Großbritannien und der Eurovision Song Contest – Die Höhe- und Tiefpunkte

Großbritanniens Vertreter für Baku 2012: Engelbert Humperdinck. Author:Wayne Dilger. - This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Am 26. Mai ist es wieder soweit, dann findet in Baku in Aserbeidschan der Eurovision Song Contest 2012  statt. In diesem Jahr schickt Großbritannien ein musikalisches Schwergewicht ins Rennen. Das Urgestein Engelbert Humperdinck, dessen richtiger Name Arnold George Dorsey lautet, wird sein Heimatland mit dem Song Love Will Set You Free“ vertreten. Der Engländer ist mit 76 Jahren wohl der älteste Sänger, der je an dem Musikwettbewerb teilgenommen hat. Sein letzter Top Ten-Hit liegt auch schon 42 Jahre zurück. Man darf gespannt sein wie Engelbert in Baku abschneiden wird.

Die erste britische Vertreterin bei dem Song Contest war im Jahr 1957 Patricia Bredin, die es mit dem Titel „All“ auf Platz 7 schaffte (bei 10 Teilnehmern).

Die erste Siegerin des Wettbewerbs, die Großbritannien vertrat, war Sandie Shaw mit „Puppet On A String“ im Jahr 1967. Die Sängerin aus Dagenham in Essex trat meist barfuß auf; nach ihrem „Marionetten-Song“ war nicht mehr viel von ihr zu hören. Die deutsche Version hatte den grässlichen Titel „Wiedehopf im Mai“.

Zwei Jahre später, 1969, siegte die Schottin Marie McDonald McLaughlin Lawrie, besser bekannt als Lulu, punktgleich mit drei anderen Ländervertretern mit dem schönen Titel “ Boom Bang-a-Bang„. Lulu ist noch hin und wieder im britischen Fernsehen zu sehen.

1976 schafften die Brotherhood of Man den 1. Platz mit dem Liedchen „Save Your Kisses For Me„. Die Vier tauchen auch heute noch manchmal auf und zehren noch ein wenig von ihrem früheren Ruhm.

Making Your Mind Up“ war der Siegertitel des Jahres 1981 und gesungen wurde er von der Gruppe Bucks Fizz, die irgendwie so ähnlich wie die Brotherhood of Men aussah und klang. Die vierköpfige Gruppe tingelt auch noch in unterschiedlicher Zusammensetzung durch die Lande.

Der letzte Eurovision Song Contest Gewinner aus dem Vereinigten Königreich war Katrina and The Waves 1997 mit „Love Shine A Light„. Die britisch-amerikanische Band um Sängerin Katrina Leskanich ist vor allem mit ihrem Lied „Walking on Sunshine“ in die Popgeschichte eingegangen.

Leider gab es auch Totalflops für Großbritanniens beim Song Contest, die sich in den letzten Jahren häuften. Den Reigen begann im Jahr 2003 das Duo Jemini, das mit „Cry Baby“ den 26. Rang unter 26 Teilnehmern erreichte und Null Punkte erhielt. Das war auch gleichzeitig das Ende der „Karriere“ von Jemini.
Es folgte 2008 Andy Abraham mit „Even If„, der zwar 14 Punkte erhielt (von San Marino und Irland), was aber auch nur für den letzten Platz reichte. Das war’s dann auch für Andy, der fortan nur noch selten zu sehen war.

Der wie Sandie Shaw aus Essex stammende Josh Dubovie wurde schließlich 2010 Letzter mit dem Titel „That Sounds Good To Me„, mit mageren 10 Punkten. Offensichtlich traf die Aussage des Songs nur auf Josh selbst zu, alle anderen europäischen Staaten mochten das Lied nicht.

Das Buch zum Artikel:
John Kennedy O’Connor: The Eurovision Song Contest – The Official History. Carlton Books 2010. 224 Seiten. ISBN 978-1847325211.

Published in: on 31. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die St Leonard’s Church in Hythe (Kent) – „The Church with the Bones“

   © Copyright Helmut Zozmann and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Helmut Zozmann and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vor kurzem fuhr ich wieder einmal durch Hythe, eine rund 14 000 Einwohner große Stadt an der Südküste von Kent, die zu den sogenannten Cinq Ports gehört, die ich in meinem Beitrag über Rye (East Sussex) schon kurz erwähnte.

Die Parish Church von Hythe, die aus dem 11. Jahrhundert stammende St Leonard’s Church, verfügt über eine Besonderheit, die viele Besucher anzieht: Das Beinhaus. Ich habe so etwas schon einmal in Hallstatt in Oberösterreich gesehen; in dem kleinen Ort am Hallstätter See befindet sich die größte Schädelsammlung Europas.

Unter dem Altarraum in St Leonard’s sind fein säuberlich 2000 Schädel aufgereiht, zusammen mit 8000 Oberschenkelknochen. Diese Überreste früherer Bürger der Stadt Hythe kann man gegen eine kleine Gebühr besichtigen und sie bringen dadurch der Kirche etwas Geld ein: „our bonehouse has been a nice little earner for the church since medieval times“ heißt es auf der Webseite von St Leonard’s und weiter geht es in diesem recht heiteren Ton:  „There are a lot of teeth (dentists love visiting here!)“.

Die Schädel und die Knochen sind Schätzungen zufolge sehr alt. Im Zuge von Erweiterungsbaumaßnahmen im 13. Jahrhundert wurden sie aus alten Gräbern geborgen und schließlich alle in der Krypta zusammengetragen.
Die Universität von Bournemouth hat an diesen menschlichen Überresten schon wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen, z.B. an den Schädeln, die im Bereich der Augenhöhlen Anzeichen einer ganz bestimmten Krankheit zeigen.

Außer St Leonard’s gibt es nur noch eine zweite Kirche mit einem Beinhaus in England, das ist die Holy Trinity Church in Rothwell (Northamptonshire), die in ihrer Krypta die Überreste von ca 1500 Menschen beherbergt. „Have fun browsing around – but be careful you don’t fall into our famous Bone Crypt…“ heißt es da auf der Webseite der Kirche. Ja, sie haben schon Humor, die Webseitengestalter der britischen Kirchen.

Hier ist eine Führung durch das Beinhaus von St. Leonard’s.

St Leonard’s Church
Oak Walk
Hythe, Kent CT21 5DN
Tel. 01303 262370

Das Buch zum Artikel:
Marcus Remshaw: St. Leonard’s, Hythe – The Church with the Bones. Pitkin Unichrome 2000. 16 Seiten. ISBN 978-0853729631.

   © Copyright Chris Whippet and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Whippet and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.


Published in: on 28. März 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Elsfield (Oxfordshire) – Zeitweiliger Wohnort und letzte Ruhestätte von John Buchan, dem 1. Baron Tweedsmuir

The Manor House in Elsfield (Oxfordshire). - © Copyright Jon S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hätte John Buchan im Jahr 1915 nicht den Roman „The Thirty-Nine Steps“ (dt. „Die neununddreißig Stufen“) geschrieben und hätte Alfred Hitchcock 1935 das Buch nicht verfilmt, würde möglicherweise heute kaum noch jemand John Buchan kennen, der 1935 den Titel 1. Baron Tweedsmuir erhielt. Dieses Buch machte ihn berühmt.

Der gebürtige Schotte war u.a. Kriegsberichterstatter im 1. Weltkrieg, Chef des Britischen Geheimdienstes und Generalgouverneur von Kanada; seine besondere Liebe gehörte aber der Schriftstellerei. Buchan schrieb zahlreiche Abenteuer- und Kriminalromane, aber auch Sachbücher, so z.B. Bücher über Julius Caesar, Augustus und Oliver Cromwell. Eine ganze Reihe seiner Bücher sind heute noch im englischen Buchhandel lieferbar, in Deutschland nur noch „Die neununddreißig Stufen“.

John Buchan ließ sich von 1919 bis 1935 im Elsfield Manor in dem winzigen Dorf Elsfield nördlich von Oxford nieder. Über sein Leben in Oxfordshire ist einiges in seiner Autobiografie „Memory Hold the Door“ (1940) nachzulesen, das zu John F. Kennedys Lieblingsbüchern gehörte.
John Buchan starb 1940 in Kanada; seine Asche wurde nach England zurückgebracht und auf dem Friedhof von St Thomas of Canterbury in Elsfield, ganz in der Nähe seines früheren Wohnhauses, beigesetzt.

Um sein Andenken kümmert sich heute die John Buchan Society: „The Society is dedicated to providing a resource for those who want to know more about John Buchan, to provide information to scholars and to those who have recently discovered his works alike.“

Die kleine Gemeinde von Elsfield unterhält eine exzellente Homepage, auf der man vieles über das Leben der Buchan-Familie im Dorf nachlesen kann.

Das Buch zum Artikel:
Mildred Masheder: Carrier’s Cart to Oxford – Growing Up in the 1920s in the Oxfordshire Village of Elsfield. Wychwood Press 2008. 140 Seiten. ISBN 978-1902279282 (Im Buchhandel vergriffen, aber problemlos antiquarisch erhältlich).

© Copyright David Luther Thomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

John Buchans Grab auf dem Kirchhof von St Thomas of Canterbury in Elsfield. - © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 27. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Grand Hotel in Brighton (East Sussex) – Viktorianisches Prachthotel direkt am Küstenboulevard

Eigenes Foto

Die Marine Parade und die King’s Road sind die beiden großen Boulevards, die sich in der Küstenstadt Brighton in East Sussex, direkt am Meer entlangziehen und die von zahlreichen Hotels gesäumt sind. Das Prachtstück ist hier das Grand Hotel, das 1864 erbaut wurde und sich damals an eine betuchte Klientel wandte. Es gehört heute der De Vere-Gruppe an, deren Hotels überwiegend im 4*-Bereich angesiedelt sind.
Das Grand Hotel in Brighton verfügt über 200 Zimmer und Suiten; die schönsten sind natürlich die mit Meeresblick. Zu den schönsten Suiten im Hause zählen die Josephine und die Fitzherbert Suites, die sich über zwei Etagen erstecken, und die Präsidentensuite.
Die Zimmerpreise sind für ein so gut gelegenes Hotel nicht besonders hoch; schon für £115 bekommt man ein Standard-Doppelzimmer mit Frühstück; ein Doppelzimmer mit Meerblick kostet etwa £165. Empfehlenswert sind natürlich auch immer die Sonderangebote, die Dinner, Bed & Breakfast umfassen.

Zum Lunch bzw. zum Abendessen trifft man sich im King’s Restaurant, einem beeindruckenden Raum mit Marmorsäulen und einem großen Kristalllüster.

Am 12. Oktober 1984 stand das Grand Hotel in den Schlagzeilen der Weltpresse, als die IRA während einer Konferenz der Conservative Party eine Bombe zündete, die die damalige Premierministerin Margaret Thatcher töten sollte. Fünf Menschen starben bei dem Anschlag und 34 wurden zum Teil schwer verletzt; doch die Eiserne Lady ließ die Konferenz nicht ausfallen, sondern eröffnete sie wie geplant mit einer Rede.

Bei dem Bombenanschlag wurde das Hotel stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass es eine Zeit lang schließen musste. Am 28. August 1986 wurde es wiedereröffnet, in Anwesenheit von Mrs. Thatcher.

The Grand
97-99 King’s Road
Brighton
East Sussex
BN1 2FW
Tel. 0118 971 4700

Das Buch zum Artikel:
Pamela Sydney Wilson: Home Was a Grand Hotel – Tales of a Brighton Belle. Book Guild Publishing 2008. 200 Seiten. ISBN 978-1846242595.

Eigenes Foto


Das Animals in War Memorial im Londoner Hyde Park – In Erinnerung an die heldenhaften Tiere der beiden Weltkriege

   © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen McKay and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Londoner Hyde Park, an der Park Lane, steht ein Denkmal, das an die vielen Tiere erinnert, die in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommen sind: Das Animals in War Memorial. Im Jahr 2004 wurde diese Gedächtnisstätte eröffnet, die von dem Bildhauer David Backhouse geschaffen wurde.

Angeregt wurde die Errichtung des Denkmal durch das Buch „Animals in War“ (liegt nicht in deutscher Übersetzung vor) der englischen Bestsellerautorin Jilly Cooper. Darin schreibt sie von den unzähligen Tieren, die den britischen Truppen geholfen haben wie z.B. den Minensuchhunden und den Brieftauben, die durch die Überbringung von Nachrichten zahlreichen Soldaten das Leben gerettet haben. Acht Millionen Pferde und zahllose Maultiere und Esel starben in den Kriegen.

David Backhouse gestaltete das Denkmal aus Portland-Stein und die Tiere wurden aus Bronze gegossen. Zwei schwer beladene Maultiere sind dort zu sehen, sowie ein Pferd und ein Hund. In Form eines Flachreliefs finden sich auf der Mauer zahlreiche Tiere, darunter auch ein Kamel und ein Elefant.
Unter der Inschrift „Animals in War“ finden sich die Worte:

This monument is dedicated to all the animals
that served and died alongside British and allied forces
in wars and campaigns throughout time

und daneben: „They had no choice„.

Die rund zwei Millionen Pfund, die das Memorial kostete, kamen ausschließlich durch Spenden zusammen.
Über die Dickin Medal, mit der Tiere, die sich im Kriegseinsatz verdient gemacht haben, ausgezeichnet werden, berichtete ich schon einmal in einem früheren Blogeintrag.

Dieser Film zeigt das Memorial im Londoner Hyde Park.

Das Buch zum Artikel:
Juliet Gardiner: The Animals‘ War – Animals in Wartime from the First World War to the Present Day. Portrait 2006. 192 Seiten. ISBN 978-0749951030.

   © Copyright David Hawgood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Hawgood and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 25. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Der Austin Maestro – Das „Schmuddelkind“ der britischen Autoindustrie

This work has been released into the public domain.

Von 1983 bis 1994 wurde er gebaut und rund 600 000 Exemplare wurden verkauft; die Rede ist vom Austin Maestro, ein Auto, das man nicht gerade einen „großen Wurf“ nennen konnte, denn beinahe im gleichen Maße wie neue Maestros die Fließbänder verließen, segneten bereits verkaufte Maestros das Zeitliche.

Überhaupt hatte damals die Herstellerfirma Austin keine glückliche Hand mit ihren Fahrzeugen. Der Vorgänger des Maestro, der Austin Allegro, war in mehreren Umfragen nach dem schlechtesten britischen Auto aller Zeiten häufig der Spitzenreiter. „Fliegendes Schwein“ wurde er wenig liebevoll genannt und bei einem Test im Windkanal hieß es, er wäre von hinten aerodynamischer als von vorn.

Der Autodesigner Roy Axe, der 1982 zu British Leyland stieß und die Pläne für neuen Maestro schon vorfand, war entsetzt: „Die Technik stammte aus den 50er Jahren, nicht aus den 80ern. Das Interieur war noch schlimmer. Das Armaturenbrett sah aus wie ein nasser Fisch. Das ganze Auto entsprang einer Denkweise, die vielleicht vor einigen Jahrzehnten modern war.“ Am liebsten hätte Axe das Auto komplett in „die Tonne getreten“, aber dafür war es zu spät.

Die schlechte Qualität des Fahrzeugs machte sich nach dem Kauf schnell bemerkbar: Die Bodenbleche waren häufig undicht, so dass bei Regen der Innenraum unter Wasser stand, es klapperte an allen Ecken und Enden („es klang wie ein Skelett, das in einer Blechbüchse masturbiert“) und Ölflecken auf dem Garagenboden waren Standard.
1994 wurde dem Elend ein Ende bereitet und die Produktion eingestellt, d.h.nicht ganz, denn ab 1995 wurde der Maestro für einige Monate in Bulgarien produziert. Doch selbst die nicht allzu autoverwöhnten Bulgaren wollten den Maestro nicht haben, ganze 200 Stück wurden im Land verkauft. Ca 600 wurden nach England exportiert und es brauchte vier Jahre bis alle Exemplare zu einem Schleuderpreis verkauft waren. Heute sind kaum noch Austin Maestros im Straßenverkehr zu sehen.

Der Maestro & Montego Owners Club, dem ca 300 Mitglieder angehören, hat sich dieser Fahrzeuge angenommen, und ich bin sicher, dass deren Exemplare liebevoll gehegt und gepflegt werden und technisch gut in Schuss sind; ein Schicksal, das hunderttausenden anderer Maestros versagt blieb.

Einige Informationen über den Maestro habe ich dem Buch „You Are Awful (But I Like You)“ von Tim Moore (Jonathan Cape 2011) entnommen, der mit einem Maestro auf einer Rundreise die hässlichsten Städte Großbritanniens aufgesucht hat (ein Buch, das ich demnächst in meinem Blog vorstellen werde).

Published in: on 24. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Chislehurst Caves in Kent – Von Champignonzucht, Luftschutzbunkern und Rockkonzerten

Author: Secret London. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 1.0 Generic license.

Im äußersten Südosten von London, schon in der Grafschaft Kent gelegen, befinden sich die Chislehurst Caves, ein Labyrinth von Tunneln, die sich über 35 km erstrecken. Wann diese von Menschenhand gemachten Tunnel entstanden sind, ist nicht mehr genau feststellbar; Mitte des 13. Jahrhunderts wurden sie erstmals erwähnt und man baute hier Kreide und Feuerstein ab.

Nachdem der Bergbau in Chislehurst etwa Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, nutzte man das Stollen-/Höhlen-/Tunnellabyrinth für die unterschiedlichsten Zwecke. Im 1. Weltkrieg wurde hier Munition gelagert, dann züchtete man Champignons und im 2. Weltkrieg dienten die unterirdischen Gänge als Luftschutzbunker, in denen bis zu 15 000 Menschen Zuflucht finden konnten.

In den 1960er Jahren wurden hier Rockkonzerte veranstaltet, bei denen so illustre Gäste wie die Rolling Stones und Pink Floyd auftraten. Auch einige Fernseh- und Spielfilme wurden in den Chislehurst Caves gedreht, beispielsweise 1981 der Horrorfilm „Inseminoid“ (dt. „Samen des Bösen“) oder Szenen der BBC-Serie „Merlin“ (dt. „Merlin – Die neuen Abenteuer“, von RTL gezeigt).

Die Heavy Metal-Band Cradle of Filth aus Suffolk nahm hier 2008 ihr Musikvideo „Honey and Sulphur“ auf.
Das Team der Geisterjäger von „Most Haunted“ hat sich die Tunnel in Kent auch schon vorgenommen; hier ihr Bericht.

Man kann die Chislehurst Caves auf geführten Touren kennenlernen, die mittwochs bis sonntags durchgeführt werden, 45 Minuten dauern und £5 kosten. Dieser Film gibt einen Eindruck von den unterirdischen Touren.

Chislehurst Caves
Caveside Close
Old Hill
Chislehurst
Kent
BR7 5NL
Tel. 020 8467 3264

Das Buch zum Artikel:
James Wilkinson: The Ghosts of Chislehurst Caves. Greenlight Publishing 2011. 112 Seiten. ISBN 978-1897738436.

The Yorkshire Wheel – Die neue Attraktion für die Stadt York

Das neue Yorkshire Wheel auf dem Gelände des Royal York Hotels. - Copyright: Richard North (creative commons)
http://richardnorth.net

Es war einmal ein Riesenrad, das man Yorkshire Wheel nannte, und das viele liebten und einige hassten. Von 2006 bis 2008 war es am National Railway Museum in York aufgestellt. Allein in den ersten sechs Monaten fuhren über 200 000 Menschen mit dem 54 m hohen Riesenrad, das völlig neue Ausblicke auf die schöne Stadt im Norden Englands bot. Im Vorfeld gab es schon Streit darüber, wo das eindrucksvolle Yorkshire Wheel aufgestellt werden sollte. Man einigte sich auf das Gelände etwas außerhalb des Zentrums in der Nähe des Bahnhofs.
Die für den Tourismus der Stadt Verantwortlichen wollten das Riesenrad gern für immer dort stehen lassen, aber am 2. November 2008 wurde es abgebaut.

Bald begannen neue Diskussionen darüber, ob man die Touristenattraktion nicht wieder aufstellen sollte und wenn ja, wo. Mehrere Standorte wurden ins Gespräch gebracht, wieder verworfen, bis man sich darauf einigte, das Yorkshire Wheel auf dem Gelände des Royal York Hotels, nicht weit von dem früheren Standort, zu errichten. Am 13. Dezember 2011 war es dann endlich soweit; jetzt dreht das schneeweiße Riesenrad wieder täglich seine Runden von 10 Uhr bis 21 Uhr. £8.50 kostet eine Fahrt für Erwachsene, £5 für Kinder.

Inspiriert wurde das Yorkshire Wheel natürlich vom London Eye, das allerdings mit 135m wesentlich größer ist. Die Form der „pods“ genannten Kabinen erinnern sehr an den großen Bruder in London.
Wie es zurzeit aussieht, soll das Riesenrad bis zum Januar 2013 stehenbleiben.
Hier ist ein Film über das neue Yorkshire Wheel.

Copyright: Richard North (creative commons)
http://richardnorth.net

Published in: on 21. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Rye in East Sussex – Sehenswerte Stadt mit mittelalterlichem Charakter

Cottages gegenüber von St Mary’s. – Eigenes Foto.

Vor kurzem übernachtete ich wieder einmal im Mermaid Inn in dem wunderschönen Rye in East Sussex, für mich eine der hübschesten Kleinstädte in Südengland. Wenn man durch die kopfsteingepflasterten Straßen geht, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Nachdem wir die enge Torbogendurchfahrt zum Hotelparkplatz gemeistert und eingecheckt hatten, machten wir uns auf zu einem Bummel durch die mittelalterliche Stadt. Die Mermaid Inn habe ich in einem früheren Blogeintrag schon vorgestellt.
Keine 50m vom Hotel entfernt, findet man das Lamb House, in dem der US-amerikanische Schriftsteller Henry James von 1898 bis 1916 lebte. Eine Plakette an der Hauswand erinnert an ihn. Noch zwei weitere Schriftsteller ließen sich im Lamb House nieder: Rumer Godden und Edward Frederic Benson, die heute allerdings kaum noch gelesen werden.

Gleich um die Ecke herum vom Lamb House liegt die Kirche St Mary’s, deren Turmuhr besonders hervorzuheben ist. Der Kirchhof mit seinen alten Grabsteinen wird von malerischen Fachwerkhäusern umschlossen.

Ein paar Gehminuten weiter steht der hübscheste Pub von Rye „Ye Olde Bell Inn„, der schon 1m 15. Jahrhundert erbaut wurde und, genauso wie The Mermaid, im 18. Jahrhundert fest in den Händen von Schmugglern war. Beide sollen durch einen unterirdischen Gang verbunden sein.
Es gibt zahlreiche, idyllisch gelegene Tea Rooms in der Stadt wie „The Cobbles“ oder „Fletcher’s House“ direkt neben der Kirche.

Rye lag früher einmal direkt am Meer; heute ist die Küste ca 3 km entfernt. Der Ort gehört noch immer zu den Cinq Ports, einem Zusammenschuss von Hafenstädten an der englischen Südküste.

Über Rye ließe sich natürlich noch sehr viel mehr sagen; mein Beitrag soll auch nur dazu dienen, Appetit auf diese schöne alte Stadt zu machen. Ich meine, dieser Film fängt die Atmosphäre der Stadt in East Sussex gut ein.

Das Buch zum Artikel:
Alan Dickinson: Rye Through Time. Amberley Publishing 2011. 96 Seiten. ISBN 978-1848684737.

Ye Olde Bell. – Eigenes Foto.

Fletcher’s Tea Rooms neben St Mary’s. – Eigenes Foto.

Plakette am Lamb House. Eigenes Foto.

Plakette am Lamb House.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 20. März 2012 at 02:00  Comments (8)  
Tags:

Wer war eigentlich…Selfridges?

Selfridges an der Londoner Oxford Street. - © Copyright Martin Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Hierarchie der Londoner Edel-Warenhäuser, die von Harrods angeführt wird, steht an zweiter Stelle Selfridges, das in der Oxford Street beheimatet ist.
Woher kommt denn der Name Selfridges?

Harry Gordon Selfridge (1864-1947) war der Gründer des Kaufhauses und er war Amerikaner, der im US-Bundesstaat Wisconsin geboren wurde. In Chicago sammelte Selfridge Erfahrung in der Warenhauskette Marshall Field, in der er die Karriereleiter emporkletterte und sich ein beträchtliches Vermögen erwarb. Von ihm soll der Spruch „Der Kunde hat immer recht“ stammen.

1906 reiste Selfridge nach London und stellte fest, dass es in der britischen Haupstadt kein, nach seinen Vorstellungen, „vernünftiges“ Kaufhaus gab. Also investierte er £400,000 und baute an der Oxford Street ein Warenhaus, das, basierend auf seinen Erfahrungen aus den USA, neue Maßstäbe setzen sollte.

Am 15. März 1909 wurde Selfridges eröffnet, mit Neuerungen, die es in Großbritannien bis dahin nicht gab: Das Haus offerierte elegante Restaurants, eine Bibliothek, Lese- und Schreibzimmer und man tat alles, damit sich die Kunden wohl fühlten und möglichst lange im Haus blieben, um natürlich für entsprechenden Umsatz zu sorgen.

Das Kaufhaus an der Oxford Street florierte, erlebte aber auch seine dunklen Zeiten; so wurde es im 2. Weltkrieg mehrfach von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Sein Gründer, der bereits in der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, starb 1947 in London fast mittellos und wurde in Highcliffe (Dorset) im St Marks Churchyard begraben; dort hatte Selfridge früher jahrelang im Highcliffe Castle gewohnt.

Heute gibt es neben dem Flagschiff an der Oxford Street noch drei weitere Selfridges, in Birminghams Bullring Shopping Centre und zwei in Manchester, einmal im Exchange Square und einmal im Trafford Centre.

Dieser Film zeigt das Haupthaus in London.

Selfridges
400 Oxford Street
London
W1H 6HB
Tel. 0800 123400

Das Buch zum Artikel:
Lindy Woodhead: Shopping, Seduction & Mr Selfridge. Profile Books 2008. 336 Seiten. ISBN 978-1861971692.

Harry Gordon Selfridge. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

Selfridges im Trafford Centre in Manchester. - The copyright holder releases this work into the public domain.

Published in: on 19. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Bledlow in Buckinghamshire

Die Kirche Holy Trinity in Bledlow. Von dem Turm sprang Reverend Stephen Wentworth in den Tod.- Eigenes Foto.

Auf unserer Rundreise zu den Drehorten der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ mussten wir natürlich unbedingt auch in Bledlow in Buckinghamshire haltmachen, denn hier wurde eine der besten Episoden gedreht, die Nummer 6 „Death’s Shadow“ (dt. „Der Schatten des Todes“), in der der großartige Richard Briers als Reverend Stephen Wentworth zu sehen ist. Der Kirchenmann beendet sein Leben, indem er vom Turm seiner Kirche springt, wofür das Produktionsteam die Holy Trinity Church in Bledlow ausgesucht hat.

Wir kamen an einem kühlen Januarnachmittag in Bledlow an und außer uns war auf dem Kirchhof keine Menschenseele zu sehen. Es war sehr ruhig, nur der Wind rauschte in den Bäumen; die Kirche war leider verschlossen. Hier wurde auch Episode 21 „A Worm in the Bud“ (dt. „Die Hexe von Setwale Wood“) gedreht.

Überhaupt war Bledlow ziemlich menschenleer. Von der Kirche bis zum Pub, dem zweiten, häufig aufgesuchten Drehort im Dorf, sind es gut 150 m. „The Lions of Bledlow“ wurde nach meinen Berechnungen acht Mal für „Inspector Barnaby“-Episoden benutzt. Aber auch andere Fernsehproduktionsteams waren hier schon zu Gast; so z.B. die von „Miss Marple“ und die von „The Four Feathers (dt. „Die vier Federn“) mit Heath Ledger und Kate Hudson in den Hauptrollen.

„The Lions of Bledlow“, ein Pub aus dem 16. Jahrhundert, den John Nettles besonders mochte, kommt u.a. in den Folgen „Dead Men’s Eleven“ (dt. „Sport ist Mord“), „King’s Crystal“ (dt. „Ein Sarg aus China“) und „Blue Herrings“ (dt. „Drei tote alte Damen“) vor. An warmen Sommertagen kann man hier draußen vor dem Pub sitzen und vielleicht ein Pint Wadworth 6X trinken oder eines der Gastbiere und dazu ein Scotch Rib Eye Steak with chips & Traditional Trimmings verzehren. Im Winter kann man es sich vor dem großen Kamin gemütlich machen.  Die „Löwen von Bledlow“ sind ein Free House, also an keine Brauerei gebunden.

Bledlow liegt an der B4009, südwestlich von Princes Risborough an der Grenze zu Oxfordshire und sollte bei einer Barnaby-Rundreise unbedingt angesteuert werden!

…und noch einmal der todbringende Turm.- Eigenes Foto.

The Lions of Bledlow. – Eigenes Foto.

Published in: on 17. März 2012 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Heute vor 50 Jahren in den britischen Charts: „Wonderful Land“ von den Shadows

Im März 1962 standen die Shadows, Cliff Richards Begleitband, wieder einmal ganz oben in den britischen Charts mit „Wonderful Land„, einem wirklich wunderschönen Titel, einer Hommage an die USA.
Geschrieben wurde das Stück von Jerry Lordan (1934-1995), einem englischen Komponisten, der auch für den wohl bekanntesten Song der Shadows, nämlich „Apache„, verantwortlich war.
1961 wurde „Wonderful Land“ aufgenommen und zwar in der Shadows-Besetzung Hank Marvin, Bruce Welch, Jet Harris und Tony Meehan. Die letzten beiden sollten bald durch Brian Bennett und Brian Locking ersetzt werden.

Acht Wochen lang stand die Platte auf Platz 1 der britischen Charts, bis sie von einem anderen Instrumentaltitel verdrängt wurde, von „Nut Rocker“ der US-Band B. Bumble & The Stingers.

1980 spielte Mike Oldfield eine Coverversion von „Wonderful Land“ ein und 1993 nahm „Shadow“ Hank Marvin zusammen mit Mark Knoepfler noch einmal Jerry Lordans Song auf (hier zu hören).

Hier ist „Wonderful Land“ in der Originalbesetzung zu sehen und zu hören.

Published in: on 16. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Thimble Hall in Youlgreave (Derbyshire) – Das kleinste freistehende Haus der Welt

© Copyright Peter Barr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thimble Hall (das „Fingerhut-Haus“) steht im Guinness Book of Records als das kleinste freistehende Haus der Welt mit gerade einmal 3,12m x 3,71m  Grundfläche und einer Höhe von 3,61m; eigentlich kein Wohnort für eine kinderreiche Familie, doch soll hier vor 100 Jahren tatsächlich einmal eine achtköpfige Familie gewohnt haben.

Thimble Hall liegt in Youlgreave in Derbyhire, mitten im Peak District, nur einige Kilometer südwestlich von Bakewell. Besonders komfortabel geht es in dem Miniaturhaus nicht zu. Statt einer Treppe gibt es eine Leiter; Bad, Küche und fließendes Wasser: Fehlanzeige.

1999 wurde Thimble Hall versteigert und man erwartete einen Verkaufspreis von £5,000 bis £15,000. Doch da irrte man gewaltig, denn verkaufte wurde das Häuschen für £39,500. Interessenten gab es u.a. in Hongkong und New York; Uri Geller bot mit, doch den Zuschlag bekam die Firma Frederick’s of Chesterfield, eine alteingesessene Firma, die Eiscreme herstellt und u.a. auch einen Laden in Bakewell hat.
Wenn man einmal den Quadratmeterpreis für Thimble Hall berechnet, kommt man schnell auf Preise wie sie in den besten Wohnlagen von London gefordert werden.
Zurzeit wird das kleine Haus vorsichtig und sorgfältig renoviert und soll einmal für Ausstellungen lokaler und regionaler Künstler dienen.

Hier ist ein kleiner Film über Youlgreave im Peak District zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Malcolm Fawbert: Tales from Thimble Hall – Mrs. Stopper’s Bottle. Strategic Book Publishing 2010. 26 Seiten. ISBN 978-1608603442.

Uplees in Kent – Hier ereignete sich eine der folgenschwersten Explosionen in der Geschichte Großbritanniens

Gebäudereste, wo einst die Munitionsfabriken in der Marschlandschaft von Kent standen. – © Copyright Penny Mayes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Uplees ist ein kleines Dorf, das ein paar Kilometer nördlich von Faversham in der Grafschaft Kent liegt. Hier ereignete sich am 2. April 1916 um 14.20 Uhr eine der größten Explosionen der britischen Geschichte.
Zwei Firmen hatten sich hier auf dem gleichen Gelände in Uplees angesiedelt, die Cotton Powder Company und die  Explosives Loading Company. An jenem Tag im April, einem wunderschönen warmen Sonntag, hatten einige leere Säcke bei der Explosives Loading Company Feuer gefangen, was dazu führte, dass 15 Tonnen TNT und 150 Tonnen Ammoniumnitrat, die hier gelagert waren, explodierten. 109 Menschen kamen bei dieser gewaltigen Explosion ums Leben, viele wurden schwer verletzt.

Man hatte die Munitionsfabriken extra in dieser abgelegene Region im nördlichen Kent gebaut, andernfalls hätte das Unglück sicher noch mehr Menschenleben gefordert. Die Druckwelle der Explosion war so stark, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Themsemündung, in Southend-on-Sea, noch zahlreiche Fenster zu Bruch gingen und man den Explosionsknall noch in der Grafschaft Norfolk hören konnte.

Man hatte in der Fabrik zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um so ein Unglück zu vermeiden:  Die Schienen der Werksbahn bestanden aus Holz, um Funkenflug zu vermeiden; die Hufeisen der dort eingesetzten Pferde waren aus Messing statt aus Eisen; es gab eine eigene Werksfeuerwehr, die über große Mengen an Löschwasser verfügte, aber es half alles nichts.
Ein großer Teil der Opfer wurde auf dem Friedhof von Faversham in einem Massengrab beigesetzt.

Fast 100 Jahre sind vergangen. In dieser verlassenen Gegend von Kent werden schon lange keine Explosivstoffe mehr hergestellt und kaum noch etwas erinnert mehr an dieses schwere Unglück aus der Zeit des 1. Weltkriegs.

In diesem Massengrab in Faversham fanden viele Opfer des Unglücks ihre letzte Ruhestätte. – © Copyright pam fray and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 14. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

East Lambrook Manor Gardens in Somerset – Die Wiege des englischen Cottage Gardens

© Copyright Ray Beer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eigentlich hatte die Journalistin Margery Fish (1888?-1969) mit Gärten gar nichts am Hute; auch ihr Ehemann Walter, Nachrichtenredakteur bei der Daily Mail als sie ihn kennenlernte, war alles andere als ein Gartenfachmann; und doch sollten die Fishs, besonders Margery, in die Geschichte des englischen Gartenbaus eingehen.

1938 verließ das Journalistenehepaar am Vorabend des 2. Weltkriegs die  Großstadt London und zog in das ländliche Somerset, wo sie das heruntergekommene East Lambrook Manor kauften, ein nicht allzu großes Herrenhaus aus der Tudor-Zeit. Margery und Walter krempelten die Ärmel hoch, um aus ihrem neuen Anwesen wieder etwas zu machen; auch der total verwilderte Garten wurde neu gestaltet, was Margery so gut gelang, dass East Lambrook Manor heute als „Home of English Cottage Gardening“ gilt.

So begeistert war Margery Fish von der Arbeit in ihrem Garten, dass sie mehrere Bücher darüber schrieb, von denen auch einige ins Deutsche übersetzt wurden. In „We Made a Garden„, das 1956 erschien, schildert sie wie sie und ihr Mann aus der Wildnis einen blühenden Garten erschufen. Es folgten Bücher mit den Titeln „Cottage Garden Flowers“, „Gardening in the Shade“ oder „Carefree Gardening“.

Nach Margery Fishs Tod im Jahr 1969 wechselte East Lambrook Manor mehrfach die Besitzer, aber alle legten Wert darauf, den so liebevoll gestalteten Garten so gut wie möglich zu erhalten.

Heute sind die East Lambrook Manor Gardens ein beliebtes Ausflugsziel. In diesem Jahr sind die Gärten seit Februar geöffnet; die Schneeglöckchen „läuteteten“ wie immer die neue Saison ein. Hier ist ein Februar-Spaziergang durch die Gärten zu sehen, in denen die „Snowdrops“ die Hauptrolle spielen.

East Lambrook Manor Gardens
South Petherton
Somerset, TA13 5HH
Tel: 01460 240 328

Das Buch zum Artikel:
Timothy Clark: Margery Fish’s Country Gardening. Garden Art Press 1999. 192 Seiten. ISBN 978-1870673310

© Copyright Sarah Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 13. März 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Aylsham in Norfolk – Eine Kleinstadt mit hoher Lebensqualität

© Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

15 km nördlich von Norwich an der A140 in Norfolk liegt eine kleine Marktstadt namens Aylsham, die sich seit Jahren darum bemüht, ihren Bürgern eine hohe Lebensqualität zu bieten. Die Grundvoraussetzung war schon einmal da, nämlich ein gut erhaltenes Stadtgefüge mit vielen hübschen historischen Häusern.

Aylsham nahm 2005 an dem Wettbewerb „International Awards for Liveable Communities“ teil und gewann in der Kategorie „Städte bis zu 20 000 Einwohnern“ die Silbermedaille. Doch man ließ es dabei nicht bewenden; im Jahr 2008 wurde Aylsham die erste Plastic Bag Free Town in Norfolk; Plastikeinkaufstaschen sind in der Stadt absolut verpönt.

2008 wurde ein neuer Tesco-Supermarkt in Aylsham eröffnet, was ursprünglich auf starken Widerstand in der Bevölkerung stieß. Tesco machte aber Zugeständnisse und baute hier den „grünsten Supermarkt der Welt„, der ausschließlich aus Holz, recyclebarem Plastik und umweltfreundlichen Materialien erbaut wurde. Auch das Design des Marktes wurde auf Drängen der Bevölkerung verändert und ihren Vorstellungen angepasst.

Weiterhin hat sich die kleine Stadt in Norfolk der Cittaslow-Bewegung angeschlossen, einer in Italien entstandenen Initiative, die auf Entschleunigung setzt, die Lebensqualität in Städten in den Mittelpunkt stellt und sich gegen die „Amerikanisierung“ der Städte stellt, d.h. gegen die Verödung der Einkaufsstraßen, die immer häufiger nur noch aus austauschbaren Kettenläden bestehen. Nach Ludlow in Shropshire ist Aylsham die zweite englische Cittaslow-Stadt; auch das südlich von Norwich gelegene Diss in Norfolk hat sich der Bewegung angeschlossen.

Ich finde es immer wieder großartig, dass sich kleinere oder größere Orte aus eigener Initative gegen den allgemeinen Trend stellen und sich tatkräftig für die Erhaltung ihrer Lebensqualität einsetzen.

Der neue Tesco-Superstore in Aylsham, "the greenest store in the world". - © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 12. März 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Wells in Somerset – Die Stadt der intelligenten Schwäne

Hier leben die intelligenten Schwäne, im Wassergraben des Bishop's Palace in Wells. - © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Es gibt zwei Gründe, warum viele Touristen nach Wells in Somerset kommen: Da ist einmal die großartige Kathedrale und dann ist da noch der Bishop’s Palace. Letzterer ist von einem Wassergraben umgeben… und richtig, es gibt noch einen dritten Grund, warum es viele Menschen zu diesem „moat“ zieht, nämlich die Schwäne. Die Schwäne von Wells sind etwas Besonderes, denn sie können, wenn sie hungrig sind, sich ihr Futter ganz einfach herbeirufen; nicht über einen Bringdienst, viel einfacher: Sie betätigen einfach eine Glocke und schon wird ihnen ihr Lieblingsfutter gereicht.

Da Schwäne auch nicht ewig leben, kommen natürlich immer wieder neue in den Wassergraben; zum 800jährigen Bestehen des Bischofspalastes schenkte die Queen dem Bischof von Bath and Wells vier Schwäne aus ihrem eigenen umfangreichen Bestand und diesen musste dann die Kunst des „bell-ringing“ beigebracht werden. So haben sich die intelligenten Schwäne von Wells im Laufe der Zeit zu einer Touristenattraktion entwickelt.

Anlässlich des diesjährigen Queen’s Diamond Jubilee kam man in Wells auf eine Idee wie man das Thema „Schwäne“ noch zusätzlich als Touristenmagnet verwenden kann. Von Juni bis September wird man in der Stadt 60 Schwanskulpturen aufstellen (60=60jähriges „Dienstjubiläum“ der Queen). Ein künstlerisch begabtes Team wird die Tiere aus Fiberglas herstellen. Die Aktion „Swans of Wells 2012“ wird im Oktober mit einer großen Auktion zu Ende gehen, bei der man die Kunstwerke ersteigern kann.

Hier ist ein Film, der einen Schwan im Wassergraben des Bishop’s Palace beim „bell-ringing“ zeigt.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Tudsbery-Turner: Wells Through Time. Amberley Publishing 2011. 96 Seiten. ISBN 978-1848689060.

Published in: on 11. März 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Die Beckton Gas Works in London – Idealer Drehort für Endzeit-Filme und Musikvideos

Die ehemaligen Ruinen der Beckton Gas Works. Author: Graham Smith.This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

1810 entstand im Osten Londons, nur ein paar Schritte von der Themse entfernt, ein riesiges Gaswerk, das Gas durch Kohlevergasung in einer Kokerei erzeugte; diese Beckton Gas Works  sollen die größten der Welt gewesen sein. 1969/70 wurde das Werk geschlossen, weil Erdgas, das in der Nordsee gefunden wurde, kostengünstiger war. Was zurückblieb war eine triste Industrielandschaft mit Abraumhalden und Ruinen, die sehr bald von Filmproduzenten entdeckt wurde.

