Crazies Hill in Berkshire – Ein Gastropub, ein ehemaliges Rathaus und ein berühmter Schauspieler

The Horns.
Photo © Oswald Bertram (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von Henley-on-Thames entfernt, liegt in der Grafschaft Berkshire ein kleines Dorf namens Crazies Hill, was keine Rückschlüsse auf den geistigen Zustand der Einwohner zulassen sollte. Es gibt einiges über den Ort zu berichten, was ich hiermit tun möchte.

The Horns heißt der Dorfpub, den ich bereits einmal, wenn auch nur kurz, in meinem Blogeintrag über empfehlenswerte Restaurants in Berkshire erwähnte. Es handelt sich hier um ein ehemaliges Jagdhaus aus dem 17. Jahrhundert, das zur Gruppe der Brakspear Pubs gehört.

Nur wenige Schritte vom Pub entfernt, steht ein imposantes Gebäude, das früher einmal ganz wo anders war, nämlich in Henley-on-Thames, wo es als Rathaus diente. Summerfield House oder Crazies Hall heißt das Haus, das ursprünglich 1790 in Henley erbaut worden war, Als man dort am Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Town Hall errichtete, ließ Charles Clements, der mehrfach der Stadt als  Bürgermeister gedient hatte, das alte Gebäude Stück für Stück auseinandernehmen und in Crazies Hill wieder aufbauen. Als Summerfield House zuletzt auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde (2011) lag der Verkaufspreis bei £18 Millionen. Vorbesitzer war der Boss des Reading Football Clubs.

In Crazies Hill wohnte für einen großen Teil seines Lebens ein berühmter englischer Schauspieler, der in zahllosen Spielfilmen mitwirkte: Robert Morley (1908-1992). Morley kaufte sein Haus Fairmans im Jahr 1940 und fühlte sich darin so wohl, dass er bis zu seinem Tod darin residierte. Fairmans liegt außerhalb des eigentlichen Dorfes Crazies Hill, an der Straße mit dem selben Namen, auf dem Gelände des  Hennerton Golf Clubs. Morley war mit den Besitzern des Golfclubs eng befreundet, und so wurde nach seinem Tod zu seinen Ehren dort eine Plakette angebracht, enthüllt von Morleys Witwe Joan. Ihr gemeinsamer Sohn Sheridan Morley (1941-2007) machte sich übrigens als Autor viele Schauspielerbiografien einen Namen (darunter Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Judy Garland und John Gielgud). Hier sind Bilder von Robert Morleys Beerdigung. Er liegt auf dem St Mary’s Churchyard im benachbarten Wargrave (Berkshire) begraben.

Gegenüber vom Golfplatz liegt auf dem Gelände der Gibstroude Farm eine winzige Kunstgalerie, die Barn Art Gallery.

Der Hennerton Golfplatz.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Robert Morley.
Author: Allan warren
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Die Village Hall in Crazies Hill.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Englische Kathedralen und ihre Zweckentfremdung als Corona-Impfzentren

Salisbury Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kurz vor Weihnachten schrieb ich in meinem Blog über die vier Corona-Zonen in England und da befand sich die Isle of Wight noch in Zone 1, also mit relativ geringen Ansteckungszahlen. Das hat sich jetzt drastisch geändert, denn plötzlich befindet sich die Insel vor der Küste Hampshires in Tier 4, das heißt, sie hat sehr hohe Neuinfektionen gemeldet, eingeschleppt von Besuchern des Festlands, die sich auf der Isle of Wight amüsieren wollten. England ächzt unter der Corona-Last, die Inzidenz liegt hier wesentlich höher als (zurzeit!) in Deutschland. Im Großraum London und in Essex liegt der Inzidenzwert teilweise bei über 1000. Die Krankenhäuser sind an der Belastungsgrenze,  Krankenschwestern kündigen, weil sie den Stress physisch und psychisch nicht mehr aushalten können, also setzt die Regierung jetzt alles auf eine groß angelegte Impfkampagne. Impfzentren stehen bereit, Apotheken in den High Streets wie die beiden Filialisten Boots und Superdrug bieten Impfungen an, zu den ersten gehörten Boots in Halifax (West Yorkshire) und Superdrug in Guildford (Surrey).

Da man bei der größten Impfaktion in der Geschichte Englands nach geeigneten Räumlichkeiten sucht, haben dafür jetzt einige Kathedralen ihre Pforten geöffnet. Die Church of England stellt mehrere ihrer Kirchen zum Impfen und auch zum Testen zur Verfügung wie die Salisbury Cathedral in Hampshire. Manchmal wird dabei sogar die Orgel gespielt, was eine ganz spezielle Atmosphäre schafft.

Eine weitere Kathedrale mit Impfzentrum ist die Lichfield Cathedral in Staffordshire. Schon am ersten Tag bildeten sich vor und in der Kirche lange Schlangen von Impfwilligen, überwiegend Männer und Frauen in den 80er Jahren.

Die Rochester Cathedral in Kent dient zur Zeit als Corona-Testzentrum. In der Krypta sind zehn Teststationen aufgebaut, die in der Lage sind pro Tag mehrere hundert Menschen zu testen;  binnen einer Stunde erhalten sie die Ergebnisse. Rochester gehört zu den Corona-Hotspots Englands.

Auch in der Blackburn Cathedral in Lancashire wird an sieben Tage der Woche jeweils 12 Stunden lang geimpft, vorrangig Menschen, die über 80 Jahre alt sind.

Lichfield Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Rochester Cathedral.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Blackburn Cathedral.
Photo © Kenneth Yarham (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Songs about London – Ry Cooder: Powis Square

Rechts die Hausnummer 25 am Powis Square, wo Szenen des Films „Performance“ gedreht wurden.
Author: flickr_b3rn
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Der US-Amerikaner Ry Cooder gehört zu den absoluten Spezialisten an der Slide-Gitarre weltweit. Seine Komposition „Powis Square“ gehört zum Soundtrack des Films „Performance„, der 1970 in die Kinos kam und in dem Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger als Rockstar Turner sein Filmdebut gab. Neben ihm spielte James Fox als Chas die Hauptrolle. In einer Szene, in der Chas zu der Wohnung von Turner am Londoner Powis Square fährt, erklingt Ry Cooders gleichnamiges Musikstück. Gedreht wurde in der Hausnummer 25 an diesem Platz im Stadtteil Notting Hill.

Die kleine baumbestandene Parkanlage mit Spielplatz und Bänken ist umgeben von gepflegten, weißen Häusern; die Nummer 25 ist ein dreistöckiges Eckgebäude mit einem von zwei Säulen flankierten Eingang.

So schön wie heute sah es nicht immer am Powis Square aus; diese Gegend in Notting Hill war jahrzehntelang ein Arme Leute Wohngebiet. In den 1950er und 1960er Jahren war die Gegend um den Powis Square fest in der Hand des übel beleumdeten Immobilienaufkäufers Peter Rachman (1919-1962), eine Randfigur im Profumoskandal, der mit Christine Keeler und Mandy Rice-Davis in Verbindung stand. Rachman stopfte seine Wohnungen mit Menschen voll, um so viel Miete wie möglich abzukassieren und kümmerte sich nicht um den desolaten Zustand seiner Immobilien. Möchte man sich heute ein Apartment am Powis Square zulegen, so sollte man schon mit mindestens £1 Million rechnen.

Neben Mick Jagger stand ein anderer Rolling Stone mit dem Powis Square in Verbindung: Brian Jones lebte hier eine Zeit lang in der Nummer 18.

Benannt wurde  der Platz nach der imposanten walisischen Burg Powis Castle bei Welshpool in der Grafschaft Powys.

Der Namensgeber des Londoner Platzes, das Powis Castle in Wales.
Author: ell brown
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Published in: on 17. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Braziers Park in Ipsden (Oxfordshire)

Von der A4074 Wallingford – Reading, noch in Oxfordshire, führt eine nach Braziers Park ausgeschilderte Single Track Road zu einem, wie ich finde, sehr hübschen burgartigen Gebäude, das zur Ortschaft Ipsden gehört. Kommt einem auf dem schmalen Weg ein landwirtschaftliches Fahrzeug entgegen,  kann es schon mal sehr eng werden.

Braziers Park hat eine interessante Vergangenheit und taucht zweimal in der TV-Serie „Midsomer Murders“ beziehungsweise „Inspector Barnaby“ auf. Da ich in dieser Serie mehr an den Drehorten als an der Handlung interessiert bin, achte ich immer darauf, ob ich dort schon einmal gewesen bin. In der fünften Staffel der Serie, in der Episode „Market for Murder„, in Deutschland „Mord mit Rendite„, ist Braziers Park der Wohnsitz von Lord James Chetwood und seiner Frau Lady Lavinia Chetwood. Tom Barnaby besucht Braziers Park noch ein weiteres Mal, in der achten Staffel in der Episode „Second Sight“ (dt. „Blick in den Schrecken„), da dient die kleine Burg als Lower Mere House, einer ehemaligen Nervenheilanstalt, hinter deren Mauern Dr. Gregory Ransom und seine Söhne merkwürdige Dinge treiben.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde Braziers Park im Gothic Revival-Stil erbaut und es gingen hier eine ganze Reihe von prominenten Menschen ein und aus, darunter der Schriftsteller Charles Kingsley (1819-1875), der mit seinen Romanen „The Water-Babies“ (dt. „Die Wasserkinder“) und „Westward Ho!“ in die englische Literaturgeschichte einging. Kingsley besuchte häufig die hier wohnenden Grenfell-Schwestern und heiratete eine von ihnen, Fanny Grenfell.

Der junge Ian Fleming (1908-1964), Schöpfer des 007-Agenten James Bond, verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Braziers Park, als sein Vater Valentine Fleming (1882-1917) das Haus gekauft hatte. Die Familie lebte darin von 1906-1911. Dann machen wir einen Sprung in die 1950er und 1960er Jahre als Major Robert Glynn Faithfull (1912-1998), ein Universitätsprofessor, hier wohnte (seine Grabstätte finden wir auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Ipsden). Seine Tochter, die spätere Sängerin Marianne Faithfull lebte eine Zeit lang in Braziers Park, und als sie in den 1960er Jahren eine Beziehung zum Rolling Stones-Sänger Mick Jagger hatte, ging auch er hier aus und ein.

Und was finden wir heute in Braziers Park? Es ist eine Art Gemeinwesen, in der eine Gruppe von Menschen wohnt, mit dem Ziel:  „we endeavour to create a space which enables people to integrate both learning and teaching, and to find and develop their full potential in all aspects – intellectual, physical, emotional and spiritual„, so steht es auf der Webseite der „community“ zu lesen. Schon 1950 gründete Norman Glaister diese „School of Integrative Social Research“, die eine Fülle von Veranstaltungen, Fortbildungskursen, Workshops usw. durchführt, alles etwas esoterisch angehaucht.

Dieser Film zeigt Braziers Park von außen und von innen.

 

 

Published in: on 16. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Bath in Somerset Teil 2: Ballonfahrten über der Stadt

Bath und der River Avon von einem Ballon aus gesehen.
Photo © Roger Beale (cc-by-sa/2.0)

Eine Heißluftballonfahrt ist schon etwas Besonderes, wenn sie auch noch über eine Stadt mit vielen sehenswerten, historischen Gebäuden führt, umso mehr. In Bath bieten zwei Firmen dieses Erlebnis an, Bath Balloons und Bailey Balloons. Bis zu 15 Personen passen in die Gondeln, was natürlich in Coronazeiten nicht möglich ist. Aber bei schönem Wetter aus luftiger Höhe die schöne Stadt Bath zu betrachten, mit einem Glas Champagner in der Hand, das hat schon was.

Schon seit 1988 bietet Bath Balloons dieses Vergnügen an. Startpunkt ist der Royal Victoria Park, gleich am berühmten Royal Crescent. Bath Balloons ist Mitglied der British Association of Balloon Operators, und die Firma hat das Gütesiegel der Civil Aviation Authority, das heißt, man legt hier besonders großen Wert auf Sicherheit. Neben Bath als Ausgangspunkt der Fahrten, starten die Ballons auch noch von anderen Orten wie Bristol, Westonbirt, dort wo das Arboretum beheimatet ist, und vom Gloucestershire Airport in der Nähe der Stadt Gloucester.

Auch die Bailey Balloons starten vom Royal Victoria Park. Clive Bailey ist der Flight Director der Bristol International Balloon Fiesta, über die ich in meinem Blog vor einiger Zeit geschrieben habe. Zusammen mit seiner Frau Jo bietet er Ballonfahrten über Bath, Bristol, Somerset und den Süden von Wales an, die etwa drei bis vier Stunden dauern. Auch hier kann man an Champagner-Ballonfahrten teilnehmen, oder, als besonderes Erlebnis, eine Fahrt zu zweit buchen (£850 inklusive einer Flasche Champagner). Bei diesem romantischen Ballonaufstieg ist allerdings (leider) der Pilot mit an Bord. Der Standardausflug wochentags mit mehreren Personen kostet £250 p.P., auch inklusive Champagner. Das wäre doch ein wunderbares Geburtstagsgeschenk oder passend zum Hochzeitstag!

Dieser Film zeigt die Bath Balloons und dieser die Bailey Balloons.

Über den historischen Gebäuden von Bath.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bath in Somerset Teil 1: Das Pump Room Orchestra und sein Nachfolger das Pump Room Trio

Der Pump Room, links der Eingang zum Restaurant.
Photo © Rick Crowley (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Besuchen in der Stadt Bath (Somerset) habe ich immer eines vermieden: Ich habe niemals das angeblich heilende Wasser dort probiert. Schon der Geruch allein soll ziemlich übel sein. Der Pump Room und die Roman Baths waren und sind das Zentrum der Heilwasserquellen der Stadt. „Visitors can drink the water or have other refreshments while there„, heißt es auf der englischsprachigen Wikipedia, wobei ich die „other refrehments“ immer vorziehen werde. Der Dandy Beau Nash war zu Beginn des 18. Jahrhunderts der große Zampano in Bath, auf dessen Initiative hin, das Gebäude namens Pump Room errichtet wurde, und Nash gründete auch das Pump Room Orchestra, das für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgen sollte. Er hätte es sicher nicht für möglich gehalten, dass dieses Orchester dreihundert Jahre lang Bestand haben würde.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch ein neues ersetzt, in dem das Orchester weiterhin aufspielte. Berühmte Namen der Musikwelt spielten mit dem Orchester wie Arthur Rubinstein und Daniel Melsa beziehungsweise waren Gastdirigenten wie Sir Thomas Beecham und Sir Edward Elgar. In den 1930er Jahren übertrug sogar die BBC Konzerte des Pump Room Orchestras. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte das Orchester nicht mehr; an seine Stelle trat das Pump Room Trio, das bis heute für die Gäste des Restaurants aufspielt. Es sind derzeit Matthew Everett (Geige), Tim Gilbert (Cello) und Derek Stuart-Clark (Klavier) plus Vertretungen. Das Trio spielt täglich von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, samstags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Das Repertoire reicht von der Oper zum Walzer, vom Tango bis zum Musical.

Touristen lieben es, im Restaurant des Pump Rooms ihren Afternoon Tea einzunehmen und dabei den Melodien des Pump Room Trios zu lauschen.

Hier ist das Trio zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Robert and Nicola Hyman: The Pump Room Orchestra Bath – Three Centuries of Music and Social  History. Hobnob Press 2011. 228 Seiten. ISBN 978-0946418749.

Im Pump Room Restaurant.
Author: Gauis Caecilius.
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Published in: on 14. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Clavell Tower an der Küste von Dorset – Folly, Unterkunft und Filmdrehort

Warum der Reverend John Richards Clavell im Jahr 1830 den nach ihm benannten Turm  an der Küste der Grafschaft Dorset errichten ließ, ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen. Man kann den Clavell Tower aber in der Kategorie „Folly“ einordnen. Der Turm sieht toll aus mit seinen zwölf Säulen und dem Rundum-Balkon. Ob es eine gute Idee war, ihn so dicht an die abbruchgefährdeten Klippen zu bauen, wage ich zu bezweifeln, denn er musste im Herbst 2006 etwa 25 Meter landeinwärts verrückt werden (ob das wohl reicht?), mit riesigem Aufwand, denn jeder der mehr als 16 000 Steine wurde abgebaut, nummeriert und fotografiert und dann wieder komplett zusammengefügt. Veranlasst hatte das der Landmark Trust  (ich habe mehrfach über den Trust in meinem Blog berichtet), denn der wollte den attraktiven Turm seinen Gästen zur Vermietung anbieten…mit großem Erfolg wie sich zeigte, denn der Clavell Tower gehört zu den begehrtesten Objekten im Portfolio des Landmark Trusts. Die Gäste haben von dem vierstöckigen Turm einen grandiosen Ausblick auf die Kimmeridge Bay.

Schon der Schriftsteller Thomas Hardy hatte sich in den Turm verliebt und traf sich hier mit seiner damaligen Geliebten Eliza Nicholl. Er fertigte eine Skizze des Clavell Towers an und platzierte sie gegenüber der Titelseite seiner „Wessex Poems„.

Die Krimiautorin P.D. James hatte ebenfalls eine Schwäche für den Tower of the Winds, wie der Clavell Tower auch genannt wird, entwickelt und ließ sich durch ihn 1975 zu ihrem Roman „The Black Tower“ (dt. „Der schwarze Turm“) inspirieren, den die BBC 1985 in eine Mini-Serie mit demselben Titel umwandelte. Dann nehmen wir doch gleich „the real thing“ sagten sich die Filmproduzenten und benutzten für die Dreharbeiten den Clavell Tower. Hier ist die erste Folge zu sehen.

Die Rockgruppe The Style Council drehten ihr Musikvideo „The Boy who cried wolf“ am Turm und hatten damit eine gute Wahl getroffen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Clavell Tower und die Kimmeridge Bay.

Der Turm, bevor er zurückversetzt wurde.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch Schwalben lieben den Clavell Tower.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Muddy Stilettos – The Urban Guide to the Countryside

Die Zielgruppe der Webseiten: „Smart, fun-loving women“.
author: emilio labrador
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Schon seit längerem verfolge ich die Webseiten, die den witzigen Titel „Muddy Stilettos“ tragen, an und für sich ein Widerspruch, aber wenn man den Zusatztitel „The Urban Guide to the Countryside“ liest, wird das schon klarer. Die Journalistin Hero Brown, die zum Beispiel für den Observer, für Marie Claire und Elle tätig war, erstellte die Webseiten im Jahr 2011, nachdem sie die Metropole London verlassen und sich auf dem Lande eingerichtet hatte. Ziel von „Muddy Stilettos“ war und ist, über alles zu berichten, was sich außerhalb Londons so abspielt. Ging es ursprünglich in erster Linie um die Grafschaften Buckinghamshire und Oxfordshire, so hat Hero Brown das Spektrum fast auf das ganze Land ausgeweitet. Zielgruppe: „smart, fun-loving women„.

Es gibt eine Fülle von Rubriken auf „Muddy Stilettos“ wie Hotels, Restaurants, Reisetipps, Mode, Theater usw., von denen man sich für die eigenen Aktivitäten inspirieren lassen kann. Nehmen wir uns einmal die Kategorie „Pubs & Inns“ vor; da kann man sich auf einer Karte alle bisher getesteten Etablissements anzeigen lassen und kommt mit einem Click sofort auf die entsprechende Rezension. Ich habe mir einmal die vom „Nag’s Head“ bei Great Missenden in Buckinghamshire angesehen, weil ich dort bereits gegessen habe. „Roald Dahl’s Lickwishy Local“ heißt es in der Überschrift des Artikels, weil der Schriftsteller hier früher häufig zu Gast war. Hero Brown schildert ihre Eindrücke vom Pub und gibt ihre Meinung zur Qualität des Essens wieder und dann folgt eine Gesamtempfehlung  („The Muddy Verdict“). Angereichert wird alles mit eigenen Fotos.

Zweites Beispiel: In der Rubrik „Arts & Culture“ gibt es die Unterrubrik „Books“ und dort finden wir unter vielem anderen Empfehlungen für unabhängige Buchhandlungen in der Region Bucks und Oxon wie The Bell Bookshop in Henley-on-Thames oder The Wallingford Bookshop in Wallingford.

Natürlich kann Hero Brown allein schon lange nicht mehr alle Grafschaften abdecken, sondern hat überall ihre lokalen Mitarbeiterinnen, die für ihren Zuständigkeitsbereich die Empfehlungen geben.

Ich finde, „Muddy Stilettos“ sind sehr interessante, anregende und hilfreiche Webseiten, wenn man sich in England bewegt.

Auch Auszeichnungen werden von Muddy Stilettos vergeben.
Author: Andy M. Johnson
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Published in: on 12. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Mein DVD-Tipp – Der junge Inspektor Morse Staffel 6

Für den 29. Januar ist die sechste Staffel der ITV-Serie „Der junge Inspektor Morse“ angekündigt, in Deutschland wieder von EDEL MOTION veröffentlicht. Ich habe schon ein Vorab-Exemplar bekommen, das ich heute vorstellen möchte. Am Ende der fünften Staffel (siehe hierzu meinen Blogeintrag) sah es beinahe so aus, als ob die TV-Serie eingestellt würde, denn die Polizeistation, in der Morse, sein Kollege Jim Strange, sein Chef Fred Thursday und Chief Superintendent Bright bisher tätig waren, wurde aufgelöst und alle an unterschiedliche Dienststellen versetzt.
Doch es geht weiter mit Staffel 6, deren vier Episoden kurze, knappe Titel tragen: Unschuldig, Apollo, Zuckerguss, Wolkenschloss (alle im Oktober 2020 bei ZDFneo in Deutschland gezeigt).

Während der junge Morse seinen beruflichen Weg unbeirrt weiter verfolgt, scheint DCI Thursday, von privaten Problemen belastet, auf die schiefe Bahn zu geraten. Der zwielichtige Chef der Polizeistation DCI Ronnie Box und DS Alan Jago geben Rätsel auf. In den vier Folgen wird Morse unter anderem  mit dem Tod eines Schulmädchens und mit einem mysteriösen Autounfall konfrontiert. Wie immer gibt sich der junge Polizist nicht mit dem zufrieden, was zu sein scheint (wie seine Vorgesetzten), sondern schaut hinter die Kulissen, bis er die Lösung des jeweiligen Falles gefunden hat (was seine Vorgesetzten oft alt aussehen lässt). Wie ein roter Faden zieht sich der ungelöste Fall der Ermordung des George Fancy aus Staffel 5 durch die neue Staffel. Zum überraschenden Showdown kommt es am Ende der Episode „Wolkenschloss“, in der eine für die Serie ungewohnte Verfolgungsjagd mit Pistolen stattfindet.
Staffel 6 endet mit einem positiven Ausblick auf Staffel 7, denn dann sind Morse, Thursday, Strange wieder vereint, erneut unter der Ägide von Chief Superintendent Bright.

„Der junge Inspektor Morse“ ist auch in Staffel 6 wieder atmosphärisch sehr dicht, die Schauplätze der Handlung (Oxford und Umgebung) sehr gut ausgesucht, der Soundtrack, in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen, stimmig und Barrington Pheloungs Erkennungsmelodie erinnert wieder sehr an die ursprüngliche TV-Serie „Morse„. Pheloung ist im vorigen Jahr im Alter von 65 Jahren in seiner Heimat Australien gestorben.

Die DVD-Box enthält Zusatzmaterial wie Interviews mit den Darstellern und Blicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten.

Morse und Fred Thursday.
Copyright: EDEL MOTION

Published in: on 11. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Lion Inn – Einer der abgelegensten Pubs Englands in der Moorlandschaft North Yorkshires

Warum hat man wohl mitten in die landschaftlich großartigen North York Moors, dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, einen Gasthof hingebaut? The Lion Inn in einer Region, die sich Blakey Ridge nennt, hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert, seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als hier oben Eisenerz abgebaut wurde, und die Bergleute natürlich in der Abgeschiedenheit einen Pub brauchten. Heutzutage kann es im Sommer bei schönem Wetter im Lion Inn ganz schön voll werden, wenn durstige Wanderer, Radfahrer und Autofahrer über den Gasthof hereinfallen. The Lion Inn steht in den Charts der höchst gelegenen Pubs Englands mit über 400 Metern an vierter Stelle (die Nummer 1 ist der Tan Hill Inn, ebenfalls in North Yorkshire).

Weil in den Kaminen des Hauses ganzjährig Feuer brennen, ist The Lion schon einmal zum Real Fire Pub of the Year gewählt worden, und so richtig gemütlich wird es hier, wenn draußen ein Sturm ums Haus tobt, und man gemütlich am Kamin sitzt und ein Pint Old Peculier oder Theakston’s Best schlürft. Sollte die Wettervorhersage aber Schnee ankündigen, so ist es angebracht, Blakey Ridge schnell zu verlassen, es sei denn, man legt es darauf an, eingeschneit zu werden, denn das kann hier oben durchaus passieren. 40 Tage ist der bisherige Rekord, das muss man nun wirklich nicht haben.
Am Abend des 26. Novembers 2010 suchte ein Blizzard Blakey Ridge heim, der so viel Schnee mit sich brachte, dass The Lion von der Außenwelt abgeschnitten war, und das für neun Tage. Außer dem Personal waren nur zwei Gäste anwesend, die es sich aber alle gut gehen ließen, denn es war genügend zu essen da und Getränke sowieso. „We ate and drank like kings, feasting on all the finest food from the specials menu – steaks, pies, roasts – washed down with an ale or five„, erzählte eine der Angestellten des Pubs dem Guardian.

Es gibt 13 Gästezimmer im Haus (ein Zimmer mit der Nummer 13 gibt es nicht, auf Zimmer 12 folgt Zimmer 14), deren Übernachtungspreise zwischen £55 und £110 liegen.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über den Pub.

The Lion Inn
Blakey Ridge
Kirkbymoorside
North Yorkshire YO62 7LQ

Cozy?
Photo © Colin Grice (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Von der Schwierigkeit, manche englische Ortsnamen richtig auszusprechen (unter besonderer Berücksichtigung der Londoner U-Bahnstationen)

Die Besucher Englands werden hin und wieder mit Orts- und Personennamen konfrontiert, die anders ausgesprochen werden als man meint bzw. die unaussprechbar zu sein scheinen. In die letzte Kategorie gehört beispielsweise der Adelstitel Duke of Buccleuch (richtige Aussprache [bəˈkluː]. Einige Beispiele für komplizierte Ortsnamen:

Woolfardisworthy in Devon – korrekt: [wʊlzəri]

Godmanchester in Cambridgeshire – korrekt/traditionell: [ɡʌmstər]

Bicester in Oxfordshire – korrekt: [bɪstər]

Worcester in Worcestershire – korrekt: [wʊstər]

In der Londoner U-Bahn gibt es auch einige Stationsnamen, die von vielen (auch Engländern selbst) falsch ausgesprochen werden. Eine hilfreiche Anweisung über die richtige Aussprache fand ich in diesem Video:

Published in: on 9. Januar 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Das Sir William Garrard Memorial in der Kirche St James the Less in Dorney (Berkshire)

Es ist schon einige Jahre her, als ich das Glück hatte, das wunderschöne Tudorhaus Dorney Court in Berkshire besuchen zu können, das nur wenige Tage im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich ist (siehe dazu meinen Blogeintrag). Direkt neben Dorney Court steht eine Kirche mit dem etwas ungewöhnlichen Namen St James the Less, die ich ebenfalls besichtigte. St James (Jakobus) „ist der an zweiter Stelle genannte der beiden Apostel mit dem Namen Jakobus, so genannt zur Unterscheidung von Jakobus dem Älteren“, so klärt die Wikipedia auf.

