Village Signs – Paddlesworth in Kent

Die meisten Englandbesucher, die durch den Eurotunnel fahren, machen sich gleich auf den Weg zu ihrem Ziel, das oft nicht in der Nähe von Folkestone liegt; dabei gibt es in dieser Region viele hübsche Dörfer, die es lohnt, sich anzuschauen und dort in einem Pub eine Pause einzulegen. Eines dieser Minidörfer ist Paddlesworth, auf schmalen Straßen zu erreichen, mit Kirche und Pub, was braucht man mehr?

An der Aerodrome Road steht das Village Sign, auf dem man ablesen kann, was es an Attraktionen in Paddlesworth gibt: Die Kirche St Oswald’s und den Pub The Cat and Custard Pot. Um das Schild herum rankt sich der Schriftzug „Highest Church – Lowest Steeple – Fewest People – Poorest Parish„, was bedeutet: Paddlesworth hat die höchst gelegene und gleichzeitig die niedrigste Kirche in Kent, es leben hier nur sehr wenige Menschen (so um die 50) und es ist eine arme Kirchengemeinde. Letzteres dürfte heute nicht mehr gelten, denn die wenigen Häuser hier machen keinen armseligen Eindruck.

Die im 12. Jahrhundert erbaute Kirche St Oswald’s liegt etwas abseits und sie ist die einzige in der Grafschaft Kent, die den Namen des Märtyrers und Königs von Northumbria trägt, der von 604 bis 642 lebte. Auf dem Village Sign ist die Kirche abgebildet, zusammen mit einem Schlüssel, der neben einer Katze und einem Krug aus dem Vanillesauce ausläuft, zu sehen ist, was aussagen soll, dass der Schlüssel der Kirche im Pub The Cat and Custard Pot zu bekommen ist. Sie sind sehr aufschlussreich, diese Dorfschilder.

Das Motiv „Katze und umgekippter Vanillesaucenkrug“ setzt sich auf dem Pubschild fort; daneben ist ein zusätzliches Schild aufgestellt, auf dem zu lesen ist, dass es sich hier um ein Free House handelt, also ein brauereiunabhängiges Gasthaus, und dass The Cat and Custard Pot ein „Battle of Britain Pub“ ist. Personal des nahegelegenen Militärflugplatzes RAF Hawkinge Airfield trafen sich hier während des Zweiten Weltkrieges, um das eine oder andere Pint zu sich zu nehmen. Das Kent Battle of Britain Museum liegt etwas mehr als einen Kilometer die Aerodrome Road hinunter.
Siehe auch meinen Blogeintrag über einen anderen Pub namens The Cat and Custard Pot.

Village Sign mit Pub im Hintergrund.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

St Oswald’s.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Ritz Hotel in London – Seit 2020 in Besitz einer Investmentfirma aus Katar

Die Queen Mum liebte das Restaurant des Londoner Ritz Hotels, eines der Ikonen in der Londoner Hotellandschaft. In diesem Jahr ging der Besitz des Hotels in Mayfair von den beiden Zwillingsbrüdern Sir Frederick und Sir David Barclay in den einer Investmentfirma aus Katar über, wieder ein Hotel der Luxusklasse, das nicht mehr in britischer sondern arabischer Hand ist. Die direkten Konkurrenten des Ritz, Claridges, The Berkeley und The Connaught gehören bereits der Maybourne Hotel Group an, ein Unternehmen das in irischer und katarischer Hand ist. Das Emirat Katar übernimmt immer mehr traditionelle Unternehmen in England; das Kaufhaus Harrod’s ist zum Beispiel im Besitz der Quatar Investment Authority. Auch mein persönliches Lieblingshotel, das Thornbury Castle Hotel in South Gloucestershire, ist im vorigen Jahr an eine arabische Gesellschaft verkauft worden.
Ist das wirklich gesund für die britische Wirtschaft, wenn immer mehr Unternehmen in arabischer Hand sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eigner im Nahen Osten ein persönliches Verhältnis zu den Objekten haben und diese sofort wieder abstoßen, wenn es ihnen passt.

Im Vorfeld des Verkaufs des Ritz Hotels gab es in der Barclay-Familie Streit zwischen den Brüdern, beide 85 Jahre alt, und deren Nachkommen. Die Söhne Sir Davids sollen im Hotel Gespräche zwischen ihrem Onkel Sir Frederick und dessen Tochter Amanda abgehört haben. Es gab Streit über die Höhe des Verkaufspreises, der nach Sir Frederick Barclay mindestens £1 Milliarde betragen müsste. Nun ist das Luxushotel mit der Adresse 150 Piccadilly für £800 Millionen an den katarischen Geschäftsmann Abdulhadi Mana Al-Hajri übergegangen, der eine enge Beziehung zum Emir von Katar hat, dessen Familie mehr Eigentum in London haben soll als die Queen. Was allerdings für den neuen Besitzer spricht, ist, dass er während der Coronakrise dem gesamten Personal das volle Gehalt weiter gezahlt hat.

Ein Standardzimmer im Londoner Ritz kostet zur günstigsten Zeit £433, was gegenüber dem Namensvetter in Paris geradezu günstig ist, denn dort ist ein Zimmer unter €1000 pro Nacht kaum zu bekommen.

Hier ist ein Film über das Ritz in Mayfair, das zu den Leading Hotels of the World zählt, zu sehen.

Published in: on 28. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Ugandan discussions oder Die schönste Nebensache der Welt

Die Flagge Ugandas.
This work is in the public domain.

Es gibt in der englischen Sprache zahllose Beschreibungen von „having sex„, das sind zum Beispiel humorvolle wie „horizontal dancing“, vulgäre wie „screwing“ oder „shagging“, klinisch-medizinische wie „sexual act“, brave wie „going to bed with someone“ und sehr ungewöhnliche wie „Ugandan discussions„.

Wie entstand nun dieser höchst merkwürdige Begriff, in dem das Land im Inneren Afrikas eine Rolle spielt? Es war in den 1970er Jahren als der Journalist Neal Ascherson , der damals für den Observer arbeitete, eine Party gab. Eingeladen war auch seine irische Kollegin Mary Kenny, Gründerin des Irish Women’s Liberation Movement. Nach einiger Zeit verschwand sie und tauchte erst später bei der Party wieder auf. Gefragt, wo sie denn so lange geblieben wäre, antwortete sie, sie hätte ein Stockwerk höher mit einem früheren Minister der ugandischen Regierung Milton Obote Gespräche über Uganda geführt, eine elegante Beschreibung für Sex. Das Satiremagazin „Private Eye“ berichtete genüsslich über den Vorfall auf Aschersons Party und die Bezeichnung „Ugandan discussions“ oder „Discussing Uganda“ setzte sich im Sprachgebrauch fest.

Der berühmt-berüchtigte englische Politiker Alan Clark (1928-1999), der für seine zahlreichen außerehelichen Affären bekannt war, aus denen er auch kein Hehl machte, soll einmal abgelehnt haben, an einer zur Mittagszeit anberaumtem Sitzung teilzunehmen, denn „this will be impossible as at lunchtime I am usually involved in Ugandan discussions“ (Martin Latham: Kent’s Strangest Tales“, S. 229).

Published in: on 27. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Who Killed Cock Robin? – Kinderreim, TV-Krimi, Walt-Disney-Film

Der englische Kinderreim „Who Killed Cock Robin?“ soll erstmals im 18. Jahrhundert aufgetaucht sein; möglicherweise ist er aber noch viel älter. Es geht dabei um ein Rotkehlchen, das von einem Pfeil getötet wird und auf die Frage „Wer hat Cock Robin getötet?“, antwortet der Spatz „Ich habe ihn getötet mit meinem Pfeil und Bogen“. Auf jede weitere Frage, antwortet jeweils ein anderes Tier.

Was für ein Sinn dahinter steckt, ist Gegenstand von Spekulationen. Möglicherweise ist es eine Anspielung auf den Tod von König William II, der im Jahr 1100 von einem Pfeil getötet wurde oder aber mit besagtem Cock Robin ist Robin Hood gemeint. Wie auch immer, es ist ein hübscher Reim.

Walt Disney hat das Thema 1935 in einem Zeichentrickfilm verarbeitet, der für den Oscar nominiert  und 1936 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde. Hier ist der Film in voller Länge zu sehen.

Who Killed Cock Robin?“ (dt. „Leichen leben länger“)  ist auch der Titel der Episode 17 in der 4. Staffel der TV-Krimiserie „Midsomer Murders„, in der Inspector Barnaby den Mörder Robin Wooliscrofts finden muss, der nach einer Party tot in einem Brunnen aufgefunden wird.