Der wohl berühmteste Film, der in den Beckton Gas Works gedreht wurde, war Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ aus dem Jahr 1987. Kubrick gestaltete die Ruinenlandschaft um und aus den Gas Works wurde eine vietnamesische Stadt, in der US-Soldaten im Vietnamkrieg gegen die Vietcong kämpfen. Das sah alles täuschend echt aus und man kam beim Betrachten des Films nicht auf die Idee, dass ein paar hundert Meter weiter hinter der „vietnamesischen Stadt“ der Londoner Verkehr brauste.
Hier ist der Trailer zu sehen und hier der „Mickey Mouse Song„, der den Film beendet.

Regisseur Michael Redford nutzte u.a. auch die Beckton Gas Works für seinen Film „1984„, der  passenderweise 1984 in die Kinos kam. In den Hauptrollen waren John Hurt und Richard Burton zu sehen. Hier ist der Trailer zu „1984“.

James Bond alias Roger Moore musste 1981 sich in „For Your Eyes Only“ (dt. „In tödlicher Mission“) gleich am Anfang des Films mit einem ferngesteuerten Hubschrauber herumschlagen, der ihm über den Beckton Gas Works beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Von oben kann man die Industrielandschaft besonders gut sehen. Hier ist die Szene.

Aber auch zahlreiche Musikvideos wurden auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks gedreht, z.B.
The Smiths: The Queen is Dead.
Outfield: Since You’ve Been Gone.
Loop: Arc-Lite.
The Nubiles: Without Waking.

Heute befindet sich das Ost-Londoner Terrain in einem großen Umstrukturierungsprozess mit neuen Firmenansiedlungen. Von der alten Ruinenlandschaft ist fast nichts mehr übriggeblieben. Schade für Filmproduzenten und Regisseure…

Published in: on 10. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp – Rosina Harrison: The Lady’s Maid – My Life in Service

 

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

35 Jahre stand Rosina Harrison als Lady’s Maid in Diensten der Multi-Millionärin Nancy Astor. 1929 trat die in North Yorkshire geborene Harrison ihre Stelle an und blieb bis zum Tode Lady Astors deren engste Vertraute.

In ihrem Buch „The Lady’s Maid: My Life in Service„, das erstmals 1975 erschien, schildert Rosina Harrison ihr Leben an der Seite der Frau, die 1919 das erste weibliche Parlamentsmitglied des Vereinigten Königreiches wurde. Es war nicht einfach, es Lady Astor immer recht zu machen. Eine Sieben-Tage-Woche mit bis zu 18 Stunden Arbeit pro Tag war nicht unüblich und der Lohn dafür äußerst mäßig. Harrison lernte dafür den gesamten Hochadel Großbritanniens und weitere wichtige Persönlichkeiten kennen, die bei den Astors häufig zu Gast waren.

Nancy und Waldorf Astor hatten mehrere Wohnsitze in Großbritannien. Ihr Londoner Domizil befand sich am St James’s Square, dort, wo heute der Naval and Military Club untergebracht ist. In Kent hatten sie ein sehr schönes Haus, Rest Harrow, an der Bucht von Sandwich. In Plymouth wohnten die Astors in No. 3 Elliot Terrace und im hohen Norden hatten sie ein farmähnliches Anwesen, die Tarbert Lodge, auf der Isle of Jura in Schottland.
Das Glanzstück der Wohnsitze aber war Cliveden bei Taplow in Berkshire. Hier hielten die Astors Empfänge ab, bei denen bis zu 1000 Personen anwesend waren. Da hatte das zahlreiche Personal, das in Cliveden eingesetzt war, alle Hände voll zu tun.

Rosina Harrisons Buch gibt einen sehr interessanten Einblick in das Upstairs/Downstairs-Leben und manches erinnert sehr stark an die englische TV-Serie „Downton Abbey“.

Noch einige Worte zu Cliveden. 1984 wurde das wunderschöne Haus in ein 5-Sterne-Luxushotel umgewandelt, über das ich in einem meiner früheren Blogeinträge schon berichtete. Es ist eines der schönsten und komfortabelsten Hotels, in denen ich je gewohnt habe, mit einem exzellenten Service. In der grandiosen Hotelhalle hängt jenes berühmte Bild von Lady Astor, das John Singer Sargent 1909 von ihr anfertigte. Ich hatte das Vergnügen, direkt neben diesem Bild meinen After-Dinner-Drink zu mir zu nehmen.

Das Hotel, das Michael Jackson aus einer Laune heraus einmal kaufen wollte, nachdem er sich eine Zeit lang in der Lady Astor Suite eingemietet hatte, hat im Februar 2012  den Besitzer gewechselt und gehört jetzt der Firma London & Regional Properties.

Rosina Harrison: The Lady’s Maid – My Life in Service. Ebury Press  2011. 355 Seiten. ISBN 978-0-09194-351-6.

Lady Nancy Astors Bild in der Hotelhalle von Cliveden. – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Unser Besuch im Cliveden Hotel fand im Winter statt. – Eigenes Foto.

Published in: on 9. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

James Smith & Sons – Londons Regenschirmhersteller Nummer Eins

   © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen McKay and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der „Guardian“ zählt James Smith & Sons zu den besten 10 Geschäften Londons und sagte einmal, was der Rolls Royce für Autos ist, ist James Smith & Sons für die Regenschirme. Eine höhere Anerkennung kann man sich wohl kaum vorstellen.

Es ist schön, dass es in der britischen Hauptstadt noch so viele traditionelle, alteingesessene Firmen gibt, die sich auf Nischenprodukte spezialisiert haben. In meinem Blog habe ich einige bereits vorgestellt.

James Smith & Sons existiert bereits seit 1830 und seit 1857 steht das Ladengeschäft im Hazelwood House in der New Oxford Street. Einen Namen machte sich die Firma einmal auf Grund der hervorragenden Qualität ihrer Regenschirme, ihres exzellenten Reparaturservices und dadurch, dass sie Berühmtheiten mit ihren Produkten belieferte.
Das Londoner Geschäft hat sich seit seinem Bestehen kaum verändert; die Schirme werden nach wie vor im Untergeschoss des Hauses in der New Oxford Street hergestellt. Neben Regenschirmen bietet James Smith & Sons auch Spazierstöcke an. In früheren Zeiten gehörte ein Spazierstock einfach zu einem Gentleman dazu; heute dienen sie überwiegend als Gehhilfen. Aber auch hier gibt es Spezialanfertigungen wie z.B. den „Drinking stick“ für £445, der zwei Gläser und eine Flasche enthält (die sicher nicht mit Tee gefüllt wird) oder den „Pipe stick“, bei dem man aus dem abgeschraubten Griff eine Pfeife herbeizaubern kann.

Die Firma bietet eine riesige Auswahl an Regenschirmen an; da gibt es die „Classic city umbrellas“, „Sun umbrellas“ oder die „Ladies animal heads“; letztere haben einen Tierkopfgriff, der z.B. aus dem Kopf einer Ente, eines Papageien oder einer Katze bestehen kann.
Auch wenn man sich keinen Schirm oder Stock (die vermutlich ein Leben lang halten werden) zulegen möchte, ein Blick in die Schaufenster von James Smith & Sons in der New Oxford Street ist sehr interessant.

James Smith & Sons Ltd
Hazelwood House
53 New Oxford Street
London
WC1A 1BL
Tel. 020 7 836 4731

Das Buch zum Artikel:
William Sangster: Umbrellas and Their History. Dodo Press 2007. 52 Seiten. ISBN 978-1406538595.

Published in: on 8. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Bradshaw’s Handbook – Was macht ein Eisenbahnführer aus dem 19. Jahrhundert auf den britischen Bestsellerlisten?

Auf den britischen Bestsellerlisten findet sich seit einigen Wochen ein Buch, das bereits im Jahr 1863 erschienen ist: „Bradshaw’s Handbook“ von George Bradshaw.
Wie kommt das?
„Schuld“ daran hat wieder einmal eine Fernsehsendung. Die BBC strahlte Anfang diesen Jahres bereits die dritte Staffel der Serie „Great British Railway Journeys“ aus; darin fährt Michael Portillo, der früher einmal Verteidigungsminister im Kabinett von John Major war, das britische Eisenbahnnetz ab, unter Zuhilfenahme eben jenes Handbuches aus dem Jahr 1863, um zu sehen, was sich so alles seit jener Zeit verändert hat.

