Das Vaudeville Theatre am Strand in London

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Nachdem wir im „Kohlenloch“, dem Coal Hole, am Strand (nein, die Straße heißt so und hat mit „Beach“ nichts zu tun) in London einen Drink zu uns genommen hatten, gingen wir in das schräg gegenüberliegende Vaudeville Theatre, um uns dort die Komödie „The Queen and I“ anzusehen, das an diesem Abend (allerdings vor vielen Jahren) von der Out of Joint Theatre Company aufgeführt wurde. Das Stück basierte auf dem gleichnamigen Roman von Sue Townsend und nahm die königliche Familie auf die Schippe. In einer der Hauptrollen war David Horovitch zu sehen, der Prince Philip verkörperte. Den Schauspieler, der schon unzählige Rollen im Film, im Fernsehen und auf der Bühne gespielt hat, kennen wir u.a. als Inspector Slack in den Miss Marple-Verfilmungen mit Joan Hickson und als James Hobson in der Inspector Barnaby-Episode 55 „The Axeman Cometh“ (dt. „Mord mit Goove“).

Das Vaudeville Theatre öffnete am 16. April 1870 seine Pforten mit der Aufführung der Komödie „For Love or Money„, die der Schotte Andrew Halliday geschrieben hatte. In der Geschichte des Theaters kam es im Laufe der Jahrzehnte zu mehreren Umbauten, Erweiterungen und Modernisierungen; berühmte Schauspieler betraten die Bühne wie Sir John Mills, Maggie Smith, Glenda Jackson, Joanna Lumley und Christian Slater. Zu den erfolgreichsten Aufführungen gehörte das Musical „Salad Days“ von Julian Slade und Dorothy Reynolds, das nach der Premiere im Jahr 1954 2287mal gespielt wurde.

1968 wäre es dem Vaudeville beinahe an den Kragen gegangen, denn es existierten Pläne dieses Haus wie auch das Adelphi, das Garrick, das Lyceum und das Duchess abzureißen, um Platz für Neubauten zu schaffen. Es gab aber glücklicherweise massiven Widerstand gegen diese Brachialpläne, vor allem durch die Save London Theatres Campaign, so dass man schließlich doch die Finger davon ließ.

Heute gehört das Vaudeville Theatre, zusammen mit Apollo, Lyric, Garrick und Duchess, zu der Gruppe der Nimax Theater. Zurzeit läuft hier, bis zum 29. März, die Komödie „The Duck House„, eine politische Satire mit Ben Miller in der Hauptrolle, der zuletzt als Detective Inspector Richard Poole in der TV-Krimiserie „Death in Paradise“ zu sehen war, die unter dem gleichen Titel von ZDFneo ausgestrahlt wurde.

The Vaudeville Theatre
404 Strand
London WC2R ONH
Tel. 844 412 4663

Foto meines Programmheftes.

Foto meines Programmheftes.

Published in: on 31. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Neil Arnold: Kent Urban Legends – The Phantom Hitchhiker and Other Stories

Foto meines Exemplares.

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Unter einer „Urban Legend“ oder einem „Urban Myth“ versteht man Schauergeschichten, die man von dem Freund eines Freundes gehört hat, der wiederum diese Geschichte von der Großcousine seiner Stiefmutter erzählt bekommen hat, oder so ähnlich. Neil Arnold hat in seinem Buch „Kent Urban Legends – The Phantom Hitchhiker and Other Stories“ solche Geschichten zusammengetragen, die sich in der Grafschaft Kent ereignet haben sollen. Am besten ich bringe einnmal einige Beispiele:

Da sind die Geschichten von dem im Untertitel erwähnten mysteriösen Anhalter, die sich vorwiegend in der Umgebung des Blue Bell Hills zugetragen haben, ein Hügel zwischen Maidstone und Rochester, der von der A229 überquert wird. Dort soll sich z.B. 1992 nachts mehrfach die Figur einer jungen Frau gezeigt haben, die am Wegesrand stand und plötzlich vor herannahende Autos lief. Dreimal haben das Autofahrer berichtet, die sogar den Aufprall des Körpers gegen ihr Fahrzeug gespürt haben. Nach einer Vollbremsung stiegen sie aus, um sich um das Unfallopfer zu kümmern, aber – da war keins. Weit und breit fanden die Fahrer keine Spur von der angefahrenen jungen Frau. Auch die herbeigeholte Polizei wurde nicht fündig. Inzwischen liegen über fünfzig Berichte über den Ghost of Blue Bell Hill vor.

Oft spielen Tiere in den Urban Legends eine Rolle. Nicht nur in Kent, sondern auch in vielen anderen Grafschaften gibt es immer wieder Sichtungen von großen wilden katzenartigen Tieren. So wurde 1975 ein Angler am River Medway mit einem schwarzen Panther (?) konfrontiert, der möglicherweise aus dem Zoo von Colchester in Essex gestohlen worden war. Die Geschichten von den Black Dogs ziehen sich wie ein roter Faden durch die Legenden Englands. Am bekanntesten ist wohl der Black Shuck, der in East Anglia sein Unwesen treiben soll.

Immer wieder hört man die unglaubliche Geschichte von dem Bild „The Crying Boy„. Der italienische Künstler Bruno Amadio hatte es einst gemalt; es wurde massenhaft reproduziert und hing in vielen englischen Häusern in den Wohnzimmern. In den 1980er Jahren berichteten die Medien immer wieder von Bränden, bei denen Häuser komplett zerstört wurden – bis auf das Bild des „Crying Boys“, das, von den Flammen unangetastet, die Feuersbrünste überstand. Vielen Menschen wurde das Bild unheimlich und sie trennten sich davon.

Auf 190 Seiten stellt Neil Arnold dem Leser eine Fülle von Urban Legends aus Kent vor, manche sind lächerlich, manche erstaunlich und manche machen nachdenklich. Wer einen Nerv für Mysteriöses hat, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

Neil Arnold: Kent Urban Legends – The Phantom Hitchhiker and Other Stories. The History Press 2013. 190 Seiten. ISBN 978-0752481463.

Die A229 am Blue Bell Hill.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 30. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Tower Bank Arms in Near Sawrey (Cumbria) – Ein National Trust-Pub im Beatrix Potter-Land

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Wir sind hier mitten im Beatrix Potter-Land, in dem kleinen Weiler Near Sawrey im Lake District. Auf der Hill Top Farm, die gleich um die Ecke vom Dorfpub Tower Bank Arms liegt, der heute dem National Trust gehört, schrieb die Autorin viele ihrer weltweit gelesenen Kinderbücher und seitdem 2007 der Film „Miss Potter“ in die Kinos kam, ist der Parkplatz vor der zu besichtigenden Farm oft noch voller als vorher schon. In den Schulferien kann es sogar vorkommen, dass man gar keine Eintrittskarten für die Hill Top Farm bekommt.

Wer Beatrix Potters Bücher gelesen hat, dem kommt hier in Near Sawrey und Umgebung sicher einiges bekannt vor, denn die Landschaft Cumbrias fand Eingang in viele ihrer Bücher, so auch der Dorfgasthof Tower Banks Arms, der in der Geschichte „The Tale of Jemima Puddle-Duck“ (dt. „Die Geschichte von Emma Ententropf“) auf einer Zeichnung zu sehen ist. So ist es auch sicher nicht verwunderlich, dass der Dorfpub Kinder ausdrücklich willkommen heißt, die hier nach einer Hill Top Farm-Besichtigung eine Erfrischung zu sich nehmen können.
Man kann hier auch regionale Spezialitäten  bekommen wie Cumbrian Lamb, Cumbrian Beef und Cumbrian Cheese, dazu vielleicht ein Bier aus der Hawkshead Brewery. Wer im Gasthof  gleich übernachten möchte, der kann das in einem der vier Zimmer tun, die Yan, Tan, Tethera und Methera heißen, was nichts anderes bedeutet als Eins, Zwei, Drei und Vier in einem cumbrischen Dialekt. Die Übernachtungspreise: £95 bzw. £118. Da wir in Near Sawrey im Lake District auf dem Lande sind, ist man im Pub auch sehr hundefreundlich; die Vierbeiner dürfen nämlich kostenlos im Zimmer ihrer Besitzer schlafen (aber möglichst nicht bellen).
Der Dorfgasthof hat übrigens bei TripAdvisor sehr gute Bewertungen bekommen.

Tower Bank Arms
Near Sawrey
Ambleside
Cumbria
LA22 OLF
Tel. 015394 36334

Gleich hinter dem Dorfpub liegt Beatrix Potters Hill Top Farm.    © Copyright Marion Dutcher and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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RAF Fauld in Staffordshire – Hier ereignete sich die schwerste Explosion während des Zweiten Weltkriegs

Der Gedenkstein für die Opfer des Explosionsunglücks am Rande des Kraters.    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Gedenkstein für die Opfer des Explosionsunglücks am Rande des Kraters.
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Unter dem Militärflugplatz Fauld in Staffordshire, in der Nähe des Dorfes Hanbury, ereignete sich die größte Explosion des Zweiten Weltkrieges, wenn man einmal von den Atombombenabwürfen absieht, und das nicht einmal unter Feindeinwirkung.
Seit dem 12. Jahrhundert wurde in dieser Gegend von Staffordshire Gips abgebaut und in den entstandenen Höhlen lagerte das Militär riesige Vorräte an Bomben und Munition. Am 27. November 1944 kam es gegen Mittag zu einer gewaltigen Explosion, die man noch in Leicester und Birmingham hören konnte; sogar in Rom schlugen seismische Überwachungsgeräte aus, wo man das für ein Erdbeben hielt. Rund 4000 Tonnen an explosivem Material detonierten, wodurch Unmengen an Felsen und Erde in die Luft geschleudert wurden und so ein Krater entstand, der 40 Meter tief und einen Durchmesser von einem halben Kilometer hatte. Wäre das gesamte Munitionsdepot explodiert, so wären wohl ganze Teile von Staffordshire verwüstet worden.

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, wurde nie eindeutig geklärt, aber man vermutete, dass unsachgemäßer Umgang mit dem hochexplosivem Material die Ursache war.

Etwa 70 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben: Personal des Flugplatzes, Angestellte einer Fabrik, die das gewonnene Gips weiterarbeitete und einige Farmarbeiter, die zu dem Zeitpunkt gerade auf den Feldern waren. Auch zahlreiche Rinder, die in der Nähe weideten, wurden getötet. Hohe Sachschäden entstanden an mehreren Bauernhöfen und im Dorf Hanbury. Das Dorfgasthaus The Cock Inn wurde so schwer beschädigt, dass es neu aufgebaut werden musste. Nicht auszudenken, wenn die Region stärker besiedelt gewesen wäre, dann läge die Zahl der Todesopfer weit höher.

Das Gebiet, in dem sich die Explosion ereignete, ist bis heute weiträumig abgesperrt, denn noch immer lagern Bomben und Munition tief unten; es erwies sich als zu kostspielig, deren Bergung vorzunehmen und wohl auch zu gefährlich.

