Eel Pie Island – Die Wiege der britischen Rockmusik mitten auf der Themse

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Auf dem gesamten Verlauf der Themse gibt es etwa 190 Inseln, oft als Eyot oder Ait bezeichnet, von denen die meisten sehr klein und unbewohnt sind, aber es gibt auch einige größere, auf denen Häuser stehen, die wegen der dichten Vegetation vom Ufer aus manchmal kaum zu sehen sind.

Eel Pie Island bei Twickenham im Westen Londons dürfte wohl die Insel mit der bewegtesten Vergangenheit sein. Der Name kommt von den Aalpasteten her, die hier einmal vor Jahrhunderten verkauft wurden und deren größter Fan Heinrich VIII gewesen sein soll. In den 1830er Jahren wurde auf der Insel das Eel Pie Hotel errichtet, das sich großer Beliebtheit erfreute und z.B. schon in Charles Dickens‘ Roman „Nicholas Nickleby“ (1839) erwähnt wird. Ein gewisser Michael Snapper erwarb 1951 das Hotel und machte daraus in den folgenden Jahren eine Vergnügungsstätte ersten Ranges. Zuerst entwickelte sich das Hotel/die Insel zu einem Treffpunkt von Jazzmusikern; im Eelpiland Jazz Club traten Acker Bilk, Lonnie Donegan, Alexis Korner und George Melly regelmäßig auf. Ihnen folgten Anfang der 1960er Jahre die Rockmusiker und viele der weltberühmtesten britischen Sänger und Bands begannen hier ihre Karriere.

Da waren z.B. die Rolling Stones, die hier 1963 eine Zeit lang wöchentlich auftraten. David Bowie spielte 1964 auf Eel Pie Island einen seiner ersten Gigs. Weiterhin waren hier Rod Stewart, Eric Clapton, Jeff Beck, die Yardbirds, The Who, Genesis und Pink Floyd zu hören. Doch je mehr Bands hier auftraten und je mehr Fans auf die Insel kamen, umso mehr Widerstand regte sich beim Establishment, das auf oder neben der Insel wohnte. Diese Leute sahen Eel Pie Island als Brutstätte von Kriminalität, Drogenkonsum und sexuellen Ausschweifungen. Das mittlerweile in die Jahre gekommene Hotel war baufällig und wurde 1967 geschlossen. Im Jahr darauf wurde es zwar wieder in Betrieb genommen, aber die goldenen Jahre waren vorbei und nach und nach nahmen Anarchisten, Hippies und andere etwas zweifelhafte Gruppierungen das Haus in Beschlag, das am 30. März 1971 unter mysteriösen Umständen abbrannte.

Heute wohnen etwa 120 Menschen auf der Insel und dazu kommen noch die Bewohner von etlichen Hausbooten, die dort vor Anker liegen. Einer der bekanntesten Eel Pie Islander ist der Erfinder Trevor Baylis, der einmal durch das von ihm entwickelte „clockwork radio“ von sich reden machte: Ein Radio, das ohne Strom auskommt und in Entwicklungsländern eingesetzt wurde.

Wer mehr über Eel Pie Island wissen möchte, dem kann ich folgendes Buch sehr empfehlen:
Dan Van der Vat & Michele Whitby: Eel Pie Island. Frances Lincoln 2009. 112 Seiten. ISBN 978-0711230538.

Hier ist ein Film über die Insel.

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Published in: on 7. Dezember 2012 at 02:00  Comments (3)  
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