Standon Green End und Welham Green in Hertfordshire – Die kurzen Momente des Ruhms für die beiden Dörfer im Jahr 1784

Der Gedenkstein für Lunardi in Welham Green (Hertfordshire).    © Copyright Barry Lawson

Der Gedenkstein für Lunardi in Welham Green (Hertfordshire).
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Standon Green End ist ein winziges Dorf in Hertfordshire, nördlich von Ware, nicht weit von der A10 gelegen. Niemand hätte außerhalb dieser Region jemals etwas von dem Ort gehört, hätte da nicht am Nachmittag des 15. September 1784 ein gewisser Vincenzo Lunardi (1759-1799) seinen großen Auftritt gehabt. Lunardi war an der italienischen Botschaft in London angestellt und seine Liebe galt der Ballonfahrt.

An besagtem Tag startete er erstmals in England mit einem Gasballon vom Artillery Gound in London, dem damals wichtigsten Cricketplatz der Hauptstadt. Eigentlich wollte er zusammen mit seinem Freund George Biggin die Fahrt unternehmen, aber die riesige Menschenmenge, die sich eingefunden hatte, wollte den Ballon endlich starten sehen und so hob Lunardi etwas überstürzt allein ab, nur von einem Hund, einer Katze und einer Taube begleitet. Der Wind trug den Ballon in nördliche Richtung aus London heraus und Lunardi legte einen kurzen Stop in Welham Green, südlich von Hatfield, in Hertfordshire ein, wo er Hund und Katze aus dem Ballon entließ, da den beiden die Luftfahrt wohl nicht so besonders gut bekommen war. Der Landeplatz wird noch heute als Balloon Corner bezeichnet und man hat dort einen Erinnerungsstein errichtet, auf dem der kurze Moment des Ruhms für Welham Green festgehalten ist. Der Italiener hob erneut ab und beendete bald darauf die historische Ballonfahrt auf einer Wiese in Standon Green End.
Auch dort erinnert ein Felsbrocken an den für die Luftfahrt denkwürdigen Tag. Auf ihm ist folgende Inschrift zu lesen:

„Let posterity know and knowing be astonished that on the 15th day of September 1784 Vincent Lunardi, of Lucca in Tuscany, the first aerial traveller in Britain mounting from the artillery ground in London and traversing the regions of the air for two hours and fifteen minutes. In this spot revisited the Earth on this rude monument that wondrous enterprise, successfully achieved by the power of chemistry and the fortitude of man that improvements in science which the great author of all knowledge patronising by his providence the invention of mankind, hath graciously permitted to their benefit and his own eternal glory“.

Lunardi unternahm noch mehrere Ballonflüge in England und Schottland, die allerdings nicht alle so glatt verliefen wie der Jungfernflug.

In dem Film „Conquest of the Air“ aus dem Jahr 1936, eine Art Dokusoap wie man heute sagen würde, verkörperte Laurence Olivier die Figur des Vincenzo Lunardi. Hier ist der Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Leslie Gardiner:  Lunardi. Airlife Publishing 1984. 224 Seiten. ISBN 978-0906393383.