Englische Exzentriker – Mark McGowan alias Chunky Mark alias The Artist Taxi Driver

Embed from Getty Images

Mark McGowan, 1964 in London geboren, ist ein Performance Künstler, und um diese sehr spezielle Kunstform zu betreiben, muss man schon über eine gehörige Portion Exzentrik verfügen. Seine „Kunst-Stücke“ sind witziger und abstruser Natur, machen aber immer wieder nachdenklich. Er ist auch unter den Namen Chunky Mark und The Artist Taxi Driver bekannt (er verdiente sich einige Jahre lang ein Zubrot als Taxifahrer). Durch seine bizarren Acts will der Künstler auf unkonventionelle Weise auf Dinge hinweisen, die ihm wichtig sind. Hier sind einige dieser exzentrischen Kunstwerke:

Chips and Beans. Bei dieser Aktion verbrachte Mark McGowan zwölf Tage in einer Badewanne, die mit gebackenen Bohnen und Tomatensoße gefüllt war, dazu hatte er sich ein sieben Pfund schweres Wurstpaket auf den Kopf geschnallt und sich zwei Pommes Frites in die Nasenlöcher gesteckt. Zweck der ganzen Aktion: Nachdem ein italienischer Freund einmal das britische Frühstück kritisiert hatte, wollte sich McGowan in ein solches verwandeln, um für dieses „kulinarische Kulturgut“ zu demonstrieren. Die Badewanne war im Schaufenster einer Londoner Galerie aufgestellt.

Where’s Daddy’s Pig“ hieß einer der McGowanschen Acts, der darin bestand, dass er ein Spielzeugschweinchen auf Rädern auf allen Vieren durch die Straßen Londons bis zum Parlamentsgebäude schob, um auf die katastrophale Lage des englischen Gesundheitswesens aufmerksam zu machen.

In „Monkey Nuts“ demonstrierte Mark McGowan gegen die hohen Studiengebühren im Land; dazu schob er eine Erdnuss mit der Nase viele Kilometer quer durch London bis vor die Tür von No. 10 Downing Street, wo er die Nuss übergab und dafür eine Tasse Tee angeboten bekam.

Der Künstler steht der königlichen Familie sehr kritisch gegenüber, und dafür ließ er sich zwei Performance Acts einfallen; der eine hieß „Artist Eats Swan, wobei er gegen ein Privileg verstoß, das nur der Königin vorbehalten ist (die meines Wissen aber noch nie einen Schwan gegessen hat), und der andere hieß „Eating The Queen’s Dogs„, da verspeiste er einen der von der Queen so heiß geliebten Corgis (das Tier soll eines natürlichen Todes gestorben sein und natürlich nicht der Königin gehört haben). McGowan protestierte damit  gegen Prince Philip, der bei einer Jagd einen Fuchs erschlagen haben soll.

Published in: on 23. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London

Foto meines Exemplares.

In meinen Blogeinträgen ist häufig von Blue Plaques, von blauen Plaketten an Hauswänden, die Rede, die daran erinnern, wer dort einmal gewohnt hat. Es gibt Bücher darüber und Webseiten, aber es sind fast immer die blauen Plaketten, die in England eine Rolle spielen, schwarze gibt es nicht. Und trotzdem ist in diesem Jahr im Verlag History Press ein Buch erschienen mit dem Titel „Black Plaques: Memorials to Misadventure – London“ von John Ambrose Hide. Darin geht es um virtuelle Plaketten, die es also in Wirklichkeit nicht gibt, die es aber geben könnte. Schwarz, weil sie auf Geschehnisse der Vergangenheit hinweisen, auf „awkward stories„, und solche Plaketten möchte niemand gern an seiner Hauswand haben. In diesem Band geht es also um London (vielleicht folgen noch weitere Bände für andere Landesteile). Der Autor warnt seine Leser schon in der Einführung des Buches über den Charakter seiner Geschichten, die gespickt sind mit „lewd and lurid details that are perhaps not everyone’s cup of tea„; „Black Plaques mark sites where, to put it bluntly, shit happened„.

Da berichtet John Ambrose Hide beispielsweise unter der Überschrift „Anatomy Theatre“ über das in den 1970er Jahren Royalty Theatre genannte Gebäude (das spätere Peacock Theatre), in dem Paul Raymond seine für damalige Begriffe sehr extravaganten Revuen aufführte wie die Great International Nude Show und die Royalty Follies (letztere erwiesen sich für Raymond als finanziell desaströs).

In „Breeding Ground“ hören wir die Geschichte vom Schomberg House in der Straße Pall Mall 80-82, in der ein Dr James Graham einen luxuriösen Treffpunkt für Pärchen einrichtete, der die optimale Umgebung bieten sollte, um dort perfekte Kinder zu zeugen, denn der gute Doktor war der Meinung, dass der Zustand des britischen Nachwuchses, sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht, sehr zu wünschen übrig ließ (s. dazu auch meinen früheren Blogeintrag).

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen; wer das Buch liest, wird sich streckenweise amüsieren, manchmal aber auch erschauern ob der schrecklichen Dinge, die sich einst in der britischen Metropole abgespielt haben. Ein sehr empfehlenswertes Buch dieses Erstlingswerk von John Ambrose Hide!!

John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London. The History Press 2019. 360 Seiten. ISBN 978-0-7509-8995-4.

Das Peacock Theatre in der Portugal Street (Holborn).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Schomberg House in der Straße Pall Mall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 22. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Dr George Merryweather (1794-1870) aus Whitby in North Yorkshire und sein „Tempest Prognosticator“

Der Tempest Prognosticator im Whitby Museum.
Author: Badobadop
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Nomen est Omen könnte man sagen bei dem Namen George Merryweather (1794-1870), ein Arzt aus Whitby an der Küste von North Yorkshire, denn er beschäftigte sich gern mit dem Thema Wetter, nicht so sehr mit „schönem Wetter“, sondern speziell mit der Vorhersage von Stürmen. Der gebürtige Yorkshireman George Merryweather hatte in Edinburgh Medizin studiert und sich in Whitby eine Praxis als Hausarzt eingerichtet. Nebenbei frönte er seinem Hobby, dem Erfinden von mehr oder weniger nützlichen Dingen. Schon bevor er nach Whitby zog, hatte er eine spezielle Lampe erfunden, die sogenannte „Platina Lamp„, die auf der Basis von Alkohol funktionierte, lange brannte und sehr kostengünstig war.
Als Bewohner eines Küstenortes, in dem es häufig sehr windig zuging, hatte George Merryweather eines Tages eine ziemlich verrückte Idee wie man Stürme vorhersagen konnte, und er konstruierte ein Gerät, das den ziemlich sperrigen Namen „Tempest Prognosticator“ trug. Da er dafür Blutegel benötigte, war der Sturmvorhersager auch als  „Leech Barometer“ bekannt oder, um ihm einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben, als „Atmospheric Electromagnetic Telegraph conducted by Animal Instinct„. Das Gerät sah so aus, dass zwölf Glasbehälter in einem Kreis aufgestellt waren, in dem sich jeweils ein Blutegel befand. Die Kreisform wählte Dr Merryweather unter anderem dafür aus, dass sich auf diese Weise die Egel sehen konnten und sich nicht so einsam in ihren Gläsern fühlten. An dem schmalen oberen Ende des jeweiligen Glases hatte der Arzt einen Mechanismus angebracht, der aus einem Stückchen Walknochen und einem Draht bestand, der zu einem kleinen Hammer führte, der wiederum mit einer Glocke verbunden war. Wenn nun ein Sturm aufzog, führte das zu elektromagnetischen Veränderungen in der Atmosphäre, worauf die Tierchen ansprachen, das Glas hinaufkrochen, oben gegen den ausgefeilten Mechanismus stießen und letztendlich die Glocke zum Klingen brachten. War die Glocke mehrfach zu hören, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sturm unmittelbar bevorstand. Der Tempest Prognosticator stieß zwar auf ein gewisses Interesse, aber Merryweather musste seine Idee, an der gesamten britischen Küste diese Geräte aufzustellen, bald begraben, denn die zuständigen Regierungsbehörden konnten sich für die Erfindung nicht erwärmen.

Dr George Merryweather war von 1840 bis 1861 Kurator des Whitby Museums und dort ist eine Kopie ausgestellt, die 1951 anlässlich des Festivals of Britain angefertigt wurde (die Originale existieren nicht mehr). Ein weiteres Exemplar hat man in der Barometer World in Merton (Devon) gebaut, dem einzigen Museum weltweit, das sich diesem Thema widmet; ich schrieb in meinem Blog darüber.

Published in: on 21. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Der Singer-Songwriter Donovan, die Isle of Skye und der Erfolgshit „Catch the Wind“

Author: Jac. de Nijs / Anefo
Source: Nationaal Archief
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Als ich vor Jahren einmal die schottische Insel Skye besuchte, kam ich in einer Bar mit einem Einheimischen ins Gespräch, der mir beiläufig erzählte (sein schottischer Dialekt war nicht leicht zu verstehen), dass er der Onkel des berühmten Sängers und Komponisten Donovans wäre. Das schien auch zu stimmen, denn der 1946 in Glasgow geborene Donovan (sein voller Name: Donovan Philips Leitch) hatte immer eine enge Beziehung zu der Insel; so gab er seiner Tochter die Vornamen Ione Skye. Er besaß auch einmal eine Skye vorgelagerte kleine Insel und das direkt am Meer gelegene Lochbay Boathouse, nördlich von Dunvegan, das man heute als Ferienhaus mieten kann.

Donovan zog im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach Hatfield in die Grafschaft Hertfordshire, wo die Familie in einem Haus in der Straße Bishops Rise Nummer 230 wohnte. An diesem Haus ist in diesem Jahr am 26. April in Donovans Anwesenheit eine blaue Plakette des Hatfield Town Councils angebracht worden, die darauf hinweist, dass der Sänger hier einmal gewohnt hat. Ein Stückchen weiter die Straße hinunter befindet sich die University of Hertfordshire, die Donovan im Jahr 2003 den Ehrendoktortitel Doctor of Letters verlieh.

