Englische Exzentriker – Countess Emma Edgcumbe und das glückliche Schwein Cupid

The Countess of Edgcumbe.  National Portrait Gallery. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

The Countess of Edgcumbe (probably by James Gillray).
Copyright: National Portrait Gallery.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

Schweine führen meist ein trauriges Leben; fast alle landen sie als Schnitzel oder als Wurst auf den Tellern der Menschen, die das Fleisch der Sus scrofa domestica, wie die Paarhufer auf Lateinisch heißen, mitleidlos verzehren.
Doch gibt es auch hin und wieder Vertreter ihrer Artgenossen, die sehr wohl auf ein glückliches Leben zurückschauen können, auf ein Leben, das von Liebe und Luxus geprägt war. Cupid war eines dieser „Glücksschweine“, das Emma Gilbert, der Tochter des Erzbischofs von York gehörte, die im 17. Jahrhundert mit George Edgcumbe, dem ersten Earl of Mount Edgcumbe verheiratet war. Die Countess und ihr Schwein wohnten in Cornwall auf der Rame Halbinsel im Mount Edgcumbe House, das Freunden der Rosamunde Pilcher-Filme sicher bekannt sein dürfte, denn das ZDF war hier mehrfach zu Gast.

Die Dame des Hauses und ihr Schwein Cupid waren unzertrennlich; beide nahmen ihre Mahlzeiten gemeinsam am Tisch ein, Cupid folgte seiner Herrin auf Schritt und Tritt durch das weitläufige Haus und wurde sogar auf Reisen nach London mitgenommen. Was Emmas Ehemann, der Earl, von der ganzen Sache hielt, konnte ich leider nicht ermitteln. Vielleicht war ja Cupid so etwas wie ein Ersatz für ihn, denn der Earl war ein vielbeschäftigter Mann… aber das ist reine Spekulation.

Die Trauer war groß bei der Countess, als Cupid 1768 das Zeitliche segnete; ein „neues“ Schwein legte sie sich nicht zu, aber sie wollte ihrem treuen Gefährten denn doch ein würdiges Andenken bewahren, indem sie ihm auf dem Anwesen von Mount Edgcumbe einen 17 Meter hohen Obelisken errichtete, unter dem Cupid wie es hieß in einem goldenen Sarg ruhte. Sogar König George III und Queen Charlotte sollen dem pompösen Grab einen Besuch abgestattet haben!

Ein Dichter schrieb die tröstenden Zeilen:
Oh dry those tears so round and big
Nor waste in sight your precious wind
Death only takes a little pig
Your Lord and Son are still behind.

Als man den Obelisken später an die heutige Stelle versetzte, fand man allerdings keinen goldenen Sarg. War das alles nur erfunden? Ruhten Cupids Gebeine ganz woanders? Ein Rätsel, das man wohl nicht mehr lösen wird. Das Monument findet man auf einem Hügel hinter dem Gasthof Edgcumbe Arms in dem kleinen Dorf Cremyll. Von hier aus hat meinen einen tollen Blick auf die gegenüberliegende Stadt Plymouth.
Das Mount Edgcumbe House und die Gärten sind meist in der Zeit von April bis September zur Besichtigung freigegeben; dieser Film gibt einen ersten Eindruck. Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall!

Mount Edgcumbe House.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mount Edgcumbe House.
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Published in: on 20. März 2014 at 02:00  Comments (2)