Fingerposts – Die ländlichen Wegweiser aus der Zeit der Überlandkutschen

Ein Fingerpost in North Yorkshire.    © Copyright John Illingworth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Fingerpost in North Yorkshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Illingworth and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenn ich in England unterwegs bin, benutze ich kein Navigationsgerät, ich habe einen großformatigen Autoatlas dabei, der mir (meistens) auch gute Dienste leistet. Es kommt aber durchaus vor, dass man sich in einem Gewirr von schmalen, nicht nummerierten Landstraßen verfährt und da sind die Fingerposts hilfreich, die an Straßenkreuzungen aufgestellt sind und den Weg zu den nächstgelegenen Dörfern weisen. Wieviele es von diesen Schildern im ganzen Land gibt, weiß man nicht; einige sind Vandalen zum Opfer gefallen, an einigen hat der Zahn der Zeit genagt. Man hat aber allmählich erkannt, dass diese Wegweiser zum Charakter der britischen Landschaft beitragen und ein Stück Tradition sind; daher auch der amtliche Name „Traditional Direction Signs„.

Der älteste dieser Fingerposts stammt aus dem Jahr 1669 und steht in der Nähe von Chipping Camden in den Cotswolds, dort wo die B4081 auf die A44 trifft. Die Finger zeigen die Richtungen nach Oxford, Warwick und Gloucester an und waren extra so hoch angebracht, damit die Kutscher der Überlandkutschen sie bequem lesen konnten. Ob es sich bei diesem Wegweiser um das Original handelt oder ob es eine Replik ist, scheint nicht ganz eindeutig zu sein.

Es gab keine verbindlichen Vorschriften wie die Fingerposts auszusehen hatten, daher findet man eine Fülle unterschiedlicher Formen. Schwarze Schrift auf weißem Untergrund ist vorherrschend; meistens sind sie aus Holz oder aus Gusseisen. Einige sind von einer runden Scheibe „gekrönt“ auf der der Name der jeweiligen Grafschaft steht.

Wenn eine Behörde neue Fingerposts aufstellen möchte, dann darf sie das nur dort tun, wo zwei „minor roads“ aufeinanderstoßen; also nicht an A- oder B-Straßen. Alle fünf Jahre sollen die „Traditional Direction Signs“ einen neuen Anstrich erhalten und zwar nur in Schwarz und Weiß, es sei denn, dass sie in der Zeit vor 1940 farbig anders gestaltet waren. An den Pfählen der Wegweiser dürfen auch keine anderen Hinweise angebracht werden, z.B. auf touristische Sehenswürdigkeiten.

Das Traffic Advisory Leaflet 6/05 des Departments of Transport fasst die Bedeutung der Fingerposts sehr schön zusammen:
Traditional direction signs make a very important contribution to the local character and identity of suburbs, villages and rural areas across the country. Sometimes called fingerposts, they are a cherished part of the traditional image of the English countryside and suburban fringe. They have become icons that are important to national as well as to rural identity„.

Einige Firmen haben sich auf die Herstellung der traditionellen Wegweisern spezialisiert wie z.B. „Heritage Fingerpost Sign, deren Werkstatt im Ashdown Forest in East Sussex zu finden ist.

Der älteste Fingerpost Englands in den Cotswolds.    © Copyright John V Nicholls and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der älteste Fingerpost Englands in den Cotswolds.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John V Nicholls and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Und noch ein Beispiel aus East Sussex. Author: EddersGTI.   This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Und noch ein Beispiel aus East Sussex.
Author: EddersGTI.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 8. Februar 2014 at 02:00  Comments (2)