Songs About London – Heute: „Swinging London“

Die Carnaby Street; in den 1960er Jahren ein Zentrum des Swinging LOndon.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Carnaby Street; in den 1960er Jahren Zentrum des Swinging London.
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Es gibt unzählige Songs, die über London geschrieben worden sind. Einige sind Liebeserklärungen an die Stadt, andere widmen sich einzelnen Stadtteilen, Straßen, Parks, Gebäuden usw. In meinem Blog werde ich von jetzt an in loser Reihenfolge „Songs about London“ vorstellen, von denen manche vielleicht kaum bekannt sind.

Ich beginne mit dem Thema „Swinging London„, wie die Stadt in den 1960er Jahren bezeichnet wurde, als sie kulturell und in Sachen Mode im Aufbruch war und schnell weltweit führend wurde (The Beatles, Mary Quant, Jean Shrimpton usw.).

– Der englische Countrysänger Roger Miller (1936-1992) nahm 1965 einen Song auf, der zwar „England Swings“ heißt, aber in dem es nur um London geht. Die Melodie geht einem nicht mehr aus dem Kopf, aber der Text ist ein bisschen so wie sich der kleine Moritz die britische Hauptstadt vorstellt… Die Engländer hievten den Titel bis auf Platz 13 der Charts hoch.

– 1989 wurde die US-amerikanische Band The Magnetic Fields gegründet; auch sie haben einen Song im Repertore, der „Swinging London“ heißt, 1994 veröffentlicht auf ihrem Album „Holiday“.

– Die Girlgroup Girls Aloud löste sich in diesem Jahr auf, nachdem die jungen Damen in ihrem Heimatland recht erfolgreich waren. Wie sie sich ihr „Swinging London“ vorstellen, zeigen sie hier.

– Mitten in die 1960er Jahre fällt der Song „Swinging Beefeater“ der Instrumentalband The Tornados, die mit ihrem „Telstar“ weltweit bekannt wurden. Warum sollen die Yeoman Warders of Her Majesty’s Royal Palace and Fortress the Tower of London, wie die Beefeaters richtig heißen, damals nicht auch geswingt haben?

-Die Carnaby Street stand damals im Mittelpunkt der Modebewegung. Die amerikanische, später in Deutschland lebende Sängerin Peggy March zollte 1969 mit in „In der Carnaby Street“ der Straße Tribut.

Das soll genügen, obwohl das Thema bei weitem noch nicht erschöpft ist.

Published in: on 30. September 2013 at 02:00  Comments (5)  

Marwell Hall in Hampshire, Lieblingsort vieler Geister und deren Jäger

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Wer am 27. Oktober oder am 1. November nicht so recht weiß, was er machen soll, dem kann ich einen nächtlichen Besuch in der Marwell Hall in Hampshire empfehlen. An diesen beiden Tagen, genauer gesagt Nächten, führt die Firma Fright Nights, die ich an dieser Stelle schon einmal vorstellte, eine Ghost Hunt durch. Für £52 pro Person erwirbt man das Recht, sich mit Gleichgesinnten auf die Suche nach den zahlreichen prominenten Geistern der Hall zu begeben.

Marwell Hall liegt inmitten des Marwell Wildlife Parks, südlich von Winchester, und hier wimmelt es nur so von exotischen Tieren wie Giraffen, Zebras, Leoparden und Tigern. Aber die Geisterjäger werden an diesen beiden Tagen wohl kaum einen Blick für die Tiere übrig haben, denn ihr Augenmerk wird ganz auf die Sichtung der Geister gerichtet sein.

Da in der Vergangenheit mehrere Könige in der Marwell Hall aus und ein gingen, darunter auch Heinrich VIII, gibt es hier auch royale Geister. Jane Seymour und Anne Boleyn sollen hier nächtens die Flure des alten Hauses heimsuchen, und die Geisterjäger hoffen natürlich, zumindest einer der beiden Damen zu begegnen. Die Wahrscheinlichkeit Anne Boleyn zu treffen, ist eher gering, denn sie spukt auch noch in einem Dutzend anderer Schlösser des Landes und hat somit einen vollen Terminkalender.

Dann gibt es da noch die „Mistletoe Bride„, deren tragisches Schicksal ich allerdings auch in Zusammenhang mit anderen Gemäuern gehört habe (z.B. in der Minster Lovell Hall in Oxfordshire). An ihrem Hochzeitstag spielte die Braut mit ihrem Bräutigam und anderen Gästen Verstecken, was ja in einem alten verwinkelten und weitläufigen Gebäude besonders viel Spaß macht. Dummerweise suchte sich die Braut als Versteck eine alte Eichentruhe in einem abgelegenen Teil der Hall aus, deren Deckel sich von innen nicht öffnen ließ. Die Hochzeitsgesellschaft suchte und suchte, aber das Versteck war einfach zu gut ausgesucht, was die laut um Hilfe rufende Braut schnell bedauerte, denn sie wurde nicht gefunden; d.h. man fand sie schon, aber erst Jahre später…
Heute sollen die Schritte der verzweifelten Hochzeitgesellschaft noch zu hören sein, die in den Korridoren nach der vermissten Braut suchen.

Wer an der nächtlichen Ghost Hunt teilnehmen möchte, muss über 18 Jahre alt und darf nicht schwanger sein. Die Erlebnisse, die da möglicherweise auf die Besucher zukommen, sind werdenden Müttern eher nicht zuzumuten.

Übrigens: In diesem Jahr kann man in der Marwell Hall auch Kinderparties feiern. Ich hoffe, dass niemand auf die Idee kommt, dort ein Versteckspiel zu organisieren…

Marwell Hall
Thompsons Lane
Colden Common
Winchester
Hampshire
SO21 1JH

Songs, die der Bannstrahl der BBC traf und die nicht gespielt werden durften

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Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder Songs, die „Auntie Beeb„, wie die alte Tante BBC manchmal genannt wurde, nicht spielen wollte und dies ihren DJs untersagte. Die Gründe waren vielfältig: Titel mit erotischem Inhalt gehörten dazu und Songs mit vulgärer Sprache oder in denen Anspielungen auf Drogen gemacht wurden, Texte mit kontroversem politischen oder religiösen Inhalt.
Noch in diesem Jahr gab es so einen Fall, als Margaret Thatcher gestorben war und der Song „Ding Dong the Witch Is Dead“ in die Charts einstieg. Man tat sich schwer damit bei der BBC und spielte in den wöchentlichen Chartsshows den Titel nur kurz an.

Hier ist eine kleine Auswahl an Musikstücken, die der Bannstrahl der BBC traf:

Don Cornell: Hold My Hand (1954). Der Amerikaner sang darin, dass die Beziehung zu einem Mädchen vergleichbar mit dem „Kingdom of Heaven“ wäre, was man wohl bei der BBC als Gotteslästerung auffasste. Der Song wurde nicht gespielt, kam aber trotzdem in die Charts. Cornell schickte eine Schallplatte an den Erzbischof von Canterbury, um seine Meinung einzuholen, der aber meinte, er hätte keine Zeit, um sich populäre Musik anzuhören.

Jane Birkin and Serge Gainsbourg: Je T’Aime… Moi Non Plus (1969). Damit hatten die Verantwortlichen der BBC ganz große Probleme. Der Erotik- und Orgasmussong des Franzosen und der Engländerin ging richtig zur Sache. In den Chartsshow damals wurden nur Titel und Interpreten genannt.

Mark Dinning: Teen Angel (1959). Eine US-Produktion, in der es um einen tödlichen Autounfall geht, den die BBC ihren Hörern wohl nicht zumuten wollte.

Frankie Goes to Hollywood: Relax (1983). Auf Grund seiner (homo)sexuellen Anspielungen wurden sowohl der Song von der BBC nicht gespielt als auch das Musikvideo nicht gezeigt.

The Beatles: I Am the Walrus (1967). Ja, sogar die Beatles erwischte es mehrfach. In diesem Lied gefiel der BBC die Textzeile “ Boy you’ve been a naughty girl and let your knickers down“ nicht.

Paul McCartney: Give Ireland Back to the Irish (1972). Die BBC mochte den Kommentar des Ex-Beatles zum Irlandkonflikt nicht.

George Michael: I Want Your Sex (1987). Hier ging man nach dem Motto vor: „No sex, please, we’re British“.

The Kinks: Lola (1970). Im Text des Songs kam das Wort Coca Cola vor, was die BBC nicht akzeptierte. Kein Problem, meinte Kinks-Chef Ray Davies, und nahm den Titel neu auf; darin ersetzte er Coca Cola durch Cherry Cola. Resultat: Der Bann wurde aufgehoben.

Diese Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. Wer sich für weitere von der BBC gesperrte Songs interessiert, findet hier eine Liste.

Published in: on 28. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Carbuncle Cup 2013 – Großbritanniens hässlichste Gebäude

Der Gewinner des Carbuncle Cups 2013: Caledonian Road in London.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Gewinner des Carbuncle Cups 2013: 465 Caledonian Road in London.
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Auch in diesem Jahr vergab die Fachzeitschrift „Building Design“ wieder den Carbuncle Cup für das hässlichste Gebäude, das in den letzten 12 Monaten fertiggestellt wurde. Ich berichtete schon einmal über die Preisträger des Jahres 2011. Der Name der Auszeichnung stammt von einer Äußerung, die Prince Charles 1984 einmal gemacht hat, als er mit der geplanten Erweiterung der Londoner National Gallery konfrontiert wurde, die er als „monstrous carbuncle on the face of a much-loved and elegant friend“ bezeichnete.

Im vergangenen Jahr stand auf dem Siegertreppchen die Cutty Sark Renovation in Greenwich. Das legendäre Schiff wurde nach einem Brand restauriert und im April 2012 in Anwesenheit der Queen wieder freigegeben. Die Begründung für die Preisvergabe: „The scheme’s myriad failings stem from one calamitous choice: the decision to hoick the 154-year-old clipper close to three metres into the air on canted steel props„.

Auch der Carbuncle Cup-Gewinner des Jahres 2013 ist in London zu finden; es ist ein Haus, das in der Caledonian Road 465 im Stadtteil Islington steht. Die oft „The Cally“ genannte Straße zählt sicher nicht zu den schönsten der britischen Hauptstadt, wurde aber mit dem Neubau der Nummer 465 sicher nicht verschönert. Stephen George & Partners ist das Architektenbüro, das sich über die Auszeichnung „freuen“ kann. Auf den Webseiten der 1970 gegründeten und in London ansässigen Firma findet sich allerdings kein Hinweis auf den Gewinn des Carbuncle Cups, dafür weist man stolz darauf hin, dass die Firma für einen der Industrial Agents Society (IAS) Awards nominiert worden ist.

Das Haus in der Caledonian Road ersetzt ein Lagergebäude und dient jetzt als Studentenwohnheim; in Auftrag gegeben wurde es vom University College London. In der Urteilsbegründung heißt es: „The original frontage has been retained in a cynical gesture towards preservation. But its failings go deeper. This is a building that the jury struggled to see as remotely fit for human occupation.“ Es wurden sogar Vergleiche mit dem Pentonville Prison gezogen, das ebenfalls an der Caledonian Road liegt. Hier ein Film der BBC über das Gebäude.