Seit dem 12. Jahrhundert schon ist sie die Gemeindekirche des Dorfes Dorney. Ein Grabmal fiel mir in dieser Kirche besonders auf (ich finde diese Memorials in englischen Kirchen immer wieder faszinierend), das Sir William Garrard und seiner Frau Lady Elizabeth Garrard gewidmet ist. Sir William war der Lord of the Manor von Dorney; er starb im Jahr 1607. Wie es für diese Zeit damals typisch war, zeigt das Grabmal die beiden in Nischen, kniend und sich gegenseitig ansehend. Lady Elizabeth muss einen großen Teil ihres Lebens schwanger verbracht haben, denn sie gebar 15 Kinder, die alle auf dem Grabmal unterhalb ihrer Eltern verewigt worden sind: Acht Mädchen und sieben Jungen. Fünf der Kinder starben sehr früh, das sind die, die auf dem Memorial einen Totenschädel in der Hand tragen. Die Figurengruppe ist in betender Haltung zu sehen, sie ist bemalt und vergoldet. 1978 bekamen die Figuren eine neue Bemalung und Vergoldung.

Thomas Garrard, der älteste Sohn, verkaufte 1628 Dorney Court an Sir Roger Palmer, der das Haus wiederum an seinen jüngeren Bruder James vermietete, der mit der Garrard-Tochter Martha verheiratet war. Von dieser Linie stammen die jetzigen Besitzer von Dorney Court ab. James Palmer und seine Frau Anna leben heute in diesem faszinierenden Haus.

In und an der Kirche sind mehrere Filme gedreht wurden wie „Tess of the d’Urbervilles“ im Jahr 1998 (Tess und Angel heiraten in St James the Less), „The Lady and the Highwayman“ (1989) und „Desparate Romantics“ (2009), in dem Dante Gabriel Rosetti in der Kirche ein Wandgemälde anfertigt.

St James the Less.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cornish Pasties Teil 2: The World Pasty Championships

Pasties stehen zur Beurteilung bereit.
Author: gingerbeardman
Creative Commons 2.0

Am 3. März 2012 fanden erstmals die World Pasty Championships  statt, gesponsert von der Cornish Pasty Association, die ich gestern in meinem Blog vorstellte. Bei diesen Weltmeisterschaften geht es nicht darum, wer diese kornische Spezialität am weitesten werfen oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums am meisten davon essen kann, sondern es geht um die Qualität der Pastyherstellung.

Schauplatz des Wettbewerbs ist das Eden Project bei St Austell in Cornwall, einer der touristischen Anziehungspunkte im Südwesten Englands, ein riesiger botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt,  dominiert von geodätischen Kuppeln. Die Teilnehmer an den Weltmeisterschaften kommen in diesem Fall wirklich aus aller Welt (es gibt auch andere Weltmeisterschaften in England, bei denen die Teilnehmer meist nur aus der näheren Umgebung des Austragungsortes kommen). Bevor die Coronaepidemie so gut wie alles platt machte, konnten die diesjährigen Meisterschaften gerade noch am 29. Februar ausgetragen werden.

In acht Kategorien werden Preise vergeben: Viermal im Bereich „Cornish Pasty“ und viermal im Bereich „Open Savoury„. Bei letzterer kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und alles mögliche in die Pasty packen. In den acht Kategorien gibt weitere Unterkategorien: Professionelle, Amateure, Junioren und Firmen.

Weltmeister bei den Firmen sind in diesem Jahr The Phat Company aus Milton Keynes in Buckinghamshire („Cornish Pasty“) und Rowe’s Cornish Bakers („Open Savoury“)aus Falmouth in Cornwall.

Bei den professionellen Cornish Pasty „Köchen“ kommen beide aus Cornwall (so wie es sich auch eigentlich gehört!): David Timmins aus dem Dorf St Columb Road („Cornish Pasty“) und Nick Brown aus Liskeard („Open Savoury“), der in seine Pasty Schweinshaxe, Cheddarkäse und Apfelchutney gepackt hatte.

Die Weltmeister bei den Amateuren kommen nicht aus dem Heimatland der Pastete. Es sind Vanessa Farr aus Bristol („Cornish Pasty“) und Jan Micallef aus Sheffield („Open Savoury), dessen Pasty Ziegenkäse, Birnen, Schalotten und Walnüsse enthielt.

Die Junioren-Weltmeister 2020 sind in der Kategorie „Cornish Pasty“ die achtjährige Daisy Lovejoy aus Plymouth (also fast aus Cornwall) und in der Kategorie „Open Savoury“ die 14jährige Jodie Heath aus Bodmin (ja, aus Cornwall), deren mit süßsaurem Hühnerfleisch gefüllte Pasty die Juroren am meisten überzeugte.

Dieser Film zeigt Bilder von den ersten World Pasty Championships im Jahr 2012.

Die Jury bei der Arbeit.
Author: andrewp303
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 7. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cornish Pasties Teil 1: Die Cornish Pasty Association

Wer schon einmal die Grafschaft Cornwall im Südwesten Englands besucht hat, der hat vielleicht die „Nationalspeise“ dort probiert, die Cornish Pasty. Ich zitiere hier die Wikipedia:
Es handelt sich dabei um eine gefüllte Teigware, deren Füllung typischerweise aus Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben, Zwiebeln, Salz und Pfeffer besteht. Die Teigtasche ist geformt wie ein „D“, wobei die Kruste, an welcher die Tasche nach dem Befüllen geschlossen wird, an der runden Außenseite verläuft„.

120 Millionen Cornish Pasties werden jedes Jahr hergestellt, die für die Wirtschaft Cornwalls circa £300 Millionen generieren. Etwa 2000 Menschen arbeiten in der Pasty-Produktion, und es gibt wohl keine Bäckerei in der Grafschaft, die diese Teigtaschen nicht verkauft. Diese Angaben stammen von der Cornish Pasty Association (CPA), die gegründet wurde, um die Interessen der Produzenten wahrzunehmen. Teigwaren mit dem Namen Cornish Pasty wurden im ganzen Land hergestellt, hatten aber oft mit „the real thing“ nicht allzuviel zu tun. 2011 erhielt das Produkt den PGI-Status (protected geographical indication) von der Europäischen Union, der Herkunftsbezeichnungen schützt. Die CPA hatte sich dafür stark gemacht.

Es gibt übrigens zwei verschiedene Formen der Pastete, die „cock pasty“ und die „hen pasty„. Der Unterschied? Die „cock pasty“ wurde von einem Linkshänder gekräuselt, die „hen pasty“ von einem Rechtshänder, alles zu erfahren auf den Webseiten der Cornish Pasty Association.

Dieser Film zeigt die Herstellung einer Cornish Pasty.

Ein Postamt , in dem man auch Cornish Pasties bekommt: In Boscastle (Cornwall).
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Wie traurig: Alles ausverkauft. In St Ives (Cornwall)…
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

…hier gibt es noch welche: Allerdings in Tempe in Arizona.
Author: lynn.gardner
Creative Commons 2.0

Published in: on 6. Januar 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Notre Dame de France – Ein Treffpunkt der französischen Katholikengemeinde in London

In meinem Blogeintrag vom 18. August dieses Jahres über die Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury erwähnte ich die French Protestant Church of London am Soho Square, die Heimat der französischen Protestanten in der Hauptstadt. Auch die Katholikengemeinde hat eine eigene Kirche, in der sie ihrer Religion nachgehen kann: Notre Dame de France am Leicester Place Nummer 5, in unmittelbarer Nähe des trubeligen Leicester Squares.

1865 übernahmen die Maristen, eine Ordensgemeinschaft mit Wurzeln in Frankreich, ein ehemaliges Panorama, eine Vorgängerform des Kinos, um den hier in London ansässigen Franzosen einen religiösen Mittelpunkt zu verschaffen. Sie ließen das Gebäude entsprechend umbauen und beauftragten den Architekten Louis-Auguste Boileau damit. 1868 wurde Notre Dame de France eingeweiht, die erste aus Gusseisen gebaute Kirche der Stadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche im Bombenhagel der deutschen Luftwaffe stark in Mitleidenschaft gezogen und musste nach Kriegsende langsam wieder aufgebaut werden, mit Unterstützung der in London lebenden französischen Diplomaten. Der Pariser Bildhauer Georges Saupique gestaltete über der Eingangstür ein Flachrelief der Mutter Gottes der Barmherzigkeit und 1960 steuerte der berühmte Schriftsteller, Regisseur und Maler Jean Cocteau eigene Wandgemälde in der Kirche bei, die im Jahr 2012 noch einmal restauriert wurden.

Es kann leicht passieren, dass man an Notre Dame de France vorbeigeht, ohne sie zu bemerken, weil die benachbarten Kinos die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich ziehen. Sie steht nicht separat wie man es von Kirchen im allgemeinen kennt, sondern ist in eine Häuserzeile integriert.

Dieser Film zeigt das Innere der Kirche.

Die Arbeiten des Jean Cocteau.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp: Strumpshaw, Tincleton & Giggleswick’s Marvellous Maps

Foto meiner Map.

Eigentlich ist mein heutiger Buchtipp ein „Kartentipp“. „Marvellous Maps“ heißen sie, die großartigen Karten von Strumpshaw, Tincleton & Giggleswick. Was für merkwürdige Namen! Es handelt sich hierbei nicht um Personen (was in England durchaus möglich wäre), sondern um Ortsnamen, die die Herausgeber der Karten gewählt haben (warum auch immer). Strumpshaw ist ein Dorf in der Nähe  von Norwich in Norfolk, Tincleton liegt in Dorset und Giggleswick bei Settle in North Yorkshire.

