Algernon Blackwood – Ein Meister der Weird Fiction

Für meine Examensarbeit „Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) und seine Stellung innerhalb der anglo-amerikanischen Weird-Fiction-Literatur“ setzte ich mich seinerzeit intensiv mit Autoren der sogenannten Weird Fiction auseinander. Im Zuge der Vorbereitung für diese Arbeit traf ich mich einmal mit Kalju Kirde in seiner Wohnung in Göttingen; Kirde war der Herausgeber der legendären Buchreihe „Bibliothek des Hauses Usher“ des Insel-Verlages. In dieser auf hellgrünem Papier gedruckten bibliophilen Reihe erschienen insgesamt 26 Bände international bedeutender Autoren dieses Genres, darunter auch Algernon BlackwoodsDas leere Haus„, das mich damals besonders begeisterte.

Algernon Henry Blackwood, Commander of the British Empire, wurde 1869 in Shooter’s Hill (Kent) geboren, ein Ort, der heute zu Greater London gehört. Blackwood arbeitete u.a. als Geigenlehrer, Milchbauer in Kanada, Zeitungsreporter in New York und Barmixer. Später, nach seinem Aufenthalt in den USA und Kanada, ließ er sich wieder in England nieder und schrieb Romane, Kinderbücher, Bühnenstücke und vor allem Kurzgeschichten mit Themen, in denen das Übernatürliche im Mittelpunkt steht.

In der oben erwähnten Kurzgeschichtensammlung „Das leere Haus“ finden sich zwei der besten Horrornovellen des Autors: „Der Wendigo“ (Elchjäger in Kanada werden von einem mysteriösen Wesen bedroht, das einer indianischen Legende entstammt) und „Die Weiden“ (Zwei Kanufahrer geraten auf einer Fahrt auf der Donau in eine seltsame Landschaft, die nur aus Weiden, Wind und Wasser zu bestehen scheint. Sie fühlen sich dort immer stärker bedroht, merkwürdige Wesen erscheinen und ihr Aufenthalt in dieser Wasserlandschaft schlägt in blankes Entsetzen um). H.P. Lovecraft, der amerikanische Meister der Gruselliteratur, hielt „Die Weiden“ (1907 erschienen) für eine der besten Erzählungen der fantastischen Literatur überhaupt.

Algernon Blackwood, der es immer wieder schafft eine düstere und beklemmende Atmosphäre in seinen Erzählungen aufzubauen, sagte einmal: “ My real interest here, however, lay always and still lies in the question of a possible extension of human faculties  and the suggestion that the man in the street possesses strange powers which never manifest normally“.

Da Blackwood sehr an allem Übernatürlichen interessiert war, trat er auch dem Ghost Club bei, über den ich in meinem Blog bereits berichtete. Er starb 1951 im Alter von 82 Jahren und wurde im Londoner Golder’s Green Krematorium eingeäschert. Seine Asche wurden in dem Schweizer Ort Saanenmöser verstreut.

In Deutschland sind zurzeit alle Übersetzungen vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen; in England sind noch einige von Blackwoods Werken im Buchhandel erhältlich.

Das Buch zum Artikel:
Mike Ashley: Starlight Man – The Extraordinary Life of Algernon Blackwood. Constable 2001. 320 Seiten. ISBN 978-1841194172.

Published in: on 29. Oktober 2012 at 02:00  Comments (4)  
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