Einer seiner größten Hits war „Catch the Wind„, seine erste Single, die 1965 erschien und von ihm selbst komponiert worden war. Der Song kletterte gleich auf Platz 4 in den UK Single Charts und auf Platz 23 in den Bilboard Hot 100 in den USA und wurde sehr häufig von anderen Interpreten gecovert, von denen ich hier nur eine kleine Auswahl vorstellen möchte:

Noch im gleichen Jahr, in dem Donovan „Catch the Wind“ veröffentlichte, nahm ihn auch die damals 19-jährige Melinda Marx auf, Tochter des Schauspielers Groucho Marx.

Susanna Hoffs, ehemalige Leadsängerin der Girl Group The Bangles (und eine meiner absoluten Lieblingssängerinnen) nahm „Catch the Wind“ 1994 auf. Sie war eine Zeit lang mit Donovans Sohn Donovan Jerome Leitch liiert.

Der Countrysänger Buck Owens (1929-2006) und seine Begleitband The Buckaroos spielten den Song 1971 ein wie auch ein anderer Countrysänger, Glen Campbell, bereits 1967.

Reinhard Mey sang die deutsche Version unter dem Titel „Geh und fang den Wind“ (1965).

Im Hintergrund ist das Lochbay Boathouse auf der Isle of Skye zu sehen.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)

Die University of Hertfordshire.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

„Grantchester“ – Eine englische TV-Krimiserie ab 25. Oktober 2019 auf Sat1.Gold

Gesehen in der Church of St Mary and St Andrew in Grantchester.
Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag vom 1. August 2014 machte ich auf die Krimiserie „Grantchester“ aufmerksam, die der Sender ITV im Herbst diesen Jahres startete. Hier ist der Link. Die Serie erwies sich als so erfolgreich, dass bisher vier Staffeln mit insgesamt 25 Episoden gedreht worden sind. Anfangs tat ich mich etwas schwer mit der Krimiserie, aber inzwischen sind mir die Figuren Reverend Sidney Chambers (James Norton), DI Geordie Keating (Robson Green), Hilfspfarrer Leonard Finch (Al Weaver) und Haushälterin Sylvia Maguire (Tessa Peak-Jones) so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir alle Folgen auf DVD zugelegt habe.

In Deutschland wurden bisher einige Teile von „Grantchester“ auf dem Streaming Portal TVNOW Premium kostenpflichtig gezeigt, ab dem 25. Oktober um 20.15 Uhr beginnt die Krimiserie in deutscher Synchronisation im Free TV im Sender Sat1.Gold (der zum Beispiel auch die englische Kultserie „Doc Martin“ ausstrahlt). Hier ist schon einmal der Trailer zu sehen.

Gedreht wurde unter anderem auch in Grantchester selbst, einem sehr hübschen Dorf im Dunstkreis von Cambridge. Über meinen Besuch dort im März diesen Jahres berichtete ich in meinem Blog.

Eigenes Foto.

Published in: on 19. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Dies und das über McDonald’s UK

McDonald’s UK Headquarter in East Finchley, London.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

In den USA gibt es einen Punkt im Bundesstaat South Dakota, wo die dort ansässigen Menschen etwa 200 Kilometer fahren müssen, um zum nächsten McDonald’s zu kommen. Rekord für die USA (ausgenommen sind die Staaten Alaska und Hawaii). Da haben es die Burger-Fans in England besser, wo niemand so viele Kilometer zurücklegen muss, um seinen geliebten Big Mac verzehren zu können. Das Filialnetz der US-Firma ist dicht gewebt in England, knapp 1300 McD-Stationen gibt es im Land, von denen mehrere hundert sogar rund um die Uhr geöffnet haben und in denen über 115 000 Menschen arbeiten.

Das erste McDonald’s im Königreich wurde im Oktober 1974 im Süd-Londoner Stadtteil Woolwich in der Powis Street eröffnet, und seitdem gibt es überall im Land die Schnellrestaurants mit den goldenen Bögen, das heißt bis auf die kleine Grafschaft Rutland, die sich bisher erfolgreich gegen die Firma gewehrt hat. Das könnte sich aber ändern, denn McDonald’s hat jetzt seine Scheinwerfer auf Oakham gerichtet, die County-Hauptstadt, doch das wollen die Bürger unbedingt verhindern; was die Bewohner von Tavistock in Devon schon einmal geschafft haben, nachdem die Burger-Kette 1997 ein Restaurant dort eröffnet hatte. Viele Bürger (nicht Burger!) gingen dort einfach nicht hin, sie boykottierten es, und nach neun Jahren entschied sich McDonald’s, den Laden zu schließen und Tavistock den Rücken zu kehren.

In London gibt es selbstverständlich die meisten McDs, am dichtesten ist das Netz in Westminster. Mirror Online hat vor drei Jahren die Dichte der McDonald’s-Filialen in Großbritannien untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass in Westminster ein McD auf 13,461 Menschen kommt; im Landesdurchschnitt sind es 1: 52 763. Erstaunlich ist, dass der zweite Platz von einer Provinzstadt eingenommen wird, von Bolsover in Derbyshire, wo das Verhältnis McD:Einwohner bei 19,445 liegt.

BirminghamLive hat 2018 festgestellt, dass nach London die zahlenmäßig meisten Filialen in Birmingham zu finden sind, nämlich 22. Es folgen Glasgow mit 18 und Leeds mit 15.

Das Hauptquartier von McDonalds UK befindet sich in Nord-London, im Stadtteil East Finchley in der High Road.

Ein rund um die Uhr geöffnetes McDonald’s im Londoner Stadtteil Wandsworth.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Eines der 22 McDonald’s-Restaurants in Birmingham.
Photo © Michael Westley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Alnwick Shrovetide Football Match – Ein jährlich stattfindendes, ziemlich verrücktes Fußballspiel in Northumberland

Das Alnwick Castle, der River Aln und die Wiesen auf denen das Match ausgetragen wird.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Ein Fußballspiel fast ohne Regeln findet einmal im Jahr am Faschingsdienstag in der Stadt Alnwick in der Grafschaft Northumberland statt, das The Alnwick Shrovetide Football Match, dessen Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. Ausgetragen wird das Spiel auf einer Wiese unterhalb des Alnwick Castles, dem Wohnsitz des Dukes of Northumberland und Filmkulisse für die „Harry Potter“-Filme.

Das kuriose Match wird ausgetragen zwischen den Spielern der Kirchengemeinden St Paul und St Michael, und es treten nicht elf Spieler pro Mannschaft an, sondern bis zu 150, die Geschlechtszugehörigkeit spielt keine Rolle. Eröffnet wird das Spiel dadurch, dass jemand von der Burg aus einen Ball hinunter wirft; das kann der Duke selber sein oder auch jemand anderes. Dann ziehen Spieler und Zuschauer zum Spielfeld, das zu dieser Jahreszeit oft sehr nass und voller Pfützen ist. Die beiden Tore, „hales“ genannt, sind 400 Meter voneinander entfernt, und es gilt, den Fußball dort hineinzukicken. Wer als erstes zwei Tore erzielt, ist der Sieger. So ein Match kann also sehr schnell vorbei sein oder es kann sich endlos hinziehen. Wenn dann die beiden Siegestore gefallen sind, ist das Spiel aber noch nicht zu Ende, dann kommt der Teil, der für die besonders harten Boys und Girls den Höhepunkt bildet. Der River Aln fließt an der Spielwiese vorbei und in diesen kleinen Fluss wird der Ball geworfen. Spieler beider Mannschaften stürzen sich in die eiskalten Fluten und versuchen, den Ball auf das gegenüberliegende Ufer zu bringen. Wem das gelingt, der darf ihn behalten.

Hier ist ein Film über ein Alnwick Shrovetide Football Match.

Dieses ist bereits mein fünfter Blogpost über die interessante kleine Stadt Alnwick im hohen Norden Englands, die natürlich auch über einen richtigen Fußballverein verfügt, den Alnwick Town Association Football Club, der zur Zeit in der Northern Alliance Premier Division spielt.

Die katholische St Paul’s Church.
Photo © Dave Kelly (cc-by-sa/2.0)

Die anglikanische St Michael’s Church.
Photo © Russel Wills (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Die Greene King Brewery in Bury St Edmunds (Suffolk) und ihre Übernahme durch einen Konzern aus Hongkong

Die Greene King Brewery in Bury St Edmunds.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Im März diesen Jahres berichtete ich in meinem Blog über meinen Besuch in der Greene King Brewery in Bury St Edmunds in der Grafschaft Suffolk. Greene King ist die größte Brauerei in Großbritannien, die nicht nur Bier produziert, sondern auch noch rund 2700 Pubs, Hotels und Restaurants im ganzen Land betreibt und 38 000 Mitarbeiter beschäftigt. Damals im März schien in der 1799 gegründeten Brauerei noch alles in Ordnung zu sein, doch im August verdichteten sich die Informationen, dass Greene King kurz vor einem Verkauf steht und jetzt im Oktober ist es amtlich: Die gesamte Firma gehört ab sofort der CK Asset Holdings, einem Immobilienunternehmen, das auf den Cayman Islands registriert ist und seinen Hauptsitz in Hongkong hat. CK Asset ist Teil des Firmenimperiums des 91 Jahre alten Multimilliardärs Li Ka-shing, der, laut Forbes-Liste, zu den reichsten Männern der Welt gehört.

Die Aktionäre jubelten, als sie von der Übernahme hörten (die Aktien kletterten um 50%), die Mitarbeiter eher nicht. Erst Anfang des Jahres wurde die Londoner Brauerei Fuller’s an den japanischen Brauereikonzern Asahi verkauft („a sad day“ sagte die Campaign for Real Ale), jetzt ist Greene King dran, was kommt als nächstes? Schon jetzt fürchtet man in Bury St Edmunds um die Zukunft der geschichtsträchtigen Brauerei und der ihr angeschlossenen Pubs. Gibt der Verkauf Anlass zur Befürchtung, dass das dramatische Pubsterben einen weiteren Schub erhält (im Jahr 2018 wurden fast 1000 geschlossen)? Natürlich wird von seiten der Firmenleitung erst einmal beruhigt und versichert, dass alles beim Alten bleibt, aber hat ein Riesenkonzern, der viele tausend Kilometer von Bury St Edmunds entfernt liegt, wirklich ein Interesse am Erhalt dieser alten Brauerei und der von ihr abhängigen Pubs? Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem die Grundstückswerte der Pubs das Interesse der Immobilienfirma in Hongkong geweckt haben und das würde nichts Gutes für die Zukunft verheißen.

