Die Über/Unterquerung des Ärmelkanals – Einige persönliche Anmerkungen

England bound – mein Auto im Eurotunnel Le Shuttle. Eigenes Foto.

In der Prä-Kanaltunnel-Zeit fuhren wir meist auf der Strecke Vlissingen – Sheerness, die die Olau-Line mit ihren beiden Jumbo-Fähren bediente, nach England. Die Schiffe, die zweimal täglich in jede Richtung fuhren, waren bequem und besaßen gute Restaurants, in denen man seinen Urlaub auf angenehme Weise beginnen konnte. Leider wurde die Fährverbindung 1994 eingestellt.

Die Strecke Hamburg – Harwich bzw. Cuxhaven – Harwich ersparte einem die lange Anreise in die Fährhäfen der Niederlande, Belgiens oder Frankreichs. Das war zwar die längste und teuerste Verbindung nach England, aber es war zugleich auch eine Mini-Kreuzfahrt und wenn man dann noch eine schöne Kabine auf dem Oberdeck hatte, war das alles sehr angenehm. Leider wurde auch diese Verbindung vor einigen Jahren eingestellt.

Die Fähren, die die kürzeste Kanalüberquerung bieten, von Calais nach Dover, sind zwar relativ schnell am Ziel, aber sie sind reine Massenverkehrsmittel und entsprechend unangenehm.

Wie schön, dass 1994 der Eurotunnel freigegeben wurde. Das sind zwar für mich auch jedesmal 750 km Anreise, dafür ist man aber in einer halben Stunde am Ziel und wie der Seegang über einem im Ärmelkanal ist, spielt dann keine Rolle mehr.
Der Tunnel sous la Manche, wie er in Frankreich heißt, ist auf der von Ostende kommenden Autobahn gut ausgeschildert, man fährt an Calais vorbei und kommt dann auf der Stadtautobahn auf eine eigene Ausfahrt, die zu dem riesigen Abfertigungsgelände führt. Es empfiehlt sich, die Tunneldurchfahrt bereits zu Hause per Internet zu buchen, denn dann spart man einerseits Geld, anderseits geht die Abfertigung schneller. Es gibt für über das Internet gebuchte Fahrten separate Spuren, die entsprechend gekennzeichnet sind. Als wir das letzte Mal in eine dieser Spuren fuhren, erfasste man unser Auto schon durch ein Nummernschilderkennungssystem (das war neu), und wir wurden auf dem Touchscreen-Terminal bereits namentlich begrüßt. Da wir schon eher  als geplant in Calais waren, kam die Frage, ob wir einen früheren Zug nehmen wollten, was ich per Bildschirmberührung bejahte, dann wurde ein Aufhänger gedruckt mit den Abfahrtzeiten und einem Kennbuchstaben, den man innen an den Spiegel hängen muss.

Anschließend fuhren wir gleich in die gut beschrifteten Fahrspuren, die in Richtung „Grande Bretagne“ wiesen. Eine Ausweiskontrolle fand statt, dann wurden wir in eine Nebenspur eingewiesen, in der wir bzw. unser Auto auf Rauschgift überprüft wurden, und dann folgten wir den Wegweisern, die zur Warteschlange für die nächste Tunneldurchquerung wiesen.

Per Lautsprecher wird die Abfahrt bekanntgegeben und man fährt in den wartenden Zug Le Shuttle ein, der aus zwei „Geschossen“ besteht. Die Autos werden entweder auf den unteren Teil oder in den oberen Teil des Zuges geleitet. Wen man die endgültige Parkposition erreicht hat, werden die einzelnen Abteile durch Türen voneinander getrennt. Während der Fahrt, die sehr ruhig verläuft, kann man sein Fahrzeug verlassen oder einfach sitzenbleiben; zu sehen ist vom Tunnel so gut wie nichts und nur ab und zu huscht ein Lämpchen an der Tunnelwand vorbei.

Nach gut dreißig Minuten ist man am Ziel und wird von den grünen Hügeln der Grafschaft Kent und vom Folkestone White Horse begrüßt. Nachdem man den Zug verlassen hat, geht es ohne jede weitere Kontrolle gleich weiter und man muss sich entscheiden, ob man über die M20 in Richtung London fahren möchte oder eine andere Richtung einschlagen will (zum Beispiel zum nächsten Pub…). Einfacher und schneller als durch den Eurotunnel kann man nicht nach England gelangen.

Die Verladung beginnt.
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Channel Tunnel Terminal bei Folkestone (Kent).
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Published in: on 24. August 2012 at 02:00  Comments (2)  
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