Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Hurley (Berkshire)

Ye Old Bell Hotel in Hurley. Eigenes Foto.

The Olde Bell Hotel in Hurley.
Eigenes Foto.

Wenn man von Henley-on-Thames auf der A4130 in Richtung Maidenhead fährt, kommt man an Hurley in Berkshire vorbei, d.h. man muss von der A-Straße nach links in die langgezogene Hurley High Street einbiegen, um in das „Zentrum“ des kleinen, wohlhabenden Ortes zu kommen.
Die Location Manager der TV-Serie „Inspector Barnaby“ haben dieses Dorf ausfindig gemacht, um hier Dreharbeiten für einige Episoden vorzunehmen.

Selbstredend, dass das hübsche „The Olde Bell Hotel„, 1187 erbaut und direkt an der High Street gelegen, als Schauplatz für eine der Folgen verwendet wurde. In Episode 58 „They Seek Him Here“ (dt. „Mit Gift und Guillotine“) machte man aus dem Hotel des Dorfes das „Magna Hotel“. Das ist die Folge, in der der Filmregisseur Nick Cheyney bei den Dreharbeiten zu dem Film „The Scarlet Pimpernel“ mit Hilfe einer Guillotine ins Jenseits befördert wird.

Auch für Episode 11 „Blue Herrings“ (dt. „Drei tote alte Damen“) ging man wieder nach Hurley, um hier zu drehen. Dieses Mal diente die Hurley Priory als Haus des verdächtigen Arztes Dr. Clive Warnford, der in die Todesfälle in dem Alten- und Pflegeheim verwickelt zu sein scheint, in dem Tom Barnabys Tante untergebracht ist.
In der Episode 89 „A Rare Bird“ (dt. „Die Vögel“) wohnte in dem gleichen Gebäude wieder ein Mediziner, der Dorfarzt Ian Markham.

Joyce Barnaby taucht auch einmal in Hurley auf: In Folge 63 „Midsomer Life“ (dt. „Leben und Morden in Midsomer“) geht sie in den Dorfladen (das eigentliche Postamt), um dort Holzkohle für ein Grillfest anlässlich Tom Barnabys Geburtstag zu kaufen (die sie dort aber nicht bekommt).

Ein Abstecher in das hübsche, an der Themse gelegene Dorf lohnt sich also und ein Besuch in „The Olde Bell“ sowieso (hier einige Impressionen).

Nachtrag vom 12.03.2014: Die Dreharbeiten für Episode 96, „Let Us Prey“ (dt. „Da hilft nur beten“), fanden überwiegend in Hurley und in der Dorfkirche St Mary the Virgin statt.

Das Post Office von Hurley diente als Dorfladen in "Midsomer Life". Eigenes Foto.

Das Post Office von Hurley diente als Dorfladen in „Midsomer Life“.
Eigenes Foto.

Die Dorfkirche von Hurley. Eigenes Foto.

Die Dorfkirche von Hurley, St Mary the Virgin.
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Bawdsey Manor (Suffolk) – Wo das Radar entwickelt wurde

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Schöner kann ein Herrenhaus eigentlich kaum liegen: Wo der River Deben in die Nordsee mündet, ein Katzensprung von Felixstowe entfernt, steht an der Küste Suffolks das Bawdsey Manor, von dem man einen sehr schönen Blick auf das Meer hat.

William Cuthbert Quilter, Parlamentsmitglied für Süd-Suffolk,  erwarb 1873 hier ein großes Grundstück und baute darauf dieses Haus, das er im Laufe der Jahre immer mehr erweiterte und das sich aus unterschiedlichen Baustilen zusammensetzt. Die Dame des Hauses, Lady Quilter, nahm sich der Gestaltung der Gärten an. Hier findet man einen Secret Garden, einen viktorianischen Küchengarten, einen italienischen Garten und einen französischen Garten.

1936 wurde Bawdsey Manor vom britischen Verteidigungsministerium übernommen und man installierte hier eine streng geheime Forschungsabteilung, in der Sir Robert Watson Watt mit seinem Team die Radar-Technologie entwickelte. Der 2. Weltkrieg stand vor der Tür und man benötigte in England dringend Frühwarnanlagen mit denen man herannahende, feindliche Flugzeuge erkennen konnte. Hier im Bawdsey Manor entwickelte man die erste Küstenradarstation des sogenannten Chain-Home-Systems.
Bis 1994 blieb das Herrenhaus im Besitz des Verteidigungsministeriums, dann wurde es an die gegenwärtigen Besitzer, die Toettchers, verkauft.

An einigen wenige Tagen im Jahr kann man an einer geführten Tour teilnehmen, die das Manor House und die Gärten, sowie ein Mittagessen umfasst. Fünf Stunden dauert diese Tour und kostet £28.50. In diesem Jahr sind noch drei Termine vorgesehen: Am 12. und 19. September und am 10. Oktober.

Im sogenannten Transmitter Block, der auch nur wenige Tage im Jahr geöffnet ist, kann man sich die „The Magic Ear„-Ausstellung ansehen, die über die Entwicklung des Radars informiert.

Bawdsey Manor
Bawdsey Quay
Woodbridge Suffolk IP12 3AZ
Tel. 01394 412396

Das Buch zum Artikel:
Kinsey Gordon: Bawdsey Birth of the Beam – The History of R.A.F. Stations Bawdsey and Woodbridge. Terence Dalton 1983. 206 Seiten. ISBN 978-0861381050.

Mein Buchtipp – Mark Mason: Walk the Lines – The London Underground, Overground

Eigenes Foto.

Ich habe mein persönliches Buch des Jahres bereits gefunden. Es ist Mark MasonsWalk the Lines: The London Underground, Overground„. Im Anklang an einen der ersten Johnny Cash-Hits, „I Walk the Line“, schildert der Autor in diesem Buch seine Trips durch die britische Hauptstadt und zwar geht er alle 11 U-Bahnlinien ab, aber über der Erde. Diese Wege führen ihn dann auch an sämtlichen 269 U-Bahnstationen vorbei und was es da alles zu sehen und zu berichten gibt, das erfahren wir in diesem großartigen Buch.

Mark Mason hat viele Jahre in London gelebt, aber auch er war noch nicht in allen Ecken und Enden der Millionenstadt. Mit dem Londoner Stadtplan „A to Z“ bewaffnet und einem bequemen Paar Schuhe macht er sich auf den Weg, der 249 Meilen U-Bahnstrecke umfasst; rechnet man aber alle Umwege, Nebenwege usw. dazu, er läuft ja nicht geradlinig die Strecken ab, so kommt Mason insgesamt auf ca 375 Meilen.

Mark Mason nimmt im ersten Kapitel die Victoria Line unter die Füße, die von Brixton im Süden nach Walthamstow Central im Norden führt; das sind rund 20 km mit 16 Stationen wie Euston, King’s Cross und Finsbury Park.

Man erfährt sehr viel über die einzelnen Stadtteile, in manche kommen auch die Einheimischen so gut wie nie. Wer war schon einmal in Upminster, dem Endpunkt der District Line, oder in Cockfosters, wo die Piccadilly Line endet?

Wer diese Wanderungen durch London einmal virtuell nachempfinden möchte, der kann das sehr gut mit Hilfe von Google Street View machen, denn die Hauptstadt ist weitgehend erfasst.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die London in ihr Herz geschlossen haben. Es lädt ein, den Spuren des Autors zu folgen und man erfährt ständig Neues und Interessantes über diese großartige Stadt.

Mark Mason: Walk the Lines – The London Underground, Overground. Random House 2011. 384 Seiten. ISBN 978-1847946539

Published in: on 29. August 2012 at 02:00  Comments (5)  
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Das Lost Property Office der Londoner Verkehrsorganisation Transport for London

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Transport for London“ ist zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr der britischen Metropole, also für das gesamte U-Bahn- und Stadtbusnetz, für London Rail, die Bahndienstleistungen innerhalb Londons erbringt, und die lizensierten Taxen (Black Cabs).

In diesen vielen Bussen, Zügen und Taxen bleibt natürlich auch das eine oder andere liegen, was die Passagiere vergessen haben. Dafür ist das Lost Property Office zuständig, das in der „Sherlock Holmes-Straße“ Baker Street zu finden ist. Die Masse an gefundenen und abgegebenen Gegenständen ist so groß, dass sage und schreibe 39 festangestellte Vollzeitkräfte damit beschäftigt sind, das alles zu verwalten. Etwa 25% der Gegenstände finden zu ihren rechtmäßigen Besitzern wieder zurück, der Rest wird entweder versteigert oder wohltätigen Zwecken zugeführt.

Das Lost Property Office erhält pro Tag bis zu 1500 Artikel, die alle katalogisiert und kategorisiert werden und ohne die Datenbank des LPO läuft natürlich gar nichts. Seit 1933, als das Büro eingerichtet wurde, sind mehr als 15 Millionen Gegenstände in den öffentlichen Verkehrsmitteln liegengeblieben.

Die „Lost and Found“-Statistik für die Jahre 2005 bis 2010 sieht so aus:

1. Bücher 129 159
2. Taschen 116 749
3. Kleidungsstücke 103 966
4. Wertgegenstände 73 998
5. Mobiltelefone 65 912
(Quelle: Alexander Ash: Top Ten of London)

Ab und zu werden natürlich auch ungewöhnliche Gegenstände aufgefunden wie z.B. Brustimplantate, Hochzeitskleider, Urnen mit menschlicher Asche, der Sarg, der in dem Film „Four Weddings and a Funeral“ verwendet wurde, eine Tasche mit zwei menschlichen Schädeln, ein Koffer mit £10 000, aufblasbare Sexpuppen und ein ausgestopfter Kugelfisch.

Dieser Film zeigt einen Blick hinter die Kulissen des LPO.