Vertont wurde das Lied auch mehrfach. Ich habe hier einmal die Version von Bird Radio als Beispiel genommen. Bird Radio ist eine Ein-Mann-Band, die in der Person von Mikey Kirkpatrick  aus Herefordshire besteht.

Hier ist der vollständige Text des Gedichts:

„Who killed Cock Robin?“ „I,“ said the Sparrow,
„With my bow and arrow, I killed Cock Robin.“
„Who saw him die?“ „I,“ said the Fly,
„With my little eye, I saw him die.“
„Who caught his blood?“ „I,“ said the Fish,
„With my little dish, I caught his blood.“
„Who’ll make the shroud?“ „I,“ said the Beetle,
„With my thread and needle, I’ll make the shroud.“
„Who’ll dig his grave?“ „I,“ said the Owl,
„With my pick and shovel, I’ll dig his grave.“
„Who’ll be the parson?“ „I,“ said the Rook,
„With my little book, I’ll be the parson.“
„Who’ll be the clerk?“ „I,“ said the Lark,
„If it’s not in the dark, I’ll be the clerk.“ „Who’ll carry the link?“ „I,“ said the Linnet,
„I’ll fetch it in a minute, I’ll carry the link.“
„Who’ll be chief mourner?“ „I,“ said the Dove,
„I mourn for my love, I’ll be chief mourner.“
„Who’ll carry the coffin?“ „I,“ said the Kite,
„If it’s not through the night, I’ll carry the coffin.“
„Who’ll bear the pall? „We,“ said the Wren,
„Both the cock and the hen, we’ll bear the pall.“
„Who’ll sing a psalm?“ „I,“ said the Thrush,
„As she sat on a bush, I’ll sing a psalm.“
„Who’ll toll the bell?“ „I,“ said the bull,
„Because I can pull, I’ll toll the bell.“
All the birds of the air fell a-sighing and a-sobbing,
When they heard the bell toll for poor Cock Robin.

 

Published in: on 26. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Canvey Island Sea Wall in Essex

Am Mündungstrichter der Themse in Essex liegt die Canvey Island, eigentlich keine richtige Insel, sie ist nur durch einige kleine Flüsse vom Festland getrennt; Hauptort ist das Canvey Village. Ein großes Problem, das die Bewohner von Canvey Island früher hatten, war die Lage, denn diese Region liegt unterhalb des Meeresspiegels. Da genügte schon eine ungünstige Wetterlage und ein Sturm aus Richtung Osten und die Insel stand unter Wasser.
Ganz schlimm war es am 1. Februar 1953, als ein ungewöhnlich starker Sturm die Ostküste Englands heimsuchte. Bei den Überflutungen starben über 300 Menschen und viele tausend Häuser wurden zerstört. Man kann sich vorstellen wie stark betroffen Canvey Island war, deren Bewohner evakuiert wurden; trotzdem verloren 59 Menschen dort ihr Leben (hier sind Filmaufnahmen von damals).

Da so eine Situation immer wieder auftreten konnte, entschloss man sich um die ganze Insel eine etwa 20 Kilometer lange Sea Wall zu ziehen. Die Nachteile dieser Maßnahme war, dass einesteils den Bewohnern der Häuser, die direkt an der Küste lagen, die Sicht genommen wurde, so dass viele ihre Wohnzimmer in den ersten Stock verlegten und andererseits die Mauer eine Trennlinie zwischen dem Ort und dem Meer bildete. Aber sinnvoll war der Bau der Schutzeinrichtungen allemal, denn bisher haben sie die Wassermassen des Meeres bei Sturm von der Insel fern gehalten. Für das nächste Jahr sind umfangreiche Arbeiten an einem Abschnitt der Sea Wall geplant.
Wer möchte, kann um die Insel an der Mauer entlang wandern oder sie mit dem Fahrrad umrunden.

Hier ist ein Film über die Insel, in dem auch die Sea Wall zu sehen ist.

Published in: on 25. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Klingenschmied von der East Wickham Farm in Welling (Kent)

Auf der East Wickham Farm in Welling, dort, wo die Grafschaft Kent an Greater London grenzt, gibt es einen Klingenschmied namens Owen Bush, der sich darauf spezialisiert hat, Schwerter, Äxte und Messer aus der Zeit der Wikinger und Angelsachsen herzustellen. Dabei richtet er sich strikt nach den Originalen, die er in Museen in der ganzen Welt aufgesucht und vermessen hat. Seit 25 Jahren betreibt Owen Bush seine  Bushfire Forge, und da sich seine Expertise herumgesprochen hat, klopften schon mehrfach Film- und TV-Produktionsfirmen an seine Tür, um seinen Rat einzuholen. In der Netflix-Serie „Outlaw King“ beispielsweise fanden seine Äxte und Speere in den Kampfszenen Verwendung. In dem Werbespot für Kettle Chips ist Bush schmiedend zu sehen.

Für Interessierte bietet Owen Bush Schnupperkurse in seiner Bushfire Forge an, bei denen man einen Tag lang die Grundfertigkeiten des Klingenschmiedens erlernen kann.

Seine Produkte kann man bei ihm selbst oder über seinen Onlineshop erwerben. So ein Schwert  kostet dann schon einmal über £6000. Doch Bush stellt auch normale Messer für den Hausgebrauch her, die sehr kunstvoll gestaltet und im obersten Preisbereich angesiedelt sind.

Owen Bush ist übrigens der Neffe der berühmten Sängerin Kate Bush, die auf der East Wickham Farm ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Im Alter von 13 Jahren komponierte sie hier schon ihr „The man with a child in his eyes„. Später, als sie schon erfolgreich war, ließ sie auf der Farm ein Aufnahmestudio installieren, in dem viele ihrer großen Erfolge entstanden.

Bushfire Forge
East Wickham Farm

Wickham St
Welling
Kent
DA16 3DA

Published in: on 24. September 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Bats & Broomsticks – Ein Guesthouse für Vampirfreunde in Whitby (North Yorkshire)

Dieses ist jetzt bereits mein 13. Blogeintrag über Whitby, der Hafenstadt an der Küste North Yorkshires, ein Zeichen dafür, dass das einer meiner Lieblingsorte in England ist. Seitdem Bram Stoker seinen Dracula hier in Whitby anlanden ließ, ist die Stadt zu einem Zentrum für Menschen geworden, die sich für Vampire und Geister interessieren. Es werden Ghost Walks und Vampir-Rundgänge angeboten, und jedes Jahr findet in der Stadt das Whitby Goth Weekend statt, zu dem sich die Goths, Anhänger der Gothic-Kultur, aus dem ganzen Land treffen und das Straßenbild mit ihrer schwarzen Kleidung beherrschen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass der ebenfalls schwarze Whitby-Jet-Schmuck in vielen Läden angeboten wird.

Wo übernachtet man in Whitby, wenn man tagsüber auf den Spuren Draculas gewandelt ist? Stilecht wäre das Bats & Broomsticks Guesthouse am Prospect Hill, das drei Zimmer zur Verfügung stellt, den Green Man Room, den Dracula Room und den Lunar Room, alle mit Himmelbetten ausgestattet. Die Besitzer haben Unmengen an gruseligen Dingen und Figuren zusammengetragen; am Hauseingang wird der Gast von einer lebensgroßen Dracula-Figur begrüßt. Die drei Zimmer sind unterschiedlich eingerichtet; für Gäste mit kleinen Kindern ist das B&B nicht zu empfehlen, denn die würden sich vor den herabhängenden Fledermäusen, Totenschädeln und Gerippen bestimmt fürchten. Im Frühstücksraum, in dem man bei Kerzenlicht den neuen Tag beginnt, dominiert Schwarz als Farbe.

Die Übernachtung kostet £85 inklusive eines Full Breakfast. Wer im Bats & Broomsticks nächtigen möchte, sollte frühzeitig buchen, denn es ist sehr beliebt. In diesem Film sind einige Bilder aus dem Guest House zu sehen.

Sollte das Guest House ausgebucht sein, wäre Bagdale Hall eine weitere Empfehlung (wo es spuken soll!).

Bats & Broomsticks Guesthouse
11 Prospect Hill
Whitby,
North Yorkshire YO21 1QE

Famous Graves – Hannah Twynnoys Grabstein auf dem Malmesbury Abbey Churchyard in Wiltshire

Heute begeben wir uns wieder einmal nach Malmesbury in Wiltshire, eine nette Kleinstadt, über deren Abbey House Gardens und ihre früheren nackten Gärtner ich in meinem Blog einmal berichtete. Malmesbury ist auch Großbritanniens erste Stadt der Philosophie (s. auch dazu meinen Blogeintrag).