Published in: on 16. Oktober 2019 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Der TV-Wettermann Michael Fish und seine krasse Fehldiagnose im Oktober 1987

Sturmschäden im Süden Londons.
Photo © rafflesbear (cc-by-sa/2.0)

Was beispielsweise die Meteorologen Sven Plöger und Gunther Thiersch für die ARD und das ZDF sind, das waren die Wettermänner John Kettley und Michael Fish für die BBC. Es waren vertraute Gesichter auf dem Bildschirm, und man glaubte ihren Wetterprognosen (so weit das überhaupt möglich ist). Michael Fish hatte allerdings einmal einen rabenschwarzen Tag, als er am 15. Oktober 1987, also exakt heute vor 32 Jahren, nach den One O’clock News der BBC vor die Kamera trat und seinen Zuschauern verkündete, dass eine Frau beim Sender angerufen und gefragt hätte,  ob es stimmt, dass ein Hurrikan im Anmarsch auf das Land sei. Michael Fish beruhigte die Zuschauer und sagte, da kommt keiner. Es würde zwar ziemlich windig sein, aber „don’t worry“. Nun, die TV-Wetterikone lag da nicht nur ein bisschen falsch, Michael Fish lag total daneben. In der Nacht zum 16. Oktober rollte einer der größten und verheerendsten Stürme heran, die vor allem der Süden Englands seit mehr als 200 Jahren nicht mehr erlebt hatte. Der Sturm erreichte auf der Beaufort-Skala die Stärke 12, an der Südküste in Shoreham-by-Sea in West Sussex wurden 190 km/h gemessen. Hier sind einige Bilder von den Sturmfolgen zu sehen.

Das Fazit des Jahrhundertsturms:  18 Todesopfer in England (4 in Frankreich), £2 Milliarden Schäden, etwa 15 Millionen Bäume wurden entwurzelt und der Strom fiel für mehrere Tage aus. Selbst in der Metropole London gab es schwere Beschädigungen durch umgestürzte Bäume und heruntergefallene Gerüste. Das britische Met Office wurde stark dafür kritisiert, dass es diesen Sturm nicht „auf dem Radar“ hatte.

Was war nun mit Michael Fishs Fehldiagnose? Der Wettermann meinte später, dass der mysteriöse Anruf bei der BBC gar nicht stattgefunden bzw. dass es sich um eine Frau gehandelt hätte, die nach einem Hurrikan vor der Küste Floridas fragte. Ja, das wirkte alles etwas diffus und hilflos, aber Michael Fish konnte seine Aussage nun nicht mehr ungeschehen machen. Der Makel blieb an ihm haften, aber er nahm es mit Humor wie seine Webseiten zeigen. Der Begriff „Michael Fish moment“ hat sich in der englischen Sprache etabliert für jemanden, der etwas in der Öffentlichkeit verkündet, was sich im nachhinein als falsch erweist. Hier ist die berühmt-berüchtigte Wettervorhersage vom 15. Oktober 1987 zu sehen.

Michael Fish war aber trotz allem nach wie vor sehr populär und fand seinen Namen in einigen Songs wieder wie „I wish I wish he was like Michael Fish“ des Duos Rachel & Nicki, „Weather experience“ der Band Prodigy und „(John Kettley) is a weatherman“ mit dem Refrain “ and so is Michael Fish“ von A Tribe of Toffs.

Und so sah es nach dem Sturm in Chartwell (Kent) aus.
Photo © Peter Shimmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags: ,

Im Namen der Rose – Die wunderschönen Rosengärten in der Mottisfont Abbey in Hampshire

Für viele Englandreisende gehören Besuche in den vielen schönen Gärten, die das Land zu bieten hat, zu den Höhepunkten des Aufenthaltes. Die Rosengärten der Mottisfont Abbey, die dem National Trust (N.T.) gehören, sind einer dieser Garten-Highlights. Der Landsitz wurde 1957 dem National Trust übergeben, nachdem die Vorbesitzer, Maud und Gilbert Russell, das Haus zu einem Treffpunkt von Künstlern entwickelt hatten.

Der namhafte Gartengestalter Graham Stuart Thomas (1909-2003), der viele Jahre für den N.T. gearbeitet hatte und u.a. für die Gärten des Hidcote Manor verantwortlich war, bekam in der Mottisfont Abbey die Gelegenheit, sein Meisterstück zu präsentieren, indem er hier seine Sammlung alter Rosen unterbringen konnte, die National Collection of pre-1900 old-fashioned roses. Rund 500 verschiedene Sorten sind angepflanzt worden, darunter die Strauchrose Zigeunerknabe, die weißblühende Ramblerrose Sanders‘ White und die eigens für Graham Stuart Thomas von seinem Freund David Austin gezüchtete gelbe, zur Weltrose gekürte „Graham Thomas“. Der Gartengestalter hat seine Rosen mit mehrfach blühenden anderen Pflanzen gemischt, so dass es das ganze Jahr über hier etwas zu sehen und zu riechen gibt.

Seit 1974 können sich die Besucher dieser Farben-und Blütenpracht erfreuen. Die Mottisfont-Gärten sind ganzjährig ab 10 Uhr geöffnet. Hier ist ein sehr schöner Film über die Rosengärten.

Mottisfont Abbey
Mottisfont, nr Romsey
Hampshire SO51 0LP 01794

Fingerhüte inmitten der Rosenbeete.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

High Wycombe in Buckinghamshire – Die Stadt der Möbel und ihr Stuhlmuseum

Anlässlich der Jahrtausendwende wurde in High Wycombe dieser Millennium Chair Arch aufgestellt.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

Es gab einmal eine Zeit, da war die Stadt High Wycombe in Buckinghamshire die „chairmaking capital of the world„. Nirgendwo auf der Welt wurden so viele Stühle produziert wie in der heute ca 95 000 Einwohner zählenden Stadt. Besonders bekannt war der hier hergestellte Windsor Chair, schon im 18. Jahrhundert entwickelt und bis heute als Massenware produziert. Doch nicht nur Stühle, auch andere Möbel kamen nach und nach zu der Produktpalette hinzu. Die Bedeutung der Möbelindustrie für High Wycombe heute ist nicht mehr die gleiche wie früher; einige Fabriken wurden geschlossen, andere zogen um, weil der Grund und Boden immer teurer geworden ist (London ist nur 50 Kilometer weit entfernt). Der örtliche Fußballverein Wycombe Wanderers, der in der Football League One spielt, trägt den Spitznamen The Chairboys.

Es liegt auf der Hand, dass es in der Stadt ein Museum gibt, das sich ganz der Stuhlherstellung gewidmet hat: Das High Wycombe Chair Making Museum, zu finden in der Grafton Street in einem Gebäude namens Kraftinwood, in dem auch eine Kunstgalerie und eine Drechselwerkstatt untergebracht sind. Das Museum zeigt u.a. wie die Windsorstühle hergestellt werden, wie aus den Baumstämmen aus dem Umland durch die Arbeit der bodger, benchmen und framer, wie diese Handwerksberufe hießen, Stühle entstanden. Hier ist ein Besuch in einer Werkstatt, die Windsorstühle herstellt.

Das Museum ist, außer donnerstags, täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (sonntags von 12 Uhr bis 17 Uhr). Der Eintritt kostet £4.

Bitte nicht verwechseln mit dem Wycombe Museum in der Priory Avenue!

High Wycombe Chair Making Museum
Kraftinwood
Grafton Street
High Wycombe
Buckinghamshire
HP12 3AJ

Die Evans Furniture Factory in der Lincoln Road.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 13. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Victoria Mather and Sue Macartney-Snape : There’ll Always be an England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Social stereotypes from the Daily Telegraph„, so steht es auf dem Umschlag des Buches „There’ll Always be an England„, geschrieben von Victoria Mather und gezeichnet von Sue Macartney-Snape.
Über 15 Jahre erschien die wöchentliche Kolumne „Social stereotypes“ in der Tageszeitung Daily Telegraph, und daraus entstanden schon mehrere Bücher, von denen „There’ll Always be an England“ das zuletzt erschienene ist.

Victoria Mather ist Reisejournalistin, Sue Macartney-Snipe ist eine sehr erfolgreiche Karikaturistin, auch als „Wodehouse of Art“ bezeichnet, über deren Bilder der britische Schriftsteller John Julius Norwich einmal gesagt hat „They illustrate the English social scene more brilliantly and with greater accuracy than those of any other painter working today“.

In dem hier von mir empfohlenen Band geht es unter anderem um den Nichtraucher, den Milchmann, den Opernhasser  oder das heimwehkranke Kind, aber es geht nicht nur um Personen, sondern auch um andere Themen wie „Decorating the church“ oder „The afternoon snooze“.
Text und Bild sind jeweils wie aus einem Guss, englischer Humor „at its best“.

Hier einige weitere Titel aus der Reihe:
The wicked teenager
The appalling guests
The smelly dog
The mid-life crisis usw.

Alles sehr nett zu lesende Bücher und ideale Geschenke für Englandfans.

Victoria Mather and Sue Macartney-Snipe: There’ll always be an England.
London: Constable & Robinson 2010. 126 Seiten. ISBN 978-1849015578.

Published in: on 12. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Burnley F.C. und sein Extrem-Fan Dave Burnley

Turf Moor, das Stadion des Burnley F.C.
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

Der Fußballverein der rund 73 000 Einwohner großen Stadt Burnley in der Grafschaft Lancashire, der Burnley F.C., dessen Spieler auf Grund der Farbe ihres Trikots auch The Clarets, die Weinroten, genannt werden, spielt in der Premier League und steht zurzeit auf der Tabelle auf Platz 7, also noch vor Tottenham und Manchester United. Alle Achtung! Hier ist der offizielle Vereinssong zu hören.

