Songs About London – Belsize Park

Haverstock Hill in Belsize Park.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Haverstock Hill in Belsize Park.
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Dieses wohlhabende Viertel im Norden Londons namens Belsize Park wird von der breiten, baumbestandenen Straße Haverstock Hill durchzogen, an der sich kleine Läden, Cafés und Restaurants angesiedelt haben. Die Wohngegend ist bei Prominenten aus dem Showgeschäft sehr beliebt; ob Gwyneth Paltrow, Helena Bonham-Carter oder Herbert Grönemeyer, viele haben hier ihre Zelte aufgeschlagen, denn erstens ist es ein ruhiges Viertel, zweitens hat man es nicht weit bis zur City und drittens ist das Erholungsgebiet von Hampstead Heath ganz in der Nähe. Einen Park gibt es in Belsize Park übrigens nicht, dafür eine eigene U-Bahn-Station an der Northern Line  am Haverstock Hill.

1968 wurde Belsize durch einen kleinen 30minütigen Film und vor allem durch dessen Soundtrack international bekannt: „Les Bicyclettes de Belsize“ mit Judy Huxtable und Anthony May in den Hauptrollen. Gedreht wurde er allerdings im benachbarten Hampstead.  Hier ist ein Musikvideo mit Ausschnitten aus dem Film.

Die Titelmusik wurde in der Version von Engelbert Humperdinck weltberühmt; auch Mireille Mathieu nahm dieses eingängige Lied auf.

Wer sich näher für Belsize Park interessiert, es gibt zwei DVDs, „The Belsize Story„, die sich eingehend mit diesem schönen Teil Londons beschäftigen (hier erhältlich).

Die U-Bahn-Station Belsize Park.   © Copyright Robin Sones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die U-Bahn-Station Belsize Park.
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Published in: on 31. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Egon Ronay?

Ronay

Mit “Egon Ronay’s Guide to British Eateries” begann 1957 die Karriere des gebürtigen Ungarn Egon Ronay als unbestrittener König der Restaurantkritiker in Großbritannien. Diesen noch recht schmalen Restaurantführer schrieb er damals selbst und erzielte damit eine Auflage von immerhin 30 000 Exemplaren. Ronay wollte zeigen, dass es auch auf den britischen Inseln gute und empfehlenswerte Restaurants gab, trotz des schlechten Rufs der britischen Küche. Bald konnte Ronay die Aufgaben nicht mehr allein bewältigen und so engagierte er ein Heer von Sachverständigen, die die Restaurants unter die Lupe nahmen und ihre Bewertungen, ähnlich wie beim  Michelin-System, abgaben. Egon Ronays Kritiken galten in der kulinarischen Szene so viel, dass sie über den Aufstieg oder den Abstieg eines Restaurants entscheiden konnten. Viele der heutigen Spitzenköche haben dem Restaurantführer einiges zu verdanken; Ronay kritisierte aber auch den einen oder anderen unter ihnen und warf ihnen vor, dass sie mehr Geschäftsleute als Köche seien. Damit hatte er sicher recht, denn wenn man sich z.B. einmal die Fernsehpräsenz von Großbritanniens Spitzenköchen ansieht, so fragt man sich, ob die überhaupt noch in den Küchen ihrer Restaurants zu finden sind, denn viele von ihnen besitzen ja nicht nur ein einziges Lokal.

Egon Ronay wurde 1915 in Budapest geboren und emigrierte 1946 nach London, wo er ein Restaurant eröffnete; später schrieb er eine Kolumne im Daily Telegraph, die so etwas wie ein Sprungbrett für seine Tätigkeit als professioneller Restaurantkritiker war. Seine Führer erschienen über viele Jahre, zuletzt tat er sich mit dem Royal Automobile Club zusammen und veröffentlichte 2005 „Egon Ronay’s RAC Guide to the Top 200 Restaurants in the UK.” Doch die Konkurrenz auf dem Markt der Restaurantführer war so groß geworden, dass die „Ronay’s“ bald darauf eingestellt wurden.

Egon Ronay starb am 12. Juni 2010 in seinem Haus in der Nähe von Yattendon in Berkshire. Seine Beerdigung fand am 22. Juni auf dem Friedhof von St Peter and St Paul in Yattendon statt.

Das Buch zum Artikel:
„Egon Ronay: The Man Who Taught Britain How To Eat“. Hrsg. von Peter Bazalgette. Newbaz 2011. 136 Seiten. ISBN 978-0957046009.

Hier auf dem Kirchhof von St Paul and St Peter in Yattendon fand Egon Ronay seine letzte Ruhestätte.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier auf dem Kirchhof von St Peter and St Paul in Yattendon fand Egon Ronay seine letzte Ruhestätte.
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Published in: on 30. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Chingle Hall bei Preston in Lancashire – Eines der „most haunted houses“ in England

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In Chingle Hall ging/geht es so gruselig zu, dass selbst harte Männer das Haus verlassen und sich geschworen haben, hier nie wieder hinzugehen. Die aktuellen Besitzer haben ihr Eigentum „dicht gemacht“, d.h. keine Führungen mehr und keine Geisterjäger dürfen die Nächte in ihrem Haus verbringen, sehr zu deren Verdruss, galt doch Chingle Hall unter den Top Ten der „most haunted houses“ als die Nummer Eins.

Das Manor House aus dem 13. Jahrhundert steht in dem Dorf Goosnargh, nördlich von Preston in Lancashire. Seine früheren Besitzer waren gläubige Katholiken, sie boten verfolgten Priestern und Mönchen in ihrem Haus Asyl an, daher die vielen Verstecke und „priest holes“, die sich hier finden. Der Spezialist für diese Priesterlöcher, Nicholas Owen (ich berichtete in meinem Blog schon einmal über ihn), wurde damals auch in Chingle Hall damit beauftragt, hier einige dieser Verstecke anzulegen.

So sind es auch meist Mönche, die hier sowohl am Tage als auch nachts in Erscheinung getreten sind und unzählige Menschen erschreckt haben. Peter Underwood, früherer Präsident des Ghost Clubs und einer der bekanntesten Geisterjäger des Landes erzählt in seinem Buch „Nights in Haunted Houses“ (Headline 1994) von seinen nächtlichen Erlebnissen in Chingle Hall. Da sind merkwürdige Geräusche zu hören, Türen öffnen und schließen sich von selbst, eigenartige, unerklärliche Lichterscheinungen sind zu sehen und immer wieder schemenhafte Gestalten in Mönchskutten. Da gibt es den besonders gruseligen Priest Room, den Haunted Corridor und den John Wall Room, benannt nach einem früheren Hausherrn, dessen Kopf irgendwo im Garten vergraben sein soll. Elektronische Geräte, die noch nie ihren Dienst versagten wie Kameras, Fotoapparate und Tonbandgeräte funktionieren hier nicht mehr. Terence Whitaker berichtet in seinem Buch „Ghosts of Old England“ (Hale 1987) wie er einmal für die BBC Aufnahmen in Chingle Hall machen wollte und die Tontechniker in bestimmten Bereichen des Hauses Probleme mit ihren Tonbandgeräten bekamen.

Ein Übernachtungsgast berichtet wie sich plötzlich zwei Hände um seinen Hals legten und zudrückten… Als Chingle Hall einmal eine Zeit lang leer stand, waren merkwürdige Lichter in den Räumen zu sehen, und wenn die herbeigerufene Polizei das Haus durchsuchte, war nichts zu finden, was die Sache hätte erklären können.

Sally Wallbank, die den Phänomenen auf den Grund gehen wollte und viele Nächte in dem Haus verbrachte, hat ein Buch darüber geschrieben: „Chingle Hall: Britain’s Most Haunted House„. Owl Books 1992. 56 Seiten. ISBN 978-1873888209.

Hier ist eine ausführliche Video-Dokumentation über Chingle Hall.

Die Zufahrt zu der privaten (!) Chingle Hall erfolgt über die B5269 rechts am westlichen Ortseingang von Whittingham/Goosnargh.

Published in: on 29. März 2014 at 02:00  Comments (12)  
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The Trouble House an der A433 bei Tetbury (Gloucestershire) – Hier gab es nichts als Ärger

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Die A433 führt von Tetbury nach Cirencester; beide Städte liegen in der Grafschaft Gloucestershire. An dieser Straße, der London Road, befindet sich ein einsam gelegenes Haus, dessen Name nichts Gutes verspricht: The Trouble House. Schon das Pubschild deutet auf das Ungemach hin, dass dieses Gasthaus im Laufe seines Bestehens heimsuchte: Ein Mann hängt mit einem Strick um den Hals an einem Balken, ein mit Heu beladenenes Fuhrwerk steht in Flammen, die Hand eines Ertrinkenden ragt aus der Wasseroberfläche und ein Cavalier und ein Roundhead stehen sich misstrauisch gegenüber. Was war hier los?

Früher hieß das 1755 erbaute Gasthaus The Waggon and Horses und es florierte, stand es doch an einer Straße, die viel von Kutschen befahren wurde. Im Jahr 1830 wurde direkt davor ein mit Heu beladenes Fuhrwerk angezündet, von Landarbeitern, die dagegen protestierten, dass immer mehr Maschinen ihnen die Arbeitsplätze wegnahmen. Die Flammen griffen auf den Pub über, dessen reetgedecktes Dach stark in Mitleidenschaft gezogen und ersetzt werden musste.

Einer der früheren Besitzer hatte sein gesamtes Geld in die Restaurierung des Gasthofs gesteckt und darüber hinaus auch noch Kredite aufgenommen, die er nicht zurückzahlen konnte. Aus Verzweiflung hängte er sich an einem Balken auf. Seinem Nachfolger ging es nicht besser, auch er verschuldete sich und ertränkte sich in einem nahegelegenen Teich.

Während des Bürgerkrieges fanden in der Nähe des Pubs einige Scharmützel zwischen den Roundheads und den Cavaliers statt, beide Seiten hatten sich mit großer Wahrscheinlichkeit zwischendurch hier im Gasthof mit dem einen oder anderen Pint gestärkt, um dann mit frischen Kräften weiterkämpfen zu können.

Kein Wunder, dass im Laufe der Zeit aus dem Waggon and Horses das Trouble House wurde. Im vergangenen Jahr schloss der Pub (ohne dass sich der Wirt aufgehängt oder ertränkt hat!!) und es wurde ein Restaurant in den Räumlichkeiten eröffnet The Trouble House Café Bar. Soviel ich weiß, sind auch die früher hier herumspukenden Ex-Gastwirte lange nicht mehr gesehen worden, so dass das Haus langsam in ruhigeres Fahrwasser geraten ist, aber man kann ja nie wissen…
Leider wurde das Pubschild von der Wadsworth Brewery abgehängt, als die neuen Besitzer das Haus übernahmen. Schade!

Übrigens war der Gasthof von 1959 bis 1964 der einzige im ganzen Land, der einen eigenen Bahnhof hatte, The Trouble House Halt, von dem aber nichts mehr übriggeblieben ist.

