Stratford-upon-Avon (Warwickshire) – Einige persönliche Anmerkungen

Stratford-upon-Avon einmal fast ohne Menschenmassen. Eigenes Foto.

Stratford-upon-Avon einmal (fast) ohne Menschenmassen.
Eigenes Foto.

Als ich kürzlich wieder einmal in der Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon war und die Menschenmassen aus aller Welt sah, die sich durch die Straßen schoben, fragte ich mich, ob denn das nun wirklich alles Fans des Barden aus Warwickshire waren. Wer von diesen unzähligen Besuchern las die Dramen Shakespeares regelmäßig oder sah sich häufig seine Theaterstücke an? Wer von ihnen liebte seine Sonette wirklich? Ich schätze, dass die meisten Menschen nach Stratford kommen, weil „man“ den Ort einmal gesehen haben muss. Es gibt wohl keine Busrundreise durch England, die nicht auch in die Stadt am Avon führt. Auf dem Riverside Car Park, auf dem ich mein Auto meistens abstelle, standen Reisebusse aus ganz Europa und allen Teilen Englands; viele von ihnen transportierten Schulklassen. Die Schüler, die wohl mehr oder weniger freiwillig hierher gebracht worden waren, erweckten nicht den Eindruck, dass sie zu den glühendsten Verehrern des Mannes gehörten, der hier im Jahr 1564 das Licht der Welt erblickte.

Wie sähe Stratford-upon-Avon wohl heute aus, wenn es Shakespeare nie gegeben hätte? Es ginge sicher sehr viel gemächlicher zu, die Parkplätze wären nicht so randvoll und die Souvenirläden mit ihren Shakespeare-T-Shirts und allen möglichen anderen Devotionalien wären nicht-existent.

Wir gingen zum Mittagessen in The Garrick, ein außerordentlich schönes Fachwerkgebäude in der High Street, und waren froh, dort überhaupt noch einen freien Tisch zu bekommen. Als wir hinausgingen, versuchte ein Lehrer, seine vielköpfige Schülerschar in den Pub hineinzuzwängen. Kurz: In Stratford-upon-Avon ist es meist rappelvoll.

Dabei gibt es auch ruhige Gegenden in der Stadt. Ich denke an die Anlegestelle für Narrowboats, gegenüber vom Royal Shakespeare Theatre, wo wir mit unserem Boot einmal vor Anker gingen. Hier ist man mit den anderen Bootseignern und den Avon-Schwänen meist allein.

Die Holy Trinity Church, in der William Shakespeare beigesetzt ist und die etwas abseits des Trubels liegt, wird zwar auch von vielen Menschen besucht, es geht hier aber etwas ruhiger zu. Simon Jenkins sagt in seinem 1999 erschienen Buch „England’s Thousand Best Churches“ von der Kirche: „Were the name of Stratford not associated with a certain playwright, it would be noted for its church. Holy Trinity stands with St Mary, Warwick, as one of the glories of the county“.

Wenn abends die Tagestouristen abgereist und die Parkplätze leerer geworden sind, kehrt auch in Stratford-upon-Avon ein wenig mehr Ruhe ein und man kann dann die historischen Gebäude, von denen es einige in der Stadt gibt, mit mehr Muße genießen.

Hier ist ein Film über die Stadt am Avon.

Das idyllische Stratford. Eigenes Foto.

Das idyllische Stratford.
Eigenes Foto.

Holy Trinity Church.    © Copyright Len Williams

Holy Trinity Church.
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Published in: on 9. August 2013 at 02:00  Comments (4)  
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