Der größte Fan dieses Vereins ist der 65-jährige Dave Burnley (!), der seinen eigentlichen Namen wechselte und sich nach seinem Lieblingsverein benannte. Seine Tochter trägt den Vornamen Clarette, Dave blieb also seiner Linie treu. Seit 1974 hat er kein Spiel des Burnley F.C. verpasst, er ist immer dabei, ob im Heimstadion Turf Moor oder ob irgendwo anders im Land oder im Ausland, Dave ist immer zur Stelle. Das besagte verpasste Spiel war damals gegen Newcastle, das kurzfristig angesetzt worden war und wovon Dave nichts mitbekommen hatte. Ärgerlich!! Im vorigen Jahr hat er sogar den Wunsch geäußert, dass er nach seinem Ableben, noch einmal zum Stadion gebracht werden möchte, um zum letzten Mal ein Spiel seines Vereins zu sehen.

Wie es sich für einen echten Fan gehört, ist der Mann tätowiert. Auf der Brust trägt er auf der einen Seite das Vereinswappen des Burnley F.C., auf der anderen Seite ein weiteres Wappen über dem Turf Moor steht, dazwischen die Adresse des Stadions, „Harry Potts Way, Burnley BB10 4BX, Lancashire, England“. Harry Potts (1920-1996) war ein Spieler und Trainer vom FC Burnley.

Dave Burnley lebt in Madeley in Staffordshire, dort wo auch ein berühmter Fußballtorwart lebte, Gordon Banks, der in diesem Jahr im Januar verstarb. Von dort nach Burnley ist es ziemlich weit, so dass er, da er kein Auto hat, mit Bus oder Bahn zu den jeweiligen Austragungsorten der Spiele fahren muss, was aber einen echten Fan nicht stört.

Dave Burnley hat über sein Leben als Fan bereits zwei Bücher geschrieben „Got to be there!“ und „Still there!“.

Hier ist ein Film über den Extrem-Fan.

Published in: on 11. Oktober 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Die Chilterns als Schauplatz zahlloser TV-Serien und Filme

Foto meines Exemplares.

Die Chilterns sind eine wunderschöne Hügellandschaft, die sich über die Grafschaften Buckinghamshire, Oxfordshire, Hertfordshire und Bedfordshire erstreckt. Viele Male habe ich diese Region bereist, sie gehört zu meinen Lieblings-Landschaften in England. Da die Chiltern Hills so nahe an London und an den Filmstudios der Stadt liegen, wurde und wird dieses Gebiet sehr gern für Film- und Fernsehaufnahmen genutzt. Es deckt sich genau mit dem Midsomer County, das wir aus der „Inspector Barnaby„-Krimiserie kennen.

Es gibt Bücher, die möchte ich auf jeden Fall in einer Druckausgabe besitzen und sie nicht am Bildschirm lesen. So suchte ich lange nach dem Buch „Film & TV Locations in Thames & Chilterns Country„, das Evan Mark G. Jones in zweiter Auflage im Jahr 2000 veröffentlicht hat. Man kann es zwar per Download auf seinen PC ziehen oder zumindest Teile davon sich als Leseprobe anschauen, aber ich wollte es unbedingt als Druckausgabe haben, was sich als sehr schwierig erwies. Das Buch ist in kleiner Auflage erschienen und weltweit vom Markt verschwunden. Glücklicherweise konnte ich ein Exemplar in einer Buchhandlung in Frederick im US-Bundesstaat Maryland auftreiben, das sogar eine handschriftliche Widmung des Autors enthält. 2014 erschien eine Neuauflage, derer ich bisher leider noch nicht habhaft werden konnte.

Evan Mark Jones unterhielt eine Firma namens „Film & Television Tours“ in Chesham (Buckinghamshire), die geführte Touren in die Chilterns anbot; außerdem stellte er seine Dienste als Location Scout Filmproduktionsfirmen zur Verfügung.

Sein mir vorliegendes Buch beinhaltet Drehorte für Filme und TV-Serien von 1950 bis zum Jahr 2000, aufgeteilt in einzelne Touren mit exakten Wegbeschreibungen (in der Art von „am Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen, dann am Red Lion vorbei und in die zweite Straße links abbiegen“); ideal für alle, die sich für dieses Thema interessieren. Wir unternehmen mit Evan Mark Jones ausgedehnte Spaziergänge durch den Black Park Country Park in Buckinghamshire, wo zum Beispiel Szenen für den James Bond-Film „Octopussy“ gedreht wurden oder, schon viele Jahre vorher, „Dracula“ mit Christopher Lee.

Auf einer der Touren sind wir in Old Amersham (Buckinghamshire), das ich mehrfach als Ausgangspunkt für meine eigenen Fahrten durch die Chilterns verwendete. Diese hübsche Kleinstadt diente als Kulisse für viele Filme wie „Circus of Horrors„, den Miss Marple-Film „Murder at the Gallop“ mit Margaret Rutherford  und „Four Weddings and a Funeral„.

In meinem Lieblingsdorf The Lee in Buckinghamshire wurden mindestens ein halbes Dutzend „Inspector Barnaby“-Episoden gedreht, sowie Szenen für die TV-Serien „The Mrs Bradley Mysteries“ und „Pie in the Sky„.

Bei der Lektüre des Buches kommen bei mir immer wieder Erinnerungen hoch an die Fahrten durch diese höchst sehenswerte Region Englands.

Der Black Park Country Park in Buckinghamsire diente als Transsylvanien in dem Horrorfilm „Dracula“ mit Christoper Lee.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Kings Arms in Old Amersham, Drehort für den Miss Marple-Film „Murder at the Gallop“.
Eigenes Foto.

Das Village Green von The Lee, das mehrfach für „Inspector Barnaby“-Episoden herhalten musste.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 10. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Oxbridge – Auf der Suche nach den besten Colleges

Die Nummer 1 in Cambridge im Jahr 2019 nach The Tompkins Table: Christ’s College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Nachdem ich im März eine ausgiebige Tour durch acht Colleges in Cambridge gemacht habe, dank meines Freundes, eines ehemaligen Juraprofessors, konnte ich mir ein besseres Bild davon machen, wie es hinter den Kulissen in den Universitätsgebäuden zugeht. Leider konnte ich etwas Vergleichbares in Oxford noch nicht tun.

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob nun Oxford oder Cambridge die bessere Adresse für eine Hochschulausbildung ist, eine Frage, die man pauschal sicher nicht beantworten kann. Es gibt aber Rankings, innerhalb der beiden Universitätsstädte, aber auch für beide zusammen, die einen Überblick geben, welche Colleges die besten der besten sind.

Für Cambridge gibt es The Tompkins Table, 1981 von Peter Tompkins, einem Studenten vom Trinity College, aufgestellt, ein Ranking, das bis heute jährlich veröffentlicht wird. Im Jahr 2019 liegt das Christ’s College zum zweiten Mal hintereinander auf Platz 1, das den Endlos-Spitzenreiter Trinity College vom seinem Podest gestoßen hat. Im Christ’s College haben 44% aller Studenten einen „first-class degree“ erhalten. Auf Platz 2 und 3 des Tompkins Tables liegen das Trinity College und das Pembroke College.

Was für Cambridge der Tompkins Table ist für Oxford der Norrington Table, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des Trinity College  Sir Arthur Lionel Pugh Norrington. Die besten Abschlüsse für dieses Jahr machten nach diesem Ranking die Studenten des Merton College (Platz 1), des New College (Platz 2) und des Magdalen College (Platz 3).

Es gibt aber auch noch weitere Rankings, die zu anderen Ergebnissen kommen, so zum Beispiel das des Daily Telegraphs, der beide Universitätsstädte zum Vergleich heranzog. Vor wenigen Tagen veröffentlicht, stellte der Telegraph St John’s (Oxford) auf Platz 1, Trinity (Cambridge) auf Platz 2 und Magdalen (Oxford) auf Platz 3.

Man sieht, dass es unterschiedliche Ergebnisse dieser Rankings gibt; das definitiv beste Oxbridge-College ist also nicht auszumachen.

Oxfords Nummer 1 nach der Norrington Table: Merton College.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Für den Daily Telegraph Oxbridges Nummer 1: St John’s in Oxford.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Mein Buchtipp – Dee Gordon: Essex’s Own

Foto meines Exemplares.

Es ist zwar schon zehn Jahre her als Dee Gordons Buch „Essex’s Own“ erschien, und so einiges bedürfte einer Aktualisierung, trotzdem ist es interessant zu lesen. Vielen im Lande fällt, wenn sie den Namen der Grafschaft Essex vor den Toren Londons hören, erst einmal „Essex Girls“ ein, ein Begriff, der die jungen Frauen von dort in einem eher ungünstigen Licht erscheinen lässt, ein bisschen vulgär, kurze Röcke, tiefe Dekolletés, immer auf der Suche nach einem amourösen Abenteuer.

Dee Gordons Buch beinhaltet Kurzbiografien von Prominenten, die in irgendeiner näheren Beziehung zu der Grafschaft stehen, und da sind auch Essex Girls dabei, allerdings keine, die in das oben erwähnte Klischee passen.

Da ist beispielsweise die Krimiautorin Ruth Rendell (1930-2015), die vor allem durch ihre Inspector Wexford-Romane weltweit bekannt wurde (ich persönlich ziehe ihre anderen Krimis vor). Ruth Rendell arbeitete zu Beginn ihrer Karriere bei der Lokalzeitung Chigwell Times, die in Essex erschien und die es heute nicht mehr  gibt. Geboren wurde sie 1930 in South Woodford, das bis zum Jahr 1965 zu Essex gehörte, dann Greater London zugeschlagen wurde.
Weitere Essex Girls sind die Sängerinnen Sandie Shaw und Sade. Sandie wurde 1947 in Dagenham geboren (auch dieser früher in Essex gelegene Ort wurde 1965 in London eingemeindet), Sade (eigentlich Helen Folesade Adu, 1959 in Nigeria geboren) lebte als Teenager in Clacton-on-Sea und besuchte die dortige High School.

Dee Gordons Buch porträtiert natürlich auch „Essex Boys“, darunter ist der Kultautor Douglas Adams (1952-2001), der einen Teil seiner Kindheit in Brentwood und in Stondon Massey verbrachte, der Jazzmusiker Kenny Ball (1930-2013), der in Essex geboren wurde und dort auch starb, und die Fußball-Ikone Bobby Moore (1941-1993), der in Barking (damals Essex, heute Greater London) geboren wurde, eine Zeit lang die Mannschaft von Southend United trainierte und einige Jahre in Leigh-on-Sea wohnte.

Die Autorin ist selbst ein Essex Girl und hat viele weiterer Bücher geschrieben, die meisten über Essex und speziell Southend-on-Sea, wo sie auch wohnt.

Dee Gordon: Essex’s Own. The History Press 2009. 127 Seiten. ISBN 978-0-7509-5121-0.

Southend-on-Sea in Essex.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

8 Wildwood Road, Hampstead Garden Suburb in London – Hier wurde eine berühmte Schauspielerin geboren

Elizabeth Taylors Geburtshaus.
Photo: Alan Patient of http://www.plaquesoflondon.co.uk and London remembers.

Am 27. Februar 1932 wurde im Londoner Stadtteil Hampstead Garden Suburb in der Wildwood Road Nummer 8 ein Mädchen geboren, dessen amerikanische Eltern der Kunsthändler Francis Taylor und die ehemalige Schauspielerin Sara Taylor waren. Sie nannten ihre Tochter Elizabeth, und das kleine Mädchen wuchs in dem großen Haus auf, das man Heathwood genannt hatte, und genoss seine Kindheit hier, wo es in der Umgebung in Wald und Feld spielen konnte.

Das kleine Mädchen wurde zu einer berühmten Schauspielerin, meist nur kurz Liz Taylor genannt. Auch noch viele Jahrzehnte später erinnerte sie sich sehr gern an das Haus in der Wildwood Road und wünschte sich kurz vor ihrem Tod nichts mehr, als dass man in Heathwood eine blaue Plakette anbringen würde, die darauf hinweist, dass sie hier geboren wurde. Diesen Wunsch vertraute sie dem Journalisten Matthew Wright an, der sich nach Elizabeth Taylors Tod am 23. März 2011 daran machte, den Wunsch der Schauspielerin zu erfüllen. Doch da gab es Probleme, denn English Heritage, die über die Vergabe der Plaketten entscheidet, hat gewisse Richtlinien, die unter anderem besagen, dass Plaketten erst zwanzig Jahre nach dem Tod der betreffenden Person installiert werden. Matthew Wright versuchte eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, doch English Heritage blieb hart. Wenn man einmal Ausnahmen macht, wo führt das hin?

Bis zum Jahr 2031 wollte man nicht warten, und so prangt nun am Haus Nummer 8 in der ruhigen, baumbestandenen Wildwood Road im ersten Stock eine blaue Plakette, aber keine vom English Heritage, sondern eine von der Hampstead Garden Suburb Residents Association, im Jahr 2015 angebracht. Die Aufschrift lautet: „Dame Elizabeth Taylor Actress was born here in 1932 and lived here until 1939„. Also: Wunsch erfüllt (es muss ja nicht immer eine Plakette von English Heritage sein).

Das imposante 1926 gebaute Haus wurde im Jahr 2009 für über £5 Millionen verkauft, der heutige Wert dürfte weit höher liegen. Bevor die Taylors einzogen, wohnte hier der Maler Augustus John (1878-1961), der seinen späteren Erfolg in den USA dem Kunsthändler Francis Taylor zu verdanken hatte. Entworfen wurde das Haus von dem Architekten Matthew Dawson, der sich einen Namen machte, als er das später in ein Hotel umfunktionierte Haus auf Burgh Island baute (s, dazu meinen Blogeintrag).

 

Published in: on 7. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Dennis Severs‘ House in der Londoner Folgate Street

Das Haus mit den roten Fensterläden ist das Museum.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns in den Londoner Stadtteil Shoreditch und zwar in die Folgate Street, das ist eine schmale Gasse zwischen der Commercial Street und der von Glaspalästen gesäumten Straße Norton Folgate (A10). Hier, in der Nummer 18, befindet sich ein Museum der besonderen Art, das sich Dennis Severs‘ House nennt.

Dennis Severs (1948-1999) war ein Kalifornier, der 1979 in das damals ziemlich verwahrloste Hause in der Folgate Street zog. Er verwendete viel Zeit und Geld, um die zehn Räume wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen, was ihm außerordentlich gut gelang. Der Amerikaner gestaltete jeden Raum anders, jeder präsentiert einen jeweils anderen Zeitabschnitt im Rahmen von 1724 bis 1914. Dennis Severs erfand die Jarvis-Familie, Seidenweber hugenottischer Abstammung, die er hier in der Folgate Street unterbrachte, eine Familie, die der Besucher überall wahrzunehmen meint, sie aber nie zu Gesicht bekommt. Jeder Raum sieht aus, als hätten ihn die Bewohner vor einer Minute kurz verlassen. Die Sinne der Besucher werden angesprochen, Gerüche und Geräusche sind da, hier ein ungemachtes Bett, da prasselnde Kaminfeuer in den Räumen, Kerzen überall, Essen steht auf dem Tisch (echtes, kein künstliches!), Uhren schlagen. Dennis Severs‘ Haus ist weniger ein Museum als eine Art Zeitkapsel, in der eine fiktive Familie über mehrere Generationen gefangen gehalten wird.

So verwundert es nicht, dass die Räumlichkeiten in der Folgate Street Nummer 18 schon mehrfach für historische Fernsehdokumentationen herhalten mussten wie zum Beispiel Lucy Worleys „If walls could talk: the history of the home“ (hier ist die erste Episode).

Um sich Dennis Severs‘ Haus anzusehen, sollte man vorher buchen, zum Beispiel eine Silent Night (£15), die dreimal pro Woche zwischen 17 Uhr und 21 Uhr stattfindet oder die Exclusive Silent Night an ausgewählten Abenden mit einem Glas Champagner (£60). Ganz besonders romantisch wirken die Räume in der Weihnachtszeit, wenn sie entsprechend hergerichtet werden.

In diesem Film führt der 1999 verstorbene Dennis Severs selbst durch sein Haus und hier ist ein Besuch im Jahr 2019 zu sehen.

Dennis Severs‘ House
18 Folgate Street
Spitalfields, London E1 6BX

Das Buch zum Artikel:
Dennis Severs: 18 Folgate Street – The Tale of a House in Spitalfields. Chatto & Windus 2001. 288 Seiten. ISBN 978-0701172794.

Published in: on 6. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

National Walk Your Dog Week UK 2019

Auch dieser Staffordshire Bullterrier, Großbritanniens beliebteste Hunderasse laut einer Umfage des Fernsehsenders ITV, würde sich über einen ausgiebigen Spaziergang freuen.
This work is released into the public domain.

In diesen Tagen stehen in ganz Großbritannien, von Penzance in Cornwall bis John O’Groats an der Nordspitze Schottlands, Hunde an den Haustüren und sehen ihre Herrchen bzw. Frauchen mit fordernden Augen an, in denen man lesen kann „Remember, it’s the National Walk Your Dog Week!!“ Also, rein in die Gummistiefel, einen „poop bag“ in die Tasche gesteckt, und wenn es auch noch so regnet, Alfie, Charlie, Poppy und Bella (die beliebtesten Hundenamen im Königreich) haben ein Recht darauf, zumindest in der National Walk Your Dog Week, die in diesem Jahr vom 1. bis zum 7. Oktober dauert, richtig schön lange ausgeführt zu werden.

Zu verdanken haben die Hunde Großbritanniens diese spezielle Woche Colleen Page, einer Expertin für Haustiere, die auch den National Cat Day ausgerufen hat. Colleen hatte die National Walk Your Dog Week vor neun Jahren in den USA ins Leben gerufen und dabei in erster Linie im Auge gehabt, übergewichtigen Hunden (und deren ebenso fülligen Besitzern) mehr Bewegung zu verschaffen, und da das Thema Übergewichtigkeit auch in Großbritannien eine immer größere Rolle spielt, ist diese „Hunde-Ausführ-Woche“ durchaus auch auf der Insel für alle Beteiligten sinnvoll.
Nach Expertenmeinung sollte ein Hund mindestens zweimal am Tag für jeweils 30 Minuten ausgeführt werden. Vielleicht fällt es Herrchen leichter, einen Spaziergang mit Hund zu unternehmen, wenn dieser in einem „dog-friendly pub“ endet, in dem der Vierbeiner zwar kein Pint, aber dafür ein anderes Leckerli serviert bekommt. Hier ist eine Checkliste für den perfekten Spaziergang.

The British Commercial Vehicle Museum in Leyland (Cumbria)

Eine Bedford Green Goddess aus dem Jahr 1956.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Leyland? Richtig, es gab einmal eine britische Firma namens Leyland Motors, später British Leyland, die ihre Fahrzeuge in dem Ort Leyland in Cumbria baute. Gibt es heute nicht mehr, dafür gibt es auf dem ehemaligen Gelände der Firma heute das British Commercial Vehicle Museum, das sich mit der Geschichte und der Entwicklung kommerziell genutzter britischer Straßenfahrzeuge beschäftigt.

Die Bedeutung des Transportgewerbes wird dadurch deutlich, dass rund 98% des Güterverkehrs in Großbritannien durch Lkws vorgenommen wird und täglich ca 5 Millionen Menschen durch Busse befördert werden.