The Trouble House
London Road
Tetbury GL8 8SG

Anna Sewell (1820 – 1878), die Frau, die das berühmte Kinderbuch „Black Beauty“ schrieb – Einige Stationen aus ihrem Leben

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Anna Sewell sollte nie selbst erleben, dass ihr Buch „Black Beauty“ (dt. „Black Beauty: Die Lebensgeschichte eines Pferdes von sich selbst erzählt“), das 1877 erschien, zu einem Weltbestseller wurde, denn sie starb im Jahr 1878. £20 zahlte ihr damals der Verleger Jarrolds in Norwich (Norfolk), bis heute sind über 50 Millionen Exemplare verkauft worden. Sewell setzte sich in ihrem Buch für den Tierschutz ein, denn zu ihrer Zeit wurden Pferde häufig grausam behandelt. Black Beauty erfährt diese Behandlung am eigenen Leib, doch die Geschichte hat ein Happy End: Kurz bevor es mit dem Tier zu Ende geht, gerät es in die Hände seines ehemaligen Stallburschen, der es aus dem bisherigen Elend erlöst und es bei sich aufnimmt.

Hier sind einige Stationen aus ihrem Leben:
Anna Sewell wurde am 30 März 1820 in dem Seebad Great Yarmouth (Norfolk) geboren und zwar in einem alten Fachwerkhaus ganz in der Nähe der St Nicholas Church, in der Straße Church Plain. Dieses schmale Häuschen gibt es noch heute, darin befindet sich zurzeit ein Tea Room.

Anna Sewells Geburtshaus in Great Yarmouth    © Copyright Pierre Terre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Anna Sewells Geburtshaus in Great Yarmouth (das kleine Fachwerkhaus).
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In einem Haus in der Spixworth Road Nummer 125 in Old Catton schrieb Anna Sewell ihren Roman „Black Beauty“. Der Ort liegt am nördlichen Rand der Stadt Norwich.

Annas Bruder Philip besaß ein Pferd namens Black Bess, das sie zu ihrem Roman angeregt haben soll. Die Scheune in der Black Bess untergebracht war, beherbergt heute das Sewell Barn Theatre am Constitution Hill in Norwich.

Das Sewell Barn Theatre in Norwich. Copyright: Literary Norfolk

Das Sewell Barn Theatre in Norwich.
Copyright: Literary Norfolk

Anna Sewell starb am 25. April 1878 und wurde in Lamas, 12 Kilometer nordöstlich von Norwich, auf dem Gelände der Old Quaker Chapel beigesetzt. Das Haus ist heute in Privatbesitz; die Eigentümer haben Anna Sewells Grabstein in die Außenmauer, die das Haus umgibt, integriert, so dass Black Beauty-Fans auch heute noch der Autorin huldigen können.

Lamas (Norfolk): Anna Sewells Grabstein in der Außenmauer.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lamas (Norfolk): Anna Sewells Grabstein in der Außenmauer der ehemaligen Quäker-Kapelle..
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Die Geschichte des schwarzen Hengstes wurde mehrfach verfilmt, u.a. 1994 mit Jim Carter („Downton Abbey“), Sean Bean und Andrew Knott („The Secret Garden“). Hier ist der Trailer.

Published in: on 27. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Barbara Richardson & Cecilia Anne Sadek: Marlow – Past and Present

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Marlow an der Themse in der Grafschaft Buckinghamshire gehört zu meinen Lieblingsorten in England; mehrere Male habe ich in meinem Blog über die Stadt berichtet. Wer schon einmal dort war und sich näher dafür interessiert, dem kann ich das Buch „Marlow: Past and Present“ empfehlen, das die Vergangenheit der Stadt mit Fotos der Gegenwart gegenüberstellt; d.h. historische Fotos wurden aus der exakt gleichen Perspektive heute noch einmal aufgenommen, so dass man genau erkennen kann, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Glücklicherweise ist vieles erhalten geblieben, daher besitzt Marlow noch viel Atmosphäre.

Die beiden Autorinnen des Buches, Barbara Richardson und Cecilia Anne Sadek wohnen beide in der Stadt an der Themse und sind durch das Betrachten alter Fotos auf die Idee gekommen, dieses Buch zu veröffentlichen. In zehn Kapiteln nehmen sie sich ihrer schönen Stadt an, so z.B. in „Geography“ und „Houses and Housing„, in denen sie vorwiegend Häuser in der High Street und der West Street, den beiden Hauptstraßen des Ortes, vorstellen. Weiterhin beschäftigen sich die Autorinnen mit den Kirchen und der Wirtschaft von Marlow. Im letzten Kapitel geht es um „People„, also um die prominenten Bewohner einst und jetzt. Über den Aufenthalt von Percy Bysshe und Mary Shelley berichtete ich an dieser Stelle schon einmal, Jerome K. Jerome wohnte eine Zeit lang in dem Haus Monk’s Corner, der Sternekoch Heston Blumenthal residiert hier seit 1997, der Ruderer Sir Steve Redgrave, der erfolgreichste britische Olympiateilnehmer aller Zeiten, wuchs in Marlow auf (man ehrte ihn mit einer Bronzeskulptur im Higginson Park) und Tony Buzan, der Erfinder des Mind Mappings, hat sein Büro in der Stadt.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, natürlich wieder aus dem Hause The History Press!

Barbara Richardson & Cecilia Anne Sadek: Marlow – Past and Present. The History Press 2010. 95 Seiten. ISBN 978-0-7524-5284-5

Die Themse in Marlow. Eigenes Foto.

Die Themse in Marlow.
Eigenes Foto.

Die Themsebrücke in Marlow, gegenüber das Hotel The Compleat Angler. Eigenes Foto.

Die Themsebrücke in Marlow, gegenüber das Hotel The Compleat Angler.
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Marlow High Street.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Marlow High Street.
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Published in: on 26. März 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Ashby St Mary (Norfolk) und sein Village Sign

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Fährt man in ein englisches Dorf und wird gleich am Anfang oder auch mittendrin von einem hübsch gestalteten Village Sign begrüßt, so hat man doch gleich ein sehr positives Bild von dem Ort. Die Grafschaft Norfolk ist dafür bekannt, besonders viele und schöne dieser Schilder zu besitzen; ich habe darüber in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Ein ansprechendes Village Sign hat Ashby St Mary, südöstlich von Norwich, zu bieten. Zum Jahrtausendwechsel hat man dort dieses Schild aufgestellt, das schlaglichtartig eine Episode aus der Historie des Ortes wiedergibt. Vor dem Hintergrund einer Windmühle (die Ashby St Mary Postmill wurde bis 1910 betrieben) sieht man eine Bäuerin, die inmitten ihrer Gänse steht und diese füttert. Dieses Bild hat man von einem Grabstein übernommen, der auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin 1868 für Ann Basey aufgestellt wurde, die dort zusammen mit ihrem Mann George beigesetzt worden ist. Die beiden Farmer betrieben Geflügelzucht und nachdem sie ihre Gänse schön fett gemästet hatten, trieb Ann Basey sie zum Ende des Herbstes nach London, um sie dort auf den Märkten zu verkaufen. Ein langer Weg, von Norfolk bis zur Landeshauptstadt, die Gänseherde benötigte dafür 10 bis 14 Tage. Damit die Füße der Gänse auf der Strecke keinen Schaden nahmen, wurden die Sohlen mit einer Teerschicht überzogen, was sie deutlich widerstandsfähiger machten. Für die Logistik der Nahrungsaufnahme am Wegesrand sorgten die Gänse selbst.

Man findet das Schild, wenn man von der A146 (Norwich – Beccles), der Norwich Road, auf die Ashby Road einbiegt nach ein paar hundert Metern auf der linken Seite.

Die Grabsteine von Ann und George auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Grabsteine von Ann und George Basey auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.
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Published in: on 25. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir Winston Churchill Cocktails

This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

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Sir Winston Churchill war ein Genussmensch. Er liebte seine Zigarren, Champagner (speziell der Marke Pol Roger), Cognac (er bevorzugte die Marke Hine) und Whisky (speziell Johnny Walker), auch Cocktails wies er nicht zurück.  „I have taken more out of alcohol than alcohol has taken out of me“ hat er einmal gesagt und damit ist er 90 Jahre alt geworden.

Es gibt einige Cocktails, die man ihm zu Ehren kreiert hat, von denen ich hier einige zusammengetragen habe:

Joe Gilmore war einer der berühmtesten Barmixer in England, der jahrzehntelang hinter dem Tresen der American Bar im Londoner Savoy Hotel stand. Hier traf er auf Berühmtheiten aus der ganzen Welt, für die er spezielle Cocktails mixte, darunter auch für Mitglieder der königlichen Familie und eben Winston Churchill.
Zu seinem 80. Geburtstag erfand er den Four Score, der aus Brandy, gelbem Chartreuse und dem Aperitifwein Lillet besteht.

Zum 90. Geburtstag Churchills mixte Gilmore The Blenheim, nach seinem Geburtsort benannt; da der Cocktail dem Four Score ähnlich war, nannte man ihn auch Four Score and Ten. Zusätzlich zu den dort vorhandenen Zutaten kommt da noch Orangensaft und Dubonnet hinzu.

Gilmore entwickelte auch einen Cocktail, den er einfach Churchill nannte und der aus Scotch Whisky, Wermut, Cointreau und Limettensaft besteht.

Dann gibt es noch einen Cocktail, von dem man vermutet, dass ihn Churchill selbst kreiert hat, den Sensation. Die Bestandteile sind Ruby Portwein, Brandy und etwas frisch gepresster Orangensaft.

Der australische Barkeeper Joel Heffernan vom Club 23 in Melbourne hat sich einen Cocktail namens Winston ausgedacht, den man wohl eher nicht täglich trinkt und der im Guinness Buch der Rekorde als teuerster Cocktail der Welt verzeichnet wird. Kostenpunkt: rund € 8150. Der Grund für diesen astronomischen Preis ist, dass dafür Cognac der Marke Croizet des Jahrgangs 1858 verwendet wird, der extrem selten ist und über € 100 000 pro Flasche kostet. Weitere Zutaten für den Winston sind Grand Marnier Quintessence, Chartreuse Vieillissement Exceptionnellement Prolongé und einige Spritzer Angostura. In diesem Film zeigt Joel Heffernan wie er den Cocktail herstellt, den man im übrigen zwei Tage vorher bestellen muss, da er eine entsprechend lange Vorbereitungszeit benötigt. Winston Churchill und General Eisenhower sollen den Cognac einmal gemeinsam bei der Planung des D-Days getrunken haben.

Published in: on 24. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ashington (Northumberland) – Das einst größte Bergbaudorf der Welt und seine bekannten Söhne und Töchter

Die Station Road in Ashington.    © Copyright Russel Wills and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Station Road in Ashington.
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Als in Ashington, nördlich von Newcastle upon Tyne in Northumberland, noch Kohle abgebaut wurde, ging es hier sehr lebhaft zu, und der Ort galt als das größte Bergbaudorf der Welt, wobei man den Begriff „Dorf“ sehr großzügig auslegte, denn noch heute hat Ashington rund 27 000 Bewohner. Als nach und nach die Kohleminen schlossen, zog wie auch in so vielen anderen Dörfern und Städten des Nordens, die vom Bergbau abhängig waren, die Tristesse hier ein. Man stemmte sich aber gegen den Niedergang von Ashington und erschuf u.a. den Wansbeck Riverside Country Park, den Queen Elizabeth II Country Park und das Woodhorn Colliery Museum, um den Tourismus anzukurbeln.

