Dunwich – Die vom Meer verschlungene Stadt in Suffolk

Die erodierenden Klippen von Dunwich.
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Wir wohnten im „Bull Hotel“ (s. dazu auch meinen Blogeintrag) in Long Melford (Suffolk) und machten von dort aus Fahrten an die Küste; so kamen wir auch nach Dunwich, das zwischen Aldeburgh und Southwold liegt. Eine Stichstraße führt von der A12 zu dem Küstenort, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Im frühen Mittelalter herrschte hier ein reges Treiben. Dunwich war einer der größten Seehäfen des Landes und das Geschäft brummte. Dann kam der 1. Januar 1286: Ein gewaltiger Sturm brauste heran und spülte einen großen Teil der Stadt ins Meer. Im Jahr darauf wurde das bereits stark dezimierte Dunwich von zwei weiteren Stürmen heimgesucht, die verheerende Auswirkungen hatten. Nachdem einige Jahrzehnte später Dunwich von zwei weiteren Stürmen getroffen wurde, war das das Aus für den Ort. Die zahlreichen Kirchen stürzten reihenweise ins Meer, der Hafen war nicht mehr nutzbar, die Geschäftswelt war nicht mehr vorhanden, viele Menschen verloren ihr Leben.
Auch in den folgenden Jahrhunderten musste der einst blühende Ort Tribut ans Meer zollen, denn auch von den verbliebenen Gebäuden sackten immer wieder welche von den Klippen ab.

Heute gibt es den Ort Dunwich zwar noch, aber er besteht nur noch aus einer Handvoll Häusern, der Kirche St James, einem Pub, The Ship Inn,  und dem kleinen Dunwich Museum, das über die Geschichte der verschwundenen Stadt informiert.

Wir saßen vor den Flora Tea Rooms am Strand und schauten auf das Meer hinaus; eine merkwürdige Atmosphäre hatte sich an dem trüben Novembertag breit gemacht. Der deutsche Schriftsteller Winfried Georg Sebald, der in Norfolk lebte und dort 2001 bei einem Autounfall ums Leben kam, beschreibt diese Atmosphäre in seinem Buch „Die Ringe des Saturn“ (Eichborn-Verlag 1995).

M.R. James, Autor von gruseligen Kurzgeschichten, der häufig in Dunwich weilte, ließ sich von der Stimmung des Ortes inspirieren und so vermutete man, dass seine berühmte Geschichte „Oh, whistle, and I’ll come to you, my lad“ (s. dazu auch meinen Blogeintrag) hier angesiedelt war. Im Vorwort zu dem Buch „The Penguin complete ghost stories of M.R. James“ schreibt er aber selbst, dass Felixstowe (Suffolk) dafür Pate gestanden hat.

Jean und Stuart Bacon sind zahllose Male vor der Küste von Dunwich hinabgetaucht und haben dort die Überreste der versunkenen Kirchen gefunden, deren Glocken noch heute, so sagt es die Legende, bei bestimmten Wetterlagen zu hören sein sollen. Ein Zeichen für die Fischer, nicht aufs Meer hinauszufahren, denn das Läuten der Glocken warnt vor einem heraufziehenden Sturm.
Den Glocken von Dunwich hat die Folk-Rock Gruppe Stone Angel, die aus East Anglia kommt, einen Song gewidmet: „The Bells of Dunwich„.

Hier ist ein Film über die „Ghosts of Dunwich“.

Das Buch zum Artikel:
Jean and Stuart Bacon: The search for Dunwich – City under the sea. Segment 1979. 96 Seiten. ISBN 978-0906952016.

Das Dunwich Museum.
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The Ship Inn.
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St James, die übrig gebliebene Kirche von Dunwich.
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Published in: on 31. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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T.E. Lawrence – Gedenkstätten für Lawrence von Arabien

Clouds Hill bei Moreton (Dorset).
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Thomas Edward Lawrence (1888 – 1935) ist weltweit besser als „Lawrence von Arabien“ bekannt. Peter O’Toole verkörperte den Archäologen, Geheimagenten und Schriftsteller in David Leans berühmtem mit mehreren Oscars ausgezeichnetem Spielfilm „Lawrence von Arabien“ (1962).

T.E. hat in England Spuren hinterlassen, was sich u.a. auch daran zeigt, dass es viele Gedenkstätten in unterschiedlicher Form für ihn gibt. Einige möchte ich hier einmal nennen:

– An erster Stelle steht natürlich Lawrences Wohnhaus Clouds Hill bei Moreton in Dorset. Das kleine Häuschen ging 1939 in den Besitz des National Trust über und ist zu besichtigen. Der „Lawrence of Arabia Trail“ führt hier vorbei, ein etwa vierstündiger Rundweg, der am Bovington Tank Museum beginnt und endet und auch an der St Nicholas Church in Moreton vorbeiführt, wo der Trauergottesdienst für Lawrence stattfand und auf deren Kirchhof er beerdigt wurde.

– In der St Martin’s Church im nahegelegenen Wareham findet sich eine liegende Steinplastik von ihm, die sein Freund Eric Kennington anfertigte. Lawrence ist dort in arabischer Kleidung zu sehen.

– An der Stelle zwischen Cloud’s Hill und dem Bovington Camp, an der Lawrence mit seinem Motorrad am 19. Mai 1935 tödlich verunglückte, wurde ihm zu Ehren ein Baum gepflanzt. Dort angebrachte Erinnerungsplaketten wurden immer wieder gestohlen und so hat man jetzt eine steinerne Gedenktafel für ihn errichtet.

– In Bridlington, an der Ostküste Yorkshires, wo Lawrence bei der Royal Air Force stationiert war, hat man ihm eine Sonnenuhr gewidmet, auf der steht: „This sundial has been erected to the memory of Lawrence of Arabia who as Aircraftsman Shaw served in the Royal Air Force in Bridlington between 1929-1935“.

– In der Krypta der Londoner St Paul’s Cathedral findet sich der Abguss einer Bronzebüste, die Eric Kennington bereits 1926 geschaffen hatte. 1936 wurde diese Büste feierlich enthüllt.

– Zwei blaue Plaketten wurden in London für T.E. Lawrence angebracht: Eine in der Barton Street Nr. 14, wo er eine Zeit lang wohnte und große Teile seines Buches „Seven Pillars of Wisdom“ schrieb und eine am Union Jack Club an der Sandell Street, in dem er Mitglied war.

– Lawrence studierte in Oxford am Jesus College und dort findet sich eine Plakette im Eingangsbereich, ein Abguss bereits obengenannter Bronzebüste von Eric Kennington am Eingang zur Kapelle und in der Hall die Kopie eines Ölgemäldes, das Lawrence in arabischer Kleidung zeigt.

Wie man sieht: Thomas Edward Lawrence ist in England unvergessen.

T.E. Lawrences Grab auf dem Kirchhof von St Nicholas in Moreton (Dorset).
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Erinnerungsstein für T.E. Lawrence. An dieser Stelle ereignete sich der tödliche Motorradunfall.
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Teil der Steinplastik in der Church of St Martin in Wareham (Dorset).
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Algernon Blackwood – Ein Meister der Weird Fiction

Für meine Examensarbeit „Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) und seine Stellung innerhalb der anglo-amerikanischen Weird-Fiction-Literatur“ setzte ich mich seinerzeit intensiv mit Autoren der sogenannten Weird Fiction auseinander. Im Zuge der Vorbereitung für diese Arbeit traf ich mich einmal mit Kalju Kirde in seiner Wohnung in Göttingen; Kirde war der Herausgeber der legendären Buchreihe „Bibliothek des Hauses Usher“ des Insel-Verlages. In dieser auf hellgrünem Papier gedruckten bibliophilen Reihe erschienen insgesamt 26 Bände international bedeutender Autoren dieses Genres, darunter auch Algernon BlackwoodsDas leere Haus„, das mich damals besonders begeisterte.

Algernon Henry Blackwood, Commander of the British Empire, wurde 1869 in Shooter’s Hill (Kent) geboren, ein Ort, der heute zu Greater London gehört. Blackwood arbeitete u.a. als Geigenlehrer, Milchbauer in Kanada, Zeitungsreporter in New York und Barmixer. Später, nach seinem Aufenthalt in den USA und Kanada, ließ er sich wieder in England nieder und schrieb Romane, Kinderbücher, Bühnenstücke und vor allem Kurzgeschichten mit Themen, in denen das Übernatürliche im Mittelpunkt steht.

In der oben erwähnten Kurzgeschichtensammlung „Das leere Haus“ finden sich zwei der besten Horrornovellen des Autors: „Der Wendigo“ (Elchjäger in Kanada werden von einem mysteriösen Wesen bedroht, das einer indianischen Legende entstammt) und „Die Weiden“ (Zwei Kanufahrer geraten auf einer Fahrt auf der Donau in eine seltsame Landschaft, die nur aus Weiden, Wind und Wasser zu bestehen scheint. Sie fühlen sich dort immer stärker bedroht, merkwürdige Wesen erscheinen und ihr Aufenthalt in dieser Wasserlandschaft schlägt in blankes Entsetzen um). H.P. Lovecraft, der amerikanische Meister der Gruselliteratur, hielt „Die Weiden“ (1907 erschienen) für eine der besten Erzählungen der fantastischen Literatur überhaupt.

Algernon Blackwood, der es immer wieder schafft eine düstere und beklemmende Atmosphäre in seinen Erzählungen aufzubauen, sagte einmal: “ My real interest here, however, lay always and still lies in the question of a possible extension of human faculties  and the suggestion that the man in the street possesses strange powers which never manifest normally“.

Da Blackwood sehr an allem Übernatürlichen interessiert war, trat er auch dem Ghost Club bei, über den ich in meinem Blog bereits berichtete. Er starb 1951 im Alter von 82 Jahren und wurde im Londoner Golder’s Green Krematorium eingeäschert. Seine Asche wurden in dem Schweizer Ort Saanenmöser verstreut.

In Deutschland sind zurzeit alle Übersetzungen vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen; in England sind noch einige von Blackwoods Werken im Buchhandel erhältlich.

Hier kann man sich „The Willows“ komplett anhören.

Das Buch zum Artikel:
Mike Ashley: Starlight Man – The Extraordinary Life of Algernon Blackwood. Constable 2001. 320 Seiten. ISBN 978-1841194172.