Im British Commercial Vehicle Museum werden zahlreiche Lastwagen und Busse ausgestellt, die sich alle in einem hervorragenden Zustand befinden.
Von einem früher von Pferden gezogenen Bus aus dem 19. Jahrhundert bis zu dem Konzept-Lkw Leyland TX450 ist hier so ziemlich alles zu finden, was in der britischen Transportwelt eine Rolle spielte. Von der Firma Foden, die unter anderem schwere Lastwagen herstellte, gibt es hier einen Steam Wagon zu sehen als auch einen Doppeldeckerbus aus dem Jahr 1956.
Auch eine Kuriosität steht in dem Museum: das 24 Tonnen schwere, sechsrädrige, gepanzerte Papamobil, das von der Firma British Leyland einst für den Besuch Papst Johannes Paul II 1982 in Großbritannien gebaut wurde und sicher nur wenige Kilometer auf dem Tacho haben dürfte.

Das Museum ist ideal (nicht nur) für einen verregneten Urlaubstag und wird sicher auch Kinder interessieren, die hier vieles an den Fahrzeugen ausprobieren dürfen.

Hier ist ein filmischer Rundgang durch das Museum, das, außer montags, täglich von 10 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet ist. Der Eintrittspreis beträgt £8.

The British Commercial Vehicle Museum
King Street
Leyland
Cumbria PR25 2LE

Ein Lastwagen der Marke Foden.
Author: bilbobagweed
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das für den Papst gebaute Papamobil.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 4. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Wer war eigentlich… Ann Summers?

Das Hauptquartier der Firma in Whiteyleafe (Surrey).
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

In meiner losen Serie über englische Firmennamen komme ich heute auf die Ladenkette Ann Summers zu sprechen, die in vielen High Streets des Landes zu finden ist. Ann Summers ist etwa vergleichbar mit den deutschen Beate Uhse-Geschäften, hier werden also in erster Linie sexy Lingerie und Sexspielzeug verkauft.

Das Unternehmen Ann Summers entstand 1970, und das erste Geschäft öffnete in diesem Jahr in der Londoner Wardour Street. Gründer war der Unternehmer Michael Caborn-Waterfield (1930-2016), der den Spitznamen Dandy Kim hatte, eine schillernde Figur der Londoner Society, der sich zahlloser Affären mit Frauen rühmte. Eine davon war die 1941 geborene Annice Summer, die auch für ihn arbeitete. Als er für seine geplanten Sex Shops einen Namen suchte, wollte er seinen eigenen nicht verwenden, sondern benutzte den seiner Freundin, den er leicht abwandelte. Von nun an konnten die Damen des Landes ihre erotischen/sexuellen Wünsche in Ann Summers-Läden wahr werden lassen.

Die Namensgeberin überwarf sich bald mit ihrem Arbeitgeber, verließ die Firma und siedelte sich in Italien an. Im Jahr 2012 starb sie an Krebs.

Die Geschäftsführerin des Unternehmens ist seit 1987 Jacqueline Gold, die zu den wohlhabendsten Frauen des Königreichs gehört, und die Ann Summers zu einer florierenden Firma ausgebaut hat, mit einem Jahresumsatz jenseits der £100 Millionen. Eine Besonderheit von Ann Summers sind die Verkaufsparties wie man sie von der Firma Tupperware her kennt. Bei privaten Verkaufsveranstaltungen, zum Beispiel bei einem Glas Sekt, werden die Produkte einem kleinen Kreis von interessierten Damen präsentiert, die sich dann vor Ort für die passende Unterwäsche oder für das interessanteste Sexspielzeug entscheiden können.

Das Hauptquartier von Ann Summers liegt an der A22, der Godstone Road, in Whiteyleafe in Surrey. Dort gibt es auch einen Factory Shop, in dem man Produkte des Hauses zu reduzierten Preisen erstehen kann.

Das Buch zum Artikel:
Jacqueline Gold: Good Vibrations – True Story of „Ann Summers“. Pavillion Books 1995. 192 Seiten.  978-1857937428.

Der Factory Shop.
Photo © tristan forward (cc-by-sa/2.0)

Eine Filiale in Huddersfield (West Yorkshire).
Photo © Betty Longbottom (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Oktober 2019 at 07:15  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Clyde Cosper, ein Texaner, der Princes Risborough in Buckinghamshire vor einer Katastrophe bewahrte

Das Denkmal vor der Bibliothek von Princes Risborough.
Copyright: Iain McLauchlan.
With friendly permission.

Es war der 13. November 1943 als der kleine Ort Princes Risborough in der Grafschaft Buckinghamshire um ein Haar ausgelöscht worden wäre, wenn es da nicht einen jungen Leutnant aus Texas gegeben hätte, der sein Leben für das vieler anderer gab. Lieutenant Clyde „Sparky“ Cosper aus Dodd City, einer Kleinstadt im texanischen Fannin County, hob an diesem trüben Novembertag mit seiner mit Bomben vollgepackten B-17 von einem Flugplatz ab, um U-Boote anzugreifen, die im Hafen von Bremen stationiert waren. Außer „Sparky“ waren noch weitere acht Besatzungsmitglieder an Bord. Das Wetter wurde so schlecht, dass eine starke Böe das schwere Flugzeug, gerade als es über Princes Risborough war, nach unten riss. Der Pilot befahl seinen Männern, sofort mit dem Fallschirm abzuspringen, was diese dann auch sofort taten (und mit mehr oder weniger großen Blessuren lebend auf dem Boden landeten). Cosper selbst blieb allein am Steuerknüppel der Maschine zurück und ihm gelang es gerade so, nur wenige Meter über den Dächern des Ortes, die B-17 abzufangen und sie erst eine Strecke entfernt auf einer Wiese aufzusetzen, wobei sie sofort Feuer fing und die Bomben alle explodierten; der Pilot selbst hatte keine Überlebenschance.

Die Bewohner waren verständlicherweise außerordentlich dankbar für diese Heldentat des jungen Texaners, und man hat ihn bis heute in Princes Risborough nicht vergessen. Im Jahr 1990 machte sich ein Reporter der Zeitung Bucks Herald auf Spurensuche und flog nach Texas, wo noch immer Familienmitglieder des Piloten in Dodd City lebten. Eine Kampagne wurde in Princes Risborough ins Leben gerufen, dem Leutnant und seiner Crew ein Denkmal zu setzen, das dann auch auf dem Gelände der örtlichen Bibliothek errichtet wurde. Der Hauptteil des Denkmals ist wie das Höhenleitwerk eines Flugzeugs gestaltet, die Sitze darum herum sind den Besatzungsmitgliedern gewidmet, acht auf der linken Seite und der für Lt. Cosper auf der rechten Seite. Die Tafeln in der Mitte erinnern an andere Flugzeugabstürze im Zweiten Weltkrieg, bei denen ebenfalls Menschen ums Leben kamen.

Die High Street von Princes Risborough.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Stone of Scone – Der schottische Krönungsstein, der 1950 aus der Westminster Abbey gestohlen wurde

Der Stone of Scone (die Replika ).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Weihnachten 1950: In den frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages schlichen drei dunkle Gestalten um die Westminster Abbey in London herum und verschafften sich mit Hilfe einer Brechstange Zutritt über einen Nebeneingang. Ihr Ziel: Der Stone of Scone, der sich in der Abbey unter dem Coronation Chair befand. Bei den Eindringlingen handelte es sich um die schottischen Studenten Ian Hamilton, Gavin Vernon und Alan Stuart (im Fluchtauto wartete noch Kay Matheson). Sie wollten den uralten Stein nicht entwenden, sondern in die schottische Heimat zurückholen, wo er ihrer Meinung nach hingehörte.
The Stone of Destiny, wie er auch genannt wurde, diente vor vielen Jahrhunderten als Krönungsstein für schottische Monarchen, bis Edward I. ihn nach seinem Sieg im Englisch-Schottischen Krieg 1296 nach London bringen ließ, zum großen Verdruss der Schotten, die sich eines Symbols ihres Landes beraubt sahen.
Die schottischen Studenten wollten 1950 dem Aufenthalt des Steins in der Westminster Abbey ein Ende bereiten. Bei dem nächtlichen Diebstahl in der Weihnachtsnacht gingen die Drei nicht sehr professionell vor, denn der etwa drei Zentner schwere Stein zerbrach dabei in zwei Teile, was allerdings den Vorteil hatte, dass er so etwas leichter abzutransportieren war. Kaum hatte Ian Hamilton die eine Hälfte in das von Kay Matheson herangebrachte Auto verstaut, als sich ihnen ein patroullierender Polizist näherte. Die beiden Studenten gaben sich als Liebespärchen aus, das in London keine Unterkunft mehr gefunden hatte, und der Polizist gab sich damit zufrieden. Mit der einen Steinhälfte wurde Kay in Richtung Schottland geschickt, beim Transport der anderen Hälfte mit dem zweiten Auto kam es zu etlichen Zwischenfällen (verlorener Autoschlüssel, vor der Abbey liegen gelassene Jacke, in der ein Namenschild angebracht war usw.), aber schließlich landete The Stone of Scone doch noch in Schottland, wo er erst einmal in den Ruinen der Arbroath Abbey versteckt wurde. Doch die findige Polizei spürte ihn dort auf und brachte ihn in die Westminster Abbey zurück. Bei der Krönung Elisabeths II. 1953 war The Stone of Destiny also wieder an der Stelle, wo man ihn, das heißt die Engländer, hinhaben wollte. Übrigens wurden die vier Studenten nicht vor Gericht gestellt.

1996 kündigte der britische Premierminister John Major an, den Stone of Scone endgültig wieder nach Schottland zurückzubringen, was dann auch mit einer feierlichen Zeremonie in Edinburgh geschah (hier ist ein Film darüber). Dort hat er jetzt in der Burg seine letzte Ruhestätte gefunden… das heißt, nicht ganz, denn die Schotten würden ihn für die Krönung zukünftiger neuer Monarchen London kurzfristig zur Verfügung stellen.

Eine Replika des Steines steht auf dem Gelände des Scone Palastes im schottischen Perthshire (im April 2010 versuchten Diebe, auch die Replika zu stehlen, scheiterten aber bei dem Versuch).

Im Jahr 2008 kam der Film „Stone of Destiny“ (dt. „Die Jagd nach dem Stein des Schicksals“) in die Kinos, der die Ereignisse zu Weihnachten 1950 nacherzählt; hier ist der Trailer zum Film.

