Der Mock Mayor von Woodstock (Oxfordshire) – Eine Tradition aus dem Jahr 1786

Hier in der Town Hall residiert die richtige Bürgermeisterin von Woodstock, Jill Dunsmore.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Town Hall residiert die richtige Bürgermeisterin von Woodstock, Patricia Redpath.
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Woodstock im US-Bundesstaat New Hampshire habe ich als eine der englischsten Kleinstädte im Nordosten der USA in Erinnerung. Ihr Namensvetter in Oxfordshire ist allen bekannt, die schon einmal den berühmten Blenheim Palace besucht haben, denn die Zufahrt zu diesem Stately Home führt über Woodstock, ein hübscher Ort, 13 km nördlich von Oxford.

Hier spielt sich alljährlich eine Zeremonie ab, die bis auf das Jahr 1786 zurückgeht und mit einigen Unterbrechungen bis heute durchgeführt wird: Die Wahl und „Inthronisierung“ des Mock Mayors. Dies ist ein „Scheinbürgermeister“, der neben dem richtigen Bürgermeister existiert.

Wie kam es dazu? Old Woodstock gehörte früher einmal zur Gemeinde Wooton, während der Nachbar New Woodstock eine eigene Gemeinde bildete, die schnell wuchs, ein schönes Rathaus baute und eine Bedeutung erlangte, die  Old Woodstock ein Dorn im Auge war. So versuchte man die Nachbargemeinde etwas zu verspotten, indem man einen Mock Mayor wählte.

Auch heute noch tritt Woodstocks Mock Mayor in einer Robe auf, mit einer Bürgermeisterkette, einem Stab und einem Zylinder. Nach und nach werden die alten Bekleidungsstücke früherer Mock Mayors durch neue ersetzt, weil diese mittlerweile zu empfindlich geworden und im County Museum besser aufgehoben sind.

Den Höhepunkt der Zeremonie bildet das Eintauchen in den River Glyme, der Old und New Woodstock voneinander trennt; nachdem man das Flüsschen durchquert hat, macht sich der Mock Mayor und seine ganze Entourage auf den Weg zum Pub The Black Prince in der Manor Road, wo dann so manches Pint zu sich genommen wird.

Mock Mayors gibt es auch noch in anderen englischen Städten, so z.B. in Penzance, Polperro und Helston in Cornwall.

Der River Glyme bei Old Woodstock.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

The Black Prince.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0).

Published in: on 25. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Joe Moran: On Roads

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Wer sich für englische Straßen in weitestem Sinne interessiert, dem kann ich das Buch „On Roads: A Hidden History“ des Liverpooler Universitätsprofessors Joe Moran sehr empfehlen.

Das Buch ist eine hoch interessante, gut lesbare Studie über das britische Straßenwesen. Beschrieben wird hier u.a. der Bau der britischen Autobahnen, der Aufbau des Nummerierungssystems der Straßen, die Autobahnraststätten oder die Überwachung der Straßen mit Hilfe von Speed Cameras.

„Written with wit, warmth and authority, it will change forever the way you look through the windshield“, so die Meinung des Verlags.

Das 312-Seiten starke Buch ist 2009 bei Profile Books erschienen und z.B. bei Amazon noch als Taschenbuch erhältlich. Ich habe es mit großem Interesse gelesen und es ist eine wahre Fundgrube für den britischen „Road Enthusiast“.

Übrigens hat sich Joe Moran in einem weiteren Buch, „Queuing For Beginners: The Story Of Daily Life From Breakfast To Bedtime“, mit dem Thema „Schlangestehen“ beschäftigt, über das ich in meinem Blog einmal geschrieben habe.

 

Published in: on 24. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Swandown – 160 Meilen mit dem Tretboot von Hastings nach Hackney

Hier in Hastings begann die Tretbootfahrt.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach von kuriosen Durchquerungen Englands bzw. Großbritanniens berichtet, zum Beispiel von der „Rennstrecke“ Land’s End – John O’Groats, die einige nackt, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Linienbussen zurückgelegt haben. Der Schauspieler David Walliams hat vom 5. bis zum 12. September 2011 die Themse auf 140 Meilen durchschwommen. Eine recht exzentrische Reise haben Iain Sinclair und Andrew Kötting 2012 unternommen: Sie sind mit einm Tretboot in Form eines Schwans von Hastings bis nach Hackney gefahren und haben darüber einen Film gedreht, der den Titel „Swandown“ trägt.

Iain Sinclair ist Schriftsteller, und ich habe sein Buch „London Orbital„, das 2002 erschienen ist, in meinem Blog vorgestellt. Es handelt von einer Umrundung Londons entlang der Autobahn M25 und ist hochinteressant. Andrew Kötting ist Filmemacher.

Die Fahrt mit dem Tretboot, das sie Edith genannt haben, führt Sinclair und Kötting von Hastings an der englischen Südküste auf Wasserwegen bis nach Hackney im Osten Londons (wo Sinclair wohnt) und wo in jenem Jahr die Olympischen Spiele durchgeführt wurden. Der Schriftsteller war entschiedener Gegner dieses sportlichen Großereignisses, weil es seiner Meinung nach die gesamte soziale Struktur dieser Region negativ verändert hatte („War by other means“); das Thema ist Inhalt seines Buches „Ghost Milk„, das 2011 erschien. So soll die Tretbootfahrt, die von den Medien aufgegriffen wurde, unter anderem auch auf die Problematik der Olympischen Spiele in London aufmerksam machen. Doch die Film-Reise ist nicht nur als Protest anzusehen, sie zeigt auch die Menschen, die an den „English Waterways“ leben und die bezaubernde Landschaft, die an den Tretbootfahrern vorüberzieht. Besucht werden Sinclair und Kötting auf ihrer Fahrt von dem Satiriker Stewart Lee, dem Schriftsteller und Comicautor Alan Moore und dem Schauspieler Dudley Sutton.

„Swandown“ kam am 20. Juni 2012 in die Kinos und wurde außerhalb Großbritanniens nur noch in Dänemark und in Frankreich gezeigt (dort beim Cannes Film Festival 2013). Hier sind einige Impressionen von der Tretbootreise zu sehen.

…und hier am River Lea in Hackney endete die Reise.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Cricket, John Wisden und sein Almanach

Ein Cricketmatch in Cockington (Devon).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr im April/Mai erscheint auf den englischen Bestsellerlisten ein Buch, das sich zum einen durch seinen Preis, zum anderen durch seinen Umfang von den anderen Büchern unterscheidet. „Wisden Cricketers‘ Almanack“ kostet in diesem Jahr 40 Pfund und hat 1536 Seiten.

Der „Wisden“ ist die Bibel eines jeden Cricket-Fans und das schon seit 1864, als der Almanach erstmals von dem englischen Cricketspieler John Wisden herausgegeben wurde. Im Alter von erst 37 Jahren musste Wisden seine sportliche Karriere auf Grund seiner Rheumaerkrankung aufgeben. Von da ab beschäftigte er sich nur noch indirekt mit Cricket, in dem er in Leamington Spa Cricketzubehör verkaufte und später in London einen „Cricket und Zigarren“-Laden eröffnete.

In jeder Ausgabe werden auch die „Cricketers of the Year“ genannt, also die besten Spieler des Jahres. In diesem Jahr sind es: Ben Duckett, Toby Roland-Jones, Chris Woakes, Misbah-ul-Haq und Younis Khan.

„Wisden Cricketers‘ Almanack“ wird in jedem Jahr von den Medien enthusiastisch besprochen, so sagt z.B. die Daily Mail von der Ausgabe 2010:
‚1,728 pages of dense statistics, elegant prose and effortless authority…it shimmers with wit and wisdom, and it simply reeks of summer. Unreservedly recommended.“ Hier ist eine Dokumentation über den Almanach.

Mir sind die Regeln dieses Spiels nie so ganz klar geworden und so steht der Almanach auch nicht in meinen Bücherregalen.

Lawrence Booth: Wisden Cricketers‘ Almanack. Wisden 2017. 1584 Seiten. ISBN 978-1472935199.

Plakette am Cricketers Pub in der Archery Road in Leamington Spa (Warwickshire).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Kettlewell Scarecrow Festival – Der Vogelscheuchenort in North Yorkshire

Vom 12. bis zum 20. August findet in diesem Jahr in Kettlewell in North Yorkshire das Scarecrow Festival statt, das Tausende von Besuchern in den kleinen Ort im Upper Wharfedale ziehen wird. 1994 fand das Festival der Vogelscheuchen erstmals statt; man wollte die Einnahmen der örtlichen Schule zukommen lassen, die als Mittelpunktschule für die ganze Region fungiert.

Die Bewohner von Kettlewell waren von der Idee dieses Festivals begeistert und nahmen aktiv daran teil, in dem sie Vogelscheuchen bauten, die im ganzen Ort verstreut aufgestellt wurden: In Vorgärten, auf Dächern, am Straßenrand.
Wer keine Vogelscheuchen baute, der bot Selbstgebackenes oder lokale Produkte an, die von den Besuchern gern gekauft wurden.

