Das Liebesbett des Dr. James Graham im Schomberg House in Londons Pall Mall

Das Schomberg House in Londons Pall Mall. Author: Tony Hisgett. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das Schomberg House in Londons Pall Mall.
Author: Tony Hisgett.
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Viele Londonbesucher werden irgendwann einmal die Straße Pall Mall entlanggehen, wenn sie z.B. vom Trafalgar Square zum Buckingham Palace wollen und nicht The Mall nehmen möchten. Dabei kommen sie dann am Schomberg House vorbei, das Ende des 17. Jahrhunderts für den dritten Herzog von Schomberg erbaut wurde. In dieses Haus an der Pall Mall, das die Nummer 81 trug, zog 1781 der schottische Arzt/Quacksalber James Graham ein, der damals eine glorreiche und lukrative Idee hatte. In der Upper Class gab es damals gewisse „Schlafzimmerprobleme“; die Herren konnten nicht wie sie wollten oder verspürten eine gewisse Unlust, die Fruchtbarkeit der Damen schien nachzulassen, dabei war es seinerzeit sehr wichtig, Nachkommen bzw. Erben zu erzeugen. Dieser zahlungskräftigen Klientel wollte James Graham helfen und gleichzeitig an ihr Geld herankommen.

In dem Haus an der Pall Mall errichtete er den Temple of Hymen, in dem er seiner Kundschaft gewisse Elixiere verabreichte und Schlammbäder verordnete. Der Hauptgrund aber, weswegen man Grahams Etablissement aufsuchte, war sein sagenumwobenes Liebesbett, das Celestial Bed. Dieses Bett war damals State of the Art, ca dreieinhalb Meter lang und zweieinhalb Meter breit, und stand auf Glassäulen über die magnetische Kräfte übertragen wurden. Man konnte es nach individuellen Wünschen in jede Position verstellen. Die Matratze war mit würzig riechenden Kräutern und den Schweifhaaren der wildesten Pferde Englands gefüllt. Frische Blumensträuße gehörten zur Einrichtung des Zimmers, in dem das Celestial Bed stand; leise Musik wurde eingespielt, junge leichtbekleidete Assistentinnen Grahams schufen eine zusätzliche erotisch aufgeladene Atmosphäre, kurz: Es war alles für eine lange Liebesnacht vorbereitet, jetzt lag es an den Paaren, das Beste daraus zu machen. Dafür mussten sie aber auch tief in die Tasche greifen, denn die Nacht kostete £50, eine damals gewaltige Summe.
Dieses Wunderbett war nur verheirateten Paaren vorbehalten, aber ob die Damen, die den Temple of Hymen verschleiert betraten, wirklich immer die Ehefrauen der Herren waren?

Nachdem Dr. Graham drei Jahre lang mit seinem Konzept Erfolg hatte, ging es mit ihm bergab. Er hatte hohe Schulden und landete schließlich im Gefängnis. Ob sein himmlisches Bett den Paaren geholfen hat und sie darin Nachwuchs gezeugt haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Lydia Syson hat über den „King of Quacks“ und sein berühmtes Bett ein Buch geschrieben, in dem man alle Details darüber nachlesen kann: „Doctor of Love: James Graham and His Celestial Bed“ (Alma Books 2008, 394 Seiten, ISBN 978-1846880544).

Published in: on 8. Dezember 2013 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Was passierte mit dem Bett? Gibt es Baupläne? Der Verstellmechanismus muß ja toll sein,wenn es auf Glas ruht.
    Was machen Sie eigentlich beruflich,das sie immer so schöne geschichten für uns habe? Ich fieber jeder Mail entgegen…

  2. […] In „Breeding Ground“ hören wir die Geschichte vom Schomberg House in der Straße Pall Mall 80-82, in der ein Dr James Graham einen luxuriösen Treffpunkt für Pärchen einrichtete, der die optimale Umgebung bieten sollte, um dort perfekte Kinder zu zeugen, denn der gute Doktor war der Meinung, dass der Zustand des britischen Nachwuchses, sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht, sehr zu wünschen übrig ließ (s. dazu auch meinen früheren Blogeintrag). […]


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