Sluggard Wakers und Dog Whippers – Sie sorgten einst dafür, dass die Kirchengemeinde während der Predigt wach blieb und keine Hunde den Gottesdienst störten

All Saints in Trysull (Staffordshire).    © Copyright Geoff Pick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Trysull (Staffordshire).
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Es gab Zeiten, vor allem im 18. Jahrhundert, da dauerten die Sonntagspredigten seeeeeeehr lange, so lange, dass einige Gemeindemitglieder in Tiefschlaf verfielen und der eine oder andere so laut schnarchte, dass er die Worte des Predigers übertönte. Irgendwie fanden die Kirchenverantwortlichen das wohl nicht so gut und sie ernannten daraufhin einen sogenannten „sluggard waker“, einen Mann, der während des Gottesdienstes darauf zu achten hatte, dass alle Anwesenden schön wach blieben und dem Pastor lauschten. Der „Wachmann“ ging durch die Reihen und hatte meist einen Stock dabei, mit  dessen Hilfe er die Schlafenden mehr oder weniger rüde aufweckte. In der Kirche All Saints in Trysull (Staffordshire) hatte er eine Stange, an deren einem Ende ein Fuchsschwanz befestigt war, am anderen Ende ein harter Knauf. Der weiche Fuchsschwanz war für die eingenickten weiblichen, der harte Knauf für die schlafenden männlichen Gemeindemitglieder vorgesehen.

Der „sluggard waker“ in der St Peter’s Church in Dunchurch (Warwickshire) hatte einen Stab, an dessen Ende eine Gabel angebracht war, mit dem er auf die Pirsch ging. In Claverley in Shropshire erhielt die Kirche All Saints Geld von einem Spender, mit dem ein Mann bezahlt werden sollte, der sonntags für wache Anwesende sorgte und darüber hinaus darauf achtete, dass keine Hunde mit ins Gotteshaus gebracht wurden. Auch in der St Peter’s Church in … Peterchurch (Herefordshire) gab es einen solchen „Hundebeauftragten“; offenbar war es damals im ländlichen Bereich nicht selten, dass man seine Hunde zum Gottesdienst mitnahm. Meist lagen die Tiere brav zu Füßen ihrer Herrchen und Frauchen und schliefen (ebenfalls). In manchen Kirchen hatten die Hunde des Lords of the Manor sogar eigene Plätze, doch der „Normalhund“ wurde meistens vom dog-whipper bzw. sluggard waker mit einer Peitsche aus den heiligen Hallen getrieben.

Robert Stephen Hawker, der Vikar von St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow in Cornwall sah das allerdings ganz anders, er hatte ein Herz für Hunde. Als einmal Achille, ein großer schwarzer Labrador während der Predigt in die Kirche gestromert kam und man ihn hinauskomplimentieren wollte, unterbrach der Vikar seine Rede und stoppte die Aktion mit den Worten: „Let him be, there were dogs in the ark“². Recht hatte er!!

Rowan Atkinson, alias Mr. Bean, hätte in seinem Sketch „It started with a sneeze“ gut einen sluggard waker brauchen können.

² Piers Brendon: Hawker of Morwenstow. London: Cape 1975. S.143

St Peter's in Dunchurch (Warwickshire).    © Copyright David Purchase and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s in Dunchurch (Warwickshire).
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St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow (Cornwall) - Einst ein Paradies für Hunde.    © Copyright Shaun Ferguson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Morwenna and John the Baptist in Morwenstow (Cornwall) – Einst ein Paradies für gläubige Hunde.
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Published in: on 22. März 2014 at 02:00  Kommentar verfassen