Auf Grund des großen Erfolges wurde das Scarecrow Festival von nun an jährlich wiederholt und es findet immer neun Tage lang im Monat August statt.

Der „Scarecrow Trail“ führt durch den Ort an den aufgestellten Vogelscheuchen vorbei und es gibt dabei auch Rätsel zu lösen und Preise zu gewinnen. Die schönste Vogelscheuche des Jahres wird von einer Jury ausgesucht und prämiert.
Also: Das Kettlewell Scarecrow Festival ist etwas für die ganze Familie.

P.S. Wer den Spielfilm „Calendar Girls“ (dt. „Kalender Girls“) aus dem Jahr 2003 mit Helen Mirren und Julie Walters gesehen hat, der hat auch schon Kettlewell gesehen, denn große Teile des Films wurden hier gedreht.

Published in: on 21. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Steve Clark and Shoba Vazirani: The British Television Location Guide

Foto meines Exemplares.

Hier ist ein Buch für alle Freunde britischer Fernsehserien, die sich dafür interessieren, wo diese Serien gedreht wurden. „Location spotting“ ist für viele zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden (ich selbst bin ein „Midsomer Murder Location Spotter“) und so profitieren viele Dörfer, die als Drehort fungierten und die früher kaum jemand kannte, von dem Besucherstrom. Das recht einsam gelegene Goathland in North Yorkshire beispielsweise wird im Sommer immer noch von Touristenscharen aufgesucht, die hier auf den Spuren der Dorfkrimi-Serie „Heartbeatwandeln.
Die Pubs und Cafés in Holmfirth (West Yorkshire) freuen sich über die vielen Fans der Sitcom „Last of the Summer Wine„, die in der Kleinstadt für Umsatz sorgen.

Steve Clark und Shoba Vazirani stellen in ihrem „The British Television Location Guide„, nach Regionen unterteilt, Dutzende von diesen Drehorten vor und informieren auch über die Serien selbst. Viele dieser Serien sind in Deutschland kaum bekannt, weil sie im Fernsehen hier nicht ausgestrahlt wurden. Als Beispiele seien nur die Dauerbrenner „Coronation Street“, „EastEnders“ oder auch „The Vicar of Dibley“ genannt. Doch dank Youtube kann man sich von den meisten der in diesem TV-Guide genannten Serien auch in Deutschland zumindest einen Eindruck verschaffen.

Steve Clarks „Location Guide“ eignet sich sehr gut für einen Englandurlaub, denn irgendwo ist immer ein Drehort in der Nähe zu finden. Die Neuauflage von 2013 ist noch einmal aktualisiert und erweitert worden und enthält jetzt auch u.a. „Downton Abbey“, „Broadchurch“ und „Call the Midwife“.

Steve Clark and Shoba Vazirani: The British Television Location Guide. Splendid Books 2013. 144 Seiten. ISBN 978-1909109025.

Die vorige Auflage.
Foto meines Exemplares.

Das Postamt von Aidensfield aus der Serie „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Eine Tour auf den Spuren der Serie „The Last of the Summerwine“ in Holmfirth (West Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

St Mary the Virgin in Turville (Buckinghamshire), wo „The Vicar of Dibley“ gedreht wurde.
Eigenes Foto.

Published in: on 20. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Themselöwen – Sie warnen die Londoner Bevölkerung vor Hochwasser

Terroranschläge, ein Hochhausbrand…London steht in der letzten Zeit in verstärktem Maße mit Horrornachrichten in den Schlagzeilen. Fehlt nur noch, dass die Themse bei Hochwasser über ihre Ufer tritt und Teile der Innenstadt in Mitleidenschaft zieht. Für eine frühzeitige Warnung der Bevölkerung vor einer derartigen Überflutung sorgen rund um die Uhr seit 1868 ein ganzes Bataillon von bronzenen Löwen bzw. von Löwenköpfen, die in die Ufermauern der Themse eingelassen sind und von Touristen oft gar nicht wahrgenommen werden. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten an der Abwasserentsorgung Londons des Sir Joseph Bazalgette wurden die Löwen an den Mauern angebracht. Jedes Tier hat einen „mooring ring“ im Maul, damit Boote im Notfall hier festmachen können. Die Warnfunktion der Löwenköpfe wird folgendermaßen erklärt:

When the lions drink, London will sink
When it’s up to their manes, we’ll go down the drains.

Möglicherweise werden die Löwen in der Zukunft im Zuge der Klimaerwärmung mehr zu tun bekommen und noch sorgfältiger ihrer Überwachungsfunktion nachkommen müssen.
Der Londoner Bildhauer Timothy Butler (1806-1885) hat die Themselöwen geschaffen. Der Künstler, dessen Atelier zuletzt in der Euston Road in St Pancras zu finden war, hat auch Straßenlaternen für das Thames Embankment entworfen. Seine Spezialität waren allerdings Büsten von Londoner Persönlichkeiten.

Published in: on 19. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Rote Löwe von der High Street in High Wycombe (Buckinghamshire)

Die Bewohner von High Wycombe in Buckinghamshire lieben ihren hölzernen roten Löwen, der seit über 200 Jahren in der High Street zu einem Symbol der Stadt geworden ist. Trotzdem haben sie ihn jahrelang vernachlässigt, so dass der arme Kerl brüchig und vom Verfall bedroht war. Daher haben die Bürger im letzten Jahr £10000 gesammelt, wohl auch aus schlechtem Gewissen, und ihn zu einem „Löwendoktor“ geschickt, der ihn wieder herrichten sollte. Dies war Colin Mantripp, ein erfahrener Holzschnitzer, dessen Atelier Lillyfee Woodcarving Studio in der Nähe von Wooburn Green zu finden ist, erreichbar über einen sehr schmalen Weg und sehr abseits gelegen. Mr Mantripp nahm sich des roten Löwen, restaurierte ihn von Kopf bis Fuß, und jetzt steht das Tier wieder in der High Street von High Wycombe.

The Red Lion kann auf eine lange Geschichte zurückblicken mit vielen Aufs und Abs. Besonders stolz dürfte der Löwe darauf sein, dass der berühmte Winston Churchill einmal nach dem Zweiten Weltkrieg direkt neben ihm eine Rede gehalten hat. Über 100 Jahre vorher, am 27. November 1832, stand an dieser Stelle auch schon einmal Benjamin Disraeli und hielt eine Wahlkampfrede. Viele Jahre stand der Löwe über dem Eingang des nach ihm benannten Hotels, das 1961 geschlossen wurde, und beobachtete die an- und abreisenden Gäste. Später zog die Kaufhauskette Woolworth mit einer Filiale hier ein und wieder stand er auf dem Eingangsportal. Das Tier musste leider auch etliche Schmerzen erleiden, als es im Januar 1990 von einem Sturm von seinem Podest gefegt und stark beschädigt wurde. Schon damals half ihm Colin Mantripp wieder auf die Beine und reparierte ihn. Später fiel sein Schwanz Vandalen zum Opfer, die ihn abbrachen.

Am 23. April 2017, dem St George’s Day, wurde der Red Lion in einer Zeremonie wieder auf sein Portal  gesetzt, rundumerneuert und voller Vorfreude auf das trubelige Leben in der High Street von High Wycombe.

Das Richard III Festival in Middleham (North Yorkshire)

Die Ruinen des Middleham Castles.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

König Richard III (1452-1485) hat seine Spuren in der kleinen Stadt Middleham im Wensleydale in North Yorkshire hinterlassen, von denen man noch heute (tourismusmäßig) profitiert. Er wohnte eine Zeit lang in der Burg, deren Ruinen Wallfahrtsstätte für die zahlreichen Anhänger des Königs in der ganzen Welt sind. Die Richard III Society, die die Fahne des oftmals zu negativ dargestellten Herrschers hochhält, hat nach der Entdeckung seiner Gebeine unter einem Parkplatz in Leicester einen ungeahnten Zulauf an neuen Mitgliedern erfahren. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli werden sich viele Fans des Königs beim Richard III-Festival in Middleham treffen, bei dem drei Tage lang ein mittelalterliches Treiben in der Stadt stattfinden wird. Der Programmablauf sieht folgendermaßen aus:

Freitag, der 30. Juni – Tagsüber finden sich viele Schulklassen auf dem Burggelände ein, die, in mittelalterliche Gewänder gehüllt, auf die „Re-enactors“ treffen, die ihr Zeltlager hinter den Burgruinen aufgeschlagen haben. Am Abend wird in der Kirche St Mary and St Alkelda in der Church Street ein mittelalterliches Konzert zu hören sein, bei dem die Trouvere Minstrels auftreten werden, das sind Paul Leigh und Gill Page, die sich auf diese Art Musik spezialisiert haben.

Samstag, der 1. Juli – Den ganzen Tag über ist rund um die Burg wieder Leben wie im Mittelalter angesagt mit vielen Buden und Ständen. Am Abend gibt es für Interessierte im Middleham Key Centre am Park Lane, einem Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, Vorträge von Historikern über Richard III bezogene Themen.

Sonntag, der 2. Juli – Am Nachmittag werden die Vorträge vom Vorabend im Key Centre fortgesetzt, bei denen u.a. Philippa Langley und John Ashdown-Hill anwesend sind, die beide eine wesentliche Rolle bei der Suche nach dem Skelett Richards III und der späteren Auffindung gespielt haben.

Über Richard III und Middleham habe ich in meinem Blog schon mehrfach berichtet, u.a. weil meine Frau eine begeisterte Ricardianerin ist, die seit vielen Jahren Mitglied in der Richard III Society ist. Bei unseren Reisen durch England haben wir daher auch schon mehrmals in Middleham Station gemacht.

Hier ist ein Film über die hübsche Kleinstadt Middleham.

St Mary and St Alkelda.
Photo © Philip Platt (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Londons Protected Views

Blick vom Primrose Hill auf die Skyline von London.
Photo by DAVID ILIFF. License: CC-BY-SA 3.0

Die Innenstadt von London wächst rasant. Wenn man einige Jahre nicht in der Stadt gewesen ist und wieder zurückkommt, wird man immer wieder von neuen Gebäuden und Hochhäusern überrascht, die mittlerweile aus dem Boden geschossen sind. Um diese vielstöckigen Häuser  zu planen und zu bauen, mussten die Architekten auf die sogenannten „Protected Views“ Rücksicht nehmen, die verhindern, dass der Blick auf spezielle historische Gebäude zugestellt wird. Das sind vor allem die St Paul’s Kathedrale, der Palast von Westminster, die Tower Bridge und The Monument, die diesen besonderen Schutz genießen. Bereits 1938 traf die City of London diese Maßnahmen. Der aktuelle Stand der „Protected Views“-Richtlinien ist hier nachzulesen.

13 dieser Sichtkorridore sind von Stadtplanern zu berücksichtigen, so zum Beispiel:

Der Blick vom Primrose Hill auf St Paul’s und die Parlamentsgebäude.

Der Blick vom Parliament Hill (Hampstead Heath) auf St Paul’s und die Parlamentsgebäude.

Der Blick vom Alexandra Palace im Norden der Stadt auf St Paul’s Cathedral.

Der Blick vom Blackheath Point im Südosten auf die Kathedrale.

Da die Dichte der Hochhäuser im Stadtkern von London immer mehr zunimmt, stellt sich ständig die Frage, ob diese „Protected Views“ noch zeitgemäß sind, das heißt die Bauunternehmer stellen diese Frage. Zurzeit sind viele weitere Hochhäuser mit mehr als 20 Stockwerken in der Planung; kann man da diese Sichtkorridore auf Dauer noch einhalten? Schon sind zum Beispiel beim Bau des Shards gewisse Zugeständnisse gemacht worden. Das höchste Gebäude Europas liegt im „viewing corridor“ vom Kenwood House (Hampstead Heath).

Sieht London in den nächsten Jahren aus wie Dubai oder Shanghai? Viele Schritte dafür sind bereits getan. Dieser Film zeigt die Problematik des Baubooms auf.

 

Blick vom Parliament Hill. Das Foto ist schon etwas älter, das heißt mittlerweile sind noch weitere Hochhäuser entstanden.
Author: Chesdovi.
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St Clement’s Church in West Thurrock (Essex) – Eine Kirche mitten in einem Industriegebiet

 

St Clement’s of Procter & Gamble…oder so ähnlich.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Immer wenn ich von Dartford in Kent kommend durch den Tunnel unter der Themse auf der anderen Seite in Grays (Essex) herauskomme, werde ich mit einer öden, tristen Industrielandschaft konfrontiert, die von Einkaufszentren, mehrspurigen Straßen und Fabrikgebäuden dominiert wird.
Inmitten dieser zersiedelten Landschaft steht eine Kirche, St Clement’s in West Thurrock, die sich verängstigt zwischen diese Industrieanlagen duckt und sich mit ihnen arrangiert hat.

Seit Jahrhunderten steht diese Kirche hier, bevor die Fabriken ihr auf die „Pelle“ rückten. Der Global Player Procter & Gamble, deren Gebäude direkt hinter der Kirche stehen, bekam Mitleid mit St Clement’s und nahm sie unter seine Fittiche. 1987 begannen die Renovierungsarbeiten, die von dem Konzern übernommen wurden.

1994 wurde die Kirche für Filmdreharbeiten verwendet und zwar filmte hier Regisseur Mike Newell die Beerdigungsepisode in dem Film „Four Weddings and a Funeral“ (dt. „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) mit Hugh Grant in der Hauptrolle.

Hier ist ein Film über die Kirche zu sehen und hier die entsprechende Szene aus dem Film „Four Weddings and a Funeral“.

St Clement’s ist nur an wenigen Tagen im Jahr für die Allgemeinheit geöffnet; in diesem Jahr noch am 1. und 2. Juli, 5. und 6. August, 2. und 3. September.

Ob der Heilige Clement den jetzigen Standort für die ihm geweihte Kirche wohl gut finden würde?
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Tube Tales – Geschichten aus der Londoner U-Bahn

Die U-Bahnstation Bethnal Green.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

In der Regel ist eine Fahrt in der Londoner U-Bahn eher langweilig. Die Fahrgäste sitzen oder stehen in den Waggons und hoffen, bald an ihrem Ziel anzukommen. Man liest in der Zeitung oder in einem Buch, hört Musik über sein Smartphone und vermeidet möglichst Blickkontakte. Aber manchmal passiert doch etwas; etwas das im Gedächtnis haften bleibt. In den 1990er Jahren sammelte das Londoner Magazin „Time Out“ Geschichten von Menschen, die in der „Tube“, wie die U-Bahn in der Metropole genannt wird, ungewöhnliche Erlebnisse hatten und diese wurden als „Tube Tales“ verfilmt. Neun Kurzfilme entstanden, bei denen namhafte Leute die Regie führten, unter anderem die als Schauspieler bekannten Jude Law, Ewan McGregor und Bob Hoskins. Gedreht wurde 1999 in der Londoner U-Bahn, zum Beispiel in den Stationen Bethnal Green, Holborn und Marylebone.

Ich habe zwei von diesen neun Kurzfilmen herausgesucht; da ist einmal „Horny„, das unter der Regie von Stephen Hopkins entstand. In den beiden Hauptrollen sind Denise van Outen (vor allem als TV-Moderatorin und auch als Sängerin bekannt) und Tom Bell (1933-2006) zu sehen. In dieser erotischen Geschichte wird ein älterer Geschäftsmann von einer attraktiven jungen Frau so erregt, dass das deutlich zu erkennen ist. Sehr schön ist das Mienenspiel der alten Dame, gespielt von Liz Smith (1921-2016).

Sehr viel unappetitlicher geht es in „Mouth“ zu, bei dem Armando Giovanni Iannucci Regie führte. Hier mischt zuerst eine nervige Gruppe junger Mädchen den U-Bahnwaggon auf, bis eine junge Frau den Zug betritt und die Fantasien der anwesenden Männer wach werden lässt. Doch plötzlich wird alles ganz anders… Die Hauptrolle in diesem Film spielt die schottische Schauspielerin Daniela Nardini.

Holborn Tube Station.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Caldecote Towers in Bushey Heath (Hertfordshire) – Schauplatz mehrerer Filme und Sitz einer renommierten jüdischen Schule

This work has been released into the public domain.

Die an der Peripherie Londons gelegenen Filmstudios haben das Glück, direkt im Hinterland auf zahllose geeignete Drehorte für ihre Produktionen zurückgreifen zu können.Das gilt für die Pinewood Studios in Iver Heath (Buckinghamshire), die Shepperton Studios in Shepperton (Surrey) als auch für die Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire). Als man in letzerem 1971 einen Ort suchte, um den Horrofilm „The Abominable Dr Phibes“ (dt. „Das Schreckenskabinett des Dr Phibes“) zu drehen, brauchte man nur wenige Kilometer nach Westen zu fahren, um auf der anderen Seite der Autobahn M1 an der Elstree Road in Bushey Heath (Hertfordshire) in den Caldecote Towers einen idealen Drehort vorzufinden. Die Hauptdarsteller Vincent Price und Joseph Cotton waren sicher froh, für die Dreharbeiten keine langen Strecken zurücklegen zu müssen.

Zwölf Jahre später wurden Teile des Abenteuerfilms „High Road to China“ (dt. „Höllenjagd bis ans Ende der Welt“) mit Tom Selleck in den Caldecote Towers gedreht. Auch für einige Episoden der TV-Serien „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“), „The Baron“ (dt. „Der Baron“), „Randall and Hopkirk (Deceased)“ (dt. „Randall & Hopkirk – Detektei mit Geist“) und „Inspector Morse“ (dt. „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford“) verwendete man das denkmalgeschützte Haus an der Elstree Road.

In den um 1870 herum für Captain Marjoribanks Loftus Otway erbauten Caldecote Towers wohnte eine Zeit lang der Parlamentsabgeordnete Sir Robert Leicester Harmsworth , der nach dem Ersten Weltkrieg einige Jahre die weit entfernt in Schottland liegenden Wahlbezirke Caithness und Sutherland vertrat. Anschließend übernahmen die Dominikanerinnen das Haus und die Rosary Priory Catholic Girl’s School wurde gegründet. Seit 1990 findet man hier das Immanuel College, eine jüdische Schule für Mädchen und Jungen, benannt nach dem Gründer Immanuel Jakobovits (1921-1999).

 

The Black Castle in Brislington (Bristol) – Ein Folly, das jetzt als Pub dient

Wer in Brislington, einem Stadtteil von Bristol, den St Philips Causeway entlangfährt, der findet neben einem Supermarkt von Sainsbury plötzlich eine richtige Burg mit Türmen auf denen Fahnen wehen. Wer ist denn hier der Burgherr fragt man sich? The Black Castle ist ein Pub und ein Steakhaus, das zu der Kette der Flaming Grill Pubs gehört, und meines Wissens das einzige Gasthaus in Großbritannien, das aus schwarzer Schlacke erbaut worden ist.

The Black Castle war ursprünglich nicht als Pub konzipiert, sondern war ganz einfach ein Folly, das von 1745 bis 1755 für den Geschäftsmann William Reeve erbaut worde, aus dessen Gießerei die Schlacke für die Burg auch stammt. Über die Architekten des kuriosen Gebäudes herrscht eine gewisse Unklarheit. Zwei Namen stehen zur Debatte, der eine Zeit lang in Bristol ansässige James Bridges, der für den Bau der Bristol Bridge bekannt war (Nomen est omen!) und William Halfpenny, der ebenfalls eine Weile in Bristol zubrachte und im Südwesten des Landes einige Bauwerke schuf (zum Beispiel Stout’s Hill bei Uley).

Ursprünglich stand vor dem Black Castle noch ein Torbogen, der recht großspurig Arno’s Court Triumphal Arch genannt wurde, den man aber im Jahr 1912 rund hundert Meter weiter in die Junction Road verfrachtete, in eine kleine Sackgasse, wo der Torbogen noch heute steht.

The Black Castle ist geeignet für Leute mit großem Appetit, denn die Portionen sind gigantisch. Für den Flaming Challenge Burger sollte man vorher besser seinen Kiefer aushaken, und wer den verdrückt und noch immer Platz in seinem Magen hat, bietet sich als Dessert der Brain Freeze an, der aus 15 Kugeln Eis und diversen weiteren Zutaten besteht.

Black Castle
St Philips Causeway
Brislington
Bristol BS4 3BD

Arno’s Court Triumphal Arch in der Junction Road.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

 

The Spirit of Ecstasy, Rolls Royce und Eleanor Velasco Thornton

The Spirit of Ecstasy nennt sich die Kühlerfigur der Autofirma Rolls Royce, deren Modelle ähnlich mysteriöse Namen führen wie Silver Wraith, Silver Seraph, Phantom oder Corniche. Als sich John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2nd Baron Montagu of Beaulieu, im Jahre 1910 einen Rolls Royce Silver Ghost zulegte, fehlte ihm etwas an dem Auto, eine Kühlerfigur, und so gab er sie bei dem Bildhauer Charles Robinson Sykes in Auftrag. Der Künstler schuf eine entsprechende Figur in Form einer jungen Dame in wallenden Gewändern, die einen Finger vor ihre Lippen hielt. Als Modell wählte Sykes eine Schauspielerin namens Eleanor Velasco Thornton, die damals für den Baron als Sekretärin arbeitete und lange Jahre seine Geliebte war, daher der Finger vor den Lippen der Figur, denn das Verhältnis der beiden war ein Geheimnis (Baron Montague of Beaulieu war verheiratet). „The Whisper“ wurde denn die Kühlerfigur auch genannt.

Auch andere Rolls Royce-Besitzer schmückten die Kühler ihrer Autos mit personalisierten Figuren, was der Herstellerfirma aber nicht gefiel, man wollte etwas Eigenständiges, das auf jeden verkauften Rolly Royce gehörte. Also wandte sich Claude Johnson, der damalige Direktor der Firma, wieder an Charles Robinson Sykes, damit er eine Standard-Kühlerfigur für alle Autos aus seinem Haus schaffen sollte. Dieser nahm sich „The Whisper“ vor und modifizierte sie; wieder stand Eleanor Velasco Thornton Modell, und 1911 präsentierte er sein Werk der Firma Rolls Royce, die es übernahm.

„The Spirit of Ecstasy“ gab es später noch in abgewandelten Versionen, zum Beispiel knieend. Bei den heutigen Rolls Royce-Modellen kann man die Kühlerfigur per Knopfdruck versenken, denn sie ist diebstahlgefährdet; außerdem zieht sie sich bei einem Aufprall automatisch in den Motorraum zurück. Dieser Film zeigt die Herstellung des Ornamentes.

Eleanor Velasco Thornton kam am 30. Dezember 1915 auf tragische Weise ums Leben, als sie zusammen mit ihrem Geliebten an Bord des Schiffes SS Persia auf dem Mittelmeer unterwegs war. Ein deutsches Torpedo versenkte das Schiff und Hunderte von Menschen ertranken, darunter auch Miss Thornton; Baron Montague of Beaulieu überlebte. Sein Enkel, Ralph Douglas-Scott-Montagu, ist heute der vierte Baron of Montague of Beaulieu, und auf dem Familiensitz in Hampshire befindet sich das National Motor Museum. Das große Interesse an Autos hat sich also über Jahrzehnte erhalten.

Der Rapper Gill Graff aus Florida hat sich Eleanor Velasco Thornton und ihrer Rolle als Kühlerfigur in seinem Song „Eleanor“ angenommen („Go ahead spread your wings dear Eleanor But before I go I’m trying to get to know you Will you ever fucking know?“).

 

Englische Exzentriker – John Camden Neild: Geizhals und Multimillionär

5, Cheyne Walk im Londoner Stadtteil Chelsea. Hier wohnte John Camden Neild.
Author: Edwardx
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In der Welt der englischen Exzentriker gab es immer wieder Männer, deren Bankkonto prall gefüllt war, die aber wie heruntergekommene Landstreicher lebten. Ich denke da vor allem an John Elwes, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Eine ähnliche Figur war John Camden Neild, der von 1780 bis 1852 lebte. Er erbte von seinem Vater rund £250 000, was in der damaligen Zeit ein riesiges Vermögen war. Doch statt sich von dem Geld ein angenehmes Leben zu machen, hortete er es und versuchte es zu vermehren.

John Camden Neild hatte eine gute Ausbildung in Eton und am Trinity College in Cambridge genossen und arbeitete in London als Rechtsanwalt. Eigentlich waren das alles gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere, aber Neild hatte andere Pläne. Geldausgeben war nicht sein Ding, er entwickelte sich zu einem Geizhals par excellence. In seinem großen Haus dicht an der Themse, Nummer 5 Cheyne Walk im Stadtteil Chelsea, dort, wo heute der High Commissioner von Zypern residiert, fristete Neild ein erbärmliches Leben. In den Räumen des Hauses standen fast keine Möbel, was eigentlich auch überflüssig war, denn er bewohnte nur einen einzigen Raum, in dem er auf dem Fußboden schlief. Kleider spielten für Neild so gut wie keine Rolle, er trug uralte Klamotten, die er nie ausbürstete, denn das könnte ihnen ja schaden. Auch im Winter war er ohne Mantel unterwegs, denn die Anschaffungskosten dafür wollte er sich ersparen. Wenn er seine weitläufigen Güter außerhalb Londons besuchte und die Pacht kassierte, tat er das meistens zu Fuß und wohnte dann bei seinen Pächtern, was ihn nichts kostete und die Verpflegung bekam er dann auch gratis.

Als er einmal das Dach der Kirche St Mary’s in North Marston (Buckinghamshire) neu decken lassen musste (es führte kein Weg daran vorbei, denn die Kirche stand auf seinem Grund und Boden), beaufsichtigte er die Arbeiter oben auf dem Dach, damit sie ja nichts von dem bereitgestellten Material (es handelte sich dabei um das billigstmögliche) für sich abzweigten.

Hier in der Kirche fand John Camden Neild auch seine letzte Ruhestätte, nachdem er am 30. August 1852 in seinem Londoner Haus gestorben war. In seinem Testament hinterließ er sein Vermögen, das sich inzwischen auf £500,000 angesammelt hatte, an Königin Victoria, die sich über diesen unerwarteten Geldregen natürlich sehr freute. Umgerechnet nach heutigem Wert waren das etwa £25 Millionen. Sie kannte Neild gar nicht, aber um sich nachträglich bei ihm zu bedanken, ließ sie in St Mary’s in North Marston den Altarraum, unter dem der Geizhals beigesetzt worden war, neu herrichten und ein Glasfenster zu seiner Erinnerung einbauen. Hier kann man das Glockengeläut von St Mary’s hören.

Was hatte damals Queen Victoria mit dem Geld gemacht? Da gibt es mehrere Vermutungen, darunter den Kauf des Balmoral Castles in Schottland, den Bau des Frogmore-Mausoleums oder die Bestreitung der immensen Ausgaben für die Hochzeiten ihrer Kinder.

North Marston liegt zwischen Aylesbury und Winslow, etwas abseits der A413, die die beiden Orte verbindet.

