John Elwes – Der König der Londoner Geizhälse und Exzentriker

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John Elwes wurde 1714 in eine Familie hineingeboren, die schon damals in Londoner Kreisen als extrem geizig galt, obwohl die Bankkonten gut gefüllt waren.
Seine wohlhabende Mutter soll an Unterernährung gestorben sein und sein ebenfalls gut betuchter Onkel sass oft abends vor dem Kamin, in dem lediglich ein Stückchen Holz brannte, und er ging dann im Dunkeln in sein Schlafgemach, um die Kosten für eine Kerze zu sparen.

Kein Wunder also, dass auch John Elwes auf diese Linie einschwenkte und sparte, was das Zeug hielt. Hier einige Beispiele:

– Er weigerte sich, dass seine Söhne eine gute Ausbildung erhielten, weil die ja dann auf die Idee hätten kommen können, Geld auszugeben, statt es zu behalten.

– Selbst bei scheußlichstem Wetter ging Elwes von einem Ende Londons zum anderen, damit er nicht ein paar Pennies für eine Kutsche ausgeben musste.

– Er soll angeblich eine Perücke getragen haben, die ein Bettler weggeworfen hatte und einen Mantel, der schon vor lauter Abnutzung schimmelgrün geworden war und den früher einmal ein Angehöriger dazu verwendet hatte, um ein Loch in der Wand zu stopfen.

– Wenn er London einmal verließ, nahm er immer ein oder zwei gekochte Eier mit, um nicht einkehren zu müssen, und er schlief dann immer im Freien unter einer Hecke. In einem Gasthof zu übernachten, kam für John Elwes nicht in Frage. Sein Pferd ließ er immer auf dem Gras neben der Straße laufen, damit die Hufeisen nicht so schnell abgenutzt wurden.

– John Elwes besaß mehrere Häuser in London und auch ein Anwesen in Suffolk, die er aber nicht möblierte; stattdessen nahm er immer ein paar Kleinmöbel mit, wenn er die Häuser aufsuchte.
Man könnte diese Liste seiner exzentrischen Handlungen noch lange fortführen. Zum Abschluss sei noch gesagt, dass als Elwes auf dem Sterbebett lag und er zusammen mit seinem Anwalt sein Testament aufsetzte, auch noch gespart wurde, denn der Anwalt durfte das Schriftstück nicht bei Kerzenschein aufsetzen, sondern musste sich mit dem schwachen Licht, das das Kaminfeuer warf, zufriedengeben.

Zehn Jahre war der Londoner Exzentriker und Ober-Geizhals Mitglied des Parlaments für Berkshire, und als er 1789 starb, hinterließ er seinen beiden unehelichen Söhnen und seinem Neffen £800,000, was einem heutigen Wert von £28,000,000 entspricht. Elwes kam mit rund £50 jährlich aus. Ich kann mir vorstellen, dass die Erben nachträglich keine Probleme mit dem Lebenswandel des lieben John hatten.

Als Charles Dickens 1843 „A Christmas Carol“ schrieb, soll John Elwes Pate für die Figur des Ebenezer Scrooge gestanden haben.

Das Buch zum Artikel:
Edward Topham & James Ridgway: The Life of the Late John Elwes, Esquire; Member in Three Successive Parliaments for Berkshire. BiblioBazaar 2010. 116 Seiten. ISBN 978-1140596066.

St John the Baptist in Stoke-by-Clare (Suffolk). Hier vor dem Altar liegt John Elwes begraben. - © Copyright Keith Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 4. Oktober 2011 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Klingt eher nach einem krankhaften Zwang.

  2. […] wie heruntergekommene Landstreicher lebten. Ich denke da vor allem an John Elwes, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Eine ähnliche Figur war John Camden Neild, der von 1780 bis 1852 lebte. […]


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