Einer der schottischen Studenten, Ian Hamilton, hat ein Buch über die Ereignisse damals geschrieben: „ Stone of Destiny„.

 

Published in: on 1. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst

Foto meines Exemplares.

Wenn man einmal ein Buch sucht, das zur Entschleunigung, Entspannung und zum Wohlbefinden beitragen soll, dann kann diese Dienste Rosie Sanders‚ „Rosen: Meisterin der Blumenkunst“ in einzigartiger Weise leisten. Die Farbexplosionen der rund 80 Rosenporträts der englischen Künstlerin nehmen den Betrachter sofort gefangen und führen ihn in eine andere Welt, in der die Trumps und Johnsons unserer Zeit nicht existieren. Schade, dass es (noch) keine Bücher gibt, die man auch riechen kann, der Duft der Rosen in diesem Buch muss betörend sein. Rosie Sanders (was für ein passender Vorname!) hat bis auf eine Ausnahme nur Rosen aus ihrem eigenen Garten in Devon gemalt: Da ist David Austins zerzauste Mortimer-Sackler-Rose zu sehen, in deren Porträt Kobaltviolett vorherrscht, die sonnengelbe Celebration, ebenfalls von Großbritanniens Rosenzüchter Nummer Eins kreiert, und eine wunderschöne Tuscany Superb („red as a cherry harvest“).

Rosie Sanders hat jedem Gemälde einen Namen gegeben: Das Porträt eines Rosenbuschs heißt „Lied von der Erde„, nach Gustav Mahlers Komposition, bei der Betrachtung einer Rose kam ihr Pink Floyds (auch das wäre ein treffender Name für eine Rose) „The dark side of the moon“ in den Sinn, und als ich mir das wunderschöne Gemälde einer Rose namens „Summer Wine“ ansah, musste ich unwillkürlich an den gleichnamigen Song von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra denken.

Die kurzen Begleittexte zu jedem Bild stammen ebenfalls von Rosie Sanders und entsprechen jeweils der Stimmung in der sie war, als sie die Pinsel in die Hand nahm, um ihre Rosen detailgetreu auf die Leinwand zu versetzen.

Die sehr interessante Einleitung „Eine kleine Geschichte der Rose“ schrieb Jane McMorland Hunter, die selbst mehrere Gartenbücher veröffentlicht hat.
Das wunderschöne Coffee Table-Book ist gerade Ende September, zeitgleich mit dem englischen Ausgabe, erschienen.

Von Rosie Sanders liegen bereits das im gleichen Verlag 2015 erschienene „Überwältigende Blüten“ vor und das 2012 veröffentlichte „Apfel-Buch“ (Delius Klasing-Verlag). Angekündigt für den 5. Januar 2020 ist das Buch „Winterblumen“ (auch im Verlag Elisabeth Sandmann).

Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin lebt in Bovey Tracey (Devon) am Rand des Dartmoors in dem einstöckigen weißen Front House am Anfang der schmalen East Street. Hier ist ein Film über sie.

Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst. Elisabeth Sandmann-Verlag 2019. 144 Seiten. ISBN 978-3-945543-70-2.

Published in: on 30. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Danesfield House – Ein 5*-Hotel bei Marlow in Buckinghamshire

This work has been released into the public domain.

Zwischen Marlow in Buckinghamshire und Henley-on-Thames in Oxfordshire liegt an der Themse ein sehr schönes Hotel namens Danesfield House, das in den letzten Jahren mit Auszeichnungen regelrecht überhäuft wurde. Hier einige Beispiele:

Condé Nast Award for Most Excellent Hotel Venue
Michelin Star awarded in Michelin Guide Great Britain & Ireland
Winner – Most Relaxing Spa
Best Luxury Hotel & Spa in Buckinghamshire

Danesfield öffnete seine Pforten als Luxushotel am 1. Juli 1991. Vorher war es das Hauptquartier der Firma Carnation Foods; davor gehörte es der Royal Air Force.

In der Küche des Hotelrestaurants steht Bruce Theobald am Herd, der vom Seaview Hotel auf der Isle of Wight kam.

Das Danesfield House Hotel verfügt über 86 Zimmer und Suiten, von denen einige auch über Four-Poster-Betten verfügen. Der Blick geht von vielen Zimmern auf die Gärten und die dahinter fließende Themse. Die Preise für eine Nacht bewegen sich, im günstigsten Fall, zwischen €270 (mit Frühstück) für ein Standard-Doppelzimmer und €600 für eine Duplex Suite.

Das Spa Illuminata bietet eine Fülle von Wellness-Anwendungen und verfügt über ein sehr schönes Hallenbad.

Im Oktober 2014 feierten hier George und Amal Clooney nach ihrer Hochzeit in Venedig ein zweites Mal. Die beiden frisch Verheirateten, die nicht weit entfernt ein Haus an der Themse besitzen, sollen in der Tower Suite des Hotels übernachtet haben.

Wer aus der „Inspector Barnaby„- Serie die Episode „Judgment Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) gesehen hat, erinnert sich vielleicht an die Szenen, in denen sich die Jury-Mitglieder für die Perfect Village Competition (inklusive Joyce Barnaby) in einem Hotel treffen, in dem später eine der Jurorinnen ermordet wird (hier ab 44:38) Diese Szenen wurden im Danesfield House Hotel gedreht.

Hier ist ein Film über das Hotel..

Danesfield House Hotel and Spa
Henley Road
Marlow-On-Thames,
Buckinghamshire, SL7 2EY

Published in: on 29. September 2019 at 00:00  Comments (2)  
Tags:

The North East Skinny Dip 2019 – Massennacktbaden in der Nordsee an der Küste von Northumberland

Schauplatz des Skinny Dips: Die Druridge Bay in Northumberland.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Der North East Skinny Dip fand am 22. September diesen Jahres bereits zum siebten Mal statt (skinny dipping heißt auf Deutsch Nacktbaden). Nach Angaben der Organisatoren nahmen in diesem Jahr 737 Männer und Frauen daran teil, ein Rekord. Schauplatz war wieder die Druridge Bay in Northumberland, ein kilometerlanger Küstenabschnitt südlich von Alnwick. Die teilnehmenden Nacktbader haben bei dem Event immer viel Spaß und das trotz niedriger Wassertemperaturen, dieses Mal waren es etwa 11°; dieser Film aus dem Jahr 2017 dokumentiert das.

Die Teilnehmer am North East Skinny Dip kommen aus dem ganzen Land angereist, um dem kalten Vergnügen nachzugehen, viele schon am Vorabend zum „pre-dip camp“. Sie tun das aber auch um etwas Gutes zu tun., denn der Erlös der Aktion (jeder muss eine Teilnehmergebühr in Höhe von £12 bezahlen) geht an die 1946 gegründete Wohltätigkeitsorganisation MIND, die sich um psychisch kranke Menschen kümmert. In diesem Jahr gehen die Einnahmen an Tyneside and Northumberland MIND, werden also regional verwendet. Seit dem ersten Skinny Dip sind auf diese Weise bereits £40,000 zusammengekommen.

Ein MIND Charity Shop: Hier in Dursley (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. September 2019 at 02:40  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Whitechapel Society 1888 – Eine Gesellschaft in London, die noch immer den Spuren von Jack the Ripper nachgeht

In diesem Pub in der Londoner City kommen die Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig zusammen.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Es gibt wohl keinen Serienmörder, der bis heute so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie Jack the Ripper, der im Jahr 1888 im Londoner East End mindestens fünf Frauen auf bestialische Weise ermordet hat. Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass ihn Scotland Yard nie fassen konnte und dadurch Spekulationen über den wahren Täter immer wieder ins Kraut schossen.

Jede Menge Bücher sind über Jack the Ripper geschrieben worden, das Thema wurde mehrfach verfilmt (zum Beispiel mit Michael Caine in einem TV-Zweiteiler aus dem Jahr 1988, hier zu sehen), Theaterstücke und Musicals entstanden im Laufe der Zeit (hier ein Beispiel mit den Trimley Saints Players aus Suffolk) und Songs sind über den Mörder geschrieben worden (wie dieser von Screaming Lord Sutch). Der Cloak and Dagger Club entstand, in dem sich die sogenannten Ripperologen zusammenfanden und der 1995 in die Whitechapel Society 1888 überging, “ a historical society that promotes the study of the Whitechapel murders and the social impact that this event had on the East End of London at that time“.
Die Mitglieder dieser Gesellschaft treffen sich regelmäßig alle zwei Monate an dem jeweils ersten Samstag im Pub The Crutched Friar, in einer Straße, die ebenfalls Crutched Friars heißt und in der City of London liegt (Gäste sind willkommen).

Die Whitechapel Society 1888, die sich nach dem Londoner Stadtteil benannt hat, in dem Jack the Ripper seine Morde verübt hat, organisiert Vorträge, Rundgänge und gibt eine Zeitschrift heraus The Whitechapel Society Journal; darin erscheinen beispielsweise Artikel zu Themen wie „How did „Long Liz“ die?“ (gemeint ist eines der Ripper-Opfer Elizabeth Stride) oder „Sergeant William Thick“, der mit den Morden in Whitechapel befasst war.

Im Shop der Gesellschaft kann man Bücher kaufen, die von ihr herausgegeben worden sind wie „Jack the Ripper -The Suspects“ oder „The Little Book of Jack the Ripper„.

Zum Schluss ist hier noch ein interessanter Film zum Thema zu sehen.

Published in: on 27. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Die „Serpentine Drownings“ im Londoner Hyde Park

The Serpentine ist ein See im Londoner Hyde Park und dient den Städtern und Touristen als Naherholungsgebiet im Sommer wie im Winter. Der ruhig daliegende See, auf dem Schwäne ihre Kreise ziehen, ist allerdings schon für viele Menschen zur Todesfalle geworden, wobei Leichtsinn oft der Hauptgrund war.