Am Rande des zugewachsenen Kraters hat man ein Denkmal für die Opfer der Explosion errichtet und deren Namen auf einer Platte festgehalten.

Hier ist eine Sendung von BBC4, die über das Unglück berichtet.

Das Buch zum Artikel:
Valerie Hardy: Voices from the Explosion – RAF Fauld, the World’s Largest Accidental Blast, 1944. Guideline Books 2012. 160 Seiten. ISBN 978-1843065487.

Das Munitionsdepot unterhalb von RAF Fauld.  This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Das Munitionsdepot unterhalb von RAF Fauld.
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Der zugewachsene Krater, den die Explosion hinterließ.    © Copyright Frank Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der zugewachsene Krater, den die Explosion hinterließ.
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Der damals verwüstete und wieder aufgebaute Cock Inn in Hanbury (Staffordshire).    © Copyright Mick Malpass and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der damals verwüstete und wieder aufgebaute Cock Inn in Hanbury (Staffordshire).
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Published in: on 28. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Das unheimliche Sanatorium von March Magna in Folge 77 „Geisterwanderung“

Das Fairmile Hospital in Cholsey (Oxfordshire).    © Copyright Bill Nicholls and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Fairmile Hospital in Cholsey (Oxfordshire).
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Am 29. Dezember 2013 strahlt das ZDF erstmals in der „Inspector Barnaby“-Serie die Episode 77 „The Silent Land“ aus, die den deutschen Titel „Geisterwanderung“ erhalten hat. Für mich gehört diese Folge zu den besten, vor allem durch die nächtlichen Aufnahmen auf dem Friedhof von March Magna und durch das unheimliche, verlassene Tuberkulose-Sanatorium.

Natürlich gibt es keinen Ort in England, der March Magna heißt, aber es gibt das Sanatorium, das Fairmile Hospital hieß und in dem kleinen Dorf Cholsey in Süd-Oxfordshire steht, dort, wo auf dem Friedhof von St Mary’s Agatha Christie ihre letzte Ruhestätte gefunden hat (ich berichtete darüber). Einen Kilometer vom Grabstein der „Queen of Crime“ entfernt, finden wir das Fairmile Hospital, das im Jahr 2010 Schauplatz für die Dreharbeiten war. Sehr gut ausgesucht, finde ich, denn die alten Mauern des Hauses strahlen eine desolate Atmosphäre aus und schließlich geschieht darin ja auch ein Mord…

1870 wurde das viktorianische Gebäude als Nervenheilanstalt eröffnet. Eigentlich war die Kapazität für 500 Patienten geplant, doch schnell wurden es mehr, so dass Anbauten vorgenommen werden mussten. In den 1940er Jahren lag die Spitzenbelegung sogar bei 1400 psychisch Kranken, doch dann ging der Bedarf an Pflegeplätzen zurück, was daran lag, dass die Medizin Fortschritte gemacht hatte und dass andere Ansätze gewählt wurden wie man mit Nervenkranken umgehen sollte. Nachdem zuletzt nur noch knapp über 200 Patienten in den weitläufigen Gebäuden untergebracht waren, schloss man im Jahr 2003 endgültig die Pforten des Krankenhauses. Nach einigen Jahren des Leerstands und Verfalls, entschloss man sich sowohl das ehemalige Krankenhaus als auch das umliegende Gelände zu einem großen neuen Wohnkomplex umzugestalten, der einmal 354 Häuser bzw. Wohnungen umfassen soll. Dort, wo Inspector Barnaby noch vor wenigen Jahren agierte und die nächtliche Ghost Tour stattfand, entstehen 130 Luxus-Apartments. Cholsey Meadows heißt das neue Wohngebiet, das von der Reading Road, der Ferry Lane und der Themse eingerahmt wird. Auf der anderen Seite des Flusses liegt übrigens ganz in der Nähe das sehr empfehlenswerte Springs Hotel, über das ich einmal berichtete.

Die anderen Szenen der Barnaby-Episode „Geisterwanderung“ wurden nicht in Cholsey gedreht. Die Häuser, in denen der Peach Perfect Florist und das Gasthaus March Magna Arms untergebracht sind, stehen beide in Great Haseley, ebenfalls in Oxfordshire, sind aber in Realität weder Blumenhandlung noch Pub. Auch das Haus, in dem der ermordete Gerald Ebbs wohnte, steht in dem ansehnlichen Dorf über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete. In Buckinghamshire dagegen finden wir das Bed and Breakfast, in dem der merkwürdige Ghost Tour-Führer Jeff Bowmaker wohnt; dafür wurde die Rockwell End House Farm gewählt, zwischen Hambleden und Frieth gelegen, auch beides Barnaby-Drehorte. Das Haus der Historikerin Faith Kent und ihres Mannes Ian liegt nur ein paar Meilen von Rockwell End entfernt in Fingest, direkt gegenüber der Kirche in der Chequers Lane.

Hier ist ein sehr stimmungsvoller Film über das verlassene Fairmile Hospital.

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Published in: on 27. Dezember 2013 at 02:00  Comments (5)  
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Skegness (Lincolnshire) – Ein Seebad an der Ostküste, das durch den „Jolly Fisherman“ im ganzen Land bekannt wurde

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Bis die Eisenbahn 1875 nach Skegness an der Küste Lincolnshires kam, lebte der Ort vor allem vom Fischfang, doch dann änderte sich alles. Der Tourismus nahm hier allmählich die Zügel in die Hand, dann eröffnete 1936 Billy Butlin seinen ersten Ferienpark im Nachbarort Ingoldmells und es wurde im Sommer richtig voll an der Nordseeküste von Lincolnshire.

Einen wesentlichen Anteil an der Beliebtheit und Bekanntheit von Skegness hatte der „Jolly Fisherman„, ein Poster mit dem für das Seebad in überregionalen Zeitungen geworben wurde. Der Illustrator John Hassall entwarf das Poster im Jahr 1908, und die Eisenbahngesellschaft Great Northern Railway übernahm es für ihre Werbekampagne. Es zeigte einen fröhlichen Fischer, der in seiner Kluft am Strand entlangspringt, darunter stand der Slogan „Skegness is So bracing„, auf Deutsch etwa „Skegness ist So erfrischend“, was auf die häufigen frischen Nordseewinde hinweist. Hassalls Poster gehörte in der damaligen Zeit zu den erfolgreichsten Werbefeldzügen, wobei der Schöpfer des fröhlichen Fischers vorher nie in Skegness war; das holte er erst 1936 nach und er war positiv überrascht von dem Seebad: „It is even more bracing and attractive than I had been led to expect“, meinte er damals. 1948 starb Hassall verarmt, von seinen vielen erfolgreichen Postern konnte er nicht profitieren.

Wie viele andere englische Seebäder litt auch Skegness unter den billigen Pauschalangeboten für Flugreisen in das sonnigere Südeuropa; heute ziehen sich viele Wohnwagenparks an der Küste entlang und das Butlin’s gibt es noch immer, ein Symbol für Familienurlaub, in dem das Amüsement im Mittelpunkt steht.

Seit 24 Jahren werden die Urlauber am Bahnhof vom Jolly Fisherman begrüßt, einer Statue, die gerade erst komplett neu gegossen wurde, da der Zahn der Zeit am alten Jolly doch sehr genagt hatte (hier ein Film darüber). Ein weiterer Jolly steht übrigens an der Strandstraße

Wenn man die Strandstraße, die North und South Parade entlangfährt, wird man mit einer endlosen Reihe von Hotels, Pensionen, B&Bs, Fish and Chip Shops, Amusement Arcades und anderen Vergnügungsetablissements konfrontiert; hier wird das Klischee des englischen Strandlebens wahr wie das Musikvideo „Fish Chips and Donkey Ridez“ zeigt.

Der alte Jolly am Bahnhof, bevor er durch einen neuen ersetzt wurde.    © Copyright Jonathan Wakefield and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der alte Jolly am Bahnhof, bevor er durch einen neuen ersetzt wurde.
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Der Jolly Fisherman an der Strandstraße von Skegness.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Jolly Fisherman an der Strandstraße von Skegness.
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Published in: on 26. Dezember 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Shutford in Oxfordshire und eine Schießerei, die vier Menschenleben kostete

Das Pear Tree Cottage in der West Street in Shutford- Eigenes Foto.

Das Pear Tree Cottage in der West Street in Shutford.
Eigenes Foto.

Das kleine Shutford liegt im äußersten Norden der Grafschaft Oxfordshire, sieben Kilometer westlich von Banbury. Hier wohnte ich einmal kurzzeitig im Pear Tree Cottage, einem hübschen, aus dem 17. Jahrhundert stammenden, reetgedeckten Haus, das über einen „inglenook fireplace“ verfügte. Shutford war früher einmal dafür bekannt, dass in dem Ort hochwertiger Plüsch hergestellt wurde, der in vielen Königshöfen Europas und Asiens Verwendung fand. Doch lang ist es her, dass dieses Gewerbe den Bach herunter gegangen ist; Shutford durchlebte eine schwierige Zeit, viele Häuser standen leer und verfielen. Aber das ist alles glücklicherweise Vergangenheit, denn in dem Dorf hat sich allerlei Kleingewerbe niedergelassen und viele Häuser zeugen davon, dass sich hier wieder ein gewisser Wohlstand breit gemacht hat.
Es gibt einen netten Pub, „The George and Dragon„, dahinter steht die Kirche St Martin’s, alles geht hier ruhig und friedlich zu, wie man sich das für ein Dorf am Rande der Cotswolds auch wünscht.

ABER: Es gab auch einen rabenschwarzen Tag in der Geschichte Shutfords, das war der 10. August 1935, an dem binnen weniger Stunden vier Menschen starben. In ihrem Buch „Oxfordshire Murders“ schreibt die True-Crime-Autorin Nicola Sly von dem Fall. Kurz vor Mitternacht hielt ein Linienbus vor der Dorfschmiede, um Hilda May Gibbs und ihre Schwester Ivy Cora Goode aussteigen zu lassen. Da fielen plötzlich Schüsse, die beide Schwestern trafen und auch die hinter ihnen sitzenden Brüder Joseph und William Messenger, die vom Dorffest nach Hause fahren wollten. Der Bus fuhr sofort mit hoher Geschwindigkeit weiter ins Krankenhaus von Banbury, wo im Laufe der Nacht sowohl die beiden Schwestern als auch Joseph Messenger verstarben.
Wer war nun der Todesschütze? Es war der Dorfschmied Wilfred Gibbs, der Ehemann von Hilda May Gibbs, die beide in Trennung lebten und ständig Streit wegen ihres gemeinsamen Kindes hatten, das der Ehemann für sich beanspruchte. Nach den tödlichen Schüssen, richtete Gibbs sein Gewehr auf sich selbst und erschoss sich. Es muss eine Kurschlusshandlung des Dorfschmieds gewesen sein, denn noch einige Stunden vorher, hatte er sich auf dem Dorffest vergnügt und dabei Preise im Tontaubenschießen gewonnen.
Es war ein tragischer Tag in der Geschichte eines kleinen Dorfes, der sich hoffentlich nie mehr wiederholt.

Weitere Details zu dem Mordfall findet man in dem oben erwähnten Buch:
Nicola Sly: Oxfordshire Murders. The History Press 2010. 154 Seiten. ISBN 978-0752453590.

The George and Dragon im Vordergrund, dahinter    © Copyright Roger Davies and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The George and Dragon im Vordergrund, dahinter St Martin’s Church.
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Published in: on 25. Dezember 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Songs About London – Weihnachten in London

Die weihnachtliche Regent Street.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die weihnachtliche Regent Street.
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Die Regent Street in London ist zur Weihnachtszeit immer besonders schön geschmückt und beleuchtet; im riesigen Spielwarenladen Hamleys herrscht Hochbetrieb, und die Kassen klingeln dort noch mehr als sonst im Jahr.
Ich habe heute zwei Lieder herausgesucht, die versuchen, die Stimmung in der Stadt zu Weihnachten einzufangen.

Da ist einmal „Christmas Time in London Town„, das schon 1961 aufgenommen worden ist und von dem dänischen Duo Nina & Frederik gesungen wird. Dahinter verbergen sich Frederik Jan Gustav Floris, Baron van Pallandt, der bereits 1994 verstorben ist, und seine damalige Frau Nina, Baroness van Pallandt. Der Text des Liedes stammt von Nina & Frederik, die Musik von dem englischen Komponisten David Flatau. Ich mag dieses Lied sehr, das in diesem Video sehr schön von stimmungsvollen Bildern begleitet wird.

Nicht weniger schön finde ich Limahls Hommage an London zur Weihnachtszeit in seinem Song „London for Christmas“ aus dem Jahr 2012, in dem es heißt:

The Christmas tree will be beautiful in Trafalgar Square
We’ll do Selfridges for shopping and cocktails in Mayfair
You’ll be looking pretty through my camera lens
As we hear the chimes of Big Ben from our boat trip on the Thames

Es muss also nicht immer Whams „Last Christmas“ sein, das zurzeit weltweit von unzähligen Radiostationen gespielt wird, es gibt auch sehr hörenswerte andere weihnachtliche Popsongs aus dem Königreich.

Published in: on 24. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Downton Abbey – Teil 3: Die Kampfszenen im Ersten Weltkrieg

Die zweite Staffel der TV-Serie „Downton Abbey“ wird vom Ersten Weltkrieg beherrscht, in den auch Matthew, Thomas und William geschickt werden. Die Szenen in den ausgehobenen Gräben im Norden Frankreichs wirken authentisch, sind aber dort natürlich nicht gedreht worden, sondern auf einer Farm in Suffolk, die sich auf Kriegsfilme spezialisiert hat. Die Trench Farm (hier einige Fotos) liegt an der A14 nicht weit von Ipswich entfernt. Hier hat der Eigentümer Jeremy Hall mit einem Bagger lange Gräben gezogen, in denen die beeindruckenden Szenen gedreht wurden. Dem Team beratend zur Seite stand Taff Gillingham mit seiner Firma Khaki Devil aus Ipswich, der sich auf das Thema Erster Weltkrieg spezialisiert hat und sogar in der Serie als Soldat mitgespielt hat. Gillingham sorgte auch für die Statisten, die benötigt wurden und von denen sogar einige ihre Uniformen mitbrachten. Hauptdarsteller Dan Stevens, der den Matthew spielt, wurde genau instruiert wie er sich in den unter Granatfeuer stehenden Gräben zu bewegen und zu verhalten hatte.  Eine Woche lang dauerten die Dreharbeiten, die im März 2011 hier in Suffolk stattfanden.

Über zwanzig Filme, meistens Dokumentationen, hat man schon auf der Trench Farm produziert, die dafür alles Nötige bereitstellt. Auf dem Gelände des Grabensystems stehen z.B. von den Kämpfen gezeichnete Bäume und in einer Scheune ist das Innere eines Grabens noch einmal extra nachgebaut, dafür hat man das British Trench Building Manual aus dem Jahr 1916 zu Rate gezogen.

Die BBC war schon häufig auf der Trench Farm zu Gast und stellte hier Dokumentationen über den Ersten und den Zweiten Weltkrieg her wie z.B. Walter’s War (BBC4), The Last Tommy (BBC1) und The Somme-From Defeat to Victory (BBC1).

Hier ist ein Film über die Gräben der Trench Farm.

Published in: on 23. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Downton Abbey – Teil 2: Die Bluebell Railway und der Bahnhof von Horsted Keynes

Bahnsteig 5 des Bahnhofs von Horsted Keynes in West Sussex.    © Copyright Craig Janes and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bahnsteig 5 des Bahnhofs von Horsted Keynes in West Sussex.
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Was sind auf den Bahnsteigen von Horsted Keynes (West Sussex) nicht schon alles für Filme gedreht worden! Der Bahnhof der Nostalgiestrecke Bluebell Railway, die auf knapp 18 Kilometern von East Grinstead in West Sussex zum Sheffield Park in East Sussex führt, ist aber auch ideal für Dreharbeiten, denn hier verkehren keine regelmäßigen Linienzüge und man kann das Gelände daher vorübergehend sehr gut abschotten.

Die Pet Shop Boys haben einige Szenen ihres Musikvideos „Always On My Mind“ hier gedreht und auch Sheena Eastons Video „Morning Train“ wurde hier produziert.

Der rührende Spielfilm „The Railway Children“ in der TV-Fassung aus dem Jahr 2000 zeigt viele Szenen auf den Bahnsteigen und vom Gelände der Bluebell Railway. Weitere Filme, die zumindest in Teilen im Bahnhof von Horsted Keynes bzw. in den Zügen der Nostalgiebahn entstanden sind:

Miss Potter (dt. „Miss Potter) aus dem Jahr 2006, die Lebensgeschichte der Kinderbuchautorin Beatrix Potter.
A Room With a View (dt. „Zimmer mit Aussicht“) aus dem Jahr 1985, nach dem gleichnamigen Roman von E.M. Forster.
Last Passenger, (dt. „Last Passenger – Zug ins Ungewisse“) ein Thriller, der erst in diesem Jahr entstand.

Das Produktionsteam des TV-Dramas „Downton Abbey“ war mehrere Male auf den Bahnsteigen von Horsted Keynes zu Gast und meist waren es emotionsgeladene Szenen, die hier gedreht wurden. Ich denke da an den Abschied von Mary und Matthew, der vom Bahnhof Downton in den Ersten Weltkrieg zieht (in der zweiten Staffel). Ebenfalls in der zweiten Staffel hält Sir Richard Carlisle auf dem Bahnsteig um Marys Hand an, und sie erwidert „Ich werde darüber nachdenken“. Noch einmal Mary: Als sie von dem Schottlandausflug ihrer Familie vorzeitig abreist, beginnen die Wehen einzusetzen, als sie auf dem Bahnhof von Downton ankommt (zu sehen im Christmas Special zur dritten Staffel). In Staffel Vier sehen wir wie Butler Carson, Mrs Hughes, Mrs Crawley und Dr. Clarkson den ehemaligen Kompagnon von Carson, Charlie Grigg, auf dem Bahnhof verabschieden. Am gleichen Tag drehte das Team die Ankunftsszene von Lady Edith auf dem Londoner Bahnhof King’s Cross, wofür der Bahnsteig 4/5 in Horsted Keynes herhalten musste.
Also nicht nur das Highclere Castle, sondern auch die Bahnlinie der Bluebell Railway spielt in der Erfolgsserie eine Rolle.

Ein Nostalgiezug im Bahnhof von Horsted Keynes.    © Copyright Peter Trimming and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Nostalgiezug im Bahnhof von Horsted Keynes.
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Published in: on 22. Dezember 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Downton Abbey – Teil 1: „Behind the Scenes at Downton Abbey“ – Ein neues Buch über die TV-Serie

Dies ist ein Foto meines USA-Exemplares, das ein anderes Umschlagbild hat als das englische.

Dies ist ein Foto meines USA-Exemplares, das ein anderes Umschlagbild hat als das englische.

Das diesjährige Weihnachtsfest steht beim ZDF und bei ZDFNeo ganz im Zeichen der britischen TV-Serie „Downton Abbey„. Erst wiederholte ZDFNeo die komplette erste Staffel und ab dem 20.12. beginnt die zweite Staffel bei Neo, die das ZDF dann über die Weihnachtstage erneut ausstrahlt. Bei diesem Tempo kommen die deutschen Fernsehzuschauer leider erst Ende 2015 in den Genuss der vierten Staffel, die im Herbst im Königreich gesendet wurde. Aber es gibt ja glücklicherweise DVDs von allen vier Staffeln.

Anlässlich der „Downton Abbey-Ballung“ in diesen Tagen im deutschen Fernsehen, möchte ich in meinem Blog in drei aufeinanderfolgenden Teilen einige Beiträge bringen, die sich mit verschiedenen Aspekten „hinter den Kulissen“ beschäftigen.

Im September erschien das Buch „Behind the Scenes at Downton Abbey: The official companion to all four series„, geschrieben von Emma Rowley, in der gleichen Aufmachung wie die früheren Bände „The world of Downton Abbey“ (dt. „Die Welt von Downton Abbey“) und „The chronicles of Downton Abbey„. Wer sich dafür interessiert wie es hinter den Kulissen der TV-Serie bei den Dreharbeiten zugeht, der ist mit diesem großartig bebilderten Band sehr gut bedient. Man fragt sich manchmal beim Abspann der Filme, was denn diese unendlich vielen dort genannten Personen alles machen; in diesem Buch wird man darüber aufgeklärt.

Die Serie zeichnet sich besonders durch die Detailtreue aus und so wacht z.B. der Historiker Alastair Bruce darüber, dass alles stimmig ist wie die Anordnung der Bestecke auf dem Tisch im Dining Room, die Kleidung der Herrschaft und der Dienerschaft und die Einhaltung der Tagesabläufe in einem englischen Herrenhaus in den 1920er Jahren.

Besonders viel Arbeit gibt es für das Team um Caroline McCall, der Kostümdesignerin der Show, das vor allem für die Kleidung der Damen des Hauses sehr viel Fantasie aufbringen muss, die sich ja mehrfach am Tage zu den Mahlzeiten umziehen. Auch die Abteilung „Hair und Makeup“ unter Magi Vaughan hat alle Hände voll zu tun, denn wenn die Akteurinnen und Akteure morgens am Set erscheinen, müssen sie erst einmal hergerichtet werden und das nimmt viel Zeit in Anspruch, ebenso wie das abendliche Abschminken.

Emma Rowley nimmt den Leser mit zu den wichtigsten Schauplätzen und Drehorten wie dem Highclere Castle, den Ealing Studios, nach Bampton in Oxfordshire, das als Downton Village fungiert, und zum Bahnhof von Horsted Keynes, über den ich in meinem morgigen Beitrag berichten werde.

Emma Rowley: Behind the Scenes at Downton Abbey: The official companion to all four series. HarperCollins 2013. 288 Seiten. ISBN 978-0007523665.

Published in: on 21. Dezember 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Bishops Cannings (Wiltshire) – Warum die Bewohner Wiltshires auch Moonrakers genannt werden

The Crammer in Devizes (Wiltshire). Wurden hier die Brandyfässer versenkt?    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crammer in Devizes (Wiltshire). Wurden hier die Brandyfässer versenkt?
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Das Wort „Moonraker“ kennt man in erster Linie als Titel eines James Bond-Films, der 1979 in die Kinos kam, aber es gibt ihn schon wesentlich länger: Man bezeichnet die Bewohner der Grafschaft Wiltshire auch als Moonrakers, wobei dem Dorf  Bishops Cannings eine besondere Bedeutung zukommt.

Irgendwann im 18. Jahrhundert, als das Schmuggeln in voller Blüte stand, schleppten eine Gruppe von Männern aus Bishops Cannings einige Fässer illegalen Brandy durch die Gegend, als sie Wind davon bekamen, dass sich irgendwo in der Nähe Zöllner aufhalten sollten. Um nicht mit ihrer Schmuggelware erwischt zu werden, versenkten sie die Fässer in einem Dorfteich und warteten ab, bis die Luft wieder rein war. Als die Männer nachts die Fässer mit Harken wieder an die Oberfläche ziehen wollten, wurden sie plötzlich von den Zöllnern überrascht, die wissen wollten, was sie denn da täten. Einem der Schmuggler fiel nichts Besseres ein, als zu behaupten, sie würden einen großen Käse (der Mond spiegelte sich auf der Oberfläche des Teichs) mit ihren Harken (=rakes) an Land ziehen wollen. Die Zöllner kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus und hielten die Dörfler für ziemlich bescheuert. Nachdem das Lachen in der Ferne verklungen war, ging es dann wieder richtig zur Sache und man holte die geschmuggelten Brandyfässer (und keinen „Mond-Käse“) aus dem Wasser. Darum nennt man nun die Leute aus Wiltshire die Moonrakers.

Wo sich das Ganze abgespielt haben soll, da gehen die Meinungen auseinander. Viele halten einen Teich namens Crammer in der Nachbarstadt Devizes für den Ort des Geschehens, der früher einmal innerhalb der Gemeindegrenzen von Bishops Cannings lag, da das Dorf selbst über keinen Teich verfügte. The Crammer liegt an der Estcourt Street, der A361, gleich neben der St James Church, deren Kirchhof mit seinen Grabsteinen bis an den Teich reicht.

Hier ist eine gesprochene Version der Moonrakers-Legende.

Hier aus Bishops Cannings kamen die Brandyschmuggler.    © Copyright Andrew Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier aus Bishops Cannings kamen die Brandyschmuggler.
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Published in: on 20. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Follies – Peterson’s Tower in Sway (Hampshire), gebaut nach Anweisungen aus dem Jenseits

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Es ist nicht ganz ohne Witz, dass in einem Ort namens Sway (to sway = schwanken) ein Turm gebaut worden ist, der zu den höchsten Follies des Landes zählt. Sway Tower oder Peterson’s Folly wird er genannt, nach seinem Erbauer Andrew Thomas Turton Peterson (1813-1906), einem ehemaligen Rechtsanwalt, der lange Zeit in Indien gearbeitet hatte, und sich hier unten im südlichen Teil des New Forests in der Grafschaft Hampshire niederließ. Mit 66 Metern Höhe ist das schon ein ganz beachtliches Gebäude, das Peterson da hat bauen lassen und über den eigentlichen Zweck des Turms kursierten damals Vermutungen, z.B. dass er als Mausoleum für Peterson dienen sollte. Als man beim Baubeginn 1879 zwei Steinplatten in den Boden des Turms einließ, ahnte Mrs Peterson, was das bedeuten könnte und sie machte ihrem Mann unmissverständlich klar, dass sie eines Tages nicht darunter ihre letzte Ruhestätte haben wollte. Auch munkelte man, dass  Peterson auf der obersten Plattform des Turmes einmal, wie oft in Indien praktiziert, verbrannt werden wollte. Wie auch immer, nichts davon geschah.

Der Erbauer des Turms hatte eine Schwäche für alles, was mit Spiritualismus zusammenhing und so war er auch sehr an einer religiösen Sekte, die sich die New Forest Shakers nannte, interessiert und da speziell an einer Mary Ann Girling. Diese Dame verschaffte ihm über ein Medium Kontakt ins Jenseits und zwar zu Sir Christopher Wren, der dadurch berühmt wurde, dass er nach dem großen Brand von London, unzählige Kirchen und andere Gebäude wieder neu erbauen ließ. Wren beriet also Peterson bei der Gestaltung des Turmes, der darüber außerordentlich entzückt war. Gebaut wurde Peterson’s Folly ausschließlich aus unverstärktem Beton.

Als Krönung seiner Schöpfung setzte Peterson seinem Turm noch eine helle Lampe oben drauf, was ihm aber sofort untersagt wurde, weil er dadurch nachts die durch den Solent fahrenden Schiffe irritieren könnte.

Direkt am Sway Tower kann man heute in einem Bed & Breakfast namens Tower Hall übernachten.

Published in: on 19. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Quentin Falk: The Musical Milkman Murder

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In Little Marlow, wo ich erst kürzlich an einem schönen warmen Tag vor dem Queen’s Head Pub ein Pint trank, ereignete sich 1921 ein Mord, der vom Milchmann George Arthur Bailey begangen wurde. Das Opfer war seine Ehefrau Kate, der er überdrüssig geworden war. Bailey, den man auch “The Musical Milkman” nannte, behauptete, eine neue Notenschrift erfunden zu haben und suchte per Inserat in der Buckinghamshire Free Press junge gut gebaute Damen ab 16 Jahren, die ihm “musikalisch zur Hand gehen sollten”, wobei Übernachtungen in seinem Cottage durchaus vorkommen könnten. Der Milchmann war seiner schwangeren Ehefrau offensichtlich überdrüssig geworden und versuchte sich jetzt, an die jungen Damen heranzumachen. Das Mordhaus, The Old Barn Cottage, steht noch immer in der Church Street, nur 2-3 Gehminuten von The Queen’s Head entfernt. Ich bin da schon einige Male vorbeigefahren, ohne damals von dem Mordfall gehört zu haben.

Quentin Falk, Autor mehrerer Sachbücher, darunter einer Biografie des Schauspielers Anthony Hopkins, wohnt in The Old Barn Cottage und hatte schon einmal davon gehört, dass in seinem Haus vor einigen Jahrzehnten ein Mord begangen worden war, aber Näheres wusste er auch nicht. Er begann sich nach und nach mit der Geschichte zu beschäftigen und schließlich kam ein True Crime-Buch dabei heraus, in dem er seine intensiven Recherchen über den Fall George Arthur Bailey zusammenfasste.

In „The Musical Milkman Murder“ widmet sich der Autor besonders dem Gerichtsverfahren, das in Aylesbury stattfand, und das er in aller Ausführlichkeit beschreibt. Erstmals saßen bei diesem Verfahren auch Frauen in der Jury, was es aber für Bailey auch nicht besser machte, denn er wurde nach nur dreißigminütiger Beratungszeit von dieser Jury schuldig gesprochen und vom Richter zum Tode verurteilt. Bailey wurde am 2. März 1921 um 8 Uhr morgens im Oxford Prison per Strang hingerichtet.

Dieser Mordfall hat mich besonders interessiert, weil sich Baileys und meine Wege (über 80 Jahre zeitversetzt) mehrfach gekreuzt haben. Er wurde in West Hampstead im Norden Londons geboren und ging dort in eine Schule, die sich an der Ecke Mill Lane/Broomsleigh Street befand. In der Mill Lane war ich mehrere Male bei meinem Schwager zu Besuch. Über meine Aufenthalte in Little Marlow in Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog, am Gerichtsgebäude in Aylesbury kam ich erst kürzlich vorbei und den Friedhof von Little Marlow, außerhalb des Ortes an der Fern Lane, wo Baileys Frau Kate beigesetzt wurde, besuchte ich auch vor wenigen Monaten, als ich das Grab von Edgar Wallace dort aufsuchte.

Im Mordhaus in Little Marlow bzw. in einem Anbau, kann man sich heute auch per Bed & Breakfast einmieten; hier sind die Details.

Quentin Falk: The Musical Milkman Murder. John Blake 2012. 256 Seiten. ISBN 978-1857828078.

Published in: on 18. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Exton (Rutland) – Drehort für einige Szenen des Films „Der kleine Lord“

Eine Dorfstraße in Exton in der Grafschaft Rutland.    © Copyright J.Hannan-Briggs and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Dorfstraße in Exton in der Grafschaft Rutland.
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Alle Jahre wieder zeigt die ARD zur Weihnachtszeit den englischen Spielfilm „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“), der auch heute nach 33 Jahren nichts von seinem Charme verloren hat. Alec Guinness, der den Earl of Dorincourt spielt, ist schon seit 13 Jahren tot und Ricky Schroder, der kleine Lord Fauntleroy, ist, mit mittlerweile 43 Jahren,  noch immer im Filmgeschäft tätig.

Gedreht wurde damals, der Film erschien 1980, überwiegend in dem romantischen Belvoir Castle in Lincolnshire (ich berichtete in meinem Blog kurz darüber), aber es gab noch einen weiteren Drehort, das Dorf Exton in der Grafschaft Rutland, etwa auf halbem Weg zwischen Stamford und Oakham. Hier nahm man die Szenen auf, in denen Ceddie bei seinem ersten Ausritt dem kleinen behinderten Georgie auf Kosten seines Großvaters Krücken schenkt.

Die Kirche St Peter and St Paul wurde für die Aufnahmen verwendet, in denen der Earl mit seinem Enkel, sowie Ceddies Mutter und Mary, erstmals den Sonntagsgottesdienst besuchen. In der Kirche, die im 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde, stehen einige große Monumente, u.a. das des Viscount Campden, der die Grafschaft Rutland im sogenannten Langen Parlament vertrat und der hier zusammen mit seiner Frau beigesetzt ist. Das Marmormonument erschuf der berühmte Grinling Gibbons; natürlich finden wir hier nicht das im Film gezeigte Memorial der Earls von Dorincourt.

In einer kurzen Szene ist auch der Dorf-Pub „The Fox and Hounds“ zu sehen, in dem die Erbschleicherin Minna mit ihrem Sohn untergebracht ist. Man sieht sie im Film kurz den Gasthof verlassen und in eine Kutsche steigen, die sie nach Dorincourt bringen soll. Besonders viel hat sich hier nicht verändert, die weißen Pfosten vor der Eingangstür stehen noch da und die Hauswand ist nach wie vor von Efeu (?) umrankt. Wer wie Minna hier auch einmal nächtigen möchte, kein Problem: Vier Zimmer stehen im Pub zur Verfügung.

Übrigens: Wer sich den Kutscher Hastings einmal genau ansieht, wird vielleicht den Schauspieler Barry Jackson erkennen, der in der „Inspector Barnaby„-Serie jahrelang den Gerichtsmediziner George Bullard spielte und der am 5. Dezember diesen Jahres gestorben ist. Ceddies Mutter, Mrs Errol, wurde von Connie Booth verkörpert, die einige vielleicht noch als Polly in der Serie „Fawlty Towers“ aus den 1970er Jahren in Erinnerung haben, Ex-Ehefrau von „Basil Fawlty“ John Cleese.

St Peter and St Paul in Exton (Rutland).    © Copyright John Sutton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and St Paul in Exton (Rutland).
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Das Monument des Viscount Campden in der Dorfkirche von Exton.    © Copyright J.Hannan-Briggs and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Monument des Viscount Campden in der Dorfkirche von Exton.
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The Fox and Hounds in Exton.    © Copyright Richard Green and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Fox and Hounds in Exton.
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Das ideale Weihnachtsgeschenk für Gin-Liebhaber – Ein individuell hergestellter Gin aus der Cambridge Distillery

Mit freundlicher Genehmigung der Cambridge Distillery.

Mit freundlicher Genehmigung der Cambridge Distillery.

Gin-Aficionados würden sich mächtig über ein Weihnachtsgeschenk freuen, das aus einem Gin besteht, den es nur einmal auf der Welt gibt und der ganz nach individuellem Wunsch hergestellt wird. Als einzige Destillerie weltweit kommt diesen Wünschen die Cambridge Distillery nach, die auch in der Universitätsstadt angesiedelt ist.

2012 haben Will and Lucy Lowe diese Marktnische entdeckt und sich selbständig gemacht. Will Lowe kommt aus der Spirituosenbranche und hat schon einmal für die Queen einen Drink kreiert, während Ehefrau Lucy für das Marketing zuständig ist.
Das Konzept der kleinsten Distillerie des Landes: Jeder der möchte, egal ob Restaurant, Firma oder Privatperson, kann sich seinen ganz persönlichen Gin „zurechtschneidern“ lassen (Gin tailoring), dh. er entscheidet über die Zutaten, die in den individualisierten Gin hineinkommen sollen, wobei Will Lowe dabei natürlich mit Rat und Tat zur Seite steht. So ein 90minütiges Gin Tailoring kostet £192, inklusive der ersten Flasche. Ein Kunde ist z.B. das weltbeste Restaurant, das Noma in Kopenhagen, das seinen individuellen Gin mit Ameisenaroma bestellt hat wie ich kürzlich im Daily Telegraph las.

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, bleibt das spezielle „Rezept“ bei der Cambridge Distillery unter Verschluss und man kann jederzeit seinen eigenen Spezial-Gin nachbestellen. Die Kosten pro Flasche liegen dann bei ca £70, abhängig von den gewählten Zutaten.

Wer diesen ganzen Prozess nicht mitmachen, aber trotzdem einmal einen Gin aus Cambridge probieren möchte, der kann das auch haben, indem er sich eine Flasche des Autumn-Winter-Gins kauft, der allerdings nur in geringer Stückzahl bei Selfridges zu haben ist, für £79.99.

The Cambridge Distillery
Tel. 01223 269 209

Published in: on 16. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Whitehaven (Cumbria) und die Rolle der Stadt im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

Im Hafen von Whitehaven erinnert diese Statue an den Angriff auf die Stadt im Jahr 1778.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Hafen von Whitehaven erinnert diese Statue an den Angriff auf die Stadt im Jahr 1778.
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1778, während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, wurde die Stadt Whitehaven an der Küste Cumbrias im Nordwesten Englands von einem Schiff angegriffen, dass ausgerechnet von einem Mann kommandiert wurde, der in Whitehaven seine Lehre als Seemann absolviert hatte und mittlerweile in amerikanischen Diensten stand. John Paul Jones war sein Name, der in der Nacht vom 22. zum 23. April 1778 sein Schiff USS Ranger vor der Küste verankerte und mit zwei Ruderbooten, besetzt mit 30 Mann, an Land ging. Hier wollten sie möglichst viele Schiffe im Hafen in Brand setzen. Aber das Manöver entwickelte sich schnell zu einer Slapstick-Komödie.

Der erste Schritt des Plan gelang noch, in dem sie die Besatzung der Befestigungsanlagen überrumpeln und die Kanonen außer Gefecht setzen konnten, doch dann ging alles schief: Während ein Teil der „Landetruppen“ sich mit den Kanonen beschäftigte, ging der andere Teil in einen Pub am Hafen und ließ sich dort volllaufen. Jones war darüber nun gar nicht amüsiert, sollten diese Leute doch währenddessen die Schiffe in Brand setzen. Seine gering motivierte Truppe hatte auch kein Feuer, um die mitgeführten Fackeln anzuzünden. Schließlich gelang es ihnen doch noch, eines der vor Anker liegenden Schiffe, die „Thompson„, die mit Kohle beladen war, in Brand zu setzen. Während dieser Aktion schlich sich einer Männer davon und alarmierte die Bewohner Whitehavens, dass sich ihre Schiffe und möglicherweise ihre ganze Stadt in ein Flammenmeer verwandeln könnten. Man reagierte sofort und setzte alle verfügbaren Feuerwehren ein, die zum Hafen fuhren und das Feuer an Bord des Schiffes löschte, bevor es auf die anderen dicht an dicht liegenden Schiffe überspringen konnte.

John Paul Jones und seine Leute machten sich so schnell wie möglich in ihren Ruderbooten vom Acker und sahen zu ihrem Horror, dass ihr Mutterschiff, die „Ranger“, davonfahren wollte, weil sie zum einen unter Beschuss der Kanonen geraten war (man hatte zwei wieder gefechtsbereit machen können) und zum anderen die Besatzung glaubte, dass die Aktion fehlgeschlagen war (womit sie ja durchaus recht hatte), aber im letzten Moment sahen sie doch noch die beiden herannahenden Boote und nahmen ihren Kapitän und die angesäuselten Kollegen wieder an Bord.

Die Bürger Whitehavens haben übrigens den Amerikanern inzwischen vergeben; eine entsprechende Proklamation wurde 1999 anlässlich des Maritime Festivals zwischen dem Hafenmeister und einem Offizier der amerikanischen Marine unterschrieben.

Heute erinnert eine am Hafen aufgestellte Kanone, die von John Paul Jones gerade außer Betrieb gesetzt wird, an den Zwischenfall im Jahr 1778; hier ein Film darüber.

Über Whitehaven berichtete ich schon einmal in einem früheren Blogeintrag.

Published in: on 15. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Londoner Pearly Kings and Queens

This work is release into the public domain.

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Ab und zu trifft man in London Männer und Frauen, die durch ihre eigenartigen Fantasieuniformen Aufmerksamkeit erregen. Ihre Jacken, Hosen, Westen, Hüte sind über und über mit Perlmuttknöpfen bedeckt, und sie halten Sammelbüchsen in der Hand, denn die Pearly Kings and Queens gehören zu Wohlfahrtsorganisationen, die mit ihren Einnahmen Londoner Projekte unterstützen.

Der Straßenkehrer Henry Croft (1861-1930) war der erste, der in den 1870er Jahren auf die Idee kam, seine Kleidung mit Hilfe von Perlmuttknöpfen „aufzuhübschen“ und auf diese Weise im Straßenbild Londons aufzufallen. Einer seiner Anzüge soll aus tausenden dieser weißen Knöpfe bestanden haben. Croft fertigte auch für andere solche Kleidung an, d.h. das Heer der Pearlies wuchs allmählich. Man sammelte in den Straßen z.B. für Krankenhäuser, die zur damaligen Zeit auf Spenden angewiesen waren. Als Henry Croft 1930 starb, soll er etwa £200,000 (nach heutigem Wert) zusammengetragen haben. Dieser historische Filmausschnitt zeigt die Enthüllung einer Statue, die man ihm zu Ehren auf dem Friedhof von St Pancras errichtet hatte. Die Inschrift lautet: „In memory of Henry Croft who died March 16th 1930 aged 68 years. The original Pearly King“.

Ab 1911 hatten alle Stadtbezirke von London ihre eigenen Pearly Kings und Queens, die heute in mehreren Organisationen zusammengefasst sind wie in der Original London Pearly Kings and Queens Association oder der London Pearly Kings and Queens Society. Empfänger der Spenden sind beispielsweise der Pony Club for Disabled Children, die Alzheimers Society, die Donkey Sanctuary oder die London Air Ambulance.
Die „royalen“ Titel King und Queen werden in der Regel von Generation zu Generation weitergegeben, so ist z.B. Henry Crofts Urenkelin die Pearly Queen vom Bezirk Somers Town. Die angehenden Königinnen und Könige in den Pearly-Familien sind die Pearly Princesses und Princes.

Das wichtigste Ereignis im Verlauf eines Jahres ist für die Pearlies das jährlich stattfindende Harvest Festival, bei dem sie in einer Prozession durch die Straßen laufen und noch einmal kräftig Spenden sammeln.

Hier ist eine Dokumentation über die Londoner Pearlies: Teil 1 Teil 2

Pearly Kings in der Londoner Brick Lane.    © Copyright Robert Lamb and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pearly Kings in der Londoner Brick Lane.
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Published in: on 14. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Torcross Tank – Ein Panzer, der an getötete Amerikaner im Zweiten Weltkrieg erinnert

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Am 28. April 1944 ereignete sich in der Höhe von Torcross in Devon ein Zwischenfall, der das Leben von etwa tausend amerikanischen Soldaten kostete. Die mit dem Codenamen Exercise Tiger versehene Großübung sollte auf den D-Day in der Normandie vorbereiten, wozu Schiffe der Alliierten hier bei den Slapton Sands an der Südküste Devons zusammengezogen wurden. Deutsche Torpedoboote fingen den Konvoi ab und versenkten zwei amerikanische Schiffe, die Panzer und anderes schweres Gerät geladen hatten. Von den Besatzungsmitgliedern der beiden Panzerlandungsschiffe kamen 1000 Männer ums Leben und viele  wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Lange hielt man diesen Zwischenfall vor der Öffentlichkeit unter Verschluss, erst 40 Jahre später wurden die Details veröffentlicht.

Heute erinnert ein Sherman-Panzer an die amerikanischen Soldaten und Seeleute, der auf dem Damm der A379 aufgestellt ist, der das Meer vom Binnensee Slapton Ley trennt. 1984 ließ der örtliche Hotelier Ken Small diesen Panzer aus den flachen Gewässern bergen und restaurieren. Für $50 kaufte er ihn dem amerikanischen Militär ab, denn es war ihm ein besonderes Bedürfnis, mit Hilfe des Panzers auf die vielen getöteten Menschen aufmerksam zu machen. Small schrieb auch ein Buch darüber mit dem Titel „The Forgotten Dead“ (Bloomsbury 2004, 256 Seiten, ISBN 978-0747575436).

