Joseph Williamson – Der Maulwurf von Liverpool

Der Eingang zu den Williamson Tunnel in Liverpool.   © Copyright chestertouristcom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Williamson Tunnel Heritage Centre in Liverpool.
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Was mag einen Menschen wohl dazu bewegen, 35 Jahre seines Lebens überwiegend mit dem Graben von Tunneln zu verbringen? Genau das tat der Liverpooler Geschäftsmann Joseph Williamson (1769-1840), der u.a. mit Tabakhandel zu einem erheblichen Wohlstand gekommen war. Williamson wohnte im Edge Hill-Bezirk von Liverpool und sorgte im großen Stil für die Bebauung des Gebietes. Sein exzentrisches Wesen kam schon dadurch zum Ausdruck, dass viele der Häuser, die er erbauen ließ, ohne Konstruktionspläne hochgezogen wurden und merkwürdige Dimensionen besaßen. Ein Heer von Arbeitskräften war damit beschäftigt, Baumaterial von hier nach dort und wieder zurück zu transportieren. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen?

Der Gipfel der Exzentrität Williamsons war aber seine Maulwurfstätigkeit, die darin bestand, kilometerlange Gänge unterhalb Liverpools graben zu lassen; große und kleine Gänge, manche zweigten von den Hauptgängen ab und endeten im Nirgendwo. Der 20 Meter lange und 6 Meter hohe Bankettsaal, in dem Williamson Gäste zum Abendessen empfing, ist der größte Raum des labyrinthischen Tunnelsystems. Daß man bei den Grabungsarbeiten auch hin und wieder auf unerwünschte Hindernisse stieß, lag auf der Hand, z.B. auf Entwässerungsrohre der darüber liegenden Häuser.

Als mit dem Tod Williamsons im Jahr 1840 die Tunnelarbeiten aufhörten, luden die Bewohner des Edge Hill-Bezirks ihren Müll in den Höhlen und sogar in dem Bankettsaal ab, so dass sich dort unten der Abfall meterhoch stapelte und viele der Gänge unpassierbar wurden. Erst nach langen Aufräumarbeiten im Jahr 2002 öffnete man Teile des Tunnelsystems für die Allgemeinheit und auf geführten Touren kann man sich ein Bild von den gewaltigen Bauarbeiten machen. Die Joseph Williamson Society und die Friends of Williamson’s Tunnels kümmern sich um dieses Williamson Tunnels Heritage Centrein dem auch Ausstellungen und Musikaufführungen stattfinden.

Warum die Tunnel überhaupt gebaut wurden, ist nie klar geworden. Es gibt verschiedene Spekulationen; eine ist, dass der philanthropische Joseph Williamson den Tausenden von Bauarbeitern eine Beschäftigung geben wollte; eine andere ist, dass Williamson und seine Frau einer religiösen Sekte angehörten, die von einem baldigen Weltuntergang überzeugt war, und die Sektenmitglieder sollten in den Tunneln Zuflucht finden.

Wie auch immer, ob das ganze Unternehmen nun eine gewaltige Geldverschwendung oder eine gute Sache für die arbeitende Bevölkerung der Stadt am Mersey war: Liverpool hat heute eine weitere Touristenattraktion.

Die Williamson Tunnels sind ganzjährig geöffnet (im Winterhalbjahr eingeschränkt) und der Eintritt kostet £4.50.

Hier ist ein Film über Joseph Williamson und seine Tunnel.

Williamson Tunnels Heritage Centre
The Old Stable Yard
Smithdown Lane
Liverpool
L7 3EE
Tel. 0151 709 6868

Das Buch zum Artikel:
David Clensy: The Mole of Edge Hill. Lulu.com 2006. 108 Seiten. ISBN 978-1411617926.

Published in: on 16. Oktober 2013 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] der Welt; in England gehören noch dazu: The Forbidden Corner bei Leyburn in North Yorkshire,  die Williamson Tunnels in Liverpool und Bettison’s Folly an der Ostküste von Yorkshire in Hornsea. Alle drei habe […]

  2. Lieber Ingo, ich habe gerade deinen beitrag zum Maulwurf von Liverpool gelesen und fande ihn serh spannend. Für einen Fernsehbeitrag recherchiere ich gerade zu diesem Thema und bin noch auf der Suche nach ein paar Infos. Vielleicht hast du Zeit mir ein paar Fragen zu beantwirten? Ich würd emich über eine Antwiort freuen. gerne über laura@tangofilm.de


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