St Michael the Archangel in Booton (Norfolk) – Eine außergewöhnliche Kirche für ein 100-Seelen-Dorf

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„Norfolk would not be Norfolk without a church tower on the horizon or round a corner up a lane. We cannot spare a single Norfolk church. When a church has been pulled down the country seems empty or is like a necklace with a jewel missing.“
Sir John Betjeman.

Sie liegt schon sehr einsam, die Kirche St Michael the Archangel bei Booton in Norfolk und sie ist wirklich außergewöhnlich für ein Dorf mit etwa 100 Einwohnern. Leider ist die dem Erzengel Michael gewidmete Kirche nicht mehr „in Betrieb“; sie befindet sich in der Pflege des Churches Conservation Trust, der sich um aufgegebene Gotteshäuser kümmert.

Wie kam es dazu, dass eine so große Kirche hierhin mitten „in die Wildnis“ gebaut wurde? Wieder einmal war ein Exzentriker am Werke: Der Reverend Whitwell Elwin, ein Nachfahre der Indianerprinzessin Pocahontas, war von 1850-1900 für die Gemeinde Booton zuständig und er wollte eine ganz besondere Kirche haben, die sich von allen anderen in der Umgebung abheben sollte. So zog er durch die Lande und holte sich seine Inspirationen, die dann im Kirchenbau von St Michael the Archangel ihren Niederschlag fanden. Das Vorbild für die westliche Eingangstür fand Elwin in der Glastonbury Abbey, ein Kirchenfenster wurde einem Fenster in der Kathedrale von Lichfield nachempfunden und die St Stephen’s Chapel in Westminster lieferte das Vorbild für ein weiteres Fenster auf der Westseite der Kirche. Die zahlreichen Engel, deren Abbildungen sich überall in St Michael finden, sollen gewisse Ähnlichkeiten mit den vielen jungen Damen aufweisen, die den Reverend auf seinen Reisen begleiteten…

Der exzentrische Geistliche baute bis zu seinem Tod am 1. Januar 1900 an seiner geliebten „Cathedral of the Fields„, und eine Plakette zu seinem Andenken findet sich zu Recht an einer der Kirchenwände von St Michael the Archangel. Leider war die kleine Kirchengemeide irgendwann nicht mehr in der Lage, den Unterhalt für die überdimensionierte Kiche aufzubringen, aber „Gottseidank“ sprang der Churches Conservation Trust ein.

Booton liegt nordwestlich von Norwich neben der kleinen Marktstadt Reepham.

Hier sind Bilder von einem „Happening“, das am 14. Juli 2012 in der Kirche stattfand.

Der exzentrische Reverend Elwin.   © Copyright Evelyn Simak

Der exzentrische Reverend Whitwell Elwin.
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Published in: on 31. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bengeworth Manor – Das wohl älteste Haus in Evesham (Worcestershire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Ich habe einmal mehrere Wochen in Evesham in Worcestershire, am Rande der Cotswolds, gewohnt und hatte mir dafür das Bengeworth Manor ausgesucht, das seinerzeit noch zu mieten war; heute ist es so viel ich weiß in Privatbesitz. Manor House klingt vielleicht etwas übertrieben, denn unter diesem Begriff stellt man sich unwillkürlich einen großen Landsitz vor. Bengeworth Manor ist ein uraltes steinernes Haus, das wohl älteste in Evesham, das in der Church Street zu finden ist. An der Hauswand ist ein Schild angebracht, auf dem sämtliche Besitzer verzeichnet sind und das beginnt im Jahr 1025 mit King Canute, Knut dem Großen, der hier einmal wohnte.

Die Haustür aus schwerem Eichenholz mit Eisenbeschlägen soll von der Evesham Abbey übernommen worden sein, und die Holzbalken im Wohnzimmer stammen aus der elisabethanischen Zeit. Im Obergeschoss ist ein Gewölbedach, dass früher einmal Teil einer Kapelle gewesen sein könnte, und ein steinernes Becken diente den Mönchen zum Händewaschen, bevor sie die Kapelle betraten. An mehreren Stellen des Hauses fand ich auch steinerne Vorsprünge, auf denen wohl Kerzen platziert worden waren.

Es war schon ein eigenartiges Gefühl, in so einem alten Gemäuer zu wohnen. Eigentlich hätte das Haus „haunted“ sein müssen; ich habe aber keinen der vielen Vorbewohner angetroffen.
Leider war die nähere Umgebung nicht ganz passend, denn an der kleinen Sackgasse, die am Haus vorbei führte, standen einige unansehnliche Werkstattgebäude. Zur Innenstadt ging man von hier aus ca 10-15 Minuten zu Fuß  und das Restaurant des Evesham Hotels (s. dazu meinen Blogeintrag) war auch nur wenige hundert Meter entfernt.

Mein Auto passte gerade so in den winzigen Innenhof.Eigenes Foto.

Mein Auto passte gerade so in den winzigen Innenhof.
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Wann wurde dieser Teil der Wand wohl gemauert? Eigenes Foto.

The Castle Inn und die Schlacht bei Edgehill (Warwickshire)

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Wenn man die A422 von Banbury nach Stratford-on-Avon entlangfährt, kann man nach ca 15 Fahrminuten, kurz hinter der Zufahrt zum Upton House, rechts auf eine kleine Straße abbiegen, die nach Edgehill und Ratley führt. Die Straße erklimmt einen Hügel, auf dem man plötzlich mit einer kleinen Burg konfrontiert wird, eine Burg, die einen Gasthof beherbergt: The Castle Inn.

Von diesem ungewöhnlichen ca 200m hoch gelegenen Pub auf dem Edgehill hat man einen wunderbaren Blick über mehrere Grafschaften und auf das einstige Schlachtfeld, auf dem am 23. Oktober 1642 der Battle of Edgehill ausgetragen wurde. Die Truppen von Charles I lieferten sich hier einen erbitterten Kampf gegen die Roundheads unter der Führung des Earls of Essex. Über 1000 Soldaten wurden an diesem Sonntag getötet und 3000 verwundet.

Bereits 1822 wurde in dem Turm auf dem Edgehill ein Gasthof eingerichtet; genau 100 Jahre später erwarb ihn die Hook Norton Brewery (s. dazu auch meinen Blogeintrag).
Der Castle Inn verfügt über einen Biergarten von dem aus man im Sommerhalbjahr den Blick bei einem Pint Old Hooky besonders genießen kann. Die umfangreiche Speisekarte bietet sowohl mittags als auch abends Pub-Klassiker  wie Ploughman’s und Sandwiches, aber auch Spezialitäten wie das Cromwellian Chicken und die Boozy Bullock Pie.

Wem es in dem Castle Inn gefällt, der kann hier auch übernachten. Vier Zimmer stehen zur Verfügung, wobei die im Hauptturm besonders zu empfehlen sind, denn „Rupert“ und „King’s“ gehen auf das Schlachtfeld hinaus und haben Himmelbetten. Beide kosten £80 pro Nacht.

Auf dem Edgehill bewegt man sich auf der Grenze zwischen Oxfordshire und Warwickshire. Die postalische Adresse lautet Oxfordshire, obwohl man sich im Castle Inn schon knapp auf dem Territorium von Warwickshire bewegt.

The Castle Inn
Edgehill
Banbury
Oxon
OX15 6DJ
Tel. 01295 670255

Published in: on 29. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Heinz: Just like Eddie

Heinz

Es ist fast fünfzig Jahre her, als in den britischen Charts ein Song mit dem Titel „Just like Eddie“ auftauchte, gesungen von jemandem, der sich nur „Heinz“ nannte; kein besonders gebräuchlicher Vorname in England. Heinz Henry George Schwarz, so sein vollständiger Name, wurde 1942 in Detmold geboren und zog im Alter von sieben Jahren mit seiner Mutter nach England, wo er in Eastleigh in Hampshire aufwuchs. Joe Meek, ein in den 1960er Jahren erfolgreicher Plattenproduzent, wurde auf den jungen Deutschen aufmerksam, der damals in einem Lebensmittelladen in Southampton arbeitete. Meek nahm ihn mit nach London und setzte ihn in seiner Band The Tornados ein, die 1962 einen Welt-Hit mit „Telstar“ hatte. 2008 erschien der Film „Telstar: The Joe Meek Story„, in dem Heinz von JJ Feild gespielt wurde. Hier ist der Trailer.

Joe Meek förderte Heinz (oder Heinz Burt wie er sich auch nannte) mit allen Mitteln (er soll sich in ihn verliebt haben) und drängte ihn zu einer Solokarriere. Nachdem er die Tornados verlassen hatte, debütierte er mit der Single „Dreams do come true„, ein Flop. Erst mit seiner zweiten Single „Just like Eddie“ (hier zu hören) konnte Heinz in die britischen Charts einsteigen. Der Song war ein Tribut an Eddie Cochran; die Leadgitarre spielte hier übrigens Ritchie Blackmore, der später mit Deep Purple eine internationale Karriere startete.

Traurigerweise blieb es bei dem einen Charterfolg; danach kam nicht mehr viel. Heinz‘ Protégé Joe Meek erschoss sich 1967, wie man vermutete aus Liebeskummer, weil sich Heinz von ihm getrennt hatte. Der Sänger nahm noch einige Singles auf, die aber alle an den Erfolg von „Just like Eddie“ nicht anknüpfen konnten.

Heinz erkrankte später an multipler Sklerose und starb am 7. April 2000 in Weston, einem Vorort von Southampton.
Eastleigh, die Stadt, in der Heinz aufwuchs, ehrte ihn, indem sie eine kleine Sackgasse nach ihm benannte, die Heinz Burt Close.

 

Published in: on 28. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Hammerwood Park (West Sussex) – Ein Haus mit einer wechselvollen Geschichte

This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

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Vor den Toren der Stadt East Grinstead in West Sussex liegt ein Haus, das auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann: Hammerwood Park. Der Erbauer war niemand anderes als Benjamin Latrobe (1764-1820), dem späteren „Father of American Architecture“; so genannt, weil er maßgeblich am Bau des Capitols und des Weißen Hauses in Washington D.C. beteiligt war.

1794 baute Latrobe also Hammerwood House im Greek Revival-Stil und der erste Bewohner war ein gewisser John Sperling. Das Haus wechselte mehrfach die Besitzer und wurde im Zweiten Weltkrieg von der Armee in Beschlag genommen, die es als Wohnheim für 200 Soldaten umfunktionierte. Die nächsten Besitzer bauten Hammerwood Park in elf Appartments um, die aber meist leer standen. Latrobes schönes Haus verfiel langsam, bis es 1973 von der englischen Rockgruppe Led Zeppelin gekauft wurde, die darin ein Aufnahmestudio errichten wollte. Gleichzeitig sollten hier die Bandmitglieder mit ihren Familien einziehen; Platz war ja genug vorhanden. Aber aus den Plänen wurde nichts, da Led Zeppelin auf Grund vieler Auslandstourneen selten vor Ort waren und Hammerwood Park so stark von Hausschwamm befallen war, dass die Rocker keine große Lust mehr hatten, sich hier aufzuhalten. So machten sie das Haus 1976 dicht und es gammelte langsam vor sich hin.
1982 wurde es in der Zeitschrift „Country Life“ zum Verkauf angeboten; mit Erfolg, denn ein junger Mann namens David Pinnegar übernahm es und stürzte sich in die umfangreichen, dringend benötigten Renovierungsarbeiten, die so gut ausfielen, dass Hammerwood Park mehrere Auszeichnungen dafür bekam.

Heute kann man das Haus zu bestimmten Zeiten auch besichtigen und es stehen sogar zwei Zimmer zur Verfügung, in denen man übernachten kann (£90 bzw. £120 pro Nacht). David Pinnegar stellt Hammerwood Park auch gern für Filmaufnahmen zur Verfügung. 2009 drehte man hier den Thriller  „Knife Edge“ (dt. „Knife Edge – Das zweite Gesicht“) mit Hugh Bonneville in der Hauptrolle (den wir als Robert, Earl of Grantham aus der TV-Serie „Downton Abbey“ kennen). Ein Jahr später wurden hier einige Szenen des Films „London Boulevard“ (dt. „London Boulevard“) mit Keira Knightley und Colin Farrell gedreht. Auch für Musikvideos wurde Hammerwood Park verwendet. Beispiele: „The Flood“ von Cheryl Cole und „Growing on me“ von The Darkness.

Published in: on 27. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Inspector Sands – Ein vielbeschäftigter Mann in der Londoner U-Bahn

King's Cross St Pancras. Die U-Bahnstation, an der Inspector Sands am häufigsten auf Grund von Selbstmordversuchen gerufen wird.Author: Sunil060902. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

King’s Cross St Pancras. Die U-Bahnstation, an der Inspector Sands am häufigsten auf Grund von Selbstmordversuchen gerufen wird.
Author: Sunil060902. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Wer häufig die Londoner U-Bahn benutzt, hat wahrscheinlich schon einmal beim Warten auf den nächsten Zug eine Lautsprecherdurchsage gehört, bei der ein Inspector Sands gebeten wird, sich an einer bestimmten Stelle der Station zu melden. Das kann z.B. an der Haltestelle Leicester Square sein oder an der Haltestelle Oxford Circus oder an einer beliebigen anderen U-Bahnstation in London. Gibt es denn nur einen einzigen Inspektor, der für das gesamte unterirdische Netz zuständig ist? Was muss das für ein vielbeschäftigter Mann sein!

Natürlich gibt es gar keinen „Inspector Sands“, denn es handelt sich hierbei um ein Codewort, das von London Underground verwendet wird, um einen Verantwortlichen (Polizei, Stationsvorsteher etc.) auf einen Notfall aufmerksam zu machen, der sich an der jeweiligen Haltestelle ereignet hat. Dabei kann es sich um einen ausgelösten Feueralarm handeln oder aber auch um einen Selbstmordversuch. Es kommt immer wieder vor, dass sich jemand (ein „jumper“) auf die Gleise wirft, um sein Leben zu beenden. Besonders häufig wird Inspector Sands aus diesem Grund in den Stationen King’s Cross St Pancras und Mile End ausgerufen, die sich zu den „beliebtesten“ Plätzen für Selbstmörder entwickelt haben. Auf der Northern Line ereigneten sich die meisten Selbstmordversuche in den letzten zehn Jahren, auf der Jubilee Line die wenigsten.

Das Codewort „Mr. Sands“ wird in englischen Theatern benutzt, um auf ein Feuer aufmerksam zu machen. „Mr Sands is in the foyer“ heißt z.B. „Feuer im Foyer“. Würde man laut „FEUER“ rufen, könnte das zu einer Panik unter den Zuschauern und den Schauspielern führen.

Hört man in der London Underground also z.B. die Durchsage „Would Inspector Sands please report immediately to Platform 1„, so weiß man, dass da irgendetwas nicht stimmt, aber der regelmäßige U-Bahnfahrer zuckt da nur die Schultern und weiß ganz genau, dass man ihn damit nur nicht erschrecken möchte. So hört sich eine Durchsage z.B. an.

Published in: on 26. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Somerset House in London

   © Copyright Anthony O'Neil

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In vielen klassischen englischen Kriminalromanen ist oft davon zu hören, dass die Detektive in das Londoner Somerset House gehen, um dort Nachforschungen anzustellen, denn in diesem großen Haus an der Themse war das General Register Office untergebracht, wo man die Urkunden über sämtliche Geburten, Todesfälle und Eheschließungen des ganzen Landes einsehen konnte.

Dieses Archiv gibt es nicht mehr im Somerset House, dafür hat man das beeindruckende Gebäude in ein Kunstzentrum umgebaut. 1989 zog hier das Courtauld Institute of Art ein, ein College, das zur Universität von London gehört und sich dem Studium der Kunstgeschichte widmet. Die angeschlossene Kunstgalerie umfasst Werke von berühmten Malern wie Rubens, Van Gogh, Cézanne und Gainsborough.

Im Winter wird der Innenhof, in dem sonst Springbrunnen ihre Fontänen in die Luft schießen, in eine große Eislaufbahn (hier ein Film) umfunktioniert, die speziell bei Kindern und Jugendlichen großen Anklang findet. Im Sommer werden in diesem Hof Konzerte aufgeführt, bei denen u.a. Amy Winehouse und Lily Allen zu hören waren.

Seit 2009 findet sich im Somerset House einmal im Jahr die Modewelt ein, denn hier wird die London Fashion Week abgehalten. Bis zum 3. März 2013 wird noch die Ausstellung „Valentino: Master of Couture“ gezeigt, eine Hommage an den italienischen Modeschöpfer. Hier ein Film über die Ausstellung.

Neben der Modewelt hat auch die Filmwelt das prachtvolle Haus an der Themse für sich entdeckt und als Kulisse für einige Streifen verwendet; so z.B. für Guy Ritchies Sherlock Holmes-Verfilmung oder „The Duchess“ (dt. „Die Herzogin“) mit Keira Knightley und Ralph Fiennes.

Über das Somerset House gäbe es noch viel mehr zu sagen, aber ich will es hiermit bewenden lassen. Wer das Haus einmal besichtigen möchte, der kann das jeden Donnerstag und Samstag tun. Die etwa einstündigen, geführten Touren sind kostenlos.

Somerset House
Strand
London
WC2R 1LA
Tel. 020 7845 4600

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„12 Days of Christmas“ – Ein altes englisches Weihnachtslied

This work is released into the public domain.

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12 Days of Christmas” ist ein traditionelles englisches Weihnachtslied, das sich bis in das Jahr 1780 zurückverfolgen lässt. Damals erschien die erste gedruckte Ausgabe des Textes in dem Kinderbuch Mirth without Mischief„, das es noch heute als Reprint zu kaufen gibt. Die Ursprünge des Liedes liegen aber noch weiter zurück.

“In dem Lied wird in Form einer Zählgeschichte aufgelistet, welche Geschenke der Sänger an den zwölf Weihnachtstagen zwischen dem Weihnachtstag (25. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Januar) von seiner wahren Liebe (true love) erhalten hat. Am ersten Tag wurde als Geschenk ein Rebhuhn in einem Birnenbaum überreicht, am zweiten Tag zwei Turteltauben sowie das Geschenk vom Vortag, am dritten Tag drei französische Hühner, die beiden Turteltauben vom vorigen Tagen sowie das Rebhuhn vom ersten Tag. Die einzelnen Strophen werden so immer länger, da mit jedem Tag ein neues Geschenk hinzukommt, deren Anzahl mit der fortlaufenden Nummerierung übereinstimmt”. So die Wikipedia.