Am 9. November 1984 war es so weit, dass die Gedenkfeier 40 Jahre nach der Katastrophe stattfinden konnte. Da es an dem Tag regnete, verlegte man die Feier in die Kirche von Slapton. Weder die britische noch die US-amerikanische Regierung schickte einen Vertreter, dafür waren viele Einheimische und Freunde von Ken Small anwesend. Nach der Andacht ging man wieder zu dem Panzer und enthüllte eine Plakette mit dem Text:

„This American Sherman Tank took part in the D-Day practice landings at Slapton Beach in 1944 where it was lost at sea and there remained until its recovery in 1984. It stands as a memorial to those American lives lost during the course of the D-Day practice landings at Slapton Beach in 1944. Their sacrifice was not in vain. Be they ever at peace“.

Ken Small, der 2004 an Krebs starb, hatte einen 17 Jahre dauernden Kreuzzug geführt und dabei immer wieder mit britischen und amerikanischen Bürokraten zu tun gehabt. Aber er überwand alle Hindernisse und war stolz, dass es ihm doch noch gelang, durch den Panzer die Erinnerung an die Toten aufrechtzuerhalten.

Neben dem Torcross Tank befindet sich ein Parkplatz, so dass man hier problemlos anhalten und den getöteten Amerikanern gedenken kann.

Im kommenden Jahr 2014 jährt sich am 28. April die Katastrophe zum siebzigsten Mal; dann wird auf dem Parkplatz zwischen 10 Uhr und 16 Uhr der Exercise Tiger Memorial Day begangen.

Slapton Sands.    © Copyright Gerald Massey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Slapton Sands.
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Published in: on 13. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Latimer (Buckinghamshire)

Latimers Village Green. Vorn das Denkmal für die im Burenkrieg Gefallenen, links davon "Pferdeherz-Monument".    © Copyright Des Blenkinsopp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Latimers Village Green. Vorn das Denkmal für die im Burenkrieg Gefallenen, links davon das „Pferdeherz-Monument“.
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Chesham, Chenies, Amersham sind die Nachbarorte des kleinen Dorfes Latimer in der Grafschaft Buckinghamshire, die alle aufmerksamen „Inspector Barnaby„-Zuschauer sicher schon einmal als Drehorte in der TV-Serie gesehen haben, die dort aber alle unter anderen Namen fungieren.
Latimer tauchte bisher nur zweimal auf und das auch nur recht kurz. In Episode 3 „Death of a Hollow Man“ (dt. „Requiem für einen Mörder“) sieht man den Theaterregisseur Harold Winstanley in seinem Cabrio zum Ende der Folge durch ein Dorf fahren, das ist Latimer. Ähnlich kurz war der „Auftritt“ des Ortes in Episode 79 „The Noble Art“ (dt. „Unter der Gürtellinie“), als man am Anfang (nach dem Vorspann) Tom und Joyce Barnaby durch Latimer fahren sieht.

Eine Besonderheit weist das Dorf in Buckinghamshire aber noch auf: Das Village Green. Auf dem kleinen, von hübschen Häusern umgebenen Dorfanger stehen zwei steinerne Denkmäler; eines erinnert an die Gefallenen im Burenkrieg aus Latimer und den Nachbarorten, das andere, kleinere an ein Pferd, das ebenfalls im Burenkrieg „kämpfte“ bzw. eingesetzt wurde. Nicht das ganze Pferd wurde unter dem Denkmal beigesetzt, sondern nur sein Herz. Wie es dazu kam, da kursieren unterschiedliche Geschichten. Eine davon:

Lord Chesham, der im Latimer House wohnte, einem Herrenhaus gleich neben der Kirche St Mary Magdalene (in der übrigens jährlich das Midsummer (!!) Music Festival stattfindet), und seinerzeit im Burenkrieg als General diente, soll dort bei der Schlacht von Boshof am 5. April 1900 Seite an Seite mit dem französischen General Villebois-Mareuil gekämpft haben. Der Franzose wurde getötet, als er gerade versuchte das Leben des britischen Generals zu retten, wobei auch das „französische“ Pferd verwundet wurde. Aus Dankbarkeit nahm Lord Chesham den Vierbeiner mit nach England ins Latimer House zurück und nannte ihn Villebois. Nachdem das Pferd 1911 gestorben war, setzte man sein Herz auf dem Village Green bei und errichtete ihm zu Ehren das kleine Monument.
Ich bin nicht sicher ob Tom und Joyce Barnaby von dieser anrührenden Geschichte wussten, als sie durch Latimer fuhren und am Village Green vorbeikamen (beide Denkmäler sind in der Szene zu sehen).

Übrigens ist Latimer nur auf sehr schmalen einspurigen Straßen zu erreichen. Ich hatte das „Glück“, mit meinem Auto auf einen breiten Trecker zu treffen und musste ein ganzes Stück rückwärts fahren, bis ich eine Ausweichstelle fand.

Und hier noch einmal das Pferdegrab in Großansicht. Eigenes Foto.

Und hier noch einmal das Pferdeherzgrab in Großansicht.
Eigenes Foto.

Latimer House.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Latimer House.
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Die Liver Birds auf dem Royal Liver Building in Liverpool

The Royal Liver Building und die Liver Birds.    © Copyright William Starkey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Royal Liver Building und die Liver Birds.
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Zu den Wahrzeichen der Hafenstadt Liverpool gehören zweifellos die beiden merkwürdigen Vögel, die auf den Türmen des Royal Liver Buildings sitzen und Liver Birds genannt werden. Sind das Kormorane oder Phantasievögel? Ein gebürtiger Deutscher, Carl Bernard Bartels, hat die beiden übrigens entworfen. Schon bald rankten sich Legenden und Geschichten um die beiden Flattermänner, die jeweils in eine andere Richtung blicken. Der weibliche Vogel schaut in Richtung Meer und interessiert sich für die sichere Heimkehr der Liverpooler Seeleute, während der männliche Partner profanere Interessen hat und darauf achtet, dass die Pubs der Stadt geöffnet haben. Die Liver Birds sind beide auf den Türmen mit Stahlseilen verankert, mit gutem Grund meinen einige, denn sollten sie von dort oben wegfliegen, würde der River Mersey über die Ufer treten und die Stadt in den Fluten versinken.

Meine Lieblingsgeschichte ist aber eine andere. Liverpool beauftragte einst einen Künstler, das Stadtwappen zu entwerfen, worin ein Adler enthalten sein sollte, das Symbol des Stadtheiligen St John the Evangelist. Der Künstler hatte aber ein Problem mit Adlern, die er nicht gut zeichnen konnte. Das Resultat seiner (vergeblichen) Bemühungen war das, was wir auf den Türmen des Royal Liver Buildings sehen. Die Stadtväter von Liverpool waren erst „not amused“, aber fanden sich denn schließlich mit dem verunstalteten Adler ab.

The Liverbirds nannte sich zu Zeiten des „Beatles-Booms“ eine der wenigen weiblichen Bands, die in der Zeit von 1962 bis 1967 auftrat und kleinere Erfolge aufweisen konnte. Die vier jungen Damen aus Liverpool waren in Deutschland beliebter als in ihrem Heimatland. Hier sind sie mit ihrem größten Hit „Peanut, Peanut Butter“ zu hören und zu sehen.

Die beiden Vögel gaben auch einer BBC-Comedyserie ihren Namen, die als „The Liver Birds“ von 1969 bis 1978 ausgestrahlt wurde und natürlich in Liverpool spielt. Hier ein Ausschnitt aus der Serie.

Einer der beiden Liver Birds. Attr.: Chowells. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Einer der beiden Liver Birds.
Attr.: Chowells.
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St John the Baptist in Cockayne Hatley (Bedfordshire) – Eine abgelegene Kirche, die auch heute noch Besucher anzieht

St John the Baptist in Cockayne Hatley (Bedfordshire)    © Copyright Helen Baker and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St John the Baptist in Cockayne Hatley (Bedfordshire)
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Ich glaube, die wenigsten haben schon einmal von dem Dorf mit dem merkwürdigen Namen Cockayne Hatley gehört, das etwa auf halber Strecke zwischen Bedford und Cambridge in Bedfordshire liegt. Man errreicht den hübschen kleinen Ort nur über schmale Landstraßen. Am Dorfrand liegt die Kirche St John the Baptist, über die es einiges zu berichten gibt. Henry Cockayne Cust war hier jahrzehntelang der Pfarrer, und er gestaltete seine Kirche auf eine ihm eigene Art.

Als er die Gemeinde 1806 übernahm, war die Kirche in einem beklagenswerten Zustand. Als es bei einer Weihnachtspredigt durch das undichte Dach auf den Altar schneite, hatte er die Nase voll, und so machte er sich daran, St John the Baptist von Grund auf umzubauen, was sehr viel Zeit und nicht minder viel Geld kostete. Henry Cockayne Cust unternahm mehrere Shopping-Touren, die ihn u.a. auch nach Belgien führten. Dort kaufte er in Charleroi einen kompletten Satz von Kirchenstühlen aus dem 17. Jahrhundert und handgeschnitzte Holztafeln, die er sich in seine Kirche liefern ließ. Die gehörten einmal in eine Abtei in Flandern, von der nur noch Ruinen übriggeblieben sind. Aus Mechelen besorgte er sich ein ebenfalls handgeschnitztes Altargitter, Falttüren aus Louvain und eine Kanzel aus Antwerpen.

Nachdem St John the Baptist nun schon zu großen Teilen aus ehemals belgischen Beständen zusammengesetzt war, führte Henry Cockayne Cust seine Einkaufstouren im eigenen Land fort. Aus Yorkshire besorgte er sich Kirchenfenster, die aus dem 13. Jahrhundert stammten, und hölzerne Engel aus einer Kirche im nahegelegenen Biggleswade. Die Gemeindemitglieder von  Cockayne Hatley konnten sich also wirklich nicht über ihren Pfarrer beklagen, der immerhin von 1806 bis 1861 im Amt war, und durch dessen Rührigkeit noch heute Besucher in diesen abgeschiedenen Teil von Bedfordshire kommen.

Wenn man schon einmal in  Cockayne Hatley ist, sollte man sich auch noch eine besondere Grabstelle ansehen. Der Dichter William Ernest Henley liegt hier begraben, der Robert Louis Stevenson als Vorbild für die Figur des Long John Silver in seinem Roman „Treasure Island“ (dt. „Die Schatzinsel“) diente, denn auch Henley hatte ein Holzbein. Seine Tochter Margaret, die im Alter von fünf Jahren starb, und die neben ihrem Vater beigesetzt ist, diente Henleys Freund J.M. Barrie in dessen Roman „Peter Pan“ als Vorbild für die Figur der Wendy.