St Mary’s in North Marston (Buckinghamshire).
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Das Glasfenster im Altarraum von St Mary’s, das Queen Victoria in Auftrag gab.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0).

 

 

Published in: on 10. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das letzte Duell in England fand 1852 bei Englefield Green in Surrey statt

Priest Hill, nördlich von Englefield Green.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Ganz in der Nähe vom John F. Kennedy Memorial und der Magna Charta Island, dort, wo heute die A328 verläuft, die hier Priest Hill heißt, fand im Jahr 1852 das letzte tödlich verlaufende Duell auf englischem Boden statt. Nördlich des Ortes Englefield Green trafen zwei aus ihrem Heimatland Frankreich geflüchtete Männer aufeinander, der Revolutionär Emmanuel Barthélemy und der Marineleutnant Frederic Cournet. Angeblich soll Cournet Bemerkungen über Barthélemys Freundin gemacht haben, die diesem nicht passten, und so forderte er den Leutnant zum Pistolenduell heraus. Man einigte sich darauf, aus einem Abstand von vierzig Schritten aufeinander zu schießen, jeder hatte zwei Schüsse frei. Sollte keiner von beiden treffen, würden Schwerter zum Einsatz kommen. Cournet schoss daneben, dafür landete Barthélemy einen Volltreffer, nachdem seine Waffe zweimal versagt hatte. Cournet wurde tödlich verletzt und in das Gasthaus The Barley Mow nach Englefield Green gebracht, wo er an seinen Verletzungen starb. Sein Gegner hatte sich unterdessen mit seinen Sekundanten vom Acker gemacht und war nach London geflohen, wo ihn bald die Metropolitan Police festnahm. Vor Gericht wurde Barthélemy wegen Mordes angeklagt, kam aber mit einer Strafe wegen Totschlags davon. Nach wenigen Monaten gelangte er wieder auf freien Fuß. Ein Fehler, denn zwei Jahre später stand er wieder vor Gericht…wegen Mordes an seinem Arbeitgeber und an einem Mann, der ihn hindern wollte, den Schauplatz des Verbrechens zu verlassen. Dieses Mal kam Barthélemy aber nicht so glimpflich davon. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt; ausgeführt am 22. Januar 1855 im Gefängnis von Newgate. Wäre es ein Trost für Emmanuel Barthélemy gewesen, wenn er gewusst hätte, dass man ihn in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett eine Zeit lang zur Schau gestellt hat?

Im Jahr 2010 wurde ein zwölfminütiger Film mit dem Titel „Le dernier duel“ produziert, in dem das Geschehen von Englefield Green noch einmal nachvollzogen wurde.

The Barley Mow in Englefield Green.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Gnome Reserve in West Putford (Devon) – Ein Paradies für Gartenzwergliebhaber

The Gnome Reserve in West Putford im Norden der Grafschaft Devon ist ein Ort, den jeder Gartenzwergliebhaber einmal gesehen haben muss. Über 1000 männliche und weibliche Zwerge leben hier mitten im Grünen und damit die menschlichen Besucher sich dem Lebensumfeld der „Gnomes“ etwas anpassen können, dürfen sie sich beim Betreten des Parks kostenlos Zwergenmützen ausleihen.

Die Zwerge wohnen in einem Waldgebiet, zwischen wilden Blumen und Wiesen, einem kleinen Flüsschen und einem Teich; also alles ist optimal für sie hergerichtet.

In einem Museum gibt es Zwerge älterer Bauart zu besichtigen, für die ein Aufenthalt in freier Natur inzwischen zu anstrengend wäre. Einige der „Gnomes“ kann man auch kaufen und mit nach Hause nehmen und selbstverständlich gibt es hier auch Erfrischungen und kleine Snacks aus der Zwergenküche.

Wie die Homepage des Gnome Reserve stolz verkündet, waren hier schon Fernsehteams aus der ganzen Welt zu Besuch; aus Deutschland das ZDF und Pro7.
Der Eintritt kostet für Erwachsene £3.75 und für Kinder £3.25. Geöffnet ist „The Gnome Reserve“ vom 21. März bis zum 31. Oktober, danach ist es für die Zwerge (und die Besucher) zu kalt. Hier ist ein Film über das Land der Zwerge.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag „Sir Charles Isham und die Gartenzwerge

The Gnome Reserve
West Putford
Nr Bradworthy
Devon
EX22 7XE

Published in: on 8. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Lantern Pike Inn in Little Hayfield (Derbyshire) – Ein Mordfall und der Start einer Fernsehserie

„CAMRA Pub of the Season for Winter 2015/16“ steht über dem Eingang des Lantern Pike Inn in Little Hayfield am westlichen Rand des Peak Districts in der Grafschaft Derbyshire.  Die A624 zieht auf ihrem Weg von Glossop nach Chapel-en-le-Frith direkt am Pub vorbei, früher einmal ein Bauernhof, der 1844 in ein Gasthaus umgewandelt wurde. „Relaxing retreat from the surrounding moors of Kinder Scout, with reasonably priced food“, meint der Good Pub Guide 2017.

Am 11. November 1927 ereignete sich hier ein Mordfall, der als „The Lonely Inn Murder Case“ in die englische Kriminalgeschichte eingegangen ist. The New Inn hieß das Gasthaus damals noch und die Besitzer waren Arthur und Amy Collinson. Als an einem trüben Herbstabend Arthur Collinson nach Hause kam (er arbeitete nebenbei noch in Glossop), fand er seinen Pub unbeleuchtet und verschlossen vor. Im Inneren entdeckte er seine Frau, in einer Blutlache liegend; man hatte ihr den Hals durchgeschnitten. Schnell fiel der Verdacht auf den 32jährigen George Frederick Walter Hayward, ein „regular“ des Pubs, der sich hochverschuldet hatte. £40 fehlten von den Einnahmen des Pubs und bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei £30 im Kamin Haywards versteckt; auch die Tatwaffe konnte sichergestellt werden. Obwohl er seine Unschuld beteuerte, wurde Hayward vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im März 1928 in Nottingham von Albert Pierrepoint aufgehängt.

The Lantern Pike Inn erlangte allerdings durch ein anderes Ereignis eine gewisse Berühmtheit. Tony Warren, ein Drehbuchschreiber, schrieb im Jahr 1960 hier die ersten Episoden der Seifenoper „Coronation Street„, die vom Sender ITV seit dem 9. Dezember 1960 bis heute ausgestrahlt wird und damit die am längsten laufende Fernsehserie der Welt ist. Warren nahm sich damals einige der Dorfbewohner von Little Hayfield als Vorbild für seine Charaktere in der Serie. Im Inneren des Pubs hängen einige Coronation Street-Memorabilia an den Wänden, und man ist sehr stolz darauf, die Wiege für diese äußerst erfolgreiche Sendung zu sein, von der bis jetzt etwa 9180 Folgen gezeigt worden sind.

Timothy Taylor’s Landlord wird im Lantern Pike Inn gezapft, das Bier aus jener Brauerei aus Keighley in West Yorkshire, über die ich in meinem Blog einmal berichtete.

The Lantern Pike Inn
45 Glossop Road
Little Hayfield
High Peak
Derbyshire
SK22 2NG

Die Shipley Windmill in West Sussex – Ehemals Eigentum eines berühmten Schriftstellers und Drehort für eine Fernsehserie

Shipley in West Sussex ist ein kleines Dorf, das sich über eine sehr schöne Windmühle erfreuen kann, die 1879 erbaut wurde. Bis 1926 war sie in Betrieb, dann fiel sie in einen Dornröschenschlaf von dem sie 1958 erweckt wurde, als man sie für interessierte Besucher öffnete. Der Shipley Windmill Charitable Trust kümmerte sich um den Erhalt der Windmühle, in die immer wieder viel Geld gesteckt werden musste. Leider ist die Shipley Windmill, oder King’s Mill wie sie auch genannt wird, seit geraumer Zeit für Besucher geschlossen.

Der englische Schriftsteller Hilaire Belloc (sein Vater war Franzose, daher der Name) war ein glühender Verehrer von Sussex und verbrachte hier den größten Teil seines Lebens. 1906 ließ er sich in Shipley nieder und kaufte King’s Land, eine große Länderei, zu der auch die Windmühle gehörte. Belloc verpachtete sie an den Müller Ernest Powell, der sie dann bis zum Schluss bewirtschaftete. Der Schriftsteller, der seine meisten Werke hier in West Sussex verfasste, war sehr produktiv. Neben Romanen, Kurzgeschichten und Gedichten schrieb er auch Sachbücher und Biografien, zum Beispiel über Richelieu, Danton und Napoleon. Seinem geliebten Sussex widmete er ebenfalls mehrere Bücher wie „The Four Men: A Farrago“ (1911), der Bericht über eine 140 Kilometer lange Fußwanderung durch die Grafschaft in romanhafter Form. Belloc fühlte sich in Shipley sehr wohl und seine Mühle soll er auch sehr geliebt haben.

