Mein Buchtipp – David Long: The English Country House Eccentrics

Eigenes Foto.

In diesem Jahr erschien ein hübsch gestaltetes, kleines Buch im Verlag The History Press, der in Stroud in Gloucestershire seinen Sitz hat: David Longs „The English Country House Eccentrics“. Auf 158 Seiten beschäftigt sich der Autor mit englischen Exzentrikern in Verbindung mit ihren Landsitzen. In seinen bisherigen Büchern befasste sich David Long hauptsächlich mit Besonderheiten der britischen Hauptstadt wie z.B. in „Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places“ oder „When Did Big Ben First Bong?“. In diesem neuen Buch begibt er sich in die Provinz und stöbert so allerhand skurrile und witzige Personen auf.

Den einen oder anderen Exzentriker habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie John „Mad Jack“ Fuller oder Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck.
David Long präsentiert in seinem Buch noch viele andere Exemplare dieser typisch englischen Spezies.

Da ist z.B. John Mytton (1796-1834) von Halston Hall bei Oswestry in Shropshire, der für Shrewsbury ins Parlament zog, es dort aber so langweilig fand, dass er schon nach wenigen Tagen London verließ und nie wieder ins Parlament zurückkehrte. Stattdessen widmete er sich mit Vorliebe dem Alkohol (er trank am Tag sechs bis acht Flaschen Portwein), dem Wetten und dem Shoppen (er soll 700 Paar Reitstiefel und 1000 Hüte besessen haben).

Charles Seymour, der 6. Duke of Somerset (1662-1748), der im Petworth House in West Sussex residierte, war ein Snob erster Güte und dermaßen von sich eingenommen, dass er sich weigerte, mit anderen Menschen zu sprechen, die nicht seines Standes waren und das bezog sich selbst auf seine Kinder. Als eine seiner Töchter einmal die Frechheit besaß, sich in seiner Gegenwart hinzusetzen, wurde sie sofort enterbt (das Erbe hätte einer Summe von ca 20 bis 30 Millionen Pfund entsprochen).

Sir Tatton Sykes (1826-1913) vom Sledmere House bei Driffield in East Yorkshire verließ sein Anwesen nie, ohne dass er mehrere Mäntel und Hosen übereinander trug. Wenn im Laufe des Tages die Temperatur anstieg, schälte er sich nach und nach aus den Kleidungsstücken, denn er war der Meinung, dass eine stets gleichbleibende Körpertemperatur seiner Gesundheit zuträglich war. Da er keine Lust hatte, die ausgezogenen Mäntel und Hosen selbst nach Hause zu tragen, hatte er mit der Dorfjugend ein Abkommen geschlossen, dass sie die Kleidung wieder im Herrenhaus ablieferte, und jeder, der das tat, bekam dafür einen Schilling und eine warme Mahlzeit.

Es gibt noch viele weitere herrliche Geschichten über exzentrische Persönlichkeiten in diesem Buch, das ich jedem empfehlen kann, der einen Nerv für skurrile Adlige hat.

David Long:  The English Country House Eccentrics. The History Press 2012. 158 Seiten. ISBN 978-0752467313.

Petworth House (West Sussex). Residenz von Charles Seymour.
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Sledmere House (East Yorkshire). Hier wohnte Sir Tatton Sykes.
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Published in: on 13. Oktober 2012 at 02:00  Comments (2)