John George Haigh – Der Säurebadmörder

 

Dieses von der Regierung des Vereinigten Königreichs erstellte Werk ist in der public domain.

Am 10. August 1949 wurde im Wandsworth Prison ein Mann hingerichtet, der in die englische Kriminalgeschichte als der „Säurebadmörder“ einging. John George Haigh, in Stamford (Lincolnshire) geboren, gab sich in London gern als wohlhabender Geschäftsmann aus. Er wohnte im Onslow Court Hotel (jetzt das Kensington Hotel) an der Queen’s Gate und machte dort die Bekanntschaft einer reichen Witwe, Olive Durand-Deacon, die sich ebenfalls in diesem Hotel einquartiert hatte. Man kam ins Gespräch und erörterte die Produktion von künstlichen Fingernägeln (Nagelstudios waren damals noch nicht so verbreitet wie heute). Haigh hatte sich in Crawley (West Sussex), südlich von London, in der Leopold Road Nr. 2 einen leerstehenden Lagerraum gemietet und dorthin bat er Mrs. Durand-Deacon am 18. Februar 1949. Er schoss ihr in den Kopf, nahm ihr ihre Juwelen und den Pelzmantel ab und „entsorgte“ sie in eine bereitstehende Tonne, in der sich Schwefelsäure befand.
Haigh benahm sich danach nicht sehr geschickt; auf Drängen einer anderen Hotelbewohnerin meldete er das Verschwinden von Olive Durand-Deacon der Polizei, die schnell Verdacht schöpfte und den Lagerraum in Crawley entdeckte. Dort war von der Dame fast nichts als ihr künstliches Gebiss übriggeblieben. Der Pelzmantel und die Juwelen, die Haigh verkauft hatte, tauchten auch bald wieder auf, außerdem gab es einen Zeugen, der ihn mit dem Opfer zusammen in Crawley gesehen hatte. Haigh wurde verhaftet, verurteilt und gehängt.

Nach seiner Verhaftung gab er noch bei der Polizei zu Protokoll, dass Mrs. Durand-Deacon nicht die einzige war, die seinen Mordplänen zum Opfer fiel. Im Juli 1945 hatte Haigh eine Wohnung im Kellergeschoss der Gloucester Road 79 in Kensington gemietet und dort sowohl den jungen William Donald McSwan, als auch dessen Eltern getötet und alle drei in einem Säurebad komplett aufgelöst. Er riss sich den gesamten, nicht unbeträchtlichen Besitz der McSwans unter den Nagel; Geld, das er aber schnell wieder beim Glücksspiel verlor. Die nächsten Opfer waren Dr. Archibald Henderson und seine Ehefrau, mit denen er sich anfreundete (Haigh konnte sehr charmant sein). Auch diese beiden lud er in die Leopold Road nach Crawley ein, tötete sie und packte sie in die Tonne mit der Schwefelsäure.

Knapp 40 Jahre war John George Haigh alt, als ihn der berühmte Richter Sir Travers Humphreys zum Tod verurteilte und er von dem nicht minder berühmten Henker Albert Pierrepoint hingerichtet wurde.

Mehrere Bücher sind über Haigh geschrieben worden, darunter:
Stafford Somerfield: The authentic and revealing story of John George Haigh. Hood Pearson 1950. 127 Seiten. Antiquarisch problemlos zu bekommen. Der Journalist Somerfield verbrachte die letzten Tage mit Haigh.

Hier ist eine dreiteilige Dokumentation übder den Serienmörder:
Teil 1  Teil 2  Teil 3

 

 

Published in: on 24. Oktober 2012 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://maricopa1.wordpress.com/2012/10/24/john-george-haigh-der-saurebadmorder/trackback/

RSS feed for comments on this post.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] In Stamford wurden zwei Männer geboren, auf die die Stadt nur zum Teil stolz sein kann. Da ist einmal Colin Dexter, einer der für mich besten englischen Krimiautoren, der den unvergesslichen Inspector Morse aus Oxford schuf. Am 29. September 1930 erblickte er das Licht der Welt hier in Lincolnshire. Das “schwarze Schaf” Stamfords ist sicherlich John George Haigh, der am 24. Juli 1909 in der Stadt geboren wurde und der in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte als der “Säurebadmörder” einging. Ich berichtete über ihn in meinem Blog. […]

  2. […] er zum Beispiel John George Haigh, den “Acid Bath Murderer”, zum Tode (ich berichtete in meinem Blog über ihn). Ein Justizirrtum konnte der Richter allerdings nicht vermeiden, als der Mordfall Timothy […]

  3. […] die Original-Fässer, in denen der sogenannte Säurebadmörder John George Haigh (ich berichtete in meinem Blog über ihn) seine Opfer bis (fast) in Nichts auflöste. In einem anderen Raum steht eine Badewanne, […]

  4. […] John George Haigh, „The Acid Bath Murderer“, Neville Heath, „The Lady Killer“, Ruth Ellis, „The Last Woman To Be Hanged in England“ und viele hundert andere zum Tode Verurteilte wurden von Albert Pierrepoint (1905-1992) ins Jenseits befördert, dem offiziellen Henker Englands. Als er 1956 in den wohlverdienten Ruhestand ging, bezeichnete man ihn als „the most efficient executioner“ der britischen Geschichte. Timothy Spall verkörperte seine Person in dem Spielfim „Pierrepoint: The Last Hangman“ (2005), der Henker selbst schrieb eine Autobiografie, die 1974 veröffentlicht wurde: „Executioner: Pierrepoint„. […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: