The Great Bed of Ware – Ein Riesenbett, das einst in mehreren Pubs in Ware (Hertfordshire) Reisende anlockte

Wenn es vor 450 Jahren schon CCTV-Kameras gegeben hätte und eine davon im Great Bed of Ware installiert worden wäre, was würde man da alles zu sehen bekommen? Jugendfrei wären diese Filmaufzeichnungen wohl eher nicht.

Während der Herrschaft Königin Elizabeths I baute man dieses Bett, das drei Meter breit, 2,5 Meter hoch ist und 641 Kilogramm wiegt. Die kleine Stadt Ware in Hertfordshire nördlich von London machte damals in Pilgerkreisen Werbung für das Bett, das eine mehr oder weniger behagliche Übernachtungsmöglichkeit für 12 Menschen bot. Im Gasthof „The White Hart“ in der High Street wurde es erstmals aufgestellt und es entwickelte sich allmählich zu einem Anziehungspunkt für Reisende, denn wo hatte man schon einmal die Möglichkeit in so einem enormen Bett zu schlafen? Vom „White Hart“ (heute ist hier eine Filiale der HSBC Bank zu finden) wanderte The Great Bed of Ware weiter in ein anderes Gasthaus, „The George“ (hier sind jetzt Filialen der Lloyds Bank und der Barclays Bank untergebracht), ebenfalls in der High Street. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel setzte sich fort, als das schwere Bett die High Street weiter hinunter zur „The Crown“ transportiert wurde (dort, wo heute die Ware Library steht). Als 1765 dieser Gasthof abgerissen wurde, schaffte man das Bett zur nächsten Station, „The Bull„, wo es bis 1848 verblieb; aber auch „The Bull“ riss man ab und brachte The Great Bed zum „Saracen’s Head“ in die Star Street. 1869 verkaufte es der Gastwirt an einen gewissen Henry Teale, der es als Touristenattraktion in sein Rye House in Hoddesdon (Hertfordshire) holte, dort wo 1683 die missglückte Verschwörung gegen Charles II ausgeheckt wurde. Als sich dort niemand mehr für das Bett interessierte, kam es unter den Hammer und wurde 1931 vom Londoner Victoria & Albert Museum für £4,000 erworben. Hier hat die überdimensionale Ruhestätte jetzt endgültig ihre letzte Ruhestätte gefunden… d.h. einmal ging sie noch auf Reisen, in ihre alte Heimat zurück nach Ware, wo sie ab April 2012 für ein Jahr leihweise im Ware Museum zur Schau gestellt wurde (ein Probeliegen war allerdings nicht gestattet); ein teurer Spaß, der fast £230 000 kostete, aber vom Heritage Lottery Fund bezahlt wurde.

Im 18. Jahrhundert sollen einmal 52 Menschen gleichzeitig in dem Bett geschlafen haben (nein, damals gab es noch kein Guinness Buch der Rekorde, es handelte sich um eine Wette).
Das Museum of Ware hat einen Stadtrundgang ausgearbeitet, „The Great Bed Trail„, der an allen Gebäuden vorbeiführt, die mit dem Bett zusammenhängen, und an denen jeweils Plaketten angebracht sind.

Wer sich aber „the real thing“ ansehen möchte: The Great Bed of Ware ist im Victoria & Albert Museum in Raum 57 (Level 2) zu besichtigen.

Hier ist das Bett im Film zu sehen und hier ist ein Beitrag der BBC über das einjährige Gastspiel in Ware.

Published in: on 13. März 2014 at 02:00  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich hatte das Bett schon einmal im V&A gesehen, aber man durfte natürlich nicht nah genug heran, um die Details des headboards, die Schnitzereien und die wax seals zu sehen. Der kleine Film war sehr interessant. Und da dachte ich immer McDonalds hätte den Slogan ‚Supersize Me‘ erfunden!

    • Vielleicht soll man ja auch die möglicherweise obszönen Einritzungen im Bett nicht sehen…

  2. […] von London. Zu den Attraktionen der Stadt zählt neben dem Great Bed of Ware (ich berichtete in meinem Blog darüber) auch noch Scott’s Grotto, angeblich die größte ihrer Art in Großbritannien. Über […]


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