Sonntagsöffnungszeiten in GB

Auch sonntags geöffnet, eine Tesco-Filiale in Kingston-by-Sea (West Sussex).    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch sonntags geöffnet, eine Tesco-Filiale in Kingston-by-Sea (West Sussex).
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Als wir neulich an einem Samstagabend im Ashdown Park Hotel in East Sussex ankamen, stellten wir beim Auspacken der Koffer fest, dass alle Schuhe meiner Frau zuhause geblieben waren. Was tun an einem Wochenende? Kein Problem in England. Wir fuhren am Sonntagvormittag nach Tunbridge Wells, wo fast alle Geschäfte geöffnet hatten, und kauften neue Schuhe ein.
Vorbei sind die Zeiten, an denen sonntags im Land gähnende Langeweile herrschte und alles geschlossen war.

“If England has not been invaded since 1066, it is because foreigners dread having to spend a Sunday there.” Dieser aus einem Roman der 1950er Jahre entnommene und immer wieder gern zititierte Satz bringt es auf den Punkt. Nach dem Kirchbesuch gab es den unvermeidlichen Sunday Roast und der Nachmittag wurde dann auch noch irgendwie „totgeschlagen“. Ganz anders sieht es heute in England aus. Viele Pubs haben von mittags bis abends durchgehend geöffnet, und der Sonntag hat sich für viele (berufstätige) Menschen zum Haupteinkaufstag entwickelt. In Tunbridge Wells waren die Läden an jenem Sonntag alle gut gefüllt.

Möglich geworden ist das alles durch den Sunday Trading Act, der am 26. August 1994 in Kraft trat und der allen Geschäften erlaubte, am Sonntag ihre Pforten zu öffnen. Läden mit einer Fläche von über 280 m2 dürfen in der Zeit von 10 Uhr bis 18 Uhr maximal sechs Stunden öffnen. Diese Einschränkungen gelten nicht für Läden mit einer kleineren Verkaufsfläche.

Bis zu diesem Zeitpunkt galt der Shops Act aus dem Jahr 1950, der die Öffnungszeiten der Geschäfte sehr rigoros regelte. Viele Läden schlossen in der Woche bereits um 17 Uhr, mittwochs war in den High Streets vieler Städte schon ab Mittag ein Einkaufen kaum noch möglich und der Sonntag war ein absolutes Tabu. Es gab 26 Initiativen diese strikte Regelung aufzuweichen, aber bis zum Jahr 1994 konnten die vereinten Kräfte der Kirchen und Gewerkschaften das verhindern. Selbst der „Eisernen Lady“, Margaret Thatcher, gelang es nicht, den Shops Act zu kippen.

Der Sunday Trading Act hat aber auch seine Schattenseiten, denn die großen Profiteure von der Sonntagsöffnung sind die großen Supermarktketten wie Tesco, Sainsbury’s oder Morrisons, kleinere Läden dagegen haben unter den Auswirkungen zu leiden. Sollten die noch bestehenden Restriktionen am Sonntag auch noch aufgegeben werden (wofür sich die großen Ketten einsetzen), so müssten  nach Schätzung der Association of Convenience Stores rund 30% der kleineren Einzelhändler das Handtuch werfen und 44% würden Personal entlassen.
Das sind die Schattenseiten der schönen neuen Sonntagseinkaufswelt.

Published in: on 4. Oktober 2013 at 02:00  Comments (3)