Der Austin Maestro – Das „Schmuddelkind“ der britischen Autoindustrie

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Von 1983 bis 1994 wurde er gebaut und rund 600 000 Exemplare wurden verkauft; die Rede ist vom Austin Maestro, ein Auto, das man nicht gerade einen „großen Wurf“ nennen konnte, denn beinahe im gleichen Maße wie neue Maestros die Fließbänder verließen, segneten bereits verkaufte Maestros das Zeitliche.

Überhaupt hatte damals die Herstellerfirma Austin keine glückliche Hand mit ihren Fahrzeugen. Der Vorgänger des Maestro, der Austin Allegro, war in mehreren Umfragen nach dem schlechtesten britischen Auto aller Zeiten häufig der Spitzenreiter. „Fliegendes Schwein“ wurde er wenig liebevoll genannt und bei einem Test im Windkanal hieß es, er wäre von hinten aerodynamischer als von vorn.

Der Autodesigner Roy Axe, der 1982 zu British Leyland stieß und die Pläne für neuen Maestro schon vorfand, war entsetzt: „Die Technik stammte aus den 50er Jahren, nicht aus den 80ern. Das Interieur war noch schlimmer. Das Armaturenbrett sah aus wie ein nasser Fisch. Das ganze Auto entsprang einer Denkweise, die vielleicht vor einigen Jahrzehnten modern war.“ Am liebsten hätte Axe das Auto komplett in „die Tonne getreten“, aber dafür war es zu spät.

Die schlechte Qualität des Fahrzeugs machte sich nach dem Kauf schnell bemerkbar: Die Bodenbleche waren häufig undicht, so dass bei Regen der Innenraum unter Wasser stand, es klapperte an allen Ecken und Enden („es klang wie ein Skelett, das in einer Blechbüchse masturbiert“) und Ölflecken auf dem Garagenboden waren Standard.
1994 wurde dem Elend ein Ende bereitet und die Produktion eingestellt, d.h.nicht ganz, denn ab 1995 wurde der Maestro für einige Monate in Bulgarien produziert. Doch selbst die nicht allzu autoverwöhnten Bulgaren wollten den Maestro nicht haben, ganze 200 Stück wurden im Land verkauft. Ca 600 wurden nach England exportiert und es brauchte vier Jahre bis alle Exemplare zu einem Schleuderpreis verkauft waren. Heute sind kaum noch Austin Maestros im Straßenverkehr zu sehen.

Der Maestro & Montego Owners Club, dem ca 300 Mitglieder angehören, hat sich dieser Fahrzeuge angenommen, und ich bin sicher, dass deren Exemplare liebevoll gehegt und gepflegt werden und technisch gut in Schuss sind; ein Schicksal, das hunderttausenden anderer Maestros versagt blieb.

Einige Informationen über den Maestro habe ich dem Buch „You Are Awful (But I Like You)“ von Tim Moore (Jonathan Cape 2011) entnommen, der mit einem Maestro auf einer Rundreise die hässlichsten Städte Großbritanniens aufgesucht hat (ein Buch, das ich demnächst in meinem Blog vorstellen werde).

Published in: on 24. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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