Im  Malmesbury Abbey Churchyard treffen wir auf einen sehr alten Grabstein, der über den sterblichen Überresten einer jungen Frau steht, die Anfang des 18. Jahrhunderts auf tragische und sehr ungewöhnliche Weise ums Leben kam. Was war geschehen?

Im Oktober 1703 zog ein Wanderzirkus durch Wiltshire und machte auch in Malmesbury halt. Die Zirkusmitarbeiter wohnten im Gasthof The Old White Lion (irgendwie passend, oder?) in der Gloucester Street und ihre Tiere waren im Innenhof in Käfigen untergebracht. Star der Truppe war ein Tiger. Eines der Barmädchen namens Hannah Twynnoy ging häufig an seinem Käfig vorbei, um ihn zu necken und zu ärgern, was dem Tiger tierisch auf den Keks ging. Als Hannah sich wieder einmal, trotz der Warnung seines Besitzers, dem Tier näherte, platzte dem der Kragen. Er warf sich gegen die Käfigtür, deren Schloss sich öffnete, und stürzte sich auf das Barmädchen, das natürlich keine Chance gegen die rohen Kräfte des Tigers hatte. Er zerfetzte sie, und was von Hannah übrigblieb, wurde auf dem Kirchhof der Abbey begraben.

Hannah Twynnoy war damit die erste Frau in der Geschichte Großbritanniens, die von einem Tiger getötet wurde. Sie starb mit 33 Jahren; genauso alt wurde die Tierpflegerin Rosa King, die am 29. Mai 2017 im Hamerton Zoo bei Huntingdon in Cambridgeshire von dem Malaysia-Tiger Cicip angefallen und ebenfalls getötet wurde.

Hannah Twinnoys Grabstein ist zwar schon recht verwittert, die Inschrift ist aber noch lesbar. Sie lautet:

In Memory of Hannah Twynnoy

Who died October 23rd 1703
Aged 33 years
In bloom of life
She’s snatch’d from hence
She had not room to make defence;
For Tyger fierce
took life away.
And here she lies in a bed of Clay
Until the resurrection Day

Den Gasthof The Old White Lion in der Nummer 8 in der Gloucester Street gibt es nicht mehr. 1967 wurde der Pub geschlossen und in ein Wohnhaus umgebaut.

Hier ist Hannahs Geschichte noch einmal in einem kurzen Film zu sehen.

 

Published in: on 22. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Historic Equation“ – Spezialisiert auf mittelalterliche Ritterspiele

Jousting im Bolsover Castle.
Author: Lens Perception.
Creative Commons 2.0

Wenn es in England um mittelalterliche Ritterspiele oder „Re-Enactments“ geht, spielt Dominic Sewells Firma Historic Equation oft eine wesentliche Rolle. Schon von Kindesbeinen an hat der in Barnard Castle (County Durham) geborene Sewell ein großes Interesse an der Geschichte des Mittelalters gezeigt. Nachdem er auch noch seine Vorliebe für „jousting“ entdeckte, dem Lanzenstechen, gründete er Historic Equation.
„Horsemanship“ steht im Mittelpunkt des Unternehmens und zehn Pferde stehen aktuell in den Ställen der New Lodge Farm bei Sudborough (Northamptonshire). Diese Pferde werden hier für ihre Auftritte auf den Ritterfestspielen trainiert. Coralito, Icaro, Cobrador und die anderen Pferde haben keine Probleme damit, in Gewänder gekleidet zu werden und bei Lanzenstech-Wettbewerben mitzuwirken. Eines der Pferde, der schwarze Hengst Duke, ist in diesem Jahr im Alter von 27 Jahren verstorben. Er und sein Freund Coralito hatten am 23. März 2015 die Ehre, an der Prozession zu Ehren der Beerdigung Richard III. in Leicester teilzunehmen, wobei die beiden Reiter in voller Ritterrüstung auf ihnen saßen. Es ist nicht leicht, Pferde daran zu gewöhnen, zum Beispiel eine sogenannte Rossstirn zu tragen, die Bezeichnung für den „Kopfschutz eines Pferdes zu Dekorationszwecken oder für den Einsatz im Kampf oder Turnier als Reit- oder Wagenpferd“ (wie es die Wikipedia erklärt).

Dominic Sewell ist viel unterwegs, vornehmlich auf Burgen, wo gern Ritterspiele veranstaltet werden. Im vorigen Jahr waren das zum Beispiel das Pendennis Castle, das Bolsover Castle und das Carisbrooke Castle. Im Jahr 2012 nahm er an einem Lanzenstech-Wettbewerb in St Wendel in Deutschland teil und 2017 an der World Jousting Championship im australischen St Ives.

Historic Equation stellt seine Dienste gern für Film- und TV-Produktionen zur Verfügung, was zum Beispiel in der Dokumentationsserie „Medieval Dead“ (dt. „Mysterien des Mittelalters“) der Fall war, die 2013 gesendet wurde.

In diesem Film ist Dominic Sewell bei der Arbeit mit seinen Pferden zu sehen.

 

New Lodge Farm bei Sudborough in Northamptonshire.
Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)

Duke (links) und Coralito beim Richard III cortège im März 2015.
Author: jthornett
Creative Commons 2.0

Published in: on 21. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Englische Lokomotiven und ihre Namen

In Kirkby-in-Ashfield in der Grafschaft Nottinghamshire ist die Firma Newton Replicas beheimatet, die sich darauf spezialisiert hat, Schilder herzustellen, die an Lokomotiven angebracht werden, denn es ist eine Tradition in ganz Großbritannien, dass die schienengebundenen „Zugpferde“ einen Namen erhalten. Schon seit 1983 stellt die Firma diese Schilder her und es sollen mittlerweile schon über 1200 Stück sein. Diese Individualisierung der Loks erinnert mich an die Spedition Eddie Stobart, die ja ebenfalls alle ihre Trucks „benamst“ und zwar mit Frauennamen (ich berichtete in meinem Blog darüber). Auch Busse in Brighton tragen stolz jeweils einen eigenen Namen.

Die bei den britischen Bahngesellschaften für die Namensgebung Verantwortlichen müssen sehr fantasiereich sein. Bereits George Stephensons Lokomotive wurde auf den Namen Rocket getauft und seitdem sind unzählige weitere Namen vergeben worden.
Besonders gern wird die griechische Mythologie herangezogen, und so gab es schon Loks mit den Namen Acheron, Achilles, Castor und Centaur. Bei den Virgin Trains benannte man Loks nach Entdeckern wie Marco Polo, Sir Walter Raleigh und Christopher Columbus. Die Literaturgeschichte wurde bei der Benennung der Lokomotiven Ulysses, Robin Hood und Ivanhoe bemüht. Geografische Namen findet man an Loks; einige Beispiele: Mersey, Gloucester, Newquay und Oxford.

Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit. Die Firma Freightliner hat ihre nagelneue Class 90 Lokomotive Nummer 90014 Over the Rainbow genannt (der Regenbogen gilt als Symbol der Hoffnung in der Coronakrise), in Anerkennung und Dankbarkeit für das medizinische Personal des Landes.

 

 

Published in: on 20. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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2 Palace Green, Kensington, London – Ein berühmter Schriftsteller und die israelische Botschaft

William Makepeace Thackeray (1811-1863) war nach Charles Dickens der berühmteste Schriftsteller der viktorianischen Zeit in England. Mit seinem Roman „Vanity Fair“ (dt. „Jahrmarkt der Eitelkeit“) wurde er auch außerhalb der Grenzen seines Heimatlandes bekannt. Anfang der 1860er Jahre ließ er sich in London ein Haus aus roten Ziegelsteinen bauen, das er selbst als das roteste Haus der ganzen Stadt bezeichnete und das eine Welle von Nachahmungen hervorrief. Die Adresse: 2 Palace Green in Kensington. Leider sollte Thackeray nicht lange in den Genuss des Wohnens in seinem Haus kommen, denn er starb bereits zu Heiligabend 1863 an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von nur 52 Jahren.

Die nächsten Bewohner des Hauses 2 Palace Green war die Bravo-Familie, die darin aber auch nicht so recht glücklich wurde, denn mehrere Familienmitglieder starben früh wie Mary Hougham, die mit Joseph Bravo verheiratet war, und die 1877 bald nach dem Einzug starb. Ihr Ehemann folgte ihr nur vier Jahre später.

Lag auf dem Haus ein Fluch, denn es sollten noch mehrere Ereignisse eintreten, die das nahe legten. Die israelische Botschaft zog in das Thackeraysche Haus ein und mehrere Attentate ereigneten sich hier. Am 19. September 1972 explodierte im Botschaftsgebäude eine von acht Briefbomben, die einen israelischen Diplomaten tötete. Am 26. Juli 1994 wurde vor dem Gebäude eine Autobombe gezündet, die 14 Personen leicht verletzte und die Front des Hauses zerstörte. Die Wucht der Explosion war so stark, dass sogar Fenster im nahe gelegenen Kensington Palace zu Bruch gingen.