Published in: on 29. Oktober 2012 at 02:00  Comments (3)  
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Sandford Orcas Manor bei Sherborne (Dorset) – Eines der gruseligsten Häuser Englands

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Als ich vor dem Sandford Orcas Manor in dem Dörfchen Sandford Orcas einige Meilen nördlich von Sherborne in Dorset stand, wirkte das Haus selbst bei Tageslicht ziemlich gruselig. Wie mag es da wohl erst in einer stürmischen Winternacht aussehen?
Das im 16. Jahrhundert erbaute Tudor Manor House ist sowohl äußerlich als auch im Inneren sehr gut erhalten und gilt unter „Geisterjägern“ als eines der „most haunted houses of England„. Sage und schreibe 14 Geister will man hier im Laufe der Zeit zu Gesicht bekommen haben, damit rangiert das Sandford Orcas Manor in einer Top Ten-Liste der gruseligsten Gespensterhäuser Großbritanniens auf Platz 2 nach dem Bodmin Jail in Cornwall und vor dem Oakley Court Hotel (s. dazu meinen Blogeintrag) an der Themse bei Windsor in Berkshire.

Zu den im Spukhaus in Dorset umgehenden Geistern gehören z.B.

– Ein Farmer, der sich im 18. Jahrhundert im Haus erhängte und der schon mehrfach gesichtet wurde, vornehmlich nachmittags
– Ein Priester, der sich über schlafende Gäste hermachen soll und diese mit seinem Umhang zu ersticken versucht
– Ein Seekadett, der einmal einen seiner Freunde umbrachte und dafür in einen der Räume des Hauses eingeschlossen wurde; seine Schreie will man des Nachts gehört haben.

Aus einem der leerstehenden Räume des Hauses erklingt hin und wieder Cembalo-Musik, in den Gängen sind des Nachts Schritte zu hören und in einigen Zimmern bildet sich manchmal ein eigenartiger blauer Dunstschleier. Als die BBC einmal ein Kamerateam ins Sandford Orcas Manor schickte, um dort eine Dokumentation zu erstellen, sah einer vom Team wiederholt einen Mann in einem weißen Arbeitskittel und einem altmodischen Hut am Küchenfenster vorübergehen: Ihm kam das etwas merkwürdig vor und er fand heraus, dass oben erwähnter Farmer, als er sich erhängte, einen weißen Arbeitskittel trug.

Man kann das Sandford Orcas Manor auch besichtigen; so war es in diesem Jahr von Juli bis September immer sonntags und montags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

The Manor House
Sandford Orcas
Sherborne, DT9 4SB
Tel. 01963 220206

Das Buch zum Artikel:
M.T. Medlycott: Sandford Orcas – A Village History. Dorset County Libraries 1987. 124 Seiten. ISBN 978-0852164051. (Mervyn Tregonwell Medlycott ist der gegenwärtige Besitzer des Manor Houses)

Published in: on 28. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Londoner Reform Club, Jules Verne und Michael Palin

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„Im Jahre 1872 wohnte in dem Hause Nummer 7, Saville Row, Burlington Gardens, – worin Sheridan im Jahre 1814 starb, – Phileas Fogg, Sq., eines der ausgezeichnetsten und hervorragendsten Mitglieder des Reformclubs zu London, der jedoch dem Anschein nach beflissen war nichts zu thun, was Aufsehen erregen konnte“, so beginnt Jules Vernes berühmter Roman „In 80 Tagen um die Welt“ und im Reform Club an der Londoner Pall Mall beginnt auch Phileas Foggs abenteuerliche und auch heute noch spannend zu lesende Reise einmal um den Erdball herum. Endstation der Reise ist wiederum der Reform Club.

Auch das ehemalige Monty Python-Mitglied Michael Palin begab sich 1989, inspiriert von Jules Vernes Roman, auf die gleiche Reise mit der gleichen Deadline, beginnend und endend im Reform Club. Leider ließ man Palin nach beendeter Reise nicht ins Clubhaus, da er nicht entsprechend gekleidet war, denn Jackett und Krawatte sind hier Vorschrift. Palins Reise mündete in der BBC-Dokumentation „Around the World in 80 Days und einem gleichnamigen Buch.

Der Reform Club ist einer jener zahlreichen Londoner Gentleman’s Clubs, die früher ausschließlich der männlichen Elite vorbehalten waren. Nach und nach ließen dann die Clubs aber auch weibliche Mitglieder zu.

Am 24. Mai 1836 wurde der Reform Club gegründet, und er hatte sein Quartier im Dysart House an der Pall Mall. Fünf Jahre später bezog man das in Auftrag gegebene neue Clubhaus, das von dem namhaften Architekten Sir Charles Barry (Palace of Westminster, Highclere Castle, Cliveden House) erbaut wurde.

Anlass der Clubgründung war der Reform Act von 1832, mit dem die Wahlkreiseinteilung für die Wahl des britischen Parlaments zum ersten Mal seit fast 150 Jahren geändert wurde. Der Club sollte liberales und progressives Denken fördern, daher entstammten die Gründungsmitglieder auch der Liberal Party. Auch heute noch dominiert diese Denkweise im Club, obwohl die Mitglieder mittlerweile sich nicht mehr nur aus Liberals zusammensetzen. 1981 öffnete der Reform Club seine Pforten auch für Damen.

Zu den prominenten Clubmitgliedern gehörten z.B. Winston Churchill, Sir Arthur Conan Doyle, William Makepeace Thackeray und Henry James. Bei den Damen sind es u.a Camilla, Duchess of Cornwall, die Opernsängerin Dame Kiri Janette Te Kanawa und die ehemalige Geheimdienstchefin Dame Stella Rimington.

Im Clubhaus an der Pall Mall waren hin und wieder Filmcrews zu Gast, so wurden einige Szenen der James Bond-Filme „Die another day“ (dt. „Stirb an einem anderen Tag“) mit Pierce Brosnan und „Quantum of solace“ (dt. „Ein Quantum Trost“) mit Daniel Craig hier gedreht.

Dieser Film zeigt eine Abendveranstaltung im Reform Club und gibt einen Eindruck von den Räumlichkeiten.

Reform Club
104 Pall Mall
London
SW1Y 5EW

Das Buch zum Artikel:
George Woodbridge: Reform Club, 1836-1978 – A History from the Club’s Records. Reform Club 1978. 180 Seiten. ISBN 978-0950305318.

Published in: on 27. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Debatable Land – Ein einst umkämpfter Landstrich an der englisch-schottischen Grenze

Die schottisch-englische Grenze an der A7 im Debatable Land.
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2014 stimmen die Schotten über die Zukunft ihres Landes ab. Die Scottish National Party(SNP), die für die Unabhängigkeit Schottlands kämpft und die stärkste Partei im Land ist, will unter ihrem Chef Alex Salmond endlich wieder ein selbständiges Schottland. Ob ihr das gelingt, ist aber nach wie vor zweifelhaft.

Sollte es die SNP tatsächlich schaffen, würde es dann wieder Probleme mit dem sogenannten Debatable Land geben? Das ist ein Landstrich an der englisch-schottischen Grenze, an dem Cumbria und Dumfries and Galloway aneinanderstoßen und der schon vor Jahrhunderten umstritten und umkämpft war. Diese 16×6 Kilometer große Region verfügte über keine klare Grenzlinie und wurde sowohl von Schottland als auch von England beansprucht. Es kam soweit, dass dort Gesetzlosigkeit herrschte; jeder konnte rauben, plündern und töten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Mehrere Clans taten sich hier besonders hervor wie die Grahams, die Armstrongs, die Elliots und die Bells; speziell die Grahams galten als extrem blutrünstig. Schließlich einigte man sich über die Grenzlinie und baute den sogenannten Scots‘ Dike, einen etwas über 5 km langen, 4 m breiten und ein Meter hohen Erdwall, von dem heute nur noch wenig zu sehen ist.

Das alles spielte sich im 16. Jahrhundert ab. Als König James im Jahr 1603 Herrscher von England und Schottland wurde, sprach er ein Machtwort und beseitigte die Querelen, indem er die streitsüchtigen Clans aus der Region vertrieb.

2008 unternahm die SNP einen Versuch, die Stadt Berwick-on-Tweed in Northumberland wieder nach Schottland zurückzuholen (die Grenzstadt wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach die Staatszugehörigkeit), würde sie es auch wieder mit dem Debatable Land versuchen?

Longtown in Cumbria, an der A7 gelegen, ist die letzte englische Stadt vor der schottischen Grenze und bildet mit dem River Esk den südlichsten Punkt dieser Region und der dort einst ansässige Graham-Clan (der zwar vertrieben wurde, aber wieder zurückkehrte) hat einige Spuren hinterlassen, so z.B. Netherby Hall, nördlich von Longtown, der Stammsitz der Grahams für mehrere Jahrhunderte; auch das Graham Arms Hotel wurde von der Familie gebaut. Ob die Besitzer der Eisenwarenhandlung in der High Street, John & Stuart Graham, auch von dem Clan abstammen, kann ich leider nicht sagen.

Das von den Grahams erbaute Hotel in Longtown (Cumbria).
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Netherby Hall, Stammsitz der Graham-Familie.
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Paxton & Whitfield – Londons beste und älteste Käsehandlung

Author: Herry Lawford. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) lizenziert.

Wenn man in Paris einen exzellenten Käse kaufen möchte, dann geht man zu Androuet, der in der Stadt mit sechs Geschäften vertreten ist. Der Maître Fromager Affineur ist seit 1909 in Paris ansässig und ich sah einmal auf einer Speisekarte eines angeschlossenen Restaurants, dass dort ein mehrgängiges Menü angeboten wurde, dass ausschließlich aus Käse bestand.

Was Androuet für Paris ist, das ist Paxton & Whitfield für London, ein Super-Käseladen in der Jermyn Street Nummer 93. Die Ursprünge der Käsehandlung gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück; die Partnerschaft zwischen Harry Paxton & Charles Whitfield wurde im Jahr 1797 besiegelt.
Winston Churchill sagte einmal: „Ein Gentleman kauft seine Hüte bei Locks, seine Schuhe bei Lobbs, seine Hemden bei Harvey & Hudson, seine Anzüge bei Huntsman und seinen Käse bei Paxton & Whitfield„. Aber nicht nur Gentlemen gehen zum Käsekauf in die Jermyn Street, auch die königliche Familie ist dort Stammkunde. Schon Queen Victoria ließ Paxton & Whitfield 1850 einen Royal Warrant zukommen und mit Unterbrechungen ist die Firma auch heute noch Hoflieferant sowohl für Queen Elizabeth II als auch für HRH The Prince of Wales.

Die Käsehandlung durchlebte im Laufe ihres Bestehens viele Höhen und Tiefen; vor allem in wirtschaftlich schwierigen  Zeiten stand die Firma mehrmals kurz vor dem Aus. Was sie immer wieder auf die Beine brachte, war der unermüdliche Einsatz ihrer diversen Eigentümer, die es schafften, stets eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten. Man stand bzw. steht in ständigem Kontakt zu den Produzenten im Land; importiert ausgesuchte Käse auch aus anderen Ländern.