Weiterhin wurden für den diesjährigen Carbuncle Cup nominiert:
– Das Premier Inn Hotel im Londoner Stadtteil Lambeth
– Das Hochhaus Avant Garde, 34-42 Bethnal Green Road in London
– Der Wohnkomplex Castle Mill in Oxford
– Das Porth Eirias Watersports Centre in Colwyn Bay in Wales
– Der Redcar Beacon in Redcar, auch Vertical Pier genannt, ein merkwürdiges buntes Konstrukt am Strand der Stadt an der Nordostküste Englands.

Eines der für den Preis nominiertes Gebäude, der Redcar Beacon.    © Copyright John M and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eines der für den Preis nominierten Gebäude, der Redcar Beacon in Redcar.
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Published in: on 27. September 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Wetterfahnen und Wetterhähne und ihre englischen Varianten

Ein echter Wetterhahn auf dem Dach der Furnace Grange Farm bei Trescott (Staffordshire).    © Copyright Roger  Kidd

Ein echter Wetterhahn auf dem Dach der Furnace Grange Farm bei Trescott (Staffordshire).
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„Weather Vanes“, auf Deutsch Wetterfahnen, sind laut Wikipedia „Windrichtungsgeber…ein Anzeigeinstrument zur Ermittlung der Windrichtung. Es basiert darauf, dass sich ein bewegliches Messelement am dynamischen Druck des Windes ausrichtet„. Das klingt ziemlich prosaisch, wenn man bedenkt, dass die windrichtungsanzeigenden Gebilde hoch oben auf Kirchtürmen und anderen Gebäuden oft künstlerisch sehr hübsch gestaltet sind und oft auch nur zur „Dekoration“ dienen. Wer guckt schon auf die Wetterfahnen in fünfzig Metern Höhe und sagt „Oh, heute weht der Wind aus südöstlicher Richtung“ (wenn man das überhaupt erkennen kann).

Die „beweglichen Messelemente“ sind nicht nur Wetterfahnen oder Wetterhähne. Apropos Wetterhähne: Papst Nikolaus I soll im 9. Jahrhundert angeordnet haben, dass auf jedem Kirchturm ein Hahn angebracht werden muss, da das Tier das Symbol des Apostels Petrus war, und ich bemühe noch einmal die Wikipedia: „Der Hahn war also eine Mahnung sich nicht nach dem Wind zu drehen, sondern wie Petrus in seinem weiteren Leben dem christlichen Glauben treu zu folgen.“

In England findet man auf Kirchtürmen und hohen Gebäuden die unterschiedlichsten und merkwürdigsten Gebilde, die die Windrichtung anzeigen sollen, von denen ich heute einmal einige vorstellen möchte.

   © Copyright Colin Smith

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Dieser fünf Meter hohe und fast eine Tonne schwere Engel steht auf der Kathedrale von Guildford (Surrey). Er ruht auf einem mit Quecksilber gefüllten Lager.

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Wie alt diese „Wetterfahne“ ist, kann man unschwer erkennen. Sie ziert die Spitze des Kirchturms der All Saints Parish Church in Tarrant Monkton in Dorset und wurde zur Jahrtausendwende eingeweiht.

   © Copyright Ian Capper

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Warum nicht einmal eine Windmühle als „Windrichtungsgeber“ verwenden? Diese steht auf dem Dach der Heathfield Lodge bei Buckland in Surrey.

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Originell ist auch dieser golfspielende Windrichtungsanzeiger in Tarrant Keynestone in Dorset.

   © Copyright Chris Allen

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Ein kleines Kunstwerk ist dieses Gebilde auf dem Dach einer restaurierten Wassermühle nördlich von Hargrave in Cheshire.

   © Copyright Andrew Tatlow

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Und zum Schluss noch ein besonders schönes Exemplar, das auf dem Dach der Town Hall von Deptford im Südosten Londons zu finden ist und an die Zeit des Schiffbaus hier in der Stadt erinnert.

Wer sich seine eigene „weather vane“ aufs Dach stellen möchte, kann sich z.B. an die Firma Dorset Weathervanes wenden, die eine große Auswahl an Mustern hat und auch individuelle Wünsche erfüllt. Die Preise beginnen bereits bei £90.

Published in: on 26. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Dartford (Kent) und sein Mick Jagger Centre

   © Copyright David Anstiss

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Dort wo, die M25, die hier kurzfristig zur A282 wird, im Tunnel die Themse unter- und mit der Elizabeth II Bridge den Fluss überquert, liegt die Stadt Dartford in Kent. Dartford geht es wirtschaftlich nicht besonders gut; die großen Firmen, die für viele Arbeitsplätze sorgten, haben geschlossen oder gingen in andere Regionen des Landes. Die Zementindustrie ist weggebrochen und hat eine trostlose, zerstörte Landschaft hinterlassen. In der High Street finden sich die üblichen Kettenläden und Billigheimer; das riesige Bluewater Shopping Centre vor den Toren der Stadt schöpft viel Kaufkraft der Bewohner Dartfords ab.

Die Stadt in Kent hat mehrere Rockmusiker hervorgebracht, von denen Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones die berühmtesten geworden sind. Beide gingen in die Dartford Grammar School und Jahre später trafen sie sich wieder, als sie im Bahnhof der Stadt auf den Zug nach London warteten. Sie kamen ins Gespräch, stellten fest, dass sie beide Interesse an Blues und Rock ’n‘ Roll hatten und verabredeten sich, um gemeinsam Musik zu machen. Die Geburtstunde der Rolling Stones schlug also 1961 hier im Bahnhof der Stadt Dartford.

Knapp 40 Jahre später kam der erfolgreiche Rockstar an seine Schule zurück, um hier im Jahr 2000 das Mick Jagger Centre einzuweihen, das auf dem Gelände der Dartford Grammar School steht. Dazu brachte er seine geschiedene Frau Jerry Hall und drei ihrer gemeinsamen Kinder mit. £1,7 Millionen wurden mit Hilfe der National Lottery in das Centre gesteckt, den fehlenden Restbetrag bezahlte Mick Jagger aus eigener Tasche. In einer witzigen Rede erinnerte sich Jagger an seine Schulzeit, die er überhaupt nicht genossen hatte, und er verewigte sich an einer der Wände des Centres mit dem Satz „I was back! Mick Jagger“. Die offizielle Eröffnung des Centres wurde von HRH the Duke of Kent vorgenommen.

Das Mick Jagger Centre umfasst mehrere Aufnahmestudios, Proberäume, eine Bühne, eine Bar und eine Galerie, einige Jahre später kamen noch weitere Räume u.a. für Tanz und Schauspiel dazu. Die Palette an Musikaufführungen ist breit gefächert; Rockbands treten auf, aber auch das Dartford Symphony Orchestra spielte hier schon Werke von Beethoven und der Dartford Township Choir sang Soulmusik.

13 Jahre existiert das Mick Jagger Centre nun schon und man kann sagen, dass es der Stadt Dartford und der Umgebung, kulturell gesehen, einen Aufschwung gegeben hat.

Hier ist ein Film (in französischer Sprache), der Dartford, die „Wiege der Rolling Stones“, und das Mick Jagger Centre zeigt.

The Mick Jagger Centre
Shepherds Lane
Dartford, Kent DA1 2JZ
Tel. 01322 291101

Der Bahnsteig der Dartford Railway Station: Hier schlug die Geburtsstunde der Rolling Stones.    © Copyright Stephen Craven

Der Bahnsteig der Dartford Railway Station: Hier schlug die Geburtsstunde der Rolling Stones.
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Saint Hill Manor bei East Grinstead (West Sussex) – Britisches Hauptquartier der Church of Scientology

   © Copyright Simon Carey

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Wenn man in den Wintermonaten durch England fährt, was ich sehr gern tue und worüber ich in meinem Blog schon geschrieben habe, hat man schlechte Karten, wenn man in dieser Zeit Country Houses, Schlösser und Burgen besichtigen möchte, denn die sind fast alle geschlossen. Allenfalls die ganz berühmten wie der Blenheim Palace oder Chatsworth haben geöffnet.

In West Sussex gibt es ein Haus, das ganzjährig täglich für Besucher offen steht (außer an den Weihnachtstagen und dem 1. Januar): Das Saint Hill Manor bei East Grinstead in West Sussex. Das 1792 erbaute Haus hatte eine Vielzahl von Besitzern, darunter:
– Der Arzt und Mikrobiologe Edgar March Crookshank (1858-1928), der sich intensiv mit der Pockenimpfung beschäftigte;
Mrs. Drexel-Biddle, die Frau des amerikanischen Botschafters, die 1945 den Maler John Spencer-Churchill damit beauftragte, ein  Wandgemälde zu schaffen, auf dem 145 Affen zu sehen sind (der „Monkey Room„).
William Thomas Berger, Direktor der China Inland Mission, deren Hauptquartier hier untergebracht war.
– Der Maharadscha von Jaipur.

1959 schließlich wurde das Saint Hill Manor von dem Scientology-Gründer L. Ron Hubbard gekauft, der hier bis 1966 lebte und das Haus von Grund auf renovierte. Hinter dem Manor House ließ Hubbard das Saint Hill Castle erbauen, eine Burg im normannischen Stil, die als Trainingszentrum und Unterkunft für Scientology-Studenten dient. In der Bibliothek im Haupthaus sind alle 560 Bücher zu finden, die Hubbard im Laufe seines Lebens schrieb.

Heute werden im Saint Hill Manor nach wie vor sogenannte „Life Improvement Courses“ angeboten, in denen es z.B. um Themen wie „Overcoming Financial Stress“, „Effective Leadership“  oder „Successfully Raising Children“ geht.

Nicht jeder war und ist darüber erfreut, dass sich die Scientology-Kirche hier in East Grinstead niedergelassen hat und vor den Toren des Saint Hill Manor fanden denn auch schon einige Protestaktionen statt.
Wer sich das sehenswerte Haus einmal anschauen möchte, kann das tun, ohne Mitglied bei den Scientologen zu sein. Geführte Touren finden täglich jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr statt.

Saint Hill Manor
Saint Hill Road
East Grinstead
West Sussex
RH19 4JY
Tel. 01342 334171

Das Manor House in seinen ausgedehnten Parkanlagen.    © Copyright Martyn Davies

Das Manor House in seinen ausgedehnten Parkanlagen.
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The Trout Inn in Godstow (Oxfordshire) – Inspector Morses Lieblings-Pub

   © Copyright Philip Halling

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Eine schönere Lage für einen Pub kann man sich kaum vorstellen: Direkt an der Themse gelegen mit einer schönen Terrasse. Inspector Morse wusste das sehr zu schätzen und so finden wir ihn hier, genüsslich ein oder mehrere Pints schlürfend, u.a. in den Episoden „The Wolvercote Tongue„, „The Service of All the Dead“ und „The Sins of the Fathers„.

Der Pub hat verblüffende Ähnlichkeiten mit einem anderen „Trout Inn“, dem in Lechlade, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtete; vielleicht liegt es daran, dass beide direkt neben einer Brücke über die Themse liegen.

Bereits 1625 wurde aus dem ehemaligen Haus eines Fischers ein Gasthof, der mehrfach umgebaut und erweitert wurde. Steine von der gegenüberliegenden Abtei, die Anfang des 18. Jahrhunderts abgerissen wurde, verwendete man für den Erweiterungsbau der „Forelle“.
Das Innenleben des Gasthofs ist so wie man es von einem urigen englischen Country-Pub erwartet: Steinerner Fußboden, Deckenbalken aus Eiche und überall Kamine. Als Zugabe die wunderschöne Terrasse an der Themse. Pfauenliebhaber kommen hier übrigens auch auf ihre Kosten; die Tier haben kein Problem damit, quer über die Tische auf der Terrasse zu laufen.

