Die Wing Airport Resistance Association – Sie verhinderte den Bau eines Flughafens mitten in Buckinghamshire

Wing in Buckinghamshire.    © Copyright Paul Shreeve

Wing in Buckinghamshire.
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Man stelle sich einmal vor, man lebt friedlich und ruhig im ländlichen Buckinghamshire und wird plötzlich mit der Nachricht konfrontiert, dass gerade in dieser Idylle ein Großflughafen gebaut werden soll. Genau diese Erfahrung mussten Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre die Einwohner der Dörfer Wing, Cublington, Dunton, Aston Abbots und Stewkley machen. London brauchte damals einen dritten Flughafen und einer der vorgeschlagenen Standorte sollte hier in Buckinghamshire zwischen Aylesbury und Leighton Buzzard sein. Die Folge: Mehrere Dörfer würden plattgemacht und aus der ländlichen Idylle eine Betonlandschaft mit dröhnenden Flugzeugmotoren und überlasteten Zufahrtsstraßen werden. Eine Horrorvorstellung!.

Bill Manning, ein Farmer aus Aston Abbots und Desmond Fennell, ein Rechtsanwalt aus Winslow, gründeten daraufhin sofort eine Widerstandsbewegung, die Wing Airport Resistance Association (WARA), mit dem Ziel, diesen Flughafen mit allen Mitteln zu verhindern. Die Gruppe erfuhr in der Bevölkerung große Unterstützung und Sponsoren versorgten sie mit Geld. Über 61 000 Mitglieder zählte die WARA. Man zündete auf allen Hügeln der Umgebung Leuchtfeuer an, veranstaltete einen Korso von 300 Treckern durch die bedrohten Dörfer und initiierte eine Massenveranstaltung auf dem geplanten Flughafengelände (das dreimal so groß wie Heathrow werden sollte), zu der 12 000 Menschen kamen. Es bildete sich sogar eine gewaltbereite Untergrundbewegung, die die Dorfbewohner aufrief, sich zu bewaffnen und Molotowcocktails bereitzuhalten.

Die Anstrengungen der Wing Airport Resistance Association zahlten sich aus, denn die Regierung ließ sich von den Argumenten überzeugen und so sollte der Flughafen woanders gebaut werden, in Foulness in Essex, woraus aber auch nichts wurde, denn das Verteidigungsministerium legte da sein Veto ein (s. dazu auch meinen Blogeintrag).

In der Bevölkerung Buckinghamshires brach Jubel aus: Man hatte es gemeinsam geschafft, vor allem mit Unterstützung durch die WARA, dass dieser Landstrich auch weiterhin ruhig und idyllisch bleiben konnte. In Dankbarkeit an alle, die mitgeholfen hatten, den Flughafenbau abzuwenden, pflanzte der Buckinghamshire County Council dort, wo die Rollbahnen entstehen sollten, ein kleines Wäldchen, den Cublington Spinney, und errichtete an der Stelle ein Memorial in Form einer Concorde mit einer Gedenktafel.

Über die damaligen Vorgänge gibt es einen Film mit dem Titel „Over Our Dead Bodies“ (hier zu sehen).

Das Cublington Spinney Memorial.    © Copyright Philip Jeffrey

Das Cublington Spinney Memorial.
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Die Plakette am Cublington Spinney Memorial.    © Copyright Philip Jeffrey

Die Plakette am Cublington Spinney Memorial.
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Published in: on 18. Juli 2013 at 02:00  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Ingo,
    wie ich gestern gekesen habe, hat der Bürgermeister von London gerade vorgeschlagen, Heathrow dicht zu machen, dort Wohnungen zu bauen, und entweder Stanstead zum Großflughafen auszubauen oder aber einen ganz neuen Flughafen an der Küste, genauer gesagt IN der Nordsee, anzulegen.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

    • Hallo Pit,
      das ist wohl schon seit langem der Wunsch von Boris Johnson, der Großflughafen im Meer. Ob das aber die Heathrow-Lobby zulässt? Die Menschen, die in der Umgebung von Heathrow wohnen, hätten sicher nichts dagegen, aber die Hotel- und Restaurantbetreiber sicher.
      Viele Grüße nach TX!
      Ingo

      • Hallo Ingo,
        das Gnaze ist eben ein zweischneidiges Schwert. Ich kann die Anwohner verstehen. Ich habe nämlich Mitte der 90er mal in der Einflugschneise von Heathrow gewohnt. Da kamen dann die Flieger wie Perlen an der Kette über’s Haus. Zeitweilig waren da 5 bis 5 hintereinander im Anflug zu sehen. Aber klar: wer vom Flughafen lebt, sieht das anders. Nur: eine weitere Star- und Landebahn, die der Flughafen dringend benötigt, kommt ja wohl wegen der Proteste nicht zustande. Also muss irgendwann dann wohl doch ein anderer Flughafen her.
        Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
        Pit


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