Das Grundstück grenzt an die Straße Kensington Palace Gardens, auch Billionaire’s Row, genannt, die zu den teuersten ganz Londons gehört. Eine braune Plakette erinnert am Haus 2 Palace Green an seinen Erbauer.

Gallaghers Traditional Pub in Birkenhead (Merseyside)

In den beinahe elf Jahren meiner Blogarbeit habe ich noch nie über die Halbinsel The Wirral und deren größte Stadt Birkenhead, gegenüber von Liverpool, geschrieben. Das möchte ich heute wenigstens ansatzweise nachholen mit der Vorstellung des ungewöhnlichen Gasthauses Gallaghers Traditional Pub in der Chester Street Nummer 20 in Birkenhead.

Im Fenster des Pubs sind zwei kleine Schilder angebracht mit den Aufschriften „SHAVES BY APPOINTMENT ONLY“ und „WALK IN SERVICE FOR HAIRCUTS„. Was soll das denn bedeuten? Ein Pub, in dem man sich die Haare schneiden lassen kann? Tatsächlich ist das in Gallaghers möglich, denn die Wirte Frank und Suzanne Gallagher sind beide Friseure, die den heruntergekommenen Pub 2010 übernahmen, ihn renovierten und gleichzeitig zwei Friseurstühle im hinteren Bereich installierten. Wer möchte, kann sich also beim Frisieren gleichzeitig ein Pint servieren lassen; das nennt man dann, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen oder, im Englischen, „to kill two birds with one stone“.

Wer etwas für Militaria über hat, kommt in dem Pub voll auf seine Kosten (der Wirt diente bei den Irish Guards). Da hängen unzählige Bilder mit entsprechenden Motiven an den Wänden, Schiffsmodelle stehen in Regalen, Flugzeuge hängen von der Decke usw. usw. Auf der Speisekarte sind Gerichte nach militärischen Dienstgraden benannt wie Corporal, Paratrooper und Chief Petty Officer.

Es ist schon ein recht ungewöhnlicher Pub hier in Birkenhead, von dem man übrigens vor der Tür einen großartigen Blick auf die Skyline von Liverpool hat.

Gallaghers Traditional Pub
20 Chester Street
Birkenhead CH41 5DQ

Published in: on 18. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ansdell in Lancashire – Der einzige Ort in England, der nach einem Künstler benannt ist

Lytham St Annes ist eine Stadt an der Küste von Lancashire, nur durch den Blackpool Airport von der Stadt des Vergnügens getrennt. Sie besteht aus mehreren Ortsteilen, von denen einer Ansdell heißt, der nach dem Maler Richard Ansdell (1815-1885) benannt ist. Und das ist einmalig in England, dass ein Ort den Namen eines Künstlers trägt.

Richard Ansdell ist vor allem durch seine Tierbilder bekannt geworden, die mich an die Gemälde von Sir Edwin Landseer erinnern. Der Künstler besaß ein Sommerhaus in Lytham St Annes namens Starr Hills und hatte eine enge Beziehung zu diesem Landstrich, oder besser Küstenstrich, von Lancashire. Dieses Haus an der heutigen Ansdell Road South beherbergt jetzt ein Seniorenheim, das Starr Hills Care Home (hier ist ein Film darüber). Aus Verbundenheit zu Richard Ansdell wurde dieser Teil von Lytham St Annes später nach ihm benannt.

Richard Ansdell stammt aus Lancashire, er wurde in Liverpool geboren, wo er auch seine erste Ausstellung hatte. Im Alter von 37 Jahren verließ er mit seiner Familie seine Heimatstadt und ließ sich in London nieder. Elf Kinder zeugte er mit seiner Frau Maria Romer. In seinen Gemälden ging es oft beschaulich zu („A Spanish Shepherd„), manchmal waren aber auch dramatische Szenen zu sehen („The Hunted Slaves„). Ansdell starb 1885, beerdigt wurde er auf dem riesigen Brookwood Cemetery in Surrey.

Der Ortsteil Ansdell ist vor allem durch die Lytham St Annes High School bekannt geworden, die einen sehr guten Ruf in der Grafschaft besitzt.

Die Woodlands Road in Ansdell.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Spanish Shepherd (1863).
This work is in the public domain.

The Hunted Slaves (1861).
This work is in the public domain.

Richard Ansdells Grab auf dem Brookwood Cemetery in Surrey.
Author: Jack1956
This work is in the public domain.

 

Die älteste Tür Großbritanniens in der Westminster Abbey

Ob es wohl in tausend Jahren noch Türen gibt, die anfangs des 21. Jahrhunderts angefertigt worden sind? Ich glaube kaum.

Eine massive Eichentür in der Londoner Westminster Abbey gilt als die älteste Tür Großbritanniens, aus einem Baum hergestellt, der zwischen den Jahren 1032 und 1064 gefällt wurde, also in der Zeit des Königs Edward the Confessor (ca 1004-1066). Die Tür führt in das Chapter House, wo sich im 13. Jahrhundert täglich die Mönche zum Gebet versammelten und wo heute Dokumente aufbewahrt werden.

Spezialisten für Dendrochronolgie, die Wissenschaft von der Baumringdatierung, untersuchten im Jahr 2005 diese einzige noch erhaltene angelsächsische Tür und stellten fest, dass der Baum, aus dem diese Tür hergestellt wurde, mit großer Wahrscheinlichkeit in den der Abbey gehörenden Wäldern in Essex gestanden hat. Die Maße der Tür: Sie ist etwa zwei Meter hoch und 1,22 Meter breit. Lange fristete „Britain’s oldest door“ ein Schattendasein bis sie schließlich neu entdeckt und untersucht wurde.

Im 19. Jahrhundert entdeckte man Hautspuren an der Tür und es entstand die Legende, dass es sich dabei um Menschenhaut handelte, von einem Räuber, der sakrale Gegenstände aus der Abbey stehlen wollte und den man zur Abschreckung häutete und die Haut an die Tür nagelte. Es handelt es sich aber wirklich nur um eine Legende, denn es war keine menschliche sondern Kuhhaut.

Es gibt noch eine uralte Kirchentür in England, die fast genauso alt wie die in der Westminster Abbey ist: St Botolph’s in Hadstock (Essex) bei Saffron Walden. Auch sie wurde von Wissenschaftlern untersucht, die zu dem Ergebnis kamen, dass die Tür zwischen 1040 und 1070 angefertigt wurde.

Mein persönlicher Favorit an Kirchentüren ist die von St Edward’s in Stow-on-the Wold (Gloucestershire); siehe dazu meinen Blogeintrag.

Die Kirchentür von St Botolph’s in Hadstock (Essex).
Photo © Alan Hawkes (cc-by-sa/2.0)

Mein Favorit: St Edward’s in Stow-on-the Wold (Gloucestershire).
Photo © Martyn Gorman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. September 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Nyetimber Vineyards in West Chiltington (West Sussex)

Nyetimber wurde 1988 in West Chiltington in West Sussex gegründet, etwa zwischen Pulborough und Storrington gelegen, und ist eines der größten Weingüter Englands.. Hier wird ausschließlich „sparkling wine“ hergestellt.
Produziert werden unter anderem das Classic Cuvée, das wie Champagner aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier besteht, der ausschließlich aus Chardonnay-Trauben hergestellte Blanc de Blancs,  zwei Rosés und das 1086 Prestige Cuvée.

Nyetimber-Sekte wurden schon vielfach ausgezeichnet; zuletzt bei der International Wine Challenge 2019. Da erhielten das Classic Cuvée, das Classic Cuvee Magnum und der Blanc de Blancs 2010 jeweils eine Goldmedaille. Die Weinproduzenten aus West Sussex sorgten erstmals bei der Bollicine del Mondo  in Verona, das von dem italienischen Weinmagazin Euposia durchgeführt wird, mit Nyetimbers Classic Cuvée 2003 in einer Blindverkostung für Aufmerksamkeit, als der sogar die Champagner von Roederer und Bollinger übertrumpfte.

Verantwortlich für die herausragende Qualität der Sekte sind seit dem Jahr 2007 Head Winemaker Cherie Spriggs und ihr Ehemann Brad Greatrix.

Wo kann man diesen tollen Sekt denn nun bekommen? In den führenden Londoner Restaurants dürfte es kein Problem sein, zum abendlichen Diner eine Flasche zu bestellen. In Supermärkten habe ich noch keine Nyetimber-Sekte gesehen, auch nicht in Weinhandlungen, aber vielleicht war ich da nicht in den richtigen Geschäften.

Im Handel kosten die Nyetimber Sparkling Wines ab £36.99 für das Classic Cuvée; die Prestige Cuvées schlagen mit £150 und £175 (Rosé) zu Buche.

Nyetimber Vineyard
Gay Street
West Chiltington
West Sussex, RH20 2HH

Nyetimber Vineyards.
Author: Rob Young
Creative Commoms 2.0

Published in: on 15. September 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Freshies: „I’m In Love With The Girl On The Manchester Virgin Megastore Check-out Desk“

Author: Lobozpics
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Ich bin immer auf der Suche nach kuriosen Songtiteln und „I’m In Love With The Girl On The Manchester Virgin Megastore Check-out Desk“ gehört in diese Kategorie. Entstanden ist er 1980, und er verhalf der Formation The Freshies zu einem kurzzeitigen Mini-Ruhm. Sänger der Band war Chris Sievey, der sich auch als Comedian betätigte.

Auf dem Plattencover ist Sievey mit einem hübschen jungen Mädchen an der Kasse des Virgin Megastores in Manchester zu sehen. Er hält ihre Hände in seinen und schaut sie verliebt an. Fans der Band kauften die Single in dem Plattenladen und ließen sie sich von dem Mädchen darauf ein Autogramm geben. Als Richard Branson, der damalige Boss der Virgin Megastores, im Jahr 2006 einen neuen Laden im Arndale Shopping Centre in Manchester eröffnete, ließ er das Checkout-Girl suchen, damit sie an der Zeremonie teilnehmen konnte, schließlich hatte sie ein wenig zur Bekanntheit des früheren Megastores beigetragen.

Auf Bitten der BBC benannten die Freshies später ihren Song in „I’m In Love With The Girl On A Certain Manchester Megastore Check-out Desk“ um, damit keine direkte Werbung für Richard Bransons Ladenkette gemacht werden konnte.

Die Virgin Megastores gibt es, ausgenommen einige Läden im Nahen Osten, schon lange nicht mehr.

Hier ist der Song der Freshies, die es ebenfalls nicht mehr gibt, zu hören.

Published in: on 14. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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„On Ilkla Moor Baht ‚at“ – Die inoffizielle Nationalhymne der Grafschaft Yorkshire

Niemals ohne Kopfbedeckung betreten: Das Ilkley Moor in West Yorkshire.
Photo © Bob Harvey (cc-by-sa/2.0)

Das Ilkley Moor in West Yorkshire ist eine unwirtliche Region. Hier will ein Polizist einmal einen Alien gesichtet haben, der Yorkshire Ripper Peter Sutcliffe hatte nicht weit vom Moor entfernt seine weiblichen Opfer gesucht, und Straßen führen nur wenige durchs Moor. Oft weht ein rauer Wind und wer sich hier aufhält, muss unbedingt eine Kopfbedeckung tragen, so rät es jedenfalls dringend das Lied „On Ilkla Moor Baht ‚at“, das sich zu einer inoffiziellen Nationalhymne für die Grafschaft Yorkshire entwickelt hat und übersetzt heißt „Auf dem Ilkley Moor ohne Hut“. Worum geht es nun in dem Lied?

Der namentlich nicht genannte Protagonist trifft sich auf dem Ilkley Moor mit seiner Geliebten Mary Jane. Offensichtlich hat keiner der beiden eine eigene Wohnung, so dass die Frage „Gehen wir zu Dir oder zu mir?“ leider nicht zum Tragen kommt. Also muss das Rendezvous auf dem zugigen Ilkley Moor stattfinden, das zwar jede Menge Einsamkeit für die geplanten Aktivitäten der beiden Liebenden bietet, aber so richtig kuschelig nicht ist. Das Dumme bei dem Treffen war eindeutig, dass der männliche Part nichts auf dem Kopf hatte (wie das seine Partnerin hielt, sagt das Lied nicht). Es kommt wie es kommen muss: Der Mann ohne Hut zieht sich eine schreckliche Erkältung zu, an der er stirbt…und jetzt beginnt der Kreislauf des Lebens bzw. des Todes. Der junge Mann wird beerdigt, dann fressen ihn die Maden, die wiederum von Enten gefressen werden und wer frisst, pardon, isst die Enten? Natürlich wir, also haben wir letztendlich den jungen Mann verspeist. Gibt es irgendwo auf der Welt ein Land mit einer ähnlichen kannibalistischen Nationalhymne?

„On Ilkla Moor Baht ‚at“ wird hin und wieder in TV-Serien verwendet, die in Yorkshire spielen, und es ist ein fester Bestandteil des Yorkshire Days, der immer am 1. August gefeiert wird.

Ich habe zwei Versionen als Beispiel herausgesucht: Die erste zeigt einen entsprechenden Zeichentrickfilm, die zweite wird von mehreren Interpreten gesungen.

 

Published in: on 13. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Blackpools Wedding Chapel an der Golden Mile

The Wedding Chapel  Blackpool, offers an unique experience like no other; there is nowhere on earth quite like it„, so steht es sehr selbstbewusst auf den Webseiten der Stadt Blackpool in Lancashire zu lesen. Ob das wohl Las Vegas in Nevada, wo es jede Menge Wedding Chapels gibt, unterschreiben würde?

An der Goldenen Meile von Blackpool ist diese goldene Hochzeitskapelle zu finden, und die Lage ist wirklich sehr schön. Es gibt zwei Trauzimmer in dem auch Tower of Love genannten Gebäude, den Tower View Room und den kleineren Sea View Room. Vom erstgenannten hat man durch ein entsprechend gestaltetes Fenster einen direkten Blick auf Blackpools Wahrzeichen, den Blackpool Tower. Wer es gern romantisch mag, der kann seine Hochzeitszeremonie bei Sonnenuntergang im Sea View Room buchen, mit Blick auf den Strand und das Meer. Im Angebot des Betreibers der Wedding Chapel ist auch die Möglichkeit, die Zeremonie für die Daheimgebliebenen in aller Welt, ins Internet zu streamen.

Entworfen wurde die Wedding Chapel, deren Baukosten £3 Millionen betrugen, vom Londoner Architektenbüro de Rijke Marsh Morgan Architects. Passend zur Goldenen Meile wurde die Hochzeitskapelle mit goldfarbenen Stahlplatten verkleidet. Im Jahr 2011 fertiggestellt, erhielt der Tower of Love gleich im nächsten Jahr den RIBA Award des Royal Institutes of British Architects. Das erste Paar heiratete hier am 12. Januar 2012. Im Gebäude ist auch ein Restaurant mit Blick auf das Meer untergebracht.

The Wedding Chapel
Promenade
Blackpool
FY1 1AP

„Last of the Summer Wine“ – Eine beinahe endlose TV-Serie

Der Summerwine Tourbus.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

37 Jahre ist die englische Sitcom gelaufen, 295 Episoden wurden ausgestrahlt: „Last of the summer wine“ hat am Sonntag, dem 29. August 2010 ein Ende gefunden. Die BBC begann am 12. November 1973 mit der ersten Folge, und damals hatte man sicher nicht gedacht, dass sich diese Sitcom zu einer Erfolgsstory sondergleichen entwickeln würde.

Die Lieblingssendung der Queen wurde in zahlreiche Länder exportiert; nach Deutschland aus irgendwelchen Gründen nicht. Auch der damalige afghanische Staatspräsident Hamid Karzai soll ein großer Fan der Sendung gewesen sein.

Hauptfiguren der Serie sind drei Rentner, die in einer Kleinstadt in Yorkshire eine zweite Kindheit erleben und mit viel Humor und Unternehmungslust durch die Straßen ziehen. Sie philosophieren über alltägliche Dinge und bringen sich durch irrwitzige Ideen in peinliche Situationen, so die Kurzdarstellung in der Wikipedia.

Gedreht wurde die Serie in Holmfirth in West Yorkshire, was der Kleinstadt nach dem Niedergang der Textilindustrie enorm half, denn die Touristen kommen immer noch in Busladungen, um sich anzusehen, wo Nora, Cleggy, Compo und Foggy ihr Unwesen trieben. Die Geschäftsinhaber freuen sich, der Wrinkled Stocking Tea Room erfreut sich großer Beliebtheit und der Pub „The White Horse“ dürfte auch keine Umsatzprobleme haben. Viele Dorfbewohner sind im Laufe der Jahrzehnte in die Dreharbeiten mit einbezogen worden und ihnen werden sicher die Kameras und die Darsteller fehlen, die zum Alltag in Holmfirth dazugehörten.

Hier sind einige Ausschnitte aus der Sitcom.