Da Godstow nur ein paar Kilometer von Oxford entfernt liegt, haben viele berühmte Leute, die in der Universitätsstadt lebten oder arbeiteten, die „Trout“ aufgesucht, z.B. der Schriftsteller C.S. Lewis, der „Alice in Wonderland“-Schöpfer Lewis Carroll, Professor J.R.R. Tolkien, Bill und Chelsea Clinton usw. Der Dichter Matthew Arnold hat die Region um Godstow in „The Scholar Gipsy“ sehr schön beschrieben:

„And, above Godstow Bridge, when hay-time’s here
In June, and many a scythe in sunshine flames,
Men who through those wide fields of breezy grass
Where black-wing’d swallows haunt the glittering Thames,
To bathe in the abandon’d lasher pass,
Have often pass’d thee near
Sitting upon the river bank o’ergrown“

Die Küche des Trout Inns ist „modern British, comfortably interwoven with some Mediterranean influences“. Der Gasthof ist täglich ab 11 Uhr bis in den späten Abend durchgehend geöffnet. Ein sehr großer Parkplatz ist direkt gegenüber vom Pub; die sehr schmale, etwas unübersichtliche Brücke ist nur einspurig befahrbar.
The Trout
Godstow Road
Wolvercote
Oxford OX2 8PN
Tel. 01865 510930
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Published in: on 23. September 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Limpsfield (Surrey): St Peter’s Churchyard und die Musikergräber

St Peter's Church in Limpsfield (Surrey).    © Copyright b davies

St Peter’s Church in Limpsfield (Surrey).
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An der A25, einer meiner Lieblingsstraßen in England, liegt zwischen Westerham und Godstone in Surrey der kleine hübsche Ort Limpsfield. Auf dem Kirchhof von St Peter’s findet sich eine regelrechte „Zusammenballung“ von Musikergräbern, die es in dieser Form vielleicht auf keinem anderen Friedhof in England gibt (vielleicht mit Ausnahme der großen Londoner „Konkurrenten“).

Da haben wir einmal das Grab des englischen Komponisten Frederick Delius (1862-1934), der in Frankreich starb und dort auch vorübergehend beigesetzt wurde, aber er wollte seine letzte Ruhestätte imme schon gern im Süden Englands haben und so suchte und fand seine Frau Jelka schließlich diesen Platz in Limpsfield, zu dem seine sterblichen Überreste ein Jahr nach seinem Tod gebracht wurden. Jelka Delius, eine deutsche Malerin, starb 1935 und wurde an der Seite ihres Mannes begraben.

Der große Dirigent Sir Thomas Beecham (1879-1961), ein großer Verehrer von Frederick Delius, hielt die Grabrede und auch er liegt hier in Limpsfield begraben, nachdem er 30 Jahre lang auf dem Brookwood Cemetery in Woking gelegen hatte. 1991 wurde Sir Thomas hierher überführt.

Direkt neben ihm wurde ein anderer Dirigent beigesetzt: Norman Del Mar (1919-1994). Er leitete von 1951 bis 1954 das London Philharmonic Orchestra und von 1960 bis 1965 das BBC Scottish Symphony Orchestra.

Auf der anderen Seite von Sir Thomas Beecham finden wir das Grab der australischen Konzertpianisten Eileen Joyce (1912-1991). Sie hatte im Laufe ihrer langen Karriere sowohl mit Beecham als auch mit Del Mar zusammengearbeitet. Sie wohnte ganz in der Nähe auf der Chartwell Farm, die sie Sir Winston Churchill abgekauft hatte.

Weiter geht es mit Beatrice Harrison (1892-1965), eine Cellistin, die Werke von Frederick Delius gespielt hatte und für die Delius auch ein Konzert schrieb. Bei der Beerdigung des Komponisten spielte sie ebenfalls. Harrison wohnte im Nachbarort Oxted. In ihrem Garten spielte sie einmall Cello und wurde dabei von Nachtigallen begleitet (hier zu hören). Neben Beatrice liegen hier auch ihre Schwestern May, eine Violonistin, und Monica, eine Sängerin, begraben.

So haben sich hier auf dem ruhigen Friedhof rund um die Kirche von St Peter viele Musiker wiedervereinigt, die auch im Leben miteinander zu tun gehabt haben.

   © Copyright tristan forward

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   © Copyright Philip Talmage

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Published in: on 22. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Hunstanton Pier“ – Ein Song über die Stadt an der Küste Norfolks von der Band Deaf Havana

Hier, wo jetzt die Amusement Arcade steht, befand sich früher die Hunstanton Pier.   © Copyright Stacey Harris

Hier, wo jetzt die Amusement Arcade steht, befand sich früher die Hunstanton Pier.
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In meinem Blog schrieb ich schon einmal über meine Aufenthalte im LeStrange Arms Hotel in Old Hunstanton, direkt an der Küste Norfolks gelegen. Das Seebad Hunstanton liegt etwas südlich des Hotels, hat eine sehr schöne Lage, wird aber leider etwas durch die in England so beliebten Amusement Arcades und die Fast Food-Läden verunstaltet.

Im Jahr 2005 formierte sich eine Band, deren Mitglieder aus Hunstanton und King’s Lynn stammten, und die sich Deaf Havana nannte. Sie wird in die Kategorie Alternativrock eingestuft. Im November 2011 schafften sie es, mit ihrem Album „Fools and Worthless Liars“ in der Sparte „Rock & Metal Albums“ bis auf Platz Eins der Charts zu kommen. Einer der Titel darauf ist „Hunstanton Pier„, geschrieben von den beiden Bandmitgliedern James Veck Gilodi und Tom Ogden. Gilodi ging in Hunstanton zur Schule und hegt noch immer sehr schöne Erinnerungen an die Stadt („the only place I ever really felt at home“) und an seine Kindheit, die er hier verbrachte.
Die im Songtitel genannte Pier von Hunstanton gibt es allerdings nicht mehr. Piers sind oft recht empfindliche Gebilde und auch die von Hunstanton erwischte es mehrfach. 1939 brannte sie zum ersten Mal ab, dann noch einmal in den 1950er Jahren und 2002 fiel der klägliche übergebliebene Rest noch einmal einem Feuer zum Opfer. 1978 hatte ein schwerer Sturm die Pier komplett zum Einsturz gebracht.
Jetzt hat man keine Lust mehr auf eine neue Pier in Hunstanton, dafür steht dort nun auf festem Boden eine weitere Vergnügungshalle mit Bowling Alley, die hoffentlich Stürmen und Feuersbrünsten standhalten wird.

Hier ist „Hunstanton Pier“ der Band Deaf Havana zu hören und zu sehen.

Published in: on 21. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Glastonbury Abbey, der Archäologe Frederick Bligh Bond und die „Psychic Archaeology“

Die Ruinen der Glastonbury Abbey in Somerset.   © Copyright Chris Talbot

Die Ruinen der Glastonbury Abbey in Somerset.
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Über die mysteriöse New-Age-Stadt Glastonbury in Somerset habe ich in meinem Blog schon zweimal geschrieben. Wir wohnten mehrfach  in dem uralten Hotel The George & Pilgrims.
Die Glastonbury Abbey wirkt besonders bei schönem Wetter mit dem grünen Rasen, den Ruinen und dem blauen Himmel dahinter sehr beeindruckend. Hier also sollen König Artus und seine Frau Guinevere begraben sein. Über dem ganzen Gelände hängt irgendwie ein Hauch des Mysteriösen.

Der Archäologe Frederick Bligh Bond (1864-1945) begann im Jahr 1908 mit Ausgrabungsarbeiten. Er war auf der Suche nach zwei Kapellen, der Edgar und der Loretto Chapel, die hier einmal gestanden haben, die aber im Lauf der Jahrhunderte verschwunden waren. Es gab nur spärliche Hinweise in Dokumenten über die beiden Gebäude und Bond wollte sie unbedingt finden. Um sein Ziel zu erreichen, wählte er eine sehr ungewöhnliche Methode, die des Automatischen Schreibens. Bond interessierte sich schon immer für Parapsychologie und die „Psychic Archaeology„, von vielen Wissenschaftlern belächelt,  stellte für ihn die ideale Methode dar, um die beiden verschollenen Kapellen zu finden. Bond kontaktierte „William the Monk„, der ihm aus dem Jenseits mit Hilfe des Automatischen Schreibens genau zeigte, wo er graben musste, um die gesuchten Gebäude zu finden. Der Archäologe vertrat die Meinung, dass, wenn ein Mensch stirbt, der gesamte „Datenvorrat“ seines Gehirns in eine Art kosmische Datenbank fließt, die  man unter Zuhilfenahme eines Mediums anzapfen kann. Bond bediente sich in diesem Falle des Mediums John Allan Bartlett.
Die Hinweise, die Bond von „William the Monk“ erhielt, stellten sich als richtig heraus. Bei den Grabungen auf dem Gelände der Glastonbury Abbey fand er tatsächlich Überreste der Edgar und der Loretto Chapel. Als die Church of England, die Auftraggeberin für die Grabungsarbeiten, erfuhr, auf welche Weise Bond zu seinen Erkenntnissen über die Lage der Kapellen gekommen war, entließ sie ihn sofort.

In seinem Buch „Gate of Remembrance„, das 1919 erschien, geht Bond detailliert auf die Ausgrabungen in Glastonbury und die „Psychic Archaeology“ ein.

Die TV-Dokumentation „Ghosts of Glastonbury“ befasst sich mit Frederick Bligh Bond und Glastonbury. Moderiert wird sie von Tony Robinson (vielleicht einigen noch bekannt als Baldrick in der Fernsehserie „Blackadder“ an der Seite von Rowan Atkinson).

Das Buch zum Artikel:
Tim Hopkinson-Ball: The Rediscovery of Glastonbury. The History Press 2007. 236 Seiten. ISBN 978-0750945646.

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Published in: on 20. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bideford (Devon), Sir Richard Grenville und ein junger Indianer

St Mary's Church in Bideford (Devon).    © Copyright Roger A Smith

St Mary’s Church in Bideford (Devon).
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Der Name der jungen „Indianerprinzesin“ Pocahontas ist auch heute noch bekannt. Sie starb 1617 in Gravesend und wurde dort in der St George’s Church beigesetzt (s. dazu auch meinen Blogeintrag). Weniger bekannt ist, dass schon 28 Jahre vor ihr ein anderer Indianer auf englischem Boden starb und zwar der erste überhaupt. Rawley oder auch Raleigh wurde er genannt und von Sir Richard Grenville im Jahr 1586 mit nach Hause gebracht, nach Bideford in Nord-Devon.
Grenville war damals Admiral der britischen Flotte und 1585 damit beauftragt, englische Siedler nach Roanoke Island vor der Küste von North Carolina zu bringen. Der Engländer zeigte kein besonderes Feingefühl, als er dort ein Indianerdorf dem Erdboden gleich machte. Einige der Ureinwohner bekämpften den ruppigen Admiral, darunter der Stammeshäuptling Wanchese. Einer von Wancheses Leuten war besagter Rawley, der nach einem Scharmützel mit den Soldaten Grenvilles in die Hand der Engländer fiel und gefangengenommen wurde. Sir Richard nahm den Indianer kurzerhand mit nach England zurück, wo er am 26. März 1588  in der St Mary’s Church in Bideford als erster Indianer auf englischem Boden getauft wurde. Ob das mit seiner Zustimmung oder gegen seinen Willen geschah, ist heute nicht mehr bekannt. Der Taufstein ist heute noch in der Kirche zu sehen. Auch dürfte sich Rawley in der fremden Umgebung kaum wohlgefühlt haben. So starb er denn auch ein Jahr später am 2. April 1589, wahrscheinlich in Folge einer Grippeerkrankung, die auch Grenvilles kleine Tochter Rebecca kurze Zeit später im Alter von 12 Jahren dahinraffte.

