Vergessene Krimiautoren: Belton Cobb

Eigenes Foto.

In den 1950er Jahren erschien erstmals eine Handvoll Übersetzungen von Kriminalromanen des englischen Autors Belton Cobb, später in den 1960er und 1970er Jahren wurden noch einige nachgeschoben; bis auf zwei Ausnahmen wurden alle vom Goldmann-Verlag veröffentlicht. Laut dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek wurden elf Romane übersetzt.

Wer war nun dieser Belton Cobb, den heute kaum noch jemand kennt? In den mir vorliegenden Goldmann-Krimis stehen keinerlei biografische Daten. Geoffrey Belton Cobb lebte von 1892 bis 1971 und war kaufmännischer Direktor des Longman-Verlages in London. Nebenbei arbeitete er als Journalist für mehrere Zeitschriften.

Im Laufe seines Lebens schrieb er über 50 Kriminalromane; der erste war „No Alibi“ aus dem Jahr 1936, der letzte „Suspicion in Triplicate„, den Belton Cobb 1971 veröffentlichte. In diesen 35 Jahren „verschliss“ der Autor mehrere Seriendetektive wie Inspector Cheviot Burmann, Superintendent  Manning und Detective Bryan Armitage.

Über die Qualität der Krimis von Belton Cobb ist man geteilter Meinung. Ich habe gerade noch einmal „No Charge For Poison“ (dt. „Gift aus der Apotheke?“) aus dem Jahr 1950 gelesen, mit den beiden Detektiven Manning und Barnett aus dem fiktiven Inchester als „Spürhunde“. Ich muss sagen, dass mich dieser Krimi doch etwas gelangweilt hat: Er tritt auf der Stelle, entwickelt sich nur mühsam und zäh weiter und die Dialoge, sowohl der beiden Detectives als auch der zahlreichen Verdächtigen (es gibt viele „red herrings“), wiederholen gebetsmühlenartig immer die gleichen Sachverhalte.

Auch Jacques Barzun und Wendell Hertig Taylor in ihrem Standardwerk „A Catalogue of Crime“ (New York 1989) kommen zu zwiespältigen Ergebnissen in der Beurteilung der Krimis. Ihr Kommentar zu „Lost Without Trace“ (1967): „Let it be lost without trace“. Den Roman „With Intent to Kill“ (1958) bezeichnen sie als „superficially plotted and carelessly written“, während sie zu „Poisoner’s Base“ (1957) sagen „…well plotted and the chitchat at meals is lively , so long as the wife stays out of it“. Na ja…

Belton Cobb schrieb neben seinen Krimis auch einige wenige Sachbücher, mit denen er aber im Genre blieb wie „Critical Years At The Yard: The Career Of Frederick Williamson Of The Detective Department And The C.I.D“ oder „Murdered On Duty: A Chronicle Of The Killing Of Policemen„.

Die Bücher von Belton Cobb sind sowohl in England als auch in Deutschland seit langem vergriffen, aber man bekommt die meisten natürlich problemlos über die Online-Antiquariate.

Published in: on 7. Oktober 2012 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://maricopa1.wordpress.com/2012/10/07/vergessene-krimiautoren-belton-cobb/trackback/

RSS feed for comments on this post.

3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Es freut mich, dass hier mal auf einen fast vergessenen englischen Kriminalautor hingewiesen wird. Ich habe eine Schwäche für Autoren wie ECR Lorac, John Rhode, Miles Burton, Christopher Bush oder George Bellairs, um nur mal ein paar mit großer Produktivität zu nennen. Belton Cobb habe ich vor ein paar Monaten mit der deutschen Übersetzung Anfänger haben Glück von 1960 kennen gelernt. Hier haben wir es mit zwei Ermittlern zu tun: Cheviot Burman, einem von Cobb s Seriendetektiven und dem jungen Bryant Armitage (das ist der „Anfänger“) Der Reiz des Romans liegt in der Spannung zwischen diesen beiden Personen. Mein nächster Versuch war The Poisoner’s Mistake (1936). Hier ermittelt auch Cheviot Burman. Aber er ist eine ganz andere Persönlichkeit als in dem Krimi von 1960. Mein dritter Belton Cobb, und bislang mein letzter, war The Home Guard Mystery (1942) ohne Seriendetektiv und im Milieu der Zivilverteidigung („Dad’s Army“) im WWII handelnd. Cobb gehört nicht zur ersten Garde der englischen Kriminalautoren. Seine Krimis sind meist Routinearbeiten und die Charaktere sind nicht gut ausgearbeitet. Trotzdem finde ich sie durchaus lesenswert.
    Die englischen Originale sind rar und meist teuer. Wer das Glück hat in Hamburg zu wohnen, kann ca 18 von Cobbs Titeln in englischer Sprache in der dortigen Staatsbibliothek ausleihen. Man kann sie auch über den auswärtigen Leihverkehr beziehen.

    • Vielen Dank für die ausführliche und sehr interessante Stellungnahme zu Belton Cobb!Schön, dass auch heute noch nahezu vergessene englische Krimiautoren in Deutschland gelesen werden.
      Viele Grüße
      Ingo

  2. Also ich hatte vor längerer Zeit den Roman „Belüge nicht die Polizei gelesen“ und fand ihn ganz unterhaltsam. Jetzt habe ich noch einige andere gelesen, wie Anfänger haben Glück, Mitgefangen-mitgehangen u. Gift aus der Apotheke und nicht vergessen, Detektiv auf Urlaub und die meisten gefielen mir ganz gut. Gift aus der Apotheke tritt wirklich einigermassen auf der Stelle, aber durch die Vielzahl der Verdächtigen bleibt eine gewisse Spannung erhalten.

    Ich habe vor, mir noch weitere Titel zu besorgen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: