Vergessene Krimiautoren: Ronald A. Knox (1888-1957)

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Ronald Arbuthnott Knox war ein unglaublich produktiver Schriftsteller. Er schrieb Dutzende von Büchern, überwiegend mit religiösem Inhalt, denn Knox war Theologe und Priester. Als Sohn des späteren Bischofs von Manchester geboren, schlug auch er die theologische Laufbahn ein, wechselte 1917 von der anglikanischen zur römischen Kirche über und wirkte viele Jahre lang in Oxford.

Ronald Knox las gern in seiner Freizeit Krimis und meinte eines Tages, sich auch einmal daran versuchen zu wollen; so schrieb er 1925 seinen ersten Kriminalroman „The Viaduct Murder“ (dt. „Der Mord am Viadukt“), der bei Methuen in London erschien. Es folgten noch eine Handvoll weitere, in denen jeweils sein Serienheld, der Versicherungsdetektiv Miles Bredon, der für die Firma Indescribable Insurance Company arbeitet,  die Fälle löste. Knox‘ Krimis waren in den 1920er und 1930er Jahren recht beliebt, bei Literaturkritikern kamen sie allerdings nicht so gut an. So schreibt Norman Donaldson in der Enzyklopädie „Twentieth Century Crime and Mystery Writers„: „In particular, his six detective novels…are disappointing, and his detective Miles Bredon is a faceless nonentity“. Selbst Knox hat seiner Serienfigur gegenüber ein gespaltenes Verhältnis. In seinem Krimi „Der Tote im Silo“ meint er gleich am Anfang „Miles Bredon ist Privatdetektiv. Ein solcher Mitarbeiter ist eigentlich überflüssig. Versicherungsbetrüger werden auf Kosten des Steuerzahlers von der Polizei belangt“ und in „Die drei Gashähne„: „Er war nicht eigentlich faul, aber er fiel allen möglichen ihn immerzu ablenkenden Steckenpferden zum Opfer“. Robert Speaight bringt es in seinem Buch „Ronald Knox the writer“ (1966) auf den Punkt: „To be frank Bredon is a bore“.

Als bester Krimi gilt der bereits oben erwähnte „The Body in the Silo“ (der in den USA unter dem Titel „Settled Out of Court“ erschien).

Ganz interessant sind auch Ronald Knox‘ 10 Gebote, worauf man beim Schreiben eines Kriminalromans achten sollte. Sie lauten:

1. Der Verbrecher muss bereits zu Beginn der Geschichte Erwähnung finden, aber es darf niemand sein, dessen Gedanken der Leser folgen kann.
2. Übernatürliche Kräfte oder Mächte sind selbstverständlich untersagt.
3. Es darf nur eine Geheimkammer respektive nicht mehr als ein Geheimgang verwendet werden, und dies auch nur dann, wenn sich die geschilderte Umgebung dazu eignet.
4. Weder sind bis jetzt unbekannte Gifte gestattet noch irgendeine Art der Verabreichung, die am Ende eine lange wissenschaftliche Erklärung erfordert.
5. Chinesen haben in der Geschichte nichts zu suchen.
6. Weder darf der Zufall dem Detektiv zu Hilfe eilen, noch darf er unerklärliche Eingebungen haben, die sich als richtig herausstellen.
7. Der Detektiv darf das Verbrechen nicht selbst begehen.
8. Alle Spuren, auf die der Detektiv stößt, müssen dem Leser unverzüglich vor Augen geführt werden.
9. Der beschränkte Freund des Detektivs, sein Watson, darf keinen seiner Gedankengänge verschweigen; sein Intelligenzquotient muss leicht, aber nur ganz leicht, unter dem des durchschnittlichen Lesers liegen.
10. Zwillinge und Doppelgänger dürfen erst auftreten, nachdem wir gebührend auf sie vorbereitet worden sind.

Ronald Knox beendete seine Karriere als Krimiautor, weil ihm sein Bischof bedeutete, dass das Schreiben von derartiger Literatur einem Mann seines Ranges unwürdig sei.

Der einzige noch im deutschen Buchhandel lieferbare Titel ist „Der Mord am Viadukt“ (Tally-Ho! Verlag Robert Schulze 2011. 242 Seiten. ISBN 978-3942316019).

Ronald Knox starb am 24. August 1957 und wurde auf dem Friedhof der Kirche St Andrew’s in dem kleinen Ort Mells in Somerset beigesetzt, dort wo später auch sein Bewunderer und Freund, der „War Poet“ Siegfried Sassoon, auf eigenen Wunsch beerdigt wurde.

Das Buch zum Artikel:
Evelyn Waugh: The Life of Right Reverend Ronald Knox. Penguin Classics 2011. 320 Seiten. ISBN 978-0141193526.

St Andrew's Church in Mells (Somerset).   © Copyright Kevin Gordon

St Andrew’s Church in Mells (Somerset).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Kevin Gordon

Eigenes Foto.

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Published in: on 27. März 2013 at 02:00  Comments (2)  
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