Am 10. Dezember des Jahres 1816 nahm sich die schwangere Harriet Westbrook im See das Leben. Sie war die Frau des Dichters Percy Bysshe Shelley, der gleichzeitig eine Beziehung mit Mary Godwin hatte. Gerüchte machten die Runde, dass hier Mord und kein Selbstmord vorlag.

Am 25.12.1835, als der See zugefroren war, ereignete sich ein Unglück, bei dem purer Leichtsinn ausschlaggebend war. Tausende Schlittschuhfahrer waren an dem Weihnachtstag unterwegs und nachdem schon einige ins Eis eingebrochen waren, wurden Warnschilder an besonders gefährlichen Stellen aufgestellt. Trotzdem kümmerten sich einige nicht darum, mit der Folge das weitere zwei Männer einbrachen. Doch als Hilfe nahte, brachen auch die Helfer ein. Schließlich wurden 15 Menschen aus dem eiskalten Wasser gezogen, von denen sieben starben.

Noch viel tragischer ging es am 15. Januar 1867 auf dem See zu, der wieder zugefroren war und auf dem sich viele Schlittschuhläufer verlustierten. Wie bei dem Unglück zu Weihnachten 1835 wurde auch hier wieder vor zu dünnem Eis gewarnt. Wieder kümmerten sich die wenigsten darum. Die Folge: Mehr als 200 Menschen brachen in das Eis ein und trotz der Hilfe, die vom Ufer aus geleistet wurde, starben 40 Personen. Die Bergung der Leichen zog sich mehrere Tage hin, da bei den tiefen Temperaturen der See immer gleich wieder zufror und Schneisen in das Eis geschlagen werden mussten, um an die Ertrunkenen heranzukommen.

Doch auch im Sommer fordert The Serpentine immer wieder seine Opfer. Bei hohen Temperaturen springen Erfrischung suchende in das Wasser und erleiden einen Schock, manche sind betrunken, was die Gefahr noch erhöht. Ein 18-jähriger Student des Imperial College sprang im März 2011 nach einer ausgelassenen Party zum Examensende in den See und ertrank. Zwei Wochen später wurde seine Leiche entdeckt.

Drei Jahre später ertrank ein 26-jähriger Mann, ebenfalls betrunken, im See. Im gleichen Jahr, 2014, wiederholte sich das Unglück als ein gleichaltriger junger betrunkener Mann in der Mitte des Sees unterging und starb. Im März diesen Jahres entdeckte man die Leiche eines 24-jährigen Studenten aus Malaysia am Seeufer.

So schön der Serpentine Lake auch aussieht, er kann zur tödlichen Falle werden.

Published in: on 26. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Thomas Cook (1808-1892) und die erste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester. This work is released into the public domain.

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester.
This work is released into the public domain.

Anlässlich des Untergangs des Thomas Cook-Konzerns in diesen Tagen, wiederhole ich hier noch einmal einen Blogeintrag, den ich am 1. Juni 2014 veröffentlichte, und der sich mit den Anfängen des Reiseunternehmens beschäftigt.

Die Thomas Cook Group ist eines der weltweit größten Touristikunternehmen mit einem Umsatz von über 10 Milliarden Euro. Es führt noch immer den Namen seines Gründers Thomas Cook, der, als er am 18. Juli 1892 starb, sich diesen Erfolg niemals hätte vorstellen können.

Thomas Cook wurde 1808 in Melbourne, einer kleinen Marktstadt in Derbyshire, geboren. Schon früh wandte er sich dem baptistischen Glauben zu und war ein fanatischer Abstinenzler. Wenn er damals geahnt hätte, dass später einmal unter seinem Namen All Inclusive-Reisen verkauft werden, bei denen alkoholische Getränke inbegriffen sind…

Die Idee, den Menschen damals preisgünstige Reisen anzubieten, entsprang dann auch aus dem Wunsch Thomas Cooks, genau diese Menschen vom Alkohol abzubringen. Da zu dieser Zeit gerade ein Schienennetz in England gebaut wurde und Eisenbahnen in Mode kamen, organisierte Cook am 5. Juli 1841 die allererste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus. Er mietete einen Zug, der die 570 Passagiere von der Stadt Leicester in das 17 km nördlich gelegene Loughborough brachte. Für einen Shilling pro Kopf bekamen die Reisenden nicht nur ihre Hin- und Rückfahrkarte, sondern auch noch ein Picknick mit Tee und belegten Brötchen, wozu eine Blaskapelle spielte, und einen kleinen Reiseführer für die Route, den Cook selbst geschrieben und gedruckt hatte. Nach dem Picknick konnte man sich im Park von Loughborough mit Spielen die Zeit vertreiben, bis es dann zum Höhepunkt der Reise kam (jedenfalls aus der Sicht von Thomas Cook), einer Massendemonstration gegen die Gefahren des Alkoholkonsums (der Thomas Cook Temperance Dance in Loughborough ist hier zu sehen). Glücklich und zufrieden kam die Reisegesellschaft um 22.30 Uhr wieder auf der Campbell Street Station in Leicester an.

Diese Reise war dermaßen erfolgreich, dass Thomas Cook weitere organisierte und da das Schienenetz immer größer wurde, lagen die Ziele auch immer weiter entfernt. In den 1850er Jahren gab es schon Reiseangebote außerhalb Englands und im Jahr 1866 arrangierte Thomas Cook die erste Reise in die USA. Der Grundstein für den späteren Massentourismus war gelegt.

Leicester, die Stadt in der Thomas Cook starb, war für ihn immer besonders wichtig gewesen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man den berühmten Mann hier in Ehren hält. Es gibt das Thomas Cook Building in der heutigen Einkaufs- und Fußgängerzone Gallowtree Gate, das 1894 gebaut wurde, ein Denkmal vor dem Bahnhof, das ihn in Lebensgröße zeigt und mehrere Plaketten an Häuserwänden, die auf ihn aufmerksam machen. Begraben wurde er auf dem Welford Road Cemetery.

Auch in Cooks Geburtsort Melbourne in Derbyshire hat man ihn nicht vergessen; an seinem Geburtshaus an der Ecke Quick Close und George Street hat man eine Plakette angebracht. An der High Street finden sich die Thomas Cook Memorial Cottages, die der Sohn der Stadt 1890/91 hat bauen lassen, um Bedürftigen, die dem baptistischen Glauben huldigten, eine angemessene Unterkunft zu bieten.

Das Buch zum Artikel:
Piers Brendon: Thomas Cook – 150 Years of Popular Tourism. Secker & Warburg 1991. 372 Seiten. ISBN 978-0436199936.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ashley Dace and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ashley Dace and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Jerry Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jerry Evans and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Trevor Rickard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Rickard and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ab sofort geschlossen: Das Reisebüro von Thomas Cook in Redhill (Surrey).
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Das Rolling Stones Fan Museum in Lüchow in Niedersachsen – Ein Stück englischer Rockgeschichte auf deutschem Boden

Eigenes Foto.

Was haben die Orte Dartford in Kent, Hillingdon (Greater London), Lewisham (London), Kingsbury (Greater London), Cheltenham (Gloucestershire) und Lüchow in Niedersachsen gemeinsam? Sie stehen alle mit der legendärsten Rockband aller Zeiten, den Rolling Stones, in Verbindung. In Dartford wurden Mick Jagger und Keith Richards geboren, Ron Wood erblickte in Hillingdon das Licht der Welt, Bill Wyman in Lewisham, Charlie Watts in Kingsbury, Brian Jones (1942-1969) in Cheltenham und in der niedersächsischen Kleinstadt Lüchow steht das weltweit einzige Museum, das der Kultband huldigt.

Ulli Schröder ist der Mann, der jahrelang Memorabilia der Stones zusammengetragen hat und diese in einem ehemaligen Supermarktgebäude ausstellt. Der sympathische Stones-Fan, der seine Museumsbesucher herzlich begrüßt und sich gleich mit Ulli vorstellt, lebt für sein Projekt und beantwortet gern sämtliche Fragen, die sich bei der Besichtigung ergeben.

Ich habe das Museum vor einigen Tagen besucht und war/bin begeistert. Man kann sich hier lange aufhalten und entdeckt ständig etwas Neues. Da Ulli Schröder Galerist des Gitarristen und Malers Ron Wood ist, hängen hier an den Wänden Drucke der großartigen Bilder, die Wood angefertigt hat, das sind überwiegend Porträts von Größen der Rockmusikgeschichte, aber auch von Tieren, deren Originale sehr hoch gehandelt werden.

Zu bestaunen gibt es zwei Mercedes-Autos der S-Klasse, mit Original englischen Nummernschildern, die einmal Billy Wyman gehörten. Eine schwarze BMW-Isetta mit dem „Zungen-Logo“ der Stones steht für €20 000 zum Verkauf. In Vitrinen findet man Gitarren mit Unterschriften berühmter Musiker, der ehemalige HSV-Fußballspieler Charly Dörfel spendete seine Sammlung von über 3000 LPs und überall sind Miniaturen ausgestellt, die in irgendeiner Weise mit der englischen Band in Verbindung stehen.

Der Museumsbesitzer schenkt den Besuchern gern einen Kaffee, ein Guinness-Bier oder andere Getränke aus, denn in dem Haus ist auch ein irischer Pub integriert. Weiterhin gibt es eine Bühne auf der hin und wieder Live-Musik geboten wird. Der schottische Gitarrist Ray Wilson, der  eine Zeit lang bei Genesis arbeitete, wird am 12. Oktober auf dieser Bühne auftreten. Natürlich ist das Konzert schon lange ausverkauft.

In diesem Jahr ist das Museum noch bis zum 31. Oktober geöffnet, dann wird es (leider) den Winter über geschlossen. Die Öffnungszeiten sind großzügig bemessen, dienstags bis sonntags ist das Haus von 12 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Hier ist ein Film über das Fan-Museum.

Ich kann einen Besuch in Ulli Schröders Museum sehr empfehlen. Satisfaction (!) guaranteed.

Rolling Stones Fan Museum
Dr.-Lindemann-Str. 14
29439 Lüchow (Wendland)

Bill Wymans S-Klasse Mercedes.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 24. September 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags: