Der Sapperton-Kanaltunnel bei Cirencester (Gloucestershire) – Einst der längste Kanaltunnel Englands

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Wenn man sich den Eingang des Sapperton-Kanaltunnels einmal ansieht, mag man es kaum glauben, dass durch diesen engen Schlauch einmal Boote durchbugsiert worden sind, und das auf einer Länge von 3,5 km.

Dieser 1789 eröffnete Tunnel liegt südlich von Cirencester in der Nähe des Dörfchen Coates in Gloucestershire. Ich habe mir nur den Eingang am Tunnel House Inn angesehen, der ziemlich einsam gelegen und nur auf einem ziemlich schlechten Weg zu erreichen ist (mein Auto war anschließend total verdreckt). Im Tunnel House Inn hat Prince William einmal eine Geburtstagsparty gegeben (ich weiß nicht, ob die geladenen Gäste von dem matschigen Zufahrtsweg so begeistert waren; aber vielleicht hat es ja an dem Tag nicht geregnet).

Die schmalen Boote, die diesen Teil des Thames und Severn Kanals passieren wollten, mussten mit Hilfe der Füße der Schiffer durch den Tunnel befördert werden; d.h. die Männer lagen auf dem Rücken und stießen sich mit den Füßen an der Tunneldecke ab. Eine mühsame und schweißtreibende Arbeit. Einen parallel zum Kanal entlangführenden Treidelpfad gab es im Sapperton-Tunnel nicht.
Nachdem Teile der Decke in der Mitte des Tunnels eingestürzt waren, kam  dann auch eine Durchquerung nicht mehr in Frage. Eine Zeit lang wurden Bootsfahrten in einen Teil des Tunnels durchgeführt, die sind aber inzwischen wieder eingestellt worden. Der Cotswold Canals Trust möchte den Sapperton-Tunnel gern wieder auf der ganzen Länge schiffbar machen und die erforderlichen Reparaturarbeiten durchführen, aber konkrete Zeit- und Finanzierungspläne gibt es wohl noch nicht.

1811 löste der Standedge-Tunnel in West Yorkshire (s. hierzu auch meinen Blogeintrag) den Kollegen in Gloucestershire mit knapp 5 km als längsten Tunnel Englands ab.

Der Sapperton-Tunnel ist auch in der Literatur wiederzufinden. Einmal in Cecil Scott Foresters Roman „Hornblower and the Antropos“ (dt. „Hornblower wird Kommandant“), der 1953 erschien, und in dem Horatio Hornblower samt schwangerer Ehefrau und Sohn auf einem Kanalboot nach London fährt und dabei auch besagten Tunnel durchquert. Mo Hayders Thriller „Gone“ (2010), der in Deutschland unter dem Titel „Verderbnis“ erschien, verwendet den Sapperton-Kanaltunnel ebenfalls als Schauplatz. „It’s such a weird place“ schreibt Mo Hayder fasziniert in ihrem Blog.
Die Zufahrt zu dem Tunneleingang und zum Pub erfolgt über die A433 von Tetbury nach Cirencester und ist ausgeschildert.

Das Buch zum Artikel:
David J. Appleby: Canal Tunnels of England and Wales. Aylestone 2001. 134 Seiten. ISBN 978-0954038205.

Der Tunnel House Inn. - Eigenes Foto