John Alington – The Mad Vicar of Old Letchworth

Letchworth Hall – heute ein Hotel.
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Ich habe einen Nerv für englische Exzentriker, besonders mag ich John Alington, der von 1795 bis 1863 lebte. Der „Mad Vicar“ lebte auf Letchworth Hall, einem Herrenhaus, heute ein Hotel, in Hertfordshire.

Reverend John Alington (1795 – 1863) hatte das große Anwesen und ca 40 Farmen in der Umgebung geerbt, war also ein sehr wohlhabender Mann. Irgendwie ist ihm sein Reichtum zu Kopf gestiegen und er entwickelte merkwürdige Charakterzüge. Nachdem er sich mit dem örtlichen Vikar, Rev. Samuel Knapp, überworfen hatte, hielt er einfach eigene Gottesdienste in seinem Haus ab, die sehr eigenartig abliefen. Erst einmal liefen die Schäfchen der Gemeinde fast alle zu ihm über, da sie als Bauern in John Alingtons Lohn und Brot standen (wes Brot ich ess…) und bei dessen Gottesdiensten war erheblich mehr Action als bei Samuel Knapp. Das Lieblingsthema bei Alingtons Predigten war die freie Liebe, und er ermutigte seine Gemeindemitglieder durchaus diese draußen im Gras auch zu praktizieren.
Gern kleidete sich der exzentrische Vikar auch beim Gottesdienst in ein Leopardenfell und fuhr auf einem Laufrad durch den Andachtsraum.

Musik gab es auch, aber keine Kirchenmusik, und der mittlerweile in Fahrt gekommene Prediger sprang von einer seiner beiden Kanzeln zur anderen und trug dabei Liebesgedichte und zweifelhafte Geschichten vor. Anschließend gab es Freibier und Frei-Brandy. Ist es da verwunderlich, dass Alingtons „Kirche“ brummte und die von Samuel Knapp leer blieb? 1858 warf Rev. Knapp das Handtuch und gab auf, was Rev. Alington veranlasste, dafür einen Dankgottesdienst abzuhalten.

Alington war seinen Untertanen stets ein guter Arbeitgeber. Wenn sie einmal keine Arbeit hatten, beschäftigte er sie damit, auf den Feldern Gruben auszuheben und sie anschließend wieder aufzufüllen… und er bezahlte sie dafür.

Einige Jahr bevor er starb, hatte er einen Sarg gekauft, in dem er sich durch seinen Garten tragen ließ, als „Probelauf“ für seine einstige Beerdigung. 1863 erkrankte er, fand die Medizin, die man ihm verschrieb, als ekelhaft, trank stattdessen ein großes Glas Brandy, seufzte und verstarb…

In diesem Sarg wurde der „Mad Vicar of Old Letchworth“ denn auch begraben. Irgendwie schade, dass es solche exzentrischen Persönlichkeiten immer weniger gibt.

Die Great Hall, in der die „Gottesdienste“ seinerzeit abgehalten wurden, ist heute Teil des Letchworth Hall Hotels in Letchworth Garden City in Hertfordshire, nördlich von London.

St. Mary’s Church in Letchworth – Hier versuchte Rev. Knapp gegen seinen Widersacher, John Alington, zu bestehen, ohne Erfolg.
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Published in: on 9. September 2012 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Well, well, diese Vicars in England – ich schrieb ja auf meinem Blog über den Vicar zu Stiffkey, auch so ein Orginal, das hier sehr geliebt wird. Die Engländer sind einfach exzentrisch …
    Ganz liebe Grüße aus dem hochsommerlichen Nord-Norfolk
    Klausbernd


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