Deutschlands erstes Krimihotel (mit englischem Touch) – Für alle Fans von Miss Marple, Tom Barnaby, James Bond….

Die Barnaby Suite. Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

Die Barnaby Suite.
Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

In meinem heutigen Blogeintrag bleibe ich einmal in Deutschland; natürlich hat er aber einen Bezug zu England. In dem kleinen Ort Hillesheim in der Eifel steht Deutschlands erstes Krimihotel. Hier hat man so ziemlich alles unter das Motto „Die Welt der Krimis“ gestellt, z.B. die Zimmer:

– Da gibt es eine Inspector Barnaby-Suite, in der man unter einem großformatigen Foto von DCI Tom Barnaby und DS Gavin Troy schlafen kann.
Miss Marple-Fans werden sicher das ihr gewidmete Doppelzimmer buchen. Ein Bild von Margaret Rutherford alias Miss Jane Marple hängt über dem Bett.
– Das Edgar Wallace-Doppelzimmer zieren Bilder seiner Romane wie wir sie von den Buchumschlägen der Goldmann-Taschenbücher kennen.
Mord im Orient Express und Tod auf dem Nil heißen zwei Doppelzimmer, die sich der beiden Agatha Christie-Romane bzw. -filme angenommen haben.
– Verehrer von Sherlock Holmes und James Bond sollten sich unbedingt in diesen nach ihnen benannten Zimmern einquartieren.

Die Speisekarte des Hotelrestaurants lässt keine Wünsche für Krimifans übrig. Da gibt es u.a.:

– „Die Liste des Würgers von Blackmore Castle“ als Hauptgang
– einen Miss Marple Burger
– eine Roulade Poirot
– Hitchcock’s Vögel
– einen Salat „Der Mörder ist immer der Gärtner“

Jeden Samstag um 16.30 Uhr bittet das Hotel zur Original 5 o’Clock Tea Time, bei der es dann u.a. Gurkensandwiches und Scones gibt.

Hillesheim nennt sich zu recht die Krimihauptstadt Deutschlands, denn nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt steht das Kriminalhaus mit dem Deutschen Krimiarchiv, das über 26 000 Bände umfasst, und dem KBV-Krimiverlag. Gleich daneben findet sich Deutschlands erstes Krimicafé, das Café Sherlock, in dem man in der Gesellschaft von Detektiven der Weltliteratur (in Form von lebensgroßen Puppen) eine Chocolat Poirot trinken kann.

Das Krimi Hotel
Am Markt 14
54576 Hillesheim
Tel. 06593 9808960

Hier ist ein Rundgang durch die Eifelstadt Hillesheim im Film.

Das Edgar Wallace Zimmer. Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

Das Edgar Wallace Zimmer.
Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

Das Sherlock Holmes Zimmer. Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

Das Sherlock Holmes Zimmer.
Mit freundlicher Genehmigung des Krimi Hotels.

 

Published in: on 30. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Clevedon Pier – Pier des Jahres 2013

   © Copyright Brian Robert Marshall

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Die Engländer lieben ihre Piers. Was wäre z.B. Brighton ohne seine Seebrücke? Da würde wirklich etwas fehlen. Die National Piers Society vergibt alljährlich einen Preis für die schönste Pier des Landes, den in diesem Jahr die Clevedon Pier erhielt.

Clevedon liegt auf halber Strecke zwischen Bristol und Weston-super-Mare (wo es auch eine Pier gibt) in der Grafschaft Somerset. Am Ostermontag des Jahres 1869 wurde die Seebrücke eröffnet, die über 300m in die Mündung des Severn ragt, und sie diente in erster Linie als Anlegestelle für Ausflugsschiffe. Auch die Clevedon Pier kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken; ja , sie stand sogar einmal kurz vor dem Abriss. Immer wieder verursachten Stürme Schäden an dem Bauwerk, die behoben werden mussten. Kurz nach dem hundertsten Geburtstag der Pier brachen zwei Brückenträger, so dass man den Zugang für einige Jahre sperren musste. Die Bürger von Clevedon wollten auf keinen Fall auf ihre Pier verzichten und so wurde ein Preservation Trust gebildet, dem es gelang, Gelder vom National Heritage Memorial Fund und von English Heritage locker zu machen, die in die Restaurierung der Pier gesteckt wurden.

Am 27 Mai 1989 konnte die Pier wieder betreten werden, aber erst neun Jahre später war auch der Brückenkopf wieder komplett hergestellt. Ein voller Erfolg, denn schon 1999 verlieh die National Piers Society dem Bauwerk den Pier of the Year Award.

Eine Attraktion auf der Seebrücke sind die Messingplaketten, die hier überall eingelassen worden sind und die zum Unterhalt der Pier beigetragen haben. Jeder kann so eine Plakette erwerben, die je nach Größe zwischen £25 und £200 kostet; man kann darauf seinen Namen, den Namen eines Vereins, einer Firma usw. eintragen lassen. „Sponsor a Plank“ war und ist ein großer Erfolg.

Man kann heute vom Brückenkopf aus Ausflugsfahrten mit den beiden Dampfern Balmoral und Waverley unternehmen, von der Brücke aus angeln und sich im Toll House in der Kunstgallerie wechselnde Ausstellungen ansehen.

Wer möchte, kann die komplette Pier mieten, z.B. für Hochzeiten, Firmenveranstaltungen oder für Filmaufnahmen (Werbespots für den Ford Ka und den Fiat Punto wurden hier z.B. gedreht).

Das Buch zum Artikel:
Clive Minnitt: Clevedon Pier – A Celebration of England’s Finest Pier. Eddie Ephraums 2008. 112 Seiten. ISBN 978-0954101138.

The Toll House am Anfang der Pier.    © Copyright Brian Robert Marshall

The Toll House am Anfang der Pier.
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Published in: on 29. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Der Kendal Mint Cake und die Erstbesteigung des Mount Everest

Wir wohnten einmal in einem Cottage irgendwo zwischen Old und New Hutton in Cumbria, südlich der A684. Dort befindet sich ein labyrinthartiges Gewirr von schmalen Landstraßen, das die Orientierung nicht ganz leicht macht. Der nächste größere Ort ist Kendal, in den wir abends häufig zum Essen fuhren. In Erinnerung geblieben sind mir in Kendal die vielen jungen Mütter, die ihre Kinderwagen durch die Stadt schoben (ist mir sonst nirgendwo in England so aufgefallen); es muss ein sehr fruchtbarer Landstrich sein.

Bei dem Namen Kendal denkt man in England wohl in erster Linie an den Kendal Mint Cake, eine auf Traubenzucker basierende Süßigkeit mit Pfefferminzgeschmack, die als Energiequelle besonders bei Bergsteigern beliebt ist.

Die 1918 gegründete Firma Romney’s, die den Mint Cake schon seit dieser Zeit herstellt, erhielt 1953 eine Anfrage von der Mount Everest-Expeditionsgruppe, die binnen weniger Tage eine größere Menge von diesen Energiespendern haben wollte. Gerne kam man dieser Anfrage nach und verpackte die Mint Cakes in Spezialbeutel, die für große Höhen entwickelt worden waren. Als Edmund Hillary und Sherpa Tensing am 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest standen, knabberten sie jeder an einem Kendal Mint Cake und holten sich damit verlorengegangene Energien zurück. Sherpa Tensing soll sogar ein Stückchen von seinem Mint Cake auf dem Gipfel gelassen haben, um die Götter barmherzig zu stimmen.

Eine bessere Werbung hätte die Fa Romney’s für ihr Produkt sicher nicht bekommen können und so stieg der Absatz der Kendal Mint Cakes seit jenem denkwürdigen Tag im Mai 1953 gewaltig an.

Romney’s ist auch heute noch in Kendal der größte Produzent der Mint Cakes, die auch von den im gleichen Ort ansässigen Firmen Wilson’s und Quiggin’s (seit 1880) hergestellt werden.

Hier ist ein Film, der die Produktion der Mint Cakes bei der Firma Romney’s zeigt.

   © Copyright Stanley Howe

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Published in: on 28. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Dibbles Bridge Coach Crash – Großbritanniens schlimmster Verkehrsunfall aller Zeiten

Die Dibbles Bridge in North Yorkshire. Hier ereignete sich Großbritanniens schwerster Verkehrsunfall.    © Copyright Karl and Ali

Die Dibbles Bridge in North Yorkshire. Hier ereignete sich Großbritanniens schwerster Verkehrsunfall.
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Am 27. Mai 1975 ereignete sich der schwerste Verkehrsunfall mit den meisten Opfern in der Geschichte Großbritanniens. Es passierte nicht auf der M25 oder auf einer anderen vielbefahrenen Autobahn, sondern auf einer kleinen B-Straße, der B6265, bei Hebden in North Yorkshire.

Eine Gruppe von Rentnerinnen aus der Stadt Thornaby-on-Tees machte in einem Bus einen Tagesausflug in die Yorkshire Dales. Nachdem sie Ripon und Knaresborough besucht hatten, machten sie sich nach Grassington auf, um dort Tee zu trinken. Zwischen Pateley Bridge und Hebden hat die B6265 ein Gefälle von ca 16% und als Roger Marriott, der Busfahrer, herunterschalten wollte, geriet er in den falschen Gang, der Bus nahm Fahrt auf, die Bremsen überhitzten sich sehr schnell und wurden wirkungslos. Der 45-Sitzer-Bus knallte gegen die Brüstung der Dibbles Bridge (dort macht die B6265 eine Rechtskurve), überschlug sich und stürzte fünf Meter eine Böschung hinunter. Dort blieb er auf dem Dach im Garten eines Cottages liegen.
Die sofort herbeigerufenen Rettungskräfte konnten nur einige wenige der Businsassen retten; bei dem Unfall starben 32 Rentnerinnen und der Busfahrer. Unter den Opfern war auch die Organisatorin des Tagesausflugs, eine ehemalige Bürgermeisterin von Thornaby-on-Tees.

Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Der Bus besaß damals Mitte der 1970er Jahre noch keine Motorbremse, die das Unglück wahrscheinlich verhindert hätte. Ohne dieses technische Hilfsmittel war der Busfahrer nur auf die mechanischen Bremsen angewiesen, die sich eben sehr schnell überhitzen. Heute sind Motorbremsen in Reisebussen Standard. Bei einer eingehenden Untersuchung des Unfallfahrzeugs stellte man fest, dass der Bus zwar wenige Tage vorher gewartet worden war, die Bremsen aber schwere Mängel aufwiesen.

An der exakt gleichen Stelle an der Dibbles Bridge gab es schon einmal einen schweren Busunfall. Am 10. Juni 1925 versagten auch die Bremsen eines Busses aus York an dieser Gefällstrecke, auch er brach durch das Brückengeländer und überschlug sich. Die Zahl der Opfer: 7, die der Verletzten: 14.

Published in: on 27. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  

„Desert Island Discs“ – Eine der ältesten Hörfunksendungen der Welt

Auf so einer einsamen Insel hätte man viel Zeit, um sich seine Lieblingsmusik anzuhören. This file is in the public domain because it was solely created by NASA.