Besucherandrang vor Nora Battys Haus.
Author: Philip Talmage.
Creative Commons 2.0

The Wrinkled Stocking Tearoom.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The White Horse.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Montgomery Mermaid in Sheerness auf der Isle of Sheppey

Photo © Richard Vince (cc-by-sa/2.0)

Welcome to SHEERNESS – You’ll have a blast„, so steht es auf einem Wandgemälde zu lesen, das die Besucher der Stadt Sheerness auf der Isle of Sheppey in Kent willkommen heißt. Als es noch die Fährverbindung für PKWs von Vlissingen in den Niederlanden nach Sheerness gab, bin ich häufig morgens gegen 6 Uhr hier angekommen und fand die Isle of Sheppey immer ein bisschen langweilig. Besonders attraktiv für Touristen ist die Insel nicht, denn hier hat sich viel Industrie angesiedelt, und die Tatsache, dass gleich drei Gefängnisse auf der Isle of Shepey liege (siehe hierzu meinen Blogeintrag), erhöht die Attraktivität sicher nicht.

Im Jahr 2015 kam man auf die Idee, die Besucher von Sheerness mit einem großen Wandgemälde willkommen zu heißen und beauftragte den Künstler Dean Tweedy, sich etwas Entsprechendes einfallen zu lassen, was dieser auch tat, damit aber nicht bei allen Inselbewohnern auf Begeisterung stieß.

Das Bild zeigt eine Meerjungfrau („The Montgomery Mermaid„), die am Strand liegt, eine finstere Miene aufgesetzt hat und dabei ist eine Sprengung vorzubereiten („You’ll have a blast“ ist doppeldeutig; es kann zum einen „Du wirst einen Riesenspaß haben“ bedeuten, zum anderen auch „Du wirst eine Explosion erleben“). Was will uns das Wandgemälde sagen?

Vor der Küste der Isle of Sheppey liegt das Wrack des amerikanischen Munitionsschiffes SS Richard Montgomery, das im August 1944 auf eine Sandbank bei Sheerness auflief, mit ca 1500 Tonnen Munition an Bord. Das Schiff brach auseinander, eine Bergung der gefährlichen Ladung erwies sich als nicht machbar. Die Experten sind sich heute nicht einig darüber wie groß die Gefahr einer Explosion ist. Sollte es dazu kommen, könnte es das Ende von Sheerness und der Isle Sheppey sein. Die Masten der SS Montgomery ragen aus den Fluten noch heute hervor.

Modell für die „Montgomery Mermaid“ stand eine junge IT-Technikerin von der Insel. Dean Tweedy hat das Wandgemälde kostenlos erstellt.

Die Masten der SS Richard Montgomery.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 10. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Chateau Impney in Worcestershire – Ein Hotel, das dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist

Ich las es mit großem Bedauern, dass das Coronavirus einem wunderschönen Hotel, dem Chateau Impney in Worcestershire, den Garaus gemacht hat. Am 16. März verkündete das Management das Ende des Hotels.

Erst einmal zur Orientierung: Das Chateau Impney liegt an der A38, rund einen Kilometer von der Autobahn M5 entfernt, am Rand der Stadt Droitwich. Es wurde im Stil eines französischen Schlosses erbaut und könnte genau so gut irgendwo an der Loire stehen. Der Industrielle John Corbett ließ es zwischen 1873 bis 1875 erbauen; genug Geld hatte der „Salt King“ durch den Salzabbau in der Region Droitwich verdient. Corbett investierte £247,000 in das Schlösschen und schenkte es seiner Frau Hannah Eliza O’Meara, die er in Paris kennengelernt hatte und die nur widerstrebend von der französischen Metropole in die englische Provinz gezogen war. Um ihr ein wenig französisches Flair in Worcestershire zu vermitteln, beauftragte er den Pariser Architekten Auguste Tronquois mit dem Entwurf des Schlosses, dessen Bau von dem englischen Architekten Richard Phené Spiers beaufsichtigt wurde.

Doch so richtig wohl fühlte sich John Corbetts Ehefrau auch im Chateau Impney nicht, und so zog sie in eines der anderen Anwesen ihres Mannes. Nachdem John Corbett 1901 gestorben war, ging das Schloss durch viele Hände bis es 1925 als Impney Manor Hotel eröffnet wurde. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs litt das Chateau sehr, als es vom War Office requiriert worden war, und der neue Besitzer, Ralph Edwards, musste sehr viel Geld in die Hand nehmen, um das Haus wiederherzustellen und erneut als Hotel zu eröffnen. Nachdem Edwards das Haus in den 1960er Jahren verkauft hatte, wechselten die Besitzer wieder mehrere Male, aber es blieb als Hotel erhalten. Jetzt ist es leider geschlossen worden und die Zukunft des Chateaus ist ungewiss. Ich hoffe nur, dass es nicht in die Hände eines russischen Oligarchen, eines Scheichs oder eines superreichen Chinesen fällt, sondern eines Tages erneut als Hotel seine Tore für jedermann öffnet.

Der Schriftsteller Pelham Grenville Wodehouse (1881-1975) war häufig hier zu Gast, und das Chateau diente als Vorbild für Sir Buckstone Abbotts Walsingford Hall in dem Roman „Summer Moonshine“ (1938), das Wodehouse so beschreibt: „a vast edifice constructed of glazed red brick, in some respects resembling a French chateau“.

Viele Jahre war das Hotel der Austragungsort des Chateau Impney Hill Climb, einer Autosportveranstaltung, die 2019 zum letzten Mal stattfand. Hier sind einige Bilder davon.

John „Mad Jack“ Fullers Pyramide in Brightling (East Sussex)

John „Mad Jack“ Fuller (1757-1834) war einer jener englischen Exzentriker, die sich auch auf dem Gebiet der „Follies“ hervortaten. Dazu erwählte er den Ort Brightling in East Sussex, südlich der A 265 gelegen, nordwestlich von Battle. Mit nur 23 Jahren wurde er schon für Southampton ins Parlament gewählt und war später MP für Sussex. Er legte sich mit dem Speaker des Parlaments an und machte sich in dem hohen Hause unbeliebt. Als Befürworter der Sklaverei war er auch nicht überall gern gesehen.

Aber zurück zu seinen Follies. Mehrere davon stehen in Brightling unter anderem ein 14 Meter hoher Obelisk, ein griechischer Tempel und ein Observatorium. Ich schrieb in meinem Blog darüber.

23 Jahre vor seinem Tod baute er sich ein Mausoleum in Form einer Pyramide auf dem Friedhof der Kirche St. Thomas à Becket in Brightling. Fast 8 Meter hoch ist die Pyramide und die Legende sagt, daß Mad Jack darin an einem Tisch sitzt, in voller Montur mit einem Zylinder auf dem Kopf, vor sich auf dem Tisch ein gegrilltes Hähnchen und eine Flasche Portwein. So soll er auf den Tag der Auferstehung warten.
1982 fand man bei Renovierungsarbeiten heraus, dass diese Legende eben nur eine Legende war. Mad Jack Fuller ist in der Pyramide auf herkömmliche Weise beigesetzt. Schade!

Ein Pub in Oxley’s Green (East Sussex), nur ein Stückchen von Brightling entfernt, ist einmal nach dem Exzentriker benannt worden; aber den gibt es nicht mehr.

Die Church St. Thomas à Becket in Brightling.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der einstige Jack Fuller, in Oxley’s Green, leider gibt es den Pub nicht mehr.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Fleetwood in Lancashire und seine drei Leuchttürme

The Upper Lighthouse.
Photo © Sue Adair (cc-by-sa/2.0)

Heute machen wir uns zum zweiten Mal auf den Weg nach Fleetwood an der Küste von Lancashire. Beim ersten Besuch informierte ich in meinem Blog über den Produktionsort der weltberühmten Hustenbonbons Fisherman’s Friend, heute wollen wir uns einmal die Leuchttürme der Stadt ansehen, denn Fleetwood ist die einzige Stadt in England, die über gleich drei Leuchttürme verfügt.

Im Auftrag des Großgrundbesitzers und Parlamentsmitglieds Peter Hesketh-Fleetwood entwarf der renommierte Archtitekt Decimus Burton die Stadt Fleetwood in den 1830er und 1840er Jahren. Burton hatte sich schon vorher in St Leonards-on-Sea in East Sussex einen Namen gemacht und Hesketh-Fleetwood wollte etwas Ähnliches an der Küste von Lancashire haben.

Zwei der drei Leuchttürme der Stadt sind ebenfalls von Decimus Burton entworfen worden. Der erste, Upper Lighthouse oder auch Pharos Lighthouse genannt, ist 28 Meter hoch und liegt merkwürdigerweise nicht direkt an der Küste, sondern mitten in einer Wohnstraße, der Pharos Street. Benannt wurde der Turm nach dem altägyptischen Leuchtturm Pharos of Alexandria. 1840 nahm man ihn in Betrieb und noch heute ist er voll funktionsfähig. Von hier aus kann man übrigens mit der Blackpool Tramway in kurzer Zeit in den Nachbarort fahren und sich dort vergnügen.