Sowohl Rawley als auch Rebecca wurden auf dem Kirchhof von St Mary’s in Bideford beerdigt. Im Jahr 2012 wurde noch einmal an den Indianer gedacht, indem die örtliche Heritage Group eine Plakette anfertigen ließ und diese in Anwesenheit einer Delegation aus Bidefords Partnerstadt Manteo, die auf Roanoke Island liegt, enthüllte.

In diesem Jahr wurde auch Sir Richard Grenville mit einer Plakette geehrt, die man in der Bridge Street in Bideford anbringen ließ, dort wo er wahrscheinlich 1542 geboren wurde. Es gibt sogar ein Lied über ihn, „Lord Grenville„, das Al Stewart 1976 auf seinem Album „Year of the Cat“ veröffentlichte; hier zu hören.

Die Bridge Street in Bideford (Devon).    © Copyright Pauline Eccles

Die Bridge Street in Bideford (Devon).
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Published in: on 19. September 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Der Grosvenor Square – Ein Stück Amerika im Herzen von London

Die Botschaft der USA am Londoner Grosvenor Square.    © Copyright Nigel Chadwick

Die Botschaft der USA am Londoner Grosvenor Square.
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Mitten im Herzen Londons, in Mayfair, liegt der Grosvenor Square, ein bevorzugter Platz einiger Länder, dort, oder in unmittelbarer Nähe, ihre Botschaften zu unterhalten. Canada, Italien, Indonesien, Argentinien, Brasilien, Ägypten und Katar haben ihre diplomatischen Vetretungen hier errichtet. Dominiert wird der Platz aber von der Botschaft der Vereinigten Staaten, die am Westrand des Grosvenor Squares zu finden ist. Ja, die Präsenz der USA ist hier so deutlich spürbar, dass man von „Little America“ spricht.

Bereits John Adams residierte hier in der Nummer 9 von 1785 bis 1788, bevor er der zweite Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Später folgte ein weiterer zukünftiger US Präsident, Dwight D. Eisenhower, der während des Zweiten Weltkriegs sein militärisches Hauptquartier in der Nummer 20 des Grosvenor Squares errichtete. Ihm zu Ehren wurde am 23. Januar 1989 eine Statue eingeweiht, die gegenüber der US-Botschaft steht. Margaret Thatcher enthüllte die Statue, gemeinsam mit dem damaligen Botschafter Charles Price.

Die diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten ist seit den frühen 1960er Jahren in einem Gebäude untergebracht, dass der finnisch-amerikanische Architekt Eero Saarinen entworfen hat. Ich finde den Komplex ziemlich hässlich, und er fällt gegenüber den georgianischen Häusern des Platzes  stark ab. Der Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner sagte einmal dazu: „An impressive but decidedly embarrassing building„.

Ein weiteres Denkmal für einen amerikanischen Präsidenten steht in der Mitte des Platzes: Es ist Franklin D. Roosevelt gewidmet. Eingeweiht wurde es bereits am 12. April 1948 durch Eleanor Roosevelt, in Anwesenheit der königlichen Familie und Sir Winston Churchills.
Doch nicht genug der amerikanischen Präsidenten-Statuen. Auch Ronald Reagan ist hier mitten in London zu finden. Ein bronzener Drei-Meter-Reagan steht seit dem 4. Juli 2011 vor der US-Botschaft.
Und noch ein Denkmal: Das Eagle Squadron Memorial auf dem Grosvenor Square erinnert an die Piloten der amerikanischen Eagle Squadron; gekrönt durch einen American Bald Eagle, der sich für immer auf dem Denkmal niedergelassen hat.

Der September 11 Memorial Garden schließlich soll an die Menschen erinnern, die am 11. September 2001 ihr Leben bei den Terroranschlägen in New York verloren. Die britische Regierung ließ den kleinen Garten auf dem Grosvenor Square anlegen. Am 11. September 2003 wurde er eröffnet

Hier ist ein Film, der „Little America“ in London zeigt.

Präsident Franklin D. Roosevelt auf dem Grosvenor Square.    © Copyright Nigel Chadwick

Präsident Franklin D. Roosevelt auf dem Grosvenor Square.
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Ronald Reagan Memorial.    © Copyright R Sones

Ronald Reagan Memorial.
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Die italienische und die kanadische Botschaft am Grosvenor Square.    © Copyright Steve  Fareham

Die italienische und die kanadische Botschaft am Grosvenor Square.
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Die erste britische Hitparade – Am 14. November 1952 veröffentlicht

Al Martino im Jahr 2005.  This work has been released into the public domain

Al Martino im Jahr 2005.
This work has been released into the public domain.

Der 14. November 1952 war in der britischen Musikgeschichte ein ganz besonderer Tag, denn damals wurde erstmalig eine britische Hitparade zusammengestellt und veröffentlicht. Die Idee dazu hatte Percy Dickins, einer der Gründer der Musikzeitschrift „New Musical Express„. Er nahm Kontakt zu zwanzig Schallplattenhändlern auf, die ihm ihre Verkaufszahlen lieferten, und aus der Kumulation entstanden die ersten britischen Charts, damals noch Top 12; am 1. Oktober 1954 wurden aus den Top 12 dann die Top 20.

Der Hörfunk brauchte etwas länger, um die Hitparaden auszustrahlen. Die BBC sendete ab 1955 „Pick of the Pops„, in der Hits gespielt wurden. Ab 1957 stellte Alan Dell die Hitparaden mehrerer Musikzeitschriften vor und am 29. März 1958 schließlich gab es die ersten Top 20 der BBC, moderiert von dem kürzlich am 2. September verstorbenen David Jacobs.

Die Top 12 an jenem 14. November 1952 wurden von US-amerikanischen Sängerinnen und Sängern beherrscht. Die Engländerin Vera Lynn, die in der Kriegszeit durch Songs wie „We’ll Meet Again“ und „There’ll Always Be an England“ außerordentlich populär war, konnte sich auch in die Nachkriegszeit hinüberretten wie die erste Hitparade zeigte, in der sie gleich mit drei Titeln vertreten war. Dann war da noch der gebürtige Österreicher Ray Martin mit seinem Orchester auf Platz 8 mit seinem „Blue Tango“ und der Sänger, Schauspieler und Comedian Max Bygraves, der im vorigen Jahr starb, mit seiner „Cowpuncher’s Cantata“ auf Platz 12. Die ersten sieben Plätze der Charts waren fest in amerikanischer Hand.

Hier sind die erfolgreichsten Titel vom November 1952:

1 HERE IN MY HEART – Al Martino
2 YOU BELONG TO ME – Jo Stafford
3 SOMEWHERE ALONG THE WAY – Nat King Cole
4 THE ISLE OF INNISFREE – Bing Crosby
5 FEET UP – Guy Mitchell
6 HALF AS MUCH – Rosemary Clooney
7 FORGET ME NOT – Vera Lynn
7 HIGH NOON – Frankie Laine
8 BLUE TANGO – Ray Martin
8 SUGARBUSH – Doris Day And Frankie Laine
9 THE HOMING WALTZ – Vera Lynn
10 AUF WIEDERSEH’N SWEETHEART – Vera Lynn
11 BECAUSE YOU’RE MINE – Mario Lanza
11 COWPUNCHER’S CANTATA  – Max Bygraves
12 WALKING MY BABY BACK HOME – Johnnie Ray
Vera Lynn im Jahr 1973. Author: Allan Warren. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Vera Lynn im Jahr 1973.
Author: Allan Warren. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 17. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die National Parish Magazine Awards – Wer hat das schönste Gemeindeblatt?

Hier in Bruton (Somerset) erscheint "The Dove).    © Copyright Nigel Freeman

Hier in Bruton (Somerset) erscheint „The Dove“.
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Gemeindeblätter waren früher häufig recht dröge Angelegenheiten, mit einem langweiligen Layout, nicht besonders ansprechend. Das hat sich aber geändert; mit neuen technischen Möglichkeiten, die nicht so teuer sind, kann man aus dem guten alten „Parish Magazine“ jetzt pfiffige moderne Ausgaben zaubern, die die Gemeindemitglieder gern zur Hand nehmen.

Die Firma Parish Mag Printers in Salisbury hat sich auf die Herstellung dieser Magazine spezialisiert und vergibt jährlich die Parish Magazine Awards. Am 30. November werden die Gewinner des Jahres 2013 bekanntgegeben. Hier sind die Preisträger des Jahres 2012.

In der Kategorie „Best Overall Magazine“ siegte zuletzt „The Dove Magazine„, das die Orte Brewham, Bruton, Pitcombe, Redlynch, Shepton Montague und Wyke Champflower in Somerset bedient. Auf über 70 Seiten wird hier über das Gemeindeleben informiert, allerdings mit sehr viel Werbung versehen, aber irgendwo muss das Geld für die Herstellungskosten ja herkommen. In der Septemberausgabe inseriert übrigens das Hotel/Restaurant „At the Chapel“, das ich an dieser Stelle in Zusammenhang mit Bruton schon einmal erwähnte.

Den Preis für „Best Content“ erhielt das „Loddon Reach Magazine„, das die Gemeinden Beech Hill, Farley Hill, Grazeley, Riseley, Shinfield, Spencers Wood, Swallowfield und Three Mile Cross mit Lokalinformationen versorgt. Alle diese Orte liegen in der Nähe von Reading in Berkshire. Das kostenlose Gemeindeblatt erschien erstmals 2008, nachdem sich drei separate Lokalmagazine zusammengeschlossen hatten.

In der Kategorie „Best Design“ überzeugte die Jury „The Ivybridge Magazine am meisten. Das Blatt erscheint in der kleinen Gemeinde Ivybridge am äußersten südlichen Zipfel des Dartmoors in Devon und es behauptet von sich: „The Ivybridge magazine truly supports the local community and businesses, and residents eagerly await its delivery every month to READ IT, not simply put it aside as a reference directory.“

Eine weitere Kategorie ist „Best Print“ und da zeichnete sich in erster Linie „Hunstanton Town and Around“ aus, ein Magazin, das das Seebad Hunstanton an der Nordwestküste von Norfolk und die umgebenden Dörfer mit Nachrichten versorgt. Ich finde auch die Webseiten sehr gut aufbereitet; hier kann man die aktuelle und auch die früheren Ausgaben komplett durchblättern.

Schließlich gibt es noch die Kategorie „Best Editor“ und den Preis dafür erhielt das „Markyate Monthly„. Markyate ist eine Gemeinde in der Grafschaft Hertfordshire. Leider unterhält dieses Magazin noch keine eigene Webseite.

"Hunstanton Town and Around" wird hier in Norfolk herausgegeben.    © Copyright Martin Pearman

„Hunstanton Town and Around“ wird hier in Norfolk herausgegeben.
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Published in: on 16. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Epsom Cluster – Nervenheilanstalten am Rande der Stadt der Pferderennen

Der Verwaltungstrakt des ehemaligen Horton Asylums heute. Author: D.A. Gregory. The copyright holder of this file has irrevocably released all rights to it.

Der Verwaltungstrakt des ehemaligen Horton Asylums heute.
Author: D.A. Gregory.
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Nervenheilanstalten in London komplett belegt, so dass ein Bedarf an weiteren Häusern bestand, die sich um Patienten mit psychischen und nervlichen Problemen kümmerten. Man ging an die Peripherie der Stadt und etwa da, wo heute die M25 wie ein Ring London umschließt, stehen bzw. standen viele dieser „mental hospitals“.

Ein Schwerpunkt war die Stadt Epsom im Süden , wo gleich zwölf Anstalten geplant waren, aber „nur“ fünf gebaut wurden. Die Bürger der Stadt waren von dieser „Epsom Cluster“ genannten Zusammenballung von „Irrenhäusern“ überhaupt nicht begeistert und man protestierte dagegen. Reiche Londoner, die die Ställe für ihre Rennpferde in Epsom hatten, verlegten diese nach Newmarket, was wiederum einen wirtschaftlichen Abschwung für die Stadt in Surrey brachte. Aber: Es nützte alles nichts, das erste der Krankenhäuser, das Manor Asylum, wurde kurz vor der Jahrhundertwende eröffnet. Es folgten Horton, Long Grove, St Ebba’s und West Park. Alle waren sie auf dem Horton Manor Estate angesiedelt. Es gab eine Zeit, da waren nirgendwo in Europa so viele Geisteskranke zusammengefasst wie hier im Epsom Cluster.

Leider gab es in diesen fünf Hospitälern auch dunkle Seiten, denn an den Insassen wurden im großen Stil äußerst fragwürdige Experimente vorgenommen. Im Horton Asylum zum Beispiel erforschte man die Malaria-Krankheit. In der Mosquito Chamber ließ man Insassen durch Moskitos stechen, die daraufhin Malariafieber bekamen, das wiederum bestimmte Bakterien abtöten sollte, die die Neurosyphilis verursachten. Drei von zehn Testpersonen sollen die Experimente nicht überlebt haben.

Im Long Grove Asylum erforschte man Typhus, an Frauen, die wie im Gefängnis untergebracht waren und deren geistiger Zustand durch diese Verhältnisse noch schlechter geworden sein soll.

In den 1970er und 1980er Jahren war die Zahl der Patienten in den fünf Anstalten rückläufig, da der Staat mehr darauf setzte, die psychisch Kranken stärker in die Gemeinschaft einzugliedern statt sie wegzuschließen. Als erstes schloss Long Grove (1992), The Manor folgte 1996 und Horton 1997. St Ebba’s und West Park wurden in großen Teilen 2003/2004 geräumt. Der National Health Service hält nur noch in geringem Maße Stationen offen; der größte Teil der riesigen Anlage wurde abgerissen, umgebaut oder durch Wohnhäuser ersetzt.

Hier ist ein Film, der das verlassene West Park Asylum zeigt.

Das Buch zum Artikel:
Ruth Valentine: Asylum, hospital, haven – A history of Horton Hospital. Riverside Mental Health Trust 1996. 132 Seiten. ISBN 978-0952830603.

St Ebba's im Jahr 2010. Author: D. A. Gregory . This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

St Ebba’s im Jahr 2010.
Author: D. A. Gregory .
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

Published in: on 15. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir William Schwenck Gilbert (1836-1911) und sein tragischer Tod auf Grim’s Dyke im Nordwesten Londons

Grim's Dyke. Author: Jack1956. This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Grim’s Dyke.
Author: Jack1956.
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Gilbert und Sullivan bilden in der Musikgeschichte eine Einheit; der eine ist ohne den anderen nicht vorstellbar. Sir William Schwenck Gilbert (1836-1911) schrieb die Texte und Sir Arthur Sullivan (1842-1900) die Musik zu ihren komischen Opern, die auch heute noch im 21. Jahrhundert aufgeführt werden. „The Pirates of Penzance“ (dt. „Die Piraten von Penzance“) , „H.M.S. Pinafore“ (dt. „H.M.S. Pinafore oder Das Mädchen, das einen Matrosen liebte“) und „The Mikado“ (dt. „Der Mikado“) gehören zu ihren erfolgreichsten Werken.

W.S. Gilbert verbrachte die letzten zwanzig Jahre seines Lebens im Nordwesten Londons, in Harrow Weald, in einem Landhaus namens Grim’s Dyke, das von dem schottischen Architekten Richard Norman Shaw für den Maler Frederick Goodall gebaut worden war. Über Shaws Cragside in Northumberland berichtete ich in meinem Blog schon einmal.
1890 kaufte Gilbert das Haus und gestaltete es nach seinen Vorstellungen um. Hier schrieb er auch eine ganze Reihe seiner Werke. Gilbert hatte ein Nerv für Tiere und so fand man auf Grim’s Dyke u.a. Jersey-Rinder, Pferde, Schweine, aber auch exotischere Lebewesen wie verschiedene Affenarten.

Auf dem weitläufigen Anwesen hatte Gilbert einen See angelegt, in dem er Forellen aussetzte und den er auch regelmäßig zum Schwimmen nutzte. Leider wurde ihm dieser See zum Verhängnis, denn am 29. Mai 1911 kam er darin um. Am Nachmittag dieses sehr warmen Tages hatte er zwei junge Damen zu Gast, denen er Schwimmunterricht geben wollte. Die 17-jährige Patricia Preece (die später zur Bloomsbury Group gehören sollte) geriet dabei in Panik, als sie merkte, dass der See doch sehr viel tiefer war, als sie vermutete. Sie rief um Hilfe, und Sir William machte sich sofort auf den Weg, um dem Mädchen zu helfen. Bei dem Rettungsversuch des erfahrenen Schwimmers bekam dieser aber plötzlich Probleme, versank unter der Seeoberfläche und tauchte nicht mehr auf. Die beiden Frauen kämpften sich ans Ufer und holten Unterstützung, doch der Mann konnte nur noch tot geborgen werden. Der 74-jährige Sir William starb bei dem Rettungsversuch an Herzversagen, wahrscheinlich durch Überanstrengung.

Lady Gilbert sperrte daraufhin den See ab und ließ ihn zum Teil trockenlegen. Er befindet sich noch heute auf dem Grundstück.

Grim’s Dyke wurde in ein Country House Hotel mit dem gleichen Namen umgewandelt, das die Erinnerung an den berühmten Vorbesitzer aufrecht hält. Man veranstaltet Gilbert & Sullivan Opera Dinners und Gilbert & Sullivan Matinee Cream Teas. Die Grim’s Dyke Opera Company führt Werke der beiden auf. Das alles geschieht auf ausdrücklichen Wunsch Lady Gilberts, die seinerzeit beim Verkauf des Hauses die zukünftigen Besitzer bat, Gilbert und Sullivans „comic operas“ in Ehren zu halten.

Hier sind einige Bilder vom Grim’s Dyke Hotel.

Der See, in dem Sir William ertrank. Author: Jack1956. This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Der See, in dem Sir William ertrank.
Author: Jack1956.
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Author: Jack1956. This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Author: Jack1956.
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The Lord Warden of the Cinque Ports – Ein zeremonielles Amt, das schon seit dem 12. Jahrhundert existiert

Walmer Castle, Amtssitz des Lord Warden.    © Copyright Helmut Zozmann

Walmer Castle, Amtssitz des Lord Warden.
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Die Cinque Ports waren einmal fünf Hafenstädte (Dover, Hastings, Hythe, New Romney, Sandwich) an der englischen Südküste, die sich militärisch und wirtschaftlich zusammengeschlossen hatten. Da die die Krone ihnen einige Freiheiten und Sonderrechte einräumte, stellten die Städte eine wirtschaftliche Macht dar und es ging ihnen gut. Ein besonders mächtiger Mann war der Lord Warden of the Cinque Ports, der sozusagen der Boss dieser Allianz war. Das Amt wurde im 12. Jahrhundert geschaffen, und der Amtsinhaber kam, was die Bedeutung anbelangt, gleich nach dem König. Henry of Essex war der erste Lord Warden (ca 1150).

Im Laufe der Jahrhunderte verloren die fünf Hafenstädte an Bedeutung. Man hatte zwar noch weitere Städte in das Bündnis aufgenommen wie Rye und Winchelsea, später noch sieben weitere, aber es ging weiterhin abwärts. Einige der Cinque Ports hatten mit Versandung ihrer Häfen zu kämpfen (Musterbeispiele sind Rye und Sandwich), aber, wie das in England so ist, man hielt an der Tradition fest und es gibt ihn noch heute, den Lord Warden. In den meisten Fällen stellte der Adel oder die Politik den Amtsinhaber, der seine Rechte und Pflichten bis zu seinem Lebensende ausüben muss. Von 1941 bis 1965 war das Sir Winston Churchill, von 1966 bis 1978 der australische Premierminister Sir Robert Menzies; ihm folgte die Queen Mum von 1978 bis 2002.

Der gegenwärtige Lord Warden ist seit 2002 der hochdekorierte ehemalige Erste Seelord der Marine Michael Cecil Boyce. Als Chef der Cinque Ports, heute nur noch ein zeremonielles Amt, residiert er im Walmer Castle, südlich der Stadt Deal in Kent, das vom English Heritage unterhalten wird. Die Queen Mum hat sich hier häufiger aufgehalten, um ihren Amtspflichten nachzukommen und zu ihrem 95. Geburtstag legte man im Walmer Castle einen ihr gewidmeten Garten an, der, wie die gesamte Anlage, besichtigt werden kann.

Wie es bei der Amtseinführung Sir Winston Churchills 1941 zuging, zeigt dieser Film. Und hier ist eine Parade aus dem Jahr 2009 zu sehen, mit dem gegenwärtigen Lord Warden Michael Cecil Boyce.

Der gegenwärtige Lord Warden Michael Cecil Boyce. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.

Der gegenwärtige Lord Warden Michael Cecil Boyce.
As a work of the U.S. Federal Government, the image is in the public domain.

Auch ein Pub in Hastings wurde nach dem Lod Warden benannt.    © Copyright Oast House Archive

Auch ein Pub in Hastings wurde nach dem Lord Warden benannt.
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Published in: on 13. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die 10 besten Restaurants des Jahres 2013 in Großbritannien – So wie es der Good Food Guide sieht

Top 1: L'Enclume in Cartmel (Cumbria). Author: TruffUK. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Top 1: L’Enclume in Cartmel (Cumbria).
Author: TruffUK. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Waitrose Good Food Guide hat in seinem gerade erschienen Restaurant-Führer 2014 die besten Etablissements des Jahres 2013 genannt. Unter den Top Ten gibt es eine Überraschung, denn wir haben es mit einer neuen Nummer 1 zu tun. Klammheimlich hat sich „L’Enclume“ an allen berühmten Londoner Restaurants und vor allem an Heston Blumenthals „Fat Duck“ in Bray vorbeigeschlichen und darf sich jetzt „Großbritanniens bestes Restaurant“ nennen.

