Englische Exzentriker: Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet

Sir George mit Frau und Kindern, gemalt von John Singer Sargent. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Sir George Reresby Sitwell, 4th Baronet (1860 – 1943) war ein Exzentriker par excellence. Er wohnte einen großen Teil seines Lebens auf dem Familiensitz Renishaw Hall in Derbyshire, der 1625 von einem seiner Vorfahren erbaut wurde und noch heute im Besitz der Familie ist.
Sir George war eine Zeit lang Parlamentsmitglied, schrieb viele Bücher, die nie veröffentlicht wurden und war schlichtweg ein komischer Kauz. So reiste er stets mit einem großen Vorrat an Medikamenten, alle fein säuberlich etikettiert, aber mit dem falschen Namen darauf. Sollte ihm jemand einmal seine Medikamente entwenden, so würde das dem Dieb nicht gut bekommen.

Die Schulgebühren für das Eton College, das sein Sohn Osbert besuchte, wollte Sir George mit Naturalien bezahlen, mit Schweinen und Kartoffeln von seinem Landsitz, worauf sich die College-Oberen aber nicht einließen.

Der Exzentriker von Renishaw Hall erfand auch so einige Dinge, die das Leben leichter machten, z.B. eine musikalische Zahnbürste, die das Lied „Annie Laurie“ spielte und einen Miniaturrevolver mit dem man Wespen abschießen konnte. In einem Buch mit dem Titel „My Inventions“ fasste er alle seine Erfindungen zusammen.
Gäste, die ihn auf Renishaw Hall besuchten, erhielten gleich am Anfang eine Verhaltensregel mitgeteilt: „never to contradict me in any way as it interferes with the functioning of the gastric juices and prevents my sleeping at night„. So wussten alle gleich Bescheid wie sie sich ihrem Gastgeber gegenüber verhalten sollten.

Am liebsten vergrub sich Sir George in einem seiner vielen Arbeitszimmer und schrieb Bücher über etwas abwegige Themen wie „The History of the Fork“, „The Use of the Beds“, „Errors of Modern Parents“ und „Acorns as an Article of Medieval Diet“. So viel Mühe und Arbeit er auch darauf verwendete, keines wurde veröffentlicht.

Auch als Sir George Reresby Sitwell seinen Wohnsitz später nach Italien verlegte, setzte er seine Exzentritäten dort fort. Wenn ihn seine Familie in seinem mittelalterlichen Castello besuchte, bekam sie keinen Wein vorgesetzt, sondern abgekochtes kaltes Wasser. Sein Landverwalter wurde von ihm angehalten, Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, die man zuletzt im 14. Jahrhundert benutzt hatte.

Sir George war der Vater von drei Kindern, die später selbst einmal die Schriftsteller-Laufbahn ergreifen sollten:
Edith Sitwell , die auch ein Buch über Exzentriker schrieb: „English Eccentrics“ (dt. „Englische Exzentriker“)
Sir Osbert Sitwell
Sir Sacheverell Sitwell

Renishaw Hall und seine Gärten im Nordosten von Derbyshire sind heute zu besichtigen, das Haus allerdings nur mit geführten Touren. Geöffnet ist Renishaw Hall in diesem Jahr vom 30. März bis zum 30. September.

Das Buch zum Artikel:
John Pearson: The Sitwells – A Family’s Biography. Harcourt Brace Jovanovich 1979. 534 Seiten. ISBN 978-0151827039. Das Buch ist vergriffen, aber problemlos antiquarisch zu erhalten.

Renishaw Hall in Derbyshire.
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Published in: on 8. August 2012 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Ingo,
    ich hoffe, dass ich sie auf diesem wege erreiche. ich bin auf der suche nach einem hochzeitsgeschenk für meine arbeitskollegin auf ihren blog gestoßen. sie fährt in flitterwochen ins midsomer valley und erzählte, dass sie die landschaften in „inspector barnaby“ so toll findet. die idee ist jetzt, karten für eine tour zu den drehorten zu schenken. da sie sich so gut auskennen: können sie mir weiterhelfen? vielleicht mit der internetadresse eines veranstalters oder ähnlichem?
    über eine antwort würde ich mich sehr freuen.
    viele grüße, Marion

  2. Sehr interessanter Blog, ich hab ihn auf meinem Blog weiter empfohlen.
    Edith Sitwell ist köstlich. Unvergessen ihr Ausspruch „Warum sollte man wie ein Pekinese aussehen, wenn man ein Windhund ist?“.
    Über Exzentriker lese ich ohnehin immer wieder gerne.
    Am liebsten aber über London Underground, ich bin ein großer Fan der Tube. Das mit Inspektor Sanders war sehr aufschlußreich. Vielen Dank und weiter so!

    • Vielen Dank für den Kommentar!! An englischen Exzentrikern mangelt es ja wirklich nicht und sie sind so etwas wie das Salz in der Suppe einer Gesellschaft.
      Viele Grüße!
      Ingo


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