Ashington ist der Geburtsort von einer ganzen Reihe bekannter Sportler und Musiker, die ich hier kurz erwähnen möchte:

Jackie Milburn war der erste Profifußballer aus Ashington, der national Karriere machte. Von 1943 bis 1957 spielte er für den Club Newcastle United und war später als Trainer tätig, zuletzt bei Ipswich Town. Als er 1988 im Alter von 64 Jahren in seiner Heimatstadt starb, wohnten dem Begräbnis 30 000 Menschen bei. Man errichtete Jackie Milburn ein Denkmal in der Station Road. Milburn hatte zwei Neffen, die im englischen Fußball wesentlich berühmter wurden als ihr Onkel: Bobby und Jack Charlton.

Sir Bobby Charlton, 1937 geboren, ist eine Fußballikone in England, in etwa vergleichbar mit Uwe Seeler in Deutschland. Er spielte von 1954 bis 1973 für Manchester United und ließ dann seine Karriere bei den kleinen Vereinen von Preston und Waterford ausklingen. In der Nationalmannschaft trat Bobby Charlton 106mal an. In Ashington hat man ihm (noch) keine Statue errichtet, aber in Manchester kann man ihn vor dem Old Trafford Stadion zusammen mit George Best und Denis Law bewundern, die zusammen 665 Tore für ManU erzielten. Hier ist Sir Bobby im Film zu sehen.

– Bobbys älterer Bruder Jack Charlton war seinem Club ebenso treu; er spielte auschließlich für Leeds United, und das von 1952 bis 1973, heute im Profifußball kaum noch denkbar. Seine Karriere beendete Jack als Trainer für die irische Nationalmannschaft. Hier ist ein Mini-Porträt von ihm.

– Und noch ein Profifußballer wurde in Ashington geboren: Martin Taylor spielte u.a bei den Blackburn Rovers, bei Birmingham City und ist zurzeit bei Sheffield Wednesday unter Vertrag.

Doch Ashington hat nicht nur Fußballspieler hervorgebracht, sondern auch zwei Opernsängerinnen.

– Die Sopranistin Sheila Armstrong wurde 1942 in dem Kohlerevier geboren, ging nach Newcastle und London, um dort Gesang zu studieren und baute sich erst national eine Karriere auf, u.a. im Royal Opera House  Covent Garden, trat dann aber auch international in Erscheinung wie in Italien, in den USA und auch in Deutschland. Hier ist Sheila Armstrong zu hören.

– Auch die 1954 in Ashington geborene Janice Cairns ist Sopranistin und trat u.a. in der Opera North in Leeds und in der Scottish Opera in Glasgow auf. Hier ist Janice Cairns in einer Aufführung von Benjamin Brittens „Peter Grimes“ zu sehen.

– Zum Abschluss noch ein weiterer Sänger aus Ashington, der allerdings nie etwas mit Opernmusik zu tun hatte, sondern mit der sehr leichten Muse, dem Schlager. Es ist Billy Sanders, den es auch eine Zeit lang nach Deutschland verschlagen hatte und der hier vor allem mit einem Schlager bekannt wurde, dem Gartenzwerg-Marsch („Adelheid, Adelheid, schenk‘ mir einen Gartenzwerg!“). Sanders starb 2001 in dem südlich von Ashington gelegenen Ort Blyth. Hier ist Billy Sanders noch einmal mit seinem Erfolgshit aus dem Jahr 1962 zu hören.

Hier ist ein kleiner nostalgischer Film über Ashington.

Das Denkmal für Jack Milburn in der Station Road von Ashington.    © Copyright MSX and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Denkmal für Jackie Milburn in der Station Road von Ashington.
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Sluggard Wakers und Dog Whippers – Sie sorgten einst dafür, dass die Kirchengemeinde während der Predigt wach blieb und keine Hunde den Gottesdienst störten

All Saints in Trysull (Staffordshire).    © Copyright Geoff Pick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es gab Zeiten, vor allem im 18. Jahrhundert, da dauerten die Sonntagspredigten seeeeeeehr lange, so lange, dass einige Gemeindemitglieder in Tiefschlaf verfielen und der eine oder andere so laut schnarchte, dass er die Worte des Predigers übertönte. Irgendwie fanden die Kirchenverantwortlichen das wohl nicht so gut und sie ernannten daraufhin einen sogenannten „sluggard waker“, einen Mann, der während des Gottesdienstes darauf zu achten hatte, dass alle Anwesenden schön wach blieben und dem Pastor lauschten. Der „Wachmann“ ging durch die Reihen und hatte meist einen Stock dabei, mit  dessen Hilfe er die Schlafenden mehr oder weniger rüde aufweckte. In der Kirche All Saints in Trysull (Staffordshire) hatte er eine Stange, an deren einem Ende ein Fuchsschwanz befestigt war, am anderen Ende ein harter Knauf. Der weiche Fuchsschwanz war für die eingenickten weiblichen, der harte Knauf für die schlafenden männlichen Gemeindemitglieder vorgesehen.

Der „sluggard waker“ in der St Peter’s Church in Dunchurch (Warwickshire) hatte einen Stab, an dessen Ende eine Gabel angebracht war, mit dem er auf die Pirsch ging. In Claverley in Shropshire erhielt die Kirche All Saints Geld von einem Spender, mit dem ein Mann bezahlt werden sollte, der sonntags für wache Anwesende sorgte und darüber hinaus darauf achtete, dass keine Hunde mit ins Gotteshaus gebracht wurden. Auch in der St Peter’s Church in … Peterchurch (Herefordshire) gab es einen solchen „Hundebeauftragten“; offenbar war es damals im ländlichen Bereich nicht selten, dass man seine Hunde zum Gottesdienst mitnahm. Meist lagen die Tiere brav zu Füßen ihrer Herrchen und Frauchen und schliefen (ebenfalls). In manchen Kirchen hatten die Hunde des Lords of the Manor sogar eigene Plätze, doch der „Normalhund“ wurde meistens vom dog-whipper bzw. sluggard waker mit einer Peitsche aus den heiligen Hallen getrieben.

Robert Stephen Hawker, der Vikar von St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow in Cornwall sah das allerdings ganz anders, er hatte ein Herz für Hunde. Als einmal Achille, ein großer schwarzer Labrador während der Predigt in die Kirche gestromert kam und man ihn hinauskomplimentieren wollte, unterbrach der Vikar seine Rede und stoppte die Aktion mit den Worten: „Let him be, there were dogs in the ark“². Recht hatte er!!

Rowan Atkinson, alias Mr. Bean, hätte in seinem Sketch „It started with a sneeze“ gut einen sluggard waker brauchen können.

² Piers Brendon: Hawker of Morwenstow. London: Cape 1975. S.143

St Peter's in Dunchurch (Warwickshire).    © Copyright David Purchase and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s in Dunchurch (Warwickshire).
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St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow (Cornwall) - Einst ein Paradies für Hunde.    © Copyright Shaun Ferguson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow (Cornwall) – Einst ein Paradies für gläubige Hunde.
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Published in: on 22. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der blutende Grabstein des Richard Smith in St Mary’s in Hinckley (Leicestershire)

St Mary's Church in Hinckley.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Church in Hinckley.
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Am 12. April 1727 wurde in der Stadt Hinckley in Leicestershire ein 20jähriger Mann getötet, der es gewagt hatte, sich über einen Sergeanten lustig zu machen, der sich in Hinckley aufhielt, um junge Männer für die Armee zu werben. Damals wurden recht merkwürdige Methoden angewandt, um die Männer davon zu überzeugen „to take the King’s shilling„, was bedeutete, Soldat zu werden, wobei Alkohol eine wichtige Rolle spielte. Die Menge in Hinckley amüsierte sich köstlich über Richard Smith und den immer wütender werdenden Sergeanten, der, als es ihm zu bunt wurde und er keine Möglichkeit mehr sah, irgendjemanden an dem Tag zu rekrutieren, seinen Spieß ergriff und damit den jungen Mann durchbohrte. Smith starb sofort. Was aus dem Sergeanten wurde, konnte ich nicht mehr ermitteln, Richard Smith wurde auf dem Kirchhof von St Mary’s in Hinckley beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht geschrieben:

„A fatal Halbert his mortal Body slew, The murdering Hand God’s vengeance will pursue
From shades Terrestrial, though Justice took her flight Shall not the judge of all the Earth do right
Each Age and Sex his Innocence bemoans And with sad sighs laments his dying Groans“.

Am Jahrestag seines Todes, also am 12.April, soll sein Grabstein bluten, so sagt man. Bald ist es also wieder soweit…

Wer sich Richard Smiths Grabstein ansehen möchte: Hinckley liegt südwestlich von Leicester. Die Kirche St. Mary’s ist am besten über den Church Walk, die Station Road oder die Sackgasse St Mary’s Road zu erreichen. Neben dem Kirchhof am Church Walk liegt ein Short Stay-Parkplatz, also ideal für einen Besuch bei Richard Smith.

Hier ist ein Film über St Mary’s und den Kirchhof und hier sind die Bellringer bei der Arbeit zu sehen und zu hören.

St Mary’s Parish Church
Church Walk
Hinckley, LE10 1DW

Published in: on 21. März 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker – Countess Emma Edgcumbe und das glückliche Schwein Cupid

The Countess of Edgcumbe.  National Portrait Gallery. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

The Countess of Edgcumbe (probably by James Gillray).
Copyright: National Portrait Gallery.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

Schweine führen meist ein trauriges Leben; fast alle landen sie als Schnitzel oder als Wurst auf den Tellern der Menschen, die das Fleisch der Sus scrofa domestica, wie die Paarhufer auf Lateinisch heißen, mitleidlos verzehren.
Doch gibt es auch hin und wieder Vertreter ihrer Artgenossen, die sehr wohl auf ein glückliches Leben zurückschauen können, auf ein Leben, das von Liebe und Luxus geprägt war. Cupid war eines dieser „Glücksschweine“, das Emma Gilbert, der Tochter des Erzbischofs von York gehörte, die im 17. Jahrhundert mit George Edgcumbe, dem ersten Earl of Mount Edgcumbe verheiratet war. Die Countess und ihr Schwein wohnten in Cornwall auf der Rame Halbinsel im Mount Edgcumbe House, das Freunden der Rosamunde Pilcher-Filme sicher bekannt sein dürfte, denn das ZDF war hier mehrfach zu Gast.

Die Dame des Hauses und ihr Schwein Cupid waren unzertrennlich; beide nahmen ihre Mahlzeiten gemeinsam am Tisch ein, Cupid folgte seiner Herrin auf Schritt und Tritt durch das weitläufige Haus und wurde sogar auf Reisen nach London mitgenommen. Was Emmas Ehemann, der Earl, von der ganzen Sache hielt, konnte ich leider nicht ermitteln. Vielleicht war ja Cupid so etwas wie ein Ersatz für ihn, denn der Earl war ein vielbeschäftigter Mann… aber das ist reine Spekulation.