Die Produzenten der BBC-Mystery-Krimiserie „Jonathan Creek“ bzw deren Location Scouts entdeckten die Shipley Windmill und verwendeten sie als Drehort. Jonathan Creek, gespielt von Alan Davies, ist Berater und Ideengeber für einen Bühnenzauberer, und hilft der Polizei immer wieder bei mysteriösen Kriminalfällen, die auf den ersten Blick unerklärlich zu sein scheinen. Hier ist ein Trailer zu der Serie und hier die Episode „Danse Macabre“.

Dieser Film zeigt den Ort Shipley und die Windmühle aus der Luft.

Nicola Metcalfe – Eine junge Künstlerin aus Buckinghamshire

With friendly permission of Nicola Metcalfe.

In der Mai-Ausgabe des Magazins „Buckinghamshire Life“ fand ich eine kleine Notiz, dass in der Öffentlichen Bibliothek von Bourne End eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Nicola Metcalfe stattfindet, die den Titel „Mrs Metcalfe in the Library with a Paintbrush!“ trägt. Da ich den Namen der Künstlerin bisher noch nicht kannte, suchte ich ihre Webseiten auf und war sehr angetan von dem, was sie bisher geschaffen hat. Besonders begeistert war ich von dem Druck „We Are UK„, den ich mir sofort bestellte und der jetzt in meinem Wohnzimmer hängt. Auf dem DIN-A1-Druck sind die Umrisse Großbritanniens zu sehen, die mit zahllosen Symbolen für die einzelnen Orte und Regionen gefüllt sind. Man kann sich dieses wunderschöne Bild stundenlang ansehen und entdeckt immer wieder etwas Neues. „From its architecture, animals and eccentricities to historical figures or contemporary music, this unique picture has a little bit of everything„, erklärt Nicola Metcalfe ihr Werk. Ein Geschenk für jeden Fan Großbritanniens: Es ist auf 100 Exemplare limitiert.

Ähnlich gestaltet ist ein Geschirrhandtuch mit dem Titel „Let’s go up the river„, auf dem Themse-Motive von der Quelle bis zur Mündung zu sehen sind, auch auf einer Leinwand erhältlich.

Weiterhin hat Nicola Metcalfe Kunstwerke angefertigt in denen London, Henley-on-Thames und Marlow im Mittelpunkt stehen; so gibt es in der Henley-Serie einen „Regatta mug“ und einen DIN-A2-Druck. Für ihren Wohnort Marlow hat die Künstlerin ebenfalls einen sehr schönen Druck gestaltet, auf dem u.a. wichtige Gebäude zu sehen sind wie die Themsebrücke und die All Saints Church.

Nicola Metcalfe hat ihre Werke bisher überwiegend in Buckinghamshire und angrenzenden Grafschaften ausgestellt wie zum Beispiel in der renommierten Henley Business School. Jetzt im Juni ist sie zum wiederholten Mal bei den Bucks Open Studios vertreten, einer Veranstaltungsreihe, bei der Künstler ihre Studios öffnen und Ausstellungen in der ganzen Grafschaft Buckinghamshire stattfinden.

Nicola Metcalfe hat ihr Atelier nicht direkt in der Stadt Marlow sondern in Marlow Bottom, das ist ein Straßendorf, das sich nördlich der Themsestadt hinzieht. Hier lebt sie zusammen mit ihren beiden Kindern und drei Hühnern wie es auf ihren Webseiten zu erfahren ist.

Ich finde Nicolas Werke großartig!! Man kann sie problemlos über ihre Homepage bestellen.

Nicola Metcalfes „We are UK“ in meinem Wohnzimmer.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 5. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Gareth Rubin & Jon Parker: Crap Days Out

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Schon das Umschlagbild dieses wunderschönen Buches ist gelungen: Ein kleines Mädchen mit einer Tüte Eis in der Hand am Meer, das offensichtlich überhaupt keine Lust hat, hier seine Ferien zu verbringen.

Crap Days Out“ von Gareth Rubin und Jon Parker listet die Orte in Großbritannien auf, für die es sich nicht lohnt, dort extra hinzufahren. Mit trockenem Humor schildern sie ihre Besuche (nach Regionen geordnet) dieser „Sch…orte“ und beginnen gleich mit Stonehenge in Wiltshire: „Is that it then? Seriously? Bollocks, we should have gone to Bath after all“.

Über das Londoner Anaesthesia Heritage Museum:“ „Mum. Can we go to the Anaesthesia Heritage Museum? Pleeeeease?!““  Words you will never hear. Never“.

Cadbury World in Birmingham: „Cadbury World is the chocolate factory visit that does not include a visit to the chocolate factory“.

Sheffield: „When the „Full Monty“ hit British cinemas in 1997, the residents of Sheffield, where it was set, were outraged at the depiction of their town as some depressed, poverty-stricken slum populated by overweight former steelworkers  living in hovels with outside toilets. Their anger was justified because Sheffield is far worse than that“.

Madame Tussauds in London: „By rights, spending £ 25 for an hour of looking at shop dummies dressed as quite famous people should be the sort of thing you do when you have exhausted every – every – other activity on the planet“.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für einige vergnügliche Stunden!

Gareth Rubin & Jon Parker: Crap Days Out. John Blake 2011. 276 Seiten. ISBN 978-1843584056.

Stonehenge…das heißt, die Toiletten am Parkplatz.
Photo © Scriniary (cc-by-sa/2.0)

Cadbury World in Birmingham.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0).

Ein verlassenes Haus in Sheffield.
Photo © Dave Pickersgill (cc-by-sa/2.0).

Madame Tussauds an der Marylebone Road in London.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0).

Meine Lieblings-Pubs – The Coal Hole am Londoner Strand

91/92 Strand lautet die Adresse des Londoner Pubs The Coal Hole, den wir an einem Abend aufsuchten, bevor wir im gegenüberliegenden Vaudeville Theatre eine Aufführung besuchten. Der zu der Nicholson-Gruppe gehörende Pub ist Teil des Geländes des berühmten Savoy-Hotels und hier im Keller sollen einmal die Kohlevorräte für das Hotel gelagert worden sein, daher der Name. Von der Themse aus wurden früher die Kohlensäcke hergeschleppt und da diese Tätigkeit durstig machte, tranken die Träger gern das eine oder andere Bier im Pub.

Gilbert und Sullivan, die beiden Schöpfer von komischen Opern, traten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig im The Coal Hole auf und erfreuten die Biertrinker mit ihrer Musik. Da an der Straße Strand und in der Umgebung schon immer viele Theater angesiedelt waren, entwickelte sich The Coal Hole zu einem Treffpunkt von Schauspielern und anderen Theaterleuten, die hier gern nach den Aufführungen den Abend ausklingen ließen. Einer dieser Schauspieler war Edmund Kean (1787-1833), der damals internationale Erfolge verbuchen konnte. Kean war ein Exzentriker, der durch seinen extravaganten Lebenswandel für Schlagzeilen sorgte. Er hielt sich einen Löwen als Haustier, hatte Liebschaften mit verheirateten Frauen und war dafür bekannt, mit seinem Pferd wie ein Wilder durch die Gegend zu reiten.

Bei einem seiner vielen Besuche im Coal Hole hatte Edmund Kean die Idee, einen Club zu gründen, den er The Wolf Club nannte. Mitglied konnte jeder Mann werden, dem seine Frau ihm das Singen zuhause in der Badewanne verbot. Wie die Clubmitglieder das beweisen mussten, ist mir nicht bekannt; vielleicht genügte ja das Ehrenwort eines Gentleman.

Mir gefiel die Inneneinrichtung des Pubs sehr gut, mit dem schönen Bartresen, der Galerie, dem Kamin und dem Durchgang zu Edwards Wine Bar, eine Hommage an den großen Schauspieler.

Das benachbarte Savoy Hotel.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0).

 

Published in: on 3. Juni 2017 at 07:45  Schreibe einen Kommentar  
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Jaywick Sands in Essex – Einer der problematischsten Orte des Königreichs

Die Strandstraße Brooklands in Jaywick Sands.
Photo © Hamish Griffin (cc-by-sa/2.0)

„Nur ein paar Schritte von Clacton-on-Sea entfernt liegt eine weitere UKIP-Hochburg, Jaywick, ein Ort, der zu den heruntergekommendsten des Landes gehört (hier ist eine Fotoserie). Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, geringe Lebensqualität, leerstehende Häuser sind die Merkmale dieser Bungalow-Siedlung, die vom Staat offensichtlich vergessen worden ist; hier liebt man das politische Programm der UKIP, die vehement für eine Änderung des derzeitigen Wahlrechts kämpft. Wer könnte ihr das verdenken?“

Diese Worte schrieb ich vor einiger Zeit in meinem Blog, als es um das Thema Clacton-on-Sea und den einzigen Parlamentsabgeordneten der UKIP-Partei ging. Jaywick Sands liegt in den Statistiken der ärmsten Regionen des Landes immer ganz vorn und hat es (noch) nicht geschafft, aus dieser Abwärtsspirale wieder herauszukommen. Dabei fing eigentlich alles ganz gut an, als in den 1930er Jahren hier direkt am Strand von Essex Ferienhaussiedlungen gebaut wurden, die hauptsächlich die Londoner Bevölkerung nutzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnungsmangel herrschte, verwendete man die Ferienhäuser immer häufiger als Dauerwohnsitze, wofür sie aber nicht gedacht bzw. gebaut worden waren. Es gab sogar Bestrebungen, den ganzen Ort platt zu machen, aber die Bewohner wehrten sich dagegen, mit Erfolg.