Auf so einer einsamen Insel hätte man viel Zeit, um sich seine Lieblingsmusik anzuhören.
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Wöchentlich, sonntags um 11.15 Uhr, läuft auf dem Rundfunksender BBC 4 ein Programm, das zu den ältesten Hörfunksendungen der Welt gehört: Desert Island Discs. Einem Prominenten aus Politik, Wissenschaft, Kunst oder Sport wird die Frage gestellt: Was würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn Sie die Auswahl von acht Musikstücken, einem Buch und einem Luxusgegenstand haben?

Dieses Thema ist für viele Engländer offensichtlich so interessant, dass die Sendung seit dem 29. Januar 1942 ausgestrahlt wird. Der erste Gast war der Schauspieler Vic Oliver, der auch in vielen BBC-Radioshows auftrat. Zu seinen musikalischen Favoriten gehörten u.a. Chopins „Revolutionsetüde“ und das Lied „Happy Days Are Here Again„, gespielt von Jack Hylton und seinem Orchester. Am 14. November 1955 wurde Oliver ein zweites Mal gebeten, seine Lieblingsmusik für die Robinson-Insel auszuwählen. Bis auf Richard Wagners „Walkürenritt“ suchte er sich dieses Mal neue Titel aus.

In diesem Jahr wurden u.a. vor das Mikrofon gebeten:
– Der Künstler Damien Hirst (zu seinen musikalischen Inselwünschen gehörten z.B. „Surfin‘ Bird“ von den Trashmen, ein verrückter Song, den ich einmal als Single besaß)
– Die Schriftstellerin Alice Walker (ihr Favorit war Stevie Wonders „As„)
– Der frühere Tesco-Boss Sir Terry Leahy (er wählte Pachelbels „Kanon und Gigue in D-Dur“ zu seinem Favoriten für die Insel, als Buch die gesammelten Werke von Charles Dickens und als Luxusgegenstand Tee).

In der 45minütigen Sendung erfährt der Hörer natürlich auch einiges aus dem Leben der jeweiligen Person und es werden die Lieblingsmusikstücke angespielt.

Auf der BBC-Webseite ist es möglich die Originalsendungen bis zurück in die 1950er Jahre anzuhören; eine tolle Sache!!

Als Erkennungsmelodie für „Desert Island Discs“ wählte man 1942 den Titel „By the Sleepy Lagoon des englischen Komponisten Eric Coates (1886-1957), der auch heute noch jeden Sonntagvormittag die Sendung eröffnet.

Seit 2006 wird „Desert Island Discs“ von Kirsty Young moderiert, die man auch aus „Crimewatch“, dem englischen Gegenstück von „Aktenzeichen XY“, kennt.

Published in: on 26. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Chas Newkey-Burden: Heston Blumenthal – The Biography of the World’s Most Brilliant Master Chef

Eigenes Foto.

Mein Exemplar des Buches.

Englands Super-Koch Heston Blumenthal habe ich im Zusammenhang mit seinen drei Restaurants in Bray (Berkshire) in meinem Blog schon mehrfach erwähnt. Er unterscheidet sich von anderen englischen Starköchen durch seine außerordentliche Experimentierfreudigkeit. Das zurzeit 14-gängige Tasting Menu in  seinem „Fat Duck Restaurant“ in Bray ist legendär. Wer sich mit der Molekularküche beschäftigen möchte, muss hier einmal zu Gast gewesen sein. Die „Fette Ente“ wurde einmal zum besten Restaurant der Welt gewählt und hat drei Michelin-Sterne. Mehr kann Heston Blumenthal, der sich das Kochen selbst beigebracht hat, eigentlich nicht erreichen.

Seine letzte Errungenschaft ist das Londoner Restaurant Dinner by Heston Blumenthal im Mandarin Oriental Hotel am Hyde Park, das auch schon einen Michelin-Stern besitzt.

Chas Newkey-Burden zeichnet in seinem Buch “ Heston Blumenthal – The Biography of the World’s Most Brilliant Master Chef“ das Leben des Mannes auf, der 1966 in London zur Welt kam und schon als Jugendlicher eine schon beinahe manische Beziehung zum Kochen besaß. Der Weg an die absolute Weltspitze der Gastronomie war nicht immer leicht, aber Blumenthal hat es geschafft; doch er ruht sich auf seinen Lorbeeren nicht aus. Er versucht, immer neue Ideen in die Küchen seiner Restaurants einzubringen. In mehreren Fernsehserien experimentierte Blumenthal mit Gerichten und geriet dabei manchmal an den Rand des Zumutbaren. „Heston’s Feasts“ hieß eine 12-teilige TV-Show, in der er z.B. Menüs aus der Mittelalter, der römischen und der viktorianischen Zeit wieder ins Leben rief und sie auf seine spezielle Art „verfeinerte“. Hier ist das Victorian Feast im Film.

In der BBC-Serie „Heston Blumenthal: In Search of Perfection“ ging er in jeder Episode einem bestimmten Gericht nach, das er versuchte, auf seine Weise zu perfektionieren (z.B. Bangers and Mash, Fish and Chips). Da die Serie so erfolgreich war, setzte er sie fort unter dem Titel „Heston Blumenthal: Further Adventures In Search of Perfection„. Hier ist ein Film wie Blumenthal das perfekte Bangers and Mash zubereitet.

Über einige seiner bisher größten Herausforderungen berichtete ich schon einmal in einem früheren Blogeintrag: Die Verbesserung des Speisenangebots der Kette „Little Chef„, eine Aufgabe, die ihm alles abverlangte.

Blumenthal ging auch unter die Buchautoren und veröffentlichte bisher sieben Bücher, von denen das herausragendste „The Big Fat Duck Cook Book“ ist, ein 532 Seiten starkes und mehrere Kilo schweres Kochbuch, in dem er minutiös die Rezepte seiner Molekularküche verrät.

In Newkey-Burdens Biografie gewinnt man Einblick in das Leben eines „maniacs“, von dem wir sicher noch einiges hören werden.

Bisher hatte ich nur das Vergnügen, in einem von Blumenthals Restaurant zu essen, in „The Crown“ in Bray (ich berichtete darüber). Ich arbeite aber noch daran, auch das „The Hinds Head„, ebenfalls in Bray, und schließlich als Krönung  „The Fat Duck“ aufzusuchen.

Chas Newkey-Burden: Heston Blumenthal – The Biography of the World’s Most Brilliant Master Chef. John Blake 2009.245 Seiten. ISBN 978-1843583066.

Author: Brian Minkoff- London Pixels. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Wer war eigentlich… Tim Waterstone, nach dem die Buchhandelskette benannt wurde?

Waterstones in der High Street in Kensington.    © Copyright R Sones

Waterstones in der High Street in Kensington.
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Bei einem Besuch einer größeren englischen Stadt gehe ich gern in eine der Filialen der Waterstones-Buchhandelskette, von denen es zurzeit 288 geben soll. Hier ist alles schön übersichtlich angeordnet und die Auswahl ist beachtlich. Das Waterstones-Flaggschiff liegt in London mit der Adresse 203-206 Piccadilly, ein sechsstöckiges Gebäude mit ca 13 Kilometern Regalfläche.

Gegründet wurde die Buchhandelskette 1982 von dem 1939 in Schottland geborenen Tim Waterstone, der vorher im Brauereigewerbe und dann bei W.H. Smith gearbeitet hatte. Als man ihn dort entließ, eröffnete er in der Old Brompton Road in Kensington seine erste Buchhandlung. Waterstone legte Wert auf Fachpersonal und auch das Bücherangebot sollte sich, z.B. im Gegensatz zu dem von W.H. Smith, durch mehr Qualität und eine größere Bandbreite abheben. Das Konzept ging auf und Tim Waterstone expandierte. 1993 wurde die Buchhandelskette von W.H. Smith übernommen, Waterstone blieb aber an Bord.

1998 verkaufte W.H. Smith Waterstones für £300 Millionen an HMV, die bereits eine andere Buchhandelskette, nämlich Dillons, übernommen hatten. Bis zum Jahr 2011 blieb Waterstones bei HMV, dann wurden die Buchhandlungen an die Firma A&NN Capital Fund Management weiterverkauft, die dem russischen Geschäftsmann Alexander Leonidovich Mamu gehört.

Tim Waterstone war bereits 2001 ausgestiegen und widmete sich anderen Aufgaben. Er schrieb vier Romane (zwei liegen in deutscher Übersetzung vor: „Lilley und Chase. Aufstieg und Fall eines Verlagshauses“ und „Lebensläufe“), wirkte bei der Vergabe des Booker Prizes mit, ist bis heute Kanzler der Edinburgh Napier University usw. usw. Über Langeweile wird sich Tim Waterstone sicher nicht beklagen.

Verheiratet ist er mit Rosie Allison, einer Fernsehproduzentin und Schriftstellerin.

Waterstones in Bradford.    © Copyright Stephen Craven

Waterstones in Bradford (West Yorkshire).
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Published in: on 24. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Boughton House (Northamptonshire), der 2. Duke of Montagu und eine verrückte Idee

Boughton House, the English Versailles.    © Copyright David Purchase

Boughton House, the English Versailles.
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Boughton House in Northamptonshire ist sicher das beeindruckendste Country House in der Grafschaft. Es ist der Familiensitz des Dukes of Buccleuch; wer jetzt etwas ratlos vor dem schwierigen Namen steht, er spricht sich [bəˈkluː] aus. „The English Versailles“ steht stolz auf der Homepage des Boughton Houses, das in seiner jetzigen Form überwiegend von Ralph Montagu, dem 1st Duke of Montagu gestaltet wurde, der das Haus 1683 erbte. Da der Duke einmal Botschafter in Frankreich war, hatte er eine Vorliebe für den französischen Baustil seiner Zeit entwickelt und das sieht man denn auch deutlich am Boughton House.

Der Duke of Buccleuch besitzt eine bedeutende Sammlung von Gemälden, die u.a. Werke von El Greco, Murillo und Van Dyck umfasst. Eine Besichtigung des Hauses und der Gärten ist in diesem Jahr nur noch im August möglich.

Einer der Vorbesitzer von Boughton House war John Montagu, der 2nd Duke of Montagu, ein „notorious practical joker“ (so die Wikipedia) und Exzentriker, der sich z.B. rührend um alte Pferde und Kühe kümmerte und der ein Herz für hässliche Hunde hatte, weil kein anderer sie sonst haben wollte. Die Gäste im Boughton House waren damals vor den Späßen John Montagus niemals sicher, ob er sie nun im Garten nass spritzte oder Juckpulver in ihre Betten streute.

Ein Spitzname des im übrigen sehr spendablen und wohltätigen Dukes war John the Planter, denn er hatte einmal eine ziemlich verrückte Idee: Er wollte vom Boughton House eine Baumallee bis zu seinem Londoner Stadthaus bauen, eine Strecke von immerhin über 100 Kilometern. Dabei rechnete er offensichtlich nicht damit, dass die Landeigentümer dazwischen von dieser Idee nicht gleichermaßen begeistert sein könnten. Schon der erste Nachbar, der Duke of Bedford, setzte dem ehrgeizigen Bauvorhaben ein vorzeitiges Ende, denn der wollte die Allee nicht auf seinem Besitz haben. Gut, dachte sich John Montagu, dann baue ich eben die 100 Kilometer Bäume auf meinem eigenen Grund und Boden, was er dann auch tat, denn das Anwesen war groß genug. Leider wurden viele der gepflanzten Bäume von einer Krankheit, dem Ulmensterben, befallen; man ersetzte sie vorwiegend durch Buchen und Linden, einige von John Montagus ursprünglichen Bäumen sind aber noch vorhanden.

Dieser Film zeigt die Parkanlagen von Boughton House.

Boughton House
Kettering
Northamptonshire
NN14 1BJ
Telephone01536 515731

Das Buch zum Artikel:
Tessa Murdoch: Boughton House – The English Versailles. Faber and Faber 1992. 240 Seiten. ISBN 978-0571163380.

Boughton Park.    © Copyright David Purchase

Boughton Park.
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Rotherfield Peppard in Oxfordshire

All Saints in Rotherfield Peppard (Oxfordshire). Eigenes Foto.

All Saints in Rotherfield Peppard (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

Es war gar nicht so leicht, von Henley-on-Thames aus nach Rotherfield Peppard in Oxfordshire zu finden. Es gab zwar in der Stadt an der Themse kleine Hinweisschilder nach „Peppard“, war damit aber auch Rotherfield Peppard gemeint? Es war!
An der B481 führt die Church Lane ins Dorf, zuerst an der Primary School vorbei, die in der „Inspector Barnaby“-Episode 6 „Death’s Shadow“ (dt. „Der Schatten des Todes“) als Badger’s Drift Primary School fungiert. Als wir am Dorfanger vorbeifuhren, war gerade eine Klasse der Schule dort mit irgendetwas schwer beschäftigt. Die Church Lane endet natürlich…an der Kirche. The Parish Church of All Saints ist wieder von den Location Scouts der Produktionsfirma, die „Midsomer Murders“ herstellt, optimal ausgesucht worden. Die Kirche liegt am Ende des Ortes, so dass man bei den Dreharbeiten kaum gestört werden kann.

Einige Szenen für die Episode 54 „King’s Crystal“ (dt. „Ein Sarg aus China“) wurden im Jahr 2006 in der Dorfkirche gedreht und zwar die Hochzeitszeremonie von Charles und Hilary King, die von den aufgebrachten, entlassenen Arbeitern der Firma King’s Crystal gestört wird.

Und weil sich All Saints so hervorragend für das Filmen der TV-Serie eignete, kam man noch einmal zurück, um hier Teile von Episode 61 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“) zu drehen. Hier fand wieder eine Hochzeit statt; dieses Mal war es der arrogante Sir Edward Fitzroy, der Beth Portous heiratete. Die andere Hochzeit in der gleichen Folge, Cullys und Simons, wurde übrigens nicht hier in Rotherfield Peppard, sondern in St Mary’s in Denham in Buckinghamshire gedreht.

Ich habe mittlerweile im Zuge meiner Barnaby-Spurensuche so viele Kirchen gesehen, dass ich rückblickend schon genau überlegen muss, welche nun welche war, denn viele ähneln sich doch sehr stark.

All Saints in Rotherfield Peppard ist eine jener stillen, romantischen Dorfkirchen, umgeben von alten Grabsteinen, menschenleer. Ich mag diese Stimmung!

In dieser Kirche wurden fanden zwei Midsomer-Hochzeiten statt. Eigenes Foto.

In dieser Kirche fanden zwei Midsomer-Hochzeiten statt.
Eigenes Foto.

All Saints von innen. Eigenes Foto.

All Saints von innen.
Eigenes Foto.

Published in: on 22. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Snowshill Manor in Snowshill (Gloucestershire)

   © Copyright Richard Croft

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Etwa 4 km südwestlich des Cotswolds-Dorfes Broadway in Snowshill liegt das National Trust-Anwesen Snowshill Manor, das 1919 von einem gewissen Charles Paget Wade gekauft wurde, ein Künstler und Dichter, der ein Haus brauchte, in dem er seine riesige Sammlung von Kunstgegenständen unterbringen konnte. An die 22 000 Objekte hatte er im Laufe seines Lebens zusammengetragen wie Möbel, Bilder, Musikinstrumente und alles mögliche andere. „Let nothing perish„, unter diesem Motto stand sein Leben; ein bisschen exzentisch war er schon, der liebe Charles. Da das Manor House von oben bis unten mit seiner Sammlung vollgestopft war, blieb für ihn auch kein Platz mehr, um darin zu wohnen. Er zog stattdessen in ein kleines Cottage, das Priest’s House, das sich auf dem Gelände befindet (und auch zu besichtigen ist).

Wade empfing eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten in Snowshill Manor wie John Betjeman, Virginia Woolf, Graham Greene und J.B. Priestley. Er liebte es, seine Gäste in Verkleidung zu empfangen, wozu er alte Kleidungsstücke aus seiner Sammlung verwendete. Oft erschreckte er sie auch, wenn er plötzlich geräuschlos aus einer der geheimen Türen oder Gänge auftauchte. So verwundert es auch nicht, dass Wade ein Hang zur Magie hatte, dem er in einem speziellen Raum im Obergeschoss des Manor Houses frönte. In „The Witch’s Garret“ waren Objekte der Magie und Hexerei versammelt, die später an das Museum of Witchcraft (ich berichtete in meinem Blog darüber) in Boscastle in Cornwall übergeben   wurden.

Fünf Jahre vor seinem Tod im Jahr 1956 übergab der Exzentriker Snowshill Manor an den National Trust, unter dessen Fittiche sich das seltsame Haus seitdem befindet. Man kann es besichtigen und zwar in diesem Jahr vom 29. März bis zum 3. November, jeweils von Mittwoch bis Sonntag. Der Eintrittspreis liegt bei £10.40 (Haus und Garten).

Dieser Film zeigt Impressionen aus Snowshill und vom Manor House.

Snowshill Manor
Snowshill, near Broadway, WR12 7JU
Tel. 01386 852410

   © Copyright John Darch

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Eigenes Foto des Hausprospekts.

Eigenes Foto des Hausprospekts.

Published in: on 21. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Evelyn Atkins: We Bought an Island

Looe

Vor der Südküste von Cornwall, in Höhe des Ortes Looe, liegt eine kleine Insel, Looe Island oder auch St George’s Island genannt, die etwa 50m aus dem Meer ragt und einen Umfang von 1,5 km hat. Die Insel gehört heute dem Cornwall Wildlife Trust, der ein kleines Besucherzentrum darauf erbaut hat. Mit einem Boot kann man hinüberfahren und sich dann dort zwei Stunden lang „amüsieren“, bis es wieder zurück geht.

Von 1965 bis 2004 war die Insel in privaten Händen; die Schwestern Evelyn und Babs Atkins erfüllten sich 1965 einen Traum und kauften Looe Island. Babs wohnte ganzjährig dort, während ihre Schwester Evelyn, sie war Lehrerin in Looe, anfangs immer nur am Wochenende zu ihr kam. Manchmal, in den Herbst- und Wintermonaten, war die Insel wetterbedingt manchmal tagelang vom Festland abgeschnitten, weil das Verbindungsboot nicht landen konnte. Handys gab es damals noch nicht bzw. sie waren noch nicht so weit verbreitet, so dass die beiden Damen höchstens mit Flaggensignalen auf sich aufmerksam machen konnten.

Evely Atkins starb 1997 im Alter von 87 Jahren; ihre Schwester Babs lebte weiterhin auf Looe Island und starb im Jahr 2004 86jährig. Was die beiden in ihrer „Inselzeit“ so alles erlebt haben, schrieb Evelyn Atkins in ihrem Buch „We Bought an Island“ nieder, das 1976 erschien und mittlerweile in der 15. Auflage vorliegt. Einige Jahre später schrieb sie einen Nachfolgeband „Tales from Our Cornish Island„, der vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen ist.

Es ist schon erstaunlich, dass eine so kleine Insel derart viel Material hergibt, dass noch weitere Bücher über sie geschrieben worden sind, z.B. „The Looe Island Story: An Illustrated History of St. George’s Island“ von Mike Dunn und „Island Life: A History of Looe Island“ von David Clensy.

Evelyn Atkins: We Bought an Island. Polperro Heritage Press 2010. 176 Seiten. ISBN 978-0955954146.

Hier lebten die beiden Schwestern auf der einsamen Looe Island.    © Copyright Paula Goodfellow

Hier lebten die beiden Schwestern auf der einsamen Looe Island.
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Published in: on 20. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Meine Lieblings-Pubs – The Angel in Long Crendon (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Vom Manor House in Long Crendon, in dem wir wohnten, war es ein zehnminütiger Fußweg bis zu The Angel, wo wir unser Abendessen einnehmen wollten. Bei unserem vorletzten Besuch in Long Crendon in Buckinghamshire hatten wir vor, hier ein Pint zu trinken, stellten aber schnell fest, dass es sich beim Angel um einen Gastro-Pub handelt, in dem man nicht mal so eben ein Bier trinkt, und zogen uns damals unverrichteter Dinge wieder zurück.
Dieses Mal also nahmen wir in der Lounge Platz und bestellten dort unser Dinner. Anschließend wurden wir in den Wintergarten geleitet, ein rundum verglaster hübscher Raum, in dem wir unser Menü zu uns nahmen. Eine Besonderheit im Angel sind die drei verschiedenen Sorten Tapas, die man als Vorspeise bestellen kann: Seafood Tapas, Meat Tapas und Vegetarian Tapas.

Classic British dishes with a modern twist“ bekommt man hier von Trevor Bosch vorgesetzt, der gleichzeitig Besitzer und Küchenchef ist. Wer möchte, kann in The Angel auch wohnen; £110 kostet hier das Doppelzimmer.
Ein angenehmes Haus in einer ehemaligen Postkutschenstation aus dem 16. Jahrhundert.

Am Tag darauf wollten wir eigentlich im Nachbarort Easington im The Mole and Chicken essen gehen (was wir dann doch nicht taten). Dieser Pub war wenige Tage vorher außer sich vor Begeisterung, als mittags plötzlich Prince William und Kate in der Tür standen und nach einem Tisch fragten. Der Duke und die Duchess of Cambridge waren auf dem Rückweg von der Hochzeit von Freunden, William Van Custem und Rosie Ruck-Keene, die in Ewelme in Oxfordshire stattfand.
In dem Pub in Easington bestellten sie „Mushroom Risotto“ (William) und „Fish and Chips“ (Kate).
Der überraschende Besuch der beiden in dieser Gegend sprach sich wie ein Lauffeuer in Long Crendon und Umgebung herum!

The Angel Restaurant
47 Bicester Road
Long Crendon
Aylesbury
Buckinghamshire
HP18 9EE
Tel. 01844 208 268

Eigenes Foto.