Die Trauer war groß bei der Countess, als Cupid 1768 das Zeitliche segnete; ein „neues“ Schwein legte sie sich nicht zu, aber sie wollte ihrem treuen Gefährten denn doch ein würdiges Andenken bewahren, indem sie ihm auf dem Anwesen von Mount Edgcumbe einen 17 Meter hohen Obelisken errichtete, unter dem Cupid wie es hieß in einem goldenen Sarg ruhte. Sogar König George III und Queen Charlotte sollen dem pompösen Grab einen Besuch abgestattet haben!

Ein Dichter schrieb die tröstenden Zeilen:
Oh dry those tears so round and big
Nor waste in sight your precious wind
Death only takes a little pig
Your Lord and Son are still behind.

Als man den Obelisken später an die heutige Stelle versetzte, fand man allerdings keinen goldenen Sarg. War das alles nur erfunden? Ruhten Cupids Gebeine ganz woanders? Ein Rätsel, das man wohl nicht mehr lösen wird. Das Monument findet man auf einem Hügel hinter dem Gasthof Edgcumbe Arms in dem kleinen Dorf Cremyll. Von hier aus hat meinen einen tollen Blick auf die gegenüberliegende Stadt Plymouth.
Das Mount Edgcumbe House und die Gärten sind meist in der Zeit von April bis September zur Besichtigung freigegeben; dieser Film gibt einen ersten Eindruck. Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall!

Mount Edgcumbe House.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mount Edgcumbe House.
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Published in: on 20. März 2014 at 02:00  Comments (2)  

Aston Abbots und Wingrave oder Warum die Tschechen Buckinghamshire mögen

Das Bus-Wartehäuschen an der B218, das Edvard Benes der Dorfbevölkerung von Aston Abbots und Wingrave schenkte.    © Copyright Peter Roberts and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Bus-Wartehäuschen an der A418, das Edvard Benes der Dorfbevölkerung von Aston Abbots und Wingrave schenkte.
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Im Zweiten Weltkrieg, als die Deutschen die Tschechoslowakei besetzt hielten, gründete der frühere Staatspräsident Edvard Beneš in England eine Exilregierung mit dem Ziel der Wiederherstellung der Tschechoslowakei in den Grenzen vor dem Münchner Abkommen. Erst hielten sich Beneš und seine Leute in London auf, doch wurde es ihnen dort wohl wegen der Bombenangriffe zu unsicher und so suchten sie nach einer Möglichkeit aufs Land zu ziehen. In Buckinghamshire, in dem kleinen Dorf Aston Abbots, bot man Beneš ein Haus namens The Abbey an, in das er dann Ende 1940 zusammen mit seinem Sekretär, zwei Nichten, Koch, Butler, Dienstmädchen und seinem Hund Toga zog.
Die anderen tschechoslowakischen Kabinettsmitglieder wohnten im Nachbarort Wingrave, im dortigen Wingrave Manor in der Leighton Street, eine hübsche Häusergruppe, die heute in Privatappartments aufgeteilt ist, nachdem dort eine Zeit lang eine Behindertenschule untergebracht war.

Es entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen zwischen den Exilpolitikern und der Dorfbevölkerung von Aston Abbots und Wingrave, und als Beneš im März 1945 The Abbey verließ, bedankte er sich bei ihnen, indem er £150 für den Bau eines Bus-Wartehäuschens spendierte. Er hatte immer mit angesehen wie die Leute im Regen und Schnee an der Haltestelle standen und auf den Bus warteten. Mit dieser Geste sorgte er dafür, dass sie von nun an im Trockenen warten konnten. Das Ziegelhäuschen steht noch heute an der A418 (Aylesbury – Leighton Buzzard), dort wo die Verbindungsstraße von Aston Abbots nach Wingrave die Hauptstraße überquert. Der örtlichen Schule schenkte Benes Spielzeug und einen Globus, der heute im Buckinghamshire County Museum in Aylesbury aufbewahrt wird.

Die Aston Abbots Abbey ist in Privatbesitz. Hier wohnte früher einmal der Polarforscher Sir James Clark Ross, nach dem u.a. das Ross-Meer und die Ross-Insel in der Antarktis benannt worden sind. Sein Grab ist auf dem Friedhof von St James the Great zu finden; auch eine örtliche Straße, die Ross Road, wurde nach ihm benannt.

Am 20. Oktober 1998 kehrte noch einmal ein tschechischer Staatspräsident nach Buckinghamshire zurück. Václav Havel besuchte die beiden Dörfer und enthüllte in Wingrave auf dem Village Green eine Holzbank, die die Inschrift trägt: „Presented by the President of the Czech Republic, Václav Havel“.

Vaclav Havels Bank auf dem Village Green von Wingrave.    © Copyright Allan Friswell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vaclav Havels Bank auf dem Village Green von Wingrave.
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Zufahrt zue Abbey in Aston Abbots.    © Copyright John Firth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zufahrt zur Abbey in Aston Abbots.
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The Druid’s Temple bei Ilton (North Yorkshire) – Das Stonehenge des Nordens

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Stonehenge in Wiltshire ist eine der größten Touristenattraktionen Englands und zieht jedes Jahr unzählige Menschen an. Entsprechend voll ist es dort auch und eine besondere Stimmung mag nicht so recht aufkommen. Die vielbefahrene A303 führt direkt an der prähistorischen Stätte vorbei.
Sehr viel ruhiger geht es am „Stonhenge des Nordens“ zu, dem Druid’s Temple bei Ilton in North Yorkshire, ein paar Kilometer südwestlich der Bierstadt Masham. Hier führt keine A- oder B-Straße vorbei, die Steinformationen stehen am Ende des schmalen Knowle Lanes in einem Waldgebiet. Allerdings kann der Druid’s Temple, was das Alter angeht, dem großen Bruder im Süden das Wasser absolut nicht reichen, denn die Geburtsstunde des Druidentempels schlug etwa um das Jahr 1800 herum.

Initiator der Anlage war William Danby (1752-1833), ein Schriftsteller, der im nahegelegenen Swinton Park lebte. Er schrieb Bücher mit recht eigenartigen Titeln wie „Thoughts on Various Subjects“ oder „Thoughts, Chiefly on Serious Subjects“. Danby kam auf die Idee, hier oben ein Gegenstück zu Stonehenge zu schaffen, in erster Linie um der hohen Arbeitslosigkeit, die in der Region herrschte, entgegenzutreten. Jeder Arbeiter erhielt einen Shilling pro Tag, was für damalige Verhältnisse gar nicht so schlecht war. Aber die Arbeit war hart und nicht ungefährlich, denn die herangebrachten Steine waren extrem schwer. Danby war ein Perfektionist, alles musste genauso ausgeführt werden wie er es sich vorgestellt hatte. So finden wir hier im Wald Altäre, Dolmen, Menhire und alle möglichen anderen Steingebilde.

Der Erbauer wollte für seine Tempelanlage einen Eremiten haben und suchte jemanden, der sieben Jahre lang hier mitten im Wald wohnte, mit niemandem sprach und sich einen langen Bart wachsen ließ; für die Verpflegung wollte Danby sorgen. Niemand hielt aber die sieben Jahre durch, einer soll es immerhin über vier Jahre ausgehalten haben.

Danbys Swinton Park wurde 2001 als Luxushotel eröffnet; es ist wirklich ein sehenswertes Gebäude, in dem ich leider noch nicht übernachtet habe, aber bei meinem nächsten Besuch in North Yorkshire steht es ganz oben auf meiner Liste.

Hier sind einige Bilder der Anlage zu sehen.

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Hier wohnte einst William Danby, jetzt ist es ein Luxushotel.    © Copyright Michael King and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Swinton Park: Hier wohnte einst William Danby, jetzt ist es ein Luxushotel.
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Published in: on 18. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Straßenräuber Dick Turpin und die Pubs, die sich noch heute mit seinem Namen brüsten

Dick Turpin (1705-1739) war kein sehr angenehmer Zeitgenosse. Er verbrachte einen großen Teil seines Lebens damit, andere Menschen auszurauben und zu töten. Kein Wunder, dass er bei diesem Lebenswandel  nicht älter als 34 Jahre wurde; man hängte ihn am 7. April 1739 in York auf, etwa dort, wo heute der Pferderennplatz der Stadt untergebracht ist.

Dick Turpin hätte sich damals bestimmt nicht vorstellen können, dass noch 275 Jahre nach seinem Tod zahlreiche Pubs in England sich in der einen oder anderen Weise damit „brüsten“, dass der Räuber irgendwann einmal in ihren Mauern Zuflucht gesucht oder übernachtet hatte. Ich habe gelesen, dass es um die 200 Pubs sein sollen!! Ich habe einmal einige Beispiele zusammengetragen:

The Bluebell Inn in Hempstead (Essex). Hier wurde Dick Turpin 1705 geboren; der Gasthof, der später auch The Rose & Crown hieß, wurde von Dicks Vater John Turpin geführt.

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Ye Olde Swan in Woughton-on-the-Green (Buckinghamshire). Hier soll sich Dick Turpin mehrfach vor seinen Verfolgern versteckt haben, nachdem er Kutschen überfallen hatte, die auf der alten Römerstraße Watling Street unterwegs waren. Vor dem Pub liegt noch immer der Stein von dem aus Turpin auf sein Pferd sprang,wenn er wieder einmal schnell das Weite suchen musste.

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The Cock Inn in Sibson (Leicestershire). Man sagt, dass Dick Turpin sich auch hier auf der Flucht versteckte und zwar im Kamin, und dass er sein Pferd Black Bess im Keller unterbrachte. Damit ihn die Dorfbewohner nicht verrieten, soll er sie mit Freibier versorgt haben.

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The Ferry Inn in Brough (East Riding of Yorkshire). Hier soll sich der Straßenräuber 1737 unter dem Namen John Palmer einquartiert haben. Nachdem er den Hahn des Gastwirts erschossen hatte, wurden Ermittlungen gegen „John Palmer“ aufgenommen und man bekam heraus, wer er wirklich war.

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The Dew Drop Inn bei Hurley (Berkshire). In diesem ziemlich abseits gelegenen Pub stieg Dick Turpin mehrfach ab, wie immer begleitet von seinem treuen Pferd Black Bess.

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The Holly Bush Inn in Makeney (Derbyshire). Ein weiteres „watering hole“ für Dick Turpin; in der Umgebung soll er mehrere Raubzüge unternommen haben.

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Das ist also nur eine kleine Auswahl an Dick Turpin-Pubs. Hier ist ein witziger Song über den Räuber, der sein Leben in etwas über zwei Minuten zusammenfasst und hier ein Sketch von Morecambe & Wise.

Augustus Montague Toplady, ein berühmtes Kirchenlied und ein Felsen in Somerset

Die Felsformation in Burrington Combe unter der Augustus Toplady Schutz suchte?. This work has been released into the public domain by its author.