Die Orgel und ein Kirchenfenster von St John the Baptist.    © Copyright James Yardley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Grabmal des Dichters William Ernest Hatley auf dem Kirchhof von St John the Baptist.    © Copyright Ben Harris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Grabmal des Dichters William Ernest Henley auf dem Kirchhof von St John the Baptist.
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Published in: on 10. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Gainsborough Old Hall in Lincolnshire – Ein mittelalterliches Manor House, das schon viel erlebt hat

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Gainsborough Old Hall.
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Es gibt Gebäude in England, die in ihrer jahrhundertelangen Existenz schon außerordentlich viel erlebt haben, so auch die architektonisch wunderschöne Old Hall in der Stadt Gainsborough in der Grafschaft Lincolnshire. Seit über 500 Jahren steht das Fachwerkhaus schon an dieser Stelle an der Ecke Gladstone Street/Parnell Street, nur wenige Gehminuten vom River Trent entfernt.

Thomas Burgh baute die Hall 1460 und sie blieb bis 1596  im Besitz der Familie. Richard III war hier 1484 zu Gast, ebenso Heinrich VIII, der 1541 mit Catherine Howard in der Hall weilte, kurz bevor er sie hinrichten ließ. Heinrichs letzte Gattin, Catherine Parr, die früher einen der Burghs geheiratet hatte, lebte mit ihrem ersten Ehemann bis zum Jahr 1530 in der Gainsborough Old Hall.

Ein weiterer berühmter Mann war mehrere Male Mitte des 18. Jahrhunderts  hier zu Besuch, der Gründer der Methodistenkirche John Wesley, der in der Old Hall predigte. Später nutzte man das Haus für ganz unterschiedliche Zwecke: Als Gemeindekirche, Fabrik für Bett- und Tischwäsche, Getreidebörse, Theater, Suppenküche, Gasthaus, Verkaufsraum und Freimaurerloge und noch so einige mehr. Verändert hat sich an dem Haus nicht sehr viel; es beherbergt die best erhaltene mittelalterliche Küche in ganz England mit zwei riesigen offenen Feuerstellen und das Kernstück, die wunderschöne Great Hall.

Man kann Gainsborough Old Hall das ganze Jahr über besichtigen, sie ist fast täglich geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £6.
Weiterhin wird das Haus, das dem English Heritage gehört,  für Hochzeitsfeiern genutzt, man kann es für Filmaufnahmen mieten und… es erübrigt sich beinahe, es extra zu erwähnen, es gibt hier einen Geist, die Grey Lady, und so werden auch Ghost Nights veranstaltet.

Hier ist ein Video-Rundgang durch die Gainsborough Old Hall.

Gainsborough Old Hall
Parnell Street
Gainsborough, DN21 2NB
Tel. 01522 782040

Die Great Hall.    © Copyright Colin Park and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Great Hall.
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Die mittelalterliche Küche.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die mittelalterliche Küche.
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Das Liebesbett des Dr. James Graham im Schomberg House in Londons Pall Mall

Das Schomberg House in Londons Pall Mall. Author: Tony Hisgett. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das Schomberg House in Londons Pall Mall.
Author: Tony Hisgett.
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Viele Londonbesucher werden irgendwann einmal die Straße Pall Mall entlanggehen, wenn sie z.B. vom Trafalgar Square zum Buckingham Palace wollen und nicht The Mall nehmen möchten. Dabei kommen sie dann am Schomberg House vorbei, das Ende des 17. Jahrhunderts für den dritten Herzog von Schomberg erbaut wurde. In dieses Haus an der Pall Mall, das die Nummer 81 trug, zog 1781 der schottische Arzt/Quacksalber James Graham ein, der damals eine glorreiche und lukrative Idee hatte. In der Upper Class gab es damals gewisse „Schlafzimmerprobleme“; die Herren konnten nicht wie sie wollten oder verspürten eine gewisse Unlust, die Fruchtbarkeit der Damen schien nachzulassen, dabei war es seinerzeit sehr wichtig, Nachkommen bzw. Erben zu erzeugen. Dieser zahlungskräftigen Klientel wollte James Graham helfen und gleichzeitig an ihr Geld herankommen.

In dem Haus an der Pall Mall errichtete er den Temple of Hymen, in dem er seiner Kundschaft gewisse Elixiere verabreichte und Schlammbäder verordnete. Der Hauptgrund aber, weswegen man Grahams Etablissement aufsuchte, war sein sagenumwobenes Liebesbett, das Celestial Bed. Dieses Bett war damals State of the Art, ca dreieinhalb Meter lang und zweieinhalb Meter breit, und stand auf Glassäulen über die magnetische Kräfte übertragen wurden. Man konnte es nach individuellen Wünschen in jede Position verstellen. Die Matratze war mit würzig riechenden Kräutern und den Schweifhaaren der wildesten Pferde Englands gefüllt. Frische Blumensträuße gehörten zur Einrichtung des Zimmers, in dem das Celestial Bed stand; leise Musik wurde eingespielt, junge leichtbekleidete Assistentinnen Grahams schufen eine zusätzliche erotisch aufgeladene Atmosphäre, kurz: Es war alles für eine lange Liebesnacht vorbereitet, jetzt lag es an den Paaren, das Beste daraus zu machen. Dafür mussten sie aber auch tief in die Tasche greifen, denn die Nacht kostete £50, eine damals gewaltige Summe.
Dieses Wunderbett war nur verheirateten Paaren vorbehalten, aber ob die Damen, die den Temple of Hymen verschleiert betraten, wirklich immer die Ehefrauen der Herren waren?

Nachdem Dr. Graham drei Jahre lang mit seinem Konzept Erfolg hatte, ging es mit ihm bergab. Er hatte hohe Schulden und landete schließlich im Gefängnis. Ob sein himmlisches Bett den Paaren geholfen hat und sie darin Nachwuchs gezeugt haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Lydia Syson hat über den „King of Quacks“ und sein berühmtes Bett ein Buch geschrieben, in dem man alle Details darüber nachlesen kann: „Doctor of Love: James Graham and His Celestial Bed“ (Alma Books 2008, 394 Seiten, ISBN 978-1846880544).

Published in: on 8. Dezember 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Das Parlament von Hubberholme (North Yorkshire) und der George Inn

The George Inn in Hubberholme (North Yorkshire).    © Copyright Andy Beecroft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The George Inn in Hubberholme (North Yorkshire).
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Der 1984 verstorbene Schriftsteller John Boynton Priestley nannte das einsam gelegene Dörfchen Hubberholme im Wharfedale in der Grafschaft North Yorkshire einmal „one of the smallest and pleasantest places in the world„. Kein Wunder, dass er hier auf dem Friedhof von St Michael and All Angels seine letzte Ruhestätte haben wollte, d.h. seine Asche wurde auf dem Friedhof verstreut. In der Kirche befindet sich eine Gedenkplakette.

Priestley war gern in dem gegenüber der Kirche gelegenen Pub The George Inn zu Gast, in dem er die Yorkshire-Küche genoss. In diesem Gasthof steht während der Öffnungszeiten immer eine brennende Kerze auf der Theke, ein Brauch, der auf die Zeit zurückgeht, als hier das Pfarrhaus untergebracht war. Wenn der Pfarrer anwesend war, stellte er ebenfalls eine brennende Kerze ins Fenster, damit die Schäfchen seiner Gemeinde Bescheid wussten. Diese Kerze spielt bei einem weiteren Brauch eine Rolle, der jedes Jahr Anfang Januar zum Tragen kommt. Dann tritt im The George Inn nämlich das Hubberholme Parlament zusammen, das, wie in London, aus einem Oberhaus und einem Unterhaus besteht. Der Grund für die Einberufung dieses Dorfparlaments ist die Versteigerung der „Poor Pasture„, ein der Kirche gehörendes Weideland, das alljährlich an den Meistbietenden verpachtet wird. Die Pachteinnahmen sind für die Armen und Bedürftigen der Gemeinde gedacht.

Die Auktion geht folgendermaßen vor sich: Das House of Lords, das aus dem Pfarrer und dem Kirchenvorstand besteht, findet sich im Dining Room zusammen, während das House of Commons, die Bieter, sich in der Bar versammeln. Die besagte Kerze wird angezündet und dann kann, unter Zuhilfenahme so manchen Pints, geboten werden. Sobald die Kerze erlischt, und das kann durchaus Stunden dauern, erhält das letzte Gebot den Zuschlag. Von nun an kann der „Sieger“ zwölf Monate lang das Weideland nutzen. Inwieweit der Alkoholpegel der Bieter die Auktion beeinflusst, sei dahingestellt… Der Pfarrer, der das ganze Schauspiel überwacht, hat sicher gegen die Menge des konsumierten Bieres in diesem Fall nichts einzuwenden.

Eine ähnliche Auktion findet übrigens in Chedzoy (Somerset) ab, ich berichtete darüber.

The George Inn
Hubberholme
Skipton, North Yorkshire, BD23 5JE
Tel. 01756 760223

St Michael and All Angels in Hubberholme (North Yorkshire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael and All Angels in Hubberholme (North Yorkshire).
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Published in: on 7. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Gordon’s Wine Bar – Londons ältester Weinausschank in der Villiers Street

Der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys (1633-1703) hätte es sich wohl auch nicht träumen lassen, dass in dem Haus in der Villiers Street, in dem er in den 1680er Jahren wohnte, einmal Londons berühmteste Weinbar, Gordon’s Wine Bar,  einziehen würde. Noch ein weiterer Schriftsteller mietete sich in dem Gebäude ein: Rudyard Kipling, der hier 1890 seinen Roman „The Light That Failed“ (dt. „Das Licht erlosch“) schrieb.

Im gleichen Jahr als Kiplings Roman veröffentlicht wurde, eröffnete Angus Stafford Gordon die Bar, die nur einen Steinwurf weit vom Victoria Embankment und der Themse liegt, und sie blieb in den Händen der Familie, denn auch Gordons Sohn und dann sein Enkel führten die Weinbar fort. 1972 übernahm Luis Gordon das Etablissement (der nicht mit den ursprünglichen Gordons verwandt war) und heute, nach seinem Tod im Jahr 2002, ist die Bar in den Händen von Luis‘ Frau Wendy und seinem Sohn Simon.

Viele Prominente gingen hier ein und aus, darunter natürlich Rudyard Kipling, der es nicht weit hatte, Alfred, Lord Tennyson oder G.K. Chesterton. Sie alle genossen die Atmosphäre in der Bar, die auch heute noch die gleiche geblieben ist. Man kann in den alten Gewölben sitzen oder auch im Freien. Eine große Auswahl an Weinen steht zur Verfügung, die fast alle auch glasweise zu bekommen sind, und das zu vernünftigen Preisen, wenn man bedenkt, dass wir hier mitten in London sind. Wer zu seinem Wein etwas essen möchte, der kann sich zum Beispiel eine Käseplatte zusamenstellen lassen; sonntags wird ein klassischer Sunday Lunch serviert mit verschiedenen Sorten Fleisch und natürlich Yorkshire Pudding.

Die Öffnungszeiten von Gordon’s Wine Bar sind großzügig bemessen: Montag bis Samstag von 11 Uhr bis 23 Uhr, Sonntag von 12 Uhr bis 22 Uhr.

Hier ist ein Film über Londons älteste Weinbar.

Gordon’s Wine Bar
47 Villiers Street
London WC2N 6NE
Tel. 020 7930 1408 

Published in: on 6. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The London Library – Die etwas andere Bibliothek am St James’s Square

Die London Library am St James's Square.    © Copyright Bill Johnson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die London Library am St James’s Square.
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Mitten im Zentrum von London, am feinen St James’s Square liegt eine Bibliothek der besonderen Art, die London Library, die die größte unabhängige Leihbibliothek der Welt ist. Wer hier Mitglied werden möchte, der muss schon wesentlich tiefer in die Tasche greifen als bei einer Public Library. Die London Library ist so eine Art Privatclub, in den aber jeder eintreten kann. Die Jahresgebühr beträgt zurzeit stolze £460. Wer es günstiger haben möchte, kann auch eine lebenslange Mitgliedschaft abschließen, die sich nach dem Alter der Antragsteller bemisst. 18jährige zahlen da z.B. £19 500, während Senioren fortgeschrittenen Alters mit nur £1 100 zur Kasse gebeten werden. Dafür verlangt die Bibliothek keine Überziehungsgebühren (was offensichtlich gut funktioniert).

Die London Library wurde bereits 1841 gegründet und hat seitdem über eine Million Bücher gesammelt, die auf ca 22 Kilometern Regalfläche untergebracht sind. Wer war hier nicht schon alles Mitglied: Winston Churchill, Agatha Christie, Virginia Woolf, Laurence Olivier, Arthur Conan Doyle, um nur einige wenige zu nennen. Schutzherren bzw. -damen waren immer die jeweiligen Könige und Königinnen, heute also Elizabeth II. Auch die Präsidenten waren namhafte Leute wie Thomas Carlyle, Alfred Lord Tennyson, T.S. Eliot oder zurzeit der Dramatiker Tom Stoppard.

Der Reading Room unterscheidet sich von den Lesesälen anderer großer Bibliotheken z.B. darin, dass hier keine Laptops erlaubt sind; auch Gespräche sind hier verpönt. Hier herrscht Ruhe, die nur hin und wieder vom Umblättern einer Buchseite unterbrochen wird (das ist aber erlaubt!).
Die Öffnungszeiten könnten besser sein. Lediglich Montag und Dienstag kann man die Bibliothek in der Zeit von 9.30 Uhr bis 21 Uhr benutzen, mittwochs bis samstags schließt sie bereits um 17.30 Uhr.

Man kann die London Library besichtigen und zwar jeden Montagabend um 18 Uhr, da finden geführte Touren statt. Vorsicht: Es besteht Gefahr, sich in den labyrinthartigen Gängen zu verlaufen!

Hier ist ein Film, in dem sich einige Prominente zur London Library äußern.

The London Library
14 St James’s Square
London
SW1Y 4LG
Tel.  020 7930 7705

Miles and miles of books. Author: GrindtXX. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Miles and miles of books.
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Published in: on 5. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Babes in the Wood – Eine rührselige Geschichte aus dem Wayland Wood in Norfolk

The Babes in the Wood auf dem Village Sign von Watton (Norfolk). Author: Deben Dave. his work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

The Babes in the Wood auf dem Village Sign von Watton (Norfolk).
Author: Deben Dave.
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Sie erinnert ein wenig an das Märchen „Hänsel und Gretel“, die Geschichte von den Babes in the Wood, einer rührseligen Erzählung von zwei Kindern, die im Wald ausgesetzt wurden und dort starben. Die beiden Kinder hatten ihre Eltern verloren und wurden in die Obhut ihres Onkels und ihrer Tante gegeben. Der böse Onkel hatte es auf die Erbschaft der ihm anvertrauten Kleinen abgesehen und beauftragte zwei andere Bösewichte, die Kinder in den Wald zu führen und dort umzubringen. Bösewicht 1 kann es nicht übers Herz bringen, tötet Bösewicht 2 und lässt die Kinder im tiefen Wald laufen. Die beiden Kleinen verirren sich dort und sterben schließlich. Die mitleidigen Waldvögel bedecken die Körper mit Laub. Schluchz! Ein Märchen ohne Happy End.

Der Legende nach hat sich die traurige Geschichte im Wayland Wood in Norfolk zugetragen, der im Dreieck zwischen Norwich, Swaffham und Thetford liegt. Ein Stückchen nördlich des Waldes liegt Watton, ein Ort der auf seinem Village Sign die Geschichte der Babes in the Wood verewigt hat. Hier sind die beiden nackten (??) Kinder unter einer Eiche zu sehen; darunter springt ein Hase über ein Fass, was nichts mit den Kindern zu tun hat, aber auf den Ortsnamen hindeutet: Ein alter Name für Hase war „wat“, ein Fass war früher „tun“, wat + tun = Watton.
Noch ein Wort zu der Eiche auf dem Ortsschild;  als 1879 der riesige Baum im Wayland Wood, unter dem die Kinder gelegen haben sollen, von einem Blitz gefällt wurde, kamen die Leute aus ganz Norfolk, um sich dort Souvenirs abzusägen.

Auch der ganz in der Nähe liegende Ort Griston hat auf seinem Village Sign die Geschichte von den beiden Kindern festgehalten, allerdings auf etwas andere Art.

Was Walt Disney 1932 aus der Geschichte gemacht hat, ist hier zu sehen und in diesem Gute-Nacht-Lied sind aus den Kindern Schweinchen geworden. Auch Cole Porter hat sich in diesem Lied des Stoffs angenommen.

Und so interpretiert der Ort Griston in Norfolk die Geschichte der Babes in the Wood.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Und so interpretiert der Ort Griston in Norfolk die Geschichte der Babes in the Wood.
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Hier im Wayland Wood sollen sich die Kinder verlaufen haben.    © Copyright Ashley Dace and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Wayland Wood sollen sich die Kinder verlaufen haben.
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Published in: on 4. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Songs About London – Heute: Die Portobello Road

   © Copyright Helmut Zozmann and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Große Teile des Films „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant wurden 1999 in der Portobello Road im Stadtteil Notting Hill gedreht, eine Straße, die sich schier endlos durch diesen Teil Londons zieht. Bekannt ist sie, auch in Touristenkreisen, vor allem durch den Portobello Market. Wochentags dominieren hier die Lebensmittelhändler, am Samstag werden vorwiegend Antiquitäten und Second-Hand-Kleidung angeboten. Leider machen sich auch in dieser Straße nach und nach die ewig präsenten Kettenläden breit wie Starbucks, Subway, Caffee Nero und Tesco. Damit nicht das Clone-Town-Britain-Syndrom zu sehr überhand nimmt, haben sich die Friends of Portobello zusammengetan, um das zu verhindern. Möge es ihnen gelingen!!!

Es gibt eine ganze Reihe von Songs, die sich der Straße angenommen haben, von denen ich einige hier vorstellen möchte:

– In der Komödie „Bedknobs and Broomsticks“ (1971), die in Deutschland unter dem Titel „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ lief, mit Angela Lansbury in der Hauptrolle, gibt es einen hübschen Song namens „Portobello Road„. Hier ist der entsprechende Filmausschnitt zu sehen. Gedreht wurde allerdings nicht in London, sondern in Los Angeles.

– Ganz anders porträtiert der englische Komponist Syd Dale (1924-1994) den Markt in seinem Instrumentalstück „Portobello Market„, das 1975 erschien. Dale ist auch heute noch durch seine Filmmusik in Erinnerung geblieben.

– „Portobello Road“ ist eines der Frühwerke von Cat Stevens, das er schon 1966 veröffentlichte. Darin beschreibt er, was er auf einem Spaziergang durch die Straße so alles sieht („Cuckoo clocks, and plastic socks, Lampshades of old antique leather, Nothing looks weird, not even a beard, Or the boots made out of feathers“).

– Mark Knopfler von Dire Straits hat 1979 den Song „Portobello Belle“ in einem Pub in der Straße geschrieben, dem „Duke of Wellington“ in der Hausnummer 179, der gern von Musikern aufgesucht wurde.

– 1968 nahm der englische Singer-Songwriter Billy Nicholls das Album „Would You Believe“ auf; darauf findet sich der Song „Portobello Road“ (“ You can buy most anything, Paper clips or even eastern wedding rings“).

Published in: on 3. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

St Ives (Cambridgeshire) und eine uralte Tradition: „The Langley Bread“

The Corn Exchange in St Ives (Cambridgeshire). Hier wird das Langley Bread ausgegeben.    © Copyright Keith Edkins and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Corn Exchange (Mitte) in St Ives (Cambridgeshire). Hier wird das Langley Bread ausgegeben.
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In England werden immer wieder uralte Traditionen aufrechterhalten und auch heute noch, im 21. Jahrhundert, zelebriert. So auch „The Langley Bread“ in St Ives in Cambridgeshire (nicht zu verwechseln mit dem berühmteren Namensvetter in Cornwall!). An einem Tag im Januar werden den bedürftigen Witwen und Witwern des Ortes Tüten mit Nahrungsmitteln übergeben, die Brot, Butter, Zucker, Tee und Kekse enthalten. Früher wurde nur Brot, das Langley Bread, ausgehändigt, und auch das nur an Witwen; so etwas hat man die Tradition also doch verändert.

Wie kam es nun dazu? Mitte des 17. Jahrhunderts geriet Robert Langley, ein prominenter Einwohner von St Ives, auf dem Heimweg in seinen Wohnort in einen fürchterlichen Schneesturm und verirrte sich. Da hörte er plötzlich die Glocken der Kirche All Saints, anhand derer er sich wieder orientieren konnte und den Weg nach Hause fand. So haben ihn die Glocken möglicherweise vor dem Tod durch Erfrieren gerettet. Langley war dafür so dankbar, dass er später in seinem Testament zum einen den Bell Ringern von St Ives Geld hinterließ und zum anderen veranlasste, dass die bedürftigen Witwen der Stadt in Cambridgeshire jährlich einmal mit Hilfe des sogenannten Langley Breads eine Nahrungsmittelspende erhalten sollten. Seit 1650, als Langley starb, existiert diese liebenswerte alte Tradition also schon.

Natürlich hat das Geld von Mr. Langley nicht bis heute gereicht, so dass die jährlichen Tüten mit Nahrungsmitteln (etwa 200) von einer Wohltätigkeitsorganisation bezahlt werden. Der Übergabeort, an dem sich die Bedürftigen versammeln, ist die Corn Exchange, mitten im Zentrum von St Ives am Market Hill.

Die Parish Church All Saints, deren Glocken damals das Leben Robert Langleys retteten, findet man in der Church Street. Das Schicksal meinte es mit der Turmspitze nicht gut: 1741 wurde sie von einem schweren Sturm abgerissen und musste neu aufgebaut werden, und 1918 krachte ein Flugzeug dagegen; sechs Jahre später stand sie wieder und blieb bis heute unversehrt.

All Saints in St Ives (Cambridgeshire).    © Copyright Kim Fyson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in St Ives (Cambridgeshire).
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Published in: on 2. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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