George Bradshaw war ein Kartograph aus Manchester, der die ersten Kursbücher für die englische Eisenbahn veröffentlichte. In seinem „Railway Companion“ beschrieb Bradshaw jede einzelne Linie mit den dazugehörenden Bahnhöfen; er nannte die in der Nähe gelegenen Hotels und die Sehenswürdigkeiten, so dass er den ersten Eisenbahntouristen der viktorianischen Zeit einen wertvollen und hilfreichen Führer an die Hand gab.
Ein Beispiel für den Aufbau des Führers anhand des Ortes Sandown auf der Isle of Wight:
Sandown
A telegraph station
Hotels: Star and Garter
Coaches to and from Ryde and Newport, daily
Money Order Office at Shanklin
Sandown, a bathing place, with a fine sweep of sandy beach, and an old fort

Das Facsimile des Originalhandbuchs umfasst 512 Seiten und ist bei Old House Books erschienen (ISBN 978-1908402028). Der Begriff „Bradshaw“ für Eisenbahn-Kursbücher blieb hängen; so gab es auch einen „Bradshaw“ für Europa.

„Great British Railway Journeys“ ist eine interessante Sendung, die in Großbritannien sehr populär ist. Sie liegt in Buchform vor (Collins 2011, ISBN 978-0007394760) und die ersten beiden Staffeln sind auf DVD erhältlich.
Hier ist der erste Teil der ersten Staffel zu sehen.

George Bradshaw. - This image is in the public domain due to its age.

Die Cotswolds – Rückzugsort zahlreicher Prominenter

Die Cotswolds in Gloucestershire. – Eigenes Foto

Die Cotswolds in Gloucestershire und Oxfordshire. – Eigenes Foto.

Außerhalb Londons gibt es in ganz England keine solche „Prominentendichte“ wie hier in den Cotswolds. Eine wunderschöne Landschaft, die Ruhe und die nicht allzu große Entfernung zu London sind sicher die wesentlichen Gründe, warum sich hier so viele Prominente, vor allem aus Film und Fernsehen, niedergelassen haben.

Hier sind einige Beispiele:

Der international bekannte Künstler Damien Hirst hat sich etwas ganz Besonderes gegönnt, nämlich Toddington Manor in Gloucestershire. Der superreiche Künstler hat im Jahr 2004 dieses riesige Anwesen mit 300 Zimmern für £3 Millionen gekauft. Ich kenne Toddington Manor noch, als es über 20 Jahre hinweg danieder lag. Madonna soll mal mit dem Gedanken gespielt haben, das Anwesen zu kaufen. Jetzt steckt Damien Hirst in die Renovierung von Toddington Manor noch einmal £10 Millionen hinein.

Hugh Grants Melksham Court wirkt dagegen bescheiden. Das aus dem 16./17. Jahrhundert stammende Haus liegt in Stinchcombe in Gloucestershire, ein paar Kilometer von Stroud entfernt und in Gehnähe zu dem Golfplatz Stinchcombe Hill, also ideal für den golfverrückten Schauspieler.

Nicht weit von Hugh Grant entfernt wohnt seine Ex-Freundin Elizabeth Hurley. Ihre abgelegene Farm ist in Ampney Knowle, bei Barnsley, ebenfalls in Gloucestershire zu finden. Auf der Farm, die sie für £2.75 Millionen gekauft hat, gibt es u.a. auch Gloucester Old Spot-Schweine, deren Wurst Liz Hurley hin und wieder auf dem Cirencester Market selbst verkaufen soll. Möglicherweise steht ein Verkauf der Farm an.

Die Sängerin und Schauspielerin Lily Allen hat sich ebenfalls in Gloucestershire niedergelassen. Sie wohnt in der Nähe von Cranham, nördlich von Painswick, in einem £3 Millionen teueren Manor House, das sie sich 2010 zugelegt hat.

Schon seit längerem hat die Bestsellerautorin Jilly Cooper ihren Wohnsitz in den westlichen Cotswolds. Sie lebt in dem kleinen, attraktiven Dorf Bisley bei Stroud.

Jilly Coopers Kollegin, die Schriftstellerin Joanna Trollope wohnt ein paar Kilometer südlich in Minchinhampton.

Im südlichen und östlichen Teil der Cotswolds haben sich auch zahlreiche „Celebrities“ niedergelassen. Kate Winslet lebt im Church Westcote Manor in Westcote, das ca 5 km südöstlich von Stow-on-the-Wold befindet, ein £3.5 Millionen teueres Herrenhaus.

In Little Farringdon bei Lechlade (liegt außerhalb meiner beiden Karten) wohnt Supermodel Kate Moss in einem großen unter Denkmalschutz stehenden Haus mit 10 Schlafzimmern.

Der ehemalige Bassist der Popgruppe Blur Alex James hat sich auf die Church Heath Farm bei Kingham, westlich von Chipping Norton in Oxfordshire zurückgezogen. Hier widmet er sich der landwirtschaftlichen Arbeit und stellt u.a Käse her.

Toddington Manor; hier hat sich Damien Hirst niedergelassen.     © Copyright Dave Bushell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toddington Manor; hier hat sich Damien Hirst niedergelassen.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dave Bushell and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 6. März 2012 at 02:00  Comments (6)  
Tags:

Urlaub mit dem Ruderboot auf der Themse – Wie einst Jerome K. Jeromes „Drei Mann in einem Boot“

© Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wer erinnert sich nicht an Jerome K. Jeromes berühmtes Buch „Drei Mann in einem Boot (ganz zu schweigen vom Hund)„, das 1889 erschien und noch immer zu den besten Themse-Klassikern aller Zeiten gehört?
Die drei Männer + Hund befuhren die Themse mit einem Ruderboot, mit einem sogenannten Thames Camping Skiff. Das ist eine Art „Wohn-Ruderboot“ mit einer Plane, die man bei schlechtem Wetter über das Boot spannen kann und die auch nachts als Abdeckung dient, wenn man auf dem Mini-Schiff schläft. An Bord findet sich alles, was man für einen mehrtägigen Themsetrip benötigt: Eine Kochstelle, Geschirr und Besteck.

Wer seinen Urlaub einmal wie die drei Männer auf der Themse verbringen möchte, kann das heute auch noch tun. Die Firma Thames Skiff Hire in Walton-on-Thames in Surrey vermietet sieben sorgfältig gepflegte Skiffs, von denen die meisten schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel haben.
Edward, Megan und Ty-Ho, so die liebevollen Namen der Boote, sind die ältesten und sie waren sogar schon in mehreren Spielfilmen zu sehen, z.B. in „Shakespeare in Love“, „Orlando“ und in der TV-Serie „Great Expectations“.

Der Vorteil eines Skiffs gegenüber einem Narrowboat ist, dass man damit fast überall anlegen und übernachten kann. Natürlich geht es auf dem Boot recht eng zu, aber wer den Oberlauf der Themse einmal in Ruhe befahren möchte und keine Probleme damit hat, eine Zeit lang etwas primitiver zu leben, der ist mit einem Boot von Thames Skiff Hire sicher bestens bedient.

Übrigens: Ein Dosenöffner gehört zur Grundausstattung!! (Man denke nur an die Probleme, die die drei Männer im Boot mit dem Öffnen einer Ananasdose hatten).

Wie man im Handumdrehen eine Plane über das Skiff ziehen kann, zeigt dieser Film.

Thames Skiff Hire
64 Carlton Road
Walton-On-Thames
Surrey
KT12 2DG
Tel. 01932-232433

Das Buch zum Artikel:
Christopher Winn: I Never Knew That About the River Thames. Ebury Press 2010. 288 Seiten. ISBN 978-0091933579. (Sehr zu empfehlen!!)

Published in: on 5. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Das Scotland Yard Black Museum – Ein Horrorkabinett des britischen Verbrechens

New Scotland Yard, hier ist das Black Museum untergebracht.    © Copyright Stephen Richards

New Scotland Yard, hier ist das Black Museum untergebracht.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Richards

Vor einigen Jahren besuchte ich einmal in Paris das Musée de la Préfecture de Police, ein Museum in der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève im 5. Arrondissement, das sich mit der Geschichte des Verbrechens der Stadt beschäftigt.

Etwas Vergleichbares gibt es auch in London: Das Black Museum of Scotland Yard; im Gegensatz zu dem Pariser Museum ist es leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Ursprünge dieser Sammlung von Gegenständen, die mit Verbrechen zu tun haben, geht bis in das Jahr 1874 zurück. Das Black Museum bzw. Crime Museum, so der offizielle Name, ist heute in Zimmer 101 im Gebäude von New Scotland Yard untergebracht. Es dient zu Anschauungszwecken für Polizeibeamte und nur die haben hier Zutritt.

Das Black Museum beherbergt Gegenstände, die aus spektakulären Verbrechen stammen, z.B.:
– Die Briefe, die Jack the Ripper an Scotland Yard schickte
– Der Herd auf dem der Serienmörder Dennis Nilsen seine Opfer kochte.
– Fundstücke von der Leatherslade Farm auf der sich die Männer, die den Postzugraub von 1963 begingen, versteckten.
-Die Schaufel mit der Dr. Crippen 1910 seine Frau unter den Fliesen im Keller seines Hauses vergrub.
– Der sogenannte Bulgarische Regenschirm durch den der Dissident Georgi Markow am 7. September 1978 in London ermordet wurde.

Es gab einige berühmte Besucher des Black Museums, z.B. Sir Arthur Conan Doyle, Harry Houdini, Jerome K. Jerome und Mitglieder des Königshauses.

Basierend auf der Idee eines „Mörder-Museums“ wurde 1959 der Spielfilm „Horrors of the Black Museum“ veröffentlicht (hier der Trailer).

Der „Normalbürger“ hat also keine Chance, dieses Horrorkabinett zu besichtigen. Wer sich gruseln möchte, muss dann schon mit dem London Dungeon vorliebnehmen.

Das Buch zum Artikel:
Gordon Honeycomb: Murders of the Black Museum. John Blake 2011. 288 Seiten. ISBN 978-1843582861.

Published in: on 4. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Geevor Tin Mine in Cornwall – Die einstige Zinnmine ist heute eine hoch interessante Touristenattraktion

© Copyright Helen Wilkinson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts deckte Cornwall mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Der Bergbau war ein wichtiger Wirtschaftszweig im äußersten Südwesten Englands, doch am Ende des 20. Jahrhunderts waren die Minen weitgehend erschöpft. 1998 wurde die letzte Zinnmine geschlossen. Die Bergbaulandschaft von Cornwall nahm man 2006 in die Liste des UNESCO-Welterbes auf und in vielen Teilen des Landes sind die Ruinen und Überreste der einst florierenden Bergwerke noch zu sehen.

Die Geevor Tin Mine, nördlich von St Just bei Pendeen gelegen, wurde 1990 geschlossen und, nachdem die Pumpen abgestellt waren, wurden die Stollen geflutet. Heute erfreut sich die alte Zinnmine vieler Besucher, denn man hat sie als Touristenattraktion umgebaut, die allen Interessierten einen Einblick in die Arbeitsweise des früheren Bergwerks gibt. Neben dem Minenmuseum ist sicher der Höhepunkt eines Besuches eine geführte Tour durch den noch übriggebliebenen, zugänglichen Stollen Wheal Mexico.

Die Betreiber der Geevor Tin Mine sind sehr kreativ und bieten neben den Standardtouren auch noch weitere Highlights an, z.B. nächtliche Rundgänge auf dem Minengelände („The Night Shift“)  oder Vorträge über einzelne Aspekte des Zinnbergbaus wie die Arbeit der Balmaidens in Cornwall, das sind die Frauen, die früher in den Minen arbeiteten.

Die Geevor Tin Mine ist ganzjährig täglich (außer Samstag) geöffnet und kostet £9.95 Eintritt für einen Erwachsenen.

Hier ist ein kurzer Film über die Geevor Tin Mine zu sehen.

Geevor Tin Mine
Pendeen
Penzance
Cornwall
TR19 7EW
Tel. 01736 788662

Das Buch zum Artikel:
Denys Bradford Barton: A History of Tin Mining and Smelting in Cornwall . D.B.Barton 1967. 302 Seiten. ISBN 978-0851530369 (nur noch antiquarisch erhältlich).

© Copyright Rod Allday and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 3. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Das Knaresborough Bed Race – Ein verrücktes Bettenrennen quer durch die Stadt in North Yorkshire

© Copyright Ian S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Wer am diesjährigen Knaresborough Bed Race teilnehmen möchte, das am 9. Juni stattfinden wird, der sollte sich schnellstmöglich dafür anmelden, denn mehr als 90 Teams werden nicht zugelassen.
Zum 47. Mal wird in diesem Jahr dieses spektakuläre Ereignis in der hübschen Stadt am Nidd in North Yorkshire stattfinden. Dann werden wieder die Harrogate Harriers gegen die Ripon Runners und die Lido Loonies gegen die Tockwith Titans antreten.

Bei dieser Wohltätigkeitsveranstaltung geht es darum, dass ein Team, das aus sechs Anschiebern und einem im Bett sitzenden Passagier besteht, das herausgeputzte Bett so schnell wie möglich auf einem Kurs quer durch Knaresborough schiebt und dabei, als Höhepunkt, den Fluss Nidd durchqueren muss.
Neben dem schnellsten Team wird auch das am schönsten dekorierte Bett mit einem Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren das die Lido Loonies, die ihr Bett als Admiral Nelsons Kriegsschiff hergerichtet hatten. Das Most Entertaining Team war im Jahr 2011 die Mannschaft Proctor and Gamble 1.

Das Knaresborough Bed Race steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto; in diesem Jahr, es bietet sich natürlich an, heißt das Motto Olympic Nations. Jedes Team kann sich ein Land aussuchen, das an den Olympischen Spielen teilnimmt, und muss  das Bett und die Verkleidung der Mannschaft dementsprechend gestalten.

Im vergangenen Jahr nahm mit der Startnummer 8 auch ein deutsches Team teil: Die Bebra Oldies aus der hessischen Partnerstadt von Knaresborough.
25 000 Besucher kamen, um sich das bizarre Ereignis anzusehen, und ca £100,000 wurden für wohltätige Zwecke eingenommen.

Also, bitte vormerken: Am 9. Juni um 11 Uhr geht es los mit der Preisverleihung des Best Dressed Bed, dann folgt die Prozession der teilnehmenden Rennbetten durch Knaresborough; es folgt die Vergabe des Preises für das Most Entertaining Team und um 15 Uhr startet das Rennen. Mit der Preisverleihung  für das schnellste Team endet die Veranstaltung (die dann sicher noch in den Pubs von Knaresborough fortgesetzt wird).

Hier ist ein Film über das Rennen des vergangenen Jahres und wer einmal die gesamte Strecke aus der Sicht des Passagiers mitfahren möchte, kann das hier tun.
Zu Knaresborough siehe auch diesen Blogeintrag.

Das Buch zum Artikel:
Arnold Kellet: A to Z of Knaresborough History. Amberley Publishing 2011. 128 Seiten. ISBN 978-1848681880.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 2. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Lewknor (Oxfordshire)

Der Schulhof der Church of England-Schule und St Margaret's. - © Copyright Shaun Ferguson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ich kam gegen 15 Uhr in Lewknor in Oxfordshire an, ein Dorf, das ca 8km von Thame entfernt liegt, und geriet in ein…Verkehrschaos. Im Zuge meiner Inspector Barnaby-Spurensuche wollte ich einen Blick auf die Lewknor Church of England Primary School werfen, in der Szenen der Episode 44 „The House in the Woods“ (dt. „Fluch über Winyard“) gedreht wurden. Die Schule war gerade aus und die Kinder wurden von ihren Müttern oder Vätern abgeholt. Die schmale Straße, die neben der Schule verläuft, war derart mit Autos vollgestopft, dass ein Vorwärtskommen kaum noch möglich war; die tiefstehende Sonne tat ein übriges, um die Verkehrssituation noch unübersichtlicher zu machen. Da die Straße am anderen Ende nicht mehr weiterführte, musste ich umdrehen und noch einmal an der Schule vorbei und noch einmal zum Chaos beitragen. Auf jeden Fall schaffte ich es, kein Kind aus Lewknor unter die Räder meines Autos zu bekommen.

Bei den Dreharbeiten zu „The House in the Woods“, die während der Ferien vorgenommen wurden,  wirkten die Schulkinder selbst mit und sie sollen es ausgesprochen gern getan haben.
In Episode 27 „A Tale of Two Hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) erscheint das Schulgebäude auch einmal kurz, als dort über Nacht ein Bibelspruch an eine der Türen gemalt wurde.
Schließlich kam das Barnaby-Team noch ein drittes Mal nach Lewknor. In der Church Lane, direkt neben der Kirche St Margaret’s,  diente ein Haus als Drehort für Episode 56 „Death and Dust“ (dt. „Denn du bist Staub“), das ist die Folge, die zum Teil in Wales spielt.

Lewknor liegt an der B4009, eine sehr empfehlenswerte Straße, die von Newbury nach Tring führt und an der mehrere Drehorte der ITV-Serie liegen.