Die Felsformation Rock of Ages in Burrington Combe wo Augustus Toplady Schutz suchte.
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Augustus Montague Toplady (was für ein Name, den sich auch P.G. Wodehouse nicht besser hätte ausdenken können), der von 1740 bis 1778 lebte, war ein Geistlicher der anglikanischen Kirche, der noch heute für seine Kirchenlieder bekannt ist, allen voran „Rock of Ages„.
Toplady war einst Vikar an der St Andrew’s Church in der Gemeinde Blagdon am Rand der Mendip Hills in Somerset. Als er einmal im Jahr 1763 durch die Fels- und Höhlenlandschaft Burrington Combe zog, wurde er von einem Unwetter überrascht, so dass er schnell einen Unterschlupf finden musste, um nicht bis auf die Knochen durchnässt zu werden. Toplady fand dann auch einen passenden Felsblock, unter den er sich stellen konnte. Während er auf das Abflauen des Sturms wartete, formierten sich in seinem Kopf einige situationsbedingte Worte wie „Stürme des Lebens“ und „Fels des Glaubens“. Daraus könnte man doch ein sehr schönes Kirchenlied machen, meinte er und da er keinen Notizzettel bei sich hatte, schrieb er kurzerhand die Worte, die ihm eingefallen waren, auf die Rückseite einer Spielkarte, die er zufällig in seinem Unterstand gefunden hatte: „Rock of Ages, cleft for me, let me hide myself in thee„. Und so begann die Entstehungsgeschichte eines der beliebtesten englischen Kirchenlieder, das auch in die deutsche Sprache übersetzt wurde („Fels der Ewigkeit, in dich möcht ich allzeit bergen mich“).

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der Ehemann Königin Victorias, liebte das Lied sehr, so dass man es an seinem Totenbett spielte.
Hier ist „Rock of Ages“ in einer Chorversion und hier in einer Version mit Amy Grant und Vince Gill zu hören.

Blagdon am Rand der Mendip Hills in Somerset mit der Kirche St Andrew's.    © Copyright Rick Crowley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blagdon am Rand der Mendip Hills in Somerset mit der Kirche St Andrew’s.
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The Changing of the Quill – Eine alte Tradition in der Londoner Kirche St Andrew Undershaft

Eingezwängt zwischen den rieisigen Glaskästen bleibt St AndreW's Undershaft kaum Platz zum Atmen.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eingezwängt zwischen riesigen Glaskästen bleibt St Andrew Undershaft kaum Platz zum Atmen.
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Die Kirche St Andrew Undershaft steht im Schatten eines der auffälligsten Gebäude der Londoner Skyline, des Gherkins. 1532 gebaut, gehört die Kirche zu den wenigen, die sowohl das große Feuer von London 1666 als auch die Bombenangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg überstanden haben.
Alle drei Jahre findet hier eine recht ungewöhnliche Zeremonie statt, The Changing of the Quill, demnächst wieder am 5. April. In einer Nische der Kirche steht ein Monument des Historikers John Stow („The Father of London History“), der durch sein 1598 erschienenes Buch „Survey of London“ berühmt wurde, das noch heute im Verlag The History Press lieferbar ist. Eigentlich war John Stow Schneider von Beruf, sein Interesse galt aber mehr der Geschichte Londons, der er sich dann auch ausführlich widmete, obwohl damit nicht viel Geld zu verdienen war. Er starb ziemlich verarmt im Jahr 1605 und wurde in der Kirche St Andrew Undershaft beigesetzt. Das Alabaster-Monument zeigt John Stow hinter einem Schreibtisch sitzend mit einer Schreibfeder (quill) in der Hand, um die es in der Zeremonie geht. Alle drei Jahre erhält Stow aus der Hand des Lord Mayors of London, bzw. seines Vertreters, eine neue Schreibfeder. Bevor die alte Feder durch die neue ersetzt wird, gibt es erst noch die Rede eines Historikers. Die Zeremonie wird organisiert von der Londoner Merchant Taylors‘ Company, ursprünglich die Gilde der Schneider, die sich heute allerdings hauptsächlich mit wohltätigen Aufgaben beschäftigt.

Der gegenwärtige Lord Mayor of London ist eine Dame, die Rechtsanwältin Fiona Woolf. Ob sie die diesjährige Zeremonie in der Kirche St Andrew Undershaft vornehmen wird oder ob sie einen Vertreter schickt, konnte ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht feststellen.

Die Kirche steht an den Straßen Leadenhall Street und St Mary Axe in der City of London, umgeben von riesigen Gebäuden wie dem demnächst fertiggestellten Leadenhall Building, Lloyd’s of London und dem eingangs erwähnten Gherkin. Hier ist ein Schwenk über die Kirche und die Hochhäuser.

John Stow mit seiner Feder inder Hand in der Kirche St Andrew's Undershaft.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

John Stow mit seiner Feder in der Hand in der Kirche St Andrew Undershaft.
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Cricket und das Midsomer County – Einige persönliche Reiseimpressionen

This work has been released into the public domain.

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Bei meinen Fahrten durch Inspector Barnabys Midsomer County, also die Grafschaften Berkshire, Buckinghamshire und Oxfordshire, bin ich immer wieder mit dem Cricketsport konfrontiert worden, nicht direkt, sondern in Form von Village Greens, auf denen Cricket gespielt wird, Pubs, deren Namen sich auf den Sport beziehen usw. Hier sind einige persönliche Eindrücke.

Das kleine Dorf Littlewick Green in Berkshire, westlich von Maidenhead, wird von dem großen Village Green beherrscht, auf dem gern Cricket gespielt wird (ich berichtete in meinem Blog darüber). Für einen Drink vor, während oder nach dem Spiel bietet sich der Pub „The Cricketers“ an, der direkt am Village Green liegt. Ein idyllisches Dorf, obwohl es dicht an der A4 liegt.

Littlewick Green und sein Dorfanger. Alles ist bereit für das nächste Cricketmatch. Eigenes Foto.

Littlewick Green und sein Dorfanger. Alles ist bereit für das nächste Cricketmatch.
Eigenes Foto.

Weiter nördlich in Warborough (Oxfordshire) liegt das größte Village Green der Grafschaft. Hier spielt der Warborough & Shillingford Cricket Club. Auch hier liegt direkt daneben ein Pub, „The Six Bells„, über den ich vor einiger Zeit berichtete. Sowohl in dem Pub als auch in den Cottages um das Green herum war DCI Barnaby häufig anzutreffen.

Das Clubhaus des Warborough und Shillingford Cricket Clubs auf dem Village Green von Warborough. Eigenes Foto.

Das Clubhaus des Warborough und Shillingford Cricket Clubs auf dem Village Green von Warborough.
Eigenes Foto.

In Stonor (Oxfordshire), nördlich von Henley-on-Thames, liegt gegenüber der Zufahrt zu Stonor Park, das Gelände des Stonor Cricket Clubs, das in Episode 25 der Inspector Barnaby-Serie „Death and Dreams“ (dt. „Trau, schau, wem“) eine Rolle spielt. Hier fehlt allerdings der direkt benachbarte Pub. Ich berichtete über Stonor in Zusammenhang mit Midsomer Murders.

Der Pavillion des Stonor Cricket Clubs. Eigenes Foto.

Der Pavillon des Stonor Cricket Clubs.
Eigenes Foto.

Am Penfold Lane in Holmer Green (Buckinghamshire) bei High Wycombe liegt der der Pub „The Bat and Ball„, dessen Name schon darauf hindeutet, dass hier ein Cricketspielfeld nicht weit entfernt liegt. Hier frönen die Mitglieder des Holmer Green Cricket Clubs ihrem Hobby.

The Bat and Ball in Holmer Green (Buckinghamshire).    © Copyright Cathy Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Bat and Ball in Holmer Green (Buckinghamshire).
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Das ist also nur ein kleiner Ausschnitt meiner Begegnungen mit dem Cricketsport (dessen Regeln ich noch immer nicht verstanden habe).

Published in: on 14. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Great Bed of Ware – Ein Riesenbett, das einst in mehreren Pubs in Ware (Hertfordshire) Reisende anlockte

Wenn es vor 450 Jahren schon CCTV-Kameras gegeben hätte und eine davon im Great Bed of Ware installiert worden wäre, was würde man da alles zu sehen bekommen? Jugendfrei wären diese Filmaufzeichnungen wohl eher nicht.

Während der Herrschaft Königin Elizabeths I baute man dieses Bett, das drei Meter breit, 2,5 Meter hoch ist und 641 Kilogramm wiegt. Die kleine Stadt Ware in Hertfordshire nördlich von London machte damals in Pilgerkreisen Werbung für das Bett, das eine mehr oder weniger behagliche Übernachtungsmöglichkeit für 12 Menschen bot. Im Gasthof „The White Hart“ in der High Street wurde es erstmals aufgestellt und es entwickelte sich allmählich zu einem Anziehungspunkt für Reisende, denn wo hatte man schon einmal die Möglichkeit in so einem enormen Bett zu schlafen? Vom „White Hart“ (heute ist hier eine Filiale der HSBC Bank zu finden) wanderte The Great Bed of Ware weiter in ein anderes Gasthaus, „The George“ (hier sind jetzt Filialen der Lloyds Bank und der Barclays Bank untergebracht), ebenfalls in der High Street. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel setzte sich fort, als das schwere Bett die High Street weiter hinunter zur „The Crown“ transportiert wurde (dort, wo heute die Ware Library steht). Als 1765 dieser Gasthof abgerissen wurde, schaffte man das Bett zur nächsten Station, „The Bull„, wo es bis 1848 verblieb; aber auch „The Bull“ riss man ab und brachte The Great Bed zum „Saracen’s Head“ in die Star Street. 1869 verkaufte es der Gastwirt an einen gewissen Henry Teale, der es als Touristenattraktion in sein Rye House in Hoddesdon (Hertfordshire) holte, dort wo 1683 die missglückte Verschwörung gegen Charles II ausgeheckt wurde. Als sich dort niemand mehr für das Bett interessierte, kam es unter den Hammer und wurde 1931 vom Londoner Victoria & Albert Museum für £4,000 erworben. Hier hat die überdimensionale Ruhestätte jetzt endgültig ihre letzte Ruhestätte gefunden… d.h. einmal ging sie noch auf Reisen, in ihre alte Heimat zurück nach Ware, wo sie ab April 2012 für ein Jahr leihweise im Ware Museum zur Schau gestellt wurde (ein Probeliegen war allerdings nicht gestattet); ein teurer Spaß, der fast £230 000 kostete, aber vom Heritage Lottery Fund bezahlt wurde.

Im 18. Jahrhundert sollen einmal 52 Menschen gleichzeitig in dem Bett geschlafen haben (nein, damals gab es noch kein Guinness Buch der Rekorde, es handelte sich um eine Wette).
Das Museum of Ware hat einen Stadtrundgang ausgearbeitet, „The Great Bed Trail„, der an allen Gebäuden vorbeiführt, die mit dem Bett zusammenhängen, und an denen jeweils Plaketten angebracht sind.

Wer sich aber „the real thing“ ansehen möchte: The Great Bed of Ware ist im Victoria & Albert Museum in Raum 57 (Level 2) zu besichtigen.

Hier ist das Bett im Film zu sehen und hier ist ein Beitrag der BBC über das einjährige Gastspiel in Ware.

Published in: on 13. März 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Englische Exzentriker – Robert „Romeo“ Coates (1772-1848): Schlechtester Schauspieler aller Zeiten?

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Robert Coates (1772-1848) stammte aus einer wohlhabenden Familie, die durch Zuckeranbau in der Karibik zu Reichtum gekommen war. Geld war für ihn also kein Thema und damit erkaufte er sich die Möglichkeit, seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung nachzugehen, dem Theaterspielen. Er hatte nie eine Schauspielschule besucht, war aber der Meinung, dass er genug Talent hatte, auch große Shakespeare-Rollen absolvieren zu können. Wenn die Theatermanager Zweifel an seinen Fähigkeiten hatten, half er mit Geld nach und das funktionierte meistens.