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Im Wintergarten. Eigenes Foto.

Im Wintergarten.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto der Visitenkarte des Pubs.

Eigenes Foto der Visitenkarte des Pubs.

Published in: on 19. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Strandhütten von Southwold in Suffolk

   © Copyright Rod Allday

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Die Beach Huts, die Strandhütten, spielen im Urlaub der Engländer eine große Rolle. Dicht an dicht stehen sie in den Urlaubsgebieten am Meer, sind oft knallbunt und wenn man eine kaufen möchte: Die Holzhütten sind sehr teuer, wenn man überhaupt eine bekommt. An der Küste von Dorset, las ich einmal, besteht eine Wartezeit von ca 15 Jahren, um eine Hütte zu bekommen und auf der Warteliste stehen an die 1000 Interessenten.

Auch in dem hübschen Southwold an der Küste von Suffolk gibt es diese Ansammlung von bunten beach huts. Der Ort hat sich, ähnlich wie das nicht weit entfernte Aldeburgh, zu einem bevorzugten Seebad für reiche Londoner entwickelt, mit den negativen Folgen wie steigenden Immobilienpreisen und lange Zeit leerstehenden Häusern.

Die Strandhütten in Southwold wurden in den 1960er Jahren gebaut und kosteten damals unter £100. Niemand hätte damit gerechnet, dass der Wunsch, so eine kleine, recht primitive Hütte zu besitzen, einmal so übermächtig werden würde, dass Leute bereit wären, fünfstellige Beträge dafür auszugeben.
Dabei verfügen die kleinen nur wenige Quadratmeter großen Häuschen natürlich über keine Toiletten, sie haben auch keinen Stromanschluss und keine Wasserversorgung. Die meisten haben einen Gaskocher, damit man sich seine Tasse Tee und eine kleine Mahlzeit zubereiten kann. Man kann sich eine beach hut auch mieten, was nicht teuer ist, so um die £150 – 250 pro Woche; dafür bekommt man dann auch Liegestühle, einen Tisch, einen Sonnenschirm plus Geschirr und Besteck. Am Strand verteilt sind „standpipes“, Wasserentnahmestellen, und es gibt auch mehrere Strandcafés, so dass eine Versorgung mit dem Nötigsten gewährleistet ist.
Natürlich sitzt man sich sehr eng auf der „Pelle“, kommt dafür aber mit seinen Nachbarn schnell ins Gespräch.

Wer so eine Hütte selbst besitzen möchte, sollte etwa mit Preisen zwischen £50 000 und £70 000  rechnen, in den bevorzugten Lagen steigen die Preise sogar in den sechsstelligen Bereich.  Um die Interessen der Eigentümer kümmert sich die Southwold Beach Hut Owners Association.

Hier ist ein Film über die beach huts von Southwold, in dem man auch einmal einen Blick in eine Hütte werfen kann.

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Published in: on 18. Juni 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Marlow (Buckinghamshire) und seine Hängebrücke über die Themse

Die Marlow Suspension Bridge und die All Saints Church.    © Copyright Colin Smith

Die Marlow Suspension Bridge und die All Saints Church.
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Am letzten Bank Holiday-Sonntag im Mai waren wir in Marlow, der hübschen, lebhaften Kleinstadt an der Themse in Buckinghamshire. Bei der Einfahrt über die West Street kamen wir auch an Großbritanniens einzigem Pub vorbei, der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet worden ist: The Hand and Flowers. Am Kreisverkehr bogen wir rechts in die High Street ab und fuhren geradeaus weiter über die Marlow Suspension Bridge; die Zufahrt ist auf beiden Seiten der Brücke durch Poller begrenzt, so dass nur Fahrzeuge mit einer maximalen Breite von zwei Metern hindurchpassen. Unser Auto ist 1,98m breit, so dass ich da schon sehr vorsichtig durchfahren musste. Der Zustand der schwarzen Poller zeigte, dass da schon mehrere Autos entlanggeschrammt sind.

Die sehr schöne Hängebrücke über die Themse (auf der anderen Seite von Marlow steht das Hotel The Compleat Angler (s. dazu auch meinen Blogeintrag) wurde von 1829 bis 1832 gebaut und zwar von William Tierney Clark, der u.a. auch die erste Londoner Hammersmith Bridge konstruierte. International bekannt wurde Tierney durch die Budapester Széchenyi-Kettenbrücke, die dort die Donau überspannt. Ich hatte am Fuße dieser Brücke im Rahmen einer Donaukreuzfahrt einmal Station gemacht. Besonders nachts bei Beleuchtung wirkte sie sehr imposant.

Die Marlow Suspension Bridge ist so etwas wie die kleine Schwester der Budapester Brücke. Mitte der 1960er Jahre gab es Pläne, sie abzureißen und durch eine neue zu ersetzen, aber glücklicherweise gab es da erheblichen Widerstand und man investierte stattdessen Geld und renovierte sie.

Auf einem der Brückenpfeiler ist eine Plakette eingelassen auf dem zu lesen steht „Welcome to Marlow“ und darunter „Bridged with Budapest“; auf einem anderen Pfeiler erinnert eine Plakette an den Erbauer  William Tierney Clark und das sowohl in englischer als auch in ungarischer Sprache.

Direkt an der Zufahrt zur Brücke, gegenüber vom The Compleat Angler, steht die All Saints Church, deren Kirchhof bis an die Themse reicht. Ein einzigartiges Panorama!

Blick von der Brücke zum Compleat Angler-Hotel. Eigenes Foto.

Blick von der Brücke zum Compleat Angler-Hotel.
Eigenes Foto.

Der Friedhof der All Saints Church direkt neben der Brücke. Eigenes Foto.

Der Friedhof der All Saints Church direkt neben der Brücke.
Eigenes Foto.

Published in: on 17. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Vergessene Krimiautoren – Joyce Porter (1924-1990)

Meine Sammlung von Joyce Porter-Krimis. Eigenes Foto.

Meine Sammlung von Joyce Porter-Krimis.
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Wenn man in einem Ort namens Marple (früher Cheshire, jetzt Greater Manchester) geboren wird, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man…Krimiautorin wird. Das trifft zumindest auf Joyce Porter zu, die hier am 28. März 1924 zur Welt kam. In Macclesfield besuchte sie die High School for Girls, anschließend das King’s College in London. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1963 arbeitete sie als Flight Officer bei der Royal Air Force. Dann begann sie ein neues Leben als Krimiautorin und schuf drei Charaktere, die man als „Anti-Helden“ bezeichnen kann.

Da ist einmal Inspector Wilfred Dover von Scotland Yard, einer der unappetitlichsten und unsympathischsten Polizeibeamten, die jemals für den Yard gearbeitet haben. Dover stolpert irgendwie durch die ihm übertragenen Fälle, die er erstaunlicherweise, unter massiver Unterstützung durch „Kommissar Zufall“,  lösen kann. In dem wunderschönen, von Dilys Winn herausgegebenen Buch „Murderess Ink: The Better Half of the Mystery“ (New York 1979) wird Winfred Dover sehr zutreffend so beschrieben: „…a sleuth with the brains of Watson, the belly of Gideon Fell and the teeth of Mortimer Snerd„. Zur Erklärung: Dr. John H. Watson ist der Freund und ständige Begleiter von Sherlock Holmes; Dr. Gideon Fell ist der korpulente Serienheld von John Dickson Carr; Mortimer Snerd war eine der Puppen des amerikanischen Bauchredners Edgar Bergen, die hervorstehende Zähne hatte.

Zehnmal ließ Joyce Porter Inspector Dover in ihren Romanen auftreten, zusätzlich noch einige Male in Kurzgeschichten, die in diversen Kriminalmagazinen wie z.B. in Ellery Queen’s Mystery Magazine, abgedruckt wurden. Ich habe die Romane mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn Joyce Porter manchmal zu dick aufgetragen hat und über das Ziel hinausschoss.

Die zweite Serienfigur ist eine Amateurdetektivin namens Honourable Constance Ethel Morrison-Burke, kurz Hon-Con, eine energiegeladene Dame: „She went at everything like a bull at a gate„; so wird sie in dem Krimi „Rather a Common Sort of Crime“ (dt. „Schwere Jungs und zähe Jungfern“) charakterisiert. Auch die Hon-Con zeichnet sich nicht gerade durch ihre detektivischen Fähigkeiten aus, eher durch Taktlosigkeit und rüdes Auftreten.

Serienfigur Nummer Drei ist Geheimagent Eddie Brown, der sich z.B. in dem Roman „Neither a Candle nor a pitchfork“ mit dem russischen KGB herumschlagen muss. Einer der Höhepunkte des Buches ist die Szene, in der Eddie, der sich als Frau verkleidet hat, sich den Annäherungsversuchen einer lesbischen russischen Beamtin erwehren muss.

Joyce Porters Krimis leben von ihren skurrilen Figuren und von der manchmal überzogenen, derben Situationskomik. Wer so etwas mag, der wird seine Freude an den Büchern haben.

In Deutschland sind alle Übersetzungen vom Markt verschwunden; die meisten von Joyce Porters Romanen erschienen in den 1960er Jahren in der Reihe „rororo-thriller“ des Rowohlt-Verlages. In England gibt es nur noch einige wenige Krimis im Buchhandel zu kaufen; da muss man schon auf die antiquarischen Angebote zurückgreifen.

Joyce Porter wohnte die letzten Jahre ihres Lebens in einem hübschen Reetdachhaus in der Sand Street in Longbridge Deverill, das ist ein Dorf an der A350, südlich von Warminster in Wiltshire.

Die Stockport Road in Marple; in dieser Stadt wurde Joyce Porter geboren.    © Copyright David Dixon

Die Stockport Road in Marple; in dieser Stadt wurde Joyce Porter geboren.
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Die Sand Street in Longbridge Deverill (Wiltshire). Hier wohnte Joyce Porter.    © Copyright Maurice Pullin

Die Sand Street in Longbridge Deverill (Wiltshire). Hier wohnte Joyce Porter.
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Published in: on 16. Juni 2013 at 02:00  Comments (4)  
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Musikvideo – T’Pau: Secret Garden

Carol Decker von T'Pau. Author: Thomas Riggs. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Carol Decker von T’Pau.
Author: Thomas Riggs. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Eine meiner Lieblingsbands der 1980er Jahre war T’Pau, die sich 1986 in Shropshire formierte und sich nach einigen internationalen Charterfolgen 1991 auflöste. T’Pau benannte sich nach einer Figur aus der Science Fiction-Serie „Star Trek“. Die 1957 in der Region Liverpool geborene Carol Decker war die Leadsängerin der Band und zusammen mit ihrem Partner Ronnie Rogers schrieb sie die meisten Songs der Band. „China in You Hand“ aus dem Jahr 1987 war der größte Erfolg von T’Pau; das Lied erreichte Platz 1 der britischen Charts und Platz 2 in Deutschland.

Mein Lieblingssong der Gruppe ist „Secret Garden“ aus ihrem Album „Rage“ (1988), nicht zuletzt wegen des Musikvideos, das im Jubilee Maze in Symonds Yat (Herefordshire) bei Ross-on-Wye aufgenommen wurde. Der Irrgarten umfasst etwa einen Kilometer Hecke und wurde 1977 von den Brüdern Lindsay und Edward Heyes gestaltet, zu Ehren des 25jährigen Thronjubiläums von Königin Elisabeth II.  In der Mitte des Jubilee Mazes steht ein Tempel.Wer sich selbst einmal darin verlaufen möchte, der Irrgarten ist ganzjährig geöffnet und kostet £3.75 Eintritt.

In dem Video ist Carol Decker in einer Doppelrolle zu sehen; auf ihrem Weg durch den Irrgarten trifft sie auf allerlei kuriose und skurrile Gestalten.

Eine kleine Bemerkung am Rande: 2006 übernahmen Carol Decker und ihr Ehemann Richard Coates den 400 Jahre alten Cherry Tree Inn in Stoke Row (Buckinghamshire) bei Henley-on-Thames, den sie Ende 2011 wieder schlossen. Das Haus ist inzwischen wieder geöffnet und gehört heute den Betreibern des Little Angel in Henley.

Hier ist das Musikvideo „Secret Garden“ von T’Pau zu sehen.

Hier im Jubilee Maze in Symonds Yat wurde "Secret Garden" gedreht.    © Copyright Bob Jenkins

Hier im Jubilee Maze in Symonds Yat wurde „Secret Garden“ gedreht.
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Published in: on 15. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Der Seven Seas Fish Trail in Hull (East Yorkshire)

Der "Cod" (Kabeljau) am Beverley Gate.    © Copyright Eirian Evans

Der „Cod“ (Kabeljau) am Beverley Gate.
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„Find the Fish, Explore the City“ heißt es in Hull im Osten der Grafschaft Yorkshire. Der City Council von Hull hatte 1992 die Idee, die Stadt ein Stückchen attraktiver zu machen, indem ein selbstgeführter Rundgang, der Seven Seas Fish Trail, mit Hilfe von in das Straßenpflaster eingelegten Fischen eingerichtet wurde. Man beauftragte den Künstler Gordon Young, der 41 verschiedene Fischarten in ihrer Originalgröße kreierte und diese auf dem Rundgang unterbrachte. Der kleinste Fisch ist eine Sardelle, der größte ein über drei Meter langer Rochen. Dem Ganzen gab man noch einen witzigen Touch, indem man einige Fische an besonderen Orten platzierte. Am Marktplatz, dem „Market Place“, wurde eine „Plaice“ (Scholle) positioniert, an einer Umspannstation ein „Electric Eel“ (Zitteraal) und vor einer Bank ein „Shark“ (Hai).

Mehr als 400 000 Menschen haben den Seven Seas Fish Trail schon „bewältigt“, der am Touristenbüro beginnt. Dort bekommt man eine kleine Karte ausgehändigt, in der die Standorte der Fische eingezeichnet sind. Wer möchte kann an einigen der Fischen auch das in England so beliebte Brass Rubbing durchführen (Brass Rubbing = Durchpausen eines Bildes auf einer Messingplatte). Das dafür benötigte Werkzeug erhält man ebenfalls im Touristenbüro in der Paragon Street.

Die Tour beginnt vor dem Rathaus; dort ist ein Schwarm von 36 kleinen Sardellen eingelassen. Die letzte Station mit der Nummer 41 ist am Whitefriargate; dort findet man den Zander. Gesponsert wurde die originelle Touristenattraktion, die auch bei Kindern sehr beliebt ist, von der ortsansässigen Firma Seven Seas, die Nahrungsergänzungsmittel herstellt.

Hier ist der Fish Trail im Film zu sehen.

Published in: on 14. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Die Bray Studios an der Themse in Berkshire

Die Bray Filmstudios.    © Copyright Chris Allen

Die Bray Filmstudios.
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Direkt neben einem meiner Lieblingshotels, dem Oakley Court Hotel, westlich von Windsor, liegen die Bray Studios. Zu erreichen sind sie über einen kleinen Privatweg rund 100m vom Hoteleingang entfernt. Die Zukunft der Studios, in denen im Lauf der Jahrzehnte zahlreiche Filme gedreht wurden, ist ungewiss, denn die Konkurrenz anderer Filmstudios im Westen von London (z.B. Pinewood) ist groß. Es gibt Überlegungen, einen Teil der  Gebäude in Wohnungen umzugestalten und den Rest abzureißen, aber es hat sich auch eine Gruppe von Unterstützern der Studios gefunden („Save Bray Studios“), die es nicht hinnehmen wollen, dass das „House of Horror“ einfach so aufgegeben wird.

Berühmt wurden die Studios an der Themse in den 1950er und 1960er Jahren durch die Produktion von Horrorfilmen. Die Hammer Film Productions drehten hier zahllose Filme mit den damaligen Stars der Branche wie Christopher Lee und Peter Cushing, aber auch viele andere Schauspieler gingen hier ein und aus: Oliver Reed, Donald Sutherland, Ursula Andress, Joan Collins, Bette Davis, Raquel Welch, um nur einige zu nennen.

Die Bray Studios griffen für ihre Filme häufig auf das benachbarte Oakley Court zurück, das sich für Horrorfilme geradezu anbot. Im Gang von der Rezeption zum Restaurant des heutigen Oakley Court Hotels hängen einige Filmposter der hier gedrehten Filme: The Curse of Frankenstein (1957), Dracula (1958), The Old Dark House (1963), The Rocky Horror Picture Show (1975) usw. usw.

Auch einen der Filme mit den aufmüpfigen Schulmädchen von St Trinians drehten die Bray Studios im Oakley Court: „The Wildcats of St Trinians“ (1980). Hier ein Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten.

Beliebt waren die Studios auch bei Rockmusikern, die hier gern vor Beginn ihrer Tourneen probten. Zu Gast waren auf dem Gelände an der Themse z.B. Eric Clapton, Led Zeppelin, Phil Collins, Status Quo, George Harrison, Amy Winehouse und die Kings of Leon.

Es soll mehrere Interessenten gegeben haben, die die Studios übernehmen wollten, aber wie es momentan aussieht, will der Besitzer des Geländes die Gebäude umbauen bzw. abreißen.

Dieser Film aus dem Jahr 2007 zeigt wie es auf dem Studiogelände aussieht.

Oakley Court Hotel. Eigenes Foto.

Oakley Court Hotel.
Eigenes Foto.

Filmplakate im Hotel. Eigenes Foto.

Filmplakate im Hotel.
Eigenes Foto.

Published in: on 13. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Dinton (Buckinghamshire)

St Peter & St Paul in Dinton. Eigenes Foto.

St Peter & St Paul in Dinton.
Eigenes Foto.

Nicht weit von der A418 entfernt, die Aylesbury mit Thame verbindet, liegen sie alle aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, die Drehorte der TV-Serie „Inspector Barnaby“: Long Crendon, Cuddington, Nether Winchenden auf der einen Seite, Haddenham, Westlington und Dinton auf der anderen Seite.

Über Westlington schrieb ich erst vor kurzem; Dinton geht fast nahtlos in dieses Dorf über, verbunden durch die Upton Road. Beide Orte eignen sich ideal für Filmarbeiten, da dort nur wenig Autoverkehr herrscht und man Absperrungen vornehmen kann, ohne dass es zu größeren Problemen führt. Die Location Scouts haben da gute Arbeit geleistet.

Bisher war das Midsomer Murder-Filmteam nur einmal in Dinton zu Gast und zwar für Episode 17 „Who Killed Cock Robin?“ (dt. „Leichen leben länger“). Dafür diente die St Peter & St Paul’s Church als Hintergrund für Julie Stockards Trauungszeremonie am Ende des Films. Also sah ich mir die Kirche und den Kirchhof einmal genauer an. Der Grundstein für St Peter & St Paul wurde schon im 13. Jahrhundert gelegt: der Turm wurde erst später, im Jahr 1415, hinzugefügt. Es ist eine richtig schöne Country Church, sehr ruhig, keine Menschenseele war zu sehen, der Wind rauschte durch die Bäume, die die uralten Grabsteine überdachten. Eine wirklich in Erinnerung gebliebene Stimmung.
In diesem Film sind die Bellringer von St Mary & St Peter am Werke.

Direkt neben der Kirche liegt die von Mauern umgebene Dinton Hall, ein beeindruckendes Gebäude, das in den letzten Jahren wieder zu altem Glanz gefunden hat. Die Hall ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Im 17. Jahrhundert lebte im Ort ein gewisser John Biggs, The Dinton Hermit, also der Einsiedler von Dinton. Biggs ist möglicherweise der Henker gewesen, der Charles I ins Jenseits beförderte. Er soll diese Handlung so sehr bereut haben, dass er sich nach Dinton zurückzog und dort in einer Höhle als Eremit lebte. Die Dorfbewohner hielten ihn am Leben, indem sie ihn mit dem Nötigsten versorgten. Seine zusammengeflickten Schuhe sind erhalten geblieben, einer davon ist im Ashmolean Museum in Oxford zu finden, der andere soll in Dinton Hall aufbewahrt sein.

Im Nachbarort Ford gibt es den Dinton Hermit Inn, in dem man auch übernachten kann.

Hier heiratete Isobal Stockard. Eigenes Foto.

Hier heiratete Julie Stockard.
Eigenes Foto.

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Eigenes Foto.

Die Sissinghurst Castle Gardens in Kent – Fest eingeplante Station bei allen Busrundreisen durch Südengland

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Sissinghurst Castle Gardens in Kent gehören zu den beliebtesten Attraktionen, die der Süden Englands zu bieten hat. Keine Busrundreise, die diese auch wirklich sehenswerten Gärten auslässt. Wir waren an einem Sonntagmittag vor drei Wochen dort und der Parkplatz war voll, auch einige Reisebusse aus Deutschland hatten sich eingefunden. Das Granary Restaurant und das Old Dairy Café waren komplett besetzt, so dass unser Lunch ausfallen musste (kurz vorher mussten wir auch das nahegelegene The Three Chimneys mit leerem Magen verlassen, da deren Tische alle vorgebucht worden waren).

Aber egal: Die Gartenanlagen entschädigten uns dafür. Was Vita Sackville-West und ihr Ehemann Harold Nicolson in den 1930er Jahren da gartenplanerisch auf die Beine gestellt haben, ist schon beeindruckend. Jeder Teil der Castle Gardens ist anders in der Gestaltung, der Bepflanzung, der Farben und der Düfte. Um die Pflege der Anlage kümmern sich acht fest eingestellte Gärtner, die von freiwilligen Helfern unterstützt werden.

Der Turm von Sissinghurst ist zu besichtigen, aber manchmal so voll, dass es auf der Wendeltreppe eng werden kann, wenn sich die auf- und absteigenden Besuchermassen aneinander vorbeizwängen (und nicht ganz ungefährlich!). Dafür hat man, oben angekommen, eine sehr schöne Aussicht auf das Umland.