Die Auswahl ist riesig (ca 250 Sorten) und so kommt der Londoner in den Genuss, so ausgefallene Käsesorten wie Robin Congdons Beenleigh Blue aus Devon oder Simon und Tim Jones‘ Lincolnshire Poacher kaufen zu können.
Neben dem Hauptgeschäft in London gibt es noch zwei Filialen von Paxton & Whitfield in Bath und Stratford-on-Avon. Wer nicht in einer der drei Städte wohnt, kann sich den Käse auch direkt ins Haus schicken lassen.

Hier ist ein Besuch in der Londoner Käsehandlung im Film zu sehen.

Paxton & Whitfield
93 Jermyn Street
London SW1Y 6JE
Tel. 020 7930 0259

Published in: on 25. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John George Haigh – Der Säurebadmörder

 

Dieses von der Regierung des Vereinigten Königreichs erstellte Werk ist in der public domain.

Am 10. August 1949 wurde im Wandsworth Prison ein Mann hingerichtet, der in die englische Kriminalgeschichte als der „Säurebadmörder“ einging. John George Haigh, in Stamford (Lincolnshire) geboren, gab sich in London gern als wohlhabender Geschäftsmann aus. Er wohnte im Onslow Court Hotel (jetzt das Kensington Hotel) an der Queen’s Gate und machte dort die Bekanntschaft einer reichen Witwe, Olive Durand-Deacon, die sich ebenfalls in diesem Hotel einquartiert hatte. Man kam ins Gespräch und erörterte die Produktion von künstlichen Fingernägeln (Nagelstudios waren damals noch nicht so verbreitet wie heute). Haigh hatte sich in Crawley (West Sussex), südlich von London, in der Leopold Road Nr. 2 einen leerstehenden Lagerraum gemietet und dorthin bat er Mrs. Durand-Deacon am 18. Februar 1949. Er schoss ihr in den Kopf, nahm ihr ihre Juwelen und den Pelzmantel ab und „entsorgte“ sie in eine bereitstehende Tonne, in der sich Schwefelsäure befand.
Haigh benahm sich danach nicht sehr geschickt; auf Drängen einer anderen Hotelbewohnerin meldete er das Verschwinden von Olive Durand-Deacon der Polizei, die schnell Verdacht schöpfte und den Lagerraum in Crawley entdeckte. Dort war von der Dame fast nichts als ihr künstliches Gebiss übriggeblieben. Der Pelzmantel und die Juwelen, die Haigh verkauft hatte, tauchten auch bald wieder auf, außerdem gab es einen Zeugen, der ihn mit dem Opfer zusammen in Crawley gesehen hatte. Haigh wurde verhaftet, verurteilt und gehängt.

Nach seiner Verhaftung gab er noch bei der Polizei zu Protokoll, dass Mrs. Durand-Deacon nicht die einzige war, die seinen Mordplänen zum Opfer fiel. Im Juli 1945 hatte Haigh eine Wohnung im Kellergeschoss der Gloucester Road 79 in Kensington gemietet und dort sowohl den jungen William Donald McSwan, als auch dessen Eltern getötet und alle drei in einem Säurebad komplett aufgelöst. Er riss sich den gesamten, nicht unbeträchtlichen Besitz der McSwans unter den Nagel; Geld, das er aber schnell wieder beim Glücksspiel verlor. Die nächsten Opfer waren Dr. Archibald Henderson und seine Ehefrau, mit denen er sich anfreundete (Haigh konnte sehr charmant sein). Auch diese beiden lud er in die Leopold Road nach Crawley ein, tötete sie und packte sie in die Tonne mit der Schwefelsäure.

Knapp 40 Jahre war John George Haigh alt, als ihn der berühmte Richter Sir Travers Humphreys zum Tod verurteilte und er von dem nicht minder berühmten Henker Albert Pierrepoint hingerichtet wurde.

Mehrere Bücher sind über Haigh geschrieben worden, darunter:
Stafford Somerfield: The authentic and revealing story of John George Haigh. Hood Pearson 1950. 127 Seiten. Antiquarisch problemlos zu bekommen. Der Journalist Somerfield verbrachte die letzten Tage mit Haigh.

Hier ist eine dreiteilige Dokumentation übder den Serienmörder:
Teil 1  Teil 2  Teil 3

 

 

Published in: on 24. Oktober 2012 at 02:00  Comments (3)  
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Linkenholt (Hampshire) – Das Dorf, das einem schwedischen Milliardär gehört

Der Dorfladen und das ehemalige Postamt von Linkenholt.
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Linkenholt in der Grafschaft Hampshire liegt abseits der großen A-Straßen, nördlich von Andover und einige Kilometer westlich vom Highclere Castle (dort wo die Erfolgs-TV-Serie „Downton Abbey“ gedreht wurde). In dem kleinen Dorf wohnen etwa 40 Menschen, es gibt einen winzigen Dorfladen, eine Schmiede, einen Cricketclub, ein Herrenhaus und eine Kirche, St Peter’s. Das ist ja nun alles nichts Besonderes; was hier anders ist: Linkenholt befindet sich in Privatbesitz und das schon seit geraumer Zeit.
Herbert Blagrave, ein Mann aus der Pferderenn- und Cricketszene und ein Philanthrop, kaufte 1964 Linkenholt Estate, das sich aus 21 Häusern, Ackerland und einem Waldgebiet zusammensetzt; lediglich die kleine Kirche gehört nicht mit dazu. Nach Blagraves Tod 1981 war der Herbert and Peter Blagrave Charitable Trust der neue Eigentümer, der Linkenholt im Jahr 2009 erneut zum Kauf anbot.
Die Dorfbewohner, von denen einige schon seit Jahrzehnten hier wohnten, fürchteten, dass durch einen Verkauf die gewachsene Dorfgemeinschaft möglicherweise leiden und Nachteile für alle entstehen könnten.

Ein Käufer fand sich und zwar war es einer der reichsten Männer der Welt (Platz 8 auf der aktuellen Forbes-Liste), der Schwede Stefan Persson, Chef der Textilwarenkette H&M (Hennes & Mauritz), der £25 Millionen hinblätterte, um das Hampshiredorf zu erwerben. Persson besitzt bereits ein Anwesen in Ramsbury, in der Nähe von Marlborough in Wiltshire. Dort gehört ihm auch eine kleine Brauerei, die u.a. das „Ramsbury Gold“ herstellt.

Persson soll sich mit seinem Landsmann Claas Bourghardt eine erbitterte „Bietschlacht“ um Linkenholt geliefert haben. Bourghardt wohnte als Mieter im Manor House, wo er manchmal sogar den König und die Königin von Schweden zu Besuch hatte; auch Ex-ABBA-Sängerin Anna-Frid Lyngstad, die jetzige Prinzessin Anna-Frid Reuß von Plauen, war dort schon zu Gast.

Stefan Persson hat sich mit dem Kauf von Linkenholt auch die Jagdrechte für die zum Besitz gehörenden Wälder gesichert, denn der Schwede ist ein begeisterter Jäger. Es bleibt zu hoffen, dass der reiche Mann aus Skandinavien alles so im Dorf belässt und die Bewohner ihr beschauliches Leben fortsetzen können.

St Peter’s in Linkenholt; die Kirche, die nicht mit zum Besitz des schwedischen Milliardärs gehört.
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Published in: on 23. Oktober 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Der David Beckham Trail im Londoner Bezirk Waltham Forest – Etwas für Fans des Fußballstars

Author: Regular Daddy. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Londoner Bezirk Waltham Forest im Nordosten der Stadt kann sich rühmen, einige prominente Männer hervorgebracht zu haben, die auch international bekannt wurden. Vor allem aus dem Ortsteil Leightonstone kommen sie: Der Regisseur Sir Alfred Hitchcock, der Schauspieler Sir Derek Jacobi und der Fußballspieler David Robert Joseph Beckham, OBE, um nur einige zu nennen.

Der Waltham Forest Council hat letzteren vor einigen Jahren mit dem David Beckham Trail geehrt, einem Rundgang, der zurück in die Kindheit des Mannes führt, der zurzeit immer noch für die Los Angeles Galaxy spielt. Der Trail führt an den Stätten vorbei, die den kleinen David damals prägten und ihn schließlich zu einem der besten englischen Fußballspieler aller Zeiten machten.

Das Licht der Welt erblickte er am 2. Mai 1975 im Whipps Cross Hospital an der Whipps Cross Road. Seine Kindheit verbrachte er im Reihenhaus seiner Eltern in der Norman Road und besuchte die Chase Lane Junior School im Ortsteil Chingford. Beckhams erste Kontakte mit einem Fußball fanden im Ridgway Park und im Mansfield Park statt; beide Parks liegen in Chingford. Als er acht Jahre alt war, trat er dem Fußballverein Ridgeway Rovers bei, deren Jugendmannschaft von Davids Vater trainiert wurde. Seine Karriere begann wohl im Peter May Sports Centre an der Wadham Road in Walthamstow, wo er für seinen Verein mehr als 100 Tore erzielte.

Im Larkswood Park, Ecke New Road/Larkswood Road, verfeinerte der angehende Fußballstar seine Technik im Umgang mit dem Ball. Im Walthamstow Stadium, in dem Hunderennen abgehalten wurden und das jetzt geschlossen ist, verdiente sich David Beckham sein Taschengeld, indem er dort Flaschen aufsammelte.
David wechselte in die Chingford Foundation School am Nevin Drive über, wo er natürlich auch für die Schulmannschaft spielte. Als David zwölf Jahre alt war, klopfte der große Fußballverein Manchester United an die Tür, und da seine Eltern begeisterte Fans des Vereins waren, unterstützten sie die Karriere ihres Sohnes. Von da an ging es nur noch aufwärts…

Einen Plan zum Ausdrucken für den David Beckham Trail gibt es hier.

Das Buch zum Artikel:
Gwen Russell: Arise Sir David Beckham – Footballer, Celebrity, Legend – The Biography of Britain’s Best Loved Sporting Icon. John Blake Publishing 2011. 288 Seiten. ISBN 978-1843582984

Author: Chris McKenna (Thryduulf). This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Das Walthamstow Greyhound Stadium.
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Published in: on 22. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ravenscar (North Yorkshire) – The Town That Never Was

Die Marine Esplanade in Ravenscar.
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Der kleine Ort Ravenscar, direkt an der Ostküste von North Yorkshire zu finden, liegt auf halbem Weg zwischen Whitby und Scarborough, ca 3 km von der A171 entfernt. Auch heute noch, nach etwa 100 Jahren, wird Ravenscar als „the town that never was“ bezeichnet. Wie kam es dazu?

1895 wurde ein großes Areal bei dem Ort Peak (so hieß Ravenscar damals) von der Ravenscar Estate Company gekauft, in der Absicht, dort ein Konkurrenz-Seebad zu Scarborough und Whitby aufzubauen. Man heuerte Arbeitskräfte an, um auf dem Terrain Straßen anzulegen und  Abwasserkanäle zu bauen; Parzellen wurden zum Kauf angeboten und man rührte die Werbetrommel in den Ballungszentren, um potentielle Käufer für die Grundstücke anzulocken. Aber das ganze Projekt lief zäh an, es gab nur sehr wenige Interessenten und schließlich musste man erkennen, dass der schöne Plan für ein weiteres Seebad an der Küste gescheitert war. Nachdem weniger als ein Dutzend Häuser gebaut worden waren, ging die Ravenscar Estate Company 1913 in Konkurs.

Eigentlich hätte man von vorn herein sehen müssen, das das Projekt Ravenscar scheitern musste. Das Baugebiet lag hoch über dem Meer, d.h., wenn die Badefreuden suchenden Urlauber an den Strand wollten, mussten sie sich mühsam die Klippen herunterquälen; unten angekommen, hätten sie keinen schönen Sandstrand vorgefunden (wie in Scarborough), sondern eine felsige Küste, die eigentlich nicht so richtig zum Baden einlud. Außerdem war der hochgelegene Ort den Elementen, sprich starken Winden ausgesetzt und das gefiel selbst den hartgesottenen Engländer nicht, die sonst nicht so leicht mit dem Wetter Probleme haben.

Übriggeblieben sind bis heute die wenigen damals gebauten Häuser, einige Wege und die großspurig genannte Marine Esplanade, eine traurige mit Schlaglöchern bedeckte Straße. Wer sich das alles einmal ansehen möchte, der kann im Raven Hall Country House Hotel wohnen, einem hoch über dem Meer gelegenen Haus.

Der Strand von Ravenscar.
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Published in: on 21. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Old Operating Theatre Museum – Ein ehemaliger Operationssaal in einer Kirche

Author: MykReeve. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

In der St Thomas Church im Londoner Southwark-Bezirk befindet sich ein Museum der ungewöhnlichen Art: Das Old Operating Theatre Museum. Im Dachstuhl der Kirche war ursprünglich ein „herb garret“ untergebracht, ein Boden, in dem Kräuter getrocknet wurden. Später, im Jahr 1822,  wandelte man den Dachboden in einen Operationssaal um, in dem ausschließlich Frauen operiert wurden. Grund dafür war, dass das St Thomas’s Hospital direkt an die Kirche angrenzte und man bis dahin die Operationen auf der Frauenstation des Krankenhauses durchführte, was zu Unannehmlichkeiten führte, denn Narkosen kannte man damals noch nicht…

Der Dachboden verfügte über dicke, schalldichte (!) Mauern und Dachfenster, die für die erforderliche Helligkeit sorgten; um den Operationstisch herum baute man halbkreisförmig Sitzränge, denn in dem Raum waren stets auch Studenten anwesend, die für ihre Ausbildung den Operationen beiwohnten.

Man muss damals starke Nerven gehabt haben (was insbesondere für die Patienten galt), denn man konnte den zu Operierenden lediglich Alkohol oder Opiate geben, um die Schmerzen wenigstens etwas zu mildern. Die Chirurgen versuchten, die Operation so schnell wie möglich durchzuführen; die Amputation eines Beines oder Armes soll weniger als eine Minute gedauert haben. Man mag sich das so genau gar nicht vorstellen. 1862 wurde der Operationssal dort oben in der Kirche wieder geschlossen. Die St Thomas Church wurde 1899 außer Dienst gestellt.

Besichtigen kann man hier Blutauffangschalen, Gefäße, in den Blutegel aufbewahrt wurden, chirurgische Instrumnete und andere Dinge, die einem eine Gänsehaut verschaffen.
Am 27. Oktober 2012 feiert das Museum seinen 50. Geburtstag und zu diesem Anlass kündigt man stolz an: „Surgical demonstrations will take place on the hour, every hour from 11am to 4pm„.

Einige Tage darauf wird folgendes Spektakel angeboten:

                                         BREAK YOUR LEG AND DIE!

In the early 19th century, a patient’s only relief from agony was the speed of the surgeon’s knife…A real amputation kit awaits…  HOW WILL YOU SURVIVE?

Der Eintritt in das Old Operating Theatre Museum kostet £6 und es ist täglich von 10.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. In dem kleinen angeschlossenen Shop kann man in Erinnerung an den Besuch gruselige Sachen kaufen wie eine Chirurgenschürze oder Kugelschreiber in der Form einer Spritze, gefüllt mit einer roten, blutähnlichen Flüssigkeit…

Hier ist ein Film über das Museum.

The Old Operating Theatre, Museum & Herb Garret
9a St. Thomas St, London SE1 9RY
Tel. 02071882679

Published in: on 20. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  
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The National Restaurant Awards 2012

The Fat Duck in Bray (Berkshire), nach wie vor eines der besten Restaurants in England. Eigenes Foto.

The Fat Duck in Bray (Berkshire), nach wie vor eines der besten Restaurants in England.
Eigenes Foto.

Jetzt stehen sie wieder fest, die besten Restaurants Großbritanniens im Jahr 2012 und allzu große Überraschungen hat es nicht gegeben. Zum dritten Mal hintereinander wurde The Ledbury in London zum National Restaurant of the Year gewählt. Damit gehört weiterhin Brett Graham zu den besten Köchen Großbritanniens. 2005 wurde das Restaurant in der Ledbury Road in Notting Hill von dem Australier eröffnet, das im Michelin-Führer mit zwei Sternen versehen ist. Ein dreigängiges Mittagsmenü kostet hier £35 und das große Abendmenü £105.

Auf Platz 2 landete wie im Jahr 2011 Jason Athertons Pollen Street Social, benannt nach der Straße Pollen Street, nur ein paar Schritte von der Regent Street entfernt, mitten in London. Das Restaurant wurde erst im April 2011 eröffnet und war gleich ein durchschlagender Erfolg. Chefkoch Atherton hatte u.a. im legendären elBulli (galt als das beste Restaurant der Welt), bei Marco Pierre White und Gordon Ramsay gearbeitet. Hier ist das dreigängige Mittagsmenü für £27 und das achtgängige Tasting Menu für £79 zu haben. Im Vergleich zu französischen und auch deutschen Sternerestaurants sind die Preise hier nicht besonders hoch.

Auf Platz 3 steht ein Restaurant außerhalb Londons, das ein Sprung von elf Plätzen gegenüber 2011 gemacht hat, der Gastropub The Hand and Flowers in Marlow in Buckinghamshire. 2005 eröffnet, hatte das Restaurant schon nach einem Jahr seinen ersten Michelin-Stern bekommen, in diesem Jahr den zweiten.  Der Besitzer Tom Kerridge und der junge Aaron Mulliss stehen hier am Herd. Der hübsche Gastropub liegt an der West Street in Marlow. Wer hier einmal essen möchte: Der dreigängige Lunch kostet £19,50, ein dreigängiges Abendessen à la Carte liegt in etwa bei £50.

Hier ist die Liste der besten 10:
1 The Ledbury
2 Pollen Street Social
3 The Hand & Flowers
4 Restaurant Sat Bains (2 Michelin-Sterne, in Nottingham)
5 The Fat Duck (Heston Blumenthals berühmtes Haus in Bray, Berkshire)
6 The Sportsman (Ein weiterer Gastropub in Seasalter bei Whistable in Kent)
7 The Square (Phillip Howards 2-Sterne-Restaurant in Londons Mayfair, der auch zum diesjährigen Chefs‘ Chef of the Year gekürt wurde)
8 The Kitchin (Schottlands bestes Restaurants; in dem Haus in Edinburgh steht Tom Kitchin am Herd)
9 Quo Vadis (In Londons Dean Street in Soho gelegen, ein Haus, in dem einst Karl Marx wohnte)
10 Dinner by Heston Blumenthal (Das zweite Restaurant des Fat Duck-Chefs im Londoner Hotel Mandarin Oriental am Hyde Park)

The Sportsman in Seasalter (Kent).
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Published in: on 19. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Chipping Norton (Oxfordshire)…und zum Dritten – The Chipping Norton Set

Der Marktplatz von Chipping Norton.
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Die Cotswolds werden von der englischen Prominenz des Showgeschäfts sehr geschätzt und viele haben sich hier ihren Wohnsitz gewählt. Ich berichtete bereits darüber (hier nachzulesen). Aber auch zahlreiche Männer und Frauen aus Politik und Wirtschaft haben sich in dieser landschaftlich sehr attraktiven Region niedergelassen.

Rund um Chipping Norton in Oxfordshire wohnt u.a. Großbritanniens Premierminister David Cameron mit Frau und Kindern. Sie kauften sich im Jahr 2001 für £650,000 ein ehemaliges Farmhaus in dem winzigen Dorf Dean, knapp sechs Kilometer südöstlich von Chipping Norton gelegen.

Eine Meile von den Camerons entfernt, wohnt die Journalistin Rebekah Brooks, einstmals stellvertretende Chefredakteurin der Boulevardzeitung The Sun, dann Chefredakteurin von News of the World, bis sie im vorigen Jahr in den Abhörskandal verwickelt, mehrfach verhaftet und jedes Mal auf Kaution wieder freigelassen wurde. Auch ihr Mann Charlie Brooks, ein Pferdetrainer und langjähriger Freund David Camerons, war in den Skandal verwickelt.

Burford Priory liegt etwa 22 Kilometer weit von Chipping Norton entfernt und wurde vor drei Jahren für £6 Millionen Pfund von Matthew Freud und Elisabeth Murdoch gekauft. Freud ist Chef der PR-Firma Freud Comminications, seine Frau ist Tochter des Medienmoguls Rupert Murdoch. Beide sind mit den Camerons befreundet.

Auch Jeremy Clarkson, der immer wieder durch provokante Äußerungen von sich reden macht, Journalist und seit vielen Jahren einer der Moderatoren des populären TV-Automagazins „Top Gear„, hat sein großes Anwesen nicht weit von „Chippy“ (wie die Einheimischen Chipping Norton nennen) entfernt. Die Camerons und die Brooks‘ zählen zu seinem Freundeskreis.