Die Kartenserie im Format 100cm x 89 cm beschäftigt sich jeweils mit einem Thema. Nehmen wir als Beispiel die „Great British Film & TV Map„, „a location scout’s dream“ wie es heißt. Darauf sind rund 2000 Schauplätze und Drehorte eingezeichnet, die in irgendeiner Weise mit Spielfilmen und TV-Serien zusammenhängen. Aber nicht nur das, auch besondere Kinos, Filmfestivals und „shrines to dear departed stars“ finden wir darauf.
Beispiel: Portland Bill an der Südspitze von Dorset, Drehort des Films „£1000 Reward“ aus dem Jahr 1973, in dem es um ausgebrochene Häftlinge geht. Dieser Film kam auf die schwarze Liste, weil er richtige Gefangene möglicherweise auf dumme Ideen bringen könnte.
Die Village Hall von Kettlewell in North Yorkshire: Hier wurde der Film „Calendar Girls“ gedreht. Winchester in Hampshire: Hier ist das Wessex Film and Sound Archive beheimatet und hier findet das Winchester Film Festival statt. Außerdem wird auf das Everyman Cinema in der Southgate Street hingewiesen.

Nehmen wir uns noch eine andere Karte vor, die „Fastidiously Orchestrated Great British Music Map„. Gleicher Aufbau wie die „Film & TV Map“. Rund 2000 Orte in Großbritannien, die in irgendeiner Form mit Musik zu tun haben: Drehorte von Musikvideos, Musikfestivals, Orte, die in Songtexten erwähnt werden usw. usw.

Auch hier Beispiele: Northampton in Northamptonshire, Schauplatz des „Singing Sticks Didgeridoo and World Music Weekends„. Chippenham in Wiltshire: Hier erinnert das Eddie Cochran Memorial an den Unfalltod des amerikanischen Sängers am 16. April 1960 (ich berichtete darüber in meinem Blog). Framlingham in Suffolk: Geburtsort von Ed Sheeran und Drehort (unter mehreren anderen in Suffolk) für sein Musikvideo „Castle on the Hill„).

Die Marvellous Maps sind Fundgruben, in denen man sich für lange Zeit verlieren kann. Weitere Karen behandeln unter anderem die Themen „Literary Locations“, „Food and Drink Hotspots“ und „Funny Place Names“.

SEHR EMPEHLENSWERT!!

Foto meiner Map.

Published in: on 4. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alice’s Shop in Oxford – Hier kaufte schon Alice Liddell Süßigkeiten ein

83 St Aldates in Oxford, direkt gegenüber von den Christ Church Memorial Gardens, so  lautet die Adresse eines kleinen historischen Hauses, in dem Alice’s Shop untergebracht ist und bei Alice handelt es sich wirklich um die junge Dame aus dem Wunderland. Die „richtige“ Alice trug den Nachnamen Liddell und war die Tochter des Dekans des Christ Church College Henry George Liddell und der war wiederum mit einem gewissen Charles Lutwidge Dodgson befreundet, der Tutor für Mathematik am gleichen College tätig war. Dodgson unternahm gern Bootsausflüge mit den Dekanstöchtern Lorina Charlotte, Alice und Edith Liddell. Auf einer dieser Flussfahrten erzählte Dodgson den dreien eine Geschichte von einem Mädchen namens Alice, das durch ein Kaninchenloch fällt und in eine unterirdische Fantasiewelt gerät. Die Mädchen waren begeistert und Dodgson machte sich daran, die Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen, allerdings nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Pseudonym Lewis Carroll. „Alice im Wunderland“ ist bis heute eines der berühmtesten Kinderbücher weltweit und wurde mehrfach verfilmt.

Alice Liddell (1852-1934) hatte damals einen Lieblingsladen, in dem sie gern Süßigkeiten einkaufte, gegenüber von dem College gelegen, in dem ihr Vater arbeitete. Und diesen Laden gibt es tatsächlich heute noch. Er nennt sich passenderweise Alice’s Shop und steht ganz im Zeichen der Fantasiefigur und ihrer Freunde. Hier gibt es alles zu kaufen, was in irgendeiner Form mit den Fantasiefiguren zu tun hat, als da unter anderem wären:

Eine White Rabbit und Mad Hatter Uhr, Teekannen-Untersetzer mit Motiven der Mad Tea Party, eine Alice’s Shop-Coronaschutzmaske, eine Cheshire Cat-Halskette, Stoffservietten auf denen alle Romanfiguren zu sehen sind, ein 1000-Teile-Puzzle von der Mad Tea Party und jede Menge Alice-Figurinen. In diesem Film kann man sich das genauer ansehen.

Alice Liddell starb am 16. November 1934 in Westerham (Kent) und wurde auf dem Friedhof von St Michael and All Angels in Lyndhurst in Hampshire beigesetzt.

Zu Lewis Carroll siehe meine Blogeinträge über seinen Geburtsort und seinen Sterbeort.

Alices Grab in Lyndhurst (Hampshire)
Author: Niek Willems.
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Lyme Regis in Dorset Teil 2: The Pilot Boat und ein Hund, dessen Name einmal weltberühmt werden sollte

In der Bridge Street von Lyme Regis findet man einen Pub, der über die Grenzen der Stadt hinaus kaum bekannt sein dürfte, der vor fast hundert Jahren aber einen vierbeinigen Bewohner hatte, dessen Namen heute so gut wie jedes Kind auf der Welt kennt. Der Name des Pubs: The Pilot Boat, der Name des Hundes: Lassie. Hier ist die Geschichte dazu:

Am 1. Januar des Jahres 1915 wurde das britische Kriegsschiff HMS Formidable vor der Küste Südenglands von einem deutschen U-Boot torpediert und sank in den ersten Stunden des neuen Jahres. Viele der über 700 Seeleute an Bord kamen ums Leben, einige wurden von Begleitschiffen gerettet und einige retteten sich auf Beiboote, die es in der rauen See schwer hatten, nicht zu kentern. Eines dieser Boote schaffte es bis zur Küste von Lyme Regis, und 48 Männer atmeten erleichtert auf, als sie total erschöpft in der Hafenstadt ankamen, neun ihrer Kameraden hatten es nicht geschafft. Die Toten wurden an Land gebracht und erst einmal im Keller des Pilot Boat Pubs gelagert. Im Pub gab es einen Hund, einen Collie namens Lassie, der sich durch seine Intelligenz schon mehrfach ausgezeichnet hatte. Lassie begab sich in den Keller und steuerte auf einen der für tot gehaltenen Männer zu, es war der Vollmatrose John Cowan. Lassie begann, ihm das Gesicht abzulecken, wieder und immer wieder, bis der Mann plötzlich ein Lebenszeichen von sich gab. Lassie rief durch ihr Bellen mehrere Männer in den Keller, die bemerkten, dass John Cowan atmete. Schnell holten sie medizinische Hilfe herbei, die ihn ins nächst gelegene Krankenhaus brachte. Der Seemann war gerettet und während seiner Genesungsphase wich ihm Lassie nicht von der Seite. Dass sich zwischen den beiden eine ganz besondere Freundschaft entwickelte, liegt auf der Hand. Lassie bekam von der Stadt Lyme Regis eine Medaille verliehen, und der Name des Hundes wurde durch Pressemeldungen weltweit bekannt.

Der 1897 in Yorkshire geborene und in den USA lebende Eric Knight veröffentlichte am 17. Dezember 1938 in der Saturday Evening Post eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Lassie Come Home„, die er zwei Jahre später zu einem Roman erweiterte. Man ist sich ziemlich sicher, dass Knight von der heroischen Tat des Hundes in Lyme Regis gehört hatte und sich dadurch inspirieren ließ. Kurzgeschichte und Roman fanden nicht nur bei der amerikanischen Leserschaft Anklang, der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und ein internationaler Bestseller. 1943 drehte Hollywood einen Film, der ebenfalls „Lassie Come Home“ („dt. „Heimweh“) hieß und Vorreiter für zahllose Fernsehserien und weitere Spielfilme war. Lassies Rolle übernahm ein Langhaarcollie namens Pal, ein waschechter Hollywood-Hund, der in der Filmstadt geboren worden war und dort auch im Alter von 18 Jahren starb. Hier ist der Trailer zum Originalfilm, hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie und hier der Trailer des aktuellen deutschen Films „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ aus dem Jahr 2020.

Die HMS Formidable.
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Lyme Regis in Dorset Teil 1: Das historische, leerstehende Three Cups Hotel

Heute und morgen begeben wir uns wieder einmal in den Küstenort Lyme Regis in Dorset; über einen Besuch dort habe ich vor längerer Zeit in meinem Blog berichtet. Cinéasten erinnern sich vielleicht an den Spielfilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep und Jeremy Irons, der hier gedreht wurde, nach dem gleichnamigen Roman von John Fowler, der in Lyme Regis lebte. Überhaupt war die hübsche kleine Stadt Treffpunkt von einer ganzen Schar von Schriftstellern, die sich gern die frische Seeluft um die Nase bliesen ließen.

Jane Austen war hier im Jahr 1804 in einer Pension in der Broad Street Nummer 18 zu Gast. Große Teile ihres Romans „Persuasion“ (dt. „Überredung“) spielen in Lyme Regis und Umgebung. Drei Verfilmungen diese Romans fanden am Originalschauplatz statt wie zum Beispiel dieser. Aus der Pension wurde später ein Hotel, das Three Cups Hotel, das von den literarischen Besuchern der Stadt gern als Übernachtungsort gewählt wurde. Das waren beispielsweise Alfred Lord Tennyson, der es liebte, auf Jane Austens Spuren zu wandeln, der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow, der gebürtige Franzose Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton, die beide häufig zusammenarbeiteten, und John Ronald Reuel Tolkien, der Schöpfer des Fantasyepos „Der Herr der Ringe“, der hier schrieb und zeichnete, unter anderem das Bild „Lyme Regis Harbour from the drawing Room of The Three Cups Hotel„. Das Hotel war auch Drehort des oben genannten Films „Die Geliebte des französischen Leutnants“.

Es ist ein Jammer, dass das Three Cups Hotel seit nunmehr dreißig Jahren leer steht. Das an sich architektonisch interessante Gebäude verfällt zusehends; der Fotograf Andrew Blackmore hat Aufnahmen aus dem Inneren des baufälligen Gebäudes gemacht. Eigentümerin ist die Palmers Brewery in Bridport (Dorset), die Pläne angekündigt hat, das Haus umzugestalten. Wenn die Pläne akzeptiert werden, wird es kein neues Hotel geben, sondern Apartments und ein Restaurant; die historischen Elemente des ehemaligen Hotels sollen erhalten bleiben. Geplanter Beginn der Bauarbeiten: 2021.

Das ehemalige Hotel ist auf der rechten Seite zu sehen.
Author: Darkroom Daze
Creative Commons 2.0

The Countess of Evesham – Ein Restaurantschiff in Stratford-upon-Avon (Warwickshire)

Ich mag Dinner Cruises an Bord eines Ausflugsschiffes. Im vorigen Jahr habe ich meinen Geburtstag auf einem solchen Schiff auf der Seine in Paris gefeiert. Zweieinhalb Stunden langsamer Fahrt mit einem mehrgängigen Menu, zwei Flaschen Wein (für zwei Personen), Sonnenuntergang und dann das beleuchtete Paris links und rechts von dem verglasten Schiff: Wunderbar!

In Stratford-upon-Avon in der Grafschaft Warwickshire kann man ebenfalls Lunch beziehungsweise Dinner Cruises unternehmen, obwohl es dabei nicht so viel zu sehen gibt wie in der französischen Hauptstadt. Die Countess of Evesham steht dafür bereit und erwartet ihre Gäste an der Anlegestelle Bancroft Gardens, direkt gegenüber vom Royal Shakespeare Theatre. 44 Personen passen an Bord, zur Zeit werden aber nur jeweils 18 Gäste aufgenommen, wofür die Coronakrise sorgt. Die Cruises dauern je nach Wochentag zwischen 90 Minuten und zweieinhalb Stunden und kosten von £23.50 (Lunch von Montag bis Freitag) bis £39.50 (Samstagabend). Inbegriffen ist die Fahrt und ein Menu; die Getränke sind extra zu bezahlen. Von den Bancroft Gardens geht es den River Avon entlang, wobei Schleusen passiert werden, bis nach Luddington, einem Dorf ohne Pub und Läden, wo ich einmal mit meinem Narrowboat gestrandet bin, weil die dortige Brückendurchfahrt wegen Hochwasser gesperrt war. Hier wendet die Countess of Evesham und bringt ihre mittlerweile nicht mehr ganz so hungrigen, dafür aber angeheiterten Gäste wieder zurück nach Stratford-upon-Avon, wo sie von einer Statue William Shakespeares, zwischen Anlegestelle und Theater, begrüßt werden.

Hier ist ein kurzer Film, der anlässlich der Burns Night aufgenommen wurde.

 

 

Published in: on 31. Dezember 2020 at 02:00  Comments (16)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 2: Der Thirsk Furniture Trail

Coxwold Cabinet Makers in Coxwold (North Yorkshire)
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Woran denkt man zuerst, wenn man den Ortsnamen Thirsk in North Yorkshire hört? Genau, an den Tierarzt James Herriot, der hier seine Praxis hatte und der weltweite Berühmtheit durch seine Bücher erlangte, die in der beliebten TV-Serie „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) verfilmt wurden. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Was vielleicht bei den Yorkshire-Touristen nicht so  bekannt ist: Es gibt in Thirsk und Umgebung zahlreiche Möbelschreiner, die Auftragsarbeiten aus dem ganzen Land annehmen. Wer also individuelle Möbel angefertigt haben möchte, der ist in diesem Teil von North Yorkshire richtig.

Um auf sich aufmerksam zu machen, haben sich zur Zeit sieben dieser kleinen, spezialisierten Handwerksbetriebe zusammengeschlossen und den Thirsk Furniture Trail entwickelt, auf dem man den Schreinern bei der Arbeit zusehen und sich die dort hergestellten Möbel in Ausstellungsräumen ansehen kann. Einige der teilnehmenden Betriebe möchte ich kurz vorstellen.

In dem wunderschönen Dorf Coxwold, literarisch Interessierten sicher durch den Schriftsteller Laurence Sterne bekannt (siehe mehr hier) gibt es die kleine Firma Coxwold Cabinet Makers, die 1987 gegründet wurde und Möbel jeder Art herstellt, besonders aber Küchenmöbel. Das Markenzeichen der Firma ist das Einhorn, das man häufig auf ihren Möbeln findet.

Was dem einen das Einhorn ist dem anderen das Eichhörnchen. Dieses Tier findet man an Möbeln, die die 1957 gegründete Firma Squirrel Woodcarvers in Husthwaite herstellt, die sich auf die Verwendung von Eichenholz spezialisiert hat.

Einen großen Ausstellungsraum unterhält die Firma Treske Furniture in Thirsk, in dem man deren Schreinerkunstwerke bestaunen kann. Hier baut man Möbel für jeden Zweck, unter anderem hat man Pubs eingerichtet wie das Restaurant des Black Swans in Oldstead (North Yorkshire).

Wer sich für Möbel interessiert, der ist auf dem Thirsk Furniture Trail gut aufgehoben; wie es in so einer Möbelschreinerei zugeht, zeigt dieser Film.

Published in: on 30. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 1: Robert „The Mouseman“ Thompson in Kilburn

Die Firma Robert Thompson in Kilburn.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von der A19 gelegen, in der Nähe der Stadt Thirsk in North Yorkshire, findet sich der kleine Ort Kilburn, Sitz der Firma Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die sich auf die Herstellung von Möbeln aus Eiche spezialisiert hat.
Robert Thompson, der von 1876 bis 1955 hier in Kilburn lebte, war ein Möbelschreiner, dessen Markenzeichen eine geschnitzte Maus war, die sich auf fast allen seinen Möbeln fand. Auch auf Kirchenbänken und anderen Einrichtungsgegenständen für Kirchen war diese Maus zu finden, daher sein Namenszusatz „The Mouseman„.
1919 soll sich Thompson einmal mit einem seiner Arbeitskollegen über den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“ unterhalten haben, woraus dann die Idee mit der Maus entstanden ist.

Noch heute gibt es hier in Kilburn die Firma  Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die von Nachfahren des „Mouseman“ betrieben wird und die klassische Möbel aus Eiche herstellt, natürlich mit der geschnitzten Maus, die zum Beispiel an einem Tischbein oder seitlich an einem Schrank angebracht ist.

Die Firma betreibt auch ein Besucherzentrum, in dem man sich über den „Mouseman of Kilburn“ informieren kann, das T Café für die Erfrischung zwischendurch und einen Gift Shop, in dem man kleinere Holzarbeiten erwerben kann.

Auf Arbeiten des „Mouseman“ stieß ich unter anderem in der Mouse Bar des Green Dragon Inns in Cowley in Gloucestershire.

Hier ist ein Film über die Firma.

Siehe auch meinen Blogeintrag über The White Horse of Kilburn.

Robert Thompson’s Craftsmen Ltd.
Kilburn
York, North Yorkshire.

YO61 4AH   

Das Buch zum Artikel:
Patricia Lennon: Mouseman – The Legacy of Robert Thompson of Kilburn. Great Northern Books 2012. 160 Seiten. ISBN 978-1905080076.

Eine Thompson-Maus in der St Andrew’s Church in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Eine weitere, schon etwas in die Jahre gekommene Maus in der Church of St Michael and All Angels in Mottram in Longdendale (Greater Manchester).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

…und eine verwitterte Thompson-Freiluftmaus vor St. Michael and St. George in Castleton (North Yorkshire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ellen Sadler – The Sleeping Girl of Turville

Das Sleepy Cottage.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich gibt es in dem winzigen Dorf Turville in den Chilterns in Buckinghamshire nicht viel zu sehen, trotzdem wird es immer mal wieder von Film- und TV-Produktionsfirmen aufgesucht, um hier Dreharbeiten vorzunehmen. Ich schrieb bereits mehrere Male in meinem Blog über meine Besuche in dem hübschen Dörfchen. Es ist einfach nett anzusehen mit seinen Cottages, der Kirche St Mary the Virgin und dem Pub The Bull and Butcher, der immer noch ein wenig von den „Inspector Barnaby„-Dreharbeiten zehrt, die allerdings schon eine ganze Zeit zurückliegen.

Erst im November letzten Jahres stattete ich Turville erneut einen Besuch ab. Direkt neben dem Türchen des Eingangs zum Kirchvorplatz steht ein Haus, das heute den Namen Sleepy Cottage trägt, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für einige Jahre im Mittelpunkt des Interesses für viele Menschen stand. Hier wohnten Ann und William Sadler mit einer ganzen Heerschar von Kindern, deren jüngstes Ellen hieß. Sie wurde am 15. Mai 1859 geboren und führte ein mehr oder wenig normales Leben in einer Familie mit sehr wenig Geld. Am 29. März  1871 ging Ellen abends zu Bett… und wachte erst knapp zehn Jahre später wieder auf. Das elfjährige Mädchen war in einen Dornröschenschlaf gefallen und niemand wusste warum. Ellen hatte vorher schon erhebliche Probleme mit ihrer Gesundheit gehabt, litt unter Bewusstseinsstörungen und war wochenlang in einem Krankenhaus in Reading untergebracht; aber auch dort fand man für das kranke Mädchen keine Lösung.

Ja, da lag Ellen nun in dem Haus in der School Lane und schlief und schlief. Schnell verbreitete sich die Geschichte von dem Dornröschenschlaf-Mädchen in Turville im ganzen Land und es zog neben Journalisten und Medizinern auch neugierige Menschen an, die einmal einen Blick auf Ellen werfen wollten (auch der zukünftige König Edward VII. soll auf einen Sprung vorbeigekommen sein). Das Mädchen brachte ihrer Familie zum Beispiel durch Spenden einiges an Geld ein, so keimte allmählich der Verdacht im Dorf auf, dass Ellen gar nicht in einem Tiefschlaf lag, sondern ihre Geschichte nur dazu diente, um Geld einzunehmen. Das Kind lebte übrigens von einer Art Zwangsernährung, die zum Beispiel aus Milch und Portwein bestand.

Im Mai 1880 starb Ellens Mutter, so stellte sich die Frage, wer sich um Ellen kümmern sollte, was dann zwei ihrer Schwestern übernahmen, die auch in Turville wohnten. Und dann geschah es: Am Neujahrstag 1880 schlug Ellen wieder die Augen auf und war erwacht. Sie konnte sich an nichts in den vergangenen Jahren erinnern und musste sich nach und nach wieder in ihr neues Leben eingewöhnen, denn sie war ja auf dem Stand eines elfjährigen Mädchens stehen geblieben.
Einige Jahre später heiratete Ellen einen Farmer aus Reading und zog von Turville fort. Was genau die Ursache des langen Schlafs gewesen sein mag, hat man nie herausgefunden; der Verdacht eines Schwindels ist auch nie ausgeräumt worden.

Das jetzt Sleepy Cottage genannte Haus ist häufig in der TV-Comedy-Serie „The Vicar of Dibley“ zu sehen, die in Turville gedreht wurde. Auch in dem Spielfilm „Goodnight, Mr. Tom“ mit John Thaw spielt das Haus eine Rolle.

School Lane, rechts das Sleepy Cottage.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Alexander Walterowitsch Litwinenko auf dem Londoner Highgate Cemetery

Als der russische Oppositionelle Alexei Anatoljewitsch Nawalny am 20. August diesen Jahres Ziel eines Giftanschlages wurde, kamen Erinnerungen hoch an ähnliche gelagerte Fälle in England; in Salisbury am 4. März 2018 und am 1. November 2006 in London. In Salisbury waren der russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Ziele des Giftanschlags (siehe dazu meinen Blogeintrag) und in London der ehemalige russische Geheimdienstler und Putinkritiker Alexander Walterowitsch Litwinenko. War in den Fällen Nawalny und Skripal der Chemiekampfstoff Nowitschok im Spiel, so war es  im Fall Litwinenko der radioaktive Stoff Polonium. Rücksichtslos hinterließen die Attentäter Spuren der Gifte in der unbeteiligten Öffentlichkeit.

Litwinenko wurde am 1. November 2006 in der Pine Bar des Londoner Millennium-Hotels in Mayfair vergiftet, als ihm zwei russische Geheimdienstagenten Polonium in seinen Tee taten. Am 23. November erlag er dem Giftanschlag. Im Millennium Hotel wurden sieben Hotelangestellte durch das Gift in Mitleidenschaft gezogen, was allerdings glimpflich ausging.

Alexander Walterowitsch Litwinenko war kurz vor seinem Tod zum islamischen Glauben übergetreten. So fand auch seine Beisetzung am 7. Dezember auf dem Londoner Friedhof Highgate nach muslimischen Ritualen statt. Es nahmen einige Exil-Russen wie der Milliardär Boris Beresowski an der Feier teil (letzterer starb unter mysteriösen Umständen am 23. März 2013 in seinem Haus in Ascot).

Litwinenko wurde in einem strahlensicheren Spezialsarg beigesetzt, denn die in seinem Körper enthaltene Strahlung wird noch mehr als zwanzig Jahre lang vorhalten. Nicht weit von der Grabstelle entfernt, befindet sich das meistbesuchte Grab auf dem Highgate Cemetery, das von Karl Marx.

P.S. Das Londoner Millennium Hotel am Grosvenor Square heißt jetzt, nach einer kompletten Renovierung, The Biltmore Mayfair.

Hier ist eine Dokumentation des Falles Litwinenko:

Schauplatz des Anschlags: Das Millennium Hotel , jetzt The Biltmore Mayfair.
Photo © P Fletcher (cc-by-sa/2.0)

 

Pratt’s – Ein Londoner Gentlemen’s Club mit einer ungewöhnlichen Tradition

Author: CPrideaux
This work is in the public domain.

Park Place ist eine kleine, ruhige Nebenstraße, die von der St James’s Street abzweigt. Gleich am Anfang der Straße auf der linken Seite ist liegt einer der Gentlemen’s Clubs Londons, der Pratt’s Club, von außen nicht als solcher zu erkennen. Wie bei einem Gentlemen’s Club nicht anders zu erwarten, sind Frauen als Mitglieder tabu. Sie dürfen lediglich auf Einladung eines Clubmitglieds zum Mittagessen die heiligen Hallen betreten.

Pratt’s geht auf einen gewissen William Nathaniel Pratt zurück, der in dem Haus von 1841 bis 1860 wohnte und als Verwalter des Dukes of Beaufort tätig war. Der Duke und sein Freundeskreis gingen bei Pratt ein und aus, und nachdem der Verwalter gestorben war, führten seine Frau und ihr Sohn Pratt’s als Club weiter. Heute hat der Club um die 600 Mitglieder, die sich aber niemals alle gleichzeitig in Park Place treffen können, dafür sind die Räumlichkeiten viel zu klein. Es gibt einen Speiseraum, an dessen Tisch gerade einmal 14 Personen Platz finden können, und einen kleinen Aufenthaltsraum, alles also sehr überschaubar und elitär.

Einige der prominenten Mitglieder waren die Politiker Harold McMillan, Randolph Churchill und  Duncan Sandys. Da 14 Park Place unter Denkmalschutz steht, dürfen keine größeren Veränderungen am und im Haus vorgenommen werden. Es gibt hier keinen Aufzug und eine Klimaanlage ist auch nicht vorhanden.

Eine ungewöhnliche Tradition hat sich im Pratt’s eingebürgert: Alle männlichen Angestellten werden mit dem Namen „George“ angesprochen, egal welchen Vornamen sie tatsächlich tragen. Das soll darauf zurückgehen, dass die Mitglieder früher (?) sehr den alkoholischen Getränken der Club-Bar zusprachen und sich irgendwann nicht mehr an die Namen der Bediensteten erinnern konnten, so dass man einfach den Vornamen „George“ für alle verwendete. Bei weiblichen Angestellten gilt der entsprechende Vorname „Georgina„, was bisher aber nur einmal vorkam.

Wenn man die Straße Park Place bis fast ans Ende weitergeht, findet man dort ein wunderschönes rotes Gebäude, in dem ein 5*-Hotel untergebracht ist, das St James’s Hotel, das zu der deutschen Hotelgruppe Althoff Collection gehört.

Das St James’s Hotel in der Straße Park Place Nummer 7/8.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Elizabeth Tower und wie man ihn besichtigen kann

Nicht sehr schön anzusehen: Der in Gerüsten gekleidete Elizabeth Tower.
Author: oatsy40
Creative Commons 2.0

Seit dem Jahr 2017 ist der Londoner Elizabeth Tower, neben dem Parlamentsgebäude gelegen, und von den meisten Touristen Big Ben genannt, in Gerüste gehüllt. Er wird renoviert und soll 2021 wieder fertig gestellt sein. Eine lange Zeit war von dem Wahrzeichen Londons nicht viel zu sehen und von der berühmten Glocke The Great Bell nichts zu hören, aber das wird sich wohl bald ändern.

Der Glockenturm ist zu besichtigen, ABER: Das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen und für viele Londonbesucher unmöglich, denn er ist nur für „UK residents“ zugänglich, alle Besucher aus anderen Ländern sind außen vor… und das auch schon in den Vor-Brexitzeiten. Aber auch wer „UK resident“ ist, kann da nicht so einfach in den Turm hineinspazieren, denn man braucht dafür die Einladung bzw. Genehmigung eines Parlamentsabgeordneten oder eines Mitglieds des House of Lords.

Haben die Turmbesucher in spe diese Hürde genommen, kann es sein, dass sie auf weitere stoßen, die sie von einem Gang in die luftigen Höhen abhalten. Da ist einmal das Alter; wer unter elf Jahren ist, kann gleich draußen bleiben. Menschen mit Herzproblemen haben ebenfalls keinen Zutritt, was auch für Schwangere gilt, deren Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schließlich möchte man nicht, dass neben der Great Bell plötzlich einen Geburt stattfindet.