Die Symbolik des Liedes erklärt die Webseite http://www.carols.org.uk so:
1 True Love refers to God
2 Turtle Doves refers to the Old and New Testaments
3 French Hens refers to Faith, Hope and Charity, the Theological Virtues
4 Calling Birds refers to the Four Gospels and/or the Four Evangelists
5 Golden Rings refers to the first Five Books of the Old Testament, the „Pentateuch“, which gives the history of man’s fall from grace.
6 Geese A-laying refers to the six days of creation
7 Swans A-swimming refers to the seven gifts of the Holy Spirit, the seven sacraments
8 Maids A-milking refers to the eight beatitudes
9 Ladies Dancing refers to the nine Fruits of the Holy Spirit
10 Lords A-leaping refers to the ten commandments
11 Pipers Piping refers to the eleven faithful apostles
12 Drummers Drumming refers to the twelve points of doctrine in the Apostle’s Creed
Die Symbolik des ersten Geschenks „A partridge in a pear tree“ wird hier nicht erklärt, es könnte aber Jesus gemeint sein.

Es gibt unzählige Versionen dieses englischen Weihnachtsliedes, von Johnny Cash bis Frank Sinatra, von Perry Como bis Roger Whittaker. In dieser Version singt das Lied der 1997 tödlich verunglückte John Denver, mit tatkräftiger Unterstützung der Muppets. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1979.

Published in: on 24. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Bampton in Oxfordshire – Hier wurden Teile der TV-Serie „Downton Abbey“ gedreht

St Mary's in Bampton.    © Copyright Colin Bates

St Mary’s in Bampton.
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Als Fan der TV-Serie „Downton Abbey“ fuhr ich Anfang des Jahres einmal in die kleine Marktstadt Bampton in Oxfordshire, weil dort Aufnahmen für das Fernsehdrama gemacht wurden. Bampton liegt etwa 10km südöstlich von Burford am Rande der Cotswolds an der A4095. Seit dem bekannt wurde, dass der Ort für die Dreharbeiten verwendet wird, hat sich einiges in Bampton verändert: Die Zahl der Touristenbusse hat sich deutlich erhöht und die Souvenirhändler haben ihre Umsätze gesteigert. „Can Bampton village cope with all the attention?“ fragte kürzlich die BBC. Ich könnte mir vorstellen, dass im kommenden Jahr (vorausgesetzt die Serie schlägt in Deutschland genauso ein wie in England und in anderen Ländern) auch Reisebusse mit dem „D“-Kennzeichen in Bampton und Highclere Castle, wo der größte Teil der Dreharbeiten stattfand, Station machen werden.

Die Filmszenen, in denen das fiktive Dorf Downton und das Haus der Crawleys zu sehen sind, wurden hier in Bampton gedreht. Die Bibliothek, die direkt neben der Kirche St Mary’s liegt, diente für die Außenaufnahmen des Downton Cottage Hospitals. Das Haus von Mrs Crawley, Churchgate House, liegt ebenfalls neben der Kirche wie auch der Pub „Grantham Arms„, zu dem ein Wohnhaus umfunktioniert wurde.
Wenn man sich diese Schauplätze einmal ansehen möchte, muss man nur von der A4095, die hier Bridge Street heißt, in die Straße Church View einbiegen, die direkt zur Kirche führt.

Hier ist ein Rundgang zu den „Downton Abbey“-Schauplätzen in Bampton zu sehen.
Wer sich für die Filmmusik interessiert: Darüber habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Die Bampton Library bzw.    © Copyright andrew auger

Die Bampton Library bzw. Downton Cottage Hospital
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Mein Buchtipp – Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames

Eigenes Foto.

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…und wieder ein wunderschönes Buch aus dem Hause „The History Press“ (s. dazu auch meinen Blogeintrag). Miranda Vickers, eigentlich eine ausgewiesene Albanien-Expertin, hat sich in diesem Buch den Themseinseln angenommen, von denen es etwa 190 gibt. Sie beginnt ihre Flussreise mit der Canvey Island in der Themsemündung, gleichzeitig die größte und bevölkerungsreichste Insel, die man eigentlich gar nicht als solche wahrnimmt. Dann geht es flußaufwärts bis zur St John’s Island (dort wo Old Father Thames seinen Fluss bewacht). Viele der Eyots und Aits, so die Bezeichnung der kleinen Themseinseln, sind unbewohnt und von so dichter Vegetation bestanden, dass man sie vom Ufer aus gar nicht als Inseln erkennt.

Aber es gibt auch größere und bewohnte Eyots wie z.B. die hier von mir schon einmal vorgestellte Eel Pie Island; da ist die 300m lange, bananenförmige Thames Ditton Island, auf der 100 Menschen leben, oder Wheatley’s Ait bei Sunbury.

Das Buch von Miranda Vickers macht Appetit auf eine Themsefahrt! Es beinhaltet zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos und ein weiterführendes Literaturverzeichnis. Wer Jerome K. Jeromes Buch „Drei Mann in einem Boot“ gelesen hat (das hier auch mehrfach zitiert wird), dürfte auch dieses sehr schöne Buch in sein Herz schließen.

Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames. The History Press 2012. 144 Seiten. ISBN 9780752462134

Diese Insel heißt einfach The Island und liegt bei Hythe End.   © Copyright Jonathan Thacker

Diese Insel heißt einfach The Island und liegt bei Hythe End.
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Die idyllische Fireworks Ait bei Eton.   © Copyright David P Howard

Die idyllische Fireworks Ait bei Eton.
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Published in: on 22. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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George Orwell und sein Grab auf dem Friedhof von All Saints in Sutton Courtenay (Oxfordshire)

   © Copyright Brian Robert Marshall

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George Orwell, sein richtiger Name war Eric Arthur Blair, ist einer der ganz Großen der Weltliteratur, dessen Roman „1984„, den er 1949 schrieb und der eine Schreckensvision für die Zukunft beinhaltet, mittlerweile von der Realität des 21. Jahrhunderts eingeholt bzw. überholt worden ist.

Orwell starb am 21. Januar 1950 in London im Alter von 46 Jahren an Tuberkulose. Er wollte gern nach den Riten der Anglikanischen Kirche beigesetzt werden; da er keiner Kirchengemeinde angehörte, arrangierten Freunde des Schriftstellers einen Gottesdienst in der Londoner Christ Church. Orwells Wunsch nach einem letzten Ruheplatz auf einem Friedhof auf dem Lande konnte ihm sein Freund, der Zeitungsverleger David Astor erfüllen. Astor, der in Sutton Courtenay in Oxfordshire lebte, sprach mit dem Vikar des Dorfes, der einwilligte, den großen Schriftsteller auf seinem Friedhof zu beerdigen.

So ist nun The Church of All Saints, nur wenige hundert Meter von der Themse entfernt, zu einem Wallfahrtsort für alle Anhänger des Autors von „1984“ geworden. Auf dem einfachen Grabstein steht lediglich „Here lies Eric Arthur Blair, Born June 25th 1903 – Died January 21st 1950„. Da es hin und wieder zu Irritationen bei Besuchern des Friedhofs führt, die nach einem Grab mit der Aufschrift „George Orwell“ suchen, hat man an der Kirchentür einen kleinen Wegweiser zu der Grabstelle angebracht.
Direkt neben Blair/Orwell findet man auch das Grab David Astors, der am 7. Dezember 2001 starb und frühzeitig diesen Platz neben seinem Freund für sich reserviert hatte.

Ist es ein Zufall, dass direkt vor der Kirche ein Pub namens „George & Dragon“ steht?

Sutton Courtenay liegt südlich von Abingdon an der B4016.

Hier ist ein Film über einen Besuch auf dem Friedhof von Sutton Courtenay.

Die All Saints Church in Sutton Courtenay.   © Copyright Bill Nicholls

Die Church of All Saints in Sutton Courtenay.
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Der Queen Square in Bristol – Schauplatz einer der blutigsten Aufstände in Großbritanniens Geschichte

Die blutige Schlacht im Queen Square.This image is in the public domain because its copyright has expired.

Die blutige Schlacht im Queen Square.
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Der Queen Square liegt mitten im Zentrum von Bristol, ein ruhiger baumbestandener Platz, in dessen Mitte ein Denkmal König Williams III steht, das man hier 1736 errichtete. Umgeben ist der Platz heute überwiegend von Bürogebäuden, aus denen bei meinem letzten Besuch Scharen von Angestellten in die nahegelegenen Pubs und Cafés strömten, um dort in ihrer Mittagspause einen Lunch zu sich zu nehmen.

Kaum zu glauben, dass sich auf diesem friedlichen Queen Square im Oktober 1831 einmal enorm blutige Schlachten abgespielt haben, bei denen Hunderte getötet bzw. schwer verletzt wurden.
Ursache dieser Queen Square Riots war die Ablehnung des Reform Acts durch das Londoner Oberhaus. Dieses geplante neue Gesetz sollte den wachsenden Industriestädten Englands mehr Einfluss im Parlament geben und das Wahlrecht ausweiten. Zu jener Zeit durften lediglich fünf Prozent der Bevölkerung Bristols wählen. Einer der Hauptwidersacher des Reform Acts war Sir Charles Wetherell und als dieser im Oktober 1831 nach Bristol kam, um die Sitzungsperiode des Assize Courts zu eröffnen, entlud sich der Volkszorn gegen ihn. Man jagte ihn in das Mansion House am Queen Square, von wo aus er jedoch flüchten konnte.

