Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Aldbury in Hertfordshire

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Simon Bruce

Die Grafschaft Hertfordshire wurde bisher nur selten als Drehort für die   TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ aufgesucht. Neben Chipperfield wurde das Bilderbuchdorf Aldbury für zwei Episoden ausgewählt: In Folge 2 „Written in Blood“ (dt. „Blutige Anfänger“) sieht man Laura Huttons Antiquitätenladen, der in einem der Cottages im Dorf untergebracht ist, und in der bisher letzten, im März ausgestrahlten Folge 91 „Murder of Innocence“ (liegt nicht in deutscher Synchronisation vor) wurden die Village Hall und einige Cottages verwendet.

Aldbury verfügt über alles das, was die Produzenten der Serie immer wieder für die Dreharbeiten benötigen: Ein Dorf mit einem Village Green, einer Kirche, einem ansehnlichen Pub und idyllische Cottages. Im Dorf gibt es sogar zwei Pubs, den Greyhound Inn und The Valiant Trooper; beide wurden, obwohl sie ausgesprochen gut aussehen, noch nie in der TV-Serie benutzt.

Aldbury diente in der Vergangenheit schon mehrfach als Drehort für Filme und Fernsehserien wie:
The Dirty Dozen (1967, dt. „Das dreckige Dutzend“)
Bridget Jones: The Edge of Reason (2004, dt. „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“)
Parting Shots (1999, dt. „Parting Shots“)

Auch Inspector Morse war in „Absolute Conviction“ einmal im Greyhound Inn zu Gast und zwei Episoden der Serie „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“) wurden1967 in Aldbury gedreht, nämlich „Dead Man’s Treasure“ (dt. „Mit 160 aus dem Stand“) und „Murdersville“ (dt. „Willkommen im Dorf des Todes“).

Das größte Anwesen in Aldbury ist Stocks House, das einmal das britische Gegenstück zu Hugh Hefners Playboy Mansion in Los Angeles war. Hier wurden die Bunnies für die Playboy Clubs ausgebildet und man feierte hier rauschende Parties mit zahlreichen Prominenten aus dem Showbusiness. Aber das war einmal, mittlerweile ist Stocks House wieder in Privatbesitz.

The Greyhound Inn in Aldbury.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gerald Massey

Brownsea Island (Dorset) – Eichhörnchen, Pfadfinder und der National Trust

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Lucas

Brownsea Island liegt im wahrsten Sinne des Wortes in einem sicheren Hafen, nämlich dem Poole Harbour in Dorset. Von Poole aus ist die Insel in ca 40 Minuten mit der Fähre zu erreichen, von der Sandbanks-Halbinsel in ca 30 Minuten.

Auf Brownsea Island haben sich die einheimischen roten Eichhörnchen zurückgezogen, weil sie hier nicht von den „zugezogenen“ grauen Eichhörnchen verdrängt werden. Die Zahl der roten ist in den letzten Jahren in England drastisch zurückgegangen und so kann man nur hoffen, dass die grauen nicht irgendwann einmal schwimmen lernen oder eine Fähre entern…

1907 wurde auf Brownsea Island von Robert Baden-Powell die Pfadfinderbewegung gegründet. Ausgangspunkt war, dass B.P. 22 Kinder aus der näheren Umgebung mit auf ein Zeltlager auf die Insel nahm. Von dort aus verbreitete sich die Scout Movement weltweit.

Das Brownsea Castle im Osten der Insel gehört heute der John Lewis Partnership, einer milliardenschweren Firma zu der die John Lewis Kaufhäuser und die Waitrose Supermarktkette gehören. Im Schloss dürfen Mitarbeiter der Firma übernachten; sonst ist das Übernachten auf der Insel nur Pfadfindern, ähnlichen Jugendorganisationen und den Mietern eines National Trust Cottages  gestattet. Dem National Trust gehört der größte Teil der Insel.

Jedes Jahr im Juli und August wird auf der Insel ein Theaterstück von William Shakespeare aufgeführt, vom Brownsea Open Air Theatre, das in Poole beheimatet ist. In diesem Jahr, vom 25. Juli bis zum 10. August, wird „Love’s Labour’s Lost“ („Verlorene Liebesmüh“) gezeigt. Die Eintrittskarten kosten übrigens nur £19. Hier ist ein Ausschnitt aus der „Hamlet“-Aufführung zu sehen.

Brownsea Castle (auch Branksea Castle genannt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Miss Steel

Eines jener roten Eichhörnchen, die hier Zuflucht gefunden haben.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Trimming

 

Published in: on 30. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

London Walks – Die britische Hauptstadt einmal anders erleben

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Christine Matthews

Während der Olympischen Spiele befinden sich zig Tausende zusätzliche Touristen in der britischen Hauptstadt, die vielleicht nicht nur von früh bis spät die Sportveranstaltungen besuchen möchten; und wer Trafalgar Square, Tower Bridge und Big Ben (sorry, den Elizabeth Tower) nun schon gesehen hat, der könnte vielleicht einmal einen Rundgang durch die Stadt unter einem bestimmten Motto machen.
Dafür eignet sich optimal „London Walks„, die eine Vielzahl von Spaziergängen anbieten, die alle £9 kosten, Senioren, die hier, wie ich finde, sehr nett Super Adults genannt werden, zahlen sogar nur £7 und Kinder unter 15 Jahren brauchen gar nichts zu bezahlen. Das ist für Londoner Verhältnisse sehr günstig!

Was bietet „London Walks“ denn nun an?
Wie wäre es mit dem QUEEN’S JUBILEE WALK? Interessant für alle Royals-Fans, denn hier werden die wichtigsten Stationen aus dem Leben der Queen gezeigt.
Ein Klassiker ist der JACK THE RIPPER WALK, der jeden Tag um 19.30 Uhr durchgeführt wird; häufig von Donald Rumbelow, dem Ripper-Experten schlechthin.
Sehr beliebt sind die HARRY POTTER FILM LOCATION TOURS, von denen gleich mehrere angeboten werden.
Nicht nur in York gibt es sie, auch hier in London stehen GHOST TOURS auf dem Programm, mit Geister-Garantie!
Nichts für Zartbesaitete ist die Tour CRIME & PUNISHMENT: The City Of The Gallows. Da geht es um „hanging, drawing and quartering“ und „shocking scenes of slaughter“.
Heiterer geht es dagegen auf der Tour ECCENTRIC LONDON zu, wo dem Spaziergänger verborgene Dinge gezeigt werden unter dem Motto „London is stranger than fiction“.

London Walks gibt es schon seit fast 50 Jahren und ist damit (nach eigenen Angaben) die älteste Firma in der ganzen Welt, die spezielle Stadtrundgänge veranstaltet.
Wie es bei den Touren von London Walks zugeht, zeigt dieser Film.

London Walks
P.O. Box 1708
London NW6 4LW
Tel. 020 7625 1932
London Walks verfügt über eine sehr gut gemachte, informative und witzige Homepage!!

Newham – Ein Londoner Stadtbezirk mit Problemen

Die Colman Road im London Borough of Newham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Danny Robinson

Newham ist ein großer Stadtbezirk im Osten von London, der in den nächsten Tagen immer wieder im Gspräch sein wird, denn hier befindet sich der Olympiapark und das Olympiastadion.
Newham hat einige Besonderheiten, die vielleicht nicht so besonders bekannt sind. Der Stadtbezirk (Borough) ist der einzige in London, in dem Englisch nicht die vorherrschende Sprache ist; das trifft für 54,7% der Bewohner zu. 39,0 % sind Weiße, 33,9 % Asiaten und 19,7 % Schwarze. Weitere Stadtteile mit einem hohen Fremdsprachenanteil sind Tower Hamlets (38,1%) und Hounslow (35,9%).

In Newham ereignen sich auch die meisten Morde in der britischen Hauptstadt; so waren das im Jahr 2010 14. Auf Platz 2 lagen Lambeth und Lewisham mit jeweils 8 Morden.

Weiterhin ist Newham Spitzenreiter im Bereich „Fruchtbarkeitsrate„, die bei 103% steht. Jede dort lebende Frau hat im Schnitt 2,87 Kinder. Der Bezirk ist der jüngste in der Stadt. 30,6% der Bewohner sind unter 20 Jahren, 8,8% unter 4 Jahren.

Nicht gut sieht es mit den Prüfungsergebnissen der Schüler in Newham aus. Da steht der Stadtteil, gemeinsam mit Waltham Forest, auf Platz 3; nur in Islington und Westminster sind die Ergebnisse noch schlechter.

Leider gibt es über Newham noch mehr schlechte Nachrichten. Die Zahl der übergewichtigen Schulkinder im Alter von 10 bis 11 Jahren liegt bei 40,3%, das reicht für Platz 7 (der Londoner Durchschnitt: 36,8%, so der NHS). Das geht vielleicht Hand in Hand mit dem schlechten Zustand der Zähne der in Newham lebenden Kinder. Nach den Kindern in Westminster liegt der Ost-Londoner Bezirk in diesem Sektor auf Platz 2.

Mit dem Parken in Parkverbotszonen nimmt man es hier auch nicht so genau, denn mit über £8,6 Millionen verhängter Bußgelder liegt Newham auf Platz 6 in London, was etwa £52 pro Kopf der Bevölkerung der hier ansääsigen Bevölkerung entspricht.

So viel Negatives! Aber in den letzten Jahren ist auch viel Geld nach Newham geflossen, nicht zuletzt wegen der Olympischen Spiele. Vielleicht ändert sich ja jetzt einiges.

Hier ist ein Film über Newham.

Published in: on 28. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Batemans Brewery in Wainfleet (Lincolnshire) – Eine mit Auszeichnungen überhäufte Brauerei

Eigenes Foto.

Wainfleet ist eine 2000-Einwohner-Gemeinde im Osten der Grafschaft Lincolnshire, die sich damit brüsten kann, eine Brauerei in ihren Mauern zu haben, die mit Preisen und Auszeichnungen geradezu überhäuft worden ist: Die Batemans Brewery.
Good Honest Ales“ lautet der Brauerei-Slogan und man hält sich bei Batemans streng daran. Ich habe vor einigen Tagen einmal das „Victory Ale“ probiert, das, so steht es jedenfalls auf dem Flaschenetikett, zu den besten 50 Bieren der Welt gehört. Auch die Sorten „Dark Lord“ und „Triple XB“ haben es schon unter die Top 50 geschafft.

Die 1874 von George Bateman gegründete Brauerei stellt eine ganze Menge unterschiedlicher Biere her, denen man witzige Namen geben hat wie z.B. Spring Goddess, Jewel in the Crown, Rosey Nosey oder England Expects; das sind vorwiegend Biere, die zu bestimmten Jahreszeiten gebraut werden.

Wer möchte, kann die Batemans Brewery auch besichtigen. Fast ganzjährig werden hier geführte Touren angeboten, bei denen eine Verkostung im Preis inbegriffen ist. Die Tour führt durch das viktorianische Brauhaus, das im Jahr 2002 durch ein weiteres hochmodernes Brauhaus ergänzt wurde, das der Bierspezialist und Buchautor Roger Protz („300 Beers to Try Before You Die!“) eröffnete.

Die Firma Batemans hat neben dem Brauen von Bier noch ein zweites Standbein: Sie besitzt ca 70 Pubs, die alle im Osten Englands, hauptsächlich in Lincolnshire, zu finden sind.

Hier ist eine Verkostung des „Victory Ales“ zu sehen und hier ist eine kleine Stadtrundfahrt durch Wainfleet in Lincolnshire.

George Bateman and Son Ltd
Salem Bridge Brewery
Wainfleet, Lincolnshire PE24 4JE
Tel. 01754 880317

Eigenes Foto.

Batemans Brewery in Wainfleet.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gary Brothwell

Published in: on 27. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Top 5 der britischen Sachbuch-Bestsellerlisten in dieser Woche

Während die britischen Belletristik-Bestsellerlisten seit Wochen von der Erotik-Trilogie „Fifty Shades…“ der schottischen Autorin E.L. James beherrscht werden, gibt es auf den vorderen Plätzen der Sachbuch-Bestsellerlisten ein buntes Gemisch unterschiedlichster Themen. Hier ist eine Übersicht über die am meisten verkauften Sachbücher in Großbritannien zu Beginn der Olympischen Spiele laut W.H. Smith:

Platz 1: Anthony Beevor: The Second World War (Weidenfeld & Nicolson).
Eigentlich ist das Thema Zweiter Weltkrieg in Buchform doch schon erschöpfend behandelt worden, doch Beevor versucht auf 880 Seiten, die sechs schrecklichen Jahre unter einem etwas anderen Blickwinkel zu beschreiben.

Platz 2: Elton John: Love is the Cure – On Life, Loss and the End of AIDS (Hodder & Stoughton).
Elton John hat sehr viel für den Kampf gegen AIDS getan: So hat die Elton John AIDS Foundation schon über $275 Millionen zusammengetragen. Der Sänger berichtet in seinem Buch über seinen Einsatz im Kampf gegen die Krankheit.

Platz 3: Jamie Oliver: Jamie’s Great Britain (Michael Joseph).
Seit Monaten auf den Bestsellerlisten. Der Fernsehkoch setzt sich in diesem Buch mit der britischen Küche auseinander.

Platz 4: Gok Wan: Gok Cooks Chinese (Michael Joseph).
Das Buch zur gleichnamigen Channel-4-Fernsehserie des Modeberaters und Kochs Gok Wan, in dem er 80 Familienrezepte verrät.

Platz 5: Mitch Winehouse: Amy, My Daughter (HarperCollins).
Die Biografie der im letzten Jahr verstorbenen Sängerin, verfasst von ihrem Vater.

Das erste Buch, das sich mit den Olympischen Spielen befasst, ist bei W.H. Smith erst auf Platz 15 zu finden: London 2012 Olympic Games – The Official Book (Carlton Books).
London 2012 Olympic Games: The Official Book: An Official London 2012 Games Publication

Published in: on 26. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Rude Place Names – Vulgäre Straßennamen in England

Der Honeypot Lane in Husbands Bosworth (Leicestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian Rob

Wer immer für die Vergabe der englischen Straßennamen verantwortlich war, es gab darunter wohl auch ein paar Witzbolde oder „Dirty Old Men“, anders sind einige Namen wirklich nicht zu erklären. Manche Straßennamen haben sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte verändert und haben ursprünglich gar nichts Obszönes an sich. Hier sind einige von mir zusammengetragene Beispiele, die ich aber nicht übersetzen werde; das kann jeder, dem diese hier genannten Slangausdrücke nicht geläufig sind, selbst tun.

In Orpington, das zu dem Londoner Borough of Bromley im Südosten der Stadt gehört, gibt es einen Bishop Butt Close. Möchte man das gern als Adresse seines Hauses haben?

Ein Kichern wird auch hervorrufen, wenn man seine Adresse mit Crotch Crescent angibt; diese Straße gibt es nämlich in der Kleinstadt Marston, am Rande der Universitätsstadt Oxford.

Oxford selbst hat eine Straße mit dem bezaubernden Namen Friar’s Entry (gleich hinter der Beaumont Street).

Bleiben wir noch in Oxfordshire. In der westlich von Oxford gelegenen Stadt Witney gibt es einen Cockshoot Close.

Bewohner des Sluts Hole Lane in Besthorpe im südlichen Norfolk wollten vor einigen Jahren nicht mehr in einer Straße mit diesem anrüchigen Namen leben und machten eine entsprechende Eingabe, die aber abgelehnt wurde.

Die Stadt Plymouth in Devon verfügt über eine Straße, die den schönen Namen Pennycomequick Hill trägt. Wer sich den wohl ausgedacht hat?

Happy Bottom ist doch auch ein hübscher Name einer Straße; zu finden in Corfe Mullen in Dorset; in dieser Grafschaft gibt es übrigens auch noch ein Tal, das Scratchy Bottom heißt.

Sehr vulgär ist der Straßenname Minge Lane, der in Upton-upon-Severn in Worcestershire zu finden ist.

Auf den ersten Blick klingt die Adresse Honeypot Lane in Husbands Bosworth in Leicestershire doch ganz nett, oder? Aber Honeypot hat im Englischen noch eine weitere Bedeutung…

Das Dorf Nether Heage in Derbyshire besitzt eine Spanker Lane, an der es auch einen Spanker Inn gibt. Ein Dorado für Sadomaso-Fans?

Ich könnte hier noch Dutzende von weiteren mehr oder weniger obszönen Straßennamen aufführen, aber mit diesen 10 Beispielen will ich es einmal gut sein lassen. Wer aber nicht genug davon bekommen kann, der greife bitte zu folgendem Buch:

Rob Bailey & Ed Hurst: Rude Britain – 100 Rudest Place Names in Britain. Boxtree 2005. 160 Seiten. ISBN 978-0752225814.

Der Minge Lane in Upton-upon-Severn in Worcestershire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling

Der Spanker Lane in Nether Heage (Derbyshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Barr

Der Pennycomequick Hill in Plymouth (Devon), hier gleichzeitig auch die A386.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Derek Harper

 

Published in: on 25. Juli 2012 at 02:00  Comments (6)  

Klassiker des englischen Kriminalromans: Joseph Smith Fletcher

Eigenes Foto.

Joseph Smith Fletcher gehört zu den längst vergessenen Autoren von Kriminalromanen, sowohl in Deutschland, als auch in England. Selbst in Yorkshire, wo er 1863 geboren wurde, kennt ihn heute kaum ein Mensch mehr. Dabei gehörte er in den 1920er und 1930er Jahren, sowohl in Großbritannien als auch in den USA, zu den populärsten Schriftstellern, mit einem gewaltigen „Output“; über 230 Bücher soll er geschrieben haben: Kriminalromane, historische und Liebesromane, aber auch Sachbücher, davon viele mit Bezug zu seiner Heimat Yorkshire.

Bei dieser Menge an Büchern liegt es auf der Hand, dass die Qualität nicht immer die beste war. Ich habe gerade noch einmal „Murder of the only Witness“ (dt. „Der einzige Zeuge“) aus dem Jahr 1933 gelesen, in dem einer seiner Serienhelden, der Londoner Privatdetektiv Ronald Camberwell, mitspielt. Das ist ein nett zu lesender, aber nicht sehr gehaltvoller Country- House-Murder-Krimi.
Zu seinen besten und populärsten Krimis zählen „The Middle Temple Murder“ (1919; dt. „Das Geheimnis um Mr. Marbury“) und „The Charing Cross Mystery“ (1923; dt. „Das Verbrechen im Nachtzug“). Ersterer gehörte zu den Lieblingsromanen des US-Präsidenten Woodrow Wilson, der J.S. Fletcher „entdeckt“ haben soll.