Am liebsten spielte Robert Coates die Rolle des Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia“, mit Erfolg, aber nicht so wie es sich die Verantwortlichen der Theater vorgestellt hatten. Sein Debut gab Coates am 9. Februar 1809 am Theatre Royal in Bath, wo seine Interpretation des jungen Veronesers Lachsalven im Publikum hervorrief, das sich köstlich über die Tragödie amüsierte. Der Höhepunkt jeder Aufführung war Romeos Todesszene im fünften Akt. Bevor er sich zum Sterben niederlegte, wischte er mit seinem Taschentuch erst einmal den Bühnenboden sauber, damit sein extravagantes Kostüm nicht beschmutzt wurde, und dann starb Romeo so hingebungsvoll, dass die Zuschauer das unbedingt noch einmal sehen wollten. Coates erfüllte den Wunsch gern und wiederholte die Szene noch einige Male. Manchmal vergaß Coates auch Textpassagen und improvisierte dann einfach und erfand neue Szenarien, sehr zum Verdruss der anderen Darsteller, denen das außerordentlich peinlich war und am liebsten im Boden versunken wären. Erspähte  Coates im Zuschauerraum ein bekanntes Gesicht, hatte er kein Problem damit, kurz seinen Text zu unterbrechen und den Bekannten zu begrüßen.

Als er im Londoner Haymarket Theater einmal den Lothario in Nicholas Rowes „The Fair Penitent“ spielte, wollten das so viele Menschen sehen, dass Tausende wieder weggeschickt werden mussten, da die Aufführung komplett ausgebucht war. Schön ist auch die Geschichte von einer „Performance“ des Schauspielers in einem Theater in Richmond (Surrey); an dem Tag war er offensichtlich in Hochform, denn einige Zuschauer erlitten so starke Lachanfälle, dass sie ärztlich behanelt werden mussten.

Auch außerhalb der Welt des Theaters führte Coates ein exzentrisches Leben. So ließ er sich in einer von zwei weißen Pferden gezogenen Kutsche durch London fahren, die die Form einer Muschel hatte. An der Kutsche war das Familienwappen angebracht, ein krähender Hahn über dem das Motto „While I Live, I’ll Crow“ stand.

Selbst Robert Coates‘ Tod war recht ungewöhnlich: Als er am 15. Februar das Londoner Theatre Royal, Drury Lane nach einer Aufführung verließ, geriet er zwischen zwei Kutschen und wurde dabei so schwer verletzt, dass er sechs Tage später starb. Der Kensal Green Cemetery im Westen Londons wurde zu seiner letzten Ruhestätte.

Das Theatre Royal in Bath; hier bekann die "Karriere" des Robert Coates als Schauspieler.    © Copyright Neil Owen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Theatre Royal in Bath; hier begann die „Karriere“ des Robert Coates als Schauspieler…
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...und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.    © Copyright Sue Adair and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.
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Published in: on 12. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Londoner „Frost Fairs“ und eine Ausstellung im Museum of London

Die Frost Fair von 1814, gemalt von Luke Clenell (1781-1840). his image is in the public domain because its copyright has expired.

Die Frost Fair von 1814, gemalt von Luke Clenell (1781-1840).
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In diesem Winter zeigte sich die Themse ihren Anwohnern gegenüber als sehr ungnädig, indem sie nach starken Regenfällen ihr Bett verließ und in der näheren Umgebung einen Milliardenschaden anrichtete. London kam glimpflich davon, dank der Sturmflutwehren Thames Barrier, die die Stadt nicht nur gegen Fluten von der Nordsee schützt, sondern auch hilft, die Wassermassen der Themse zu regulieren. Die Temperaturen in diesem Winter waren recht mild, so dass ein Zufrieren der Themse völlig ausgesschlossen war. Es ist auch schon lange her, dass ein Winter so kalt war, dass der Fluss zufror und man zu Fuß von Ufer zu Ufer gehen konnte. 1963 war das zuletzt in der Region Windsor der Fall.

Von 1408 bis 1814 gefror Old Father Thames 24 mal in London und dieses Ereignis wurde entsprechend gefeiert. „Frost Fairs“ nannte man diese Jahrmärkte, die auf der dicken Eisschicht veranstaltet wurden und bei denen viele Leute versuchten, auf die Schnelle ein paar Pfund zu verdienen, sei es durch den Verkauf von Essen und Trinken, Aufführungen von Puppentheatern oder anderweitige Aktionen. Bei der letzten „Frost Fair“ im Februar 1814 führte man sogar einen Elefanten in Höhe der Blackfriars Bridge über die Themse, wohl um die Tragfähigkeit des Eises zu demonstrieren.

Im Museum of London läuft zur Zeit eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Frozen Thames: Frost Fair 1814„, in der einige Bilder und Gegenstände von dem damaligen „Fluss-Karneval“ gezeigt werden (bis zum 30. März, der Eintritt ist frei). Dieses Video gibt einen kurzen Einblick in die Ausstellung.

Das Buch zum Artikel:
Nicholas Reed: Frost Fairs on the Frozen Thames. Lilburne Press 2002. 46 Seiten. ISBN 978-1901167092.

Published in: on 11. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschilder – Der Hark to Bounty Inn in Slaidburn (Lancashire)

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Hier ist ein Pub mit einem sehr ungewöhnlichen Namen, der in England einzigartig ist: „Hark to Bounty Inn„. Die Geschichte wie der Gasthof in Slaidburn in Lancashire zu seinem Namen kam, ist schnell erzählt. Bis zum Jahr 1875 hieß er „The Dog„, dann spielte wieder ein Hund eine Rolle bei der Namensvergebung. Als der örtliche Gutsherr mit seiner Jagdgesellschaft einmal in dem Gasthaus eine Rast einlegte, „parkte“  man die Jagdhunde vor dem Pub, die sich offensichtlich dort langweilten oder auch eine Erfrischung zu sich nehmen wollten. Es setzte ein fürchterliches Gejaule und Gebelle ein, bei dem sich der Lieblingshund des Gutsherrn, Bounty, besonders hervortat. „Hark to Bounty!“ rief der Mann, was soviel heißt wie „Hört Euch doch bloß mal an wie Bounty bellen kann!“ Der Ausruf blieb beim Gastwirt irgendwie hängen und so benannte er seinen Pub von „The Dog“ zu „Hark to Bounty Inn“ um. Das Pubschild zeigt die Situation wie Bounty am Fenster des Pubs steht und hineinschaut wie sein Herrchen gerade einen Drink zu sich nimmt.

Im ersten Stock des Gasthofs war bis in die 1930er Jahre ein Gerichtssaal untergebracht und The Old Courtroom dient heute als Saal in dem Feiern und Veranstaltungen stattfinden. Der einstige Zeugenstand ist in eine Bar umgewandelt worden.

Slaidburn liegt im Forest of Bowland, eine recht öde Moorlandschaft, die sich rühmen kann, von der Queen als einer ihrer Lieblingsplätze bezeichnet zu werden. Den Pub findet man mitten im Ort an der B6478, wo die Chapel Street in die Straße Town End übergeht.

Hark to Bounty Inn
Slaidburn
Nr. Clitheroe
Lancashire
BB7 3EP

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Der Biergarten des Hark to Bounty Inns.    © Copyright Peter Bond and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Biergarten des Hark to Bounty Inns.
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Published in: on 10. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Extravagante Engländerinnen – Adelige Landpartie zwischen Herrenhaus, Gartenidylle und Dinnerparty

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Am 21. Februar erschien wieder ein Buch auf dem deutschen Markt, das ich jedem England-Fan empfehlen kann, Luise Berg-Ehlers‚ „Extravagante Engländerinnen: Adelige Landpartie zwischen Herrenhaus, Gartenidylle und Dinnerparty„. Im Titel sind Anklänge an ihr voriges Buch „Mit Miss Marple aufs Land: Englische Krimischriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort“ zu finden, das ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe. Die Bücher der englanderfahrenen Autorin, die zur Vorbereitung immer gern vor Ort recherchiert und dort auch fotografiert, zeichnen sich durch eine Symbiose von gut lesbarem Text und sehr ansprechenden Fotos aus, die auch hier wieder, wie schon im „Miss Marple“-Band, leicht verfremdet worden sind. Der Elisabeth Sandmann Verlag hat beide Bücher sorgfältig und mit viel Liebe ediert.

Die in dem Buch vorgestellten „extravaganten Engländerinnen“ sind Damen aus den höchsten Adelskreisen (im Kapitel „Es lebe die Königin“), adelige Gärtnerinnen („England, das Land der Gärten“) und schriftstellernde Frauen der Upper Class („Literatur als weibliche Domäne“). Wir begegnen u.a. Queen Victoria, Vita Sackville-West, den Mitford-Schwestern, Edith Sitwell und Sybille Bedford. Viele dieser Damen sind nicht nur extravagant, sondern auch mehr oder weniger exzentrisch. Ein Musterbeispiel dafür ist Edith Sitwell, deren Autobiografie entsprechend „Mein exzentrisches Leben“ heißt. Schön ist die von Luise Berg-Ehlers erzählte Geschichte von Ediths Vater, dem 4. Baronet of Renishaw Hall, der die vor seinem Arbeitszimmer grasenden weißen Kühe wie Milka-Kühe bemalen ließ, „um beim Blick aus dem Fenster etwas Interessantes zu sehen“.

Die Autorin nimmt in den beiden letzten Kapiteln ihres Buches Bezug auf die TV-Serie „Downton Abbey„, wenn es einerseits  um den adeligen Zeitvertreib („We Danced All Night“) und andererseits um die „downstairs“ arbeitenden Dienerinnen der Herrschaften geht („Unter den Treppen“).

Ein Literaturverzeichnis rundet den sehr ansprechenden Band ab. Natürlich kann man auf 137 Seiten nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, aber ich glaube, dass es ein Anliegen der Autorin ist, mit ihren Büchern den Appetit anzuregen, sich mit den vorgestellten Personen eingehender zu befassen. Das ist ihr schon mit ihrem „Miss Marple“-Band gelungen und das gilt in gleicher Weise für ihre „Extravaganten Engländerinnen“. Ich bin durch die Lektüre jedenfalls dazu angeregt worden, mich näher mit der Familie Sitwell zu beschäftigen.

Luise Berg-Ehlers: Extravagante Engländerinnen – Adelige Landpartie zwischen Herrenhaus, Gartenidylle und Dinnerparty. Elisabeth Sandmann Verlag 2014. 137 Seiten. ISBN 978-3938045848. €19.95.