Mein Favorit in den Sissinghurst Castle Gardens ist das South Cottage, von dem ich einige Fotos gemacht habe, eines davon ist unten zu sehen. Das Erdgeschoss hatte sich seinerzeit Harold Nicolson als Werkstatt eingerichtet, während Vita Sackville-West ihr Schlafzimmer im ersten Stock hatte.

Wer sich näher mit den Gärten, die dem National Trust gehören, beschäftigen möchte, der kann auf einige Bücher zurückgreifen, die darüber geschrieben worden sind; in deutscher Übersetzung z.B. „Sissinghurst. Der schönste Garten Englands“ von Tony Lord (vergriffen, aber problemlos über Online-Händler zu bekommen) oder „Sissinghurst: Portrait eines Gartens“ von Vita und Harold selbst geschrieben (ebenfalls im Buchhandel vergriffen; zahlreiche Angebote z.B. bei Amazon Marketplace).

Ich belasse es hier bei diesen wenigen Informationen, denn es ist schon viel an anderer Stelle über die Gärten gesagt worden. Ein Besuch lohnt sich immer, egal zu welcher Jahreszeit!

Hier ist ein Film über die Gärten.

Das South Cottage. Eigenes Foto.

Das South Cottage.
Eigenes Foto.

Der Turm. Eigenes Foto.

Der Turm.
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Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

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Published in: on 11. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Santon Bridge (Cumbria) – The World’s Biggest Liar Competition

Hier treffen sich alljährlich im November die größten Lügner der Welt.    © Copyright Alexander P Kapp

Hier treffen sich alljährlich im November die größten Lügner der Welt.
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Als ich vor einigen Tagen in meinem Blog über Wastwater in Cumbria schrieb, fiel mir ein, dass es ganz in der Nähe einen ganz witzigen Wettbewerb gibt, über den ich noch gar nicht berichtet habe: The World’s Biggest Liar Competition in Santon Bridge (Cumbria).

Alljährlich im November treffen sich die größten Lügner der ganzen Welt im Bridge Inn, um hier vor einem Publikum ihre „verlogenen Geschichten“ loszuwerden. Die ganze Sache geht zurück auf einen gewissen Will Ritson, der im 19. Jahrhundert einen Pub im Wasdale im Lake District betrieb. Will unterhielt seine Kunden immer gern mit folkloristischen Geschichten aus der näheren Umgebung. Er bestand darauf, dass seine Stories echt waren, aber natürlich war das meiste davon erstunken und erlogen (was einige seiner Pubbesucher nicht immer mitbekamen). Will Ritson wurde so zum größten Lügner der Welt, und die Teilnehmer des Wettbewerbs, den man ihm zu Ehren ins Leben rief, müssen beweisen, dass sie dem großen Will das Wasser reichen können.

Eine der in Erinnerung gebliebenen Lügengeschichten des großen Meisters war die von den Rüben im Wasdale, die so groß wurden, dass man sie, nachdem sie ausgehöhlt und verspeist worden waren, weiterhin als Schafställe verwenden konnte.

Doch was einst ein lokaler Wettbewerb unter Cumbrians war, hat sich zu einem nationalen und internationalen Wettstreit mit einem Hang zur Kommerzialisierung entwickelt, was die Einheimischen gar nicht gut finden. Als im Jahr 2005 ein Südafrikaner im Bridge Inn zum Sieger ausgerufen wurde, intonierten die „locals“ spontan die patriotische Hymne „Rule, Britannia“.

Jeder Wettbewerbsteilnehmer hat fünf Minuten Zeit für seine Lügengeschichte. An dieser Weltmeisterschaft dürfen übrigens Politiker und Rechtsanwälte nicht teilnehmen, weil sie so viel Erfahrung mit Lügen haben, dass sie allen anderen gegenüber damit im Vorteil wären.

Wie das beim World’s Biggest Liar Competition im Bridge Inn so zugeht, zeigt dieser Film.

Goudhurst – Eines der hübschesten Dörfer in Kent

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Wie idyllisch könnte Goudhurst in Kent sein, wenn da nicht die A262 wäre! Wir waren an einem frühen Sonntagnachmittag da und der Verkehr wälzte sich durch die enge Hauptstraße, an der auch noch viele Autos geparkt waren. Zu allem Überfluss fand an dem Tag noch ein Fahrradrennen statt, das quer durch den Ort führte.

Wenn man diesen starken Verkehr einmal ausblendet, ist Goudhurst durchaus ein Anwärter auf einen der Spitzenplätze der Premier League der schönsten Dörfer Kents. Am oberen Ende der High Street, die in die Church Road übergeht, steht St Mary the Virgin, eine uralte Kirche, deren Anfänge bis in das frühe 12. Jahrhundert zurückgehen. Die Tür der Kirche steht jeden Tag offen, so dass man sie sich ansehen kann (was nicht immer der Fall in England ist). Umgeben wird St Mary vom Kirchof mit alten Gräbern, der bis an das wunderschöne Hotel The Star and Eagle reicht; auch dieses Hauses kann auf eine mehr als 600jährige Geschichte zurückblicken. Einst war es das Hauptquartier der Räuberbande The Hawkhurst Gang, die die Umgebung unsicher machte; heute ist es ein angenehmes Hotel mit einer tollen Fassade und schönen Zimmern. Wenn man sich diesen Teil von Kent einmal näher ansehen möchte, bietet sich The Star and Eagle als Standort an. Die Sissinghurst Castle Gardens sind ganz in der Nähe, und wer gern einmal ein Weingut besuchen will, der kann das z.B. in Lamberhurst tun.

In der Mitte von Goudhurst am Village Green liegt der kleine idyllische Dorfteich, direkt angrenzend das italienische Restaurant La Zia Maria (mittlerweile geschlossen!) mit einer kleinen Terrasse. Gegenüber steht eines jener für Kent so typischen Hopfenhäuser mit der abgeknickten Dachspitze. In einer kleinen Gasse fanden wir ein Cottage, das von einem üppig blühenden Garten umgeben war.

Goudhurst ist viel zu schön, als dass man mit dem Auto, ohne anzuhalten, einfach hindurchfährt!!

St Mary the Virgin. Eigenes Foto.

St Mary the Virgin.
Eigenes Foto.

The Star and Eagle. Eigenes Foto.

The Star and Eagle.
Eigenes Foto.

...und weil das Hotel so schön aussieht, hier noch einmal ein Bild. Eigenes Foto.

…und weil das Hotel so schön aussieht, hier noch einmal ein Bild.
Eigenes Foto.

Published in: on 9. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wastwater (Cumbria) – Britain’s Favourite View

Blick auf Wastwater im Lake District.    © Copyright Ian Greig

Blick auf Wastwater im Lake District.
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Es ist zwar schon einige Jahre her, dass der britische Fernsehsender ITV in einer mehrteiligen Sendung „Britain’s Favourite View“ suchte, doch das Ergebnis dürfte auch heute noch gültig sein.

In der 2007 ausgestrahlten Sendereihe stellten 16 Prominente ihre persönlichen „Best Views“ vor und die Fernsehzuschauer stimmten jeweils darüber ab, welche „Beste Aussicht“ ihr Favorit war. In der letzten Sendung, in der vier Finalisten übriggeblieben waren, wurde schließlich der Sieger gekürt: Es war Wastwater im Lake District, präsentiert von Sally Whittaker, einer der Darstellerinnen in der Dauerbrenner-Soap „Coronation Street“ (die seit 1960 auf ITV läuft). Ihr Urteil über den See bzw. über den Ausblick: „This landscape has fired up the imaginations of painters, poets and climbers over the centuries. And it’s not lost any of its power to surprise, charm and thrill us today.“

Wastwater ist mit knapp 80m Tiefe der tiefste See Englands und liegt im Lake District, der an Naturschönheiten sowieso jede Menge zu bieten hat. Englands höchster Berg liegt gleich nebenan, der Scafell Pike (978 Meter). Wastwater ist im Besitz des National Trusts.

Vor einigen Jahren machte der See von sich reden, als mehrere Taucher darin ums Leben kamen. Sie waren auf der Suche nach dem sogenannten „Gnome Garden„, Gartenzwerge, die man auf dem Seegrund aufgestellt hatte. Die Taucher hielten sich offensichtlich zu lange in der Tiefe des Sees mit der Suche auf. Die Zwerge wurden aus Sicherheitsgründen wieder entfernt, aber es hält sich nach wie vor das Gerücht, das man sie erneut, aber noch tiefer aufgestellt hat.

Wasser aus dem See wird u.a. auch zu der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Sellafield geführt, die nicht weit entfernt liegt.

Hier ein kurzer Film über Wastwater.

...und noch einmal der See aus einer anderen Perspektive.    © Copyright Ian Greig

…und noch einmal der See aus einer anderen Perspektive.
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Published in: on 8. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Thetford (Norfolk) und die Portugiesen

Die White Hart Street in Thetford.    © Copyright Stephen McKay

Die White Hart Street in Thetford.
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Thetford in Norfolk darf sich rühmen, der Geburtsort von Thomas Paine zu sein, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten; man ehrt ihn mit einer Statue vor der Town Hall, es gibt ein Thomas Paine Hotel und eine Thomas Paine Avenue.

Was in der Stadt besonders auffällt, sind die Geschäfte und Lokale mit portugiesischem Bezug. 25 – 30% der Bewohner Thetfords kommen aus Portugal, was sicher in Großbritannien ein Rekord darstellt. Nachdem Portugal in die EU aufgenommen worden war, konnten sich auch die Bewohner dieses Landes frei auf dem europäischen Arbeitsmarkt bewegen. Der portugiesischen Wirtschaft ging es damals in den 1980er Jahren schlecht, die Löhne waren niedrig und das Wachstum gering. Also machten sich viele Arbeitssuchende nach England auf, wo man billige Arbeitskräfte gut gebrauchen konnte (für Arbeiten, die die Einheimischen nicht machen wollten). In Thetford und Umgebung gab es mehrere große Fabriken, die einen Teil der portugiesischen Arbeiter aufnahmen wie die fleischverarbeitende Firma Tulip, die Firma Jeyes, die Reinigungsmittel herstellt, und die Thermos Company, die mit den Thermosflaschen. Tulip und Thermos haben die Produktionsstätten in Thetford mittlerweile aufgegeben, aber viele Portugiesen sind geblieben.

In der Stadt wird die portugiesische Zeitung „as notícias“ (The news) hergestellt, in der White Hart Street gibt es das Arco-Iris Delicatessen & Café, in der man Produkte as Portugal kaufen und essen kann usw.

Es gab aber auch einmal Spannungen zwischen Engländern und Portugiesen, die sich, wie sollte es anders sein, an einem Fußballspiel entzündeten. Im Jahr 2004 fanden die Europameisterschaften in Portugal statt und eines der Viertelfinalspiele hieß: Portugal gegen England, das die Portugiesen im Elfmeterschießen gewannen. Aus Frust über das verlorene Spiel griffen über 200 einheimische gewaltbereite Rassisten den Red Lion Pub an, der von drei Portugiesen geführt wurde und in dem sich viele Zugereiste aufhielten, um sich das Fußballspiel anzusehen. Die Polizei brauchte zwei Stunden, um den Mob aufzulösen; es gab eine Reihe von Verletzten unter den Portugiesen, darunter auch Frauen und Kinder.

Published in: on 7. Juni 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Lieblings-Pubs – The Crown in Bray (Berkshire)

The Crown in Bray. Eigenes Foto.

The Crown in Bray.
Eigenes Foto.

Der englische Star-/Sternekoch und Meister der Molekularküche Heston Blumenthal hat die High Street von Bray in Berkshire kulinarisch fest im Griff. Neben seinem Flaggschiff, dem 3*-Restaurant The Fat Duck, liegt nur einige Meter entfernt sein The Hind’s Head, das in diesem Jahr erstmals  mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden ist. Wartezeiten für die „Fette Ente“ liegen jenseits von 8 Wochen, auch das Nachbarrestaurant war am 25. Mai, als wir uns in Bray aufhielten, ausgebucht. So entschieden wir uns für Blumenthals drittes Haus an der High Street The Crown (buchten aber dafür auch schon 14 Tage im voraus).

The Crown wurde im 16. Jahrhundert erbaut und verfügt im Inneren über dicke Eichenbalken und niedrige Decken, also das was englische Pubs so gemütlich macht. Von einem „normalen“ Pub kann man aber hier nicht mehr sprechen, seitdem Heston Blumenthal das Haus im Jahr 2010 übernommen hat. Es ist ein Gastro-Pub geworden, in dem das Essen im Mittelpunkt steht.

Ich hatte zum Abendessen als Vorspeise „Potted Smoked Mackerel, Cornichons, Char-grilled Bread“ und als Hauptgang „Roasted Fillet of Hake, Hake ‘Fishcake’, Garden Peas, Lemon and Tomato with / without Cheese and Fries„. Meine Frau bestellte „‘Big Apple Hot Dog Co’, Crown Hot Dog„. Die Spuren des Meisterkochs waren vor allem in der Anrichtung der Speisen auf den Tellern zu sehen. Wir genossen den Abend in The Crown sehr. Der Garten des Pubs, in dem man auch essen kann, war an dem schönen, warmen Abend voll besetzt. Ein großer Parkplatz hinter dem Haus kommt sehr gelegen, da das Parken auf der engen High Street kaum möglich ist.

Es geht das Gerücht um, das Heston Blumenthal The Crown übernommen hat, bevor sein Lehrmeister, der Londoner Sternekoch Marco Pierre White, zuschlagen konnte, denn der hatte wohl Interesse daran. So bleibt Blumenthals Hauptkonkurrent im Ort Alain Roux mit seinem 3*-Restaurant The Waterside Inn, wunderschön idyllisch an der Themse gelegen. Seit über 25 Jahren kann sich Roux mit seinen drei Michelin-Sternen brüsten.

Heston Blumenthals The Hinds Head. Eigenes Foto. Eigenes Foto.

Heston Blumenthals The Hinds Head in Bray.
Eigenes Foto.

....und das Flaggschiff The Fat Duck. Eigenes Foto.

….und das Flaggschiff The Fat Duck.
Eigenes Foto.

Die Konkurrenz an der Themse in Bray: Alain Roux' The Waterside Inn. Eigenes Foto.

Die Konkurrenz an der Themse in Bray: Alain Roux‘ The Waterside Inn.
Eigenes Foto.

Published in: on 6. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Wigan (Greater Manchester) – George Orwell und ein Fußballclub

Der Leeds and Liverpool Canal in Wigan.    © Copyright David Dixon

Der Leeds and Liverpool Canal in Wigan.
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George Orwell machte die Stadt Wigan, westlich von Manchester, durch seine Sozialreportage „The Road to Wigan Pier“ (dt. „Der Weg nach Wigan“) auch international bekannt. Mitte der 1930er Jahre bereiste der Schriftsteller die Industrieorte im Norden Englands und machte auch in der Arbeiterstadt Wigan Station. Dort waren viele Bergleute arbeitslos und die Lebensbedingungen in der Stadt waren zum Teil katastrophal.
Wigan liegt nicht am Meer, was  man vielleicht aus dem Buchtitel schließen könnte; die Wigan Pier soll einmal eine Kohlenverladestation am Leeds and Liverpool Canal gewesen sein, die Ende der 1920er Jahre abgerissen wurde.

Wigan gilt auch heute noch als Sinnbild des hässlichen nordenglischen Industriegebietes, wogegen die Stadt natürlich angehen möchte. Zurzeit entsteht am Kanal das Wigan Pier Quarter, das den Ort auch für den Tourismus attraktiver machen soll. Ein Umstrukturierungsprogramm, in das Gelder aus dem Heritage Lottery  Fund und dem European Regional Development Fund fließen, erweist sich dabei als sehr hilfreich.

Wer sich für die Geschichte der Industriestadt interessiert, kann sich darüber in The Museum of Wigan Life in der Library Street informieren. Die Wigan Tourist Information bietet geführte Touren durch die Stadt an, bei der man z.B. auch die Wigan Reference Library gezeigt bekommt, in der George Orwell damals für sein Buch recherchiert hat. Es tut sich einiges in Wigan!

Vor wenigen Wochen sorgte der Name der Stadt in den englischen Medien für Schlagzeilen, denn am 11. Mai schaffte der örtliche Fußballverein, Wigan Athletics, die Sensation: Er gewann den FA Cup und zwar gegen den haushohen Favoriten aus der Nachbarstadt, Manchester City. Das war der mit Abstand größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. In der Tabelle der Premier League liegen „The Latics“ allerdings ganz weit unten, auf Platz 18; nur Reading und die Queens Park Rangers stehen noch schlechter da. Hier sind einige Höhepunkte aus dem FA Cup Match zu sehen.
Das Stadion des Clubs ist das DW Stadium, benannt nach dem Hauptsponsor DW Sports Fitness. Die Firma und auch der Club gehören David Whelan, einem Geschäftsmann und ehemaligen Fußballspieler, der in den 1950 und 1960er Jahren bei den Vereinen Blackburn Rovers und Crewe Alexandra Football Club spielte.

Die Sensation des Pokalgewinns gibt vielleicht der Stadt Wigan zusätzlich Auftrieb und lockt weitere Touristen an.

Das DW Stadium, Heimat des Wigan Athletics Fußballclubs.    © Copyright Gareth Dawkins

Das DW Stadium, Heimat des Wigan Athletics Fußballclubs.
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Long Crendon Manor (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Ich bin zwar schon einige Male in Long Crendon gewesen, einem sehr hübschen Dorf in Buckinghamshire, hatte aber noch nie im Long Crendon Manor gewohnt, was ich in der vorletzten Woche nachholte. Für zwei Nächte blieben wir in dem wunderschönen alten Tudorhaus, das von Sue Soar nicht als Hotel, sondern als B&B geführt wird. Sie vermietet pro Nacht meist nur 2 bis 3 Zimmer. Mir hat das Manor House schon in den drei Inspector Barnaby-Folgen, die hier gedreht wurden, sehr gut gefallen.

Wir kamen gegen 16.30 Uhr an und wurden von Sue sehr nett mit einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen empfangen. Zum Empfangskomitee gehörte auch Coco, der liebenswerte Bernhardiner, zu dem sich später Charly, der zweite Hund des Hauses, gesellte. Dann bekamen wir eine kleine Führung durch Long Crendon Manor und wurden in unser Zimmer geleitet, das aus dem Schlafraum, einem Ankleideraum und dem nur durch Vorhänge getrennten Badezimmer bestand.

Das Frühstück, von Sue zubereitet, wurde in einem der Räume serviert, die wir schon aus der Barnaby-Serie kannten. Am ersten Tag unseres Aufenthaltes kam eine Busgesellschaft zum Tee ins Manor House…bestehend aus Barnaby-Fans, geführt von Antony Richards, dem Herausgeber des Buches „Midsomer Murders on Location„, also einem Spezialisten für die Drehorte der Serie.

Kurz bevor wir Long Crendon Manor verließen, erzählte Sue uns noch von einem Anruf, den sie gerade eben erhalten hatte: Eine Anfrage der Midsomer-Produktionsfirma nach einem weiteren Dreh im Haus. Ich kann das Manor House für einen Aufenthalt sehr empfehlen. Ein Tipp: Bei der Ankunft am Haupteingang an einer Klingelschnur (!) ziehen, die hatte ich nämlich übersehen und musste erst anrufen, damit uns jemand die Tür öffnete.

Man erreicht Long Crendon Manor über die Frogmore Lane, die von der Hauptstraße am Square abgeht, dann durch den (bekannten) Torbogen am Ende der Straße links auf den Innenhof fahren.

Zum ersten Mal wurde das Haus in Folge 14 „Garden of Death“ (dt. „Der Garten des Todes“) als Drehort genutzt. Die Inkpens, Großmutter, Mutter und die zwei Töchter, wohnten darin. Die Aufnahmen des Gartens stammen übrigens nicht von hier, die wurden nach Auskunft von Sue irgendwo anders gedreht (obwohl Long Crendon Manor auch über schöne Gartenanlagen verfügt!).

Im Jahr 2004 kam das Produktionsteam wieder und drehte hier Episode 36 „Things That Go Bump in the Night“ (dt. „Nachts, wenn du Angst hast“). Die vermeintliche Hellseherin Rosetta Price residiert in dem Haus und dieses Mal, so Sue, wurden die kompletten Innenaufnahmen auch im Manor gedreht (die Stühle, auf denen die Anhänger des Mediums saßen, waren unsere Frühstücksraumstühle).

Schließlich rückte DCI Barnaby plus Team noch einmal für Folge 55 „The Axeman Cometh“ (dt. „Mord mit Groove“) an. Eine Gruppe von Rockmusikern zieht in das Manor House ein und der Cadillac von Nicky Harding, einer der Musiker, wird im dortigen Pool versenkt (mit Nicky an Bord). Den Pool gibt es wirklich; er ist gleich hinter der Gartenpforte zu finden (mein eigener Caddy stand nur ca 10m von dem Pool entfernt, ich fürchtete Schlimmes…).

Während meines Aufenthaltes in Long Crendon ging ich auch die High Street entlang, an deren Ende sich die Kirche St Mary befindet. An der Straße stehen einige wunderschöne reetgedeckte Cottages und auch die Öffentliche Bibliothek hat sich hier angesiedelt, deren Innenraum in zwei Barnaby-Episoden zu sehen ist: In Folge 45 „Dead Letters“ (dt. „Die tote Königin“) und Folge 61 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“). Ich warf auch einmal einen Blick hinein. Schräg gegenüber der Long Crendon Library steht das Church House, das in der o.a. Folge „Garden of Death“ als Village Hall fungiert, in der die Dorfversammlung stattfindet, die über die Zukunft des Garden of Remembrance diskutiert.

Übrigens: Der Frogmore Lane, an dem das Manor House steht, wurde in Folge 27 “ A Tale of Two Hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) und in Folge 40 „Second Sight“ (dt. „Blick in den Schrecken“) für kurze Szenen verwendet.