Im selben Jahr wurde auch der zweite Leuchtturm in Betrieb genommen, The Lower Lighthouse oder auch The Beach Lighthouse, der nur 10 Meter hoch ist und der direkt an der Küste liegt. Schiffe, die in die Trichtermündung des River Wyre einfahren wollten, konnten sich sehr gut nach den beiden Leuchttürmen richten, die eine Linie bildeten und dabei noch von dem dritten Turm unterstützt wurden, dem Wyre Light Lighthouse, der etwa drei Kilometer vor Fleetwood liegt und heute allmählich auf der Sandbank North Wharf versinkt. Funktionsfähig ist er schon lange nicht mehr. Erbaut hatte ihn nicht Decimus Burton, sondern Alexander Mitchell, ebenfalls im Jahr 1840.

The Lower Lighthouse.
Photo © Mr Eugene Birchall (cc-by-sa/2.0)

The Wyre Light Lighthouse.
Author: @CyprusPictures.
Creative Commons 2.0

Published in: on 7. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Steven Primrose-Smith: Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day

Foto meines Exemplares.

Ich liebe die Bücher von Steven Primrose-Smith und habe einige von ihnen in meinem Blog vorgestellt:  „No Place Like Home, Thank God – A 22,000 Mile Bicycle Ride Around Europe„ und „Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain „.

Gestern habe ich das nächste Buch von ihm ausgelesen, das den Titel “ Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day“ trägt und das mir wieder sehr viel Vergnügen bereitet hat. Steven hat sich im Jahr 2005 erneut auf sein Fahrrad geschwungen und ist von Liverpool aus über Frankreich, Spanien und Portugal bis zum Felsen von Gibraltar gefahren, eine über 5000 Kilometer lange Route. Dieses Mal fuhr er nicht allein, sondern wurde von Joe und Dave begleitet (Sabby, der Vierte im Bunde, stieg während der Reise aus), die er im Internet gesucht und gefunden hatte. Die besondere Erschwernis dieser Fahrradtour: Jeder hatte pro Tag nur £1 zur Verfügung…für alle anfallenden Ausgaben. Das größte Problem hatten die drei Langstreckenfahrer mit ihrer Ernährung, denn wo bekommt man in einem Supermarkt für so wenig Geld etwas zu essen zu kaufen. Die billigste Marmelade, Nudeln, Tomatensoße, Sojasoße, Baguettes, das waren im Wesentlichen die Hauptnahrungsmittel auf der Fahrt; dazu kam, was sie so am Wegesrand von den Bäumen pflücken konnten. Übernachtet wurde anfangs in England und Wales auf Feldern, die zu Farmen gehörten, später in Frankreich, Spanien und Portugal gab es nur noch „wild camping“. Die Drei schlugen sich bis Gibraltar durch, hatten dann aber auch die Schn… voll.

Steven Primrose-Smiths Bücher sind leider nicht ins Deutsche übersetzt worden. Im Juli 2020 erschien sein aktuelles Buch „The Quest for the Holy Quail: A 3000 Mile Plague-Time Bicycle Ride through Morocco and its Freakiest Food„. Im Augenblick lese ich gerade Stevens 2019 erschienenes „Biking Broken Europe: 6000 Miles though an Unstable Continent„.

Steven Primrose-Smith: Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day. Rosebery Publications 2015. 309 Seiten. ISBN  978-1519327260.

Startpunkt der Reise: Der Eingang des Mersey Tunnels in Liverpool.
Photo © chestertouristcom (cc-by-sa/2.0)

Das Ziel der Reise, rund 5000 Kilometer entfernt: Gibraltar.
Author: jmsolerb.
Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

 

Published in: on 6. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Cardington Sheds in Bedfordshire – Von Monsterhallen, Luftschiffen und berühmten Spielfilmen

Die frisch renovierten Cardington Sheds.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Einige Kilometer von Bedford entfernt, bei dem Ort Cardington, sieht man zwei riesige Hallen, die die Landschaft dominieren. Sie sind etwa 200m lang und wurden gebaut, um darin Luftschiffe zu fertigen. Shed No.1 entstand 1915, Shed No.2 kam 1928 hinzu. Gegen Ende des 1. Weltkrieges waren hier 800 Menschen beschäftigt, um die R-31 und R-32 zu bauen. Um das größere Luftschiff R-101 herzustellen, wurde Halle 1 noch einmal beträchtlich vergrößert.

Am 4. Oktober startete die R-101 von Cardington nach Karachi in Pakistan, kam aber nur bis Nord-Frankreich, wo das Luftschiff nach permanenten Problemen Feuer fing und abstürzte. 48 Menschen kamen dabei ums Leben.  Hier ist ein Film über den Abflug des Luftschiffes vom Hangar.

Nach dem Absturz wurden die Arbeiten an weiteren Luftschiffen eingestellt. In den 30er Jahren baute man in den Hallen Sperrballons, doch in den 40er Jahren trennte sich die Royal Air Force von den Hallen, die darauf anderweitig genutzt wurden oder auch leer standen.

Shed No.2 wurde an die US-Firma Warner Bros. vermietet, die dort 2005 den Film „Batman begins“ drehte und Teile der Straßenzüge Gotham Citys in dem Hangar errichtete. Auch Szenen für die Filme „The Dark Knight“ und „Inception“ sowie für die „Star Wars„-Serie wurden hier gedreht. Rihanna nahm ihr Musikvideo „Shut Up and Drive“ in den „heiligen Hallen“ auf.

Im Jahr 2015 war die Renovierung von Sheds 1 und 2 beendet.

Kulissen für einen Film in einem der Sheds.
Author: Dan Ridley-Ellis.
Creative Commons 2.0

 

 

 

Published in: on 5. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in der Broad Street in Oxford

In der Polizeizentrale von Oxford ging einmal an einem regnerischen Tag der Ruf einer Frau ein, die sich darüber beklagte, dass auf dem Dach eines Hauses an der Broad Street Ecke Turl Street ein nackter Mann stünde, der auf die Passanten urinieren würde. Ob dieser Ruf einen sofortigen Einsatz eines Streifenwagens veranlasste oder ob der Beamte an der Telefonleitung in lautes Gelächter ausbrach, weiß ich nicht. Die Anruferin hatte insofern recht, als da tatsächlich ein nackter Mann auf dem Gebäude stand, in dem unten Blackwell’s Art and Poster Shop untergebracht ist, doch dieser Mann besteht aus Eisen, und da der Körper mit allen männlichen Attributen ausgestattet ist und wenn der Regen auf ihn herabfällt, nun, da sieht es wirklich so aus, als ob…

Es handelt sich hier um ein Kunstwerk des berühmten Bildhauers Antony Gormley, der immer wieder damit überrascht, wo man seine Skulpturen finden kann. Seine Serie „Another place“ am Crosby Beach in Lancashire (ich berichtete in meinem Blog darüber) besteht aus 100 identischen Männerfiguren, die am Strand alle zum Meer ausgerichtet sind; die andere Figurenserie namens „Another time“ besteht aus den gleichen 100 identischen Skulpturen, die aber alle in der Welt verstreut sind; eine davon eben auch in Oxford. Antony Gormley hat sie nach seinem eigenen Körper geformt.

Der eiserne Mann auf dem Dach des Blackwell’s Shop gehört dem Exeter College, das für die Anschaffung des Kunstwerks eine anonyme Spende von über £250 000 erhielt, worüber man sich in dem College natürlich sehr freute. Im Februar 2009 wurde Gormleys Kreation auf das Dach gehievt und in Anwesenheit der Rektorin des Exeter College, der Bürgermeisterin von Oxford und des Künstlers selbst eingeweiht. Die Figur ist über zwei Meter groß und wiegt zehn Zentner. Viele Passanten werden sie gar nicht wahrnehmen wenn sie an dem Gebäude vorbeigehen. Da wir in Oxford sind, ist die Skulptur schon mehrfach von Studenten für „pranks“ benutzt und in witzige Kleidungsstücke gehüllt worden.

Hier ist ein Film von der Eröffnungszeremonie.

Published in: on 4. September 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Adnams Brewery in Southwold (Suffolk)

Die Brauerei in Southwold.
Author: John D. Fielding
Creative Commons 2.0

George und Ernest Adnams gründeten 1890 die Sole Bay Brewery in der kleinen Küstenstadt Southwold in Suffolk und bis heute ist die Brauerei unabhängig geblieben und nicht, wie viele andere, von den Großen des Gewerbes geschluckt worden.

Adnams besitzt einen guten Ruf in England, nicht zuletzt weil die Firma einen bestimmten Prozentsatz ihres Gewinnes für wohltätige Zwecke in der Region ausgibt.

Es ist noch noch gar nicht so lange her, bis 2006 nämlich, dass die Pubs in Southwold von Pferdegespannen beliefert wurden, aber dass ist leider schon Geschichte. Ein neues Auslieferungszentrum wurde einige Kilometer außerhalb der Stadt gebaut, somit wurden die Pferde in den Ruhestand versetzt.

Adnams, das „Beer from the Coast„, gibt es als Fassbier und als Flaschenbier. Southwold Bitter, Broadside und Explorer heißen einige der ganzjährig erhältlichen Standardsorten; dazu kommen saisonal Spezialbiere wie das Oyster Stout, das sehr gut zu Austern passen soll oder das weihnachtliche Yuletide. In Flaschen wird das Ghost Ship produziert, das es auch in einer fast alkoholfreien Version gibt mit 0,5% Alkoholgehalt.

Die Adnams Brauerei  bietet auch Besichtigungstouren an, denen selbstverständlich eine Bierprobe folgt.; das alles mitten in der hübschen Stadt Southwold.

Die Firma besitzt neben der Brauerei noch Pubs in der Region Suffolk/Essex, einige Hotels, eine Distillerie und eine Weinhandlung. Ein Abstecher nach Southwold, wo George Orwell eine Zeit lang wohnte, lohnt sich immer.

Hier ist ein Film über die Adnams Brewery.

Eigenes Foto

 

Published in: on 3. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Manuel, der spanische Kellner aus der TV-Comedyserie „Fawlty Towers“

Andrew Sachs im Jahr 2004.
Author: Phil Chappell
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Die Comedyserie „Fawlty Towers„, die 1975 (Folgen 1-6) und 1979 (Folgen 7-12) von der BBC ausgestrahlt wurde, gehört zu den populärsten Serien aller Zeiten in Großbritannien. Neben John Cleese als Basil Fawlty, Prunella Scales als Sybil Fawlty und Connie Booth als Polly ist auch der tolpatschige und des Englischen kaum mächtigen, spanische Kellner Manuel in Erinnerung geblieben, der seinen Chef häufig zur Weißglut trieb.

Manuel wurde von Andrew Sachs (1930-2016) gespielt, der kein Spanier sondern ein gebürtiger Deutscher war. Andreas Siegfried Sachs wurde 1930 in Berlin geboren und flüchtete mit seinen Eltern vor den Nazis nach England. Sachs war mit der Schauspielerin Melody Lang verheiratet, die in der Fawlty Towers-Folge „Basil the Rat“ als Mrs. Taylor auftrat.

1959 hatte Sachs sein Filmdebüt in „The Night we dropped a clanger“ und bekam danach zahlreiche Rollen in Fernsehserien, unter anderen in „Coronation Street“ und „EastEnders„. Er verstarb am 23. November 2016 in einem Londoner Pflegeheim

Als Manuel veröffentlichte Sachs auch einige Single-Schallplatten, die aber allesamt nicht erfolgreich waren. Seine Autobiografie „I Know Nothing“ erschien 2014.

Im Oktober 2008 stand der Name Andrew Sachs in allen Gazetten, weil er Opfer eines sogenannten „pranks„, also eines Streichs geworden war, den Russell Brand und Jonathan Ross in der „Russell Brand Show“ verübten. Sie hinterließen auf Sachs‘ Anrufbeantworter die Nachricht, dass Brand mit dessen Enkelin Georgina Baillie Sex gehabt hätte. Aufgrund dieses und ähnlicher  „pranks“ wurde Russell Brand schließlich von der BBC vor die Tür gesetzt.

Hier ist eine Zusammenstellung mit den schönsten „Manuel“-Szenen. Siehe auch diesen früheren Blogeintrag zu „Fawlty Towers“.

Published in: on 2. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Das Martyrs‘ Memorial in Oxford

Bei einem unserer Oxfordbesuche wohnten wir im Randolph Hotel an der Beaumont Street mitten im Zentrum der Stadt, ein Hotel, das ich sehr empfehlen kann. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf ein Denkmal, das den Namen Martyrs‘ Memorial trägt und das sehr an die Eleanor Crosses erinnert. Tatsächlich soll das Waltham Cross Modell gestanden haben.

Entworfen hat das Memorial der berühmte Architekt George Gilbert Scott, fertiggestellt wurde es 1843. Es erinnert an drei Kirchenmänner, die ganz in der Nähe am 16. Oktober 1655 auf Grund ihres protestantischen Glaubens auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Diese armen Seelen waren:

Hugh Latimer, der am Clare College in Cambridge gelehrt hatte und Bischof der Stadt Worcester war.
Nicholas Ridley, der Bischof von London
Thomas Cranmer, der ehemalige Erzbischof von Canterbury

Nicht alle waren damals mit der Errichtung des Denkmals einverstanden; zu ihnen gehörte der angesehene Architekt A.W.N. Pugin, der darauf hinwies, dass diese sogenannten Märtyrer selbst in ihrer Zeit als Katholikengegner Grausamkeiten begangen hatten.

Einer der fähigsten Bildhauer in der viktorianischen Zeit, Henry Weekes, gestaltete die drei Oxforder Märtyrer aus Stein. Der Zahn der Zeit, in Kooperation mit den Autoabgasen, nagte sehr an dem Denkmal. Glücklicherweise griffen der Oxford City Council und der Oxford Preservation Trust tief in ihre Taschen und spendierten dem auffälligen Denkmal im Jahr 2003 eine Komplettrestaurierung, so dass es seitdem wie neu aussieht.

Das Martyrs‘ Memorial sieht tatsächlich so aus wie die Spitze eines Kirchturms, was sich Studenten eine Zeit lang zu Nutze machten und Touristen erzählten, dass es sich hier um eine unterirdische Kirche handelt, deren Zugang über eine Treppe führt. Die Touristen waren sicher etwas ärgerlich, als sie feststellten, dass diese Treppe zu einer öffentlichen Toilette führte.

Die Studenten in Oxford sind mit ihren „pranks“ sehr erfinderisch. Vor vielen Jahren hatte einer von ihnen, unter Einsatz seines Lebens, ganz oben auf der Spitze des Memorials einen Nachttopf aufgehängt, der dann mit Hilfe eines „steeplejacks“ wieder entfernt werden musste.

Hier ist ein Film, der unter anderem auch das Memorial und das Randolph Hotel zeigt.

Published in: on 1. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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LCY2 – Amazons Fulfilment Centre in Tilbury (Essex)

Im Jahr 2017 eröffnete Amazon in einem Gewerbegebiet in Tilbury (Essex) ein weiteres riesiges sogenanntes Fulfilment Centre, das 13. in Großbritannien. Es ist das größte Warenlager Amazons im Königreich und sogar das zweitgrößte weltweit; nur ein Centre in den USA ist noch größer. Das Tilbury Lagerhaus umfasst eine Fläche von 28 Fußballfeldern und bietet 4000 Menschen einen Arbeitsplatz. Die Lage ist optimal, direkt vor den Toren von London, die Autobahn M25 ist schnell zu erreichen. Das Tilbury Fulfilment Centre trägt den Code LCY2. Bekommt man ein Päckchen oder Paket von der Firma, so kann man auf dem aufgeklebten Code erkennen, woher die Warenlieferung stammt. Die Codebuchstaben richten sich immer nach dem nächstgelegenen Flughafen, in diesem Falle ist LCY2 der Code vom London City Airport (LTN1 steht für  Amazon Milton Keynes, nahe des Flughafens von Luton, MAN2 für Amazon Warrington nahe des Flughafens von Manchester).

In den Lagerhallen in Tilbury hat man sich auf kleinere Artikel spezialisiert, die von State-of-the-art-Robotern bewegt werden. Größere Artikel sind zum Beispiel im Fulfilment Centre in Doncaster (LBA3) gelagert. In Tilbury wird rund um die Uhr gearbeitet; selbst bei einem regionalen Zusammenbruch der Stromversorgung kann weiter gearbeitet werden, da LCY2 über eigene Generatoren und über Solaranlagen auf dem Dach verfügt.

Tilbury gehört zu den schnellsten Auslieferungslagern von Amazon in Großbritannien. Von dem Moment, wenn jemand seine Bestellung online aufgibt bis zur Versandbereitstellung soll es nur zwischen 15 Minuten und einer Stunde dauern.

Hier ist ein Film über Amazons LCY2.

Siehe auch meinen Blogeintrag über das Warenlager in Ridgmont (Bedfordshire).

Published in: on 31. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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