Geboren wurde Fletcher in Halifax (West Yorkshire) und er wuchs bei seiner Großmutter auf einer Farm in Darrington, bei Pontefract auf und besuchte die Silcoates School in Wakefield, alles Orte in West Yorkshire. Spätere Wohnorte waren London und Dorking (Surrey). 1935 starb Joseph Smith Fletcher im Alter von 71 Jahren.

Heute erinnert so gut wie nichts mehr an den produktiven Schriftsteller. Nur in der Kirche von Darrington, dort wo er aufwuchs, widmete man ihm einen Lettner. Und im Jahr 2006 wurde ihm zu Ehren im Gissing Centre in Wakefield eine Ausstellung gezeigt, die an Fletchers Leben und Werk erinnerte.

St Luke and All Saints in Darrington (West Yorkshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alexander P Kapp

Published in: on 24. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Bubble and Squeak – Ein beliebtes Resteessen in England

Author: Tarquin Binary. – This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Was vom Sunday Roast übergeblieben ist, wird traditionell gern am Montag verzehrt und man nennt das Ganze dann Bubble and Squeak. Es gibt dafür also kein festgelegtes Rezept, aber in der Regel besteht das Essen aus Gemüse, Kartoffelbrei, Spiegelei, Schinken oder den Fleischresten vom Vortag; vergleichbar am ehesten mit dem deutschen Bauernfrühstück.

Der lautmalerische Name des Essens soll daher kommen, dass, wenn man die ganzen Zutaten in eine Pfanne gibt und diese erhitzt, Blasen (bubbles) und quietschende Geräusche (squeaks) entstehen.

Die erste „Bubble and Squeak“-Erwähnung ist in dem Kochbuch „A new system of domestic cookery: formed upon principles of economy, and adapted to the use of private families“ von Maria Eliza Ketelby Rundell aus dem Jahre 1808 zu finden.

Bubble and Squeak ist eines jener englischen Gerichte, die merkwürdige Namen tragen; ich denke da auch an Toad in the Hole, Spotted Dick, Neeps and Tatties oder Bangers and Mash.

Wie so oft haben sich auch auch englische Starköche dieses traditionellen Gerichts angenommen und verfeinert und so gibt es spezielle Bubble and Squeak-Rezepte von Delia Smith, Nigel Slater und Jamie Oliver.

In diesem Film wird gezeigt wie man Bubble and Squeak herstellt.

Published in: on 23. Juli 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Die ehemalige Londoner Baltic Exchange – Wird Sie in Estland wieder aufgebaut?

Hier, wo jetzt The Gherkin steht, befand sich die Baltic Exchange, bis 1992 eine IRA-Bombe das Gebäude zerstörte.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oast House Archive

Eines der neuen Wahrzeichen Londons, The Gherkin, steht auf einem Gelände, das vorher von der Baltic Exchange eingenommen wurde. 30 St Mary Axe war die Adresse des 1903 gebauten Hauses, in dem das britische Unternehmen, „ein globaler Marktplatz für Schiffsmakler, Reeder und Charterer“ (so die Wikipedia), untergebracht war… bis zum 10. April 1992, denn an diesem Tag explodierte vor dem Gebäude eine Bombe, die die IRAdort in einem Lieferwagen deponiert hatte. Bei dem Anschlag starben drei Menschen und das Gebäude wurde so stark beschädigt, dass man es letztendlich nicht mehr reparieren konnte.

Die Baltic Exchange wurde sorgfältig abgetragen, die Teile fotografiert und markiert und dann in Lagerhäuser nach Reading transportiert. Dort kaufte ein walisischer Händler die Gebäudeteile auf und schaffte sie nach Cheshire. Bald darauf verkaufte er sie wieder, dieses Mal nach Kent, wo sie in der Umgebung von Canterbury gelagert wurden.
Auf der SalvoFair im Jahr 2007, einer Spezialmesse, die jährlich in Knebworth stattfindet und auf der Gebäudereste angeboten werden, die zu schade sind, um sie auf Deponien zu bringen, stand die Baltic Exchange erneut zum Verkauf.
Gleichzeitig hatte man auf SalvoWEB, einer Internetseite, das ehemalige Londoner Gebäude angeboten. Diese Anzeige sah der estnische Geschäftsmann und ehemalige Geheimdienstchef des Landes Eerik-Niiles Kross und kaufte alles für rund £800,000 auf. In 49 Containern ließ er die Baltic Exchange-Reste nach Tallinn verfrachten, wo das Gebäude im Zentrum der Stadt wieder aufgebaut werden soll. Wann und wo steht noch immer nicht fest, denn die Finanzkrise machte erst einmal einen Strich durch die Rechnung.

Subbuteo, ein Tischfußballspiel, und Langton Green in Kent

Hier in Langton Green (Kent) entwickelte Peter Adolph das Subbuteo-Spiel.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stuart Logan

Für diejenigen, die mit dem Begriff  „Subbuteo“ nichts anfangen können, ist hier eine Definition, die ich der Wikipedia entnommen habe:

Subbuteo ist ein aus England stammendes Tisch-Fußballspiel für zwei Spieler. Gespielt wird Subbuteo auf einem grünen Filztuch, das etwa die 80 Zentimeter breit und 120 Zentimeter lang ist. Anders als etwa bei Tipp-Kick verfügt jeder Spieler über zehn frei bewegliche Feldspieler-Figuren. Diese sind etwa zwei Zentimeter hoch und stehen auf einem abgerundeten Sockel, der ihnen die Eigenschaft eines Stehaufmännchens verleiht. Der Spielball hat einen Durchmesser von ebenfalls etwa zwei Zentimetern. Der Torwart der jeweiligen Figuren-Teams ist an einer Stange befestigt, mit der der Spieler die Figur von hinter dem Tor aus führen kann. Gespielt wird Subbuteo, indem man den Zeige- oder Mittelfinger durch Druck auf das Spieltuch (nicht auf den Daumen) und die darunter befindliche Holzplatte spannt und eine Spielfigur nach vorne schnellen lässt.

Erfunden wurde dieses Spiel im Jahr 1947 von einem gewissen Peter Adolph, der in Langton Green (Kent) bei Tunbridge Wells wohnte. Eigentlich wollte Mr. Adolph das Spiel „The Hobby“ nennen; da das Patentamt diesen Begriff aber als zu allgemein ablehnte, ersann der Erfinder den Begriff Subbuteo. Warum? „Hobby“ heißt im Englischen auch der Baumfalke, dessen lateinischer Name wiederum „Falco Subbuteo“ ist. Streichen wir den „Falco“ weg, dann bleibt „Subbuteo“ übrig. Fertig!

Das Tischfußballspiel erfreute sich so großer Beliebtheit, dass Peter Adolph mit der Produktion in Langton Green begann, wobei die Figuren z.T. in Heimarbeit hergestellt wurden. Als England 1966 die Fußballweltmeisterschaft gewann, gab das einen weiteren Schub für die Subbuteo-Popularität. Adolph verkaufte das Spiel für £250,000 an die Spielzeugfirma Waddingtons, die die Produktion in ein größeres Gebäude nach Tunbridge Wells verlagerte. In den 1980er Jahren schließlich wurde das Spiel nur noch in Leeds hergestellt.

Subbuteo ist weltweit beliebt und es werden sogar Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen.

Es sind Lieder über das Spiel geschrieben worden:
Die aus Birkenhead (Merseyside) stammende Gruppe Half Man Half Biscuit nahm 1986 den Song“All I Want For Christmas Is a Dukla Prague away kit“ auf.
Im Musikvideo „My perfect cousin“ der Undertones wird Subbuteo gespielt und darauf Bezug genommen.

Hier ist ein Beispiel wie ein Champions League-Subbuteo-Spiel aussehen kann.

Das Buch zum Artikel:
Mark Adolph: Growing Up with Subbuteo – My Dad Invented the World’s Greatest Football Game. Sportsbooks 2006. 224 Seiten. ISBN 978-1899807406.

This work is released into the public domain.

Alma Cogan „The Girl with the Laugh in her Voice“ – Eine kleine Erinnerung

Hier an der Kensington High Street fanden Alma Cogans legendäre All-Night Parties statt. Eine blaue Plakette am Wohnhaus erinnert an die Sängerin.
Foto mit freundlicher Genehmigung von The Daily Constitutional – the blog of London Walks®, London’s only multi-award-winning walking tour company www.londonwalkblog.blogspot.com

Ist sie eigentlich schon ganz in Vergessenheit geraten, die schon mit 34 Jahren viel zu früh verstorbene Sängerin Alma Cogan aus London, die auch in Deutschland eine Handvoll Hits hatte?

