Foulness Island (Essex) – (Fast) ein Großflughafen und eine militärisch streng abgeschirmte Insel

Die bewachte Einfahrt zu Foulness Island.
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Es heißt, dass selbst viele Engländer von der Insel mit dem nicht sehr verlockend klingenden Namen Foulness Island in Essex noch nie gehört haben. In die relativ große Stadt Southend mit ihrer langen Pier kommen schon eine ganze Menge Menschen, in die nordöstlich davon liegende Region dagegen nicht. So richtig wie eine Insel sieht Foulness Island auch nicht aus; die Flüsse Crouch und Roach mit einigen Nebenarmen trennen sie aber vom Festland ab. Wer sich das alles einmal näher ansehen möchte, wird aber schnell auf Probleme treffen, denn die Insel gehört dem britischen Verteidigungsministerium und ist somit militärisches Sperrgebiet. Das Merkwürdige ist, dass hier in Courtsend und Churchend trotzdem Menschen wohnen, die nicht zum militärischen Personal gehören. Bis vor einigen Jahren gab es hier sogar einen Pub, den George and Dragon in Churchend. Wollte man dort ein Pint trinken, so musste man sich telefonisch im Pub anmelden; der Gastwirt wiederum musste dafür die Einwilligung der Sicherheitsbehörden einholen, die den Zugang zur Insel bewachten, und dann durfte man, wenn man Glück hatte, passieren. Kein Wunder, dass der George and Dragon mittlerweile seine Pforten geschlossen hat.

Was genau auf der Insel passiert, weiß keiner so genau, denn hier ist alles streng geheim. Das Ministry of Defense bzw. die Firma Qinetiq, ein Rüstungs- und Forschungsunternehmen, testen und entwickeln auf Foulness Island allerlei militärisches Gerät; da soll auch schon einmal mit „schmutzigen Bomben“ experimentiert worden sein wie der SPIEGEL am 24. März 2008 berichtete. Nebulös ist da die Rede von „geheimen Projekten von nationaler Bedeutung, die England vor sehr realen Bedrohungen schützen“. Irgendwie erinnert mich das an die mysteriöse Area 51 in Nevada.

Um ein Haar wäre Foulness Island in den 1970er Jahren in einen Großflughafen umgewandelt worden. Dass die Londoner Flughäfen schon seit geraumer Zeit mit Erweiterungsproblemen kämpfen, ist ja allgemein bekannt. Vor allem Heathrow, der in einem dicht bebauten Gebiet liegt, hat kaum noch Potential für weitere Start- und Landebahnen und so hat man sich bereits damals Gedanken um einen neuen Flughafen für London gemacht. Die damalige konservative Regierung hatte sich schon auf Foulness Island festgelegt; sie wollte dort neben dem Flughafen auch noch einen großen Hafen für Frachtschiffe bauen, also ein Riesenprojekt, das viele Milliarden Pfund kosten sollte. Aber kurz vor Umsetzung der Pläne kam die Labour-Regierung unter Harold Wilson an die Macht, die das Projekt kurzerhand zu den Akten legte.

Das „Heathrow-Problem“ besteht nach wie vor und als Alternative wurde schon ein Flughafen in der Themsemündung diskutiert, favorisiert von Londons Bürgermeister Boris Johnson. Da boten sich z.B. die Shivering Sands bei Whistable in Kent an und sowohl die Isle of Sheppey als auch die Hoo Peninsula waren im Gespräch.

Der Kelch eines Großflughafens mit all seinen Umweltproblemen ist also an der Foulness Island vorbeigegangen; so ruht sie nach wie vor in einer Art Dornröschenschlaf, der ab und zu von geheimnisvollen Detonationen unterbrochen wird.

Wer sich die Insel unbedingt einmal ansehen möchte, der kann das von April bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 12 Uhr und 16 Uhr tun, denn dann ist das in der ehemaligen Grundschule untergebrachte Foulness Heritage Centre geöffnet, das die Geschichte dieser eigenartigen Insel dokumentiert.

Hier ist ein Film über die Insel.

Es hätte nicht viel gefehlt und statt Natur wären hier Landebahnen und Jumbo Jets zu sehen.
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Der ehemalige George and Dragon in Churchend.
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Published in: on 6. November 2012 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. […] Die Anstrengungen der Wing Airport Resistance Association zahlten sich aus, denn die Regierung ließ sich von den Argumenten überzeugen und so sollte der Flughafen woanders gebaut werden, in Foulness in Essex, woraus aber auch nichts wurde, denn das Verteidigungsministerium legte da sein Veto ein (s. dazu auch meinen Blogeintrag). […]


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