St Mary’s in Whitby (East Yorkshire) – Eine Kirche in Gefahr

Eigenes Foto.

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Über eine meiner englischen Lieblingsstädte, Whitby im Osten der Grafschaft Yorkshire, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Die kleine Stadt am Meer hat eine wunderschöne Lage; nachdem man die 199 Stufen zu den Abteiruinen erklommen hat, bietet sich dem Betrachter ein einzigartiger Blick auf die Nordsee und auf die Dächer der Altstadt.

Am Ende der vielen Treppenstufen wird man als erstes von der Kirche St Mary’s begrüßt, die hier schon seit dem Jahr 1110 steht, umgeben von einem Friedhof mit uralten Grabsteinen, der sich bis zu den Klippen hin zieht. Bram Stoker, der Schöpfer des „Dracula„-Romans war, als er in Whitby wohnte, von diesem Friedhof so angetan, dass er einige Szenen seines Buches dort ansiedelte. Von seinem Schreibtisch aus konnte er St Mary’s sehen und die um den Kirchturm herumfliegenden Fledermäuse inspirierten ihn…

Als ich zuletzt in Whitby war, konnte ich dort oben noch problemlos herumspazieren und den Blick auf die Flussmündung des River Esk genießen. Leider ist die sehenswerte Kirche in den letzten Monaten in Gefahr geraten, von den Klippen abzurutschen, denn starke Regenfälle haben den Hang so in Mitleidenschaft gezogen, dass einige der Grabstellen bereits hinuntergespült worden sind. Die Bewohner der darunterliegenden Häuser fanden plötzlich menschliche Gebeine in ihren Hintergärten; vielleicht gehörten die einem früheren Verwandten? Kein schöner Gedanke! Die Fischräucherei „Fortune’s Kippers„, die in der Henrietta Street direkt unterhalb des Friedhofs seit 1872 ansässig ist, fürchtet schon um ihre Existenz, sollte es mit dem Klippenabbruch noch schlimmer werden.

Auf dem Friedhof hat man jetzt Warnschilder aufgestellt, denn am Rand der Klippen befindet sich ein Fußweg, der sehr beliebt ist und von vielen Spaziergängern benutzt wird.

Vor zwei Jahren wurde in der englischen Presse schon einmal über den St Mary’s Churchyard berichtet, nachdem dort ein Fotoverbot verhängt worden war. Der Hintergrund: Zweimal im Jahr treffen sich in Whitby die Goths aus aller Welt, um hier das Whitby Goth Weekend zu feiern (demnächst wieder am letzten Aprilwochenende). Ein fester Bestandteil dieses Treffens ist der Besuch des Kirchhofs von St Mary’s, wo man sich auf oder neben den Grabsteinen fotografieren lässt. Die zuständige Kirchenbehörde war der Meinung, dass das den Toten gegenüber respektlos sei, daher das Verbot, das bei den Anhängern dieser Subkultur gar nicht gut ankam. Wie es bei dem Goth Weekend zugeht, zeigen diese Bilder.

Um noch einmal auf abrutschende Klippen in Whitby zurückzukommen: Erst im Dezember zerstörte ein Erdrutsch fünf Häuser in der Straße Aelfleda Terrace, nur ein paar hundert Meter von St Mary’s entfernt. So schön die kleine Hafenstadt ist, so gefährlich kann es auch sein, hier in bestimmten Regionen zu wohnen.
Hoffentlich schafft man es, St Mary’s in irgendeiner Weise zu stabilisieren, denn Whitby ohne seine Kirche auf dem Hügel über der Stadt kann man sich gar nicht vorstellen.

Hier ist ein kurzer Filmbericht der BBC.

Eigenes Foto.

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Published in: on 25. März 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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