Simon Rogan ist der Boss des „L’Enclume“ (auf Deutsch „Der Amboss“), das in dem kleinen Dorf Cartmel in der Grafschaft Cumbria zu finden ist. Er ging bei Marco Pierre White in die Lehre und eröffnete im Jahr 2003 sein Restaurant hier in Cartmel in einer ehemaligen Schmiede (daher auch der Name). Rogan hat eine eigene Farm, die fast alle Zutaten für seine Küche liefert. Bereits 2009 schrieb der „Telegraph“ über den Zwei-Michelin-Sterne-Koch: „…combines a technical virtuosity that would impress Heston Blumenthal with a passion for growing, and garrotting that would have Hugh Fearnley-Whittingstall loading both barrels in jealousy„. Obwohl „L’Enclume“ weit entfernt von den großen Metropolen liegt, ist das Restaurant immer gut besucht und da Simon Rogan jetzt die Nummer Eins auf der Insel ist, dürften wohl nun auch häufiger Autos aus London und dem „reichen Süden“ vor seinem Restaurant parken. Das Tasting Menu kostet hier abends £120, etwas weniger als in Heston Blumenthals „Fat Duck“.

Hier sind die Plätze 2-10:

2. The Fat Duck in Bray (Berkshire)
3. Restaurant Nathan Outlaw im St Enodoc Hotel in Rock Cornwall (gegenüber von Padstow gelegen)
4. Restaurant Sat Bains in Nottingham
5. Restaurant Gordon Ramsay an der Royal Hospital Road in London
6. Pollen Street Social in der Londoner Pollen Street (nahe der Regent Street)
7. Hibiscus in der Maddox Street in London (ebenfalls nahe der Regent Street)
8. The Square in der Bruton Street im Londoner Stadtteil Mayfair
9. The Ledbury in der Ledbury Street in Notting Hill (London)
10. Le Manoir aux Quat’Saisons in Great Milton (Oxfordshire)

Top 2: The Fat Duck in Bray (Berkshire). Eigenes Foto.

Top 2: The Fat Duck in Bray (Berkshire).
Eigenes Foto.

Top3: Restaurant Nathan Outlaw im St Enodoc Hotel in Rock (Cornwall).    © Copyright Chris Allen

Top 3: Restaurant Nathan Outlaw im St Enodoc Hotel in Rock (Cornwall).
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Published in: on 12. September 2013 at 02:00  Comments (1)  

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Die „Detective Tours“ des Antony Richards

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Ich werde immer wieder gefragt, da ich in meinem Blog schon sehr viel über die TV-Serie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ geschrieben habe, ob ich denn Firmen kenne, die Touren durch die Schauplätze der Krimiserie veranstalten. Von Deutschland aus ist das eher selten der Fall. Ab und zu bietet ein deutsches Busunternehmen so eine Reise an; in England dagegen gibt es mehrere Midsomer-Tours, von unterschiedlichen Firmen angeboten. Da ich selber lieber auf eigene Faust unterwegs bin, habe ich so eine Tour noch nicht mitgemacht, kann aber die „Detective Tours“ aus Sawston in Cambridgeshire empfehlen, da sie von Antony Richards gestaltet werden, einem echten Kenner, sowohl der Serie als auch der Drehorte.

Richards hat das von Sabine Schreiner und Joan Street geschriebene Buch „Midsomer Murders on Location“ (Irregular Special Press 2009) herausgegeben. Ich traf eine seiner Bustouren im Long Crendon Manor (Buckinghamshire) an, wo man sich in der Hall zum Tee angesagt hatte,  und wo ich zu der Zeit gerade wohnte.
Die Touren können individuell zusammengestellt werden; so werden u.a. angeboten:

– Badger’s Drift, wo Joyce Barnaby in „Painted in Blood“ (dt. „Der Tod malt mit“) einen Malkurs buchte – Das ist The Lee in Buckinghamshire
– Die Kirche, von der Reverend Stephen Wentworth (Richard Briers) in „Death’s Shadow“ (dt. „Der Schatten des Todes“) zu Tode sprang – Das ist Holy Trinity in Bledlow in Buckinghamshire
– Das Causton Theatre, das in „Death of a Hollow Man“ (dt. „Requiem für einen Mörder“) eine wesentliche Rolle spielte – Das ist die Corn Exchange in Wallingford in Oxfordshire
– Die Kirche, in der „Ring Out Your Dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“) gedreht wurde – Das ist Saint Leonard in Watlington in Oxfordshire

Antony Richards und seine „Detective Tours“ stellen allerdings nicht die Busse; er organisiert die Touren und arbeitet  mit Busunternehmen zusammen.

Mr Richards hat sich auch ausgiebig mit der TV-Serie „Inspector Morse“ beschäftigt und darüber das Buch „Inspector Morse on Location“ (Irregular Special Press 2011) geschrieben. Das Buch ist genauso aufgebaut wie „Midsomer Murders on Location“ und auch für diese Schauplätze bietet er eine Tour an, mit einem besonderen Highlight, das dazugebucht werden kann: „Champagne tea at the Randolph Hotel with Colin Dexter“. Das klingt doch verlockend! Ich habe in dem Hotel in Oxford einmal gewohnt und dort auch in der Morse Bar einen Drink zu mir genommen (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Antony Richards
Detective Tours
Endeavour House

170 Woodland Road
Sawston
Cambridge
CB22 3DX

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 11. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Horace Batchelor, „the Amazing Infra Draw-Method“, Radio Luxembourg und Keynsham (Somerset)

Das "sagenumwobene"  Keynsham, in dem Horace Batchelor sein Büro hatte.    © Copyright Jaggery

Das „sagenumwobene“ Keynsham, in dem Horace Batchelor sein Büro hatte.
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Als Teenager hörte ich wahnsinnig gern die englische Sparte des Senders Radio Luxembourg. Der Empfang über mein Transistorradio war manchmal zwar grottenschlecht, aber egal: Ich klebte jeden Abend vor dem Radio und hörte mir die Sendungen von Tony „The Royal Ruler“ Prince, Brian Alldis oder Paul Burnett an. Werbung gab es bei dem Sender auch, vor allem eine, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Immer wieder wurden die Musiksendungen unterbrochen, wenn ein gewisser Horace Batchelor Reklame für seine „Amazing Infra-Draw Method“ machte: „Hello, friends,“ sagte er wieder und wieder, „This is Horace Batchelor, the inventor of the fabulous Infra-Draw System. You too can start to win really worthwhile dividends using my method.“ Bei der Sache handelte es sich um eine dubiose Sportwette, eine Art Toto, bei der man, mit Hilfe des von Horace Batchelor ausgearbeiteten Systems, angeblich sehr viel Geld gewinnen konnte. Die Werbedurchsage endete jeweils mit der Angabe der Adresse, wo man sich dieses System kaufen konnte:
Horace Batchelor, Department 3, Keynsham, spell K-E-Y-N-S-H-A-M., Bristol„. Kaum jemand von den Hörern wusste damals, wo Keynsham lag, aber jeder konnte den Ort buchstabieren.

Batchelor scheint mit dem Verkauf seiner „Infra-Draw Method“ nicht schlecht verdient zu haben, denn er bewohnte ein Haus mit 27 Schlafzimmern an der Bath Road in Saltford, das er „Infra-Draw Grange“ nannte. Bis zu 5000 Bestellungen erreichten an guten Tagen sein Büro. Durch Horace Batchelor nahm Radio Luxembourg eine Zeit lang seine größten Werbeeinnahmen ein. Mich nervten damals diese Werbeeinblendungen kolossal; neben der „Infra-Draw Method“ habe ich noch die Jingles für „Babycham“ im Ohr, ein alkoholhaltiges, leicht sprudelndes Getränk, das aus Birnen hergestellt wurde.

Horace Batchelor starb am 8. Januar 1977 in einem Krankenhaus in Bath und kaum noch jemand kann sich an ihn erinnern (ausgenommen die eingefleischten Hörer von „208 Radio Luxembourg“ von damals).

Keynsham übrigens ist eine kleine Stadt an der A4 zwischen Bristol und Bath, die meines Wissens noch nie in irgendeiner Form hat von sich reden machen. Es gab einmal eine Langspielplatte der The Bonzo Dog Band, die den Titel „Keynsham“ trug, eine Referenz an Horace Batchelor.

Wer sich einmal den Werbespot anhören möchte, bitte schön, hier ist er.

Das literarische Marlow (Buckinghamshire) – Teil 3: Wer hier sonst noch lebte und arbeitete

The Two Brewers. Hier schrieb Jerome K. Jerome an seinen "Drei Männern".    © Copyright Nigel Cox

The Two Brewers. Hier schrieb Jerome K. Jerome an seinen „Drei Männern“.
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Wenn man den Namen Marlow hört, denken viele automatisch auch an Jerome K. Jerome, der das unvergleichliche Buch „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot) geschrieben hat. Jerome wohnte in verschiedenen Häusern in Marlow von 1910 bis 1920, darunter Monks Corner in Marlow Common und in Wood End House. Es gibt mehrere Pubs in der Umgebung, die von sich behaupten, Jerome hätte sein berühmtes Buch in ihren Mauern geschrieben, darunter auch The Two Brewers in der St Peter Street in Marlow, gleich hinter der All Saints Church, in einer Sackgasse, die an der Themse endet. In diesem Pub spielt übrigens auch eine Szene der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ und zwar die Episode 42 „Sauce For the Goose“ (dt. „Die Leiche ist heiß“), in der Tom Barnaby bei einem Drink Helen Plummer recht nahe kommt. Auch in Folge 54  „King’s Crystal“ (dt. „Ein Sarg aus China“) drehte man hier in der St Peter Street.

In der West Street, über die ich in Teil 1 und Teil 2 dieser Mini-Serie in  meinem Blog bereits berichtete, findet sich noch eine weitere Plakette, die an einen Literaten erinnert, der heute allerdings in Vergessenheit geraten ist. In dem Haus mit der Nummer 47 wohnte Thomas Love Peacock (1785-1866), der mit Percy Bisshe Shelley eng befreundet war (den Mary Shelley allerdings nicht sehr leiden mochte). Hier schrieb er 1818 seinen damals wohl bekanntesten Roman „Nightmare Abbey“ (dt. „Nachtmahr-Abtei“). Außer diesem Roman wurde keines seiner anderen Werke ins Deutsche übersetzt. In dem Haus in der West Street ist heute die Firma Mandarin Stone untergebracht.

Zwei weitere Schriftsteller hatten sich im 19. Jahrhundert in Marlow niedergelassen, die wie Peacock kaum noch jemand kennt:
George Payne Rainsford James schrieb 90 vorwiegend historische Romane, die damals sehr erfolgreich waren. Übersetzt wurde, so weit ich das ermitteln konnte, nur sein Roman „Forest Days„, der unter dem Titel „Der Rächer vom Sherwood“ erschien. James wohnte in der Oxford Street.
Schließlich gab es da noch einen Francis Edward Smedley (1818-1864), der in Marlow geboren wurde und gewisse Erfolge mit seinen Romanen „Frank Fairlegh“ (1850) und „Harry Coverdale’s Courtship“ (1855) hatte. Übersetzt wurde meines Wissens gar nichts von ihm. Er wohnte am Ende seines Lebens in einem Landhaus namens Beechwood am Rande der Stadt.

Über das Hotel „The Compleat Angler“ am Ufer der Themse, das ja auch eine literarische Verbindung hat, habe ich in meinem Blog bereits geschrieben.

Das literarische Marlow (Buckinghamshire) – Teil 2: Das Albion House in der West Street, Mary Shelley und Frankenstein

1817 zogen Percy Bysshe Shelley und seine Frau Mary nach Marlow in Buckinghamshire und wohnten hier im Albion House in der West Street. Sie schlossen einen Pachtvertrag für 21 Jahre ab, blieben aber nur ein knappes Jahr hier, denn schon 1818 zog es die beiden nach Italien, wo Percy 1822 starb.
Das Albion House war recht groß, so dass ausreichend Platz war für Percy, Mary, ihren gemeinsamen Sohn William, Marys Stiefschwester Claire Clairmont und deren Tochter Allegra, und das Schweizer Kindermädchen Elise. Im September gebar Mary eine Tochter, Clara Everina Shelley, die aber schon nach drei Wochen wieder starb. Eigentlich fühlten sich die Shelleys wohl hier, aber das Haus hatte den Nachteil, dass es sehr feucht war, und als das Paar auszog, waren ihre Bücher alle schimmelig geworden.

Hier in der West Street von Marlow erblickte ein Monster das Licht der Welt: Mary Shelley schrieb ihren Roman „Frankenstein“ zu Ende und veröffentlichte ihn anonym im Januar 1818. Neben Bram Stokers „Dracula“ gilt „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ als der berühmteste Horrorroman der Literaturgeschichte (wobei Viktor Frankenstein nicht der Name des Monsters, sondern der seines Schöpfers ist). 500 Exemplare wurden damals gedruckt und viele glaubten, dass es aus der Feder ihres Mannes stammte. Anfangs war die Reaktion auf das Buch in Literaturkreisen nicht besonders positiv, aber nach und nach wurde es immer bekannter, und Mary Shelley ist hauptsächlich mit diesem Werk bis heute berühmt geblieben; nicht zuletzt aufgrund der zahllosen Verfilmungen des Stoffes.

Percy hatte eine Menge Geld in die Möblierung des Hauses gesteckt; Geld, das er eigentlich gar nicht hatte, sondern sich leihen musste. Die finanziellen Probleme sollten ihn noch länger verfolgen. 1818 packten die Shelleys ihre Koffer und verließen Albion House für immer; ihr neues Ziel hieß Italien.

Das Haus in der West Street wurde am 16 Juli 1949 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist heute in vier Wohnungen unterteilt. Wer es sich von außen einmal ansehen möchte: Es steht neben der Sir William Borlase’s Grammar School und ist sofort durch die merkwürdig geformten Fensterrahmen zu erkennen. Nur ein paar Schritte weiter, auf der gleichen Straßenseite, steht Englands einziger Pub mit zwei Michelinsternen, The Hand and Flowers.

Plakette am Albion House in Marlow. Photographed by Marvin Barretto for Open Plaques. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic

Plakette am Albion House in Marlow.
Photographed by Marvin Barretto for Open Plaques.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic

Published in: on 8. September 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Das literarische Marlow (Buckinghamshire) – Teil 1: Die West Street 31 und T.S. Eliot

Marlow, West Street 31. Hier wohnte T.S. Eliot. With freindly permission of Michael Macdonald of The Vanilla Pod.

Marlow, West Street 31. Hier wohnte T.S. Eliot.
With friendly permission of Michael Macdonald of The Vanilla Pod.

Über die Themsestadt Marlow in Buckinghamshire habe ich in meinem Blog schon einige Male geschrieben.  Dichter und Schriftsteller haben sich im Laufe der Zeit in dem hübschen Ort niedergelassen und eine gewisse „Zusammenballung“ dieser Damen und Herren fand in der West Street statt, die sich von der Stadtmitte in Richtung Henley-on-Thames zieht.

In der Hausnummer 31 wohnte der 1888 in St Louis geborene Lyriker und Dramatiker Thomas Stearnes Eliot, der 1948 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ging Eliot nach England und blieb hier auch für den Rest seines Lebens. 1927 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an, denn er fühlte sich sowieso mehr als Brite denn als Amerikaner. Seinen größten literarischen Erfolg landete er 1935 mit dem Drama „Mord im Dom„, in dem die letzten Tage des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Becket, dargestellt werden.

Eliot zog im Jahr 1917 mit seiner Frau Vivienne Haigh Wood nach Marlow, wo sie sich im Haus mit der Nummer 31 niederließen. Der Philosoph Bertrand Russell stellte ihnen dort die Wohnung, die ihm gehörte, zur Verfügung.  Auch soll er hier eine Affäre mit Vivienne eingegangen sein, was T.S. Eliot verständlicherweise gar nicht gefiel und was die Ehe schwer belastete. Im Garten des Hauses in Marlow schrieb Eliot seine „Ode on Independence Day, July 4th 1918„, ein Gedicht, in dem er seine verletzten Gefühle zum Ausdruck bringt. Auch Aldous Huxley hatte eine gewisse Schwäche für Eliots Frau, denn 1918 schrieb er an seinen Bruder Julian: „She is such a genuine person, vulgar, but with no attempt to conceal her vulgarity“.
Schon im Jahr 1920 zogen die Eliots wieder aus Marlow weg und verbrachten die nächsten zehn Jahre ihres Lebens in London in 9 Clarence Gate Gardens.

An dem Haus in der West Stret 31 erinnert eine blaue Plakette an den berühmten Bewohner. Heute ist in dem Haus ein „Fine Dining“-Restaurant untergebracht, The Vanilla Pod, in dem Chefkoch Michael Macdonald am Herd steht; ein Restaurant, das schon mehrfach ausgezeichnet worden ist.

Hier ist eine Dokumentation über T.S. Eliot zu sehen.

T.S. Eliot.  This image (or other media file) is in the public domain because its copyright has expired.

T.S. Eliot.
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Die West Street in Marlow (Buckinghamshire).    © Copyright Des Blenkinsopp

Die West Street in Marlow (Buckinghamshire).
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Robert Stephen Hawker und Cornwalls Nationalhymne „The Song of the Western Men“

Robert Stephen Hawker. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Robert Stephen Hawker.
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Robert Stephen Hawker (1803-1875) verbrachte einen großen Teil seines Lebens als Pfarrer in Morwenstow, einer kleinen Gemeinde nördlich von Bude, an der Nordküste Cornwalls. Als er 1834 das Amt übernahm, fand sich Hawker in einer wilden, rauen Gegend wieder. Seit Menschengedenken hatte es hier keinen Pfarrer mehr gegeben und Schmuggler und Strandräuber bestimmten das Leben in diesem Teil Cornwalls. Häufig strandeten Schiffe an den Felsen vor der Küste, und während einige Bewohner sich dabei vor allem für den Inhalt des Schiffsbauchs interessierten, kümmerte sich Hawker um die toten Seeleute, die er auf dem Friedhof von Morwenstow begrub. „Parson Hawker“, wie er genannt wurde, konnte sich in seiner rauen Gemeinde durchsetzen; vielleicht mochte man auch sein exzentrisches Verhalten. Er baute sich z.B. eine kleine Hütte aus angeschwemmten Holz, Hawker’s Hut, in die er sich zurückzog, um dort seine Gedichte zu schreiben, eine Leidenschaft von ihm. Die windschiefe Hütte steht heute unter dem Schutz des National Trusts.

Hawker soll seine Hauskatze exkommuniziert haben, weil sie an einem Sonntag auf Mäusejagd ging, er unterhielt sich mit Vögeln und hielt ein Schwein als Haustier. Er baute sich ein Pfarrhaus und modellierte die Schornsteine nach den Türmen der Kirchen, in denen er angestellt war. Als er 1875 starb, konvertierte er noch auf seinem Sterbebett zum römisch-katholischen Glauben.

Vielleicht würde heute kaum noch jemand von Robert Stephen Hawker sprechen, hätte er nicht 1825 das Gedicht „The Song of the Western Men“ geschrieben, das 1861 von einer gewissen Luisa T. Clare vertont wurde. Darin geht es um Sir Jonathan Trelawney (1650-1721), den Bischof von Bristol, der sich gegen die „Declaration of Indulgence“ König James II. aussprach, in der der Monarch den Katholiken mehr Toleranz zusicherte. Trelawney, der aus Cornwall stammte, wurde im Londoner Tower eingesperrt und 20 000 Menschen aus Cornwall machten sich auf den Weg, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien („King James’s men shall understand what Cornish lads can do“).

Das Lied, das auch manchmal nur kurz „Trelawney“ genannt wird, entwickelte sich zu einer Art Nationalhymne der Grafschaft Cornwall und bei Festlichkeiten oder bei Sportereignissen wird sie heute gern gesungen (bzw. gegrölt).

Hier ist „The Song of the Western Men“ zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Patrick H. Hutton: I Would Not be Forgotten – The Life and Work of Robert Stephen Hawker. Tabb House 2004. 264 Seiten. ISBN 978-1873951484.

The Old Vicarage in Morwenstow (Cornwall).    © Copyright Humphrey Bolton

The Old Vicarage in Morwenstow (Cornwall).
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Hawker's Hut in Morwenstow.    © Copyright Humphrey Bolton

Hawker’s Hut in Morwenstow.
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Published in: on 6. September 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Peter the Wild Boy

Peters Grab auf dem Friedhof von St Mary's in Northchurch (Hertfordshire).    © Copyright Martin

Peters Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Northchurch (Hertfordshire).
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Auf dem Friedhof der Kirche St Mary’s in Northchurch (Hertfordshire) bei Berkhamsted steht ein einfacher Grabstein mit der Inschrift „Peter the Wild Boy 1785„. Im Februar 1785 starb jener Peter im Alter von möglicherweise 74 Jahren hier in Hertfordshire und sogar heute noch werden hin und wieder Blumen vor seinem Grabstein abgelegt.

Der „wilde Peter“ wurde 1724 in der Nähe von Hameln aufgefunden, wo er wie ein wildes Tier lebte. Sein Alter schätzte man damals auf ca 12-13 Jahre. König Georg I. wurde auf den Jungen aufmerksam, und er brachte ihn mit an den Hof nach London, wo er im Kensington Palace wie ein menschliches Haustier gehalten wurde. Sprechen konnte Peter so gut wie gar nicht und am liebsten bewegte er sich auf allen vieren vorwärts. Der bekannte Arzt John Arbuthnot nahm sich seiner an, aber auch seine Erziehungsversuche scheiterten.

Peter war seinerzeit eine Mediensensation und man schrieb von ihm als „The Most Wonderful Wonder that ever appeared to the Wonder of the British Nation“. Aber auch dieses Interesse nahm langsam ab und man schickte ihn schließlich auf eine Farm in Hertfordshire, die einem ehemaligen Hofbeamten gehörte. Dort lebte Peter bis zu seinem Tode. Er trug stets eine Art Halsband auf dem eingraviert war: „Peter the Wild Man of Hanover. Whoever will bring him to Mr Fenn at Berkhamsted shall be paid for their trouble„, denn hin und wieder verließ Peter den Hof und wanderte durch die Gegend. Der Mann mit der mysteriösen Vergangenheit soll ein friedlicher Mensch gewesen sein, der nie Ärger machte und wohl mit seinem Leben zufrieden war. 1785 starb Peter the Wild Boy auf der Broadway Farm (die heute B&B und Cottageaufenthalte anbietet) an der London Road, der A4251.
Spätere Untersuchungen haben ergeben, dass er wahrscheinlich an einer genetischen Erkrankung, dem Pitt-Hopkins-Syndrom, litt.

