Englische Exzentriker – Robert „Romeo“ Coates (1772-1848): Schlechtester Schauspieler aller Zeiten?

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Robert Coates (1772-1848) stammte aus einer wohlhabenden Familie, die durch Zuckeranbau in der Karibik zu Reichtum gekommen war. Geld war für ihn also kein Thema und damit erkaufte er sich die Möglichkeit, seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung nachzugehen, dem Theaterspielen. Er hatte nie eine Schauspielschule besucht, war aber der Meinung, dass er genug Talent hatte, auch große Shakespeare-Rollen absolvieren zu können. Wenn die Theatermanager Zweifel an seinen Fähigkeiten hatten, half er mit Geld nach und das funktionierte meistens.

Am liebsten spielte Robert Coates die Rolle des Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia“, mit Erfolg, aber nicht so wie es sich die Verantwortlichen der Theater vorgestellt hatten. Sein Debut gab Coates am 9. Februar 1809 am Theatre Royal in Bath, wo seine Interpretation des jungen Veronesers Lachsalven im Publikum hervorrief, das sich köstlich über die Tragödie amüsierte. Der Höhepunkt jeder Aufführung war Romeos Todesszene im fünften Akt. Bevor er sich zum Sterben niederlegte, wischte er mit seinem Taschentuch erst einmal den Bühnenboden sauber, damit sein extravagantes Kostüm nicht beschmutzt wurde, und dann starb Romeo so hingebungsvoll, dass die Zuschauer das unbedingt noch einmal sehen wollten. Coates erfüllte den Wunsch gern und wiederholte die Szene noch einige Male. Manchmal vergaß Coates auch Textpassagen und improvisierte dann einfach und erfand neue Szenarien, sehr zum Verdruss der anderen Darsteller, denen das außerordentlich peinlich war und am liebsten im Boden versunken wären. Erspähte  Coates im Zuschauerraum ein bekanntes Gesicht, hatte er kein Problem damit, kurz seinen Text zu unterbrechen und den Bekannten zu begrüßen.

Als er im Londoner Haymarket Theater einmal den Lothario in Nicholas Rowes „The Fair Penitent“ spielte, wollten das so viele Menschen sehen, dass Tausende wieder weggeschickt werden mussten, da die Aufführung komplett ausgebucht war. Schön ist auch die Geschichte von einer „Performance“ des Schauspielers in einem Theater in Richmond (Surrey); an dem Tag war er offensichtlich in Hochform, denn einige Zuschauer erlitten so starke Lachanfälle, dass sie ärztlich behanelt werden mussten.

Auch außerhalb der Welt des Theaters führte Coates ein exzentrisches Leben. So ließ er sich in einer von zwei weißen Pferden gezogenen Kutsche durch London fahren, die die Form einer Muschel hatte. An der Kutsche war das Familienwappen angebracht, ein krähender Hahn über dem das Motto „While I Live, I’ll Crow“ stand.

Selbst Robert Coates‘ Tod war recht ungewöhnlich: Als er am 15. Februar das Londoner Theatre Royal, Drury Lane nach einer Aufführung verließ, geriet er zwischen zwei Kutschen und wurde dabei so schwer verletzt, dass er sechs Tage später starb. Der Kensal Green Cemetery im Westen Londons wurde zu seiner letzten Ruhestätte.

Das Theatre Royal in Bath; hier bekann die "Karriere" des Robert Coates als Schauspieler.    © Copyright Neil Owen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Theatre Royal in Bath; hier begann die „Karriere“ des Robert Coates als Schauspieler…
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...und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.    © Copyright Sue Adair and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier endete sie, vor dem Theatre Royal, Drury Lane in London.
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Published in: on 12. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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