St Mary in Burgh St Peter (Norfolk) und Charles Cunningham Boycott

St Mary in Burgh St Peter.    © Copyright Adrian S Pye

St Mary in Burgh St Peter.
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Als Monstrosität wurde die Kirche schon bezeichnet, als Pyramide oder Pagode: St Mary in Burgh St Peter im äußersten Südosten der Grafschaft Norfolk. Sie steht außerhalb des Dorfes am River Waveney und zeichnet sich vor allem durch die sonderbare Form des Turmes aus. Samuel Boycott war dafür verantwortlich, der ihn Ende des 18. Jahrhunderts erbauen ließ.
Die Boycotts waren die Lords of the Manor hier und übten einen großen Einfluss auf die Gemeinde aus. 135 Jahre lang stellten sie den Pfarrer und sie übernahmen auch die häufig anfallenden Reparaturarbeiten an der Kirche (was den Kirchenoberen natürlich sehr gelegen kam). Dafür betrachteten sie St Mary auch so ein bisschen wie ihr Eigentum und ihr Mausoleum, denn sie ließen sich alle in der Kirche beisetzen.

Samuel Boycotts Enkel Charles Cunningham Boycott gliederte sich nicht in die Reihe der Pfarrer ein (sein älterer Bruder hatte den „Job“ schon übernommen) und ging nach Irland, wo er einen Posten als Grundstücksverwalter übernahm. In den 1880er Jahren ging es der Landbevölkerung dort sehr schlecht und genau in dieser Zeit wollte Charles Boycott die Bauern auf dem Besitz mit einer höheren Pacht belasten. Keine gute Idee: Er wurde von allen Gemeindemitgliedern gemieden, die Läden wollten ihm nichts mehr verkaufen, man grüßte ihn nicht mehr und keiner wollte mehr für ihn arbeiten. Man „boycottierte“ ihn. Charles Cunningham Boycott kehrte als gebrochener Mann wieder in seine Heimat zurück, wo er 1897 in Flixton (Suffolk) starb. Sein einfaches Grab findet sich auf dem Kirchhof von St Mary, in der Nähe des Ostfensters. Das Wort „Boycott“, das in die englische und andere Sprachen übernommen worden ist, kann man also dem Mann aus Burgh St Peter „verdanken“.

1947 wurde Charles Cunningham Boycotts Leben von Frank Launder verfilmt. Cecil Parker übernahm die Rolle des Captain Boycott, wie auch der Titel des Films lautete. Hier ein Filmausschnitt.

Das Buch zum Artikel:
Charles Arthur Boycott: Boycott – The Life Behind the Word. Carbonel Press 1997. 368 Seiten. ISBN 978-0953140701 (Vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen).

Charles Cunningham Boycott als Karikatur im Vanity Fair Magazine.  his work is in the public domain in those countries with a copyright term of life of the author plus 90 years or less.

Charles Cunningham Boycott als Karikatur im Vanity Fair Magazine.
This work is in the public domain in those countries with a copyright term of life of the author plus 90 years or less.

Published in: on 15. Mai 2013 at 02:00  Comments (1)  
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