In Norwich in Norfolk gibt es einen Pub, „The Wildman„, der mit seinem Namen an Peter erinnert. Er soll hier im Jahr 1751 plötzlich aufgetaucht sein. Man sperrte ihn für kurze Zeit ein, brachte ihn dann aber wieder auf die Farm zurück. Auf einer blauen Plakette am Pub in der Bedford Street in Norwich wird das Geschehen noch einmal kurz geschildert.

Der alte Grabstein auf dem Friedhof von St Mary’s steht seit kurzem unter Denkmalschutz.

Die Historikerin Lucy Worsley hat sich eingehend mit Peter the Wild Boy beschäftigt. Hier ist ein Film von ihr, in dem sie die mysteriöse Figur porträtiert.

„The Look of Love“ – Ein Film über Paul Raymond, den britischen Hugh Hefner

Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor längerer Zeit bei einem Spaziergang durch Soho in London an einem seiner Clubs vorbeikam, an dem in großen Lettern „Paul Raymond“ stand. Der Mann, der einst in der britischen Hauptstadt den ersten Strip-Club des Landes eröffnete, Erotikmagazine wie „Men Only“ oder „Escort“ auf den Markt brachte, der „King of Soho“ oder der britische Hugh Hefner genannt wurde, steht jetzt im Mittelpunkt eines Spielfilms mit dem Titel „The Look of Love„.

Paul Raymond wurde 1925 geboren und starb 2008 im Alter von 82 Jahren. Er war einer der reichsten Männer des Königreichs und war sicher eine der schillerndsten Figuren des Landes.

Am 15. Februar kam der Film in die britischen Kinos, am 29. August in die deutschen. Die Figur des Paul Raymond verkörpert Steve Coogan, der seine Karriere als Stand-Up Comedian begann und dessen Stimme man Ende der 1980er Jahre aus der TV-Serie „Spitting Image“ kannte. Raymonds Tochter Debbie spielt die junge Imogen Poots, deren Karriere 2007 als Tammy in dem Film „28 Weeks Later“ begann. Die Schauspielerin Tamsin Egerton ist dem einen oder anderen vielleicht noch als Chelsea in den beiden Teilen des Films „Die Girls von St Trinian“ bekannt und Anna Friel als Mrs Jean Raymond startete ihre Laufbahn mit Rollen in den TV-Serien „G.B.H.“, „Coronation Street“ und „Brookside“. Auch der vielbeschäftigte Stephen Fry hat einen Auftritt in „The Look of Love“ als Barrister.
Regie führte Michael Winterbottom.

Published in: on 4. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Dickie Valentine: In a Golden Coach – Das Lied zur Krönung von Queen Elizabeth II im Jahr 1953

The Golden Coach. Author: Joey O'Rourke. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

The Golden Coach.
Author: Joey O’Rourke.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Eigentlich hätte ich diesen Beitrag in meinem Blog am 2. Juni einstellen sollen, als sich die Krönungsfeierlichkeiten für Königin Elizabeth II in London zum sechzigsten Mal jährten. Damals, 1953, stand ein Song in den britischen Charts, der die junge Königin ehrte: „In a Golden Coach (There’s a Heart of Gold)„, so der recht kitschige Titel, der aber in der britischen Bevölkerung auf große Resonanz stieß. Gesungen wurde das Lied von Dickie Valentine, einem damals 23jährigen Sänger, der in der Ted Heath-Band sang, bevor er sich auf eigene Füße stellte. Komponiert worden war das Lied von Ronald Jamieson und John Henry. Valentine erreichte mit der „Goldenen Kutsche“ Platz 7 der Charts; noch höher stieg eine Parallelversion der Billy Cotton-Band, die es bis auf Platz 3 brachte.

Im Text heißt es recht süßlich:

In einer goldenen Kutsche sitzt ein Herz aus Gold,
das durch die Straßen der alten Stadt London gefahren wird,
mit der süßesten Königin, die die Welt je gesehen hat
und die ihre goldene Krone trägt.
Wenn sie feierlich durch die Palasttore fährt,
kann die ganze Welt ihre Schönheit sehen.
In einer goldenen Kutsche sitzt ein Herz aus Gold,
das dir und mir gehört.

Dickie Valentine hatte in den 1950er Jahren noch mehrere kleinere und größere Charterfolge, dann wurde es ruhiger um ihn. Am 6. Mai 1971 kam er im Alter von 41 Jahren bei einem Autounfall in Wales ums Leben.

Hier ist die Version mit Dickie Valentine und hier die Version der Band von Billy Cotton (die Sängerin ist Doreen Stevens).

Bodmin Jail – Das unheimliche Gefängnis in Cornwall

   © Copyright Tony Atkin

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Wer sich in Cornwall aufhält und sich mal wieder so richtig gruseln möchte, der kann das im Bodmin Jail tun, einem ehemaligen Gefängnis in der kleinen Stadt Bodmin, am Rande des gleichnamigen Moores. Was das Thema „Gruseln“ anbelangt, sind die Engländer ja Meister ihres Faches und so hat man in dem alten, 1779 erbauten Gemäuer, in dem mehr als 50 Menschen aufgehängt wurden, eine Touristenattraktion gemacht. In den ehemaligen Zellen sind Szenen des Gefängnislebens und die blutigen Taten der Insassen dargestellt. Wer ganz genau wissen möchte wie damals die zum Tode Verurteilten aufgehängt wurden, der sollte zum Execution Pit gehen. Hier wird detailliert erklärt wie das gemacht wurde. Dieser Film gibt einen Eindruck davon. Hilfestellung bei der Wiederherstellung des Execution Pits gab Großbritanniens Spezialist für Hinrichtungen (ja, auch so etwas gibt es!) Gary Ewart, dessen Interesse für dieses makabre Thema bei ihm bereits im zarten Alter von 9 Jahren geweckt wurde.

Im Jahre 1840 wurden zwei Brüder im Bodmin Jail gleichzeitig aufgehängt: William und James Lightfoot, beobachtet von Tausenden von „Vergnügungssüchtigen“, die extra mit Zügen angereist waren.
1927 schloss man das Gefängnis und danach bröselten die alten Mauern, so dass heute ein Teil davon aus Ruinen besteht. Die Eigentümer vermarkten Bodmin Jail so gut es geht, um die Instandhaltung zu finanzieren. Man kann hier seine Hochzeit feiern, Hen oder Stag Parties veranstalten oder auch Trauerfeiern abhalten. So ziemlich alles ist möglich. Ein paar Musikvideos wurden im Bodmin Jail gedreht, z.B. „Seven“ von Our Final Hour oder „Beast of Bodmin“ der Gruppe Idiom.

Nach dem Besuch des Gefängnisses kann man sich im angeschlossenen Restaurant Warders Room oder in der Witness Box stärken, in der Kaffee, Tee oder Alkoholika gereicht werden. Auf der Restaurantkarte gibt es u.a. eine „Prisoner’s Soup“, ein „Jail House Curry“ und ein „Young Offender’s Menu“ für die jungen Gefängnisbesucher.

Kaum ein altes Gemäuer in England, in dem es nicht spukt. Das Bodmin Jail ist ein Dorado für Geisterjäger, und die ganz Mutigen können eine ganze Nacht hier im Gefängnis verbringen. Unter der fachkundigen Führung eines Mediums kann man sich für £75 von 22.30 Uhr bis morgens um 7 Uhr so richtig gruseln und dann beim anschließenden Frühstück (im Preis inbegriffen) mit den anderen Ghosthunters die gemachten Erfahrungen austauschen.

Natürlich war die TV-Crew von „Most Haunted“ auch schon hier und Yvette Fielding, Richard Felix und Co. fanden es im Naval Wing des Gefängnisses am schlimmsten, hier zu sehen.

Das Bodmin Jail ist täglich ab 10 Uhr bis in die Abendstunden geöffnet; der Eintrittspreis beträgt £7.50.

Bodmin Jail
Berrycoombe Road
Bodmin, Cornwall, PL31 2NR
Tel. 01208 76292

Das Buch zum Artikel:
Bill Johnson: The History of Bodmin Jail, 1779 – 2006. Bodmin Town Museum 2006. 128 Seiten. ISBN 978-0954991319.

Der Eingang zum Gefängnis.    © Copyright Humphrey Bolton

Der Eingang zum Gefängnis.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton

Published in: on 2. September 2013 at 02:00  Comments (4)  
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Standon Green End und Welham Green in Hertfordshire – Die kurzen Momente des Ruhms für die beiden Dörfer im Jahr 1784

Der Gedenkstein für Lunardi in Welham Green (Hertfordshire).    © Copyright Barry Lawson

Der Gedenkstein für Lunardi in Welham Green (Hertfordshire).
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Standon Green End ist ein winziges Dorf in Hertfordshire, nördlich von Ware, nicht weit von der A10 gelegen. Niemand hätte außerhalb dieser Region jemals etwas von dem Ort gehört, hätte da nicht am Nachmittag des 15. September 1784 ein gewisser Vincenzo Lunardi (1759-1799) seinen großen Auftritt gehabt. Lunardi war an der italienischen Botschaft in London angestellt und seine Liebe galt der Ballonfahrt.

An besagtem Tag startete er erstmals in England mit einem Gasballon vom Artillery Gound in London, dem damals wichtigsten Cricketplatz der Hauptstadt. Eigentlich wollte er zusammen mit seinem Freund George Biggin die Fahrt unternehmen, aber die riesige Menschenmenge, die sich eingefunden hatte, wollte den Ballon endlich starten sehen und so hob Lunardi etwas überstürzt allein ab, nur von einem Hund, einer Katze und einer Taube begleitet. Der Wind trug den Ballon in nördliche Richtung aus London heraus und Lunardi legte einen kurzen Stop in Welham Green, südlich von Hatfield, in Hertfordshire ein, wo er Hund und Katze aus dem Ballon entließ, da den beiden die Luftfahrt wohl nicht so besonders gut bekommen war. Der Landeplatz wird noch heute als Balloon Corner bezeichnet und man hat dort einen Erinnerungsstein errichtet, auf dem der kurze Moment des Ruhms für Welham Green festgehalten ist. Der Italiener hob erneut ab und beendete bald darauf die historische Ballonfahrt auf einer Wiese in Standon Green End.
Auch dort erinnert ein Felsbrocken an den für die Luftfahrt denkwürdigen Tag. Auf ihm ist folgende Inschrift zu lesen:

„Let posterity know and knowing be astonished that on the 15th day of September 1784 Vincent Lunardi, of Lucca in Tuscany, the first aerial traveller in Britain mounting from the artillery ground in London and traversing the regions of the air for two hours and fifteen minutes. In this spot revisited the Earth on this rude monument that wondrous enterprise, successfully achieved by the power of chemistry and the fortitude of man that improvements in science which the great author of all knowledge patronising by his providence the invention of mankind, hath graciously permitted to their benefit and his own eternal glory“.

Lunardi unternahm noch mehrere Ballonflüge in England und Schottland, die allerdings nicht alle so glatt verliefen wie der Jungfernflug.

In dem Film „Conquest of the Air“ aus dem Jahr 1936, eine Art Dokusoap wie man heute sagen würde, verkörperte Laurence Olivier die Figur des Vincenzo Lunardi. Hier ist der Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Leslie Gardiner:  Lunardi. Airlife Publishing 1984. 224 Seiten. ISBN 978-0906393383.