The Chipping Norton Set wird dieses Netzwerk aus Politikern und Unternehmern von der britischen Presse gern genannt. Man besucht sich gegenseitig und diese Verquickung von Politik, Medien und Wirtschaft wird in der englischen Öffentlichkeit mit Skepsis betrachtet. Der News of the World-Abhörskandal, der den Chipping Norton Set ins Scheinwerferlicht rückte, lässt auch die Einwohner des Cotswolds-Städtchens nicht kalt: „Phone-hacking connection is Chipping Norton’s unwanted claim to fame“ titelte The Guardian am 10. Juli 2011 und zitiert darin Bürgermeister Chris Butterworth mit den Worten „We would prefer to be put on the map for more positive things“.

Burford Priory. Released to the public domain.

Published in: on 18. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Chipping Norton (Oxfordshire)…zum Zweiten – Die ehemaligen Aufnahmestudios für Rock- und Popmusik

Author: Reading Tom. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die Hitlieferanten der Rock- und Popmusik waren nicht immer nur die großen Londoner Aufnahmestudios, auch in der Provinz wurden Schallplatten aufgenommen, die es in die nationalen und internationalen Hitparaden schafften wie ich es schon am Beispiel von Richard Bransons Manor House Studios in Shipton-on-Cherwell zeigte (hier mein Blogeintrag).

Ebenfalls in Oxfordshire angesiedelt waren die Chipping Norton Recording Studios, in denen von 1971 bis 1999 Rock- und Popstars ein- und ausgingen. Die Brüder Mike und Richard Vernon, sowie David Grinsted gründeten die Studios 1971 in einem ehemaligen alten Schulgebäude in der New Street, das über dicke Mauern verfügte, ideal für die Produzenten und natürlich auch die Nachbarn, denn das Haus liegt mitten im Ort.

Deas erste Album, das hier 1972 aufgenommen wurde, hieß „Rocking at the Tweed Mill“ der holländischen Band The Livin‘ Blues (über die Tweed Mill schrieb ich gestern in meinem dreiteiligen Beitrag über Chipping Norton).
Der erste Nummer-1-Hit war 1975 der Titel „Bye Bye Baby“ der schottischen Boygroup Bay City Rollers. Es folgten Erfolgshits wie „Too shy“ von Kajagoogoo,I should have known better“ von Jim Diamond, I just died in your arms“ von Cutting Crew, „Baker Streetvon Gerry Rafferty oder „Perfect“ der Gruppe Fairground Attraction.

Aber auch diese goldenen Zeiten gingen vorüber, denn die 1990er Jahre waren für die britischen Aufnahmestudios durch geringer werdende Budgets schlecht; und so wurden die Studios Ende 1999 im hübschen Chipping Norton geschlossen. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus und Zahnarztpraxis genutzt

Published in: on 17. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Chipping Norton (Oxfordshire)… zum Ersten – Die Bliss Tweed Mill

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Jedes Mal wenn ich Chipping Norton (Oxfordshire) in den Cotswolds auf der A44 in Richtung Evesham verlasse, fällt mir kurz hinter dem Ortsende auf der linken Seite ein eigenartiges großes Gebäude auf, das von einem hohen Schornstein gekrönt wird. Was hat es damit auf sich?
Es handelt sich hier um die Bliss Tweed Mill, eine Fabrik, in der bis zum Jahr 1982 überwiegend Tweedstoffe hergestellt wurden. 1872 wurde das von George Woodhouse konzipierte Gebäude an der Station Road errichtet, im Auftrag von William Bliss II, einem Unternehmer. Woodhouse stammte aus Lancashire und hatte sich darauf spezialisiert, Fabrikgebäude zu entwerfen. Die Bliss Tweed Mill gestaltete er in der Form eines französischen Schlosses, an dem er jede Menge Verzierungen anbrachte und das Ganze mit einem hohen Schornstein krönte.

Im Jahr 1913 sorgte die Fabrik für Aufsehen, als ein sieben Monate andauernder Streik die Produktion lahm legte. Die überwiegend weiblichen Arbeiter gingen auf die Straße, um für höhere Löhne und für die Zulassung von Gewerkschaften zu kämpfen. Einige Mitglieder des Streikkomitees wurden in Oxford eingesperrt; erst 1945 wurde in der Bliss Tweed Mill die Errichtung eines Gewerkschaftsbüros zugelassen.

Nachdem die Fabrik 1982 schließlich geschlossen wurde, überlegte man, was nun mit dem Gebäude geschehen sollte. Man entschied sich dafür, es in ein Appartmenthaus umzuwandeln und so wurden Ende der 1980er Jahre 34 Luxusappartments in dem ehemaligen Fabrikgebäude zum Kauf angeboten. Die Bewohner des Gebäudes verfügen über einen Swimmingpool, eine Squashanlage und Tennisplätze. Die ruhige Lage im Grünen und die Nähe zu Chipping Norton haben diese Wohnanlage zu einem begehrten und recht teueren Objekt gemacht.

Das Buch zum Artikel:
Chipping Norton Local History Society: Chipping Norton Through Time. Amberley Publishing 2009. 96 Seiten. ISBN 978-1848682894

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„Ivanhoe“ – Roger Moores erster Auftritt als TV-Serienheld

 

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Ivanhoe, Ivanhoe
Side by side we’re proud to ride with Ivanhoe
At his call we spring to help him ride along
The song we sing is free and joyous song
Ivanhoe, Ivanhoe
Far and wide throughout the countryside they know
There’s freedom on his banner
Justice in his sword
He rides against the manor
Where tyranny is lord
Rich and poor
Together we go
Forward with Ivanhoe
With I-van-hoe
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85 Jahre ist er gestern, am 14. Oktober, geworden: Roger Moore, einer der beliebtesten englischen Schauspieler aller Zeiten. Ich möchte heute an seinen ersten Auftritt als TV-Serienheld erinnern, der in die 1950er Jahre zurückführt, als er den Ritter Sir Wilfred of Ivanhoe in der ITV-Serie „Ivanhoe“ (hier der Vorspann zur Serie) verkörperte, deren Drehbücher sich lose an dem gleichnamigen Roman von Sir Walter Scott orientierten, der 1820 veröffentlicht wurde.
Die Serie spielt im 12. Jahrhundert; Ritter Ivanhoe ist von den Kreuzzügen zurückgekehrt und findet sein Heimatland unter der Herrschaft von Prince John vor, dem Bruder von Richard Löwenherz, der sein Land tyrannisiert. Ivanhoe kämpft gegen den bösen Herrscher und setzt sich für die Rechte der Schwachen und Wehrlosen ein.

Man merkt der Serie an, dass eine US-Produktionsfirma, Screen Gems, daran beteiligt war, denn „Ivanhoe“ ist nicht viel anders als zahlreiche Westernfilme, nur dass statt Colts Schwerter für die zahlreichen Kampfszenen Verwendung fanden und Pferde spielen darin natürlich auch eine große Rolle.
39 Folgen wurden gedreht, die der Sender ITV 1958/59 ausstrahlte. Die Drehorte für die Außenaufnahmen lagen überwiegend in Buckinghamshire, die Innenaufnahmen fanden vor allem in den Beaconsfield Film Studios (Buckinghamshire) statt, in denen heute die National Film and Television School untergebracht ist. Roger Moore ließ es sich nicht nehmen, auch die komplizierteren Kampfszenen selbst zu spielen, was darauf hinauslief, dass er sich dabei so manche Verletzung zuzog; mal wurde er von den Hufen seines Pferdes getroffen, dann schnitt er sich die Hand  an seinem Schwert auf und in einer Szene kollidierte sein Kopf mit einer Streitaxt, wodurch er eine Zeitlang bewusstlos zu Boden ging.
Roger Moore sagte später, dass er die Serie eigentlich hasste und sich in seiner Rüstung albern vorkam: „I felt like a medieval fireman“.

13 Folgen der Serie liefen in synchronisierter Form 1962/63 im deutschen Fernsehen. Der Sender ARTE zeigte 1996 zahlreiche Folgen im Original mit deutschen Untertiteln. „Ivanhoe“ ist bis heute nicht auf DVD erschienen!

Moore war froh, als die 39 Folgen abgedreht waren und ging anschließend nach Hollywood, wo er kurz danach in die Western-Serie „Maverick“ als Nachfolger von James Garner einstieg. Von 1962 bis 1969 war er noch einmal als TV-Serienheld zu sehen; da spielte er die Figur des Simon Templar in der Krimiserie „The Saint„, basierend auf den Romanen des britischen Schriftstellers Leslie Charteris.

Sir Walter Scott – Er schrieb den Roman „Ivanhoe“.
Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Published in: on 15. Oktober 2012 at 02:00  Comments (7)  
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The Pub Is The Hub – Eine Initiative zur Rettung britischer Pubs

The Queen’s Head in Hawkedon (Suffolk).
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Über das Pubsterben und die Verödung englischer Dörfer durch Schließung lokaler Läden habe ich an dieser Stelle schon mehrfach berichtet, auch über Initiativen, die sich dagegen anstemmen. „The Pub Is The Hub“ ist eine dieser Initiativen, die im Jahr 2001 durch HRH The Prince of Wales ins Leben gerufen wurde, der sich schon immer für den Erhalt des ländlichen Lebens eingesetzt hat.

Der Pub ist für das dörfliche Leben immens wichtig – hier trifft man sich, tauscht sich aus und hier werden die sozialen Strukturen am Leben gehalten. Fällt der Pub weg, bricht auch der Zusammenhalt der Gemeinde weg. Um dem entgegenzusteuern, unterstützt „The Pub Is The Hub“, in Zusammenarbeit mit Brauereien, Pub Companies und örtlichen Behörden, den Erhalt des Village Pubs und berät Kommunen, diesen gegebenenfalls auch selbst zu übernehmen.

Da etwa 70% aller englischen Dörfer keinen eigenen Laden mehr haben und auch zahlreiche Postämter geschlossen wurden, bietet sich der (noch existierende) Pub geradezu dafür an, diese Funktionen und weitere andere mit zu übernehmen. So gibt es heute Pubs, die z.B. eine Bäckerei, eine Apotheke, eine Bibliothek integriert haben; in einem Pub wird sogar der sonntägliche Gottesdienst abgehalten.