Published in: on 9. März 2014 at 02:00  Comments (2)  

Long Clawson (Leicestershire) – Das Käsedorf, das im Guinness Buch der Rekorde steht

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Das „Long“ im Namen des Dorfes Long Clawson in Leicestershire darf man in diesem Falle wörtlich nehmen, denn der Ort zieht sich über 1,5 Kilometer hin und die Durchgangsstraße ist ganz schön kurvig. Umgeben ist das Dorf von Ackerland und Viehweiden, auf denen sich die glücklichen Kühe wohlfühlen, die die Milch liefern für das Produkt, das den Namen Long Clawson weit über die Grenzen Leicestershires hinaus bekannt gemacht hat, den Stilton Käse (ich berichtete über diesen speziellen Käse in einem früheren Blogeintrag). Die Long Clawson Dairy ist auch der größte Arbeitgeber hier mit über 200 Angestellten, die pro Jahr rund 58 Millionen Liter Milch verarbeiten. Die Käserei wird als Kooperative geführt und kann auf eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken, denn schon im Jahr 1911 wurde sie gegründet. Für die Büroräume wählte man einen leerstehenden Pub, The Royal Oak, der noch heute das Hauptquartier der Firma ist. Dahinter stehen die Silos der Käserei.

Die Long Clawson Dairy stellt eine Vielzahl von Käsesortern her, so u.a. den Blue Shropshire und den Leicestershire Red, aber am bekanntesten ist sie sicher durch ihren Blue Stilton geworden. Bei den letztjährigen International Cheese Awards wurde der Claxstone Smooth Blue als Supreme Champion ausgezeichnet, gegen eine Konkurrenz von 4285 Mitbewerbern!

Noch mehr Auszeichnungen erhielten die Produkte der Firma aus Long Clawson bei der Vergabe der British Cheese Awards 2013. Der Blue Stilton erhielt Gold in der Kategorie „Stilton PDO“, wobei PDO für „protected designation of origin“ steht, und darüberhinaus als „Best PDO Cheese“ ausgezeichnet wurde. Ebenfalls Gold bekamen der Smooth Blue in der Kategorie „Export Blue Cheese“ und der Aged Leicestershire Red in der Kategorie „Export Territorial“.

Zur Hundertjahrfeier der Firma produzierte man einen Keil Blue Stilton, die 110,5 Kilogramm wog und aus einem 145 Kilogramm schweren Block herausgeschnitten wurde.Das reichte um in das Guinness Buch der Rekorde zu gelangen als „Largest slice of cheese„. Zwölf Wochen dauerte es, diesen „Weltrekordkäse“ herzustellen, und da man ein solches riesiges Stück nicht verkaufen konnte, wurde es unter die Angestellten der Käserei verteilt (die offensichtlich immer noch Käse essen mögen, obwohl sie den ganzen Tag damit zu tun haben). Hier ein Videofilm über den „Riesen-Stilton“

Den Blue Stilton aus Long Clawson kann man in Deutschland z.B. bei meinem Lieblings-Käseladen „Käseleckerland“ kaufen, der immer wieder von der Zeitschrift „Feinschmecker“ als einer der besten Käsehändler Deutschlands ausgezeichnet worden ist.

Long Clawson Dairy Limited
Long Clawson
Melton Mowbray
Leicestershire
England
LE14 4PJ

Die Long Clawson Dairy.    © Copyright Kate Jewell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Long Clawson Dairy.
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Sie sind "mitverantwortlich" für den tollen Käse: Die glücklcihen Kühe von Long Clawson.    © Copyright Peter Barr and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sie sind „mitverantwortlich“ für den tollen Käse: Die glücklichen Kühe von Long Clawson.
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Thomas Hardy und St Juliot in Cornwall

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St Juliot Parish Church.
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Thomas Hardy (1840 – 1928) gehört auch heute noch zu den bekanntesten Romanautoren Englands. Vielleicht liegt das auch mit daran, dass viele seiner Romane verfilmt worden sind wie „Tess of the d’Urbervilles“ unter dem Titel „Tess„, bei dem Roman Polanski Regie führte, oder „Jude“ (dt. „Herzen in Aufruhr“) von Michael Winterbottom.

Weniger bekannt ist, dass Hardy ursprünglich Architekt und Kirchenrestaurator war, der eine Zeit lang in London arbeitete, sich dort aber nicht richtig wohl fühlte und in sein geliebtes Dorset zurückkehrte.

Im Jahr 1870 erhielt er den Auftrag, die Dorfkirche in dem kleinen Ort St Juliot bei Boscastle in Cornwall zu restaurieren. Also machte er sich dorthin auf den Weg und gelangte in eine äußerst abgeschiedene Gegend, wo er sich im Pfarrhaus einquartierte, das ein gutes Stück von der Kirche entfernt liegt. Dort traf er auf die Schwägerin des Pfarrers Caddell Holder, die junge hübsche Emma Lavinia Gifford, in die er sich auf Anhieb verliebte und die er auch heiratete, allerdings erst vier Jahre später. Die Romanze verarbeitete Hardy in seinem Roman “ A Pair of Blue Eyes“ (dt. „Blaue Augen“), der 1873 erschien. Als Emma 1912 starb, kehrte Hardy noch einmal nach St Juliot zurück und schrieb einige seiner besten Gedichte, über den Ort, in dem seine große Liebe begann.

Die Kirche von St Juliot war damals in einem besorgniserregenden Zustand, der Turm fiel fast in sich zusammen, die Kirchenbänke waren verrottet und Vögel und Fledermäuse hatten sich in dem alten Gemäuer gemütlich eingerichtet. Hardy hatte also jede Menge zu tun. An ihn erinnert heute das Thomas Hardy Memorial Window in der Kirche, das die Thomas Hardy Society anfertigen ließ; auch an Emma Lavinia Hardy erinnert eine Plakette, die ihr Mann selbst entwarf.

Zur St Juliot Church kommt man nur auf schmalen einspurigen Wegen, auf denen ein Ausweichen bei Gegenverkehr schwierig werden kann, aber das Verkehrsaufkommen ist hier sehr überschaubar. The Old Rectory, wo die Romanze zwischen Thomas und Emma begann, ist heute ein Bed & Breakfast (hier ein Video), in dem man z.B. in „Emma’s Room“ oder „Mr. Hardy’s Room“ (hier wohnte damals der Schriftsteller und beschäftigte sich mit den Kirchenplänen) die Nacht verbringen kann.  Die Besitzer des B&B legen sehr viel Wert auf Umweltschutz und bringen zum Frühstück und Abendessen so weit es geht nur lokale Produkte auf den Tisch. Die Übernachtungspreise liegen je nach Saison  zwischen £75 und £110.

Wer das Buch „A Pair of Blue Eyes“ gelesen hat (es steht hier online im Volltext zur Verfügung) wird vieles in St Juliot und Umgebung wiedererkennen.

Hier in der St Juliot Church wirkte 1879 Thomas Hardy.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der St Juliot Church wirkte 1870 THomas Hardy.
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Songs About London – Die britische Hauptstadt und der Regen

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Was fällt vielen Deutschen spontan zu den Begriffen „London“ und „Wetter“ ein? Sicher werden die meisten „Regen“ und „Nebel“ antworten, denn immer noch spuken in vielen Köpfen die frühen (deutschen) Edgar Wallace-Filme wie z.B.  „Der Frosch mit der Maske“ herum, in dem Eva Pflug das Lied „Nachts im Nebel an der Themse“ sang. Nebel und Regen waren wichtige Zutaten in diesen Kriminalfilmen und prägten die Vorstellungen, die man in Deutschland vom englischen/Londoner Wetter hatte. Im letzten Winterhalbjahr spielte der Regen allerdings eine unrühmliche Rolle im englischen Wettergeschehen!

Vergleicht man einmal die Niederschlagsmengen Londons mit denen anderer Weltstädte, dann schneidet die britische Metropole gar nicht so schlecht ab. Zürich, Amsterdam und Mailand sind beispielsweise deutlich nasser als London, ganz zu schweigen von US-amerikanischen Städten. Miami in Florida hat die doppelte Niederschlagsmenge, New Orleans in Louisiana sogar noch mehr.

Über London im Regen und im Nebel sind viele Songs geschrieben worden, über „Miami in the rain“ nicht.

Hier ist eine kleine Auswahl an Songs, die sich dem Thema „Schlechtes Wetter in London“ annehmen:

Paris: Rainy Day in London. Merkwürdigerweise scheint in dem Musikvideo ständig die Sonne.

Puressence: London in the Rain. Puressence stammt aus dem Raum Manchester; vielleicht wollten die vier Bandmitglieder London in nicht so gutem Licht erscheinen lassen…

Heather Nova: London Rain. „Nothing falls like London Rain“ singt Heather Nova von den Bermudas, die lange in London gelebt hat. Ihr Musikvideo zeigt keine nassen Straßen der Hauptstadt, sondern karibisches Flair.

Michael Bublé: A Foggy Day in London Town. Der alte Gershwin-Klassiker in der Version des kanadischen Jazzsängers.

Blossom Dearie: I Like London in the Rain. Die 2009 gestorbene Amerikanerin zeigt in ihrem Song, dass London auch im Regen seinen Reiz hat („Wet umbrellas in the rain there’ll be couples arm in arm London drizzle has its charm“).

The Pogues: A Rainy Night in Soho. The Pogues sind eine Band, die sich in London formierte und die müssen sich mit dem Wetter in ihrer Stadt ja bestens auskennen.

Published in: on 6. März 2014 at 02:00  Comments (1)  

The Percy Tenantry Column in Alnwick (Northumberland) – Die Percys und ihre Löwen

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Hoch oben im Norden Englands, in der Grafschaft Northumberland, befindet sich eine riesige Schlossanlage, die nur noch vom Windsor Castle übertroffen wird: Alnwick Castle, Stammsitz der Familie Percy, der Dukes of Northumberland (ich berichtete in meinem Blog darüber). Nachdem dort mehrere Harry Potter-Filme gedreht worden sind, hat sich die Zahl der Besucher des Schlosses drastisch erhöht. Alnwick liegt an der A1, die von Newcastle nach Schottland führt.

Auf einem Hügel in der Stadt, der von der B1340 und der B6346 umfahren wird, finden wir eine große Säule auf der ein Löwe in luftiger Höhe von 26 Metern aus beobachtet, was sich da alles unter ihm abspielt. Es handelt sich dabei um den „Percy Lion„, Symbol der Dukes of Northumberland. Diese Säule wurde 1816 von den Pächtern des zweiten Duke of Northumberland errichtet, in Dankbarkeit dafür, dass er ihre Pacht reduziert hatte. Nachdem der Krieg mit Frankreich beendet war, kamen viele der Bauern in finanzielle Schwierigkeiten, daher die großzügige Geste des Dukes. Die Pächter sammelten also und beauftragten einen gewissen Charles Harper mit dem Entwurf der Säule, die dann auch auf diesem prominenten Platz in Alnwick errichtet wurde. Auf den Fuß gravierte man folgende Worte ein:

To Hugh, Duke of Northumberland, K.G. This column is erected, dedicated and inscribed by a grateful and united tenantry. Anno Domini MDCCCXVI

Toll, sagte sich Hugh Percy, wenn meine Pächter es sich leisten können, so viel Geld für eine Säule auszugeben, dann können sie auch wieder eine höhere Pacht zahlen, und so erhöhte er diese umgehend, woraufhin viele der spendierfreudigen Pächter in den Ruin getrieben wurden. Die Folge: Die Kosten für die Percy Tenantry Column (auch Farmers‘ Folly genannt) konnten nicht mehr vollständig aufgebracht werden, so dass der Duke in seine Privatschatulle greifen musste, um die Differenz zu bezahlen. Das wird ihn aber finanziell nicht allzu schwer getroffen haben, denn die Percys gehörten schon damals nicht gerade zum verarmten Landadel.