Wer gebrechlich aussieht, dürfte schlechte Karten für eine Turmbesteigung haben, denn es sind 334 Stufen zu bewältigen und einen Aufzug gibt es nicht. Rollatorfahrer und Menschen mit Gehhilfen: Forget it! Kommen Besucherinnen beispielsweise zum Besteigungstermin (das Wort klingt irgendwie komisch) in High Heels, können sie gleich wieder umdrehen und nach Hause fahren, denn entsprechendes Schuhwerk ist vorgeschrieben.

Ach ja, eines braucht man auf jeden Fall, wenn man den Elizabeth Tower besuchen möchte, nämlich Geduld. Die Nachfrage ist so groß, dass man so um  die sechs Monate warten muss, bis wieder ein Termin frei wird.

Besonders Wagemutige können den Turm auch auf diese Weise besteigen. Den Abstieg kann ich allerdings nicht so empfehlen.

So wird der Turm hoffentlich bald wieder aussehen, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 25. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Weihnachten in Buckinghamshire…in Bildern

 

Das Waddesdon Manor.
Author: Peter J Dean
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In Chalfont St Giles.
Author: timo_w2s
Creative Commons 2.0

Die Chilterns am Weihnachtsmorgen.
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Die High Street von Aylesbury.
Author: dlanor smada
Creative Commons 2.0

Am Dunsmore Hill
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Und zum Schluss noch einmal das Waddesdon Manor, das zur Weihnachtszeit besonders schön anzuschauen ist.
Author: Amateur with a Camera.
Creative Commons 2.0

Published in: on 24. Dezember 2020 at 02:00  Comments (10)  
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„Abide with me“ – Ein Kirchenlied, das in Brixham in Devon geschrieben wurde

 

Henry Francis Lyte.
This work is in the public domain.

Brixham in Devon ist eine ausgesprochen hübsche Küstenstadt am südlichen Rand der sogenannten Englischen Riviera. Hier hatte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Reverend Henry Francis Lyte (1793-1847) niedergelassen, ein anglikanischer Pfarrer, dessen Kirche die All Saints Church war. Er war sehr beliebt in Brixham, denn er kümmerte sich sehr um die Fischer und die Seeleute, die in dem Ort ansässig waren. Seine Kirche war sonntags oft gut mit Gläubigen gefüllt. Lyte wohnte im Berry Head House auf der Landzunge namens Berry Head, das heute ein Hotel ist. Im Jahr 1847 ging es mit ihm zu Ende, er litt an Tuberkulose, und er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Eines Abends, als er in seinem Garten saß und auf die Bucht herunter sah, kam plötzlich der Text von einem der beliebtesten Kirchenlieder aller Zeiten über ihn, „Abide with me„, dessen erste Strophe lautet:

Abide with me, fast falls the eventide
The darkness deepens Lord, with me abide
When other helpers fail and comforts flee
Help of the helpless, oh, abide with me

Henry Francis Lyte hätte sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, zu welcher Popularität es das Lied einmal bringen würde. Er schrieb auch eine Melodie zu seiner Hymne, doch die wurde in späterer Zeit nicht mehr verwendet, sondern eine andere, die William H. Monk 1861 geschrieben hatte.

„Abide with me“ wird gern bei Beerdigungen gesungen, zum Beispiel bei denen der Könige George V. und George VI. Die Krankenschwester Edith Cavell,  die im Ersten Weltkrieg vielen Soldaten zur Flucht verhalf und Freund und Feind durch ihren Einsatz das Leben rettete, soll das Lied bei ihrer Erschießung durch ein deutsches Exekutionskommando gesungen haben.

Es gibt unzählige Versionen von „Abide with me“; als Beispiel habe ich den Chor des King’s College aus Cambridge, den Military Wives Choir und … Doris Day herausgesucht.

Zu Brixham siehe auch diesen Blogeintrag.

Die All Saints Church in Brixham.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

 

The Berry Head Hotel.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die vier Corona-Zonen in England – Von „Medium Alert“ bis „Stay at Home“

Die wegen Corona leergefegte High Street von Melton Mowbray in Leicestershire.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Großbritannien ist seit wenigen Tagen erneut in die Schlagzeilen geraten, was die Corona-Infektionszahlen angeht. Eine neue Corona-Mutation macht sich vor allem in London und im Südosten breit, die deutlich ansteckender ist. Bisher gab es drei Corona-Zonen („tiers„), jetzt ist eine weitere dazugekommen. Betroffen von der Zone 4 („Stay at Home“) sind ganz London, Kent, Berkshire, Buckinghamshire, Hertfordshire, Essex und einige Gebiete außerhalb. Hier ist eine Übersicht, was man in den jeweiligen Zonen beachten muss:

Tier 1 („Medium Alert“)
In diese Zone gehören nur wenige Gebiete wie die Isle of Wight, Cornwall und die Isles of Scilly und Herefordshire, also alles Randgebiete.
Hier darf man ohne Einschränkungen reisen, Übernachtungen außerhalb der eigenen Wohnung sind erlaubt, alle Läden sind geöffnet, Restaurants und Pubs dürfen bis 23 Uhr Gäste empfangen.

Tier 2 („High Alert“)
In diese Zone fallen beispielsweise Norfolk, Suffolk und Cambridgeshire, Shropshire und Worcestershire, Dorset und Devon.
Auch hier darf man noch reisen, aber man sollte sich nur auf das Notwendige beschränken, die Läden sind geöffnet, Restaurants ebenfalls, Pubs nur, wenn sie auch Mahlzeiten anbieten. Um 23 Uhr müssen diese Etablissements geschlossen werden.

Tier 3 („Very High Alert“)
Hierzu gehören unter anderen Derbyshire, Lincolnshire und Nottinghamshire, Yorkshire, außer North Yorkshire und der Stadt York, die in Tier 2 sind, und South Gloucestershire.
In diesen stärker von Corona betroffenen Regionen sollte man auf Reisen verzichten, darf aber in Läden, zur Arbeitsstätte und in geöffnete Restaurants und Pubs fahren. Treffen mit haushaltsfremden Personen sind in der eigenen Wohnung beschränkt, ebenso Übernachtungen außerhalb der eigenen Region, Homeoffice wird dringend empfohlen. Alle Läden dürfen öffnen, Restaurants und Pubs dagegen nur noch Speisen außer Haus und Lieferservice anbieten. Friseure, Nagel- und Schönheitssalons  können Kund*innen empfangen.

Tier 4 („Stay at Home“)
Die betroffenen Regionen habe ich oben genannt.
Treffen mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind noch stärker beschränkt, Reisen außerhalb der eigenen Region und ins Ausland sind untersagt, Hotels sind in der Regel geschlossen, Läden sind geschlossen mit Ausnahme von Supermärkten und denen, die lebensnotwendige Güter anbieten. Restaurants und Pubs bleiben geschlossen mit den in Tier 3 genannten Ausnahmen. Auch die Friseure und Schönheitssalons müssen jetzt schließen. Bibliotheken dürfen ihre Pforten nicht mehr öffnen.

Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme mit dem Stand 21.12.2020. Jederzeit können Verschiebungen stattfinden, vor allem, wenn sich das mutierte Virus weiter verbreitet.

 

Published in: on 22. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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„Mind the Gap“ – Ein Warnhinweis in der Londoner U-Bahn, der Einzug in die Umgangssprache gefunden hat

Auf vielen Bahnsteigen in der Londoner U-Bahn besteht eine Gefahrenquelle darin, dass zwischen dem stehenden Zug und dem Bahnsteig eine Lücke klafft. Darauf wird auf mehrfache Weise hingewiesen: An der Bahnsteigkante steht in großen Buchstaben „Mind the Gap“ geschrieben, in den Zügen selbst weist eine Laufschrift auf die Gefahr hin und per Lautsprecherdurchsage werden die Reisenden immer wieder mit „Mind the Gap“ gewarnt. Mittlerweile hat sich der kurze Satz in der Alltagssprache etabliert und wird auch für andere Situationen angewendet.

Seit 1968 gibt es das Lautsprecherwarnsystem, das von dem Tontechniker Peter Lodge eingeführt wurde. Er engagierte einen Schauspieler, der die Sätze „Mind the gap“ und „Stand clear of the doors please“ auf Band sprach, doch da dieser darauf bestand, jedes Mal wenn seine Sätze in der U-Bahn abgespielt wurden, dafür Tantiemen zu bekommen, wurde nichts daraus, so dass Lodge letztendlich die Sätze selber sprach, und diese wurden dann auch für lange Zeit verwendet (hier zu hören). Auf manchen U-Bahnlinien wurden andere Sprecher bzw. Sprecherinnen verwendet wie Tim Bentinck, Julie Berry und Emma Clarke (hier zu hören), die bei ihrem Arbeitgeber aber in Ungnade fiel, weil sie sich angeblich despektierlich über die Londoner U-Bahn geäußert haben soll. Auch Oswald Laurence war einer der Sprecher des berühmten Satzes, dessen Band aber kaum mehr abgespielt wurde. Nachdem er 2007 gestorben war, ging seine Witwe  häufig zur U-Bahnstation Embankment, um dort noch die Stimme ihres Mannes zu hören. Transport for London überspielte die Ansage auf eine CD und schenkte sie der Witwe (hier zu hören).

„Mind the Gap“ findet man auf vielen Souvenirs aus der britischen Hauptstadt, auf T-Shirts, Socken, Slips, Kaffeebechern, Schlüsselanhängern usw. usw.

 

Ein Mitbringsel aus London für den Daheimgebliebenen
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

…und für die Daheimgebliebene.
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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