Über eine dieser Initiativen im „The George and Dragon“ in Hudswell (North Yorkshire) berichtete ich bereits (s. dazu meinen Blogeintrag). Hier einige weitere Beispiele:

The Queens Head in Hawkedon (Suffolk) verfügt über eine angeschlossene Metzgerei.
The Alma in Copford Green (Essex) hat den Senior Citizens Luncheon Club für die ältere Dorfbevölkerung eingerichtet, wo es Essen für einen reduzierten Preis, sowie kostenlosen Kaffee und Tee gibt und wo Zeitungen und Zeitschriften ausliegen. Hier können sich die Damen und Herren den ganzen Nachmittag aufhalten.
The Coach and Horses in Hemingby (Lincolnshire) wendet sich an die jungen Dorfbewohner und bietet einen Youth Club an, in dem man sich treffen und z.B. Darts, Tischtennis oder Billard spielen kann.
The Tree Inn in Stratton (Cornwall) übernahm die Aufgaben des Postamtes, das 2006 schloss, und bietet darüber hinaus auch noch während der Schalterstunden einen kostenlosen Internetzugang an.

Alle diese dörflichen Initiativen wurden von The Pub Is The Hub unterstützt.
Hier ist ein sehr interessanter Film zum Thema.

The Pub is the Hub
Regional Agricultural Centre
Great Yorkshire Showground
Railway Road
Harrogate, HG2 8NZ
Tel: 01423 546165

The Alma in Copford Green (Essex).
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The Coach and Horses in Hemingby (Lincolnshire).
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The Tree Inn in Stratton (Cornwall).
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Published in: on 14. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – David Long: The English Country House Eccentrics

Eigenes Foto.

In diesem Jahr erschien ein hübsch gestaltetes, kleines Buch im Verlag The History Press, der in Stroud in Gloucestershire seinen Sitz hat: David Longs „The English Country House Eccentrics“. Auf 158 Seiten beschäftigt sich der Autor mit englischen Exzentrikern in Verbindung mit ihren Landsitzen. In seinen bisherigen Büchern befasste sich David Long hauptsächlich mit Besonderheiten der britischen Hauptstadt wie z.B. in „Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places“ oder „When Did Big Ben First Bong?“. In diesem neuen Buch begibt er sich in die Provinz und stöbert so allerhand skurrile und witzige Personen auf.

Den einen oder anderen Exzentriker habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie John „Mad Jack“ Fuller oder Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck.
David Long präsentiert in seinem Buch noch viele andere Exemplare dieser typisch englischen Spezies.

Da ist z.B. John Mytton (1796-1834) von Halston Hall bei Oswestry in Shropshire, der für Shrewsbury ins Parlament zog, es dort aber so langweilig fand, dass er schon nach wenigen Tagen London verließ und nie wieder ins Parlament zurückkehrte. Stattdessen widmete er sich mit Vorliebe dem Alkohol (er trank am Tag sechs bis acht Flaschen Portwein), dem Wetten und dem Shoppen (er soll 700 Paar Reitstiefel und 1000 Hüte besessen haben).

Charles Seymour, der 6. Duke of Somerset (1662-1748), der im Petworth House in West Sussex residierte, war ein Snob erster Güte und dermaßen von sich eingenommen, dass er sich weigerte, mit anderen Menschen zu sprechen, die nicht seines Standes waren und das bezog sich selbst auf seine Kinder. Als eine seiner Töchter einmal die Frechheit besaß, sich in seiner Gegenwart hinzusetzen, wurde sie sofort enterbt (das Erbe hätte einer Summe von ca 20 bis 30 Millionen Pfund entsprochen).

Sir Tatton Sykes (1826-1913) vom Sledmere House bei Driffield in East Yorkshire verließ sein Anwesen nie, ohne dass er mehrere Mäntel und Hosen übereinander trug. Wenn im Laufe des Tages die Temperatur anstieg, schälte er sich nach und nach aus den Kleidungsstücken, denn er war der Meinung, dass eine stets gleichbleibende Körpertemperatur seiner Gesundheit zuträglich war. Da er keine Lust hatte, die ausgezogenen Mäntel und Hosen selbst nach Hause zu tragen, hatte er mit der Dorfjugend ein Abkommen geschlossen, dass sie die Kleidung wieder im Herrenhaus ablieferte, und jeder, der das tat, bekam dafür einen Schilling und eine warme Mahlzeit.

Es gibt noch viele weitere herrliche Geschichten über exzentrische Persönlichkeiten in diesem Buch, das ich jedem empfehlen kann, der einen Nerv für skurrile Adlige hat.

David Long:  The English Country House Eccentrics. The History Press 2012. 158 Seiten. ISBN 978-0752467313.

Petworth House (West Sussex). Residenz von Charles Seymour.
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Sledmere House (East Yorkshire). Hier wohnte Sir Tatton Sykes.
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Published in: on 13. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  

Broadstairs (Kent) und Charles Dickens – Die Geschäftswelt hier profitiert noch immer von dem großen Schriftsteller

Bleak House (links).
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Eigentlich hat Rochester (Kent) eine viel engere Beziehung zu Charles Dickens, der im nahegelegenen Gads Hill Place wohnte, und dessen Romane häufig in der Region spielten. In Broadstairs, an der Küste zwischen Margate und Ramsgate gelegen, verbrachte er oft seinen Sommerurlaub und schrieb hier einen seiner erfolgreichsten Romane „David Copperfield„.

Die Geschäftswelt von Broadstairs macht sich die nach wie vor bestehende Popularität des Schriftstellers zunutze, indem sie ihre Geschäfte nach ihm bzw. nach Figuren aus seinen Romanen benennt. Die Touristen lieben es.

So könnte ein toller Tag für einen echten Charles Dickens Fan in Broadstairs aussehen:

– Anreise am Nachmittag und einchecken im Copperfield’s Vegetarian Guest House an der Queen’s Road, einem mehrfach ausgezeichneten Gästehaus, das im viktorianischen Stil erbaut wurde und auf Umweltbewusstsein sehr viel Wert legt.
– Abendessen im The David Copperfield, ein Restaurant der Harvester-Kette, an der Westwood Road.
– Nach dem Frühstück Besuch des The Dickens House Museum an der Victoria Parade.
– Anschließend ein Besuch bei Bumble’s Antique Dealers in der Albion Street (Mr. Bumble ist eine Figur aus „Oliver Twist“).
– Lunch in Nickleby’s Take Away Café in der Albion Street.
– Danach Spaziergang zum Bleak House, wo Dickens seine Urlaube verbrachte und „David Copperfield“ schrieb (damals hieß das Gebäude noch Fort House). Das Haus kann man heute für Hochzeiten und Feste mieten; das Arbeitszimmer von Charles Dickens und ein Schmugglermuseum sind zu besichtigen.
– Wie wäre es jetzt mit einem Pint im Pub Barnaby Rudge in der Albion Street? (Das ist der Name eines Romans von Charles Dickens). Da es sich hier aber um eine Sports Bar handelt und es ziemlich laut zugeht, lassen wir es bei dem einen Pint.
– Um die Zeit zwischen Lunch und Dinner zu überbrücken, holen wir uns einen der leckeren Kuchen aus der Bäckerei Dickens Pantry an der High Street.
– Nach einem Spaziergang, der am The Old Curiosity Shop vorbeiführt, einem Tea Room, geht es zu einem Nachmittagsschlaf wieder zurück in unser Gästehaus.
– Das Abendessen kann man zum Beispiel im Charles Dickens Pub an der Victoria Parade zu sich nehmen, dessen Restaurant…Copperfield’s heißt. Wer eher Appetit auf indische Küche hat, kann auch in der High Street das „Dickens in India“ Restaurant aufsuchen. – Wer jetzt aber endgültig das Thema „Dickens“ nicht mehr hören kann, der gehe am besten in das „Phileas Fogg“ in der Albion Street, das auch nach einer Romanfigur benannt wurde, aber dieses Mal einer von Jules Verne.

Über das jährlich in Broadstairs stattfindende Dickens Festival habe ich in meinem Blog schon berichtet.
Hier ist eine Autofahrt durch Broadstairs im Film, die einen sehr schönen Überblick über den Ort bietet.

Das Buch zum Artikel:
Nick Evans: Broadstairs Heydays and Nowadays. Nick Evans 2007. 160 Seiten. ISBN 978-0954525262.

The Charles Dickens Pub an der Victoria Parade.
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The Barnaby Rudge.
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Published in: on 12. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das All Souls College in Oxford mit der schwersten Aufnahmeprüfung der Welt

Das All Souls College neben der Radcliffe Camera.
Eigenes Foto.

Am Oxforder All Souls College ist alles anders als an den anderen Colleges der Universitätsstadt. Hier gibt es z.B. keine Studenten oder Hochschulabsolventen, sondern nur Fellows, das sind Gelehrte, die von einer Hochschule oder Universität zum Zwecke der Forschung und/oder Lehre finanziell unterstützt werden (so die Definition der Wikipedia). Wer an diesem College arbeitet, bezahlt keine Gebühren, im Gegenteil er/sie erhält ein Stipendium von jährlich £14,783 für einen Zeitraum von sieben Jahren. Nicht schlecht, aber wie schafft man es, in dieses spezielle College aufgenommen zu werden?

Zwei Graduates (Hochschulabsolventen) bekommen jedes Jahr die Chance, eine Fellowship am All Souls College zu erhalten, müssen dafür aber, wie es heißt, die schwerste Aufnahmeprüfung der Welt ablegen. Durschnittlich 50 Graduates bewerben sich pro Jahr für die beiden Stellen und wirklich nur die allerbesten schaffen es in das „Heiligtum“.

Wie sieht denn nun diese Aufnahmeprüfung aus? Vier schriftliche Ausarbeitungen müssen angefertigt werden, für die man jeweils drei Stunden Zeit hat; zwei zu allgemeinen Themen, zwei zu speziellen Themen. Vor zwei Jahren wurde die gefürchtetste Prüfung abgeschafft: Man erhielt einen Umschlag, in dem auf einem Blatt Papier nur ein Wort stand, und über das musste man drei Stunden lang einen Essay schreiben.

Die Themen, die den Graduates vorgesetzt werden, haben es in sich und klingen manchmal auf den ersten Blick sehr merkwürdig; man will damit aber sehen inwieweit die geistige Elite mit ungewöhnlichen Themen umgehen kann. Hier sind einige Beispiele:

– Ist es umoralisch, eine Handtasche im Wert von £10 ooo zu kaufen?
– Verändert sich der Charakter einer Orgie, wenn die Teilnehmer Nazi-Uniformen tragen?
– Man sagt, Architektur sei „eingefrorene Musik“. Ergibt das einen Sinn?
– Schreiben Sie einen Nachruf auf Harold Pinter.
– Warum sind Janes Austens Romane auch heute noch so populär?

