Tyneham – Eine Geisterstadt im Süden Dorsets

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright nick macneill

Bei Ghost Towns denkt man in erster Linie an die verlassenen Bergarbeiterstädte im Westen der USA, auf deren menschenleeren Straßen der Wind die Tumbleweeds entlangtreibt. Doch auch in England gibt es die eine oder andere Geisterstadt. Neben Imber in Wiltshire, dem Dorf auf der Salisbury Plain, das dem Militär weichen musste, fällt mir da vor allem Tyneham in der Nähe der Küste Dorsets ein.

Auch Tyneham, einst ein idyllisches Dorf mit über 200 Einwohnern, fiel dem Militär zum Opfer. Ende 1943 bereiteten sich die Alliierten auf die Landung in der Normandie vor und benötigten dafür Übungsplätze, die natürlich an der Küste liegen mussten. Neben der Studland Bay, die wie Tyneham ebenfalls auf der Isle of Purbeck in Dorset liegt, schien den verantwortlichen Militärs die Gegend von Tyneham besonders gut für diese Zwecke geeignet und so mussten die Dorfbewohner innerhalb eines Monats ihre Sachen packen und ihr Dorf verlassen. Man versprach ihnen, dass sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zurückkehren könnten, aber 1948 wurde der Landstrich zwangsenteignet und blieb bis heute Eigentum der britischen Armee.

Wie sieht es nun heute in dem Dorf aus? Intakt sind noch die Kirche St Mary’s und das Schulhaus; beide sind als eine Art Museum erhalten geblieben. Die anderen Gebäude befinden sich in unterschiedlichen Verfallsstadien. Zu bestimmten Zeiten kann man das Dorf besuchen, immer dann wenn das Armeegelände der Lulworth Miltary Range freigegeben wird und keine Panzer unterwegs sind.

1986 wurde in Tyneham der Film „Comrades“ (hier der Trailer) gedreht, der das Schicksal der Tolpuddle Martyrs nachzeichnet, einer Gruppe von Farmarbeitern in Dorset, die sich in den 1830er Jahren für faire Löhne einsetzte und gewerkschaftliche Vorreiter waren.

Hier ist ein Film über Tyneham, the Ghost Village.

Das Buch zum Artikel:
Patrick Wright: The Village that Died for England – The Strange Story of Tyneham. Faber and Faber 2002. 512 Seiten. ISBN 978-0571214419.

St Mary’s Church in Tyneham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Faherty

Tyneham School House.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Dixon

 

Published in: on 13. August 2012 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: