John „Babbacombe“ Lee – The Man They Couldn’t Hang

The Cary Arms Hotel in Babbacombe (Devon). Unterhalb des Hotels stand das "Mordhaus" The Glen.   © Copyright Chris Downer

The Cary Arms Hotel in Babbacombe (Devon). Unterhalb des Hotels stand das „Mordhaus“ The Glen.
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John Lee (hier ein Foto), auch als John „Babbacombe“ Lee, bekannt, ging in die englische Kriminalgeschichte als „The Man They Couldn’t Hang“ ein, denn dreimal versuchte der Henker am 23. Februar 1885 den Mann per Seil hinzurichten – ohne Erfolg; jedes Mal versagte die Klappe auf der Lee stand ihren Dienst.

Doch zuerst zur Vorgeschichte: Am 15. November 1884 wurde Emma Keyse in ihrem Haus The Glen an der Babbacombe Bay bei Torquay in Devon tot aufgefunden. Man hatte ihr die Kehle durchgeschnitten und den Kopf eingeschlagen. Emma Keyse war eine wohlhabende ältere Dame, die es sich leisten konnte, Dienstpersonal zu halten. Einer ihrer Diener, eben jener John Lee, der schon einmal wegen Diebstahls inhaftiert war, wurde als Mörder festgenommen, obwohl die Beweislage sehr dürftig war. Man vermutete, dass er wütend auf seine Arbeitgeberin war, weil sie ihm seinen ohnehin schon kargen Lohn noch mehr kürzen wollte.

Lee, der immer wieder seine Unschuld beteuerte,  wurde zum Tode durch den Strang im Gefängnis von Exeter verurteilt. Und dann geschah das Unglaubliche: James Berry, der Henker testete jedesmal die Funktionsfähigkeit der Klappe, bevor sich Lee mit dem Seil um den Hals daraufstellte, und jedesmal verlief alles einwandfrei. Aber immer, wenn die Todesstrafe vollstreckt werden sollte, klemmte die Klappe – John „Babbacombe“ Lee ließ sich einfach nicht aufhängen. Der mutmaßliche Mörder wurde wieder in seine Zelle zurückgebracht und das Todesurteil in eine Gefängnisstrafe umgewandelt.

Nach 22 Jahren wurde Lee entlassen. Er wanderte in die USA aus, wo er 1933 auf „natürliche Weise“ starb. Sein Grabstein ist auf dem Forest Home Cemetery in Milwaukee (Wisconsin) zu finden… Das ist aber nur eine Variante über Lees weiteres Leben nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Es gibt auch die Variante, dass er nach London zog und dort den „Blitz“, also die deutschen Luftangriffe, überlebte. War Lee wirklich ein Mörder, wo und wann starb er wirklich? Es ist wenig wahrscheinlich, dass man das jemals herausbekommen wird.

Wie nicht anders zu erwarten, nutzte man diese ungewöhnliche Geschichte, um daraus Filme, Bücher und Musik zu machen. Hier einige Beispiele:

– Die englische Folkrock-Gruppe Fairport Convention wandelte 1971 John Lees Schicksal in ein Konzeptalbum mit dem Titel „Babbacombe Lee“ um.

– Schon 1912 wurde ein Stummfilm namens “ The Life Story of John Lee, or the Man They Could Not Hang“ produziert.

– Ein Film mit dem gleichen Titel erschien 2009 in den USA mit Brandon Wilson und John Hallberg in den Hauptrollen. Hier ist der Trailer zum Film.

Mike Holgate schrieb 2005 das Buch „The Man They Could Not Hang: The True Story of John Lee“ (The History Press, 256 Seiten, ISBN 978-0750936521).

Das Haus The Glen, in dem sich der Mord ereignete, stand dort, wo sich heute ein Parkplatz und ein Toilettenhäuschen, ein paar Schritte vom Cary Arms Hotel entfernt, befindet. 1904 wurde das Gebäude abgerissen. Eine Barkellnerin des Hotels , die am Strand Reste eines alten Seils fand, war so clever (und betrügerisch), einzelne Fäden davon als Originalteile des Galgenstricks zu verkaufen, mit dem John Lee aufgehängt werden sollte.

Published in: on 6. April 2013 at 02:00  Comments (2)  
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