Wer also etwas in Londoner Verkehrsmitteln liegengelassen hat, wende sich vertrauensvoll an das

Lost Property Office
200 Baker Street
London, NW1 5RZ
Tel. 0845 330 9882

Published in: on 28. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Littlehampton (West Sussex) – Die längste Bank Großbritanniens, das East Beach Café und The Body Shop

Ein Teil der längsten Bank Großbritanniens am Strand von Littlehampton.
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Wenn man die A259 von Brighton kommend weiter nach Westen fährt, kommt man kilometerlang an Wohnsiedlungen und Industriegebieten vorbei, was nicht wirklich schön aussieht. Einige Kilometer westlich von Worthing liegt der Badeort Littlehampton mit einer Strandpromenade wie sie bei vielen Engländern beliebt ist: Hier findet man Spielbuden, Minigolfplätze, Andenkenläden und Stände, die Süßigkeiten verkaufen, alles schön laut und bunt.

In Littlehampton kann man aber auch die längste Bank Großbritanniens bewundern, die sich 324 Meter an  der Promenade entlangzieht und am 30. Juli 2010 eingeweiht wurde. Die Bank, die aus tausenden von bunten recycelten Holzpfählen besteht und die Platz für 300 Menschen bietet, windet sich um Mauern und Lampenpfosten herum und ist ein kleines Kunstwerk. Von hier aus kann man sich entspannt in den Anblick des Meeres vertiefen.

Neben der Bank gibt es am Strand von Littlehampton noch etwas besonderes zu bewundern: Das East Beach Café. Der berühmte Architekt Thomas Heatherwick hat dieses außergewöhnliche Gebäude entworfen, das einem Stück Treibholz nachempfunden ist. Zwei Männer haben das Café in neun Monaten gebaut, wobei überwiegend Stahl als Baumaterial verwendet wurde. Seit der Fertigstellung im Juni 2007 hat das East Beach Café über 20 nationale und internationale Design- und Architektur-Preise gewonnen.
Das Café ist das ganze Jahr über geöffnet und man kann hier vom Frühstück bis zum Abendessen alle Mahlzeiten einnehmen und hat dabei einen fantastischen Blick aufs Meer.

In Littlehampton befindet sich auch der Firmensitz der Handelskette für kosmetische Produkte The Body Shop. Die Firma wurde 1976 von Anita Roddick gegründet, die übrigens auch in Littlehampton geboren wurde. The Body Shop hat sich auf seine Fahnen geschrieben, auf Tierversuche zu verzichten und legt Wert auf Fairen Handel. Mit ca 800 Angestellten ist The Body Shop ein wichtiger Arbeitgeber in Littlehampton.

Hier sind Bilder von der längsten Bank GBs.

Das East Beach Café.
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Published in: on 27. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschilder – The World’s End in Camden (London)

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174 Camden High Street

lautet die Adresse dieses Pubs mit dem düsteren Namen „The World’s End„, der im Nord-Londoner Stadtteil Camden Town liegt. Das Pubschild zeigt ein Boot, besetzt mit fünf Männern (Wikinger?), das offensichtlich von einer Welle getragen in einen Abgrund stürzt.
Bis 1985 hieß der Pub „The Olde Mother Redcap„. Seit 1690 soll auf dem Gelände schon eine Taverne gestanden haben; das heutige Gebäude entstand 1875.

Bekannt wurde „The World’s End“ auch dadurch, dass unter dem Haus ein bekannter Club angesiedelt ist, „The Underworld Club„, in dem schon u.a. Dave Stewart, The Cranberries, The Foo Fighters  und Radiohead aufgetreten sind.

Viele bekannte Londoner wie Charles Dickens sollen hier früher häufig zu Gast gewesen sein. Der Pub hat sich, obwohl er zu den größten in ganz Großbritannien zählt, eine besondere Atmosphäre bewahrt; überall finden sich Erinnerungsstücke aus vergangenen Zeiten, so auch das vorige Pubschild, das die Mother Redcap zeigt.

Auf der anderen Straßenseite gab es einmal ein Gasthaus, das „Mother Black Cap“ hieß. „Dracula“-Autor Bram Stoker war der Meinung, dass es  zwei Hexen mit diesen Namen gab und die mit der schwarzen Kappe soll Mother Shipton gewesen sein, die 1488 in einer Höhle in Knaresborough (North Yorkshire) geboren wurde und Prophezeiungen über das Ende der Welt gemacht hatte, in denen es u.a. hieß:

Und einstürzende Wasserfluten werden
Das Land überfluten mit solchem Getöse,
Daß Menschen kauern in schlammigen Moor
Und knurren wegen ihrer Gefährten.

…deutet das Pubschild auf diese Prophezeiung hin?

Übrigens gibt es auch in Mother Shipton’s Knaresborough, direkt am River Nidd, einen Pub mit dem Namen „Worlds End„, in dem ich einmal ein „Mittags-Pint“ getrunken habe.

The World’s End
174 Camden High Street
London NW1 0NE
Tel. 020 7482 1932

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The World's End in Knaresborough (North Yorkshire). Eigenes Foto.

The World’s End in Knaresborough (North Yorkshire).
Eigenes Foto.

Open House London 2012 – Das Wochenende der Offenen Türen

Das Marlborough House.
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Zum zwanzigsten Mal findet in diesem Jahr Open House London statt und zwar am 22. und 23. September. An diesem „Wochenende der Offenen Tür“ kann man sich historische Häuser, Geschäftshäuser, Regierungsgebäude etc. ansehen, die sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Entsprechend groß war der Andrang in den vergangenen Jahren gewesen, denn viele wollten sich das nicht entgehen lassen.

In diesem Jahr werden ca 750 Events angeboten, die die offenen Häuser, aber auch anderes wie geführte Touren, Vorträge usw. einschließen. In der Regel braucht man sich für die Besichtigungen nicht anzumelden, nur bei einigen wenigen „Etablissements“ ist eine Vorausbuchung erforderlich.

Ein paar Beispiele möchte ich an dieser Stelle geben, was man sich in diesem Jahr ansehen kann:

– Der Jimi Hendrix Flat im Händel House Museum in der 23 Brook Street W1. In dieser Wohnung lebte der US-Sänger und Gitarrist 1968/69.
– Das Marlborough House in Pall Mall SW1. Ehemals Wohnhaus der Dukes of Marlborough, heute Hauptquartier des Commonwealth Secretariat.
– Das Park Lane Hotel am Green Park, Piccadilly W1, ein Hotel, das im Art Deco-Stil erbaut wurde.
– Die Royal Albert Hall an der Kensington Road, SW7. Ein Blick hinter die Kulissen einer der berühmtesten Veranstaltungshallen in London.
30 St Mary Axe, besser bekannt als The Gherkin. Das 4ogeschossige Bürogebäude in der City of London ist längst zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.
– Die Bank of England in der Threadneedle Street, EC2.
– Die Glocken und der Glockenturm der Kirche St Botolph Aldgate in der Aldgate High Street, EC3.
Lloyd’s of London, One Lime Street, EC3. Das berühmte Gebäude der berühmten Versicherungsgesellschaft.

Der Eintritt ist überall kostenlos. Es gibt eine Broschüre, die alle an diesem Wochenende geöffneten Gebäude auflistet und die man sich für £6.50 zuschicken lassen kann (s. Webseite) oder man kann auf der Webseite von Open House London gezielt nach Gebäuden oder nach Stadtteilen suchen.

Es lohnt sich bestimmt, wenn man am 22./23. September in London ist, dieses Angebot wahrzunehmen.

Das Park Lane Hotel.
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St Botolph Aldgate.
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Die Über/Unterquerung des Ärmelkanals – Einige persönliche Anmerkungen

England bound – mein Auto im Eurotunnel Le Shuttle. Eigenes Foto.

In der Prä-Kanaltunnel-Zeit fuhren wir meist auf der Strecke Vlissingen – Sheerness, die die Olau-Line mit ihren beiden Jumbo-Fähren bediente, nach England. Die Schiffe, die zweimal täglich in jede Richtung fuhren, waren bequem und besaßen gute Restaurants, in denen man seinen Urlaub auf angenehme Weise beginnen konnte. Leider wurde die Fährverbindung 1994 eingestellt.

Die Strecke Hamburg – Harwich bzw. Cuxhaven – Harwich ersparte einem die lange Anreise in die Fährhäfen der Niederlande, Belgiens oder Frankreichs. Das war zwar die längste und teuerste Verbindung nach England, aber es war zugleich auch eine Mini-Kreuzfahrt und wenn man dann noch eine schöne Kabine auf dem Oberdeck hatte, war das alles sehr angenehm. Leider wurde auch diese Verbindung vor einigen Jahren eingestellt.

Die Fähren, die die kürzeste Kanalüberquerung bieten, von Calais nach Dover, sind zwar relativ schnell am Ziel, aber sie sind reine Massenverkehrsmittel und entsprechend unangenehm.

Wie schön, dass 1994 der Eurotunnel freigegeben wurde. Das sind zwar für mich auch jedesmal 750 km Anreise, dafür ist man aber in einer halben Stunde am Ziel und wie der Seegang über einem im Ärmelkanal ist, spielt dann keine Rolle mehr.
Der Tunnel sous la Manche, wie er in Frankreich heißt, ist auf der von Ostende kommenden Autobahn gut ausgeschildert, man fährt an Calais vorbei und kommt dann auf der Stadtautobahn auf eine eigene Ausfahrt, die zu dem riesigen Abfertigungsgelände führt. Es empfiehlt sich, die Tunneldurchfahrt bereits zu Hause per Internet zu buchen, denn dann spart man einerseits Geld, anderseits geht die Abfertigung schneller. Es gibt für über das Internet gebuchte Fahrten separate Spuren, die entsprechend gekennzeichnet sind. Als wir das letzte Mal in eine dieser Spuren fuhren, erfasste man unser Auto schon durch ein Nummernschilderkennungssystem (das war neu), und wir wurden auf dem Touchscreen-Terminal bereits namentlich begrüßt. Da wir schon eher  als geplant in Calais waren, kam die Frage, ob wir einen früheren Zug nehmen wollten, was ich per Bildschirmberührung bejahte, dann wurde ein Aufhänger gedruckt mit den Abfahrtzeiten und einem Kennbuchstaben, den man innen an den Spiegel hängen muss.

