Das literarische Marlow (Buckinghamshire) – Teil 2: Das Albion House in der West Street, Mary Shelley und Frankenstein

1817 zogen Percy Bysshe Shelley und seine Frau Mary nach Marlow in Buckinghamshire und wohnten hier im Albion House in der West Street. Sie schlossen einen Pachtvertrag für 21 Jahre ab, blieben aber nur ein knappes Jahr hier, denn schon 1818 zog es die beiden nach Italien, wo Percy 1822 starb.
Das Albion House war recht groß, so dass ausreichend Platz war für Percy, Mary, ihren gemeinsamen Sohn William, Marys Stiefschwester Claire Clairmont und deren Tochter Allegra, und das Schweizer Kindermädchen Elise. Im September gebar Mary eine Tochter, Clara Everina Shelley, die aber schon nach drei Wochen wieder starb. Eigentlich fühlten sich die Shelleys wohl hier, aber das Haus hatte den Nachteil, dass es sehr feucht war, und als das Paar auszog, waren ihre Bücher alle schimmelig geworden.

Hier in der West Street von Marlow erblickte ein Monster das Licht der Welt: Mary Shelley schrieb ihren Roman „Frankenstein“ zu Ende und veröffentlichte ihn anonym im Januar 1818. Neben Bram Stokers „Dracula“ gilt „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ als der berühmteste Horrorroman der Literaturgeschichte (wobei Viktor Frankenstein nicht der Name des Monsters, sondern der seines Schöpfers ist). 500 Exemplare wurden damals gedruckt und viele glaubten, dass es aus der Feder ihres Mannes stammte. Anfangs war die Reaktion auf das Buch in Literaturkreisen nicht besonders positiv, aber nach und nach wurde es immer bekannter, und Mary Shelley ist hauptsächlich mit diesem Werk bis heute berühmt geblieben; nicht zuletzt aufgrund der zahllosen Verfilmungen des Stoffes.

Percy hatte eine Menge Geld in die Möblierung des Hauses gesteckt; Geld, das er eigentlich gar nicht hatte, sondern sich leihen musste. Die finanziellen Probleme sollten ihn noch länger verfolgen. 1818 packten die Shelleys ihre Koffer und verließen Albion House für immer; ihr neues Ziel hieß Italien.

Das Haus in der West Street wurde am 16 Juli 1949 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist heute in vier Wohnungen unterteilt. Wer es sich von außen einmal ansehen möchte: Es steht neben der Sir William Borlase’s Grammar School und ist sofort durch die merkwürdig geformten Fensterrahmen zu erkennen. Nur ein paar Schritte weiter, auf der gleichen Straßenseite, steht Englands einziger Pub mit zwei Michelinsternen, The Hand and Flowers.

Plakette am Albion House in Marlow. Photographed by Marvin Barretto for Open Plaques. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic

Plakette am Albion House in Marlow.
Photographed by Marvin Barretto for Open Plaques.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic

Published in: on 8. September 2013 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] Bewohner einst und jetzt. Über den Aufenthalt von Percy Bysshe und Mary Shelley berichtete ich an dieser Stelle schon einmal, Jerome K. Jerome wohnte eine Zeit lang in dem Haus Monk’s Corner, der […]

  2. […] Shelley begegnet (in übertragenem Sinne natürlich) und ich habe darüber berichtet, z.B. in Marlow und in Lechlade. Auch in der Priory Church in Christchurch (Dorset) traf ich auf ein Monument, das […]


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