Erst in den 1970er Jahren installierte man ein Abwassersystem in Jaywick Sands. Viele Häuser wurden immer unansehnlicher, es fehlte an Geld, diese wieder herzurichten, und auch Geschäfte und Pubs schlossen ihre Pforten. Die Arbeitslosigkeit kletterte in Rekordhöhen, damit verbunden die Zunahme an Drogenmissbrauch und Kriminalität.
Besonders schlimm sieht es auf der Strandstraße Brooklands und auf den umliegenden Straßen aus.

Gibt es Hoffnung auf eine Veränderung? Vielleicht. Private Investoren wollen neue Häuser errichten lassen, der Essex County Council hat über £5 Millionen zur Verfügung gestellt, um Brooklands und die anderen maroden Straßen zu sanieren, der lange geschlossene Pub Never Say Die am Broadway wurde im letzten Jahr renoviert und wieder geöffnet. Die vom Essex County Council geschlossene Bibliothek hat man mit vielen Freiwilligen wieder ins Leben gerufen und sie mit Buchspenden bestückt. Also, es scheint sich etwas zu tun in Jaywick Sands.

Zur Klarstellung: Jaywick Sands ist nur ein Teil des Ortes Jaywick und es sieht hier nicht überall so schlimm aus.

Hier ist ein Film der BBC aus dem Jahr 2010.

Der ehemalige Mermaid Inn in Jaywick Sands.
Photo © Phil Gaskin (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juni 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Siouxsie & The Banshees: „Hong Kong Garden“ oder wie ein Imbiss in Chislehurst einen Song beeinflusste

Chislehurst High Street.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0).

Susan Janet Ballion, später besser bekannt als Siouxsie Sioux, wurde 1957 in London geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Chislehurst, einem Vorort im Südosten der Hauptstadt; dort wohnte sie in der Woodside Avenue. Zusammen mit Steven Severin gründete sie 1976 die Rockgruppe Siouxsie & The Banshees, die der Post-Punk-Szene zuzurechnen ist. Bis 1996 bestand die Band, dann löste sie sich auf. Auch dieser Formation half der BBC-DJ John Peel und förderte ihre Karriere, indem er immer wieder einen Song mit dem Titel „Hong Kong Garden“ spielte, der am 18. August 1978 veröffentlicht wurde und es bis auf Platz 7 der britischen Single-Charts schaffte. Damit begann die Erfolgskurve der immer wieder in schrillem Outfit auftretenden Siouxsie Sioux und ihrer männlichen Begleiter.

„Hong Kong Garden“ wurde nach einem chinesischen Imbiss in der High Street von Chislehurst benannt, den Susan Janet Ballion in ihrer Heimatstadt gern aufsuchte. Die Band widmete ihren Song diesem Chinese Take-Away, weil sie alle mit ansehen mussten wie die Besitzer des kleinen Ladens von Skinheads angepöbelt und in übelster Form beschimpft wurden, nur weil sie Ausländer waren.

„Slanted eyes meet a new sunrise
A race of bodies small in size
Chicken Chow Mein and Chop Suey
Hong Kong garden takeaway
Hong Kong garden“

So heißt die letzte Zeile des Songs, der ursprünglich „People Phobia“ hieß. Es gibt noch immer einen chinesischen Imbiss an dieser Stelle in der High Street Nummer 101 von Chislehurst, der heute aber Noble House heißt.

„Hong Kong Garden“ ist einer jener Ohrwürmer, den man nicht so schnell wieder aus dem Kopf bekommt. Das muss wohl auch die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola so empfunden haben, denn sie verwendete den überarbeiteten Song in ihrem Spielfim „Marie Antoinette“ (2006) in einer grandiosen Maskenball-Szene.

Die Woodside Avenue in Chislehurst, in der Siouxsie Sioux lebte.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0).

Published in: on 1. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Leeds Castle in Kent – Drei unterschiedliche Übernachtungsarten werden auf dem Gelände der Burg angeboten

Leeds Castle und der Maiden’s Tower.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0).

Am Beispiel des Eastnor Castles in Herefordshire zeigte ich in meinem Blog schon einmal, was man mit einer alten Burg alles anstellen kann, um die immensen Unterhaltskosten zumindest zu einem Teil wieder hereinzubekommen.
Das Leeds Castle bei Maidstone in Kent (es hat mit der Stadt Leeds in West Yorkshire nichts zu tun) kann das mindestens genausogut. Als Olive, Lady Baillie, die letzte Besitzerin der Burg am 9. September 1974 starb, ging das Leeds Castle an die Leeds Castle Foundation über, die das alte Gemäuer seit 1976 für die Allgemeinheit geöffnet hat. Edward I und Catherine of Aragon, eine der Frauen von Henry VIII, waren u.a. Bewohner der Burg, die im frühen 19. Jahrhundert komplett umgebaut wurde und ihr heutiges Aussehen erhielt.

Auf dem Geländes des Leeds Castles findet der Besucher alles, was man von einer alten englischen Burg erwartet: Pfauen, die mit ihrem Kreischen für eine besondere Atmosphäre sorgen, ein Irrgarten, Schwäne, die auf dem River Len ihre Bahnen ziehen, schön anzusehende Gärten und Vorführungen mit Falken.

Wer möchte, kann auf dem Leeds Castle Estate auch übernachten und zwar auf dreierlei Weise:

Da gibt es zum einen die fünf Leeds Castle Cottages wie The River Lodge, das für bis zu zwölf Personen ausgelegt ist, das Knight’s Cottage, das bis zu sechs Personen beherbergen kann oder das kleine Weir Cottage für zwei Personen.

Direkt neben dem Leeds Castle liegt der im 16. Jahrhundert erbaute Maiden’s Tower, der über fünf Zimmer verfügt, die alle zu haben sind. Gerade eben hat die Automobile Association (AA) diese Unterkunft zum Unique B&B of the Year 2017/18 ausgerufen und ihm fünf Sterne verliehen. Das Frühstück wird im Fairfax Restaurant serviert, das direkt gegenüber auf der anderen Seite des Burggrabens liegt. Ab £260 kostet die Übernachtung in einem der historischen Räume. Das Schöne dabei ist, dass man das Leeds Castle abends, wenn die Besucher das Gelände verlassen haben, ganz für sich allein hat.

Die dritte Art, hier an der Burg zu übernachten, ist Knight’s Glamping (glamping = glamorous camping, ich berichtete in meinem Blog darüber). In acht luxuriösen Zelten mit Himmelbett kann man in der freien Natur wohnen und es sich bei schönem Wetter vor dem Zelt bequem machen; sollte es kühler werden, steht ein Holzofen zur Verfügung. Bis zu vier Personen (zwei Erwachsene, zwei Kinder) übernachten in den Zelten, die zum Beispiel The Earl of Devonshire oder The Marquis of Dorset heißen. Etwa £140 kostet eine Nacht in den buntgestreiften Zelten.

Bei allen drei Übernachtungsmöglichkeiten ist der Eintritt in das Leeds Castle enthalten, der £24.90 kostet. Das scheint auf den ersten Blick recht teuer zu sein, dafür kann man mit dem Ticket aber ein Jahr lang so oft man möchte, die Burg besuchen.

Über das Leeds Castle berichtete ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit dem kuriosen Hundehalsbandmuseum, das ebenfalls hier zu finden ist.

Hier ist ein Film über die Burg.

Der Maiden’s Tower.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Der Irrgarten.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0).

Ein Leeds Castle peacock.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Goodramgate – York’s most haunted street

Die uralte, düstere Holy Trinity Church. – Eigenes Foto

In der Stadt York in North Yorkshire ist alles „haunted“. Da gibt es u.a. The most haunted pub, The most haunted church und The most haunted street; letztere ist die Straße Goodramgate (in York tragen viele Straßen den Namen „gate“), die den King’s Square mit dem Monk Bar verbindet. In dieser lebhaften, von zahlreichen Läden, Pubs und Restaurants gesäumten Straße ist es tagsüber bei Sonnenschein alles andere als gruselig, aber wenn dann langsam die Sonne untergeht und die Dämmerung sich über York breit macht, verändert sich die Atmosphäre…
Hier steht z.B. Lady Row, eine Gruppe von uralten Häusern, die vor 700 Jahren erbaut wurden;  was die wohl so alles erlebt haben mögen?
An der Holy Trinity Church kann man leicht vorbeigehen, ohne sie zu bemerken, ein kleiner Weg führt vom Goodramgate zu ihr. Die Kirche ist recht düster mit ihren alten aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirchenbänken. Ich war hier einmal im Rahmen eines Ghost Walks, als es schon fast dunkel war, und es herrschte eine wirklich unheimliche Stimmung. Bei einem dieser Ghost Walks soll einmal eine amerikanische Touristin versehentlich eingeschlossen worden sein, was der Dame nicht gut bekam. Auf dem kleinen Kirchhof von Holy Trinity haben sich auch einige unheimliche Dinge zugetragen, so sagt man.

Einer der most haunted pubs und zugleich einer der ältesten in York liegt am Goodramgate. Der Snickleway Inn, den ich noch als Angler’s Arms kenne, gehört laut Derek Acorah, dem ehemaligen Medium aus der TV-Reihe „Most Haunted“, zu den 100 gruseligsten Orten von ganz Großbritannien. Hier läuft ein kleines Mädchen häufig die Treppen hoch und runter und soll zu den aktivsten Geistern der Stadt gehören.
Weitere hübsche Pubs im Goodramgate sind z.B. The Old White Swan, wo 1781 der größte Mensch der Welt zu besichtigen war, oder The Royal Oak aus dem 15. Jahrhundert.

Wem es in dieser Straße so gut gefällt, dass er hier auch einmal wohnen möchte, kann das in einigen Mietappartments tun. Hier ist die Webseite.

Einen Bummel durch Goodramgate (auch bei Nacht!!) kann ich sehr empfehlen.

Das Buch zum Artikel:
Rupert Matthews: Haunted York. The History Press 2009. 95 Seiten. ISBN 978-0752449104.

Haunted Snickleway Inn. – Eigenes Foto

The Old White Swan aus dem 15. Jh. – Eigenes Foto

Published in: on 30. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Londoner Broadcasting House der BBC und die umstrittene Skulptur „Prospero and Ariel“ des Bildhauers Eric Gill

Das Broadcasting House der BBC, 1932 eröffnet und im Art Déco-Stil erbaut, steht am Londoner Portland Place in Marylebone im Zentrum der Stadt. Über dem Eingang sieht man eine Skulptur, die sich „Prospero and Ariel“ nennt, zwei Figuren aus William Shakespeares Theaterstück „The Tempest“ (dt. „Der Sturm“). Die große Figur ist der Zauberer Prospero, der kleine nackte Junge ist der Luftgeist Ariel. Der Bezug zur BBC: Prospero schickt Ariel hinaus in die Welt als Symbol für die Radiowellen, die von hier ausgestrahlt werden. Beauftragt mit der Herstellung der Statue wurde der englische Künstler Eric Gill (1882-1940), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten des Landes war…aber auch einer der umstrittendsten. Der exzentrische Bildhauer arbeitete an der Statue am Broadcasting House in einer Mönchskutte, unter der er, wie man sagte, nichts trug, was Gill aber nicht im geringsten zu stören schien.

„Prospero and Ariel“ war von Beginn an eine Statue, an der sich die Geister schieden. Zuerst war es die Größe der Genitalien des kleinen Ariel, über die man stritt, viele Jahre später, als Eric Gills Tagebücher veröffentlicht wurden und der Künstler schon lange tot war, erschien das Kunstwerk plötzlich in einem ganz anderen Licht. In jenen Tagebüchern schrieb Gill, dass er spezielle sexuelle Vorlieben hatte, die man mit dem Wort Inzest beschreiben kann. So hatte er sowohl mit mindestens einer seiner Schwestern als auch mit seinen Töchtern Sex, sogar der Familienhund soll seinen Nachstellungen nicht entgangen sein. Seine heranwachsende Tochter Petra zeichnete er nackt in der Badewanne und in anderen verführerischen Posen. Sollte man Gills Kunstwerk angesichts dieser Enthüllungen nach wie vor über dem Eingang des Broadcasting House stehen lassen, fragten sich viele? Und wie sollte man mit einer weiteren Skulptur Gills im Inneren des Hauses umgehen, das „Ariel piping to the children“ heißt und den nackten Luftgeist als eine Art „Rattenfänger“ (pied piper) zeigt, der mit seiner phallusförmigen Flöte Kinder anzulocken scheint?
Als dann noch der Pädophilie-Skandal um den früheren BBC-Discjockey Jimmy Saville (1926-2011) ans Tageslicht kam, der im Laufe seiner Karriere Hunderte von jungen Mädchen missbraucht haben soll, wurde der Ruf nach der Entfernung der Gillschen Kunstwerke immer lauter. Aber die BBC entschied sich dafür, an der Skulptur festzuhalten wie auch die Westminster Cathedral, in der Eric Gills „Stations of the Cross“ stehen. Auch dort forderten einige, diese zu entfernen, weil sie von einem Pädophilen geschaffen worden sind.

Hier ist ein Film über das Broadcasting House und Eric Gills Statue.

 

Published in: on 29. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ian Merchant: The Longest Crawl: Being an account of a journey through an intoxicated landscape or A child’s treasury of booze

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Ian Marchant und sein Freund Perry Venus haben eine Idee: Sie wollen den längsten „Pub crawl“ machen, der in Großbritannien möglich ist, beginnend mit dem südlichsten Pub und endend mit dem nördlichsten, und darüber hat Ian Marchant ein Buch geschrieben.

Die beiden starten mit einem Besuch des „Turk’s Head“ auf der Insel St. Agnes, einer der Scilly-Inseln. Weiter südlich kommt man in Großbritannien nicht mehr.
Dann geht es aufs Festland zurück, und Ian und Perry besuchen einen Pub nach dem anderen, wobei sie nicht mehr zu zählende Pints in sich hineinschütten und die Promille-Grenze am Steuer wohl nicht immer beachtet wird.

Auf der Tour lernen sie interessante Leute kennen, verabreden sich mit Freunden, die ihnen die Pub-Landschaft in ihren jeweiligen Orten näher bringen und kurieren so manchen Kater aus.
Das Ziel der beiden Bier-Fans ist schließlich der nördlichste Pub Großbritanniens, die Bar des Baltasound-Hotels auf der Insel Unst, die zu den Shetland-Inseln gehört, von der sie allerdings enttäuscht sind. Ein paar Meilen nördlich davon, so erfahren sie, gibt es noch eine Bar, die zu einer Royal Air Force-Station gehört, die Baa Bar. Auch die nehmen sie noch mit, obwohl es kein öffentliches Etablissement ist.

So haben Ian und Perry innerhalb eines Monats Hunderte von Meilen zurückgelegt, jeweils weit über 100 Pints getrunken und jede Menge neue Pubs kennengelernt. Wer sich für das Thema interessiert, wird an diesem Buch sicher seine Freude haben.

Ian Marchant: The Longest Crawl – Being an account of a journey through an intoxicated landscape or A child’s treasury of booze. London: Bloomsbury 2007. 403 Seiten. ISBN 978-0-7475-8557-2.

The Turk’s Head in St Agnes, Großbritanniens südlichster Pub.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das Baltasound Hotel auf den Shetland Inseln.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Colonel Pierpoint und die erste Londoner Verkehrinsel

Die St James’s Street mit einer kleinen Verkehrsinsel.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch wenn es Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Automobile gab, konnte der Verkehr in der Metropole London mörderisch sein. Pferdefuhrwerke donnerten ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straßen und die Fußgänger mussten schon sehr aufpassen, um nicht unter die Hufe zu kommen. John Peake Knight ließ am 9. Dezember 1868 in London die erste Verkehrsampel der Welt installieren (ich berichtete in meinem Blog darüber), an der Ecke Great George Street und Parliament Street. Nicht allzuweit entfernt von dieser Stelle, in der vornehmen St James’s Street, gab es ein weiteres Verkehrsleitmittel, das 1864 erstmals in der Stadt installiert wurde: Eine Verkehrsinsel (traffic island). Bereits zwei Jahre zuvor hatte es ein Sattler namens John Hastings in Liverpool nach jahrelangen Bemühungen endlich geschafft, dass die zuständigen Behörden in seiner Stadt solche Verkehrsinseln einrichteten, damit Fußgänger beim Überqueren einer breiten Straße, auf dieser traffic island kurz Atem holen konnten, bevor sie die zweite Etappe in Angriff nehmen konnten.

Colonel Pierpoint, ein Mann über den ich leider keine weiteren Informationen finden konnte, war der John Hastings von London. Er war häufig auf dem Weg zu seinem Club (man streitet sich darüber, ob es der Carlton Club oder White’s war) und musste dazu die vielbefahrene St James’s Street überqueren, was manchmal lebensgefährlich sein konnte (vor allem, wenn er in seinem Club dem Alkohol zugesprochen hatte). Also machte sich der Colonel dafür stark, eine dieser neumodischen Einrichtungen auch hier in der St James’s Street zu installieren. Erst nach langem hin und hier und nachdem er seine Privatschatulle weit geöffnet hatte, bekam Mr Pierpoint seinen Willen und eine Verkehrsinsel wurde gebaut. Jetzt kann ich wesentlich sicherer die Straße an dieser Stelle überqueren, freute er sich und wollte seinen Freunden gleich die neue traffic island vorführen. Stolz flitzte er darüber…und wurde von einer Kutsche erfasst. Exitus Colonel Pierpoint.
Trotzdem haben sich seitdem die Verkehrsinseln, nicht nur in London, durchgesetzt.

Published in: on 27. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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