Ihre erste Single wurde 1952 veröffentlicht auf denen die beiden Songs „To Be Worthy Of You“ und „Would You“ zu hören waren. Von 1954 bis 1960 gelang es ihr achtzehn Mal, in die britischen Charts zu kommen, wodurch sie in diesem Jahrzehnt zu den beliebtesten und erfolgreichsten Sängerinnen auf der Insel zählte. „Dreamboat“, „Never Do the Tango With an Eskimo“, „I Can’t Tell a Waltz from a Tango“ und „Sugartime“ waren nur einige ihrer Chartserfolge.

Alma Cogan wohnte in London an der Kensington High Street. 44 Stafford Court lautete die exakte Adresse, wo sie mit Mutter und Schwester ein Apartment besaß. Hier fanden die berühmten „All-Night Parties“ statt, die von den Größen des Unterhaltungsgeschäfts besucht wurden: Roger Moore, Cary Grant, Audrey Hepburn, Sammy Davis jr  um nur einige zu nennen. Auch die Beatles waren häufig in Cogans Apartment in Kensington zu Gast und es war hier, dass Paul McCartney erstmals die Melodie zu seinem berühmten „Yesterday“ spielte.

Mitte der 1960er Jahre erkrankte Alma Cogan an Krebs. Auf einer Tournee durch Schweden ging es dann nicht mehr weiter. Die Sängerin brach zusammen und wurde ins Londoner Middlesex Krankenhaus gebracht, wo sie schließlich am 26. Oktober 1966 starb. Ihr Grab findet sich auf dem Jüdischen Friedhof von Bushey in der Grafschaft Hertfordshire.

Hier sind zur Erinnerung:
– das wohl bekannteste Lied von Alma Cogan in deutscher Sprache: „So fängt es immer an
– „Hello Young Lovers
– „Start of the Blues

Das Buch zum Artikel:
Sandra Caron: Alma Cogan – A Memoir. Bloomsbury Publishing 1991. 192 Seiten. ISBN 978-0747509844. (Sandra Caron ist Almas jüngere Schwester)

Ashdown House in Oxfordshire, der National Trust und Pete Townshend

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Brian Robert Marshall

William, der erste Earl von Craven, baute im 17. Jahrhundert für Elisabeth Stuart, die Königin von Böhmen, ein Haus in den Berkshire Downs, das als Zufluchtsort dienen sollte, denn die Pest war in London auf dem Vormarsch. Doch die „Winterkönigin“, wie sie auch genannt wurde, starb im Jahr des Baubeginns 1662.

Ashdown House wechselte im Laufe der Jahrhunderte häufig die Besitzer, wurde im Zweiten Weltkrieg für die Armee requiriert und begann anschließend allmählich zu verfallen, bis es 1956 vom National Trust übernommen wurde.

Der Trust verpachtete Ashdown House, und der neue Pächter seit 2010 ist ein Urgestein der britischen Rockmusik: Pete Townshend, Gitarrist und Songschreiber der Rockband The Who, die in 1960er und 1970er Jahren international zu den ganz Großen gehörte.

Townshend pachtete das Landhaus für 41 Jahre und bezahlte dafür £4,5 Millionen, musste aber auch einige Auflagen auf sich nehmen. An zwei Tagen in der Woche muss das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die natürlich nur bestimmte Bereiche besichtigen darf.  So kann man mittwochs und samstags zwischen 14 und 17 Uhr an geführten Touren teilnehmen, bei denen die Hall, die große Treppe und das Dach gezeigt werden.

Ashdown House liegt sehr ruhig und abgelegen, einige Kilometer von Lambourn entfernt; zu dem Anwesen gehören große Parkanlagen, ein Tennisplatz, ein 18m langer Swimmingpool und einige Cottages. Wenn Pete Townshend und seine Freunde mal wieder Lust haben, so richtig laut Musik zu machen, so werden sie mit Sicherheit niemanden weit und breit stören.

Hier ist Pete Townshend bei der Vorstellung seiner Autobiografie „Who I am“ (erscheint am 11. Oktober 2012 in England und am 8. November auf Deutsch).

Ashdown House
Lambourn
Newbury, Berkshire, RG17 8RE
Tel. 01793 762209

Das zu besichtigende Dach von Ashdown House, von dem man einen sehr schönen Ausblick hat.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Brian Robert Marshall

Die Bedford Road in Clapham – Londons Straße mit den meisten Staus

Die Bedford Road in Clapham (einmal ohne Verkehrsstau).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dr Neil Clifton

Im Süd-Londoner Stadtteil Clapham liegt die Bedford Road, die die King’s Avenue mit der Clapham Road verbindet. Man sollte diese Straße möglichst meiden, denn es ist die Straße mit den meisten Staus, nicht nur in London, sondern in ganz Großbritannien. An 92 Stunden in der Woche, also etwa 13 Stunden pro Tag, herrscht hier überwiegend Stop-and-Go-Verkehr. Die zahlreichen Baustellen in Clapham haben mit dazu beigetragen, dass der Verkehr in der Bedford Road so stark geworden ist.

Der Navigationsgerätehersteller Tom Tom hat einmal eine Übersicht über die Straßen mit den häufigsten Staus in London und Großbritannien erstellt. Hier sind die Top Ten:

1. Bedford Road, Clapham, South London 92 Stunden

2. Kingsway Tunnel Approach, Wallasey, Merseyside 90 Stunden

3. B5159 Warburton Bridge Road, Warburton, Greater Manchester 86 Stunden

4. Eastern Bypass Road, Oxford 86 Stunden

5. A30 Ringway South, Basingstoke, Hampshire 86 Stunden

6. A214 Trinity Road, Wandsworth, South-West London 85 Stunden

7. Uxbridge Road, Southall and South Ealing, West London 85 Stunden

8. Ringway North, Basingstoke, Hampshire 84 Stunden

9. A4200 Eversholt Street, Camden, North London 84 Stunden

10. Burntwood Lane, Wandsworth, South West London 84 Stunden

Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Verkehrs an einem Werktagsnachmittag beträgt übrigens in der City of London 13,1 Stundenkilometer, in Camden 15,1 km/h und in Islington 16,7 km/h (Quelle: Transport for London).

Die Zufahrt zum Kingsway-Tunnel in Wallasey (gegenüber von Liverpool) ist Großbritanniens Nummer 2 in Bezug auf Verkehrsstaus.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright El Pollock

Published in: on 18. Juli 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

„Designing 007: 50 Years of Bond Style“ – Eine Ausstellung im Londoner Barbican Centre

Hier im Londoner Barbican Centre findet die James Bond-Ausstellung statt. – Author: damo1977. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Nicht nur die Rolling Stones feiern in diesem Jahr ihr 50jähriges Bestehen, auch Ian Flemings Kultfigur James Bond kann auf 50 Jahre Leinwandpräsenz zurückblicken. Mit „Dr. No“ (dt. „James Bond jagt Dr. No“) begann es am 5. Oktober 1962 und mit „Skyfall“, das für den 1. November avisiert ist, findet die Serie erst einmal ihr vorläufiges Ende.

Das Londoner Barbican Centre widmet James Bond vom 6. Juli bis zum 5. September eine Ausstellung, die den Titel „Designing 007: 50 Years of Bond Style“ trägt. Hier hat man alles zusammengetragen, was den 007-Fan interessiert: Seine Waffen, die extra für ihn entwickelten technischen Spielereien, seine Anzüge, sein Aston Martin DB5, der Bikini von Bond-Girl Ursula Andress, Daniel Craigs himmelblaue Badehose aus „Casino Royale“ usw usw.
Im „Eis-Palast“ werden auf  einer Großbildleinwand sämtliche Schnee-Verfolgungsjagden von 007 gezeigt; dort ist auch die Eis-Bar aus dem Film „Stirb an einem anderen Tag“ aufgebaut, die von 007 zerstört wird.

Im „Gold Room“, der an den Film „Goldfinger“ erinnern soll, steht ein rundes, sich drehendes Bett, auf dem der Körper einer goldbemalten Frau liegt.

Und überall finden sich Kostüme, die von den bedeutendsten Modeschöpfern unserer Zeit entworfen wurden: Giorgio Armani, Donatella Versace, Emanuel Ungaro und viele andere mehr. Die vielen aufgestellten Bildschirme zeigen die klassischen Szenen aus den in den letzten 50 Jahren gedrehten Filmen.

Wer sich für die Autos interessiert, die James Bond gefahren hat, wird hier im Barbican nicht fündig, die stehen im National Motor Museum in Beaulieu (Hampshire), wo zurzeit auch eine Ausstellung mit dem Titel „Bond in Motion“ stattfindet.

Die Ausstellung, die in der Regel täglich von 11 – 20 Uhr geöffnet ist, kostet £12 Eintritt und es wird geraten, seine Tickets vorher zu reservieren, da der Andrang groß ist.
Zum Abschluss des Ausstellungsbesuches bietet sich ein Abstecher in die Martini-Bar an, wo man seine Martinis geschüttelt oder gerührt ordern kann.

Barbican Centre
Silk Street
London EC2Y 8DS
Tel. 020 7638 8891

Published in: on 17. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Magdala in Hampstead (London) – Hier erschoss Ruth Ellis 1955 ihren Liebhaber

This work has been released into the public domain.

2a South Hill Park, London, NW3 2SB, so lautet die Adresse des Pubs „The Magdala„, der am südlichen Zipfel des Parks Hampstead Heath liegt. Nach einem oder auch mehreren Pints kann man in den ausgedehnten Parkanlagen dort also sehr schön spazierengehen. The Magdala hat auch eine sehr interessante Speisekarte, was ihn in die Nähe eines Gastro-Pubs rückt.
Bekannt ist er spätestens seit dem Ostersonntag 1955, als sich vor den Türen des Pubs ein Mordfall ereignete, der in die Annalen der britischen Kriminalgeschichte einging.

Die Londoner Bardame Ruth Ellis erschoss hier am 10. April ihren Liebhaber, den Rennfahrer David Blakeley. Die Beziehung zwischen den beiden war angespannt; Blakeley war gewalttätig und einige Tage vor der Tat erlitt Ruth Ellis eine Fehlgeburt, weil Blakeley mal wieder zugeschlagen hatte. Als der Mann „The Magdala“ verließ, schoss Ellis auf ihn. Ihr zweiter Schuss streckte ihn nieder; dann schoss sie so lange auf Blakeley, bis das Magazin ihrer Tatwaffe leer war. Der Rennfahrer erlag seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus; Ruth Ellis ließ sich widerstandslos von der Polizei festnehmen und wurde später zum Tode verurteilt. Am 13. Juli wurde die 28jährige im Holloway Prison aufgehängt und war damit die letzte Frau, die man in Großbritannien hinrichtete.

Ob wohl noch einige, die hier ihr Pint trinken oder ihr Dinner zu sich nehmen, an die Tragödie denken, die sich vor Jahrzehnten vor dem Pub abgespielt hat?

Hier ein alter Newsreel vom Tage der Hinrichtung und hier ein kurzer Überblick über einige Hampstead-Pubs, darunter auch The Magdala.

The Magdala
2a South Hill Park
London, NW3 2SB

Tel. 0207 435 2503

Das Buch zum Artikel:
Muriel Jakubait and Monica Weller: Ruth Ellis – My Sister’s Secret Life. Robinson 2005. 325 Seiten. ISBN 978-1845291198.

Published in: on 16. Juli 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Mein Buchtipp – Tom Fort: The A303 – Highway to the Sun

Eigenes Foto.

Die A303 ist knapp 145 km lang und zählt zu den wichtigen Straßen, die in Englands Südwesten führen. „Geboren“ wird sie an der Abfahrt 8 der Autobahn M3 südlich von Basingstoke in Hampshire und ihr plötzliches Ende findet die Straße einige Kilometer nördlich von Honiton (Devon), wo sie von der A30 aufgefressen wird.

Tom Fort, ein Journalist der BBC, kennt die Straße seit mehreren Jahrzehnten und hat jetzt ihre Biografie geschrieben: „The A303: Highway to the Sun„. Mit Auto, Fahrrad und auch zu Fuß hat er jeden Meter dieser vielbefahrenen Straße erforscht und höchst interessante Dinge ans Tageslicht befördert. Das Highlight an der A303 ist sicher die alte Kultstätte Stonehenge, die hier von zwei Straßen in die Zange genommen wird. Menschenmassen pilgern Jahr für Jahr hierher, halten sich im Durchschnitt 20 Minuten hier auf und fahren dann  weiter. Seit Jahren gibt es Diskussionen über die Straßenführung der A303 an dieser World Heritage Site; man wollte die Trasse in einem Tunnel an Stonehenge unterirdisch vorbeiführen, aber die veranschlagten Kosten waren so hoch (zuletzt ca £540 Millionen), dass man bisher immer wieder davon Abstand nahm.

Tom Fort führt uns in seinem Buch durch kleine Dörfer, die an der A303 liegen, zeigt uns Herrenhäuser und weist auf die landschaftlichen Schönheiten der Salisbury Plain hin, die zwar zum großen Teil militärisches Sperrgebiet ist, deren Flora und Fauna aber sehr reichhaltig ist.
Ausflüge in die Geschichte dieses „Korridors“ runden den Band ab.

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen (obwohl ich bisher nur Teile der A303 gefahren bin) und kann es sehr empfehlen!

Ein anderes „Straßen-Buch“ beschäftigt sich mit der A272, die weiter südlich verläuft. Das holländische Ehepaar Pieter und Rita Boogaart haben hier wirklich akribisch und außerordentlich detailliert alles zusammengetragen, was es über diese Straße und ihre unmittelbare Umgebung zu berichten gibt: „A272 – An Ode to a Road“  Ebenfalls ein hoch interessantes Buch!!

Tom Fort: The A303 – Highway to the Sun. Simon & Schuster 2012. 344 Seiten. ISBN 978-0-85720-328-1.

Die A303 bei Stonehenge. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris

Published in: on 15. Juli 2012 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Wincanton (Somerset) – Eine Kleinstadt und ihre Verbindung zum Fantasy-Autor Terry Pratchett

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright William

Wenn man in die kleine Ortschaft Wincanton im Südosten der Grafschaft Somerset einfährt, wird man von einem Schild begrüßt, auf denen die Partnerstädte aufgeführt sind. Die hessische Stadt Lahnau ist eine davon und der französische Ort Gennes-les-Rosiers die andere. Es gibt aber noch eine dritte Partnerstadt von Wincanton, nämlich Ankh-Morpok (Discworld). Einen regen Austausch zwischen diesen beiden Städten wird es wohl nie geben, denn Ankh-Morpok ist fiktiv, aber allen Fans der Fantasy-Romane von Sir Terry Pratchett wohlbekannt,  handelt sich hierbei doch um die wichtigste Stadt in den „Scheibenwelt„-Romanen des britischen Autors. Seit 2002 besteht diese Partnerschaft, ein Marketing-Gag, um auf Wincanton aufmerksam zu machen? ‚The association with Discworld works extremely well for our town, helping to boost the local economy“, zitiert die Daily Mail einen früheren Bürgermeister der Stadt.

Doch die spezielle Verbindung zwischen dem Städtchen in Somerset und dem Fantasy-Autor geht noch weiter. Im Jahr 2009 wurden zwei Straßen in Wincanton nach Straßen in Ankh-Morpok benannt: Die Peach Pie Street und die Treacle Mine Road. Pratchett ließ es sich nicht nehmen, die beiden Straßen höchstpersönlich einzuweihen, in Anwesenheit von hunderten von Discworld-Fans, von denen sich viele zu diesem Anlass entsprechend verkleidet hatten.

In der High Street Nummer 41 in Wincanton findet sich eine weitere Verbindung zu Terry Pratchetts Romanserie: „The Discworld Emporium„, ein Laden, in dem man so ziemlich alles kaufen kann, was sich ein Fan wünscht. Und so kommen denn auch viele Scheibenwelt-Fans aus der ganzen Welt nach Wincanton, um Ankh-Morpok so nahe wie möglich sein zu können.

Sir Terry Pratchett, der über 55 Millionen Exemplare seiner Fantasy-Saga weltweit verkaufen konnte, wohnt nicht allzuweit von Wincanton entfernt in der Grafschaft Wiltshire in Broad Chalke, ca 12 km westlich von Salisbury, im Gurston Manor.

Wem der Name „Wincanton“ irgendwie bekannt vorkommt: Vielleicht hat ihn jemand schon einmal als Schriftzug auf einem Lastwagen gesehen, denn die Firma mit diesem Namen gehört zu den größten europäischen Logistikunternehmen mit Hauptsitz in Chippenham (Wiltshire). Die Ursprünge der Firma gehen auf Wincanton in Somerset zurück.

Dieser Film zeigt eine Autofahrt durch Wincanton.

Discworld. Eigenes Foto.

The Discworld Emporium in der High Street.
Eigenes Foto.

Inspector Barnaby – Episode 82: Death in the Slow Lane (Unter Oldtimern)

Eigenes Foto.

Mit Episode 82 und dem Beginn der 14. Staffel der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ öffnet sich ein neues Kapitel: DCI Tom Barnaby wird durch seinen Cousin DCI John Barnaby ersetzt (sprich: John Nettles durch Neil Dudgeon). Der „gute alte“ Sergeant Ben Jones bleibt uns erhalten und auch Dr. George Bullard ist (noch) mit von der Partie.

Death in the Slow Lane“ (dt. „Unter Oldtimern“) spielt unter Oldtimer-Fans und in einer Mädchen-Internatsschule (die stark an die „Girls von St Trinian-Filme“ erinnert). Jones und seiner neuer Boss fremdeln noch etwas. John Barnaby überlässt am Anfang noch fast alles seinem Sergeant, wirkt ziemlich blass, aber nach und nach zeigt er, was in ihm steckt und er löst den Fall, der bereits einige Jahrzehnte zuvor begann. Als ihm am Ende der Episode Jones auch noch das Leben rettet, kommen sich DCI und Sergeant langsam näher.

Die neue Mrs Barnaby lässt noch auf sich warten; die bekommen wir erst in Folge 83 „Dark Secrets“ (dt. „Mr. Bingham ist nicht zu sprechen“) zu sehen, in der sie ihren neuen Posten als Chefin der Causton Comprehensive School antritt. Sykes, der Hund der Barnabys ist aber schon da; zusammen mit seinem Herrchen wohnt er im neuen Haus  (das noch mit unausgepackten Kisten und Kartons vollgestopft ist, die erst von Sarah Barnaby ausgepackt werden müssen).

Wir feiern hier ein Wiedersehen mit Samantha Bond, die die Kate Cameron spielt. Samantha Bond, die aus vier James Bond-Filmen bekannt ist, in denen sie die Mrs Moneypenny spielt, kennen wir bereits aus Episode 15 „Destroying Angel“ (dt. „Ein Männlein stirbt im Walde“)  und Episode 60 „Shot at Dawn“ (dt. „Wenn der Morgen graut“) kennen.

Jessica Wingate, die Tochter der Internatsleiterin,  wird verkörpert von Lucy Briers, deren Vater Richard Briers in Episode 6 „Death’s Shadow“ (dt. „Der Schatten des Todes“) den mörderischen Vikar Stephen Wentworth spielt, der, als er von Tom Barnaby überführt wird,  sich vom Turm seiner Kirche stürzt.

Das sexy, mit Drogen handelnde College-Girl Charlotte (gespielt von Clara Paget) und die beiden Jung-Teenies Bethan und Nerys (Gwyneth Keyworth und Daisy Keeping), die alle mit ihren Foto-Handies nerven und ein Video-Tagebuch führen, könnten 1:1 aus den beiden „Girls von St Trinian“-Filmen übernommen worden sein.

Gedreht wurde der größte Teil dieser Episode im Bearwood College (=Darnley Park School im Film), das am westlichen Ortsrand von Wokingham, südöstlich von Reading, in Berkshire liegt und das einst von einem Herausgeber der „Times“, John Walter, gebaut und bewohnt wurde.

Ob und wann das ZDF diese neuen Episoden ausstrahlen wird, steht wohl noch nicht fest. Es fehlen ja auch noch einige aus den früheren Staffeln, die nicht synchronisiert worden sind.

Bearwood College = Darnley Park School. –Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mick Crawley

Published in: on 13. Juli 2012 at 02:00  Comments (5)  

Die „lauschenden Ohren“ bei Greatstone-on-Sea (Kent)

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Russon

Wenn man die kleine Straße an der Strait of Dover in Richtung Dungeness in Kent entlangfährt, sieht man bei Greatstone-on Sea merkwürdige Betongebilde, deren Zweck sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Es handelt sich hierbei um sogenannte „Sound Mirrors“ oder auch „Acoustic Mirrors„, das sind militärische Konstruktionen, die zwischen den beiden Weltkriegen installiert wurden, um feindliche Luftschiffe und Flugzeuge bereits hören zu können, bevor sie in Sichtweite waren, also eine Art Radar-Vorgänger.

Die bei Greatstone aufgestellten drei „lauschenden Ohren“ haben unterschiedliche Formen. Eines der Gebilde besteht aus einer 70m langen und 5m hohen leicht gewölbten Mauer, die beiden anderen ähneln schon mehr  Ohren. Im Brennpunkt der drei Reflektoren hatte man Mikrofone installiert.

Der Erfolg dieser Sound Mirrors hielt sich in Grenzen; oft störten auf dem Kanal vorbeifahrende Schiffe den Empfang und als die Flugzeuge immer höhere Geschwindigkeiten erreichten, wurde die Vorwarnzeit immer kürzer. Als man kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges das Radar erfand und einsetzen konnte, erwiesen sich die Acoustic Mirrors als überflüssig.

Vor einigen Jahren wurden diese mittlerweile historischen militärischen Anlagen mit einem Zuschuss von £500,000 des English Heritage renoviert und vor dem Zerfall bewahrt. An einigen wenigen Tagen im Jahr werden geführte Touren zu den drei Listening Ears veranstaltet. Der Open Day 2012 war am 8. Juli; am 12. August um 14 Uhr findet unter dem Titel „Echoes from the Sky“ eine Sonderführung statt.

Hier ist ein sehr interessanter Film über die von Major William Sansome Tucker entwickelten Sound Mirrors bei Greatstone-on-Sea.

Published in: on 12. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Gidleigh Park Hotel in Chagford (Devon)

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Allen

Am Rande des Dartmoor National Park, westlich von Chagford, liegt eines der besten Country House Hotels Englands, zu dem auch eines der besten Restaurants des Landes gehört: Das Gidleigh Park Hotel.

Zwei Michelin-Sterne hat sich Chefkoch Michael Caines 1999 erkocht und sie bis heute gehalten. Gelernt hat Caines bei den Berühmtheiten Bernard Loiseau in Saulieu, Joel Robuchon in Paris und Raymond Blanc in Great Milton (Oxfordshire). Bei diesen „Ziehvätern“ ist es kein Wunder, dass Caines sich in der englischen Restaurantszene so weit hoch gearbeitet hat. Die Sunday Times hat das Gidleigh Park Restaurant vor zwei Jahren sogar zum besten Restaurant des Vereinigten Königreichs gekürt, also noch vor Heston Blumenthals Fat Duck in Bray (Berkshire).
Natürlich sind die Preise bei Michael Caines entsprechend hoch; so kostet das dreigängige Lunchmenü £52 und das abendliche 5-Gang Tasting Menu £115. Dafür bekommt man aber auch ein hervorragendes Essen in einer sehr angenehmen Umgebung in dem holzgetäfeltem Restaurant.

1928 wurde Gidleigh Park für den australischen Reeder Charles Harold Campbell McIlwraith gebaut und 1977 in ein Country House Hotel umgewandelt. Im Jahr 2005 übernahmen Andrew und Christina Brownsword das Haus, renovierten es und machten es noch luxuriöser als es schon war.
Das der Relais & Chateaux-Gruppe angehörende Hotel bietet Standardzimmer, Deluxe-Zimmer und diverse Suiten an. Der „Einstiegspreis“ für ein Standardzimmer (inklusive Frühstück) beträgt £325, also z.Z. ca €400. Die sehr luxuriösen Spa Suiten liegen dann im Bereich bis zu £1,175 (ca €1480.-).

Hier sind einige Impressionen über das Hotel im Film.

Fazit: Ein sehr ruhig gelegenes, elegantes Gourmethotel am Rande des Dartmoors für Gäste mit sehr hohen Ansprüchen.

Gidleigh Park
Chagford
Devon
TQ13 8HH
Tel. 01647 432367

Published in: on 11. Juli 2012 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Betteshanger – Einst Zentrum des Kohlebergbaus in Kent

Etwa hier lag der Eingang zur Betteshanger Colliery. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright S Astro

Kohlebergbau verbindet man in erster Linie mit Englands Norden, speziell mit Yorkshire. Doch auch im Südosten des Landes, im „Garten von England“, also der Grafschaft Kent, wurde einige Jahrzehnte lang Kohle abgebaut. Die „Kent Coalfields“ lagen im Osten, nahe der Stadt Deal.

Betteshanger Colliery war die größte Grube in Kent, die 1927 erstmals Kohle an die Oberfläche beförderte. Der Bedarf an Arbeitskräften war groß und so zogen praktisch über Nacht über 1500 Bergleute mit ihren Familien in die Region; die meisten wohnten in dem kleinen Seebad Deal, das mit dem Zuzug ziemlich überfordert war. Die Einheimischen mochten diese rauen und schmutzigen Menschen mit dem schwer verständlichen Akzent nicht und so fanden sich bald Schilder an den Pubs und Pensionen mit der Aufschrift „No Miners“.

Betteshanger zog viele gewerkschaftlich organisierte Hardliner an, die auf den Schwarzen Listen ihrer früheren Arbeitgeber standen und so galt diese Kohlegrube als die militanteste in Kent. Der bemerkenswerteste Streik in Betteshanger ereignete sich während des Zweiten Weltkrieges; keine andere Grube tat das im ganzen Land.

Der letzte Streik in Betteshanger fand 1984/85 statt, im Zuge des britischen Bergarbeiterstreiks, der verheerende soziale Auswirkungen hatte. Die Grube wurde nach Streikende noch einmal kurz zum Leben erweckt, bevor sie am 26. August 1989 für immer geschlossen wurde.

Wie in vielen Bergbaustädten im Norden Englands, gab bzw. gibt es auch hier in Kent eine Brass Band. Die 1932 gegründete Betteshanger Brass Band, in Deal stationiert, ist auch heute noch aktiv und man kann sie hin und wieder bei öffentlichen Auftritten sehen und hören. Hier ist ein Film über die Brass Band.

Das Buch zum Artikel:
Di Parkin: 60 Years of Struggle – History of Betteshanger Colliery. Betteshanger Social Welfare Scheme 2007. 166 Seiten. ISBN 978-0955755002.

Published in: on 10. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Camden Place bei Chislehurst (Kent) – Ein Haus, das schon vieles erlebt hat

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian Capper

Camden Place, vor den Toren Londons in der Grafschaft Kent gelegen, ist der ganze Stolz des Chislehurst Golf Clubs, denn es fungiert als deren Clubhaus. Auch Hochzeitspaare lieben dieses sehr schöne Haus, das man für entsprechende Feiern mieten kann. Die Imperial Lounge oder der Eugenie Room bieten genau die richtige Atmosphäre, die man für den schönsten Tag des Lebens gern haben möchte.

Doch nicht jeder, der hier feiert wird wissen, was sich im Camden Place schon alles abgespielt hat.
Im frühen 17. Jahrhundert wurde es erbaut und immer wieder von späteren Besitzern umgestaltet und erweitert. Im Jahr 1813 erlebte Camden Place eine Katastrophe. Der damalige Besitzer, ein gewisser Thomas Bonar, wurde am 31. Mai 1813 zusammen mit seiner Ehefrau von einem ihrer Diener, Philip Nicolson, ermordet. Ein Motiv war nie erkennbar. Nicolson wurde nach seiner Flucht in London gefasst und für die beiden Morde gehängt. Dieser Mordfall sollte später Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes-Geschichte „The Adventure of the Abbey Grange“ (dt. „Abbey Grange“) inspirieren.

Im Jahr 1860 kaufte der frankophile Nathaniel Strode das Haus und gab Camden Place einen französischen „Touch“. Als Napoleon III und seine Frau Eugenie ins Exil gehen mussten, bot ihnen Strode seinen schönen Landsitz an und die beiden lebten hier, gemeinsam mit ihrem Sohn, in der ländlichen Idylle. 1873 starb Napoleon III in Camden Place und er wurde auf dem Kirchhof der St Mary’s Church in Chislehurst beigesetzt. Später holte ihn seine Witwe nach Farnborough in die St Michael’s Abbey, wo auch sein Sohn liegt, der 1879 während des Zulu-Krieges gefallen war. Kaiserin Eugenie fand ihre letzte Ruhestätte ebenfalls in der Abtei neben Mann und Sohn.

Nathaniel Strode ging wieder auf seinen Landsitz zurück. Nach seinem Tod im Jahr 1890 wurde das Anwesen an William Willett verkauft, der als Erfinder der Sommerzeit gilt (und der Ur-Ur-Großvater des Coldplay-Sängers Chris Martin ist).

Camden Place hat also eine interessante Geschichte hinter sich und erfreut sich heute an Brautpaaren und Golfern.

Camden Place
Camden Park Road
Chislehurst
Kent BR7 5HJ

St Mary’s Church in Chislehurst, letzte Ruhestätte von Napoleon III. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian Capper

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Brill (Buckinghamshire)

Die Windmühle von Brill, das Wahrzeichen des Dorfes. Eigenes Foto.

Die Windmühle von Brill, das Wahrzeichen des Dorfes.
Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire ist wohl einer der nördlichsten Orte, in denen die „Inspector Barnaby„-Serie gedreht wurde. Er liegt östlich der Autobahn M40 und als Wahrzeichen dient die Windmühle, die noch Holzteile enthalten soll, die aus dem späten 17. Jahrhundert stammen. Die Brill Windmill wurde vor wenigen Jahren komplett restauriert und gehört heute zu den best erhaltenen „post mills“ (Bockwindmühlen) Englands. Während des Sommers ist sie jeden ersten Sonntag im Monat für die Öffentlichkeit zugänglich.

Brill liegt auf einem Hügel oberhalb des Aylesbury Vale, von dem aus man, bei klarem Wetter, sieben Grafschaften sehen kann. Früher produzierte man hier Ziegelsteine, aus denen viele Häuser des Dorfes gebaut sind. Auch für den Bau des Rothschild-Hauses Waddesdon Manor wurden Brill bricks verwendet.

In der Barnaby-Folge 27 „A Tale of Two Hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) ist die Windmühle zu sehen; Sarah Proudie wohnt darin und das Dorf heißt Lower Warden.

Gefilmt wurde auch in Brill für Episode 48 „Four Funerals and a Wedding“ (dt. „Erst morden, dann heiraten“). Dafür wurden das Village Green, die All Saints Church und der Red Lion-Pub verwendet. In dieser Folge wurde auf dem Village Green der sogenannte Skimmington Ride veranstaltet. Als Barnaby den Startschuss dafür gibt, bricht der rückwärts auf einem Maultier sitzende Pfarrer von einem anderen Schuss getroffen zusammen und ist tot. Alle blicken dabei auf Barnaby, der die rauchende Pistole noch in der Hand hält. „Don’t look at me!“ ruft Barnaby seinem Sergeant Jones zu. Eine witzige Szene.

Ganz in der Nähe von Brill befindet sich die Leatherslade Farm. Hierhin zogen sich die Postzugräuber 1963 zurück, nachdem sie den Glasgow – London-Postzug überfallen hatten und ihre Beute von über £ 2.6 Millionen erst einmal zwischenlagern mussten. 1995 wurden die Farmgebäude abgerissen und neu gebaut. Man findet die Farm an der B4011, östlich von Oakley. Ein Zufahrtsweg führt direkt von der B4011 zur Farm, die natürlich in Privatbesitz ist.

Die All Saints Church und das Village Green. Eigenes Foto.

Die All Saints Church und das Village Green.
Eigenes Foto.

 

Hier auf dem Village Green fand der Skimmington Ride statt. Eigenes Foto.

Hier auf dem Village Green fand der Skimmington Ride statt.
Eigenes Foto.

 

Die Leatherslade Farm im Jahr 2006. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Hawgood

Greyhound-Busse – Sie sind auch auf den Straßen Englands zu finden

Der Greyhound-Bus Billie Jean in Portsmouth. – Author: Editor 5807. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Jeder USA-Besucher kennt sie: Die großen Überlandbusse der Firma Greyhound mit dem springenden Windhund als Logo, überall auf den Interstates zu finden.
Seit dem 14. September 2009 kann man sie hin und wieder auch auf britischen Straßen sehen, denn die Firma Greyhound UK hat mit ihren Scania- und Volvo-Bussen den Betrieb hier aufgenommen.
Die erste Verbindung ging von London nach Portsmouth und Southampton; im Jahr 2010 kam die inter-walisische Route Cardiff – Swansea dazu und im letzten Jahr die Langstreckenverbindung von London nach Glasgow.

Die Philosophie der Firma Greyhound UK ist, preisgünstige Fahrten in komfortablen Bussen anzubieten, mit einigen Extras. So gibt es an Bord die aktuellen Tageszeitungen und kostenloses WLAN; mehr Beinfreiheit für die Passagiere ist auch vorhanden.
Die Preise für die Fahrten sind niedrig und man wird ermutigt, seine Tickets  über das Internet zu bestellen, denn da bekommt man die günstigsten Preise.

Zurzeit sind 14 Greyhound-Busse im Einsatz. So ähnlich wie bei den Eddie Stobart-Trucks (s. hierzu auch meinen Blogeintrag), die alle weibliche Vornamen tragen, sind die Busse nach weiblichen Figuren aus amerikanischen Rock- und Popsongs benannt; da gibt es also eine Peggy Sue, eine Barbara Ann, eine Sweet Caroline und eine Mrs. Robinson.

Wer also einmal über Nacht von London in die schottische Metropole Glasgow an Bord von Hello Dolly fahren und dabei Geld sparen möchte, der ist mit den Greyhound-Bussen gut bedient.

Greyhound UK Limited
First
Empress Road
Southampton
SO14 0JW

Published in: on 7. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Das National Football Museum in Manchester öffnet heute seine Pforten

Hier im Urbis Centre in Manchester ist das National Football Museum untergebracht. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Eirian Evans

Manchester ist zurzeit der Nabel der britischen Fußballwelt. Die beiden besten Vereine, Manchester City und Manchester United, sind hier zuhause; so ist es optimal, wenn in der Stadt auch das National Football Museum zu finden ist, das heute, am 6. Juli, eröffnet wird.
Bis zum Jahr 2010 war das ganz dem Fußball gewidmete Museum ziemlich weitab vom Schuss im Deepdale Stadium in Preston (Lancashire) untergebracht. Um es besser zu positionieren und um mehr Besucher anzulocken, zog man mit den ganzen Sammlungen nach Manchester ins Urbis Centre um, einem beeindruckenden Gebäude im Zentrum der Stadt, wo das Museum vier Etagen einnimmt.

Was man hier alles zusammengetragen hat, ist schon beeindruckend. Die FIFA Collection ist die größte Sammlung von Fußball-Memorabilien in der ganzen Welt (mit der berühmten Jules Rimet Trophy).

Zu sehen gibt es hier u.a. den Ball aus dem legendären Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft, in dem England Deutschland mit 4:2 besiegte und in dem es die umstrittene Szene gab, ob nun der Ball die deutsche Torlinie überschritten hatte oder nicht.
Diego Maradonas Trikot wird ausgestellt, in dem er 1986 bei der Fußball-WM das Tor gegen England mit der „Hand Gottes“ erzielte.
In der Sir Stanley Matthews Collection sind Gegenstände zusammengetragen worden, die mit einem der größten Spieler der britischen Fußballgeschichte zusammenhängen.

Unter den unzähligen Ausstellungsstücken finden sich, um nur einige zu nennen, weiterhin ein signiertes Trikot von Chelseas Didier Drogba und eine der Kopfschutzkappen seines Vereinskollegens Petr Cech. Maskottchen, Schals, Abzeichen, Fanmagazine, Tickets, Fotos – Alles, was ein Fußballerherz höher schlagen lässt, ist im Museum versammelt.

In der Football Hall of Fame schließlich sind die überragendsten Figuren aus der Welt des Fußballs versammelt, die Jahr für Jahr durch Neuzugänge ergänzt werden.

Der Eintritt ist frei.
Die Öffnungszeiten: Montags bis Samstags: 10 – 17 Uhr, Sonntags: 11 – 17 Uhr.
Im 5. und 6. Stock sind ein Restaurant und eine Bar untergebracht und ein Shop versorgt den Fußballfan mit den nötigen Souvenirs.

National Football Museum
Urbis Building
Cathedral Gardens
Manchester
M4 3BG
Tel. 0161 605 8200

Published in: on 6. Juli 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Meine Lieblings-Pubs – The Angel on the Bridge in Henley-on-Thames (Oxfordshire)

Eigenes Foto.

Ich habe eine Schwäche für die trubelige Stadt Henley-on-Thames in Oxfordshire, auch wenn man stets einige Zeit braucht, um einen Parkplatz zu finden. Mein Tipp: In der Nähe des River and Rowing Museums an der Themse sind große Parkplätze, von denen aus man in wenigen Minuten zu Fuß in der Stadt ist.

Dort wo die A4130 auf einer Brücke die Themse überquert und in die Hart Street übergeht, liegt ein Pub, den ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann: The Angel on the Bridge. Hier hat man eigentlich alles, was man von einem Pub erwartet: Eine unschlagbare Lage, im Sommer eine Terrasse direkt an der Themse, im Winter eine gemütliche Atmosphäre mit Kaminfeuer und natürlich immer ein gutes Pint von Brakspear.
Einziger Nachteil: Es ist fast immer ziemlich voll hier, so dass man die Mittagszeit lieber meiden sollte. Der Angel hat täglich durchgehend geöffnet, so empfiehlt sich ein Besuch eher am frühen Nachmittag.

Ideal ist der Pub natürlich für die jährlich stattfindende Henley Royal Regatta (in diesem Jahr fand das Ereignis vom 27. Juni bis zum 1. Juli statt), aber da einen Platz zu bekommen, dürfte schwierig sein. Speziell für die Regatta-Tage bietet der Angel auch ein Regatta-Menü an.

Nicht zu verwechseln ist The Angel on the Bridge mit dem Little Angel, der liegt auf der anderen Seite der Brücke am Remenham Lane, bereits in der Grafschaft Berkshire (ebenfalls zu empfehlen!).

The Angel on the Bridge
Thameside
Henley on Thames
Oxfordshire  RG91BH
Tel: 01491410678

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 5. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp – The Countess of Carnarvon: Lady Almina and the Real Downton Abbey

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Downton Abbey“ ist eine außerordentlich erfolgreiche Drama-Serie des britischen Senders ITV, die in Deutschland zuerst auf dem Pay TV-Sender Sky Cinema und zu Weihnachten 2012 auch im ZDF ausgestrahlt wurde. Der Drehbuchautor Julian Fellowes schildert darin das Leben der Familie des Grafen und der Gräfin von Grantham, die ihren Stammsitz in dem fiktiven Schloss Downton Abbey haben.

Drehort für die Serie war hauptsächlich Highclere Castle in Hampshire, einige Kilometer südlich der Stadt Newbury, Wohnsitz der Carnarvons.

Lady Fiona Carnarvon ist die Gattin des 8. Earl of Carnarvon, die ihr Haus für die Filmarbeiten zur Verfügung stellten.
Wie es wirklich zu jener Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges im Highclere Castle zuging, schildert die Countess of Carnarvon in ihrem Buch „Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle„. Im Mittelpunkt des Buches stehen Lady Almina, die 5. Countess, und ihr Mann George Herbert, der 5. Earl, der vor allem durch seine Ausgrabungen in Ägypten, zusammen mit Howard Carter, berühmt wurde. Während des Krieges tat sich die Herrin von Highclere Castle besonders dadurch hervor, dass sie sich um die verletzten Soldaten kümmerte, denen sie sowohl in ihrem Schloss als auch in ihrem Londoner Wohnsitz die bestmögliche Pflege zukommen ließ. Im Gegensatz zu der TV-Serie nimmt in dem Buch das Leben „Downstairs“, also das Leben der Dienerschaft, nur einen kleinen Teil ein.

In diesem Film
führt Lady Carnarvon durch ihr wunderschönes Schloss Highclere Castle.

The Countess of Carnarvon: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle. Hodder & Stoughton 2011. 320 Seiten. ISBN 978-1444730821.

Nachtrag vom 26.09.2013: Die Übersetzung des Buches erscheint am 8. Oktober unter dem Titel: „Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle“ im mvg-Verlag. ISBN 978-3868824766.

Highclere Castle. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright pam fray

Published in: on 4. Juli 2012 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Dry Stone Walling Association of Great Britain – Die Gesellschaft, die sich für den Bau von Trockenmauern einsetzt

Das Centre for Dry Stone Walling bei Thorlby (North Yorkshire). – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Pauline Eccles

Wenn man durch die Yorkshire Dales fährt, sieht man, dass die Weiden dort zum großen Teil durch Trockenmauern und nicht durch Zäune umfasst werden. Diese Dry Stone Walls werden in Großbritannien schon seit mehr als 3000 Jahren verwendet und erfreuen sich eben auch heute noch großer Beliebtheit, denn sie sind robust und umweltfreundlich. Es müssen für die Umzäunung keine Bäume gefällt werden, die in den Regionen, in denen die Trockenmauern gebaut werden, sowieso nicht im Überfluss vorhanden sind.

Die 1968 gegründete Dry Stone Walling Association of Great Britain (DSWA) propagiert den Einsatz der Natursteine in der Landwirtschaft, veranstaltet Seminare und gibt Trainingskurse für Interessierte.
„The main aims of the Association are to promote a greater understanding and knowledge about the traditional craft of dry stone walling and to encourage the repair and maintenance of dry stone walls throughout the country“.

Es gibt Zweigstellen der DSWA in Schottland, Wales und vielen Teilen Englands, die sich auf regionaler Ebene für den Einsatz der Dry Stone Walls stark machen.

HRH The Prince of Wales ist übrigens ein Befürworter des Trockenmauerbaus und ist Schirmherr der DSWA.

Es gibt in Großbritannien eine Fülle von Büchern und DVDs, die sich alle mit diesem Thema beschäftigen. Der Bau von Trockenmauern, bei denen kein Mörtel zur Anwendung kommt, erfreut sich auch in Privatgärten zunehmender Beliebtheit.

Hier ist ein Film über Dry Stone Walling in Derbyshire.

Dry Stone Walling Association of Great Britain
Lane Farm, Crooklands
Milnthorpe, Cumbria, LA7 7NH
Tel. 015395 67953

Das Buch zum Artikel:
Andy Radford: A Guide to Dry Stone Walling. The Crowood Press 2001. 128 Seiten. ISBN 978-1861264442.

Published in: on 3. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Cuffley (Hertfordshire) – Hier wurde am 3. September 1916 das erste deutsche Luftschiff abgeschossen

Denkmal für William Leefe Robinson in Cuffley. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright bernard davies

Deutsche Luftschiffe waren im Ersten Weltkrieg in England sehr gefürchtet. Die riesigen Vehikel stellten eine große Bedrohung dar, da sie sehr hoch fliegen konnten und sich außerhalb der Reichweite der Bodenabwehrkanonen bewegten. Auch die britischen Kampfflugzeuge waren noch nicht allzu ausgereift.

Am 3. September 1916 gelang es dem Piloten Leutnant William Leefe Robinson erstmals ein deutsches Luftschiff vom Typ Schütte-Lanz SL 11 über dem Dorf Cuffley (Hertfordshire) abzuschießen. Durch das Maschinengewehrfeuer entzündete sich das Luftschiff und stürzte brennend hinter dem Plough Inn in Cuffley ab. Die 16köpfige Besatzung unter Kommandant Wilhelm Schramm kam dabei ums Leben. Der Abschuss wurde von vielen Londonern beobachtet, die daraufhin in Jubel ausbrachen und die Nationalhymne sangen.

Leefe Robinson wurde für seine Tat mit dem Victoria Cross ausgezeichnet. Er starb nur zwei Jahre später an der Spanischen Grippe und wurde auf dem All Saints Churchyard in Harrow Weald (Greater London) beigesetzt. Ein Pub wurde hier nach ihm benannt, den man aber mittlerweile in das Miller & Carter Steakhaus umgewandelte.

In Cuffley errichtete man im Jahr 1921 an der Absturzstelle des Luftschiffs ein Obelisk zu Ehren des englischen Leutnants mit der Inschrift:

Erected by readers of the “ Daily
Express “ to the memory of
CAPTAIN WILLIAM LEEFE
ROBINSON, V.C.,
Worcs. Regt. and RFC.
Who on September 3, 1916, above
this spot, brought down L 21, the
first German airship destroyed on
British soil.
The site of this monument was
presented to the public by Mrs.
J. M. B. Kidston, of Nyn Park,
Northaw.

Hier ein Film von der Enthüllung des Denkmals.

Was geschah mit den deutschen Soldaten? Sie wurden im nahegelegenen Potters Bar beerdigt, in den 1960er Jahren aber auf den German War Cemetery in Cannock Chase ( Staffordshire) verlegt.

Die letzte Ruhestätte der deutschen Luftschiff-Besatzung in Cannock Chase. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Cragg

Published in: on 2. Juli 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,