Die Unruhen dauerten drei Tage an, in denen die Aufständischen über hundert Gebäude zerstörten, darunter auch das Mansion House und der Bischofspalast. Schließlich setzte man die 3rd Dragoon Guards unter der Führung von Thomas Brereton ein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, und das entwickelte sich zu einem fürchterlichen Gemetzel. Mit ihren Schwertern schlugen die Dragoner auf die rebellierenden Männer ein, mit den oben genannten verheerenden Folgen. Brereton bekam sogar die Anweisung, in die Menge zu schießen, was er aber ablehnte. Daraufhin stellte man ihn später vor ein Kriegsgericht; doch bevor ein Urteil gesprochen wurde, erschoss er sich.

Die Stadt Bristol sollte noch weitere blutige Aufstände erleben, die letzten liegen noch gar nicht lange zurück. Im April 2011 kam es zu dem sogenannten Stokes Croft Tesco Riot und im August des gleichen Jahres gab es auch hier, wie in vielen Teilen des Landes, Unruhen, die im Londoner Stadtteil Tottenham ihren Ausgang hatten.

Hier ist ein kleiner Schwenk über den Platz, von mir im Februar 2009 aufgenommen.

Das Buch zum Artikel:
Peter Macdonald: Hotheads and Heroes – Bristol Riots of 1831. Petmac Publications 1996. 175 Seiten. ISBN 978-0952700951.

Der Queen Square heute.Author: NotFromUtrecht. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Queen Square heute.
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Published in: on 20. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Brightwell Baldwin (Oxfordshire)

St Bartholomew's in Brightwell Baldwin. Eigenes Foto.

St Bartholomew’s in Brightwell Baldwin.
Eigenes Foto.

Das Mini-Dorf Brightwell Baldwin in Oxfordshire wird von zwei Gebäuden beherrscht. Da ist einmal die Kirche, St Bartholomew’s, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde; eine hübsche Dorfkirche, umgeben von einem Friedhof mit alten Gräbern. Wer sich noch an die „Inspector Barnaby“-Episode 15 „Destroying angel“ (dt. Ein Männlein stirbt im Walde“) erinnert, erkennt die Kirche vielleicht wieder; hier wurden die Beerdigungsszenen gedreht, als der Inhaber des Hotels von Midsomer Magna zu Grabe getragen wird.

St Bartholomew’s wurde auch in Folge 24  „A talent for life“ (dt. „Der Tod und die Lady“) für die Filmaufnahmen einer Beerdigung verwendet. In dieser Episode fanden hier die Trauerfeierlichkeiten für die lebenslustige Witwe Isobel Hewitt statt.

Auch in „Judgment Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) ist die Kirche von Brightwell Baldwin kurz zu sehen, als eine Frau auf einem Fahrrad durch den Ort fährt.

Dann dauerte es bis Episode 70 bis das Midsomer Murder-Team wieder in das Dorf in Oxfordshire fand. 2009 drehte man hier einige Szenen für „The glitch“ (dt. „Sag ja und stirb!“).

Das andere Gebäude, das im Dorf eine gewichtige Rolle spielt, ist der Lord Nelson Inn, der der Kirche direkt gegenüber liegt. Ideal für einen Drink nach dem sonntäglichen Gottesdienst. Aber: Man kann hier auch sehr gut essen, was z.B. vom Sunday Times Restaurantkritiker AA Gill bescheinigt worden ist. Der sehr gemütlich und elegant eingerichtete Gastropub verfügt über einige Zimmer mit Blick auf die Kirche (Doppelzimmer: £90).

Brightwell Baldwin liegt an einer Stichstraße, die zur B480 (Watlington – Chalgrove) führt.

Dieser Film zeigt die Bellringer von Brightwell Baldwin.

    The Lord Nelson. Eigenes Foto.

The Lord Nelson Inn.
Eigenes Foto.

Die Chedzoy Candle Auction – Die älteste Auktion Englands findet alle 21 Jahre in Somerset statt

St Mary's Church in Chedzoy.   © Copyright Richard Webb

St Mary’s Church in Chedzoy.
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Fünf Kilometer östlich von Bridgewater in Somerset liegt der kleine Ort Chedzoy, der sich rühmen kann, dass dort die älteste Auktion Englands ausgetragen wird, und das alle 21 Jahre. Versteigert werden dabei die Pachtrechte auf ein Stück Weideland, Church Acre, das ein gewisser Richard Sydenham im Jahr 1490 der örtlichen St Mary’s Church schenkte. Die Einnahmen aus der Pacht kommen der Kirche zugute, die daraus einen Teil der anfallenden Reparaturkosten bezahlen kann.

Die Prozedur der Auktion sieht so aus, dass zu Beginn eine Kerze angezündet wird, die exakt einen halben Inch, das sind 1,27cm, hoch ist; sobald die Kerze erloschen ist, bekommt das bis dahin höchste Gebot den Zuschlag. Die letzte Auktion fand am 23. Juni 2010 in der Village Hall in Chedzoy statt, in Anwesenheit des Bischofs von Taunton, der auch gleich ein symbolisches Gebot in Höhe von £19 abgab.

Nach 36 Minuten und 47 Sekunden war dann die Lebensdauer der Kerze beendet und das höchste Gebot lag zu diesem Zeitpunkt bei £4000. Der Bieter kommt aus Chedzoy und hat jetzt für 21 Jahre das Recht, das Stück Land namens Church Acre zu bewirtschaften. Die Kirchengemeinde St Mary’s freut sich, mit weiteren regelmäßigen Einnahmen rechnen zu können.

Chedzoy Village Hall. Hier fand die Auktion 2010 statt.   © Copyright Ken Grainger

Chedzoy Village Hall. Hier fand die Auktion 2010 statt.
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Published in: on 18. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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The Pudding Club in Mickleton (Gloucestershire)

Das Three Ways Hotel in Mickleton: Sitz des Pudding Clubs.   © Copyright Colin Craig

Das Three Ways House Hotel in Mickleton: Sitz des Pudding Clubs.
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In der Umgebung von Chipping Camden in den Cotswolds stieß ich immer wieder auf ein Schild mit der Aufschrift „The Pudding Club„, das in die Ortschaft Mickleton wies. Was hat es wohl damit auf sich?

In Mickleton gibt es das Three Ways House Hotel, seit 1985 Sitz des Pudding Clubs, der es auf seine Fahnen geschrieben hat, den traditionellen englischen Pudding am Leben zu halten (Pudding bedeutet im Englischen Nachtisch, Dessert, Süßspeise). Die Pudding Club Meetings finden einmal pro Woche statt und daran kann jeder teilnehmen. Auf der Menükarte an den jeweiligen Abenden stehen keine Vorspeisen und lediglich drei einfache Hauptgänge zur Auswahl, aber dann geht es erst richtig los: Es folgen sieben Puddings, von denen man soviel essen kann wie man möchte, da gibt es u.a.  Roly Poly, Lord Randall’s Pudding, Syrup Sponge, Sticky Toffee, Spotted Dick und Bread and Butter Pudding, das alles kann man mit literweise mit Vanillesauce übergießen.

Wenn man sich durch diese vielen Süßspeisen hindurchgegessen hat und absolut nichts mehr geht, führt der Weg zwangsläufig geradewegs zur Hotelbar, wo man dann unbedingt einen Absacker braucht.
Glücklich sind diejenigen, die so weise waren und sich im Hotel gleich ein Zimmer bestellt haben. Da sollte man auf jeden Fall kein Standardzimmer sondern einen Pudding Club Bedroom buchen.  Der Spotted Dick and Custard Room beispielsweise hat Wände, die in Vanillesaucefarbe gehalten sind; der Sticky Toffee and Date Room erinnert an ein Beduinenzelt und der Farbton des Chocolate Rooms ist natürlich schokoladig.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Mickleton befindet sich an der B4632, nördlich von Chipping Camden, in der Chapel Lane, die beim Supermarkt Costcutter von der High Street abzweigt.

Hier ist ein Film, der die Prozeduren des Pudding Clubs zeigt.

Three Ways House Hotel,
Mickleton,
Chipping Campden,
Gloucestershire,
GL55 6SB
Tel. 01386 438429

Das Buch zum Artikel:
Great British Puddings by The Pudding Club. Ebury Press 2012. 224 Seiten. ISBN 978-0091945428.

Published in: on 17. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Haworth (West Yorkshire) Teil 2 – The Black Bull

   © Copyright David Dixon

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Mitten in Haworth am oberen Ende der steilen Hauptstraße liegt The Black Bull; auch dieser Pub hat natürlich eine Verbindung zu den Brontës, denn hier pflegte Branwell sich langsam aber sicher zu Tode zu trinken. Am 24. September 1848 starb er, wahrscheinlich auf Grund einer Tuberkuloseerkrankung, aber sein hoher Alkohol- und Drogenkosum haben sicher dazu beigetragen, dass er schon mit 31 Jahren starb. Er war Dauergast im Black Bull, denn vom Pfarrhaus aus, hatte er nur wenige Schritte bis dahin zurückzulegen.

Viel anders sah der Pub zu den Zeiten der Brontës sicher auch nicht aus; „old world charm“ ist wohl eine treffende Bezeichnung für das immer etwas trist wirkende graue Gebäude, vor dem man im Sommer (und die hartgesottenen Engländer tun das wohl auch im Winter) sein Pint trinken und dabei die vorbeiströmenden Touristenscharen beobachten kann.

An Branwell erinnert noch sein Lieblingsstuhl, auf dem er stundenlang im Black Bull zu sitzen pflegte; der steht nicht in den Gasträumen, sondern auf einem Treppenabsatz, versehen mit einem Schild: „The Branwell Chair – this is the original chair that was occupied by Branwell Bronte on his many visits to this inn.“

Wer hier nicht nur einen Drink zu sich nehmen, sondern auch etwas essen möchte, kein Problem: Wie wäre es mit „The Full Brontë„, einer Platte für zwei Personen mit Steaks, Hühnchen und Scampi?

Natürlich ist The Black Bull auch „haunted“, wir sind schließlich in England und an dem Thema „Geister“ führt oft kein Weg vorbei. Ich habe mir gerade noch einmal die entsprechende Episode der TV-Serie „Most Haunted“ auf DVD angesehen, in der Yvette Fielding, Derek Acorah und Richard Felix dem Black Bull und dem benachbarten Friedhof einen nächtlichen Besuch abstatten. Derek Acorah meint die Anwesenheit von Branwell noch immer spüren zu können. Sowohl in den Gasträumen als auch in einigen Zimmern sollen sich unerklärliche Dinge zugetragen haben:  Gläser und Aschenbecher gehen ohne menschliches Zutun plötzlich zu Bruch, ein Mann mit einem Zylinderhut sitzt häufig an einem der Tische, starker Zigarrengeruch ist manchmal im Gasthof wahrzunehmen (Branwell liebte Zigarren!).
Hier ist Teil 1 der „Most Haunted“-Episode und hier sind einige stimmungsvolle winterliche Impressionen von Haworth und dem Black Bull.

The Black Bull
119 Main Street
Haworth
Bradford, West Yorkshire  BD22 8DP
Tel. 01535 642249

Haworth (West Yorkshire) Teil 1 – Die Vermarktung der Brontë-Familie

   © Copyright Betty Longbottom

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Würde man Patrick Brontë mit seinen Töchtern und seinem Sohn in ihren Heimatort Haworth ins 21. Jahrhundert versetzen, so käme die Pastorenfamilie aus dem Staunen nicht heraus. Nicht nur, dass Touristenscharen aus aller Welt in die Kleinstadt in West Yorkshire strömen (ob die wohl alle schon einmal Bücher der Brontë-Schwestern gelesen haben?), auch die heimische Geschäftswelt versucht aus dem berühmten Namen Brontë Kapital zu schlagen. Bei einem kleinen Rundgang durch die graue Stadt am Moor fällt da so einiges auf:

– Das örtliche Taxiunternehmen heißt? Natürlich, Brontë-Taxis.
– Haworths Pflegeheim mit dem Schwerpunkt auf Demenz und Alzheimer nennt sich Brontë-Park Care Home.
– Wenn man in Haworth für einige Zeit ein Cottage mieten möchte, so kann man das bei der Firma Brontë Haworth Cottages tun; Haworth Holiday Cottages bietet ebenfalls Häuser zum Mieten an; die heißen dann z.B. Brontë Parsonage Cottage oder Wuthering Heights Cottage.
– Selbstverständlich gibt es im Ort auch ein Brontë Hotel, am Rande der Kleinstadt gelegen.
– Der Brontë Weaving Shed der Edinburgh Woollen Mill in der North Street bietet „a great shopping experience for the whole family“.
– In der Main Street finden wir Ye Olde Brontë Tea Rooms und das Villette Coffee House (benannt nach Charlotte Brontës gleichnamigen Roman).
– Freunde der indischen Küchen kommen im Brontë Balti House auf ihre Kosten.
Bei meinen Streifzügen durch die Straßen habe ich sicher noch die eine oder andere Kuriosität übersehen.

Was kann man sich aus Haworth als Souvenir mitnehmen? Wie wäre es mit einem Brontë Cake oder  Brontë Biscuits? In den zahlreichen Souvenirläden im Ort findet bestimmt jeder Brontë-Fan das passende.

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Published in: on 15. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Parliament Street in Exeter – Eine der schmalsten Straßen der Welt

   © Copyright Derek Harper

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Wenn man den Namen Parliament Street hört, denkt man unwillkürlich an einen breiten Prachtboulevard, der an einem riesigen Parlamentsgebäude entlangführt. Nicht so in Exeter, der Hauptstadt der Grafschaft Devon. Hier geht man mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Parliament Street vorbei, ohne diese überhaupt zu bemerken, denn sie ist an einem Ende nur 64 cm breit, am anderen Ende ihrer 50m langen Existenz kann sie dann immerhin üppige 122 cm vorweisen.

Also: Wenn man die Straße einmal in voller Länge entlangschreiten möchte (bitte unbedingt auf menschlichen Gegenverkehr achten!), gehe man zur High Street (nur für Fahrräder und Busse befahrbar) und achte auf die Hausnummern 194 und 195: Genau dazwischen verläuft die Parliament Street, die die High Street mit der Waterbeer Street verbindet.

Ursprünglich hatte die Gasse einen passenderen Namen, nämlich Small Street, aber 1832 benannte der Stadtrat die Straße um, wohl um sich über das Londoner Parlament lustig zu machen, das in diesem Jahr den Reform Act verabschiedete, ein Gesetz, mit dem die Wahlkreiseinteilung für die Wahl des britischen Parlaments geändert wurde. Gesichert ist dieser Grund für die Namensänderung allerdings nicht.

1836 wandten sich die Anwohner an die örtlichen Behörden und forderten eine Verbreiterung der Parliament Street und brachten dafür sogar schon £130 auf, aber die zuständigen Stellen hielten davon nicht viel, und das Ganze geriet in Vergessenheit.

In den 1970er Jahren wurde ein großer Teil der Mauern durch rote Ziegelsteine ersetzt, aber viel ansprechender ist die Gasse dadurch auch nicht geworden.

Kein Gegenverkehr möglich...Foto: Smalljim. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kein Gegenverkehr möglich…
Foto: Smalljim. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Published in: on 14. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hatchlands Park (Surrey) – Hier befindet sich eine einzigartige Sammlung von Tasteninstrumenten

   © Copyright Peter Trimming

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Hatchlands Park in Surrey liegt an der A246, die von Guildford nach East Horsley führt, in der Nähe des Ortes East Clandon. Das National Trust-Besitztum wird von vielen besucht, die sich die von Humphry Repton gestalteten Gärten ansehen möchten. Repton war einer der ganz großen Landschaftsarchitekten im 18./ 19. Jahrhundert, der u.a. für die Gärten von Dyrham Park, Harewood House und Longleat zuständig war. Auch das Innere des Landhauses kann sich sehen lassen, wurde es doch von dem berühmten Innenarchitekten Robert Adam ausgestaltet.

Doch einer der Hauptgründe für einen Besuch von Hatchlands Park dürfte die Cobbe Collection sein, eine der größten und interessantesten Sammlungen von Tasteninstrumenten weltweit. Das Besondere daran ist sicher auch, dass viele der hier aufbewahrten Instrumente von berühmten Komponisten gespielt wurden. Hier sind einige Beispiele:

–  Ein Grand Pianoforte aus dem Jahr 1836 gehörte einmal Gustav Mahler.
–  Ein weiteres wurde früher von Frédéric Chopin gespielt.
–  Ein Tafelklavier, das 1844 in London gebaut wurde, war einmal im Besitz von Edward Elgar.
–  Ein sogenanntes „Upright Piano“ hatte die Ehre, von Franz Liszt gespielt zu werden.

Es werden noch viele weitere Schätze in der Cobbe Collection präsentiert wie z.B. ein Klavier, das 1787 in Paris für Marie Antoinette angefertigt wurde und zwei Cembalos aus den Jahren 1622 und 1623.

Wer diese wertvollen Instrumente auch einmal hören möchte, der kann dies bei einem der zahlreichen Konzerte tun, die hier im Music Room veranstaltet werden.
Der Unterhalt und die Pflege dieser Instrumente ist sehr teuer und daher ist man natürlich für finanzielle Unterstützung sehr dankbar. Die Londoner Chopin Society und die Elgar Society haben beispielsweise die Kosten für bestimmte Klaviere für einige Jahre übernommen, aber jeder andere kann das auch tun und zwar im Zuge des „Adopt an Instrument„-Plans. Die Kosten für ein Jahr liegen in etwa zwischen £200 und £1600.

Hatchlands Park ist in der Regel zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober geöffnet.

Dieser Film informiert über Hatchlands Park und dieser Film zeigt einen Ausschnitt aus einem Konzert im Music Room.

Hatchlands Park
East Clandon
Guildford, GU4 7RT
Tel. 01483 222482

Burley (Hampshire) – Der Ort der Hexen

   © Copyright Gillian Moy

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Burley ist ein hübscher kleiner Ort im New Forest in der Grafschaft Hampshire gelegen. Wenn man durch die wenigen Straßen des Dorfes geht oder fährt, fallen einem sofort die Läden auf, die mit ungewöhnlichen Gegenständen handeln, die alle mit Hexerei im weitesten Sinne des Worte zu tun haben.

Sybil Leek (1917-1982), „Britain’s most famous witch“ (so die BBC), Astrologin und Autorin von okkulten Büchern, lebte eine Zeit lang in Burley und brachte damit viel Unruhe in den Ort, weil sie immer wieder von Reportern und Touristen heimgesucht wurde. Die Geschäftswelt allerdings profitierte von ihr und noch heute kommen viele Menschen in das New Forest-Dorf, um sich hier mit ihrem „täglichen Bedarf“ an Hexenartikeln einzudecken.

Da gibt es einmal „A Coven of Witches„, ein kleines Hexenhaus, in dem man Astrologiebücher, Hexenkalender, Drachen in allen Größen und Formen, Kobolde als Türklopfer usw. kaufen kann.

Ein paar Schritte weiter gibt es Läden mit den vielversprechenden Namen „The Sorcerer’s Apprentice“ und „Wizzydoras“. In „The Mall“ ist das Domizil von „The Witchcraft„, auch der „Burley Gift Shop“ ist hier zu finden, in dem man unter vielem anderem Kristalle erstehen kann.

Also: Wer sich für Hexen und Okkultes interessiert, sollte unbedingt einmal einen Abstecher nach Burley im New Forest machen!

   © Copyright Chris Downer

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Downtown Burley.   © Copyright Graham Horn

Downtown Burley.
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Published in: on 12. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschildmaler – Ein aussterbender Beruf

David Young (links) bei der Übergabe des Inn Sign of the Year Awards in The Poplars in Wingfield (Wiltshire).   © Copyright Miss Steel

David Young (links) bei der Übergabe des Inn Sign of the Year Awards in The Poplars in Wingfield (Wiltshire).
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Angesichts des immer noch anhaltenden Pubsterbens sehen die Berufsaussichten für professionelle Pubschildmaler nicht rosig aus. Bereits 1393 gab es einen königlichen Beschluss, dass jedes Gasthaus ein Schild aushängen musste und im Laufe der Zeit sind aus diesen Schildern manchmal richtige kleine Kunstwerke geworden auf denen Royal Oaks, Green Men oder Red Lions dargestellt sind.

Einer dieser Maler ist David Young, der im Auftrag der Wadworth Brewery in Devizes in Wiltshire schon über 250 Schilder gemalt hat. Sein Atelier liegt nur ein paar Schritte von der Brauerei entfernt. 2009 wurde The Poplars in Wingfield (Wiltshire) mit dem Inn Sign of the Year Award ausgezeichnet, ein Schild, das David Young gemalt hat und zwei Cricketspieler in voller Aktion zeigt. Der Gasthof ist ein alter Coaching Inn und verfügt über einen eigenen Cricketplatz.

Der aktuelle Sign of the Year Award für das Jahr 2012 ging an The Black Horse in Iver Heath in Buckinghamshire. Gemalt wurde das Schild von Rob Rowland (dessen zweite Spezialität Eisenbahnbilder sind) und zeigt den Schauspieler Sid James auf einem schwarzen Pferd. James war einer der Stars der „Carry On“-Filme in den 1960er und 1970er Jahren. Gedreht wurden die Filme in den nahegelegenen Pinewood Studios.

Um in den Genuss dieser Sign of the Year Awards zu kommen, müssen mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Exceptional in appeal and / or aesthetically pleasing to the eye
  • Sign illustrates a new ‚take‘ on an old name
  • Portrays local distinctiveness (significance in local heritage)
  • Reflects a company’s change in pub sign policy
  • Has a decorative frame – wood, wrought iron etc – try to include in photo
  • Sign is clean and not badly weathered

Ein weiterer Pubschildmaler ist Andrew Grundon, dessen Firma Signature Signs in Bodmin in Cornwall angesiedelt ist und beispielsweise für die Schilder des Napoleon Inn in Boscastle (Cornwall) und The Old Smithy in Ivybridge (Devon) verantwortlich ist.

...und hier ist David Youngs preisgekröntes Pubschild.   © Copyright Miss Steel

…und hier ist David Youngs preisgekröntes Pubschild.
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Published in: on 11. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Great Dunmow (Essex) – Eine alte Tradition wird hier noch immer am Leben gehalten

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).   © Copyright John Firth

Der Marktplatz von Great Dunmow (Essex).
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Manche Traditionen werden in England über Jahrhunderte gehegt und gepflegt, so auch die Dunmow Flitch Trials, die bis ins Jahr 1104 zurückverfolgt worden sind. Schauplatz ist der Ort Great Dunmow in Essex, der an der A120 zwischen Bishops Stortford und Colchester liegt.

Alle vier Jahre finden diese „Gerichtsverhandlungen“ in Great Dunmow statt (die letzten in diesem Jahr). Es geht hier um eine Speckseite (flitch), die von jeweils fünf Ehepaaren, die mindestens ein Jahr und einen Tag verheiratet sein müssen, beansprucht wird. Die Jury besteht aus einem Richter und jeweils sechs unverheirateten Damen und Herren. Die Spender der Speckseite sind durch Anwälte vertreten, ebenso die „klagenden“ Paare. Um ihren Anspruch auf die Speckseite zu gerechtfertigen, müssen die Ehepaare überzeugend nachweisen, dass sie das letzte Jahr + einen Tag einander treu waren und ihre Eheschließung nicht einen einzigen Tag bereut haben. Die Anwälte der Gegenseite versuchen natürlich ihre Argumente zu zerpflücken und die Jury davon zu überzeugen, dass ihre Ansprüche nicht gerechtfertigt sind.

Die erfolgreichen Ehepaare werden dann auf dem Flitch Chair zum Marktplatz getragen, wo sie auf spitzen Steinen knieend den Flitch Oath ablegen müssen und die Speckseite in Empfang nehmen dürfen.

Die meisten Paare kommen aus der näheren Umgebung, aber grundsätzlich kann sich hier jedes Ehepaar, egal aus welchen Teilen der Welt, an den Verhandlungen teilnehmen und die Speckseite für sich beanspruchen. Ein netter Brauch, der auch dazu beiträgt, den „community spirit“ von Great Dunmow aufrechtzuerhalten.

Hier ist ein Film, der die Trials aus diesem Jahr zeigt.

Published in: on 10. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Bristol – Großbritanniens größtes Street Art Projekt „See No Evil“

   © Copyright Trevor Johnson

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Bristol ist wirklich eine hochinteressante Stadt. Nicht nur, dass Bristol einer der umweltbewusstesten Orte im ganzen Königreich und eine der grünsten Städte der Welt ist, durch ein Projekt im Jahr 2011 machte sie dieses Mal in Künstlerkreisen von sich reden, als sie „See No Evil“ startete. Was verbirgt sich dahinter?

Die Nelson Street war eine jener langweiligen, architektonisch uninteressanten Straßen, die von öden Bürogebäuden und heruntergekommenen Wohnhäusern gesäumt wurde. Um das zu ändern, kam man auf die Idee, aus der Nelson Street das größte Street Art Projekt im ganzen Land zu machen. Vom 16. bis zum 19. August 2011 gab man die Straße für die besten Outdoor-Maler und Graffiti-Künstler der Welt frei, damit sie hier ihre Wandmalereien ausführen konnten.

Organisiert wurde das Event von Inkie, der aus der Graffiti-Szene der Stadt Bristol stammt. Es kamen Künstler u.a. aus Paris, New York, Los Angeles und Barcelona wie Kashink, Tats Cru, El Mac und Aryz. Aber auch aus Bristol stammende Künstler malten in diesen Tagen in der Nelson Street wie Nick Walker, Andy Council und Sickboy.

Sehr gelungen finde ich das riesige Bild eines Wolfs des spanischen Künstlers Aryz, das fast die ganze Fassade des Drake House einnimmt. Die graue Wand des elfstöckigen St. Lawrence House wurde von Nick Walker umgestaltet und zeigt das Bild eines Bankers, der eine Dose mit roter Farbe auskippt. Gleich daneben an einer Seitenwand schuf El Mac aus Los Angeles ein Mutter-Kind-Gemälde, das wie ein übergroßes Foto aussieht.

Im August 2012 wurde die Aktion „See No Evil“ noch einmal wiederholt und neue Gemälde geschaffen, wobei die drei oben erwähnten aber stehen blieben. Es beteiligten sich dieses Mal auch neue Graffiti-Künstler wie der Deutsche CANTWO.

Aus der desolaten Nelson Street ist durch das Projekt jetzt eine farbenfrohe interessante Straße geworden, die Menschen aus aller Welt anlockt.

Dieser Film berichtet über die Aktion.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Morris: See No Evil. Tangent Books 2011. 64 Seiten. ISBN 978-1906477547.

Author: Sean Kisby. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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   © Copyright Neil Owen

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Published in: on 9. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Alf Townsend: The London Cabbie

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Vorgestern stellte ich in meinem Blog den Verlag The History Press vor; hier nun ein weiteres Buch aus diesem Verlag, das ich gerade beendet habe: „The London Cabbie“ von Alf Townsend. Der Autor ist ein Londoner Taxifahrer, der seit Jahrzehnten die Straßen der Stadt befährt und in diesem Buch sein Leben hinter dem Steuer beschreibt. Es beginnt natürlich mit The Knowledge (s. dazu auch meinen Blogeintrag), dieser unwahrscheinlich schwierigen Prüfung, die jeder zukünftige Cabbie ablegen muss. Townsend fuhr zur Vorbereitung auf The Knowledge mit seinem Moped über 20 000 km durch London und prägte sich dabei Tausende von Straßen, Hotels, Clubs, Sehenswürdigkeiten usw. ein. Er bestand die Prüfung auf Anhieb und erhielt die Taxi-Lizenz mit der Nummer 5642.

Was er dann alles in und mit seinem Taxi erlebte, schildert Townsend humorvoll in diesen Memoiren. Als „Butterboy„, wie die Neulinge genannt werden, muss er sich erst einmal mit den Gewohnheiten der Londoner Cabbies vertraut machen; überwiegend ist er nachts unterwegs und wird dabei mit den Damen des horizontalen Gewerbes, ihren Freiern, Exzentrikern und allerlei merkwürdigen Kunden konfrontiert.

Townsend schildert die Arbeit der Taxifahrer am Flughafen Heathrow und berichtet über die zunehmende Konkurrenz der Minicabs, die den lizensierten Fahrern das Leben immer schwerer machen.

Alf Townsend unterhält eine eigene Webseite, auf der man sich über ihn und seine anderen Bücher informieren kann.

Alf Townsend: The London Cabbie. The History Press 2010 (Reprint). 178 Seiten. ISBN 978-0750944960.

Published in: on 8. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Eel Pie Island – Die Wiege der britischen Rockmusik mitten auf der Themse

   © Copyright Nigel Chadwick

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Auf dem gesamten Verlauf der Themse gibt es etwa 190 Inseln, oft als Eyot oder Ait bezeichnet, von denen die meisten sehr klein und unbewohnt sind, aber es gibt auch einige größere, auf denen Häuser stehen, die wegen der dichten Vegetation vom Ufer aus manchmal kaum zu sehen sind.

Eel Pie Island bei Twickenham im Westen Londons dürfte wohl die Insel mit der bewegtesten Vergangenheit sein. Der Name kommt von den Aalpasteten her, die hier einmal vor Jahrhunderten verkauft wurden und deren größter Fan Heinrich VIII gewesen sein soll. In den 1830er Jahren wurde auf der Insel das Eel Pie Hotel errichtet, das sich großer Beliebtheit erfreute und z.B. schon in Charles Dickens‘ Roman „Nicholas Nickleby“ (1839) erwähnt wird. Ein gewisser Michael Snapper erwarb 1951 das Hotel und machte daraus in den folgenden Jahren eine Vergnügungsstätte ersten Ranges. Zuerst entwickelte sich das Hotel/die Insel zu einem Treffpunkt von Jazzmusikern; im Eelpiland Jazz Club traten Acker Bilk, Lonnie Donegan, Alexis Korner und George Melly regelmäßig auf. Ihnen folgten Anfang der 1960er Jahre die Rockmusiker und viele der weltberühmtesten britischen Sänger und Bands begannen hier ihre Karriere.

Da waren z.B. die Rolling Stones, die hier 1963 eine Zeit lang wöchentlich auftraten. David Bowie spielte 1964 auf Eel Pie Island einen seiner ersten Gigs. Weiterhin waren hier Rod Stewart, Eric Clapton, Jeff Beck, die Yardbirds, The Who, Genesis und Pink Floyd zu hören. Doch je mehr Bands hier auftraten und je mehr Fans auf die Insel kamen, umso mehr Widerstand regte sich beim Establishment, das auf oder neben der Insel wohnte. Diese Leute sahen Eel Pie Island als Brutstätte von Kriminalität, Drogenkonsum und sexuellen Ausschweifungen. Das mittlerweile in die Jahre gekommene Hotel war baufällig und wurde 1967 geschlossen. Im Jahr darauf wurde es zwar wieder in Betrieb genommen, aber die goldenen Jahre waren vorbei und nach und nach nahmen Anarchisten, Hippies und andere etwas zweifelhafte Gruppierungen das Haus in Beschlag, das am 30. März 1971 unter mysteriösen Umständen abbrannte.

Heute wohnen etwa 120 Menschen auf der Insel und dazu kommen noch die Bewohner von etlichen Hausbooten, die dort vor Anker liegen. Einer der bekanntesten Eel Pie Islander ist der Erfinder Trevor Baylis, der einmal durch das von ihm entwickelte „clockwork radio“ von sich reden machte: Ein Radio, das ohne Strom auskommt und in Entwicklungsländern eingesetzt wurde.

Wer mehr über Eel Pie Island wissen möchte, dem kann ich folgendes Buch sehr empfehlen:
Dan Van der Vat & Michele Whitby: Eel Pie Island. Frances Lincoln 2009. 112 Seiten. ISBN 978-0711230538.

Hier ist ein Film über die Insel.

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Published in: on 7. Dezember 2012 at 02:00  Comments (2)  
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The History Press in Stroud (Gloucestershire) – Ein Verlag mit einem ausgezeichneten Programm

Der Verlagssitz von The History Press in Stroud (Gloucestershire).This photo is released into the public domain by its author Jongleur 100.

Der Verlagssitz von The History Press in Stroud (Gloucestershire).
This photo is released into the public domain by its author Jongleur 100.

Wenn man sich mit englischer Lokal- oder Regionalgeschichte beschäftigt, kommt man an Büchern aus dem Verlag The History Press nicht vorbei. Dieser 1978 gegründete Verlag veröffentlicht im Jahr an die 500 Bücher und hat seinen Sitz in der Kleinstadt Stroud in Gloucestershire, durch die ich schon mindestens ein Dutzend Mal hindurchgefahren bin, ohne sie mir allerdings einmal näher anzusehen.

Das Verlagsprogramm ist sehr umfangreich und enthält z.B. auch zahlreiche Biografien wie die des Titanic-Kapitäns Edward John Smith oder die Lebensgeschichte des Patrick Bronte, Vater der Bronte-Schwestern.
In der Abteilung „Crime“ findet man interessante Titel wie „Jack the Ripper: The Suspects“ und „Agatha Christie’s True Crime Inspirations“ und es gibt eine spezielle Buchreihe, die die National Trust-Besitztümer im Detail vorstellt.

Die Reihe „Not a Guide to“ bringt Interessantes und wenig Bekanntes über britische Städte wie York, Exeter oder Gloucester.

Ich habe einmal die Stadt Huddersfield in West Yorkshire als Beispiel genommen, um zu zeigen wie breit das Angebot von The History Press ist: Da gibt es Bücher mit den Titeln:
– Huddersfield Rugby League Football Club
– Huddersfield Pubs
– Haunted Huddersfield
– A Century of Huddersfield
– Memories of Huddersfield

Ein wirklich großartiges Angebot!

In Deutschland gehört der Sutton Verlag zu der History Press Verlagsgruppe, der ein ähnliches Programm mit dem Schwerpunkt auf deutscher Regional- und Lokalgeschichte hat.

The History Press
The Mill
Brimscombe Port
Stroud,
Gloucestershire,
GL5 2QG
Tel. 01453 883300

Published in: on 6. Dezember 2012 at 02:00  Comments (6)  
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The Knockin Shop in Knockin (Shropshire)

   © Copyright Chris Hodrien

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Viele Leute, die mit ihrem Auto auf der B4396 in dem kleinen Dorf Knockin, nordwestlich von Shrewsbury in Shropshire, am Dorfladen vorbeifahren, haben ein Grinsen auf dem Gesicht. Warum?

Von außen gesehen, ist an dem Haus nichts besonders Lustiges festzustellen. Es ist eben ein Dorfladen mit angeschlossenem Postamt und Zeitungsverkauf; einige Tische und Stühle stehen vor der Tür, dort kann man seinen Kaffee trinken, seine Pastete oder ein Eis essen; also nichts Spektakuläres…wenn da nicht der Name auf dem Schild wäre! Ein Dorfladen in einem Dorf, das Knockin heißt, wird eben The Knockin Shop genannt…und dieser Begriff ist doppeldeutig. Hier die Erklärung des Begriffes im Free Dictionary:“a house or other place where men pay to have sexual intercourse with prostitutes„; ein Knocking Shop ist also nichts anderes als ein Bordell. Ich kann mir also gut vorstellen wie die (männlichen) Dorfbewohner gefeixt haben, als sie seinerzeit das Schild an ihren Dorfladen hängten!

Published in: on 5. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die besten Pubs des Jahres – Ausgezeichnet von The Good Pub Guide

Pub of the Year 2013: The Cock Inn in Hemingford Grey (Cambridgeshire).   © Copyright Graham Taylor

Pub of the Year 2013: The Cock Inn in Hemingford Grey (Cambridgeshire).
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Jedes Jahr zeichnet The Good Pub Guide die besten Pubs des Jahres aus, unterteilt in einzelne Kategorien, aber die Krönung ist natürlich der „Pub of the Year“. Hier sind die neu gekürten National Award Winners 2013:

Pub of the Year 2013:
The Cock Inn in Hemingford Grey in Cambridgeshire. Letztes Jahr traf es einen Pub in Wiltshire (The Potting Shed in Crudwell), jetzt ist einmal Cambridgeshire an der Reihe. Hemingford Grey liegt in der Nähe der A14 bei Huntingdon. The Cock erhielt zusätzlich auch noch die Auszeichnung „Cambridgeshire Dining Pub of the Year„, d.h. in diesem Pub ist alles vereint: Gutes Essen, gepflegte Biere und eine stimmige Atmosphäre.

Dining Pub of the Year 2013:
Beckford Arms in Fonthill Gifford in Wiltshire (hier ein Video). Dieser Pub ist auf dem Fonthill Estate zu finden, dort, wo William Beckford Ende des 18. Jahrhunderts seine riesige Fonthill Abbey baute, deren Turm 1825 in sich zusammenstürzte.

Country Pub of the Year 2013:
The Royal Oak in Fritham in Hampshire. Ein New Forest-Pub wie aus dem Bilderbuch: Fachwerk, Reetdach, offenes Kaminfeuer im Winter und Biergarten im Sommer. Möge es diese Art von Pubs noch lange geben!!

Value Pub of the Year 2013:
The Anchor Inn in Oldbury-on-Severn (Gloucestershire). Freut mich besonders, da ich kürzlich in Oldbury war und darüber in meinem Blog auch berichtete. Liegt nur ein paar Kilometer von Thornbury entfernt.

Outside Loo of the Year 2013:
The Tram Inn in Eardisley (Herefordshire).
Die Toiletten so mancher Pubs lassen einiges zu wünschen übrig. Nicht so die des Tram Inns, die dafür auch diese spezielle Auszeichnung bekamen.
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The Good Pub Guide 2013. Ebury Press 2012. 1056 Seiten. ISBN 978-0091948719.

Dining Pub of the Year 2013: The Beckford Arms in Fonthill Gifford (Wiltshire).   © Copyright Miss Steel

Dining Pub of the Year 2013: The Beckford Arms in Fonthill Gifford (Wiltshire).
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Country Pub of the Year 2013: The Royal Oak in Fritham (Hamshire).   © Copyright Stefan Czapski

Country Pub of the Year 2013: The Royal Oak in Fritham (Hampshire).
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Value Inn of the Year 2013: The Anchor Inn in Oldbury-on-Severn (Gloucestershire).   © Copyright John Lord

Value Pub of the Year 2013: The Anchor Inn in Oldbury-on-Severn (Gloucestershire).
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Outside Loo of the Year 2013: The Tram Inn in Eardisley (Herefordshire).   © Copyright Philip Halling

Outside Loo of the Year 2013: The Tram Inn in Eardisley (Herefordshire).
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Published in: on 4. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Borley Parish Church (Essex) – Englands „most haunted church“?

Die Broschüre, die ich aus der Kirche mitnahm.Eigenes Foto.

Die Broschüre, die ich aus der Kirche mitnahm.
Eigenes Foto.

Ich hatte schon viel über die berühmt-berüchtigte Borley Rectory in dem kleinen Dörfchen Borley in Essex gelesen, und als ich da einmal in der Nähe war, fuhr ich dorthin, um mir den Schauplatz so vieler unheimlicher Phänomene anzusehen. Die Rectory findet man in Borley, das nur einen Katzensprung von Sudbury und Long Melford (beide in Suffolk) entfernt ist, nicht mehr, denn die ist am 27. März 1939 abgebrannt und anschließend 1944 abgerissen worden.

Das Pfarrhaus wurde jahrzehntelang von mysteriösen Erscheinungen, Poltergeistern und anderen unheimlichen Geschehnissen heimgesucht, die die Pfarrer und ihre Familien an den Rand von Nervenzusammenbrüchen führten. Schließlich wollte niemand mehr in das Haus ziehen, außer einem dubiosen Geisterjäger namens Harry Price, dem man unterstellte, vieles inszeniert zu haben.

Nachdem Englands „most haunted house“ abgebrannt war, schienen sich diese Phänomene in die Dorfkirche verlagert zu haben, denn auch hier spielten sich jetzt unerklärliche Dinge ab. Die Orgel war zu hören, obwohl niemand in der Kirche war, eine Nonne wandelte auf dem Kirchhof usw. Peter Underwood vom Ghost Club (s. dazu auch meinen Blogeintrag) und zahlreiche andere Geisterjäger verbrachten Nächte in der Kirche, wobei sie mit ihren Tonbändern eigenartige Geräusche aufnahmen.

Als ich die Borley Parish Church besuchte, war sie frei zugänglich; heute ist sie versperrt, denn noch immer sind hier viele selbsternannte Geisterjäger tagsüber und auch nachts unterwegs, um irgendetwas Unheimliches zu sehen oder zu hören. Die kleine uralte Kirche wird von den Grabmälern der Waldegrave-Familie beherrscht; 1546 bekam Edward Waldegrave das Manor of Borley von Heinrich VIII zugesprochen. Ich war bei meinem Besuch allein in der Kirche und da die Sonne schien, war es hier eigentlich nicht besonders unheimlich, aber nachts… Ich nahm mir eine kleine Broschüre mit, die über die Geschichte der Kirche und speziell über die Grabmäler informierte. Draußen, auf dem sehr gepflegten Kirchhof, traf ich eine Frau aus Borley mit der ich ins Gespräch kam und die sich darüber beklagte, dass vor allem nachts immer wieder Leute zur Kirche kämen und durch ihr Verhalten die Ruhe des Dorfes störten. (Ich war aber ganz offensichtlich damit nicht gemeint).

Hier ist ein zweiteiliger Film über die Rectory: Teil 1 und Teil 2 und hier ein Film über die Kirche.

Das Buch zum Artikel:
Paul Adams & Peter Underwood: The Borley Rectory Companion – The Complete Guide to ‚The Most Haunted House in England‘. The History Press 2009. 384 Seiten. ISBN 978-0750950671.

Borley Parish Church.   © Copyright Keith Evans

Borley Parish Church.
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Die Ruinen der abgebrannten Borley Rectory. 	This image (or other media file) is in the public domain because its copyright has expired.

Die Ruinen der abgebrannten Borley Rectory.
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Published in: on 3. Dezember 2012 at 02:00  Comments (1)  
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Die Severn View-Tankstelle bei Aust in Gloucestershire und das spurlose Verschwinden eines Rockstars

Severn View Services bei Aust in Gloucestershire. Hierwurde das Auto von Richey Edwards gefunden.   © Copyright John Grayson

Severn View Services bei Aust in Gloucestershire. Hier wurde das Auto von Richey Edwards gefunden.
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Es kommt immer wieder vor, dass Menschen von heute auf morgen spurlos verschwinden und man nie wieder von ihnen hört. Für die Angehörigen ist das eine außerordentlich schwer zu ertragende Situation.

Der Gitarrist der walisischen Rockband Manic Street Preachers, Richey James Edwards, verschwand am 1. Februar 1995 von der Bildfläche und wurde seitdem nie wieder gesehen. Edwards checkte am Morgen diesen Tages aus dem Londoner Embassy Hotel (heute The London Hyde Park Hotel) in der Bayswater Road aus und fuhr mit seinem Vauxhall Cavalier offenbar in sein Apartment, das er in der walisischen Stadt Cardiff besaß. Es gab zwar in den nächsten Tagen einige Meldungen, dass Edwards in Wales gesehen worden sein soll, aber sicher ist das alles nicht.

Am 14. Februar wird der Vauxhall Cavalier auf dem Parkplatz der Severn View-Tankstelle bei Aust in Gloucestershire abgestellt, eine Anlage, die sich dicht an der Severn Bridge befindet, die England mit Wales verbindet. Edwards scheint einige Zeit in seinem Auto verbracht zu haben, so die Spurenlage der Polizei. Die Tank- und Rastanlage gehört heute zu der „Moto“-Kette und verfügt über eine BP-Tankstelle, einen Burger King und einen Costa Coffee-Shop („Possibly the windiest service area known to man“).

Warum hat Richey James Edwards sein Auto gerade hier abgestellt? Die Vermutung liegt nahe, dass er sich das Leben genommen hat, indem er von der Severn Bridge gesprungen ist, eine Brücke, die schon häufiger von Selbstmördern benutzt wurde. Die Strömung des Severn ist hier besonders stark und so besteht die Möglichkeit, dass Edwards‘ Leiche ins offene Meer abgetrieben wurde.
Die Auswertung der Überwachungskameras der Brücke haben seinerzeit keinerlei Ergebnisse gebracht, was die ganze Sache noch mysteriöser macht.

Ob Edwards selbstmordgefährdet war, ist unklar; die Meinungen aus dem Freundeskreis gehen da auseinander. In den Jahren nach seinem Verschwinden gab es immer wieder Meldungen aus allen Teilen der Welt, wonach man ihn gesehen haben will, so z.B. in Corralejo auf der Kanareninsel Fuerteventura, am Famara-Strand auf Lanzarote oder im indischen Goa. Erst im Jahr 2008 wird Richey James Edwards offiziell für tot erklärt.

Hier ist ein Film über das Verschwinden des Rockstars mit Edwards‘ Schwester Rachel.

Das Buch zum Artikel:
Rob Jovanovic: A Version of Reason – In Search of Richey Edwards. Orion 2010. 297 Seiten. ISBN 978-0752883397.

Die Severn Bridge. Sprang Edwards hier in seinen Tod?   © Copyright Barrie Jenkins

Die Severn Bridge. Sprang Edwards hier in seinen Tod?
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Published in: on 2. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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