Vergessene Krimiautoren – Pamela Branch

Eigenes Foto.

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Lediglich vier Bücher hat Pamela Jean Branch geschrieben und damit in der Geschichte des englischen Kriminalromans keine allzu großen Spuren hinterlassen. Die 1902 im heutigen Sri Lanka (damals noch Ceylon) geborene Autorin schrieb diese vier Krimis in den 1950er Jahren, dann war Sendepause bis zu ihrem Tod im Jahr 1967.

Wie kann man Pamela Branchs Krimis am besten charakterisieren? Ich würde sagen: Skurril, schwarzhumorig, albern. Ich habe gerade noch einmal ihren Erstling „The wooden overcoat“ gelesen, der 1965 als „Leichen in Nachbars Garten“ in deutscher Übersetzung in der Reihe „rororo thriller“ erschien (und noch einige Male nachgedruckt wurde). Da wird der Leser mit kauzigen, skurrilen Typen konfrontiert wie den Mitgliedern eines Clubs, die alle aus Mangel an Beweisen von einer Mordanklage freigesprochen worden sind. Im Nebenhaus wohnen merkwürdige Künstler, die unter einer Rattenplage leiden und die überwiegend damit beschäftigt sind, Leichen loszuwerden, die sich in ihrem Haus häufen.

Auch Pamela Brachs zweites Buch „Lion in the cellar“ erschien in der Thriller-Reihe des Rowohlt Taschenbuch-Verlags in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Onkel hängt am falschen Strick“ (1967). Das Szenario ist hier so ähnlich wie im Vorgängerband. Bei der Vorstellung der Hauptpersonen zu Beginn des Krimis heißt es z.B. „Sukie Channor – besucht ihre Familie  im Irrenhaus. Oder im Wachsfigurenkabinett“. Die beiden agierenden Kriminalbeamten Inspektor Stoner und Constable Chivvers „überführen einen richtigen Mörder des falschen Mordes“ usw. usw. Es geht auch hier wieder drunter und drüber.

Murder every Monday“ ist Branchs dritter Roman, auf Deutsch unter dem Titel „Mord jeden Montag“ als Goldmann Taschen-Krimi 1966 erschienen. Hier heißt es: „Die Hochschule für angehende Mörder floriert bestens. Interessenten aus aller Welt belegen Kurse – doch beim sechsundzwanzigsten Lehrgang geht etwas schief“. Einer der Kursteilnehmer verstößt gegen die Hausordnung, die da lautet: „Mord im Institut verstößt gegen die Hausordnung“.

Pamela Branchs vierter und letzter Krimi „Murder’s little sister“ (1959) wurde nie übersetzt und ist auch in keiner deutschen Bibliothek zu finden. Ich habe ihn mir einmal vor langer Zeit (als es noch nicht so einfach war wie jetzt, Bücher antiquarisch zu bekommen) über den internationalen  Leihverkehr der Bibliotheken aus der University Library of Cambridge besorgt. Darin geht es um Enid Marley, eine „agony aunt“, also eine „Kummerkastentante“ der Zeitschrift „You“, die ihren fremdgehenden Ehemann mit einem vorgetäuschten Selbstmordversuch zurückholen will. Natürlich geht das schief. Während Enids Abwesenheit übernimmt ein arbeitsloser Balletttänzer ihren Job bei der Zeitschrift und verursacht ein Chaos unter den hilfesuchenden Briefeschreibern.

Pamela Branch war eine reisefreudige Dame, die viel in der ganzen Welt unterwegs war. Wenn sie sich in ihrem Heimatland aufhielt, wohnte sie in London, meistens in Kensington. Sie starb mit nur 65 Jahren an Krebs.

Eine ausführliche Biografie findet sich auf der Webseite der Rue Morgue Press, einem amerikanischen Verlag, der in Colorado ansässig ist, und der sich auf den Nachdruck von klassischen Kriminalromanen spezialisiert hat. Alle vier der rabenschwarzen Krimis von Pamela Branch stehen dort im Programm.

Published in: on 23. April 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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