Wer es ins All Souls College geschafft hat, dem stehen später einmal die Türen offen für wichtige Ämter z.B. in der Politik und der Wirtschaft. Ehemalige des College waren u.a.
– Der polnische Philosoph Leszek Kołakowski
– Der Schriftsteller und Geheimagent Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien)
– Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz
– Der Philosoph Sir Isaiah Berlin

Das 1438 gegründete All Souls College, direkt im Zentrum an der High Street gelegen, ist auch architektonisch eines der imposantesten Gebäude der Stadt. Auf den skurrilen Brauch „Hunting the Mallard„, der hier gepflegt wird, bin ich in einem Blogeintrag schon einmal eingegangen.

Man kann Teile des College kostenlos besichtigen und zwar wochentags zwischen 14 Uhr und 16 Uhr.

All Souls College
27 High Street
Oxford OX1 4AL,

Tel. 01865 279379
Published in: on 11. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Yardley of London – Der älteste Hersteller von Kosmetikartikeln der Welt

Eigenes Foto

Auch in Deutschland gibt es sie zu kaufen, die Produkte der Londoner Firma Yardley; das bekannteste dürfte wohl die Lavendelseife sein. Auf der Verpackung der Seife prangt der Aufdruck „By appointment to H.M. Queen Elizabeth II. Manufacturers of toiletry products. Yardley of London Ltd, London„; daneben noch einmal der gleiche Aufdruck für H.R.H. The Prince of Wales. Ist doch ein schöner Gedanke, sich mit der gleichen Seife zu waschen wie die königliche Familie.

Diese sogenannten Royal Warrants gehen bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück, als ein gewisser Jonathan Yardley erstmals Hoflieferant unter Charles I wurde. Yardley stellte Seife her, deren wesentlicher Bestandteil Lavendel war und auch heute noch gehört die Lavender Soap zu den beliebtesten Artikel der Firma. Hier ist die Beschreibung dieser speziellen Seife:

„Englischer Lavendel, der internationale Signaturduft von Yardley London, ist eine wunderbar elegante Komposition aus Lavendelblättern, Neroli, und Muskatsalbei mit einer Herznote aus Lavendelöl und Geranie, getragen von einer Basisnote aus Sandelholz und Tonkabohne. Die Yardley London Luxusseife ist dreifach pilliert. Dies verleiht ihr einen luxuriösen Schaum, der eine saubere, seidenweiche und zart duftende Haut hinterlässt.“

Der von Yardley verwendete Lavendel stammt ausschließlich aus in England angebauten Pflanzen und wird nicht importiert.
Im letzten Jahr kreierte die Firma eine neue Duftnote Royal English Daisy, „inspired by Miss Catherine Middleton“: „An elegant dewy fresh, green floral with top notes of green leaves and apple, a heart of hyacinth and white rose with warm base notes of sandalwood and musk“.

Produziert werden die Kosmetikartikel der Firma Yardley vor den Toren Londons an der Miles Gray Road in Basildon (Essex).

Die Anzeigenkampagnen von Yardley waren schon immer berühmt;  so verpflichtete man u.a. Models wie Twiggy oder Linda Evangelista, die für die Produkte warben. Hier ist ein aktueller Werbespot.

Das Buch zum Artikel:
Lavender a scented history by Yardley of London. The Good News Press 2003. 80 Seiten. Keine ISBN.

Published in: on 10. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Außenstelle der Bodleian Library in South Marston (Wiltshire) – Ein riesiges Lagerhaus mit mehr als 230 km Regalfläche

Das Lagerhaus in South Marston (Wiltshire).
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Die Bodleian Library in Oxford, zweitgrößte Bibliothek nach der British Library, gehört zu den Copyright-Bibliotheken des Landes, d.h. jeder britische Verleger ist verpflichtet, ein Exemplar jeden gedruckten Buches, jeder Zeitschrift und Zeitung hier abzuliefern. So kann man sich vorstellen, welche Mengen an gedrucktem Material sich hier angesammelt haben. Da der Stauraum in Oxford schon lange nicht mehr ausreichte, ging man dazu über, Teile der Büchersammlung auszulagern, u.a. in einem ausgedienten Salzbergwerk in Cheshire.

Seit Oktober 2010 steht der Bodleian Library jetzt aber ein sehr viel komfortableres Außenlager zur Verfügung. Für £26 Millionen wurde am Rande von Swindon (Wiltshire), in South Marston, ein riesiges Lagerhaus mit 11,700m² Fläche gebaut, in dem schon jetzt 7,5 Millionen Bücher und 1,2 Millionen Kartenmaterial untergebracht sind. 230 Kilometer Regale stehen zur Verfügung, auf denen Bücher gelagert sind, die in Oxford nicht allzu häufig geordert werden und wenn doch, kein Problem: Innerhalb weniger Stunden sind die gewünschten Bücher in Oxford, denn es existiert eine Art Shuttle-Service, der die Transporte zwischen den beiden Städten durchführt. Zurzeit sind das etwa 5000 Bücher wöchentlich, die im Außenlager bestellt werden. Das Lagerhaus im Keypoint Industrial Estate an der Thornhill Road liegt verkehrsgünstig nahe der A420, die Swindon mit Oxford verbindet.

Der Regalplatz in South Marstons Book Storage Facility, auf etwa acht Millionen Bände ausgelegt, wird schätzungsweise für weitere zwanzig Jahre reichen; pro Tag werden hier durchschnittlich 1000 gedruckte Werke angeliefert, und das im Zeitalter von eBook & Co!

Die Bodleian Library in Oxford: Architektonisch schön, aber mittlerweile viel zu klein.
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Published in: on 9. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Two Moors Music Festival im Dartmoor und Exmoor

St Andrew’s in Ashburton.
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Ich erinnere mich noch wie im Jahr 2001 die Auswirkungen der Maul- und Klauenseuche auf den  Tourismus in England zu spüren waren. Die Krankheit, die sich, ausgehend von dem kleinen Dorf Heddon-on-the-Wall in Northumberland, über das ganze Land verbreitete, ließ Hotels leer stehen, denn viele blieben lieber zu Hause, als sich auf eine Reise in die infizierten Gebiete zu machen.

Auch das Dartmoor und das Exmoor im Südwesten Englands waren betroffen und viele Farmer dort verloren ihre Existenzen. Um die Stimmung damals etwas zu verbessern und den Tourismus wieder anzukurbeln, rief man das Two Moors Music Festival ins Leben, bei dem in vielen Kirchen in dieser Region musikalische Veranstaltungen stattfanden. Das Festival fand Anklang in der Bevölkerung und so wird es auch heute noch durchgeführt, demnächst vom 11. bis zum 21. Oktober. Schauplätze sind u.a. Dunster, Ashburton und Widecombe-in-the-Moor. Hier sind einige besonders interessante Veranstaltungen:

Aus Anlass der Wiederkehr des 100. Geburtstages der Altistin Kathleen Ferrier (die 1953 starb) findet am 13. Oktober in der St Andrew’s Church in Ashburton (Devon) ein Tributkonzert für die Sängerin statt. Einen Tag später ehrt man in der St Pancras Church in Widecombe-in-the-Moor (Devon) Charles Dickens, der vor 200 Jahren geboren wurde, mit dem Konzert“ Come into the Parlour“. Auch der Dichter und Dramatiker Robert Browning wurde im Jahr 1812 geboren; Grund genug, um an ihn am 15. Oktober mit dem Konzert „The Pied Piper of Hamlyn“ in der  St John the Baptist’s Church in  Hatherleigh (Devon) zu erinnern. An die Opfer des Untergangs der Titanic gedenkt man am 16. Oktober in der All Saints‘ Church in Okehampton (Devon) mit dem Liederabend „In Memory of the Titanic“.
Das Festivalfinale findet am Sonntag, dem 21. Oktober in der All Saints‘ Church in Dulverton (Somerset) mit der weltberühmten Sängerin Katarina Karnéus statt.

The Two Moors Festival
Barkham
Sandyway
South Molton
Devon EX36 3LU
Tel. 01643 831370

St Pancras in Widecombe-in-the-Moor.
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St John the Baptist in Hatherleigh.
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Published in: on 8. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Vergessene Krimiautoren: Belton Cobb

Eigenes Foto.

In den 1950er Jahren erschien erstmals eine Handvoll Übersetzungen von Kriminalromanen des englischen Autors Belton Cobb, später in den 1960er und 1970er Jahren wurden noch einige nachgeschoben; bis auf zwei Ausnahmen wurden alle vom Goldmann-Verlag veröffentlicht. Laut dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek wurden elf Romane übersetzt.

Wer war nun dieser Belton Cobb, den heute kaum noch jemand kennt? In den mir vorliegenden Goldmann-Krimis stehen keinerlei biografische Daten. Geoffrey Belton Cobb lebte von 1892 bis 1971 und war kaufmännischer Direktor des Longman-Verlages in London. Nebenbei arbeitete er als Journalist für mehrere Zeitschriften.

Im Laufe seines Lebens schrieb er über 50 Kriminalromane; der erste war „No Alibi“ aus dem Jahr 1936, der letzte „Suspicion in Triplicate„, den Belton Cobb 1971 veröffentlichte. In diesen 35 Jahren „verschliss“ der Autor mehrere Seriendetektive wie Inspector Cheviot Burmann, Superintendent  Manning und Detective Bryan Armitage.

Über die Qualität der Krimis von Belton Cobb ist man geteilter Meinung. Ich habe gerade noch einmal „No Charge For Poison“ (dt. „Gift aus der Apotheke?“) aus dem Jahr 1950 gelesen, mit den beiden Detektiven Manning und Barnett aus dem fiktiven Inchester als „Spürhunde“. Ich muss sagen, dass mich dieser Krimi doch etwas gelangweilt hat: Er tritt auf der Stelle, entwickelt sich nur mühsam und zäh weiter und die Dialoge, sowohl der beiden Detectives als auch der zahlreichen Verdächtigen (es gibt viele „red herrings“), wiederholen gebetsmühlenartig immer die gleichen Sachverhalte.

Auch Jacques Barzun und Wendell Hertig Taylor in ihrem Standardwerk „A Catalogue of Crime“ (New York 1989) kommen zu zwiespältigen Ergebnissen in der Beurteilung der Krimis. Ihr Kommentar zu „Lost Without Trace“ (1967): „Let it be lost without trace“. Den Roman „With Intent to Kill“ (1958) bezeichnen sie als „superficially plotted and carelessly written“, während sie zu „Poisoner’s Base“ (1957) sagen „…well plotted and the chitchat at meals is lively , so long as the wife stays out of it“. Na ja…

Belton Cobb schrieb neben seinen Krimis auch einige wenige Sachbücher, mit denen er aber im Genre blieb wie „Critical Years At The Yard: The Career Of Frederick Williamson Of The Detective Department And The C.I.D“ oder „Murdered On Duty: A Chronicle Of The Killing Of Policemen„.

Die Bücher von Belton Cobb sind sowohl in England als auch in Deutschland seit langem vergriffen, aber man bekommt die meisten natürlich problemlos über die Online-Antiquariate.

Published in: on 7. Oktober 2012 at 02:00  Comments (3)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Chipperfield (Hertfordshire)

The Windmill in Chipperfield.
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Chipperfield in Hertfordshire, nur wenige Kilometer von den Ballungsräumen Watford und Hemel Hempstead entfernt, ist ein Dorf, in dem noch alles in Ordnung zu sein scheint. Es gibt ein Postamt, einen Kaufmannsladen, einen Fleischer, vier Pubs, drei Kirchen, eine Grundschule und einen Cricketclub…und das alles für 1700 Einwohner. Toll, dass es so etwas noch gibt!

Im Sommer wird alljährlich der Red Cross Open Gardens Day durchgeführt, an dem die Dorfbewohner ihre Gärten für die Allgemeinheit öffnen, eingebunden in das Greensleeves Weekend, an dem in den Pubs Morris Dancer auftreten.

Kein Wunder, dass Chipperfield den Location Scouts der TV-Serie „Inspector Barnaby“ nicht verborgen blieb. Dreimal fanden in dem kleinen Ort in Hertfordshire Dreharbeiten statt (der zweite Ort in Hertfordshire ist Aldbury, s. dazu auch meinen Blogeintrag).

Bereits in der 2. Episode „Written in Blood“ (dt. „Blutige Anfänger“) wurde hier gedreht, wobei man aus Chipperfield Midsomer Worthy machte, wo die Mitglieder des Writers Circle wohnten. Das Haus des Vorsitzenden des Clubs der Amateurschriftsteller Gerald Hadleigh steht hier in Chipperfield (es handelt sich hierbei um „The Old Swan House„, ein ehemaliger Pub), ebenso wie das Haus des Lehrers Brian Clapper und seiner Frau Sue. Der Pub The Windmill ist gleich am Anfang der Episode zu sehen, ein Pub der unter dem Namen Calham Coss Inn später in Folge 65 „Days of Misrule“ (dt. „Ein missratener Sohn“) wieder auftaucht.

Auch in der Episode  13 „Beyond the Grave“ (dt. „Der Fluch von Aspern Tallow“) ist Chesterfield zu sehen, wenn Barnaby und Troy dort eine Teestube aufsuchen (die es nicht wirklich gibt, gedreht wurde in einem Privathaus).

Chipperfield – Ein Bilderbuchdorf.
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Published in: on 6. Oktober 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Einige Erinnerungen an Broadway (Worcestershire) -The Jewel of the Cotswolds

Die High Street in Broadway (Worcestershire).
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Broadway (Worcestershire) ist wohl einer der touristischen Hauptanziehungspunkte in den Cotswolds. Die Kleinstadt besteht überwiegend aus Häusern, die aus dem honigfarbenen Cotswolds-Steinen erbaut sind. Hier siedelten sich Künstler an, es gibt hübsche kleine Läden (keine Kettenläden!), ein paar angenehme Pubs und Hotels. Was will man mehr?

In der Hochsaison kann es hier tagsüber schon einmal voll werden, doch wenn die Touristenbusse am Nachmittag den Ort wieder verlassen haben, kehrt Ruhe ein und eine idyllische Stimmung macht sich breit. Ich habe bei meinen Besuchen in Broadway immer im Lygon Arms Hotel übernachtet, einem Hotel, das im Ortszentrum liegt und sehr zu empfehlen ist (auch das Restaurant!). Wenn man nach dem Abendessen auf die Hauptstraße tritt,  die erleuchteten Fenster der umliegenden Häuser sieht und die Ruhe genießt, so ist das einfach wunderschön.

Ende des 19. Jahrhunderts siedelte sich hier die Broadway Group an, eine Künstlerkolonie, der sich amerikanische und englische Künstler anschlossen wie z.B. John Singer Sargent, Francis Millet, Alfred Parsons und Henry James. Dem Designer   Sydney Gordon Russell hat man sogar ein eigenes Museum gewidmet.

Ich vermisse das Teddybär-Museum in der High Street mit dem angeschlossen Shop, in dem ich einmal meinen Lieblings-Teddybär kaufte (s. dazu meinen Blogeintrag). Leider ist das schon vor Jahren geschlossen worden. Ebenfalls geschlossen wurde der schöne Laden an der High Street, in dem man Seidenartikel von Elaine Ripon erstehen konnte. Dort habe ich meine Lieblingskrawatten gekauft. Trotzdem gibt es in Broadway nach wie vor zahlreiche Galerien, Antiquitätengeschäfte und andere Läden mit interessanten Angeboten.

Hier sind einige stimmungsvolle Bilder von Broadway.

The Lygon Arms Hotel an der High Street.
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Published in: on 5. Oktober 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Hoar Cross Hall – Ein Hotel und Spa der Spitzenklasse in Staffordshire

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Seit 2005 wurde das Hoar Cross Hall Hotel jedes Jahr mit den World Travel Awards ausgezeichnet und zwar in der Kategorie „England’s Leading Resort“ bzw. „England’s Leading Spa Resort“ und für 2012 ist es auch schon wieder nominiert.

Das Hotel liegt südwestlich von Derby am Ortsrand des Dorfes Hoar Cross in der Grafschaft Staffordshire. Es ist ein beeindruckendes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das von dem Architekten Henry Clutton im sogenannten „Neo Jacobean“-Stil gebaut wurde. Clutton entwarf auch das Welcombe Hotel in Stratford-on-Avon und baute den Wasserturm am Cliveden Hotel bei Taplow in Berkshire.

Das Abendessen wird in den Grand Ballrooms eingenommen; von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Gartenanlagen. Im Plantation Restaurant wird das Mittagessen serviert und in der Oasis Garden Room Coffee Bar kann man nachmittags einen Tee oder Kaffee trinken.

Hoar Cross Hall bietet etwa 90 Zimmer und Suiten. Die günstigste Übernachtung in einem Standard-Doppelzimmer kostet innerhalb der Woche £344; darin enthalten sind Frühstück, Lunch und Abendessen, sowie die Nutzung der Spa-Abteilung. Die Standard-Suite liegt bei £384; größere Suiten, und als Prunkstück die Royal Suite, stehen ebenfalls zur Verfügung. An den Wochenenden liegen die Übernachtungspreise höher.

Der Wellness-Bereich ist riesig mit zwei Pools und unzähligen Möglichkeiten, sich von fachkundigem Personal behandeln zu lassen. Dem Hotel angeschlossen ist eine Golfakademie, man kann Tennis spielen oder seine Bogenschießkünste verfeinern.

Hoar Cross Hall Hotel
Hoar Cross
Maker Lane
Near Yoxall
Staffordshire • DE13 8QS
Tel: 01283 575 671

Die Einfahrt zum Hotel.
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Published in: on 4. Oktober 2012 at 02:00  Comments (4)  
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Worth Matravers (Dorset) und Benjamin Jesty, der (eigentliche) Entdecker der Pockenschutzimpfung

Das idyllisch gelegene Worth Matravers in Dorset.
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Eigentlich gilt ja Edward Jenner (1749-1823) als der Entdecker der Pockenschutzimpfung, aber da war noch jemand vor ihm, ein gewisser Benjamin Jesty (1736-1816), der erkannte, dass, wenn jemand an Kuhpocken erkrankt war, er später nicht mehr an den weit schwerwiegenderen Pocken erkrankte.
Diese Beobachtung machte Jesty auf seinem Bauernhof in Yetminster in Dorset. Zu jener Zeit kam es immer wieder zu Pockenepidemien in England und besonders Melkerinnen und andere Farmarbeiter, die an den relativ harmlosen Kuhpocken erkrankt waren, galten als immun gegen die gefährliche Pockenerkrankung. Jesty experimentierte mit dieser Erkenntnis, indem er seiner Frau und seinen beiden Söhnen Material aus einer infizierten Kuh injizierte. Zwar erkrankte seine Frau kurzfristig ernsthaft, erholte sich aber schnell. Sie und die beiden Söhne hatten bei späteren Epidemien nie wieder Probleme.

1797 zog Jesty mit seiner Familie nach Worth Matravers an der Südküste Dorsets, wo ein gewisser Dr. Andrew Bell aus dem benachbarten Swanage von den Impferfolgen des Farmers hörte und seine Gemeindemitglieder, er war Pfarrer, erfolgreich gegen Pocken impfte.
Benjamin Jesty stand immer im Schatten von Edward Jenner, der als der Entdecker der Pockenschutzimpfung gilt und damals viele Preisgelder für sich verbuchen konnte. Obwohl sich mehrere Menschen für Jesty einsetzten, u.a. Dr. Bell, blieb ihm die richtige Anerkennung für seine Verdienste versagt.

Benjamin Jesty starb 1816 in Worth Matravers und ist auf dem Friedhof der St Nicholas Church an der Seite seiner Frau begraben. Wenigstens hat man an seiner Farm in Yetminster eine blaue Plakette angebracht, die an die Arbeit des Farmers erinnert.

Das Buch zum Artikel:
Patrick J. Pead: Benjamin Jesty: Dorset’s Vaccination Pioneer. Timefile Books 2009. 40 Seiten. ISBN 978-0955156113

Bejamin Jesty. Porträt von Michael William Sharp.
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Jestys Grabstein auf dem Kichhof von St Nicholas in Worth Matravers.
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Published in: on 3. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Musikvideo – Keane: Sovereign Light Café

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Das kleine Sovereign Light Café am Strand des Seebades Bexhill-on-Sea in East Sussex, zwischen Hastings und Eastbourne gelegen, hätte es sich wohl auch nicht träumen lassen, dass es einmal Gegenstand eines Songs werden würde. Die Rockband Keane, die aus dem nahegelegenen Ort Battle stammt, hat den Song „Sovereign Light Café“  geschrieben, der in diesem Jahr auf ihrem aktuellen Album „Strangeland“ erschien und als Single ausgekoppelt wurde. Das dazugehörige Musikvideo hat Keane selbstverständlich auch in Bexhill-on-Sea aufgenommen. Im Text heißt es:

Go down to the rides on East Parade,
by the lights of the Palace Arcade
Watch night coming down on the Sovereign Light Café
Go down to the bandstand on the pier
Watch the drunks and the lovers appear
Take time, just the stars at the Sovereign Light Café

Wer das Sovereign Light Café einmal aufsuchen möchte, der findet es an der West Parade, das ist die B2182, direkt am Strand, und was gibt es hier u.a. zu essen? Natürlich Fish & Chips.
Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Die West Promenade in Bexhill-on-Sea.
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Published in: on 2. Oktober 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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