Thetford (Norfolk) und die Portugiesen

Die White Hart Street in Thetford.    © Copyright Stephen McKay

Die White Hart Street in Thetford.
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Thetford in Norfolk darf sich rühmen, der Geburtsort von Thomas Paine zu sein, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten; man ehrt ihn mit einer Statue vor der Town Hall, es gibt ein Thomas Paine Hotel und eine Thomas Paine Avenue.

Was in der Stadt besonders auffällt, sind die Geschäfte und Lokale mit portugiesischem Bezug. 25 – 30% der Bewohner Thetfords kommen aus Portugal, was sicher in Großbritannien ein Rekord darstellt. Nachdem Portugal in die EU aufgenommen worden war, konnten sich auch die Bewohner dieses Landes frei auf dem europäischen Arbeitsmarkt bewegen. Der portugiesischen Wirtschaft ging es damals in den 1980er Jahren schlecht, die Löhne waren niedrig und das Wachstum gering. Also machten sich viele Arbeitssuchende nach England auf, wo man billige Arbeitskräfte gut gebrauchen konnte (für Arbeiten, die die Einheimischen nicht machen wollten). In Thetford und Umgebung gab es mehrere große Fabriken, die einen Teil der portugiesischen Arbeiter aufnahmen wie die fleischverarbeitende Firma Tulip, die Firma Jeyes, die Reinigungsmittel herstellt, und die Thermos Company, die mit den Thermosflaschen. Tulip und Thermos haben die Produktionsstätten in Thetford mittlerweile aufgegeben, aber viele Portugiesen sind geblieben.

In der Stadt wird die portugiesische Zeitung „as notícias“ (The news) hergestellt, in der White Hart Street gibt es das Arco-Iris Delicatessen & Café, in der man Produkte as Portugal kaufen und essen kann usw.

Es gab aber auch einmal Spannungen zwischen Engländern und Portugiesen, die sich, wie sollte es anders sein, an einem Fußballspiel entzündeten. Im Jahr 2004 fanden die Europameisterschaften in Portugal statt und eines der Viertelfinalspiele hieß: Portugal gegen England, das die Portugiesen im Elfmeterschießen gewannen. Aus Frust über das verlorene Spiel griffen über 200 einheimische gewaltbereite Rassisten den Red Lion Pub an, der von drei Portugiesen geführt wurde und in dem sich viele Zugereiste aufhielten, um sich das Fußballspiel anzusehen. Die Polizei brauchte zwei Stunden, um den Mob aufzulösen; es gab eine Reihe von Verletzten unter den Portugiesen, darunter auch Frauen und Kinder.

Published in: on 7. Juni 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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