Nicht nur die genannten Barnaby-Folgen wurden in Long Crendon Manor gedreht, sondern auch noch einige Spielfilme wie:
The Private Life of Henry VIII  (dt. „Das Privatleben Heinrichs VIII“) mit Charles Laughton (1934)
The Seven Dials Mystery (dt. „Das Geheimnis der sieben Zifferblätter“) mit Sir John Gielgud (1980)
Little Dorrit (dt. „Klein Dorrit“) 2009
The Woman in Black (dt. „Die Frau in Schwarz“) mit Daniel Radcliffe (2011). Sue war von Daniel „Harry Potter“ Radcliffe besonders angetan!

Nachtrag vom 27.12.2013:
Aus dem oben erwähnten Anruf wurde die Episode 98 „The Christmas Haunting“ (dt. „Wer mit Geistern spielt“), die am 24. 12. diesen Jahres von ITV gesendet wurde und die zum großen Teil im Long Crendon Manor gedreht wurde, wo das Haus als Morton Shallows Manor House fungiert.

Unser Frühstücksraum. Eigenes Foto.

Unser Frühstücksraum.
Eigenes Foto.

Der Raum wurde für "Things That Go Bump in the Night" verwendet. Eigenes Foto.

Der Raum wurde für „Things That Go Bump in the Night“ verwendet.
Eigenes Foto.

Long Crendon Manor bei Nacht. Eigenes Foto.

Long Crendon Manor bei Nacht.
Eigenes Foto.

Unser Zimmer im Long Crendon Manor. Eigenes Foto.

Unser Zimmer im Long Crendon Manor.
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Long Crendon Public Library. Eigenes Foto.

Long Crendon Public Library.
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Published in: on 4. Juni 2013 at 02:00  Comments (8)  
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The Sandford Lasher – Hier zeigt sich die Themse von ihrer gefährlichen Seite

The Sandford Lasher.    © Copyright Steve Daniels

The Sandford Lasher.
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Vor unserem Hotel, dem Oakley Court bei Windsor, zog die Themse gemächlich langsam vorbei; einige Enten und Schwäne zogen ihre Bahnen. Alles wirkte ganz friedlich. Dass der Fluss aber auch eine andere Seite hat, zeigt sich in der Nähe der Ortschaft Sandford-on-Thames, südlich von Oxford.  Dort gibt es eine besonders gefährliche Stelle, Sandford Lasher genannt, wo schon viele Menschen ihr Leben verloren haben.

Die Schleuse von Sandford hat mit 2,69m das größte Gefälle aller Themseschleusen und das Wehr daneben eine reißende Strömung. Der Sandford Lasher, unterhalb des Wehrs, ist so gefährlich, weil hier starke Unterströmungen und Verwirbelungen zusammenkommen, die auch geübten Schwimmern Probleme bereiten. „The pool under Sandford Lasher, just behind the lock, is a very good place to drown yourself in“, schrieb schon Jerome K. Jerome in seinem Themse-Roman „Three Men in a Boat„.

Mehrere junge Männer, die meisten Studenten aus Oxford, sind denn hier auch schon ertrunken. Ein Obelisk erinnert an fünf Studenten des Christ Church Colleges, die an dieser Stelle zwischen 1843 und 1921 ums Leben kamen. Aber auch Studenten des Balliol und des University College fanden hier beim Schwimmen im 19. Jahrhundert ihren Tod.
Unter den Opfern des Sandford Lashers befindet sich auch Michael Llewelyn Davies, ein Pflegesohn des „Peter Pan“-Autors J.M. Barrie, der hier zusammen mit einem Freund am 21. Mai 1921 in den Fluten ertrank.

Published in: on 3. Juni 2013 at 02:00  Comments (1)  

Leicester – Eine Stadt ganz im Zeichen Richards III

Das rekonstruierte Gesicht Richards III. Eigenes Foto.

Das rekonstruierte Gesicht Richards III.
Eigenes Foto.

Seitdem man unter einem Behördenparkplatz in der Stadt Leicester die Gebeine des Königs Richard III gefunden hat, schlägt man dort daraus ganz schön Kapital, denn überall findet man in der Stadtmitte Plakate, die auf King Richard und die damit verbundenen Aktivitäten hinweisen.

Wir buchten schon früh von zuhause aus einen Blue Badge Guided Walk, der uns am Samstag, dem 25. Mai auf den Spuren Richards III quer durch das alte Leicester führte. Es war auch gut, dass wir im voraus unsere Tickets online bestellt hatten, denn die Führung war komplett ausgebucht, ja, es mussten sogar mehrere Leute, die auch teilnehmen wollten, weggeschickt werden. Der Walk führte zu mehreren markanten Stellen, die mit dem König zusammenhängen, wie u.a. zu seinem Standbild in den Castle Gardens, zu der Plakette am River Soar, die davon berichtet, dass seine Leiche an dieser Stelle in den Fluss geworfen worden ist (was sich ja mittlerweile als falsch erwiesen hat) und natürlich, als Highlight der Tour, zu der Ausgrabungsstelle am Grey Friars Car Park. Dort wurde ein Zelt über den Erdarbeiten errichtet, so dass man nicht allzuviel erkennen konnte.

Neben der Kathedrale, in der Guildhall, hat man die sehr interessante Ausstellung „Richard III: Leicester’s Search for a King“ aufgebaut, in der detailliert über den König und speziell über die Ausgrabung informiert wird. Ich war erstaunt, dass hier schon um 10 Uhr morgens Hochbetrieb herrschte. Die Ausstellung soll noch bis ins Jahr 2014 fortgeführt werden.
Nebenan in der Kathedrale, in der wir von einem sehr freundlichen Herrn und einer sehr redseligen Dame empfangen wurden, ist eine weitere Verbindung zu Richard III zu finden. Dort wurde in den Fußboden ein Memorial Stone eingelassen, der die Inschrift trägt:

Richard III King of England
Killed at Bosworth Field in this County
22nd August 1485
Buried in the Church of the Grey Friars
In this Parish

Ich warf einige Münzen in bereitgestellte Spendenbehälter; mit den Einnahmen möchte man sich dafür stark machen, dass Richard III seine letzte Ruhestätte hier in Kathedrale findet. Dabei zog ich mir den leisen Unmut meiner Frau zu, die wohl eher dafür plädiert, ihn im York Minster beisetzen zu lassen (ja, auch die Stadt York möchte den König gern in ihren Mauern haben).

Hier ist ein Film über die Ausgrabungen in Leicester und hier ein Rundgang durch die Stadt, so wie wir ihn gemacht haben.

Ein Schaubild von Richards Skelett in der Guildhall-Ausstellung. Eigenes Foto.

Ein Schaubild von Richards Skelett in der Guildhall-Ausstellung.
Eigenes Foto.

Der Gedenkstein in der Kathedrale. Eigenes Foto.

Der Gedenkstein in der Kathedrale.
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Richards Standbild in den Castle Gardens, erklärt von unserem Guide. Eigenes Foto.

Richards Standbild in den Castle Gardens, erklärt von unserem Guide.
Eigenes Foto.

Unter diesem Zelt auf dem Grey Frias Car Park werden die Ausgrabungsarbeiten weitergeführt. Eigenes Foto.

Unter diesem Zelt auf dem Grey Friars Car Park werden die Ausgrabungsarbeiten weitergeführt.
Eigenes Foto.

Überall im Stadtgebiet findet man diese Hinweise auf Richard III. Eigenes Foto.

Überall im Stadtgebiet findet man diese Hinweise auf Richard III.
Eigenes Foto.

Das Evesham Hotel in Evesham (Worcestershire) und seine unübertroffenen Toiletten

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Über das Evesham Hotel berichtete ich schon einmal vor längerer Zeit in meinem Blog, ebenfalls über die jährlich vergebenen Loo of the Year Awards. Ich weiß nicht wie oft dieses Hotel am Nordwestrand der Cotswolds diese Auszeichnung schon erhalten hat, aber auch für das Jahr 2013 konnte Hotelier John Jenkinson diesen Preis für die originellste Hotel-Toilette des Königreichs in Empfang nehmen, obendrein erhielt er auch noch den Platinum Award von den Preisreichtern zugesprochen.

Die Herren- und die Damentoilette, von der Lounge aus zugänglich, sind allein schon eine Reise wert, und die Innenausstattung kann sich wohl nur so ein liebenswerter Exzentriker wie John Jenkinson ausgedacht haben. Bei meinem Besuch in der vorigen Woche (ich glaube, ich war schon sechsmal hier) nahm ich die Herrentoilette noch einmal genauer unter die Lupe (die Damentoilette durfte ich nach vorheriger Genehmigung auch besuchen).

In der Herrentoilette wird man nach dem Betreten mit einer Stimme vom Spiegel begrüßt  „You’ve got a nice bum“ und vor den beiden Kabinen räkelt sich lasziv eine Dame auf einem Stuhl. In der rechten Kabine hat man die angenehme Gesellschaft einer miniberockten Blondine; auch das Toilettenbecken ist sehenswert. In der Ecke steht ein Karton mit dem Spiel Potty Putter, d.h. während man sein Geschäft verrichtet, kann man gleichzeitig seine Golffähigkeiten verbessern (hier ein Videoclip).

In der Toilette findet man auch eine Uhr, die die Zeit von Moskau anzeigt, mit einem Porträt von Präsident Putin auf dem Ziffernblatt. Überall im Raum hängen witzige Zeitungsausschnitte, Jokes usw. Über einem Bild von einer stark „behaarten“ Dame findet sich ein weiteres Bild von einem Hasen mit dem Titel „The Pubic Hare“ (!). Man sollte für einen Toilettenaufenthalt in den „loos“ des Evesham Hotel reichlich Zeit einplanen, um sich wenigstens einige der Exponate ansehen zu können.

Ich glaube, es gibt in ganz Großbritannien keine Hoteltoilette, die dieser das Wasser (oops!) reichen könnte.

Ich kann das Evesham Hotel, rund 200m vom River Avon entfernt, jedem empfehlen, der in diese Region reist. Neben den „loos“ gibt es noch zahlreiche andere Kuriositäten wie z.B. die Digestif-Karte (Umfang ca 200 Seiten), die in ganz Europa ihresgleichen sucht und die Weinkarte, die aus 5 dicken Fotoalben besteht, in der man Weine aus aller Herren Länder (außer aus Frankreich und Deutschland) findet. Wir tranken einmal einen Wein aus Kanada, dann einen aus Colorado, den aus Maine wollte mir John leider nicht verkaufen (es war seine letzte Flasche). Die Küche ist noch verbesserungswürdig, das Personal sehr freundlich und hilfsbereit.
Ein wirklich außergewöhnliches Hotel!!!

The Evesham Hotel
Cooper’s Lane, Off Waterside
Evesham, Worcestershire, WR11 1DA
Tel. 01386 765566

Nachtrag: Leider wurde das Hotel Anfang 2016 von John Jenkinson verkauft.

Eigenes Foto.

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