Der Percy-Löwe auf dem Hügel hat noch einen Bruder, der die Lions Bridge bewacht, die über den River Aln führt. Dieses arme Tier hat schon einige böse Erlebnisse hinter sich, die dem anderen Percy-Löwen nicht hätten passieren können. In den 1980er Jahren krachte ein Lastwagen gegen die Brücke, woraufhin der arme Kerl in den Fluss stürzte. Man rettete ihn aus den Fluten und stellte ihn wieder auf seinen ursprünglichen Platz zurück. Dann musste der Löwe eine zweiten Schicksalsschlag hinnehmen, als sich ein vorwitziger Junge auf den steil nach hinten gerichteten Schwanz setzte. Der Schwanz brach ab und beide (Schwanz und Junge) fielen in den Fluss. Ja, man hat es nicht leicht als Brückenlöwe in Alnwick in Northumberland.

Das Buch zum Artikel:
Richard A. Lomas: A Power in the Land: The Percys. Tuckwell Press 1999. 272 Seiten. ISBN 978-1862320673.

Der Pery Lion auf der Lion Bridge.    © Copyright Lynne Kirton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Percy Lion auf der Lion Bridge (im Hintergrund Alnwick Castle).
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Withyham (East Sussex): Vita Sackville-West und The Dorset Arms

St Michael and All Angels in Withyham. Eigenes Foto.

St Michael and All Angels in Withyham.
Eigenes Foto.

Als ich einmal an einem Sonntag von meinem Hotel, dem Ashdown Park Hotel im Ashdown Forest auf der B2110 nach Tunbridge Wells fuhr, kam ich ein paar Kilometer hinter Hartfield durch das winzige Dorf Withyham in East Sussex. Hier gibt es nur die Kirche St Michael and All Angels, den Dorfgasthof The Dorset Arms und einige wenige Wohnhäuser. Im nahegelegenen Buckhurst Park lebt seit vielen Jahrhunderten die Familie Sackville, deren Stammhalter zurzeit William Herbrand Sackville, der 11. Earl De La Warr ist. Auch Vita Sackville-West gehörte dieser Familie an; sie wurde vor allem dadurch bekannt, dass sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann Harold Nicolson, Sissinghurst Castle und die dazugehörenden Gärten so kunstvoll gestaltete, dass ein Besuch dort für die meisten Südenglandbesucher ein absolutes Muss darstellt. Die Gartenliebhaberin und Schriftstellerin starb am 2. Juni 1962 auf ihrem geliebten Landsitz und ihre Asche wurde hier in Withyham in St Michael and All Angels in der Familiengruft der Sackvilles in einem Tintenfass beigesetzt. Dort finden wir auf  einer Plakette die Inschrift:

In memory of V. Sackville-West C.H., poet, whose ashes lie below this chapel. Only child of Lionel, third Baron Sackville & Lady Sackville. Born at Knole 9 March 1892 died at Sissinghurst 2 June 1962

Einer von Vitas Vorfahren, Reginald Sackville-West, war von 1841 bis 1865 Pfarrer an der Kirche. Von ihm ist noch ein Wandgemälde vom Jüngsten Gericht erhalten geblieben. Im Dezember 2012 wurden im Londoner Auktionshaus Sotheby’s vier italienische Bilder aus dem 14. Jahrhundert, die St Michael and All Angels gehörten, für £950,000 versteigert; das Geld benötigte man dringend für Reparaturarbeiten (hier ein Video). Die Kirche ist leider, wie so viele andere Kirchen in England auch, nicht immer geöffnet, so dass man sich vorher in der Rectory anmelden sollte (Tel. 01892 770976).

Der neben der Kirche gelegene Gasthof The Dorset Arms war an diesem Sonntagmittag sehr gut besucht, der Parkplatz war komplett belegt (obwohl man auf der Homepage von „One of Sussex’s best kept secrets“ spricht!). Auch hier besteht wieder ein Zusammenhang mit der Sackville-Familie, denn 1604 wurde Thomas Sackville zum Earl of Dorset ernannt. Die Nähe zum Buckhurst Estate der Sackvilles ist auch auf der Speisekarte des Pubs zu spüren, denn da gibt es z.B. Buckhurst Steak, Buckhurst Venison und Buckhurst Sausages.
Im vergangenen Jahr verkaufte die Harveys Brewery in Lewes den Gasthof an den Earl de la Warr.

The Dorset Arms
Buckhurst Park
Withyham
Hartfield TN7 4BD
Tel. 01892 770278

Das Sackville Monument. Eigenes Foto.

Das Sackville Monument.
Eigenes Foto.

Die Vita Sackville-West Plakette an der Kirchenwand. Eigenes Foto.

Die Vita Sackville-West Plakette an der Kirchenwand.
Eigenes Foto.

The Dorset Arms, wo wir ein Prawn Sandwich und ein Pint zu uns nahmen. Eigenes Foto.

The Dorset Arms, wo wir ein Prawn Sandwich und ein Pint zu uns nahmen.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 4. März 2014 at 02:00  Comments (2)  
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St Mary’s in Kingsclere (Hampshire), eine Bettwanze und ein „Shoot-Out“ im Zweiten Weltkrieg

Die vergoldete Wanze auf dem Turm von St Mary's in Kingsclere (Hampshire).    © Copyright Shazz and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die vergoldete Wanze auf dem Turm von St Mary’s in Kingsclere (Hampshire).
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Kingsclere in der südenglischen Grafschaft Hampshire ist nur wenige Kilometer vom „Downton Abbey“-Drehort Highclere Castle entfernt. Mitten im Ort steht die Kirche St Mary’s, ein normannisches Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert, das als Besonderheit eine vergoldete Bettwanze als Wetterfahne auf dem Dach hat. Hier ist die Geschichte/Legende:

King John Lackland (1166-1216) befand sich wieder einmal auf der Jagd, die auch durch die Wälder Hampshires führte. Als sich eines Tages ein undurchdringlicher Nebel über die Landschaft legte und ein weiteres Jagen unmöglich machte, entschied sich der König im nächstgelegenen Ort Kingsclere zu übernachten. In einem Gasthof verbrachte King John eine sehr unruhige Nacht, denn er war nicht allein in seinem Bett; er musste es mit einigen Bettwanzen teilen, die nicht davor zurückschreckten, den Herrscher Englands zu beißen. Am nächsten Morgen war der König „not amused“ über den nächtlichen Vorfall und ordnete an, dass die Nachbildung einer Wanze als Warnung für andere Reisende auf dem Turm der Kirche St Mary’s angebracht werden sollte. Was man dann auch tat. Das heute anzutreffende Exemplar stammt aus dem Jahr 1751, ist vergoldet und hat an Stelle der Füße jeweils ein kleines Kreuz. Damit die Wanze nicht so tatenlos auf dem Kirchturm steht, hat man sie gleich als Wetterfahne umfunktioniert, so dass sie auch noch eine sinnvolle Aufgabe erfüllt und die Windrichtung anzeigt.

In welchem Pub verbrachte denn King John seine unruhige Nacht? Im Swan? Nein, sagt die Kingsclere Historical Association, der wurde erst im 15. Jahrhundert gebaut. In der Crown gegenüber von St Mary’s wie einige behaupten? Dieser Gasthof wurde auch erst später gebaut. Wir werden es wohl nie erfahren (wenn die Geschichte überhaupt stimmt).

Apropos The Crown: Hier spielte sich am 5. Oktober 1944 eine Tragödie ab, bei der drei Menschen ums Leben kamen, zwei schwarze Soldaten der US-Militärpolizei und die Wirtin Rose Napper. Die beiden MPs fanden zehn Soldaten in Kingsclere, die in den örtlichen Pubs „einen drauf machten“. Sie schickten sie zu ihrer Einheit zurück. Die zehn (angetrunkenen?) Soldaten besorgten sich Waffen, kehrten nach Kingsclere zurück, wo sie die MPs in der Crown vorfanden und das Feuer auf sie eröffneten. Die Militärpolizisten überlebten den Angriff nicht, die Wirtin wurde von einem Querschläger getroffen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus von Newbury. General Eisenhower versuchte die Tragödie zu vertuschen und schickte seinen Stellvertreter nach Kingsclere, der sich persönlich bei der Bevölkerung für den Zwischenfall entschuldigte.

Hier ist ein Film über das Kingsclere Masssacre.

St Mary's in Kingsclere.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Kingsclere.
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The Crown, gegenüber der Kirche.    © Copyright Sebastian Ballard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown, gegenüber der Kirche.
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Published in: on 3. März 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Chicken tikka masala – Großbritanniens Lieblingsspeise

Unser selbst hergestelltes Chicken tikka masala. Eigenes Foto.

Unser selbst hergestelltes Chicken tikka masala.
Eigenes Foto.

Meine erste Begegnung mit der indischen Küche in England liegt viele Jahre zurück. In Warwick betrat ich erstmals ein indisches Restaurant, irgendwo in der Nähe der Rennbahn, dessen Namen ich vergessen habe. Dann folgte der Besuch eines Tandoori-Restaurants in Thatcham in Berkshire, ich erinnere mich an ein extrem scharfes Lamm-Vindaloo in Margate (Kent) und an mehrere indische Restaurants in Plymouth (Devon) und York. Zuletzt war ich in dem „Edel-Inder“ Mumbai Lounge im Fossgate in York, der sich prominenter Besucher rühmt wie Dame Judy Dench, Billy Connolly, Ewan McGregor, Steve Martin und Robin Williams.

Fast alle diese indischen Restaurants haben auf ihren Menukarten ein Gericht stehen, das die Engländer über alles lieben und das als das Nationalgericht Nummer Eins gilt: Chicken tikka masala. Eins von sieben bestellten Curries in englischen Restaurants ist dieses Chicken tikka masala.

Chicken tikka bedeutet, dass das Hühnchenfleisch in kleine mundgerechte Stücke geschnitten ist; masala ist die dazugehörige Spezialsauce, die aus einem Gewürzgemisch besteht. Man kann sie in gut sortierten deutschen Supermärkten und natürlich in Asia-Märkten kaufen. In den Restaurants wird das Gericht in einem Tandurofen gebacken, der in den Haushalten natürlich kaum vorhanden sein dürfte, aber trotzdem kann man CTM auch zuhause herstellen. Ich bat meine Frau vor einigen Tagen, das einmal zu versuchen, und wir waren beide mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Nach einer Umfrage von Food Network UK soll Chicken tikka masala in der Beliebtheitsskala auf den zweiten Platz gefallen und von Chinese stir-fry, also einem Wokgericht, überholt worden sein. Wie auch immer, das einst vom dem ehemaligen  Außenminister Robin Cook zum Nationalgericht ausgerufene Chicken tikka masala erfreut sich nach wie vor sehr großer Beliebtheit.

In diesem Video wird die Zubereitung von CTM gezeigt.

Die benötigte Currypaste ist z.B. in Asialäden erhältlch. Eigenes Foto.

Die benötigte Currypaste ist z.B. in Asialäden erhältlich.
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Published in: on 2. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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