Robert Stephen Hawker und Cornwalls Nationalhymne „The Song of the Western Men“

Robert Stephen Hawker. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Robert Stephen Hawker.
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Robert Stephen Hawker (1803-1875) verbrachte einen großen Teil seines Lebens als Pfarrer in Morwenstow, einer kleinen Gemeinde nördlich von Bude, an der Nordküste Cornwalls. Als er 1834 das Amt übernahm, fand sich Hawker in einer wilden, rauen Gegend wieder. Seit Menschengedenken hatte es hier keinen Pfarrer mehr gegeben und Schmuggler und Strandräuber bestimmten das Leben in diesem Teil Cornwalls. Häufig strandeten Schiffe an den Felsen vor der Küste, und während einige Bewohner sich dabei vor allem für den Inhalt des Schiffsbauchs interessierten, kümmerte sich Hawker um die toten Seeleute, die er auf dem Friedhof von Morwenstow begrub. „Parson Hawker“, wie er genannt wurde, konnte sich in seiner rauen Gemeinde durchsetzen; vielleicht mochte man auch sein exzentrisches Verhalten. Er baute sich z.B. eine kleine Hütte aus angeschwemmten Holz, Hawker’s Hut, in die er sich zurückzog, um dort seine Gedichte zu schreiben, eine Leidenschaft von ihm. Die windschiefe Hütte steht heute unter dem Schutz des National Trusts.

Hawker soll seine Hauskatze exkommuniziert haben, weil sie an einem Sonntag auf Mäusejagd ging, er unterhielt sich mit Vögeln und hielt ein Schwein als Haustier. Er baute sich ein Pfarrhaus und modellierte die Schornsteine nach den Türmen der Kirchen, in denen er angestellt war. Als er 1875 starb, konvertierte er noch auf seinem Sterbebett zum römisch-katholischen Glauben.

Vielleicht würde heute kaum noch jemand von Robert Stephen Hawker sprechen, hätte er nicht 1825 das Gedicht „The Song of the Western Men“ geschrieben, das 1861 von einer gewissen Luisa T. Clare vertont wurde. Darin geht es um Sir Jonathan Trelawney (1650-1721), den Bischof von Bristol, der sich gegen die „Declaration of Indulgence“ König James II. aussprach, in der der Monarch den Katholiken mehr Toleranz zusicherte. Trelawney, der aus Cornwall stammte, wurde im Londoner Tower eingesperrt und 20 000 Menschen aus Cornwall machten sich auf den Weg, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien („King James’s men shall understand what Cornish lads can do“).

Das Lied, das auch manchmal nur kurz „Trelawney“ genannt wird, entwickelte sich zu einer Art Nationalhymne der Grafschaft Cornwall und bei Festlichkeiten oder bei Sportereignissen wird sie heute gern gesungen (bzw. gegrölt).

Hier ist „The Song of the Western Men“ zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Patrick H. Hutton: I Would Not be Forgotten – The Life and Work of Robert Stephen Hawker. Tabb House 2004. 264 Seiten. ISBN 978-1873951484.

The Old Vicarage in Morwenstow (Cornwall).    © Copyright Humphrey Bolton

The Old Vicarage in Morwenstow (Cornwall).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton

Hawker's Hut in Morwenstow.    © Copyright Humphrey Bolton

Hawker’s Hut in Morwenstow.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton

 

Published in: on 6. September 2013 at 02:00  Comments (1)  
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