Carnforth (Lancashire) – Ein Bahnhof und ein Filmklassiker

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Wenn man einem eingefleischten britischen Eisenbahnfan gegenüber den Namen Richard Beeching erwähnt, kann es sein, dass dieser Mensch einen Wutanfall bekommt. Dr. Richard Beeching war in den 1960er Jahren für das Eisenbahnnetz des Landes verantwortlich und verkleinerte dieses Netz radikal; man sprach damals von der „Beeching Axe„. Die Folge: Viele Nebenstrecken wurden stillgelegt, Ortschaften vom Bahnnetz abgeschnitten, Bahnhöfe verfielen.

Die Kleinstadt Carnforth im nördlichen Lancashire war auch von diesen Maßnahmen betroffen. Dank Dr. Beeching hielt kein Fernzug mehr in der Stadt und die Bahnsteige, an denen diese Züge früher hielten, wurden abgetragen. Der Bahnverkehr beschränkte sich nur noch auf Regionalverbindungen; die Bahnhofsanlagen verfielen allmählich.
Doch durch die Gründung des Carnforth Station and Railway Trusts im Jahr 1996 kam wieder Hoffnung auf. Mit Hilfe eines £1.5 Millionen Projekts wurden die verfallenen Bahnhofsanlagen wieder aufgebaut, ein Besucherzentrum errichtet und ein Lokal eröffnet.

Nicht ganz unschuldig an der Wiederauferstehung dieses Kleinstadtbahnhofs war ein Filmklassiker, der vor mehreren Jahrzehnten, im Jahr 1945, genau in diesem Bahnhof gedreht wurde. Man wählte diesen Drehort weil er sicherer war, als der Großraum London, schließlich herrschte noch Krieg und mit Bombenangriffen war immer wieder zu rechnen.
David Lean drehte hier den Film „Brief Encounters„, der in Deutschland unter dem Titel „Begegnung“ in den Kinos zu sehen war (und immer noch als DVD erhältlich ist). Die Hauptrollen spielten Trevor Howard und Celia Johnson; die Vorlage bildete das Bühnenstück „Still Life“ von Noel Coward.
Die Dreharbeiten fanden nachts statt, weil es tagsüber mit dem Zugverkehr Probleme gegeben hätte. Der traurige Liebesfilm fand sehr viele Anhänger und so entwickelte sich der Bahnhof von Carnforth zu so etwas wie einer Wallfahrtsstätte für „Brief Encounter“-Fans.

Heute findet man im Besucherzentrum eine Ausstellung über den Film und die Dreharbeiten; man kann im Brief Encounter Refreshment Room, der den Filmräumlichkeiten nachempfunden wurde, essen und trinken und auch seinen Sunday Lunch zu sich nehmen. Selbst die Bahnhofsuhr, die im Film immer wieder zu sehen ist und die von der Firma JB Joyce aus Whitchurch in Shropshire Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde, hängt noch immer im Bahnhof, der wie mit dem Zauberstab wieder zum Leben erweckt worden ist.

Es gibt ein Lied, das das Thema Carnforth und die Eisenbahn behandelt, „The Carnforth Song„, hier zu hören.

Hier ist der Trailer zum Film „Brief Encounters“ zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Gordon Suggitt: Lost Railways of Lancashire. Countryside Books 2003. 160 Seiten. ISBN 978-1853068010.

Die Carnforth Bahnhofsuhr. - © Copyright Stephen McKay and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.