Anschließend fuhren wir gleich in die gut beschrifteten Fahrspuren, die in Richtung „Grande Bretagne“ wiesen. Eine Ausweiskontrolle fand statt, dann wurden wir in eine Nebenspur eingewiesen, in der wir bzw. unser Auto auf Rauschgift überprüft wurden, und dann folgten wir den Wegweisern, die zur Warteschlange für die nächste Tunneldurchquerung wiesen.

Per Lautsprecher wird die Abfahrt bekanntgegeben und man fährt in den wartenden Zug Le Shuttle ein, der aus zwei „Geschossen“ besteht. Die Autos werden entweder auf den unteren Teil oder in den oberen Teil des Zuges geleitet. Wen man die endgültige Parkposition erreicht hat, werden die einzelnen Abteile durch Türen voneinander getrennt. Während der Fahrt, die sehr ruhig verläuft, kann man sein Fahrzeug verlassen oder einfach sitzenbleiben; zu sehen ist vom Tunnel so gut wie nichts und nur ab und zu huscht ein Lämpchen an der Tunnelwand vorbei.

Nach gut dreißig Minuten ist man am Ziel und wird von den grünen Hügeln der Grafschaft Kent und vom Folkestone White Horse begrüßt. Nachdem man den Zug verlassen hat, geht es ohne jede weitere Kontrolle gleich weiter und man muss sich entscheiden, ob man über die M20 in Richtung London fahren möchte oder eine andere Richtung einschlagen will (zum Beispiel zum nächsten Pub…). Einfacher und schneller als durch den Eurotunnel kann man nicht nach England gelangen.

Die Verladung beginnt.
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Channel Tunnel Terminal bei Folkestone (Kent).
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Published in: on 24. August 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Boring Bedfordshire?

Ugly Bedfordshire – wie hier in Luton. Die eine Seite der Medaille.
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Bedfordshire, die nördlich von London gelegene Grafschaft, genießt in der Öffentlichkeit keinen besonders guten Ruf. „Boring Bedfordshire“ wird immer wieder genannt, wenn nach dem langweiligsten County Englands gefragt wird.  Einige sind der Meinung, hier gibt es kaum etwas Erwähnenswertes zu sehen, andere bezeichnen Bedfordshire als die Müllkippe Londons.
Auch ich habe in meinem Blog bisher nur sehr wenig über die Grafschaft berichtet.

Was ist nun wirklich dran an der Unattraktivität der Grafschaft?

Gestern fand ich eine wunderbar formulierte Beschreibung von Bedfordshire, die ich hier in meinem Blog im Original wiedergeben möchte. Der Text stammt aus dem Buch „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales„, geschrieben von Gwyn Headley und Wim Meulenkamp, erschienen 1990 im Londoner Verlag Jonathan Cape. Auf Seite 199 steht dort:

„Unsung, unfashionable Bedfordshire! A small crowded county nervously squeezed from London by its more confident and urbane neighbours, it is difficult to assign an identity. It is a county without castles; its largest town is undeniably frightful and lacks a proper river, which all towns need for their souls. It is hard to think of anything other than trucks, bricks and Bunyan to go with Bedfordshire. Yet it is not all a bad place to be. Once away from unlovely Luton, the brickworks and the M1, rural Bedfordshire takes on a quiet attractiveness which is all the more enhanced by being unexpected, rather like a 1950’s movie starlet taking off her glasses so that our lantern-jawed hero can gasp „But Miss Bedford – you’re beautiful“ „.

Ist das nicht eine wunderschöne Formulierung?

Zwei kleine Anmerkungen zum Text:
Its largest town is undeniably frightful“ – damit ist die Stadt Luton gemeint
Bunyan“ – John Bunyan (1628 – 1688) war ein Baptistenprediger, der in Bedfordshire geboren wurde und den größten Teil seines Lebens hier auch verbrachte.

Pretty Bedfordshire – Tyburn Lane in Pulloxhill. Die schönere Seite der Medaille
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Published in: on 23. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Prunella Scales – Von „Fawlty Towers“ zu „Inspector Barnaby“

Author: John Thaxter. This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

Wer sich die Episode „Beyond the Grave“ (dt. „Der Fluch von Aspern Tallow“) der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ einmal genauer ansieht, wird dort in einer Gastrolle vielleicht jemanden entdecken, der einem bekannt vorkommt. Die verschrobene Hellseherin Eleanor Bunsall aus Aspern Tallow (wurde in Teilen in Ewelme in Oxfordshire gedreht) wird gespielt von Prunella Scales, die von 1975 bis 1979 in der Comedyserie „Fawlty Towers„, die herrschsüchtige Gattin von Basil Fawlty (John Cleese), Sybil Fawlty, spielte.

Prunella Margaret Rumney Illingworth, so ihr richtiger Name, feierte im Juni ihren 80. Geburtstag. Ihre schauspielerische Karriere begann im Jahr 1952, als sie in der TV-Serie „Pride and Prejudice“ die Rolle der Lydia Bennet spielte. Es folgten Auftritte in Dutzenden von Fernsehserien wie „Coronation Street“, „Mapp & Lucia“ und „After Henry“. In der Episode „Unlucky Dip“ der TV-Serie „Bergerac“ traf sie 1981 auf John Nettles, der die Rolle des Detective Sergeants Jim Bergerac spielte und später als Tom Barnaby Berühmtheit erlangte. Prunella Scales ist seit 1962 mit dem Schauspieler Timothy West verheiratet, den wir ebenfalls schon einmal in einer Gastrolle bei „Inspector Barnaby“ sehen konnten. In der Episode „Judgment Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) spielte er die Rolle des Marcus Devere. West sagte einmal über das Midsomer County: „There is a murder in every village – and yet it doesn’t affect house prices!“

Prunella Scales engagiert sich neben ihrem Beruf auch für soziale Einrichtungen, so ist sie z.B. Botschafterin von SOS Kinderdorf und von 1997 bis 2002 war sie Präsidentin der Campaign to Protect Rural England, einer Umweltorganisation, die sich für die Erhaltung der englischen „countryside“ einsetzt. Von 2007 – 2012 hatte diese Funktion übrigens der in England lebende amerikanische Reiseschriftsteller Bill Bryson inne.

Es existiert auch eine Biografie von Prunella Scales, die 2005 erschien und von Teresa Ransom geschrieben wurde: „Prunella – The Authorised Biography of Prunella Scales“ (John Murray Publishers, ISBN 978-0719556975). Das Buch ist zwar im Buchhnadel vergriffen, aber problemlos antiquarisch zu bekommen.

Prunella Scales alias Sybil Fawlty (ganz links). Eigenes Foto

Published in: on 22. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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The Grand Hotel in Scarborough (North Yorkshire) – Einst eines der größten Hotels der Welt

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The Grand Hotel in Scarborough an der Küste Yorkshires überragt noch heute die Bucht des beliebten Badeortes. Als es 1867 eröffnet wurde, gehörte es zu den größten der Welt und war das einzige „Kalenderhotel„. Die vier Türme repräsentieren die vier Jahreszeiten, die zwölf Stockwerke stehen für die zwölf Monate des Jahres, 52 Schornsteine entsprechen den Wochen pro Jahr und es gab damals so viele Zimmer wie das Jahr hat, nämlich 365. Das Hotel ist in der Form des Buchstabens „V“ gebaut, zu Ehren der damaligen Königin Victoria.

The Grand schmückt sich gleich mit drei blauen Plaketten:
Eine für die Schriftstellerin Anne Bronte (die jüngste der Bronte-Schwestern), die auf dem Gelände, auf dem später das Hotel errichtet wurde, am 28. Mai 1849 starb.
Eine zu Ehren der Pilotenschüler der Royal Air Force, die im Zweiten Weltkrieg im Hotel untergebracht waren.
Mit der dritten blauen Plakette ehrte es sich selbst und erinnert an die Eröffnung.

Das riesige Hotel in Scarborough sorgte  in den letzten zehn Jahren mehrmals für negative Schlagzeilen. Es erkrankten immer wieder Gäste an Infektionen, so dass das Hotel tagelang geschlossen werden musste; der Hygienestandard wurde wiederholt bemängelt und das BBC -Magazin Inside Out kam im Jahr 2005 bei einer Inspektion zu verheerenden Ergebnissen, was eben die Hygiene des Hotels betraf.

Anders als andere „Grand“ Hotels wendet sich das Haus nicht an den wohlhabenden Reisenden mit entsprechend hohen Zimmerpreisen; hier kann man schon ab £55 pro Nacht wohnen. Ich habe in dem Hotel nicht übernachtet, fand die Lage aber sehr schön. Wahrscheinlich war es aber eine gute Idee, dieses Hotel nicht zu besuchen, denn wenn man die aktuellen Urteile im Tripadvisor liest…

The Grand Hotel
St. Nicholas Cliff
Scarborough YO11 2ET

 
Published in: on 21. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Beckford’s Tower bei Bath (Somerset) – Ein Turm, in dem man auch wohnen kann

Beckford’s Tower und im Vordergrund das Grab William Beckfords.
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Der Schriftsteller und Exzentriker William Beckford (1760 – 1844) liebte Türme und gab dafür auch eine Menge von seinem reichlich vorhandenen Geld aus. Zuerst ließ er auf seinem Anwesen Fonthill Abbey in Wiltshire den höchsten Turm im gotischen Stil in ganz England bauen, der mit 84 m sogar die Kathedrale von Canterbury übertraf. Insgesamt krachte dieser Turm dreimal in sich zusammen, zuletzt zwei Jahre nachdem Beckford die Fonthill Abbey verkauft hatte. Dieses Mal wurde sie nicht wieder aufgebaut.

