Amusement Machines in englischen Seebädern – Damals

Eine Amusement Arcade heute; hier: Southend-on-Sea.   © Copyright Oast House Archive

Eine Amusement Arcade heute; hier: Southend-on-Sea.
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Was macht man im Urlaub in englischen Seebädern, wenn man keine Lust mehr hat am Strand zu liegen? Man geht in die Amusement Arcades, die sich in manchen Orten wie Perlen auf der Kette entlang der Strandpromenade hinziehen. In diesen Spielhallen finden sich heute Videospiele, Flipper-und Greifautomaten und jede Menge anderer lauter und bunter Vergnügungsspiele, die überwiegend von jüngeren Urlaubern belagert werden. Auch am Strand von Puerto del Carmen auf Lanzarote traf ich viele dieser Spielhallen an, in denen die Mehrzahl der Besucher aus England stammte.

Bereits in den 1880er Jahren setzte der Siegeszug der Amusement Machines ein. 1902 eröffnete eine der ersten Amusement Arcades in einem Seebad an der Marine Parade in Great Yarmouth. Oft standen diese noch recht primitiven Geräte am Zugang zu einer Pier oder auch direkt darauf. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Vergnügungsautomaten immer ausgereifter und boten ein immer breiteres Spektrum an.

Besonders beliebt waren die sogenannten Mutoskopen. „Beim Mutoskop sind eine größere Anzahl photographischer Serienbilder auf steifen Kartonblättern radial auf einer Welle befestigt. Bei der Drehung der Welle werden die Blätter von einem Anschlag des Gehäuses nacheinander kurz angehalten und zeigen sich damit für den Bruchteil einer Sekunde dem Zuschauer durch die Schauöffnung“, so die Erklärung der Wikipedia. Eine besonders frivole Variante des Mutoskops war „What the Butler Saw„, ein Vorläufer der späteren Peepshows. Nach Einwurf einer Münze und Betätigung einer Handkurbel konnte man durch ein Guckloch beobachten wie sich eine Dame in ihrem Schlafzimmer ihrer Kleider entledigte. Andere ähnlich aufgebaute Kurzzeitvergnügen hießen „The Naked Truth“ oder „I’ll Say She Can„. Natürlich gab es damals auch Menschen, die sich durch solche „Frivolitäten“ gestört fühlten und Kampagnen gegen diese Mutoskopen führten, wie 1899 in Blackpool geschehen.

Beliebt waren ebenfalls die Animationen mit Horrormotiven, die sich in Glaskästen befanden und die man mit einer Münze zum Laufen brachte. Einige Beispiele dieser sogenannten Working Models: „The Haunted Churchyard„, „The Guillotine“ oder „The Chinese Torture„. Viele standen früher auf der Palace Pier in Brighton und trugen zur Popularität dieser Seebrücke bei.

Wer etwas über seine Zukunft wissen wollte, ging zu den Fortune Teller Machines, die, nach Einwurf einer Münze, eine Karte ausspuckten auf der das künftige Schicksal abzulesen war.

Wer sich für diese Amusement Machines interessiert, dem kann der Besuch folgender Sammlungen empfohlen werden:

The Bridlington Experience in Bridlington an der Ostküste Yorkshires
The Museum of Amusements in Burwardsley (Cheshire)
The Old Pier working Models and 1d games Exhibition im Rye Heritage Centre in Rye (East Sussex)
Victorian Penny Arcade in Wookey Hole (Somerset)

Meine Buchempfehlung zum Thema:
Lynn F. Pearson: Amusement Machines. Shire Publications 2010 (Reprint). 32 Seiten. ISBN 978-0747801795.

Eine alte "coin-operated machine". This work is released into the public domain.

Eine alte „coin-operated machine“.
This work is released into the public domain.

Foto meines eigenen Exemplares.

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Published in: on 11. August 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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