Red Light District – Der Ärger mit den roten Ampeln

Author: Yuri Kozin Brownbag. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Sir Simon Jenkins ist Autor mehrerer Bücher, darunter der beiden Standardwerke „England’s Thousand Best Houses“ und „England’s Thousand Best Churches“. Außerdem ist er Chairman des National Trusts.

Was ihn mir besonders sympathisch macht: Er ist ein entschiedener Gegner von Verkehrsampeln und hat sich schon mehrfach dafür ausgesprochen, 90% aller Ampelanlagen in Großbritannien abzureißen. Seine Argumente: Die rot-gelb-grünen Störenfriede behindern den Verkehrsfluss und sind gefährlich.  “We’re obsessed with traffic lights in Britain, and in London there’s a light practically every 30 yards, mostly with a clear street ahead„, so Jenkins gegenüber der Zeitschrift „Reader’s Digest“.

Mit dieser provokanten Meinung hat er natürlich auch die Ampel-Befürworter auf den Plan gerufen, die sich vehement gegen solche Pläne stemmen würden wie beispielsweise die Royal Society for the Prevention of Accidents. Londons Bürgermeister Boris Johnson lässt derzeit prüfen , inwieweit Ampelanlagen in seiner Stadt überflüssig sind. 20 (in Worten zwanzig) von Tausenden sind bisher abgebaut worden!

Ich bin der Meinung, dass es in Deutschland noch erheblich mehr Ampeln als in England gibt, wo der Verkehr wunderbar und sich selbst regelnd in großen Teilen durch Roundabouts gelenkt wird. Diese Kreisverkehre haben sich in großem Stil bei uns leider nicht durchsetzen können. So steht man hier immer wieder vor Ampeln, die den Verkehrsfluss abwürgen, nachts manchmal ganz allein, weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen. Experimente in den Niederlanden und auch in Deutschland, bei denen in Orten sämtliche Verkehrsschilder und Ampeln abgebaut worden sind, haben durchaus positive Ergebnisse gezeigt. Auch in England hat man mit der Verkehrsplanungsphilosophie „Shared Space“ z.B. in Ashford (Kent) gute Erfahrungen gemacht.

Vielleicht ist Sir Simons Forderung nach 90% Ampelreduzierung etwas drastisch ausgefallen, aber ich kann dem National Trust-Boss prinzipiell nur voll zustimmen!!

Published in: on 15. November 2012 at 12:53  Comments (1)  

The Folly Fellowship – Die Organisation, die sich der Erhaltung der Follies verschrieben hat

Eigenes Foto.

Folly wird in Wörterbüchern mit „Reiner Zierbau“ oder „Nutzloser Prunkbau“ übersetzt. Die englischsprachige Wikipedia definiert den Begriff so:
„In architecture, a folly is a building constructed primarily for decoration, but either suggesting by its appearance some other purpose, or merely so extravagant that it transcends the normal range of garden ornaments or other class of building to which it belongs“.

Follies weisen häufig auch auf die exzentrischen Züge ihrer Erbauer hin, daher finden sich in Großbritannien recht viele davon. Damit diese „Juwelen“ britischer Baukunst nicht verfallen oder abgerissen werden, kümmert sich seit 1988 eine Organisation namens The Folly Fellowship um sie.  Ihre Hauptaufgaben: to protect, to preserve and to promote.

Die Organisation nimmt sich in liebevoller Weise dieser „Verrückheiten“ an und veröffentlicht dreimal im Jahr das Magazin „Follies„, einmal jährlich „The Follies Journal: The International Journal for Follies, Grottoes, and Garden Buildings“ und ein e-Bulletin namens „Foll-e„, das man sich auch online ansehen kann.

Einmal im Jahr kommen die Mitglieder zu einer großen Gartenparty zusammen, bei der Sandwiches und Pimms gereicht werden. Der Höhepunkt dieser Party ist stets die Enthüllung einer speziellen Torte, die in Form eines der besuchten Follies gestaltet ist. Die diesjährige Garden Party fand in den Stowe Landscape Gardens in Buckinghamshire statt.

Über das Thema „Follies“ sind schon zahlreiche Bücher geschrieben worden; zuletzt, im Juli 2012, erschien „Follies: Fabulous, Fanciful and Frivolous Buildings“ von Gwyn Headley.
Mein Favorit ist nach wie vor „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales„, ebenfalls von Gwyn Headley, in Zusammenarbeit mit Wim Meulenkamp, geschrieben. Mein Exemplar stammt zwar aus dem Jahr 1990, ist aber auch heute noch gut verwendbar.

Wer Mitglied in der Folly Fellowship werden möchte (der Jahresbeitrag ist 40 EURO) wende sich an:

Membership Secretary
Folly Fellowship
35 Queensfields West
Bognor Regis
West Sussex
PO21 5SG

Published in: on 15. November 2012 at 02:00  Comments (1)  
Tags: