Starfish decoy towns – Britische Scheinstädte im Zweiten Weltkrieg

Überreste einer Bunkeranlage in den Mendip Hills.This photo is in the public domain.

Überreste einer Bunkeranlage in den Mendip Hills.
Author: Rodw. This photo is in the public domain.

Nichts fürchtete man in Großbritannien im Zweiten Weltkrieg mehr (außer einer Invasion) als die großflächigen Bombardierungen der Städte durch die deutsche Luftwaffe, die meist nachts stattfanden. Die Bombergeschwader überflogen oft in mehreren Wellen die großen Städte und warfen darüber ihre Bombenlast ab.

So überlegte man sich damals wie man die deutschen Bomberpiloten in die Irre führen konnte und man kam auf die Idee sogenannte „decoy towns„, Scheinstädte, zu errichten. Oberst John Turner erhielt schon 1939 den Auftrag, sich mit diesem Thema zu befassen, und er begann damit, außerhalb der gefährdeten Städte Scheinflugplätze zu bauen, auf denen Flugzeug-Dummies standen, die aus großer Höhe wie echt aussahen, so hoffte man jedenfalls. Nachts wurden diese künstlichen Plätze erleuchtet und man versprach sich davon, dass die Bomben hier und nicht über den richtigen Flugplätzen abgeworfen würden.

Später, nach der Bombardierung von Coventry,  wurden diese Täuschungsmanöver ausgeweitet und man errichtete die „decoy towns“, die den Code „Special Fire“ (SF) erhielten. Eine der ersten dieser Anlagen entstand in den Mendip Hills in der Nähe von Bristol mit dem Codenamen „Starfish„. Dieser Name wurde schließlich auch für die anderen „Scheinstädte“ im Land vergeben.
In diesen künstlichen Städten wurden nachts Feuer entzündet, die den Anschein erwecken sollten, als seien hier schon Brandbomben abgeworfen worden, und man wollte die deutschen Piloten dazu bringen, ihre Bombenlast hier abzuwerfen. Gesteuert wurde das von Bunkern aus, die sich in der Nähe der Anlagen befanden. Die „decoy towns“ waren in den meisten Fällen rund 6-7 Kilometer von den Städten, die sie schützen sollten, entfernt. Nach Schätzungen wurden im Zweiten Weltkrieg Bomben im Gewicht von 968 Tonnen nicht über den bewohnten Städten, sondern über diesen Täuschungsanlagen abgeworfen, was sicher zahlreiche Menschenleben gerettet hat. 81 Städte wurden auf diese Weise mit 237 dieser „Köder“ versehen.

Heute ist nur noch wenig von den „decoy towns“ zu sehen; in den Mendip Hills findet man z.B. hier und da noch einige Reste von Kontrollgebäuden.

Hier ist ein Film über Hayle an der Nordküste Cornwalls, wo im Zweiten Weltkrieg das einzige Kraftwerk der Grafschaft stand, das durch eine Scheinanlage geschützt werden sollte.

Das Buch zum Artikel:
Colin Dobinson: Fields of Deception – Britain’s Bombing Decoys of WWII. Methuen 2000. 320 Seiten. ISBN 978-0413745705. Vergriffen, aber antiquarisch zu bekommen.

Published in: on 11. März 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  

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