Beckford war mittlerweile nach Bath gezogen und wollte dort einen neuen Turm bauen, in den er sich zurückziehen konnte. Auf dem Lansdown Hill, oberhalb von Bath, entstand 1827 schließlich der Beckford’s Tower, in dem der Schriftsteller Teile seiner umfangreichen Kunstsammlung und Bibliothek unterbrachte. 37 m hoch war der Turm nur und Beckford hätte gern noch ein Stück daraufgesetzt, aber vielleicht war er durch die schlechten Erfahrungen mit dem Vorgängerturm gewarnt und so beließ er es bei dieser Höhe.

1995 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Turm vorgenommen, denn es bestand Einsturzgefahr. Heute dient der Beckford’s Tower als Museum, in dem man sich über Beckfords Leben und Wirken informieren kann, und man kann auch auf 154 Stufen die Wendeltreppe bis zur Spitze hinaufsteigen.

Wer das Bedürfnis verspürt, hier weit oberhalb von Bath in dem Turm zu wohnen, kann auch dies tun, denn der Landmark Trust (den ich in meinem Blog schon einmal vorstellte) vermietet im Untergeschoss ein Appartment für drei Personen, das auch den wunderschönen Scarlet Drawing Room umfasst. Sieben Nächte kosten in dem Appartment z.B. im Herbst etwas über £1 000. Informationen darüber bei:
The Landmark Trust
Shottesbrooke
Maidenhead
Berkshire
SL6 3SW
Tel. 01628 825925

Blick auf Bath und den Lansdown Hill. Der Beckford’s Tower liegt ganz oben links auf dem Hügel.
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Shipton-on-Cherwell (Oxfordshire) – Ein Maler und berühmte Rockstars

Holy Cross Church in Shipton-on-Cherwell.
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Auf meinem Weg nach Oxford, von Norden kommend, fuhr ich einmal durch den kleinen Ort Shipton-on-Cherwell und erinnerte mich, da war doch einmal was…
Es gab da eine Zeit, als sich hier Rockstars die Klinke in die Hand gaben; doch von Anfang an:

Am Ortsrand von Shipton-on-Cherwell, das, wie der Name schon sagt am River Cherwell liegt, steht das Manor House, das irgendwann im 16. oder 17. Jahrhundert gebaut wurde und eine Zeitlang der Dreh-und Angelpunkt des kleinen Dorfes war.
Im Jahr 1804 zog der Maler William Turner (nicht zu verwechseln mit seinem berühmteren Namensvetter Joseph Mallord William Turner) ins Manor House, wo er zusammen mit seinem Onkel, der ebenfalls William Turner hieß, lebte. Er zog zwar nach einigen Jahren wieder weg, behielt aber eine besondere Beziehung zu Shipton, denn zum einen heiratete er 1824 in der Dorfkirche und zum anderen entwarf er eben diese Kirche neu, die 1831 abgerissen worden war, und zwar im sogenannten Decorated Gothic-Stil. Turner und seine Frau sind auf dem Kirchhof in Shipton begraben.

1971 stand das Manor House zum Verkauf und es wurde in der Zeitschrift „Country Life“ annonciert. Der junge Richard Branson, der spätere Chef des riesigen Virgin-Imperiums, suchte zu jener Zeit ein großes Haus, das er als Aufnahmestudio verwenden wollte. Er sah die Anzeige, borgte sich von seiner Bank und Familienangehörigen die erforderlichen £30 000 und kaufte das Manor House in Shipton-on-Cherwell. Nachdem das Aufnahmestudio eingerichtet war, begann hier der junge, noch unbekannte Mike Oldfield das Album „Tubular Bells“ (hier ein Ausschnitt) aufzunehmen, das zu den größten Erfolgen der Popgeschichte gehört und die Firma Virgin Records bekannt machte. Von da ab ging es hier im Manor House richtig los. Wer ging da nicht alles aus und ein: Paul McCartney,  Gene Simmons von Kiss, Uriah Heep, Black Sabbath, INXS, The Cure, um nur einige zu nennen.

Am 22. Juli 1972 heiratete Richard Branson in der oben genannten Dorfkirche Holy Cross und die Hochzeitsparty fand natürlich im Manor House statt.

Nachdem Virgin Records von EMI übernommen worden war, schloss der neue Besitzer 1995 das Aufnahmestudio und von heute auf morgen kehrte wieder Ruhe in dem Ort ein: Keine nächtlichen Plattenaufnahmen mehr und keine Rockstars, die ins Dorf einfielen.

Verkauft wurde das Manor House an den Marquess of Headfort. Im Mai 2011 stand das Haus erneut in „Country Life“ zum Verkauf, der Preis: £6.25 Millionen. Im Augenblick scheint das Haus vom Markt genommen worden zu sein; vielleicht hat sich ja auch ein neuer Käufer gefunden.

William Turner: Newnham-on-Severn from Dean Hill.
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Richard Branson, ehemaliger Besitzer des Manor Houses.
Diese Datei ist gemeinfrei (public domain), da sie von der NASA erstellt worden ist.

Gastropubs

The Crab and Lobster in Asenby (North Yorkshire).
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Ja, es ist traurig: Das Pubsterben geht weiter. Täglich schließen Pubs im ganzen Land ihre Pforten für immer und hinterlassen meist eine schmerzliche Lücke. Steigende Bierpreise und das Rauchverbot sind nur zwei Gründe, warum immer mehr Briten lieber zuhause bleiben, sich ein billigeres Sixpack aus dem Supermarkt holen und das dann vor dem Fernsehgerät trinken.

Wie können Publicans dagegen ansteuern? Einige haben sich entschieden, ihren Pub vom reinen Biertrinkerlokal in einen Edelpub mit Fine Dining-Qualitäten umzurüsten. Die Stammgäste beäugen diesen Umstrukturierungsprozess meist argwöhnisch, fürchten sie doch, als „Nur-Biertrinker“, auf der Strecke zu bleiben. Das Thema ist in der „Inspector Barnaby“-Krimiserie in Episode 33  „The Maid in Splendour“ (dt. „Tod im Liebesnest“) schön herausgearbeitet worden.

Meine erste Begenung mit einem Gastropub war der Crab & Lobster in Asenby (North Yorkshire), ein ausgesprochen angenehmer Pub mit einem ebensolchen Restaurant. Es folgten, ebenfalls in North Yorkshire, The General Tarleton in Ferrensby und The Angel Inn in Hetton, zwei ausgesprochen edle Häuser.

Pub Grub wie Ploughman’s Lunch, Sandwiches, Steak and Kidney Pie oder Bangers & Mash gehörte/gehört  zum Standard-Repertoire der meisten Pubs; große Portionen, die mir immer schon den Appetit aufs Abendessen vertrieben.
1991 soll der Begriff „Gastropub“ laut Wikipedia von David Eyre and Mike Belben geprägt worden sein, als sie The Eagle im Londoner Stadtteil Clerkenwell übernahmen.Mittlerweile gibt es bereits Pubs, deren Küche mit Michelin-Sternen ausgezeichnet worden sind. Im Michelin-Führer 2012 sind es schon 13.  The Harwood Arms im Londoner Fulham ist der zurzeit einzige Londoner Pub mit einem Stern. Weitere „besternte“ Pubs sind z.B.  The Sir Charles Napier in Chinnor (Oxfordshire) und The Black Swan in Oldstead (North Yorkshire), den ich an dieser Stelle auch schon vorgestellt habe.

Seit diesem Jahr gibt es erstmals sogar einen Pub mit zwei Michelin-Sternen: The Hand and Flowers in Marlow in Buckinghamshire, einer recht wohlhabenden Gegend. Der 2005 von Tom und Beth Kerridge eröffnete Gastropub erhielt schon 2006 seinen ersten Stern und kann sich jetzt rühmen Großbritanniens erster und einziger 2*-Träger zu sein. Zu finden ist The Hand & Flowers mitten in Marlow in der West Street, das ist die A4155, die quer durch die Stadt führt.

The Sir Charles Napier in Chinnor (Oxfordshire).
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Published in: on 18. August 2012 at 02:20  Comments (1)  
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Die Küstenstadt Whitby (North Yorkshire) im Spiegel der Literatur

Eigenes Foto.

Die kleine Hafenstadt Whitby an der Ostküste der Grafschaft North Yorkshire hat es mir schon seit langem angetan, was man daran erkennen kann, dass ich an dieser Stelle schon mehrere Blogeinträge getätigt habe, z.B. über den Dracula Trail, die Ghost Walks und den Roman „The Hundred and Ninety-nine Steps“ von Michel Faber, der in Whitby spielt.

An Fabers Roman möchte ich anknüpfen, denn es gibt eine ganze Reihe von weiteren  Büchern, die in der Hafenstadt angesiedelt sind.

– Der in Yorkshire geborene und in Kanada lebende Krimiautor Peter Robinson lässt zwei seiner Romane in Whitby spielen: „Caedmon’s Song“ (1987, dt. „Das stumme Lied“) und „Friend of the Devil“ (2007, dt. „Wenn die Dämmerung naht“).

– Der erste Band der Sister Fidelma Mysteries des Historikers und Krimiautors Peter Tremayne, ein Pseudnym von Peter Berresford Ellis, mit dem Titel „Absolution By Murder“ (1994, dt. „Nur der Tod bringt Vergebung“) spielt während der Synode von Whitby im Jahr 664.

– Der Kinderbuchautor Robin Jarvis hat in den 1990er Jahren eine Fantasy-Trilogie geschrieben mit dem Titel „The Whitby Witches“ (sie wurde nicht ins Deutsche übersetzt).

– „Britain’s spookiest town“, so nannte der Guardian Whitby einmal, war auch der Ort, in dem seinerzeit Graf Dracula an Land ging. Bram Stokers Klassiker beginnt hier an der rauen Küste North Yorkshires, und er hat nicht unwesentlich zur Bekanntheit der Stadt beigetragen.

– Wilkie Collins verbrachte 1861 einige Zeit im Royal Hotel und sein weniger bekannter Roman „No Name“ (1862, dt. „Ohne Namen“) enthält Szenen, die in Whitby spielen.

– Auch Paul MagrsThe Adventures of Brenda and Effie„-Serie nutzt die zuweilen unheimliche Atmosphäre der Stadt;  bisher sind vier Horror-Romane erschienen, als letzter „The Bride That Time Forgot“ (gibt es nicht auf Deutsch).

Storm Jameson wurde 1891 in Whitby geboren und einige ihrer Roman sind hier angesiedelt, z.B. „The Moon is Making“ (1938, nicht ins Deutsche übersetzt). Die Autorin, von der einige Romane übersetzt worden sind, dürfte in Deutschland kaum noch bekannt sein.

– Auch Mrs Gaskell, die mit vollem Namen Elizabeth Cleghorn Gaskell hieß und von 1810 – 1865 lebte, verbrachte 1859 einige Zeit in Whitby, um für ihr Buch „Sylvia’s Lovers“ (1863, wurde nicht übersetzt) zu recherchieren. Whitby erscheint hier als Monkshaven.

– Und als letztes natürlich noch einmal Michel Fabers atmospärisch sehr dichte Novelle „The Hundred and Ninety-Nine Steps“ (2001, dt. „Hundertneunundneunzig Stufen“).

Ich kann nur jedem empfehlen, der nach Whitby fährt, die 199 Stufen zu der Abtei hinaufzusteigen. Von dort oben hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und das Meer.

Britain’s spookiest town? Eigenes Foto.

Published in: on 17. August 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Der englische Verkehr – Einige persönliche Anmerkungen

Ein „juggernaut“ auf Kollisionskurs auf dem Weg nach Yorkshire. Eigenes Foto.

Dass man in England relativ wenige Autos mit deutschem Kennzeichen sieht, liegt sicher auch daran, dass manche den Linksverkehr scheuen. Als ich das erste Mal mit meinem Auto nach England fuhr und mit dem Verkehr „auf der falschen Straßenseite“ konfrontiert wurde, musste ich schon sehr konzentriert sein und mir immer wieder sagen „Links fahren, Links fahren“. Aber nach kurzer Zeit gewöhnte ich mich daran. Eine Gefahr besteht darin,  dass, wenn man von Parkplätzen zurück auf die Straße fährt, sich automatisch nach rechts orientiert.

Nach Dutzenden von Englandreisen ist es natürlich überhaupt kein Problem mehr und nach Verlassen des Eurotunnels ist man nach wenigen Minuten wieder automatisch „drin“ im Linksverkehr. Für Beifahrer ist er auch etwas gewöhnungsbedürftig, denn sie sind jetzt viel näher am Gegenverkehr und meine Frau zuckt immer wieder zusammen und rutscht nach links, wenn uns ein riesiger „juggernaut“, also ein Lastzug, entgegen kommt.

Da ich Kreisverkehre liebe, ist es für mich besonders angenehm, in England zu fahren. Der Verkehr regelt sich von selbst und man wird nicht, wie häufig in Deutschland, von roten Ampeln gestoppt, obwohl weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist. Hat man sich einmal verfahren, kann man am nächsten Kreisverkehr einfach wieder umdrehen. Auch die zunächst etwas vertrackt aussehenden Doppel-, Dreifach- oder Vierfachkreisel erweisen sich schnell als harmlos.

Die meisten englischen Autofahrer sind, nach meinen Erfahrungen, auf den A- und B-Straßen ziemlich entspannt unterwegs; riskante Überholmanöver sind die Ausnahme. Auf den Motorways allerdings wird ganz schön „zügig“ gefahren; die Höchstgrenze von 70 Meilen pro Stunde wird von vielen mehr als Richtgeschwindigkeit angesehen.

Mir kommt es immer wieder so vor, als ob in England mehr Verkehr herrscht als in Deutschland. Gerade in Kleinstädten dauert die Parkplatzsuche manchmal ganz schön lange. Neulich brauchte ich in Thame in Oxfordshire mehr als eine halbe Stunde, um einen Platz zu ergattern. In Oxford selbst war die Suche nach einem freien Platz (es war allerdings Samstagnachmittag und die Stadt war brechend voll) auch kein Vergnügen. In Bury St Edmunds in Suffolk bin ich einmal unverrichteter Dinge wieder aus der Stadt herausgefahren, weil absolut kein Parkplatz zu finden war.

Was mir in England fehlt, sind ausreichend Rastplätze an den A- und B-Straßen. Wenn man einmal eine kurze Pause einlegen möchte, sind nie welche zu finden und wenn dann doch einmal ein „lay-by“ auftaucht, ist er oft ungepflegt und voller Schlaglöcher. Da besteht durchaus noch Nachholbedarf.

Published in: on 16. August 2012 at 02:00  Comments (5)  

The English Place Name Society – Eine Gesellschaft, die sich der Erforschung englischer Ortsnamen widmet

Die Universität von Nottingham, Sitz der English Place Name Society.
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Wer sich wissenschaftlich mit der Herkunft englischer Ortsnamen beschäftigen will, kommt an der „Survey of English Place-Names“ nicht vorbei, einer Publikation der English Place Name Society. 1925 bereits erschien der erste Band, der sich mit der Grafschaft Buckinghamshire beschäftigte. Mittlerweile liegt Band 89 vor, der in diesem Jahr erschien, mit dem Titel „The Place-Names of Shropshire, Part 6 „. In Arbeit befindet sich Band 90, der zweite Teil, der die Ortsnamen der Grafschaft Durham untersucht. £40 kostet so eine Publikation, die direkt bei der English Place Name Society erhältlich ist.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1923 von Sir Allen Mawer, der seinerzeit Professor für Englische Sprache an der Universität von Liverpool war. Je nachdem, wo Mawer bzw. später seine Nachfolger lehrten, zog die Gesellschaft mit und so wanderte sie u.a. von Liverpool nach London, Reading und Cambridge. Der heutige Sitz der English Place Name Society ist seit 1972 die Universität von Nottingham, wo sie dem Institute for Name‑Studies angegliedert ist. Der momentane Präsident der Gesellschaft ist O. J. Padel, der die Bände 56/57 über Cornwall in der „Survey“-Reihe geschrieben und darin über 4000 Ortsnamen untersucht hat.

Neben der „Survey“ publiziert die Gesellschaft noch ein jährlich erscheinendes „Journal“ und Einzeltitel wie beispielsweise „The Church in English Place Names“ oder „English Inn and Tavern Names„.

Wer ein handliches Nachschlagewerk über die Ortsnamen ganz Großbritanniens haben möchte, dem kann ich Adrian RoomsDictionary of Place Names in the British Isles“ empfehlen, das ich selbst seit Jahren verwende.

The English Place Name Society
Institute for Name‑Studies
School of English
University of Nottingham
University Park
Nottingham
NG7 2RD

Published in: on 15. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Richard Burton und seine seltsame letzte Ruhestätte in Mortlake (Greater London)

Mit freundlicher Genehmigung von Tom Holland.

Um es gleich vorweg zu sagen, dieser Richard Burton ist nicht der Schauspieler und ehemalige Ehemann von Elizabeth Taylor, sondern der Afrikaforscher, Orientalist und Übersetzer aus dem 19. Jahrhundert.

Sir Richard Francis Burton (1821 – 1890) gehört zu den großen britischen Forscherpersönlichkeiten jener Zeit, der viel Zeit in Afrika auf der Suche nach den Nilquellen verbrachte, gemeinsam mit John Hanning Speke den Tanganjikasee entdeckte und als Erster, zusammen mit dem Deutschen Gustav Mann, den Kamerunberg erstieg.
Burton war ein Sprachgenie und lernte auf seinen Reisen durch Afrika und Asien zahlreiche Sprachen, darunter Arabisch,  Swahili, Hindustani und Persisch.

Diese Fähigkeit nutzte er auch als Übersetzer, z.B. des Kama Sutra“ und der Erzählungssammlung „Tausendundeinenacht“.

Am 20. Oktober 1890 starb Richard Burton an den Folgen eines Herzinfarkts in Triest. Beigesetzt wurde er in Mortlake, im Südwesten Londons, auf dem Kirchhof der St Mary Magdalen’s Roman Catholic Church am North Worple Way. Sein Grabmal in Form eines Beduinenzeltes ist leicht auszumachen und wurde von seiner Frau Isabel Arundell entworfen, die dort an der Seite ihres Mannes ruht. Durch ein Fenster auf der Rückseite des Mausoleums kann man über eine kleine Leiter die Särge der beiden sehen.

Burton äußerte vor seinem Tod den Wunsch, einmal zusammen mit seiner Frau bis in alle Ewigkeit Seite an Seite in einem Zelt zu liegen. Am 15. Februar 1891 fand die Beerdigung statt; seine Frau folgte ihm fünf Jahre später ins Grab.

Das Mausoleum wurde im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder renoviert, denn sowohl Vandalismus als auch der Zahn der Zeit fügten dem steinernen Beduinenzelt Schäden zu. Für die dazu erforderlichen Arbeiten fanden sich glücklicherweise Geldgeber wie die Royal Geographical Society.

In Deutschland wurde der Name Richard Burton durch zwei Bücher von Ilija Trojanow wieder bekannt: „Nomade auf vier Kontinenten“ und „Der Weltensammler“, beide zeichnen das Leben des britischen Forschers nach.

1990 entstand ein US-amerikanischer Abenteuerfilm über die Entdeckungsreisen Burtons in Afrika mit dem Titel „Mountains of the Moon“ (dt. „Land der schwarzen Sonne“) unter der Regie von Bob Rafelson. Hier ist der Trailer zum Film.

Hier ist ein kleiner Film über das Grabmal.

In Brightling in East Sussex ließ sich John „Mad Jack“ Fuller in ähnlicher Form bestatten. Er wählte eine Pyramide als letzte Ruhestätte (s. dazu meinen Blogeintrag).

Das Buch zum Artikel:
Mary S. Lovell: A Rage To Live – A Biography of Richard and Isabel Burton. Abacus 1999. 928 Seiten. ISBN 978-0349110165.

Author: Svarochek. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Tyneham – Eine Geisterstadt im Süden Dorsets

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Bei Ghost Towns denkt man in erster Linie an die verlassenen Bergarbeiterstädte im Westen der USA, auf deren menschenleeren Straßen der Wind die Tumbleweeds entlangtreibt. Doch auch in England gibt es die eine oder andere Geisterstadt. Neben Imber in Wiltshire, dem Dorf auf der Salisbury Plain, das dem Militär weichen musste, fällt mir da vor allem Tyneham in der Nähe der Küste Dorsets ein.

Auch Tyneham, einst ein idyllisches Dorf mit über 200 Einwohnern, fiel dem Militär zum Opfer. Ende 1943 bereiteten sich die Alliierten auf die Landung in der Normandie vor und benötigten dafür Übungsplätze, die natürlich an der Küste liegen mussten. Neben der Studland Bay, die wie Tyneham ebenfalls auf der Isle of Purbeck in Dorset liegt, schien den verantwortlichen Militärs die Gegend von Tyneham besonders gut für diese Zwecke geeignet und so mussten die Dorfbewohner innerhalb eines Monats ihre Sachen packen und ihr Dorf verlassen. Man versprach ihnen, dass sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zurückkehren könnten, aber 1948 wurde der Landstrich zwangsenteignet und blieb bis heute Eigentum der britischen Armee.

Wie sieht es nun heute in dem Dorf aus? Intakt sind noch die Kirche St Mary’s und das Schulhaus; beide sind als eine Art Museum erhalten geblieben. Die anderen Gebäude befinden sich in unterschiedlichen Verfallsstadien. Zu bestimmten Zeiten kann man das Dorf besuchen, immer dann wenn das Armeegelände der Lulworth Miltary Range freigegeben wird und keine Panzer unterwegs sind.

1986 wurde in Tyneham der Film „Comrades“ (hier der Trailer) gedreht, der das Schicksal der Tolpuddle Martyrs nachzeichnet, einer Gruppe von Farmarbeitern in Dorset, die sich in den 1830er Jahren für faire Löhne einsetzte und gewerkschaftliche Vorreiter waren.

Hier ist ein Film über Tyneham, the Ghost Village.

Das Buch zum Artikel:
Patrick Wright: The Village that Died for England – The Strange Story of Tyneham. Faber and Faber 2002. 512 Seiten. ISBN 978-0571214419.

St Mary’s Church in Tyneham.
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Tyneham School House.
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Published in: on 13. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Tan Hill Inn (North Yorkshire) – Großbritanniens höchstgelegener Pub

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Er liegt schon sehr einsam, der Tan Hill Inn in North Yorkshire; die nächste Stadt Kirkby Stephen ist immerhin 18 km entfernt. Ich bin dort mehre  Male vorbeigekommen und im Sommer kann es an schönen Tagen ganz schön voll werden dort oben in 528 m Höhe. Damit ist der Tan Hill Inn der höchstgelegene Pub in ganz Großbritannien. Im Winter dagegen, wenn der Sturm um das Haus braust, ist es drinnen sehr gemütlich, aber draußen kann es dann ganz schön ungemütlich werden. Vor einigen Jahren wurde eine Gesellschaft, die im Pub Silvester feierte, für einige Tage eingeschneit. Aber es gibt sicher Schlimmeres, in einem warmen Pub, dessen Bar und Küche gut bestückt ist, von der Umwelt abgeschnitten zu sein.  Da gab es doch einmal einen Roman von Agatha Christie…

Und wenn man so weit weg von der Zivilisation ist, muss man sich schon etwas einfallen lassen, um Kundschaft in den abgelegenen Pub zu holen. 1995 bekam der Tan Hill Inn als erster Pub die Lizenz, Eheschließungen durchführen zu können. In dieser grandiosen Landschaft sind Hochzeitsfeiern natürlich sehr beliebt geworden.

Weiterhin werden am Wochenende Live Music-Abende veranstaltet, man kann seine Stag und Hen Parties hier feiern und der Tan Hill Inn ist sehr beliebt als Ziel bei Autorallyes.

Die Firma Everest, die Doppelverglasungen herstellt, wählte den Pub mehrfach für ihre Werbespots aus. Das im 17. Jahrhundert gebaute Haus wurde von der Firma mit neuen energieeffizienten Fenstern und einer Solaranlage versehen, im Wert von £90,000: Nicht schlecht für die Besitzer des Tan Hill Inn; dazu kommt noch die kostenlose Werbung durch die Spots.

Auf Grund der scharfen Zunge der Landlady ist der Tan Hill Inn auch schon einmal als „Fawlty Towers of North Yorkshire“ bezeichnet worden, doch die Stammgäste lieben  sie und verzeihen ihr die eine oder andere rüde Bemerkung.

Hier
ist einer der frühen Werbespots der Firma Everest und hier einer der neueren.

Tan Hill Inn
Reeth, Richmond,
Swaledale, North Yorkshire Dales,
DL11 6ED
Tel. 01833 628 246

Das Buch zum Artikel:
David Gerrard: In the Winds of Heaven – A Portrait of Tan Hill Inn. C P Printing & Publishing 1991. 96 Seiten. ISBN 978-1873293102.

Großbritanniens höchstgelegener Pub – Tan Hill Inn.
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Published in: on 12. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Chris Behan: Exploring Midsomer

Eigenes Foto.

Der Erscheinungstermin dieses Buches wurde immer wieder verschoben. Im Februar hatte ich es bestellt, Mitte Juni wurde es endlich ausgeliefert: Chris Behans „Exploring Midsomer: The Towns and Villages at the Murderous Heart of England“ (The History Press 2012, 96 Seiten, ISBN 978-0752462233), ein weiteres Buch, das sich mit der Region beschäftigt, in der die englische Erfolgs-TV-Serie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ gedreht wurde und auch noch gedreht wird.

Chris Behan wohnt seit langer Zeit in Midsomer, kennt sich dort hervorragend aus und sein Haus war sogar schon einmal in einer der Episoden zu sehen. Aus seinem „location spotting“ ist dieses Buch entstanden, das durch seine sehr schönen Farbfotografien Appetit macht, die Grafschaften Oxfordshire und Buckinghamshire zu bereisen. Behan stellt die kleinen Dörfer und Städte vor, die als Schauplätze für die Dreharbeiten dienten und nennt dazu die jeweiligen Episoden. Das ist zwar alles recht kurz, aber ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen und die herrlichen Fotos genossen.
Hier ist ein Film über Chris Behan und sein Buch.

Optimal für die Reisevorbereitung in diese Region und natürlich auch vor Ort ist Sabine Schreiners und Joan Streets unbedingt zu empfehlendes „Midsomer Murders on Location: A Guide to the Midsomer Counties of Berkshire, Buckinghamshire, Hertfordshire and Oxfordshire“ (Irregular Special Press 2009, ISBN 978-1901091373). Die deutsche Übersetzung “Inspector Barnaby: Die Drehorte der beliebten ZDF-Serie” erscheint im November 2013 im Verlag Klaus Kellner. ISBN 978-3956510076

Ein weiteres Buch, das allerdings schon zehn Jahre alt und vergriffen, antiquarisch aber problemlos zu beschaffen ist: „Midsomer Murders“ von Jeff Evans (Batsford 2002, ISBN 978-0713487688). Hier werden die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte behandelt; mit einem Vorwort von John Nettles.

Eigenes Foto

Eigenes Foto.

Published in: on 11. August 2012 at 02:00  Comments (1)  

The Smiths: Suffer Little Children – Eine Hommage an die Kinder, die den Moormördern Ian Brady und Myra Hindley zum Opfer gefallen sind

Das Saddleworth Moor bei Manchester.
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Vom Juli 1963 bis zum Oktober 1965 hielt eine Mordserie die Gegend um Manchester in Atem. Fünf Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren, Pauline Reade, John Kilbride, Keith Bennett, Lesley Ann Downey und Edward Evans, wurden auf grausame Art getötet und einige von ihnen im Saddleworth Moor, das östlich der Stadt Manchester liegt, vergraben. Am 7. Oktober 1965 nahm die Polizei Ian Brady und Myra Hindleyfest, die für die Morde verantwortlich waren. Beide wurden zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Myra Hindley starb 2002 im Gefängnis, Ian Bradley befindert sich im Ashworth Hospital, einem psychiatrischen Hochsicherheits-Krankenhaus.

Die Mordserie ging in die britische Kriminalgeschichte als die Moors Murders ein. Es wurden zahlreiche Bücher darüber geschrieben und das britische Fernsehen zeigte 2006 zwei Verfilmungen See No Evil: The Moors Murders“ und „Longford„.

Die Indie-Rock-Band The Smiths aus Manchester, die von 1982 bis 1987 existierte, nahm sich des Themas in ihrem Song „Suffer Little Children“ an, der von Sänger Morrissey und Gitarrist Johnny Marr geschrieben wurde. Es gab damals nach Erscheinen des Albums „The Smiths“, auf der der Titel zu finden war, und der Single Probleme, da einige Angehörige der Opfer daran Anstoß nahmen und in einigen Ladenketten wurden Album und Single aus dem Verkauf genommen.

Hier ist „Suffer Little Children“ von The Smiths zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Fred Harrison: Brady and Hindley – Genesis of the Moors Murders. Grafton 1987. 256 Seiten. ISBN 978-0586200025.

Published in: on 10. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Kensal Green Cemetery – Eine grüne Oase im Westen Londons

Der Haupteingang zum Kensal Green Cemetery an der Harrow Road.
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Als die hygienischen Zustände auf den Londoner Friedhöfen im 19. Jahrhundert immer schlimmer wurden, entschied man sich dafür, neue große Anlagen dafür vorzusehen. Bisher bestattete man die Toten auf kleinen Kirchhöfen, die schnell überfüllt waren. 1832 wurde ein Gesetz erlassen, das private Friedhöfe zuließ und der erste der sogenannten „Magnificent Seven„, der Kensal Green Cemetery, wurde am 24. Januar 1833 vom Bischof von London geweiht und in diesem Monat fand auch die erste Beerdigung statt.

Vorbild für den Kensal Green Cemetery war der Pariser Friedhof Père Lachaise und so pflanzte man gleich zu Beginn 800 Bäume, um der Anlage einen parkähnlichen Charakter zu geben. Wie in Paris findet man auch auf dem Londoner Pendant zahlreiche große Mausoleen, in denen die Reichen und Berühmten beigesetzt wurden.
Betrieben wird Kensal Green seit Beginn bis heute von der General Cemetery Company, die auch für das West London Crematorium zuständig ist, das auf dem gleichen Gelände liegt.

Über 65 000 Grabstellen findet man hier und es sollen 550 Berühmtheiten in Kensal Green beerdigt worden sein, deren Namen im Dictionary of National Biography stehen. Hier einige Beispiele:

– Die beiden Ingenieure Sir Marc Isambard Brunel und sein Sohn Isambard Kingdom Brunel
– Der Schriftsteller William Makepeace Thackeray
– Der Schriftsteller Wilkie Collins
– Der Mathematiker und Erfinder Charles Babbage
– Der österreichische Lyriker Erich Fried
– Der Nobelpreisträger Harold Pinter
– Der Erfinder und Industrielle Carl Wilhelm Siemens

Im West London Crematorium wurden seinerzeit die Schauspielerin Ingrid Bergman und der Queen-Sänger Freddie Mercury verbrannt.

Die Friends of Kensal Green Cemetery bieten im Sommerhalbjahr jeden Sonntag um 14 Uhr eine geführte Tour durch den Friedhof an, die zeitweise auch die Katakomben einschließt, die unter der Anglican Chapel liegen. Im Winterhalbjahr finden diese Touren nur an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat statt.

Hier sind einige stimmungsvolle Bilder vom Kensal Green Cemetery zu sehen.

Kensal Green Cemetery
Harrow Road
London
W10 4RA

Das Buch zum Artikel:
James Stevens Curl: Kensal Green Cemetery. Phillimore 2001. 448 Seiten. ISBN 978-1860771941.

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Die Royal Mail ehrt die britischen Goldmedaillengewinner mit goldenen Briefkästen in ihren Heimatstädten

Eine "gold postbox" in Henley-on-Thames.   © Copyright Bill Nicholls

Eine „gold postbox“ in Henley-on-Thames.
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Die Royal Mail hatte eine gute Idee für die Olympischen Spiele in London: Jeder britische Goldmedaillengewinner wird mit einem goldenen Briefkasten in seiner Heimatstadt geehrt, das gilt auch für die nachfolgenden Paralympics.

Seit 1874 ist Rot die offizielle Farbe für die Briefkästen der Royal Mail und es ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, das erste Mal, dass die Farbe geändert wurde.

Hier einige Beispiele:
– In Penzance in Cornwall in der Quay Street wurde die Ruderin Helen Glover mit einem goldenen Briefkasten geehrt
– Für Jessica Ennis, Gewinnerin der Goldmedaille im Siebenkampf, wurde vor dem Rathaus in Sheffield ein Briefkasten neu gestrichen
– Auch die Bürger der Stadt Huddersfield in West Yorkshire können ab sofort ihre Briefe in einen goldenen Briefkasten in der Railway Street stecken, dank des Radrennfahrers in der Mannschaftsverfolgung Ed Clancy.

Hier ein Film der Royal Mail über die Aktion.

Published in: on 8. August 2012 at 15:10  Comments (1)  

Englische Exzentriker: Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet

Sir George mit Frau und Kindern, gemalt von John Singer Sargent. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet (1860 – 1943) war ein Exzentriker par excellence. Er wohnte einen großen Teil seines Lebens auf dem Familiensitz Renishaw Hall in Derbyshire, der 1625 von einem seiner Vorfahren erbaut wurde und noch heute im Besitz der Familie ist.
Sir George war eine Zeit lang Parlamentsmitglied, schrieb viele Bücher, die nie veröffentlicht wurden und war schlichtweg ein komischer Kauz. So reiste er stets mit einem großen Vorrat an Medikamenten, alle fein säuberlich etikettiert, aber mit dem falschen Namen darauf. Sollte ihm jemand einmal seine Medikamente entwenden, so würde das dem Dieb nicht gut bekommen.

Die Schulgebühren für das Eton College, das sein Sohn Osbert besuchte, wollte Sir George mit Naturalien bezahlen, mit Schweinen und Kartoffeln von seinem Landsitz, worauf sich die College-Oberen aber nicht einließen.

Der Exzentriker von Renishaw Hall erfand auch so einige Dinge, die das Leben leichter machten, z.B. eine musikalische Zahnbürste, die das Lied „Annie Laurie“ spielte und einen Miniaturrevolver mit dem man Wespen abschießen konnte. In einem Buch mit dem Titel „My Inventions“ fasste er alle seine Erfindungen zusammen.
Gäste, die ihn auf Renishaw Hall besuchten, erhielten gleich am Anfang eine Verhaltensregel mitgeteilt: „never to contradict me in any way as it interferes with the functioning of the gastric juices and prevents my sleeping at night„. So wussten alle gleich Bescheid wie sie sich ihrem Gastgeber gegenüber verhalten sollten.

Am liebsten vergrub sich Sir George in einem seiner vielen Arbeitszimmer und schrieb Bücher über etwas abwegige Themen wie „The History of the Fork“, „The Use of the Beds“, „Errors of Modern Parents“ und „Acorns as an Article of Medieval Diet“. So viel Mühe und Arbeit er auch darauf verwendete, keines wurde veröffentlicht.

Auch als Sir George Reresby Sitwell seinen Wohnsitz später nach Italien verlegte, setzte er seine Exzentritäten dort fort. Wenn ihn seine Familie in seinem mittelalterlichen Castello besuchte, bekam sie keinen Wein vorgesetzt, sondern abgekochtes kaltes Wasser. Sein Landverwalter wurde von ihm angehalten, Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, die man zuletzt im 14. Jahrhundert benutzt hatte.

Sir George war der Vater von drei Kindern, die später selbst einmal die Schriftsteller-Laufbahn ergreifen sollten:
Edith Sitwell , die auch ein Buch über Exzentriker schrieb: „English Eccentrics“ (dt. „Englische Exzentriker“)
Sir Osbert Sitwell
Sir Sacheverell Sitwell

Renishaw Hall und seine Gärten im Nordosten von Derbyshire sind heute zu besichtigen, das Haus allerdings nur mit geführten Touren. Geöffnet ist Renishaw Hall in diesem Jahr vom 30. März bis zum 30. September.

Das Buch zum Artikel:
John Pearson: The Sitwells – A Family’s Biography. Harcourt Brace Jovanovich 1979. 534 Seiten. ISBN 978-0151827039. Das Buch ist vergriffen, aber problemlos antiquarisch zu erhalten.

Renishaw Hall in Derbyshire.
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Published in: on 8. August 2012 at 02:00  Comments (4)  
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Die 34. Bristol International Balloon Fiesta – Ein Highlight für Freunde der Heißluftballons

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Wer sich vom 9. bis zum 12. August in der Region Bristol aufhält, sollte sich eines nicht entgehen lassen, die Bristol International Balloon Fiesta, die in diesem Jahr zum 34. Mal stattfindet. Auf dem Ashton Court Estate, knapp 3 km vom Stadtzentrum Bristols entfernt, starten an diesen Tagen jeweils morgens und abends um die 150 Heißluftballons. Der Eintritt ist frei und für das leibliche Wohl sorgen zahllose Stände, denn die erwarteten 500 000 Besucher wollen verköstigt werden.

Die Fiesta ist Europas größte Heißluftballon-Veranstaltung und eines der größten „Outdoor Events“ in Großbritannien. Die besonderen Lieblinge der Besucher sind die „Special Shapes“, die witzig geformten Ballons und da gab es in den vergangenen Jahre schon die außergewöhnlichsten Vehikel zu sehen, so z.B. einen riesigen Dudelsackpfeifer, einen Jaguar XK8 und eine Schildkröte.
Einer der Höhepunkte der Bristol International Balloon Fiesta ist immer das Ballonglühen, das am 9. und am 11. August, jeweils in der Dämmerung um 21.30 Uhr stattfindet und das von Musik untermalt wird.

Wer einmal in einem Ballon mitfahren möchte, der kann das während der Fiesta tun; so bietet z.B. Bristol Balloons sogenannte Champagne Hot Air Balloon Flights an, die zwischen £130 und £150 kosten.

Hier ist ein Film, der den Massenstart und das Ballonglühen der Fiesta 2009 zeigt.

Ashton Court Estate
Long Ashton
Bristol
BS41 9JN

Ballons über der Clifton Suspension Bridge in Bristol.
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Published in: on 7. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Luton Hoo Hotel in Luton (Bedfordshire)

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Die beiden „Schwestern“ des Luton Hoo Hotels habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt, das Ashdown Park Hotel und Tylney Hall. Es gibt noch eine weitere  Schwester: Das Grand Hotel in Eastbourne. Alle zusammen gehören sie zu den Elite Hotels.

Den Namen Luton kennt man vor allem durch den London Luton Airport. Die Stadt hat ca 200 000 Einwohner und liegt nördlich von London. Die Autobahn M1 geht auch dicht an der Stadt vorbei; also eine sehr günstige Lage für ein Hotel.
Das Luton Hoo Hotel gehört in die 5*-Kategorie und ist optimal für Golfer und Wellness-Freunde (oder besser -Freundinnen). 1997 wurde es von den Elite Hotels gekauft, für £60 Millionen komplett renoviert und umgebaut und erst im Oktober 2007 eröffnet.

Seit 1907 gehörte das Haus der Wernher-Familie. Der Diamantenhändler Sir Julius Wernher war der erste Besitzer, der es an seinen Sohn Sir Harold Wernher vererbte. Am 26. Juni 1948 waren er und seine Frau Gastgeber eines Besuches von Sir Winston Churchill, der vor 110 000 Menschen eine Rede hielt, in der er den Anwesenden für ihre Unterstützung im 2. Weltkrieg dankte. So viele Menschen haben sich seitdem nie wieder auf dem Anwesen aufgehalten.

1947 verbrachte die spätere Queen Elizabeth II mit ihrem Mann Prince Philip einen Teil ihrer Flitterwochen hier und beide kehrten später noch mehrere Male nach Luton Hoo zurück, um ihren Hochzeitstag zu feiern.

Luton Hoo wurde in der Vergangenheit gern für Filmaufnahmen verwendet. So wurden hier u.a. folgende Filme gedreht:
– Four Weddings and a Funeral
– Eyes Wide Shut
– Enigma
– The World Is Not Enough
– Wilde

Man hat die Wahl, im Haupthaus zu wohnen oder in den separaten Parkland Wing, Flower Garden Wing und Club House. Die Zimmerpreise im Haupthaus beginnen bei £280, in den Nebengebäuden bei £230.

Das pompöse Fine Dining-Restaurant des Hotels wurde nach den früheren Besitzern The Wernher Restaurant benannt. Am Herd steht Kevin Clark, der schon in vielen namhaften Häusern gekocht hat, z.B. im Savoy und im Londoner Ritz, deren Architekten übrigens für den Umbau dieses Teils des Hauses verantwortlich waren.

Wer es etwas einfacher haben möchte, der kann auch die täglich geöffnete Adam’s Brasserie aufsuchen, an deren Wänden Fotos der Filmschauspieler hängen, die hier schon gedreht haben wie Tom Cruise, Nicole Kidman oder Hugh Grant.

Die Gärten des Hauses wurden von dem berühmten Capability Brown angelegt und sind natürlich nicht für die Allgemeinheit zugänglich, werden aber im Zuge des National Gardens Scheme Open Day am 12. August für einige Stunden für jedermann geöffnet.

Hier sind einige Bilder aus dem Hotel zu sehen.

Luton Hoo Hotel, Golf & Spa
The Mansion House
Luton, Bedfordshire, LU1 3TQ
Tel. 01582 698888

Published in: on 6. August 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Die Isle of Purbeck (Dorset) – Enid Blyton Country

Corfe Castle = Kirrin Castle.
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Als Kind habe ich die Bücher von Enid Blyton regelrecht verschlungen. Erst kam die „Fünf Freunde„-Serie dran, dann folgten die „Geheimnis um„- und die „Abenteuer„-Serien. Die 1968 gestorbene Autorin war ungeheuer produktiv: Über 750 Bücher soll sie geschrieben haben, von denen mehr als 600 Millionen Exemplare verkauft wurden.

Damals machte ich mir keine Gedanken darüber, wo denn die Schauplätze der Handlung in England lagen, was mich jetzt aber besonders interessiert. Enid Blyton machte gern in Dorset Urlaub und da speziell auf der Isle of Purbeck. Das ist eine Halbinsel, die sich südlich von Poole und Bournemouth erstreckt und deren bekannteste Orte Wareham, Corfe Castle und Swanage sind. Besonders Swanage hatte es der Kinderbuchautorin angetan, wo sie häufig ihr Urlaubsquartier bezog. Auf den Streifzügen durch die Isle of Purbeck ließ sie sich inspirieren und so finden wir einiges in ihren Büchern wieder.

Aus dem Corfe Castle wurde z.B. das Kirrin Castle und aus der im Poole Harbour liegenden Brownsea Island wurde Whispering Island.

Echte Enid Blyton Fans werden entzückt sein, wenn sie in dem Ort Corfe Castle den Ginger Pop Shop entdecken; das ist ein Laden, der sich ganz der Autorin gewidmet hat. Hier findet man u.a. sämtliche lieferbaren Bücher von ihr, aber auch zahlreiche vergriffene Titel. Das bei den Fünf Freunden so beliebte Ingwerbier ist natürlich hier auch zu haben. Die Betreiber des Ladens haben noch einen weiteren in Poole mit einem ähnlichen Angebot; zusätzlich findet man hier „Eileen Soper’s Illustrated World“. Eileen Soper (1905–1990) war eine der Illustratorinnen von Enid Blytons Büchern, die z.B. die ganzen „Fünf Freunde“-Serie mit Bildern versah.

Seit 1995 kümmert sich die Enid Blyton Society um das Andenken an die berühmte Kinderbuchautorin, veranstaltet Gedenktage und gibt dreimal im Jahr das The Enid Blyton Society Journal heraus.

Das Buch zum Artikel:
Barbara Stoney: Enid Blyton – The Biography. The History Press 2006. 240 Seiten. ISBN 978-0752440309.

Der Ginger Pop Shop in Poole.
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Published in: on 5. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Otmoor – Eine Moorlandschaft in Oxfordshire

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Nordöstlich von Oxford liegt eine Moorlandschaft namens Otmoor, die von den Seven Towns“ of Otmoor umgeben ist: Beckley, Noke, Oddington, Charlton-on-Otmoor, Fencott, Murcott und Horton-cum-Studley. Innerhalb weniger Minuten kann man dem trubeligen Oxford entfliehen und befindet sich dann mitten in einer ruhigen Naturlandschaft, die überwiegend von Vögeln bewohnt wird. Die Royal Society for the Protection of Birds(RSPB) errichtete im Otmoor 1997 ein Naturschutzgebiet.

Es hätte nicht viel gefehlt und statt Vogelgezwitscher hätte man hier das Dröhnen von Lastwagenmotoren gehört, denn man wollte 1980 die Autobahn M40 mitten durch das Otmoor führen. Als die Regierungspläne laut wurden, gab es einen Aufschrei in der Bevölkerung, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrte. So wurde ein Feld, das genau in der geplanten Trasse lag, von den Friends of the Earth aufgekauft und in 3500 Parzellen unterteilt, die für jeweils £3 weiterverkauft wurden. Die Parzellenbesitzer blieben anonym und wäre es zu einer Zwangsenteignung gekommen, hätte jeder der 3500 dagegen angehen können, was dazu führte, dass das Verkehrsministerium seine Pläne aufgab. Dieses Feld wurde Alice’s Meadow genannt und man nahm damit Bezug auf Lewis Carrolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“. Das Otmoor soll den in Oxford lebenden Schriftsteller inspiriert haben.

Schon einmal stand das Moorgebiet vor seinem Ende: In den 1960er Jahren sollte hier ein riesiges Wasserreservoir gebaut werden, das große Teile des Otmoors überflutet hätte, aber glücklicherweise führten auch diese Pläne zu nichts und so steht dieses naturbelassene Gebiet vor den Toren Oxfords noch heute ruhesuchenden Menschen zur Verfügung.

Ich habe einmal in einem sehr schönen Hotel in Horton-cum-Studley übernachtet, dem Studley Priory Hotel, das leider aufgegeben wurde und sich jetzt in Privatbesitz befindet. Schade!

Das ehemalige Studley Priory Hotel in Horton-cum-Studley.
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Published in: on 4. August 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Lewes in East Sussex – Die Stadt mit der eigenen Währung

With kind permission of http://www.thelewespound.org

In England gibt es eine Handvoll Städte, die über eine eigene (Zusatz-)Währung verfügen: Die Transition-Towns Totnes (Devon), Stroud (Gloucestershire) und Lewes (East Sussex). Auch im Londoner Stadtteil Brixton kann man mit dem Brixton Pound bezahlen.

Seit dem September 2008 gibt es in der nördlich von Brighton gelegenen Stadt Lewes das Lewes Pound. Die professionell hergestellten Banknoten mit Wasserzeichen und hitzeempfindlichen Fasern gibt es in den Werten £1, £5, £10 und £21 (!). Die Queen ist darauf nicht abgebildet, dafür aber Thomas Paine, einer der Gründerväter der USA und einst Bürger der Stadt Lewes. Sein Spruch „We have it in our power to build the world anew“ ist auf den Pfundnoten ebenfalls zu finden.

Der Wert des Lewes Pound entspricht £1 Sterling. Gültig ist die Währung natürlich nur in der Stadt selbst, was ja auch Sinn der ganzen Sache ist. Man soll lokal einkaufen und sein Geld bei den Einzelhändlern von Lewes lassen. Zahlreiche Händler, Hotels, Pubs usw. akzeptieren die Währung, die an sieben Stellen eingewechselt werden kann, so z.B. in Harvey’s Brewery Shop oder bei F.Richard’s & Sons Butchers.

Neben der Initiative „Buy local“ gibt es zwei weitere Gründe für die eigene Währung:
– Wenn man bei Einzelhändlern in der Stadt kauft, die überwiegend lokale oder regionale Produkte verkaufen, fallen die langen Transportwege weg und man schont die Umwelt.
– Beim Einkauf in der eigenen Stadt wird die Beziehung zwischen Händlern und Kunden gestärkt, was sich wiederum positiv auf das soziale Gefüge auswirkt.

Ein zusätzlicher Anreiz das Lewes Pound anstatt des Pound Sterling einzusetzen, ist, dass manche Händler dafür auch noch Rabatte anbieten.

Rundum eine ausgesprochen gute Idee!

Hier ist eine Film über die Transition Town Lewes.

Das Buch zum Artikel:
Peter North:  Local Money – how to make it happen in your community. Green Books 2010. 240 Seiten. ISBN 978-1900322522.

Die High Street in Lewes.
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Published in: on 3. August 2012 at 02:00  Comments (3)  
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