Sie wurde nicht alt; mit nur 26 Jahren hatte ihr letztes Stündlein geschlagen, als sie bei einem Überfall auf eine Kutsche im Nomansland Common angeschossen wurde und sie sich mit letzter Kraft in ihr Landhaus Markyate Cell schleppte, wo sie dann an ihren Wunden starb. Dieses Haus existiert noch heute und heißt jetzt Cell Park. Beerdigt wurde Katherine Ferrers auf dem Kirchhof der St Mary’s Church in Ware (Hertfordshire). Dort, wo sie ihre tödlichen Verletzungen erhielt, auf dem Nomansland Common, erinnert noch eine Straße, der Ferrers Lane, an die Straßenräuberin.

Ihr Leben wurde zweimal jeweils unter dem Titel „The Wicked Lady“ verfilmt. Einmal 1945 mit Margaret Lockwood als Barbara Worth in der Hauptrolle (hier ist der komplette Film) und einmal 1983 mit Faye Dunaway als Lady Barbara Skelton (hier ist der Trailer). Letzterer heißt in der deutschen Version „Die verruchte Lady“ und wurde im North Mimms House gedreht, das nur wenige Kilometer von Nomans Land entfernt ist.

Das Gasthaus mit dem Namen The Wicked Lady ist recht „stylish“, wo man zum Dinner auch schon einmal eine Flasche Dom Pérignon trinken kann. Es gibt glutenfreies Bier und Gerstensäfte aus Italien, Spanien und Mexiko. Auf der Abendkarte stehen zum Beispiel Wagyu Burger und Battered Halloumi. Hier hätte sich Katherine Ferrers bestimmt auch wohlgefühlt (nachdem sie ihre Taschen bei einem Überfall gefüllt hatte).

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Nomansland Common.
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Markyate Cell, jetzt Cell Park, wo Katherine Ferrars starb.
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Published in: on 3. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Danny Dorling: So you think you know about Britain? The surprising truth about modern Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Danny Dorling ist Professor für Humangeographie an der Universität von Sheffield und Autor mehrerer Bücher, in denen er sich mit dem sozialen Wandel Großbritanniens beschäftigt.
2011 erschien sein Buch „So you think you know about Britain? The surprising truth about modern Britain„. Dorling beschäftigt sich darin mit elementaren Fragen der britischen Sozialgeografie. Einige Beispiele:

– Das nach wie vor bestehende Nord-Süd-Gefälle besteht nach wie vor, aber die Grenze hat sich weiter nach Süden verschoben. Warum?

– Die Einwanderung von Menschen aus anderen Regionen der Erde ist für Großbritannien außerordentlich wichtig. Wie kommt das?

– Großbritannien ist (nach Malta) die am dichtesten besiedelte Region in der EU. Hat das schwerwiegende Konsequenzen?

– Es gibt immer mehr ältere Menschen im Königreich. Was hat das für zukünftige Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Professor Dorling zeigt, dass hinter vielen Schlagzeilen der großen Tageszeitungen oder der Boulevardpresse (was z.B. die Migration angelangt) bei genauerer Betrachtung viel Unwahres steckt.

Danny Dorling wurde für seine wissenschaftlichen Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, so erhielt er z.B. den Gold Award der Geographical Association und den Back Award der Royal Geographical Society. Der Professor ist häufig Gast in Rundfunk- und Fernsehsendungen. Sein hier vorgestelltes Buch ist sehr interessant und trotz des wissenschaftlichen Charakters gut lesbar. Zurzeit liegen noch keine Übersetzungen seiner Werke ins Deutsche vor.

In diesem Film zeigt Danny Dorling wie jeder einzelne in etwa errechnen kann wie lange er leben wird, anhand einiger Beispiele, die auch in seinem Buch ausgiebig erörtert werden.

Danny Dorling: So you think you know about Britain? The surprising truth about modern Britain. Constable 2011. ISBN 978-1-84901-391-8.

Published in: on 2. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Thetford in Norfolk – Der Wallfahrtsort für alle „Dad’s Army“-Fans

Die Bronzestatue des Captain Mainwaring in Thetford.
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Von 1968 bis 1977 strahlte die BBC in 80 Episoden eine Sitcom-Serie mit dem Titel „Dad’s Army“ aus, die noch immer zu den legendärsten ihrer Art in Großbritannien gehört. In Deutschland wurde „Dad’s Army“ nie gesendet.

„Schauplatz der Serie ist das fiktive Städtchen Walmington-on-Sea an der Südküste Englands. Dort ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein Zug der British Home Guard stationiert, der sich aus örtlichen Freiwilligen zusammensetzt. Das erbärmliche Häuflein aus nur bedingt diensttauglichen Rentnern und unerfahrenen Grünschnäbeln unter der Leitung des diensteifrigen Bankfilialleiters George Mainwaring, möchte seinen Teil dazu beitragen, dass die Nationalsozialisten nicht England erobern. Den Hintergrund der Handlung bildet demnach die immer währende Bedrohung einer deutschen Invasion über den Ärmelkanal. Tatsächlich bekommt die Dad’s Army aber nur selten Feindkontakt. Viel mehr haben die Männer mit lokalen Problemen zu kämpfen“. So beschreibt die Wikipedia zutreffend den Inhalt der Serie.

Gedreht wurde damals fast ausschließlich in der Kleinstadt Thetford in Norfolk (das Walmington-on-Sea) , die auch heute noch ein Wallfahrtsort für die vielen Anhänger der Serie ist.
Da gibt es einmal das 2007 eröffnete Dad’s Army Museum, in dem man alles zusammengetragen hat, was mit der TV-Serie zu tun hat.

Gegenüber vom The Bell Hotel wurde eine Bronzestatue von Arthur Lowe als Captain Mainwaring  aufgestellt, die ständig an die Abenteuer der Heimatfrontsoldaten erinnern soll.

Die Dad’s Army Appreciation Society hat ebenfalls die Erinnerung an die Serie auf ihre Fahnen geschrieben und hat weltweit über 1700 Mitglieder.

Weiterhin werden geführte Touren durch Thetford auf den Spuren von Captain Mainwaring, Sergeant Wilson und Lance-Corporal Jones angeboten, die etwa 90 Minuten dauern.

Hier ist die Titelmelodie Who do you think you are kidding, Mr Hitler?von Bud Flanagan zu hören und hier eine Folge der Serie zu sehen.
2016 kam auf der Basis der Serie ein Spielfilm mit dem Titel „Dad’s Army“ in die Kinos, der allerdings nicht in Thetford, sondern in und um Bridlington in East Yorkshire gedreht wurde. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Thema:
Graham McCann: Dad’s Army – The story of a classic television show. Fourth Estate 2001. 304 Seiten. ISBN 1-84115-308-7.

Das Dad’s Army Museum.
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Published in: on 1. Mai 2017 at 02:00  Comments (2)  
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